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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Herrschaftswissen des frühen 21. und 14. Jahrhunderts

| 76 Lesermeinungen

Ja, die Zeiten sind schlecht. Ja, wir stehen am Rande eines Abgrunds. Ja, die Wirtschaft droht alles zu vernichten. Es ist gerade nicht besonders lustig. Aber bevor Sie jetzt in den Garten gehen und versuchen, Omas Silberbesteck unter dem Apfelbaum und die Asche Ihrer Schweizer Kontoauszüge im Kompost zu vergraben, würde ich Ihnen doch raten, noch etwas zu warten - denn im Garten vergraben, erlauben Sie, das macht jeder Depp. Kenner dagegen - bitte hier lang.

Dafür aber war Sinowij Borissowitsch in seinem Kellergewölbe so gut untergebracht, dass es ohne Hilfe seiner Frau und ihres Liebhabers keinem je gelungen wäre, ihn aufzufinden bis zum Tage der Auferstehung.
Nikolai Ljesskow, Lady Macbeth aus Mzensk

 

Es gibt eine gute Nachricht in diesen tristen Tagen: Ein englisches Ehepaar muss nicht mehr mit dem Wohnmobil meine Alpenpässe verstopfen, sondern kann sich dank meiner Generosität einen Billigflug in die Berge leisten. Etwas mehr als 200 Euro habe ich bezahlt, um ihnen die Mittel für eine würdige Anreise zu stellen, und im Gegenzug habe ich sie von etwas altem Plunder befreit und das hier erhalten:

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Eine britische Silberkanne, mit 1,5 Litern Fassungsvermögen und 600 Gramm Silbergewicht. Auf der Insel trinkt man heute eher Kaffee zwei Geh, wenn man Glück hat, und die eigenen Tränen, wenn man sich mit der Lage des Finanzsektors und des dafür zahlenden Staates auseinandersetzt. Tee ist da nur eine Erinnerung an eine Epoche, da man missratene Söhne noch den Kolonien und Eingeborenen zumuten konnte, und man deren Konsequenzen noch nicht selbst ausbaden musste. Die Kolonien von damals sind heute der Finanzplatz London, und das Volk bekommt durch Ausplünderung und Milliardenboni für Bankversager einen guten Eindruck davon, welche Stimmung 1773 in Boston zur Teeparty und vor dem Boxeraufstand von 1900 in China geherrscht haben dürfte.

Bei uns, das wissen wir durch die geldsichernden Worte unserer geliebten Kanzlerin, ist das alles natürlich ganz anders. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass wir eines Tages im Süden der Republik mit, sagen wir es deutlich, retardierten nordnigerianischen Stämmen leben müssen, die uns in einer schweren Wirtschaftskrise aufgrund von archaischen Stammesriten und undemokratischen Absprachen einen unfähigen Wirtschaftsminister nach dem nächsten aufzwingen. Auch würde man vor uns nicht Geheimpapiere verstecken, mit denen die Minister der EU das wahre Ausmass der Probleme diskutieren: Wenn sie etwa die Gesamtmenge der abschreibungsgefährdeten Papiere der europäischen Banken bei 18 Billionen Euro (siehe URL, im Beitrag wurde die Zahl gelöscht, ein Schelm, wer Böses…) veranschlagen würden, was uns bei nur 10% Wertberichtigung nach unten gesamtwirtschaftlich in die unschöne Rolle des Koyoten versetzte, der bei der Jagd auf den Roadrunner einen Moment innehält, zu seinem Bedauern realisiert, dass unter seinen Füssen nur noch der Abgrund ist und dann, wie immer, der Schwerkraft seinen Tribut zollt. In solchen Zeiten würden wahrscheinlich auch die Auktionen für 6 Milliarden Euro formidabler 10jähriger Staatsanleihen  – dieses erstklassige Instrument, mit dem der Staat seine Bürger verschuldet, um den Banken zu geben – auf zu geringes Marktinteresse in Höhe von nur 4,962 Milliarden stossen, womit der Staat letztlich nur 4,209 Milliarden zuteilen könnte. Aber darüber würden man ohnehin kaum einen Medienbericht finden – das Thema ist nämlich kein Analystenpapier, das man einfach abschreiben kann. Ihr bevorzugtes Onlinemedium jedoch würde in diesen hochgradig unwahrscheinlichen Zeiten mit Leitartikeln mit der Überschrift „Die große Verschwendung“ aufwarten. Das wären die Tage, an denen ihnen befreundete Bankenpräsidenten, Riesterwerber und andere Schönwetterprediger zuflüsterten:

 Kauf Gold und vergrab es im Garten.

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Es ist nicht nur reine Panikmache, dergleichen zu empfehlen: Es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Finanzmarktelite weder über Tradition noch Wissen verfügt. Gold hatte schon immer den Nachteil, dass man im täglichen Gebrauch kaum jemand fand, der einem darauf herausgeben konnte. Deshalb war das normale Geld in Silber geprägt. In der Zeit der Edelmetalldeckung von Geld bedeutete das: Allein für das Material der obigen Kanne konnte man im 18. Jahrhundert 12 Monate normal schlecht leben, und Schiller musste dafür als Geschichtsprofessor 3 Monate arbeiten. Erfahrungsgemäss entspricht das dem sehr beständigen Kurs von Silber in Finanzsystemen, die kein Papiergeld kennen, oder deren Papiergeld nicht mehr erarbeitet, sondern ohne Gegenwert erdruckt wird, wie man es aus exotischen Simbabwe kennt, dessen Führung zu dumm ist, dieses Vorgehen unter dem Begriff „Quantitave Easing“ dem Volke schmackhaft zu machen.

Silber also ist das Gebot der wahrscheinlich nie kommenden Stunde. Wie Sie aber an der obigen bayerischen Münze unschwer erkennen, ist sie nicht nur durch das Gesicht des sogenannten „blauen Kurfürsten“ hässlich (ein sehr moderner Mann im übrigen, der gegen die Muslime focht, grössenwahnsinnig wurde, sein Volk in den Ruin führte, und heute als Berufswunsch vermutlich republikanischer US-Präsident angäbe). Die Münze ist hässlich, weil sie längere Zeit im feuchten Erdreich war. Als ich sie fand, war sie grün und schwarz angelaufen, und besser kann man sie nicht reinigen. Das Erdreich ist auch sonst vollkommen ungeeignet: Man muss zu später Stunde Löcher im Garten graben, was natürlich auffällt, man muss sie zu später Stunde öffnen, um Silbermittel zu entnehmen, was auch auffällt, man muss viele Löcher graben, wenn man den Ort nicht mehr findet, was ebenfalls auffällt, und man kann sich die Mühe sparen, wenn der Nachbar den Zweck der Übung erkannt hat und die Gelegenheit des nächsten Schwarzmarktbesuches nutzt, sein Wissen gewinnbringend umzusetzen. Obendrein ist so ein Garten kaum zu verteidigen, wenn der Nachbar seine Familie mitbringt. Ansonsten sind die Museen voll mit den Werten, die Idioten irgendwo vergruben und nicht mehr fanden. Und warum? Weil sie schlechte Ratgeber hatten, die keine Tradition und Stammhäuser haben. Löcher graben ist nur was für Hunnen, Ostgoten und andere Neureiche, die sich ausserhalb der Städte ansiedeln.

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Meine Familie dagegen wohnt seit über 160 Jahren in einem angenehmen Anwesen in einer reizenden Provinzstadt mit Mauer; von aussen betrachtet ist es ein ehemaliges Jesuitenseminar, das in der späten Renaissance recht imposant gewirkt haben muss, und auch heute noch mit Gesindehaus und 50+x Räumen – ich habe sie nie alle gezählt – eine feine Anlage ist. Allerdings beliess es die Gesellschaft Jesu im Jahr 1600 dabei, drei mittelalterliche Patrizierhäuser zusammenzufassen und nur deren Fassaden einheitlich zu gestalten, weshalb im Hausgang die Seccomalerei des 15. Jahrhunderts zu finden ist – und darunter der Keller. Ein richtiger Keller, der mal wieder aufgeräumt werden musste, aber anhand diverser Flaschenfunde aus dem 19. Jahrhundert erscheint es mir als Familientradition, ihn so zu lassen. Das Gewölbe wurde aus Jurabruchsteinen gemauert, die 60 Kilo wiegen und aus 40, 50 Kilometer Entfernung angeliefert wurden, was um 1350 keine geringe Leistung war. Der Raum war absolut bombensicher, wie die Amerikaner knapp 700 Jahre später dann auch bewiesen. Hier unten waren die Brunnen, von denen manche noch durch Mauereinfassugen erkennbar sind, und exakt hier würde ich mein Silber verstecken: Einfach in einem der alten, ausgetrockneten Brunnen, und danach legte ich einen der alten Grabsteine darauf, die irgendein Vorfahr aus unbekannten Gründen hier einlagerte. Hier unten ist so viel Schrott, dass Besuchern, die sich nicht vorgestellt haben, auch kein Metalldetektor helfen könnte. Überflüssig zu sagen, dass von aussen kein Mensch mitbekommt, was ich da unten treibe.

Neureiche in den Vorstädten haben dagegen keine Bruchsteinkeller mit gestampftem Boden. Sie haben viele Keller, und alle stecken sie in einer massiven Betonwanne. Da kann man kein Loch graben, ohne sich das Grundwasser einzuladen. Da bleibt dann wirklich nur der Garten. Zu dumm, wenn in solchen Zeiten, da man die Teekannen zerschneidet, auch noch die Versorgung zusammenbricht; ich stelle mir das Heizen in alleinstehenden Häusern weniger angenehm vor, als in der dicht bebauten Stadt, und wenn der Strom abgeschaltet wird, wie man das schon aus Kabul und Kalifornien kennt, hilft keine Alarmanlage gegen die praktische Anwendung des Sozialneides niedriger Klassen auf Landspaziergang.

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Das allerdings ist ein Problem, dessen man sich im 14. Jahrhundert gewärtig war, als Volksaufstände und Pest das Leben abwechslungsreich gestalteten, und bayerische Erbfolgekriege noch nicht innerhalb der CSU ausgetragen wurden. Auch die Gesellschaft Jesu war nicht unumstritten, und hätte der Schwede 1632 die Stadt genommen, hätten sie Gebrauch von einer sinnvollen Einrichtung des Mittelalters gemacht, die sie, ebenso klug wie heimtückisch, beim Umbau nicht veränderten: So verfüge ich noch über zwei nur leicht zugemauerte, jederzeit wieder verwendbare Schiessscharten hinter einer sehr dicken Mauer zur Strasse.

Aber soweit wird es vermutlich doch nicht kommen; eher wird sich die Kanzlerin erneut hinstellen und sagen, das Geld sei sicher, und plündern wird nicht die Unterschicht, sondern über Inflation, Steuer und Umverteilung nur das Klientel eben jener Neoliberalalas, die politische Grundlagen für die Krise schufen. Sollte es aber dennoch schlimm und die Gärten umgepflügt werden, werde ich hoffentlich noch die ein oder andere Silberkanne zum Zerschneiden im sicheren Keller haben, und, auch das ist angewandtes Herrschaftswissen des 14. Jahrhunderts, Bedarf an Personal, das Holz herbeischleppt und niedere Tätigkeiten vollbringt – noch im 19. Jahrhundert brauchten wir fünf Bedienstete, um das Haus am Laufen zu halten. Ich nehme dafür eventuell sogar gepflegte Banker (aber bitte keine Startupper), denn dafür haben wir ja noch ein Waschhaus und das Gesindehaus aus einer Epoche, die mit der Leibeigenschaft 800 Jahre stabile soziale Verhältnisse zeitigte, und, seien wir ehrlich, kein moderner Irrweg wie der Finanzkapitalismus mit den Konsumsklaven und der Pleite nur 12 Jahre nach der Erfindung der Credit Default Swaps war.

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Begleitmusik: Im Zweifelsfall werde ich natürlich als Freund der Aufklärung ein mildes Regime führen, als wäre es der Garten Candides und nicht die Jesuitenreduktion. Als Voltaire der Musik galt im 18. Jahrhundert der kreolische Komponist Monsieur de Saint-George, der seinen Reichtum den Spekulationen seines Vaters verdankte, und dessen angenehm eingängige Musik auch sieben halbwegs gebildete Banker aufführen können, wenn ich mit einer philosophischen Therese im Boudoir speise (und wenn Sie das alles verstanden haben, sind Sie als Kammerzofe von Madame qualifiziert, wenn nicht: Können Sie wenigstens Holz hacken?). Solange allerdings behelfe ich mir mit der vorzüglichen Einspielung seiner Violinkonzerte von „Les Archets de Paris“, zu erwerben für ein paar Groschen beim Label Calliope.

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76 Lesermeinungen

  1. Wer sagt denn, dass unsere...
    Wer sagt denn, dass unsere Regierung die Transformation der Gesellschaft in die von Ihnen prognostizierte Richtung nicht schon längst ins Auge gefasst hat? Das zeigt doch die Wahl des neuen Wirtschaftsministers. Der bringt genau dafür die richtige Kompetenz mit. Schließlich war er „führend“ in seinem mittelständischen Familienunternehmen Herr über diverse Hausdiener, Kammerzofen und Reitlehrer. Da muss sich unsere Regierung doch etwas dabei gedacht haben.

  2. Ohne jetzt die Details zu...
    Ohne jetzt die Details zu kennen, aber Franken war historisch voll mit irgendwelchen Kleinstadligen auf irgendwelchen Käffern, das war schon fast so typisch wie der „Dr.“ in Wien oder der „Don“ auf Sizilien, insofern würde ich hier, ohne den Gotha konsultiert zu haben, zwecks Einheiratung oder auch nur Teilbesitz von Pferden oder einem Acker oder einem Ministerposten zu bekannten oberbayerischen Bauern aus dem Voralpengebiet gehen.

  3. Immerhin hatte der neue Herr...
    Immerhin hatte der neue Herr Wirtschaftsminister tolle Vorfahren, die um 1500 führend im Fehdewesen in Franken waren. Christoph I, Beiname „der Verräter“ gegen seinen Bruder Philipp beispielsweise.
    Ein Kampferprobtes Haus jedenfalls, was der Bayernkönig Horst I. ins Rennen schickt

  4. Sehr schöne Kanne. Kann mich...
    Sehr schöne Kanne. Kann mich zur Zeit bei Ebay UK kaum entscheiden, auf welche ich bieten soll. Auch das Angebot an Bestecksets ist enorm – da fehlt mir allerdings etwas die Übersicht. Toller Beitrag. MxB

  5. " ... hilft keine Alarmanlage...
    “ … hilft keine Alarmanlage gegen die praktische Anwendung des Sozialneides niedriger Klassen auf Landspaziergang.“
    *gnihihihihihi*
    Wobei, ohne Flachs und mit bitterem Ernst, in Berlin brennen schon ganz alltäglich die Autos. Es bleibt zu hoffen, dass sich derartige revolutionsromantische Anwandlungen auch fürderhin nur auf Fahrzeuge und reine Sachwerte, nicht jedoch auf Menschen erstrecken. Hauptsache, man rückt das Silber aus …

  6. Oh mein Gott. Der Franke mit...
    Oh mein Gott. Der Franke mit dem Hang zur Selbstvergrösserung setzt sich für Strassenverstopfung und Verkehrsbehinderung durch Rüsselsheimer Strassensperren ein.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/berlin-macht-opel-zur-chefsache;2151790
    Es ist alles so schrecklich mit diesem Stamm im Süden.

  7. Wo krieg ich denn ein Haus mit...
    Wo krieg ich denn ein Haus mit gestampften Lehmboden her. Ist jetzt ein guter Zeitpunkt Häuser zu kaufen? Fragen über Fragen …

  8. Egghat, ich habe 7...
    Egghat, ich habe 7 Brunnenschächte, und alle sind, wenn ich sie aushebe, 8 bis 10 Meter tief. Ich kann gerne einen halben Meter vermieten – was ja auch nichts anderes ist, als eine Bank. Im 14. Jahrhundert. Nur ist das Verlustrisiko geringer.

  9. Ich schaue mir gerade diverse...
    Ich schaue mir gerade diverse Produkte der britischen Traditionsfirma Holland & Holland an. http://www.hollandandholland.com/
    „Pre-Owned“ sind diese ebenfalls – im Verhältnis zum ehemaligen Erwerbspreis – sehr, sehr günstig zu haben.
    .
    Sie bieten auch den nicht von der Hand zu weisenden Vorteil das man sie im Ernstfall auch gegen die Rotten marodierenden Stimmviehs einsetzen kann, die, enttäuscht von den Resultaten der komemnden BuWa 2009, missgelaunt und von der regierenden Kaste unverstanden, brandschatzend durch die Strassen ziehen könnten.

  10. Häuser sollte man meines...
    Häuser sollte man meines Erachtens grade unbedingt kaufen. Zwar werden die Preise fallen, aber die Inflation ist sicher schneller. Somit ergibt sich eine Relativrendite zu anderen Anlagen. Ist das Haus nun auch noch schuldenfinanziert, wirds doppelt schön.
    Meine aktuelle Empfelung: Man verschulde sich soweit als möglich, die Währungsreform wirds richten.
    Weisheit zum Tage: Wenn das Schiff sinkt, sollte man den Champagner noch trinken.
    Freundlich heiter
    Franz

  11. v, ich sehe hier vor dem Hause...
    v, ich sehe hier vor dem Hause auflaufenden, beledigten Blechbüchsen mit Gelassenheit und einem Dosenöffner entgegen. Franken beginnt zwar nur 30 km von hier, ist aber eigentlich sowieso eine besetzte Provinz, ich weiss also gar nicht, warum die überhaupt einen Minister wollen, die können froh sein, dass sie keinen Statthalter aus München haben.

  12. Lebemann, hast Du auch eine...
    Lebemann, hast Du auch eine Schiessscharte im Haus, oder soll ich Dir die Masse zum Nachbau schicken? Du brauchst allerdings eine 0.6 Meter dicke Wand aus Vollziegel.

  13. hmmm.
    langatmig,...

    hmmm.
    langatmig, selbstverliebt aber interessant und nicht ohne was man so „durchblick“ nennt.
    silber putzen ist ja auch schoen gegen langeweile. mach ich sehr gerne als entspannung.
    was die gartenverteidigung angeht, kann ich als deutlich kleinere nummer wenig sagen. ich hatte jedoch mir sagen lassen, dass die bewohner von stately homes auch ueber einen waffenschrank verfuegen sollen.
    ich habe als gewisse entsprechung bei zimmerverteidigung – denn raubueberfalle in der eigenen wohnung habe ich leider erlebt – gegen so eine form der umverteilung von guetern eine glock 32 compact .357 beschafft. das preis-leistungsverhaeltnis ist phenomenal. beim beschuss liegt sie gut in der hand und hat selbst bei mittleren distanzen am schiessstand geringe streuneigung. recoil groesser als bei der ueblichen 9mm ware aber dafuer erstaunliche schusswirkung – geht auch durch level II schutzwesten im nahbereich bei entsprechender munition.
    @ mbiller
    besteck empfehle ich georgian III: zeitlos schoen. gibt’s auch auf ebay uk. bestecksets ist eher eine sache die es seit dem historismus gibt glaube ich. in england wurde besteck einzeln gekauft bis zur victorian period.
    schoen ist der wmf2500 entwurf – findet sich auch in 800 silber.
    gruess gott

  14. Mit dem englischen Tee sei es...
    Mit dem englischen Tee sei es ja so eine Sache, berichtete mir mal eine hauptberufliche Tea-Tasterin mit globaler Erfahrung. Die Engländer tränken zwar viel Tee – aber gerade deshalb grauenhaft schlechten. Die hohe Nachfrage auf der Insel sei mit gutqualitativen Blättern zu bezahlbarem Preis überhaupt nicht zu stillen. Faktisch sei der durchschnittliche britische Tee schlechter als das Gehäcksel in deutschen Teebeuteln – und das ist auch nicht dolle.
    Doch erleben wir derzeit ja den Weg des Tee zum Single Malt: Superhypergaga teure Varianten aus China finden den Weg hierher in der Hoffnung, dass der noch Begüterte ein wenig Cash für das Vergnügen bereit hält um vor dem durch Finanzmarktturbulenzen bedingten Harakiri noch zu flüstern: Abwarten und Tee trinken.

  15. @ Don

    Baupläne wären da...
    @ Don
    Baupläne wären da nicht unwillkommen, aber ich bevorzuge dann doch Feldstein für die Wehrmauern, durch Ziegel nagt sich der enttäuschte Wahlpöbel noch vor lauter Hunger durch, wenn die kommende Hyperinflation die Harz4-Sätze demnächst zu einem schlechten Witz schrumpfen lässt.

  16. danke atr. ich halte mal die...
    danke atr. ich halte mal die augen auf. zum thema selbstverteidigung kann ich nur die „klassische“ hamburger strategie empfehlen (ich denke es gibt auch eine schwäbische variante): nicht nach außen zeigen was man hat….dann wird zuerst düsseldorf gebrandschatzt. :)

  17. heckler & koch sl5. sollte...
    heckler & koch sl5. sollte alles was auch nur entfernt an staatliche ordnung erinnert.zusammenbrechen. kann man das ding noch hoechst illegalerweise zum vollautomatischen g36 hochpimpen. brauch ich aber nicht. hab eh nichts was zu verteidigen waere.
    womit wir wieder beim thema sind: marodierende horden. feind hoert mit. das waere dann ich. harhar.

  18. So, so, aha, die Lehre vom...
    So, so, aha, die Lehre vom großbürgerlichen Notgroschen und seiner Verteidigung… Gut, wenn man das halblegal in die Schweiz transferierte Bargeld aufgrund der aktuellen Nachrichten abschreiben muss, dann bleibt immer noch das Silber. Kann man aber auch nicht essen. Und da die Zahl der Landwirte, bei denen Man Silberkannen und Orientteppiche gegen Speck und Kartoffeln tauschen kann, eher begrenzt ist, wird der Nachfahre der Sklavenhalter von seinem angesammelten Material nur wenig Lebenserhaltendes haben.
    Da fürchtet er den Aufstand der Unterschicht, wo er doch mehr den Neid der Nachbarn fürchten muss, die auch Notgroschen haben wollen – egal woher. Kumuliert die Krise in Richtung Verelendung der Massen, wird das Proletariat nicht das Silber übernehmen und die Roadster, sondern die Produktionsmittel. Nicht die Herrenhäuser werden primäres Ziel der Angriffe sein, sondern die Managerbüros da, wo man bisher für kleine Mark geschuftet hat.
    Okay, vorher sind die Delikatessenläden dran und die Luxusrestaurants – wobei: Das geschieht ja zur Zeit schon, was uns die hörigen Medien aber vorwiegend verschweigen. So wurde dieser Tage in Hamburg ein bekannter Gourmettempel von hungrigen Horden leergefressen, die aber das Begleichen der Rechnung ablehnten. Der Inhaber hat davon medial kein Aufhebens gemacht.
    Natürlich gehört zu einem ordentlichen Aufstand ein bisschen Abfackeln. Da fangen die chancenlosen Freaks gern bei den Autos an: Die sind leicht zu finden und brennen schön. Nicht nur in Berlin schon fast jede Nacht. Gewisse subproletarische Elemente werden sich anschließend an den Gattinnen vergreifen. Bis sie merken, dass es mehr Spaß mit Frauen des eigenen Standes macht. Und wenn sich der Rauch verzogen hat, werden Betriebe ohne bonusgeile Vorturner Produkte erzeugen, die einen Nutzen haben. Ob das dann Kommunismus ist, bleibt unklar. Es wird alles in allem aber besser sein als jetzt.

  19. Lieber don, ich empfehle statt...
    Lieber don, ich empfehle statt des rostenden SLK und des zersaegten Silberkaennchens ein zeitloses Instrumentarium aus der Stadt der ehrbaren Kaufleute.
    http://www.steinway-hamburg.de/subsites/instrumente/steinway/fluegel_klaviere.html
    Leider steht hier wieder keine Preisliste, aber man bewegt sich ja heute allerorten wir auf dem Basar. Ob 2 oder 18 Billionen, who cares?
    Aber auch die Anlage ist eine Stilfrage. Autofahren kann nun mal jeder, aber Bach spielen nicht. Dabei ist das die schoenste klangliche Fassung jener 800 harmonischen Jahre ohne Bankversager und hektische Ueberproduktion chinesischer Fernseher. Ist vielleicht noch eines ihrer 53 Zimmer frei? Mit Kamin und frostfrei? Mit Licht und Blick ueber die eigene Scholle? So einen Fluegel traegt auch kein gefallener Unterschichtler einfach weg wie einen SLK mit Vollkasko. Er hat natuerliche Autoritaet, haelt 100 Jahre und steigt im Wert – sofern die Parallelwaehrung nicht gerade den Gang aller Koyoten geht.

  20. Don Alphonso, mit diesem Blog...
    Don Alphonso, mit diesem Blog scheinen Sie Ihre Berufung gefunden zu haben. Was Sie schreiben, ist nicht immer koscher. Aber wie Sie es schreiben! Göttlich!
    Le Chevalier de Saint-Georges? Naja, wenigstens müßte ich bei Ihnen nicht Holz hacken. Der Chevalier war auf hohem Niveau unglaublich vielseitig. Als Sportler der Carl Lewis seiner Zeit, ein herausragender Fechter, Violinist, Komponist und Dirigent. Ein bewegtes Leben.

  21. @ Driver
    Was der Don Ihnen...

    @ Driver
    Was der Don Ihnen leider nicht sagt ist das die Strassen, in denen besagtes Gemäuer steht, über die Jahrhunderte so eng verbaut wurden, das man von besagten Schiesscharten keinerlei freies Schussfeld mehr hat. Wenn dann zukünftig Wellen von vor Hunger halbwahnsinnigen Stimmviechern zwecks Plünderung auf das Gemäuer zurollen, wird es eng.
    .
    Der Verteidiger in spe ist dann darauf zurückgeworfen kochendes Pech und Jauche aus den Fenstern im OG auf die eventuell bald selbst HiFi-Komponenten essen wollenden Hunger-Plünderer auf Strassenhöhe auszukübeln.
    .
    Ich bin sicher, im Keller besagten Gemäuers finden sich noch die – zwar angestaubten aber einsatzfähigen – Utensilien dazu.

  22. Schießscharten und...
    Schießscharten und Vorderlader waren notwendig in einer Zeit, als es noch keine Bildzeitung und RTL gab. Heutzutage klebt missgelauntes Stimmvieh wie Pattex auf dem Fernsehsofa, schimpft aber marodiert nicht mehr. Also von daher sehe ich keine allzu große Gefahr für die Besitzenden. Natürlich, auch Pattex hat seine Belastungsgrenze.
    .
    Und Unzufriedenheit stabilisiert die Verhältnisse. Sehen wir ja gerade in Israel. Wenn ich hier an die Zuwächse der FDP denke. Besser kann es gar nicht laufen für die besseren Kreise. In der nächsten Legislaturperiode holen sie sich alles wieder, was sie in der Finanzkrise verloren haben. Selbst das Konjunkturpaket von Obama besteht schon zu einem Drittel aus Steuersenkungen.

  23. Hinweis: Aufgrund eines...
    Hinweis: Aufgrund eines technischen Problems, das sich auch nicht vorgestellt hat, bevor es hereinkam, bin ich jetzt auf einem 9 Jahre alten Notebook unterwegs (366 Mhz, damals High End). und es kann zu Verzögerungen kommen.

  24. @ Don Alphonso:
    366 MHz, das...

    @ Don Alphonso:
    366 MHz, das nenne ich einen echten Klassenkamof, ob es den neuen durch einen proletarisch geneigten Computervirus dahin gerafft hat, darüber schweigt die Gazette :-)
    Ansonsten wie üblich amüsant! Muß mal wieder graben gehen.
    PS Laß neulich dass Eichhörnchen nach drei Minuten vergessen haben, wo sie die Nuss vergraben haben. Hoffentlich haben die Gartenbesitzer ein besseres Gedächtnis, sonst sind Sie mit der Bayerischen Brunnenbank eSG schon ein echter Trendsetter. (retro ist in??)

  25. Max Biller, danke, ich kann...
    Max Biller, danke, ich kann mich auch nicht erinnern, dass das Angebot je so reichhaltig wie im Moment war. Was britisches Besteck angeht, wäre ich mit allem vorsichtig, was Beingriffe hat – die reissen irgendwann. Ansonsten: Nichts nach 45!
    Reinhard, naja, in Berlin… in Berlin muss man mit allem rechnen. In anderhalb Jahren wurde mein Auto dreimal geknackt, ohne jeden Grund. Mitten in München ist mir das in 12 Jahren nur einmal passiert, als ein Paket hinten drin lag – aber dessen Inhalt interessierte die Räuber nicht. Generell denke ich eher an „Dirty Harry“-Szenarien. Weniger Raub aus Not denn Raub, weil es grad geht. Keinesfalls Raub für die Weltrevolution.

  26. Ha, ha, Frau Merkel und ihre...
    Ha, ha, Frau Merkel und ihre Einlagensicherungszusage! Bin gespannt, was eher vom Leben überholt ist, unsere FDJ-Kanzlerin oder ihre Zusage. Das hat sie immerhin von Ulbricht gelernt: »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten« — oder die Spargelder zu entwerten oder überhaupt irgendetwas böses zu tun.

  27. Friedrich, nachdem davon das...
    Friedrich, nachdem davon das politische Überleben abhängt, glaube ich denen durchaus, dass sie es versuchen. Ich glaube allerdings auch, dass die Lage allgemein als nicht so bedrohlich präsentiert wird, wie sie ist. Zwei gefloppte Staatsanleihen in zwei Monaten weisen auf ein richtig grosses Problem hin – entweder wird man mehr Zinsen verlangen, oder es gibt einfach ein zu grosses Angebot. Das ist ohnehin eine Frage, die mal diskutiert werden müsste: wer kauft denn die ganzen Anleihen, die im Zuge der Konjunkturpakete auf den Markt kommen?

  28. Don,
    die Frage, wer den ganzen...

    Don,
    die Frage, wer den ganzen Scheiß (insb. neue US-Treasuries) kaufen soll, ist in der Branche schon länger ein Thema (und teilweise auch in der englischen Presse). So richtig weiß dass niemand,wer als Abnehmer da sein soll und die Welle geht ja jetzt erst so langsam los – so Mitte März bis April werden wir es genau einschätzen können. Die Chinesen fallen als Käufer ja auch aus, wenn ihr Export zusammenbricht und sie keine Dollar mehr anlegen müssen. Und wenn gar nichts mehr geht, dass kauft in den USA halt die FED (und „druckt“ dafür Geld).
    In Europa würde ich trotzdem eher Bundesanleihen als Anleihen Italien, Griechenland, Spanien oder Irland kaufen (aber das ist auch nur meine private Meinung).
    Unterschätzen sollte man allerdings auch nicht den kontinuierlichen Anlagedruck der Versicherungsbranche und der Pensionkassen, die ja weiterhin ihre Beitragseingänge anlegen müssen und nicht mehr in Suupi-ABS-Strukturen investieren können.

  29. Bitte nicht nur schlechte...
    Bitte nicht nur schlechte Worte über die Jesuitenreduktionen in Südamerika! Nicht jeder Forscher will in ihnen nur einen Hort der Ausbeutung und Unterdrückung sehen, ganz im Gegenteil. Sie haben für mehr als 150 Jahre die Bevölkerung durchaus wirksam vor den Renditejägern der damaligen Zeit, Sklavenhändlen et. al. geschützt. Hat ihnen am Ende trotzdem nichts geholfen.

  30. Ich halte es mit Franz, je...
    Ich halte es mit Franz, je dunkler die Zeit desto höher der mögliche Lustgewinn, was immer Lust für einen bedeuten mag. Ob Champus, Waffengebrauch oder Plünderung der kommenden Generation, ich empfehle den einschlägigen Kommentatoren zur Ergänzung eine Angsttherapie.
    Gratulation Don, Sie schaffen es mit der Kanne Kriegs- und Friedens-Fliege zu schlagen. Gibt es auch Espresso-Machinen aus Silber?
    Und ja, ich könnte Holzhacken, aber nachdem die Sicherheit vor Herren & Knechten nur so strotzt, habe ich meine Haut lieber der Freiheit verspochen, wäre ja sonst langweilig für uns alle.
    ps:
    Dank Polizeiberichten und neuer Google-Technik, eine Übersicht der Ex-Autos in Berlin: http://www.brennende-autos.de

  31. @ don a.
    sehr richtig - mother...

    @ don a.
    sehr richtig – mother of pearl und beingriffe sind abzulehnen, erstens wegen den materialproblemen, zweitens wegen des ordinaeren erscheinungsbildes (natuerlich geschmackssache). bein ist aber ohnehin erst in viktorianischer periode so richtig eingerissen, d.h. ab 1870er bis nach 1900er jahren.
    gut ist daher sich auch mit hallmarking und den qualitaetsunterschieden bezueglich der assay offices zu befassen und auch bestimmte silberschmiede zu praeferieren (ich pers. bevorzuge stephen adams – schlichteste eleganz wie selbst mayer oder wagenfeld fuer wmf es nicht gestaltet haben).
    was berlin betrifft – vielen dank – kann ich absolut bestaetigen – wie ich schon anfuehrte, trotz gelebter „hamburgischer strategie“ – dank an
    @ mbiller hier fuer diesen terminus, den ich sofort in mein vokabular uebernehme – wurde meine frau in unserer eigenen unscheinbaren wohnung im kantstrassenkiez (!) anno 2007 ueberfallen, mit paketklebeband gefesselt und anschliessend mit einem teleskopschlagstock halbtot geschlagen.
    ueberfluessig zu erwaehnen, dass die exekutive niemand ermittelte. ueber die provenienz der marodeure schweige ich besser, auf das ich nicht des bedienens von klischees bezichtigt werden kann.
    daher auch mein abschied vom buergerlich-liberalen konsens der unserem staat das gewaltmonopol ueberlasst.
    er hat unser vertrauen (und ich glaube das vieler anderer auch) missbraucht oder diplomatischer gesagt: die gerechtfertigungsgrundlage dafuer entfaellt allmaehlich.
    materielles kann ich gerne ersetzen – die gesundheit meiner familie (wir haben eine fuenfjaehrige tochter) aber eben nicht.
    das sind die schlagschatten, die auf die bildungsbuergliche neo-/paleo-mittelschicht in den deutschen grossstaedten faellt – die sich dort aus welcher motivation auch immer eine nische gesucht hat.
    die aufforderung mich oertlich zu veraendern, habe ich im umkreis (gerne) umgesetzt – insofern aber in ein anderen ort/land mich vertreiben zu lassen empfinde ich als unangemessen.
    @ bironium:
    h&k sl5? was ist das genau im hk programm? oder meinten sie die h&k sl-8? vollautomatisches hier in deutschland ist mit schuetzen-schein sehr schwer zu erwerben – es sei denn sie gehoeren entsprechenden jagd- oder berufsgruppen an. auch vollautomatikfaehige faustfeuerwaffen wie die glock 17 oder der traum aller schlaflosen traeume, die beretta 93R mit folding stock und front grip bleiben soweit ich weiss den inhabern eines jagdscheins und einer entsprechend gut gefuellten brieftasche (und daher nicht den sportschuetzen) vorbehalten.
    wie dem auch sei: ein grosser dank an don alphonso fuer den anregenden beitrag – ich werde sicherlich oefter vorbeischauen.
    atr

  32. Das ist ohnehin eine Frage,...
    Das ist ohnehin eine Frage, die mal diskutiert werden müsste: wer kauft denn die ganzen Anleihen, die im Zuge der Konjunkturpakete auf den Markt kommen?
    wie finanzierten die nazis den krieg?
    über kredite, die banken und vor allem versicherungen dem reich aufgrund gesetzlicher verpflichtung gewähren mussten, glaube ich, einmal gehört zu haben.
    da ist noch ene menge über nebenhaushalte zu machen. schon bisher wurde die vereinigung aus der sozialversicherung finanziert, hauptsache, die renndde iss ssischäh!
    nicht zu vergessen all diejenigen, die auf eigene kapitalgedeckte rente gesetzt haben und noch immer setzen: der guido lacht, die anschi kichert, hoffentlich … pfefferminzia – versichert.

  33. Sehr geehrter Don...
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    Habe nun eine Woche mit Ihnen verbracht und muss kurz rüberrufen:
    Es ist nicht immer ein Vergnügen, sich die Welt mit Ihren Augen anzusehen.
    Aber es ist immer ein Vergnügen, diese Ansichten zu lesen.

  34. In "Das geheime Brot" von J.M....
    In „Das geheime Brot“ von J.M. Simmel sind die Schwierigkeiten auch sehr ernst. Ich lebte 2003 in einem mehstöckigen Althaus in einer Innenstadt. Es gab einfache dünne verglaste Eingangstüren und ich fand das sehr toll.

  35. @ Don: "wer kauft denn die...
    @ Don: „wer kauft denn die ganzen Anleihen, die im Zuge der Konjunkturpakete auf den Markt kommen?“
    Na wer wohl, der „Heli-Ben“ kauft alle „asset-backed securities“, nicht nur Staatsanleihen. Die Notenbank wird zur „Bad Bank“, weil sie es sich leisten kann und es ihr ja vollkommen egal sein kann, ob die „assets“ wirklich „backed“ sind. Obwohl, ist die FED seit Greenspan nicht schon längst die „Bad Bank“, die durch Niedrigzinspolitik und kontinuierliches zweistelliges jährliches Geldmengenwachstum eine Blase nach der anderen ermöglicht hat ? Die FED als „Bad Bank“ muß keine Abschreibungen bilden auf Wertverluste ihrer „assets“, als einzige Bank kann sie selbst Einlagen in unbegrenzter Höhe bilden (fiat money), sie druckt sich ihre Einlagen, sprich „Grünrücken“, einfach selber.
    Das ist das berühmte „Quantitive Easing“, das der Don ja schon anzusprechen geruhte, vermeintlich „werthaltige Schuldversprechen“ von Staaten, Industrieunternehmen und zukünftig wohl auch Privatpersonen in die eigene Bilanz aufnehmen und dafür bunte Scheine in Umlauf bringen. Die EZB rühmt sich ja noch einer formellen Unabhängigkeit von den EU-Gremien, wir werden aber alle noch die „Nullzinspolitik“ eines gewissen Monsieur Trichet erleben. Und das „quantitive easing“ kommt auch noch, nur eben „konjunkturpolitisch“ – wie immer bei der EZB – zu spät, um wirklich hilfreich sein zu können.
    Und entgegen weitverbreiteter Meinung muß das „überschwemmen“ des „Stimmviehs“ mit buntbedrucktem Papier bzw. das „Heliing“ (aus dem Hubschrauber über öffentlichen Plätzen Geldscheine abwerfen) nicht zwangsweise zur Hyperinflation führen. Denn die effektive Geldmenge bildet sich finanzmathematisch aus dem Produkt von Bargeldmenge und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, wobei die Umlaufgeschwindigkeit extrem nachläßt, weil jeder Angstsparer und „Rezessionsverschüchterte“ die Kohle zur Bank trägt und die Bank selbst das Geld nicht weiterverleiht, sondern bei der Zentralbank als geringverzinste Liquidität hält, um Eigenkapitalrücklagen für ihren eigenen quartalsmäßig niedrigerzubewerteneden, letztlich aber wertlosen „Finanzschrott“ zu bilden.
    Aber die Gefahr, das umlaufende Bargeld nicht rechtzeitig aus dem Markt zu ziehen, wenn die Konjunktur wieder richtig anläuft, ist unverkennbar. Bisher ist dies noch nie gelungen, weil alle Notenbankentscheidungen erst mit einem halben Jahr Nachlauf wirken, und die Hellseher sind ziemlich rar gesät. Die Hyperinflation nach der derzeitigen Deflationsphase ist somit recht wahrscheinlich, zumal die jetzt vorgenommenen Schuldversprechen der öffentlichen Hand nie getilgt werden können und allein schon die Zinszahlungen alle öffentlichen Haushalte überfordern werden, von Tilgung oder „Schuldenbremse“ kann höchstens geträumt oder „politgeabsichtet“ werden. Nur die „Weginflationierung“ von Schulden kann den Währungsschnitt verhindern, der dann kommt, wenn Staaten pleite sind. Alternativ kann es noch einen Krieg als Begründung für einen Währungsschnitt geben, aber der ist ja heute noch nicht absehbar.

  36. @Don Alphonso: Stichwort...
    @Don Alphonso: Stichwort technische Probleme, altes Notebook
    Im Zuge der gezielten Wertevernichtung zugunsten Neuabsatz und Arbeitsplatzerhalt ist jetzt ein bekannter Elektronikmarkt auf den „Verschrottungsprämien-Zug“ media-wirksam aufgesprungen (huch, war das jetzt Schleichwerbung?).
    Wie wäre da der Kauf eines neuen Geräts gegen 100 Euro Abwrackprämie für das Altgerät als gewissermaßen patriotischer Akt, als Vertrauensbeweis in Wirtschaft, große Koalition, Weltfinanzsystem, Stabilität der Erdumlaufbahn, galaktische-göttliche Weltordnung ?

  37. Das alte Schlachtross zuckt...
    Das alte Schlachtross zuckt wieder und flackert mit den Augen. Ausserdem knistert es, aber das ist mir egal.

  38. Franz, 11:54: Sicher - wenn...
    Franz, 11:54: Sicher – wenn man ohnehin vermögend ist, und vielleicht mit anderen Währungen absichert, warum nicht. Nur sind die wirklich guten Immobilien gerade vollkommen ausgerauft. München Zentrum etwa: Kaum Angebote, wahnwitzige Preisentwicklung. Die Kombination „richtige Immobilie mit richtigem Preis und richtiger Bank“ ist das eigentliche Problem.
    Ja, das britische Tee-Elend ist bekannt, aber was soll man schon anderes von Leuten erwarten, die alles Schöne bei Ebay verkaufen? Traditionen enden, andere greifen sie auf. Und solange das nicht irgendwelcher Hypeplörre begossen wird, soll es mir recht sein. Tee kommt ohnehin nur aus Indien, Sri Lanka und Kenia.

  39. Wenn Immobilien gerade zu...
    Wenn Immobilien gerade zu teuer sind – wie waere es denn mit Waldbesitz? Man kann Holz hauen und sogar verkaufen, wenn erst mal der Strom abgedreht wird. Falls man sich nicht gerade Fichten-Monokulturen anschafft, bekommt man nebenbei das liebe Vieh (auch so eine neue Investitionsmoeglichkeit) noch satt wie seinerzeit. Und sollten alle urbanen Sicherungsmassnahmen scheitern – Pech, wer zwischen Gipskartonwaenden statt Ziegeln wohnt – kann man ausserdem in einer Huette im Wald die unruhigen Zeiten aussitzen und auf die naechste Hausse warten.

  40. atr: oh verzeihung. natürlich...
    atr: oh verzeihung. natürlich meinte ich das sl8.
    das ist natürlich nur halbautomatisch, aber das g36 und das sl8 haben denselben verschluss….

  41. Da hatte ich heute aber einen...
    Da hatte ich heute aber einen gar nicht so schlechten Riecher: Die Halifax bank of Scotland musste heute was von 10 Milliarden Pfund beichten. MINUS 10 Milliarden Pfund:
    http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/02/13/52446/hbust/
    Sieht so aus, als würde die Insel gerade absaufen. Und zwar auf die unschöne Art. Denn das reisst auch gleich noch Lloyds mit den Orkus. Endspiel auf der Insel.
    Ausserdem ist heute Freitag, und die amerikanische Bankenaufsicht wird vielleicht wieder etwas zu tun haben, Stichwort Schliessung.

  42. ...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leuschel
    Wer sich mit den Thesen dieses Bankiers beschäftigt wird feststellen, dass er schon vor über 20 Jahren zur Vorbereitung auf kommende Verhältnisse geraten hat, die heute offenbar weniger unvorstellbar sind als damals.
    Leuschel riet in einer scheinbar sarkastischen Übertreibung dazu, sich auf ein Anwesen mit hoher Mauer zurück zu ziehen, auf dem man seine Kartoffeln und sein Gemüse anbauen könne, sich einige freilaufende Rottweiler zuzulegen und auch die Flinte nicht zu vergessen. Galt immer als ein wenig schräger Vogel, der Mann, nichtsdestoweniger aber ein Experte mit hoher Prognosegenauigkeit.

  43. Hier ein Bericht der ARD aus...
    Hier ein Bericht der ARD aus dem Jahre 2004!
    http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_59311

  44. wenn das herrschaftswissen...
    wenn das herrschaftswissen ist, was da sermonert wird, dann ist die erleichterung groß, dass die herrschaft nicht mehr an der macht sitzt.

  45. Tja, das, was bei Ihnen und...
    Tja, das, was bei Ihnen und mir unter Strafe mit Gefängnisandrohung gestellt wird, machen die Notenbanken mit links, nämlich Geld drucken. In der heutigen computerisierten Zeit muss es nicht mal gedruckt werden, es reicht ein Mausclick von den dafür bevollmächtigten, und schon wird aus einem 0-Konto ein Konto mit, — wieviel brauchen wir denn? —, dann tragen wird den Betrag eben ein, entsprechendes Guthaben-Konto. Für diesen Mausclick, mit dem Geld aus dem Nichts geschaffen (äh, geschöpft) wird, lässt man sich auch fürstlich entlohnen. Im normalen Geschäfts- und Privatbereich würde ein solches Verhalten mindestens als Geldwäsche bezeichnet mit den entsprechenden Folgen. Und selbstverständlich kauft man damit die (Bundes-) anleihen, welche sonst keinen Käufer finden. Also pumpt man Geld in den Markt, indem man es druckt bzw. auf Konten verteilt, welche dann plötzlich Guthaben ausweisen wo es vorher tief(infra-)rot war. Ist hier jemand schonmal aufgefallen, dass die TV-Werbung mit der Schildkröte für die Bundesanleihen noch nie vorher da war? Also ich habe noch S/W-Fernsehen erlebt und nichts vergleichbares war vorher da. Warum wohl werden plötzlich Bundesanleihen im TV beworben? Weil sie eh schon unverkäuflich wie „sauer Bier“ geworden sind?
    Noch eine Frage an die „bewaffneten“ Mitstreiter hier: Wo bekommt man denn diese ganzen „Kanonen“ für alle Fälle? Gibt es Läden die nach dem Motto „Keine Fragen, keine Lügen“ alles verkaufen?

  46. Kleine Anmerkung: Der Brite...
    Kleine Anmerkung: Der Brite trinkt seine Getränke eher to take-away, to go gibt es in Amerika.

  47. Brauchen die Stützen der...
    Brauchen die Stützen der Gesellschaft nicht selber geistige Stützen ?
    Was waren Werte wie Ritterlichkeit, preußische und hanseatische Tugend?
    Ein Ehrenwort zählte! Man hatte Vertrauen in das Wort und Urteil eines
    Bürgers, eines ehrlichen Kaufmanns.
    Der Proll hat nicht die Notwendigkeit der Moral wie es das Bürgertum braucht.
    (Vgl. Woyzeck, Büchner). Bürgertum ohne ein moralisches Korsett, ohne Werte, ohne Tugenden , ohne VERTRAUEN in den anderen Bürger .
    Welchen geistlichen und weltlichen Instanzen kann man noch vertrauen,
    sind nicht fast alle durch die Handlungen der Akteure bereits in den Sumpf
    der unmoralischen, geldgieren Prolls gezogen.
    Natürlich gab es immer schwarze Schafe, heute besteht die Herde aus schwarzen Schafen, wo sind die weißen ? Wo sind die Leuchttürme ?

  48. Stralau, vielen Dank für den...
    Stralau, vielen Dank für den Hinweis. Ich sehe schon, ich werde nicht umhinkommen, das Land meiner Kritik demnächst in Person aufzusuchen.
    Hanseatische Tugenden? Welche? Ich glaube, die letzten Tugenden, die ich dort sah, waren Gefälligkeitsartikel, giftgrüner Verrat, und der unfassbare Vorgang, dass sich immer noch in der Politik tummelt, der Leute mit Hang zu Günstlingen, unerlaubten Rauschmitteln und rassistischen Ansichten auf öffentliche Ämter hob. Ansonsten: Schon die Buddenbrooks sollen sich zu Beginn nur verkauft haben, weil in der Heimatstadt des Autors eine Liste kursierte, die die jeweiligen pfeffersäckischen Vorbilder offenlegte.

  49. Lebemann, dieser Stein hat...
    Lebemann, dieser Stein hat auch in den Stadtmauern den hungrigen Schweden gebremst. Und es ist Vollziegel. Nichts mit Luftlöchern oder so, Das hält Jahrtausende.
    mbiller, das bewährte St-Floriansprinzip bewährt sich bei Ausschreitungen entweder durch dicke Mauern, oder durch lafontainen, also sich an die Spitze zu setzen. Mit ein wenig moralischer Flexibilität kommt man damit sicher bis nach Düsseldorf – wenn der Kölner nicht vorher schon dort war. Und bironium, Du kennst ja den Spruch: Wer nicht hat, dem wird gegeben, oder er nimmt sich selbst.

  50. Rainersacht, man passt...
    Rainersacht, man passt natürlich die Anlagestrategie den Zeitläufen an. Sollte es allzu schlimm kommen, kann man immer noch in Konserven und einen Leibeigenen auf dem Land investieren. Oder gar Viehhändler werden.
    Abgesehen davon kennt man aus weniger schönen Teilen der Erde wie Südafrika, Bolivien etwas, zu dem es in Berlin noch nicht gereicht hat: Abgeschottete Wohngebiete, Hubschraubertransfer unter Hinterlassung von Zonen, in denen sich der Mob austoben kann. Allerdings glaube ich nicht, dass dazu allzuviel Potenzial in Deutschland vorhanden wäre; ich fürchte die kriminelle Energie eines Chefarztes, der seinen Golfclub nicht mehr bezahlen kann, schon heute mehr als ein ganzes Schock junger Transfergeleisteter, die sich an ihresgleichen vergreifen, wenn einfach kein Bus kommt, mit dem sie in die besseren Viertel gebracht werden.

  51. ja, an der Radikalität mit...
    ja, an der Radikalität mit der die Stützen der Gesellschaft ihre Interessen durchsetzen, können die weniger bemittelteten Klassen sich nur ein Beispiel nehmen. Keine Gewalt wird gerufen und die Leistung des zivilisierenden staatlichen Gewaltmonopols gerne in Anspruch genommen, solange man zweifelsfrei dieses auf seiner Seite hat. Solange es einen Scheidemann oder Noske gibt, wird in extremen Situationen gerne auch auf sozialdemokratische Schmuddelkinder zurückgegriffen. Die wundern sich dann immer, dass sie danach wieder am Katzentisch landen – diese Parvenüs. In (noch) weniger extremen Situationen wird gerne auch etwas Kreide gefressen und das Lied irgendeiner (Sozial-)partnerschaft oder Schicksalsgemeinschaft gesungen, in deren Dienst sich alle stellen sollen. Wobei es für manche den Lohn früher und für manche etwas später gibt. Soweit ich das sehe, sind wir im Augenblick bei letzterem angelangt. Aber es ist schön, dass es auch weiter vorausschauende Menschen gibt. Allerdings dieser Hang zum Individualismus ist dann doch vermutlich ein Zeichen gewisser Dekadenz.

  52. mmaltensen, über diese Krise...
    mmaltensen, über diese Krise kann sich bislang niemand beschweren, der sich ein Schliessen der sozialen Schere gewünscht hat: Es trifft diesmal vor allem die oberen 20% der Bevölkerung, und in einem gewissen Umfang die bessere Hälfte. Die anderen haben keine Verluste, aber in gewisser Weise hohe Preisstabilität. Wollte man wirklich was holen bei den Reichen – man denke da an Schäffler – sollte man besser heute als morgen losziehen. Arm wird für viele das neue Reich sein, wenn sie die falschen Dinge mit Krediten gekauft haben. Und es wird auch hierzulande einige derbröseln. Und obwohl ich einige Reiche kenne, ist keiner darunter, der nicht verloren hat.
    (Mir kommt gerade, dass das ein feines Thema für einen neuen Beitrag wäre)
    Wenn wir uns beispielsweise einen Staat am Rande des Zusammenbruchs anschauen: kalifornien. Da wird schon erheblich an der Polizei gespart. Im Gegensatz zu früheren Krisen ist der Staat diesmal so schlecht dran, dass es schwer sein wird, ein Gewaltmonopol aufrecht zu erhalten. Die Reichen können sich vielleicht noch mit einer Privatwehr schützen, aber diese Krise erlaubt wie viele Finanzkrisen der 3. Welt eine Neudefinition von Eigentumsverhältnissen jenseits lästiger Gesellschaftsverträge.
    Aber mal ehrlich: Wenn das Thema den unteren Schichten lästig wäre, dann gäbe es kein Neun Live, sehr wohl aber die Menschen, die eine Enteignung des Muttersenders und seiner Verblödungsmechanismen umsetzen würden.

  53. Vielleicht noch ein Nachtrag:...
    Vielleicht noch ein Nachtrag: Da oben verweise ich auf eine Geschichte – die mit den 18.5 Billionen Risikopapieren – die absolut schockierend ist, und die die EU geheim halten möchte. Ich bin hübsch abgebrüht und habe viel gesehen, aber nach dem Ding hatte ich schon ein paar Minuten, in denen ich die Wand angestarrt habe. Wenn die Risikopositionen tatsächlich so hoch sind und nur lumpige 10% abgeschrieben werden müssen, gibt es kein Bankensystem in Europa mehr. Und bei 20% auch keine EU mehr, die das retten könnte. Diese Nachricht sagt: Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wird die Krise alle, wirklich alle halbwegs gängigen Szenarien übertreffen. Das Ding ist der Schocker des Monats.
    Das hier haben über 10.000 Leute gelesen. Es steht so weit oben, damit es auch die Abbrecher mitbekommen. 10.000. Und es gibt Null Reaktionen hier dazu. NULL. Und da bleibt nur zu sagen: Entweder es ist den Leuten egal, oder sie wollen es gar nicht wissen, oder sie wissen nicht, was das an individuellen Folgen haben wird. Ich wage zu behaupten, dass Dekadenz und Kumpanei mit dem System nur die eine Seite ist. Die andere Seite ist die unfassbare Ignoranz und Leckmich-Haltung, mit der selbst die schlimmsten Szenarien schulterzuckend zur Kenntnis genommen werden. Die eine Seite kenne ich, das ist die Welt, aus der ich komme. Nicht die, die ich praktiziere, aber die, an deren Rand ich mich eingerichtet habe. Die andere Seite sind nicht nur Idioten oder Prolls, die sich mit einer neuen Glotze und einem Jahresabo Prmiere oder Hartz IV abspeisen lassen, da sind genug Leute dabei, die es verstehen könnten. Die jetzt in der Lage wären, sich zu äussern und aktiv zu werden. Sie lassen es einfach geschehen.
    Wenn Du mich nach Dekadenz fragst: Ich kaufe gern alte Möbel und erfreue mich an Luxus, und ich kann es mir leisten – auch, weil ich auf anderes verzichte. Ich weiss aus Tradition, wie ich durchkomme, wir haben alles überlebt. Die anderen aber leisten sich diese Haltung, diese unfassbare Arroganz gegenüber ihrem eigenen Leben, obwohl sie es sich absolut nicht leisten können. Es ist ihnen egal. Das ist wahre Dekadenz.

  54. 18,5 Billionen - und Sie...
    18,5 Billionen – und Sie wundern sich über den Mangel an Reaktionen, ja, Sie halten es für Stumpfheit?! Ach, gestatten Sie mir bitte ein Zitat aus Senecas Lucilius-Briefen (I,9): „Das ist der Unterschied zwischen uns Stoikern und jenen Kynikern: Bei uns überwindet der wahre Weise jedes Unglück, empfindet es aber. Bei den andern empfindet er es gar nicht. Gemeinsam ist uns und den Kynikern die Erkenntnis: Der Weise ist sich selbst genug: Und doch, sosehr er sich selbst genügt, er will einen Freund haben, einen Nachbarn und Hausgenossen. Sieh seine Genügsamkeit! Manchmal ist er schon mit einem Teil von sich selbst zufrieden“. – Übrigens, der alte Seneca war in seinen jungen Jahren ein gieriger Immobilien-Zocker, der die britischen Häuptlinge reihenweise übers Ohr gehauen hatte. Er wußte, wovon er redete. Also bitte keine Tartarenmeldungen – sie werden schon kommen, die Tartaren. Und dann gilt der alte abgewandelte Polykrates: Staunend sieht er seine Reiche und bewundernd untergehn – statt „Reiche“ sagen „Zyniker (nicht Kyniker!) heutzutage „Leiche“.

  55. Don. Das ist doch erst mal...
    Don. Das ist doch erst mal nichts anderes als ein Gerücht. Wenn man auf jedes Gerücht anspringen würde, hätte man bald einen Herzinfarkt.
    Ja doch, es ist schon eine Horrorvorstellung, dass man so hinterrücks ausgeraubt werden könnte. Von der Politik erwarte ich eigentlich, dass sie mich vor so etwas schützt. Jetzt braucht es also nicht mal mehr einen Krieg um ruiniert zu werden.
    Und was heisst, sie lassen es geschehen? Wenn dieses Gerücht stimmt, ist es ja schon geschehen. Ich habe nicht gemerkt, dass da so viele verrückte Dinge im Finanzsektor laufen. Mein Bankberater hat es schon vor Jahren aufgegeben, mir was vorzuschlagen. Ich hatte nie Lust mich stundenlang mit Anlagen zu beschäftigen. Aber jemand anders hat es für mich getan. 4 Stunden hat er gebraucht, um diese Lehman-Anlage zu verstehen und sie als Zockerei verworfen. Er hat allerdings gesagt, nie im Leben hätte er gedacht, dass eine Bank pleite geht. Ich erinnerte ihn an die Barings Bank und den Fall Leeson.
    Mir fiel allerdings auf, dass viele der jüngeren Generation einen Beruf im Bankbereich angestrebten. Ich sage nur: London. Ich dachte, das ist also das neue Strebertum. Schlawinertum trifft es wohl eher. Und jetzt weiss ich auch, warum dieses junge Paar aus Irland, sich so viel leisten konnte. Kostspielige Hochzeit, Haus, Reisen. Ich kam mir schon seltsam vor mit meinem zurückhaltendem Lebensstil.

  56. 18,5 Billionen? In welchen...
    18,5 Billionen? In welchen Bilanzen sollten diese Papiere denn verbucht sein? Addieren Sie doch mal die Bilanzsummen aller grossen Banken Europas. Da müssten die Aktivseiten ja fast ausschliesslich aus Risikopapieren bestehen.
    Nach meiner (begrenzten) Kenntnis könnte es sich bei dieser Summe um Commercial Default Swaps handeln, und das sind m. W. Versicherungspapiere für Darlehn. Wenn Sie die Allianz fragen, wieviele Risiken sie versichert hat, und sie Ihnen wahrheitsgemäss mitteilen würde, wie hoch die Summe ist (worst case), dann würden Sie bei der Auskunft vor Schreck umfallen. Hier dürften auch Risiken zwischen gleichen Vertragspartnern addiert worden sein, die gegeneinander aufgerechnet werden müssen. Risiken sind nicht gleichzusetzen mit Verlusten. Hoffentlich. Sie werden für Ihr Auto wahrscheinlich eine unbegrenzte Haftpflichtsumme haben – theoretisch kann Ihre Versicherung durch einen Schaden, den Sie verursachen, pleitegehen.
    So sehe ich das, und das ist die derzeit sinnvollste Haltung: es kommt alles an ’s Licht der Sonne. Vielleicht wird uns in 10 Jahren ja mal einer verständlich machen können, was passiert ist. Bis dahin hilft Panik nicht.

  57. Ausserdem, Driver, kann man so...
    Ausserdem, Driver, kann man so einen Flügel auch im Notfall zur Wärmerzeugung einsetzen – der Mensch tut viel, wenn er friert. Und aus den Saiten lassen sich Sehnen für Bögen gewinnen, die beim Abschuss auch schön klingen. Auch das geht mit einem SLK nicht.
    Lebemann, man muss sie nah herankommen lassen und die mit Sauborsten und Salz gefüllte Flinte sehr kurz absägen.

  58. @Don Alphonso - 14. Februar...
    @Don Alphonso – 14. Februar 2009, 18:59
    Nicht dass ich selbst ein Jesus reloaded wäre…
    Was konkret ertwarten Sie hier oder unter den stärkeren Unterschichtlern für Reaktionen?
    Wie kommen Sie darauf, dass hier in diesem Blog zum ersten und einzigen Mal solche Zahlen und Szenarien genannt werden?
    Worin besteht Ihr Beitrag, als nur den eigenen A*sch trocken zu halten, obwohl Sie (den Texten offensichtlich zu entnehmen) einem eigenen Nachwuchs nicht in Verantwortung stehen?
    Ihre Schreibkunst & lyrischen Motive in Ehren, aber ich lese hier wegen Unterhaltung und Selbstreflektion mit, nicht für Realitätserweiterung oder Lebensberatung.
    Es gab in den letzten 10 Jahren genügend Menschen, welche mit klaren Gedanken auf die Grenzen des Wachstums oder der Zockerei dieser Finanzmärkte hingewiesen haben, nur hat man diese allzuoft zu Spinnern degradiert, heute weiß jedes Kind warum.
    Wie sich manche hier dank Glock & Co, die aller Feuerkraft zum Trotz kein Tröpfchen in gesellschaftliche Steine schlagen, von eigener Sterblichkeit ablenken, na gut, solche Panik-Opfer gibts oben wie unten. Die Waffenindustrie hat übrigens noch nicht um staatliche Hilfpakete geheult (vielleicht weil in dieser Branche Dauerhilfe Usus ist).
    Und nein, ich fühle mich selbst nicht besser, hier den naiven Gutmensch abzugeben, Dekatenz war mir immer ein lieber Sport, aber nicht mehr als ein Sport.

  59. Don Alphonso, nun ja, das...
    Don Alphonso, nun ja, das Schließen der sozialen Schere über die Verarmung der besser bemittelten Stände ist m.E. nun wirklich auch nicht ein erstrebenswertes Ziel. Zeigt es doch eher, dass Gerechtigkeit kein sonderlich materialistisches Anliegen ist. Es ist sicher eine Besonderheit dieser Krise, dass darunter zuerst gerade die Vermögenden leiden, statt – wie üblich – die Mittellosen den Schaden haben und die Vermögenden den Nutzen. Aber allmählich „frisst“ sich die Krise auch in Richtung der weniger Begüterten durch (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit). Bisher wurde ja immer verkündet, dass alles nicht so schlimm wird. Und was hier m.E. wirklich auf eine bisher sehr erfolgreiche Art und Weise genutzt wird, ist das Ergebnis von viel Erziehung und „Überzeugungsarbeit“ und – so die Plebs nicht einsichtig war – auch von Gewalt, die den Leuten offensichtlich eingeleuchtet hat: Die Abhängigkeit von denen da oben, oder vornehmer „von der Wirtschaft“ oder „der Politik“. Und auch die schärfsten Kritiker – nachdem sie sich am Stammtisch über die da oben, die sie doch nur „verarschen“ ergangen haben – gehen dann halt wieder brav wählen, weil man was Anderes ja nicht tun kann. Darauf aufbauend eine Psychologisierung, die auch fast allen einleuchtet, nach der man ja nur wollen muss und dann klappt es schon. Also muss jetzt „das Finanzsystem“ gerettet werden und der größte Feind ist der Pessimismus. Behaupten ja allen Ernstes Medien und Politiker. Wie kürzlich in der Zeit-Online berichtet wurde, wurden dafür schon im Oktober die Chefs der wichtigsten Tageszeitungen ins Kanzleramt geladen und gebeten, dies doch auch so zu verkünden (http://www.zeit.de/2009/06/Ratlosigkeit). Was, soweit ich den Überblick habe, auch bestens gelang. Will auch sagen: So ganz ohne Nachhilfe von oben kommt die Sie frappierende Ruhe schon nicht aus, von selbst hat sich die nicht eingestellt. M.E. sind nicht Ignoranz und Arroganz die Grundlage sondern ein – ein Leben lang verlangter und eingeübter – Opportunismus, der bei jeder ernsthaften Opposition schon immer weiß, dass „das nichts bringt“ und „man nichts machen kann“ „die Realität so ist“ und sich nach oben streckt (und unten tritt). Wenn resigniert, weiß, dass „alles nichts bringt“ und man in der Besten aller möglichen Welten lebt (Candide ist gegen solche Abgeklärtheiten eher ein leichter Fall der Überzeugung). Da ist es nur logisch, dass man sich nicht vertieft um der Welten Lauf kümmert, weil man ja sowieso nichts ändern kann. Und nur weil es nicht ein bestimmter Reim ist, heisst das ja nicht dass sich nicht (fast) Jede und Jeder inzwischen einen (vorgestanzten) Reim gemacht hat, der häufig wohl so geht: Die individuellen Verfehlungen und Machenschaften (hier wird dem Volkszorn Raum gegeben) haben die segensreiche Einrichtung der Finanzmärkte ruiniert und nun wird unter Angelas, Guidos und Peers Führung die Sache wieder in Ordnung gebracht, nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt und Deutschland wird gestärkt aus der Krise hervorgehen. Und keiner lacht!
    Wenn man obiges geschluckt hat, erst dann haben m.E. solche Sender wie Neun-live (gibt’s den noch?) eine Chance. Eine Garantie ist das aber nicht: Obwohl das Fernsehen in Kalifornien nicht wirklich besser ist, gibt es dort zum Beispiel doch eine ansehnliche Zahl von jungen tatkräftigen Burschen, die ein „corriger la fortune“ auf ihre Fahnen geschrieben haben und den amerikanischen Traum auf ihre Art verwirklichen wollen. Und auch sehr solide Aufstände mit Abfackeln von Stadtvierteln kamen hie und da vor. Da ist eine Segregation incl. Mauer ganz nützlich.
    Was den Individualismus und die Dekadenz betrifft: Hm, das war ironisch gemeint. Es bezog sich darauf, dass Sie und Andere sich immer nur einzeln verbarrikadieren wollen. Da kannten die Altvorderen Ihrer Klasse schon die kollektive Aktion.

  60. Kampfstrampler, korrekt...
    Kampfstrampler, korrekt eingeordnete Klassiker der betrügerischen Denkens sind hier stets willkommen, auch Cicero darf zitiert werden, ja sogar die Kirchenväter werden, zeitgeschichtlich sortiert und mit vorgezeigten Innereien, akzeptiert. Ich darf Ihnen versichern, dass hier niemand etwas gegen tote, verkommene Heuchler und Lügner hat, und mit deren lebenden Nachfolgern weren wir uns an diesem Orte aus gepflegter Plauderei heraus noch oft beschäftigen – in der Hoffnung, diese Figuren später nicht als Vorbilder in Schulbüchern zu finden.

  61. loreley, nun, die EU hat auf...
    loreley, nun, die EU hat auf Anfrage vermieden, das Papier zu dementieren und hüllt sich in Schweigen. Sprich, man hat sie erwischt, und nun pressen sie die Lippen zusammen. Gerücht ist etwas anderes. Und ich würde sicher auch nicht auf „Alles“ anspringen, aber das ist schon ziemlich aussergewöhnlich.
    Allerdings ist, wie bei jeder Katastrophe, immer noch die Frage im Raum, wer zahlt und wer sich bereichert. Und ich finde schon, dass man, wenn etwa ein CSU-Wirtschaftsminister gegen die Enteignung und für die Bereicherung von Aktionären und Zockern auf Staatskosten eintritt, wie bei der Hypo Real Estate im Moment, man dann auch mal was sageb, bloggen oder in einer Mail diesen leuten mitteilen kann. Ich bin auch sehr erstaunt darüber, dass es keine Proteste gibt. Ich mein, mir könnte es egal sein, wenn die tatsächlich mit der Plündrung des Gemeinwesens ohne Gegenleistung durchkommen, ich schreibe hier gegen meine Klasse und ureigensten Interessen, ich müsste auf die FDP hoffen und darauf, dass Leute wie der Ackermann das Ruder übernehmen.
    Bei anderen bin ich über die Ruhe wirklich erstaunt.

  62. wolfram, nach Angaben des...
    wolfram, nach Angaben des Telegraph handelt es sich um ein Drittel der Aktiva.
    Unabhängig davon wäre selbst eine erheblich kleinere Summe immer noch genug, um die EU bei Abschreibungsbedarf platzen zu lassen. Die Banken sind soch jetzt schon am Ende der Fahnenstange, ein hoher Anteie der Verluste werden die Staaten nach und nach zuschiessen müssen. Entweder wie die Deutschen, deren Auktionen nicht mehr so gut laufen, oder wie die Briten, die elektronisches Geld drucken. Das kann und wird nur eine begrenzte Zeit gut gehen, weil die Schuldnerqualität der EU auseinanderbricht. Irland ist jetzt schon ko, Spanien dürfte mittelfristig folgen.
    Ich finde durchaus, dass man sich beizeiten damit auseinandersetzen sollte. Nachher sind alle klüger, aber ich denke, ich wäre nachher gerne auch noch halbwegs vermögend.

  63. Don, ich erklär dir das mal...
    Don, ich erklär dir das mal :-): ein Grund, warum es so ruhig ist, könnte das erfolgreiche Ego-Brainwashing sein in dieser „Klasse“ UND in der darunter.
    Ego-Brainwashing in dem Sinn, dass das in unserer mittlerweile a la „pursuit of happiness“ des Einzelnen durchindividualisierten und entbürgerlichten Gesellschaft das sich clever Bereichern inzwischen als völlig „normal“ und nicht als a-sozial gilt. Noch ärger: Wer es nicht tut, gilt als nicht smart, als Trottel, der auch noch die andere Backe hinhält. Es wird zwar von den bürgerlichen „Klassenangehörigen“ hinter vorgehaltener Hand oder mit Understatement am Stammtisch des zierlichen Teetischleins über die Banken und diese seltsame Konstellation gemeckert, dass Banken Milliarden Schulden anhäufen dürfen, sie hohe Boni auszahlen UND dennoch Staatsknete bekommmen. Aber auch der kleine etwas unbürgerlichere Arbeiter/Angestellte in der Eckkneipe „akzeptiert“ im Grunde diese darwinistische Denkkategorie im Grunde. Ach was, er ärgert sich nur, dass er nicht derart partizipieren kann, denn er hat sie genauso verinnerlicht und versucht häufig das wenige, das ihm möglich ist, auf die gleiche Art (das Finanzamt a bisserl anlügen). Er kann zwar nicht im „großen Stil“ abgreifen wie Banken oder Firmen das können, das weiß er. Scheinbar ist er mit den kleineren Erbsen zufrieden. Eine andere Erklärung über diese erstaunliche Ruhe finde ich derzeit für als die: bis runter zu Hilfsarbeitern und Berliner Startuppern „mental rasiert“ in Richtung eines sehr schräg und asozial verstandenen pursuit of happiness.
    In einer Zeit, in der geldgeile Coaches nicht müde werden, das unrealistische Dogma zu betonen, dass jeder (Trottel?) Aufstieg/Karriere/Geld schaffen könne, wenn er/sie nur wolle, wundert mich das gar nicht. Dieses Dogma ist die Stillhaltedroge No. 1, die gerade in Zeiten des Beschiss’s (schreibt man das Genitiv-„s“ so?) greift. Am zierlichen Teetisch, in der Eckkneipe und am Computer.

  64. Mensch, wenn die EU...
    Mensch, wenn die EU tatsächlich „platzen“ würde, wäre das doch eine spannende Angelegenheit! Und vermögend bin ich jetzt nicht und werde es auch in Zukunft nicht sein. Mehr als das Leben habe ich nicht zu verlieren. Und da ich am Ende ohnehin in die „Ewigen Jagdgründe“ eingehen werden: wenn Europa im Chaos versinken sollte, trete ich die Reise eben etwas früher an. Wo ist das Problem? Menschen, die nichts haben, haben auch nichts zu verlieren. Aber es ist immer wieder schön, von den Problemen der FAZ-Leser zu hören. „Wie rette ich mein Vermögen?“ ist ein Problem, um das Sie von den meisten Menschen in der EU beneidet werden, lieber Don.

  65. Lieber Don Alphonso, Sie...
    Lieber Don Alphonso, Sie machen mir schon wieder Angst mit Ihrem merkwuerdigen Phantasien. Sind Sie ein Einzelfall? Oder denkt inzwischen eine Mehrheit des Grossbuergertums wie Sie? Ihnen gehoert doch sowieso schon fast alles. Und so wird auch bleiben. Also Mund halten und weitermachen. „Supp dek duhn un freet deck dick, und hol de Muul von Politik.“ So sagten es meine Vorfahren, ein suedostniedersaechsisches Bauergeschlecht, Anfang der dreissiger Jahre. Ich empfehle Ihnen aehnliches.
    Gruss aus Baku
    Ernst Wilhelm

  66. @two
    Es gibt auch noch etwas...

    @two
    Es gibt auch noch etwas mehr als nur Vermögen. Ein Leben in einer friedlichen Demokratie etwa. Wer meint, das sei nichts wert, dem geht es zu gut.

  67. Max "Was konkret ertwarten Sie...
    Max „Was konkret ertwarten Sie hier oder unter den stärkeren Unterschichtlern für Reaktionen?“
    Keine Ahnung, aber ginge es um meine Haut, würde ich das alles nicht so schlucken – und obwohl es mich vermutlich kaum einschränken wird, schreibe ich seit zwei Jahren über das Problem. Ich habe ein wenig Ahnung von Worst Case Szenarien, und wenn es nicht so schlimm kommt wie da oben angedeutet, und ich meinen Keller nicht reaktivieren muss, dann komme ich tatsächlich unbeschadet durch. Aber für den Teil der Bevölkerung, der die mittlere Hälfte ausmacht, und die das klassische „Wohin mit meinen 20.000 Euro Ersparnissen“-Problem hat, wird das kein Vergnügen. Hartz IV lässt grüssen, und genau von denen würde ich angesichts des Drohenden Duck auf die Politik machen, damit diese Gesetzgebung ausgesetzt wird. Dafür gibt es Blogs, Strassen und Plätze.
    mmaltensen, soweit mir davon berichtet wird, ist gerade das herabzerren der da „Oben“ ein beliebstes Spektakel, angefangen bei den Judenläufen der Renaissance in Italien über die französische Revolution bishin zu den diversen Demütigungsshows im TV.
    Und es funktioniert ja auch gerade mit den Nebelkerzen der Bonidebatte: Plötzlich sind da die Büttel des freien Marktes die lautesten Plärrer, obwohl sie im Falle von Frau Merkel in Person damals den Problemen das To geöffnet hat:
    http://www.weissgarnix.de/?p=620
    Man benennt ein paar Sündenböcke, die Mehrheit findet das auch gut und wählt wieder die gleichen Personen. Und Parteien. Weil die ja was tun. Trotzdem kann es nicht verboten sein, sich eine Debatte zu wünschen, die nicht nur vom medial verwendbaren Geblöke der Saison abhängig ist. Ich hätte das wirklich sehr, sehr gerne.

  68. Vroni, ich denke, da gibt es...
    Vroni, ich denke, da gibt es schon noch erhebliche Unterschiede. Dass es im Sumpf des Berliner Prekariats eine gnadenlose Abzockermentaltät gibt, dass man dort Coolness predigt und Mitarbeit jenseits aller Regeln und Normen praktiziert, ist sicher sowas wie die „Neue Bundesrepublik“. Die gibt es genauso in Agenturen, in Banken und besonders stark im Netz, man denke da nur an Zoomer und ähnliche Projekte. Nur, wenn ich mich hier umschaue, dann ist das durchaus noch erheblich anders. Ich muss nicht jede Form von Engagement schätzen, aber ich würde wirklich lügen, wollte ich hier eine Entsolidarisierung grösseren Ausmasses erkennen. Es gibt welche, die waren schon immer so. Aber auch, wenn es mitunter schon in einen sozialen Überwachungsdruck umschlägt: Hier bei uns gibt es wirklich intakte Systeme, die genau nicht nach Marktprinzipien funktionieren.
    Teo, natürlich wäre das spannend. Ich habe ja auch schon die entsprechenden Linien und Grenzen vorgeschlagen:
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/default.aspx
    Trotzdem glaube ich, dass sich dieser Kontinent sauber erhalten wird. Lieber sitze ich in einem bröckelnden Europa, als, sagen wir mal, in einem untergehenden China, oder den bankrotten USA.

  69. Stattgegeben. Es gibt nicht...
    Stattgegeben. Es gibt nicht nur die Gnadenlosen.
    Verglichen mit einer mittelalterlichen Ständegesellschaft, in der jeder nahezu unveränderbar und von Gottes Gnaden meist (Legitimation von oben) eingebettet war in seinen reichen oder armen Stand, glauben die meisten Menchen heutzutage – auch die solidarischen – dass es 100%ig an ihnen liegen müsse, wenn sie im Leben erfolgreich sind (Erfolg= Geld? Ruhm? Reihenhaus?) oder wenn sie versagen.
    Auf diesen Punkt wollte ich eigentlich hinaus: Wer heute auf keinen grünen Zweig kommt, seine Geldanlagen verliert, dann seine Frau… oder wer vom Gaul auf den Hund kam (Hartz 4), gibt sich meist 100%ig selber die Schuld dafür, weniger dem (kapitalistischen und ver-individualisiertem) System, in dem er lebt.
    Und wer sich selbst die Schuld gibt, der macht keine Revolution, der ist schön still, hält die Klappe, geht mit gesenktem Kopf zum Psychologen und lässt sich mit Wort und Medikament“wiederherstellen“. So meinte ich das mit der seltsamen Ruhe, wo doch eigentlich Unruhe sein müsste (was ich auch so sehe): die Leute sehen die Dinge nicht im Zusammenhang, sondern immer nur auf sich selbst bezogen, immer schön brav dem amerikanischen Traum nachhechelnd. So wird das halt nix mit dem Aufstand jenseits der Mauer der reichen Stadt.

  70. Nein. Es ist eher der Glaube,...
    Nein. Es ist eher der Glaube, nichts ändern zu können, der Leute passiv macht. Man ist viel zu vereinzelt in unserer Gesellschaft.
    So viel Selbstzerfleischung sehe ich nicht. Die Eliten machen das übrigens überhaupt nicht. Da stellt sich keiner hin und sagt, dass er einen Fehler gemacht hat. OK, ein paar wenige haben sich umgebracht. Aber die meisten kommen gut durch.
    Warum haften eigentlich Manager nicht? Mit fremden Geld spielen tut nicht weh.

  71. ja, Don Alphonso, was die Boni...
    ja, Don Alphonso, was die Boni betrifft, liefert der Spiegel heute wieder ein schönes Beispiel. Er kann sich gar nicht einkriegen, über die „Schamlosen“. Haben, statt was ihre Aufgabe ist, die Realwirtschaft mit Kredit zu versorgen, sich schamlos bereichert. Ich weiss ja nicht wann das mit der Kreditversorgung stattgefunden hat, ausser in den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern. Irgendwie hatte ich immer schon den Eindruck, selbst während einer Tätigkeit in einer Bank, dass das Kreditgeschäft dafür da ist, die Bank reicher zu machen. Der Spruch, dass eine Bank bei Schönwetter Regenschirme verkauft, die sie bei Schlechtwetter einsammelt, ist ja auch nicht erst von gestern. Und das sind dieselben, die eine Opposition gerne mit dem Vorwurf von Illusionen bedenken.
    Das mit dem Politiker wählen, „weil sie was tun“ halte ich schon für etwas kurzschlüssig. Für die Politiker der DDR zum Beispiel, die ja auch „etwas getan“ haben, war das jedenfalls im Westen wie Osten kein Pro-Argument. Nein da steckt schon etwas mehr an Zustimmung dahinter. Wenn man schon mal gefragt wird, dann wählt man auch – was bedeutet, dass man sich mit seiner eigenen Beherrschung einverstanden erklärt – weil man als abhängige Variable jemanden an den Hebeln der Macht sehen will, der nach allen raffinierten Begutachtungspraktiken ein kompetenter Führer und Verwalter der Nation ist. Da ist dann Angela halt als Frau sympathisch, weil sie bescheiden ist, oder auch weil sie ja diesen ausländischen Politikern Mores lehrt. Auf die Idee die Abhängigkeit in Frage zu stellen kommt aber niemand. Im Gegenteil: Weil man periodisch wählen gehen darf, bilden manche sich ein, die Politik wäre abhängig von ihnen. Dabei geht es ja nur um das Personal, das einen beherrscht und das – wie es ja immer so gerne verkündet – „alternativlose“ Dinge tut.
    Und ja, es ist nicht verboten darüber zu diskutieren, allerdings auch nur solange es beim Diskutieren bleibt. Natürlich darf man auch Blogs schreiben, und auf Straßen und Plätzen demonstrieren. Für all das gilt, was Kohl bezüglich der Friedensbewegung mal gesagt hat: Die demonstrieren, wir regieren. Aber schon Du würdest mit dem Gesetz in Konflikt kommen, wenn Du auch nur ansatzweise praktizieren würdest, wovon Du so manchmal schreibst.

  72. Ich war in Wackersdorf. Ich...
    Ich war in Wackersdorf. Ich bin in Bayern aufgewachsen, in einem unsagbar dumpfen, schwarzen Bayern, und ich weiss, wie schnell man da Regeln brechen kann. Das problem sind nicht mal die Gesetze – es sind die Regeln der Mächtigen im Vorfeld.

  73. ups, eine Korrektur, "Die...
    ups, eine Korrektur, „Die demonstrieren, wir regieren“, stammte von Wighard Härdtl, dem Referenten von Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU), nicht von Helmut Kohl. Widersprochen hat ihm aber auch keiner der damals Regierenden. Wohl eher die Stimme seines Herrn.

  74. na ja, auch in Wackersdorf...
    na ja, auch in Wackersdorf wurden ziemlich viele abgegriffen und mit Landfriedensbruchklagen und Anderem überzogen (zum Beispiel http://www.zeit.de/1991/48/StehnS-auf-SindS-fusskrank). Und eingestellt wurde es auch nicht wegen des Widerstands, sondern weil die Versorgungsunternehmen nicht mehr wollten. Da weiss man doch wessen Wille zählt und wessen nicht.

  75. Sehr geehrter Don,

    ist die...
    Sehr geehrter Don,
    ist die Bewerbungsfrist eigentlich schon abgelaufen, haben Sie längst eine Vorauswahl getroffen oder gibt es noch vage Chancen auf die Stelle als Zofe?
    Ihrem Text konnte folgen, auch inhaltlich, die Pointen erschlossen sich mir und neben den typisch kammerzöflichen und hauswirtschaftlichen Verrichtungen bin ich auch in Literaturwissenschaften, Gesang und Pianospiel ausgebildet. Und besonders das Hacken gleichmäßiger Holzscheite gehört in mein Leistungsprofil.
    Desweiteren könnte ich auch Ihre Pferde betreuen.
    Ich weiß nicht, ob Sie die selben Kriterien an die Zofe Ihrer Madame legen wie Herr Lückemeier an seine Praktikantinnen, aber einem gepflegten, jugendlichem und ansprechenden Erscheinungsbild entspreche ich durchaus.
    Es ist nur, die von Ihnen gezeichnete Idylle Ihrer Heimstatt ist eine Art Silberstreif der Hoffnung am Horizont meines trostlosen Verarmte-Bildungsbürger-Daseins.
    Wenn Sie mich nicht anstellen wollen, können wir dann wenigstens studiVZ-Freunde werden?
    Äh ja, und schießen kann ich auch, sogar ausgezeichnet! Ehrlich!

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