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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Vom Versuch, die bessere Gesellschaft noch besser zu machen

| 98 Lesermeinungen

Natürlich soll es den Kindern mal besser gehen. Die Frage ist nur, wie es Kindern noch besser gehen soll, wenn es den Eltern eigentlich schon sehr gut geht. Konkret: Wie geht der soziale Aufstieg weiter, wenn man an der Spitze des Sozialprestiges angekommen ist? Darauf gibt es eine Antwort, die nicht gerade ein angenehmes Licht auf meine Kreise wirft, aber immerhin: Wir wohnen weiterhin am See.

Man muss schon sagen, dass es eine Lust ist, mit diesem Pack zu leben.
Voltaire, Philosophisches Wörterbuch

Manche fanden diesen Beitrag über einen Spielplatz am See hier nicht nett. Und glauben, man müsse mit Defiziten in das Leben gehen, würde man in den richtigen Vierteln am richtigen See aufwachen. Dabei merkt man das als Kind nicht. Man wohnt halt am See. Da ist der See, daneben das Viertel, um das Viertel herum sind ein paar Wiesen und Wälder, und in etwas Entfernung andere Viertel, die ähnlich aussehen, aber keinen See daneben haben. Aber dafür den Golfplatz oder die Tennisplätze. Ansonsten ist es überall das gleiche: Jede Familie hat ein Haus, einen Garten, zwei Autos, die Kinder gehen alle auf die Gymnasien, spielen miteinander und baden am See.

Man weiß wirklich nicht, wie das anders sein sollte. Man sagt Unsinn wie „Ich könnte es mir ja nie vorstellen, in einem Block zu wohnen“, man beleidigt andere, ohne es überhaupt zu verstehen. Man erfüllt ein paar Erwartungen, man hält sich an die Regeln, man hat die angemessenen Manieren so verinnerlicht, dass sie einem überhaupt nicht mehr auffallen, solange sich keiner in der Schule den Spaß macht, gegen den Anstand ausdrücklich mit Körpergeräuschen zu verstoßen. Aber dafür wohnt der ja auch nicht am See. Sondern woanders. Vielleicht sogar im Block.

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Es gibt viele Blocks in der Stadt. Um die Firma herum, die das Geld in die Stadt bringt, wohnen fast alle in Blocks. Diejenigen, die später kamen. Es sind so viele, man muss sie in die Schachteln packen, denn etwas anderes können sie sich erst mal nicht leisten, und so viel Platz hat man auch nicht. Eine Welle von Menschen, die jene, die schon hier waren, emporhob, aus Ladenbesitzern Geschäftsführer machte, aus Prokuristen Gesellschafter, aus Bauern Grundbesitzer und aus Wohlstand Reichtum. Und aus Bürgertum die bestimmenden Kreise.

Diese Transformation stößt hier an natürliche Grenzen. Was bringt es, zu den oberen 10.000 einer Stadt zu gehören, die nur ein paar hundert relevante Familien umfasst, und mehr oder weniger Blockbewohner. Der soziale Aufstieg ist abgeschlossen; wer hier erst mal oben ist, kommt kaum weiter. Es gibt kein Viertel, das noch besser wäre, es findet sich keine Gegend, in der noch bessere Leute wohnen würden. Mitte der 80er Jahre ist die Entwicklung am Ende, die Träume von Generationen so weit wie möglich erfüllt. Mit der Erfolgsgeschichte der Stadt steigt man weiterhin relativ zum Rest des Landes auf, die Mieten erreichen Münchner Niveau, und das Arbeitsamt weiß nicht, wo es noch Arbeiter herbekommen soll: Nur innerhalb des Sozialsystems der Stadt verharrt man an der Spitze der Nahrungskette.

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Also werden die Kinder gleichsam Aussenposten in der Fremde. München bietet sich an. München kennen die Kinder schon von früher, als sie in mit der AG Literatur die Oper gefahren sind, die es daheim natürlich nicht gab. München ist ein Kaff wie daheim, nur größer. Dazu gibt es einen adäquaten Auftritt: Keine Mietwohnung, sondern gleich eine Eigentumswohnung. Es gab und gibt es keine „Mietleit“ in der Familie, mieten mag praktisch sein, aber es ist nicht üblich; da füttert man nur den Vermieter, man wäre am falschen Ende der Nahrungskette, also: Gärtnerplatz. Maxvorstadt. Südliches Schwabing. Das lohnt sich. 100% Wertzuwachs in 20 Jahren.

Das Studium verbringt man mit Leuten, deren Eltern meist keine Wohnungen kaufen. Das Nachtleben dagegen mit Leuten, deren Eltern in Grünwald oder in Bogenhausen wohnen. Daheim gab es fünf Läden, in die man gehen konnte, in München gibt es auch nur fünf Läden, in die man gehen kann. Man rutscht da so rein, man hat die nötigen Qualifikationen, man hat daheim gelernt, sich hier richtig zu benehmen, und die Party im Seehaus, in die man nur mit persönlicher Einladung kommt, wird ohnehin vom Sohn des Zahnarztes aus dem alten Nachbarviertel mit dem Golfplatz organisiert. Dem Sohn macht das mehr Spass als eine Praxis, in der er Arbeitern in der Heimatstadt im Mund rumbohrt. Dann geht die Sonne über dem Englischen Garten auf, und das Licht funkelt in den Tropfen an den beschlagenen Fensterscheiben, die nicht mehr im Takt der Musik vibrieren. Man geht durch den Park heim, über den mittleren Ring donnert der absurde Berufsverkehr absurder Beschäftigungsnachgeher, und die Freunde, die aus der Heimat kamen, rasen in die Schule zurück. Man hofft, dass ihnen mit dem gelben Fiat Uno Turbo nichts passiert, den sie sich vom Kollegen der Mutter, sagen wir mal, ausgeliehen haben. Sonst gibt es daheim Gerede.

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Nun müsste etwas geschehen, eine Entwicklung müsste einsetzen, eine Karriere, eine Wiederholung der elterlichen Erfolgsgeschichte auf höherem Niveau, vielleicht schneller, vielleicht besser oder wenigstens reicher, aber manche kehren zurück in die Provinz, weil es ihnen dort besser gefällt. Andere bleiben in München, aber es fehlt allenthalben der Ehrgeiz und der Willen, sich gleich fest zu binden und zu heiraten. Daheim ist das anders, da wird schnell der Jugendfreund geehelicht, aber München ist eine Singlestadt. Grosse Wohnungen muss man sich erst mal leisten können. Und es gibt ein Überangebot an unverbindlichen Möglichkeiten. Man kann viel und muss überhaupt nichts. Es ist nicht schwer, sich neu zu erfinden, es gibt berufliche Chancen und immer einen, der jemanden kennt, der etwas hat. Es reicht, wenn damit ein Titel verbunden ist, der einen daheim nicht als Komplettversager dastehen lässt.

So wie die daheim. Bei denen ist es auch suboptimal ausgegangen. Die Scheidungsquote liegt auch bei den Kindern der besseren Gesellschaft auf dem Niveau übelster Blockviertel. Weil man sich nicht zusammenrauft, weil man sich nicht anpassen kann, weil man merkt, dass man hinter den eigenen Lebenserwartungen zurückbleibt. Es ließe sich trefflich diskutieren, was schlimmer endete, die Ehe daheim oder der Börsengang in München, aber am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Höhepunkt der Entwicklung wohl die Elterngeneration geblieben ist. Man fragt sich, wie die damals das Grundstück, das Haus, die Autos, die Wohnungen und das Studium finanzieren konnten.

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Das Problem ist nicht regional begrenzt, es ist ein sehr banales Phänomen unter den Kindern der besseren Gesellschaft der fetten Schmidt- und Kohljahre, und es ist auch nicht schlimm, denn es ist genug da. Es entstehen keine Villenviertel mehr, nur noch Toskanabunker und Doppelhaushälften. Ab und zu bekommt ein junges Paar von den Familien ein großes Haus geschenkt, aber das sind Ausnahmen. Man ist vorsichtig, wer weiß, wie lange es gut geht. Das Rezept der Eltern war simpel und vorgestrig: Angemessen heiraten, in einem festen Beruf arbeiten, den religiösen Schein wahren, zusammenbleiben, sparen, Geld anlegen, Villa im richtigen Viertel bauen. Heute gibt es Partnerschaften, Jobs, Hausfreunde, Mobilität, Kreditkarten, Derivate und Apartments mit Rigipswänden, die mit dem Wort Luxus reichlich unzutreffend beworben werden. Und das ist immer noch oben, an der Spitze, regional und national. Die anderen wohnen immer noch in Blocks, kaufen mit der Abwrackpläne einen neuen, kleinen Opel, und soll auch noch Orte wie Hoyerswerda geben, da drüben im Osten.

Man muss das nicht schlimm finden, es ist halt so, wie auch das Wohnen am See einfach so war. Man denkt darüber selten nach, und man wird freundlicherweise auch nicht darauf angesprochen. Diese Unfähigkeit, die Geschichte fortzuschreiben, ist noch kein sozialer Abstieg oder echtes Versagen, nur eine Entwicklung, die gerne mit ein paar Zuschüssen oder Schenkungen – man will ja keine Erbschaftssteuer zahlen – abgefedert wird. Es is wias is, sagt man in Bayern. Der See ist immer noch wie früher, die bestimmenden Kreise sind geblieben, man wird in diese Kreise hineinwachsen und hineinerben, es hat sich letztlich nicht viel verändert.

Und genau das ist das kleine, irrelevante Problem am See und in den umliegenden Vierteln. Gross und relevant wäre es nur, würde man im Block wohnen.

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98 Lesermeinungen

  1. Fin de siecle, Don Alphonso,...
    Fin de siecle, Don Alphonso, und Stagnation überall, Sie haben recht.
    Ich lese Ihre heutigen Impressionen als nachgelieferte Begründung für Ihre auffällig grimmige Abrechnung mit der stumpfsinnigen Revolutionsunfähigkeit der Deklassierten Deutschlands und als etwas ungeduldigen Wunsch, die eigene snobistische Erstarrung mit Klassenkämpfchen zu vitalisieren und ich hege schwere Bedenken zu diesem Zauberlehrlings-Spiel, einfach weil man sich der Rückkehr des Meisters im realen Leben nicht sicher sein kann.
    Halbkryptische Sehnsüchte nach etwas splendid agony sollte man mit allen Zweifelhaftigkeiten doch lieber Ernst Jünger überlassen.
    herzliche Grüße

  2. Ach, der Klassenkampf von...
    Ach, der Klassenkampf von unten… nicht, dass der wirklich nötig wäre, aber das Problem ist doch: Ein Gegner, der einen fordert, hält einen rank und schlank, und der fehlt. Es geht ja gar nicht ums Fressen, sondern um das Unbehagen, dass man es sich auf einer Mehrheit bequem macht, die es sich in der Verblödung bequem macht.
    .
    Allerdings würde das nicht viel ändern: Die Zeiten, da man noch Lebensentwürfe mit jahrzehntelanger Perspektive hatt, sind für viele einfach vorbei. Planungssicherheit ist weitgehend irrelevant geworden, und es dauert sehr viel länger, bis man sich über den Verbleib sicher ist. Das geht ins Geld, das geht an die Ressourcen, diese Mobilität ist nicht gut, denn sie zwingt zu Kurven, wo andere den geraden Weg gingen. Am Ende ist man schneller gerannt, aber auch nicht weiter. Eine nicht wirklich schöne Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

  3. Werter Don,
    doch das...

    Werter Don,
    doch das Alltägliche zieht uns an! Nur die Kids on the Block können noch träumen. Imperien fallen, weil die obere Schicht nicht mehr bereit ist die nötigen Mittel in den Erhalt des Imperiums zu investieren, sie konsumieren lieber und schaffen nichts von Dauer.
    Die unten sind, die haben Hunger darauf nach oben zu kommen und sind dann irgendwann die Neue Oberschicht!
    Denn nur der Wandel ist beständig

  4. Blackjack, wenn man sich ein...
    Blackjack, wenn man sich ein wenig in den einschlägigen Internetcommunities umtut, träumen die von einem tiefergelegten Dreier, einer Frau mit Ehre und genug Geld für Männerspass, aber ganz sicher nicht von einem Mitgliedschaft im Konzertverein oder von der Pflege eines 800m² grossen Gartens. Ich habe keine Ahnung, wo diese „neue“ Oberschicht einmal endet, aber deren Entwicklungsende sehe ich im Kampf um den besseren Firmenwagen und die Business Class im Flieger, wo sie mit dem Blackberry wichtig tun. Deshalb bin ich ja so für die Adoptierung verdienter Kinder, die die Werte erhalten, ohne unschöne Anfangsinvestitionen zu verlangen.

  5. gemach, der Prolog nimmt...
    gemach, der Prolog nimmt langsam Formen an:
    nzz.ch/nachrichten/panorama/haus_von_ehemaligem_bankchef_verwuestet__1.2256775.html
    tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Arbeiter-nehmen-Firmenchef-als-Geisel/story/11659840
    Beide Meldungen sind von heute. Es könnte kurzweiliger werden als bestellt.
    Gesellschaftliche Stagnation ist eben das Haupterfolgsmerkmal der Oberschicht, mit dem sie ihren Sieg über die leistungsbereite Mittelschicht quantifizieren kann. Ludwig Erhard bewies übrigens 1965! mit seiner „formierten Gesellschaft“ eine enorme Weitsicht bei diesem Problem und wurde zu Unrecht verlacht und verdächtigt.

  6. Das bringt auch keinen...
    Das bringt auch keinen irgendwie weiter. So klassenkämpferisch wie eine Grafittischmiererei. Und in Frankreich gehört das meines Wissens nach ohnehin nur zur Folklore.
    .
    Im Prinzip hat 68 und die Folgen das Problem der formierten Gesellschaft erst mal erfolgreich überdeckt. Erst, als die 68er selbst Teil dieser Gesellschaft wurden, diese klassischen neuliberalen Grünbesitzbewahrer, war wieder alles formiert. Nur: Es wird ungern darüber geredet. Man merkt das am Aufschrei, wenn man eine Bank verstaatlicht oder die ungesunder Ernährung kritisiert. Dabei sind die Probleme evident und harren dringend einer Debatte.

  7. Das ist schon ein Fehler, sich...
    Das ist schon ein Fehler, sich in den einschlägigen Internetcommunities umzusehen. Denn dort wird „gegen den Anstand ausdrücklich mit Körpergeräuschen verstoßen“. Eine Mitteilung ohne Mitteilendem, dem man nicht antworten kann, von dem man sich kein Bild machen kann, ist keine Mitteilung. Es ist ein Geräusch. Und was man für Antwort hält, kann nicht viel mehr als Geräusch sein.
    Und hier haben wir das Problem: versucht man per Internet zu schreiben, ist man schon ausspioniert, analysiert und in bewerbbare Bedarfsgruppen einsortiert. Sagt man im Internet „guten Tag“ ist man schon ausgezogen bis aufs Unterhemd. Also gibts kaum Schreibe, kaum Antwort, allzu viel vom Geräusch.
    Und man zieht die Konsequenz. Wenn einmal genauer in der Bildschirmecke angezeigt wird, was an Ausspionieren per Netzanschluss läuft, auch bei gern moralisierenden Journalen, bricht einiges zusammen.
    Die bestimmenden Kreise versuchen freilich zu bleiben. Aber das ist nicht das Problem der königlich bayrischen Sozialdemokratie. Deren Problem fängt mit deren Tonfall an und damit, daß sie den Tonfall, des Don beispielsweise, nicht verputzen können.

  8. Don hat völlig recht: Nicht...
    Don hat völlig recht: Nicht nur in der Popkultur (Paris Hilton) gibt es keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen Ober- und Unterschicht. Es wird halt vielleicht nicht mehr als früher, aber mit anderem Bewusstsein die Sau rausgelassen, also mit besserem Gewissen. Ansonsten viel Verpeiltheit. Obwohl kein nachhaltiges ökonomisches Wachstum mehr da ist. Generation X 2.0
    Für das Wohlstandsbürgertum bzw. dessen Kinder gibt es auch keinen wirksamen Selbstverständigungsdiskurs. Nicht politisch, nicht künstlerisch, nicht in den Medien und nicht religiös oder kirchlich.

  9. Wastlsohn, sie verwirklichen...
    Wastlsohn, sie verwirklichen sich aber dort nun mal. Es ist wie unter der Lupe, und man lernt Dinge, die man andernorts nur unter grössten Entbehrungen unter Menschen erfahren müsste, die einem nicht vorgestellt wurden. Das Internet ist schon eine feine Sache.
    .
    In Bayern gibt es ohnhin von keiner Seite allzu viel Zweifel an dem System, wie es ist. Es ist für alle genug da. Das problem entsteht erst, wenn man aus diesem Garten Eden der prallen Bäuche hinaustritt. Da kommt dann tatsächlich der Gewerkschaftler und sagt, dass es nicht nett ist, wenn man ihm keinen Obulus gibt. Tatsächlich jedoch ist die ungerechte Verteilung der irdischen Güter weniger das Problem, als vielmehr die Unfähigkeit, sie zum Nutzen aller zu verwenden.

  10. Übrigens, Besucher, mehr vom...
    Übrigens, Besucher, mehr vom Vandalismus gegen Reiche, deren Versicherung das alles bezahlt:
    .
    http://news.bbc.co.uk/1/hi/scotland/7962825.stm
    .
    Umsatzförderung für Mercedes.

  11. sehr verehrter don,
    martin...

    sehr verehrter don,
    martin amis würde sagen, das das von Ihnen beschriebene phänomene der postmodern condition sind. alles ist unverbindlich geworden, no strings attached. lebensplanungen wie die unserer eltern sind lang passé. das mag uns unheimlich sein, gerade wenn man – so wie ich auch – in einer welt aufgewachsen ist, in der man von diesen zeitphänomenen weitgehend behütet wurde.
    oder man taucht ein in diese neue und leicht verwirrende welt der schnellebigkeit, erhobenen hauptes und mit einem festen ziel vor augen: nicht zu stagnieren
    hochachtungsvoll, paper-addict

  12. "Einschlägige...
    „Einschlägige Internetcommunities“? Einfach mal in die Blocks gehen, lieber Don, da finden gerade ganz andere Dinge statt. Vorbereitungen, würde ich sagen. Die fetten Jahre sind vorbei.

  13. so ist es
    auch mein spross in...

    so ist es
    auch mein spross in einem pseudoloft in der brienner
    jetzt in einem wohnheim
    aber immerhin
    100m zum englischen garten
    100m zur universität
    da fällt die wahl schwer
    aber immerhin
    gottes mühlen mahlen langsam
    mahlen aber trefflich fein

  14. Und nicht umsonst war "Die...
    Und nicht umsonst war „Die fetten Jahre sind vorbei“ so ein harmloser und mittelmäßiger Film (und im übrigen auch schon wieder 5 Jahre her), der leider einen ziemlich guten Titel für Dinge, die da kommen könnten, schon verbraucht hat….
    (Trotzdem habe ich seither – kein Scherz sondern leicht deprimierendes Zugeständnis an meine bürgerliche Existenz – eine Haftpflichtversicherung)

  15. Liegt das geschilderte Problem...
    Liegt das geschilderte Problem nicht eher in der beschränkten Weltsicht dieser Seeuferbewohner? Vielleicht glauben diese wohlsituierten Bürger tatsächlich, die Krone der (Er-)Schöpfung darzustellen. Es gibt aber immer noch jemamden, dem man nacheifern könnte. Denn die trügerische weiß-blaue Idylle am See ist einfach zu schlicht. Wenden wir unseren neidischen kleinbürgerlichen Blick doch einmal gen Süden und wählen uns als Untersuchungsobjekt das einst sagenumwobene St. Tropez. Der Blockbewohner schlurft mit seinen Aldi-Sandaletten also auf seiner Expedition ins gelobte Land rund ums Hafenbecken und beobachtet voller Missgunst die sich genau darin suhlenden Bootsbesitzer, die demonstrativ lässig auf dem Achterdeck der katholisch angelegten Yachten sitzen und dort tun, was sie glauben, dem Publikum schuldig zu sein. Dabei genügt ein Blich in die Bucht, um zu erkennen, dass der Blockbewohner nur arme Schlucker bewundert hat. Die anderen kommen mit ihren Pötten gar nicht ins Hafenbecken und müssen in der Bucht vor Anker gehen und mit dem Beiboot an den Ort der Verheißung fahren. Kaum zuende geneidet, erreicht man die Mittelmeerküste, auf dass der Blick dort auf noch viel größere Yachten fällt. So groß, dass sie nicht in die jämmerlich kleine Bucht von St. Tropez einlaufen können. Diese armen Menschen an Bord müssen sich schon des Bordhubschraubers bedienen, um mal einen Landspaziergang im Park der eigenen Villa unternehmen zu können. Und dann gibt es da noch viel reichere Menschen, denen selbst dieses bordhubschrauberbegleitete Rumschippern mit diesen Bötchen nicht mehr genügt. Die müssen mit ihrer 747-Flotte verreisen, die beim besten Willen auf keinem Flugzeugträger runter zu bringen ist. Und hätten wir nicht gerade mal Finanzkrise würde die Flotte wohl Gefahr laufen, sich demnächst neben der Flotte von A 380 Maschinen des Kollegen Scheich lächerlich zu machen. Für beide ist das Nest in Südfrankreich ohnehin schon lange nicht mehr auf dem Radarschirm der Begehrlichkeiten. Das ist Reichtum, der verzweifelt macht. Wie soll man da dem Nachwuchs noch das Versprechen geben können: „Du sollst es mal besser haben als wir!“
    Etwas mehr Selbstkritik und die Party des Zahnarztsohnes im Seehaus würde ein einziges Heulen und Schluchzen ob all des wirtschaftlichen Elends dessen sich diese saturierte Provinz-Schickeria bewusst werden müsste.

  16. buddenbrooks lesen!...
    buddenbrooks lesen!

  17. Es ist schon wahr, dass der...
    Es ist schon wahr, dass der einzige Unterschied zwischen neuarrivierten Alt-68ern und rechten Reaktionären in der abnormen Bigotterie ersterer liegt, mit allen sich daraus ergebenden Verzerrungen und Handicaps bei der Diagnose der aktuellen Probleme… danke für diesen Gedanken.
    In einem so verzogenen gesellschaftlichen Kräfteparallelogramm (das Ausfallen der Klassenkampfes von unten hatten wir schon) kann die Oberschicht natürlich leicht in die spezielle Situation geraten, dass sie sich beinahe um ihre Existenz siegt.
    Also ist es doch nur Vandalismus – gut so.

  18. Werter Don Alphonso,

    es...
    Werter Don Alphonso,
    es klingt so als seien Sie betrübt darüber, dass es irgendwann nicht mehr aufwärts geht, man nicht mehr weiter aufsteigen kann. Wieso freuen Sie sich nicht daran jetzt oben angekommen zu sein, oder daran schon immer oben gewesen zu sein, und geniessen es. Ihrem Beitrag liegt hier meinem Empfinden nach dieser seltsame Fortschritts- und Wachstumsfetischismus zugrunde, dessen Jünger uns einzureden vesuchen es müsse immer aufwärtsgehen, immer alles besser oder größer werden. Irgendwann sind die Grenzen nunmal erreicht. In diesem Fall sollte man sich freuen und das Leben geniessen, ist es doch hier oben besonders schön.

  19. Rainer sacht, so ganz glaube...
    Rainer sacht, so ganz glaube ich das noch nicht. Aber vielleicht stehen bei uns die falschen Blocks. Am Tegernsee gibt es die überhaupt nicht.
    .
    William, und danach Kokain von Pitigrilli und die Falschmünzer von Andre Gide.

  20. cedom, wichtig ist es erst...
    cedom, wichtig ist es erst mal, sich des Problems bewusst zu werden und darüber zu reden. Macht man nicht gerne, kein Wunder, nagt es doch am Selbstverständnis. Und an der öffentlichen Wahrnehmung. Aber ich ich habe durchaus den Eindruck, dass es sich lohnt. Denn aus der Erkenntnis heraus kann man überlegen, für was man als Bürgertum in einer Welt stehen möchte, die gerade dabei ist, ihm die Berechtigung zu entziehen. Denn für den Dreck der Gamer und der Glotzer ist ein Bürgertum eher hinderlich.

  21. paper-addict,...
    paper-addict, erstaunlicherweise könnte man an mir aufzeigen, wie man sich idealerweise an die Geschwindigkeit anpasst, aber die Frage, die mich trotz meiner eigenen Fähigkeiten, online zu bestehen, umtreibt, ist eher: wer macht eingentlich diese ungemütliche Geschwindigkeit? Wieso werden wir reicher an Zahlen und ärmer an Lebensqualität? Daher auch das Beharren auf Goldrandporzellen, Solber, und Benehmen auch in Momenten, da keiner zuschaut. Mir könnte es egal sein, ich werde überall durchkommen, mir kann keiner, und trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Veränderungen nicht den Eindruck hinterliessen, das alles sei nur ein gigantischer betrug am Leben.

  22. eins steht mal fest: die...
    eins steht mal fest: die generation der jetzt 30-40 jaehrigen wird (nach langer langer zeit mal wieder) eine sein, der es nicht besser (er)geht als ihrer elterngeneration. ich bin neulich von einem rentner bemitleidet worden. aber das ist wohl eher der makrosoziologie und politikversagen geschuldet als schlaffheit und mangelnder aspiration. natuerlich kann man solches verhalten beobachten, und nicht nur bei gamern und glotzern, sondern auch bei menschen mit hoher reflektion. vielleicht ist das phaenomen auch erklaerbar durch die erkenntnis vieler, dass (weiterer) aufstieg nicht sein muss, den preis nicht wert ist oder schlechterdings eh unmoeglich. alles fliesst, aber fuer gewoehnlich nicht von alleine.
    gruesse
    william

  23. eine freundin zitierte: wenn...
    eine freundin zitierte: wenn jetzt soviel geweint wird,muß man taschentücher machen.
    das mach ich jetzt, und verkaufe sie dann zu unverschämten preisen an
    die höheren töchter, die bald völlig erschüttert in leeren konzertsälen auf das
    orchester warten.
    so zu den wertwerhaltenden kinder, deren anblick sicher noch reizend
    ist,wenn sie ins taschentuch heulen.

  24. Ich kann mir nicht helfen,...
    Ich kann mir nicht helfen, aber beim Lesen der heutigen Glosse muss ich an Georges Perec’ “Die Dinge” denken – eine Bestandsaufnahme von 1965, die erstaunlich zeitgemäß das Dilemma derer thematisiert, die „nach München“ zogen, oder in die anderen Städte, damit „etwas“ geschehe, „eine Entwicklung“ einsetzt, „eine Karriere, eine Wiederholung der elterlichen Erfolgsgeschichte auf höherem Niveau“; das Dilemma derer, die in den WLAN-Coffeeshops an einem (einzigen) Latte Macchiato und über ihrem MacBook hängen, dabei an ihren Präsentationen, Mappen, Drehbüchern oder irgendwelchen anderen „Projekten“ „arbeiten“…
    Ich darf mal aus dem Klappentext zitieren: „… beschreibt der Autor die Dinge, die das Leben der Protagonisten Jérôme und Sylvie ausmachen. Beide haben sie ihr Soziologiestudium aufgegeben und betreiben nun mit einigen wenigen Wissensbrocken aus der Psychologie und Soziologie Marktanalysen, zumeist in der Provinz, für irgendwelche wie Pilze aus dem Boden schießenden Pariser Werbeagenturen. Aber die alles beherrschende Frage lautet, wie kommt man an das Geld, das scheinbar alle anderen so leicht verdienen, um das zu erreichen, wonach ihr Streben zielt, und zwar sich die Dinge des Konsums zu leisten, die Ausdruck gesellschaftlichen Erfolgs zu sein scheinen. Sie werden beherrscht von diesen Dingen, träumen von diesen Dingen, bewerten ihre Umgebung nach diesen Dingen, gleichzeitig wehren sie sich gegen die Allmacht dieser Konsumdinge. […] Über der Suche nach ihrem Glück verrinnt ihnen die Zeit, sie stagnieren zwischen dem Gefühl, noch gar nicht gelebt zu haben, und dem, das Leben bereits verpasst zu haben.“
    Bonjour tristesse. Oder, wie „Besucher“ es so schön ausdrückte: „splendid agony“. Gar nicht mal so neu also, dieses Gefühl, welches Mittelstandskinder (und, wenn man Don und eigener Erfahrung glauben darf, auch die jeunesse dorée) kalt umklammert: zu viele Optionen, und damit keine. Zu viel von allem, und damit zu wenig vom Guten. Alles schon mal dagewesen – selbst dieses unbehagliche, nagende Gefühl der eigenen Unvollkommenheit, wie man liest. Ja, es gab schon mal bessere Zeiten, aber die waren für andere schlechter. Ja, der Niedergang der Bourgeoisie wird für die Stadt, die laut Cesar Pelli das großartigste Kunstwerk der Menschheit ist, genauso das Ende bedeuten, wie der Aufstieg des Bürgertums sie überhaupt erst bedingte. Ja, die Zukunft ist ungewiss. Aber, mal ehrlich, ist das irgendwie neu? Wir leben nicht am Ende der Geschichte, auch wenn es manchem Zeitgenossen so vorkommen mag. Die Zivilisationskritik, oder richtiger: Kritik der Zivilisation, die Sie, werter Don, hier ein ums andere Mal anstimmen, in allen Ehren, aber: der Mensch hat immer schon Wege gefunden, das Bessere in die Zukunft hinüberzuretten. Es wird Verteilungskämpfe geben (die gibt es jetzt schon, die gab es immer schon), es wird neue Gesellschaftsmodelle geben, die unseres fortentwickeln, es wird immer Kriege geben, und es wird noch mehr von diesen Barockengeln geben, die Sie so schätzen. Nur uns, uns wird es dann nicht mehr geben. Kein Verlust. Also… möchte jemand noch Tee?

  25. die jetzt 30 bis 40 Jährigen...
    die jetzt 30 bis 40 Jährigen wurden auf eine Realität vorbereitet, die einfach verschwand im globalen Durcheinander nach dem Fall der Mauer und der Digitalisierung des Lebens.Wir sind eine Generation des Übergangs, die zwar das Internet und Office benutzen kann, denen aber diese Welt fremd bleibt, und die erkennt, das in unserer kindlichen Sorglosigkeit und im Mangel, Verzicht als solches erlebt zu haben, eine Anspruchshaltung gegenüber der Welt und dem Leben entstanden ist, die wir nicht befriedigen können.
    Der Antrieb unserer Eltern „mehr“ zu werden als ihre Elterngeneration, ist uns antrainiert worden, doch haben sich die Mittel, die uns zum Erreichen dieses „mehr“ gelehrt wurden, als nutzlos erwiesen.
    Wir stehen vor der Lebensleistung unserer Vorfahren, die in einer analogen und regionalen Welt vollbracht worden sind, und verlangen von uns dasselbe nur in einer digitalen und globalen Realität.
    Dieses Versagen wird uns langsam bewusst, wir fühlen uns verloren und halten uns an den Formen und Sitten (und am Goldrandporzellan) des erlernten Bürgertums fest, und versuchen doch gleichzeitig die Geschwindigkeit zu halten.
    Die Frage bleibt wie lange wir das noch schaffen?

  26. lusitano, das stimmt. ich...
    lusitano, das stimmt. ich erinnere mich ungern an den moment dieser erkenntnis. gescheiterte gibt es ja immer, manchmal wird man auch vom leben bestraft. nur hier trifft es 1-2 oedipus generationen – unschuldig schuldig geworden man darf aber in all der depression nicht vergessen, dass sich die massstaebe mit dem blickwinkel aendern und, ganz ehrlich, es koennte schlimmer sein – das kriegen dann eben unsere enkel ab! diese feststellung ist zwar beruhigend aber beschaemend. was fehlt ist aufbruch und reibungsenergie. Die gute alte zeit der 60er/80er ist nur leider kein geeignetes fundament um sich davon abzustossen und kein fester baum an dem man sich wetzen kann.

  27. Hans, München ist katholisch...
    Hans, München ist katholisch und voller Versuchung.
    .
    DParker, wie wäre es mit „Die fetten Jahre kommen so schnell nicht wieder“, oder „Jetzt bitte 7 magere jahre“? Haftpflicht ist nie doof.

  28. 100% in 20 Jahren enstpricht...
    100% in 20 Jahren enstpricht ca. 3,5% effektiv. Da weiß man in der heutigen Zeit schon gar nicht mehr ob man das beneiden oder verachten soll.

  29. elbsegler, das ist ein...
    elbsegler, das ist ein hübsches Szenario, aber St. Tropes ist unerträglich. Ich empfehle Menton, oder gleich im Hinterland St. Valiers. Da ist man allein, und der Blick könnte nicht prächtiger sein.
    .
    Ungeachtet dessen: Der Blick reicht hier traditionell nicht besonders weit. Man ist zufrieden, dass es keiner in einer Tagesreise mit dem Auto besser hat, und sonnt sich im Wissen, dass man sich noch viel mehr leisten könnte. „Finanziell sorgenfrei“, das ist der gewünsc hte Zustand, und freier als frei kann man nicht sein.

  30. Metten1, bedaure, aber das ist...
    Metten1, bedaure, aber das ist eine Milchmädchenrechnung: Zu dem Preis der Wohnung kommt ja auch noch die Miete dazu, die man entweder einnimmt oder nicht zahlen muss. Macht nochmal 4-6% p.a., je nach Steuer. 8,5% pro Jahr, ohne Leverage und Risiko. Das ist keine ganz schlechte Rendite.

  31. Ach, Gottchen, die...
    Ach, Gottchen, die französische Revolution hatte einen aufgeklärten Vorlauf von ungefähr 70 Jahren. Mindestens 30 Jahre lang richtete es sich damals die Jeunesse dorée im aufgeklärten Zynismus schön wohnlich und dazu völlig perspektivlos ein. Hierzulande quaken diese Vergnügungssüchtigen schon nach sechs Monaten wegen angeblicher gesellschaftlicher Stagnation herum. Ist das jetzt die allgemeine Beschleunigung? Oder Geschichtsvergessenheit? – – – Ich finde ja, man sollte die selbstverdiente Schlinge in aller Ruhe abwarten können, sonst wäre es Selbstmord. Denn realistischerweise ist es wirklich besser, es trifft den eigenen Sohn, als schon dich selbst – auch wenn der weniger dafür kann …

  32. Werter Christoph, mit Wachstum...
    Werter Christoph, mit Wachstum hat das wenig bis nichts zu tun, denn reich kann man auch in Schrumpfungsprozessen werden. Wirklich reich wird man gerade nach den Krisen, in einem relativ kurzen Zeitraum. Es ist eher das seltsame Gefühl, ein Scheinwachtum zu erleiden, mehr Leistung für weniger Lohn, mehr Hektik für weniger Entspannung, und am Ende: Weniger Zufriedenheit. Man muss diese spezifische Zufriedenheit nicht als Ideal betrachten, aber es gibt sie nun mal. Für manche.

  33. Gibt es eigentlich ein Fazit...
    Gibt es eigentlich ein Fazit ihres Artikels oder hab ich das schlicht und einfach überlesen? Wenn ich interpretieren darf: Es hört sich für mich so an, als ob Sie einen gewissen Mangel an sozialer Verantwortung vermissen, sowie den Ehrgeiz etwas Neues schaffen zu wollen, so nach dem Motto: Wieso sollte ich mir eine neue Firma aufbauen, eine Idee verwirklichen, wenn doch meine Eltern schon eine haben? Ist das richtig?

  34. william, als Historiker weiss...
    william, als Historiker weiss man das. Auf das höchst erfolgreiche 13. Jahrhundert folgte sas schreckliche 14. Jahrhundert, und aller technischer Fortschritt liess nach der Kriegsblase von 1913 die zwanziger Jahre sehr unerfreulich wirken. Neben den eh schon evidenten demographischen Problem, das gerade von einer Kindermode angelöst wird, kommt nun eben noch die Krise dazu. Man kauft Kleinwägen, freut sich über 2500 Euro und ist froh, weiterhin eine Wohnung zu haben. Status Quo ist das Ziel, und die Jahre unter Schmidt sind das Ideal.

  35. Mme, es gibt kein Fazit ausser...
    Mme, es gibt kein Fazit ausser einer gewissen Verunsicherung, die weicht, wenn man sieht, dass man noch immer so weit von den Blocks entfernt ist, wie man es auch früher war. Man mag nicht vorankommen, aber sinken tut man auch nicht.

  36. GoldrandPORZELLEN! SOLBER!...
    GoldrandPORZELLEN! SOLBER! Ach, wunderbar!
    Legen wir den Goldrand kurz ein wenig beiseite, erhalten wir ein transalpin eingedicktes Italienisch, das zu den schönsten Vermutungen Anlaß gibt – Konfekt auf der Basis höchst standesgemäßer Ferkeleien am Goldrand der Gesellschaft, für Block-und RMH-Bewohner erfreulich unbekömmlich. Und wenn man alles verknuspert haben wird, erwartet man mit contenance und einer gewissen angstgewürzten Vorlust die postprandiale Depression.
    Es wird nicht besonders schlimm, wird kaum weh tun, und vor allem vorbeigehn, wer hier auf irgendwelche Revolten oder eine Art große Solberung hofft, muss schon selbst sehr heftig und planmäßig aktiv werden, und sollte er damit erfolgreich sein, am Ende müde und versonnen Porzellen lieber mit als ohne Goldrand naschen.

  37. Jeder Verschreiber schmerzt...
    Jeder Verschreiber schmerzt mich sehr, und ich werde darauf achten (Wer will schon unter die Räder von Pedanten kommen?)

  38. don alphonso, ich kenne die...
    don alphonso, ich kenne die jahre unter schmidt nicht. wie war das denn damals?

  39. Nunja, trotzdem sollte man...
    Nunja, trotzdem sollte man doch einen gewissen Anspruch an sich selbst haben, sich weiterzuentwickeln, oder? Ich mein, besteht denn in den oberen Schichten nicht auch der Wunsch nach Abnabelung von den Eltern? Ich will doch schließlich nicht mein ganzes Leben lang von ihrem Geld abhängig sein.
    P.S.: Übrigens, ganz wunderbar, dass sie Hoyerswerda erwähnt haben. Endlich mal etwas das ich auch kenne; ich komme nämlich aus der Nähe :-)

  40. verehrter don,

    der trick...
    verehrter don,
    der trick besteht darin, sich in das abenteuer moderne mit stil zu begeben – sprich in zeiten der schnellebigkeit zeit für manieren bewahren, tugenden pflegen ohne antiquiert zu wirken, freundschaften pflegen an stelle von 1000 bekanntschaften bei online-netzwerken, stundenlang im café verbringen, abends bei brahms ein glas rotwein trinken anstatt einem hipen event nach dem nächsten hinterherzujagen…Sie dürften also bemerken, dass auch ich ein verfechter des stilvollen bin, aber dennoch will ich versuchen, mit der zeit mitzgehen und nicht stehenzubleiben. Sie bestimmt auch nicht, oder?

  41. Dazu, verehrter paper-addict,...
    Dazu, verehrter paper-addict, gehört nun aber auch dauerndes Hinterfragen der eigenen Position auf den sich schnell verschiebenden Plattenanhäufungen der Zeit. Auf vieles, allzu vieles habe ich absolut keine Lust, dem verdanke ich auch dem Ruf, reichlich reaktionär zu sein. Trotzdem fände ich es schön, wenn das Neue nicht im Stundentakt auf einejn hereinbrechen würde. Dieses Blog ist ja auch eine Art Entschleunigung: Drei Beiträge pro Woche nur, aber Zeit zum reden. Neue Fassung, alter Inhalt. Und dabei Musik für die kommende Woche vorhören, Händelarien aus Rom und venzianische Repräsentationsmusik des Manierismus.

  42. Lieber Don Alphonso,
    warum das...

    Lieber Don Alphonso,
    warum das „aber“. Sowieso. St. Tropez ist ein Mythos aus alter Zeit. Eine Fata Morgana, die sich auflöst, sobald man sich ihr nähert. Der Ort ist wie ein altes Theater, das von den Schauspielern, die es einst berühmt machten, schon lange verlassen worden ist. Nur die Garderobiere ist noch da.
    Finanziell sorgenfrei zu sein ist nicht der allerschlechteste Zustand. Und ob 100% in 20 Jahren oder 3,5% effektiv – es gibt Vermögensformen, die zwar nicht immer finanztechnisch optimal sein mögen, aber in Krisenzeiten einfach Vorteile haben, die schwer quantifizierbar sind. Dazu zählen Seegrundstücke und vielleicht auch Silberkannen.
    Der Teufel hat schon immer seinen Haufen dorthin gesetzt wo schon einer war. Das Problem ist nicht so sehr, denke ich, dass die „finanziell Sorgenfreien“ keine Lust mehr haben noch sorgenfreier zu werden und sich anzustrengen, sondern dass es immer schwerer wird aus der Unter- Und Mittelschicht aufzusteigen. Die Reproduktionsrate der „besseren Gesellschaft“ hat zum Arterhalt noch nie ausgereicht. Sonst hätten in dem besungenen Ort am Tegernsee die Grundstücke nicht so zahlreich mit den schmucken Tempeln der Selbstzufriedenheit bebaut werden können.

  43. Fürchte nur, die aktuelle...
    Fürchte nur, die aktuelle Lebenswirklichkeit vieler hat weder was mit Nachfahren von Silberkannenbesitzern, noch mit den ganz Armen im Geist und Portemonnaie zu tun, auch wenn sich das schick zuspitzen lässt. Sondern um mich herum schnödes Bemühen darum, dass gewisse Standards finanzieller, geistiger, stilistischer + moralischer Art nicht wegbrechen, mit denen man aufgewachsen ist. Jaja, die Sehnsucht nach dem Großen und Relevanten. Ich sehe nur so gar nichts Heroisches, Riskantes, auch keine süße Müdigkeit. Es ist einfach banal, leider!
    (PS: Ich bin nächste Woche in Berlin. Soll ich was mitbringen? Einen verwaisten Stuhl vielleicht? Oder eine Haarlocke von Sascha Lobo?)

  44. kleinerberg, da wäre ich...
    kleinerberg, da wäre ich vorsichtig. Der Konzertsaal wird auch in der Krise voll, ist dort doch Repräsentation weitaus günstiger, als mit einer Gartenparty.
    .
    Jacques B., man könnte da auch zu den Romanen von Evelyn Waugh, namentlich Brideshead Revisited greifen. Es gibt einfach so Epochen, da legt die Geschichte den Leerlauf ein. Erstaunlicherweise ist das ein Gefühl, das bei allem Aufbruch der Popmoderne in den späten 80ern nicht zu ahnen und zu vermuten war. Das Versprechen lautete anders.

  45. Lusitano, das ist wie in einem...
    Lusitano, das ist wie in einem Boot: Können wir schneller rudern, als der Osten, die Krise, die Rentner, die Abgaben, die Erbschaftssteuer, die Globalisierrung und der Niedergang des Schweizer Steuergeheimnisses Löcher hineinbohren? Je mehr man hat, desto mehr wird auch gebohrt, und während sich diejenigen, die schon den Rettungsring tragen, reichlich oft treiben lassen, bleibt denen, die weiter kommen und die Erwartungen erfüllen wollen, nur das schnellere Rudern. Oder eine Abzweigung nehmen, a la „mein Sohn ist kein Manager, aber Schriftsteller“. Auch das ist eine Option.

  46. Ladyjane, im Niedergang ist...
    Ladyjane, im Niedergang ist Stillstand Fortschritt und verbressert die Ausgangslage beträchtlich. Insofern ist diese Haltung wirklich klug, und reizt auch nicht, wie die Boni für Banker. Ausserdem wirkt Territoriumsverteidigung latent der Globalisierung entgegen. Mehr Mauern wären auch nicht schlecht
    .
    Hm. Wie wäre es mit einem Bauplan des Checkpoint Charlie? Allerdings bin auch ich nächste Woche auf Reisen.

  47. Grüß Gott nach Frankfurt...
    Grüß Gott nach Frankfurt oder an der Tegernsee.
    Ich bin wohl einer der wenigen hier, die sich in diesem Augenblick wirklich in einem Münchner-Block befinden und mühsam vor dem PC ein paar Kröten ertraden müssen.
    Und so surft man auf eine Seite, auf der man noch nicht war. Da sind dann gescheite Leute, die sind auch in einem Blog. Der schreibt sich nur anders. Und was machen diese verfeinerten Intellektuellen dort. Sie tun dasselbe, was die Gamer auch machen. sie gehen ihren Bedürfnissen nach. In diesem Fall nicht dem Spielbedürfniss sondern dem Mitteilungsbedürfnis.
    Aber so eine einfach gestrickten Mensch wie ich kann da gar keinen großen Unterschicht nicht feststellen.
    Typisches Gelaber. Die ganz schlauen beginnen ihre Postings mit einem überlegenen „ach gottchen“ oder „ach herrlich“, hat man auch schon oft gelesen. Dann folgt eine vermeindliche Replik mit, die man vorher wahrscheinlich in Word auf Rechtschreibfehler untersuchen lässt, damits nicht zu peinlich wird.
    Das ganze erinnert mich immer an eine Mahlzeit, die nur aus Gewürzen besteht…
    Übrigen kann ich mich bei der Schmidt-Ära nur an den gelben Pullover von Genscher erinnern. Heute gibts nur noch Westerwelle und Guttenberg..

  48. <p>Don Woolloomooloo, wie man...
    Don Woolloomooloo, wie man schon bei Rousseau nachlesen kann, geht jeder, wirklich jeder seinen Bedürfnissen an. Die Frage ist nur, ob alle Bedürfnisse gleichermassen zumutbar sind. Und Blogs leben nun mal von der Kommunikation, vom Diskurs und dem Vergleich. Natürlich bin ich nach einem Gamereinfall der letzten Wochen angetan vom Umstand, dass es ohne Drohung und Dauerbeleidigung geht. Wünsche noch viel Vergnügen.

  49. Chatatkins, es wird absolut...
    Chatatkins, es wird absolut niemanden treffen. Es ist etwas unangenehm, vielleicht brennen ein paar Fahrzeuge, aber danach geht es weiter wie gewohnt. Trotzdem ist da eine Zäsur, aber wer weiss, vielleicht kann man sie beim grandiosen Boom, der sicher irgendwann kommt, vielleicht sogar schon 2015, wieder vergessen machen.

  50. Na gut, solange bin ich aber...
    Na gut, solange bin ich aber für Romanschreibeverbot für alle, bei denen es (noch) nicht gerumst hat.
    Don Alphonso, Bauplan für eine Baracke? Die macht sich aber am Tegernsee gar nicht gut. Oder wollen Sie den Spielplatz aufpeppen?

  51. Ich möchte moderne Assets...
    Ich möchte moderne Assets für vormoderne Pläne:
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/01/23/die-karolingische-teilung-europas-beim-tee.aspx

  52. Gut, wenn man die Tastatur...
    Gut, wenn man die Tastatur auch beim Lesen vor sich hat. So erkennt man, dass der Don kaum Rechtschreibfehler macht, sondern einfach vielfach daneben haut.

  53. Während ihr hier rumblogt,...
    Während ihr hier rumblogt, und alles schon gesagt ist, macht die Commerzbank-Aktie 16% plus. Don Alphonsos 8,5% im Jahr sind schon ohne Risiko. Im Nachhinein ist alles ohne Risiko. Aber vor 20 Jahren die Villa kaufen, war es natürlich nicht.

  54. @ Don: Plus ca change plus...
    @ Don: Plus ca change plus c’est la meme chose – damit tröstete sich der französische Adel auch lange Zeit, dann aber kam der zehnte August – und der Blitz der Emergenz schlug ein ins Dach seiner unumstößlichen Gewissheiten. ‚Nichts wird sich groß ändern unter dem Gefreiten Hitler, wir haben ja unseren Hindenburg‘, das glaubte auch das deutsche Bildungsbürgertum und ‚Außerdem – wir sind ja schließlich keine Juden!‘ Zwölf Jahre später waren all ihre Immobilien und Güter weg, zumindest diejenigen östlich der Elbe. Und auch der Pole machte auf dem frischakquirierten altpreußischen Herrensitz schnell eine bella figura. Kurzum: Die Sklerotiker und Linealisten liegen historisch stets falsch, Zeiten des Wandels überwiegen bei weitem die der Ruhe, und hier war es bloß deshalb lange so ruhig, weil die unausweichlichen Turbulenzen zufällig in anderen Teilen der Welt für Furore sorgten. Jetzt aber sitzen wir mitten drin im Schlamassel, weil diese Krise nämlich eine ‚Kernschmelze‘ ist, einmal systemisch und dann auch noch mitten drin in den ‚kapitalistischen Kernlanden‘. Das spielt nicht ‚fern in der Türkei‘ und es geht auch nicht so glimpflich ab wie in der Großen Depression der Gründerzeit. Allerdings dauert das auch noch ein wenig (s.o.), bis sich das überall herumspricht. Womit ich nicht sagen will, dass es nach dem kommenden emergenten Umschlag unbedingt besser oder ‚gleicher‘ zugehen wird. So fortschrittsgläubig bin ich schon lange nicht mehr, die Welt wird nicht schöner werden … es drängeln sich danach bloß andere Tierchen an der Krippe. Doch klaglos im Straßengraben verrecken, während andere unbeirrt die Kontinuität einer opulenten Kultur pflegen dürfen, das liegt den Menschen nun mal nicht, schon gar nicht, wenn sie die Mehrheit bilden. Aber keine Angst, das veränderte Verhalten der dann neuen Eliten wird erneut alte Kultur und gute Sitte heißen, um die nötige ‚Distinktion‘ zu erzeugen, und auch sie werden sich Stammbäume geben. Und man wird auch ihnen wieder eine Klugheit zuschreiben, die sie gar nicht besitzen – dafür gibt es auf ewig hin die notwendigen Hofsänger und Stilberater, auch Intellektuelle genannt. Insofern gilt doch wieder dies ‚Plus ca change …‘, wenn uns nicht vorher die Klimakatastrophe dazwischenfunkt und das Plankton die Macht übernimmt. Für weitere Fragen über Menschen – schlag nach bei Stendhal: ‚Le Rouge et le Noir‘ ist ein guter Anfang … und historisch vielleicht Fernand Braudel und seine ‚longue durées‘, gegen welche die Ereignisgeschichte, auf die du dich doch nur berufst, ganz schön alt aussieht. Auch der ‚Chidher‘ vom ollen Friedrich Rückert ist ein gutes Gedicht …

  55. "[...]am Ende bleibt die...
    „[…]am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Höhepunkt der Entwicklung wohl die Elterngeneration geblieben ist[…]“
    Das ist der zentrale Satz, das zentrale Problem. Danach haben wir alle die Entwicklung überkommen lassen. Die künstliche Steigerung eines idealen Zustandes funktioniert nur unter Verschlechterung der Zustände jener, die wir hinter uns lassen.

  56. Don schrieb:

    "aber am Ende...
    Don schrieb:
    „aber am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Höhepunkt der Entwicklung wohl die Elterngeneration geblieben ist. Man fragt sich, wie die damals das Grundstück, das Haus, die Autos, die Wohnungen und das Studium finanzieren konnten.“
    .
    Yep, so siehts aus. Und es ist nicht einfach, wo sie doch einem alle Möglichkeiten geboten haben, alles worauf Pabba verzichten musste an Ausbildung, hat der Sohn bekommen.
    .
    Das hat belastet. Aber da Pabba ja nicht dumm ist (zumindest nicht meiner) und mitten im Leben steht, hat er auch gemerkt, dass sich was geändert hat. Da geht es auf die alten Tage wieder.

  57. Naja, soviel Mitleid ist dann...
    Naja, soviel Mitleid ist dann auch unangebracht: Eltern wollten Kinder und haben das Risiko einer Fehlinvestition durchaus mit einkalkuliert. Falls nicht; mei.

  58. Ach Chat, die Mehrheit... was...
    Ach Chat, die Mehrheit… was will man mit einer Mehrheit, die in so einer Lage FDP und CDU wählt? Diese Leute wollen doch Idiotensteuern zahlen, sie wollen von denen ausgenommen werden, die das verursacht haben. Ginge es gerecht zu, hätte die FDP 0,5% der Stimmen. Das Gegenteil ist richtig: Die Leute wollen keine Revolte, sondern Lügen, dicke, dicke Lügen. Hat es irgendwas verändert, wenn ich hier auf EU-Papiere hinweise, die der Telegraph zurückgezogen hat? Hat sich irgendjemand eine sichere Wohnung gekauft, als ich es vor zwei Jahren geraten habe (ok, ich und noch jemand)? Die gerade Linie würde tatsächlich zu einem Aufstand führen – aber dieses Land kriegt die Kurve an den Busen jener, die sie in den Dreckl geführt haben. Das ist das Problem. Nicht die Revolte, die nicht kommen wird.

  59. Josephsruh, nachher ist sowas...
    Josephsruh, nachher ist sowas immer leicht zu sagen. Aber wie hoch war die CoBa früher, und wo ist sie jetzt?
    .
    Pedant, ich schreibe zu schnell und denke vielleicht auch etwas zu wenig.

  60. @ Don: An dem Punkt liegen wir...
    @ Don: An dem Punkt liegen wir dann wohl auseinander. Das Zeichen einer Umwälzung (einer ‚Revolution‘) ist es ja gerade, dass alle hinterher sagen können: „Wenn wir das geahnt hätten … das konnte ja keiner wissen!“. Mitten in der Novemberrevolution gingen die Berliner einkaufen oder im Park spazieren, die Straßenbahnen bimmelten und fuhren pünktlich, an den Plätzen mit den MG-Nestern wechselten die Leute bloß auf die andere Straßenseite, und in allen Nachtbars war’s ‚rappelvoll‘ und ‚Remmidemmi‘. Jeder amüsierte sich ‚wie Bolle‘. Und in der Provinz – zum Beispiel im schönen Ingolstadt – wurde brav weiter der Kohlrabi angebaut. Kurzum: Alle blieben äußerlich ganz normal, nirgends gab es jene Barrikaden, die doch der Romantiker von einer zünftigen Revolution verlangt, kein Militär bammelte meuchlings von der Laterne – und trotzdem hatte in diesen Wochen faktisch eine militärisch-industrielle resp. adlig-bourgeoise Herrenklasse – zumindest vorläufig – ihre Macht verloren. M.a.W.: Eine Umwälzung fühlt sich oft gar nicht so an wie eine Umwälzung in der Phantasie sich anfühlen sollte. Und hinterher sind alle schlauer – oder auch nicht …

  61. Ich denke, ein Tag im...
    Ich denke, ein Tag im Elektrodiscounter lehrt einen da was anderes: Revolten brauchen junge, unzufriedene Männer, und keine verärgerten alten Herrschaften. Nachdem aber die Warenwelt eben jenen jungen Männern jede Zufriedenheit für ein paar Euro beschert, auf dass sie froh sind…
    .
    Ich mein, schau Dir mal den typischen Blogkoofmich an: da ist also so ein Typ aus unterprivilegierten Schichten, der wegen seiner Internetrevoluzzereien ernsthafte Probleme mit der Justiz und seinem eigenen Kontostand bekommt. Und was macht er? Verkauft sich für ein paar Kröten an die Gameindustrie und geht für die auf ein PR-Boot. Junge zornige Männer abwracken ist billiger, als einen Opel zu zerquetschen.

  62. Don Alphonso, es ist in der...
    Don Alphonso, es ist in der Tat ein kleines, irrelevantes Problem. Eine weitere Fallgestaltung fehlt: die desjenigen, der den Block hinter sich gelassen hat. Dem bleibt das brüchige Gefühl, dass der vermeintlich feste Boden jederzeit wieder wegbrechen könnte: Lieber nicht darauf vertrauen, dass es auf Dauer gut geht. Das mag irrational sein, gleichwohl steckt zu viel Block tief drinnen, um die völlige Sicherheit verspüren zu können, dass es nicht irgendwann wieder dorthin zurück gehen könnte.

  63. anderl, jede Sozialstruktur...
    anderl, jede Sozialstruktur ist hochgradig irrational, nicht nur die befürchtungen, auch die Erwartungen und Ziele. Nun ist dieses Blog natürlich der Oberschicht verpflichtet; bezeichnenderweise lese ich gerne, wenn ich hier etwas geschrieben habe, das hier als Kontrast:
    http://www.mattwagner.de/blog.htm
    Ich glaube, dass die enorm hohe deutsche Sparquote zum grossen Teil aus exakt jenem Bereich kommt. Das sind jene, bei denen ich mich immer frage, wofür die eigentlich sparen. Geld auf der Bank bringt wenig ausser diesem Sicherheitsgefühl, das gerade auch wegbricht.

  64. Von wem redest du? Egal -...
    Von wem redest du? Egal – jeder „Blogkoofmich“ braucht ja auch einen, der ihn kooft. Da liegt der Hase dann im Madeira: Selbst die lauthalsigsten Lobotomien schwächeln demnächst krisenbedingt, weil überall die Buchhaltung die einzig entscheidende Frage stellen wird: ‚Brauchen wir so etwas wirklich?‘. Genau so geht Stagflation. Dann wird für die ach so zornigen dschungen Männa (wie auch für die knurrenden alten Säcke) nichts mehr existieren, was der gutwilligste Nerd auch nur im entferntesten Arbeit nennen würde. Selbst die Karawane der Talkshows zieht leise pfeifend am darbenden Stamm der Irokesen vorüber, die verloren in der Prärie 2.0 an ihren kalten Kalumets nuckeln – und der wärmende Stapel printwilliger Medien wird auch dünn und dünner. Während aus dem Osten der kalte Winter naht. Folglich gibt’s gar keine Blinky-Blinky-Warenwelt beim Elektro-Discounter mehr. Naja, vielleicht bliebe noch der Ladendiebstahl – aber ob so ganz ohne Ritalin die Nerven halten? Prompt wäre die revolutionäre Stimmung da: Denn es kann ja nun wirklich kein menschenwürdiges Leben ohne iPhone geben … ;-)

  65. Nun, diese Leute sind es ja,...
    Nun, diese Leute sind es ja, Gewerkschaften und festen Tarifen entwöhnt, stets bereit, es für weniger zu machen. Zumindest solange noch die Chance da ist, etwas von einem Kuchen abzubekommen, werden sie dem Kuchen folgen. Und anderen, wenn sie einen Krümel bekamen, erzählen, wie toll das ist. Im Prinzip reicht es, einen in einem Berliner Kellerloch vegetieren zu lassen, und hunderte werden ihm glauben, dass es ganz, ganz toll werden wird. Soviel Geld ist immer noch da.

  66. "Hat sich irgendjemand eine...
    „Hat sich irgendjemand eine sichere Wohnung gekauft, als ich es vor zwei Jahren geraten habe (ok, ich und noch jemand)?“
    Es gibt kaum etwas Deprimierenderes als sich die Immoblienangebote in München anzuschauen. Satte 1400 Euro monatliche Belastung wären es inklusive Nebenkosten u. Heizung für eine 3-Zimmer-Wohnung, die mir sogar relativ gut gefällt. Angeschaut habe ich sie (noch) nicht. Kann man machen, wenn man ähnlich viel Miete bezahlt und arbeitsmässig auf der sicheren Seite ist. Beides ist bei mir nicht der Fall. Insofern läuft Dein Vorschlag, lieber Don, bei mir etwas ins Leere. Es ist auch nicht so, dass man das nicht selbst weiss, dass Wohneigentum eine gute Sache ist.

  67. Sehr geehrter Don!

    Das...
    Sehr geehrter Don!
    Das Problem der nicht mehr stattfindenden Lebensplanung liegt unter anderem an der nicht mehr vorhandenen Planungssicherheit. Ich habe Pharmazie studiert und bin Apotheker (jaja; die, die im Keller Frau U. Schmidts Geld mit Schippen bewegen). Als ich 1995 mit meinem Studium begann, galt der Beruf des Apothekers als zwar schwierig ergreifbar aber sehr zukunftssicher. Heute würde ich meiner Tochter von diesem Studium abraten. Dabei haben Apotheken (und Apotheker) in der Bevölkerung noch einen sehr guten Ruf. Allein was hilft es, wenn zum Schluss alle Lebens- und Finanzplanung innerhalb von 2 bis 4 Jahren wegbricht, allein auf Betreiben von Politik und Großkapital.
    Andererseits galten Studenten des Lehramts Physik zu meiner Studienzeit – gelinde gesagt – als überflüssig. Nun stellt die Politik fest, dass keine Lehrer mehr da sind. Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich. Und unsere Politik wundert sich mit.
    Weitsicht? Planungssicherheit? Maximal bis zur nächsten Bundestagswahl, und das sind 4 Jahre. Warum sollte es eine heranwachsende Generation anders machen, wenn es von allen „Vorbildern“ so vorgelebt wird? Denn: Wenn ein Gesetz nich wie geplant funktioniert, kann man es ja immer wieder ver(schlimm)bessern. Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion, Kausalität – diese Begriffe gelten vielleicht für Newton, nicht jedoch für die meisten deutschen Führungspersonen. Oder erst hinterher. Merke: Hinterher ist man immer schlauer.

  68. Ich finde das Bemühen,...
    Ich finde das Bemühen, Umwälzungen zu bemerken, wenn man vermutlich eben genau drin steckt, lächerlich sinnlos. Es wird nicht gehen, genauso wenig wie es geht, sich selbst von außen zu betrachten. Außer man ist schizophren (und selbst die klinische Schizophrenie funktioniert nicht so, man hört höchstens Stimmen…, höchstens Dissoziation funktioniert so, aber die ist auch psychotisch…)

  69. Vroni, ohne den Versuch, mit...
    Vroni, ohne den Versuch, mit diesen Perspektiven zu jonglieren, sie kreativ zu nutzen, könnte man aber die ganze Literaturgeschichte in die Tonne hauen, Bilder und anderes Gewerk dazu. Und die geschichtsschreibung auch. Man ist halt immer erst hinterher schlauer. Aber ohne vorher kein hinterher.

  70. Ladyjane,
    wenn man DRIN...

    Ladyjane,
    wenn man DRIN steckt, ist es müßig.
    Ich habe nicht davon gesprochen, dass es genauso als Außenstehender müßig ist.
    Wenn ich selber keine Kunst (Literatur, etc.) mache, kann ich sie sehr wohl mitten in ihren Umbrüchen beurteilen (Sachverstand zu den Themen vorausgesetzt). Der Künstler, der Literat, der selber drin steckt kann das wesentlich schlechter beurteilen. Er hat: Sichtweisen, Interessen, Tunnelblicke, er übersieht nur sein kleinen Berich, wenn letzterer sich gerade ändert und er sich in ihm, auch den nicht.. Als gesellschaftlich DRIN steckender kann aber keiner eine gesellschaftlichen Umbruch beurteilen, zumindest keiner der Beteiligten. Amazonas-Indianer, die außerhalb dieser Kreise stehn und weder mit Reportern, Coke, 9/11, Fernseher, Startups, mit Müll, mit Blogs, noch mit Berlin etwas zu tun haben, vielleicht ausgenommen. Und das sind genau 5 Personen eines unbekannten Stammes.

  71. Für drinnen + draußen gilt...
    Für drinnen + draußen gilt aus meiner Sicht aber das gleiche. Kreativ nutzen, jonglieren. So schwarzweiß ist die Welt, sind die Verhältnisse + wir doch nicht. Mal so, mal so. Oder ein bisschen drinnen, ein bisschen draußen. Man kann sich ja auch was vorstellen, sich was berichten lassen, versuchsweise so tun als ob, nennt man Phantasie oder Empathie. (Es gab auch mal so ne Idee des teilnehmenden Beobachters. Ja, Interessen, Tunnelblick, unvermeidbar, aber auch keine Katastrophe.) Aber vielleicht verstehe ich Sie auch einfach falsch.

  72. Beschäftigen Sie sich mal mit...
    Beschäftigen Sie sich mal mit den Systemikern von Palo Alto. It will help.

  73. sehr schoener kommentar von...
    sehr schoener kommentar von jacques b.
    und dons antwort nicht minder interessant. „Es gibt einfach so Epochen, da legt die Geschichte den Leerlauf ein. Erstaunlicherweise ist das ein Gefühl, das bei allem Aufbruch der Popmoderne in den späten 80ern nicht zu ahnen und zu vermuten war. Das Versprechen lautete anders.“
    der leerlauf jedoch soll uns nicht irritieren, denn er kommt – auch wenn dadurch das bild jetzt ueberstrapaziert wird – mit erfreulich lautem knacken im getriebe. – was kommen wird, wird also – das steht zu vermuten – etwas ’neues‘ sein.
    schoen.
    und dieses neue, da bin ich auch auf dons seite, wird 2015 seine richtung allgemein wahrnehmbar gefunden haben…. als kulturoptimist moechte ich die zeitspanne sogar noch etwas verkuerzen und uns bereits ein froehlich leuchtendes 2014 in aussicht stellen.
    bis dahin noch einwenig fortschrittskulturelle stagnationsphase – noch einwenig duesterniss auf der einen und eine weite fuelle von freudigen experimenten auf der anderen seite. – wo ‚die geschichte den leerlauf einlegt‘, wo man nicht mehr getrieben wird, wo der rueckenwind verebt ist, da finden sich andere wege. – zu fuss und kleinklein und unbedeutend und relativ und subjektiv bloss. ein kulturelles allerlei, eine sudbruehe, die vielleicht nicht – wenn man tatsaechlich eine eine renaissance der politik und der umverteilungskaempfe glauben moechte – ganz ungefaehrlich, in jedem fall allerdings ungeheuer spannend ist.

    ob man das so aus der ‚popmoderne der 80er‘ nicht haette erahnen koennen, das weiss ich nicht… – und das sehe ich auch etwas anders. die eroberung des ich – das feiern und erfinden des selbst – hatte doch immer schon als gegenaspekt den tatbestand, dass alles ueberindividuell verbindliche nur noch in schwachen schemen erkennbar war. – jeder habitus, jeder stil, alle individuelle vorliebe war schon in den 80er jahren bloss geliehen. man wollte dem selbst gewicht und verbindlichkeit verleihen und stellte es nur – fuer einen selbst am deutlichsten bemerkbar – der unverbindlichkeit, der puren selbsterschaffenheit und beliebigkeit bloss.
    das versprechen der 80er jahre – das versprechen der erlebnisgesellschaft – hatte immer schon einen klar ersichtlichen haken: naemlich den, dass erlebnis immer nur im dialog mit dem ‚absoluten‘, nie jedoch im fluss des relativen sein wesen entfaltet.
    das absolute, das ‚authentische‘ – von dem die heroin-models der 90er und die legaendaere benetton-werbung ebenso kuenden, wie naomi kleins ’no-logo‘-pamphlet und der SUV-spasswahn unseres jungen milleniums… und vieles vieles mehr.
    und natuerlich ist auch der don, diese kunstfigur, die den verbalen nahkampf liebt, die grenzen zieht, vermeintliche frontlinien sichert und die reihen gleichgesinnter antiquitaetenliebhaber und tortenverehrer abschreitet, nostalgiker aus spass und aus not zugleich. – auch er will, dass es kracht, damit er sich fuehlt. und auch er leiht sich den gehrock, das gute schuhwerk und alles kulturwissen, das mit rahmennaehung genau so transportiert wird, wie durch schnitzwerkkomplikationen und durch die automatikuhr, die am handgelenk leise surrt.
    auch er will den wind im gesicht oder das trommeln des regens auf dem verdeck – und am liebsten faehrt er natuerlich – wie jeder gute cabrio-let – offen unter dem regen durch.
    und warum das alles?
    weil der don natuerlich – wie wir alle – auch ohne pseudonym immer kunstfigur ist, die sich um echtes leben – um echtes erleben – mit allen tricks, mit aller aufrichtigkeit bemueht.

    den ‚erlebnis-leerlauf‘ des ueberindividuell verbindlichen hat unsere gesellschaft schon lange eingelegt. – und wir haben alle gelernt, uns – ganz nach gusto – mit dem noetigsten, mit dem lebenswichtigen, mit dem ein ’selbsterlebnis gewaehrleistenden‘ zu versorgen.
    das ist das versprechen der 80er jahre. sichtbar hier, wie ueberall auch, wo leute nicht gnadenlos die dauerbetaeubung billigster fernsehunterhaltung suchen.

    so gesehen, koennen wir uns natuerlich auch wieder einlassen auf das knacken und knarzen im getriebe, das – fuer die einen vielleicht lauter, fuer die anderen vielleicht weniger laut – vernehmbar ist.
    so gesehen koennen wir die rezession, die krise, den zeitenwandel, oder wie immer man es nennen moechte, umarmen und willkommen heissen als erlebnistrick, den uns ein gnaediges schicksal frischforsch in die gesichter blaesst.
    freuen wir uns drauf. und nehmen wird dazu haltung an und lauschen der zeitgenoessischen adaption eines alten klassikers…
    http://www.youtube.com/watch?v=b7spiAJj7Mg&hl=es

  74. Aargh, wenn jetzt noch jemand...
    Aargh, wenn jetzt noch jemand „spannend“ sagt… Meine Frau Mama hat heute erst wieder am Telefon beklagt, wie schlimm alles sei, dass die Großen… alles einsacken, und dass die armen Kleinen… Nö, Mutter hab ich gesagt, ich erlebe das zur Zeit ganz anders (zumindest was mein Geschäft betrifft): Große (Kunden, Prospects) haben mehr Anstand als kleine Kunden. Letztere und nur die sind zur Zeit zunehmend auf Beschiss aus, wobei die Kleinsten die Schlimmsten sind. Woher das kommt? Weil die Kleinen glauben, die großen Geschäftsleute täten das vor ihnen. Paradox. Ist es nicht? Es ist. Habe heute meine Geschäftsordnung ziemlich geändert und ziehe extrem harte Saiten auf. Kleine nehme ich gar nicht mehr. Es geht nicht mehr anders. Bevor ich also romantisiert (oder vom Wein beduselt) säusle vom frischen Wind, der da durch die Umwälzung komme: er ist fauliger Geruch. Von unten.

  75. Stimmt, bei mir hat sich heute...
    Stimmt, bei mir hat sich heute eine Ltd. gemeldet und wollte, dass ich „ohne weitere Kosten“ für mich einen 25-Euro-Gutschein verlose, mit Werbung für diese Klitsche. Mal abgesehen davon, dass ich gegütert bin und im Zweifelsfall von meinen kleinen Einkünften darben könnte: Billig ist ja ok, aber es widert mich an, für so billig gehalten zu werden.

  76. Was war denn das Versprechen...
    Was war denn das Versprechen der späten 80iger ? Azurblaue Popperjacke, Flanell Bundfaltenhose, zitronengelbes Lacostehemd und bordeauxroter Lederschlips forever?
    Ich erinnere mich 86 mein erstes kleines Vermögen in den Staub der Börsengeschichte gesetzt zu haben – Conti Gummi und Thyssen. Irgendwie hatte ich mir da mehr versprochen – das stimmt schon.

  77. Bei uns war es "In einem...
    Bei uns war es „In einem zweisitzigen Cabrio Abends von Torbole nach Malcesine die Gardesana runter“.
    .
    Als ich es dann endlich gemacht habe, war ich zwar schon nicht mehr ganz jung, aber toll war es trotzdem. Lacoste ist übrigens wieder schwer in Mode. Meine waren damals schwarz. OK, eines war auch grün.

  78. Bei uns war es - mit Freunden,...
    Bei uns war es – mit Freunden, Unmengen Bier im Korso von Mazda 626, Polo und Peugeot unter abschnittsweiser Begleitung von französischen Autostop-Girls über die Route National nach St. T (näheres siehe oben) zu „rappeln“. Dort wurde auf einem Campingplatz am Strand der „Caravan of Love“ gemietet, Baguette mit Boursin und thon a l´escabeche verdrückt um abends in die Stranddisco einzufallen. Cabrios hatten wir keine, wir waren ja auch noch nicht „..at the age of thirty-seven…“ Es war schon eine hoffnungsvolle Zeit – das lag aber nicht an der Epoche – sondern daran, daß damals gerade das Abitur geschafft und die Welt so weit und unbekannt war… (es gab noch kein Google-Earth – man musste schon hinfahren, um davon erzählen zu können).

  79. Gut, der erfüllte Jugendtraum...
    Gut, der erfüllte Jugendtraum lautete: Im candyroten Oldsmobile Delta 88 73er Baujahr die Westküste der USA rauf und runter, SF, Lake Tahoe, Rattlesnake Pass, Reno, Las vegas, Grand Canyon, LA, Hoghway No. 1, SF. War dann aber wniger toll als erwartet. Zu viel USA, zu amerikanisch. Sie hielten mich wegen meines Akzents für einen Briten. Sagt, glauwä ick alläs.

  80. St T. war damals... jetzt muss...
    St T. war damals… jetzt muss ich ins Atlantic um einen Geschäftspartner zu treffen der den Aufstieg geschafft hat.
    Apropos – die Meinungen des Don zu bekannten oder weniger bekannten Luxus-Hotels würde mich interessieren – vielleicht gibt ein nächster Blog dazu Gelegenheit.

  81. Michael S. aus R. an der H.,...
    Michael S. aus R. an der H., es gibt ja leider auch genug, die durch die Gegend rennen und in dieser Unsicherheit die Chancen und lebenslanges Lernen erkennen wollen. Dass dabei der Typus der Apothekerstochter auf der Strecke bleibt, finde ich als Nutzniesser natürlich bedauerlich (ich könnte seitenweise Loblieder auf Apothekerstöchter schreiben). Ich hoffe allerdings, dass dieses Gerede und Getue ein Ende haben wird: Doe Leute haben keine Lust mehr, sich alle paar Jahre einem Weltkapital anzupassen, das am Ende solche Ergebnisse liefert. Statt Fortschrittsgegröle wird man also diesmal Bestandsschutz anpreisen (womit wir beim Thema des morgigen Tages sind – vielleicht)

  82. Auch der Stop in "Mendocino,...
    Auch der Stop in „Mendocino, Mendocino…“ enttäuscht … die haben nur einen wachsamen Scheriff dort, sonst nur 68er Aussteiger und Althippies.

  83. Das mit den Luxushotels ist...
    Das mit den Luxushotels ist insofern lustig, als ich vor nicht allzu langer Zeit einen Abwerbeversuch aus dieser Richtung bekam. Das Problem ist, dass ich dann aber lügen müsste, was ich absolut nicht kann. Umgekehrt blättere ich immer sehr schnell weiter, wenn in der World of Interiors neue Hotels präsentiert werden. Das schönste Hotelerlebnis der letzten 10 Jahre (und da war wirklich alles dabei) war 4 Kilometer nördlich von Malcesine in einer Pension, die eigentlich ihre original 50er-Jahre-Zimmer noch gar nicht offen hatte:
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/777312/
    und das ist der Ausblick.
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/772280/
    Jeden Morgen, Mittag und Abend brachte mir die Signora eine Kanne heisses Wasser, und ich wurde wieder gesund.

  84. @Vroni Oh, davon verstehe ich...
    @Vroni Oh, davon verstehe ich zufällig ein bisschen was. Hat wohl nichts geholfen ;-) Nach meiner Erinnerung haben da Strategien des Absurden, des Kreativen, des Ambivalenten einen ziemlich hohen Stellenwert. Und Focussierungen auf oben oder unten, draußen oder drinnen, schwarz oder weiß werden als wenig gewinnbringend eingeschätzt. Aber wenigstens in einem sind wir uns einig: Spannendfinder … brrrr.

  85. Ladyjane, die Systemiker...
    Ladyjane, die Systemiker pflegen die Einsicht, dass man, wenn man sich IN einem System befindet, das System weder vernünftig analysieren noch gar therapieren kann. Daher begeben sich deren Fachmenschen bewusst nicht in das System hinein, sondern bestehen auf einer Position außerhalb des Systems. (Was zugebenermaßen schwer ist, weil das zu beobachtende System – das Unternehmen, die Familie – versucht, dies auszuhebeln, um Koalitionen mit ihrem außen stehenden Beobachter & Berater zu schließen, das ist aber ein anderes Thema. Genauso wie die Quantentheorie, bei der bekannt ist, dass allein die Tatsache, dass beobachtet und gemessen wird, schon das Messergebnis verfälscht…)

  86. Vroni, diesen Gedanken haben...
    Vroni, diesen Gedanken haben Sie hinreichend deutlich gemacht. Allein mir fehlt Ihr Vertrauen auf den Bonus der klaren Außenperspektive, den jede „Wissenschaftlichkeit“ in Anspruch nimmt, und auch der Spaß daran.

  87. Werter Don - Respekt: "......
    Werter Don – Respekt: „… dass ich dann aber lügen müsste, was ich absolut nicht kann.“ – das zeugt von Authentizität!
    Leider bin ich zu deppert die Links zu öffnen – aber dann fahr ich halt mal hin nach Malcesine.

  88. Vroni, ich arbeite seit ein...
    Vroni, ich arbeite seit ein paar Jahren nur noch auf Empfehlung. Das klingt in mancher Ohren anmaßend und nach Selbstüberschätzung, dient aber einem ausgeglicheneren Gemütszustand und besseren Leistungen. Keine Laufkundschaft und keine Werbung mehr, niemand, der über die Gelben Seiten oder das Schild an der Tür hereinschneit. Das sortiert unverschämte Spinner aus, die mir abstruse Berechnungen meines angeblichen Stundenlohnes aufstellen, und kleine und größere Psychopathen bleiben so ohnehin aus. Wer mit mir zufrieden ist, empfiehlt mich weiter und die auf diese Weise zur mir gelangenden Mitmenschen sind dann in der Regel ebenfalls recht angenehm im Umgang. „Eigentlich“ mache ich alles falsch, was vom modernen Geschäftstreibenden verlangt wird aber interessanter Weise geht es. Dass das eigene -bezahlte- Dach über dem Kopf die Dinge erleichtert, darf dabei aber nicht verschwiegen werden.

  89. Anderl, das Problem ist, dass ...
    Anderl, das Problem ist, dass das Internet erst anfängt, „normale“ Leute zu beherbergen. So gaaaanz laaaaangsam gehen ältere, besser Gestellte, auch echte Unternehmer ins Netz und kommunizieren da drin (habe einen, der über 2000 MA hat, der twittert sich an seinem Untenehmen interessierte junge Lehrlinge zusammen, er hat in seinem Hauptsitz anscheinend Fachkräftemangel kaum zu glauben), nicht nur Personnage für spinnr oder myspack. So ganz langsam wird es gesellschaftsfähig. Bis dahin werden halt noch verstärkt Figuren aufschlagen, die selber mit ihrem eigenen „Betrieb“ den Dreisatz nicht können. Klar übertragen die ihr brüllendes Unwissen – und die Idee, dass ein Geschäftsmann automatisch ein unsympathischer Schlawiner nach dem medienservierten Vorbild der „Großen“ sein müsse – auch auf ihren Umgang mit dem Dienstleister. Rückzug und Schild an der Tür wegmachen halte ich das Falsche. Was hilft, ist filtern. Das beste Filtermittel ist der Preis. Diese Klientel verduftet im Speedtempo bereits bei ganz normalen Preisen. (Die die doch kommen, können nicht lesen – ich rätsel immer, wie diese es dann doch schaffen, etwas in die URL-Leiste zu tippen…) Ich hab momentan Ärger mit solchen, die nicht lesen können :-)

  90. Ach ja, die Depression der...
    Ach ja, die Depression der Vielhabenden. Vor 100 Jahren hat sie die satte Jugend, welche im Rückenwind von über vierzig Jahren Frieden und fast kontinuierlichem wirtschaftlichen Aufstieg (Gründerjahre) leben durfte, mit Kriegsbegeisterung auf den Lippen in die Viehwaggons steigen lassen. Ein paar Hundert Kilometer weiter westlich durften sie dann aussteigen und ihr bürgerliches jeunesse d’oree-Blut in die Marne träufeln. Und auch die französische fettlebende Jugend – dieses Mal nicht Bürgertum, sondern noch Adel – konnte sich einst keinen anderen Kitzel als gesellschaftliche Intrige und als dies zu langweilig die Sucht nach Revolution, nach Umsturz, nach Veränderung vorstellen. Aber auch hier, leiderleider, überlebten viele ihre harmlose Abenteuerlust nur kurz und verneigten ihr Pariser spitzenbewehrtes Köpfchen schließlich vor „Madame Gleichmacherei“, der Guillotine.
    .
    Kurz: Stillstand wird es nie geben, aber wer sich an den großen gesellschaftlichen Abenteuern ergötzt, könnte darin die hochwassersichere Villa am See, das großväterlich gegründete Firmenkonglomerat und die hübschen Mieteinkunftobjekte in der Kaufinger Straße verlieren.

  91. Dem Krokodil nicht aufs Maul...
    Dem Krokodil nicht aufs Maul treten
    Ich sagte es ja schon: Zynismus ist die politische Form der Autoaggression, oder nun mal anders ausgedrückt: Selbstdestruktion. Und als solche spiegelt sie den Verfall einer Gesellschaft – zunächst von oben. Der Klassenkampf von unten dient nicht dem Erhalt dieser Gesellschaft „ da oben“, und er wird sie auch nicht verbessern (sie trainieren), er wird sie restlos zerstören. Und das kann schneller kommen, als so mancher glaubt. Ich verweise da nur auf meinen Beitrag „Pogromstimmung“, in der heutigen Ausgabe dieser Zeitung zu so gewissen Vorgängen in England (http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~EAE26656B07754E4890F35F5EDD398021~ATpl~Ecommon~Scontent.html.)
    Es gibt nicht viel, was man da mehr zu sagen könnte – vorerst jedenfalls -, außer vielleicht das, was ich in dem Blog des Herrn Strobl zu geschrieben habe: „Es sind die Massen, die entscheiden, in der modernen Welt mehr denn je. Wer das nicht hören will, der kann so weiter machen, mit der Erfindung neuer genialer Theorien. Diese werden dann nicht besser, als die Theorien von Glückspielern (oder die „Zinstheorie“), die glauben, sie könnten mit einer immer genialeren Spielart der „Chaostheorie“ die Bank knacken. – Träume!“ (http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/03/24/beerdigte-koehler-gerade-die-soziale-marktwirtschaft.aspx?CommentPosted=true#commentmessage.)
    Auch dem hier scheint mir eine Art Chaostheorie zu unterliegen, nach dem Motto: schmeißen wir mal so ziemlich wahllos Dreck auf diese Massen, vielleicht wehren sie sich ja mal zur Abwechselung – und es kommt was Vernünftiges bei raus, und wenn nicht, dann wenigstens ein anständiges Gemetzel. Oder soll das nur der Vertreibung der eigenen Langeweile dienen? – Ich sähe da eine Menge Langeweile. Und man soll dem Krokodil nichts aufs Maul treten, denn es tötet auch noch mit dem Schwanz.
    Ich empfehle, was ich schon früher gesagt habe: man soll sich wieder vernünftig mit der Theorie beschäftigen, mit der marxistischen, wenn es nach mir geht. Ich weiß, das ist harte Arbeit (und nicht wenige glauben Marx längst hinter sich) und für manchen Snob vielleicht zu viel des Guten. So in etwa nach jener überlieferten Frage an Arndt von Bohlen und Halbach:
    „Wollen Sie irgendwann auch einmal arbeiten?“ Bohlen und Halbach: „Soweit kommt es noch.“ Solches und ähnliches kursiert zurzeit wieder mal unter der arbeitenden Klasse und muss nichts bedeuten – muss nicht!

  92. Ephemeride, klar gibt es...
    Ephemeride, klar gibt es Stillstand nie. Das einzig Beständige ist der Wandel, feinfein. Nur vollzog sich der früher in Jahrzehntblöcken, jetzt in wenigen Einzeljahren. Was wir derzeit haben ist ein immer schneller drehender Rhythmus, das fällt auf. Wenn man sich nicht einmal mehr sicher sein kann, was in einem Jahr oder in wenigen Mionaten sein wird, dann wird es eng. Dann plant man nicht mehr, dann kauft man sich kein Haus mehr, dann pflanzt man kein Bäumchen mehr. Ängstlichere (oder die nicht müssen) investieren nicht mehr. So ist das. Es geht um beängstigende Geschwindigkeit. Von mir aus auch die im Hamsterrad: der rasende Stillstand. Auch rasender Stillstand löst Irritation aus und den innigen Wunsch nach Ruhe.

  93. virtuos bilderreich...
    virtuos bilderreich geschrieben, ephemeride.

  94. Ephemeride, das ist...
    Ephemeride, das ist zutreffend, aber ich habe meine Zeit auf den Feldern der New Economy gedient, und sehe mich nun als Stillständler, der mit dem See zufrieden ist

  95. Vroni, ich glaube nicht, dass...
    Vroni, ich glaube nicht, dass wir es heutzutage mit größeren Geschwindigkeiten des Wandels zu tun haben. Im Gegenteil. Eine so lange Zeit des Friedens haben die deutschen Landen noch niemals erlebt, also auch noch keine so lange Zeit des Aufstiegs und der sozialen Ruhe. Vor allem das, was man früher noch Bürgertum nannte und heute die begüterte Mittel- und Oberschicht darstellt, hatte kaum je so viel Zeit, sich häuslich einzurichten in dem Zustand der satten Zufriedenheit. Und selbst der Normalverdiener wird auch derzeit noch nicht von den Zeitläuften so arg hin und her gebeutelt wie anno dazumalen. Ein Blick zurück biegt das Bild der heute so sehr beklagten ‚Unsicherheit‘ ziemlich schnell wieder gerade. Kriege und Aufstände und Bürgerkriege gaben sich alldieweil die Klinke in die Hand. In der Hochblüte der mittelalterlichen Städte verwüstete man das Land mit Fehden, späterhin blutsaugten die von der Kette gelassenen Feudalherren wie sie wollten, dann brandschatzten Wallensteinsche und Tillysche Heere, dann wiederum nahm sich die Pest ihren Teil, genauso wie Erbfolgekriege, wie Preussens blutiger Aufstieg zur Großmacht, wie französische Revolutions- und kurz danach Napoleons Soldaten. Dann schlug man sich abwechslungshalber wieder die Köppe im Revolutionsrausch ein, bekämpfte Dänemark, Österreich, Frankreich, ließ gleich ganze Generationen auf erste und zweite Weltkriegsschlachtfeldern liegen – und all das garniert mit dem ganz persönlichen Risiko, dass der Blitz den Hof abfackelte oder die Ruhr den Ernährer hinfort nahm oder ein Presskommando zulangte und man sich unversehens auf einem Kriegsschiff auf dem Weg nach Westindien wiederfand. Diese Zeiten waren tatsächlich durch höchste Unsicherheit geprägt, häufig sogar für die Herrschenden. Nur manchmal eben, in Phasen der Ruhe, wurde es den begüterten Eseln zu wohl, man konnte nichts mit sich anfangen offensichtlich und sehnte sich nach Tumult und Heldentod – und tanzte auf dem dünnen Eis der Provokation. Und bekamen – was sich die jungen Schnösels allesamt wohl nie vorstellten konnten – dann prompt die Rechnung serviert. Weshalb ich heute zuallererst die Langeweile der Reichen fürchte, welche eben nicht nur mit russiche Roulette sich selbst in den Abgrund reißen, sondern häufig ganze Gesellschaften in ihrem Spieltrieb.

  96. Also Ihr habt Probleme.......
    Also Ihr habt Probleme….

  97. Das haben Sie schön gesagt,...
    Das haben Sie schön gesagt, lieber Don Alphonso, und den Stillstand mit den passenden Worten dargestellt. Ich freue mich, dass Sie jetzt für die FAZ schreiben, das wertet diese Zeitung ganz erheblich auf. Herzliche Grüße!

  98. Danke für den Zuspruch - ich...
    Danke für den Zuspruch – ich werde mir weiter Mühe geben, hier an den Ansprüchen zu wachsen.

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