Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Her mit den leicht bekleideten Romanen

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Sie schaut her, und ich schau hin – Schwupps! – Heidi, nun bin ich drin!
Demetrius Schrutz

Ich bin – eigentlich – der ideale Kunde für Verlage. Und wenn mein wohlgesonnenes Auge auf dem stetig wachsenden Bücherstapel am Sofa ruht, verzeichnen mich die deutschen Verlage sicher auf der Seite der wirklich guten Kunden. Immer noch. Der Buchmarkt lebt, ähnlich wie Konzertveranstalter, von Menschen wie mir. Von einem kleinen Teil der Bevölkerung, der Zeit und Geld hat und wirklich gern liest. Von denen, die wirklich noch in kleine Buchgeschäfte gehen. Wenn ich in Bad Tölz bin, zum Beispiel, gibt es eine hübsche kleine Buchhandlung. Da gehe ich praktisch immer hinein und kaufe ein Buch. Da gibt es, wie in der dummen, kleinen Stadt an der Donau oder in Wasserburg, einen Buchhändler, der selbst liest und mir zutreffend sagen kann, was mir gefallen könnte.

Manchmal lese ich auch den Waschzettel und sage mir: Das probieren wir mal. Das sind dann meistens die Rohrkrepierer, bei denen ich nach 50 Seiten den Eindruck habe, man müsste mir die Innenwände meines Gehirns mit Kernseife ausschrubben. Natürlich mag man das unter denen, die nicht nur aus Freude lesen, anders sehen, aber einmal lieh sich meine Mutter am Tegernsee ein Werk eines eher akademischen, deutschen Nachwuchsautors aus und rief mich an, nur um mir mitzuteilen, dass das Buch ganz schrecklich sei und sie nicht gedenke, da auch nur einen einzigen weiteren Absatz zu lesen. Manchmal kaufe ich Bücher, weil ich mir sage: Es mag sein, dass es mir beim ersten Anschein nicht gefällt, aber man muss alles mal probiert haben. Dadurch kam ein in den Medien Vielgerühmter mit beachtlicher Preissiegerliste in meiner Wohnung, und ich fand ihn selbst ganz schrecklich. Früher empfand ich es als persönliche Niederlage, ein Buch nicht auszulesen, Inzwischen bin da radikal: Es gibt keinen Grund, sich von so einer Person nach einer gewissen, ernsthaften Abmühung am Text auch nur eine weitere Minute Lebenszeit vergällen zu lassen. Ich lasse mich schließlich auch nicht zwingen, Leberkäse zu essen. Im Sommer darauf griff meine Mutter ins Regal und lieh sich ein Buch von Deborah Levy aus, weil sie dachte, es könnte spannend sein. Das habe ich mir damals rein äußerlich auch gedacht, sicher irgendeine französische Poolgeschichte, und wir beide fanden es dann belastend. Da bin ich auf Cover und Waschzettel hereingefallen.

Wenn man eine weitere Wohnung bezieht, wächst eine Bibliothek der dort gekauften Bücher, und daher habe ich etwas Überblick über meine immer noch häufigen, aber seit Studentenzeiten klar abnehmenden Erwerbungen. Zwei von drei Büchern sind Monographien und Ausstellungskataloge über Kunst, denn ich gehe in kein Museum, ohne mir nicht mindestens ein Buch zu kaufen. Das ist geblieben, wie es schon immer war. Bei Belletristik könnte ich nun geschickt ablenken und Ihnen die bibliophile Ausgabe der Prínzessin Brambilla dem Verlag Artur Wolf, Wien, zeigen, und erzählen, wie ich dieses Buch im Privateinband mit Kennerblick aus einer roten Plastikkiste auf dem Flohmarkt zog. Ich könnte versonnen im weimarschen Musenhof von Wilhelm Bode blättern und sie darauf hinweisen, schauen Sie mal, dass das Buch noch 1919, ein Jahr nach der Revolution, von Mittler&Sohn, königliche (!) Hofbuchhandlung verlegt wurde, und gemütlich in eine Debatte über monarchistische Kultur in der Weimarer Republik abrutschen. Seit 1901 hatte dieses Werk damals bereits 17.000 Exemplare verkauft, und es liest sich erfrischend. Und es ist als Buch nach 100 Jahren mit seinem Dünndruckpapier der allerschlechtesten Zeit immer noch in einem famosen Zustand.

Ich lese also auch “alte Schinken”, die andere achtlos dem Wohnungsausräumern überlassen. Ich habe meine Vorlieben und gebe für eine gute Gestaltung der Bücher auch gern mehr Geld aus. Ich komme aus einem lichten Tale und singe ein Lied, das lautet “Kommet zu mir, Verleger, bringt mir Eure Güter, die jungen, heissen Feger, die delektieren die Gemüter”. Aber das Tal wird zu einer nebligen Schlucht, und während überraschenderweise der grässlich klingende Titel Krematorium von Rafael Chirbes tagelanges Lesevergnügen nahe an Gabriel Garcia Marquez lieferte, rutschte meine Stimmung bei Veronique Ovalde, Die Männer im allgemeinen gefallen mir sehr, zunehmend in den Abgrund Bei manchen schlechten Büchern lese ich hinten wenigstens nach, was aus den Figuren wurde, aber mittlerweile ist mir das mitunter egal.

Es ist nicht durchgehend so, dass “alle jungen Frauen und alle deutschen Autoren” langweilig wären, und nachdem ich Nora Gomringer persönlich erlebt habe, habe ich ihre Bücher gekauft und mit Genuss gelesen. Ich stehe nur in Buchläden vor den Regalen und merke selbst, wie spanische oder portugiesische Namen und deren Titel meine Aufmerksamkeit bekommen. Das ist nicht neu, in meiner Jugend galt zum Beispiel Jorge Amado als absolute Pflichtlektüre für jeden, der sich auf amüsante, linksliberale Art mit den Kulturen und Widersprüchen Südamerikas auseinander setzen wollte. Es kann sein, dass “Das Nachthemd und die Akademie” heute noch einen neuen Verleger fände, aber “Dona Flor und ihre zwei Ehemänner”, “Die Geheimnisse des Mulatten Pedro” und “Die Abenteuer des Kapitäns Don Vasco Moscoso“? In einem Land, in dem Mohrenapotheken wegen ihres Namens unter Druck gesetzt werden, wäre Amado einer der ersten Kandidaten für das Autodafé der Bildungsfernen. Was glauben Sie, wie oft bei Amado Frauen, gern auch mit Hinblick auf ihre teilweise afrikanische Abstammung – Amado geht damit ganz offen um – auf den Hintern… Das könnte man heute nicht mehr neu verlegen. Dauernd reden die Leute und Sex, Essen und soziale Gerechtigkeit – zwei von drei Themen haben im von jungen Frauen dominierten Verlagswesen gar nichts mehr verloren. Aber ich merke beim Lesen, dass Amado, Ibargüengoitia und andere immer noch bei jüngeren Autoren Lateinamerikas durchscheinen.

Das geht auch in Italien, wo das Erbe von Calvino nicht unbedingt vergessen ist. Aber wenn ich vor Deutschen stehe, und die machen klar die Mehrheit in Buchläden aus – da denke ich mir: Wenn ich das jetzt kaufe, und es ist schon wieder ein Literaturbetriebsprodukt mit Blick auf Studienaufenthalte in Rom und Stadtschreiberposten in Bochum, dann denken die Verlage, sie könnten sich das leisten, und publizieren noch mehr von dieser Sorte. Meine Experimentierfreude bestätigt sie in der Einfallslosigkeit anämischer Stilisten, die wahrhaft schöne Themen nur in ironischer Verblendung oder gestelzter Distanzierung aufnehmen, mit dem klaren Ziel, überall ein Problem zu sehen. Oder eine Nazigeschichte. Oder ein Vergewaltigungstrauma. Oder eine ansteckende Krankheit. Oder einen Mutter-Tochter-Konflikt, den ich auf meinem Sofa nicht lesen will, und auch nicht gern im Regal meiner geschätzten Buchhandlungen sehe.

Im Ergebnis dominieren zwar Frauen die Bestsellerlisten, aber sie tun es mit geringer werdenden Umsätzen. Das kann ihnen gleichgültig sein, der Ruhm ist ihnen gewiss. Aber auf der Kundenseite finde ich wie viele andere weniger, was ich einfach gerne haben will. Ich ertrage nur einen gewissen Anteil Experiment auf sicherer Freude, ich werde ungehalten, wenn jedes dritte Buch ein Flop ist, und kaufe dann lieber noch eine Kunstmonographie.

Es macht mich nicht ungebildeter, mein Schwerpunkt verlagert sich, und wenn ich dann höre, dass der Buchhandel mit Einbrüchen zu kämpfen hat, denke ich mir nur: Ach? Soso. Ja, das mag sein. Wissen Sie, früher wurden Buchgeschäfte gleichermaßen von Männern und Frauen besucht, heute stelle ich oft fest, dass auf einen Kunden drei, vier Kundinnen kommen. Vielleicht bin ich nicht der einzige, der nicht schon wieder Bücher über Ekzeme und SS-Opas lesen will.

Literatur war nie die Literatur für alle, aber früher angelte die gewerkschaftliche Büchergilde Gutenberg den Arbeiter wie den besseren Sohn mit Büchern von B. Traven – ein weisser, deutscher Mann, der die grausame Geschichte von indigenen Völkern für seinen eigenen Weltruhm benutzte und an Hollywood verkaufte. Man fühlt geradezu das aufgeregte Tastenhämmern von Schwarzrandbrillenträgern, die einen Rollkragenpulli tragen und sich deshalb trotz Tätigkeit für SPON für Feuilletonisten halten, um so einen Kolonialrassisten zur Strecke zu bringen, denn bei Christian Kracht konnten sie sich damit ja auch schon ins Scheinwerferlicht inquisitionieren. So trägt der Betrieb dazu bei, dass das eine in die Vorschauen kommt, und das andere vielleicht eher nicht, und wer will schon den verbliebenen Markt der mittelalten, weissen Frauen mit sozial korrektem Bewusstsein gefährden, um verlorene Leserschichten anzusprechen, denen nur mit viel Sex und Gewalt eine undogmatische Ahnung der richtigen Einstellung angeboten werden konnte.

Also, komplizierte Gouvernantenliteratur kaufe ich nicht, um Verlage nicht auf falsche Ideen zu bringen, Amado kann man auch drei, vier mal lesen, ohne dass es langweilig werden würde, es kostet auch nichts, und Museen freuen sich natürlich, wenn teure Werke über Bustellis laszive Porzellanarbeiten, Photographie im Moulin Rouge oder die Beziehungen zwischen Rom und den Barbaren zum Festpreis verkauft werden. Ich bin Kunde, man liefere nach meinem Plaisier: Hic Rhodus, hic salta. Tanja Blixen hat es doch auch geschafft, auf 65 Seiten sieben Skandale der besseren Kreise mit Sex und Gewalt unterzubringen: Beziehungen können ohne 180 Seiten Leiden an der deutschen Geschichte formvollendet scheitern.

Und Wagenbach möchte ich von der Kritik meistens ausdrücklich ausnehmen.

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  1. B. Traven
    Danke für die Erinnerung an B. Traven, „ein weißer deutscher Mann“. Er hat mir in meiner Kindheit viele schöne Stunden und Tage beschert, bei der Lektüre seiner Werke (von meinen Eltern bei der Büchergilde Gutenberg erworben). Damals durfte man noch von Abenteuern in fremden Welten bei den „Wilden“ träumen und sich unbefangen in Lesefreuden stürzen.
    Heute kaufe ich – nach etlichen Enttäuschungen – fast nichts Neues mehr, von Sach- und Fachbüchern abgesehen, sondern gehe an meine Bücherregale und lese ein zweites oder drittes Mal das, was ich vor Jahren oder Jahrzehnten gern gelesen und genossen habe.

    • Gemessen an heutigen Linkstheorien wäre dieser Anarchist ein Nazi. Da sieht man, was aus Links geworden ist.

    • Anarchist
      Celine ist auch gut. Reise ans Ende der Nacht.

    • So geht es vielen:
      mit fortschreitendem Alter verengt sich der Interessenhorizont, man verlegt sich aufs Althergebrachte und Bekannte, und scheut das Neue und Herausfordernde.

      Nehmen Sie es nicht schwer.

    • @titou
      Mit zunehmendem Alter hat man nur alles schon mal gelesen, weil es nur eine begrenzte Anzahl von Geschichten gibt, die in Variationen immer wieder erzählt werden.

      https://en.wikipedia.org/wiki/The_Seven_Basic_Plots

      Ich glaube mich zu erinnern, daß die alten Griechen von zwölf grundlegenden Geschichten sprachen (lieber Don, können Sie mir da aushelfen?), aber auch das macht es nicht viel besser über die Jahrtausende.

      Ich denke niemand hat etwas gegen das Neue und Herausfordernde, es schaffen nur immer weniger Autoren, das Alte neu und herausfordernd zu servieren.

    • @Zuagroaster
      Zwölf ist eine „heilige“ Zahl: zwölf Titanen, zwölf olympische Götter, der Dodekanes, unter anderem. Dezimalsystem.

      Ein tolles Buch über derartige linguistische und andere Dinge ist das von Guy Deutscher, Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht. Das ist ganz wunderbar.

      Ich habe es mir gekauft, weil er in einem Kapitel darüber referiert, warum es bei den alten Griechen keine wirkliche Farbe für das Meer und den Himmel gab. Warum Homer das Meer im beschreibendsten Falle weinfarben nannte – und das war dann wirklich tiefrot.

      Deutschers kleiner Tochter gegenüber äußerte er nie ein beschreibendes Wort zur Himmelsfarbe. Als sie sprechen konnte, fragte er und bekam die Antwort: weiß.

      Wer so etwas mag, bekommt da vieles. Wer ein Faible für Keilschrift nicht schlimm, sondern eher interessant findet, mehr. Leseempfehlung.

    • Verehrter Zuagroaster, eventualiter meinen Sie die 12 Heldentaten des Herkules?
      1. Der Nemeische Löwe
      2. Die Lernaeische Hydra
      3. Die schnelle Hirschkuh Kerynitis
      4. Der erymanthische Eber
      5. Die Ställe des Augias
      6. Die Stymphaliden
      7. Der wilde Stier von Kreta
      8. Die vier menschenfressenden Stuten des Diodemes
      9. Der Gürtel der Amazone Hyppolyta
      10. Die Rinder des Riesen Geryones
      11. Die Äpfel der Unsterblichkeit aus dem Garten der Hesperiden
      12. Der Höllenhund Kerberos

    • @ Thomas, @ DON
      @DON: da sieht man was aus links geworden ist

      Ganz genau. Links ist heute keine vitale Sache mehr, es fehlt die Ursprünglichkeit, der revolutionäre Pep, den das Ganze mal hatte. Viele klammern sich in ihrer Erinnerung immer noch daran, dreschen jene Phrasen wieder und wieder, die zu der Zeit als „Links“ noch lebte gedroschen wurden. Aber das alles wirkt mittlerweile stark runderneuert, aufgewärmt, ohne Originalität, leblos. Und das gilt natürlich vor allem für die „modernste“ Variante: linksgrün. Um jetzt keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, Mutti und jede Art von fürsorglicher Belagerung ist selbstverständlich noch viel unerträglicher.

      Da lobe ich mir meinen Knut Hamsun. Darf man ihn erwähnen? Ich finde, wenn Reich-Ranicki (in Kenntnis der Hamsun’schen Vita) ihn und seinen Roman „Mysterien“ in einer seiner letzten Sendungen des „Literarischen Quartetts“ lobend erwähnt und zur Lektüre empfohlen hat darf man das. Durchaus in vollem Bewusstsein seiner reaktionären Geisteshaltung.

      Und da komme ich zu Céline:
      @Thomas: wenn man ihn (und ich finde auch er war ein ganz Großer) erwähnen darf, so muss man auch Hamsun erwähnen dürfen. Als studierter Romanist kenne ich natürlich „voyage au bout de la nuit“. Zum ersten Mal begegnet ist es mir in einem Lektüreseminar eines Romanistikprofessors, der interessanterweise mit einer Jüdin (auch Dozentin an der Uni damals) verheiratet war. Und obwohl Céline erklärter Kollaborateur gewesen und nach dem Krieg dafür verurteilt worden war hat es wohl bei dem Prof nicht zu einer Ehekrise geführt, dass er ihn auf die Lektüreliste setzte. Dass er den Mut hatte Célines wichtigsten Roman im Seminar zu behandeln ist für mich ein Zeichen echter Liberalität. Ein intelligenter Autor wie Céline bietet ungeheuer viel Ansatzpunkte für eine frische, unvoreingenommene und sehr produktive, kontroverse Diskussion.

      Ich persönlich halte Céline für einen Epigonen (aber einen sehr guten!) von Hamsun, sein Stil trägt eindeutig die freche Handschrift von Knut Hamsun.

      Noch ein paar Worte zu Letzterem: er war Zivilisationskritiker, verachtete jede Form von Spießigkeit, Engstirnigkeit, Verlogenheit, Doppelmoral und zu engen bourgeoisen Konventionen, mochte Autoren wie Nietzsche und Strindberg, war neben seiner Tätigkeit als Autor auch noch Bauer (betrieb in Gutsherrenmanier [die er sehr mochte] einen Hof [war aber kein Ökobauer!]), war wild und ursprünglich.

      Ich wünschte mir jemand wie ihn in der heutigen Zeit, die hätten ihren Spaß mit ihm. Wenn irgend jemand in der Lage wäre, den ganzen Müll, von Feminismus bis linksgrünem Pharisäertum, gekonnt durch den Kakao zu ziehen, dann Hamsun. Aber man kann ihn ja immer wieder lesen.

      Auch Hamsun wurde nach dem Krieg als Kollaborateur verurteilt, obwohl er eigentlich kein Nazi war. Er hat sich nur einmal mit dem Schickelgruber getroffen (auf dem Obersalzberg); das Treffen endete im Fiasko und danach hat Schickelgruber sich jeden weiteren Kontakt mit ihm verbeten. Seinem Sohn sagte Hamsun danach (in Bezug auf den Schickelgruber) „Ich mochte ihn nicht“. Trotzdem hielt Hamsun Deutschland die Stange, seine Liebe galt unserem Land und seiner Kultur, nicht den Nazis.

      Sowohl Hamsun als auch Céline sind große Autoren und leider zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten. Schade-ein echter Verlust, wie vieles andere in dieser dunklen Zeit.

  2. Ausstellungskataloge der großen Museen
    … sind ein bleibender Gewinn. Sie sind stets hervorragend recherchiert und reich dokumentiert. Im Laufe der Jahre erreichen sie das geballte Wissen von Nachschlagewerken, auf die man immer wieder zurück greift. Romane dagegen sollte man sich von einer Bibliothek leihen, oder als Taschenbuch kaufen, denn man liest sie ja meist nur einmal. Ich bl
    Geschichte der Neuzeit kaufe ich nie — bin dabei gewesen. Auf der Bahn lese ich oft Taschenbücher, die ich dann im Zug hinterlasse, damit sich noch jemand anders daran erfreuen kann.

    • Vor allem kann nicht jeder die MGH, Ber. RGK oder die Germania bestellen und binden lassen. Als Privatmensch muss man sich beschränken können.

    • Titel eingeben
      MGH kann man bis auf die neuesten Bände ohnehin online einsehen.

    • Ja, aber wer hätte nicht gern die Bände in der Wohnung?

    • Titel eingeben
      Ausstellungskataloge… vor vielen, vielen Jahren arbeitete die damalige Freundin an einem solchen mit. Kunsthistorik ist ja eher eine brotlose und eher selbstreferentielle Kunst, da ist die Möglichkeit zur Mitarbeit an einem Katalog eine der ganz wenigen Möglichkeiten, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu profilieren, und ein paar DEM gab es damals auch dafür – was wohl zumindest seinerzeit alles andere als üblich war.
      Wer, wie sie damals, sein Fach ernst nahm, hat in diese Visitenkarte des eigenen Könnens richtig viel Arbeit und Sorgfalt reingesteckt.
      Seither kaufe ich meistens einen Katalog – mit viel Freude und einem ganz anderen Zugang. Schade nur, dass man letztlich alleine in die Ausstellung muss, weil Familie und Freunde oft nicht so viel Geduld haben.

    • Das ist in meiner Familie zum Glück anders. Abgesehen davon bin ich ein elender Austellungströdler. Das halten auch manche nicht aus.

  3. 'Die Innenwände des Gehirns', was ist das?
    Und war nicht das Auswaschen mit Seife vor allen Dingen eine angelsächsisch-puritanische Maßnahme und Sozialangewohnheit die vor allem den Mund betraf nach Gebrauch und christlicher Ausdrücke? Und wie kam die eventuell unbemerkt nach Bayern in einen katholischen Text?

    Rein zufällig war dies hier vor ein paar Stunden wieder einmal bei uns abgegeben worden, ein Text lediglich, kaum mehr als ein Text: https://youtu.be/eagruh20gQI – 20, 30, 40 Minuten hineingehört immer ein Gewinn, mehr Konstanz verlorener Westviertel in steter Erneuerung kann man zum Tage vermutlich kaum finden.

  4. Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt
    Der Besuch von Antiquariaten in allen Städten oder, hier im Dorf, der regelmäßige Gang zum Caritas-Laden, wo sich immer mehr und nach jedem längeren Glockengeläut die schönsten Sammlungen stapeln, oft unberührte Bücher, die aus rätselhaften Impulsen gekauft und verschenkt worden sind. Anders als in der Bibliothek keine Popel drin, keine gekrausten Haare, keine toten Fliegen, Kaffee- oder Speisereste.

    Gute, aber ungelesene Bücher sind eine Schande – oder um hier etwas zu gomringern: wie ungeliebte Frauen oder übersehene Blumen.

    Die russische Moderne zieht mich gerade in den Bann, ein verpasster Kosmos. Der Russischkurs am Gymnasium wurde seinerzeit beim Einmarsch der Warschauer Truppen in Prag von der Schulleitung abrupt beendet, trotz vehementer Proteste. Heute ein spätes Glück mit
    Ljudmila Ulitzkaja, Warlam Schalamow, Michail Bulgakow, Isaak Babel u.a.m.

    Apropos Demetrius Schrutz: der publizierte unter dem Pseudonym Z. Tursch ganz unschenant ein Bändchen mit dem Titel „Herren-Humor. Heitere und drastische Vorträge für Herrenabende“. Das die das noch durften!

    • Wenn sie es kriegen: Rudolf Presber, Von ihr und ihm. auch so ein buch, da muss man erst mal schlucken.

    • Ich kenne das Werk nicht
      … aber allein des Titels wegen würde ich es erwerben, um Anregungen zu erhalten, wäre ich ein Büttenredner im Karneval :)

    • Titel eingeben
      Daniel Charms !!
      Anna Achmatova !!
      Marina Zwetajewa !
      Andrej Bely !
      Sergej Jessenin !
      und immer noch und immer wieder:
      Vladimir Nabokov !!

    • Charms habe ich wieder wegen eigener Verwendung gestrichen, aber an ihm sieht man ja recht deutlich,. was ein freier Geist von radikalen Leuten zu erwarten hat-

    • Rudolf Presber?
      FAZ, 26. Oktober 1933 …

      https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/0/0f/Gel%C3%B6bnis_treuester_Gefolgschaft_1933-10-26.jpg

      Achtunterste Zeile.

      Wie oft man wünschte, dass ein Werk nur für sich selber steht.

    • Das merkt man seinen Büchern der 20er Jahre definitiv nicht an.

      das mag wie mit Evelyn Waugh sein, der als Mensch reaktionär war und dessen Bücher so viel Verständnis für andere haben.

    • Sozialkaufhäuser usw....
      ….da werde ich auch regelmäßig fündig.
      Allerdings muss ich zugeben, dass ich da schon manch ein Exemplar erworben habe, um es aus dem Verkehr zu ziehen, respektive es nicht in unkritische Hände gelangen zu lassen.
      Asche auf mein Haupt…

  5. Ich weiß nicht, was es ist, aber
    Bei Büchern, die von Frauen geschrieben sind – da bekomme ich zu 90% einen Pilz. Da ist das Lesen nach 20 Seiten vorbei.

    Meine Chefin ist Frau (sonst wäre sie ja mein Chef…), meine Frau ist eine Frau. Beide sind mir an Kompetenz überlegen. Ich hab‘ echt nichts übrig für so’nen Überheblichks-Machismo.

    Aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann ich die Elaborate von Frauen nicht lesen.

    Es ist mit der Schwemme der hochgeschriebenen Schreiberinnen von Feuilletons Gnaden nicht besser geworden.

    Danke für den Text!

    • Gern geschenen!

    • @Booster
      da sind wir schon mal zu zweit.

    • Lanze für Autorinnen
      Ok, für die restlichen 10 Prozent: Der Flammenwerfer (Rachel Kushner); Der Distelfink (Donna Tarrt); Die Erfindung der Natur (Andrea Wulf) fand ich lesenswert. Bei allen drei Büchern geht’s auch nicht um normale Alltagssorgen, Liebeskummer einer Vierzigerin mit oder ohne Familie oder blöde bis dauergeile Kerle, was sonst die beliebten Sujets zeitgenössischer Autorinnen sind.

    • Lieblingsautorin Zeruya Shalev
      Mein Lieblingsbuch einer Autorin ist „Für den Rest des Lebens“ von Zeruya Shalev. Man findet eine rigorose Bestandsaufnahme des bisher gelebten Lebens und einen Weg in die Zukunft.

    • @Bemaba
      Herzlichen Dank. Da werde ich mich einmal umsehen!

    • @ Boooster, @ DON
      Wenn Sie Frauen als Autorinnen schon schlimm finden, was meinen Sie wird das letzten Endes wenn sie auch noch als Verlegerinnen den Literaturbetrieb kontrollieren? Dann kann man sich auf feministische Literaturseilschaften gefasst machen, mit allen Konsequenzen. Von Männern eingereichte Manuskripte werden dann wohl ungelesen im Müll landen, ganz gleich wie gut sie vielleicht sind.

      Es kann wohl als allgemein akzeptierte Tatsache gelten, dass Ernest Hemingway einer der bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte ist. Er hat nicht nur ein ganzes Genre mitgeprägt (short stories), sondern auch ein Heer an Epigonen erzeugt. Paradox ist, dass der feministische Ungeist vor allem an jenen Bildungsanstalten kultiviert wird, wo sich in Bibliotheken ganze Waggonladungen an Hemingway-Primär- und Sekundärliteratur befinden. Der Gute hatte bekanntermaßen ein etwas, na sagen wir, „besonderes“ Verhältnis zur Damenwelt. Nicht dass er durchweg misogyn gewesen wäre, aber er hat doch immer wieder sehr frauenkritische Andeutungen in seinen Schriften gemacht.

      Eine seiner Kurzgeschichtensammlungen trägt den Namen „Männer ohne Frauen“ (Men without women). Man stelle sich vor, Hemingway würde heute leben und er würde dies einer Verlegeremanze vorlegen. Noch ein Genie ab in die Tonne, einfach mal so, kost‘ ja nichts. Wer braucht schon Leute wie Hemingway wenn es C. Roth gibt?

      Eine der schlimmsten Konsequenzen des grassierenden Quotenfeminismus ist das Drehen der Kulturschraube nach unten. Bei uns ist eine üble Trivialkultur entstanden, alles im Namen weiblicher „Gegenständlichkeit“. Bzw. dem verkrampften Bemühen bildungsprofilneurotischer Emanzen ihr Abstraktionsvermögen unter Beweis zu stellen. Und das endet dann im Gegenteil, einer unerträglichen, pseudointellektuellen Verkopftheit.

      Noch kurz zur Trivialkultur: das fängt bei linksgrünen Klischeesprüchen an und geht dann über Lindenstraße/neuer Tatort bis es irgendwann in Dschungelcamps ankommt. Und für jeden nach oben gespülten Dunzbacken schlachten sie ein Genie.

      Man sehe sich die Weltliteratur an. Was gäbe es davon, hätte man „VerlegerInnen“ freie Hand gelassen? Wie sieht die Zukunft aus angesichts einer zu befürchtenden, extrem engstirnigen feministischen Zensur?

      Bei all dem kann einem schon das kalte Grausen kommen…!

      (@DON: ich habe Ihre Warnung verstanden und werde Sie beherzigen, versprochen. Sie haben ja recht. Aber in dem Fall fühlte ich mich persönlich angegriffen. War eine subtile Attacke [vielleicht ja auch ernst gemeint, kann ich aber nicht ganz glauben] und diese sollte man immer nur mit noch subtileren, aber gesellschaftlich akzeptablen Mitteln kontern. Na ja, Schwamm drüber. Nichts für ungut.)

  6. Schwierige Suche
    Möge der Appell an die Verlage erfolgreich sein! Mir geht es auch so, dass es zunehmend schwieriger erscheint, im Wust der Neuerscheinungen unterhaltsame, gut geschriebene und im Idealfall sogar erhebende und erhellende Literatur zu finden. Zuletzt gut gefallen hat mir ein Zufallsfund in einem Bücherschrank: „Malenka“ von Irina Korschunow, ein gutes Beispiel dafür, wie auch belastende Themen unterhaltsam und ohne unnötige Brutalität aufbereitet werden können. Wenn ich gar nichts Brauchbares finde, was leider öfters vorkommt, höre ich mir abends gern das Hörbuch zu Montaignes Essais an, gelesen von Otto Sander. Bin immer auf der Suche nach Büchern, in denen ich abends lesen kann und die mich in angenehmer Stimmung in die Nacht entlassen. Wer Tipps hat – nur zu!

    • Mohrenwäsche von Tom Sharpe. solange es das noch gibt, natürlich. Ansonsten Andrea Camilleri, Streng vertraulich, das vermutlich böseste und lustigste Buch über den italienischen Faschismus.

    • Kann bei den beiden Büchern nur zustimmen, die sind beide Klasse
      Ich habe inzwischen gelernt: Vorsicht bei Werken, die im Feuilleton besprochen werden. Erst recht Vorsicht bei Sachen, die von Frauen besprochen werden, aus deren Sicht der Umstand, dass das Werk von einer Frau stammt schon besonders positiv ist.
      Je nachdem würde ich die Discworld/Scheibenweltromane von Terry Pratchett empfehlen. Bei den deutschen Übersetzungen vor allem die von Andreas Brandhorst übersetzten. Insgesamt waren die letzten fünf ein wenig schlechter als der Rest, die anderen aber durchweg sehr gut. Warnung, das sind Fantasyromane, allerdings voller Anspielungen auf irgendwelche Klischees oder Denkweisen, die dann genüßlich karikiert werden.

    • Werter Don,
      Mohrenwäsche ist eine gute Empfehlung, Ich habe 14 Bücher von Sharpe und dieses halte ich auch für sein bißigstes. Sie stehen im Regal neben 13 Super-Thrillern von Carlo Manzoni mit so inhaltsbeschreibenden Titeln wie „Der Finger im Revolverlauf“ ISBN 3-423-00123-2 oder „Ein Schlag auf den Schädel und du bist eine Schönheit“ ISBN 3-423-00268-9.

      In einem anderen Kommentar wird auf das Fehlen guter deutscher Science Fiction hingewiesen – dem stimme ich zu. Seit Hans Dominic ist kein wirklich guter Author nachgekommen und Wolfgang Holbein ist eher Fantasy.

      Auch einen Hinweis auf Karl May finde ich hier. Er zählt immer noch zu den Klassikern, wenn auch seine besten Werke eher selten gelesen werden. Mein Favorit ist „Der verlorene Sohn“, der leider im Karl-May-Verlag nicht komplett verlegt ist (Überigens findet man auch bei Karl May frühe Anpassungen an den „Zeitgeschmack“).

      Ansonsten stehen jede Menge alte Sünden im Regal. In der 9. Klasse Wirtschaftsschule habe ich das erste Mal „Der Mann ohne Eigenschaften“ angefangen. Irgendwann werde ich Zeit finden. Und nun geht es zum neuesten Elaborat von Gerhard Wisnewski.

      MfG Alfred Haas

    • Da Sie
      von Walter Kempowski wahrscheinlich eh‘ schon alles gelesen haben, vielleicht „Endlich Kokain“ von Joachim Lottmann?

    • @Maschi
      ich bin auch im Sommer wieder reingefallen, nachdem mir Elena Ferrantes „Meine geniale Freundin“ angepriesen wurde. Nach gequälten vierzig Seiten, habe ich das Tagebuch einer Grundschülerin (Aufsatzthema: Mein schönstes Ferienerlebnis) weggelegt und mir geschworen,auf das Gefasel von Literaturkritiker zu verzichten, oder mich zumindest schlau zu machen, wer von denen Ahnung hat.

    • Ferrante habe ich auch nicht nachvollziehen können.

    • .
      auch der buchmarkt unterliegt den gesetzten des marketings. in erster linie geht nun darum, ein buch, egal was darin steht, verkaufen zu koennen, sei es der autorenname, der titel, das cover, das sujet oder der hype, welche dazu führen.

      daher empfiehlt man, geflissentlich auf den wenigen fauteuils platz zu nehmen und nicht nur die ersten seiten etwas zu studieren, sondern mindestens zehn seiten recht gruendlich zu lesen und danach etwas zu ueberfliegen, und hin und wieder gibt ein inhaltsverzeichnis aufschluss ueber das zu erwartende.

      ferrante, kehlmann und fietzeck – jeder einzelne duerfte sich ueber die zusammenstellung aus gruenden bitterlich zu beklagen haben, sei’s drum – kamen auch deshalb nicht ueber den barcodescanner.

      hin und wieder mag es aber doch ganz lohnenswert sein, gegen innere widerstaende anzulesen – da, genau da zeigt sich eine andere perspektive, deretwillen man nun doch nach einem buche greift. will man sich stets selbst bestaetigen? doch sicher nicht, so man bei trost sich waehnt.

    • Ich werde auch ein paar Bücher empfehlen. auf meine Art.

    • Statt Kehlmann...
      …lieber Ken Alder „Das Maß der Welt“ (ähnlicher Titel, ziemlich anderer Inhalt)!
      Das Buch ist eher nüchtern und technisch, aber ich finde es fanszinierend. Da versuchen einige Männer, mitten in der Französischen Revolution die Strecke von Dünkirchen nach Barcelona so präzise zu vermessen wie möglich. Dazu sitzt man schon mal wochenlang alleine im Nebel auf einem Berggipfel oder muß sich gegen den Vorwurf verteidigen, ein Spion zu sein.
      Am Ende kommt etwas dabei heraus, worüber sich heute keiner mehr Gedanken macht: die Länge des Meters…
      Etwas weniger technisch (von einer Frau über Männer geschrieben: „Längengrad“ von Dava Sobel).

  7. Croy -
    eine Empfehlung wert?

    • Croy: absolut zu empfehlen
      auch mit Nebenaspekten wie z.B. die Pockenimpfung. Man kann vergnüglich spekulieren, wie die französische Geschichte wohl verlaufen wäre, wenn Ludwig 15 entsprechend den Adelsgebräuchen der Zeit geimpft gewesen wäre und die die drei späteren Königsbrüder (Ludwig XVI, LudwigXVIII und Karl X), alle drei große Blödmänner, nicht oder nicht so an die Macht gelangt wären. Vermutlich wäre die französische Revolution ausgefallen und vielleicht Napoleon nur ein tüchtiger General auf Korsika geblieben – wie gesagt, Gedankenspiele, aber reizvoll.

    • Ich habe meine Zweifel, ob es möglich gewesen wäre, einen gleitenden Übergang in ein britisches System zu schaffen – es haben einfach zu viele von den Unzulänglichkeiten des Absolutismus profitiert. Aber wer weiss das schon. Und warum sollte man sich darüber ausgerechnet im Merkelstaat Gedanken machen?

    • Ein paar Seiten
      sind interessant. Aber man hat wirklich mehr davon, Saint-Simon zu lesen.

    • Tom Sharpe
      „Puppenmord“ und die darauf folgenden Bücher, wo seine schreckliche Frau ebenso schreckliche Drillinge oder Vierlinge bekommen hat (alles Mädchen) haben mir am besten gefallen: Damals schon Giftfutter für Genderist_X :-B

    • ...unbedingt, unbeidngt, unbedingt,
      es ist ein grandioses Buch, auch wenn die deutsche Übersetzung natürlich nur ein kleiner Teil des französischen Original ist. Aber mit der Lektüre ist man ratz fatz im 18. Jahrhundert und alles, was der Gebildete früher in der Schule lernte, heute also nur von den Eltern oder durch eigene Neugier, liest man hier direkt. Die Kriege und was das für einen Privilegierten heißt (nur Kampagnen und von Ferne den Menschen beim Sterben zusehen, manchmal ein wenig Nähe zum Tod, aber vor allem die Jagd auf den Titel Marechal de France), die absolute Hingabe zum Stiefel- und Speichellecken bei den Mächtigen (genauso wie heute bei der Dame aus der Uckermark, deren heutige Äquivalente immer noch so viele Bewunderer von Kauder bis Hasselfeldt finden), die Flüge der Herren Montgolfiere direkt miterleben, die Treffen mit Voltaire, der bedauernswerte Standesgenosse, der im Graben auf dem Weg von Paris nach Versailles in der Kutsche erfror, und und und … Das alles so kultiviert und äußerlich distanziert geschrieben, wie es nur wenige, darunter der Gastgeber dieser Zeilen, es vermögen. Wenn Sie also das alte (wirklich alte im Sinne ancien regime) Europa unmittelbar fühlen wollen, mit dem Eindruck, es sei erst erst gestern gestorben, das ist das Buch für Sie.

    • Croy
      An dem Buch hat mich am meisten fasziniert, welche
      Bewunderung der Herzog für sich, seine Welt und alles
      was um ihn geschah aufbringen konnte.

      Er liebte es zu bewundern.

  8. Den Leopard lese ich immer wieder gerne
    Ehrlich gesagt, bin ich erstaunt. Ich hätte nie erwartet, dass Sie, werter Don, so über zeitgenössische Literatur denken. Ich dachte, ich stehe alleine mit meinem Urteil. Seit Katharina Hacker mit ihren Habenichtsen den Preis des deutschen Buchhandels bekam, habe ich aufgehört, mir moderne deutsche Literatur zu leisten, weil es mich immer gelangweilt hat. Ich habe nicht so viel Geld wie Sie. Darum gucke ich mir meine alte TEFAF Kataloge immer wieder (gerne) an, und im Zweifelsfall lese ich den Leopard oder Biographien, die man hier auf Wohltätigkeitsbasaren für 2 Euro kriegt.

    • Oh Gott ja Hacker, die hätte ich auch mal besprechen müssen – damals war ich in Berlin. Das war unerträglich.

    • Titel eingeben
      Wenn es nicht auf Deutsch sein muss: Penguin Classic Library. Da kann man eigentlich fast alles von lesen. Notfalls sucht man halt, ob es (wie oft aber nicht immer) das Werk auch auf Deutsch gibt.

      „Three men in a boat“ liegt hier grad auf dem Nachttisch. Auf das Buch bin ich allerdings, zugegeben, eher deshalb gestoßen weil ich bei YT auf den den davon inspirierten Reisebericht gestoßen bin. Three men on the bummel folgt dann.

      Und wg. Karl May – Robert Byron war wirklich da, liest sich auch so, macht Lust auf Reisen.

    • @solon
      Saint Simon zeitlich mit Casanova fortführen, dann versteht man auch Restif de la Bretonne. Und für lange Eisenbahnfahrten und kurze Urlaube fasziniert und ergötzt mich immer wieder die einzigartige Realitätsfülle der „Menschlichen Komödie“.
      Es gibt derart vieles an „älterer“ Literatur, daß man beim Lesen eines Gegenwartsautors über die Untreue ein schlechtes Gewissen bekommen müßte. „Nur tote Autoren sind gute Autoren“, wollte ich fast zynisch sagen und auf Ettore Schmitz (Italo Svevo) und Carlo Emilio Gadda deuten, auf Boris Pilnjak, auf Miroslav Krleza – ach, die Welt ist viel reicher als ich fassen kann!

  9. Ich kann da nur Akif Pirincci empfehlen:
    „Der Rumpf“, lese ich gelegentlich ganz gerne immer mal wieder. Und ja, provozieren will ich auch.

    • Ich fand schon diese Katzenromane unerträglich aufgeblasen, aber das ist Geschmackssache.

    • Pirinçcis Katzenromane
      Da ich diese nicht gelesen habe: Weiß jemand hier, ob die vielleicht nur ein Abklatsch der Hortense-Trilogie des Oulipo-Mitgliedes Jacques Roubaud sind? Das scheint, nach dem was ich über Pirinçcis Romane gehört habe, zumindest motivisch recht ähnlich zu sein, eine zumeist aus der kätzischen Perspektive geschriebene Kriminalgeschichte mit Verschränkung von Katzen- und Menschenwelt. Roubaud ist zuweilen sehr lustig, wenn auch vielleicht das poetologische Ostereierverstecken nicht jedem zusagen mag. Die Romane wurden übrigens von Helmlé ins Deutsche übersetzt.

    • Katzen-Darwin
      Danke, werter Don, für diese klare wie wahre Wort – als die Katzen-Krimis noch hoch im Kurs standen, war ich schon distanziert. Warum fiel mir immer nur das Werturteil „kryptofaschistisch“ ein?! … und Provokationen aus dem Markgräflerland nehme ich nur in flüssiger Form zu mir.

    • Den eindruck hatte ich nicht gerade, ich dachte mir nur, warum soll ich das lesen, wenn es Chendler gibt?

    • "Felidae" auf Charaktere- und Motiveklau
      Natürlich stand Raymond Chandler unfreiwillig Pate bei den „Felidae“-Hetzjagden.

    • Chandler geht immer
      „Eine Blondine, für die ein Bischof ein Kirchenfenster eingetreten hätte”, oder „Augenbrauen, für die sich ein Bürstenfabrikant interessiert hätte”.
      Alleine dafür rentiert sich das Lesen, abgesehen davon daß er und Hammett die Meister des Hard Boiled Detective Genres waren.

  10. Verlage haben es gerade nicht leicht
    Ich bin schon seit Jahren fast komplett auf englischsprachige Autoren ausgewichen – man merkt den deutschsprachigen Büchern die schwierige Lage der Verlage einfach sehr an (kaum noch kompetentes Lektorat, starkes Setzen auf schon bekannte Namen), und das aktuelle Klima (Buchmesse 2017 Ffm war schrecklich, Leipzig 2018 droht ähnlich zu werden) tut sein Übriges. Buchpreise können im aktuellen Markt nicht wirklich steigen, aber Druck, Werbung und Personalkosten sind immer teurer.

    Ich musste beim Lesen des Beitrags an Martha Grimes‘ „Foul Matter“ denken, das letzte Buch, bei dem ich dauernd schallend lachen konnte.

    • @ englischsprachige Autoren
      Mir geht es wie Ihnen, auch ich lese schon lange keine deutschen Neuerscheinungen mehr, egal wie hochgelobt. Mein letzter deutscher Roman hiess „Wie Max es sah“ den ich aufgrund einer FAZ Kritik kaufte – in den 1990′ ern.
      Nach den ersten Seiten beschloß ich, dieses Buch nicht weiter zu lesen und darüber hinaus, dass deutsche Literatur sprachlich und vom „Plot“ nicht mit Belletristik zum Beispiel aus dem amerikanischen Raum zu vergleichen sei, ausserdem zu plump vordergründig problem-orientiert. Die Angelsachsen können einfach besser Geschichten erzählen!

      Ich habe den Eindruck, hierzulande lernt man das „Handwerk“ nicht so tiefgreifend. Hierzu vergleiche ich einfach meine Erfahrungen mit muttersprachlichem Unterricht in USA (nennt sich language arts, und auf gutes Schreiben wird enorm viel Wert gelegt) und hier, weiterhin die Kursangeboten an Unis und Colleges zum kreativen Schreiben.

      Bislang habe ich Kino als Alternative zur Literatur kategorisch abgelehnt, gewinne jedoch dieser „Kunstform“ immer mehr ab, zum Beispiel nach dem Genuss von „Loving Vincent“, ein Film über Vincent van Gogh, die sehr spannende Geschichte über sein nicht ganz geklärtes Ende und der gesamte Film wie von ihm gemalt. Wunderschön und trotz der Kunstform menschlich anrührend.
      Ich habe mich Schritt für Schritt an gute Filme heranführen lassen von einem Kinofreund, beginnend mit „Ziemlich beste Freunde“, der mir gefiel. Nun versuche ich es als nächstes mit „Hidden Figures“ und „Churchill“, die 2017 erschienen sind…

    • Reformschrieb
      Seit der von Bertelsmann angezettelten Rechtschreibreform kann ich weder Literatur noch Sachbücher mehr lesen. Für derartiges auch noch Geld auszugeben bringe ich nicht übers Herz. Ein Wort wie Missstände bereitet mir Augenkrebs. Die Verlage haben den Quark allzu bereitwillig mitgemacht.

    • Bücher und Filme
      Es ist halt schwierig geworden. Auch ich habe begonnen, die „alten“ Bücher erneut zu lesen – nach entsprechenden Enttäuschungen. Da zwischen der heutigen Lektüre und der damaligen vor der Wende vieles anders wurde, ist der Blickwinkel ein anderer. Sehr spannend!

      Weibliche Autoren: Roswitha Geppert: Die Last, die Du nicht trägst.

      @Babara: Leviathan (russ. Film 2014), am besten auf der Leinwand ansehen – na ja, und Stalker. Aber das weiß man ja. Das Buch – Picknick am Wegesrand – halte ich übrigens für besser. Also ein Klasse Film übertroffen (getoppt) von einem Klasse Buch.

      Und dankeschön, Don!

    • Lesen bildet!
      Lesen Sie bitte diesen kurzen Artikel, bevor Sie sich den „Churchill“-Film antun.

      https://mises.org/library/rethinking-churchill

    • Hidden Figures
      @Barbara
      Der Film ist gut, allerdings auch schon ein wenig in der Feminismus-Ecke:
      So verdienstvoll es ist, die Beiträge der weiblichen „Computer“ zum amerikanischen Raumfahrtprogramm angemessen zu würdigen – es wäre nicht zwingend notwendig gewesen, alle ihre männlichen Kollegen als misogyne Trottel darzustellen.
      Nur der Chef setzt sich für die Frauen ein, wobei wohl damals das größere Problem war, daß sie (auch noch) „Farbige“ sind.

    • danke an Thomas Marx und gelernter DDR Bürger
      Sehr geehrter Herr Marx,

      ich danke Ihnen für den link mit dem (nicht ganz so kurzen Artikel) über Winston Churchill, den ich gerade samt Kommentaren lese. Einige Aspekte/ Entscheidungen in seiner Laufbahn machen mich nun doch etwas weniger neugierig auf den Film „Darkest Hour“…

      Auch dankeschön für die weiteren Tipps guter russischer Filme!

    • Thomas Marx ...
      … Sie haben wieder einmal eine PERLE GELIEFERT !!!(mises.org/library/rethinking-churchill)

      Ich hab noch nicht alles gelesen, hätte aber nie erwartet, dass mir jemand auf englisch jede Menge Details zu meiner Grundeinschätzuung seines Charakters auf dem Silbertablett serviert: Rassist, prinzipienlos, Militarist, all das ist ja im Prinzip allgemein bekannt, nur will es kaum jemand aussprechen.

    • @Marx; Ihr verlinkter Artikel ist eine plumpe Geschichtsfälschung
      Ich kommentiere nur ein paar Spitzen dieser Tatsachenverdrehung:

      Churchills Rolle beim Ausbruch des 1. WK

      Daß Großbritannien sich in das französische Intrigenspiel gegen Deutschland verwickeln ließ, war sicher die katastrophalste Fehlentscheidung der Geschichte Großbritanniens. Ohne diese hätte der 1. WK simpel nicht stattgefunden. Die diplomatische Unfähigkeit des deutschen Reiches, Wilhelm II. Hang zu martialischen Sprüchen und vor allem die maritimen Großmacht-Phantasien eines Tirpitz im Dreadnought-Race von 1905 bis 1913, ließen die französische Angstpropaganda in GB auf fruchtbaren Boden fallen. Die Tragik liegt darin, daß Deutschland bereits 1913 seine Flottenrüstung herunterfuhr und Großbritanniens Vormachtstellung anerkannte. Churchill folgte der alten britischen Maxime, sich mit der nächststärkeren Macht gegen einen (vermeintlichen) Opponenten zu verbünden. Seine Fehleinschätzung war, daß die Bedrohung für das Empire nicht in Deutschland lag, sondern in den USA. Die Auflösung des Empires war in der gesamten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Eckstein der amerikanischen Außenpolitik. Dieser blinde Fleck in Churchills sonst sehr rational geprägten Sicht der machtpolitischen Verhältnisse, entsprang wahrscheinlich seinen romantischen Vorstellungen über den gemeinsamen zivilisatorischen Auftrag der angelsächsischen Welt. Churchill empfand, auch auf Grund seine amerikanischen Mutter, eine Verbundenheit mit den USA, die dort nicht geteilt wurde. In diesem Artikel wird das fälschlicherweise als Rassismus verteufelt. Großbritannien empfand sich zu Recht als Heimstadt und Speerspitze von Parlamentarismus, des Rechtsstaates und der rationalen Aufklärung. Die von vielen hierzulande als Urknall der Demokratisierung verklärte französische Revolution, ist nur ein um 100 Jahre verspäteter Abklatsch der Entwicklungen im England des 17. Jahrhunderts.

      Frieden im Juni 1940

      Das wäre einer Kapitulation gleichgekommen. Nach der Niederlage in Frankreich und der Flucht der britischen Truppen, wäre die Position Großbritanniens unhaltbar geworden. Die Chance Hitler in die Schranken zu weisen, war 1936 nach der Besetzung des Rheinlandes durch deutsche Truppen von Baldwin vertan worden. Wie wenig Hitler Verträge bedeuten, hat sein Verhalten nach dem Münchner Abkommen unmißverständlich gezeigt. Churchill hat richtig verstanden, daß Hitler nur Stärke respektiert und ein Zurückweichen als Schwäche interpretiert. Ein Frieden im Juni 1940 hätte Hitler die Gelegenheit gegeben die UdSSR zu erledigen, da diese ohne britische und amerikanische Unterstützung der hocheffizienten deutschen Kriegsmaschine nichts entgegenzusetzen gehabt hätte. Durch ein dermaßen gestärktes Deutschland wäre Großbritannien zu einer unbedeutenden Insel am Rande Europas degradiert worden.

      Teheran-Konferenz 1943

      Churchill versuchte im Vorfeld verzweifelt mit Roosevelt eine gemeinsame Position gegenüber Stalin zu vereinbaren, da er die Bedrohung durch diesen sehr deutlich erkannte. Roosevelt verweigerte sogar ein Treffen mit Churchill und ließ sich von Stalin gegen Churchill benutzen. Roosevelt war die Zerstörung des Empire wichtiger, als Europa. Eine Fehleinschätzung die in Jalta ihren krönenden Abschluß fand. Churchill respektierte Stalin als effektiven Machthaber und Werkzeug gegen Hitler, war aber weit davon entfernt ihn zu bewundern, oder als Freund mißzuverstehen.

  11. Ach ja, Bücher.
    Wenn man Platz hätte wie man keinen hat.

    Ich muss ja gestehen: Mein Geschmack ist wohl tiefer angesiedelt als der Ihre.

    Perry Rhodan Silberbände, jeder Pratchett, ein Haufen Playboytaschenwitzbücher, Mr. Dynamit Groschenromane, Tom Clancy, David Weber, Ephraim Kishon, John Ringo, Dr. Morton, Karl May, Schwejik(sp?), Remarque… dazu noch Mangas aber auch westliche Comics wie Clever & Smart, Lucky Luke, Asterix, die Lustigen Taschenbücher.

    Nicht das man mich mit Geschichte nicht ködern kann. Lesen ist eine Sucht für mich, nur behindert durch meine strikte Weigerung Bücher zu entsorgen (Welche ich mindest einmal durch gelesen habe).

    Von Sachen die ich mir rein digital reinziehe – ich verstehe nicht wie man Tage für ein Buch brauchen kann wenn man nicht gerade ausschließlich im Bus liest – wollen wir mal ganz schweigen. Fanfiktion und Alternative Geschichte sind schwere Laster.

    Aber zurück zum Thema: Das Buchhändler in Deutschland Probleme haben glaub ich gern.
    Problem #1 Original Coverbilder? Nah, ich hab nen Neffen der hat was mit Medien gemacht.

    Ich mag, wie schon erwähnt Pratchett. Die alten deutschen Übersetzungen haben die Originalcover. Etwas eigenwillig aber stilvoll. Markant, könnte man sagen. Neuere Deutsche Übersetzungen Pratchett haben ihre eigenen Coverbilder. Potthässliche Geschisse des Modernismus die aussehen als wären sie ne Formatvorlage in Powerpoint.

    Amazon UK hat da geholfen weil Problem #2

    Die Fremdsprachenabteilung in Buchläden ist a. absurd klein b. meisten ziemlich nutzlos wenn man es wagt etwas anderes als Thriller und Romance lesen zu wollen.

    Aber, Problem #3 Mangelware

    Der original deutsche Sci-Fi Sektor, meiner Meinung nach, ist ein nicht-existent Sektor. Sicher es gibt deutsche Autoren die als Sci-Fi verkauft werden – die meisten sind aber nur ein bedauerenswerte Verschwendung von Papier.

    Was tut der deutsche Sci-Fi Fan also? Richtig, fremdsprachige Sci-Fi Autoren lesen.

    Guck mal do, Problem #4 Übersetzungen

    David Weber hat grob geschätzt doppelt soviel Titel in deutsch veröffentlicht als er auf Englisch geschrieben hat. Warum? Übersetzungen sind länger. Ok, stimmt. Das der Verlag dann aber einfach aus einem Buch zwei macht, frech. Das dann meistens auch noch 2-6 Monate vergehen bis Band 2 veröffentlicht wird, dreist.
    Das die Buchpreisbindung dann dafür sorgt das man den vollen Preis für 2 Bücher bezahlt (Also ungefähr 20 Euronen im günstigsten Fall) ist fast verständlich. Blöd nur das Amazon das englische Orginal für unter 10€ mit Versand und in 3 Tagen beschafft. Wenn man das einmal bemerkt fällt es erstaunlich leicht zu warten.
    Und was die Qualität der Übersetzungen angeht: Bei Sci-Fi müsste man einen Preisnachlass einfordern.

    Oh guck ein Rant über das Thema warum ich kommerzielle Sci-Fi nur noch auf englisch konsumiere, das ging schnell.

    • Deutsche SF...
      Fällt mir im Moment auch nur ein Roman ein, dermich wirklich gepackt hat:“Quest“ von Andreas Eschbach

    • Pratchett...
      besser im Original lesen. Sonst geht zuviel Wortwitz verloren.

      Die Qualitaet von Uebersetzungen bei Trivialliteratur (in beiden Richtungen) ist seit einer Reihe von Jahren bestenfalls Glueckssache. Was haben wir oft gelacht, wenn der Uebersetzer mit sicherem Griff unter mehreren Alternativen nicht den im jeweilgen Kontext richtigen Begriff, sondern den im Dictionary vorne an stehenden verwendet hat.

    • Sie sind nicht allein!
      Sie haben in vielen Punkten recht.
      Ich habe einen ähnlichen trivialen Geschmack und wechsel zwischen SF and Fantasy.
      Manchmal kommen noch Bände über Geschichte und Astronomie dazu.

      Die lesbaren, deutschen Autoren lassen sich an einer Hand abzählen.
      Markus Heitz zum Beispiel ist immer wieder lesbar, obwohl er dazu neigt anfangs übermächtige Gegner zu erschaffen, die am Ende doch leicht abgefrühstückt werden.
      Und manchmal sind die Romane sehr blutig.
      In Sachen SF, (jaja ich weiss, es sind Groschenromane) lese und sammel ich auch die Perry Rhodan Silberbände, wobei die maximale Regalkapazität in einem Jahrzehnt wohl erreicht sein wird. ;)
      Was mich nur stört ist, dass die Bücher mit vier pro Jahr nie zur Serie aufschliessen werden.
      Da fällt mir auf, die sammel ich schon mein Leben lang, mit dreizehn Jahren hat das begonnen, in den 80igern…

    • Wenn ich ehrlich bin, sind wedeer B. Traven noch Jorge Amado wirklich trivial. Sie haben teilweise eine trivilae Ebene, aber darunter ist sehr viel anderes. Sie machen es den Lesern halt nicht so schwer.

    • Science Fiction ist keine Literatur,
      sagte meine Mutter. Ich denke, sie hatte nicht ganz recht. Vieles ist Schund, aber die Phantasie hat es allemal angeregt. Und Parallelen zu heutigen Situationen ergeben sich fast automatisch schon aus den Dystopien von H.G. Wells oder G. Orwell. Allerdings gibt es wirklich nur sehr vereinzelt gute deutschsprachige Autoren. Nun lande ich wieder bei S. Zweig (hallo, Don!) und denke mir, dass dieser Autor heutzutage schon wieder in der verfemten Ecke landen würde. Den Literaturnobelpreis hat er vermutlich seiner Herkunft wegen dem T. Mann überlassen müssen, der ihn dann erhielt, unverdientermaßen, wie ich meine.

    • Titel eingeben
      an den Kenner mit Überblick gefragt; gibt es eigentlich positive Sci Fi?!

      Ich wundere mich immer mit welchen düsteren Visionen man sich da herumschlagen muss. Und denke die Leute unterschätzen die Macht der eigenen Gedanken, weshalb die Realität dann auch immer mehr so wird wie geschrieben, bzw. gefilmt…

    • @N°5
      Auf mich wirkt es, dass Science Fiction immer die Grundhaltung der Zeit widerspiegelt, in der sie geschrieben wird. Asimov, Niven, Heinlein, grob aus der Zeit von Sputnik bis Mondlandung, haben einen enormen grundsätzlichen Optimismus.

      (Was die Übersetzungen angeht: Ich bin selbst Übersetzer, und es müsste schon viel passieren, um mich zu einer Literaturübersetzung zu bringen. Das kann man sich im Regelfall nur als Hobby leisten, aber um tatsächlich gut zu werden, muss man viel, viel mehr Zeit reinstecken, als man für ein Hobby aufwenden kann.)

    • positive SF
      Cloud Atlas ist nicht schlecht, also das Buch zumindest. Würde ich als positiv werten, auch wenn einiges sicher durchwachsen ist.

    • Sci Fi (nicht düster)
      Ich habe als Teenie die ersten 500 Nummern von Perry Rhodan verschlungen. Danach wurde es düster. Da habe ich aufgehört (und mit „Landser“ weitergemacht).

    • Marcus Ingendaay
      hatte einen Preis für die Übersetzung von „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ von David Foster Wallace bekommen. Zu Recht, wie ich finde.

      Da hier Trivialliteratur erlaubt ist (natürlich als deaktivierter Link):
      ht tp://www.artnet.com/artists/edika/ougl-SwGSyCgf87p6hA1EGw6HFg2

    • SF
      Da empfehle ich IMMER Stanislaw Lem.
      Kennen viele nicht – das ist zu bedauern.
      Meiner Meinung nach SEHR lesenswert.

      GH

    • Deutsche Science Fiction
      Schauen Sie doch mal nach Österreich auf Marc Elsberg. „Blackout“ und „Helix“ sind spannend und machen auf ein paar schöne oder unschöne Möglichkeiten aufmerksam.
      Der Altmeister der Science Fiction kommt für mich aus Polen und heißt Stanislaw Lem. Romane, die man nicht vergisst heißen „Der Unbesiegbare“ oder „Solaris“ und viele weitere.

    • + SiFi
      Immerhin eine positive Kurzgeschichte: The Toynbee Convector von Ray Bradbury

  12. klassiker
    Ich kaufe mir gerne Klassiker. Die treffen nicht nur meinen Geschmack besser (und sind erheblich günstiger) als der ganze moderne Bestsellerkladderradatsch. Leider lenke ich mich zu oft ab. Das Angebot an Alternativen ist zu gross und ich bin zu bequem. Ich gebe es also zu: ich lese selten ein Buch.

    Die deutsche Sprache und der Ausdruck ist auch manchmal in alten Werken viel klarer.
    Wenn dann, wie etwa im Wissenschaftsbetrieb, nicht mehr in der Muttersprache publiziert wird, geht dieser Verlust an Klarheit der Sprache auch mit dem Verlust der Klarheit der Gedanken einher.

  13. Nazi-Krempel kann auch lustig sein ...
    … da empfehle ich: Hans Waal – Die Nachhut.

    GH

  14. caveat
    „Hic Rhodus, hic salta“ – im original Αὐτοῦ γὰρ καὶ Ῥόδος καὶ πήδημα – geschrieben von Αἴσωπος vor etwa 2500 Jahren, bezieht such eigentlich auf einen etwas aufgeblasenen Athleten, der meinte, er hätte die Insel Rhodos übersprungen, worauf er von einem Anwesenden aufgefordert wurde, es nun hier und jetzt nachzutun – das kann ja nicht Ihr Motto sein?

  15. Lesevergnuegen
    Hatte schon den Eindruck, die vielen Buecher in Ihren Haushalten seien reiner Standesschmuck, da Sie doch wohl recht viel Zeit mit der Online-Lektuere der Geisteserguesse von eher unerfreulichen Zeitgenossen und -genossinnen verbringen. Dass Sie trotzdem noch Zeit fuer richtige Buecher investieren, ehrt Sie, und ich bewundere Ihren – von mir nicht geteilten – Mut zur Lektuere zeitgenoessischer Autoren trotz der beschriebenen Furcht vor einer Leseenttaeuschung.

    Selber halte ich mich da lieber an Altbewaehrtes, eine Erwaehnung im Lagarde-Michat ist da beispielsweise wie ein Michelin-Stern, es kann nicht so viel schiefgehen, und die eigene Zeit ist knapp, wie ich als aelteres Semester schon schmerzhaft erfahren musste. Sie sollte gut investiert werden, und meine Neigung zum Leserisiko haelt sich daher in Grenzen.
    Uebrigens schaue ich nicht zuletzt deshalb ganz gerne in Ihren Blog – Lesevergnuegen ist da meist garantiert, trotz mancher eher unerfreulicher Themen.

  16. Keine Verrisse
    Lieber Don, das ist ein Text, der mir aus dem Herzen spricht, der Leseratte, die jahrzehntelang weltliterarischer Bückware in DDR-Buchläden und Bibliotheken hinterher hechtete. Amado, Garcia Marquez, Vargas Llosa, Saul Bellow, Joseph Heller, Salinger, … dazu kam der Kanon klassischer französischer, italienischer, spanischer, englischer, russischer, deutscher Literatur und als Scheidewasser das Zeug aus den Giftschränken sozialistischer Inquisition bis hin nach China: So wird einer süchtig. Er wird auch immun gegen Kitsch und Kommerz. All die bunten Kataloge aus Verlagen, die aufgeregten Lobhudeleien der Feuilletons lassen ihn ungerührt, ihn verlangt nicht nach Quote sondern nach Qualität.
    Wenn er ihr unter den -zig Tausend deutschsprachigen Publikationen eines jeden Jahres begegnet, lobt er sie öffentlich, niemals schreibt er einen „Verriss“. Dazu ist ihm seine und die Zeit der Leser zu kostbar. Das Problem: Der veröffentlichte Müll übersteigt um Größenordnungen das Maß des Lesenswerten – und was die Quotenmechanik (oder die zielgruppenoptimierten Verlagsprogramme) in die Redaktionen der Anstalten und der meisten Presseerzeugnisse drückt, lässt wenig Platz für Unentdecktes.
    Es dann doch zu entdecken, ist umso erfreulicher. Stärken wir den Buchhändlern und Bloggern den Rücken, die dabei helfen. Was groß werden soll, braucht mehr Zeit, als kurzatmige Medien heutzutage verkraften.

    • Oh, es gab im Osten keinen Amado? Erstaunlich.

    • Titel eingeben
      Zwei Mal bin ich Tipps einer reiferen Dame, na wie sie noch, die aus dem Literarischen Quartett, …also: zweimal bin ich ihrem Lesetipp gefolgt (lang ist’s her, ich war noch jung und naiv) und hab mir die beiden teuren dicken Bücher neu gekauft. Das war zu der Zeit, als Bücherpreise die 40-Mark-Schwelle gerade überschritten.
      Ich hab die Klötze dann ein paar Monate später entsorgt: unleserlich, verschwurbelt (aber leider nicht à la Henscheid), modisch, pseudo-irgendwas…
      .
      Noch’n Tipp: der Franzose Georges Perec (the late Harry Rowohlt meinte: man sollte in Perecs DAS LEBEN mindestens einmal im Jahr – in jedem Jahr – lesen). Wie bei der „Die Handschrift von Saragossa“ kann man im DAS LEBEN irgendwo einsteigen und dann blättern und „wandern“: hier durch die Wohnungen und Geschichten eines Pariser Hauses.

    • Nachdem ich an e verzweifelt bin, bleibe ich beim polnischen Grafen.

    • Amado
      … gehörte zu den Autoren westlicher Verlage, die in der DDR in Lizenz gedruckt wurden. Die Auflagen blieben meist weit hinter der Nachfrage zurück, Buchhändler mussten sich bücken, um sie für Stammkunden unterm Ladentisch hervorzuholen. In Bibliotheken waren sie nur mit Wartezeit zu haben.

    • Beispielsweise Amado
      Re @Don Alphonso, @Immo Sennewald: Für mich hat sich im Osten nie ein Buchhändler gebückt, ich hatte auch keine Privilegien, aber trotzdem habe ich aus alter Zeit Jorge Amado, William Faulkner, B.Traven, Maria Garcia Marquez, Heinrich Hesse, Gustav Schwab, die lyrischen Russen und solche Spezis wie Edgar Allan Poe, Conan Doyle, Jules Verne im Regal. Und zwar als ordentliche Werke der Buchbinderkunst, also mit Schutzumschlag und Leineneinband. Kein Paperback für die Zugfahrt zum Liegenlassen. Man musste allerdings regelmässig stöbern und Glück haben, das stimmt wohl. Was ich allerdings ausdrücklich bestätigen möchte: Gute Kunstbücher habe ich auch erst nach ’89 erschnappt, denn das war zuvor für die Ostverlage höchst wahrscheinlich ein Problem des Farbdrucks. Mit der deutschen Belletristik der Jetztzeit kann ich leider nicht viel anfangen. Ich wünsche mir, dass sich trotz der von der Möchtegern-GroKo mantrahaft beschworenen, aber eben nicht näher definierten Digitalisierung auch weiterhin viele Menschen für analoge Bücher und das Lesen begeistern. Und was die Groko im Speziellen betriff: Nö!

    • @Don Alphonso, 11. Februar 2018 um 09:50 Uhr
      Gerade so etwas Überambitiöses wie La Disparition kann man natürlich am wenigstens so übersetzen, dass für den Leser ein Genuss bleibt. Denn der auferlegte Zwang drückt schon im Original, wie dann erst, wenn der Übersetzer noch weitere Kompromisse eingehen muss … Ich kann das auch nur im Original lesen, und dann gewissermaßen nicht sprachlich, sondern allein musikalisch genießen, wie so manches Verlaine-Gedicht, weil der Verzicht den Sätzen einen fremdartigen, ganz unfranzösischen Klang gibt.

      Jedoch lohnt sich „Das Leben – eine Gebrauchsanweisung“ durchaus. Perec ist zwar kein ausgefeilter Sprachstilist, aber ein begnadeter Erzähler. Stellen sie sich Vargas Llosas „Tante Julia und der Kunstschreiber“ vor, aber ohne jede Rahmenhandlung, indem vielmehr die Einzelgeschichten selbst einen durchgehenden Zusammenhang herstellen. Zudem, und das müsste doch einem Bilderfreund gefallen, beginnt fast jedes der gegen hundert Kapitel mit der Beschreibung eines Stilllebens, ehe dann die Chose auftaut und die Puppen im großen Haus zu tanzen beginnen.

    • Bückware war schwer zu bekommen
      Es gab Amado im Verlag Volk und Welt (so was aber auch), „Tieta aus Agreste“ 1981, das Nachthemd… 1982, jeweils in erster Auflage, in Leinen gebunden – richtige Bücher also. Auch die anderen von Immo genannten Autoren sind mir von früher bekannt: „Catch 22“ hieß allerdings „Der IKS-Haken“

      Immo meinte Bückware, also schwierig zu bekommen, da die Nachfrage das Angebot bei weitem überstieg. Man musste nur Glück haben, Beziehungen – oder sich in der Bibliothek vormerken lassen. Das konnte aber dauern.

      Lenin-Bände gab es – zumindest gefühlt – immer, sogar in braunem(!) Kunstleder. Marx war blau. Aufrechnen ging nicht: Also 10 Leninbände und ein „Fänger im Roggen“ – letzteren in einer besonders feinen Ausführung mit geprägtem Leinen in der Reihe ex libris.

    • Auflagen und Buchkunst
      Es gab nicht nur ziemlich viele wesentliche Titel in der damaligen DDR, auch die Auflagen waren m.E. auf die Einwohnerzahl bezogen recht hoch. Es gab nämlich eine immense Nachfrage. Sicher bedingt durch die fehlenden Möglichkeiten, sich ein Bild der fernen Welten vor Ort zu machen. Dadurch war manches auch sehr schnell vergriffen. Ich hatte den Eindruck, dass wirklich viel gelesen wurde damals.

      Ein weiterer beschränkender Punkt waren die Lizenzkosten in „harter“ Währung (besonders problematisch wohl: Schweizer Franken, wie z.B. bei Erich Kästner – obwohl ich Fabian schon vor 89 gelesen habe). Man sollte für manche Fälle schon eine nette Buchhändlerin gekannt und vor allem auch den VD (Vorankündigungsdienst) regelmäßig gelesen haben, um immer alles Wesentliche zu bekommen. Das Schöne bekam man leichter: es war halt ein bißchen teurer.

      Bei Buchkunst und -ausstattung kann ich nur beipflichten. Der nicht ganz so Betuchte hat damals schon anstelle von kaum bezahlbaren Unikaten erschwingliche Illustratoren gesammelt. Leider wird diese Kunst zumindest an der traditionsreichen (Tiemann, Tschichold, Kapr, Schwimmer) Leipziger Kunsthochschule nach meinem Eindruck nicht mehr entsprechend weitergeführt. Eigentlich auch kein Wunder: Die ehemals ortsansässigen Verlage haben nach 89 ihre Leipziger Stammsitze schnell rückübereignen lassen und nach dem Ausräumen der Archive noch schneller dicht gemacht. Wozu also noch Buchkunst – ohne Verlage am Ort? Es gibt aber Lichtblicke und Ausnahmen. Wem das schöne Buch am Herzen liegt oder wer vielleicht auch mal ein Unikat sucht, sollte die Buchmesse demnächst nicht verpassen. Man muss dort ja nicht unbedingt nur zeitgenössischen Autoren huldigen.

      Mein persönliches Glanzlicht beim „schönen“ Buch? Die ersten Auflagen der „Terzinen des Herzens“ von Annemarie Bostroem: Beeindruckende ästhetische Kraft so unmittelbar nach dem Krieg – in Wort, Schrift und Aufmachung.

  17. Schwarzrandbrillenträger mit Rolli...?
    „…Schwarzrandbrillenträgern, die einen Rollkragenpulli tragen und sich deshalb trotz Tätigkeit für SPON…“

    -> Fleischhauer? Oder sehen da noch mehr so aus…? ;-)
    Wobei JF als Kolonialinquisitor…? #confused

    • Nein, jemand, der sich gern auf Schirrmacher beruft, der ihn wiederum nicht leiden konnte. Der SPON-Andenkenschänder vom Dienst.

    • Doch...
      …da gibt es noch einen, der schreibt ziemlich unverdauliches Zeug und trägt auf dem Bild ein weißes Hemd und Jackett.

    • "Der Kritiker"
      So nennt sich der Großinquisitor bescheiden selbst.

  18. AB
    Die Andere Bibliothek (meistens) auch.
    Ein Leser.

  19. AB
    Die Andere Bibliothek (meistens) auch. Ausnehmen, meine ich.
    Ein Leser.

  20. Titel eingeben
    Romane zu lesen ist m.E. Zeitvergeudung, das ist ein im Grunde überholtes Format.
    Und wenn man das schon macht, kann man sich ja wenigstens an klassische Autoren wie Joseph Conrad halten, die wenigstens noch etwas Substanzielles zu sagen hatten („Nostromo“ ist m.E. empfehlenswert, „Heart of darkness“ dürfte ja allgemein bekannt sein).
    Dass Autoren aus einer dekadenten und in großen Teilen einfach nur dummen Gesellschaft wie der heutigen deutschen nur Belanglosigkeiten von sich geben, ist aber auch nicht wirklich überraschend. Werke von bleibendem kulturellen Wert werden in diesem geistig abgewirtschafteten Mediokritätenland doch schon lange nicht mehr geschrieben.

    • Sie lesen hier aber mehr oder weniger einen Fortsetzungsroman.

    • Zeitverschwendung
      Sehr geehrter Tommy,

      ich gebe Ihnen recht, der Roman ist nicht die Literaturgattung dieser schnelllebigen Zeit. Wieviel Zeit müsste allein in seine Komposition und den Schliff der Sprache investiert werden, siehe zum Beispiel Henry James (1811 – 1882). Ich hoffe jedoch, das es immer Menschen geben wird, die einen guten Roman lesen, egal wieviel Zeit es beanspruchen würde.

      Mir fallen bei Ihren Worten Harold Bloom ein, meiner Ansicht nach der größte Literaturkritiker der USA, der einmal provokativ sagte, Shakespeare sei der Höhepunkt literarischen Schaffens gewesen, alles was nach ihm kam, ihm nicht mehr ebenbürtig.

      Ich erwähne diesen Gelehrten jedoch auch deshalb, weil er in seinem Buch „The Western Canon“, alle Werke, die er als lesenswert empfindet, in verschiedene Epochen und nach Ländern gliedert. Er schreibt auch ausführlich über einige der gelisteten Bücher. Ich finde darin immer wieder einen neuen Titel, den ich mir dann vornehme. (Überigens hatte auch die Encyclopedia Britannica eine Sammlung „Great Books“ herausgebracht – die größten Bücher der Menschheit, ob naturwissenschaftlich oder philologisch.)

      Eine weitere interessante Gruppierung von literarischen Werken hat Harold Bloom in seinem Buch „Genius“ vorgenommen. Nach einer Definition was „Genius“ sei, sortiert er 100 große Geister in ein kabbalistisches Schema, Shakespeare zum Beispiel unter „Keter“, Goethe unter „“Hokmah“, auch Homer, Plato, Dante… eine, wie er selbst sagt, etwas willkürliche Zusammenstellung der weltgrößten Geister. Er erläutert seine Wahl und Einordnung, und man sollte etwas über die Kabbala wissen um es zu lesen. Gute Englischkenntnisse ebenfalls…

      Ich finde es wichtig, Lesen zu fördern und zu pflegen, siehe hierzu Mortimer Adler „How to Read a Book“ (Adler war unter anderem im Vorstand der Redaktion der Britannica) oder Harold Bloom „How to Read and Why“ – ich kenne leider keine deutschen Bücher hierzu, die ich empfehlen könnte. Es bedarf manchmal neuer Anreize, um weitere gute Bücher zu finden. Ich persönlich werde mit den Werken im „Western Canon“ den Rest meines Lebens beschäftigt sein, wenn ich das überhaupt schaffe. Soweit ich weiss, hat Mr. Bloom diese selbst gelesen, ein absolut bemerkenswerter Gelehrter, Literaturprofessor und Kritiker.

    • @ Don Alphonso 11. Februar 2018 um 01:15 Uhr - Fortsetzungsroman
      wenn Fortsetzungsroman dann „Tristram Shandy“ von Sterne!

  21. Index Librorum Prohibitorum
    Ja, so manches Buch ist schwere Kost. Umberto Eco allerdings fand (Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘; dtv), dass die ersten hundert Seiten eines Buches „die Funktion einer Abbuße oder Initiation“ haben. Nun, damit kennen Sie sich wahrscheinlich mehr aus als ich, der ich ein ungetaufter Protestant bin. Ich esse allerdings sowohl Leberkäse als auch Piepen (auch Kutteln, Flecke, Kaldaunen, Sulz oder Flauzen genannt) – man lässt halt nichts umkommen (pun intended). Was den Waschzettel angeht, so verhält es sich damit wie mit Trailern von Filmen: alle interessanten Stellen (vulgo: Gags) mögen darin schon enthalten sein. Womit ich wieder bei den Resten wäre: wohl bekomm’s, wenn’s denn gefällt.

  22. die richtige Einstellung
    „… Leserschichten anzusprechen, denen nur mit viel Sex und Gewalt eine undogmatische Ahnung der richtigen Einstellung angeboten werden konnte.“

    Schön formuliert)

    Keine Ahnung, ob es als gute Literatur gehandelt wird, aber sofort musste ich an Jorge Semprun denken, sein Buch „Algarabia“.

    Mag vielleicht an meiner damaligen Lebensphase gelegen haben, aber als erwachsenen Mann fühlte ich mich tatsächlich erst, nachdem ich dieses Buch gelesen hatte. Und darum habe ich es wohl auch nie vergessen, dieses Gefühls, Selbstwertgefühls wegen, das einem ein völlig Fremder vermitteln kann, als wäre er ein guter Freund.

    Ich glaube, das ist der Zauber von Literatur – dass da unbekannterweise ein Band entstehen kann. Na ja, andererseits gilt, dass Literatur ein Geschäft ist und bleibt – und wieviele Freunde lernen wir selbst im Geschäftsleben kennen?

  23. Der heutige Zeitgeist...
    …ist halt öde, das spiegelt sich dann auch im Kulturbetrieb. Und die Leute schauen sich ja offenbar auch gegenderte Filmremakes an.

    • Bücherverheizen
      Bücherverbrennungen gab es in der gesamten Menschheitsgeschichte. Erste Verbrennungen sind bereits aus der Antike bekannt.
      „Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und berechneten, was sie wert waren, und kamen auf fünfzigtausend Silberdrachmen”. (Apostelgeschichte 19,19)
      Politische und vor allem kirchliche Machthaber, denen kritische Geister gefährlich zu werden drohten, begnügten sich nicht allein damit, Bücher und Schriften zu verbieten und zu indizieren sondern ließen sie öffentlich verbrennen.

  24. Bücherverbrennungen werden wiederkommen
    Werter Don,

    bringen Sie Ihre literarischen Schätze besser außer Landes. So wie „1984“ blitzschnell von der Realität überholt wurde, wird es vermutlich auch mit „Fahrenheit 451“ passieren. Denn echte Bücher braucht niemand. Gibt es doch alles digital. Und das kann man bei abweichender Ideologie dann auch nachträglich ganz bequem löschen. Amazon hat das schon praktiziert. Und die Bücherverbrennung gab es schon zu Nazi-Zeiten.

    Die Geschichte wiederholt sich – immer und immer wieder. Sie als Historiker sollten das wissen. Nur die Seiten wechseln sich ab.

    • Ach, da mache ich mir keine Sorgen. Es ist mehr die Frage, was in zukunft so alles weglektoriert wird. Hier mal eine Feministin und Nachwuchsautorin auf Shitstormkurs:

      https://twitter.com/beritmiriam/status/962285918538338304

    • Phrasenentschärfungsministerium
      Zitat:
      „Warum machte die Not – wenig Land, viel Wasser, viele Überschwemmungen – die Niederländer erfinderisch, die Indianer des Amazonas-Deltas und die um den Yangzi siedelnden Bauern aber nicht?“
      Zitat Ende

      So eine Frage ist schon toxisch und muss verboten bzw. entschärft werden?

      Ich glaube, ich bin wirklich langsam zu Alt für dieses Land.

      Da kommt man langsam auf den Gedanken, eine starke Wirtschaftskrise, Pestilenz, oder Hungersnot wäre mal das richtige, um dieses Land ordentlich durchzupusten und manchen, der meint man müsse sein Leben mit dem Durchsuchen von Büchern nach nicht genehmen Phrasen zu verbringen, mal einzunorden.

    • Nein, aber sie sollten halt aufpassen, welche Leute gerade nach oben geschwemmt werden. Der Betrieb liebt solche toxischen Figuren gerade sehr.

    • Berit Glanz ist Autorin?
      „Wie kann sowas in 2017 durch ein Lektorat gehen,… “

      Schreibt sie Deutsch oder Denglisch?

    • Sie fügt Buchstaben aneinander. Das nennt man gemeinhin „Schreiben“.

    • Überschwemmung
      …vermutlich weil sie es konnten (jedenfalls besser als Fußballspielen…sorry).

    • Glanz und Abglanz
      Berit Glanz ist wissenschaftlche Mitarbeiterin am Institut für Fennistik und Skandinavistik der Universität Greifswald.

      Das Institut zeigt seine Denkstruktur, indem es „Mitarbeiter“ auf seiner Homepage „Mitarbeitende“ nennt. Daneben ist von „Lehrstühlen“ die Rede. Muss das dann nicht konseqeuenterweise „Lehrstuhlende“ heissen?

      https://ifs.uni-greifswald.de/forschung/promotionsprojekte/berit-glanz-skandinavistik/

    • gleich mal bei Heiko Maas melden.

    • @Thomas Marx
      Das Ende des Lehrstuhls für die mikrobiologische Untersuchung der Darmflora. Dann macht’s wieder Sinn.

    • Bücherverbrennungen?
      Da brauchen Sie nicht lange zu suchen. Die Liste der unter den Nazis indexierten Druckerzeugnisse umfasste 7500 Titel.
      Die Liste der Titel, die die Russen nach dem Krieg den Westalliierten übergaben und von diesen unbearbeitet übernommen wurde, enthielt 35 000 Titel, die die Deutschen nach 1945 nicht mehr lesen durften und wurde seitdem nur ergänzt, nie gekürzt,.
      Heute macht man das unter dem Vorwand des Jugendschutzes und Titel, die als „Jugendgefährdend“ klassifiziert werden, dürfen zwar offiziell unter dem Ladentisch verkauft werden, tauchen in der Realität aber nirgendwo mehr auf. Man weiss nichteinmal genau, wer hier seine Finger alles im Spiel hat.
      Vor 10 Jahren habe ich mal die Liste der in Deutschland indexierten Titel gesehen. Die hatte über 250 Seiten und umfasste über 50 000 Titel.
      Schauen Sie mal in WikiPedia unter „Zensur in Deutschland“ und dann fragen Sie sich, in was für einer Art Staat wir leben.
      Bücherverbrennung ist heutzutage nicht mehr nötig. Das kann man heute viel eleganter.

    • Gut, man muss das ganz offen sagen, offizielle Buchproduktion im Dritter Reich war wirklich zum Vergessen. Dass man später die Mutzenbacher auf den Index setzte – ja, übel.

    • Vor langer Zeit
      habe ich den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als Büchlein gekauft. Das war zu sehr großen Teilen uninspirierend, da dort zB etliche Ausgaben von Zeitschriften im Kaliber „Praline“ aufgeführt sind.
      Echte Pralinen waren aber darunter, für mich zB „Der stählerne Traum“ von Norman Spinrad.

    • Fällt für mich unter...
      https://twitter.com/beritmiriam/status/962285918538338304

      Das fällt für mich mal wieder unter „Schwein ist, wer schweinisch denkt.“

      Feminist*In sieht in der benannten Evidenz Rassismus – wahrscheinlich den ihr eigenen gespiegelt. Und macht erschrocken das Buch zu, da nicht sein kann, was nicht sein darf. Und überkompensiert ad hominem in Richtung Autor. Rassist ist aber, wer rassistisch denkt. Und nicht, wer beim benennen von Evidenzen als rassistisch interpretiert wird.

      Die gestellte Frage ist für den Wissenssuchenden grundsätzlich interessant – er nimmt die benannte Evidenz, analysiert, abstrahiert, theoretisiert, falsifiziert und verifiziert und kommt am Ende vielleicht auf eine Theorie, die allgemeingültig anwendbar und damit auch für zukünftige Entwicklungen nutzbar wäre (so im Sinne von Fehlentwicklungen früh erkennen und proaktiv begegnen). Also das, was früher Sozialwissenschaften waren, als sie noch Erkenntnis suchten und nicht Ideologie produzierten. Aber das wäre wohl Arbeit und läßt sich nicht in den 120 Zeichen Twitter-#Demo der Stunde unterbringen.

  25. Nicht Geld, sondern Lebe
    Nach einem Germanistikstudium lese ich nur noch, was ich will! Jedes Buch hat 10 Prozent seiner Seitenzahl mich zu überzeugen weiter zu lesen. Gott sei Dank gibt es immer noch eines, dass noch besser ist oder ich nehme es aus meinem Regal. Wenn ich mir überlege, dass Pippi Langstrumpfs Vater nicht mehr Negerkönig sein darf oder dass in der „Kleinen Hexe“ die Kinder sich nicht mehr als Zigeuner verkleiden dürfen, dann sieht man wohin die Reise geht. Wohl dem, der eine eigene Bibliothek hat. — Und wenn Amazon samt Kindle keinen Zugriff drauf hat.

  26. Baronin von und zu Franckenstein, geb. Miss Toner
    Ich lese gerne alte Sachbücher. Zur Zeit: „Die Rote Armee an Rhein und Ruhr“ von 1920, in dem die Massaker der zwei in Deutschland wütenden Roten Armeen (eine in Bayern und eine im Ruhrgebiet) unter der Zivilbevölkerung ausführlich beschrieben sind.
    Dazu gibt es auch ein Buch von Erich Honnecker, wo er voller Stolz seine Genossen verehrt.

    Niemand braucht sich zu wundern, wenn Teile des Volkes später radikal antikommunistisch wurden und panische Angst vor einem Sieg der echten „Roten Armee“ hatten.

    Davor habe ich gelesen: „Die Handhabung der Medizinalpolizei in Bayern – Sammlung der wichtigsten Gesetze, Verordnungen und Ministerialerlasse aus dem Gebiete des Medizinalwesens“, Erding, 1926.
    In diesem geht es vor allem um Imfungen und seuchenhygienische Maßnahmen zur Eindämmung der damals noch in Bayern grassierenden Seuchen der Pest, Cholera, der Pocken, des Fleckfiebers, Gelbfiebers und des Aussatzes (Lepra).

    Ich finde es eine gewaltige Leistung, diese Seuchen innerhalb von ein paar Jahren nicht nur eingedämmt, sondern komplett ausgerottet haben.
    Das sind diese Leistungen vergangener Generationen, auf die unsere Gesellschaft heute aufbaut und die trotzdem keiner kennt.

    Wenn in BENTO mal wieder geschrieben steht, Frauen hätten in Deutschland erst seit den 70er Jahren selbstständig arbeiten dürfen und das hätte der Feminismus erstritten, dann verweise ich auf das selbe Werk, wo unter der 52. Verordnung von 1910: „Leitsätze für die Säuglingsfürsorge/Krippenwesen“ geschrieben steht:

    1. Die Krippen sollen gegen mäßiges Entgelt Kinder der ersten drei Lebensjahre ohne Ansehen des religiösen Bekenntnisses oder der Abstammung in Tagespflege aufnehmen. Das Entgelt soll die Kosten der verabreichten Nahrung nicht übersteigen.
    Bei der großen Zahl von Frauen, die zum Erwerbe ausser Haus gehen müssen, ist die Einrichtung von Krippen ein vielfaches, namentlich in Fabrikorten bestehendes Bedürfnis…“.

    Dann folgt die Anweisung, Müttern, die zum Stillen ihrer Kinder den Arbeitsplatz verlassen müssen, den Verdienstausfall durch ein sogenanntes „Stillgeld“ auszugleichen, da die natürliche Ernährung beim Stillen der wichtigste Beitrag zur Eindämmug der Säuglingssterblichkeit sei.
    Zu diesem Zweck haben Betriebe auch spezielle Stillräume einzurichten und stillenden Müttern gesunde Nahrungsmittel kostenlos oder mindestens verbilligt zur Verfügung zu stellen.

    Dann folgen Bestimmungen des gesetzlichen Mutterschtzes, der mir besser erscheint, als heutzutage.

    Sehr amüsant finde ich den „Königlich Bayerischen und adeligen Damen-Kalender von 1914“, herausgegeben mit „allerhöchstem königlichem Privilegium“ von Alois Schwaiger, München, Königlicher Rat und Geheimer Sekretär im Königlichen Oberkämmereramt.

    Wie soll man schon wissen, ob man, wenn man auf einer königlichen Gala als Dame mit Schleppe erscheint, den Theresien-Orden, so man ihn hat, öffentlich herumtragen darf. Antwort: zu hellblauem Kleid aus Seidenstoff darf der Orden mit breitem Bande angelegt werden.

    Wenn aber die Herren in (gewöhnlicher) Uniform oder schwarzer Kleidung, mit angelgtem Orden (Stern auf der Brust oder Ordenskreuz um den Hals) erscheinen, tragen die Theresien-Ordens-Trägerinnen diesen mit Schleife auf der linken Brust zu einem bunten Kleid.

    Und wenn die Herren in schwarzer Kleidung und ohne Orden erscheinen, dürfen auch die Damen die Orden ablegen.

    Unter den 20 Seiten von Hofdamen ersten, zweiten und dritten Ranges sticht besonders hervor: Gertrud, Freifrau von Franckenstein, geborene Miß Toner und deren noch zu habende Schwester Julie, Freiin von und zu Franckenstein.

    Die Anglohilie der alten Bayern zeigt sich darin, dass Anna, Freifrau von Schrottenberg eine geborene MacDonald ist und Grace, Gräfin von Froberg ist eine geborene Hilton.

    Dass Mabel, Freifrau von Nagel zu Aichberg eine geborene Miss Dillon-Nasmith ist, wussten Sie wahrscheinlich genausowenig, wie, dass es sich bei Ethel, Gräfin von und zu Lerchenfeld auf Köfering und Schönberg um eine geborene Miss Wyman handelt.

    Einzig und allein Mathilde von Ribaupierre, die hatte allen Grund zu einer heiratstechnischen Namensänderung, die hiess nämlich vorher Mathilde Mutzenbecher, was zu Verwechselungen und Verhohnepiepelungen geführt hätte.

    Wenn demnächst hier Beiträge erscheinen, die mit Pseudonymen wie „Otto, Graf zu Castell-Castell“, „Albrecht, Graf zu Erbach-Erbach und Warthenburg-Roth“, „Karl Alexander, Freiherr von Rußwurm“ oder „Emanuel, Graf Basselet de la Rosée“ überschrieben sind: ich könnte mich an diese Namen gewöhnen.

    Romane lese ich leider keine.

  27. Titel eingeben
    Danke für die vielen Lesetips

    • Gern geschehen.

    • Lesetippdanksagung
      Genau, vielen Dank dem Don für die so umfänglichen Leseempfehlungen !
      Und ein kleiner Nachsatz, klar gab es (ost-) deutsche SF ! Da ist unbedingt Gert Prokop zu nennen, mit Der Samenbankraub oder Wer stiehlt schon Unterschenkel . Aber nicht zu verwechseln mit dem Pathologen gleichen Nachnamens, das war sein Bruder. Wenn der auch beachtliche Literatur schuf, ausgehend von seinem Fachgebiet, das muß man aber mögen. Und zur SF noch ein kleiner Blick über den Tellerrand, Arkadi und Boris Strugazki, immerhin wurde nach deren Roman ein Film im damals noch westlichen Ausland gedreht. Sicherlich nicht immer eine Empfehlung, nun gut.
      Jedenfalls schöner Artikel, eine Erbauung in übler Zeit. Danke !

    • Gern geschehen.

    • Nachsatz zum Nachsatz
      < Und ein kleiner Nachsatz, klar gab es (ost-) deutsche SF

      Man suche und finde:

      – Menschen wie Götter
      – Der Ring der Gegenzeit

      Das war SEHR lesbar, obwohl es aus der SU kam, und ich glaube
      nicht, daß es im Westen sehr bekannt wurde.

      GH

    • Steinmüller nicht vergessen
      Andymon von den Steinmüllers. Positive SF, sehr optimistisch.

      Nach Snegows „Menschen wie Götter“-Trilogie hab ich lange gesucht, bis ich wieder eine Ausgabe gefunden hab (hab nach der Wende ziemlich viel Ost-Literatur abgegeben, um Platz zu schaffen). Würde ich nicht als den großen literarischen Wurf ansehen, aber hatte eine interessante Interpretation der Physik :D

      Manches lernt man erst schätzen, wenn man alt genug geworden ist. Lems „Die Stimme Gottes“ („His Masters Voice“ glaub ich im Westen) brauchte bei mir 30 Jahre, um im Regal zu reifen. Apropos Lem: Nichts macht die Entwicklung eines Autoren und seiner Gesellschaft deutlicher als zwei seiner Werke zu vergleichen. Exemplarisch hier „Der Unbesiegbare“ und „Fiasko“ von Lem. Analytisches lesen macht durchaus Spaß.

  28. Werter Don,
    Sie sind ein Phänomen.

    Sie lesen Bücher und nicht nur solche, in denen man nur blättert, verbringen viel Zeit auf Ihren Drahteseln oder auch beim Rumschrauben, wechseln ständig zwischen Ihren Wohnsitzen, moderieren Ihre Beiträge mit mehreren Hundert, gelegentlich über 1000 Kommentaren – gut gespickt mit links, recherieren und finden auch noch Zeit (versüßt mit einer Torte?) für einen locker, flockigen Beitrag über Bücher.

    Wenn ich bei mir ins Wohnzimmer schaue, dann stapeln sich da Bücher, meist un- oder nur angelesen, weil mir Wandfläche fehlt und ich noch nicht dazugekommen bin, meine Regale auf Doppelbelegung umzubauen. Bei Ihren Blogs hänge ich bei Ende September. Je 1000 Kommentare, selbst ohne auch nur einen link zu öffenen, dauern seine Zeit.

    Wie machen Sie das eigentlich?

    MfG
    Alfred Haas

    • Einfache Antwort: Ich habe keinen Fernseher.

    • Verschwörung
      Die Lösung ist doch einfach.

      Es gibt weder einen DON noch einen Herrn Meyer, sondern eine fünfzig Personen starke Taskforce aus Hartz IV Empfängern, die irgendwas mit Journalistik oder Sozialwissenschaften studiert haben.
      Die verdienen sich jetzt halt ein paar Euro dabei und sind von der Strasse.

      Die Bilder auf Twitter zeigen den gecasteten Schauspieler Erwin Huberbauer.

      Übrigens Kennedy starb erst 2001, er lebte bis dahin in einem Appartment im World Trade Center.

    • Noch ehrlichere Antwort
      Sie müssen keiner regulären Erwerbstätigkeit nachgehen und haben keine Familie. Fernseher habe ich auch keinen, trotzdem würde es nie und nimmer dazu langen.

    • Kennedy lebt!
      Kennedy leitet zusammen mit Elvis Presley die „Neuschwabenland.Taskforce“ auf der geheimen Antarktisstation der Nazis.
      Von dort werden mit den Haunebu-Reichsflugscheiben die berühmten Chemtrails verteilt, die dafür sorgen, das wir in einer imaginären Realität leben.
      Die echte Realität ist im Film „Matrix“ beschrieben.
      Das weiss nur keiner, das ist geheim (jedenfalls ziemlich).

      https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsflugscheibe

      https://de.wikipedia.org/wiki/Neuschwabenland

    • Verschwörung
      < Die echte Realität ist im Film „Matrix“ beschrieben.

      Nein, nein, nein, die echte Realität ist im Film "Iron sky" beschrieben.

      GH

    • Iron Sky
      Den habe ich mir auf Ihre Empfehlung hin schon besorgt. Hatte nur noch keine Zeit, ihn ganz anzuschauen. Weiss aber schon, um was es geht. Neuschwabenland lebt!

    • @ Thomas Marx 11. Februar 2018 um 16:44 Uhr - Kennedy lebt
      Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Wahrheit über Elvis und Kennedy erfährt man in der Dokumentation „Bubba Ho_Tep“.

  29. Erkenntnis aus "La grande bellezza"
    „…Früher empfand ich es als persönliche Niederlage, ein Buch nicht auszulesen, Inzwischen bin da radikal: Es gibt keinen Grund, sich von so einer Person nach einer gewissen, ernsthaften Abmühung am Text auch nur eine weitere Minute Lebenszeit vergällen zu lassen…“

    Jep Gambardella in „La grande bellezza“: „Die wichtigste Erkenntnis wenige Tage nach meinem 65. Geburtstag ist die, dass ich keine Zeit mehr mit Dingen verlieren moechte, auf die ich keine Lust habe.“

    • Ich habe noch nie ein buch gelesen, das nach 50 schwachen Seiten besser wurde.

    • Ich habe noch nie ein buch gelesen, das nach 50 schwachen Seiten besser wurde.
      Der erste Satz eines Romans muss den Leser in die Geschichte ziehen. Schlechtes Zeichen wenn der erste Satz schon Wischi Waschi ist.

    • also da bin ich deutlich toleranter, ich erinnere nur an den nichtssagenden Anfang von Brideshead.

    • ... was ist dagegen zu sagen ?
      „When I reached ‘G’ Company lines, which were at the
      top of the hill, I paused and looked back at the camp, just
      coining into full view below me through the grey mist of
      early morning. We were leaving that day. When we
      marched in, three months before, the place was under snow;
      now the first leaves of spring were unfolding. I had reflected
      then that, whatever scenes of desolation lay ahead of us, I
      never feared one more brutal than this, and I reflected now
      that it had no single happy memory for me.

      Here love had died between me and the army.“

      Was ist da zu kritisieren? Das kriegt eine #meetoo-Tussie so niemals hin.

  30. Warum nur denke ich jetzt an...
    …..Ça Ira? An dies irae?

    Sehr schöner Ausflug in die Welt der schönen Bücher.

    Ich fürchte, dass sie bedroht sein könnten, wenn die Orientierung an der leichtlesbaren Unterhaltung weiter anhält.

    Hoffe, das es keine Autodafés geben wird, wenn die Säuberungswelle schwabt.

    Eins ist mir noch unklar: nach welchem Motto ordnen Sie Ihre Bibliothek?
    Alphabetisch und nach Farben offenbar nicht und das ist gut so.

    • doch, die säuberungswellen werden natürlich kommen, wenn die erst mal amado lesen. Es ist wirkluch obszön und geprägt von rassistischen Einstellungen, und das darf natürlich nicht sein, gerade weil Amado das einem so schmackhaft macht. Ausserdem verhöhnt er genau diese Moralapostel, siehe Vasco Moscoso.

    • "Orientierung an leichtlesbarer Unterhaltung"
      Bald werden sicher Bücher oder Buch-downloads mit Zeitangaben, wie lange man durchschnittlich zum Lesen braucht, versehen.
      Wie jetzt schon bei vielen online-Zeitungsartikeln.

  31. Titel eingeben
    Ich empfehle James Salter „Jäger“..

  32. Sorgfalt
    „…Auge auf den stetig wachsenden Bücherstapel am Sofa ruht,…“
    Dein Auge ruht also auf den Stapel…
    „Wenn ich in Bad Tölz bin, zum Beispiel, gibt es eine hübsche kleine Buchhandlung.“
    Wenn Du nicht in Bad Tölz bist, gibt es die also nicht…?
    und so weiter!
    Vielleicht liest der Don das, was er so absondert, noch einmal, bevor er es abschickt. Würde der FAZ gut zu Gesicht stehen…
    Im übrigen rate ich zu Reinhold Schneider: „Winter in Wien“, das macht alles wieder wett…

    • Das erste war ein Fehler, das zweite dahingeplaudert. Ich bin nicht der Ansicht, es jedem recht machen zu müssen, manche mögen es halt und wenn es nicht so wäre, würde man es schon merken.

    • ... das Lektorat kommt sicherlich ...
      … für die Print-Ausgabe, wobei es außer dem Antaios-Verlag keinen Verlag geben dürfte, der das Wagnis ohne verstärkten Sicherheitsdienst wagen würde, bis dahin hat das mE Zeit. Das Netz verzeiht Schreibfehler. Hihi, der Don auf Schnellroda, im strengen Lektorat von Frau K.

      Immer noch m.E. bei uns zu wenig bekannt

      – Gotthelf – Bauernspiegel, die Uli-Romane
      – Th. Bernhard – zB der Atem, Wittgensteins Neffe.

      Bevor man die Elaborate der Berliner Lattesäuferinnen und #meetoo-Tussies oder erlöser- und göttergleichen Kermanis & Co. anfasst empfiehlt sich irgendein abgelegener Text von Schiller, Heine, Goethe, Stifter, hofmannsthal, Nietzsche, Kafka, Rilke, George, Hesse, Brecht, Adorno. Borges, Eco, huellebecq – günstig und gut.

      Ich tausche eine Seite Pascal oder Montaigne gegen das meiste, was an aktueller deutscher Literatur auf den Markt geworfen wird.

      Zu den Marmorklippen von jünger ist übrigens in der Printausgabe gerade ein, wie soll man das nennen?, höchst missratener „Text“ von Durs Grünbein erschienen, der eher dazu motiviert, dieses ja so brandgefährliche Buch einmal zu lesen, wenn der Grünbein offenbar mit dem Lesen Schwierigkeiten hat; selbstredend nur in der kritischen Ausgabe mit einhegenden Fußnoten …

    • @Sirisee
      Vergessen Sie Grünbein;

      Versuchen Sie mal den großen Unbekannten

      Carlo Emilio Gadda:

      Die gräßliche Bescherung in der Via Merulana

      Die Erkenntnis des Schmerzes

      Die Liebe zur Mechanik

      List und Tücke

      Cupido im Haus Brocchi

      Adalgisa

      Mein Mailand

      Vier Töchter und jede eine Königin

      Die Wunder Italiens

    • Stimmt, Via Nerulana ist toll.

    • Ich bin nicht der Ansicht, es jedem recht machen zu müssen, ...
      … weil: Jedem recht getan ist eine Kunst die niemand kann!

      Das wird dann eine richtige Merkelei.

      Da ist uns ein Grantlhuber (der natürlich kein Stänkerer ist) schon weit lieber…

    • @Lichtenberg
      Danke, schaue ich mir an.

      Beim Grünbein bin ich auch skeptisch, aber der aktuelle Band „Zündkerzen“ enthält einige wirklich gute Gedichte, zB „Aus einem Buch der Schwächen“.

      „Gut“ heißt: im Vergleich zu dem Schrott, der einem in aktueller Lyrik angeboten wird, schon etwas besser; aber natürlich nicht annähernd mit einem Brecht oder Rilke vergleichbar, sozusagen Oberliga versus Champions League….

  33. gut und schön und richtig
    und nur noch das dazu: Ja, seit gut 10 Jahren steht auch für mich fest: Lesezeit = auch Lebenszeit, und wenn die ersten Seiten enttäuschen, lass ich’s bleiben.
    Und, mit zunehmendem Alter werden zumindest beim Lesen die Überraschungen weniger. Ein „Ach, das schon wieder, das ähnelt ja dem & dem Buch, vor Jahren…“ – und aus.
    Oder das know-how springt aus jeder 2. Seite hervor und, ja klar, Autor, Autorin will inhaltlich und oder formal mit leicht durchschaubaren Tricks zum Weiterlesen verführen.
    Aber immer noch große Freude, weil ich vor ungefähr einem Jahr Thomas Mann entdeckt habe! (Für mich)
    Und in einer kleinen Buchhandlung den Dezsö Kosztólanyi („Die Lerche“).
    Und andere, wenige Ausnahmen, die bleiben dürfen und aufs Wieder-einmal-Gelesenwerden warten.

    • Titel eingeben
      Thomas Mann ist und bleibt ein Meister der Sprache und Konstruktion. Ich empfehle, neben Zauberberg und Buddenbrooks dringend die Josephsromane. Auch Thomas Hardy ist ein Klassiker erster Qualität, der in Deutschland erstaunlich wenig bekannt ist. An neueren Büchern lohnen sich z.B. Donna Tartt (Der Distelfink) und Hilary Mantel (Wölfel, Brüder).
      Es sind nicht zuletzt übersättigte Feuilletonisten, die den Erfolg und damit Ton und Themen der aktuellen Literatur bestimmen. Dabei ist die Besprechungsqualität oft so schlecht, die literarische Bildung so schwach, dass Autoren nur hoffen können, ignoriert zu werden.
      Schade, dass jedes, wirklich jedes Thema hier zum Anlass der Frauenbeschimpfung genutzt wird. Ich warte schon auf den üblichen Sermon zu Fett in Leggins, Männer, sucht euch Frauen aus dem Osten usw. Auch dass Frauen mehr lesen als Männer, scheint plötzlich ein Nachteil. Die Buchhandlungen würden früher mehr von Männern besucht, weil die Lektüre bestimmter Bücher als prestigeträchtig galt. Prestige erwirbt man jetzt durch ein teures Smartphone. Entsprechend findet man die Männer im Apple-Store. Wahrscheinlich sind es dieselben, die sich in der Oper fragen, wo die Sängerinnen ihr Mikro versteckt haben (Frauenstimmen brauchen ja Verstärkung…) und angesichts einer Partitur suchen sie nach Wattzahlangaben. Zu letzterem Phänomen empfehle ich dringen Frank Schulz (Kolks blonde Bräute) mit der Passage zum Iiiiiquwilaiser. Das Buch ist von tiefer Komik.

    • es ist einfach eine Erfahrung, über die ich mit meinen Buchhändlern öfters spreche: Das Verschwinden der Männer, und gleichzeitig auch der Untergang der Antiquariate. es ist ja nicht abzulehnen. dass für Frauen gedruckt wird, aber irgendwo sind in den letzten 30 Jahren viele Männer verloren gegangen. und ich frage mich, ob das nicht auch am Angebot liegt. So einfach.

    • mögliche Erklärung
      Zitat:
      Das Verschwinden der Männer, und gleichzeitig auch der Untergang der Antiquariate.
      Zitat Ende

      Vielleicht sind Männer ja fauler und praktischer veranlagt und bestellen per Internet und vielleicht sind Frauen sozialer und quatschen gerne noch persönlich mit dem Buchhändler?

      Ich weiss, das klingt abgedroschen und sexistisch, muss aber nicht unbedingt falsch sein.

    • @DA
      das „Männertum“ hat ja auch fast keine Chance. 90% der Grundschullehrerschaft ist weiblich, im Hort oder Kita sind es fast 100%. Alleinerziehende werden immer mehr. Alles was Jungs interessieren könnte, wird fast ausschließlich von Frauen oder unmotivierten Männern vermittelt. Im Kulturbetrieb haben die Mädchen und die Frauen zumindest quantitativ die Männer überholt. Im Fußball ist der Frauenfußball auf dem Vormarsch und in allen öffentlichen Stellen regiert die Frauenquote.
      In meinem Job habe ich zwei Chefinnen, vier Frauen im Büro, von acht Abteilungsleitern sind sechs weiblich und die Belegschaft ist auch zu 60 % weiblich. Dieser Teil arbeitet aber meist auf Teilzeit und ist öfter unpässlich, als die männliche.

      Alles maskuline wird durch den ganzen Genderquark ausgemerzt und eine neue, meist importierte Männlichkeit, hat mit unserer (Lese)Kultur nichts zu tun. Erschwerend kommt jetzt die Diskriminierung des weißen Mannes, obwohl er an allen Erfindung, die der Wohlstand so mit sich bringt, beteiligt war. Die Frage „Wer hat’s erfunden?“ ist einfach zu beantworten.

      Frauen haben in vielen Berufen(bei gleicher Bezahlung!)) enorm aufgeholt. Die dreckigen, ureigenen Männerberufe werden öffentlich nicht beschrieben und werden gleichermaßen dankend wie selbstverständlich von Frauen in Anspruch genommen. Wo ist die Müllfrau, die morgens um sechs Uhr bei minus 6 Grad hinten auf dem Müllauto steht, oder eine Heizung repariert oder, oder….? Wieviele Patentanmeldungen kommen von Frauen?

      In Kino und TV werden die Filme gehypt, die den Mann als Verlierer und Trottel darstellen und in der der Gesellschaft ist grundsätzlich jeder Täter männlich (das Wort „Täterin“ gibt’s anscheinend nicht).

      Hinzu kommt ein moderner Lehrplan in den Schulen, der viele Klassiker draußen vorlässt.

      Woher also, sollen Autoren und Leser kommen?
      Die Frage nach Angebot und Leser ist daher vergleichbar mit der Frage nach dem Ei und der Henne. Es bedingt sich bestimmt gegenseitig.

    • Ich bin teilweise auch unschlüssig, ich seeh ja viele Autorinnen, aber oft fehlt der Biss. Dafür gibt es dann eine Unzahl von dotierten Preisen. Mir wäre das zu unsicher. Viele, die älter als 40 sind, klagen dann auch oft mal über sinkende Einahmen.

    • Thomas Mann konnte schon besser deutsch als die meisten vor und nach ihm, ...
      … ich warte aber noch immer auf die Fortsetzung von Felix Krull!

    • Titel eingeben
      Was soll das sein, „Bücher für Frauen“? Es geht um Literatur, welche sich durch Form (Sprache und Konstruktion) definiert, die zwar in untrennbarer(!) Verbindung mit dem Thema verschmolzen ist, durch ihre Gesamtwirkung aber eine Metaebene erreicht. Viele ältere Texte enthalten frauenabwertende, mitunter sogar frauenfeindliche Passagen, über die jede Literaturliebhaberin hinwegsieht (Er war halt auch nur ein Mann seiner Zeit…), weil der Gesamttext überzeugt oder begeistert. Wer glaubt Jane Austen oder Hilary Mantel schrieben „Bücher für Frauen“, und Melville oder Tim Winton „für Männer“ hat keine Ahnung von Literatur. Es wäre, als würde man behaupten, Monet male für Frauen und Ingres für Männer. Absurd.

      Männer interessieren sich häufig vor allem für das, was ihnen berufliche oder persönliche Vorteile bringt: Fachliteratur, mitunter Ratgeber. Sie sammeln Bilder, Bücher, Antiquitäten und neueste Technik um sich aufzuwerten, die Freude an Stil und Schönheit ist leider die Ausnahme. In Kulturnationen gewinnt man Prestige durch Literaturkenntnis, aber Deutschland hat es aufgegeben, eine Kulturnation sein zu wollen. Das stille Vergnügen an Proust oder Trakl, Zola, Highsmith oder Atwood zahlt sich gesellschaftlich nicht aus. Auch fehlt immer mehr das gemeinsame Tages- oder Wochen-„Kulturereignis“, um das sich die Präinternet-Gesellschaft, wegen der beschränkten Medienanzahl konzentrierter, versammelt hat. Jetzt sind die Zirkel enger, meist wird dort nur noch ein spezielles Publikum bedient, denn wer vom Schreiben leben möchte, muss bedienen, und dieses Publikum bestätigt sich gegenseitig. Nur so erklärt sich für mich, dass in diesem, in vielen Aspekten sehr lesenswerten Blog, über den ich mich bei dieser Gelegenheit bedanken möchte, die Frauenbeschimpfung (vor allem im Kommentarbereich) einen festen Platz hat. Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber eben auch nicht die dümmeren, unfähigeren oder bösartigeren.
      Und,
      meine Herren,
      es ist wunderbar eine Frau zu sein. Wir bedanken uns für Komplimente und aufgehaltene Türen und verschönern im Gegenzug die Welt mit Charme, Anmut und Freundlichkeit. Genießen Sie es. Lassen Sie uns genießen.

    • @ Thomas Meyer
      ‚Vielleicht sind Männer ja fauler und praktischer veranlagt und bestellen per Internet‘:

      Mann, wir haben ja praktisch Vollbeschäftigung im Lande. Das trifft halt auch unsere Männer. Dass ich seit 2, 3 Jahren nur noch selten Bücher im Laden kaufe, liegt daran, dass ich abends immer so spät fertig werde, und wichtiger, es dann nicht mehr zum Geschäftsschluss zum Buchhändler schaffe.

      Schaffe ich es aber doch mal in’s Buchgeschäft, stehen dort aber tatsächlich meist entspannte Hausfrauen, Mütter, und Rentnerinnen rum, die den Tag mit einem kleinen Schwatz ausklingen lassen; da haben Sie recht.

    • m
      „Es geht um Literatur, welche sich durch Form (Sprache und Konstruktion) definiert, die zwar in untrennbarer(!) Verbindung mit dem Thema verschmolzen ist, durch ihre Gesamtwirkung aber eine Metaebene erreicht.“
      Nein. Es geht darum, dass Geschwurbel das klare Denken verhindert.

    • Korrektur "m"
      Sorry, jetzt bin ich echt auf der Tastatur abgerutscht :-):-)
      Die Überschrift sollte heißen: „Metaschwurbeln“

  34. Keine Schleichwerbung, nur ein Hinweis:
    „Zwei von drei Büchern sind Monographien und Ausstellungskataloge über Kunst, denn ich gehe in kein Museum, ohne mir nicht mindestens ein Buch zu kaufen. Das ist geblieben, wie es schon immer war.“

    https://www.wbg-wissenverbindet.de/buecher-mehr/literatur-kunst/?p=1

    WBG = Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.

    Meinen verbindlichen Dank für Ihr Verständnis.

  35. bitte um Empfehlung
    Franz. Geschichte ab etwa 1500, gerne breiter angelegt, nur in Deutsch und ganz wichtig, von Franzosen für Franzosen geschrieben. Gibt es sowas? (Max Nordau kenne ich und Kropotkin auch). Danke.

    • Nicht dass ich wüsste, dafür ist die Geschichte zu komplex, speziell im späten 18. und 17. Jahrhundert.

    • Franz. Geschichte
      Generell ist Leopold von Ranke immer noch obligo. Freilich auf dt. geschrieben für die ganze Welt. Und dazu auch Jacob Burckhardt: Richelieu.
      Beide freilich nur mehr antiquarisch zu haben – oder irre ich mich da?

    • Halbe Empfehlung
      Guillaume de Bertier de Sauvigny (1912-2004): „Die Geschichte der Franzosen“ mit dem Untertitel „Von den Galliern bis de Gaulle“, ursprünglich Flammarion Paris 1977, dann Hoffmann und Campe Hamburg 1980 und dtv-Taschenbuch München 1986. Ein guter zusammenfassender Überblick, wenn auch ohne wissenschaftlichen Apparat.

    • Französische Geschichte
      Schauen Sie sich bei ZVAB.com um.

      Die beiden oben erwähnten Stichwörter ergeben 48’159 Nennungen – nicht Titel! – weil da sind alle Doubletten mitgezählt. Dafür finden Sie auch ziemlich abgelegene Sachen, die sonst nur sehr schwierig aufzutreiben wären.

  36. Wie sagte einst ein weis(s)er alter Mann?
    Wenn du einen Garten hast und eine Bibliothek, so wird es dir an nichts fehlen.
    Haben Sie sich mit Herrn Gumbrecht abgesprochen, werter Don? Gleich zwei Artikel hintereinander über Bücher hier in den Blogs. Hmm.

    Ich teile Ihre Vorliebe für Museumskataloge, auch bei mir nehmen die mittlerweile einiges an Raum ein. Von Kathedralen über historische Töpferei, hin zu Porzellan und Wiener Kleidermode der der Ringstraßenzeit. Gute Ausstellungen lasse ich so gerne noch einmal aufleben.

    Bei den Büchern geht es mir ähnlich. Nun bin ich ja in einem Literaturkreis, und ich bin da wirklich gerne. So lese ich Bücher, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Allerdings häufen sich in letzter Zeit die wirklich ärgerlichen Bücher. Zu oft geht es mittlerweile um Kolonialismus, Unterdrückung, sogenannte starke Frauen, also menschliche Schicksale die irgendwie überhöht werden, weil sie einer Frau widerfahren. Ach ja, die Mehrheit in unserem Lesekreis sind Frauen. Leider muß man alles fertiglesen, weil es dann ja gemeinsam besprochen wird. Dank meines jugendlichen Hanges zur Hausaufgabenprokrastination bin ich allerdings ein guter Querleser geworden, und habe das nie verlernt ;)

    Ansonsten lese ich auch lieber alte Lieblingsbücher und Klassiker nochmal, da der Markt nicht viel neues für meinen Geschmack bietet. Momentan auch viel geschichtliches, Punische Kriege, Französische Revolution, Mussolinis Aufstieg. Alles sehr interessant. Ach, wenn mein Geschichtslehrer das noch erleben könnte.
    Und die Bücher für den Club leihe ich mir neuerdings von anderen aus, dafür ist mir mein Geld zu schade. Mitleid mit den Verlagen verkneife ich mir, solange sie mich als Zielgruppe nicht mehr wahrnehmen. Ut sementem feceris, ita metes.

    • Nein, der Beitrag war schon gestern früh fertig, mir kam nur die Heimfahrt und ein Stau dazwischen.

    • @Zugroaster
      ‚ Wie sagte einst ein weis(s)er alter Mann?
      Wenn du einen Garten hast und eine Bibliothek, so wird es dir an nichts fehlen. ‚

      The Gardener von Jerzy Kozinsky und Atlas schrugged von Ayn Rand, waren die zwei Bücher, die meine Lebenseinstellung als Teenager stark beeinflusst haben.

    • @El.Pe
      Ich lese eigentlich fast alles, was mir unterkommt. Zumindest war das lange so, jetzt schließe ich mich der Klage des Don an. Es gibt immwe weniger lesenswertes, zumindest für meinen Geschmack. Übrigens auch im englischsprachigen Raum, sehen Sie sich mal die New York Times Bestseller List an.
      Von Ayn Rand finde ich The Fountainhead (Die ewige Quelle) besser. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Ich habe z.B. schon fünfmal Moby Dick gelesen, ein holpriges und sperriges Werk das oft weit abschweift. Ich liebe auch Dostojewski.
      Ulysses hingegen habe ich trotz dreier Anläufe noch nicht geschafft. Langsam entwickle ich die Verschwörungstheorie, daß niemand dieses Buch wirklich gelesen hat, aber alle es loben, weil man das halt so macht ;)

    • Gerade gesehen
      Die ganze Misere in einem Tweet

      https://twitter.com/PenguinBooks/status/960549899573096454

      Auf Umsatz durch mich müssen die dann eben verzichten.

    • Ich weiss jetzt nicht, ob Nkem Nwankwo mit Mein Mercedes ist größer als deiner wirklich frauentauglich ist, aber der Autor ist Afrikaner.

    • @zugroaster
      Tagore, Rabindranath Tagore und dessen Bücher muss ich noch erwähnen, die mein liebevoll exzentrischer, liberaler Vater, ein moderner Dervisch, (zu gut für die Türkei, die haben ihn dort auch nicht so richtig verstanden und zu würdigen gewusst) mir als Teenager empfohlen hatte zu lesen. Er kannte den Übersetzer sowie andere interessante Persönlichkeiten des kulturellen Lebens in Istanbul damals. Er erzählte mir, dass der Übersetzer seine Wohnung im indischen Stil eingerichtet habe und wollte mir die wichtige Persönlichkeit unbedingt vorstellen … was der Islam in der Türkei alles kurz und klein und kaputt schlägt, kann ich einfach in Worte fassen …

    • .
      zugroaster, ulysses ist ganz wunderbar, einfach wunderbar. zwei wochen am strand, aber den antibes (gin, bénédictine, grapefruit, viel eis) nicht vergessen, zwischendurch schwimmen, wieder aufs handtuch und abends schön essengehen. das wird schon.

    • Je ne peux penser à un titre
      @ El.Pe Merke ich mir vor, danke für den Tip. Momentan bin ich nach schwerer Krankheit noch rekonvaleszent, und habe genug Zeit zum Lesen. Leider habe ich auch Zeit, mich nach neuen Büchern umzusehen, so daß ein gewisser Druck doch bleibt ;)
      Die Türkei ist Ihre Heimat? Mein aufrichtiges Mitgefühl. Ich kenne mehrere liberale Türken hier, die sehr unter den Vorgängen dort leiden. Ich kann das einigermaßen nachvollziehen, denn ich bin über die Zustände in meiner Heimat auch nicht glücklich, obwohl ich schon Jahrzehnte hier lebe.

      @ donna laura Na gut, einen Versuch mache ich noch, das Buch habe ich ja noch. Fairerweise erzähle ich allen, die es im Regal entdecken, daß ich es nicht fertig gelesen habe ;) Sie können ja im Gegenzug mal Moby Dick lesen, wenn Sie es noch nicht getan haben. Aber wenn, dann bitte im Original oder eine ältere Übersetzung. Die neuen scheinen sprachlich arg geglättet worden zu sein, was dem Charakter des Werkes sehr abträglich ist.

    • .
      zuagroaster, das walfischbuch ist laengst gelesen und ob der dazwischenliegenden zeitspanne etwas vergessen – das ganze erfolgte knapp vor der adoleszenz. fuer eine relektuere nicht so ganz auf der hitliste, warten doch andere:

      man scheitert an aufkeimender muedigkeit bei der lektuere von und am schwindenden interesse fuer, soll ich deutschsprachige autoren nennen, aichingers groessere hoffnung, drueckt sich desgleichen vor canettis blendung, versucht sich in selbstueberwindung an sebalds austerlitz und bleibt stetig in dessen bahnhof und an den photographien haengen – nur um bei nadolny eine netzkarte zu loesen und die langsamkeit zu entdecken. gerade letzterer schreibt recht virtuos und auch doch amuesant, ist aber im nachgang durchaus nicht so anspruchslos wie zunaechst einmal wirkend: gute lektuere mit gelinggarantie.

  37. Bad Tölz und Heimat
    Auch wenn es nicht 100%ig zum Buchblogbeitrag passt: Ich komme gerade wieder ins Schwärmen über Bad Tölz zu Leonhardi:
    Denn diese Pferdewallfahrt bezeichnen die Tölzer als ihren wichtigsten Tag im Jahr und betonen dabei, dass es ihnen auch ums christliche, die Wallfahrt geht. Natürlich bei dem einen mehr, dem andern weniger. Es ist eine wunderschöne Symbiose aus Natur und Kultur und Glaube, die Pferdewagen, die Menschen von nah und etwas ferner (der ganze Ort ist auf den Beinen, keineswegs nur Touris), die Kraft der Pferde, die dampfend als Vierspänner die schweren Truhenwagen hoch auf den Kalvarienberg ziehen. Später das fröhliche Feiern, Goasslschnoalzen auf der Markstrasse. Wunderbares Bier (extra für den Anlass lokal gebrautes Leonhardibier, Mühlfeldbräu) zu tollem deftigem Essen. In der Mitte der Marktstrasse der Tölzer Buchladen mit einer historischen Ausstattung und breitem Angebot, in der Nähe die Schnapsbrennerei (Leonhardischnaps, Tölzer Kräuterlikör) die schon im Reiseführer von vor 100 Jahren sehr empfohlen wird. Zudem die Gastfreundschaft in der lokalen Hotellerie, übernachtet in historischen Zimmern (der Komfort waren da die Antiquitäten und die unglaubliche Größe des Erkerzimmers).

    Als ich verstehe mittlerweile sehr gut, warum man den Oberbayern das Wort Heimat nicht erklären muss.

    • Die Touris siond halt das Problem… ansonsten: Man muss es wirklich nicht erklären, aber es wäre gut, wenn andere wenigstens versuchen würden, es zu verstehen.

  38. Zuviel oder zuwenig Schund?
    Ich konnte nur Zahlen für 2016 finden und da verzeichnet der stationäre Buchhandel bei einem Umsatz von über 9Mrd. € unter 2% Einbußen.
    Wenn einzelne Buchhändler stärker leiden.haben sie dann zuwenig oder zuviel Schund angeboten?
    Dass gefühlte 90% der Neuerscheinungen sinnfreie Pseudoliteratur sein müssen, stört mich noch immer. Erstaunlicher finde ich aber, dass immer wieder die dümmsten Ergüsse erst gedruckt, dann als Hörbuch verkauft und dann erfolgreich verfilmt werden.

    • Es gav da vor kurzem auch einen Beitrag ind er FAZ, ich habe den nur nicht verlinkt.

    • verfügbares Einkommen und verfügbare Zeit
      Abseits der Verkäufe von E-Books oder über amazon kann es vielleicht auch einfach ökonomische Gründe haben? Der Anteil der deutsch lesenden Bevölkerung sinkt in Deutschland immer weiter ab. Und das Haushaltsbudget steigt ja nicht bei allen. Die FAZ hat in den letzten Jahren den Abopreis jährlich um rd. 7% erhöht, steigende Preise für Miete, NK und Strom, irgendwo muß man sparen. Und dann u.U. immer mehr Zeit, die man beim Arbeitgeber verbringt?

    • Titel eingeben
      „gefühlte 90% der Neuerscheinungen ist sinnfreie Pseudoliteratur“
      .
      Das war und ist wohl auch in der Musik (& Malerei, Film, etc.) so und es wird wohl immer so sein. Denn die Hohe Kunst braucht (diesen) Dünger, vulgo: Mist. Auch, um zu erkennen und den Nachwachsenden zu zeigen, was ist Licht, was ist Schatten, was ist Vorbild und was ist Pseudo oder gar …nun ja, eben Mist.

  39. Wie man ein Buch schreibt....
    1) Man liest auch nicht den „Waschzettel“ eines Buches , um etwas über das Buch zu erfahren. Das ist meist aufgebauscht, Quarkwerbung, von einem Lektor oder Assistenten. Man liest ein Buch quer, hier ein Absatz, dort eine Zeile und bekommt so eine Atmosphäre. Mir geht es so. Von 50 Büchern finde ich dann vielleicht eines.

    2) “Alles geschriebene ist Literatur”, das Schlagwort schlichthin in den 60ern. Die haben das Ernst gemeint. Und deren Nachkommen schreiben auch so. Leidenschaftslos, Farblos, Erklaererisch und . Ach neee….

    3) “Herr Grass, tun Se mal nicht soviel auf den Markt bringen, wir wolln auch was veröffentlichen”. Zitat einer, ach Gott ach Gott, feministischen Autorin aus dem damaligem Schriftstellerverband in Berlin, um 1980 herum. Bekanntlich starb daraufhin Günter ein wenig später und das Ergebnis habt ihr nun auf dem Ladentisch….Ob Karin Reschke oder Ossowski sonstwer (ich weiss die Namen all nicht mehr), es war immer Ernst, denn die Kerle sind Scheiße und nur die Frauen wissen, wo es lang geht beim Schreiben (oh doch, ich verkneife mir den Begriff Literatur) darum lebe der Feminismus hoch, hoch,hoch.

    4) “Völlig ueberschaetz”, so Urs Jaeggi, über einen der neuen deutschen Ost-Autoren, der mit dem Lockenkopf und dem sanftem Blick, der vom Spiegel hochgelobt wurde und irgendeinen Preis gewann. Und kein Schwein kennt mehr seinen Namen.

    5) Kennt wer noch Thomas Brasch, einer der besten Autoren die uns der Osten schenkte?
    “Vor den Vätern sterben die Söhne”, was für ein Titel! Als er, der Thomas, uns besuchte, dachten wir alle, hier kommt ein Zuhälter.

    6) Der Beste aber war und ist und bleibt – nein, nicht Sascha Arschloch, sondern Wolf Biermann, der, bei einer Tagung im Literarischen Colloquium sprach “ach, zufällig hab ich meine Gitarre dabei”. Das tat weh. Allen. Und dann mussten – pardon, durften wir alle ihm zuhoeren. Bis es zum Revolutionslied aus Cuba kam. Er sang vom Schweigen, vom Revolutionärem Schweigen. Vom betroffenem Schweigen, vom Schweigen das die Wunden verschließt oder öffnet, so genau weiss ich das nicht mehr. Und alle hörten andächtig zu.

    Ich nicht. Ich fiel wieder mal aus der Rolle. Ich saß ihm gegenüber und meinte begeistert “ Mensch, das hat vor 20 Jahren Heinrich Böll schon geschrieben , “Dr. Murks gesammeltes Schweigen”.
    Unser Klampfenmann schaute mich mit einem Gesicht an, also erwürgen waere das harmloseste und meinte mit einer Stimme, ich schwöre bei Urs Widmer oder auch Martin Walser, die schneidend war, kalt, gehässig: “Das ist aber schön dass du das weißt” ; und ich griente und meinte “Gell?”

    Daher merke: Höre niemals auf den Zeitgeist oder die Bestsellerliste des Spìegel.
    Wie wird eine solche Liste gemacht?
    Der Verlag rechnet mit, sagen wir, 10.000 Büchern, also Auflage. Dann aber schlägt er, Erfahrungswert, das zehnfache obenauf, denn die Nachbestellungen müssen ja auch berücksichtigt werden. Und die Vorbestellungen sowieso. Und schon sind wir bei einer gedachten Auflagenhoehe von 150.000 Bücher, und zack, Bestseller. Aber es ist noch kein Buch verkauft worden.
    So begann es mit “Der geschenkte Gaul” der Knef und geht es bis heute weiter.
    Also, glaubts nichts den Böcken aus den Verlagsanstalten. Erst recht nicht dem Spiegel.
    Nehmt es in die Hand, riecht an den Seiten, schaut quer durchs Buch, schnuppert und gewinnt so einen Eindruck.

    Und wenn er gut ist, wird das Buch sowieso bald auf der Zensurliste stehen und ihr habt ein kleines Meisterwerk im Versteck.

    • Mit nBiermann konnte ich noch nie etwas anfangen, das ist gesungener Kohlgeruch, meines Erachtens.

    • Titel eingeben
      „einen der neuen deutschen Ost-Autoren, der mit dem Lockenkopf und dem sanftem Blick, der vom Spiegel hochgelobt wurde und irgendeinen Preis gewann. Und kein Schwein kennt mehr seinen Namen.“
      .
      Ingo Schulze?
      Ich hab nur ein Buch von ihm (seine Petersburger Aufzeichnungen von ’95) und das ist gut geschrieben.
      Auch war er einer der wenigen mutigen Aufrechten, die öffentlich (in der SZ(!) am 31.3.2014) gegen das gerade (und noch) stattfindende Russlandbashing anschrieben: „Diffamiert als ‚Russlandversteher'“.
      Ingo S. ist ein Guter.
      .

    • Tico - Bleibt die Frage, wie dann überhaupt noch Bücher in die Läden und zu den Lesern kommen sol
      und können, wenn die „Böcke aus den Verlagsanstalten“ sowieso keien Ahnung haben? Wenn eh alles manipuliert wird?

      Obs noch ein paar mehr Autoren im Osten (und Westen) gab und gibt? Und ob die Autoren eventuell unvermeidlich mit ihren Lesern verbunden sind. UND dem jeweiligen Zeitgeist und dessen Kräften?

      Ich mag Biermann auch nicht, aber er hat 1. einige bemerkenswerte Lieder geschrieben und ist 2., übrigens weitgehend vom Westen mit den bekannten Absichten aufgebaute, eine Figur der deutschen Geschichte. Da können Sie Ihre lustigen Hähnchen- und Rechthaberkämpfe ausfechten solange Sie wollen. Den bekommen Sie nicht mehr vom Sockel.

      Gab im Osten übrigens noch ein paar andere Sänger und Liedermacher. Das sei für Ihr Obendrüberschweben nur mal so am Rande angemerkt. Man muss das natürlich nicht zur Kenntnis nehmen. Sicher. Aber ist Ignoranz wirklich produktiv? Respektvoll ist sie auf jeden Fall schon mal nicht!

      Die spontan geschätzten 500 Links, die meine Einlassung stützen, erspare ich mal dem Don.

    • Gut gegeben!
      Eine Becker-Faust für Tico! („Kohlgeruch“ saß auch gut, DA.)

      Jaaaa!!! Bumm-bumm-Biermann-Balla-Balla!!!

    • Spiegel-Bestseller-Liste
      Dieser sollte man eh nichts mehr glauben, seit Finis Germania aus pc-Gründen daraus entfernt wurde.

      Danke für die vielen Anregungen!

      Meine Empfehlung ist immer wieder Terry Pratchett, besonders die Bücher, wo es um die Stadtwache geht (die ersten sind noch etwas langatmig). und die mit Erziraphael und Crowley. Die mit Zauberern oder Hexen sind auch gut. – Perfekte Lektüre zur Rekreation in „angeschlagenen“ Zuständen: Zwei Tage Rückzug mit Pratchett und man ist „wie neu“. Diese Kombination aus Humor, Politik („diversity“ spielt in den späteren Stadtwache-Büchern auch eine große Rolle ;-)), Krimi und Weisheit ist Erholung pur.
      Zwecks Weiterbildung bezüglich real-aktueller Themen, die aber gut lesbar geschrieben ist, lese ich zur Zeit Sezession (besonders empfehlenswert: Das Heft zum Thema „Gewalt“).

      Mit zunehmendem Alter beschränkt sich bei uns das Lese-Bedürfnis auf Nochmal-Lesen von bekannt Vergnüglichem (Sharpe war eine gute Erinnerung, danke!) und/oder Aufbauendem einerseits und Neu-Lesen ausgewählt Politischem. Die Experimentierfreude hat sich auch hier als abschreckender Lebenszeitfresser erledigt. – Dafür gibt es einfach auch zuviel im Netz, das die Zeitinvestition lohnt (wie z. B. dieses Blog).

      Bei uns stapeln sich einige Kubikmeter Bücher, die größtenteils weg können (von Agitprop aus den Siebzigern über alte Sachbücher bis zu hunderten von Krimis). Büchereien nehmen keine mehr an. Lese-Telefonzellen gibt´s hier nicht, Bücherverbrennen (z. B. im Kamin) ist ein Tabu…Was tun?

    • Höre niemals auf den Zeitgeist und die Bestsellerliste
      „Alles geschriebene ist Literatur”. Ja, Dekonstruktion ist der Anfang allen derzeitigen Übels. Man kann ja darüber streiten, was große Literatur ist.

      Ich mag viele der als wirkliche Klassiker geltenden Werke. Ich mag aber auch leichtere Kost. Als ich jung war, habe ich alles von Agatha Christie gelesen, manches davon zählt heute noch zu meinen Lieblingsbüchern. Nun sind das nicht alles Meisterwerke, aber immer sprachlich schön formuliert, mit einem Schuß Humor.

      Christie nahm sich und ihr Werk nicht zu ernst, was sie auch schön durch ihr Alter Ego Ariadne Oliver durchscheinen lässt („Sie dachte von sich selbst nicht als großartige Frau; sie war eine Frau mit dem Glück, ein Talent zu haben, das zu schreiben was viele Leute lesen mochten”).

      In ähnlicher Tradition sehe ich heute z.B. Elizabeth George und Val McDermid, die aber halt keine gemütlichen Salonkrimis schreiben, sondern ziemlich brutale Thriller. Und sowas lese ich gerne mal zwischendurch, aber nicht irgendwelches postmodern-nihilistisches Geschreibsel, das möglichst flach gehalten wurde, damit das Buch keine Triggerwarnung braucht.

    • Gesungener Kohlgeruch
      Zustimmung! Zustimmung! Zustimmung!

    • Wolf
      Bescheidenheit, dein Name sei Biermann!

      GH

    • ... Biermann ...
      … ist sicher einer der bedeutendsten deutschen Nachkriegslyriker, und der objektiv wichtigste Liedermacher, in der Zeit von c.a. 1964 – 2010; danach, scheint es mir, ging ihm die Inspiration aus, die Musen nahmen allmählich Abschied und er macht jetzt mehr Familienabende. Aber seine literaturtheoretischen Schriften sind weiterhin sehr gut und sein tiefes Verständnis z. B. von Brecht, Gorki ist enorm hilfreich.

      Don, richten Sie mal ruhig ein kleines Eckchen in Ihrer Bücherstube für den alten Haudegen B. ein.

      Chauseestrasse 137 zB; das Wintermärchen ist m.E. ebenfalls Pflichtlektüre. Es gibt auch einen genialen Brechtabend auf CD.

      1.
      Auf dem Friedhof von Mont Matre, weint sich aus der Winterhimmel,
      und ich spring mit dünnen Schuhen über Pfützen, darin schwimmen
      Kippen, die sich langsam öffnen, Köttel von Pariser Hunden,
      und ich hatte nasse Füße, als ich Heine’s Grab gefunden.

      2.
      Unter weißem Marmor frieren im Exil seine Gebeine,
      mit ihm liegt da Frau Mathilde, und so friert er nicht alleine.
      Doch sie heißt nicht mehr Mathilde, eingemeißelt in dem Steine
      steht da groß sein großer Name und darunter bloß Frau Heine.

      3.
      und im Kriege, als die Deutschen an das Haken kreuz die Seine-Stadt
      genagelt hatten, störte sie der Name Heinrich Heine.
      Und ich weiß nicht wie, ich weiß nur daß er wurde weggemacht
      und dann wieder drangeschrieben von Franzosen manche Nacht.

    • @Blue Angel
      Immer ein, zwei überflüssige Bücher dabei haben und sie dann wie zufällig irgendwo liegen lassen: In Buswartehäuschen, in Wartezimmern, in Umkleidekabinen etc.

  40. Titel eingeben
    Ich habe früher Videotext gelesen. Damals war ich noch kultiviert.

    • @Krächzit
      Danke für den Tip zum „subversiven Bücherverteilen“, der mich ein wenig an guerrilla gardening erinnert. – Vielleichterhöht er die Motivation sich öfter in „die Zivilsation“ zu begeben.

  41. Da wundert man sich...
    … dass ausgerechnet Sie, werter Don, hier Svevo nicht erwähnen.

    Mit besten Grüßen

  42. Deutsche Autoren
    Welch Zufall, lese gerade, mal wieder E.Kästner.
    Einer jener Autoren, die fast völlig vergessen wurden, oder wie er es einmal gesagt haben soll, „da schreibt man einmal aus Versehen ein Kinderbuch“. Mehr kennt man ja meist nicht. Seine durchaus gesellschaftskritischen Texte sind vergessen.
    Und was las ich da gestern?
    Es ging um ein Gesprach mit einem Exil-Schriftsteller.
    „Einer von ihnen – einst bei uns, heute in der ganzen Welt angesehen – fragte ich nach seinen Eindrücken. Zweifellos gäbe es, sagte er, einige Bücher von Belang, vielleicht gar eine handvoll Talente. Das habe ihn nicht überrascht sonder erfreut. Nicht erfreut, sondern überrascht habe ihn der etwas anderes: der fast überall ins Auge springende 》Provenzialismus《 “ und wie das dritte Reich tabula rasa bei unseren Schriftstellern gemacht hat, aber „repräsentieren wollte und mußte, lobte man zahlreiche mittelmäßige und belanglose Autoren in die Höhe, soweit sie ins Regime paßten „. Und wir haben (gerade im Bildungssystem) diese Ausmerzung bis heute beibehalten. So wie einst Autoren wie Feuchtwanger, Heinrich Mann, Bruno Frank, Erich Kästner und viele andere politisch geächtet wurden, so sind es heute andere die verfemt sind. Wobei, selbst ein Moralist wie Kästner wäre heute tabu. Zu sexistisch, und mit „bösen“ Worten wie Neger.
    Die Zeiten sind andere, doch in einigen Punkten gleichen sie sich. Es wird wieder „aufgeräumt“ in Kunst und Kultur. Und mit Schrecken lese ich, dass Bilder wegen ihrer Freizügigkeit abgehängt, Bücher umgeschrieben, und was weiß ich nicht alles „politisch korrekt“ angepasst wird. Nun werden sie zwar nicht verbrannt, doch verschwinden sollen sie.
    Der Diskurs, den sie Auslösen sollten oder könnten wird gescheut.
    Nur noch wohlwollende Kunst die niemanden wehtut ist erwünscht.

    Ich hatte es noch nie mit Bestseller-Listen. Nachdem ich in der Schule mit so einem Müll wie „der Vorleser“ gequält wurde und schon da lieber Orwell gelesen habe, habe ich mir angewöhnt, selber zu denken bevor ich ein Buch kaufe.

    Schließen möchte ich mit zwei Gedichten,
    Das Erste als ironische Aufforderung weiter zu machen

    》Die Zeit zu schildern, ist eure heilige Pflicht.
    Erzählt die Taten! Beschreibt die Gesinnungen!
    Nur – kränkt die Schornsteinfeger nicht!
    Kränkt die Jäger und die Briefträger nicht!
    Und kränkt die Neger, Schwäger, Krankenpfleger und Totschläger nicht!
    Sonst beschweren sich die Innungen《 E. Kästner

    Das Zweite, wenn auch aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, noch immer passend

    》Sag mal, verehrtes Publikum:
    Bist du wirklich so dumm?
    Ja, dann…
    Es lastet auf dieser Zeit.
    Der Fluch der Mittelmäßigkeit.
    Hast du einen schwachen Magen?
    Kannst du keine Wahrheit ertragen?
    Bist du also nur ein Griesbreifresser?
    Ja, dann…
    Ja, dann verdienst du’s nicht besser!《 K. Tucholsky

    In diesem Sinne freue ich mich auf weitere unangepasste, magenunfreundliche und innungsaufschreiwürdige Schriften von Ihnen.

  43. Von Amado bis Wagenbach... gute Reise
    Sehen sie, bei mir ist das, mangels Möglichkeiten, genau umgekehrt…
    Ich lebe ja in einem Land in es überhaupt nichts in deutscher Sprache und nahezu NICHTS in englischer Sprache an Büchern zu kaufen gibt. Japan dürfte weltweit das einzige Land sein in dem nur extreme Ausnahme- Menschen in der Lage sind ein Buch in einer Fremdsprache zu lesen.
    Hinweise auf Bücher entnehme ich wenn überhaupt aus The New Yorker, muss dann aber widerstrebend bei Amazon als Kunde tätig werden. Ich bin also auf das Angebot auf torrent Seiten zurückgreifen, wo man erfreulicherweise und völlig unerwartet wahre Goldstücke finden kann. Dort habe ich auch die Bücher über Donna Flor und Gabriela gefunden, halte Sie diese beiden einzigen die ich von ihm kenne, für zu den Besseren von Amado gehörenden?

    Was sie beschrieben ist mMn Teil des sich beschleunigenden qualitativen Niedergangs der Kultur des Westens allgemein.
    Und nicht nur der Kultur, auch der Demokratie und der Wirtschaft… Der seit einiger Zeit drohende Nachfolger der Finanzkrise von 2008 wird einen bis dato ungekannten enormen Abstieg auslösen, und so sieht es halt auch in Buchläden so aus, wie in den Cafes am Kuhdamm in der 20ern.
    Weder damals noch heute war der Ausblick auf die Zukunft noch recht erfreulich, nur damals hatte man noch genug Stil um den Rest seiner Freiheit mit Feiern zuzubringen, während alles was man heute hat politische Korrektheit ist, und, allein das Wort macht mich schaudern: E-Sport!

    Wer genauer hinschaut sieht kulturlosen Zustand aus dem mein Japan ja niemals herausgetreten ist, und mit dem verglichen man sehen kann, wie grossartig es ist, wenn ein Land nach einem verlorenen Krieg die Realität der Niederlage akzeptiert, und einen Neuanfang auf dieser Basis angeht, der 70 Jahre lang gedeihen konnte.
    Alles was in Japan an Kultur geschaffen hat ist Jahrhunderte oder noch älter, man begnügt sich mit dem Glauben die Schönheit des Fuji oder Kirschblüte sei eine ureigene Leistung des japanischen Volkes.
    Musik? Literatur? Bildende Kunst? In Japan? Viel Glück beim Suchen…

    Aus der Ferne erscheint mir Deutschland auf dem Weg zum selben Zustand.

    PS. Sehr schön: ihre Huldigung an Wagenbach

  44. Weg damit
    Nach Jahren des Anhäufens von Büchern mußte ich mich einst–beim Auflösen meiner Zweitwohnung–zu dem radikalen Schritt überreden, Bücher zu entsorgen. Nicht verschenken oder verkaufen sondern zerstören (wenn es kaputt ist, kann ich es mir kaum anders überlegen) und in die Altpapiertonne damit. Nach einigen Büchern ging es dann schon recht schnell. Mein Entscheidungskriterium war sehr einfach: „Wenn ich dieses Buch nun auf dem Flohmarkt sähe, würde ich dafür einen Euro bezahlen?“ Alleine bei der Hälfte des Bestands konnte ich das verneinen, also weg damit. Wieviel Schund und Unnützes man über die Zeit ansammelt: nun, es wurden zwei Altpapiertonnen. Dasselbe Spiel dann mit fünf Euro. Eine weitere halbe Tonne. Es befreit sehr.

    Es mag kulturlos klingen, aber ich schulde schlechten Autoren bzw. deren Werken keinen Platz im Heim. Die Befindlichkeit, daß man Bücher nicht wegschmeißen dürfe, stammt wohl zu 50% aus einer Zeit der Knappheit–heute läßt sich beinahe jedes Buch ohne große Mühe neu beschaffen und oftmals fliegt eine PDF-Version im Netz herum–und die anderen 50% stammen vom bildungsbürgerlichen Dünkel. Und Bildungsbürger sind von allen Bürgern die am wenigsten Respektablen und nach deren Sklavenmoral sollte sich eh‘ niemand richten.

    • Ein Teil von mir
      @Dahlemer: Welch beneidenswerte Sorglosigkeit. Wer einmal vor einem immer näherrückenden Umzug in eine kleinere Wohnung unter Zeitnot anteilsvoll durchlebte Bücher im Müllcontainer hat verschwinden sehen, kann sich vielleicht an das Gefühl der schleichenden Selbstentleibung erinnern. Auch teils lang zurückliegende Leseerlebnisse gehören zur Identität. Familienfotoalben tritt man auch nicht achtlos in die Tonne.

      2 Altpapiertonnen wären übrigens knapp bemessen.

    • Titel eingeben
      Oblomow: „in eine kleinere Wohnung“
      .
      Habe ich hinter mir. Anno 1999 hab ich EinsKommaZwei Tonnen (1200 kg) bedrucktes Papier weggeworfen.

  45. Mohrenwäsche von Tom Sharpe und Waschzettel
    Ich glaube wirklich, ich habe dieses Buch als Student nur deshalb gekauft, weil mich der Anreißer dazu brachte.

    Es müsste in Reichweite sein, denn ich sitz hier ja umgeben von Büchern, aber es ist dunkel, es ist spät, da spare ich mir das Suchen und die Lektüre für künftige Tage und werde die Vorfreude genießen.

    Also: 

    Waschzettel oder die Anreißer für die Bücher mögen heute anders sein als früher, ich kann es nicht beurteilen, da ich lange Jahre von 200, 300 Euro im Monat gelebt habe und da kauft man ja nicht unbedingt auch noch Bücher und verliert ein wenig den Überblick.

    Aber ich habe in diesen früheren Zeiten dadurch einen für mich feinen Autoren entdeckt, Anthony Price, der geschichtliche Ereignisse in einen Spionageroman verwob. Für mich wars Spannung, Unterhaltung und Bildung gleichzeitig. Und ließ mich Weiteres zu den geschichtlichen Dingen lesen. Also „Triviales“ und Spannendes als Anregung zu Geschichtlichem, das wars für mich. Ok, auch da hab ich vermutlich das meiste mittlerweile vergessen, aber an den Genuß der Lektüre kann ich mich noch bestens erinnern.

    Dorothy Slayers hab ich so im Original entdeckt, Andrew Vachss, Stanislav Lem und so einige andere (selbst Ernst Jünger, man möge mir verzeihen). Alle über den Aufreißer und solange ich es mir leisten konnte.

    Alles, der Finanzen wegen, was es als Taschenbuch gab und verheißungsvoll war, habe ich erworben, oft erst im Modernen Antiquariat, ich hatte damals ja alle Zeit und genug zu lesen, so konnte ich auch warten.

    Und ja, Museumsbesuche in den jüngeren Jahren gabs bei mir auch nicht ohne Erwerb des einen oder anderen Kataloges, da sollte ich auch mal wieder ein wenig drin stöbern. Schön waren die Zeiten, als das möglich war.

    (Und nur nebenbei, ein einziges mal habe ich die Schule für einen Tag geschwänzt, da fuhr ich mit einigen Wenigen aus meiner Klasse in eine August Macke Ausstellung nach Münster). Solche Schulschwänzer gabs auch.

    —–

    Was die Anreißer oder Waschzettel angeht, wie Sie es nennen Don Alphonso, ist es nicht anders als im ganz normalen Leben, denke ich.

    Man erkennt seine Schweine am Gang.

    —–

    Grad hab ich doch noch ein wenig gestöbert und ein Buch aus der Serie Piper gefunden, eines von mehreren Büchern, da gabs auch Feines.

    —–

    Noch etwas – Sie schreiben nun zum zweiten mal, solange es das Buch Mohrenwäsche von Sharpe noch gäbe, sollte man es erwerben. Ich habs ja nunmal, mir stellt sich also eher die Frage, wem sollte ich es dereinst vererben.

    Vielleicht kann mir die verehrte Forenschaft oder der Hausherr feine Kriterien oder sonst etwas ans Herz legen :)

    • Mohrenwäsche
      Vererben Sie es Ihren Kindern, so vorhanden. Und verleihen Sie es niemals!

      Ich hatte dieses Buch vor ungefähr 23 an eine Frau verliehen. Und nie mehr zurück bekommen.

      Auch die anderen Titel von Tom Sharpe sind eine Befreiung für die Bauchmuskulatur.

      Heutzutage mit Sicherheit auf den Index. Oder schwere Demonstrationen vor dem zuständigen Verlagshaus.

      Ich sichere momentan noch frei zugängliche Bildungsfilme für meinen Nachwuchs: Muppet Show, Didi Hallervorden, Mister Bean und ähnliches. Benny-Hill-Show und Klimbim stehen noch als offen Posten auf der Einkaufsliste.

    • @Thomas Cgn
      Danke für die Erinnerung an Stanislaw Lem! – Der gehört auf jeden Fall auf die Liste zum „Aufbewahren und Wieder-Lesen“. Besonders „Der futurologische Kongress“ ist inzwischen von sensationeller Aktualität. Und vergnüglich zu lesende Dystopien gibt´s eh nicht allzu viele.

      Dazu fällt mir noch Arthur C. Clarke ein, der meiner Erinnerung nach viel über (z. B. auch Empfindungs- und Gedankenwelt von) Cyborgs geschrieben hat. – Auch sehr vorausschauend.

      Etwas neuer und auch zu schade für die Papiertonne*: Robert Anton Wilson und Douglas Adams (die Bücher sind soooo viel besser als die Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“).

      *Papiertonne: Dafür ist der „Leidens“druck (in Form von Platzmangel) noch nicht hoch genug…Vielleicht aber im Rahmen einer fälligen Renovierung. Schaumermal…

    • @Steyr
      Klimbim gibt es bei der Ganske-Gruppe, zB Rhenania-Buchversand für 55 €ulen.
      Habe ich letztes Jahr beschafft.
      MfG
      Alfred Haas

    • Douglas Adams
      Unbedingt!!!
      Und wenn es irgendwie geht, im Original!
      Insgesamt ist es ja eine etwas komplexe Entstehungsgeschichte (der Kinofilm zum Fernsehfilm zum Roman zum Hörspiel, zuzüglich Nebenlinien wie Computerspiel und Musical).
      Aber beim Buch ist man ja in der Rezeption wesentlich freier, das ist ein großer Vorteil.

    • Anthony Price ist mir noch in bester Erinnerung,
      .
      .
      ich habe zu Zeiten des noch existierenden Ostblocks viel Spionage-Literatur verschlungen.

    • "...und die Arztromane habe ich mit 10 schon hinter mich gebracht -
      man, bin ich belesen, eyh!“

      Sehr interessant, daß Tom Sharpe der von den Kommentatoren hier wohl meist genannte Autor ist, sieht man von echten Intellektuellen wie @kdm oder @tdv mal ab.
      Denen sei „Was jetzt zu tun ist“ von Rudolf Scharping und Torben Lütjens „Frank-Walter Steinmeier – Die Biografie“ ans stets sehr ruhig schlagende Herz gelegt.
      Und wenn Ihr fertig habt: alles von Wolfgang Mischnick.

    • Werter Sylter,
      Sie gehen auch zum Lachen in den Keller?
      Warum sollte jemand an den Steinwaldi Zeit und Geld verschwenden?
      Der kann ja nicht einmal seine Aufgaben als BP nach GG erfüllen.
      .. und, um einen andeen Irrtum aufzuklären: intelektuell und intelegent schließen sich gegenseitig aus.
      MfG
      Alfred Haas

    • Und Mischnick, lieber Herr Haas,
      sagt Ihnen auch nicht zu?

      Dann schließen Sie einfach die Augen und stellen sich vor, ich wäre Heinz Kluncker.

      https://www.amazon.de/Schlie%C3%9F-einfach-Augen-stell-Kluncker/dp/3453117034

  46. Wenn es Spaß macht kann es keinen Bildungswert haben
    so die landläufige Auffassung des zeitgenössischen Bildungs- und Literaturbetriebs, der geprägt wird von feministischen Anstandswauwaus mit Verlustängsten und der biologischen Uhr im Nacken. Der Mann soll auf der Schleimspur erzwungenen Betroffenheitskitsches ausgebremst werden. Frau identifiziert sich ja qua Penisneid gern mit den Minderheiten und Entrechteten dieser Erde, es sei denn es erscheint irgendein (oft nur vermeintlicher) Platzhirsch auf der Bühne, der sie mit seinem Popanzgehabe (und null Substanz) beeindruckt.

    Als Lehrer habe ich es oft erlebt: Bildung darf keinen Spaß machen, sonst kann es keine Bildung sein. Dass der ganze Sozialengagement-Stus, wie er an den Schulen zelebriert wird nicht nur abgegriffen und todlangweilig, sondern mittlerweile zu einer üblen Kitsch- und Schundware verkommen ist wird dabei geflissentlich übersehen. Der unsterblich gewordene Shakespeare hat seine Dramen nicht geschrieben um die Leute zu langweilen, sondern um sie (auch zwecks Geldverdienens) in seine Theater zu locken. Prodesse et delectare-so der Anspruch erst der Antike und dann der Aufklärung: es möge nützen/belehren UND erfreuen. Die künstliche Trennung in E und U ist ein Phänomen der Moderne-so wie Nerds mit Dickbrille, die nicht mehr an die frische Luft kommen (Exkurs: Kompliment [und das gilt natürlich auch für die Damen!] an unsere Winterolympiamannschaft: man sieht, körperliche Aktivität nützt eine Menge, Ihr seht meist gut aus, hoffentlich holt Ihr möglichst viele Goldmedaillen, auf dem Siegertreppchen ganz oben seht Ihr noch besser aus!).

    Ein anderer Unsterblicher, Ernest Hemingway, hat für sich selbst den Anspruch formuliert, er wolle vom einfachen Volk gelesen und gleichzeitig von der Kritik gefeiert werden. Und so kam’s denn auch. Man sieht, sowohl Shakespeare als auch Hemingway waren überzeugte Populisten. Und sowas geht im zeitgenössischen Bildungsbetrieb natürlich gar nicht. Nein, da muss alles dröge, leblos, blutleer sein.

    Als ich Lehrer war, hatte ich in einem meiner Englischkurse (in dem ich gerade Macbeth in der Filmversion behandelte) einmal Schüler aus dem Leistungskurs eines Kollegen zu Gast. Dort war das Stück auch „behandelt“ (oder besser gesagt „misshandelt“) worden. Sie waren verblüfft und äußerten „das ist ja eigentlich ganz interessant, coole Action, wir haben erst jetzt verstanden worum es geht“. Auf meine Frage, was bei denen im Unterricht denn gelaufen sei bekam ich zur Antwort „ja, wir haben ein paar Seiten analysiert, die Synekdochen, Oxymorons und Homoioteleutons bestimmt.“ Kein Ansatz von ganzheitlicher Herangehensweise, weder Lehrer noch Schüler hatten die Gesamtaussage(n) des Stücks verstanden. Und sie nennen es „Bildung“?!?!?!?!?

    Zwar konnte man noch froh sein, dass überhaupt mal ein Stück von Shakespeare behandelt worden war und nicht der übliche, mittlerweile todlangweilige Feministinnen- und Multikultikitsch. Der American Dream, ein eigentlich hochinteressantes Thema, wozu es eine Fülle von Material gibt wurde immer reduziert auf 3 Aspekte: black lives matter, arme mexikanische Illegale, Hellary (dröhn, dröhn!). Mir kam’s zu den Ohren raus, so wie der ganze andere eitel-verlogene, pseudointellektuelle Kitsch des restlichen Literatur- und Bildungsbetriebes.

    Ich würde gern bissige Sachen lesen, Unerhörtes, Sachen wo man beispielsweise die grüne Spießerkultur durch den Kakao zieht. Gibt’s sowas? Fehlanzeige. Alles nur noch politisch korrekt auf Linie getrimmt. Man sehe sich die „Titanic“ an: früher vergnüglich zu lesen, heute Grünenparteitag. Selbst Talente wie Kalkofe, der mit seiner Mattscheibe einst begeisterte gibt sich heute für billigen Anti-AfD Klamauk her.

    Nein, der Burner ist das alles nicht. Auch im von Frauen dominierten Literaturbetrieb zeigt sich schon die Trostlosigkeit des immer größer werdenden Männlichkeitsvakuums. Bonjour Tristesse kann man da nur sagen.

    Aber zum Glück gibt es immer etwas Klassisches, das man noch nicht kannte!

    • @Harry Charles
      Dann hatte ich ja Glück mit dem Englisch-LK-Leiter, der uns Shakespeare mit zeithistorischem Hintergrund, (damals) aktuellen Bezügen, Spannung und Humor verbunden hat. – Die alten Reclam-Heftchen bleiben, der gesammelte TITANIC-Stapel aus rund zwanzig Jahren Abo-Zeit (in die letzten haben wir gar nicht mehr reingeguckt) gehört zu dem wenigen Gedruckten, das ich mit Vergnügen in die Altpapiertonne werfen werde.

    • Thymotisches Eechenloob
      … und umkränzte seine Stirn mit Eichenlaub (sagte meine pommersche Großmutter – und sprach es wie „Eechenloob“ aus). Sie wollen „Unerhörtes, Sachen, wo man beispielsweise die Spießerkultur durch den Kakao zieht“. Dummerweise ist die Kunst der Parodie mehr bei alten respektlosen Grün-Versifften anzutreffen, die ihren Schiller noch kennen. Bitte sehr, für alle blaunen Literaturkenner:

      Thymumps oder: Die Ibiche schwärmen

      Halb zwischen Trug und Wahn, es bebet
      voll Schauder jede Brust, erlebet,
      wie man huldigt der furchtbarn Macht,
      die schürend Vergangnes entfacht,
      Die unerforschlich, unergründet
      den Ungeiststrängen das Knäuel flicht,
      den tumben Herzen sich verkündet
      und strebet dreist zum Sonnenlicht.

      Schon hört man von den Pflastersteinen
      auf einmal eine Stimme greinen:
      „Thymo-, Thymo-Siehdasius,
      Die Ibiche des MarcJongstuss!“ –
      Und finster plötzlich wird der Himmel,
      schau – auf zum Welttheater hin
      sieht man in völkischem Gewimmel
      des Wotans wilde Jagd aufziehn.

      „Teutonicus!“ – Furor ist billig,
      droht mancher Brust: Bist du nicht willig,
      so springt Gewalt wie böser Quell,
      So läuft’s von Mund zu Munde schnell:
      „Thymotiker, auf den wir hoffen,
      Der sich schön philosophisch gibt!
      Was ist’s mit dem? Red‘ uns besoffen!
      Es gibt noch einen, der uns liebt!“

      Und lauter immer wird die Frage
      und aufgewühlt fliegt’s mit Blitzesschlage
      durch wütend Herzen. „Höret zu!
      Nicht der Vernunft, der alten Vettel Schmu!
      Die linken Attitüden sei’n gebrochen,
      Der Identitär bietet selbst sich dar!
      Nur wer des Stammes rechtes Wort gesprochen,
      sei bei uns, so wie es früher war.“

      Kaum war dem Thymos das Wort entfahren,
      möcht er’s im Busen gern bewahren;
      Umsonst, der aufgerissene Mund
      tut den Hals geschwollen kund.
      Nun sitzt der Demos offen zu Gerichte,
      die Szene wird zum Tribunal.
      Wie schlecht steht Thymumps zu Gesichte,
      wenn Ziegenpeter ist der Täter,
      als Zerrbild wird das Eigne Qual.

    • @ donquichotte
      Ach ja, Sie schon wieder. Das beste in Ihrem zusammengestoppelten Gedicht (eine Mischung aus Reim-Anachronismen und abgedroschenen Politphrasen) ist die letzte Zeile. Wo das (wie Sie sagen linksgrün-versiffte) lyrische Ich selbst zugibt: „…als Zerrbild wird das Eigne Qual“.

      War mir schon vorher klar, dass kein grüner Pharisäer sein eigenes Spiegelbild ertragen kann.

      Gähn…!

    • Verschwenden Sie Ihr Talent nicht hier...
      …schreiben Sie diese „bissigen Sachen“ doch selbst.

      Bei Ihrer Bildung und Eloquenz dürfte es kein Problem sein, einen Bestseller zu produzieren.

    • @sufferah
      Oha, ist das jetzt ernst gemeint? Ausgerechnet von Ihrer Seite? Sonst gehören vor allem Sie doch zu denen, die mir eher ans Bein treten. Wenn es als Ironie erkennbar sein soll, dann fehlen noch ein paar Informationen.

      Aber so oder so, auch mal für andere: ich habe sogar schon ein paar Dinge in der Pipeline. Ideen habe ich jede Menge. Das Gute an der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation (hoffe, der DON bringt das jetzt, aber es ist juristisch unbedenklich weil ich ja keine Namen nenne) ist: solange ich hier lebe gab es noch nie so viel Ärsche, in die man reintreten könnte. Gewählter ausgedrückt: so viele Missstände.

      Im Moment schreibe ich gerade ein Buch über Schule. Mehr so aus Gründen der inneren Hygiene, um Dinge zu verarbeiten. Ich wollte eigentlich schon längst fertig sein, habe aber (mangels vorheriger Erfahrung) den Aufwand etwas unterschätzt. Wenn ich ein sauberes Manuskript fertig habe werde ich gern versuchen einen Verleger zu finden. Aber ich muss Sie und andere warnen: ich mache keine Gefangenen, ich kann ganz schön radikal sein (aber immer auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, als Stütze der Gesellschaft).

      Nun denn, wer will soll’s lesen.

    • Zusatz sufferah
      Trotz Ihrer Ironie, soll ich Ihnen mal was sagen? Bei all dem Schund, der heute unterwegs ist glaube ich (bei aller Bescheidenheit): so gut wie manch einer könnte ich das auch. Da aber schon darauf hingewiesen wurde, dass der zeitgenössische Literaturbetrieb (wie so vieles andere) überwiegend frauenzentriert ist (soll heißen, es gibt mehr Verlegerinnen) rechne ich mir da schon aus dem Grund wenig Chancen aus. Denn fast alles was ich gern schreiben möchte hätte eben diese Frauenzentriertheit (Grund für viele Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft) mit zum Gegenstand.

      Schon allein die feministische Zensur lässt große Literatur heute nicht mehr zu.

      Aber auch wenn es Sie ärgern sollte (und auch ansonsten pfeife ich auf das was Sie und ähnlich Gestrickte denken), für mein geplantes Buch über die Schule (da kenn ich mich nämlich aus) werde ich trotz allem versuchen einen Verleger zu finden.

      [editiert: Mein guter Mann, ich will hier keine Anschreibude, also reissen Sie sich *endlich* am Riemen. Meine Geduld ist auch nicht unbegrenzt. Don.]

    • Und ich meine das ernst.

    • "Bildung darf keinen Spaß machen..."
      „Mit der Schole est es wie mit der Mädäzin: Sä moss bätter schmäcken, sonst nötzt sä nächts“ Professor Crey (Schnauz) :-)

  47. Bücher von Rotary und Lions…
    Bei den Buchhandlungen geht es mir ähnlich wie Don: so wenige, deren Besuch zum Stöbern ein Genuß ist. Ausnahmen wie der angesprochene Buchladen in Bad Tölz sind genau das – Ausnahmen.
    Aber es gibt eine Ersatzlösung, die einen Genuß ähnlich den früheren „Stöberbuchläden“ verspricht: Die Büchermärkte von Rotary und Lions. So veranstaltet 2x im Jahr der Lions Club einen solchen Markt in der Franzmühle in Tölz (wieder 15.-24.6.2018), ein ehemaliger Chirurg betreibt einen in Weilheim, der sogar alle zwei Monate öffnet, der nächste am 17.-18. März. Der Hauptnachteil sind trotzdem die „Öffnungszeiten“. Andererseits findet man wunderbar vielfältiges gebundenes Bildungsgut, und das zu einem Spottpreis. Allein Bildbände kosten neu ja mittlerweile ein kleines Vermögen.
    Auch kann man Überraschungen erleben: Kürzlich erwarb ich ein Büchlein des französischen Revolutionspolitikers Mirabeau, und vermutete so etwas wie „Ein Insider des französischen Convent (um 1790) packt aus“. Weit gefehlt: es handelte sich um einen Erotikroman (aka Porno), den der vielseitige Graf 1786 verfasst hatte. Aber nun muß ich rasch schließen und weiterlesen…

  48. Frau schreibt Erotik
    Nun, nicht alle Frauen sind so verklemmt. Die Autorin Christiane Sternberg geht zwar über den publikumswirksamen Umweg der Graphic Novel, aber die frivole Freizügigkeit ihrer historischen Geschichte ist famos. (Aphrodite – Die nackte Wahrheit; Erotische Geheimnisse im antiken Zypern)

    • ...Frau schreibt Erotik, und verkauft sich auch gut...
      … die fuffzich Grautöne sind ja jetzt wieder in den Kinos. Ich will es aber doch nicht lesen, die Tagespresse hat ja schon alles ausgeplaudert; und mein Stil ist das nicht.

      Aber ist das SM-Zeug eigentlich PC?

  49. Wie Unerschrockene in die Welt zogen
    um sie zu entdecken so ziehe ich durch Buchläden. Es sind seltene Momente des Glücks einen mir bis dahin unbekannten Author zu entdecken. Rezensionen und einmal querlesen geben mir mittlerweile ein gutes Gespür ob ein Buch lesenswert ist oder nicht; selten gehe ich fehl; Schund kommt mir nicht ins Gerhirn, das erspart das Auswaschen.
    Frisch gekauft und zu Hause kommt es erst einmal zum Abhängen und Reifen in den Schrank. Gute Bücher machen sich bemerkbar wenn die Zeit reif ist sie zu lesen; manchmal dauert das schon mal 2 Jahre, man braucht sie nicht nötigen. Sprachidiologen sind mir ein Graus (Mohrenaphotheke) und stählen nur meinen Widerstand. Frei nach Ernest Hemingway: „Lesen, ein Fest fürs Leben“

    • @Tiberiat
      Sprachideologen sind mir ein Graus

      Wem nicht (ich denke Sie meinen die politisch korrekte Sprachgestapo/-Stasi)? Und es sind vom Psychogramm her meist etwas unterbelichtete, minderintelligente Typen die das zu kaschieren versuchen, indem sie sich in (im weitesten Sinne) einem „intellektuellen Umfeld“ bewegen. Leute, die sich gern mit fremden Federn schmücken und die oft gerade mal den Zugang zu einer Hochschule geschafft haben (heute hat ja fast jeder Depp Abitur). Da entfalten diese halbgebildeten Pharisäer dann einen fanatischen Aktivismus. Die denken, nur weil sie sich in einem Umfeld befinden, wo man mit dem Kopf arbeitet hätten sie dann auch Köpfchen. Ist aber meist nicht der Fall. Etikettenschwindel, wie vieles andere heutzutage. Viel heiße Luft, die sind hohl wie Brot. Man darf nur nicht zulassen, dass sie Gesetze machen, weil damit engen sie dann die Spielräume für die Intelligenten ein.

      Und sowohl die versteckte Aggressivität als auch der Neid der Dumpfbacken ist eines ihrer Markenzeichen-sie wollen über die Schlaueren Macht besitzen, diese zwingen Dinge zu tun/zu unterlassen.

      Aber da Sprachpharisäer doof sind sollte man vor ihnen eigentlich keine Angst haben.

    • Geht es vielleicht auch etwas gepflegter?

  50. So viel literarische Bandbreite muss sein.
    „Ils sont privilégiés ceux le soleil et le vent.…..Begnadet alle die, die nichts brauchen als Sonne und Wind, um außer sich zu geraten, nur Sonne und Wind zum Plündern („saccager“)! René Char*
    Ich würde es ergänzen um: ein Buch ihrer Wahl.
    *) aus: La Provence, un florilège (dtv)
    .
    In unserer Bücherwand sieht es ähnlich aus wie in Dons Einblicken in seine Literatur. Ein Sammelsurium von A bis Z. Geerbt oder oft neuwertig günstig angeschleppt von meiner Gattin aus einem Antiquariat.
    .
    Quer drüber geschaut: Prof. Dr.W. Reupke „Wisse-Erkenne, Handle (mit aufklappbarem Gedärm, schwäbisch: Kuttle), H. Bastian „Weltall und Urweld“, G. Green „Abelman“, K. Roberts „Nordwestpassage“, L. Ganghofer „Trutz von Trutzberg“, K. Mehnert „Der Sowjetmensch“, Jan Weiler „Maria, ihm schmeckts nicht“, Franz Werfel „Die vierzig Tage des Musa Dagh“, Marquèz, Raabe (nicht Max!) „Romane-Erzählungen“, J. Carrière „Griechischer Sommer“ => hallo Tamarisque!), Selma Lagerlöf „Gustav Adolfs Frauen“….viel Fugger und Medici (J. Cleugh und Lorenzo di M. ….viel Architektur-Literatur (G. Gruben „Die Tempel der Griechen“, Ville Veneziane u.v.m.), Schiller-sämtl. Werke-Berliner Ausgabe, Goethes du Seumes Reisen, Giesbert Haefs, Felix Dahn, Gustave Flaubert, Balzac, Heinrich Heine…neuere Geschichte wie German Werths „Verdun“. Und immer wieder der gute Theodor – und alles was U. Wickert und Scholl-Latour von sich geben bzw. gaben.
    .
    Zum Teil schwerer Stoff. Aber auch Weltliteratur wie O. Kalkofes „Mattscheibe“. Und ein Bilderbändchen mit Karikaturen, hier schon mehrfach erwähnt, liegt mir besonders am Herzen: „Miss Tschörmänie (Nebentitel: Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde). Oder „Bin dann mal weg“ vom Hape K.. oder „Doof it yorself“-sehr zu empfehlen.
    .
    Und dann noch meine Lieblingspassage aus Hanz Habes „Ob Tausend fallen“ (als er, der Jude, sich als franz. Legionär bei Lunèville in einem Bauernhaus vor der Gefangenahme durch die Wehrmacht versteckt: „….Ich blieb allein im Speisezimmer. Die Kleine kam und stellte eine Kerze auf den Tisch. Dann kehrte sie mit einem Haufen frischer schneeweißer Wäsche zurück, mit Kissen und Decken. Ich half ihr. ….Über dem weißen, gestärkten Hemd trug sie einen winzigen grauen Mantel und ihre kleinen Brüste wurden sichtbar…….Ich spürte ihren Atem im Gesicht. Wir setzten uns auf das Bett. Ich fragte sie wie sie hieße. Sie hieß Yvette.“
    .
    Ich finde die letzten Sätze musterhaft kurz und prägnant. Schönen Sonntag allerseits.
    (DdH)

    • Kalkofes Mattscheibe
      Kalkofes Mattscheibe war eine Satire auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die in den 90er Jahren Sonntags auf dem Bezahlsender Premiere lief und den Grimme-Preis verliehen bekam.
      Weil aber Bezahlfernsehen damals noch nicht so verbreitet war, habe ich einen Zusammenschnitt gehässiger Kalkofe-Kommentare auf YouTube veröffentlicht und prompt Copyright-Ärger bekommen.
      Auf meine Einwendung, dass derjenige, der so einen Preis finanziert (der Steuerzahler) ein Recht hat, zu sehen, was er da finanziert, habe ich keine Antwort mehr bekommen.
      Ich interpretiere das als Zustimmung.

    • Kalkofe
      Es war ja eben der Witz daran, dass Kalkofes Mattscheibe als nicht-verschlüsselte Insel im Premiere-Programm auftauchte.

    • encrypted TV
      Da ich den Entschlüssler damals hatte, habe ich das natürlich nicht gemerkt. Aber meine Argumentation war trotzdem gut und hat offensichtlich gewirkt (hoffentlich liest das hier keiner mit).

  51. Taschenbücher
    sehe ich nicht, Zufall? Und wie stellen sie auf, nach Autor, oder Thema, oder beliebig? Wagenbach ist immer nett, mir fällt da spontan Ginzburgs „Erkundungen über Piero“ (della Francesca) ein. Oder auch das wunderbare Büchlein Bennetts über die Queen als Leserin. Zum „Winter in Wien“ (ein Foto Schneiders hängt heute noch im Café Prückel, an dem Platz, wo er immer gesessen ist) sollte man auch die kritischen Einwände des Jean Rodolphe von Salis in den „Notizen eines Müßiggängers“ heranziehen.

  52. Bücher und Bücher
    Es ist eben das Problem, dass Bücher eine Ware wie jede andere auch sind, und eben deren Autoren und deren Vermarkter sich nach den Gegebenheiten von Nachfrage und Angebot zu richten haben. Mir scheint, dass der Meinung, bei Literatur handele es sich eo ipso um „Kulturgut“ schon immer eine gewisse Hybris innewohnte, deren monetärer Widerlegung wir gerade beiwohnen.
    Persönlich sind mir die literarischen „Qualitätszirkel“, die seit vielen Jahren nur mehr um sich selbst kreisen, ein Greuel.
    Ich lese, was mir Spaß macht. Ich kaufe, was mir mein Geld wert ist. Da es kaum noch Antiquariate gibt, sind meine „Antiquariate“ die öffentlichen Bücherkisten geworden, in denen ich manchmal echte bibliophile Kostbarkeiten entdecke und in die ich mein „Gelesenes“ und Nicht-Behaltenswertes gerne zur Weiterverwendung einstelle.

    Ansonsten danke ich für den Hinweis auf B. Traven. Das Totenschiff muss ich doch noch mal lesen. Und auch der Hinweis auf Josef Conrad weist mich darauf hin, dass da noch ein ungehobener Schatz meiner Aufmerksamkeit harrt.

    • Nun, die Nachfrage kann gesteuert werden,
      indem man sich auf der Buchmesse das „Filmstudio“ samt „Kritiker“ mietet.
      Den sechsstelligen Betrag hat man schnell wieder drin, denn in derselben Nacht kann der „Bedarf“ in der Amazon-verkaufsliste abgelesen werden.

  53. Büchergilde
    Sehr geehrter Don Alphonso, wenn Sie die Büchergilde nennen, dann sollten Sie auch an die Bücher von Oskar Maria Graf denken, die in schöner Ausgabe herausgegeben wurden, zumal er ja fast ein oberbayerischer Nachbar war. Besonders „Das Leben meiner Mutter“ kann nur empfohlen werden.
    mfG.

    • Titel eingeben
      Apropos Oskar Maria Graf und die Büchergilde: Hier wurde mal „Das bayrische Dekameron“ (jawoll, die Büchergilde-Ausgabe des Graf’schen Opus, mit Zeichnungen vom Prechtl) lobend erwähnt und ich hab’s mir damals (Oktober 2017) gleich antiquarisch besorgt. Hat sich gelohnt. Nachträglich: Danke für den Tipp.

  54. Romane
    Ich stimme absolut zu: Disziplin ist schön und gut, aber sich quälen mit einem ungeratenen Text: nein.
    Man muss auch im Museum nicht jedes Gemälde verstehen oder auch nur länger ansehen. Wenn es nicht mit mir spricht, dann dränge ich ihm auch keine Konversation auf.

    Bücher habe ich einigermaßen viele, Romane nicht so. Warum Romane lesen? Wenn es excellent geschrieben ist, der Kunstfertigkeit wegen. Oder des Sprachwitzes. Aber wo finden?
    Ein wenig Allgemeinbildung schadet natürlich auch nicht.
    In meiner Jugend habe ich Agatha Christie verschlungen, aber nach etwa 2/3 ihrer Krimis wusste ich irgendwann schon früh, wer der Mörder sein wird, und danach fand ich es langweilig.
    Romane dienen doch irgendwie der Zerstreuung, dem Zwischenmenschlichen, dem Geschichtenerzählen. Aber all das finde ich in einem hübschen Spielfilm lebensnäher.
    Früher haben die Leute zuhause Musik nur bekommen mit Selberspielen, vom Notenblatt. Das ist seit Radio und Schallplatte nicht mehr nötig.
    Ich fürchte, so verhält es sich zwischen Roman und Fernseher, ungefähr.

    Ich gebe zu, ein wenig schlechtes Gewissen habe ich deshalb ja durchaus noch ;-)
    Das „Gute Buch“ ist eben immer noch etwas anderes. Aber ich denke doch, das ist nur ein Rest Nostalgie.

    Und wenn Sie hier offen ansagen, es wird überwiegend Gouvernantenliteratur produziert, das braucht natürlich erst recht niemand.
    btw ICH vermisse MRR, und zwar ausdrücklich auch im Fernsehen.
    Meiner Erinnerung nach hat er unmissverständlich klar gemacht: Es braucht keiner etwas über Dummköpfe oder aus deren Perspektive zu schreiben.
    Vielleicht liegt DARIN das Problem?

  55. Zeit für mich
    Heinrich und besonders Thomas Mann, Stefan Zweig, Hans Fallada, Anna Seghers, Henrich Böll, Günther Grass, Max Frisch, Walter Kempowski und viele andere Autoren haben die politische Entwicklung beeinflusst und sich grossenteils aktiv zu Wort gemeldet.
    Welche Schriftstellerin greift heute ihre Themen auf?

    Vor einigen Jahren eine gut besuchte Lesung der Schweizer Autorin Milena Moser. Ich war einer unter sehr wenigen zuhörenden Männern.
    Ihre Themen:
    1. Ich und meine Gefühle.
    2. Woran soll ich mich orientieren, wenn auch liebgewonnene Dinge sich ständig verändern?
    3. Wer interessiert sich für meine Gefühle?
    4. Wer mag mich?
    5. Wer mag mich nicht?
    6. Was kann ich tun, damit mehr Menschen mich mögen?

    Gemäss dem mit sehr grosser Vorsicht veröffentlichten Unersuchungsergebnis einer angelsächsischen Institution zu vielen wissenschaftlichen Texten verwenden weibliche Autoren wesentlich mehr Personalpronomen (ICH, du, er, sie, es) als männliche.

    Auffällig der letzte grosse, auch mediale Erfolg von Stuckrad-Barre mit einem ähnlich eitel-selbstverliebten Textelaborat.

    Lieber DA, nehmen auch Sie den Bedeutungsverlust der Prosaliteratur wahr? Wenn ja, welche Gründe kennen Sie?

    Wie schätzen Sie selbst die Verschiebung literarischer Themenschwerpunkte ein, die mit der Verweiblichung unserer Literatur einhergeht? Ist der Rückzug aufs Ich ein Verzicht auf Verantwortung und Einfluss?
    Hängt unsere Verärgerung (auch von Leserinnen) über weibliche Autoren mit deren häufiger Ichbezogenheit zusammen?
    Warum ist der oft gut versteckte Autorenname (weiblich oder männlich? Falls weiblich, dann immer öfter mit 2 wohlklingenden Vornamen) ein Entscheidungskriterium für oder gegen die Lektüre von Texten- und in vielen Fällen eine einleuchtende Erklärung für textliche Absonderlichkeiten, wenn man versehentlich schon zu lesen begonnen hat?

    • Etwas ketzerisch formuliert,
      würde ich sagen wollen, dass es sich um die neue Form der „Frauenromane“ handelt. Affirmativ, um nicht zu sagen Trivialliteratur.

      Waren sie früher als Groschenhefte beliebt, sind sie heute eben „gepimpt“, um sich ein seriöses Erscheinungsbild zu geben.
      Ja, bevor Einspruch kommt: sie handeln nicht mehr von der heilen Welt, sondern von der aktuell wahrgenommenen Welt. Ein bisschen ´modernerˋ muss eben sein.

      Dieses Ich, Ich, Ich finden sie in den Ratgeberecken, Workshops zur Selbstfindung u.s.w.
      Ich persönlich finde das sehr tragisch, endet doch dieser Selbsbezug oft in der Depression.
      Das „große Thema“, nämlich wie sieht der Bezug zum anderen aus, ist halt nicht en vogue…man könnte an die Leibnizˋschen Monaden glauben…
      wenn manˋ s nicht besser wüsste.

    • Titel eingeben
      Ja, der Bindestrich-Doppelname kommt langsam außer Mode. Nun ist’s das Mittel-Initial und, richtig bemerkt: ein doppelter Vorname. Aber ich vermute: wohl nur noch selten ein schlichtes Gisela oder Helga.

    • ... man kann noch ergänzen ...
      … auch nicht untypisch für Frauenliteratur: Die Hera-Lind-Methode (von A. Pirincci schön beschrieben), d.h. das dreiste Umdrehen von Tatsachen in ihr Gegenteil (die vielbegehrte lustige megaintelligente superaussehende 45jährige mit 3 Kindern, Chefarztmann und 2 rolligen und romantischen Liebhabern, „Superweib“ halt) durch permanentes gebetsmühlenartges Wiederholen.

      Eine Dauerverstrahlung, die uns u.a. die Merkel und die Zuwanderungskatastrophie („Goldstücke“) mit eingebrockt hat …

    • Habe ich nie gelesen.

    • Erleichterung
      Jetzt bin ich aber erleichtert. Habe mich eine ganze Stunde lang geschämt, weil ich keinen der Namen, mit denen alle hier großzügig um sich werfen, je gehört (weiß ja nicht einmal, wie man die ausspricht) oder gelesen habe. „Rosamunde Pilcher“ kennt doch wenigstens ein paar Autoren, die ich auch kenne. Warum nennt niemand Walser oder Muschg oder den leider verstorbenen Dieter Kühn? Wo bleiben Doderer und Martin Mosebach, der unfaßbar fleißig und dennoch hervorragend schreibt? Was Krimis betrifft, möchte ich hier noch Manfred Bomm beisteuern, einen kleineren Autor, der aber nicht zu verachten ist.

    • Leibniz'sche Monaden
      Barock-Zyklus von Neil Stephenson. Sehen Sie nach.

  56. Auch ein Buchhändler
    Ich habe unter anderem Buchhändler gelernt, mit Abschluß auf der Buchhändlerlehranstalt in Leipzig. Deswegen kann ich Ihnen sagen: Amado gab es in der DDR. Es gab erstaunlich viele Titel im Verlagsangebot. Die Auflagen waren nur so gering, daß die Bücher eben dann zur Bückware für privilegiertes Stammpublikum wurden.
    Hier noch etwas eher Privates: Kann ich bei Ihnen etwas näheres über Leserkommentator „Tico“ erfahren? Meine Frau habe ich nämlich 1962 auf eben dieser Buchhändlerlehranstalt kennengelernt. Sie hieß mit Nachnamen Tiegel-Colomb. Deswegen hat sie dann später als Journalistin unter dem Pseudonym „Tico“ geschrieben. Sie ist inzwischen tot. Sie werden verstehen, daß ich immer wieder zusammenzucke, wenn ich hier dieses Pseudonym lese. Sein heutiger Beitrag läßt auch noch andere Verbindungen für möglich erscheinen.

  57. .
    Bücher begleiten mein Leben:
    Bitte, der Struwwelpeter wirkt bis heute.
    Ich brauch‘ keinerlei Versicherung.
    Ja man kann fast sagen:
    > I’ve been warned by Struwwelpeter.

    Auf Nabokovs „Pnin“ und „Lushins Verteidigung“
    möchte ich besonders hinweisen, weil die meisten
    nur Lolita kennen. ;-)
    Jean Cocteaus „Opium“ und „Die Schwierigkeit zu sein“
    sind sehr berührende Bücher.
    Thomas Bernhards „Alte Meister“ ist urkomisch.
    .
    Manns „Tod in Venedig“ habe ich sofort in den Müll
    geworfen: > Als Aschenbach diesen Jungen stalkt.
    Da wird einem als Mutter einfach k…übel.
    Ebenso landete ein Buch von Anne Sexton, worin sie
    über Sylvia Plath schreibt, zack – in der Tonne.
    Gruselig diese Frauen, ohne Empathie für ihre Kinder.
    Vorläuferinnen der modernen „Frauenbewegung“
    Bald danach kamen die RAF-Frauen.
    .
    Hannah Arendts Briefwechsel mit Heinrich Blücher
    gehört zu meinen Lieblingsbüchern.
    H. Blücher war ein sehr emanzipierter feiner Mann.
    Arendt: „Immer noch scheint es mir unglaubhaft,
    daß ich beides habe kriegen können, die
    ‚große Liebe‘ und die Identität mit der
    eigenen Person. Und habe doch das eine erst,
    seit ich auch das andere habe. Weiß aber nun
    endlich auch, was Glück eigentlich ist.“

    • Thomas Mann
      Da bin ich aber froh, dass dieser untragbare Lüstling auch mal eben in die Tonne gekloppt wird. Bäh.
      War ja echt höchste Eisenbahn.

      Stalking!!! Übelster Machart!!!

      Ups, mir wird auch gerade schlecht.

  58. Subvention vs. Verkauf
    „The ancient empires fall, the dark-skinned peoples fade and even the demons of antiquity gasp their last, but over all stands the Aryan barbarian, white-skinned, cold-eyed, dominant, the supreme fighting man of the earth.“
    – Robert E. Howard, Wings in the Night

    „She who had been the spoiled and petted daughter of the Duke of Kordava, learned what is was to be a buccaneer’s plaything, and because she was supple enough to bend without breaking, she lived where other women had died, and because she was young and vibrant with life, she came to find pleasure in the existence.“
    – Robert E. Howard, The Pool of the Black One

    Genauso wie H.P. Lovecraft (u.a. Suhrkamp) wird die Werkausgabe dieses großen amerikanischen Pulp-Autoren weiterhin auf deutsch verlegt und sind seit Jahrzehnten hier erhältlich. Moden, was sind schon Moden? An dieser Stelle empfehle ich übrigens „Gilgamesch“ von Burkhard Pfister.

  59. Ja, ich habe ca. tausend Bücher, und lese , nach einem Leben
    .
    .
    in Büchern, heute fast gar nix mehr .

    Vielleicht dem Augenlicht geschuldet , aber wohl eher der Tatsache, dass selbst englische Krimis voll sind mit Rauchverbot, das den Helden (und mich ) nervt, und Frauen, die alles besser können, was sich mit meiner Wahrnehmung im Leben NICHT deckt.

    Den Naxi-Schmarrn mag ich gar nicht erwähnt sehen, ,,Ich war Hitlers Kammerjäger “ reißt mich von keiner Couch, es ist mir einfach wurscht, wie der Kakerlakenjäger beim ,,Führer“ aufgeräumt hat.

    Lange nach dem Krieg geboren, fehlt mir jegliches schlechte Gewissen für die Gräuel dieser Sozialisten,

    und Deutschland, solange es das noch war, also bis vor wenigen Jahren, fand ich nicht schlecht.

    Den heutigen Tenor an Seich mag ich nicht lesen, a l’enfer avec ces animaux !

    Feuchtgebiete, die jemand mit Bedacht nicht wäscht, weil das

    ,,weiblich “ ist, mögen woanders das Zimmer vermiefen, ich habe gegen Gepflegtheit nichts einzuwenden.

    Wasche ich mich nicht, rieche ich kaum nach Rosen , erinnere mich an eine Feldübung bei der Bundeswehr, als das noch nicht Uschis Femiclub war ,

    da wäschst du dich gerne, glaube mir !

    Politisch-korrekt ist mir zum Speiben zwida , undemokratisch und menschenrechtswidrig ,

    ich möchte eine Schweizer Verfassung, wo der Bürger letztlich anschafft, und nicht eine korrupte Kamarilla aus Politik und irgendwasmitMedien .

    Keine analretentiven Diktatoren , keine Nannys, keine feministischen Besserwisser.

    Kein Gender, sondern GESCHLECHT ! Männlich, weiblich ..und AUS .

    Der Buchmarkt kriegt mich nur mehr mit altem Zeug, aber Spionage-Krimis sind nach dem Wegfall des eisernen Vorhangs (Merkel und ihre Eunuchen müssen das erst lernen )

    nicht mehr packend.

    Ich lese viel weniger Bücher, weil so viel Schrott in die Einbände gepackt wird.

    Vielleicht schafft die neue GroKo dann eine Zwangsabgabe nicht nur für regierungstreue Jubelpersertagblätter ,

    sondern auch für JungautorInnen mit seitenweise ausgewalzten Problemen mit ihren Geschlechtsteilen.

    Kinder , WASCHEN , nicht beschneiden !

    Schon läuft’s im Hosenbereich !

    Schade um ein lebenslanges , früher wichtiges, Tun, das Bücherlesen.

    Mist mag ich nicht, kauf‘ ich nicht, les‘ ich nicht.

    .

    • Feuchtgebiete war ein Hype, es kam nur noch wenig nach und das hat System bei all diesen Wunderautorinnen, denken sie nur an den Skandal um diese Axalotl roadkill Person, die irgendwann ihre Hochzeit mit einer anderen Autorin exklusiv an eine Springerzeitung brachte.

    • Otto
      Viel Lesenswertes gibt es auch als Hörbuch, ist besser für die Augen…

  60. von Fersen
    Mit genau der hier fotografierten Marie Antoinette-Ausgabe von Bertelsmann (und Zweigs Joseph Fouche) habe ich mich als Kind im Geschichtsunterricht ganz passabel durch die französische Revolution geschlagen…

    • Leider ist auch Halbleder aus der Mode.

    • @skag
      Yepp: Die verschiedenen (Bertelsmann-Buchversand?) Bücher über französische Persönlichkeiten rund um die Zeit der französischen Revolution haben (verbotenerweise „Das ist nichts für Kinder“ gelesen) mir auch das eine oder andere Zusatzsternchen im Merkheft des Geschichtslehrers eingebracht. – Welche Neun- oder Zehnjährigen würden sowas heute noch freiwillig lesen? :-/

  61. Ähnliche Erfahrung
    Lieber Don Alphonso,

    wenn ich in meine frühere Lieblingsbuchhandlung gehe, um zu stöbern, mache ich ganz ähnliche Erfahrungen wie Sie. Ich habe den Eindruck, die deutschsprachige zeitgenössische Literatur wird von korrekter Gesinnung geleitet, nicht von der Maxime, die Leser zu unterhalten.

    So greife ich heute, nachdem ich in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur über Jahre hinweg eine Enttäuschung nach der anderen erlebt habe, meist auf englischsprachige Sachbücher zurück. Das hält die Sprache in mir lebendig und bringt mehr Freude beim Lesen.

    Ich würde gerne den lokalen Buch-Einzelhandel durch mein Kaufverhalten unterstützen, aber so lange das Angebot so einseitig bleibt, kann ich da wohl nicht weiterhelfen.

    Ich würde mir mehr Sinnenfreude wünschen, anspruchsvolle Liebesgeschichten (ich glaube schon, dass das möglich wäre), und weniger radikalen Feminismus (der ist mir zu anstrengend und zu freudlos).

    Liebe Grüße von der Kleinen Waldhexe

    • Ich werde demnächst ein paar Vorschläge publizieren, vielleicht gibt das manchen zu denken.

    • Ja, Don, das wäre fein, denn beim Stöbern
      ..
      geht es mir ähnlich, wie der Kleinen Waldhexe.

      Zudem sind manche Buchhändler gleich bamstig, wenn man bei ihnen einen Titel haben will, den auch amazon hat.

      Da heißt es dann -wir unterstützen den online-Handel nicht.

      Ist OK, aber was mach‘ ich als Kunde dann ?

      Genau, dann geh ich erst auf amazon.

      Ganz logisch scheinen mir die nicht zu denken .

    • Man muß weit reisen für gute Buchgeschäfte
      Rizolli in der 57ten in NY ist nicht mehr, und im neuen am Broadway war ich noch nicht. Aber auf jeden Fall ist Pickwick Book Shop großartig, falls Sie einmal von NY den Hudson nach Nyack hinauffahren: h ttps://www.yelp.com/biz/pickwick-book-shop-nyack . Natürlich fast alles englische-amerikanische Litaratur.
      PS: Den Foristen danke ich für die zahlreichen Anregungen. Ich lese gerade einmal wieder auf deutsch Montaigne, dieses Mal Das Reisetagebuch, Kröner Verlag, Leipzig 1939, und Briefe aus dem Alten Frankreich, Dieterich, Leipzig, 1941 (Auswahl nach Gustave Lanson). Bereichernd. – Wofür zahle ich eigentlich die GAZ-Zwangsgebühren?
      Danke Don, für diese geistige Blumenwiese.

    • Buchhändler
      Herr Moser, da haben Sie aber ein wueschtiges Exemplar!
      Als ich mal ein Buch verlangt habe, das bestellt werden mußte, wurde der Buchhändler ganz vorsichtig: „Das kommt aber erst in drei Tagen“…
      Ja und? Ich fange eh erst nächste Woche an zu lesen, komme jeden Tag an Ihrem Laden vorbei und möchte es gerade extra nicht bei a..com bestellen!
      Es ist leider richtig, die Buchläden, die sich „etwas Eigenes“ trauen, werden seltener (die Großen schon gar nicht).
      Aber bestellen geht viel öfter als man glaubt, ich habe bei uns sogar mal einen Raspail auf Französisch bekommen, und der ist nun wirklich nicht „pc“.
      Und einfach mal fragen – als Händler lebt man vom Verkaufen, aber man kennt vielleicht auch trotzdem noch ein paar andere Varianten…

  62. Facts of Life
    Der Roman ist tot. In der Moderne. Denn er kann keinen Überblick vermitteln, keine Einheit generieren, keine Geschichte mit Anfang und Ende erzählen.

    Der Roman funktioniert noch als Historienroman, als Erzählung einer Zeit, in der man die ganze Welt noch in ein Buchumschlag packen konnte.

    In der Moderne schreibt man Blogs oder Twitter oder garnicht mehr.
    Man macht Fotos, mit dem iPhone. Oder Videos.

    Bedauernswert? Vielleicht.

    Aber wer will das Tempo und die Globalisierung, all die Umbrüche, noch in ein Jahrhundertwerk packen meinen zu wollen ….und das mit Erfolg? Aussichtslos.
    Und wer will stattdessen 200 Seiten darüber lesen, was man mit einem 2 Minuten Youtube-video auch sagen hätten meinen können?

    Nope, times are a…..

    Whatever, was stört das den Mann, denn Mann liest sowieso nie Belletristik.

    Wo nie etwas gewesen, da auch kein Verlust und kein Schmerz.

    • Meine Bücherschränke sagen etwas anderes.

    • Frank Schulz
      …wurde schon erwähnt. Von ihm ist auch „Morbus fonticuli“ ein Buch zum Behalten und Wieder-Lesen. – Vielleicht ist grade die Konzentration auf die genaue Beobachtung „kleiner Kreise“ (oder auch „bös-rechts“: von Heimaten) ein Literaturthema mit Zukunft, das Weisheit mit Lesevergnügen kombinieren kann und „Einheit“ ohne Globalisierungsbezug herzustellen in der Lage ist (@Goodnight).

    • Language was developed for one endeavor, and that is.
      Der Bücherumsatz soll sich seit den 90er halbiert haben.

      Die Gesellschaft ist nicht mehr klar segmentiert in Schichten oder Klassen, folglich ist die Anschlussfähigkeit für ein größeres Publikum nicht mehr gegeben. Es gibt nicht mehr die Klasse der Dons, die einen Proust verschlingen. Heute gibt es Arm, Reich, Mitte, obere Mitte, untere Mitte, ganz arm, ganz reich, noch viel reicher, altes Geld, Neureich, etc.
      Das einzige was da noch verbindet, das sind elementare Dinge: Sex und Crime. Und die verkaufen sich noch.
      Aber nicht mehr intelligente Beobachtungen einer Gesellschaftsschicht.
      Die finden nur noch ihren Weg in Dons Bücherregal.

    • Crime lehne ich ab und für Sex habe ich als Kunstfigur zu wenig Unterleib.

    • Den Punkt getroffen @goodnight
      Ihre Beiträge haben einen Charm, der die normative Kraft des Faktischen betont. Ich bin oft sehr erfreut.

      Zwei Männer in meinem Bekanntenkreis schreiben und verkaufen erfolgreich (Sach)bücher.
      Bei den Frauen sieht es etwas anders aus: da ist es ein Traum, mal ein Buch zu schreiben.
      Frage mich immer, wie das zu erklären ist…

  63. Platz für Bücher?
    Wohl dem, der eine Bibliothek in der Nähe hat. Dieses Kauf- und Besitzdenken ist doch obsolet geworden, irgendwie. Leiht man, verspürt man weniger Druck, unbedingt lesen zu müssen, was es nicht wert ist. Also, da bin ich bei Ihnen, Don, nach fünfzig schlechten Seiten kann ein Buch nicht besser werden. Und Rafael Chirbes`Krematorium hatte mir alle Hingabe und Leidensfähigkeit abverlangt. Dagegen ist Gabriel Garcia Marquez Liebe in Zeiten der Cholera bspw. der reinste Balsam. Allerdings fand Chirbes die richtigen Töne für diese chaotische Zeit, deren Auswüchse ich jedes Jahr das Vergnügen anzuschauen und zu lesen habe.
    Ein Buch einer Autorin (eine der wenigen), das wirklich begeisterte: Fortunas Tocher von I. Allende. Unglaublich! German Kratochwil Scherbengericht, Rio Puro, Terretorium. Und, lustigerweise zeitgleich zu dem Beitrag der FAS/wissenschaft über die Kokosnuss Christian Kracht` Imperium und den Kokovoren und seinen Adepten. Phantastisch! M. Houllebecq` Werke, insbesondere Karte und Gebiet, Unterwerfung, sind fesselnd, mitreißend, haben einen Sonderstatus.
    Über „Streng vertraulich“ hatten wir ja früher schon öfter getextet. Hatte ich seinerzeit gleich gekauft. Heute fällt mir darin auf die ständige wörtliche Rede. Find ich gar nicht mehr so toll. Aber gut, alles hat seine Zeit.
    By the way: Joseph Boyden`Der lange Weg. Bewegend wie Remarque` Im Westen nix neues. Und bspw. fr. Klassiker wie Balzacs Vetter Pons. Undundund

    • Also ich fand es schön zu sehen, dass auch andere Gesellschaften verrottet sind. Nancy Mitford ist natürlich lustiger.

    • Büchervitrinen
      Ich hab vor meinem letzten Umzug auch radikal Bücher aussortiert. Ich brauche auch kein volles Regal mehr, meinen Lesebedarf decke ich z. Zt. beinahe ausschließlich aus den drei Büchervitrinen in meiner Nachbarschaft. Da findet sich immer irgendwas, auch zum Antesten und -lesen. In der Regel landen die Bücher später wieder in ebendiesen Vitrinen; ab und zu behalte ich ein Exemplar, bei dem ich mir sicher bin, dass ich es noch einmal durchblättern werde. Ich finde das Konzept toll! Hab auch gar nichts gegen eBooks, denke aber oft: DAS wäre mit denen halt unmöglich!

    • welche Gesellschaft
      meinen Sie. Daß die ital. Duce- und die post-Aznar-Gesellschaft verrottet sind, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Die Geschichte um den Negus mitsamt seinem Rüssel und der entzückten Damen war ein tolles und dreistes Stück, und nur im Faschismus möglich. Ich hingegen meinte nur die Textform.

      Who the …. is Nancy Mitford?

    • „Landpartie mit drei Damen“ ist so eine Art britischer Negus.

    • Bibliothek in der Nähe
      Also ich hatte ein paar Wochen Militärkrankenhaus und konnte da die Hälfte (ca 1500 Seiten) von Solschinizin, Archipel Gulag lesen.

      Sah das nie in einer Buchhandlung, könnte man aber auch zu Hause haben und vererben…

  64. Schöne Lanze für das Buch
    „Ich kriege Pickel von Youtubelinks“

    Verstehe ich, aber musikalisch profitiere ich davon. Man muss dann nicht alles kaufen, kann sich aber anhören, was man kauft.

    Ansonsten schließe ich mich dem Gast an, der sagt, man kann sein Gutes, Altes erneut lesen (gestern, 21h01. Aber für Sach- und Kunstbücher bin ich immer zu haben und beehre manche Buchhandlung.

    Eine Bitte: Habe letztes Jahr von einer jungen farbigen Autorin gelesen (Köln, glaube ich), ca.30 Jahre, sehr sympathisch, die ein sehr gutes Buch geschrieben haben soll. Wäre dankbar für den Namen, falls es bei den wenigen Angaben (Daher muss das Farbige rein) click macht. Habe den vergessen und wollte das an sich kaufen.

    • Ich muss das jedesmal überprüfen und wenn es irgendein „Gast“ schreibt, habe ich nicht die leiseste Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Wer sich nicht selbst ausdrücken kann, soll es halt bleoiben lassen.

    • Unbekannte Autorin
      Ihre Bitte erinnert an Karl Valentins Besuch eines Schallplattenladens. Er möchte was kaufen, kann aber weder Titel noch Interpret nennen. Außer dem Alleinstellungsmerkmal „schwarz“ (die Fortsetzung lasse ich aus) will ihm nicht viel einfallen.

      Sie dachten vermutlich an Melanie Raabe, „Die Falle“.

    • Glücklich wie sonst nur Roberto Blanco, der laut Wikipedia Ehrenmitglied der CSU ist
      „Zurück zum Glück. Melanie Raabe, geboren 1981 in Jena, hat einen Vater, der kam aus dem Benin. Das sieht man ihr an. Er hat in der DDR studiert damals. Und dann war er schnell wieder weg.“

      So die WELT vom 15.06.2015, und weiter:

      „Eine glückliche Kindheit (glücklich mit drei ü) hat sie gehabt, sagt sie, mit Bäumeklettern, sommerlichem Schwimmbadeinbrechen und mit Kirschkuchenoma. Dass sie heute viele Communities gern eingemeinden würden, die Brasilianer, Kubaner, Äthiopier, weil sie ihnen ähnlich sieht, sagt sie später.

      Sie könne denen aber nichts geben, weil sie halt total deutsch sei. Nach einer total deutschen, total glücklichen Landjugend (sie hat einen eklatanten Hang zu Superlativen, was zum einen herrlich ehrlich klingt und zum andern eine Art Ausweis ihrer Sozialisierung ist).“ Interessant.

  65. Ich lese eigentlich keine Bücher,
    nur Artikel im Computer. Aber nach dem Interview von Garth Greenwell (ausgerechnet im Spiegel online) hätte ich doch Lust sein „Was zu dir gehört“ zu lesen. Ich bin nicht schwul, aber dieser andere Blick eines Schwulen kann den Horizont erweitern.

  66. Sterben von Zeitung und Buch: Danke GroKo
    @ Laurentius

    Natürlich hat das auch mit dem Einkommen zu tun. Heiz- und Elektrokosten steigend, Mieten steigend, Zwangsgebühr für ÖR, Soli seit fast 30 Jahren, KV steigend, auch wegen Zuwanderung in die Krankenversorgung etc.

    Essen braucht man, danach hat man die Wahl: Entweder online oder Abo und Buch. Im Winter am Abend ist der Computer angenehmer. Also meistens online.

  67. Sehr geehrte Frau "Gast" um 9.13h! (bitte bei 0.21h klingeln)
    Da haben wir es ja endlich:
    „Die Buchhandlungen würden früher mehr von Männern besucht, weil die Lektüre bestimmter Bücher als prestigeträchtig galt. Prestige erwirbt man jetzt durch ein teures Smartphone. Entsprechend findet man die Männer im Apple-Store.“
    Und natürlich bei Saturn, Media-Markt und im obibauhaushornbach.

    Ja, wir Männer. Ein Buch kaufen wir nur, um beim Herrenabend damit prahlen zu können.

    Die Frau als solche ist dagegen sensibel, kultiviert und nur an den inneren Werten interessiert.
    Deshalb sind ja auch die Anziehsachenläden, Schuhgeschäfte, Kosmetikboutiquen, Frisöre und nicht zuletzt Handtaschenparadiese ebenfalls weit überwiegend von den oberflächlichen Männern frequentiert.

    Ich finde zwar auch nicht, dass man überall mal eben nebenbei noch eine Portion Frauenhass reingießen muss. Aber dümmliche Männerabqualifizierung ist vielleicht auch nicht die Lösung?

    • Titel eingeben
      Ich kenne kaum Männer, die gern Literatur lesen, leider lesen sie auch kaum Sloterdijk oder Schirrmacher, was ich bedauere. (Aber fast alle lassen sich von neuer Technik begeistern. Dabei erinnert mich das Verhältnis von Smartphone zu Nutzer immer an Hegels Beziehung von „Herr und Knecht“). Buchhandlungen, nicht Boutiquen waren das Thema und ich glaube, beim Friseur sitzen inzwischen die Fußballer am längsten. Davon abgesehen bin ich keineswegs der Meinung, Frauen seien sämtlich sensibel oder insgesamt die besseren Menschen (Falls es Sie interessiert, bitte noch einmal neues bei 0.21 h lesen), alledings sind sie meist sprachorientierter. Und dümmlich finde ich hier nur die Unterstellung, ich würde Männer abqualifizieren zu wollen. Vor allem angesichts der zahlreichen frauenabqualifizierenden Kommentare in diesem Blog.

    • @Gast
      Liebe Frau Gast,
      geben Sie sich doch bitte einen einprägsamen Namen.
      Als Gast tritt hier jeder zwanzigste auf.
      Es macht mehr Vergnügen, sich mit jemandem auseinanderzusetzen, der echten Wiederekennungswert hat.

  68. Lesen
    Als alte Krimileserin empfehle ich alle Bücher von Ian Rankin mit dem wunderbaren Inspektor Debus. Und alles von Eric Ambler. Kann man mehrmals lesen und immer wieder Neues entdecken.

  69. ......
    Mir ist es gar nicht aufgefallen aber sie liegen richtig. Nach ihrem Beitrag habe ich mich mal umgeschaut welche Bücher von Frauen ich lese und für gut befinde, ich finde keine 3. Auch die Thematiken interessieren mich nicht, Aufarbeitung, NS-Erlebnis, die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter mit ihren queeren Neigungen und der rassistischen Großmutter, Privilege und white guilt…

    Sie könnten ja mal eine Buchliste aufstellen, Leseempfehlungen wären klasse.

    • was empfehlenswert ist, ist wenig
      … aber z. B. Hertha Müller (die aber auch völlig frauenuntypisch schreibt).

    • Wenn's auch sehr MINT sein darf...
      …und nicht sehr „roma(t)nisch“:
      Dava Sobel – ich lese gerade „The Glass Universe“. Das geht wesentlich um die Frauen, die vor über 100 Jahren wesentliche Beiträge zur Astronomie geliefert haben (Fleming, Maury, Cannon, Leavitt), stellt aber ganz nüchtern und objektiv auch die Männer daneben, die dafür gesorgt haben, daß sie ihren Talenten entsprechend arbeiten konnten (z.B. Pickering). Die Leistung ist also eine gemeinsame.
      Das gilt auch noch für die Sponsorinnen: der Mann hatte das Geld verdient und die Witwe sinnvoll ausgegeben – im Buch Mary Anna Draper und Catherine Wolfe Bruce. Draper betrieb die Erstellung eines noch heute zentralen Sternkataloges und Bruce stiftete vor 120 Jahren das Teleskop, das lange das Hauptinstument der Sternwarte in Heidelberg war.

    • Sachbücher von Frauen (Mint)
      Das beste Sachbuch von einer Frau ist:
      Lisa Randall: „Verborgene Universen“. Hier geht es um String Theorie „einfach“ erklärt. Sie hat auch noch andere Sachbücher geschrieben, die ich aber nicht gelesen habe. Sehr kluge Frau !

  70. @Periskop
    Ich denke, tico (der ja oft von seiner heutigen Heimat berichtet) bedeutet einfach nur Costaricaner (spanisch = tico).

  71. Käuferschaft ist nicht gleich Leserschaft !
    ja werter DON, eine Abrechnung ohnegleichen……………

    aber alles hat seine geneigte Käuferschaft, da stolpere ich doch jedes mal über die Gesamtauflage dieses „Bestsellers der neueren Frauenliteratur“ mit behauptet 500.000, der wohl nach 160 Seiten so enden soll: „der Mensch meines Lebens bin ich“. ja, wenn das mal eine Neuigkeit ist ?

    Verena Stefan sah ja auch einen der drei Vorteile, Feministin zu sein darin, nicht vier internationale feministische Buchmessen verpasst zu haben.

    noch mehr aber überfällt mich das Grausen beim Blick auf die Spiegel-Bestsellerliste Kategorie „Sachbuch“ oder was der Spiegel darunter versteht. Da thront GG, der Gregor Gysi (das erinnert mich immer an Heinz Erhardt und den legendären Sketch: Alles mit G), wer kauft sowas ? alle 62.000 Mitglieder der Partei „Die Linke“ ? oder ist das ein Präsent zum Parteijubiläum ? oder zum Jubiläum 100 Jahre Oktoberrevolution ?

    ein Mann, der heute behauptet, sich in den Talkshows die Gesundheit ruiniert zu haben ? (Quelle: Interview mit Der Bund zum heutigen Sonntag)…………….ja hat ihn jemand gezwungen ? Stalin war doch schon tot !

    so schreitet der Tag dahin, heute am Abend noch ein bisschen Holzfällen mit Thomas !

  72. Habe gerade mal meine Regale durchgesehen,
    um zu sehen, welche Bücher weg könnten und welche ich in’s Betreute Wohnen mitnehmen würde. Die meisten könnten wohl weg. Mit kämen sicher Mark Twain, Paul Theroux und ein paar andere. (Seitdem ich die Mohrenwäsche gelesen habe, weiß ich jetzt auch, was man machen muß, wenn man von einem Rüden agefallen wird.)
    Ganz früher hatte ich auch die Einstellung, daß man Bücher nicht wegwirft. Erinnert sich noch jemand an eine Schriftstellerin namens Karin Struck? Da sie wie ich auch nicht aus begüterten Verhältnissen kam, dachte ich, in „Klassenliebe“ etwas Vertrautes zu finden. Was ein Mist. War das erste Buch, daß im Müll landete. Irgendwann in den ’90 Jahren versucht etwas von E. Jelinek zu lesen. Müll.
    Woran ich mich gerne erinnere ist, „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von J. Meyerhoff. Ich will mich nicht durch Bücher quälen. Andere mögen etwas daraus ziehen, aber für viele Dinge ist mein Verstand eher zu klein.

  73. 5 mal Humor
    C. Dickens – Die Pickwickier
    V. Nabokov – Pnin
    P.G. Wodehouse – Onkel Dynamit
    T. Bernhard – Wittgensteins Neffe
    E. Henscheid – geht in Ordnung, sowieso, genau

    • Humor
      Kichert hier eigentlich niemand bei der Max-Goldt-Lektüre?

      GH

    • Noch eine Autorin
      Leider inzwischen verstorben: Fanny Müller. Sie hat urkomische und selbstironische Kurzgeschichten aus dem (inzwischen wohl teils verwahrlosten, teils gentrifizierten) Hamburger Schanzenviertel der Achtziger und Neunziger geschrieben, die immer noch und wieder lesenswert sind.

      In diesem Zusammenhang fallen mir auch die Miniaturen von Max Goldt wieder ein, ebenfalls wieder-lesenswert.

      “ Es hat übrigens noch niemand Sibylle Berg erwähnt. “

      – Aus Pietät: Früher mochte ich ihre SPON-Kommentare (und eins ihrer Bücher). Ist aber lange her…

    • Ebenfalls T. Bernhard und ebenfalls Humor
      – Der Untergeher

    • @ gerhard höppelt
      Oh doch, bei Max Goldt jederzeit sehr gerne.

  74. @Rosamunde Pilcher " Milena-Moser-Lesung"
    Sehr witzig diese Selbstbezogenheit. Die MM machte ja verschiedene Transformationen durch. Sowas wie ein Selbstfindungsdschungelcamp. Da war was mit Verlassen werden, Heimat ist öde, Kalifornien ist super, asiatischer Boytoy, boytoy finds another sugar mom, Leben ist ungerecht, Heimat ist toll, etc.

    Echt ein pars pro toto.

    Aber die Lesungen scheinen gut besucht. Mitleidende, -fühlende, -erlebende.

    Holt mich hier raus..

  75. als Überblick:
    die beiden Bände:

    „Die wunderbaren Falschmünzer“

    ein Romanverführer von Rolf Vollmann,
    erschienen bei der AB – Die Andere Bibliothek

    oder bei Eichborn: „Roman-Navigator“ von R.V.

    gut, weil mMn unideologisch.

  76. Danke für die Tipps
    Vielen Dank an den Don und alle anderen, die so viele gute Tipps gegeben haben! Habe mir einiges herausgeschrieben.

    Da nach Taschenbüchern gefragt wurde: hier gibt es viel Auswahl, z. B. von Kurt Tucholsky oder Mark Twain. Mark Twain war auch in Deutschland und hat darüber köstlich geschrieben: „Die schreckliche deutsche Sprache“ und „Bummel durch Deutschland“.

    Wer sich ernsthaft für das Verhältnis der Geschlechter interessiert, kann den Klassiker „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir lesen. Gibt es auch als Taschenbuch.

  77. Apropos Gegenwartsliteratur, die man lesen soll :
    .
    . In der Welt kriegt die Raute Nimmersatt von den Lesern gerade Fett !

    Der Artikel selbst ist eher betulich, kennt man ja, aber die Leserpostings sind lesenswert.

  78. Freiheit des Wortes
    Grigorij sagt:
    „Obs noch ein paar mehr Autoren im Osten (und Westen) gab und gibt? Und ob die Autoren eventuell unvermeidlich mit ihren Lesern verbunden sind. UND dem jeweiligen Zeitgeist und dessen Kräften?“

    Soweit mir das noch in Erinnerung ist, sind da, neben Kant natürlich, Heiner Müller, Wolfgang Hilbig ,Volker Braun, Christa Wolf, Sarah Kirsch, Guenter Kunert, Jürgen Fuchs. Nur mal so hingewuerfelt. Keiner der Autoren aber drängte und dürstete so sehr wie ein mit Minderwertigkeitskomplexen behafteter Fanatiker so sehr nach Rampenlicht und Beifall, wie Biermann.
    Lesen Sie mal die Gedichte der hervorragenden Sarah Kirsch, oder die Aufsätze des Jürgen Fuchs, viel zu früh verstorben. Hochachtung vor beiden. Den Biermann will ich nicht vom Sockel stoßen, ist mir zuviel Arbeit, aber er sollte endlich mal auf die Füße gestellt werden und nicht nur ob seines kreischenden Timbres und der schnurrigen Texte wegen verklärt werden.

    Ich meine, ich habe sie alle kennen gelernt, vor und nach dem Mauerfall , die Ausgestossenene der DDR, und erlebt, wie schwer sie es hatten sich im Westen zurecht zu finden, außer Biermann, dem ein jeder die Füße küsste, weil er ja im Grunde einer „von uns guten“ war, es ging ja gegen die DDR. Und er jammerte am lautesten.

    Mal die Texte der Liedermacher gehört, gelesen ?
    Stephan Krawczyk etwa, der nach dem Mauerfall auch nach Afrika ging für kurze Zeit, und verletzt zurück kam. Er wurde dort als Faschist beschimpft. „Ausgerechnet mich“ sagte er danach fassungslos. Tja, er wusste halt nicht, dass die Welt die Deutschen immer noch mit Hitler und Faschismus in Verbindung bringen. Ich erlebe es ja auch. Wie oft bekomme ich gesagt, ach Deutscher, Heil Hitler! Kunert und Pannach , die man in den Knast sperrte, darf man auch nicht vergessen, teils sehr poetische Texte die sie brachten.

    Binsenweisheit dass ein Autor mit seinen Lesern verbunden ist.
    Es gibt zwei Gruppen Verlage. Die großen, Bertelsmann & Co. die allesamt die mittleren Verlage verschlungen haben (Was hat man nur aus dem einst edlen Piper-Verlag gemacht!). Die gehen so vor, wie ich es sagte. Bestsellerliste bevor das Buch geschrieben ist. Und es hagelt Vorbestellungen, weils im Spiegel steht. Und der Autor muss nun liefern.
    Und dann die kleinen Verlage, die finanziell schwer unter Druck stehen und sich auf einem Markt behaupten müssen, der, ich habs mal irgendwo gelesen, so um 80 Prozent nur noch Bücher aus den USA übernimmt. Weil es billiger ist.

    Es gibt keine Verlage mehr die sich um ihre Autoren kümmern. Der Autor ist verkommen zu einem Buchstabenlieferanten. Das höre ich immer wieder von Kollegen. Und vieles ist fest in den fragwürdigen Fingern von feministischer-homosexueller Einsteiger, die mit aggressiver Buchpolitik daher gehen.

    Das ist zumindest aus weiter ferne mein Eindruck. Ich bin nicht auf dem laufendem und schwelge nur in Erinnerungen. Jene, die Grass vorwarfen, zu viel Bücher auf den Markt zu bringen, haben nun die Oberhand gewonnen. Es gibt ja auch keinen Schriftstellerverband mehr. Die haben sich ja Feministisch-Genderestisch umbenannt.
    Schriftsteller die nicht mehr unterscheiden zwischen dem Gender und dem Sex.

    Umso genussvoller lese ich hier Dons Artikel und so manche Beiträge hier erinnern mich wie wertvoll Literatur sein kann.

    Die Heuchelei unter den Autoren ist riesig. Man mag zu diesem Akif Pirincci stehen wie man will, aber dass es ausgerechnet Schriftsteller waren, die die Verlage aufgefordert hatten, diesen Autoren nicht mehr zu drucken und seine Bücher rauszuwerfen, das ist ein Hammer. Die gleichen Autoren, linksorientiert und von freier Welt faselnd, machen sich stark für Bücherverbote. Soweit ist alles heruntergekommen. Und daher ist die neue deutsche Literatur für mich nicht mehr Glaubwürdig. Das war schon immer so. Bereits einen Hans Habe hat man als „rechten“ verschrien und verbal geschändet. Aber er durfte wenigstens noch gedruckt werden.

    • Das fand ich auchz nicht richtig. Man muss eine andere Meinung eben aushalten und darüber reden.

    • Wer kennt hier Kunert und Pannach?
      @tico
      Wer kennt hier Kunert und Pannach?
      Bei mir steht Renft im Vinyl-Plattenschrank.

    • @tico "es ging ja gegen die DDR." - Eben, das war und ist die Voraussetzung, um "mitz
      Text eingeben

    • Nun muss ich Don doch einen Link zumuten:
      https://www.youtube.com/watch?v=vW1eldpTZQI

      Kann irgendwer glauben, dass dieses Lied nur wegen der östlichen Despoten-A******** geschrieben wurde? Oder gibts da eventuell auch im Westen so einige arschkriechende Typen?

      Zitiert sei an der Stelle Paul Landers von Rammstein, der den Westen ja ganz sicher kennengelernt hat:
      „Im Kapitalismus gibt’s ja nun erwiesenermaßen kein Arschloch weniger als im Sozialismus.“
      Wäre sehr dringend drüber nachzudenken. Es wäre endlich mal ein Anfang.

      Biermann, dass muss man ihm lassen, hatte in der DDR ein selbst für westliche Verhältnisse riesengroßes Maul. Nicht sympathisch, aber eben wichtig.

      Wo soll eigentlich die Reise hingehen? Kritik – gut und schön. Aber dann:Wohin? Ich lese beinah nix darüber. Und das scheint mir das wesentlich größere Problem zu sein.

    • Alte Dauer-Westberliner kennen eigentlich alle die DDR-
      Literatur und vor allem die Rock-Pop-Szene.

      Biermann war mir immer unsympathisch und dennoch konnte ich nicht anders als sein Spiel und seine Lyrik zu bewundern.
      Sarah Kirsch? Habe ich als Student gemocht. Ich möchte wetten, heute wäre sie in der Vorhut der Gutmenschen zu finden.

      Heiner Müller ist einer derjenigen, die meiner Meinung nach überleben könnten. Weit genug abseits von Staat oder Anti-Staat war er für mich ein Literat potentiellen Weltranges.

    • Stephan Krawczyk
      … der K. war so ein elegischer Typ, mit einigen, aber doch wenigen genialen Zeilen und der toughen Freya, aber eigentlich nach meinem Empfinden, wäre der in seiner Verschwommenheit im Westen ein geborener Grüner gewesen, während die GrünInnen den Biermann schnell rausgeschmissen hätten.

      Genial z. B. immer noch (aber im elegischen Tonfall typisch).

      Wenn die Wasser Balken hätten,
      Kämen wir ans andere Ufer,
      Bräuchten nicht mehr so zu tun,
      Als ob wir noch zu retten sind.

      Der Jürgen Fuchs war ein anderes Kaliber. Die „Gedächtnisprotokolle“ müssten m. E. Pflichtlektüre in der Schule sein. Es ist eine ewige Schande des deutschen Kulturbetriebes, dass der so vergessen ist und wir uns stattdessen mit Kermani & Co. und #meetoo-Tussies aufhalten müssen.

    • Jürgen Fuchs, Gedächtnisprotokolle
      Das stimmt. Ich kenne viele Jugendliche, die sich beklagen, nichts über die DDR zu wissen. Teillösung: Rainer Kunze, Die wunderbaren Jahre.
      Da hat man die Endsechziger, Anfangsiebziger, in gewisser Weise (und kann nebenher auch Renft hören, wenn man mag).

      Das ist ein Buch, dass ich Der Linken gerne regelmäßig um die Ohren hauen würde. Ich hab das damals an der Uni für zwei Nächte geliehen bekommen und mangels eines Kopierers (Xerox, einer für die Uni) und meiner Schreibmaschine, die zuhause stand, in dieser Frist per Füllfederhalter abgeschrieben. Und danach erst richtig gelesen. Das war Mitte der Achtziger. Soviel dazu, dass Literatur nichts ausrichtet.

  79. SERIEN-LIEBESROMANE
    werter DON, vielleicht sollten sie sich zukünftig statt guter Literatur mehr dem Serien-Liebesroman als Normativ widmen, insbesondere wenn von Katastrophen die Rede ist………….dann haben sie endlich mal eine Gesprächsgrundlage mit der Innenwelt der Frau, die einst Oskar und nun sich selbst an die Macht in einer zukünftigen Kleinpartei gebracht hat.

    und fahren sie nicht mehr nach Italien oder gar Tirol oder ins Münstertal………….der Horizont zieht sich unweigerlich zu: Die Eifel, Bonn und Berlin (evtl. noch der Vatikan mit seinen 44 ha Grundfläche) sind der Kosmos in dem wir alle leben sollen, öffentliche Politik bei Nahles (und Gabriel) als individuelle Bewältigung transgenerationaler Konflikte und Katastrophen !

    wobei ich nichts gegen die Nahles hätte, wenn sie dies literarisch und nicht politisch bewältigen würde. und mit der Pfarrei St. Kastor in Weiler eine dem Yoknapatawpha County ähnliche Handlungslandschaft erschaffen würde.

    • In Berlin war ich gerade, das war im Slum wenig beliebt, weil ich die Drogenhändler nicht schätzte. Vielleicht fahre ich nach Medellin.

    • @djangohatnemonatskarte
      Mir wäre es wohler wenn Fr.Nahles nicht wie die SPD der Zeit soweit
      hinterher hinken würde.
      Daher besser ein Besuch in Wachendorf.
      https://www.feldkapelle.de
      Ein Werk von Peter Zumthor.
      Ein Muss
      Viele Grüße aus Hessen

    • ab nach Medellin !
      ja, fahren sie mal nach Medellin, dann ein Zwei-Stunden-Abstecher nach Gautape, dort gibt es bereits ein Ruder-Leistungszentrum, Luis Buslay spricht deutsch !

    • Kolumbien habe die schönsten Frauen Südamerikas, und Medellin die schönsten Frauen von Kolumbien, sagte mir eine Kolumbianerin, der man das sofort glaubt.

      Den ersten Teil zumindest.

      Fahren Sie bitte, und machen Sie viele Fotos!

    • Wachendorf
      Auf jeden Fall!!
      Das ist eine „nach alter Tradition“ privat gestiftete Kapelle und die Gemeinde war anfangs gar nicht so glücklich darüber.
      Einen ähnlich klugen politischen Ratgeber wie Bruder Klaus würde man sich heute auch wünschen…

    • Titel eingeben
      Sie würden in Medellin viel mehr Armut und viel weniger Gejammer vorfinden als in Berlin. Allerdings: Menschen beim Dealen zu fotografieren zieht dort möglicherweise ein erhöhtes Mortalitätsrisiko nach sich.

    • Ich habe schon ganz andere Sachen abgelichtet.

  80. Literatur
    also im Gegensatz zu manche hier im forum bin ich, wie ich merke, ein kleines Licht, obwohl ich viel lese. Aber ich bin dankbar für die vielen Tipps. In den großen (hugendubel)Buchgeschäften wird einem ja nur der literarische Massenmüll der Gegenwart vor Augen geführt. Ich ertappe mich immer öfter dabei, daß ich nach einem männlichen und deutschsprachigen Autor frage, nein, kein Suter und nein kein Kriminalroman. Dann wird’s schon dünn bei der Fachverkäuferschaft.
    Die besten Tips gibts doch von belesenen Bekannten oder hier.

    Vielen Dank an alle.

  81. ... "Ein Fest für die Sinne zuallererst ...
    „… ein Abenteuerroman sodann – eine Sehnsuchtsreise ins 19.Jahrhundert … und es ist – nicht zuletzt, aber vor allem – eine kluge, sensible, betörende, ja hinreißende Darstellung des ebenso beglückenden wie manchmal bestürzenden Zusammenpralls der Kulturen.“

    … schreibt Roman Buceli in der NZZ zu:

    Der WELTENSAMMLER von Ilija Trojanow –

    … wirklich ganz wunderbar erzählt und nimmt einen mit auf eine Seelen-Weltenreise und einen Traum – hinein in lange verklungene Gedanken und Gefühle.

    Eines der wenigen Bücher, das ich ganz sicher wieder mal hervor holen und lesen werde.

    • Trojanow
      Gut, dass Sie (wie Simple Reader weiter unten) diesen großartigen Autor erwähnen, während an anderer Stelle wieder mal der Tod des Romans erklärt wird. Eine Art „peak oil“ der Literatur, den zu erleben Generationen von Propheten vergeblich gehofft haben, um ihr Lese-Phlegma rehabilitiert zu sehen.
      Der Roman stirbt unverdrossen Jahr um Jahr, mit Houellebecq z. B., und scheint nicht totzukriegen – ähnlich wie die Oper, die allen Zerstörungsversuchen, nicht zuletzt jenen von innen, standhält.

      Interessante Bio: http://trojanow.de/autor/biographie

  82. „The Valkyrie Profiles“, K.S. Daniels (2013)
    ….habe ich fast atemlos in einem Rutsch gelesen. Bevorzuge eher historische Romane wie von der Schulenburgs „Der König von Korfu“ mit exzellenten Recherchen. Mit 16 geschenkt bekommen.

    Ich würde die Valkyrie -Teil I der Trilogie- eher Zukunftsroman nennen, Science Fiction ist zu abgegriffen.
    200 Jahre weiter: die Erde und Teile des Sonnensystems werden nach endlosen Kriegen von einer Militäraristokratie beherrscht.
    Kinder kriegen dürfen nur Paare in State Rearing Facilities. Vladia Robbespierre und Tolen Malthus sind anders. Halbgeschwister, von der Außenwelt abgeschieden, wachsen sie im Haus des Vaters (Admiral) auf, da unkontrollierter Weise aus Liebesbeziehungen entstanden.
    Beide machen sie in der Valkyrie Squad Karriere. Valkyries sind anthropomorphe Flugzeuge.
    Herrschen durch sich zurückziehen, beobachten, Wissen vorenthalten. Gegen Ende des zweiten Bandes „Flight Of The Valkyrie“ sagt Tolen, als er den Council zu entmachten plant: „when the time comes“ Malthus said „they will have no choice „.

    Roboter sind das eigentliche Thema. Vladias Mutter, eine Wissenschaftlerin, die durch Nano-Implantate den künstlichen Intelligenzen so etwas wie Seele einhauchen wollte, wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit exekutiert. Das einzige Buch, das Tolen Vladia aus der umfangreichen Bibliothek vorenthält, ist ihre Abhandlung über die Psyche von Robotern.

    • Hat eigentlich niemand die Caius-Serie von Henry Winterfeld und Krabat bekommen?

    • Titel eingeben
      Caius und Krabat – Sowohl als auch – Ist aber lange her. Krabat gibt es in einer DDR-Version mit antifeudalen Anklängen und der BRD-Version von Ottfried Preussler.

      Soeben auf Booklooker „Krematorium“ und „Der General der aus dem Dschungel kam“ bestellt, vielen Dank für den Hinweis! Davor ist aber noch etwas Solshenitzyn zu schaffen. Die Lektüre desselben könnte manche Person vielleicht ein wenig von ihrer Utopiegläubigkeit heilen. Oder, wenn für 500-Seiter mit finsterstem russischen Humor keine Zeit ist, das autobiographische „Mein Katalonien“ von George Orwell.

    • Gern geschehen.

    • Caius & Krabat
      *handheb* Alle beide. Sogar vor ein paar Jahren noch mal gelesen. ;)

      Schön war auch die Bienmann-Saga von Willi Fährmann.

    • Titel eingeben
      Caius. Ha!
      Das waren super Bücher!

  83. User Periskop
    Lieber Don Alphonso, nur als Ausnahmefall bitte ich meine private Erklaerung hier zu akzeptieren.

    Sehr geehrter User Periskop,
    ich bedauere ehrlich ihnen durch meinen „Nick“, der keiner ist, tiefe Wehmut bei ihnen auszulösen.
    Erst zum Namen: Der “Tico” ist der männliche Bewohner Costa Ricas. Die Tica ist die weibliche Form. Alle Bewohner des Landes nennen sich so.
    Woher es kommt ist umstritten und an sich egal.
    Ich lebe seit 23 Jahren in Costa Rica und es war naheliegend, dass ich mich so nenne.

    Ende der 70er, in den 80er und bis Mitte 90er war ich in Berlin als Schriftsteller auch Mitglied im VS der IG Druck und Papier (Verband der Schriftteller). Ich hatte das Glück auch für den Rundfunk arbeiten zu können (SFB und RIAS) sowie im Lektorat einer Kunstdruckpresse.
    Dadurch habe ich im Grunde alle Autoren und bildenden Künstler der DDR (vor dme Mauerfall) kennen gelernt, die einen mehr, die anderen flüchtiger.
    So kam es zu den Berührungen.
    Meinen Namen jetzt zu ändern aus Respekt vor ihrem Innenleben und ihrer verstorbenen Frau wäre eine schwere Entscheidung.
    Von ihnen zu erwarten meinen Namen zu ignorieren ist auch nicht möglich.
    Vielleicht aber können Sie den Namen Tico als das zu sehen, was er lieber wäre: Eine liebevolle Erinnerung an ihre Frau und die guten Zeiten mit ihr.
    Freundliche Grüße

    • Wenn Interesse an Adressenaustausch besteht, mailen Sie mich an, ich brokere das dann donalphonso äd gmail dot com

  84. ... Bücher ...
    … in meiner Stadt gibt es seit ein paar Jahren einen s.g. offenen Bücherschrank –

    … ein Buch (oder mehrere) bringen – bzw. mitnehmen.

    Ich habe dort schon einige „alte Schätzchen“ entdeckt – ab 1920 gedruckt. Teil´s mit Widmungen in Schönschrift – und kleine Lesezeichen kann man finden …

    Mittlerweile sind sie meine absoluten Favoriten.

    … was die Leute so alles weggeben???!

    • Viele haben einfach keinen Platz mehr.

    • Nachtrag
      Ach, ich habe doch Den Großen Brockhaus und Meyers Lexikon vergessen ! Was ist doch alles heutige im „Netz“ nur ein Abklatsch dieser Sammlung! Und die damalige Druckqualität, diese Farben ab 1928 ! Beide in wunderschöner Manier gestaltet, von unwürdigen Erben zu unglaublich abwertendem Preis verkauft ! Sonst hätte ich nicht so ein stabiles Regal bauen müssen, aber für Bücher in Leder mit Goldschnitt mußte Echtholz sein. Da geh ich hier mit allen mit, die das „richtige “ Buch noch so lieben. Ich hätte nie geglaubt, das der heutige Buchfrevel mich mal so ärgert.
      Freundlichste Grüße an den Don !

    • Wäre ein volles,evtl. gedoppeltes Bücherregal...
      …an einer Außenwand nicht eine wunderschöne Dämmung? Wie die Holzscheite draußen. Alles schöner, als Styropor. ;)

    • Dämmung
      @Philomena
      Im Prinzip schon – aber es kann dabei leider auch passieren, daß es hinter den Büchern Schimmel gibt (leidvolle Erfahrung)
      Daher dann gut überlegen, was in welche Reihe kommt – so hätten dann vielleicht die Bücher, die man nicht wegwerfen, aber auch nicht wirklich lesen mag, noch eine Daseinsberechtigung…

  85. djangohatnemonatskarte sagt: 11. Februar 2018 um 15:28 Uhr
    ‚Die Eifel, Bonn und Berlin (evtl. noch der Vatikan mit seinen 44 ha Grundfläche) sind der Kosmos in dem wir alle leben sollen, …‘

    Wie wäre es mit einem Autor aus der Eifel, Norbert Scheuer, zwei Empfehlungen:

    – Am Grund des Universums
    – Die Sprache der Vögel

    Beide empfehlenswert find ich.

    ht tps://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Scheuer

  86. Autoren - hier noch ein paar andere, sehr willkürlich gewählte.
    Trojanow: Der Weltensammler
    Roth: Mein Leben als Sohn / als Mann
    Kippling: Von Ozean zu Ozean
    Theroux: Unter der glücklichen Himmeln Ozeaniens
    Twain: Leben auf dem Mississippi
    de Waal: der Hase mit den Bernsteinaugen
    Brentano: Freundschaftsbriefe 1 & 2
    Burgess: Der Fürst der Phantome
    Canetti: Das Augenspiel
    Chatwin: Traumpfade
    de Vries: Sex, Money, Happiness and Death
    Fermor: Die Zeit der Gaben
    Franzen: How to be alone
    Gide: Autobiographie
    Gunturu: Krishnamurti, Leben und Werk
    van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte
    McEwan: The Children Act

    Nahezu alle Bände der Anderen Bibliothek (AB)
    Nahezu alles von Stanislaw Lem, besonders jedoch: Robotermärchen

    Was für ein tolles Forum hier, eine Freude die Kommentare zu lesen, so schön zu sehen das es viele gibt, denen Lesen Freude macht!

    Lesen in Büchern, nicht am Bildschirm.
    Regale voller Bücher, ein Genuss. Möchte ich niemals missen.

    • Danke für Ihre Tips , Simple Reader !
      .
      .
      Life on the Mississippi war das bisher einzige Buch, das ich komplett im Internet gelesen habe.

      Und es ist faszinierend !

      Twain war ein ganz Großer, und wäre der verblödete US-Bürgerkrieg nicht gewesen,

      hätte er vielleicht nie geschrieben, sondern wäre „pilot“ , also eigentlich Steuermann oder Rudergänger, auf dem Fluß geblieben.

    • Ich möchte noch Three men on a bummel empfehlen.

  87. An tico, Kontaktwunsch.
    Da Sie nun schon wieder an Grigorij schreiben, möchte ich auf meinen Kommentar von heute vormittag verweisen. (Periskop)
    Ich hätte gern Kontakt mit Ihnen, um zu erfahren, woher Ihr Pseudonym stammt. Die Menschen, die Sie in dem Brief an Grigorij anführen, kannte ich auch alle mehr oder weniger persönlich. Wegen Biermann hatte ich eine Stasiakte und die entsprechenden Nebenwirkungen. Es wäre schön, wenn der Blogwart vermitteln könnte, falls das nicht zu viel erhofft ist. Mit herzlichem Gruß Periskop

  88. "Sturmflut"
    Um mal eine Bresche für neuere Literatur von Frauen zu schlagen, hab ich jetzt ein Buch rausgekramt, das mich (bei der Lektüre vor zwei, drei Jahren) wirklich beeindruckt hat. Es handelt von der großen Strurmflut, die 1953 viele Tote in den Niederlanden zur Folge hatte. Dramatisches Thema, düster und detailliert geschildert, ohne „Happy End“.
    Was es so lesenswert macht, daß es auf die „Behalten“-Liste kommt, sind die pragmatisch beschriebenen, oft sehr kurzzeitigen Schicksalsgemeinschaften zwischen Protagonisten, die sich vorher völlig fremd waren: Würde und Nähe im Bewußtsein des bevorstehenden Todes.
    Der Name der Autorin ist Margriet de Moor und der Roman ist bei dtv erschienen.

  89. Amado!
    Danke für die Erinnerung an Jorge Amado. Hab von ihm „Gabriela wie Zimt und Nelken“ gelesen. Leider gibt es bei Amazon fast nur gebrauchte Bücher von ihm (ich mag es lieber wenn noch keiner dran rumgefingert hat).
    Den letzten neuen Roman den ich gelesen habe war „Atemschaukel“ von Herta Müller. Die restliche Produktion regt mich nicht an meinen Geldbeutel zu öffnen und meine Lebenszeit zu verschwenden.
    Apropos „kein Fernsehen“ Grade läuft auf ARTE „Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei“, das wäre doch was für Sie?

  90. Osloer Feministn Sicht
    Bei den deutschsprachigen Damen der Literatur handelt es sich aber nicht nur um deutsche Sichtweise. Warum Herta Müller den Nobelpreis für Literatur bekommen hat, leuchtet mir nicht unbedingt ein. Das Urteil des Nobelpreis Komitee grenzt an Kitsch: „die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet“. Elfriede Jelinek reißt mich auch nicht vom Stuhl, auch wenn das Komitee urteilt: „für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen”. Dieser Osloer Krampf Krampf animiert mich nicht.
    .
    Statt der Verdichtungen der Österreicherin Jelinek las ich mit viel Vergnügen von Ihrem Landsmann Peter Kampits: “Wer sagt, was gut und was böse ist”. Ist zwar keine Literatur, sondern fällt unter Sachbuch, aber das gilt auch für das Buch, das ich mir gerade gekauft habe: Platon, Der Staat (übersetzt von Gernot Krapinger). Ich bin sicher, Platon wird mich auch in dieser neusten Übersetzung nicht langweilen.

    • Noch ein Sachbuch
      …das ich sehr empfehlen kann: „Mit Linken leben“ von Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz. Es erhellt auf amüsant zu lesende Weise viele Narrative der „Bessermenschen“ und bietet gute Argumentationshilfen gegen deren Vertreter.

    • Herta Müller
      beschreibt in „Atemschaukel“ aus Sicht eines Homosexuellen das Leben einer Gruppe von Deutsch-Rumänen im russischen Lager. Ein beeindruckendes Buch, wenngleich kein Geniestreich. Aber ob da die Genderei in Oslo wirklich eine Rolle gespielt hat?

  91. Lesetip zur deutschen Politik :
    .
    .
    .
    . BAZ, Markus Somm , ,,Das Panikorchester“ .

    Dort werden Sie geholfen. Und die Leserschaft ist recht aktiv.

    Viele Deutsche schreiben Leserpostings.

    Westfernsehen eben.

    In der deutschen Pseudopresse wäre so ein Artikel nicht möglich.

    • Danke Otto Moser, ...
      … der Artikel war schon angeklickt, jetzt auch gelesen!

      Lieber leicht bekleidete Romane (ich mag am liebsten historische) als geistig nackte Häuptlinginnen im RHS!

    • Titel eingeben
      Im gleichen „westfernsehen“ dann ein Artikel über die Niederlande. Baudet und sein FvD. Mit kritischen Anmerkungen. Folge: In der Kommentarspalte direkt sich erhebendes Jammern ob dieses linken Journaillenjournalismus. Fazit: Auch rechts der Mitte hat die Fähigkeit zur Akzeptanz abweichender Meinungen nicht die Ausprägung, die sich (auch hier) so mancher einredet.

  92. mira belle sagt: 11. Februar 2018 um 16:03 Uhr
    mira belle,

    schön das Sie Trojanow ebenfalls mögen, hier eine Empfehlung, eventuell
    passend:

    ht tp://trojanow.de/nomade-auf-vier-kontinenten-auf-den-spuren-von-sir-richard-francis-burton/

    Die andere Bibliothek:
    ht tps://www.die-andere-bibliothek.de/Originalausgaben/Nomade-auf-vier-Kontinenten::341.html

    • ...Leseempfehlungen ...
      danke, Simple Reader – und an ALLE mitForisten …

      für die vieeelen Lese-Anregungen …

      herrlich – ich freu´mich schon auf´s Abtauchen in´s LeseMe(h)er!

      DANK dem DON für Bereitstellung des BlackBord´s mit „Anleitung“.

    • Sir R. F. Burton kann auch Eros und Kultur
      so übertragen, daß beide lebendig werden.
      http://burtoniana.org/books/1885-Arabian%20Nights/
      Wenngleich die gedruckte Originalausgabe (Shammar; nicht die des Burton Clubs) haptisch ansprechender ist, so verbietet ihr Preis den Kauf.
      M. A. Titz

  93. die Eifel
    @Simple Reader

    werter Mitleser und Mitschreiber, ich habe nichts gegen die Eifel……..

    mein Vater wurde dort schwer verwundet, ich selbst habe mich dann beruflich nur mit Stolberg und privat mit dem Hürtgenwald beschäftigen können…..

    wie sagte ein amerikanischer Kollege 1973: seit Hürtgenwald sei klar gewesen, dass amerikanische Armeen sich in dichten Wäldern immer schwertun, mann habe aber daraus nichts gelernt !

    • Wald..
      Ach, die Amerikaner reihen sich da gut ein. Das mit dem Wald haben schon schon die Römer damals nicht hinbekommen.

      Wobei das mit dem Scheitern im Wald wohl nur ein Symptom ist.
      Wald kann man nicht vorausplanen sondern muß höchst flexibel sein und agieren. Das geht mit befehlsbasierte militärischen Führung und Prägung nicht so gut. Da hat eine Auftragsgeführte Armee immer Vorteile…

      Auftragsführung erfordert aber eine gewisse Intelligenz, Kreativität und Mindestmaß an Eigenverantwortung aller Beteiligten. Das ist daher nicht so einfach umsetzbar sondern braucht eher Jahrzehnte in der Umstellung von Truppen…

  94. nur Mark Twain sagt die Wahrheit !
    „niemand hat das höchste Ausmass dieser sanften Schönheit begriffen……..(Achtung: es geht nicht um eine Frau………….!!)

    der nicht auf einem Floss den Neckar hinabgefahren ist“………….

    schrieb nicht etwas der F.Hölderlin, nein der böse Bube Mark Twain.

    der, so scheint mir, bei den ganzen Diskussionen hier immer und immer wieder als beliebter und lesenswerter Autor genannt wird.

    unser Mitschreiber und Mitleser „WEGGISER“ wird ja auch dazu beitragen können, lebte der gute Mark doch über Monate dort, bestiegt die Rigi und in seinem Gartenhäuschen am See können Mann und Frau heute noch romantisch sitzen.

  95. ..mal wieder danke ob
    der Ausfahrt in die Welt der schönen Gedanken, und Danke auch den Kommentatoren für die vielen Anregungen. Was bin ich froh, daß es diesen virtuellen Salon des Herrn Alphonso gibt.

    Ich vermute, zu allen Zeiten gab es gute und schlechte Geschichten, meine Ahnung ist die, daß viel Dreck früher am Verleger scheiterte, der ob der hohen (noch dazu bei niedriger Leserzahl) Druckkosten höheres Niveau anstrebte.

    Literatur ist auch wenn sie gut ist, subjektiv empfunden. Mir gefällt unter den Frau Zeruya Shalev sehr gut. Wenn frühere Ideen über die Verschiedenheit von Mann und Frau auch im Gefühl richtig sind, dann kann Mann hier gut lesen, warum und wie Frauen anders fühlen, und „leicht bekleidet“ bei großen und kleinen Gefühlen könnte passen. Tania Blixen ist so gut wie die besten Männer.

    Wer Eleganz, gute Geschichten, klaren Blick und wenig Worte schätzt, ist bei Martin Suter immer gut, bei „Der letzte Weynfeldt“ absolut grandios unterhalten.

    Ein echtes Muß ist „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett über die Gefahren des Lesens.

    Und wirklich großartig und ein Quell großer Lesefreude ist „Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär“ von Walter Moers, gerade auch für Erwachsene, die die heutigen Politiker kategorisieren wollen, und die richtigen Worte für das dortige Personal finden müssen, von Bollogg bis Tratschwelle (Trennung vor „w“).

  96. Noch´n Schreiber
    Da möchte ich auch noch eine Schippe drauflegen und mal den König-David-Bericht von Stefan Heym empfehlen. Der Mann ist zwar schon lange tot, aber der muß bereits damals gewußt haben, wozu die heutigen Schriftsteller*?Innen (hoffentlich habe ich jetzt alle Spielarten erwischt) so taugen. Na ja, der kannte seine Kollegen. Den auch hier zahlreich vertretenen Schwarzsehern empfehle ich unter anderem die Neuen Apokryphen von Karel Capek, darunter insbesondere die Geschichte vom Steinzeitmenschen Janecek. Der verkündet nach einer profunden Analyse der Gesellschaft und der damaligen heutigen Jugend seiner Alten die zeitlose Erkenntnis: „Aber eines sage ich Dir, Alte, lange, lange geht das nicht mehr so weiter.“

    • Heym war ganz grossartig – es ist eine Schande, was man ihm unter Kohl alles nachgesagt hat.

    • den Stefan Heym
      haben wir als Jungspunde ziemlich verehrt. Wegen dem König David Bericht. Einmal kam er mit seiner Gnädigen ins Kaffee in der Leipziger Straße in Berlin. Das war unser Stammlokal, wo wir schon am hellichten Vormittag weisen Storch schlürften, in der begründeten Hoffnung, irgendein Bote werde uns nicht vor der Mittagspause ins Studio rufen.

      Wie immer im Osten waren natürlich keine Plätze frei. Ehrerbietig machten wir für den Meister zwei verfügbar und quetschten uns zusammen.
      Selbstverständlich gaben wir uns Mühe die Berühmtheit unbeobachtet zu lassen, und waren auch so doof kein Gespräch anzufangen.

      Er aber auch. Später, nach der Wende, hat er auch auf dritten Weg gemacht, also Sozialismus mit menschlichen Antlitz. Also, naja, muss nicht sein.

    • Heym hatte einfach Pech mit den Zeitläufen.

    • Heym
      Der König David Bericht war toll. „5 Tage im Juni“ empfand ich als sehr fragwürdig, „Schwarzenberg“ war wieder interessant.

    • Und Ahasver
      Ein bisschen untergegangen, vielleicht, weil 1988. Aber was für ein Ende.

    • @Wernher
      Nix: …Schriftsteller*?Innen (hoffentlich habe ich jetzt alle Spielarten erwischt)…

      Schriftstellende wird es bald heißen müssen, fürchte ich.

  97. Die richtige Gesonnung
    „Und wenn mein wohlgesonnenes Auge“.

    Brandneue Konjugation (seit 1789): „wohlgesinnt“.

    • SeinS ned so unkommod, der Herr.

    • Ordnung muss sein
      Wohler: „Und wenn mein wohlgesonnenes Auge“. — Brandneue Konjugation (seit 1789): „wohlgesinnt“.

      „Wohlgesonnen“ ist das Präteritum von „wohlgesinnt“.

    • hehe
      Von hinten. Geschieht Ihnen ganz recht. Ätschi.

    • Kramathik
      Heisst es jetzt:

      „Meine Sinne sind wohlgesinnt“ ,
      „Meine Sonne sonnt wohlgesonnen“,
      „Meine Sinne sind wohlgesonnt“,

      oder

      „Meine Sinne sonnt wohlgesinnen“?

  98. „… es schreibt mich“ (Don Alphonso am 28.10.17)
    Lieber Don Alphonso,

    wenn man, unbekannter Weise, noch so eine gewisse Sympathie für diesen Blog aufrechtzuerhalten versucht, für eine „Kunstfigur“ deren persönliche, gänzlich untadelige, Lebensführung, so quasi als Eudaimoniekonzept des Kaub´schen Feuilletons für den Rest der kleinen, deutschen Welt dienen soll, dann könnte man sich freuen diesen Beitrag zu lesen.

    Mit Ihren trashbetrachtungen – Praxistest im grünen Herzen der Nation – Das Ende der Mittelmeerroute im Görlitzer Park – Kreuzberger Nächte werden kurz gemacht und Aufgabe der Klimaziele und Dämmplatten- haben Sie sich ja regelrecht von Ihrem piédestal gestürzt und ernsthafte innere Verletzungen waren zu befürchten.

    Mich überkam schon fast eine kleine, innere Schwäche, verbunden mit der Hoffnung Sie mögen doch in Ihr Schrottlager gehen und sich wenigstens zu einer, Ihnen eigenen, philosophischen Betrachtung eines Zahnkranzes hingeben.

    Doch heute, nahezu ein Glückstag, die Überschrift „Her mit den leicht bekleideten Romanen“ als weiterer Beitrag Ihres Selfie-Journalismus mit zahlreichen Bebilderungen von welchen man nie erfahren wird, ob die Bücher vom Trödel gerettet oder in der Zeit Ihrer Mitgliedschaft beim „Bertelsmann Lesering“ erworben wurden ?

    Ich bewundere Ihr Leistungspotenzial ja wirklich, denn einen Menschen wie Sie dürfte es sonst keinen mehr geben, einen der soviel unterwegs ist, zur Städtebeschau in Berlin, im Tegernseertal, in Ingolstadt, in Italien, nahezu ein halbes Jahr auf dem Fahrrad verbringend und dieses auch immer wieder selber aus Schrotteilen wieder instandsetzend, ganz zu schweigen von den vielen Stunden in Lokalitäten des gehobenen Niveaus, um Süßspeisen zu testen und mit Blick auf den See, Land und Leute wertend zu genießen, Zeit zu finden für die Styroporprüfung an Gebäuden und den ganzen persönlichen Immobilienpark auch noch zu verwalten und zu organisieren und dann finden Sie noch immer Zeit sich lesend fortzubilden.

    Für unsereinen wird es nahezu beschämend im Feuilleton dieses Intelligenzblattes auch noch Ihre zusammengetragenen und aufgeschriebenen Gedanken demutsvoll lesen zu dürfen.

    Man wird still und andächtig als Leser Ihrer Zeilen und so mancher stellt sich wohl in dieser Zeit, in der man uns klar zu machen versucht, daß wir doch alle gleich sind, die Frage nach Ihrem Highlander Konzept nach dem Motto – Es kann nur einen geben!

    Die Antwort zu Ihrem Erfolg kann eigentlich, bei all der Gleichheit der Menschen, nur darin zu finden sein, daß Sie keine Kinder, keine eigene Familie haben, eben sich die Frau Bundeskanzler zum Vorbild erkoren haben und dumm, wie bewundernd steht da nun jeder Familienvater da, der sich dem liebevoll Sozialem der eigenen Familie verbunden fühlt.

    In diesen Tagen, in denen gerade das „neue Geschlechterbild“ nach Heiko Maas, im Sinne der „Neubürger“ geprägt wird, in dieser Zeit in der uns „MeToo“ lehrt wie Gerechtigkeit auszusehen hat, diese beginnende Epoche in der man Bilder und Plastiken aus Museen entfernt und Gedichte an Fassaden übermalt werden, in dieser politisch angestoßenen Veränderungsphase, in der man das außergesellschaftliche Benehmen der „Neubürger“ noch so schwarz malend beschreiben müßte, es aber verschweigen muß, um nicht belangt zu werden, obwohl man es niemals schwarz genug beschreiben könnte, werden auch Bücher wieder gefährlich.

    Man fühlt sich erinnert an Filme wie „Im Namen der Rose“ oder an „Alphaville (Lemmy Caution gegen Alpha 60)“ und Jacob Talmons „Die Geschichte der totalitären Demokratie“ wird schon mancher in die zweite Reihe seines Bücherregals gestellt haben, wie Aretins „les epices de venus“ oder „Die philosophische Therese“ und Tag für Tag verstärkt sich in mir der Argwohn gegen das, was mich regieren will.

    So sucht man vergeblich in seinem Bücherregal nach dem libro del perché.

    Nun Sie müssen sich nicht sorgen, denn Don Alphonso´s Buch „Liquide“ für 28.90 CHF, wird auch in Zukunft bei Weltbild, für jeden Schneebrunzer (http://www.oesterreichisch.net/oesterreich-1085-.html?letter=S) frei zu kaufen sein und das „Vorfreudetröpfchen“ wird sich bei jedem Radfahrer nach wie vor einstellen, wenn er das Buch „Die schönsten Radtouren in Europa“ , bei Orellfuessli für 42.90 CHF von seiner Mutter zum Geburtstag geschenkt bekommt.

    Was den Bücher Besitzenden wie Lesenden heute wieder schützt, ist der notwendige Unterschied wie er uns auch schon aus dem Mittelalter bekannt ist, als lediglich der Adel, wie der Klerus des Lesens und Schreibens mächtig waren.

    Herr Maas und seine Entourage sehen im Augenblick nur Bilder, in denen sie die Gefahr einer durchschimmernden Brustspitze auf einem Dessous-Werbeplakat verorten. Solange sie nur ihre Kurznachrichten auf ihren Smartphones lesen können, sind Bücher noch sicher.

    Ob der Zufall mitgespielt haben mag, weiß man nicht, doch vor Ihrer Blogveröffentlichung schrieb Hans Ulrich Gumbrecht unter der Überschrift „Und wo sind die großen Bücher geblieben?“ ebenfalls zum Thema Buch.
    Herr Gumbrecht ist ja nicht ganz so universal ausgerichtet wie Sie und propagiert auch nicht unentwegt Radfahrer, Berg- und Landschaftsbetrachtungen als Anregung, die für ein vegetatives Dasein dienen sollen.

    Nun, es soll sich jeder selbst ein Bild machen, zu welchem Blogtext er sich mehr hingezogen fühlt, bzw. wen man ernster nehmen sollte.

    So für mich ganz persönlich will ich mir heute Abend den Film Kultfilm “Dead Poets Society”, den Herr Gumbrecht angesprochen hat, wieder einmal anschauen.

    Na dann bis zum nächsten Mal.

    Seien Sie herzlich gegrüßt
    ObjectBe/entrepreneuse – ( objectbe.blogspot.com )

    • Wissen Sie, Kinder sind ja nicht die einzige Familie, die man so haben kann und ich will das hier nicht vertiefen, aber sein Schärflein trägt wohl jeder irgendwie, und ich, das darf ich sagen, auch.

    • Der Name der Rose..... als Film ????
      Recht unterhaltsam, das ja….

      Aber die besten Teile fehlen natürlich im Film, da sie sich nicht verfilmen lassen.

      Lesen sie mal die Kapitelanfänge im Buch…

    • My resignation. Academia is more my scene
      Man erkennt die Fehler der Bildungsexpansion, wenn man auf studierte Personen trifft, die wissenschaftliche Literatur zwischen dem ersten und dem letzten Semester nutzten.
      Nicht davor und nicht mehr danach.
      Leider ist das die Mehrzahl, selbst hier in einem FAZ Blog.

      Wenn man Antworten in Frauenliteratur finden möchte, dann disqualifiziert einen schon die Frage.

      Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit man eine Moderne vertritt, wenn man selbst nicht an Wissenschaft glaubt.
      Was will man dann einem Islam entgegenstellen? „Kultfilme“ oder eine Tania Blixen?

      Und wundert man sich dann, dass ein Islam hier so einströmen kann, ohne Widerstand?

    • @ Goodnight
      Guten Abend Goodnight ,

      gute Güte, man bemerkt, daß Don Alphonso seine kommenden Radltouren plant und die Finanzierung über die Klicks in seinem, ins Leben gerufenen „Literarischen Quartett“, ganz nach Marcel Reich-Ranicki, finanzieren will.

      Ihre Frage:
      „inwieweit man eine Moderne vertritt, wenn man selbst nicht an Wissenschaft glaubt. Was will man dann einem Islam entgegenstellen? „Kultfilme“ oder eine Tania Blixen?“
      erscheint sehr amüsant.

      Mein Eindruck ist, daß gegenwärtig ein Teil der Gesellschaft nur an die Wissenschaft glaubt und darin die Lösung aller Probleme zu sehen glaubt, wie der andere Teil einer regierungspropagierten Moralheuchelei zu verfallen scheint. Vielleicht mag es auch noch eine gewisse Überschneidung geben.

      Vor einigen Tagen fand ich beim Räumen nachfolgenden Text ,der meiner Meinung nach auch die gegenwärtige Zeit gut beschreibt, obwohl er vor über 100 Jahren geschrieben wurde.
      „Denn was sollten sie auch finden in ihrer Gegenwart, in der statt Genialität Ingenieurwesen, statt vernünftige Gelehrsamkeit technische Rationalität und statt universalistischer Humanismus wissenschaftsgestützte Produktionssteigerung im Zentrum der Aufmerksamkeit der Zeitgenossen stand. Die Gegenwart erschien hoffnungslos profan, und so blieb ihnen nur die Erinnerung an vorgeblich genialische Zeiten, sei es Dantes Florenz oder Goethes Weimar – durchaus im Sinne Herman Grimms, für den beide Städte eine Quelle jenes geistigen Reichtums waren, ohne den die Völker in der Zeit der äußeren Triumphe verarmen müßten.“
      ( Die Maifeste in Florenz. In: Deutsche Rundschau 52, 1887 )

      Und wenn Sie sich noch so lange wundern „dass ein Islam hier so einströmen kann, ohne Widerstand“, gegen die Masseninstinkte der Willkommensrepublik sind gegenwärtig viele machtlos.

      Schon in der Geschichte zeichnete sich eine absteigende Kultur dadurch aus, daß dies stets mit einer starken Rassenmischung verbunden war. Man denke nur an den Untergang des römischen Reiches.

      Warten wir´s ab – Ihnen eine gute Zeit
      mit freundlichem Gruß

      ObjectBe/entrepreneuse – ( objectbe.blogspot.com )

    • The virgins are all trimming their wicks
      Gute Nacht ObjectBe,

      die Welt ist nicht mehr die Welt, die man in Romane, in Klassen oder in Städte fassen konnte.
      Der Mensch ist nicht mehr der Mensch, den man in Romane, Familie oder in Person zu fassen vermochte.

      Wir sind alle viel. Viel mehr. Viel zu viel. In einer vielfältigen Welt von vielen Vielen.

      Zu erkennen, in all dem Vielen, ist nicht mehr viel, wenn man das Viel als Viel beobachten gedenkt. Das gelang noch Freud, in dem Jahrhundert vor dem Jahrhundert, welches das Jahrhundert vor unserem Jahrhundert genannt wird, aber das ist schon einige Jahrhunderte vor der Gegenwart, die man nur noch als Unterscheidung von anderen Unterscheidungen zu unterscheiden vermag, wenn man sich einer Abstraktionsebene nähert, die nur die moderne Wissenschaft ermöglicht.

      Whatever, Antworten gibt es nur bei der Hausnummer, die ich weiter unten angefügte. Nur wird keiner der hier Anwesenden durch diese Tür schreiten.

      Die Moderne scheitert an uns. Nur uns. Und niemand anderen.

      Das sollten wir uns eingestehen.

  99. Bücher
    Sylvia Plath ist gut, ihr autobiographischer Roman „The Bell-Jar“mit seiner unbarmherzigen Darstellung des amerikanischen Alltags der 50er Jahre…
    Gut ist auch Virginia Woolfe, vor allem ihre realistischen und poetischen Tagebücher, die man immer wieder lesen kann…
    Lesenswert ist auch Adolfo Bioy Casares, seine schillernden Geschichten von Buenos Aires und der umgebenden Pampa (der wirklichen), oder seine Tagebücher und Gespräche mit Borges…

    Und man sollte immer wieder Thomas Manns Tagebücher lesen…und den Zauberberg…

  100. Caius asinus est
    @ Don Alphonso :
    11. Februar 2018 um 17:19 Uhr

    „Caius ist ein Dummkopf“ und die anderen Bände. Mit Xantippus. War das nicht der weise Lehrer, ein ehemaliger Sklave? Als kleiner Junge war ich begeistert davon. Die Bücher waren auch sehr ansprechend gestaltet. Darüber hat man sich auch als Kind gefreut. Leider gab es nicht genügend Bände.

  101. Autorinnen und Romane
    Han Kang: Die Vegetarierin
    Donna Tratt: Der Diestelfink
    Hilary Mantel: Wölfe / Falken
    Juli Zeh: Unterleuten
    Eudora Welty: Der Räuberbräutigam
    Thea Dorn / Sibylle Lewitscharoff / Alice Munro / Ingeborg Bachmann / Anna Seghers

    Und wenigstens einen männlichen Autor: T.C. Boyle (für die Vegetarier: Willkommen in Wellville)

    • Nochmal: Alles von Nancy Mitford und Victoria Therame würde ich auch jeder Tochter in die Hand drücken.

    • Gemischte Mannschaft
      @Aniela:

      Patrica Highsmith fehlt in der Liste der Unisex – Schriftsteller(innen).
      Christa Wolf soll auch gut geschrieben haben („Der geteilte Himmel“ etc).

      Ansonsten lebt offenbar jedes der beiden heute einander belauernden Geschlechter in seiner eigenen literarischen Welt.

    • Wolf und Highsmith, ja!
      @Das LiteratX

      Jeder und jede hat halt so Vorlieben an Inhalten, an Sprache.

      Ich sehe keine sich belauernden Geschlechter in meinem Umfeld. Ich lese davon, in diesem Blog, in den Kommentaren, und darauf reduzierend sehe ich sich belauernde Geschlechter. Ein Luxusproblem, es gibt nichts Unwichtigeres.

      Um uns stehen Staaten/Länder in Flammen. Zündeln Fanatiker und Dummköpfe.

  102. Eine Bitte, vielleicht hilft's...
    Hier wird ja, des Themas wegen, öfter von „Autoren“ geschrieben.
    Ich will darauf hinweisen, daß es weder den „Author“ oder die „Authoren“ gibt (das h gibt es nur in der englischen Form), noch die Form „Autoren“ im Singular!
    Es setzt sich leider immer öfter die Benutzung in dieser falschen Form durch, auch die Redakteure der FAz sind davon infiziert, was sich dann so liest: „das Buch des Autoren XY ist höchst lesenswert“, oder „man muß dem Autoren bescheinigen, daß er blablabla..“.
    Das ist völliger Müll, und genauso affektiert, wie wenn die Amerikaner statt „shop“ schreiben „shoppe“, oder einfach schlichte Unkenntnis der Sprache.
    Es gibt im Singular nur den „Autor“, egal in welchem Kasus, wird nie ein „-en“ drangehängt, höchstens ein „-s“ im Genitiv.
    Es wäre schön, wenn diese simple Tatsache sich weiter verbreiten würde.
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

    • Oh ja,....
      …und den an Dummschreiberitis Erkrankten sollte man unbedingt „ein Antibiotika“ verordnen.

    • endlich!
      Bin sehr erleichtert, daß endlich einmal jemand diese einfachen, geradezu einfältigen Wahrheiten ins allgemeine Gedächtnis zurückruft und daß der Hausherr diese „schlichte Weltbemerkung“ denn auch einrückt!
      Auf derselben Ebene ist leider auch das nachfolgende Antibiotikum [so!] bei Voltaire (23.55) anzusiedeln.

  103. @ Booooster sagte am 10. Februar 2018 um 21:41 Uhr:
    “ Ich weiß nicht, was es ist, aber…
    …bei Büchern, die von Frauen geschrieben sind – da bekomme ich zu 90% einen Pilz. Da ist das Lesen nach 20 Seiten vorbei.“
    .
    Ich bin mir nicht sicher, ob das was mit Frauen zu tun hat. Es gibt Bilderbuchkerle wie den E. Hemmingway, die z.B. für „Der alte Mann und das Meer“ hochgejubelt wurde (damals fing das hochjubeln bei „Life“ an). Das Taschenbuch fing ich schon nach der 10. Seite weiter hinten zu durchforschen, wann denn der elende Fisch endlich an Bord sei. Na gut, ich wusste dass das nicht wie im Lore-Roman endet. aaaber….am Ufer des Sees mit der, in diesem Falle schönen negroiden Kubanerin (mit „K“, Tico, immer noch mit „K“)
    .
    Später, in der Zeit als man als junger Mann wegen Strauß den Spiegel las und gerollt unterm Arm mitführte, beim Friseur einen Messerschnitt machen ließ, feines Hahnentrittmuster trug und lässig unbelastet von Auschwitz-Prozessen eine Golli im Mundwinkel spazieren führte und verzückten älteren Damen im Zugabteil den Hof machte, ging das mit den atzenden „Ihr seid schuldig“-Langweilern (Lenz, Grass, Böll und Biermann) gerade so weiter. Da war der Stefan Heym wegen seiner US-Geschichte geradezu spannend zum lesen.
    (DdH)

    • Grundsätzlich einverstanden, aber
      Grass würde ich da rauslassen. Der geht ein Stückerl weiter als die Selbstbeschimpfung.
      Biermann, naja. Für einen Liedermacher war es schon beeindruckend, welche Lyrik er schrieb und wie er die Guitarre spielte.

    • Der alte Mann und
      die Savanne fand ich grandios. Ich meine natürlich „The Green Hills of Africa“. Da steigt aus jeder Seite der Geruch des Afrikanischen Buschs auf. DAS ist Sprache.

      Unterhaltsame Analysen der jeweils aktuellen Zeit in herausragender Sprache gibt es auch immer beim alten Engländer. John le Carrée. Das ist nicht zwingend Hochkultur. Aber Lesegenuss!

      Mann sein reicht übrigens umgekehrt nicht für Lesegenuss. Aber Wortwitz, klare Sprache sollten es schon sein. Den vom Hausherrn geschätzten Pitigrilli kann man gar nicht genug loben!

      Oder im dokumentarischen Genre: Meine Freunde die Waffenhändler. Von Bernt Engelmann selig. Wunderbar.

  104. Frauen und Literatur
    Es gibt wunderbare Bücher von Frauen, Klassiker halt. Emily Bronte/Sturmhöhe. Djuna Barnes/Antiphon. Patricia Highsmith/Der süße Wahn. Die gesamte Lyrik von den Bronte-Sisters, von Emily Dickinson, Marina Zwetajewa, Mascha Kaleko und und und. Diese Bücher begleiten mich, seit ich denken kann. Eine unendliche Bereicherung und zutiefst weiblich.

  105. Leider noch gar nicht erwähnt
    Max Goldt nämlich, der nicht nur beobachtet hat, dass man sich als Schriftsteller heute entscheiden muss, ob man von Tantiemen leben wolle- dann müsse man über Zeiten schreiben, wo man viel zu Pferde saß und die Frauen schöne Kleider trugen, oder von Preisgeldern- dann was mit Nazizeit.
    “Immer wieder läßt man uns zudem wissen, daß Frauen sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig besser ernährten. 80 Prozent aller Bücher würden von Frauen gekauft, heißt es. Das mag durchaus sein. Würde man jedoch aus der Rechnung jene der “Yoghurette“ entsprechenden Verlagserzeugnisse herausnehmen, die ausschließlich zum kuscheligen Zeittotschlagen hergestellt werden und sich auf das konzentrieren, was man mit dem gewiß unklaren Begriff ‚gute Literatur‘ zu bezeichnen pflegt, würden Männer statistisch weit weniger illiterat dastehen.“ (Goldt, 2012)

  106. Quereinsteiger
    Guten Abend!
    Vielen Dank für Ihre Empfehlungen und den gut geschriebenen Text. Ich lese immer noch sehr gern, aber noch nicht ein Buch Ihrer Tipps.
    Ich bin sehr gespannt.
    Besten Dank dafür.
    Frau Ghnim

  107. Buchempfehlung
    Im englischsprachigen Raum stürmt derzeit das Buch „12 rules for life: A antidote to chaos“ eines kanadischen Professors – Jordan B. Peterson – die Bestsellerlisten. Sehr zum Missfallen der einschlägigen linksgrünen Kreise.

    Maßgeblich befeuert wurde der Erfolg des Buches von diesem in vielerlei Hinsicht sehenswerten Interview mit ihm, das einige der im Buch behandelten Themen „bespricht“, auf Youtube instant Kultstatus erlangt hat (mehr als 6 Mio Zuschauer innerhalb von weniger als einem Monat) und einen Einblick gibt, warum dieses Buch, der Autor und seine Gedanken interessant sind (sowie warum Linke auf ihn überhaupt nicht klarkommen bzw. ihm überhaupt nichts entgegenzusetzen haben):
    https://youtu.be/aMcjxSThD54

    Für Don Aplphonso ist das Buch vergleichsweise ungeeignet, obwohl sich dieser Professor ebenfalls mit regressiven Linken, dem von ihnen geschaffenen Zeitgeist und diversen Themen heutiger Feministen auseinandersetzt – also sinnverwandte Themen behandelt. Es ist eher an junge Menschen gerichtet, die ihr Leben noch nicht hinter sich haben, ob des grassierenden linksgrünen Irrsinns (von dem DA nur kleine Ausschnitte aus den USA zeigt; das geht viel weiter als hierzulande bekannt) orientierungslos sind und nicht wissen was sie mit sich selbst anfangen sollen.

    Wer etwas mehr Zeit und Interesse hat, kann sich auch anderweitig den eigenen Verstand von Peterson wegpusten lassen*, und eine von mehreren 2 stündigen „Joe Rogan Experiences“ auf YT anschauen/anhören.

    *das sei all denjenigen versprochen, die Peterson, seine Art, seine Argumentationen und seine Perspektive der Dinge nicht kennen

    • Bitte nicht alles vermengen
      @Rightwing Liberal:

      Die Ziele der Genderfaschistinnen haben mit linken oder – wieder ein anderes Kapitel – grünen Gedanken ähnlich viel zu tun wie die des islamischen Staates.
      Wussten Sie, dass es in der Schweiz mindestens 2 grüne Parteien gibt?
      Die Grünen und die Grünliberalen. Letztere kommen mit Vertretern des rechten Parteienspektrums durchaus gut zurecht.

    • Zu den 12 Rules kann ich
      was sagen:
      Der Herr Peterson hat ein paar mehr Facetten, durch die er auf die menschliche Existenz schaut. Lebenserfahrung, klinische Praxis als Psychologe und ein sehr, sehr (sehr) ausführliches Studium von Literatur, die für ihn im Zusammenhang mit den großen Ideologien zusammen hängt.

      Was ich dabei sehr interessant finde, das ist ein von mir immer als „Stillen des Bedürfnisses nach Spiritualität“ abgetanen Aspekt von Religion. Der erste große Aspekt ist das Regeln des Zusammenlebens. (Inklusive der „Riten“ im Reisanbau auf Bali – die v.a. empirisch basierte Anleitungen zur Ertragssicherung sind.)
      Das ist schon groß. Und interessant. Und seine Rhetorik von Chaos & Order: die Vermag, großen Seelenfrieden zu spenden.

      Lesenswert.

    • @ Rightwing Liberal - Cathy Newman vs Jordan Peterson
      Erstaunlicherweise ist das für die Interviewerin so katastrophal gelaufene Interview auf der Homepage des Senders zu finden (wie lange noch?). D.h. man muss nicht unbedingt Youtube-Werbung sehen. Hier der Link zur Primärquelle:

      https://www.channel4.com/news/jordan-peterson-debate-on-the-gender-pay-gap-campus-protests-and-postmodernism

      Das Interview (auf Englisch, 29:56 min) ist sehenswert, vor allem da Peterson nicht die Ruhe verliert und höflich bleibt, während die Interviewerin Cathy Newman (von Channel 4 -Fernsehsender in Großbritannien) sich immer tiefer reinreitet und Petersons Ansichten völlig verfälscht wiedergibt.

      Interessant ist auch, wie von Seiten des Senders hinterher versucht wurde der Geschichte einen anderen Spin zu geben.

      Es gab natürlich Leute, die sich über Frau Newman lustig gemacht oder sie beschimpft haben. Der Sender verkündete daraufhin demonstrativ die Einschaltung von externen Sicherheitsleuten, um über eine angebliche Bedrohung Cathy Newmans reden zu können und sich nicht mehr mit dem Inhalt und Verlauf des leidigen Interviews beschäftigen zu müssen.

      Jordan Peterson hat kurz darauf im Interview mit „GeenStijl“ das inzwischen berühmte Channel4-Interview analysiert.

      Auf Youtube kann man über die Suchfunktion als Einstieg erstmal den Teaser finden

      5-minute teaser: Jordan Peterson responds to Channel 4 interview controversy

      oder eben gleich die komplette Analyse anschauen (knapp 2h):
      Full video: Jordan Peterson on the Channel 4 Controversy and Philosophy of „How to be in the World“

    • @Gauchiste temporaire
      Was sich heute mehrheitlich als links bezeichnet ist kapitalismusfeindlich, gender-irrsinnig, feministisch, internationalistisch, illiberal, größenwahnsinnig und ist im Allgemeinen gemeingefährlich – und zwar alles gleichzeitig; linksgrün eben.
      Dass es auch noch Linke und Grüne gibt, die noch nicht vollkommen den Verstand verloren haben und dieses Land nicht mit durchgedrücktem Gaspedal gegen die Wand fahren wollen, ändert daran wenig. Sie sind entweder in der Minderheit oder entsprechen der schweigenden Mehrheit. So oder so, sie sind nicht repräsentativ. Das sind – zumindest in Deutschland und weiten Teilen Westeuropas – die irren Linksgrünen.

    • @Kpax
      Ja, von der kruden Presseberichterstattung über dieses Interview habe ich gehört.

      Ich hatte selbst einen solchen eher unfreundlichen Kommentar verfasst, nachdem das Interview kurz nach Veröffentlichung auf YT in meinen Empfehlungen aufgetaucht ist.

      Die tendenziöse und vollkommen hirnverbrannte Gegenfrage am Ende des Interviews „So you’re saying we should run our societies like lobsters?“ hat mein Fass einfach zum Überlaufen gebracht.*

      Daher habe ich im Kommentarbereich die nicht unbegründete These aufgestellt, dass wenn Intelligenz und Unverträglichkeit die besten Indikatoren für wirtschaftlichen Erfolg sind (hatte Peterson zu einem früheren Zeitpunkt genannt), das ihr Testergebnis, was Unverträglichkeit anbelangt, die Skala sprengen dürfte, denn die andere Variable kann unmöglich für ihren Erfolg verantwortlich sein.

      *Peterson versuchte Newman am Beispiel des Nervensystems von Menschen und Hummern zu erklären, dass Hierarchien auch biologisch bedingt sind (funktionieren beide auf Basis von Serotonin) und nicht exklusiv sozial determiniert werden, wie es die „everything is socially constructed“ (bzw. kulturmarxistische) Fraktion gern behauptet, um ihre auf Gesellschaftsumbau und Umerziehung des Menschen ausgerichtete Politik zu begründen.

    • Ohhh - Jordan B. Peterson - und die FAZ / FAS und die Genderista Kathy Newman vom Channel 4
      Jordan B. Peterson’s Kritik der „genderisierten Sprechweise“ hat zu seinem Ruhm beigetragen, wie heute dem Perlentaucher auffällt. Ok. Der Anwalt seiner Torontoer Uni drohte dem Psychologen Peterson gar, er müsse sich den Gender-Sprachregelungen beugen, sonst werde er ihn „vernichten“. Und Peterson stellte sich Aberdutzenden von Diskussionen in dieser Sache – nicht zuletzt der journalistisch erstaunlich schlecht arbeitenden Kathy Newman im Britschen Fernsehsender Channel Four.

      Auf dieses ziemlich verpeilte Interview bezieht sich Caroline Wiedemann in der FAS. Wiedemann lässt die Kritik an Kathy Newman nicht wirklich gelten, was der Perlentaucher elegant unterläuft, bon.

      Jordan B. Peterson greift freilich nicht allein Kathy Newman an, er greift auch unablässig solche postmodernen Gender-Theoretikerinnen wie Caroline Wiedemann von der FAZ/FAS an.

      Wiedemann glaubt nämlich, dass „alle Phänomene kulturell bedingt sind“ und dass Biologie nur für BiologInnen Sinn habe, ansonsten sei der biologische Unterschied zwischen Mann und Frau belanglos. Peterson hält solchen Genderismus für schlecht, ja für irreführend und: Gefährlich!

      Er fordert, dass die Unis diesen Zweig ihrer Betätigung zurückschneiden. Für den Anfang schlägt er eine Mittelkürzung um zwanzig Prozent vor, würde aber den LiteraturwissenschaftlerInnen und SoziologInnen selber überlassen, wen sie weiterbeschäftigen und wen nicht.

      Bei der NZZ hat man diese Peterson-Reform übrigens schon durchgeführt, wie es aussieht. Keiner und keine, die die Ansichten von Frau Wiedemann z. B. gut fände, schreibt dort. Das Ergebnis ist eine interessante Zeitung. Wenn die FAZ in Deutschland weiterschrumpfen sollte – die NZZ könnte versucht sein, die Lücke zu füllen.

      Der Konstanzer Biologe Axel Meyer hat zu dem Thema Genderismus und Biologie ein Buch geschrieben, das der szenebekannte Berliner Radiofreak und bekennende Patriarch Harald Martenstein mit einem ganz ausgeschlafenen Vorwort versah: „Adams Apfel und Evas Erbe“ heißt das treffliche und gut lesbare Buch. Darin fehlt Meyer nicht, Judith Butler und andere Heroinnen eines blinden Feminismus mit einem gehörigen Maß an gut durchdachten Argumenten zu konfrontieren.

      Axel Meyers „Adams Apfel“ liegt ziemlich genau auf der Linie Petersons – wie übrigens auch – – Camille Paglias (großartig: „Die Masken der Sexualität“), der a-biologische (=genderistische) Schreiberinnen wie Wiedemann ebenfalls gehörig aufs den Geist gehen.

  108. Belletristik
    Was Gegenwartsschreiberlinge seit Jahrzehnten halt nicht wahrhaben wollen – Belletristik meint „schöne Literatur“.
    Man kann seinen politischen Linksdrall, X-, Männer- oder Frauenhass, Dschändering oder was auch immer auch in kluge, schöne Worte oder Parabeln packen, aber dazu gehört Intelligenz, Esprit, Weisheit, Weitblick, letztendlich und trotz allem auch Menschenliebe, und da gebricht es halt den profilneurotischen Möchtegernliteraten.

    Insgesamt zuwenig Liebe und Mitgefühl, deshalb ist das Geschreibsel so grottenschlecht.
    Ich lese lieber Sachbücher oder Karl May.

    • Da ist was dran
      Wie ich hier schon geschrieben habe, bin ich in einem Literaturkreis. Nun ja, dem Namen nach. Die überwiegend weiblichen Mitglieder schlagen mittlerweile fast nur noch neue Bücher vor, alles über Minderheiten, starke Frauen, irgendwas über die böse Kolonialzeit etc.

      Das ist erstens thematisch ermüdend, zweitens sind die Bücher fast alle auf einem Niveau geschrieben, das eher pubertären Agitationspamphleten entspricht. Mit ein paar rühmlichen Ausnahmen, das muß ich fairerweise anmerken, aber es sind eben Ausnahmen.

      Und da stimme ich Ihnen zu, es fehlt an Geist, vielleicht auch an Bildung und Weisheit. Wer mit einer Geschichte nur berühren will, darf sich nicht wundern, wenn am Ende ein seichtes Rührstück herauskommt. Über Esprit habe ich mich mit Ihnen ja schon einmal unterhalten, das ist eine aussterbende Qualität, in Autoren ebenso wie in Mitmenschen.

    • Schlagen Sie doch mal „Der Liebhaber“ von Duras vor.

    • Titel eingeben
      Bevor Sie zu Karl May übergehen – diesfalls aber die Studie Arno Schmidts nicht zu lesen vergessen! – will ich noch einen Hinweis nachtragen:
      1.) Bernard von Brentano, Theodor Chindler. – 1936 geschrieben, verblüffend gut und aktuell; von Suhrkamp wieder aufgelegt, doch niemand kennt es. Scheint mir wichtig.
      2.) Ernst Augustin: Raumlicht. Der Fall Eveline B. – Eastend – Mamma.
      Obwohl Beck in München diese grandiosen Sachen übernommen hat, handelt es sich noch immer um Geheimtips. Kaufen, solang der Mann noch lebt und das zur Kenntnis nehmen kann!

    • Der Liebhaber...
      Von Duras. Nicht gelesen. Aber ich verbinde das Buch aufs Lieblichste mit einer inzwischen unglücklich verschiedenen Ex-Freundin. Die hatte entgegen ihrem sonst großen literarischen Ernst dazu geflaxt: „wie ein Telefonbuch: eine Nummer nach der anderen!“ Das waren unbeschwerte Zeiten. Hach.

    • Don Alphonso @ 11. Februar 2018 um 23:07 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „Schlagen Sie doch mal „Der Liebhaber“ von Duras vor.“

      Ja, ein unglaublicher Roman. Man muss ihn unbedingt auf französisch lesen, die Stimmung lebt mit der Sprache. Das ist Literatur.
      Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern in den 80ern, an der FU Berlin in Dahlem wurde er aus der Hand verkauft.
      Ich muss mich also korrigieren, es gibt wirkliche Literatur aus den letzten 50 Jahren.

  109. Titel eingeben
    Sehr gerne gelesen und viele Empfehlungen im Text und in den Kommentaren erhalten. Danke.
    Eine Empfehlung von mir ist dieser Blog https://readonmydear.wordpress.com Die Dame erzählt sehr elegant,nachdenklich und wie ein guter Roman.

  110. Stadtschreiberposten in Bochum?
    Wusste gar nicht, dass wir so etwas haben. Habe sie dann im Internet gefunden, jetzt weiß ich auch wieso ich nichts von ihr wusste. STADTTEILschreiberin wäre die richtige Bezeichnung. Wie gut, dass es nicht mein Stadtteil ist…

  111. keine Zeiten zum Lesen
    und auch keine Zeit.
    Es ist Zeit zum Handeln, sonst ist bald Schluss mit der ganzen Bücherei und der Träumerei vom Auswandern.
    (Anmerkung für Esel: der Don ist wie immer nicht gemeint)

    Inkonsequent wie ich nun mal bin (oder doch nicht?), darf ich in dem Zusammenhang den Kempowski, Walter anempfehlen, und zwar alles.
    Man muss sich auch nicht daran stören, dass ihm das Bundesverdienstkreuz bisher noch nicht aberkannt wurde.
    Ganz trockener Stoff ohne Meinung, insbesondere die sogenannte Deutsche Chronik.

    Die Bezeichnung ist treffend und irreführend zugleich, es sind praktisch Biographien seiner Familie.

    Nochwas: der erste Bestseller (Tschuldigung) der Bundesrepublik, Ernst von Salomon, Der Fragebogen. Gibts alles für ganz schmales in der Bucht, ja ich weiß, Antiquariate sind schön, aber die Realität ist das nicht. Es gibt auch keine Kaffeehäuser mehr – ausser im ELMI in Erfurt. Da kann man auch rauchen.

    50 Seiten finde ich schon sehr entgegenkommend. Eine Ausnahme gibt’s aber mindestens:
    Klonovsky (der Blogger von Acta Diurna und Erzreaktionär) „Land der Wunder“. Das wird auch dem Otto Moser gefallen.

  112. auch umgedrehte Spieße stecken gewaltig!
    „Markt der mittelalten, weissen Frauen mit sozial korrektem Bewusstsein“
    : -)

  113. C wie Caesar
    @ Booooster sagte
    “ Kubanerin (mit „K“, Tico, immer noch mit „K“)“,

    ja bei euch, bei uns nicht, da gibt es Cuba y Columbia, Carneval und Conserva.

    Oder auch Castaneda. Der hatte aber weniger mit leicht bekleideten Damen als mehr mit Mescalin zu tum.

    • Haben Sie die Kontaktanfrage gesehen?

    • Castaneda?
      Der war nie in Costa Rice, der kam in der Gegend nie südlicher als Nord Mexico…
      Hab praktischerweise in 83 mal ein paar Monate nur ein paar Häuser weiter von ihm in Westwood gewohnt.

  114. Keine Chance das hier irgendwo sinnvoll einzuhängen. Also ein neuer thread.
    Vor 40 Jahren und zu Kreuzberger Zeiten – es ist schon seltsam wie manche kurze Begegnung einen Menschen prägen kann – lief mal ein Typ in K61 rum (Chamisso-Gegend) und frug wer seine ausgelesenen Bücher haben wolle. Damals länger mit ihm gesprochen, und eigentlich seitdem überzeugt, dass Bücher zum Lesen und Weitergeben da sind. Ausser, man ist *sicher* dieses bestimmte Buch nochmal in der nächsten Zeit lesen zu wollen.
    Und das war eine Zeit, in der ‚Internet‘ noch 10 Jahre nicht einmal erfunden werden sollte. *Wenn* dann wider Erwarten man *doch* eines der weggegebenen Bücher nochmals zu lesen glauben müsste, gäbe es das in der nächstbesten Bibliothek. Oder auch im Buchhandel.

    Das hat mich seitdem geprägt. Vielleicht wäre es anders gewesen, hätte ich damals einen festen Wohnsitz gehabt, oder einen der mir die nächste Generation ein solcher sein würde. Vielleicht dennoch nicht.
    Bücher waren damals – zumindest in Westberlin – was heute als ubiquitous bezeichnet wird. Und warum sollte ich ein Buch, auch wenn es mir gefällt – oder deshalb? – oder gerade nicht gefällt, nicht einfach nach dem Lesen weitergeben?

    Später, beim Reisen, ähnlich: die Plätze für die backpacker hatten normalerweise eine Anzahl von Büchern am Empfang, und man konnte 1:1 tauschen. Keine grosse Auswahl. Was ich mitnahm, als Erkenntnis, war, dass ich tolle Bücher las, die ich – hätte ich eine Riesenauswahl gehabt – nicht mit der Kneifzange angefasst hätte. Natürlich auch viele, die ich glücklicherweise – kurz angelesen – bei der nächsten Station wieder eintauschen konnte.

    Natürlich betrifft das die Belletristik, nicht Nachschlagewerke oder Kataloge.

    Vielleicht bin das auch nur ich. Aber in den letzten 40 Jahren hatte ich vielleicht 2 oder 3 Bücher, von denen ich dachte, es wäre besser gewesen, sie ‚durchgeschleppt‘ zu haben.
    Ohne grosses Bücherregal habe ich das Gefühl einer grösseren Freiheit, mir unabhängig von meinem Bestand Lesematerial auszusuchen.

    Zugegeben, im letzten Jahr hege ich wieder den Gedanken des Sammelns. Aber nicht weil ich alt und weise geworden wäre, sondern weil ich eben leider *nicht* mehr davon ausgehen kann, auch nächstes Jahr noch die Bücher für die ich mich interessiere in dem Format erhalten zu können, wie ich es möchte: ohne ‚Korrekturen‘. Also Lindgren mit ‚Negerkönig‘, nur als Beispiel.
    Es ist unfassbar, dass wir (wieder) in einer Zeit leben wie zu Gulliver’s Reisen. Zumindest steht da bis heute ‚abridged‘ drauf. Und ist deshalb – zugegeben – auch als Kinderbuch geeignet.

    • Titel eingeben
      Kann ich nur zustimmen…
      Ohne diese „Tauschbörsen“ kann man sich das Indien vor Jahrzehnten gar nicht vorstellen. In einem der Läden fand ich da das erste Buch, das ich in meinem Leben nach dem Beenden umgedreht habe und wieder von vorne begonnen habe. 100 Jahre Einsamkeit…

      In Ramana Maharischis Ashram gab es eine wunderbare Bibliothek für Dauergäste.. die hatten 1985 sogar den komplettem Asterix.
      Meine drei Monate dort waren wie geschaffen zum Lesen von War and Peace, sonst kommt ja kaum zu so etwas …

    • Ich hab im Ashram von
      Swami Patna Langkorn damals das Telefonbuch von Haifa auswendig gelernt, sonst kommt man ja kaum zu so etwas.
      Und ich wüßte auch nicht so recht, womit ich mich sonst hier (als Weitgereister) profilieren sollte.
      Außerdem verwechsle ich immer Marquez und Lorca.

      Wenn es um Nobel geht, kann ich aber eines bestätigen:
      Kempowski ist der bessere GraSS.

    • Subventionierter Büchertausch
      @Uwe Dippel: Anno 2017 gelangte ich beim Spaziergang an der Glems im Stuttgarter Vorort Ditzingen zu einer gemeindeseitigen Einrichtung, wo jeder der Allgemeinheit Bücher in Freiluftregalen bereitstellen und sich kostenlos Lesestoff holen kann. Gerade scheint der fussgängerfreundliche Ausbau des Glemsufers in dieser eher spröden und arg von der automobilen Landplage heimgesuchten Örtlichkeit noch in Gang zu sein. Das sah zuletzt vielversprechend aus.

  115. Schreiben und sich an der Realität reiben
    Wieder einmal ein Thema grandios auf den Punkt gebracht. Teile die Meinung vieler. Lesen macht keinen Spaß, wenn Autoren nur um ihren Schreibtisch kreisen. Und (politisch korrekt) zitieren statt erleben. Das Leben kommt nicht von selber zu ihnen. Die aufreibende Beschäftigung mit diesem fehlt dann.
    Kommen gerade vom Faschingsumzug in Mödling. Dort verkehren so viele sehr interessante Individualisten, die sich ihrem Charakter gemäß faschingsmäßig aufpolieren. Die wenigsten werden über ihr Leben schreiben, sondern sich eher der Liebe oder dem Alkohol widmen. Oder der Inszenierung. Es wird über das meiste, das zwischen Himmel und Erde passiert, nicht geschrieben. In unserer ökonomisierten Zeit werden die, die gerade Freude am Leben haben, noch weniger darüber schreiben. Weil sie das Leben lieber genießen. Außerdem fehlt vielfach die Bereitschaft, über die eigene Echokammer hinaus zu denken. Weil die Aufnahmebereitschaft limitiert ist.

    Jorge Amado hat tatsächlich viel über das Leben der kleinen Leute geschrieben und über diese viel Authentizität vermittelt. Einer gewissen Ana Maria Goncalves ist in einer Bibliothek ein Buch von ihm entgegengefallen. Auf der aufgeschlagenen Seite fand sie eine Einladung nach Bahia (der Heimat Amados). Sie ist dem Ruf gefolgt und hat 2006 ein Buch über knapp 1000 Seiten geschrieben: „Um defeito do cor“ (Ein Defekt der Farbe). Die Situation der Schwarzen wird darin nicht nur oberflächlich von außen, sondern in all seinen vielen Facetten beschrieben.
    Neben seinen zahlreichen Verdiensten wird Jorge Amado in Brasilien von Teilen heutzutage auch kritischer gesehen, weil er die Rassen-Demokratie unter Getulio Vargas in seinen Werken zu harmonisch dargestellt hat. Dabei geht es um positiv gesehene Vermischung der Rassen. Der Schlüssel dafür war „Branqueamento“, die Verweißung der Gesellschaft. Während die Nazis Deutschland aufmischten, wurden Weiße in Brasilien offiziell mit offenen Armen empfangen, damit die Bevölkerung weißer werde. Es ist klar, dass die Sicht der nach wie vor Schwarzen kaum jemand adäquat beschrieben hat. Auch Stefan Zweig hat in „Brasilien. Land der Zukunft“ (Auftraggeber Getulio Vargas) das Land mehr als optimistisch beschrieben. Nach dem Abzug der „Investoren“ (Brics-Euphorie), Fifa- und Olympia-Funktionäre (Korruptionäre) ist die Zukunft dort noch spürbar weniger rosig als vor ein paar Jahren.

    Die, die von einer Sache am meisten betroffen sind, schreiben oft nicht darüber. Keine Zeit, keine Lust, keine Kraft! Außerdem: Welche Leser wollen sich dem tatsächlichen Leben ausliefern? Wie viele aber wollen davor in eine Scheinwelt flüchten? Die sie selbst nicht zu sehr in Frage stellt.
    Aber warum schreibe ich schon so lange. Heid is so a schöna Tag. Lalalala…

    • @ Hinterwäldler ...
      Sie schreiben:

      … „Welche Leser wollen sich dem tatsächlichen Leben ausliefern?

      Wie viele aber wollen davor in eine Scheinwelt flüchten?

      Die sie selbst nicht zu sehr in Frage stellt!?“ …

      gut, dass Sie darauf hinweisen: DAS ist die Krankheit unserer Zeit –

      … der Mensch hat sich seines ursprünglichen Wesens beraubt und fault vor sich hin …

      Wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel!

  116. Folgen...
    Werter Don,

    wieder mal ein sehr kritisches Thema, das Sie hier aufgreifen. Mit Folgen, die weiter reichen, als man sich gemeinhin vorstellen kann. So ist manch Buchhändler ob des Schrumpfen des Marktes und der Erwartung von Belesenheit schon gezwungen gewesen, eine Karriere als Politiker zu starten…

  117. Ja, danke, Melanie Raabe!
    @ Zuvielgesellschaft: Danke, ich habe ein Interview mit ihr gelesen, fand sie hinreißend und die Inhaltsbeschreibung des Romans sehr interessant. Dann wurde ich krank und vergaß sie. Daher ganz herzlichen Dank!

    @ Dunque: Für „Tod in Venedig“, Thomas Mann, filmisch Lucchino Visconti, gilt in etwa, was ich über „Kill Bill“ schrieb. Wenn ich das wegwerfen würde, hätte ich nur noch neunzehn Bände. Das ist die ältere Ausgabe.
    Des Autors verdrängte Gefühle kommen auch in „Josef“ gut zum Vorschein. Heutzutage würde er T.i.V. vielleicht gar nicht schreiben, weil er es ausleben würde. Ein Meisterwerk. Zwei, der Film auch. Er dürfte sich dargestellt haben in Aschenbach alias Gustav Mahler.
    Sie können’s ruhig lesen und gucken. Der Junge verarscht ihn die ganze Zeit, und der Mann erzeugt nichts als Mitgefühl.

    • Pol Pot als Vorbild
      @ Oberländer
      @ Dunque

      Mit Thomas Mann einen der grössten Schriftsteller aller Zeiten wegen Veröffentlichung unkeuscher oder gar pädophiler Gedanken zu ächten wäre nach den Schicksalen Woody Allens und Dieter Wedels und dem einen oder anderen Selbstmorderfolg nur konsequent und im Sinne der Kampagnen eines unterdessen vor allem agitatorisch genutzen, vormals als unabhängige Wochenzeitung respektieren Hamburger Volkserziehungsorganes.
      Wird der aufgepeitsche Mob gefährlich frustrierter weisser Frauen vor Bücherverbrennungen zurückschrecken? Bisher hat er so manches Haar in der Suppe als Galgenstrick verwendet.

    • Gefährlich frustrierte weiße Frauen
      können aber auch ganz unaufgepeitscht über z.B. „Wälsungenblut“ laut lachen.
      Ernsthaft. Wenn man das Werk vom Autor nicht trennt, kann es doch leicht schiefgehen. Und als Christian Buddenbrook nix über Heinrich zu schreiben, ist auch etwas seltsam, oder? Wobei der nun gar nicht pädophil war.
      Aber gut, mir liegt der Henri IV. mehr als der Josef.

  118. „Sobre los gustos no hay disputo“
    …. aber dass es tatsächlich Leute gibt, die Tom Sharpe lesen ….
    Es ist wie in der Musik, dem Einen gefällt dies und dem Anderen das. Das kann man nur zur Kenntnis nehmen

    Im Abstand von etwa 7-10 Jahren lese ich Anthony Powells „Tanz zur Musik der Zeit“ komplett durch. Drei Durchgänge habe ich schon. Für mich Genuss auf jeder Seite. Jetzt erscheint die ganze Reihe auch auf Deutsch. Beworben wird der Zyklus hauptsächlich mit der „britischer Humor“-Schublade. Das ist falsch.

    Wer sich von einem Buch überraschen lassen will, sollte mal „Menschenskind“ von Chesterton lesen. Aber bitte ohne sich vorher über den Inhalt zu informieren.

  119. Sehe gerade, es geht ums Lesen
    Gerne sage ich zuerst,was mich entspannt, Leichtigkeit vermittelt.
    Das ist Roald Dahl mit seinem schwarzen Humor, seinen Überraschungen, meistens i.S. Erotik.Ein Band fasst mehrere Kurzgeschichten wie: Ich sehe was, das du nicht siehst oder Kuschelmuschel z.B.

    Dann gibt’s da etwas aus DdHs Heimat von Thommie Bayer: Einsam,Zweisam, Dreisam, auch mit Überraschungsende.Und weil hier jemand schreibt, dass wir uns einfach mailen heutzutage,fand ich „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, einem Ösi, ganz nett. Er schickt da noch „Alle 7 Wellen“ hinterher, um ein Happy End zu bieten, ich hätte es nicht unbedingt gebraucht.

    Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery, die eine Concierge eines Pariser Stadthauses beschreibt, hat mir auch gefallen.Sie beschreibt sich als klein, häßlich und mollig mit Hühneraugen, ist aber sehr gebildet – mehr als die Reichen in den Wohnungen dort.

    Naja, Scholl-Latour ist auch dabei, Eugen Roth und viele andere, Neueres und Altes aus den Zwanzigern, Bildbände. Alles müssen Sie ja nun nicht wissen…

  120. Frauenliteratur
    Hier pauschal gegen Frauenliteratur zu polemisieren ist ja wohl ziemlich doof.

    Es gibt kaum etwas Besseres als Jane Austen.

    • Das tut auch keiner.

    • Na ja, die Jane...
      „I haven’t any right to criticize books, and I don’t do it except when I hate them. I often want to criticize Jane Austen, but her books madden me so that I can’t conceal my frenzy from the reader; and therefore I have to stop every time I begin. Every time I read Pride and Prejudice I want to dig her up and beat her over the skull with her own shin-bone.”

      Ich würde nicht so weit gehen wie Mark Twain, aber dann doch lieber die Brontë Schwestern. Oder noch besser, Edith Wharton.

    • Zuagroaster @ 11. Februar 2018 um 23:40 Uhr
      Mark Twain ist nicht schlecht, aber gegen Karl May ist das halt alles nix.
      Die vielen Stunden, die man als junger Bursch mit Karl May auf einer grillenzirpenden Sommerwiese verbracht hat – das kann einem niemand mehr nehmen.
      Auf der ganzen Welt gibt es nicht nochmal so etwas.

    • Don Alphonso @ 11. Februar 2018 um 23:02 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „Das tut auch keiner.“

      Das will ich auch schwer hoffen.
      Schließlich gibt es da noch eine Courths-Mahler.
      Ein anderes weibliches Genie, neben Jane Austen.

    • Jane versus Hedwig
      @foxrommel

      Ich hab jetzt doch etwas auf Reaktionen gewartet.
      Es ist fies. Ein bisschen so wie es damals Schwager Vulpius und seinen Rinaldo Rinaldini traf. Jane ist adaptabel, die Hedwig – da summt kein Bass.
      Ich fühl halt keine Ironie.

    • Cleofide @ 13. Februar 2018 um 20:17 Uhr
      Cleofide sagt:
      „Ich fühl halt keine Ironie.“

      Typisch. Jemals was von ihr gelesen? Natürlich nicht.
      Aber sonst vorurteilsfrei?

      Leselektüre: „Der Scheingemahl“

    • Typisch – @foxrommel
      Es war wohl nicht mein Tag. Doch, gelesen, ziemlich viel von ihr, das stand bei meiner Großmutter in der hinteren Buchreihe und sah geheimnisvoll aus. In der Schule, falls man es tauschen wollte mit der Freundin, wurde es weggenommen. Genau wie Karl May. Mein Onkel aus Köln fuhr im Nachtzug über die Zonengrenze mit zwei Bänden May im Gepäck, eins für mich, eins für meine Schwester. Mit einer Schlaftablette im Magen und viel Hoffnung.
      Von daher sind die arabischen Romane mein Highlight und Hadschi Halef Omar toppt (fast) jeden Indianer.

      Die Bettelprinzeß und Griseldis hab ich letztes Jahr vom Flohmarkt mitgenommen, aus gänzlich sentimentalen Gründen. Kennen Sie Sudermann?

  121. Nobelpreis für Fäkalsprache
    @der Tiger

    ja. Elfriede Jelinik hat die Fäkalsprache auf die gehobene Schauspielbühne gebracht und also müssen wir dem Nobelpreiskomitee – das sicher mit Personen besetzt ist, die mit übertriebener Reinlichkeit und mit Hartnäckigkeit bis zur Pedanterie glänzen können – dafür dankbar sein. selten ein so tolles Forschungsexemplar für das Stehenbleiben in der Analphase gefunden.
    daraus resultiert kindliche und naive Kapitalismuskritik, über die sich der wahre Kapitalist nur totlachen kann.

    Frau Nahles führt in ihrem Sprachgebrauch diese Tradition nahtlos fort.

    • Titel eingeben
      Mein Eindruck ist, die Frau Jelinek schreibt wie sie aussieht.

    • kdm @ 12. Februar 2018 um 10:29 Uhr
      kdm sagt:
      „Mein Eindruck ist, die Frau Jelinek schreibt wie sie aussieht.“

      Sehr sehr gut.
      Der beste Kommentar in diesem Blog seit Wochen.

  122. Titel eingeben
    Mit der Sorte Literatur kann ich überhaupt nichts anfangen. Meine vorletzte Investition war eine 1977er Übersetzung der Discorsi von Machiavelli. Die moderne Aufführung finden wir ja gerade in der sPD.
    Dann wurde ich größenwahnsinnig und kaufte Adam Smith: The Theory of Moral Sentiments. Erstausgabe war 1759. Ich kam aber mit dem Übersetzen nicht zurecht. Zum Glück habe ich noch ein Paperback erwischt mit der Übersetzung von Walther Eckstein von 1924. Da wurde mir klar, warum ich nichts gebacken bekomme. Das Englisch aus dem 18. Jahrhundert unterscheidet sich deutlich von dem heutigen.
    Und weil derzeit viel Unfug über Dieselmotoren erzählt wird, empfehle ich drei Bücher von Lyle C. Cummins: 1. Diesel´s Engine (1993) 2. The Diesel Odyyssey of Clessie Cummins, und 3.Internal Fire (2000). Danach schafft man Platz im Regal, indem man deutsche Diesel-Jubelbücher zum Altpapier bringt.

  123. Kontaktanfrage
    Danke der Nachfrage Don Alphonso, sah ich, ich schrieb ihnen auf gmx. Einverstanden. Und wie ich sehe ging es auch bei mir raus. Dauert vielleicht laenger?
    Wegen des vielen Wassers? Und den Hammerhaien.

  124. @Wassermann : Wenn Sie historische Romane mögen-
    .
    ..
    Kennen Sie den Fortune de France Zyklus von Robert Merle ?

    Ist auf deutsch glaublich momentan nur antiquarisch erhältlich.

    Ein bissl phantastisch, aber mir hat er sehr gut gefallen.

    • Otto Moser, ...
      … danke für den Hinweis!

      Ich bin anscheinend im Vergleich zu mnachen hier Schreibenden doch eine Banause: Habe mir Merle und Amado jetzt geistig notiert.

      Wenn es mich wieder in deutschere Gefilde verschlägt schau ich mich um.
      Bei Dona Flor sthet schon ein yT bereit…

  125. Titel eingeben
    „Das geht auch in Italien, wo das Erbe von Calvino nicht unbedingt vergessen ist.“

    Da ich Calvino sehr schätze: Kann mir jemand Autoren empfehlen, bei denen dieser Einfluss spürbar ist oder die in diese Richtung gehen? Darüber würde ich mich sehr freuen.

    • Wenn Sie ein wirklich, wirklich tolles buch lesen wollen: Aldo Palazzeschi, die Befragung der Contessa Maria.

    • Endlich!
      Ich habe so lange (zwischen meinen Synapsen)
      nach diesem Titel gesucht…

      Als ich vor Jahren meinen Lieblingsschluss
      eines Buches kundtat:
      >Truman Capote in Sommerdiebe: „Ich weiß“
      antwortete der Don mit seinem besten Anfang eines Buches.
      Und der war aus: Die Befragung der Contessa Maria!
      Ein sehr beeindruckendes Buch!

      Ich hatte es damals aus der Bibliothek geliehen; es
      ging mir nie aus dem Kopf, nur mit dem Titel haperte
      es. Nun kann ich es mir nachkaufen…prima!

    • Titel eingeben
      Danke für die Empfehlung! Werde ich mir mal demnächst kaufen!
      Calvino hat mir auf jeden Fall mit „Wenn ein Reisender …“ einmal komplett das Hirn umgekrempelt, irre!

  126. Weil Spionageromane von Anthony Price erwähnt wurden, Len Deighton
    ..

    . ist ein Riese in diesem Genre gewesen .

    The Ipcress File, etc. pp.

  127. Titel eingeben
    Hinterwäldler sagt:
    „Die, die von einer Sache am meisten betroffen sind, schreiben oft nicht darüber.“

    Das sagen Sie in Zusammenhang mit Brasilien.

    Zweierlei dazu:

    Betroffenheitliteratur (wie man das so schön nennt) gibt es Zuhauf und wölbte sich zu Berge in den 70er und 80er Jahren. Knastliteratur, Behindertenliteratur, Randgruppenliteratur, (da muss man die Fischer-Reihe erwähnen „Wenn der rote Opa erzaehlt“), aber auch Arbeiterliteratur (wer erinnert sich noch an den liebenswerten und doch unbestechlichen Max von der Gruen? Stellenweise Glatteis.

    Den Betroffen fehlt leider oft der Abstand um literarisch zu schreiben.

    Das zweite Erwähnenswerte: Brasilien Schwarze schrieben nicht, sie gingen, wie Mulaten, Mestizen, zu den Cangeicero. Und über sie wurde dann geschrieben. In den Zeitungen. Sie nahmen ganze Städte als Gefangene, erpressten Lösegeld und verteilten es unter der armen Bevölkerung. Wer durch die „Räder“, die Polizei, gefangen genommen wurde, der wurde oft gefoltert und hingerichtet und/oder gern auch geköpft. Die Köpfe stellt man aus. Die waren der ISIS um ein Jahrhundert voraus.

    • Betroffen
      William Kamkwamba hat sich für seine Autobiographie Der Junge der den Wind einfing professionelle Unterstützung geholt, und diese Lebensgeschichte zwischen Hungersnot in Malawi und Technikbegeisterung ist packend geschildert

  128. Philomena, ...
    Roald Dahl: auf jeden Fall!

    Wie der gute Onkel da mit dem Laconda „son gia mille e tre“ durch den Sinai braust und dann findet man nur noch eine Kiste mit Nachlassschriften ist wohl schwer zu überbieten.

    Peter Scholl-Latour: Eigentlich Pflichtlektüre für die Obersten 10 im RHS, es steht aber nur Schäuble im Verdacht, ihn zu kennen.

    Ganz wichtige Tipps haben Sie da beigesteuert!

    • Danke, Wassermann,
      Anna Wimscheider las ich z.B. auch.Von meinem Vater gibt es ein Reclamheft,das mich immer schon erstaunte:Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887 von einem in 1857 Geborenen, von Edward Bellamy aus Boston.Er beschreibt damals schon in Zügen, was wir heute erleben: Kartenzahlungen und Abschaffung des Bargeldes etc. Manche Menschen können scheinbar weit blicken.

      Richard Michaelis, Redakteur der Chicagoer Freien Presse, antwortet ihm in der Nr. 2800.

      Ein Heft „Gedichte und Prosa“ von Iwan Turgenjeff. Datiert von Februar bis Dezember 1878. Hat 1882 im Europöischen Boten geschrieben. Erzählungen, wie Tagebuch eines Überflüssigen oder Eine Unglückliche.

      Ich lese halt Querbeet, was mich interessiert, meistens im Winter.

    • Manche Menschen können scheinbar weit blicken
      H.G. Wells – Atombombe
      Georg Orwell – Überwachung und political correctness (Neusprech)
      Jean Raspail – Migrationskatastrophe

  129. Das Wesen des Preußentums....
    ist es wohl, das es nach einer Blüte in triste Bürokratie und selbstgegällige Denkfaulheit versinkt.
    Vermutlich weil im Optimierungswahn fleißig versucht wird mit Vorschriften festzuhalten, was man damit am schnellsten zerstört.
    Das war nach Friedrich dem Großen so und mit Wilhelm II kaum besser und jedes Mal kam die Rettung unerfreulich von außen, bis Preußen sich wieder schlafen legt. Erst durch Napoleon, dann die Allierten und wer wird es diesmal werden?
    wohl keine Zufall das die aktuelle Schwere nach der deutschen Einheit und ihren Boom kommt.

  130. Die Plagiatorenschmiede im Eckigen
    „So oft erschien mir die Welt nicht greifbar, um ihrer Gerechtigkeit willen zu sagen, dass Unrecht herrscht. Nur wie konnte ich der Welt mitteilen, dass Unrecht herrscht? Vielleicht den Kopf aus dem Fenster halten und schreien: Die Welt ist ungerecht! Hört ihr? Ungerecht! Die Straßen waren leer. Niemand schien mein Schreien zu hören. Nicht mal eine Gardine – oder ein kippendes Fenster, dass durch die Sonne reflektiert, der lauschenden Leut´ – ich wissend würde.

    Nein, keiner wollte die Ungerechtigkeit mit mir teilen. Also fing ich an, sie aufzuschreiben.“

  131. Onkel Toms Hütte
    Dieses Buch erzeugt ein Kraftfeld, mein plus/minus zehnjähriges Selbst wußte sich nicht zu verhalten. Die Lektüre hielt ich nicht durch.
    Mein Schlüsselreiz zur Wiederaufnahme einer Lektüre: Sigmar Gabriels Wintergarten wird im Deutschen Historischen Museum konserviert.

    Der Rosenmontag als Ausrede, ich habs mit den Mißverständnissen: her mit den leicht bekleideten romanen, flüchtig gelesen zu her mit den leicht behaarten damen.

    • Heinz Busch sagt:
      „her mit den leicht bekleideten romanen, flüchtig gelesen zu her mit den leicht behaarten damen.“

      Felix Salten.

      Oder – in größerer Münze: Die Fackel. Die Mutter aller guten Blogs.
      Weder zuvor noch danach hat es so eine mediale Instanz gegeben. Kein „Blogger“ hat je wieder seine Leser so gestutzt und zugleich so aus ihnen geschöpft wie K.K. Auch nicht unser Don.

      Das einfache Faksimile von „2001“ gibt es noch immer für kleines Geld zu kaufen.

      Und wenn jemand wissen möchte, wie lächerlich, kindisch und intellektuell armselig es ist, wenn zwei „Blogger“ sich heute befehden (und sei es über Jahre), der lese, was Franz Werfel und Karl Kraus sich fast ein Leben lang in einer Weise, die man heute als „online“ bezeichnen würde, um die Ohren geschlagen haben.
      Was für ein Niveau, was für ein Genuß! Das ist doch etwas ganz anderes, als wenn Opi sich heutzutage aus aller Welt beklagt, daß er in Japan seine Micky-Mouse-Hefte nicht am Bahnhof kaufen kann.

      https://www.amazon.de/Karl-Kraus-Dokumentation-Bibliothek-Janowitz/dp/3835309838/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1518410002&sr=1-1&keywords=werfel+kraus&dpID=410so7TGoAL&preST=_SY344_BO1,204,203,200_QL70_&dpSrc=srch

      (die Kurzrezension bei Amazon ist unsagbar dümmlich, ich finde aber überall nur den gleichen Klappentext)

    • @ Sylter
      Der Hinweis auf Karl Kraus (und Werfel!) war überfällig.

      Leseempfehlung: Edward Timms‘ zweibändige Biografie „Karl Kraus Apocalyptic Satirist“, in deutscher Übersetzung …

      „Karl Kraus – Satiriker der Apokalypse: Leben und Werk 1874–1918“ „Karl Kraus – Die Krise der Nachkriegszeit und der Aufstieg des Hakenkreuzes“.

      Timms Werkkenntnisse sind stupend. Er erhellt mit einer unglaublichen Fülle von Zitaten und Hinweisen nicht nur zahlreiche Aspekte im Werk und im Leben von KK, sondern auch dessen kulturelle und politische Umgebung in Wien. Es gibt zwar, unvermeidlich bei einem derartigen Vorhaben, manches zu bemängeln, aber der Gewinn überwiegt bei weitem.
      Den Verriss des FAZ-Feuilletons deshalb gar nicht ignorieren. Britische Germanisten haben traditionell einen schweren Stand in De.

      Man muss sich allerdings „durcharbeiten“ …

    • Titel eingeben
      Sylt: Ich hab‘ seit 1976 die zwölfbändige 1976er Reprint-Ausgabe von „2001“. Man kann Die Fackel inzwischen aber auch im Netz lesen und vor allem: benutzen, denn die Seite hat auch ein nützlichen Suchprogramm. Allerdings muss man sich zuvor ein Mal kostenlos anmelden. Und ich glaube, diesen Link erlaubt der Don:
      http://corpus1.aac.ac.at/fackel/

    • Titel eingeben
      @Zuvielgesellschaft, @kdm: Danke, beides sogleich bestellt.

    • Titel eingeben
      Wo von Karl Kraus gesprochen wird, ist vielleicht auch eine Erwähnung Alfred Polgars angebracht. Ein riesiges Werk von Kolummnen und Kurzgeschichten von KuK bis 50er. Schwerpunkt Wien mit fluchtbedingten Intermezzi in Kalifornien und Zürich. Eine knappe Auswahl gibt es in „Im Laufe der Zeit“ von Rowohlt (antiquarisch?), eine breitere im „Alfred Polgar Lesebuch“ von Kein&Aber.

    • Qualtinger liest Karl Kraus - Die letzten Tage der Menschheit
      Ich hab’s noch auf Tonband aber man bekommt es auch als CD.

      „Geh, sei fesch und bring Dein Schlamperl mit.“

    • @sylter und @Zuvielgesellschaft
      Danke für die Hinweise zu Kraus, Werfel und Timms.

  132. Black Dog und der deutsche Kulturbetrieb
    Die deutsche Gegenwartsliteratur, mit welcher ich während meiner Kantonsschulzeit konfrontiert wurde, habe ich grösstenteils als deprimierend, beengend und schwer verdaulich in Erinnerung. Bücher, durch die man sich durcharbeiten musste, wo es immer um schwierige Schicksale, von der Gesellschaft gebrochene Menschen oder ähnliches ging. Autorinnen waren kaum darunter. Damals entstand bei mir eine grosse Lustlosigkeit gegenüber „guter“ deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, die ich bis heute nicht überwinden konnte, auch wenn ich damit vielleicht dem einen Autor oder er anderen Autorin Unrecht tue.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass ein Teil des deutschsprachigen Kulturbetriebs der Ansicht ist, dass gute Literatur oder kulturelle Erlebnisse im Allgemeinen nicht zugleich auch unterhaltend und erheiternd sein dürfen, denn dann wäre man ja bereits im Trivialen, sondern erlitten werden muss. Kultur ist schliesslich etwas ernsthaftes! Vielleicht ein weiteres kulturelles Überbleibsel eines streng puritanischen Protestantismus?

    Eine Parallele hat es dazu im Wissenschaftsbetrieb. Leicht lesbare, vielleicht sogar noch unterhaltsam geschriebene Bücher über wissenschaftliche Themen findet man auch eher im englischsprachigen Raum.

    Wenn die Verlage nur noch Bücher herausbringen, die niemand mehr lesen möchte, wird dieses Problem durch den Markt bereinigt; ausser der deutsche Staat alimentiert unter irgendeinem Titel wie z.B. „Demokratie wagen“ dann auch noch die Verlage.

    • deutsche Bücher, @Schweizerin,
      sind so wenig „deutsch“, wie Klugheit oder Dummheit deutsch sind.
      Das Lehrbuch meines Chemie-Leistungskurses stammte aus der DDR. Das haben meine ausgezeichnete Chemielehrerin und unser Schullleiter mit Durchsetzungskraft so beibehalten, weil es einfach besser war als der anspruchslosere Schmarrn, der Sie weniger „deprimiert“ hätte.

      Es bleibt Ihnen ja unbenommen, Tom Sharpe oder Max Goldt zu lesen, aber wären Sie so freundlich, sich hier nicht über „Bücher, durch die man sich durcharbeiten muß“, zu beklagen?

      Es wäre nämlich überaus bedauerlich, wenn unser Gastgeber Ihrem Beispiel folgend auch keine Bücher mehr „durcharbeiten“ und uns stattdessen mit Spon-Kolumnen versorgen würde.

      Nur mal so als kleines Wuff vom black dog ans Frauchen.

    • Titel eingeben
      Ein Gutteil „deutscher“ lesbarer Literatur hat der schweizer (!) Haffmans-Verlag von 1982 bis 2001 veröffentlicht (ja, auch Amis, Engländer, Iren, Franzosen). Da gab es KEIN Betroffenheits-Schmonzes.
      Immer noch und immer wieder les ich in den über 60 Ausgaben von Haffmans‘ vierteljährlichen Literatur-„Magazin“ (dicke Taschenbücher) DER RABE, und das Wiederlesen all der kleinen Perlen macht immer wieder Spaß.
      .
      Alles weit weg von Christa Wolf & Co. und dem SZ/ZEIT-Fäuleton.

    • Grüezi liebe @Schweizerin,
      Unzugänglichkeit und teils unnötige Verrätselung gehören zur deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts wie der Nebel ins Aaretal.
      Bei den Auftritten Adolf Muschgs in den SRF-Arenen der letzten Jahre fragte ich mich jeweils „Was meint er denn?“. Die Antwort darauf fand ich in einem dann neugierig besorgten Band mit seinen Erzählungen keineswegs – stattdessen mehr Verwirrung.
      Mein Deutschlehrer erlebte einen der grössten Erfolge in seinem Oberstufenunterricht nicht anhand deutscher Autoren, sondern mit Hilfe der Textübersetzung eines glasklar formulierten Philosophiewerkes: „Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig.
      Versuchen Sie vielleicht einmal Die Blechtrommel. Die erste Hälfte ist teils recht kurzweilig. Die Kriminalromane von Dürrenmatt kennen Sie vermutlich. Übrigens: Das Los oft gramgebeugter Protagonisten in neuerer deutscher Prosa ist ein Zuckerbrot gegen die qualvollen Todesarten, die in recht locker zu lesenden skandinavischen oder amerikanischen Krimis absolviert werden. Schönen Nachmittag.

    • @Ancien Argovien
      Dürrenmatt und Grass habe ich früher viel und gerne gelesen, aber die Stücke von Dürrenmatt waren schon zu meiner Kantizeit Teil des Literaturkanons, wie auch die Blechtrommel, und von uns damals als Klassiker und bereits nicht mehr als Gegenwartsliteratur empfunden.

      Ich frage mich gerade, ob nicht aufgrund der Geschehnisse der letzten Jahre Romulus der Grosse neue Aktualität erhalten hat und ein erneutes Lesen wert wäre. Abgesehen davon: #Morgenessen! ;-)

      Bei Muschg bin ich seinerzeit am Roten Ritter gescheitert. Ich konnte mich nicht durchringen, das Buch fertig zu lesen. Seither habe ich mich nicht mehr an Muschg’s Büchern versucht, obwohl Muschg selber sicher eine spannende Person ist.

    • @Sylter
      Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihre Aussage richtig verstanden habe: Plädieren Sie gerade dafür, dass es keine deutsche Literatur gibt, sondern nur Literatur, die zufällig in deutscher Sprache geschrieben wurde, aber sich sonst von englischer, französischer, russischer oder arabischer Literatur nicht unterscheidet?

      Betreffend wissenschaftlicher Publikationen: Sie setzen „leicht lesbar“ mit „anspruchsloser“ gleich. Der gleiche Stoff kann aber lesbarer oder komplizierter dargestellt werden. Mein persönlicher Eindruck ist, dass im angelsächsischen Sprachraum mehr Wert auf leichtere Lesbarkeit als im deutschen Sprachraum gelegt wird. Ich habe darüber hinaus auch den Eindruck, dass es im angelsächsischen Sprachraum viel üblicher ist, zu den eigenen Forschungsergebnissen Bücher zu publizieren, die sich nicht nur an das begrenzte Fachpublikum des eigenen Forschungsgebiets, sondern an ein breiteres Publikum richten, weshalb diese Bücher dann auch für dieses erweiterte Publikum verständlich und oftmals auch unterhaltsam geschrieben sind. Z.B. Kahnemans „Thinking Fast and Slow“.
      Im Übrigen halte ich es für viel schwieriger, einen komplexen Stoff einfach und verständlich darzustellen, als darüber kompliziert zu schreiben.

      Ich zweifle, dass mich Ihr Chemielehrbuch deprimiert hätte.

    • Leicht lesbar...
      @Schweizerin
      Ja, das mit dem lesbar ist wohl auch noch ein Erbe der deutschen Philosophen – de verschmurgelter der Text, desto bedeutsamer muß er wohl sein, einerseits. Andererseits gilt auch in populärwissenschaftlichen Texten jede (oft notwendige) Ungenauigkeit als des Teufels, was dann interessanterweise dazu führt, daß man dann oft gleich einen Sprung zum wirklich Falschen macht.
      Das hat natürlich auch damit zu tun, daß Vieles einfach so dahingeschrieben (oder -gesagt) wird, ohne zu überlegen, was es denn eigentlich bedeutet.
      Da liest man dann solche Sätze wie „Der Gletscher produziert Eis“ oder der Gornergletscher sei 10’000 Jahre alt – ohne Kommentar oder Begründung.

    • @Schweizerin
      Jetzt habe endlich auch ich Ihr ursprüngliches Plädoyer für „leichte Lesbarkeit“ inhaltlich kapiert und ich möchte Ihnen uneingeschränkt zustimmen.
      Je leichter lesbar jemand die selben Informationen an den Leser bringt, desto mehr ist er zu loben, desto größer ist seine Leistung als Autor.

      Indes: nach meinen bescheidenen Erfahrungen besteht zwischen „leichter Lesbarkeit“ einerseits und Qualität und Quantität andererseits eine ebenso feste wie ernüchternde Relation.
      Man kann eben aus einem Esel kein Rennpferd machen. Auch wenn beide zweifellos ihre Daseinsberechtigung haben.

      Und zu Ihrer schönen Frage nach der Existenz spezifisch deutscher Literatur (die man ja noch in deutsche und deutschsprachige untergliedern könnte):

      Ich bin zu unbelesen, um das beurteilen zu können. Voltaire und irgend ein Preusse haben sich wohl mal ganz heiße Briefe geschrieben und waren literarisch auf einer Wellenlänge.

      Hitlers „Mein Kampf“ und Churchills „Mein Kampf“ halte ich ebenfalls für seelenverwandt (und für Dreck).

      Wenn ich allerdings z.B. Georg Forsters Aufzeichnungen mit den englischen von Cpt. Cooks Reisen vergleiche, blitzt doch etwas spezifisch deutsches auf: Akuratesse, unbedingte Prinzipientreue und vor allem der Glaube an das, was bei den Angelsachsen nur in ihrer Magna Charta steht: die Gleichheit aller Menschen.

      Ich habe unlängst die Memoiren von Carl Schurz gelesen. Ein Leben wie von Schiller erdacht! Und so kann es dann auch nur der Deutsche selbst aufschreiben.

      Jo, es gibt eine spezifsch deutsche Literatur – die höhere Ideale hat als der ewig gleiche Königskack von Shakespeare oder den ollen Griechen.

      In meinem (sehr kleinen) Bücherschrank z.B. Ernst Jünger und Walter Kempowski. Beide sind so wunderbar frei von diesem „right or wrong my Country“ – und trotzdem im positiven Sinne echte Patrioten.
      Beiden fehlt die Überheblichkeit, die englischen und franösischen Schriftstellern zu eigen ist.

  133. Ein paar Bücher japanischer Autoren:
    .
    1. Murasaki Shikibu: „Die Geschichte vom Prinzen Genji“

    Ein historischer Roman aus Japan (geschrieben von 1004 – 1011), der
    die Verhältnisse am japanischen Kaiserhof eben dieser Zeit darstellt.

    Ich selbst empfand das Buch als ‚relativ‘ schwer zu lesen, weil es in sehr
    blumiger Sprache geschrieben ist, mit sehr wenig Aktion.
    Es wirkte auf mich zähflüssig, ist aber sicher für Leute, die sich für Japan und
    japanische Historie interessieren ein ‚Muss‘.

    2. Murakami Haruki: „Sputnik Sweetheart“

    Ich meine, Murakami sollte in Deutschland einigermassen bekannt sein.
    Ein etwas seichter Roman, der sich aber flüssig lesen lässt und eine interessante
    Geschichte erzählt.
    Sicherlich nichts Wichtiges, keine hochstehende Literatur, eher seichte Unterhaltung.

    3. Kirino Natsuo: „Out“

    Ein Kriminalroman einer japanischen Autorin, der . . . ja, wie soll ich’s schreiben? . . .
    der sicher nur eine gewöhnliche Kriminalgeschichte erzählt (das werden einige sicher
    anders sehen als ich), allerdings zwei andere, für mich interessante, Aspekte mit
    rüberbringt.
    a) Geht es um die Frage: „Kann man Grenzen überschreiten?“ und „Wenn man sie überschritten
    hat, kann man dann jemals wieder zurück zu dem Status vor diesem Grenzübertritt?“

    b) Zeichnet das Buch, ganz wunderbar beschrieben, ein Bild einer sozialen Schicht in Japan,
    die man so in Deutschland wohl eher nicht kennen wird.
    Als Tourist oder auch als Austauschstudent wird man mit den Details dieser Schicht in Japan
    eher nicht konfrontiert werden und bei der Darstellung des Aussenbildes des Landes, lässt
    man das auch (besser) weg.
    Kirino Natsuo gibt einen der seltenen Einblicke.

    4. Tsuboi Sakae: „Twenty-Four Eyes“

    Eine Novelle einer japanischen Autorin, die die Erlebnisse der Zivilbevölkerung
    Japans am Ende des II. Weltkrieges darstellt.
    Emotional sehr mitnehmend geschrieben, kommt sie doch trotzdem ohne reisserische
    Effekte aus. Es stellt aber doch ganz gut dar, was die japanische Zivilbevölkerung aus
    dem Krieg mitgenommen hat.

    5. Mishima Yukio: „Geständnis einer Maske“

    Von mir noch keine Beurteilung dazu, das lese ich gerade.
    Ich weiss aber aus Gesprächen mit Japanern, dass es zumindest eine grosse Gruppe
    innerhalb der Gesellschaft gibt, die Mishima-san sehr verehrt.

    • Chinesisches Rokoko
      Der Traum der roten Kammer von Cao Xueqin aus dem 18. Jahrhundert. Eine sehr delikate Schilderung des Auf- und Niedergangs einer adligen Familie und der erotischen (und, nun ja, auch religiösen) Irrungen und Wirrungen ihres jüngsten Sprosses.
      Ich habe das Buch als Fünfzehnjährige während eines verregneten Feriensommers in einem alten Schrank gefunden und gleich mehrmals gelesen.

      Obwohl ich zu China und Buddhismus keine tiefere Verbindung habe, hinterließ dieses Buch ein Faible für alte chinesische Drucke und Poesie.
      Für geduldige Leser unbedingt ein Gewinn.

    • Achso - erotisches China
      .
      [Gut. Hier sind ja sicher alle über 14]
      .
      .
      Kin Ping Meh: oder Die abenteuerliche Geschichte von Hsi Men und seinen sechs Frauen

    • „As I crossed a bridge of dreams“...@nur mal so
      Lady Sarashina, eine Japanerin des 11.Jahrhunderts. Wunderschöne, melancholische Naturbeschreibungen.
      Sie begleitete ihren Vater, einen Provinz Gouverneur auf zahlreichen Reisen. Seit ihrer frühen Kindheit. Erst im Alter von 36 Jahren heiratete sie, ungewöhnlich für Ihre Zeit. Als Hofdame einer Prinzessin hatte sich die geeignete Verbindung ergeben.
      Über ihre Ehe berichtet sie wenig, der Vater blieb unvergessen.

    • Tsuboi Sakae: „Twenty-Four Eyes“
      Grad gekauft bei Ebay. Japan. Faszinierend.

    • @Ingrid Biniok
      .
      Oh, danke für den Tipp.
      Ich werde einmal zusehen, ob ich das irgendwie bekommen kann.

    • @Thomas
      .
      Schön. Ich gehe davon aus, dass Sie nicht enttäuscht sein werden.

      Ich selbst habe es von einer Japanerin zum Geburtstag geschenkt bekommen.

  134. O tempora o mores oder die Flucht in die Vergangenheit
    Werter Don,werte Foristen,

    da sehr viel Zeitbezogenes vorgestellt wurde als kleine Anregung ein paar aus der Zeit gefallene Sachen:

    Epikur – welche Wohltat die Gedanken eines ganz Großen nach mehr als 2000 Jahren verstehen zu können. Das ist für mich der verspürte Atem der Geschichte. Auch schon damals ein Verfolgter freudloser arroganter Moralapostel aus dem Stoikerstall.

    Ovid – die „Nase“ mal nicht mit der Liebeskunst sondern mit den Metamorphosae

    Petronius Satyricon – was für ein Sittengemälde (!) und das nach meiner bescheidenen Meinung einzige Werk bei der Film von Fellini dem Text ebenbürtig ist

    antiker z. Teil derber Humor in Apuleius Goldenem Esel

    Antikes (bis heutiges) Elend eines Volkes in Flavius Josephus und seine moderne gleichnishafte Aufarbeitung bei Lion Feuchtwanger

    Zugegeben die Mehrzahl meiner Bücher ist auch jünger:

    Heißgeliebt wegen seiner wunderbaren Sprache E.T.A. Hoffmann z.B. mit Doge und Dogaresse köstlich auch Die Lebensansichten des Katers Murr…

    Schon viel moderner aber auch aus der Zeit gefallen: Albert Camus etwa mit dem Mythos von Sisyphos mit dem zwar argumentativ aber nicht emotional nachvollziehbaren Satz: „wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“

    Düsterer hingegen Jean Paul Satre dessen Werk ich in der Jugend einem geschätzten späteren Bischof drei Jahre an den Kopf warf bis er einräumte jetzt seien ihm die Argumente ausgegangen. Dieses Eingeständnis nach hartem Ringen hat nach Jahrzehnten noch meine größte Hochachtung.

    Sehr düster auch Andre Malraux in So lebt der Mensch

    Was mir in den Kommentaren fehlt ist ein Verweis auf große russische Schriftsteller.

    Im übrigen finde ich wird inzwischen zu wenig mit Herzblut und zu viel mit Ideologie, Arroganz und Geldgier geschrieben. Deswegen gefällt mir Heinrich Mann besser als der kalte Buchstabenarbeiter Thomas Mann.

    Dank an Don und die Foristen für die vielen Anregungen sich der Neuzeit etwas anzunähern.

    • .
      Mir schreiben „die Russen“ zu blumig,

      Die polnische Literatur liegt mir da mehr.
      Andrzej Szczypiorski: Die schöne Frau Seidenmann
      Stanisław Jerzy Lec: Unfrisierte Gedanken.
      Maria Nurowska: Wie ein Baum ohne Schatten (über eine mutige Agentin Churchills)
      Andrej Stasiuk: Der Stich im Herzen (über das Fernweh)
      Dieser „Riese“ schreibt so fein und klar, dass man sofort
      gefühlsmäßig mitfliegen kann.
      Das halte ich für die größte Kunst überhaupt,
      so geschliffen es auf den Punkt bringen zu können,
      dass es leicht wirkt.

    • Wenn Sie Stasiuk mögen,
      vielleicht auch Juri Andruchowytsch. Gut, er ist Ukrainer, also eher nicht blumig. Mit Stasiuk hat er ein Buch zusammen geschrieben, „Mein Europa“.
      Sehr melancholisch, aber auch eine Vergewisserung, warum Polen manchmal wichtiger sein kann als Macron. Oder anders herum, warum man an der östliche Peripherie Europa noch anders buchstabiert.
      Seit dem Maidan schreibt er leider nicht mehr.

  135. Der beste deutsche Roman 2017
    Meiner Meinung nach ist „Die Antwort auf die Träume“ das einzige, von einem deutschsprachigen Autor geschriebene, lesenswerte Buch des letzten Jahres.
    Das kann ich jedem nur empfehlen, wobei es manchmal etwas zu sexy wird. Gibts auch bei Amazon.

    • Bully
      Ich finde es dagegen abstoßend, wie ein harmloser, nicht besonders hell belichteter Zeitgenosse wie Rainer Winkler von einem tausendköpfigen Internetmob gestalkt wird. Und ja, Sie gehören auch dazu.

    • leider nicht richtig
      Bullying geschieht an der Schule, stalking ist nochmal was ganz anderes. Wir beiden, liebe Aster, betreiben wenn, dann mobbing; da es am Arbeitsplatz dieses hoffenungsvollen Nachwuchsautors geschieht. Allerdings sind wir keine Mitarbeiter, dieses Wort passt also auch nicht. :/
      Zum besseren Verständnis der Begrifflichkeiten empfehle ich dir den frisch erschienenen Renner des bisherigen Jahres, „Die Leiden des jungen W.“ von Dr. Oll.

  136. Titel eingeben
    Auf dem Weg zu einer Veranstaltung hatte ich mal Zeit und hielt vor einer Bücherkiste (Modernes Antiquariat) der örtlichen Buchhandlung. Ein schwarzer dtv-Band fiel mir auf: Leo Perutz, Die dritte Kugel. Perutz – noch nie gehört. Nimm’s mit, sagte ich, und lies vor Beginn der Veranstaltung. Ich blieb dann im Warteraum sitzen, las und las und versäumte die ganze Veranstaltung. Perutz – eine Entdeckung! Seitdem habe ich alles von ihm gelesen, immer mit Vergnügen.

    • Titel eingeben
      Jetzt habe ich mir schnell den Namen notiert,denn neulich wurde dieser Name -ich weiss nicht mehr wo-erwähnt.
      Wie schön,hier taucht er wieder auf.
      Was für ein Zufall!
      Merci vielmol

  137. Titel eingeben
    So viele kluge Kommentare, da sollte ich vielleicht besser nur lesen und schweigen. Andererseits: ich lese viel und schon immer. Erst wurde mir vorgelesen, ich liebte es und kannte Grimms Kinder- und Hausmärchen (und meine anderen Kinderbücher) auswendig. Mit dem Lesenlernen kam die Emanzipation von den Vorlesern (Mama, Papa, Oma, Opa, Tante) und kein Buch war sicher vor mir. Lesen mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, wenn die Eltern dachten, ich schliefe längst. Die Jahre als Studentin mit reichlich Lesezeit, weil ich die eine oder andere Elektrotechnik-Vorlesung der Belletristik opferte. Der „Giftschrank“ meiner Schwiegereltern, aus dem ich mich in den Semesterferien bedienen durfte und der enthielt, was sonst in der DDR nicht zu lesen war. Gorbatschows „Perestroika“, ein Buch, das mir einen möglichen Weg wies, der dann aber vom Mantel der Geschichte hinweggefegt wurde. Die neue Welt brachte ein unendliches Angebot an Büchern und neuen Möglichkeiten und ich war/bin eine dankbare Leserin und einem gewissen Geschick, die Bücher zu finden, die mir helfen, Antworten auf die Fragen des Lebens zu finden, die sich im Kontext der aktuellen Biographie stellen oder die sanft am Horizont aufscheinen. Letztlich geht es immer um „wo komme ich her“, „wo gehe ich hin“, „wer bin ich“ und „wer werde ich sein“ – der Introvertierte sucht die Antwort in sich und benutzt Bücher als mögliche Wegweiser, der Extrovertierte stürzt sich vermutlich ins Leben und findet die Antwort hoffentlich dort.

    Mein Ziel: „heiter Raum um Raum durchschreiten“ und „an keinem wie an einer Heimat hängen“, um zu spüren „der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten“ (Hermann Hesse).

    Mich macht eine Mischung aus Lesevergnügen und Aufenthalt an der frischen Luft zufrieden und bisweilen sogar glücklich – bei allen Widrigkeiten der aktuellen politischen Gemengelage.

    In diesem Sinne beste Grüße an den Don und die Mitforisten!

    • @You made my day
      Danke für das Hesse-Zitat!

      Alle, die pubertierende und/oder etwas ältere Kinder haben (die noch Bücher lesen, was leider auf nicht allzuviele noch zutrifft), sollten ihnen Hesses Steppenwolf an´s Herz legen:
      Es gibt m. E. kein besseres, beruhigenderes Buch als den Steppenwolf für junge Menschen, die bei ihrer Identitätssuche einen Ausgleich zwischen widerstrebenden Persönlichkeitsanteilen empfinden (was vollkommen natürlich und normal ist) und dabei von der Sorge erfasst werden, evtl. geistig nicht gesund zu sein (diese Sorge entsteht m. E. im Zuge eines verbreiteten Hangs zu Pathologisierungen noch leichter als in den Siebzigern).

  138. Opponent
    Bin nicht so gebildet. In Sachen Literatur keine Ahnung.

    Lese Perry Rhodan.

    Warum nicht mal etwas darüber? Band 3000 ca. in einem Jahr

  139. Jetzt schnell noch zuschlagen
    Werter Don,

    wie sie schreiben, erwerben Sie ja gerne Monographien oder Ausstellungskataloge. Decken Sie sich noch schnell ein, kann ich nur empfehlen.

    Denn ich befürchte, daß man auch hier in Zukunft genauer hinzuschauen muß. Nicht auf den Waschzettel, aber die Autorenschaft und das Erscheinungsjahr prüfen wird unerlässlich sein.

    Denn so wie es auf Wikipedia großangelegte feministische edit-wars mit FionaBs (früher wohl FionaBaine) und Konsorten gibt, so berichten sciencefiles.org (und andere wie danisch etc.) ja in ähnlicher Weise über flächendeckende feministische Übernahmeversche der Deutungshoheit im wissenschaftlichen Diskurs. Und auch die Aussortierung (euphemistisch „Neubewertung“) von (aus feministischer Sicht entarteter) Kunst und Künstlern ist ja schon im vollen Gange.

    Ich fürchte, man wird dereinst die Grenze im Bereich der 2000er Jahre ziehen müssen, ab wann man auch solche Publikationen und deren Autorenschaft kritsch hinterfragen muß.

    Und ich bin auch schon gespannt, wann der Angriff auf Antiquariate etc. losgeht. Kann ja nicht angehen, daß man Bücher von früher unkontrolliert verbreiten darf…

    • Titel eingeben
      Ich hatte seit Ende der achtziger Jahre (das Worteverbieten kam wie so manch andere Mode gerade aus den USA) darauf gewartet, wann diese ungebildeten feministischen Zensoren die Berliner traditionsreiche „Mohrenstraße“ entdecken. Immerhin: 30 Jahre haben sie gebraucht.

  140. OT Sternchenzähler
    Wenn sechsmal soviele Kommentare abgegeben als Like Sternchen zum Artikel gesetzt werden, dann wirft das Fragen zu Lesern und Technik auf. Im Iphone habe ich keine Möglichkeit, den Stern zu mausen. Lesen Sie alle auf dem Phone und Tablet? FAZ, tu was.

    • Die FAZ hat gewiss noch andere Sorgen, ...
      … wir können „search & find in page“ auch ohne „mouse“ veranlassen. Weil das Wort „permalink“ zuverlässig nahe zum Sternchen steht, lohnt es sich, nach ihm zu suchen. Dann genügt ein „touch“ aufs Sternchen, Hand aufs Herzchen.

    • Obligo
      @externet, ich danke für den Tip.

      Don als aktueller Starautor der FAZ braucht die Sternchen eher nicht. Dennoch empfinde ich es als Verpflichtung, den AutorI_nnen_* guter Artikel das Sternchen zu drücken.

      Alle Leser seien daran erinnert.

    • Ich habe noch nie etwas im Netz "geliked"...
      …drücke Zustimmung anders aus.

  141. Do it
    Man könnte DONs Text und die vorliegenden Kommentare vielleicht als Stoffsammlung für eine literarische Äußerung nehmen. Für die Struktur könnte man gelegentlich einen Blick in Aristoteles Poetik werfen. Ob man sich zur Ausarbeitung der Charaktere auf Blogteilnehmer stützen könnte, kann ich nicht entscheiden. Jedenfalls dürften die vorliegend erkennbar gewordenen Beurteilungen, Verurteilungen und Erwartungshaltungen einen ganz guten Fahrplan abgeben.
    Aber wie im Blog bereits angeklungen, wer will so etwas auf sich nehmen, Literaturproduktion ist nicht nur Spasserlebnis. Wie ein prominenter Klavierlehrer zu sagen pflegt: of course ist pain! (E. Jellinek: schreybn is leydn)
    Jedenfalls hätte derartiges Unterfangen nmD die Chance, aus dem Stand besseres zu präsentieren, als die derzeit angesagten fett gewordenen Julia Romane.

    Abschliessend ein kleines Motto für die Rosenmontagszüge

    Britain on Brexit
    France en Marche
    Deutschland am A ….

  142. @ djangohatnemonatskarte sagte am 11. Februar 2018 um 17:53 Uhr „…die Eifel…“
    @ Django, Eifel, immer wieder die Eifel. Das kann nicht nur an der Andrea liegen. Seltsam, in dem Werk von Karl-Heinz Frieser „Ardennen, Sedan“ , Militärhistorischer Führer durch eine europäische Schicksalslandschaft“ (Report-Verlag) wird immer wieder zwischen Ende April und 10. Mai 1940 die Eifel erwähnt. In anderen Werken taucht sie dann wieder Ende 1944 auf. Sie, die Eifel, soll sich ja auch, vulkanologisch betrachtet noch nicht so ganz beruhigt haben. Deshalb, als man das anfing zu bedenken, ließ man damals ja auch das neu gebaute KKW-Mühlheim-Kärlich nicht an´s Netz. Auch unsere frühere Regierung in Bonn wollte sich beim Besuch ohne Einladung unserer Brüder und Schwestern im Ahrtal arbitrieren.
    .
    Wenn Sie mal ein Fachbuch aus der Eifel besorgen möchten: Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“, Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verbotenen Welt, Ludwig-Verlag München. Im Zusammenhang mit der Zehohzwei-Diskussion auch oder gerade für Grünspinner lesens- und bedenkenswert.. Und wussten Sie, dass die Bäume, fast alle weiblich (die Eiche, die Buche, die Erle, die Fichte, die Tanne…na gut –der Ahorn… (Der Arme Kerl hat ganz schön zu tun, mit all´ den Genusswurzeln, die unterirdisch nach ihm greifen und versuchen es mit ihm zu treiben – und die dringend tapetenwechsel-süchtige Birke wird ihm (dem Ahornbaum) doch keine arborale # metoo-Affaire anhängen wollen?) Man mag auch fast nicht glauben, welche Menge an Feinstäuben so ein Baum aus der Luft filtern kann. Steht alles da drin.
    .
    @ Philo. Danke für den Hinweis. Werde noch diese Woche wegen Thommie Bayer mal beim Osiander vorbeischauen. Seine Bücher sind ja preiswert. Wir haben nämlich beschlossen unseren Fundus nicht mehr allzu kostspielig aufzustocken. Zehn mètrecarré + Bücherrücken sollten reichen. Fliegt ohnehin später günstigstenfalls alles in den Papiercontainer. Besucher, selbst mindestens 5 eigene Bücher hinter mittelfeldigem Glas im Gelsenkirchener-Neobarock vom Biersdorffer, stehen eher mitleidig kopfschüttelnd als bewundernd davor. Unserem ältesten Sohn, der kürzlich prüfend davor stand, sah ich an, dass er an Container-Formate dachte.
    .
    Ach Philo, bevor ich´s vergesse. Ich las früher alles über den Jakobsweg und über die Via Francigena (das ist dort, wo sich Don gelegentlich einen Platten fährt wenn er in Schussfahrt die Villa Lecchi herunterbraust und ins Tal der Elsa einbiegt) was mir unter die Hände kam. Wir wollten da beide mal hinhatschen. Hat sich mit den Hufproblemen meiner Gattin erledigt. Falls es sie interessiert – und viel realistischer erzählt als alle Jakobsweg-Literatur ( Hape und so…) die ich bisher kannte: Aus der unmittelbaren Region, Walter Karlo Klingenfuß, ein ehemaliger Altenpfleger aus Möckmühl an der Jagst hat mit „Angekommen Möckmühl-Kap Finisterre – in 70 Tagen 3000 km“ ein wunderbares Buch herausgebracht (Deutsche Literaturgesellschaft)
    (DdH)

    • @ DdH,
      das Wurzelgeflecht der Bäume ist mir bekannt samt der Sporen der Pilze, die dazu gehören.Wird aber alles ignoriert, wenn der Harvester kommt.

      Der Titel ist notiert, wenn der Garten es zulässt…

      Meine Kinder wissen auch, dass sie evtl. Container bestellen müssen.Wer viel Staufläche hat, macht es, wie die Allgäuer: All’s nur wegloine, nix wegwerfe. Ma ka nia wisse, wenn brs amol brücht. Aber, das letzte Hemd hat nun mal keine Taschen, wie wir alle wissen und es oft verdrängen.

      Vieles werden sie auch behalten, kann ich mir denken.Das Elternhaus meiner Mutter stand kürzlich als Postkarte (vor 1920), kunstvoll, im Netz für 16,80€. Ganz schnell war die Karte verkauft und ich hatte meinen Sohn im Verdacht, er war’s aber nicht. Nun rätseln wir, wer Interesse hatte.

  143. Katholische Kurtisanengespräche
    Ein einziges Mal bin ich einer Empfehlung, ich glaube, es war sogar in der FAZ, gefolgt. Nie wieder! Postmodern! – bis dahin wusste ich nicht, dass man diese Richtung auch als Körperverletzung, der Kopf ist nun mal Teil des Körpers, betrachten darf. Dennoch: auf diese Weise bin ich wenigstens auf Slavoij Zizek gestoßen, wenn auch nur innerhalb eines Nebensatzes, und darin völlig verkannt. Apropos Büchergilde und B. Traven. Ich war einer von diesen „Arbeitern“ – damals war ich tatsächlich Arbeiter, der von der Büchergilde begeistert war, und von dieser restlos verdorben wurde. Die Gesamtausgaben von Oskar Maria Graf, B. Traven, Jack London, Hemingway, Bert Brechts Arbeitsjournal… habe ich umsonst erhalten, allein für meine Werbeaktivitäten. Am Ende musste ich gar kein Buch mehr kaufen. Ich verblieb über weitere Jahre „Ehrenmitglied“. Heute kann ich sagen, dass, abgesehen von diesen genannten Kostbarkeiten, meine besten Bücher alle antiquarisch erworben sind. Wer mit 12 Jahren seinen ersten Balzac aus Tante Hannas Teakholzregalen zog, die „Tolldreisten Geschichten“ waren es, natürlich, und dann sich dann noch mit 14 über die Lady Chatterley, von D.H. Lawrence, hermachte, der ist unbrauchbar, für jeden Literaturkonsum jenseits von, sagen wir mal: Aretinos Kurtisanengespräche (ich glaube, ich habe es schon einmal in einem früheren Beitrag erwähnt). Und ja, Wagenbachs „Kamasutra“ kommt auch nicht schlecht. Ich bin diesem letzten Recken aus den 68ern mal auf der Buchmesse in Frankfurt begegnet, wo er gerade dieses wunderbare Werk uralter Liebeskunst persönlich vorstellte. Ich bin sicher, dass ich die Liste noch nicht durch bin (der März-Verlag hat da 68 noch einiges zu bieten gehabt, wie Josephine Mutzenbacher und dergleichen, und damals war das gängige Sozialkritik), aber man muss sich beeilen, wer weiß, wie lange man noch bekennen darf, solches genossen zu haben. Gebeichtet jedenfalls habe ich es nie. Ja, ich war mal katholisch!

  144. Historische Romane von manchen Frauen
    man nehme einen männlichen Beruf, hänge weibliche Endung dran.
    Dann ein bischen herz-Schmerz, Frauenunterdrückung und Behauptung und fertig ist die Choose.

    Habe mal cem Chef „meiner“ Stadtbücherei erzählt, sei die Emanze für diese ABteilung zuständig ist, fände man da nix vernünftiges mehr. Fand er recht einleuchtend, aber,,,,

    Etwas ab vom Thema, aber da fällt mir dieser monumentale und geniale Filn ohne eine einzige weicbliche Hauptrolle ein:

    1900 von Bertoluci.

  145. deutsche gegenwartsliteratur
    ist häufig nicht auszuhalten, da hat der don recht. es gibt allerdings, auch von frauen, durchaus lesbaren stoff, allerdings kommt dieser im kulturbetrieb und dessen filterblase nicht vor. dort geht es ähnlich zu wie in der politischen presse. man ist meilenweit vom konsumenten weg.

    zu biermann ist eigentlich alles gesagt. als in den 40ern befindlicher mann hält man selbst als ossi biermann für einen gröhlenden schreihals wo eventuell schöne lyrik im krawall untergeht. dazu kommt das er ein unsympat esrten ranges ist und politisch durch die zeit überholt. alle schauen nur zu seinem sockel aber relevanz hat das nicht mehr.

    zur literatur. immer wenn ich mal wieder genussvoll lesen will, wie schlecht und gerissen der mensch ist, lese ich „ein amerikanischer thriller“ von ellroy. sollte man einmal im jahr tun um eigener naivität vorzubeugen. pflichtlektüre!

    wenn man sich danach als mensch so richtig schämt, empfehle ich hesses siddhartha. das gibt einem ein wenig edelmut zurück und lässt einen die eigenen menschlichen fehler vergessen.

    gute scifi gabs im osten natürlich auch, zwingend zu lesen ist da wolf weitbrecht. in der gegenwart gibts da z.b. hyperion 1 von simmons.
    absolut lesenswert.

    leider keine frau dabei aber ich bin mir sicher die quote kommt!

    vg
    dreas

    • Groß und klein
      @dreas
      Mit der Kleinschreibung von Sätzen in deutscher Sprache, zeigen Sie m.M. Ihre Verachtung der Rechtschreibung. Es macht eben keinen Spaß, so etwas auch noch zulesen. Daher überlese ich leider Ihre Beiträge. Schade.

    • künstliche Impertinenz
      @ Herr Lehmann

      Gleich drei Substantivierungen hingegen, in nur einem Satz, sind stilistisch kaum zu ertragen.

  146. Epidemien kommen und gehen.
    Sollten Sie mal mit einer liiert sein, die ausschließlich Frauenbuchläden betritt, erkennen Sie die Bosheit von Mutter Natur. Dauerprobleme mit der Verdauung, sexuell nicht erregbar, kinderlos. ‚Darm mit Charme‘ in Millionenauflage spricht für sich.

    Diese Spezies ist übermorgen ausgestorben, ihre Literatur auch. Das zukünftige Grundeinkommen wird das Schlimmste für die Autorinnen verhindern.

    M.E. ist die dt. Literatur seit längerem mit Kochen und Befindlichkeit umfänglich beschrieben. Aber Frau ist nicht an allem schuld. Auf Strickpullis und Bachblüten schwören auch sog. Männer.

    Das jüngste sorgfältig gemachte Buch in meinem Besitz titelt ‚Konstruktive Geometrie in der Technik‘ von Hohenberg, 1961, 29 DM. Jeden Pfennig wert – sonst wie bei den Klamotten: für jedes neue Buch ein altes verschenken. Angebaut wird nicht mehr.

    • @ Gast 12. Februar 2018 um 12:21 Uhr
      Warum kommt mir Ihre ‚Darm mit Charme‘ Notiz so bekannt vor?
      Veilleicht lesen Sie einmal John Steinbeck’s textliche Würdigung des anderen Geschlechts in „The Grapes Of Wrath“ – erschienen irgendwann 1930 -1940.

    • Darm mit Charme
      Zugegeben, der Titel ist nicht wirklich schlau, aber das Buch hat nun mit der hier geziehenen Frauenliteratur nichts zu tun (haben Sie es gelesen?).
      Es ist ein Sachbuch (der von der Schweizerin weiter oben vermißten Kategorie der lockeren Art) und der Autorin ist als Jahrgang 1990 in Bezug auf (eventuelle?) Kinderlosigkeit nicht wirklich etwas vorzuwerfen…

  147. Auch wenn es die Generation App verständlicherweise nervt, wissen
    und zur Kenntnis nehmen sollte sie gegebenenfalls schon welche Art von Vermächtnissen auf Sie zukommen werden, z.b. falls es tatsächlich größere Leichen im Keller des eigenen Kulturkreises noch geben sollte. Es gibt ja auch Vermächtnis und Erbschaften die schlägt man am besten öffentlich und aktiv aus. Dazu muss man aber wissen was drin steckt. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24205

    Und es sieht also in der Tat so aus als hätten wir, der Westen, in Serbien, man weiß gar nicht was für ‚Idioten‘ das eigentlich gewesen sein müssen, die sowas auch nur in Erwägung gezogen haben und dann auch noch gemacht haben, so etwas kommt in der historischen Dimension immer raus kann nie unter der Decke gehalten werden, die also 10 bis 15 Tonnen Uranmunition tatsächlich verwendet haben, und zwar so wie es aussieht mit ‚Erfolg‘, und in der Absicht, den hässlichen Serben für ein paar Jahrzehnte ein mieses Ei ins Nest zu legen ( eine extreme sprachliche Verniedlichung der Tatbestände), denn Beschäftigungstherapie durch Verabreichung von Schmerzen, die zu Selbstbeschäftigung mit den Schmerzen führen und daher extern neutralisieren, zu bereiten. ‚Denn möglicherweise waren die Serben schon immer an allem schuld als unbändige dumme Russland Freunde und entschuldige am Ersten Weltkrieg der ganze Imperien in zählen stürzte und in den Untergang brachte‘.

    Das ganze ist aber auf europäischem Boden passiert, und die Generation at, zumindest aus Europa, würde so etwas bei anderen nie machen – und bei sich selbst auch nicht.

    Wer die orale Hemmung bei den anderen verursacht, bestimmt, aufrechterhält, kontrolliert und Verstöße gegen orale Hemmung sanktioniert, bestimmt den Lauf der Geschichte.

    Die Generation et hat hier aber zurecht frei zu sein, die eigene Agenda ggfls ganz alleine zu bestimmen, sie schlägt gerechterweise auch Erbe aus.

  148. 'Zur vollen Souveränität der eigenen Währung gehört unbedingt auch
    die vollständige Souveränität bezüglich der Deutungshoheit der eigenen Erzählungen‘ – Lyotard/Schirrmacher.

  149. Buecherkanon
    Mein Bruder, der im Gegensatz zu mir ueber eigene Kinder verfuegt, hat seiner beiden Toechtern zur alternative Konfirmations (aka Humanistische Jugendweihe – obwohl aus ehemals West-Deutschland)) einen Satz Buecher geschenkt den er selbst zusammengestellt hat, quasi was ihn beindruckt hat und was ihm lesenswert erschien. Das durchaus im Wissen, das das ein oder andere Buch sicherlich ein paar Jahre im Regal stehen wuerde, bevor die Tochter es liest. An die einzelnen Titel kann ich mich nicht entsinnen, Katz und Maus von Grass und ein Hemmigway war aber sicher dabei. Kein schlechtes Geschenk.

  150. Montags Morgendämmerung?
    @ Christian „Buddenbrock“

    Da muss ich ja auf meine Gesamtausgabe noch mehr achten.
    Oder glauben Sie, dass wir eines Tages Bradbury’s Fahrenheit-Feuerwehrmann Montag kriegen? Manches geht in die Richtung, und die ProtagonistInnen sollten sich das vergegenwärtigen, da sie einer solchen Entwicklung, ohne sie zu wollen, Tür und Tor öffnen könnten.

    Bradbury ist übrigens ein brillianter Autor.

  151. spanische und portugiesische Namen
    „Ich stehe nur in Buchläden vor den Regalen und merke selbst, wie spanische oder portugiesische Namen und deren Titel meine Aufmerksamkeit bekommen.“

    Aber sicher nicht Paolo Coelho, oder?!

    • Portugal
      Coelho ist für die Tonne.
      Lesen: Fernando Pessoa

    • @ Aniela
      „Coelho ist für die Tonne“

      So ein Urteil zu äußern, hätte ich mich als Mann zurückgehalten, d. h. „mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut!“

      Man wird irgendwann feige und steht nur noch befremdet vor der Geschlechtersegregation im Buch- oder im Zeitschriftenladen, wo lange Regale mit Sondermüll gefüllt sind, den zu beseitigen teurer sein müsste als etwa die Entsorgung von Styropor oder Glyphosat.

    • Tonnen
      @Zuvielgesellschaft

      Coelho, Brasilianer, ist ein Mensch mit anerkennenswerten humanitären Aktivitäten. Das noch anzumerken war ich gestern zu müde. Es reichte nur für die Tonne.

      Und die steht in meinem Keller. Und habe nichts gegen: Jedem *seine* Tonne.
      Bei *ihre* Tonne wird selten ein Coelho landen.

      Ich bin eher pragmatisch. :-)

    • @ Aniela
      „Bei *ihre* Tonne wird selten ein Coelho landen“

      Der legt’s ja auch darauf an, aber passt schon.

      Mich kümmern die vielen Übersehenen, Ungelesenen und Vergessenen. Die wirklich Schlechten unter ihnen kriegen mildtätige Sterbehilfe, wie Sufferah weiter oben schildert, bei 233 °C vermutlich – mei, wenn das alle täten … aber den anderen sollte man sich nach Kräften widmen.

      kdm rechnet irgendwo weiter unten vor, was zeitlich möglich ist.
      365 Tage hat das Jahr und Zettel’s Traum oder Finnegans Wake lesen sich nicht in 24 h. Entsprechend bescheiden, selbst für Gourmands und Pragmatikerinnen, was in 10, 20 oder 50 Jahren zu schaffen ist.

      Hier liegt ständig ein halbes Dutzend angelesener Bücher rum und fordert Beachtung. In die Tonne ist nie eines geraten, aber längst nicht alle werden bis zum Schluss gelesen und dürfen bleiben. Persönliche Vorlieben, Raum und Zeit setzen der Aufnahmebereitschaft „klare Obergrenzen“ bzw. lassen sie an nicht-„atmenden Deckeln“ enden …

    • Aniela, ...
      … ich werde mir Ihre Meinung zu Coelho und Pessoa zu Herzen nehmen.

      Von ersterem schon manches gelesen (weil es häufig herumsteht) aber kein Bedarf an weiterem (weil auch meist eher nur neuer Aufguss).

      Von letzterem schon gehört aber nix gelesen (weil ich es nicht herumstehen sah und für kompliziert hielt).

  152. Wer die Muße zum Lesen hat: hier der Bericht einer UN-Menschenrechtsaktivistin
    Ist zwar völlig OT, aber sehr ehrlich geschrieben und lesenswert
    ht tps://arbeitsgruppefluchtundmenschenrechte.wordpress.com/2018/01/18/diskussion-interview-mit-rebecca-sommer-euroislam-polen/

    Ich hoffe, der Don ist nicht sauer auf mich.

  153. Was ich noch sagen wollte...
    … die „Heimschwimmerin“ liegt suf einem wunderschönen Patchwork.Sieht nach Brokat aus.

  154. lugar de falar
    @Gast
    „lugar de falar“ ist als Konzept aktuell in Brasilien stark im Kommen. Es bedeutet: Schwarze können nur für sich selbst sprechen. Können schon gar nicht auf Banditen reduziert werden. Jahrhundertelanges Arbeiten ohne Bezahlung hat bis heute ihre Mentalität geprägt.

    In diversen Vlogs bekommen jetzt endlich vor allem auch schwarze Frauen die Chance, ihre Version des Lebens einzubringen. Ohne weiße Einflüsterer. Schwarzer Feminismus unterscheidet sich daher auch wesentlich von weißem. Diese Frauen wollen in erster Linie eine Arbeit mit gerechter Bezahlung, um für die Familie zu sorgen. Darum können ihnen auch weiße FeministInnen nicht vorschreiben, wie sie denken sollen.

  155. @ Uli49 12. Februar 2018 um 14:40 Uhr
    Rebecca Sommer – Karneval, Fakenews oder Katharsis?

  156. Die Erfindung des Einschaltknopfes*
    Nadine Gordimer Ein Mann von der Straße**
    ** unfaßbar: kein Lesevergnügen!, Kritik voll berechtigt:
    http://www.stephanmaus.de/serendipity/archives/85-Nadine-Gordimer-Ein-Mann-von-der-Strasse-SZ.html

    Hilft alles nix: man muß auch zurückschauen:
    Kants Werke Ledereinband / Th. Knaur , Berlin 1924 (superbe Haptik)

    Thomas Babington Macaulay Geschichte von England // Westermann, Braunschweig 1852–1861( George Jeffreys, 1. Baron Jeffreys of Wem, weinte und schrie, wenn er sich beleidigt glaubte, landete ganz verdient im Tower) Pepys nicht vergessen, gute Kombi

    Geschichte der französischen Revolution Jules Michelet // Gutenberg-Verlag Chistensen 1930 ( schönes Rot dieser Ausgabe, mag allerdings kein getackertes Kieferregal)
    […]
    Die Mandarins von Paris Simone de Beauvoir // Droemer/Knaur 1960, vom Antiquariat:
    das beste, der Zettel darin, mit schwarzer Tinte:
    »ich gebe den Ton an, du hast nichts zu melden,
    ich bin eine Null
    ich bin ein Sabbergreis, immer beleidigt, mürrisch meine Quäkstimme,
    wäre ich dir nie begegnet, ich hasse dich,
    daß du überhaupt existierst,
    schon dein Anblick war Ekelerregend, es ist unerträglich mit dir
    du Dreckschwein, ich habe dich nie gemocht, kein bißchen,
    du bist ein kleiner kaufmännischer Angestellter,
    niemandem habe ich von dir gesagt
    ich bin gewöhnlich, primitiv, uncharmant
    du bist derjenige, den ich am wenigsten mochte«

    der Handschrift nach von einer Frau geschrieben,
    naja, ich glaube ich rauchte entspannt eine Zigarette
    und dachte mir beim Kaffeeaufgießen, so kann’s kommen, wenns ungünstig läuft:
    Ich entlarve, er, sie [es] und du entlarvst.
    Ja, und? Nun?
    Das Buch der Desaster Ingomar von Kieseritzky nicht vergessen.

    *hat auch viel verändert, besonders bei den TV-Konsumenten

    • @ferry:
      Die Kritik von Stephan Mauss hilft mir nicht. Er geht schlampig mit der deutschen Sprache um und macht sich mir nicht verständlich.

  157. #Liesmetoo
    Ich werde diesen Artikel incl. all der Kommentare wohl ausdrucken und archivieren müssen. Die ganzen Anregungen sind ja schon mehrere Lesejahre – beim Vollzeitlesen. Als Teilzeitleser sind das Jahrzehnte…

    Schöne #Liesmetoo Debatte jedenfalls ;)

    • E.A. Powell
      Mit Auto und Kamel zum Pfauenthon, habe ich.Mit 83 Schwarzweißfotos ab 1917.Auf der Karte heißt es noch Mittelländisches Meer anstatt Mittelmeer.Unterhalb von Haifa/Nazareth heißt es Palästina.

      Arthur Rehbein: Vom Polarstrande zum Wüstenrande, auch mit Fotos.

    • Da, Lieber Hans_Nase,
      stimme ich Dir vollumfänglich zu, preise den DA, Dich und andere Foristen und gestehe, die letzten Tage mit Einkäufen verbracht zu haben. DA hat den Papierumsatz schwer gesteigert. Das wird mir bis ans Lebensende reichen.

  158. Die Chancen stehen eher schlecht, @Marius Keller,...
    …dass eine win-win Situation daraus wird, ich probiere es aber trotzdem:
    Ich tausche meine 18-bändige Goethe-Artemis-Gedenkausgabe ( dtv-Dünndruck, 1977 ) gegen Ihre 12-bändige Anthony Powell Ausgabe.
    .
    Kontaktaufnahme über pascha50 ät icloud dot com

    • Ganz schlecht!
      Habe bereits die DTV „Hamburger Ausgabe“ im Schuber (… und da steckt sie schon ziemlich lange).

    • Anthony Powell
      @pascha 50

      Die 12-bändige Ausgabe gibt’s gerade im Elfenbein Verlag und dtv.
      Mal auf Amazon und anderswo nachschaun.
      Gruß
      E.G.

  159. Noch ein Buch
    Ich habe lange genug gewartet, jetzt komme ich lieber selbst damit: Leonhard Horowski, Das Europa der Könige, 2017 – kleinteilig berichtet, wie es wirklich war, und warum. Ich habe geschluchzt vor Begeisterung. Sonst etwa niemand?

  160. Realität
    Ist ja gut und schön. Lesen macht sicherlich Freude. Aber ich verweise hier auf ein gravierendes Folgeproblem: Die Regale füllen sich wie von Zauberhand, schneller, als einem lieb ist, irgendwann ist jedes freie Plätzchen vollgestellt, die Wohnung nur noch über schmale Pfade zu erschließen… Diese Gefahr wird solange nicht ernst genommen, bis ein kollabierendes Buchregal allem ein Ende setzt.

    • Oder bis man dann doch mal renovieren muss.
      Wenn man das Zimmer dann leergeräumt hat und staunt, dass nun die komplette Wohnung mit Büchern belegt ist. Hat man sich dann erstmal in Rage gearbeitet, gelingt auch das großzügige Ausmisten.

  161. Wie machten es andere Kulturen
    (vor ihrem Untergang, lasse ich jetzt weg)

    Die arabische z.B.

    Da soll es ja doch das eine oder andere
    gegeben haben was ggf heute für manche
    Leser wieder eine no go Area ist.

    1000 und eine Nacht kenne ich Zu wenig,
    da wurde ja viel erzählt, ggf auch um
    den Zuhörer auf Abstand zuhalten.

    Das bringt mich auf den Gedanken
    ob die islamische Kultur erst nach ihrer
    eigenen me to Erfahrung auf Distanz ging.

    Ich habe gehört das manche Männer in der
    Türkei Frauen nicht die Hand geben.

    ggf ist das ja die Folge einer füheren Me2 Bewegung
    die auch dafür sorgte das man die erotischen
    Romane eher heimlich las. Oder so.
    Und was war zu erst da, dort damals.

    Könnten Sie, lieber Don, als Kunsthistoriker,
    mir da weiterhelfen. Also wie war das bei den
    Kollegen im arabischen Raum bevor
    man anfing es zu übertreiben mit
    dem Rückwärtsgang.

    Chinesen, Griechen, Inder, Karthager und andere
    wären auch von Interesse,
    aber aktuell nicht ganz so.

    • Vorwärts im Rückwärtsgang
      @Klaus Keller

      Wenn ich mal kurz aushelfen darf was den arabischen Raum betrifft.

      Der Rückwärtsgang wurde um 600 (nach Chr.) eingelegt als der Prophet gerade dabei war, die göttlichen Offenbarungen zu empfangen. Die genaue Uhrzeit kann man im nachhinein nicht mehr angeben. Viele andere Dinge eigentlich auch nicht, aber das ist ein anderes Feld. Die Schiiten sehen das mit der göttlichen Offenbarung auch etwas anders. Für sie ist der Koran von Menschen gemacht. Das ist EINER der Gründe, warum wir heute im MO derartige Probleme haben.

      Vor dem Auftritt des Propheten war eine großer Teil der alten griechischen Werke ins Arabische übersetzt worden, sonst hätten wir heute kaum Kenntnis von ihnen, weil viele Originale im Laufe der Zeit verloren gingen. Der wissenschaftliche Kenntnisstand war in der damaligen persischen/arabischen Welt also sehr hoch. Bis der Prophet die Einflüsterungen des Erzengels Gabriel erhielt. Wenn Sie nun stutzig werden und sich fragen, wie kann und warum hat der Erzengel Gabriel, der eigentlich doch ein Geschöpf des christlichen Gottes ist/war, also warum flüstert dieser Erzengel einem arabischen Kaufmann eine ganz andere Geschichte ins Ohr, die später für viele Probleme im In- und Ausland verantwortlich ist, das wüßte die katholische Kirche auch gerne. Anscheinend ist der Draht des Vatikans noch oben doch nicht so gut.

      Der arabische Kulturkreis hat eine ganze erstaunliche Vielfalt an Literatur hervorgebracht. Meist Ritterromane, Liebesgeschichten, Wein- und Trinklieder, erotische Literatur – keine/kaum politische Literatur, wegen des eingelegten Rückwärtsgangs. Vieles davon ist auf Deutsch erhältlich. Wenn Sie z.B. mal im Programm des schweizer Unionsverlags stöbern, finden Sie eine beachtliche Auswahl. Wenn Sie es genauer wissen wollen, was die arabische Literatur bis in die erste Hälfte des vergangenen Jhs. betrifft, ist Carl Brockelmann, Geschichte der arabischen Literatur, erste Wahl. Daran können Sie erkennen, welch hohen internationalen Stand die deutsche Orientalistik einst hatte, bevor die Nazis kamen.

      1001 Nacht gibt es in einer guten Übersetzung von Rudi Paret (6 Bde.), von Gustav Weil (2 Bde.), beide etwas älter, aber top. Sonst die Neuübersetzungen von Claudia Ott.

      „ob die islamische Kultur erst nach ihrer eigenen me to Erfahrung…“

      Die islamische „metoo-Erfahrung“ ist so alt wie der Islam, man kann auch sagen, identisch, deckungsgleich. Das liegt an unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich Gleichberechtigung. Man darf nicht vergessen, Menschenrechte, Gleichstellung der Geschlechter, der Toleranzbegriff, Demokratie, Pussyter.., sorry das ist hier reingerutscht, das sind alles europäische Erfindungen, die es umgekehrt noch nicht bis in den arabischen Raum geschafft haben. Leider legen viele „moderne“ Fem-Emanzen die Bedeutung des Kopftuchs (Hejab) in der islamischen Gesellschaft völlig falsch aus. Sie denken, das sei sowas wie ein Persönlichkeitsrecht der Frau. Haben die eine Ahnung.

      „Ich habe gehört das manche Männer in der Türkei Frauen nicht die Hand geben…“

      Nun, nicht nur in der Türkei. Eigentlich in vielen islamischen Ländern. Das liegt an der unterschiedlichen Auffassung von Gleichberechtigung. Hier wurde nicht nur kein Rückwärtsgang eingelegt, hier ist man gar nicht erst losgefahren. Fragen Sie jetzt bitte nicht, warum weibliche PolitikerInnen in Europa, bei Besuchen im Orient, solche Themen nie ansprechen.

      „Also wie war das bei den Kollegen im arabischen Raum bevor man anfing es zu übertreiben…“

      Nun, der Orientale neigt zur Übertreibung, wußte schon Karl May. Bitte dort weiter recherchieren. Ergebenst, Ihr E.G.

    • An E. Gast
      Danke für die Hinweise.

      Lässt sich sagen welchen Anteil die Frauen selbst
      hatten, im Sinne strengerer Regeln?
      (Selbstschutz und Freiheit sind ggf immer Rivalen)

      Der Prophet war nach meiner Kenntnis mit
      einer selbstbewussten Frau verheiratet.
      Händlerin von Beruf. Die musste man kaum schützen
      könnte man meinen.

      Kurzer Ausflug in die jüngere deutsche Geschichte.
      Die Gastarbeiter aus der Türkei lebten
      hier ziemlich frei und besuchten gerne Kneipen,
      Spielsalons und Rotlichtviertel.

      Das endete u.a. als die Frauen nachzogen
      und ein großes Interesse daran hatten das
      die Männer am Freitag in die Moschee gingen.

      Man könnte noch eine Klammer mit Mohameds
      jüngster Ehefrau aufmachen, die er heiratete als sie 9
      war (ggf eher Haushaltshilfe oder es ging um die Versorgung)
      die schuldlos in Misskredit geriet. Das Ergebnis könnte
      sein das man auch aus eigenem (weiblichem)
      Interesse die Regeln verschärft sehen wollte.

      Religion zur Disziplinierung ist ja nichts neues.
      Ich habe aber oft den Eindruck das man so
      tut als komme das Interesse daran immer
      nur von einer Seite.

      PS
      Da fällt mir ein:
      War die Meto Bewegung im Westen „nötig“* weil
      die Kirchen, besonders die katholische,
      zu lasch geworden ist?

      * Ich bin für Ohrfeigen und individuelles
      Urteil durch Gerichte wenn nötig.

    • @Klaus Keller
      Es gab einen Sänger, sehr berühmt, Ziryab, der ging von Bagdad nach Cordoba. Es war alles ein bisschen schwierig, weil es ja zu der Zeit auch noch die Westgoten gab, die ihre Töchter recht gern an muslimische Herrscher verheirateten, was gemeinhin eine doch heftige mishmishiyya hervorbrachte.

      Unter Kalif Abderramán II. (792-852) revolutionierte Ziryab das höfische Zeremoniell und er wurde der „arbiter elegantiarum“ des Kalifen. Man sollte sich das besser nicht wie Petronius vorstellen.

      Sagen wir es einmal so: Es ist fatal, was da verlustig gegangen ist. Andererseits kennte ich gern die Anzahl derer, die sich beschweren, aber Phryne- und Chloe-Gedichte aus dem 17. Jahrhundert schon einmal gelesen haben, Gryphius oder so. Nicht fair? Aber dann sollte man sich nicht beschweren.

      Okay, lesen Sie die Erzählungen von Washington Irving über die Alhambra, die sind sehr nett.

    • An Cleofide: Es ist fatal, was da verlustig gegangen ist.
      Die Frage ist u.a. warum es uns verlustig gegangen ist.
      Don beschreibt hier ja einen Teilaspekt der ggf als
      Indikator gelesen werden kann.

      (ggf auch nur eine Variante der Mustererkennung,
      das hatten wir doch schon mal. Immer nur
      an 1933 erinnern ist mir zu langweilig)

      Eine andere wäre die nach den treibenden Kräften dahinter
      auf beiden Seiten.
      (Frauen aus Frankreich argumentieren gegen Me2 in den USA)

      Wichtig ist ggf auch das man bestimmte Gruppen
      und Kulturkreise nicht auf bestimmte Details reduzieren sollte.

      Es ist auch schön wenn man argumentieren kann:
      Bei „euch“ war die Sache mit der Erotik auch schon mal anders.
      Warum gab es eine Massive Gegenbewegung und warum
      ist die aus dem Ruder gelaufen.

      Wer weis? ggf gibt es zB im Iran heute eine
      starke Bewegung im Untergrund die später
      die Betonköpfe wegspült.

      Youthbulge mit offenem Haar und starkem drang
      zur Freiheit, auch der sexuellen.
      (Zu uns kommen leider zu viele unerfreuliche
      männlich Exemplare dieser Gruppe)

      PS
      Dons Texte wirken in meinem Hirn manchmal wie
      Kugeln im Flipperautomat. Mir ist dann oft nicht klar
      aus welcher Ecke ein Einfall kommt und was daraus wird.

      Das ist hier schon eine schöne Spielwiese.

    • An Klaus Keller
      Ich war gestern etwas abgelenkt und nicht stringent. Aber es war 13. Februar, um Viertel vor zehn läuten die Glocken und aus familiären Gründen mache ich dann das Fenster auf und denke die Viertelstunde voller Läuten an das, was ich zum Glück nicht erleben musste.

      Man soll dann nicht schreiben, mea culpa. Mir ging es darum, dass nicht bei uns soviel Wissen über die frühe arabische Literatur verschütt gegangen ist, das doch nie wirklich da war, sondern dort – 1001 Nächte kamen ja nicht aus dem Nichts. Ich meine, wer liest hier den Tristan von Gottfried von Straßburg. Aber man kann ihn kaufen. Die erotische Literatur am Hof von Cordoba ist da eher ein sachtes Nachwehen, Männer mit weißen Käppchen wollen davon nichts wissen und das wird dann auch nicht verlegt.

      Wie E.Gast schon geschrieben hatte, gab es die witzigsten Sachen. Als Gegendarstellung zum Gemetzel aus „König der Himmel“ sind die „Die Kreuzfahrer aus der Sicht des syrischen Ritters Usāma Ibn Munqiḏ“ empfehlenswert.

      Wen ich sehr mag, ist der Marokkaner Driss Chraïbi, Jahrgang so um die 1930er. Eines seiner Bücher hat seine analphabetische Mutter zum Gegenstand und die Geschichte ihres Lesenlernens (Die Zivilisation, Mutter!). Es ist traurig, aber auch hinreißend komisch.

      Diese Frauen haben sich mit Mühsal aus ihrer verordneten Zweitrangigkeit herausgearbeitet, oft mit List und Trug und nicht ungefährlich, bei Scheidung sind die Kinder fort und auch der Unterhalt. Aber das war jetzt nicht das Thema.

  162. facts of life
    Suhrkamp 666

    Alles andere ist für Mädchen.

  163. Titel eingeben
    Liebe Mitforisten,
    hier ein Ausschnitt meiner subjektiven Bücherliste.
    Ich bin so frei:
    Als erstes drei Autorinnen
    1.Petra Morsbach
    leider viel zu wenig bekannt,breites Spektrum,
    2.Anna Katharina Hahn:
    Kürzere Tage, ihr erstes und bestes
    3.Margriet de Moor
    nicht alles leicht zu lesen,dennoch empfehlenswert
    4.Dieter Forte
    Das Haus auf meinen Schultern
    Ich habe es drei oder viermal gelesen und werde es sicher noch ein
    paarmal lesen in diesem Leben.Für mich ein „Jahrhundertbuch“.
    5.Friedrich Torberg
    Die Tante Jolisch, Die Erben der Tante Jolisch-wunderbar!
    6.Jurek Becker
    Der Boxer Ein Buch ohne Larmoyanz geschrieben aber von einer
    großen Tragik.
    7.Jochen Missfeld
    DerAutor hat eine Biographie über Theodor Storm geschrieben.
    Mit dem hätte ich auch nicht verheiratet sein mögen.
    Seine Novellen lese ich aber sehr gern.

    8.Wenn man nicht schlafen kann, warum auch immer,empfehle ich etwas
    Schwieriges z.B.
    HH Dubben und HP Beck-Bornhold,zwei Physiker
    Der Hund,der Eier legt,oder Logisches Denken und Zufall und anderes
    von ihnen.

    So,ich hoffe ich habe niemanden gelangweilt?!

    In 2018 werden ganz sicher mehr Bücher verkauft.
    Der Buchhandel darf sich freuen.

  164. Titel eingeben
    Hab den Namen vergessen.

  165. "Diäten sind völlig sinnlos"
    schreibt die FAZ. Aber ob das unsere Parlamentarierinnen zur Einsicht bringt?

  166. Titel eingeben
    Wenn Ihnen die Auswüchse im Verlagswesen zuwider sind, sollten Sie sich erst gar nicht mit der Filmbranche beschäftigen, das eine ist wenigstens halwegs freier Markt, das andere, schon an den Filmhochschulen beginnend,wird dazu noch staatlich finanziert zugemüllt und indoktriniert.

  167. Für den Kindle:
    https://ebooksfreeus.info/subject/literature/
    Darin:
    The Most Popular Authors

    Daniel Defoe
    G. K. Chesterton
    T. H. White
    Henrik Ibsen
    Walter Scott
    Nora Roberts
    Arthur, T. S.
    H. Rider Haggard
    G. A. Henty
    P. G. Wodehouse
    E. Nesbit
    Charles Dickens
    John Steinbeck
    Henry James, Jr.
    Andrew Lang
    Jean Little
    Robert William Chambers
    Sue Grafton
    Aristotle
    George Eliot
    Johann Wolfgang Von Goethe
    William Morris

    Oder weitergoogeln. Online warten jede Menge kostenlose englischsprachige MOBI-Files mit Klassikern.
    So gelangte ich an „Grapes Of Wrath“ von John Steinbeck, „Chita“ von Lafcadio Hearn (ein wertvoller Geheimtip), „The Master And Margarita“ von Michail Bulgakow und einige andere Kostbarkeiten.

    • E-Book Leser
      bin auch ich.
      1500 Bücher in der Manteltasche. Im Regal stehen Kunstbände.

    • Bulgakow
      Ich weiß nicht, wie er sich englisch liest, deutsch aber die Übersetzung von Thomas Reschke wählen. Unbedingt auch seine Kurzprosa, Das Leben des Herrn Molière, Die verhängnisvollen Eier, Die Teufeliade.

      Und die Aufzeichnungen eines jungen Arztes. Oben schrieb jemand, die Russen seien ihm zu blumig. Der hier nicht.

    • Bulgakow
      Danke für diese Empfehlung!

    • Titel eingeben
      Es grüsst Prof Volland…..

    • Seien Sie auch gegrüßt, Messere.
      (Du lieber Himmel, das musste jetzt sein, und dann auch noch knapp vor dem Frühlingsvollmond…)

  168. Eine gute Vorlage
    Dachte als ich die Waldszene in der „Halbzeit“ von Walser las: „ …leicht ausführlicher wäre es vielleicht ein gutes Drehbuch für einen Pornofilm, wer braucht denn sowas?“

  169. Mitten im Leben
    Es gibt einen Autor, von dem ich hoffte, jemand nennt ihn. Da es nicht geschieht, komme ich mit ihm.
    Er schrieb Kurzgeschichten. Und jede seiner Geschichten sind von psychologischer Tiefe und mehr an Spannung und Geschehen, als es so mancher dicke Laberwaelzer in sich traegt. Meinem Geschmack nach kommt er noch vor Hemingway. Kurze Saetze, treffsicher, raumfuellend.

    Es gibt Sammelbaende des Autors. Einen nenne ich
    „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“.
    Ambroce Bierce.

    Ein Autor der aus den Zeiten des US-Buergerkrieges schrieb.
    Es koennte sein dass er doch noch auf den Index kommt. Wegen unkorrekter politischer Ansichten. Bei ihm kommen, Vorsicht, die Suedstaaten vor.

    Einige moegen ihn kennen seines „Woerterbuch des Teufels“ wegen, Geschreibsel, schnell hingeworfen.

    Ueber den Tod des Autors ist nichts bekannt. Er „verschwand“ spurlos im Wirbel der mexikanischen Revolution.

  170. Bücher + Verlage
    Besten Dank Don und allen anderen Foristen für die anregende Lektüre zum Thema „Meine Lieblingsbücher“. Hier wächst ein Kanon heran an Lesenswertem.

    Leider haben die Verlage auf das falsche Pferd gesetzt, als sie auf die „Schnapsidee“ kamen, das gedruckte Werbematerial wie Prospekte und Gesamtverzeichnisse abzuschaffen. Die Buchhändler – nicht die Büchersupermärkte – beklagen ständig, dass sie ihren Kunden nichts mehr an die Hand mitgeben können. Prospekte konnte man überall lesen und wer hat schon Lust, auf Webseiten herumzuscrollen? Und nun beklagen sie sich, dass Onlinehändler ihnen das Geschäft kaputt machen.
    Selbst der Wagenbach Verlag, den der Don freundlicherweise erwähnt,
    hat dieses Jahr die Zwiebel aus Kostengründen (?) eingestellt.

    Einige Lektüreempfehlungen:

    Für Frankreich:
    Jules Michelet. Geschichte der Französischen Revolution
    und sein wunderbaren Buch „Die Hexe“.

    Robert Merle. Wochenende in Zuidcoote.
    Die Deutschen im 2. WK in Frankreich.
    Genial verfilmt mit dem jungen J.-P. Belmondo. Nur noch 3 Ausgaben antiquarisch erhältlich.

    Ali Dashti. 23 Jahre (Bist-o se sal)
    Über den Propheten der Religion des Friedens. Ein Wunder, dass dieses Buch im Reich der Freiheit nicht konfisziert wurde.

    Aus Iran.
    Mahmud Doulatabadi. Kelidar/Die Reise/Der leere Platz von Ssolutsch

    Vom großen Orientalisten Bernard Lewis. Die Assassinen.
    Die Vorläufer und Vorbilder heutiger Islamisten.

    Robert von Ranke-Graves. Ich Claudius, Kaiser und Gott.
    Im engl. Original in 2 Bänden. Wie Politik im alten Rom funktionierte und heute immer noch.

    Marguerite Yourcenar. Der Fangschuss.
    Und alle anderen Bücher von ihr.

    Navid Kermani. Weil er hier oben schon mal erwähnt wurde, völlig überschätzt, geschwätzig, angelesenes Wissen fleißig verbreitend und ein Blender vor dem Herrn, auch wenn einige vorlaute JournalistInnen ihn schon als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten sahen.
    Mal unter den Stichworten Bernd Radtke und Navid Kermani googlen.
    Da steckt eine Menge Pulver drin.

    • ... Kermani ..
      … ist halt der Erlösungsmigrant, den der deutschenhassende Kulturbetrieb mit Preisen überhäuft , seine Endlosschleife ist die „Hochkultur“, alles was uns die „Hochkultur“ zu sagen hat, Reisen in Länder mit „Hochkultur“ rund um die Erde, halt immer mit dem Subtext: Schön, dass es die „Hochkultur“ gibt und gäbe es noch mehr „Hochkultur“ und weniger Nazinachfahren und speziell alte weisse Männer wäre die Welt so wunderbar …

      Man kann sich den Scherz machen und in K.-Texten die „Hochkultur“ beim Lesen innerlich durch Katholizismus ersetzen, oder einfach zu den frömmelnden Broschüren greifen, die ab- und zu in Kirchen herumliegen (die kleine Theresa, der lustige Franz von Sales usw.)…

    • @Sirisee
      Seien Sie bitte mit dem deutschen Kulturbetrieb etwas
      nachsichtiger. Von der weltweiten Nachfrage nach „made in
      Germany“ konnte er noch nie profitieren.

      Neid macht hässlich.

  171. Titel eingeben
    wenn man nicht mehr aufhören kann zu lesen sind alle Bücher gut . Dazu gehört für mich alles von Marc Elsberg aber auch ( man entschuldige das bitte hier ) so etwas wie Hurra wir leben noch . Hätte in manchen meiner Lebenssituationen gerne eine Hasenpfote in meiner Tasche gehabt 😉. Und wenn dann noch über Musikgeschmack gesprochen wird ganz klar : Malia und Boris Blank . Die Jungens von Yellow können gute Arangements

  172. Malaparte
    Empfehle Curzio Malaparte, Kaputt und gerade erstanden und im Fluge gelesen: Technik des Staatsstreichs. Unbedingt empfehlenswert.

  173. Test auf Meinungsfreiheit in FAZ
    Screenshots von FAZ Mitarbeiterin….langsam fliegt alles nach links und Rechts auseinander…

    https://twitter.com/Michael_Leh/status/963007258086043648

    • Es ist viel ökonomischer
      einfach Etiketten (Rassist, Nazi, …) zu vergeben und sich aufwändiges Denken und Argumentieren zu ersparen.

      Es ist allerdings auch sehr anstrengend, diese Personen wieder in Richtung einer politischen Diskussion zu bewegen, die nicht allein mit Argumenten aus Religion oder Hypermoral betrieben wird. Da muss einem das Gegenüber schon ziemlich viel wert sein.

    • Andrea Diener hat früher humorvolle Texte auf faz.net veröffentlicht.
      [edit]

    • Klare Ansage: Es wird hier keine Debatten um Kollegen geben. Erst recht nicht mit Beleidigungen. Ich hoffe, ich muss das nicht wiederholen.

    • Frau Diener
      @goodnight ich bin in diesem thread auf twtr auch drin, deshalb melde ich mich. Don Alphonso hat klar gemacht, dass ihm die Lauerei (auflauern) auf Ausrutscher und Mausrutscher mehr stoert, als die ausgerutschte Meinung selbst.

      FAZ ist Weite und Breite. Ich war immer bereit, linke, kommunistische Schreiber mit guten Texten in der FAZ zu lesen und im Gegenzug einen Boris Jelzin oder Joseph Ratzinger im vollen Text lesen zu koennen. Jasper v Altenbockum bis Patrick Bahners.
      Heike Goebel und Heike Schmoll gleichen ein ganzes 5 vor 8 Project mit einem Artikel aus.

      Wir Leser hier erinnern die Reisebegleiterin Diener. Frau Diener kann etwas. In aufwuehlenden Zeiten hat sie andere, sehr eigene Meinungen entwickelt. Herr Koch wird es aushalten.
      Sollte die FAZ wirklich nach links und rechts auseinander fliessen?

      Fein. Solange Nachricht und Meinung unterscheidbar bleiben und eine Balance erkennbar.

    • Die Angelegenheit [editiert]
      Wenn ich sage „es reicht jetzt“, dann reicht es hier jetzt. Ich bin durchaus höflich, und wenn Sie das unbedingt machen wollen, machen Sie es. Aber nicht hier. Ist das klar?

    • Nach Paris, mich juckt die Säbelspitze
      Was zu sagen gemeint wäre:

      Dieser Konflikt, der dieses Land wie ein Pflug zerteilt, wird nicht vor Parteien, Organisationen oder Lebensgemeinschaften halt machen.

      Dieser Konflikt wird alle bestehenden Differenzen unter dem aufgewühlten Dreck begraben, am Ende wird es nur eine Differenz geben, ein Links und ein Rechts.

      So sehr wir davor warnen, darüber klagen, uns vor Furcht verkriechen, so wissen wir doch, alle, das wir danach drängen, nach der einen klaren Unterscheidungen, die das Chaos beendet und eine Richtung gibt, wohin auch immer

      Die Konflikt kommt nicht von außen.
      Er kommt aus uns.

      Wir treiben ihn voran, mit jedem Wort, das wir in die Tasten hauen.

      Später werden sie fragen:
      Warum nur, warum, wie konnte das nur passieren?

      Keiner wird antworten:
      Wir wollten es, so wie unsere Großväter 1914 und 1933.

  174. metoo mit Bob !
    wen ich hier schmerzlich vermisse ist der grosse Nobelpreisträger Bob Dylan, kann er doch in vielen Liedern und Texten zur aktuellen metoo-Diskussion beitragen, so drängt es bei den Travelling Willburys einfach aus ihm heraus:

    Dirty World………

    He loves your sexy body, he loves your dirty mind
    He loves when you hold him and GRAB HIM FROM BEHIND……….

    If you need your oil changed, I´ll do it for you free.

    er soll ja im Sommer wieder mal nach Deutschland kommen, auch nach Ulm und um Ulm rum………..dann besucht er noch die Russen in Baden-Baden und singt eine Ode an Clara Schumann und Johannes Brahms !

    wie schon vor eineinhalb Jahren werde ich mit ihm nach Konstanz fahren und er wird am Haupteingang des LAGO wieder unerkannt spielen. nur ein paar Geübte werden ihn am schlechten Mundharmonika-Spiel erkennen !

  175. Die kleine Buchhandlung
    als konspiratives Refugium. Danke an den Herrn Don für die lobende Erwähnung! Nur wir als Leser können der Buchhandlung (und den Autoren und Verlagen) beim Überleben helfen. Vor allem in der umsatzschwachen Zeit zwischen Weihnachten und Ostern. Apropos „Bücherstapel neben dem Sofa“: In meiner Lieblingsbuchhandlung steht ein Sofa aus gestapelten Büchern. Für manche Bücher sicher die beste Verwendung.

    Mir ist der Zugang zur neueren deutschen Literatur im Übrigen und Allgemeinen ebenso erschwert. Vor allem, weil sie sich selber bei häufig zu geringem Sprachvermögen zumindest für mich zu sehr verkopft. Lebende Ausnahme: Reiner Kuntze. Und die Mannen um Robert Gernhardt. Aber Gernhardt wird ja auch allgemein nicht so richtig als große Kunst anerkannt – wie Lyrik, noch dazu welche mit einem Funken Humor, sowieso. Seit Harry Rowohlt mit seinen Lesungen und Übersetzungen (oder besser: Nachdichtungen) diesem Genre nicht mehr dienen kann, sieht es da noch düstrer aus. Was Rowohlt übersetzt oder gelesen hat, kann eigentlich garnicht schlecht sein.

    Aus Frust über die eigenen Missgriffe und auch das sicher eigene mangelnde Verständnis bei der neueren Prosa bin ich schon länger eher bei der Lyrik hängengeblieben.

    Ein frühes Beispiel für die Zensur der Autoren durch’s selbsterhöhte (westdeutsche) Föhjetong inklusive verbandelter Kulturstaatsbetriebe ist übrigens Peter Hacks, der wegen seiner – allerdings stilistisch begründeten – Kritik an Biermann schon Ende der siebziger Jahre rundum boykottiert wurde: Das funktioniert also schon ziemlich lange und den eigentlich zeitlosen Autor kennt deshalb heute – nicht mal 40 Jahre später – kaum jemand mehr. Obwohl er kurz vorher noch einer der meistgespielten und vom Publikum akzeptierten zeitgenössischen deutschsprachigen Dramatiker war. Nur falls jemand auf den Gedanken kommt, dass das alles erst jetzt und nur durchs Internet kommen würde. Das hat in allen deutschen Gesellschaften der letzten achtzig Jahre gut geklappt. Es war vielleicht nur nicht immer so offensichtlich.

    @tico: Die Technik des „Zitierens“ hat Biermann bereits seit einem halben Jahrhundert geübt – und hat dafür von sachkundigen Zuhörern immer gute Noten bekommen. Diese Zeugnisse wurden nur nicht so häufig publiziert wie sich Biermann selbst plakatierte. Bei Biermann wendet sich der Stacheligel jedenfalls mit Grausen.

    Ach ja: Schönen Dank für die vielen Anregungen hier. Vielleicht schafft man ja das eine oder andere.

    Wenn ich neben Peter Hacks noch einen anderen mag, der ebenso zu Unrecht schon fast im Dunst des Vergessens gelandet ist, dann Ehm Welk. Nein, nicht nur die Heiden oder die Gerechten von Kummerow, sondern vor allem der Gottlieb Grambauer.

    • Peter Hacks, ein Gunter Sachs der Literatur ...
      Er begrüßte 1976 in seinem wohl perfidesten Artikel die Ausbürgerung des „Konterrevolutionärs“ Wolf Biermann, der im Bett des ihm Unterkunft gewährenden Heinrich Böll hoffentlich nicht auf „Solschenizyns Läuse“ gestoßen sei. Einfach nur widerlich, SCNR.

    • @Externet
      Daß man sich auch in tiefer persönlicher Abneigung (bei bekannter Vorgeschichte) nicht zu solchen derben öffentlichen Äußerungen hinreißen lassen soll – darin stimme ich Ihnen natürlich zu.

      Aber sonst? Wenn der Rest dessen, was Hacks an eigentlicher Substanz in Dramatik, Kinderliteratur, Essays und Lyrik alles hervorgebracht hat, gegen die Äußerung in der Weltbühne aufgewogen werden soll, verstehe ich den Generalboykott immer noch nicht. Für den Konsumenten bleibt ein herber Substanzverlust zumindest im Theater.

      Hacks als Gunter Sachs der Literatur zu bezeichnen, kann ich schon wegen seines sehr umfangreichen Werkes und der fundierten Basis seiner Essays nicht nachvollziehen. Und perfide? Treulos oder wortbrüchig? Ich denke, das ist eher ihm selber mehrfach widerfahren.

      Sicher war er eitel. Aber den Neid auf sein Können hat er sich erarbeitet. Mir fehlen in der gegenwärtigen Landschaft sowohl seine Ästhetik der Sprache als auch die von ihm angegangenen Themen.

  176. Wie wahr!
    Bude: „Es gab tatsächlich den Glauben, dass Bücher existieren, in denen die wahre Wahrheit steht. Eine Wahrheit meiner selbst, eine Wahrheit der Welt. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Solch umfassende Bedeutung der Schrift hat es nach 1968 nicht noch mal gegeben.“

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/heinz-bude-ueber-adorno-metoo-und-was-von-68-bleibt-a-1187437.html

  177. Ich bin immer wieder überrascht
    wie viele hier von dieser ehrenwerten Gemeinde zugeben,
    Perry Rhodan zu lesen.
    Mit dem werten Herrn Haupts habe ich mich in früheren Blogs
    schon darüber ausgetauscht.
    In meinem Bekannten- und Freundeskreis gab es zwei Herren,
    aber nie nie auch nur eine Frau, die die Serie kannte.
    .
    Herr Marx, ich lese hier zur Zeit nur mit,
    ich mag Ihren Humor wie meistens Ihre Ansichten.
    Wenn Sie bis Band 500 gekommen sind, kennen Sie natürlich
    die Meister der Insel.
    Habe ich als Teen gelesen.
    Fand ich damals faszinierend.
    Als Twen dann den Steppenwolf und die verlorene Zeit
    und später dann alle erotischen Romane mit Anspruch,
    die ich kriegen konnte.
    (Donna Laura kichern Sie nicht)
    .
    Da hier alle eine Empfehlung abgeben, Cloudatlas.
    Und Rausch. Von John Griesemer.
    Habe ich von der Elke im Fernseher.
    Ist aber länger her.
    Danach kam nix mehr Gutes.
    .
    An alle, die mich kennen:
    Bin zur Zeit familiär in Krankenhäusern und Pflegeheimen unterwegs.
    Schreibe vielleicht demnächst mal wieder.
    .
    Grüße an die alte Truppe.
    .
    Wenn das jetzt zweimal da ist, dann ist das die Schuld
    dieses elenden F.A.Z. kes, der sich Programmierer nennt.

    • tempi p
      guten Morgen @Mediensegler
      ohne Überblick zu haben, behaupte ich, die Zeit der eskapistischen Literatur kann wiederkommen. In den Neunzigerm, Nullern und Zehnern dürften Karl May und Perry Rhodan kaum Freunde gefunden haben. zU eindimensional.

      Mir ging es nicht gut genug, düstere skandinavisches Romane zu lesen. Vielen schon.

      Ich hoffe es geht uns weiterhin so gut, daß wenige Mitbürger zu Perry Rhodan und Old Shatterhand greifen. ich fürchte nur, es könnte anders sein.

    • Mein Opa Jahrgang 03
      Hatte Perry Rhodan ab der Nummer 1 jede Woche gekauft bis zu seinem Tod Ende der 80er. Kleine Fluchten. Er hatte wie alle seine Altersgenossen viel mitgemacht in seinem Leben.

  178. Meinen herzlichen Dank an Don Alphonso,
    ich lese meistens nachts Ihre Blogs
    und fühle mich im Kreis der meisten Kommentatoren hier
    sehr wohl in diesen üblen Zeiten.
    Es gibt mir Hoffnung, daß Deutschland nicht komplett verblödet.
    .
    Upps, da ist mir mal wieder ein Eszett passiert.
    .

    • daß Sie das daß
      richtig verwendet haben,
      das freut mich!
      nicht, daß ich nichts
      anderes zu tun hätte,
      als das zu loben!

  179. Lieblingslektüre
    Nachdem ich seit längerem hier mitlese nun ein Kommentar betreffend Lieblingslektüre der letzten Zeit:

    – Robert Merle – Malevil, exotisch spannend
    – Edgar Hilsenrath – Der Nazi & Der Friseur, eine Zumutung
    – Luis Begley – Lügen in Zeiten des Krieges, eine Kindheit
    – Theodor Fontane – Unwiederbringlich, herzzerreissend
    – Stefan Zweig – Joseph Fouche, le mitrailleur de Lyon
    – Colum McCann – Zoli, eine starke Frau
    – Jon Krakauer – In eisige Hoehen, wozu der Mensch fähig ist
    – Perdro Juan Gutiérrez – Der König von Havanna, ungeschminkt radikal
    – Wassili Grossman – Leben und Schicksal, ein Kriegspanorama

    so, genug ich muß ins Bett.
    Das Meiste davon habe ich gehört, im Auto. Nur Hörbücher machen Pendeln erträglich.

    Gute Nacht, AM

  180. Abenteuerliteratur
    scheint mir hier bisher etwas zu kurz gekommen zu sein. Daher zwei Empfehlungen, die ich anderenorts mal im „perfect57a-Telegrammstil“ abgegeben hatte:

    Alfred Lansing, „635 Tage im Eis“

    Im Grunde „nur“ eine Chronik des so grandios gescheiterten Versuchs Ernest Shakletons und seiner 27 Männer, die Antarktis zu durchqueren. Doch der amerikanische Militärhistoriker Lansing beschreibt dieses Unterfangen so packend, wie es wohl nicht einmal Shakleton selbst in seinen Vorträgen und Schriften vermochte (zumal Shakleton selbst viele der Informationen, die Lansing zusammengetragen hat, noch gar nicht zur Verfügung standen).

    Es ist zutiefst bewundernswert, wie diese 28 Männer mit aus heutiger Sicht geradezu erbärmlichen Mitteln fast 2 Jahre lang im Eis überlebt haben und dabei einen großen Teil dieser Zeit zu Fuß durch die Antarktis geirrt sind.

    Und nicht nur bewundernswert, sondern überdies menschlich zutiefst anrührend ist es, wie Shakleton tagein tagaus um das Überleben jedes einzelnen seiner Männer gekämpft hat und diesen Kampf schließlich in einer seemännischen und alpinistischen Meisterleistung in einem „Ausbruch“ aus der Antarktis gemeinsam mit zwei ausgewählten Besatzungsmitgliedern…

    Doch lest selbst! Die Beschreibung dieser „Höllen- und Heldenfahrt“ (Die ZEIT) ist für jeden Mann, in dem sich ein Junge versteckt, Abenteuerliteratur vom allerfeinsten. Die letzten Kapitel im Leben dieser Männer könnte man für zu Herzen gehendes Hollywood halten. Indes – sie sind wahr.

    Shkakleton markiert wohl das Ende der Jahrhunderte währenden Tradition großer englischer Entdecker. Angesichts des Leids und der Opfer, die diese Expeditionen forderten, übersieht man schnell, daß diese Tragik auch eine sehr komische Note hatte. Und zwar nicht nur was die typische englische Skurrilität anbelangt („Dr. Livingstone I presume“), sondern vielmehr in ihrem großen und ganzen. Man denke nur an die Expeditionen von Franklin und die Versuche, ihn zu retten.
    Wer also nach der Lektüre von Shakleton auch mal wieder lachen will, dem empfehle ich

    „Barrow´s Boys“ von Fergus Fleming.

    Ich zitiere hier einfach mal aus einer Rezension der FAZ und aus dem Klappentext, soweit ich es für zutreffend halte:
    „1816 startete John Barrow, Zweiter Sekretär der Englischen Admiralität, ein Entdeckungsprogramm, das bis heute nur vergleichbar ist mit dem der ersten Mondlandung…
    Von seinem Stehpult aus dirigierte er seine Männer an die Enden der kartierten Welt; unter ihnen auch John Franklin, der sich auf der Suche nach der Nord-West-Passage verirrt und am Ende seine Stiefel ißt. Eine Expedition nach der anderen endet im Desaster: Barrows Boys erfrieren, ertrinken, sterben an Skorbut, Schwarz- oder Gelbfieber, werden von Eingeborenen ermordert oder essen sich vor Hunger gegenseitig auf.
    Noch nie hat ein einzelner Beamter so viel Energie und Geld investiert – und absolut nichts erreicht!
    …mit manchmal makabren, sehr britischem Humor erzählt.“

    Zum Glück – weniger für die Expeditionsteilnehmer als mehr für die Nachwelt – wirkte John Barrow ein halbes Jahrhundert.
    Auch so läßt sich also das britische Entdeckertum im viktorianischen Zeitalter betrachten.
    Britannia rule the waves?
    Aber klar doch: https://www.youtube.com/watch?v=rB5Nbp_gmgQ

    • Lesereisen in der Kälte
      Unkomfortable Reisen in der Kälte sind besonders guter Lesestoff, wenn man in behaglicher Wärme darüber lesen kann.

      Die historischen Reiseberichte der Edition Erdmann seien, bis auf wenige Ausnahmen, empfohlen.
      Kalt ist da nicht immer, dafür wird’s in der Abteilung Arctica richtig frostig, speziell bei der Suche nach der Nordwest-Passage (Frobisher, Davis, Hudson, Baffin, Foxe, Munk, de Fuca, Franklin, Nansen, Amundsen u.a.m.).

      Vier Empfehlungen, drei Herren …

      „Die Suche nach der Nordwest-Passage: d. Kampf um d. Seeweg durch d. Nördl. Eismeer. George M. Thomson”

      „Alexander Mackenzie’s Reisen von Montreal durch Nordwestamerika nach dem Eismeer und der Südsee in den Jahren 1789 und 1793″.
      Wer kulinarische Beiträge vermisste, wird hier etwas über den Wert von Flechtensuppe erfahren.

      „Auf Schneeschuhen durch Grönland – 1888–1889, Fridtjof Nansen“

      und eine (keine Quoten!)Dame …

      Jane Smiley: „Die Grönland-Saga“

    • Bergsteiger die zweite
      No way down

      oder Göran Kropp, mittlerweile leider verstorben. Extrem harter Hund.

      Oder Krakauer. Into thin air.

      Die Bücher leben vom Drama im Himalaya. Und zwar nicht schlecht.

      oder, ähnliche Gegend, 8000 m tiefer, für diejenigen, denen Naipaul gefällt, Amitav Ghosh.

    • @ Nahuatl
      Nix mit der Salongemütlichkeit leichtbekleideter Romane, her mit den halb erfrorenen, klammfingrigen und dick vermummten, „harten Hunden“ der Realerzählung …

      Tipp: „Transit – Illegal durch die Weiten der Sowjetunion“, Jörg Kuhbandner und Jan Oelkner Hrsg., NOTSchriften Verlag, Radebeul 2010.

      Fügt den gängigen Vorstellungen von der DDR und ihren rätselhaften Bewohnern ein paar unerwartete Facetten hinzu.

    • Britannia rule the waves
      Die hatten doch so ein Lied:
      You want to fight? We have the money. We have the men!

    • @danke, Zuvielgesellschaft
      bestell‘ ich, les‘ ich.

      Wesentlich lieber als Entwicklungsromane, innere Monologe und anderes Hesse-lastiges Weichei-Geschreibsel.

    • @sylter456 - Wer es gerne recht frisch hat, liest:
      In the Kingdom of Ice: The Grand and terrible Polar Voyage of the USS Jeanette
      von Hampton Sides (und hinterher am Besten gleich alle anderen packend erzählten Sachbücher von ihm).

      The Ice Master
      von Jennifer Niven

      Shackletons eigenes Buch über seine Expedition

      Reisebücher über wärmere Gegenden von Paul Theroux. Faszinierend fomuliertes Genörgel.

      Naipaul war auch nörgelnd in der Welt unterwegs.

  181. Vielen Dank für den Text...
    …und ein Hoch der Kommentarfunktion! Ich leide seit einigen Jahren unter dem Umstand, nur Buchhandlungen mehr oder minder großer Ketten im Umkreis meines Wohnsitzes zu haben, die allesamt dieselbe Einheitspampe anbieten in einem Raum, der den Charme einer Turnhalle versprüht.

  182. Meine Methoden
    Die Verführungskünste von Büchern sind mir seit frühester Jugend bekannt.
    Trotz zahlreicher Fehltritte falle ich immer wieder darauf rein.
    Ständig denke ich darüber nach, eine Methode zu entwickeln, nach der ich zuverlässig bereits im Buchladen erkennen kann, ob mir ein Buch gefallen wird.
    Bei Filmen funktioniert das durch Anschauen des Trailers, manchmal reicht schon ein Blick auf die Film Stills.
    Aber wer hat schon Zeit und Ruhe zum Reinlesen in einer unruhigen Buchhandlung? Welches gute Buch fängt schon gut an (Ausnahme: Drei Mann in einem Boot)?
    Spontane Ausschlusskriterien sind: Bewertungen von Promis auf dem Umschlag, Rezensionen in Modezeitschriften, der Vergleich mit Büchern ähnlicher Art, wie es im Filmsektor üblich ist („von den Machern von“), als ob ein Vergnügen zuverlässig mit einem ähnlichen Reiz ausgelöst werden könnte, schlechte Umschlaggestaltung, unhandliches Format, irreführender Klappentext.
    Ein hilfreiches Werkzeug ist neuerdings das Smartphone, mit dem man schnell die Meinungslage im Internetkaufhaus konsultieren kann.
    Es ist hilfreich, sich Listen zu erstellen, mit Büchern, die man unbedingt braucht – falls man in die Verlegenheit kommt, nicht zu wissen, was man mitnehmen soll, aber etwas mitnehmen MUSS.
    Abgesehen von den obligatorischen Comics und Fachbüchern lese ich nahezu ausschließlich Klassiker. Um zeitgenössische deutsche Literatur mache ich einen Bogen (die tausend Gründe fallen mir jetzt nicht ein).
    Das ideale Vorgehen beim Bücherkaufen ist, sich mit der äußersten Genauigkeit zu überlegen, was man lesen will, denn je genauer die Untersuchung des Gegenstandes, desto größer das Lesevergnügen. Diese Untersuchung wird umso genauer, wenn man es auf teure Bücher absieht.
    Das letzte Buch, das ich nach dieser Methode ausgewählt habe, war die Tatarenwüste von Dino Buzzati. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in einem Buch von Harry Mathews etwas darüber gelesen. Zufälligerweise ist es in der Anderen Bibliothek neu erschienen.

  183. lesenswerte Autorinnen
    Mir fallen in der Tat auch nicht viele ein, aber folgende möchte ich doch sehr empfehlen:
    Sybille Berg: Der Mann schläft; Vielen Dank für das Leben
    Monika Maron
    Kerstin Ekmann: Hundeherz
    Annie Proulx: alle Veröffentlichungen

    • bitte noch Sarah Kirsch !
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    • Was halten Sie denn von Isabel Allende?
      Das Geisterhaus und besonders Paula, habe ich gern gelesen.

    • Lesenswerte Autorin
      Katherine Anne Porter, aber eben nicht das Narrenschiff, sondern die Short Stories.
      Großartig Pale horse, pale rider, sehr lakonisch über eine Liebe im Schatten der Spanische Grippe, in den Südstaaten.

    • Interessant...
      …auf die Idee, daß Frau Berg als Buchautorin etwas Lesenswertes geschrieben haben könnte, käme ich aufgrund ihrer SPON-Kolumne nie und nimmer.