Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Glanzlosigkeit und Elend der Mobilität

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Selbst, wenn ich mich damit der Gefahr aussetze, reaktionär zu wirken: Ich halte Mobilität und Flexibilität für so erstrebenswert wie Ausschlag und Krätze. Ich glaube, es gibt eine Art neoliberales Marketing für diese angeblich unverzichtbaren Eigenschaften des modernen Weltbügers, die ihn zu einem verwahllosten Vaganten werden lassen: Gierig, abhängig, uniform und entsetzlich spiessig. Wie es Barbaren schon immer waren.

Froh über das grosse Glück, das ihm beschieden worden war, kehrte der König von Terra-d’Ombra mit seiner Gemahlin nach Neapel zurück.
Pompeo Sarnelli, Posilecheata

Wäre das hier ein Vortrag für Studenten der Betriebswirtschaftslehre oder des Journalismus, würde dieser Beitrag nach der herrschenden Ideologie in etwa so beginnen müssen: „Natürlich sind alle Entscheider und Moneymaker da, wenn die Konferenz im Golfhotel von S**feld die neuesten Trends vorstellt, ist Invitation Only, da bieten sich Opportunities auf dem Gang, die man sonst das ganze Jahr nicht bekommt, der Rahmen ist echt nobel. Abends dann noch ne Runde Pokern im Casino, die PR-Frau vom S. von der U******* war echt gut drauf, hat mir das neueste Projekt erklärt, und ich am nächsten Tag gleich weiter nach FFM, na ja, Termin und so, da konnte ich das gleich vortragen, also, wenn ihr wollt, ich kenne da jemand in S**feld, der die Einladungen rausschickt, die haben auch Interesse an High Potentials wie euch, und schon die Anreise über die Berge ist so was von toll, Wagner einlegen und ab über den Sylvensteinspeicher.“

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Nun ist der Sylvensteinspeicher wirklich schön, das besagte Golfhotel ist fraglos ein Traum für alle Liebhaber von Halogenspots, und tatsächlich verdanke ich solchen Treffen, bei denen man mich mit einem interessierten Journalisten verwechselt, einen grossen Teil meiner Einsichten in das Wirtschaftsleben. Aufgrund dieser Verwechslung bin ich auch mitunter als Redner an irgendwelchen Centern für Entrepreneurship und höre dann Vorträge, in denen Investoren das Lob der Mobilität als Lebensstil herunterbeten, wie ein Pfarrer seinen Rosenkranz. Auslandserfahrung, Mobilität, mehrfache Studienortswechsel und Praktika in allen möglichen Städten gehören heute für die Kinder der Mittel- und Oberschicht zum standardisierten Lebenslauf. Seit Jahren sitze ich hinten in der Finsternis des für den Beamer abgedunkelten Raumes, und denke mir: Ihr Idioten. Und dank der Wirtschaftskrise kann ich es hier auch niederschreiben: Ihr Idioten.

Denn Mobilität ist nicht gut. Mobilität ist schlecht und, schlimmer noch, gesellschaftlich nicht vertretbar, und gerade in Umbruchzeiten wie den unseren brandgefährlich. Wer jederzeit überall sein kann, hat keine Planungssicherheit. Wer keine Planungssicherheit hat, wird jede feste Bindung und dauerhafte Anschaffung vermeiden. Und genauso, wie man mit dem dummen Geschwätz das Leben in überteuerten Hotels mit Halogenspots als erstrebenswert darstellt, werden auch die Insignien dieses mobilen Daseins gefeiert. Allen voran das Iphone, das Prestigeobjekt dieser Gruppe schlechthin.

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Als Historiker kennt man diese teuren Prestigeobjekte für Mobilität von nicht sesshaften Gruppen: Die Barbaren etwa, die das Römische Imperium zum Einsturz brachten, waren ebenfalls hochgradig flexible und schnell reisende Menschen. Mobilität bedeutete, dass man sich auch mobil kleiden musste, statt Toga und Tunika griff man zu Hosen, Hemden und Umhängen. Praktische Dinge für Menschen auf dem Rücken von Pferden und in Karren, mit denen man reisen, Hälse abschneiden und plündern konnte. Das erraubte Gut, Gold und Silber etwa, hatte für diese Niedergangsverursacher keine reale Bedeutung mehr, weil es keinen Wirtschaftskreislauf mehr gab, der sich von ihnen die Hälse abschneiden lassen wollte.

Also formten sie aus dem funktionslos gewordenen Metall Gürtelschnallen, Fibeln und Schmuck, den sie an ihre Frauen hängten und mit ins Grab nahmen. Das sieht, wenn man es ausgräbt, grandios aus, es schlägt römische Brandgräber in jeder Hinsicht. Aber es ist kein Zeichen von Reichtum, sondern für Verelendung, Krieg und vernichtete Sozial- und Rechtssysteme. Erst mit der Sesshaftwerdung verschwinden die Grabbeigaben wieder: Man tritt zum Christentum über, bringt jenseits des Adels nicht mehr erwerbsmässig Menschen um, und hängt das Gold lieber in die Kirche. Das ist dann die karolingische „Renovatio Imperii“.

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Iphone, Macbook Pro, die Kreditkartensammlung, die ultraflache Digitalkamera mit der immer neuesten Pixelzahl, bald auch das eBook und der iPod: Das sind die Insignien der neuen Barbaren. Ganze Industrien leben davon, diese Barbaren am Laufen und stets auf dem neuesten Stand zu halten, sie brauchen Taschen für sieben unterschiedliche Ladegeräte und Geldbörsen mit vielen Schlitzen, einen Schutz für das Telefon und Downloadmöglichkeiten, wie der Barbar eine Quelle brauchte; sie sind frei in der Bewegung und trotzdem Sklaven von WLAN und Steckdosen anderer Leute. Ihre Landkarte ist im Internet, und ihre aktuelle Position teilen sie ihren Mitbarbaren über Twitter mit, das mit seinen 140 Zeichen Menschen mit rudimentärem Primärwortschatz entgegenkommt.

Der Raubzug der modernen Barbaren sieht anders aus, ist aber im Effekt für die Gesellschaft nicht weniger schädlich als ein Goteneinfall: Mobile Menschen tendieren dazu, frei zu arbeiten, sie haben „Jobs“ und nie „Arbeit“, sie verzichten auf soziale Sicherungssysteme und besonders auf deren Beitragszahlungen, sie sind damit billiger, und sehen sich als Räuber gegen Festangestellte, für die sie unverhohlene Verachtung empfinden. Die Fälschung von Fahrtenbüchern wird getwittert, Schwarzarbeit ist üblich, und ein Loblied wird auf den Medikamentenmissbrauch gesungen. Vorsorge ist das Problem der anderen, aber ein bedingungsloses Grundeinkommen finden sie toll. Sie nehmen, was sie kriegen können, sie fordern kostenlose Funknetze und die Abschaffung von Urheberrechten, um sich nach Lust und Laune im Internet bedienen zu können. Die Gesellschaft, die sie fordern, soll sich an die Gebräuche der Barbaren anpassen und ihnen ideale Lebensräume zur Verfügung stellen, finanzielle Förderung ihrer Kongresse und günstige Büromieten ohne Verpflichtung.

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Sie können auf diesem Niveau leben, weil es dafür Angebote gibt. Irgendeine Tanke hat immer offen, irgendwo stinkt immer ein Döner für 2 Euro. Natürlich ist so ein Boarding House in Neuperlach nicht das legendäre „München“ mit seinen feinen Altbauwohnungen, sondern nur ein aufgesexter Sozialbau. Aber es sieht besser aus als ein Obdachlosenasyl, selbst wenn es diese Funktion übernimmt. Man kann dort für weniger auf kleinerer Fläche leben, man kann andere, die hier regulär wohnen und hohe Kosten haben, unterbieten und schnell wieder weg sein, vielleicht in Neukölln oder London, oder wo sich sonst etwas bietet, für ein paar Tage oder Wochen.

Aus Wochen werden Monate und aus Monaten Jahre, die Festplatten werden grösser und die Gesundheit bleibt mangels Hausarzt auf der Strecke, man hat tausend Kontakte und ist bei allen Communities, man ist so individuell wie alle anderen auch, die das gleiche Telefon und den gleichen Dispo und die gleiche Bio haben, man könnte sich überall zum berufsjugendlichen, vollmobilen Vollidioten machen, denn ab 40 ist das alles nicht mehr so leicht. Mit durchschnittlich 40 sank der vollmobile Aware ins Grab, der Awarenessjunkie dagegen muss noch 40 Jahre irgendwie weitermachen, und das wird kein Spass, wenn gerade  eine Wirtschaftskrise alle Tore verrammelt.

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An Negativbeispielen wird es uns in den kommenden Monaten nicht mangeln, wenn geschlagene Mobile nach Hause kommen und sich neu orientieren. Einer halben Generation hat man diesen Lebensstil als Ideal gepredigt, Powerpoint statt Bücher, MP3 aus Quäkboxen statt Musik aus Tonmöbeln, Miete statt Besitz und Ikea statt Möbel, und damit Internetspiesser geschaffen, die andere über den Übertragungsstandard ihres Mobiltelefons beurteilen. In einer Zeit, da Banken ihre Kündigungen gerne im Ausland vornehmen, kreditfinanziertes Wachstum tödlich ist und nur Reserven über die Krise hinweghelfen, wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, jungen Menschen wieder Begriffe wie Planungssicherheit und stabile Strukturen nahe zu bringen.

Ausserdem ist das Essen im Golfhotel von S**feld wirklich miserabel.

Begleitmusik: Von den Unannehmlichkeiten des mobilen Lebens erzählt das geistliche Singspiel „Serpentes Ignei in Deserto“ von Johann Adolf Hasse, der dramatisch das Leiden und die Krankheit der Hebräer in der Wüste vertonte. Die vorzügliche, bei Ambronay erschienene Aufnahme muss man laut hören, wenn man über den Abgrund des Sylvensteinspeichers zu so einem Totentanz der mobil Verdammten fährt.

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152 Lesermeinungen

  1. Ich denke die bedingungslose...
    Ich denke die bedingungslose Mobilität, die immer wieder gerne gefordert wird, ist nur das Zeichen ideser Zeit. Eine Übertreibung, wie so viele schon in der Geschichte der Menschheit. Also alles menschlich! Das Pendel schlägt mal links mal rechts und nun kommt es halt zurück! Globalisierung hat auch Schattenseiten, kontaminierte Wattestäbchen aus China führen zu einer Riesenfahndung nach dem Phantommörder. (Phantomas hätte seine Freude daran) Giftstoffe in Spielzeug, exorbitante Transportkosten vernichten den Vorteil billige Produktion in XYZ.
    Was uns treibt und voranbringt hindert auf der anderen Seite immer wieder den Menschen, Mensch zu sin. Rastlosigkeit hat uns die Welt erschliessen lassen, nun fordert sie halt ihren Preis.
    Ansonsten wie üblich sehr amüsant geschrieben werter Don!

  2. Lieber Don,

    diesmal spechen...
    Lieber Don,
    diesmal spechen Sie mir aus der Seele! War ein echtes Vergnügen diesen Block zu lesen! Wünsche ein angenehmes Wochenede!
    Grüße
    Ein treuer Leser

  3. Bitteschön, gern...
    Bitteschön, gern geschehen.
    .
    Tatsächlich führte die Völjerwanderung nur begrenzt zur Sesshaftigkeit, sondern eher zu einer Art „sinnvollen Mobilität“ und der Herausbildung einer Händler- und Kunsthandwerkerkaste. Sprich, es renkte sich wieder ein, und Mobilität bekam eine andere Bedeutung als „Raubzug“ oder „Landnahme“. Wenn den Chinesen erst mal ihre Margen wegbrechen und Transport wieder einen realen Preis hat, werden auch gewisse Übertreibungen des Warentransfers bereinigt – selbst wenn chinesische Wanderarbeiter dabei ähnlich schlecht wegkommen wie die Käufer ihrer Mobilgadgets bei uns.

  4. Haha... lange nicht mehr so...
    Haha… lange nicht mehr so gelacht! Diese digitalen Nomaden sind auch mir seit längerem ein Dorn im Auge, und ich kann von Glück sagen, daß ich mich rechtzeitig aus dieser von mir so genannten „blauen Welt“ (weil, blau ist ja die Farbe des „Business“) verabschieden konnte – flüchten ist wohl das richtige Wort. Nach einem dutzend Jahren in der Werbung ist meine Toleranz für Wichtigtuer, „Namedropper“ und andere Heißluftgebläse drastisch gesunken; stelle nun allerdings zu meinem Bedauern fest, daß in der Welt der Fotografie, in der ich mich jetzt bewege, nicht minder kaputte Egos und Schwätzer unterwegs sind. Sei’s drum. Wenigstens sitze ich mir nicht mehr in endlosen Konferenzen den Arsch breit, und meine jetzigen Kunden haben im Großen und Ganzen ein Auge für das Schöne in der Welt – was man vom durchschnittlichen Werbekunden hierzulande nicht behaupten kann.
    Nun also: Nein, Mobilität ist nicht gut. Da stimme ich Ihnen zu. Ich würde – trotz Ihrer Liebhaberschaft zu schönen, alten Autos – sogar so weit gehen, zu behaupten, daß sich die individuelle Mobilität, die das Auto mit sich brachte, dereinst vielleicht sogar als größter technologischer Irrtum der Menschheitsgeschichte angesehen wird. Man muss sich das mal überlegen: ein mehr oder minder aus edelsten Materialien zusammengeschraubtes Monstrum, welches 22 Stunden am Tag nur rumsteht und die Straßen verstopft, und dessen Geschäftsgrundlage die Verfeuerung unwiederbringlicher, finiter Rohstoffe ist. Um deren „Gewinnung“ seit hundert Jahren Kriege geführt werden und Menschen sterben müssen – damit auf unseren Straßen wiederum Menschen sterben, die das Pech haben, diesen Monstren nicht schnell genug ausgewichen zu sein. Ein Monstrum, das Natur frisst und dafür auch noch seit Generationen steuerlich begünstigt wird. Ein Monstrum, das die Luft verpestet, und das – aller Versprechen der Automafia zum Trotz – noch immer nicht soweit gezähmt ist, daß es zumindest nicht mehr ganz so viel Luft verpestet, nicht mehr ganz so viel verbraucht, nicht mehr ganz so viel Auto ist (SUVs, Cayennes und der ganze andere Dreck). Insofern, lieber Don: ja, Mobilität ist Teufelszeug, und zum Teufel sollen die Apologeten dieser Mobilität, die BWLer und MBA-Absolventen in ihren Hugo-Boss-Einheitsanzügen, auch gehen.

  5. Ach ja, die schlimmen...
    Ach ja, die schlimmen Barbaren, die das Imperium Romanum zugrunde gerichtet haben sollen?! Lieber Don, das war bloß die germanische und steppennomadische Dritte Welt, die am liebsten römische Bürger auf römischem Ackerland werden wollten – ausgehungert, wie nur ein kinderreicher(!) Gote oder Vandale sein konnte, der aus der unwirtlichen „vagina gentium“ (Cassiodor) Skandinaviens und Nordosteuropas entronnen war. Wenn die unglaublich verblödete Oberschicht des spätantiken Roms nur etwas schlauer sich angestellt hätte, dann sähe Europa heute deutlich anders aus. Richtige Integration – und nicht nur die perfiden Machtspielchen, ein Gentilreich gegen das andere auszuspielen. Im übrigen: Die Schätze, die die Barbaren in ihren Gräbern und anderem Erdreich verbuddelten, waren sehr wohl (aus deren Sicht) eine lohnende Investition in die Zukunft, nämlich fürs Totenreich und den dort herrschenden sozialen Status zurückgelegt. Die heutigen Mobilfon-Barbaren denken dagegen nicht bis zum nächsten Alleebaum, an dem sie früher oder später landen werden – nicht einmal ihre Organe hinterlassen sie per Spenderpass. Und noch ein kleiner Zwischenruf: Die wirklich bedeutenden Figuren dieses römisch-germanischen Rencontre waren zuvor schutz- und erziehungsbefohlene Geiseln gewesen, man denke an Arminius, Aetius, Theoderich. Sie kannten die Kultur des jeweils Anderen, hatten aber letztlich keine Chance gegen die Mehrheitsfraktion ihrer eigenen Gestrigen.

  6. Hallo Don,

    „ ... sie...
    Hallo Don,
    „ … sie verzichten auf soziale Sicherungssysteme und besonders auf deren Beitragszahlungen.“ Könnten Sie diesen Punkt bitte erläutern? Denn Sie schreiben ja nicht von 400-Euro-Jobbern, sondern von Managern, etc. im Angestelltenverhältnis. So jedenfalls habe ich Sie verstanden.
    Abgesehen davon, wenn man die negativen Seiten seines Berufes nicht ändern kann, ist es verständlich, dass man sie schönredet. Das war wahrscheinlich schon immer so: Soldaten, die sich als „mutige Helden“ sehen und in Wahrheit nur Kanonenfutter sind, körperliche Schwerarbeiter, die stolz darauf sind so „hart“ zu sein, etc.

  7. Dürfte ich diesen Beitrag...
    Dürfte ich diesen Beitrag wohl zu Beginn des Semsters den Damen und Herren Elitessen an der katholischen Kaderschmiede vorlesen? Noch hofft man dort nach 6 Semestern auf den ein oder anderen Marketing Sachbearbeiterposten.

  8. customerofhell, jederzeit und...
    customerofhell, jederzeit und immer gerne!
    Jacques B., ich finde Fahrräder auch sinnvoller und bewege mich damit gerne fort. Und natürlich verachte ich auch die Vertreterkombirennen auf der Autobahn. Und dennoch: Ganz dem Laster – dem einzigen, den ich neben 7 Todsünden und 613 Veratössen gegen die Halacha habe – absagen kann ich auch nicht.

  9. Nur so als Seitenblick: Die...
    Nur so als Seitenblick: Die irre Verbreitung des iPhone in den USA kommt unter anderem daher, dass es die billigste Möglichkeit ist, überhaupt online zu sein. Billiger als ein PC + Telefonanschluß. Oder halt Intenet-Café. Das ist die Realität.

  10. Jaja, ich sitze auch lieber in...
    Jaja, ich sitze auch lieber in meinem kleine Büro und mache mein Ding, statt die Welt in Hektik zu bereisen und allen Leuten mein Können zu beweisen. Mir ist vor allem etwas unklar, warum diese digitalen Nomaden Nomaden immer vor Ort sein müssen. Bits reisen doch viel schneller. Aber vielleicht liefern die weniger funktionierende Bits ab, als vielmehr heiße Luft und die diffundiert bekanntlich ziemlich schnell.
    ABER ein Widerspruch, auch wenn der völlig irrelevant ist: das iPhone ist nicht das Statussymbol der Beraternomaden, sondern der Crackberry. Obwohl man sich bei den Gehältern eh nicht über ein paarhunderteuro-Handy unterscheiden kann. Das zeigt sich schon daran, dass ich auch eins habe ;-)

  11. Wunderbar, lieber Don (Obwohl...
    Wunderbar, lieber Don (Obwohl ich Häuslebauen auch doof finde und lieber miete,…)!

  12. Mobilität ist ja, wie im Text...
    Mobilität ist ja, wie im Text richtig erwähnt, den mittleren und oberen Schichten vorbehalten. Gerne wird das als Freiheit beschrieben, man könne gehen wohin man wolle. Dahinter steckt aber eigentlich ein Zwang. Die Wahl, gehe ich oder gehe ich nicht, stellt sich nicht mehr, sondern nur noch wie Frage: Wohin? Und wann und wie lange?
    Ich meine hinter diesem Mobilitätszwang ein erschreckend unterwürfiges Verhalten zu erkennen, dass sich vor jeder Individualität und vor jeder Begründung eigener Entscheidungen drückt.
    Seinen Platz in der Welt findet man heute nicht mehr, man muss ja von irgendjemandem eingestellt werden, zumindest Zeitweise. Man ist dauernd abhängig von der Gunst übergeordneter Entscheider und das führt zu einer nicht nur mobilen Lebensführung, sondern auch Geisteshaltung: Ihr da oben, was wollt ihr von mir? Egal was es ist und wie viel es kostet: Ich tu’s!

  13. Powerpoint ist tatsächlich...
    Powerpoint ist tatsächlich der Niedergang schlechthin.
    Chapeau für diesen Blog-Eintrag!
    15000 Jahre hat die Menscheit benötigt, um weg von der Höhlenmalerei zu einer verbalen Ausdrucksweise auch schwierigster Themen zu kommen. Und nun geht es in rasendem Tempo mit Powerpoint zurück zu bunten Bildchen!
    sic transit gloria mindi!
    Vielleicht noch eine Nebenbemerkung zu Euren sehr künstlerischen Fotos: zum Thema hättet Ihr doch lieber aus dem Mini oder 5er statt aus der Barchetta fotografieren sollen!

  14. Mir fehlt in der obigen...
    Mir fehlt in der obigen Betrachtung die Erkenntnis, dass der mobile Lebensstil nur durch den exorbitanten Gebrauch an nicht erneuerbaren Ressourcen möglich war und er somit nur eine kurze Episode in der Geschichte der Menschheit physikalisch möglich sein konnte. Der mobile Lebensstil beruhte zudem auf der Illusion, dass endloses exponentielles wirtschaftliches Wachstum möglich sei. Im kommenden Jahrzehnt wird diese groteske Entwicklung aufgrund der Endlichkeit irdischer Ressourcen wie eine Seifenblase zerplatzen.

  15. Kampfstrampler, wenn man...
    Kampfstrampler, wenn man Paulus Diaconus und die Gesta Langobardorum liest, kann man auch zum Schluss kommen, dass Sesshaftigkeit den Barbaren selbst mit Unterstützung einer verbliebenen römischen Oberschicht nicht zum besseren Menschen macht. Genauso wenig, wie die Versager der new Economy etwas gelernt hätten, was sie im web2.0 zum Erfolg bringen würden. Ich denke, da sind einfach verlorene Generationen, denen man einfach am besten den Nachwuchs an den Unis kappt und wieder auf Beständigkeit sowie einen soliden Neuplatonismus setzt. Für mich wäre das nichts, aber für Gesellschaften ist das nicht schlecht.

  16. Don Ferrando, ich würde...
    Don Ferrando, ich würde spätpaläolithische Kunstäusserungen des Homo sapiens neanderthalensis nur ungern auf das Niveau von Bulletpoints und Executive Summaries von Vorstandsassistenten gebracht sehen.

  17. Hallo,

    ja nett das so zu...
    Hallo,
    ja nett das so zu schreiben. Ich sehe das aber eher als Befreiung von der Sklaverei durch das Industriezeitalter. Mobilität entspricht der natürlichen Grundhaltung des Menschen.
    Und wenn man es sich genauer anschaut, pendelt man in der Mobilität um ein paar Fixpunkte die sich zwar im Laufe der Zeit ändern, aber im Grunde sind es für die meissten Menschen die mobil sind, immer nur 2-3 Fixpunkte um die sie im wesentlichen pendeln.
    Wer natürlich die Beständigkeit des Bauerndaseins als Masstab aller Dinge sieht, der kann diesem mobilen Treiben nichts abgewinnen.
    Hinzu kommt dass es auch vom Menschen abhängt ob er mit dem mobilen Lebensstil klar kommt oder nicht, ich langweile mich wenn ich immer das gleiche mache ich langweile mich wenn ich dauernd die gleichen Kollegen sehe und ich langweile mich wenn ich mich nicht bewege.
    Aus meiner Sicht geht geographische Inmobilität oft auch mit geistiger Trägheit einher, oder anders gesagt: Wenn es nicht ein paar Menschen gäbe die ihren Hintern gerne bewegen würden wir immer noch in Höhlen sitzen und uns vor jedem Schatten fürchten und uns gegenseitig langweilen.
    Inmobilität bedeutet warten auf den Tod.
    Cheers

  18. Alles hat seine Pros und Cons....
    Alles hat seine Pros und Cons. Als „Gegenentwurf“ zum mobilen Selbständigen, der sich fälschlicherweise als „Herr über seine Zeit und Arbeitskraft“ dünkt, stelle man den abhängig Angestellten, der momentan katzbuckelnd und devot um seinen Arbeitsplatz „rudert“, weil er Familie hat, abzubezahlendes Eigentum am Ort, weil er nach 1 Jahr Arbeitslosigkeit ins große schwarze Loch namens Hartz IV fällt.
    Beide „Lebensentwürfe“ sind verschiedenartige Ausprägungen des gleichen Sklaventums, nur die bessere Gesellschaft hat da einen dritten Ausweg, Eigentum, Selbständigkeit bei einem geringstmöglichen Ausmaß an erzwungener, weil fremdbestimmter Mobilität.

  19. es waren immer 'barbaren', die...
    es waren immer ‚barbaren‘, die zivilisationen ablösten, welche weit über ihnen standen, ihre kulturelle blüte jedoch schon weit hinter sich gelassen hatten und sich auf das philosophieren über idealzustände beschränkten, anstatt auf tätige gestaltung ihrer realen umwelt. auch die römer waren dereinst solche ‚barbaren‘ gegenüber den griechen. ich empfehle die lektüre von oswald spengler (‚der untergang des abendlandes‘). sehr treffend, sehr wertvoll, jedoch weithin unbeachtet.

  20. Don – zwei Herzen, ach,...
    Don – zwei Herzen, ach, schlagen auch in meiner Brust: bei alten englischen Mobilen wird auch mein Blick glasig: MG MGA 2-Seater, Land Rover Series I–III, oder der Jag Mk X…
    egghat – darauf bin ich tunlichst nicht eingegangen, da es mir zu sehr nach „troll bait“ roch (Verzeihung, Don). Aber ja: das iPhone – wie überhaupt die Modellpalette aus Cupertino – ist in meinen Augen eher weniger als Zielscheibe für das Don’sche ex cathedra geeignet; symptomatisch für jene Kreise scheint mir doch eher der Komplex DellBerryWindowsMobileVista zu sein. Die ganze blaue Business-Welt eben. Aber… psssst… nicht zu sehr dran rühren.

  21. Mobilist, bedaure da einen...
    Mobilist, bedaure da einen Irrtum zurechtrücken zu müssen, aber: Es gab keine Höhlenbewohner. Was es gab, waren Nomaden und später auch Sesshafte, die in Höhlen spezielle Räumlichkeiten für Kulthandlungen sahen. Man kann zwar in einer Höhle wohnen, aber das Konzept „Siedlung“ kommt ohne Höhle aus. Sprich, einen Höhlenmenschen hat es nie gegeben, und der angebliche „Höhlenmensch“ war hochgradig mobil. Ein beispiel eines Höhlenheiligtums für Sesshafte ist die hallstattzeitliche Byci Skala Hohle in Tschechien (wieso ist das eigentlich nichtg bei Wikipedia)

  22. "...standarDisierten...
    „…standarDisierten Lebenslauf.“

  23. Danke für den Hinweis....
    Danke für den Hinweis.

  24. Nachdem der Artikel von allen...
    Nachdem der Artikel von allen gefeiert wurde, melde ich mich doch auch mal zu Wort. Ach ja, ich bin einer dieser Nomaden die als Freiberufler durchs Land/die Welt ziehen. Und ich mache es, weil es mir Spass macht. Ich mache es, weil ich so gut bin in dem was ich tue, dass Firmen dafür reichlich Geld bezahlen. Deren festangestelleten Häuslebauern fehlt nämlich das Know-how und vor allem der Blick über den Tellerrand.
    Btw., ist die aktuelle Krise nicht in Amerika entstanden, wo die Leute wie verrückt Häuser gekauft haben. In einem Land, wo trotz viel höherer Eigenheimquote die Menschen viel flexibler sind als in Deutschland.
    Zu IKEA gehen in Deutschalnd die Festangestellten, denn die können sich nach Steuern und sozialabgaben nichts anderes leisten. Der Freiberufler kauft dagegen im Privatgeschäft deutsche Markenmöbel.
    Das bitte schön ist die Realität. Ja, die Römer sind durch die völkerwanderung untergegangen. Aber wenn sie geblieben wären, dann wären wir jetzt vielleicht immer noch in der Antike. So haben die flexiblen nomaden die Welt voran gebracht.

  25. Das tut gut! Mal richtig...
    Das tut gut! Mal richtig herzhaft lachen und „Genau, genau!“ rufen…
    Diese Mobilitätsprediger und Für-garnix-Verantwortungs-Übernehmer sind schon eine wahre Plage!

  26. Nachdem ich dieses Jahr zum...
    Nachdem ich dieses Jahr zum 13ten Mal umgezogen bin binnen fünf Jahren (vier verschiedene Länder) realisierte ich das es so nicht mehr weitergehen kann. Ich fühle mich wie einen Dieselmotor den man nach 10 Minuten Betrieb wieder einstellt und der nie auf wirkliche Betriebstemperatur kommt. Immer kam die unsichtbare Hand und drehte den Zündschlüssel gen links.
    In meiner letzten Praktkumsbewerbung (letzte Woche) benutzte ich noch die Floskel:“Unbegrenzt mobil“ und es tippte sich wirklich nicht mehr so leicht.
    Aber jetzt reicht es: Ich mache eine Pause, ziehe mit meinem Bruder zusammen und konzentriere mich erst einmal auf mich selbst und nicht was eine Hochglanzjobanzeige im „required“ Bereich mir abverlangt.

  27. Ich bin überrascht, weil von...
    Ich bin überrascht, weil von mir heute mal rund 95% Zustimmung kommen. Allein, die Frage „Kaufen oder Mieten“ stellt sich nur Leuten, die entweder Erbe, Bausparvertrag oder Lottogewinn haben. Hat mit Moppeldiät wenig zu tun. Und ein Grundwiderspruch im Beitrag wäre noch zu debattieren: Ist Digitalisierung nicht der Feind der Mobeldibobelität? Weil Bits schneller reisen als Personen, wie hier jemand schon anmerkte.

  28. So Leute kenne ich gar nicht....
    So Leute kenne ich gar nicht. Noch nie erlebt. Noch nie gesehen. Daher muss ich mich auch nicht abgrenzen. Was ein Glück.
    Und ein Grund mehr, zu lesen, statt zu bloggen.

  29. Neoliberaler, was die Welt...
    Neoliberaler, was die Welt wieder zusammengeleimt hat, waren nicht die Nomaden, sondern der Aufbau neuer Strukturen bei den Franken unter Ausnutzung der römischen Restbevölkerung und Verwaltung. Das wiederum wurde durch die Ungarnstürme zerstört. Rim selbst war sehr fortschrittlich und technisch gereift – man darf rätseln, wie lang sie unter besseren Aussenbedingungen noch gebraucht hätten, um technische Standards des 19. Jahrhunderts zu erreichen. Die Legierung der Bronze für Wasserspeier jedenfalls ist heute noch üblich. Die waren nicht doof, damals.
    .
    Bei Ikea kauft alles und jeder, aber dass es noch Möbel gibt, die man nicht mir dem Sechskant montieren kann, wissen zunehmend wenige. Die traurigen Reste der Wegwerfmöbel, die die Mobilität nach sich zieht, findet man jederzeit am Berliner Strassenrand. Und nicht dort, wo man wohnt, um zu bleiben.

  30. Leben und leben lassen - und...
    Leben und leben lassen – und jeder ist sein Glücks eigener Schmied(Prinzip Selbstverantwortung(Sprenger) von mir frei übersetzt). Zum Problem wird es immer dann, wenn es extreme Züge annimmt. Dann zeigt sich das Perfide am System. Den Beteiligten wird das Ausbeuterische hoffentlich klar, wenn Sie jetzt in ihren angemieteten Wohnzellen, an Streich- und Kurzarbeitstagen, die auch diese Gruppe nicht verschont, der Zukunft entgegen simmern. Da tun sich Abgründe auf: die üppigen Reisebudgets in den Unternehmen der „Kern“-Wirtschaft gestrichen und kein Schreibtisch in der heimatlichen U-Zentrale. So viele Kaffeeecken gibt es gar nicht, die die Gestrandeten aufnehmen könnten. Kommt wirtschaftliche Hoffnung auf, werden die Koffer wieder gepackt. Aber wie gesagt: Leben und …..

  31. Ich muss ganz ehrlich sagen,...
    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich ueber diesen Artikel entsetzt bin. Da regt sich jemand auf, weil es Menschen gibt die mobil sind! Als ob es nicht immer noch genug junge Leute gaebe (und ja es gibt sie immer noch!) die eine Festanstellung ausschlagen, weil die 40 Kilometer weit entfernte Landeshauptstadt ja „so weit weg ist und sie da ihren Freundeskreis aufgeben“ muessten. Den Schock der selben Leute, als mich der Beruf auf die andere Seite des Atlantiks verschlug, brauche ich wohl nicht erwaehnen.
    Und nun zu den Barbaren. Das roemische Reich hatte sich selbst ueberlebt, und waeren nicht die Goten gekommen, dann haette jemand anders es zerstoert. Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Und da sie mich schon indirekt einen Barbaren genannt haben, weil ich kein Stubenhocker bin und auch nicht nach der Methode „Bleibe im Lande und quaele dich Taeglich“ lebe, kann ich mich nur wundern, was sie am Lebenstil der „Nomaden“ so beunruhigend finden. Ist es vielleicht, dass wir – nach einer Weile in verschiedenen Teilen der Welt – anfangen Deutschland und seine Probleme anders zu betrachten? Oder vielleicht weil wir ueber die Dinge die unsere alte Heimatstaft aufregen, den Kopf schuetteln? Der Blick ueber den Tellerrand veraendert vieles.
    Was nun Miete, IKEA und Co. angeht, so habe ich den Eindruck, dass sie mit jedem, der nicht dem Lebenstil von Hausbesitz, teuren Moebeln und Kaffeekraenzchen mit den gleichgesinnten Nachbarn hat, nicht verstehen wollen oder koennen. Ich wuerde selbst dann zur Miete wohnen, wenn ich irgendwo Festangestellt mit unbefristetem Vertrag waere. Warum? Weil ein Haus Schulden bedeutet und bedeutet, dass ich an einen Ort gebunden bin. Eine Mietwohnung kann ich kuendigen, wenn mir die Nachbarschaft nicht mehr passt. Ikea mag nicht die besten Moebel haben, aber es liegt nicht am Typ der Moebel, sondern daran was man draus macht, wie eine Wohnung aussieht. Kurz: ich habe den Eindruck, dass ihnen dieser Lebenstil vielleicht zu fremd ist, um ihn zu verstehen.

  32. Man kann es ja auch so sehen:...
    Man kann es ja auch so sehen: Die hälseschneidenden Barbaren aus Gotland haben einem Gemeinwesen ein Ende gesetzt, das längst schon am Ende war. Ein imperialistisches, sklavenhaltendes, hoch promiskuitives Reich, das von den Ressourcen der Nachbarn und Vorfahren gelebt hat. Vielleicht war es gerade das Münzgold und dessen Kreislauf, das diesen Niedergang verursacht hat, von wegen Entfremdung uns so. Dann gibt es in der Tat doch nichts Erfrischenderes, als daraus Fibeln und Spangen zu giessen, die man allein der Schönheit wegen Menschen die man liebt und/oder achtet zum Schmucke zu schenken. Es ist ein Ausdruck der Selbstentleerung im „sinnlosen“ Schönen betriebswirtschaftliche Underperformance zu sehen.
    Allein ich glaube nicht, dass der moderne iPod-Nomade das Neue, Frische verkörpert, das das Alte ablöst. Eher halte ich sie/uns für die entlassenen Kinder einer Gesellschaft, die sich nun in den Arenen zur Unterhalt des Establishments herumschlagen müssen. Morituri te salutant!

  33. Die Nomaden haben letztendlich...
    Die Nomaden haben letztendlich Dinge auch wieder aufgebaut. Doch zuvor haben sie die überholten Strukturen eingerissen. Dazu gehört selbstverständlich Mut und die Fähigkeit Unsicherheit zu ertragen.
    Das sieht beim Heer der Festangestellten anders aus. Die sitzen da und zittern vor der nächsten Betriebsversammlung oder der Kurzarbeit oder der Massenentlassung, unfähig für sich selbst zu sorgen.
    Früher war alles besser … wirklich?

  34. Da haben Sie ganz recht Don...
    Da haben Sie ganz recht Don Alphonso. Da haben wir Wesen, die sich ausschliesslich über irgendwelche „Statussymbole“ definieren; die glauben frei zu sein, obwohl sie üble Sklaven sind. Für die der Schein einer amerikanische Fastkaffeekette Kaffeekultur ist; wirklicher Kaffeegenuss (Maragogype) aber vollkommen fremd ist.
    Nun, diesen Typ homo novus gab es schon immer. Nichts, was also irgendwie beunruhigen sollte.

  35. Mein Lebensstil ist der einzig...
    Mein Lebensstil ist der einzig richtige, wahre und schöne.

  36. lovely, don. schoener beitrag....
    lovely, don. schoener beitrag. jaques b. dito.

  37. "Dann gibt es in der Tat doch...
    „Dann gibt es in der Tat doch nichts Erfrischenderes, als daraus Fibeln und Spangen zu giessen, die man allein der Schönheit wegen Menschen die man liebt und/oder achtet zum Schmucke zu schenken. Es ist ein Ausdruck der Selbstentleerung im „sinnlosen“ Schönen betriebswirtschaftliche Underperformance zu sehen.“
    !
    mach weiter so, junge.

  38. Zu Erziehungszwecken sandte...
    Zu Erziehungszwecken sandte man einst den jungen Adligen an die Höfe Europas; zu Beratungszwecken zieht heute die aufstrebende Jugend durch die Chefetagen der Weltwirtschaft. Die Folgen dieser Infantilisierung von Macht liegen nun offen.
    Und bislang wird hierfür eine in der Tat beachtliche Prämie gezahlt, besonders auch dem Ex-Nomaden, der, jenseits der 40, sesshaft werdend, hierarchisch bedeutsam irgendwo hängen bleibt und von dort sein Unwesen, unwesentlich domestiziert, weitertreibt.

  39. ich bin begeistert....
    ich bin begeistert. unternehmer kommt von unternehmen, soziale kompetenz statt raffgier verantwortung statt abzocke. und 1.000 beispiele zeitgenössicher westlicher kultur ;-))

  40. So einen Unsinn hätte ich auf...
    So einen Unsinn hätte ich auf faz.net nicht erwartet. Bleibt zu hoffen, dass auch die FAZ ein Opfer der Krise wird.

  41. Ach Planungssicherheit. Bei...
    Ach Planungssicherheit. Bei der Erfindung des Wortes hat sich der liebe Gott oder irgendein anderes höheres Wesen wahrscheinlich totgelacht. Das Fehlen der Planungssicherheit ist also nicht einer Mobiltät geschuldet sondern der Flexibilität des Lebens.
    So liest sich denn der Verweis auf die mobilen Barbaren, wie die Angst alter Eliten vor der Veränderung. Den alten Netzwerken bekommt das Verharren ja ganz gut. Doch wenn sie in ihren Mauern ersticken oder schlicht missachtet werden, weil die Markplätze andernorts ihre Zelte aufschlagen, ist Mobilität natürlich der Feind jedes Konservatimus. Auch weil Mobilität neue Organisationsformen gebiert, die den alten Machtstrukturen und Wirtschaftsgrundlagen ihre Bedeutung nimmt. Servus Serenissima.
    Mobile Menschen tendieren dazu auch geistig mobiler zu werden, sich neu zu formieren, andere Informationskanäle zu nutzen und anderen Quellen zu vertrauen. Dafür braucht es Werkzeuge, die ihre Zwecke erfüllen. Allerdings nur wenn sich dieses System als das brauchbarere und zweckmäßigere erweist, dann gewinnt es auch die normative Kraft des Faktischen Die Chancen dafür stehen aber nicht schlecht. Ohne die Schwäche des Althergebrachten wäre es wohl gar nicht erst entstanden, zumindest aber nicht so umschwärmt erprobt worden.
    Klagen sollten darüber nur die Möbelpacker, wenn sie alte Möbel schleppen und sich tatsächlich wundern, dass eine zum Küchenregal umgewidmete alte Betbank so etwas wie Gewicht hat. Auch geschmacklich. Und wenn gar nichts mehr hilft, kann man die ja auch wieder umfunktionieren. Das mag in diesen Zeiten zumindest beruhigen.

  42. <p>Vital, es macht den...
    Vital, es macht den Anschein, als wären Sie mit Ihrer Meinung nicht ganz in der Mehrheit. Es könnte also sein, dass sich Ihre guten Wünsche nicht erfüllen, wofür ich mich aber nicht wirklich entschuldigen kann.

  43. Wurzeln sind was für...
    Wurzeln sind was für Bäume!
    Diese ständige „Mobilität“, oft verbunden mit Wichtigtuerei, ist wirklich ein Gräuel, zumal die Leute überall und immer nur das Gleiche mit den gleichen Leuten und im gleichen Umfeld tun. Nichts also mit „Reisen bildet“. Aber etwas Mobilität, Mobilität für eine gewisse Zeit, Mobilität zu selbstbestimmten Bedingungen – das ist doch eine feine Sache – besser, als bis zum Grab an der ewiggleichen Scholle zu kleben. Brrr…
    Witzig finde ich nur, dass die sogenannten Konservativen (diejenigen, die sich immer die „Familienwerte auf die Fahnen“ schreiben), mehr für die Zerstörung von Planungssicherheit (die man ja nunmal braucht, wenn man eine Familie gründen will) und die Zerstörung so ziemlich aller festen sozialen Strukturen getan haben, als es der hinterhältigste „Commie“ (Feministinnen, Sozialisten, etc. als Feindbild der Konservativen) je hätte erreichen können. Einfach, indem sie einem Wirtschafts- und Finanzwesen Tür und Tor geöffnet haben, das dieses Nomadentum erforderlich macht und zum Ideal erhebt. Aber wer die jetzt immer noch wählt, dem ist nicht zu helfen, und der hat auch kein Mitleid verdient!

  44. Oh. Ich muss gestehen, dass...
    Oh. Ich muss gestehen, dass ich vor etwa 15 Jahren genau von dieser grenzenlosen Mobilität geträumt habe.
    Das Internet war noch jung und in ein paar Jahren würde es so weit sein und ich, als kreativer Selbständiger, würde arbeiten, wo immer es mir gerade beliebte, in der Karibik, im Himalaya oder sonstwo.
    Es war dann aber doch immer etwas komplizierter, und bis die Technik reibungslos lief, dauerte es eben immer noch ein Jahr und noch eines.
    Jetzt ginge es. Doch, es ginge fast. iPhone, Blackberry, Netbook, UMTS… was braucht man mehr?
    Oh, da ist die Bibliothek mit ihren 10000 Büchern, da ist die Notwendigkeit, sich immer wieder sehen zu lassen, da sind die sozialen Kontakte, die Wurzeln, das Fundament des Vertrauten, auf dem man aufbaut.
    Ja wäre das nicht toll, in einem preiswerten Land zu leben und das Geld aus Hochlohnländern zu bekommen?
    Technisch geht es. Und es geht doch nicht. Blackberries sind Instrumente moderner Sklaverei, internationale Kunden interessiert es nicht, ob es bei dir 3 Uhr morgens ist. Handys schaffen die Freizeit zur Gänze ab. Wie, du bist nicht bei Facebook, Twitter, was, du verkündest nicht jede Stunde, wo du gerade bist, was du machst, wen du kennst, welche Pizza du isst?
    Nein, so nicht. Wenn schon, dann den Netbook mit UMTS nur, wenn es keiner weiß. Und du dich dann an einem warmen Frühlingstag damit auf einen Steg am Ammersee oder wenigstens in den Englischen Garten setzen kannst.
    Das reicht, und auch nur für ein paar Stunden. Vielleicht reicht sogar das können wenn man nur wollte. Aber auf Reisen kein Handy und kein Internet. Und ganz sicher keinen Netbook. Wirklich reisen eben. Wegsein. Und dann wiederkommen.
    Wohin soll der Nomade zurückkehren?

  45. Flaim, nicht dass Sie denken,...
    Flaim, nicht dass Sie denken, ich wüsste nicht, wovon ich rede: Ich hatte zeitweise vier Wohnungen und zwei Betätigungen gleichzeitig, und ich kenne das Elend dieses Lebens aus eigener Anschauung: Die Schererei, jedesmal den Kühlschrank mit umzuziehen, die vergessenen Ladegeräte, der Termindruck, die Raserei auf der Autobahn, die sinnlosen Meetings, die man auch mit einem Telefon hätte machen können: ich war überall dabei. Und komme zum Schluss, dass ich am Tegernsee lieber bin, als in der Business Class. Es wendet sich im Übrigen nicht gegen notwendige Mobilität – ich habe immer noch zwei Wohnorte – sondern dagegen, aus Mobilität einen Kult zu machen, der anderes gezielt zerstört.

  46. Schön auch, dass es jene...
    Schön auch, dass es jene Meckis sind, welche Mobilität predigen wie einst der Heilige Franz die Armut, kurz darauf und ohne Bewusstsein für ihre fehlende Logik aber ganz entsetzt über fehlende Kinder in Deutschland (human resources), fehlendes soziales Engagement (social responsibility) und fehlenden Werten (mission statements) räsonnieren. Dass man aber nur eines von beiden sein kann: Mobil oder sozial, dass ist jenen Herren Flughafenbesiedlern noch nicht aufgefallen.
    .
    Übrigens gehen die Meckis ja noch einen Schritt weiter: Sie züchten ihre High Potentials auf dem Weg der Beraterkarriere gezielt um. Wer rein kommen will, muss irgendwelche soziale Projekte im Lebenslauf vorweisen können, irgendeine Glanztat der (angepflasterten) Mitmenschlichkeit. Wer dann aber drin bleiben möchte, sollte den ganzen Schmuh dann aber bitt’schön schnell vergessen.
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    Und noch ein übrigens: Erfolgreiche Unternehmer, die viel gelobten schwäbischen Tüftler, das waren und sind fast alles bodenständige Menschen, welche sich nicht mit (zwangsverordneten) Singapur und Ontario und Belfast-Aufenthalten brüsten.

  47. Und "Möbel". Der Wahrheit die...
    Und „Möbel“. Der Wahrheit die Ehre zu geben: So was kauft man nicht. Über sowas denkt man einfach nie nicht auch nur nach. So was hat man. Oder erbt sie. Oder kommt sonstwie an sie, aufwandslos. Aber: Ein Möbelhaus auch nur betretene? Unter solchen Häusern gar Rangordnungen haben, „reflektierte oder unreflektierte“ (*g*)? Oder eine „Möbelmesse“ gar? Pfui, wie unanständig.
    (Möbel läßt man bauen, wenn überhaupt. Freut sich, dass man sich die ein, zwei oder fünf Jahre sich Zeit gelassen hat, den Entwurf zu machen, wieder und wieder und weiter zu bessern. Und dann nochmals zwei oder acht Jahre darauf verwendet hat, den richtigen Tischler zu treffen (oder: treffen zu lassen, denn „Möbel“ und „Kauf“, siehe oben, fordern doch unbedingt zu der Bemerkung „Noch ein bißchen Tee?!“ heraus, nicht wahr.
    Stattdessen besser: Ab in den Garten. Unter den alten Baumbestand. Auf die Wiese, uneinsehbar. Das Familienplaid, welches uns deckt, kann ruhig Jahrzehnte alt sein.
    … Oder aufs Motorrad (die bessere Cabrio-Alternative für manche – man muss an der Ampel nicht warten, z.B. inmitten derer, die zur Arbeit wollen, oder von ihr kommen, rollt einfach vor … .) chercher la femme – en france, s’il vous plaît.
    „Damvillers“ z.B. empfiehlt sich immer als zwischen oder Wendepunkt, je nach dem wie frei der Tag ist (völlig oder lediglich dreiviertel, *g*); „Damvillers“ weil wir Deutschen da schon so oft durchkamen, auch dort beerdigt sind, „weil es Rodin bekannt war“, und weil es nur noch ein Katzensprung ist bis nach Verdun und an die Maas – „Rurales Fankreich, wie wir dich lieben!“ (Einen Marschall von Frankreich hat es auch hervorgebracht – und die Zigeuner campieren wie seit Jahrhunderten freidlich und unbehelligt am Dorfrand)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jules_Bastien-Lepage
    Und Montmédy empfehlen wir, auf dem Rückweg, völlig IPhone- und Blackberryfrei die ganze Tour, garantiert – und am besten wochentags zu machen (warum wohl?). Montmedy, wo z. B. Marie Antoinette und die königliche Familie von der Revoltution erkannt und verhaftet wurden.
    http://www.buehler-hd.de/gnet/neuzeit/frzrev/bmat/flucht.htm
    http://travel.webshots.com/photo/2030001230001091465LBUtlc
    Wer übrigens den Tegernsee mit dem „Rest der Welt“ vergleicht, hat evtl. vergessen, das manche Mailänder Familien, zumal solche, deren Mütter und Großmütter in der Skala an schlechten Tagen enttäuscht schon mal die Callas ausgebuht, ausgezischt haben, ganz sicher nicht mal wissen, wo dieser deutsche „Spießertümpel“ liegt, resp. dass es den überhaupt gibt.
    Das alles aber nur am Rande: Was wir empfehlen? Zum Lesen? Den Fortgeschrittenen unter uns vielleicht dies hier, Hans Wysling, „Narzissmus und illusinäre Existenzform“.
    „Ausgehend von einem Verständnis der psychischen Konstitution Thomas Manns wird dargestellt, wie er sich mit ihr in Kunst und Leben einzurichten vermag, welche primären Orientierungen ihn dabei leiten (Schopenhauer, Nietzsche, Wagner, Goethe, Freud), und was diese Orientierungen im einzelnen leisten (so kann mit Schopenhauer systematisch die Wirklichkeit als Schein abgewehrt werden). Es wird gezeigt, in welch besonderem Maße Leben und Werk einander bestimmen, so daß autobiographische Muster der Fiktion zugrunde liegen und vom Sprachwerk her wiederum das Leben seinen Halt und seine eigentlichen Inhalte gewinnt.“
    http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-465-02681-5
    „Die Wirklichkeit mit Hilfe der Kunst als Schein abwehren“ – Die reine Freude, wenn man es richtig macht, q.e.d. (*g*).
    .

  48. Als ich noch jung und dumm war...
    Als ich noch jung und dumm war (jetzt bin ich nur noch jung), wurde ich bei meinen hippen Werbeagentur-Bewerbungen immer gefragt: „Sie sind flexibel?“ Und ich Jung-Herzchen dachte immer, die meinten geistige Beweglichkeit. Nickte eifrig: Klar Mann. Dann wunderte mich mich, dass die mich in Pampas und Großstädte schickten, mir seltsame Inland-Flüge buchten. Der übelste war Dresden, arschglatte Piste, zurück nach Nürnberg. Über Frankfurt, ha! Is voll die Abkürzung, näch. Ab da war sich so sauer auf das Kerosin-Verballern und auf stinkigen Hotelzimmer mitohne abends an der Bar anlabern, dass ich stur behauptete, Flugangst zu haben, damit sie mich seltener wegschickten. Hat geklappt und dem Fortkommen keinen Abbruch getan. War quasi ein verbohrter Ex-Business-Kasper.
    Ich glaub, der hier passt wie die Faust aufs Auge zum Artikel: Film „Businesskasper“, Dauer 1: 42, MAZ ab: http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=YA2l9Y0QeMc

  49. Lost generations, verehrter...
    Lost generations, verehrter Don, sind bei den heutigen Jung-Verlierern doch gerade jene, die einer uniformierten Mode und Verbrauchshaltung frönen und nicht merken, wie schnell mega-out sie sind. Gerade das kann man den intelligenteren unter den Völkerwanderungsbarbaren wirklich nicht vorwerfen. Stichwort: Langobarden. Keine 30% von denen waren „echte“ L. – im Gegenteil, was sich dort in Italien blitzschnell breitmachte, waren ja Getriebene im großen Clans-Geschiebe (inclusive Balkan-Provinzialromanen und Sarmaten), auf der Suche nach dem nächsten regionalen Fixpunkt, in Friaul, Mailand, Monza, Toskana, Spoleto, Benevent, und alle gg. Turin (wie heute, wie sich die Bilder doch gleichen), um dort den eigenen Laden aufzumachen. Nur Rom haben sie nie erobert – und deswegen fehlt Italien bis heute der anerkannte Zentralort. Sie hätten keinen Alboin gebraucht, der Bier aus der Hirnschale seines Schwiegervaters trank, sondern einen skrupellosen Chlodwig, der die Überlegenheit der alten römischen Kultur anerkannte und sich in römischem Militärornat zum römischen Konsul ernennen ließ. Man lese etwa Grillparzer: „Weh dem, der lügt“ – der versoffene fränkische Parvenü, der sich begierig die erlesenen gallorömischen Kochkünste beibringen läßt. Paulus Diaconus war ein sentimentaler Furlan mit historischem Pathos, dem aufging, daß tatsächlich diese „Karle“ es besser gemacht hatten. Übrigens gab es in Rom durchaus Einsichtige, die wußten, wie man neue Völker implementiert: Gregor I. und sein „auserwähltes Volk“ der Angelsachsen (bei den Langobarden hat er versagt – die waren ihm zu elbgermanisch-zersplittert; wenn er das von den „Angli“ auch gewußt hätte, wäre Britannien vermutlich nicht bekehrt worden, und dann waren da auch noch die irischenGraswurzelprediger). An diesem religiösen Überlegensheitsgestus der angloamerikanischen Finanzwelt werden wir nichts mehr ändern – das hat 1400 Jahre Tradition. Welch eine Ironie, daß ausgerechnet deren Adepten staunend ihre Leiche und Reiche versinken sehen.

  50. Interessanterweise bin ich...
    Interessanterweise bin ich dann doch noch nie mit einem Netbook am Ammersee gesessen. Ein Buch ist viel besser.

  51. Avantgarde, eine Weile fand...
    Avantgarde, eine Weile fand ich das als Vorstellung auch prima. Man kann schnell kommen, wenn sich etwas anbietet, und schnell gehen, wenn etwas schief läuft – negativ aushgedrückt. Positiv gesagt: Man bekommt Geld für das Ausdenken, und die anderen müssen schauen, wie sie es implementieren. Die Welt scheint gross zu sein, und die Optionen unendlich. Trixt man einen aus, bleibt noch der nächste.. Man kann das schöner ausdrücken, aber irgendwann muss man auch lernen, nicht immer nur davonzulaufen, sondern Projekte auch durchzustehen. Blöderweise gehört man schneller zur Reparaturtrupp, als man sich das vorstellen kann, und muss sich mit den Hinterlassenschaften solcher durchziehenden Horden befassen.

  52. Schöner Beitrag. In meinem...
    Schöner Beitrag. In meinem ersten Vorstellungsgespräch bei einem Verlag wurde ich gefragt, warum ich mich in Frankfurt beworben habe (als geborene Frankfurterin). Ich beging den Fehler, zu sagen, dass es mir hier gut gefällt und ich wo, wenn nicht hier, die Chance auf eine gute Ausbildung hätte (*in Nordhessen eher nich, hehe*). Daher wurde ich gleich aussortiert als nicht mobil oder -auch ein Zauberwort- flexibel :-) Dafür bin ich heute echt dankbar! Eine Kollegin kam aus Ulm musste für die Ausbildung nach Berlin und 1 1/2 Jahre nach Marburg, die erste Stelle war in Chemnitz und dann gings mangels Aufstiegsmöglichkeiten nach Frankfurt. Wundert sich noch jemand über Kindermangel?

  53. Nicole, das waren nicht die...
    Nicole, das waren nicht die Konservativen, sondern radikale Modernisierer wie Thatcher, Reagan, die Chicago Boys… und andere Marktrevolutionäre, aber auch nach „rechts“ gerückte Sozialdemokraten wie New Labour, Schröder usw. usf. Konservative sind diejenigen, die einen Zustand erhalten wollen (daher der Name), Konservative sind nicht diejenigen, die dem vagabundierenden Weltkapital Tür und Tor geöffnet haben, denn die von den Sozis hierzulande als „Heuschrecken“ verschrieenen Hedgefonds und Private-Equity-Teilhaber sind von eben diesen Sozis ohne Not ins Land geholt worden. Nein, Konservativismus, das ist die wahre Avantgarde.

  54. (welcher...
    (welcher Kindermangel?)
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    Nein, im Ernst, ich glaube, es war Anfang der 70er, als Jobhopping noch als Hochverrat galt, weitaus einfacher, das Leben und den Nachwuchs zu planen. Man hing auch in Krisen nicht so in der Luft, wie ich das bei manchen in der Berliner Zeit erlebt habe. Wenn der Geldautomat die Karte frisst, hat man andere Sorgen als den Nachwuchs.

  55. Ist es nicht entzückend,...
    Ist es nicht entzückend, wieviel die hier Beschriebenen (mir auch nicht ganz unbekannt), mit dem Marx’schen Proletarier zu tun haben? Die Erfordernisse ihres Unterhaltserwerbs erlauben ihnen nicht einmal die Reproduktion, und ausserdem laufen sie auch noch im (BWLer) Blaumann herum.
    Und aus Revolution wird es bei ihnen auch nichts werden.

  56. Messieurs Ferrando et...
    Messieurs Ferrando et Alphonse,
    es drängt mich zunächst, Sie beide zu berichtigen, ich bitte um Verzeihung für die Besserwisserei.
    Zunächst hat M. Ferrando komplett Unrecht, dann ergänzt ihn M. Alphonso leider mit Halbwissen. Nicht die Neanderthaler haben gemalt, sondern unsere direkten Vorfahren, soweit die Wissenschaft sich sicher ist.
    Zur Strafe für den Powerpointvergleich und zur Abwehr des erworbenen Halbwissens erlege ich Ihnen auf, sich bei der bei Gelegenheit in den Alta Mira-Saal des Deutschen Museums in München zu begeben und dort auf einer Bank an der Seite mindesten zwanzig Minuten zu verweilen, denn solange werden ihre Pupillen brauchen, um sich auf das Licht einzustellen. Dann heben Sie bitte den Blick an die Decke. Ich versichere Ihnen, Sie werden mich nicht verfluchen.
    Der Rest der Erkenntnis folgt von alleine.
    Merci!
    Dem Artikel kann ich zur Ausformung heutiger Mobilität nur zustimmen. Der Unterschied zur Mobilität der (spätantiken) Barbaren gipfelt aber darin, daß heute weder Familienverband noch persönliche Bindungen existieren, auch diese werden der modernen Mobilität (oder besser: Flexibilität) untergeordnet – eingängig beschrieben bei Sennett).
    Während eben diese persönlichen Bindungen bei den angeführten spätantiken und auch späteren Nomanden dazu führten, daß sich der Wunsch nach Haltbarkeit und Weitergabe des erworbenen Reichtums einstellte und dann zur Verfestigung von Strukturen und damit zur Gründung neuer Imperien beitrug (ein gutes Beispiel sind hier die Mongolenkhanate), sieht das beim modernen mobilen Einzelkämpfer anders aus.
    Persönlich nenne ich das die Kultur der Verantwortungslosigkeit. Man findet diese nicht nur in den oberen Etagen, nein sie setzt sich bis in die jämmerlichen Verwaltungsteams eines jeden x-beliebigen CallCentes fort.
    Und solange wir uns das gefallen lassen und sogar noch gutheißen, solange wird der moderne Barbar uns mittels Powerpointbulletts und Master of Bullshit –Geschwurbel ausplündern.
    MD
    PS: Zur antiken Technologie und Mechanik gibt es ein paar schöne Beiträge auf Jo Marchants Blog „Decoding the Heavens“. (Populärwissenschaftlich, aber nicht uninteressant. Insbesondere der Beitrag zum Book of Secrets sei empfohlen.

  57. Ja, so ähnlich ist es bei mir...
    Ja, so ähnlich ist es bei mir auch gelaufen, und lustigerweise oft mit Dingen, von denen ich gar nicht so viel zu verstehen glaubte.
    So nach dem Schema: „Du kannst doch so gut Englisch, da ist dieser Fondsvertrag mit diesen unendlichen langen Schachtelsätzen von dieser Londoner Anwaltskanzlei, kannst Du das mal ansehen…“
    Und dann liest man das Ganze sehr langsam als Nichtjurist, Nichtfinanzexperte durch, bis der Groschen fällt und die Haftungsausschlüsse kapiert sind.
    Dann sagt man dem Etwasjuristen, Etwasfinanzexperten erst mal einen Satz sagt:
    „Seid ihr wahnsinnig?“
    Und der sagt dann verlegen: „Äh, naja eigentlich haben wir es schon unterschrieben, wir wollten nur mal…“
    So fängt es an. Wenn ich nur ein Prozent von dem bekommen hätte, was ich anderen erspart habe…

  58. Wenn iPhone oder...
    Wenn iPhone oder WinDoofCE-Spielzeuge, auf denen man mit dreckigen Fingern rumwischen muss, um Absätze lesen zu können, welche den Informationsgehalt von Twitter-Postings haben, die Kultur-Gadgets des Mobile-Workers sind, müsste der Riesenflachbildschirm doch die Anti-These verkörpern: Think global act local. Zum Beispiel als Heimarbeiter im digitalisierten Wohnzimmer auf dem Arbeitssofa das eigene global agierende international vernetzte Leitzentrum kontrollierend, mit dessen Hilfe lokal produzierte Warenströme (z.B. Wollpullover) per DHL-Express um die Welt (z.B. nach Alaska) gelenkt werden.
    .
    Interessanterweise gibt es für dieses Konzept überhaupt keine Software. Es sei denn, man rechnet das eBay-Portal und als Lebenskonzept den Power-Seller dazu.
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    Ich denke, der Grund warum ein bestimmter Lebenstil (z.B. der mobile) so im Vordergrund steht, hat mit den jeweiligen Herrschaftsstrukturen zu tun. Dabei wird heute Herrschaft über Arbeitsbeziehungen, Auftragnehmerknebelung (da fallen die Freelancer drunter) und Konsumbeziehungen (Marketing) definiert.
    .
    Z.B. wird dem Heimarbeiter vom Arbeitgeber meistens mit viel Misstrauen begegnet, obwohl Heimarbeit technisch ohne großen Aufwand machbar wäre. Auch der Auftragnehmer muss dem Auftragnehmer immer irgendwie persönlich bekannt sein. Deshalb das viele Rumreisen für die Akquise. Dabei gäbe es doch Videokonferenzen. Und der Konsument wird heute mittels Cloud-Computing mit seinen Bewegungsprofile, Konsumgewohnheiten und Informationssuchverhalten umfassend beschrieben, um ihn mittels Marketing kontrollieren und und sein Schwarmverhalten beherrschen zu können.
    .
    Letztendlich handelt es sich also immer um die Frage der maximal möglichen Fremdbestimmung. Wie können die jeweils herrschenden am effektivsten Kontrolle ausüben. Das geht am besten über die Kontrolle oder zumindest Beeinflussung des Lebensstils.
    .
    Die Herrscher der Völkerwanderung waren naturgemäß Nomaden – Ihre Heerführer eroberten Land mit Hilfe mobiler Gefolgschaften. War das erledigt, wurden die militärischen Herrschaftsstrukturen wieder durch religiöse ersetzt. Das Christentum eignete sich hervorragend dafür. Mobilität war jetzt nicht mehr so gefragt, weil für die Kontrolle ungeeignet.
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    Die Frage wäre also auf heute übertragen, wann sind wir wieder soweit, dass nicht mehr das iPhone, sondern der Riesenflachbildschirm zum Identifikationsmerkmal wird? Oder anders gefragt: Wie könnte eine Herrschaftsstruktur aussehen, für die der Riesenflachbildschirm den größtmöglichen Nutzen für die Herrschaftselite darstellt. Dann vielleicht käme wieder eine neue Zeit der Sesshaftigkeit.

  59. Mal abgesehen vom...
    Mal abgesehen vom ausgesprochen schön zu lesenden Stil mir nicht ganz zugänglich. Ich pendle jeden Tag (mit der Bahn) zur Arbeit, habe einen iPod, ein MacBook und einen Twitter-Account, habe auch im Ausland studiert und Firmenpraktika gemacht. Ich zahle Rundfunkgebühren (für meinen PC!), verurteile Schwarzarbeit, habe meine Probleme mit bedingungslosem Grundeinkommen, verzichte auf keine Beitragszahlung und wünsche mir ein Handy ohne Kamera und ohne lächerliches „web’n’walk“. Ich habe Möbel von Ikea, aber auch Spendor-Boxen mit einem uralten Verstärker von BASF noch von meinen Eltern. Ich missbrauche keine Medikamente (nehme aber welche, wenn ich krank bin, was selten vorkommt). Oft bleibe ich auch mal länger außer Haus, weil ich weiß, dass ich im Zweifelsfall noch einen Döner bekomme. Na und?
    Ich bin bei vielen Communities (inkl. meiner Kirchengemeinde), aber ich weiß nicht, was die mit meiner Individualität zu tun haben sollen. Ich bin genauso wenig der Typ auf dem 200×50-Pixel-Foto wie die Bilder von Magritte Pfeifen oder Äpfel sind. Generell finde ich Formulierungen, die über Individualität (die notwendigerweise eine Individualität Einzelner ist) in der 3. Person Plural sprechen, schon sprachphilosophisch problematisch.
    Wenn das Problem aber sein sollte, dass tatsächlich ein mobiler unreflektierter Mob existiert, der teils verschuldet unverantwortungsvoll mit seinen Möglichkeiten umgeht, was wäre denn dann zu tun, außer einem Blogeintrag zu posten? (Blogeinträge an sich finde ich natürlich super! Man kann ohne Magenschmerzen Kommentare posten, weil man mit der Planungssicherheit schreiben kann, dass der Blogeintrag schriftlich fixiert ist und noch nicht einmal Tippfehler korrigiert werden können!)

  60. MD, darf ich Ihre...
    MD, darf ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Chauvethöhle lenken?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle
    Deren Datierung passt nicht wirklich zum Cro-Magnon. Ansonsten haben Sie natürlich recht, die Mehrzahl der bekannten Malereien ist nach der Würmeiszeit entstanden.

  61. Was das Römische Reich und...
    Was das Römische Reich und die Barbaren angeht, muss man allerdings anmerken, dass die Römer ebenfalls sehr mobil waren und ihr Reich einiges von der modernen globalisierten Gesellschaft hatte.
    Nicht nur der Legionär war Nomade und erinnert an den heutigen US-Marine. Der kämpfte in Schottland gegen die Pikten, wurde dann in Mesopotamien gegen die Parther eingesetzt, und wenn er Glück hatte und in Afrika von keinem Berber massakriert wurde, bekam er sein Landgut in der Provence oder in Spanien.
    Römische Beamte waren ebenfalls flexibel einsetzbar, Geschäftsleute reisten schnell und bequemer als 1500 Jahre später, und ein Brief von Köln nach Rom war vor 2000 Jahren fixer als um 1750 n.Chr.
    Und dennoch: Auf die Wikinger passt das Profil am besten. Das heute sind Wikinger mit iPhone. Schnell informieren, wo was geht, zuschlagen, wieder verschwinden, und am Ende mit dem erplünderten Plunder nichts anfangen können.
    Dann wurden sie sesshaft, als Normannen in Sizilien. Und wer die Cappella Palatina und Monreale in Palermo kennt, weiß, wozu das führte.

  62. Nochmals am Rande:

    Für 42...
    Nochmals am Rande:
    Für 42 Seiten englischsprachiges Kleingedrucktes, Komma Optionsschein, Komma Gerichtstand NewYork, Komma wohlüberlegtes, bestes US-Juristenenglisch – brauchen wir für eine erste eingehende kurze, aber fast schon bindende Prüfung in der Regel nur gut 4 Minuten. Sechs Sekunden pro Seite macht 252 Sekunden. Schneller braucht man nicht sein. Und langsam geht eben anders.
    Worauf es ankommt ja klar: Die Verben und/oder ihre Verneinung zu erkennen: .. the holder may/or may not; will or will not, must or must not, is forced to or not to.
    Und das man die Vokabeln alle immer zur Hand hat, ganz sicher auch normal. (Unausgesprochen: Alles andere wäre Schande – schließlich wissen wir doch, worauf unsere Unabhängigkeit fußt, nicht wahr?)
    Aber eben auch das alles kein Thema, weil so wirklich unappetitlich, wie Geld Themen nun mal sind. „Noch ein bißchen Brot?“
    .

  63. Das wirklich Schlimme ist...
    Das wirklich Schlimme ist jedoch nicht das Zwangs-Verjettetwerden als Angestellter. Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, quasi auf 10 000 Fuß. Diese Mobilität ist halt nur lästig, man weiß trotzdem noch, wo das Headquarter ist und wo das Zuhause mit dem Fleischtopf steht. Nicht ganz so schlimm wie in dem Businesskasperwitz: Ranziger Chef in Flughafenhalle, ruft seine Chefsekretärin an: „Sagen Sie mir bitte, wo ich jetzt bin und was ich hier soll!!“ Denen gilt meine Empathie nicht, sollen sie. Nein das wirklich Schlimme ist das soziale Wegbrechen der weniger Starken aus den Sicherungssystemen und der existenzielle Zwang für sie, überall sein zu müssen und alles zu können. Es gibt beispielsweise keine Hemmungen der Behörden/Kommunen: ARGEs erlauben sich, Mütter mit Kleinkindern in Orte zu schicken, die zwei Stunden Fahrzeit einfach brauchen, um sich dort für Teilzeit (!), die kaum das Benzin wieder reinholt, zwangszubewerben, die „flexibel“ ist (also mal so mal so aufhört und anfängt.). Der Trick mag sein, sie dazu zu bewegen, dann eben auf Hartz 4 zu verzichten (wieder einer in der Kartei weniger). Das sind die wahren Sauereien. (Ich bin recht traurig, dass die Jobcenter aufgelöst werden solen, dann merken die dort Beschäftigten auch endlich mal, was es heißt, aufs Abstellgleis zu kommen und gleichzeitig drangsaliert zu werden. Die wahren Übeltäter erwischt es vermutlich nicht: die Berater von Roland Berger und/oder McKinsey und ein diverser Politiker, dessen Name mir nicht mehr einfallen will, irgendwas mit Gas jetzt.

  64. @ Guybrush

    Weiter so - Du...
    @ Guybrush
    Weiter so – Du bist auf dem richtigen Weg. Ganz kurz vor der Erkenntnis!


    („… ich bin bei vielen Communities – aber ich weiß nicht, was das mit meiner Individualität zu tun haben soll“ — herzlichen Glückwunsch zur Erkenntnis – selten so freudig mitgeschmunzelt! … wenn auch von mir geringfügig abgewandelt dein Text)
    .
    .

  65. M. Alphonse,
    Chauvet ist...

    M. Alphonse,
    Chauvet ist bekannt, auch die sehr ausführliche Datierungsdiskussion.
    Hier ein Beitrag, der die Hypothesen vorstellt, aber die Datierung anzweifelt:
    http://www.uf.uni-erlangen.de/chauvet/chauvet.html
    Ok, ich nehme den Vorwurf profunden Halbwissens zurück, beharre aber auf Besserwisserei;-)
    MD

  66. Volle Zustimmung meinerseits....
    Volle Zustimmung meinerseits. Wenngleich sich meines Erachtens in der Diskussion die Falschen auf den Schlips getreten fühlen. Die Gemeinten dürften zu gering an Anzahl und vermutlich auch zu beschäftigt sein, um sich hier in die Diskussion einzuklinken. Was in dem Artikel anklingt, kann man wohl an vielen Ecken und mit ganz unterschiedlichen Gesichtern erkennen. Das Grundproblem heißt für mich „Nachhaltigkeit“. Denn wirklich eklig werden Powerpoint-Vorträge erst, wenn man nach einer Tagung einen eben solchen in einen lesbaren Beitrag verwandeln muss. Lesbar in einem Buch wohlgemerkt. Das passiert gerne bei jenen Tagungen, zu denen man sich zur Erfrischung „Jemanden aus der Praxis holt“, um dem gewählten Thema einen aktuellen Bezug zu geben. Und dieser hat nie Papier auf seinem Rednerpult! In meiner Branche (Historiker) treffen dann zwei Welten aufeinander. Eben diese, die einen Vortrag als Wegwerfprodukt betrachten (weil sie ihn in dieser oder jener Form seit Wochen halten) und jene, die in ihm einen Beitrag zur Forschung sehen (wollen), den man vielleicht in einigen Jahren nochmal lesen kann und darf. Übrigens sind auch Historiker zuweilen Angestellte mit Ikea-Möbeln und sozialversicherungspflichtigem Einkommen.

  67. Auch wenn ich einigem in...
    Auch wenn ich einigem in diesem Beitrag zustimmen kann, finde ich dieses Mal doch auch Dinge welche ich unlogisch finde.
    .
    1.) Sie verurteilen Menschen welche sich den „Insignien der neuen Barbaren“ hingeben, fahren jedoch selber ein Auto auf welches diese Beschreibung kaum besser passen könnte. Ein Fiat Barchetta ist hübsch anzuschauen, aber eine reine Modeerscheinung die mit einem Roadster nichts zu tun hat (Frontantrieb, amerikanisches Fahrzeug!) und wird leider auch kaum einem ursprünglichen Aspekt des Fahrens eines Roadsters auch nur ansatzweise gerecht.
    2.) Sie verdammen die „Kultur“ des Twitterns (zugegeben, die Worte Kultur und Twittern in einem Satz verlangen mir einiges ab…), schreiben jedoch selber so etwas neumodisches wie ein „Blog“.
    .
    Wo ich absolut und vorbehaltlos zustimme ist die Trauer über den Verfall der Bedeutung des Essens. Ihre Abneigung gegen Auslandsaufenthalte (besonders in der Ausbildung) kann ich jedoch absolut nicht nachvollziehen. Mir würde die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich nicht einfach einmal raus gekommen wäre.
    Irgendwie wirkt Ihr Beitrag dieses Mal auf mich nicht so ausgefeilt wie sonst, der dargelegten Meinung fehlt eine gewisse Differenzierung.

  68. Ich pflichte dem Autor in...
    Ich pflichte dem Autor in seiner schönen Schreibe und den Grundzügen der Kritik bei: Was mir bei den ganzen Mobilitäts-Junkies missfällt, ist ihr fehlender Blick auf das unmittelbar Wesentliche, das dort liegt, wo sie sich gerade aufhalten. Möglicherweise ist den Herren die Wohnform «WG» nur aus der Vorzeit bekannt, aber gerade in dieser Konstellation treten soziale Bildungslücken, Rücksichtslosigkeit, Unaufmerksamkeit und Selbstbezogenheit wunderbar zu Tage.
    Ich würde nicht grunsätzlich die Freiberufler und ICE/airberlin-Pendler verurteilen. Sie haben die Lebensart eingeschlagen, weil sie damit besser wegkommen. Das Streben nach Glück ist auch im alten Europa noch nicht unter Verfassungsaufsicht.
    Gleichzeitig halte ich das Wachsen von sozialen Strukturen (dazu sind Sesshaftigkeit und Verantwortungsübernahme notwendig) für essentiell. Vielleicht sind die Kaffeehäuser, die in Basel und Berlin entstehen (www.betahaus.de) ein erster Schritt zurück in Richtung Entschleunigung, Wertebewusstsein, Nachhaltigkeit.
    Gleichzeitig sehe ich in den geäusserten Fetischen der Kommentatoren und auch des Autors dieselbe Stilisierung von Individualität, wie es auch Besitzer von iHabseligkeiten kultivieren. Hier frage ich mich, wem die Besitzgeilheit hilft, ausser dem Besitzer. Dass Materialismus beim Streben nach Glück ein Anfang ist, mag unbestritten sein, er ist aber nicht das Ende.

  69. @perfekt!57

    Was ich zu lesen...
    @perfekt!57
    Was ich zu lesen bekomme, geht über Standardverträge weit hinaus und beinhaltet komplizierte Evaluierungen von Investitionsideen, die, wenn man denn endlich alle Formulierungen aufgedröselt hat, sich als komplette Spekulationen und Luftnummern (mit Haftungsausschluss) erweisen, aber toll klingen.
    Man kann Sätze übrigens fünfmal, zehnmal verschachteln. In sechs Sekunden geht da nichts.
    Und das sind dann eher 300 Seiten. Der echte Bummer ist dann auf Seite 256, im fünften Schachtelsatz.
    Das schöne daran ist, dass Kanzleien auch Fehler machen, da sie ältere Formulierungen immer wieder verwenden und endlos erweitern… mit noch einem „provided that“, „nonwithstanding“ etc. Und einmal verhaut sich der Bearbeiter und keiner merkt es.
    Und das kann dann später Millionen kosten. Oder eben nicht.

  70. Johannes Volkmann, die...
    Johannes Volkmann, die Barchetta wurde in Italien bei Maggiora gebaut, und ist der alte Wagen meiner kleinen Schwester. Ein Familienstück seit jeher. Und schon in unserem besitz, als es noch gar nicht offiziell verfügbar war.Und wer damit noch nicht gefahren ist, sollte es erst mal probieren und dann über die Fahreigenschaften reden. Immerhin ist Frontantrieb ehrlicher als Heckantrieb mit ESP.
    .
    Der Unterschied zwischen einem Blog und Twitter kann gleich Null sein – aber dazu müsste ich hier die Kommentare zumachen und maximal 140 Zeichen schreiben. Ein Blog ist ein rudimänteres Content Management System, in das mal alles hineinschreiben kann, vom grössten Unsinn bis zu Krieg und Frieden. Bei Twitter kann man höchstens Aphorismen schreiben, aber das meiste ist Kurzgefasel. Blogs sind da erheblich anders. Meines zumindest.

  71. @Johannes Volkmann

    Wie so oft...
    @Johannes Volkmann
    Wie so oft geht es bei all dem nicht so sehr um Form, als um Inhalt.
    Weder Blogs noch Twitter müssen an sich Zeichen kulturloser Barbarei sein. Man könnte Karl Kraus gut und gerne als Blogpionier bezeichnen (vermutlich sogar Mercier mit seinem Tableau de Paris), und „twittern“ könnte man auch auf der Ebene der Aphorismen von Lichtenberg oder der Pensées von Pascal.
    Aber dazu muss man nachdenken. Vor allem denken.

  72. Geil! Lieber Don! Während ich...
    Geil! Lieber Don! Während ich das gelesen habe, hat sich im Hintergrund meines Browser-Fensters ein sogenanntes »Pop-Under-Fenster« aufgebaut mit einer Ad von T-Home.
    Naja! Wer’s mag kann auch (Zitat Tomorrow Focus AG):
    »SUPER BANNER
    SKYSCRAPER
    MEDIUM RECTANGLE
    HALF PAGE AD
    FLASH LAYER
    WALLPAPER
    POP-UNDER
    STREAMING AD
    SPLITSCREEN AD
    BANDEROLE AD
    EXPANDING AD
    PEEL DOWN AD
    TANDEM AD
    TRIPLE AD
    FLASH LAYER + UAP FORMAT
    VIDEO AD
    MOBILE CONTENT AD
    SHORTCLIP RELOADED
    FOOTER AD«
    Prima Knete für die »F.A.Z. Electronic Media GmbH« – Dear Don!

  73. Wieder mal ein sehr schöner...
    Wieder mal ein sehr schöner Blogeintrag.
    Es sei jedem überlassen sich der Mobilität zu unterwerfen oder nicht,sowas kann man auch lieben….nur eins stört mich heutzutage erheblich.
    Wie Vroni schon schrieb ist die erzwungene Mobilität bzw. das herausreißen aus einem funktionierenden Umfeld unter dem Deckmantel der ach so wohltätigen Agentur für Zwangsmaßnahmen einfach politisch verfehlt und familienfeindlich.
    In Zeiten in denen mehr Familie gefordert und anscheinend gefördert wird.
    ( siehe Geburtenrückgang,zur Freude von Don) ist das an Begrenztheit eigentlich nicht zu überbieten.
    Mobilität und Arbeit…ein Totschlagargument zur Behandlung von Leibeigenen ohne Rücksicht auf Werte und Verluste.

  74. @ Avantgarde

    Wir stimmen zu!...
    @ Avantgarde
    Wir stimmen zu! Zumal wenn es 256 Seiten und mit nicht-offensichtlichen Fehlern sind.
    „Glanz der Mobilität“ dagegen heißt zur Zeit wohl auch Brüssel: „Körperwelten im Breughelland“ werden da gegeben. „La Monnaie“ ja wohlbekannt.
    „Das Breughelland, das Alfons Flores auf die Opernbühne des La Monnaie gesetzt hat, ist eine Köperlandschaft.
    Das sieht aus, als hätte Ron Mueck versucht, eine der Visionen von Hieronymus Bosch nachzuformen. Es ist eine gigantische Körperlandschaft mit einem Grab und einem Liebesversteck hinter der linken Brustwarze, einer Mundöffnung, in der eine bewegliche Zunge schnalzt und aus der sich der finstre Nekrotzar (Werner Van Mechelen) zum Suffkopf Piet (Chris Merritt) abseilt, um mit der großen Sense erst einmal Schädel durch die Gegend zu wirbeln.
    Dieser nackte Körper ist aber auch die Spielwiese für das Liebespaar Amanda und Amando, das, wie aus der Körperweltenausstellung entwischt, daherkommt für die Verfolgungsjagd, … “
    http://www.wienerzeitung.at/default.aspx?tabID=3956&alias=wzo&cob=404955
    Vor allem aber konnte man im Deutschlandfunk gestern hören, dass es auch eine sehr hörenswerte Aufführung sein soll.
    Wir empfehlen also die langsame Anreise nach Brüssel, eher nicht mit dem ICE, nicht „mit Mehdorns Horden“.
    Und Jacques Brel dabei hören http://www.youtube.com/watch?v=cBMDX2sR27U&feature=related
    Gesungene Depression kommt oft immer gut.
    .
    Und Gesang dazu:
    .

  75. Avantgarde, das ist die...
    Avantgarde, das ist die schöne Theorie dessen, was möglich sein könnte. Ich sehe nicht, wo im Internet in Kurzversen gedichtet oder gar gedacht wird:-) Nischen ausgenommen. Es gilt: sie tippen schneller, als sie denken können. Im Ernst, ich bekomme nach zweifelhaften „Genuss“ von 3 Zwitscher-Zwitschs innerhalb einer Stunde Kopfweh. Weil der arme Kopf immer versucht, einen Sinn in dem Gestammel zu entdecken und keinen find’t. Da ist ein Kneipentisch weniger barbarisch, wo sie alle im Qualm Blödsinn durcheinanderquatschen. Man fühlt mich aber dabei, sagt auch Blödsinn, genießt die Athmosphäre, bestellt noch’n Schnitt und kann sich zum Abschied knuddeln. Schomma einen Twitterfeed geknuddelt?

  76. Ich war letzte Woche auf...
    Ich war letzte Woche auf Besuch in Berlin, hab dann kurz vor der Fahrt nach Augsburg in Potsdam vorbei geschaut (lag ja quasi auf dem Weg). In Augsburg ein paar Dinge erledigt um dann für einen Nachmittag die Münchner Stadtluft zu genießen. Abends gings zurück nach Hamburg, von da am nächsten Morgen in eine kleine gemütliche Stadt Schleswig-Holsteins, um schließlich in Kiel „anzukommen“ und mich nach 2 Tagen wieder nach Hamburg zu verabschieden. Und so geht das nun schon seit einem Jahr und ich habe manchmal das Gefühl, mein Gehirn bräuchte für jeden Weg doppelt so lang wie ich.
    Deshalb freue mich riesig auf die gemeinsame Zeit mit meiner Verlobten – in einer Wohnung -, auch wenn ich immer öfter Angst davor habe, dass diese verrückte Zeit uns so ein Glück nicht vergönnt.
    Mobilität ist schön – aber nur die langsame und in Zweisamkeit.

  77. Don Alphonso, der Wahn, immer...
    Don Alphonso, der Wahn, immer neuerer Technik zu verfallen muss nicht nur seine Schattenseiten haben. Selbstverständlich über- und zugespitzt hier zu Worte gebracht, um Leser zu amüsieren. Aber als Informatiker weiß man um den Wert dieser Entwicklungen. Dringt der Neid abgehängter Generationen hindurch? Geht es hier eigentlich um die Features des iPhone oder um das Äußere? Um haben oder scheinen?
    Und zu guter letzt: was bliebe einem Studenten anderes übrig als ein leeres Zimmer, gäbe es kein IKEA? Das einzige große Möbelhaus, das auch nicht-spießige Möbelstücke anbietet. Und ein Bild, ersteigert, ich sollte vielleicht eher Gemälde sagen, kann auch ein Zimmer mit IKEA-Möbeln erleuchten :)

  78. Don Carlos, was immer ich...
    Don Carlos, was immer ich kaufe: ich versuche es billiger als bei Ikea zu kriegen. Man muss eben suchen. Aber mein George III Tisch hat 40 Euro gekostet, Mahagoni und Restzeit mindestens 300 Jahre.

  79. @Don: Einen persönlichen...
    @Don: Einen persönlichen Bezug einmal aussen vorlassend, ich bin die Barchetta bereits gefahren. Für mich stand der Kauf eines Roadsters an, weshalb ich die meisten Fahrzeuge in dieser Richtung getestet habe. An dem stark untersteuernden und schwammigen Fahrverhalten der Barchetta (wohlgemerkt, gemessen an anderen Roadstern, nicht an Normalfahrzeugen) war wenig roadsterhaftes zu entdecken. Ihre Argumentation bzgl des Fehlens eines ESP finde ich für den normalen Straßenverkehr eine unverantwortliche Aussage, mockieren würde ich mich in dieser Hinsicht allenfalls, wenn einem Fahrzeug die Möglichkeit des Abschaltens der elektronischen Hilfe fehlt.
    Mir erschliesst sich an dieser Stelle schlicht nicht, wie jemand der sonst sehr stark auf ursprüngliche Definitonen einer Idee pocht bei dem Fahrzeug etwas so weit abschweifendes wählen kann.
    .
    Bezüglich Blog und Twitter: Sie schreiben genau was ich meine! In Ihrem Beitrag verurteilen sie mit absoluten Aussagen Techniken, welche man meiner Ansicht nach sehr viel differenzierter betrachten muss. Ihre Aussagen sind in diesem Beitrag irgendwie sehr absolut, was ihrer sonst doch sehr differenzierten Betrachtungsweise entgegen steht?

  80. Schoener Beitrag. Ich vermute,...
    Schoener Beitrag. Ich vermute, ich gehoere irgendwie auch zur mobilen Einsatztruppe. Das ganze ist jedoch nicht so schlimm, sofern man/frau sich die noetige innere Distanz zu dem ganzen Zirkus bewahrt und einen Tegernsee noch der Buisiness-Lounge vorziehen kann. Was allerdings nur funktioniert, klar, wenn der Geldautomat die Karte nicht frisst :-)

  81. heute london, morgen new york,...
    heute london, morgen new york, übermorgen tokio. hört sich zunächst großartig an. ständig in bewegung, ständig neue gesichter, neue eindrücke. bloß nicht stillstehen, man könnte ja etwas verpassen. immer auf der suche nach neuem input.
    hält man aber doch für einen moment inne, muss man sich eingestehen, dass die fassade doch nicht so glänzend ist wie zunächst dem anschein nach. wieder eine nacht im gerade angesagtesten club in town, wieder eine nacht in der juniorsuite im hippen designhotel und am morgen wieder die gleichen gelangweilten gesichter am frühstücksbuffet. und plötzlich – ganz leise, so dass es ja keiner hört – wünscht man sich weit weg von dem modernen zirkus, zu einem ort, den man schon fast vergessen hatte. nach hause…

  82. Johannes Volkmann, ich kann...
    Johannes Volkmann, ich kann auch ohne Helferlein fahren. Weil ich es gelernt habe. Ob das jemandem nicht passt – mei. Das nächste Auto wird noch nicht mal Scheibenbremsen haben. Wie man auf die Idee kommt, die Barchetta hätte ein schwammiges Fahrverhalten, kann ich mir nicht erklären; ohne sie alle gefahren zu sein (oder auch nur die meisten), kann ich durchaus sagen, dass es nach meiner Erfahrung kaum ein wendigeres und willigeres Fahrzeug gibt. Nur mit viel Gepäck leidet die Gewichtsverteilung, In einem SLK, alt wie neu, ist man dagegen sehr viel entkoppelter, daran ändert auch der Heckantrieb nichts, und insofern ist mir jeder Autototalitarismus in Sachen Antrieb sehr fremd. Es muss den Jaufenpass rauffliegen, dann ist es gut.
    .
    Ich mag einen bestimmten Zugang zur Technik nicht. Ich mag dumme Blogeinträge nicht, und auf 140 Zeichen ist es nun mal sehr viel leichter, substanzloses Grundrauschen zu produzieren. Wenn Lichterberg twitterm würde, wäre das eine andere Sache. Fertige PR-Laberer und Werbesauger sind aber nicht Lichtenberg.

  83. Bloß weil gewisse Leute in...
    Bloß weil gewisse Leute in einer waldreichen Gegend ihre Monumente aus Holz bauten und deshalb für die Archäologen wenig übrig blieb, muss du sie noch nicht gleich ‚Barbaren‘ nennen. Immerhin haben diese Rohlinge die Römer ziemlich gekonnt und erfolgreich abgemackelt, als ihnen deren imperiales Getue und Herrenmenschengehabe zu viel wurde. Und zwar taten dies alle Stämme gemeinsam. Germanen waren das übrigens nur zum kleineren Teil, die Cherusker waren z.B. kein germanischer Stamm, sondern mit den Illyrern verwandt: Überall im heutigen ‚Germania‘ lebte eine ziemlich wilde Mischung meist slawischen oder galizischen Ursprungs – und ‚Alemannen‘ heißt bspw. ja genau das: ‚die Männer aller Völker‘. Sie sollten trotzdem den Limes bis auf die Grundmauern schleifen. Der griechische Schriftsteller Agathias sagte um 300 n. Chr.: „Die Alemannen sind zusammengelaufenen Menschen und Mischlinge, und das bedeutet ihr Name“. Mobil waren in der Zeit meist nur die Söldnertruppen, die große Mobilität also ging eher von Rom und seinen Legionen aus. Di ehielten lange den Quirl am Kreisen. Die Germanen z.B. – also Sachsen, Friesen usw. – die kämpften dann, als ‚unternehmerisch veranlagte Persönlichkeiten‘ oft auf römischer Seite, und zwar GEGEN diese Horden der Alemannen und Heruler usw., und nicht etwa mit ihnen gegen die Römer. Ein Jet-Set – damals wie heute, opportunistisch immer bei den stärkeren Bataillonen. Die Westgoten wiederum stammten aus Rumänien, die Burgunder aus der Slowakei, die Sueben (Schwaben) aus Galizien, die Wandalen aus Weißrussland, die Ostgoten aus den Karpaten, die Franken gab’s als Stamm eigentlich gar nicht, und im schönen Österreich poppten damals Heruler, Pannonier, Skiren, Langobarden, Rugier usw. fröhlich durcheinander, bis die Kinder zu jedem Menschen in Reichweite ‚Papa‘ sagten. Deine heimatlichen Baiovari wiederum gelten als die sprichwörtlichen „Findelkinder der Völkerwanderung“, weil niemand wusste, woher dieses seltsame Jodelvolk plötzlich aus den Urkunden auftauchte. Heute glauben Historiker, dass die Bajuwaren allmählich aus einigen germanischen Fußkranken der Völkerwanderung und aus allen möglichen anderen ‚Zutaten‘ an Ort und Stelle dort in ihrem Asylantenheim am Inn zusammenwuchsen und ihre Weißwurst-Identität entwickeln konnte. Jedenfalls gab’s auch dort keine arischen Wurzeln, selbst wenn das ein Münchner wie der Heinrich Himmler gar nicht gerne hörte. Quer durch diese Gemengelage zog dann noch der Attila mit seinen Hunnen. Der vor allen anderen mit seinen Steppenreitern das Projekt ‚Völkerwanderung‘ noch einmal so richtig in Schwung brachte. Wenn das wiederum Barbarei war – dann war’s zumindest auch großes Kino. Generell gilt: „Slawen sind mindestens ebensosehr Vorfahren der heutigen Deutschen wie Germanen, Römer, Kelten und noch etliche andere Völker“ (Schmoeckel). Mobil aber waren damals nolens volens alle – allen voran zunächst mal die Römer und die ‚Kulturvölker‘, mit ihrem Cäsar an der Spitze. Wie auch heute, wo ja auch die gemäß Selbstbild ‚avanciertesten‘ Nationen die meisten iPhones und die meisten Flugmeilen sammeln. Die ‚Barbaren‘ lauern noch drauf …
    Sieh es doch einfach mal so: Die Römer waren das Imperium mit den lecker iPhones, alle Völker drumherum gewissermaßen die ‚Boat People‘. Wenn dann Hunger, eine Finanzkrise oder die Hunnen hinzu kommen, dann lässt sich das Problem nicht mehr auf Lampedusa oder auf das Ostufer des Rheins begrenzen …

  84. @Johannes Volkmann
    Es geht...

    @Johannes Volkmann
    Es geht doch hier gerade nicht um die „Verurteilung neuer Techniken“ sondern um das Banale, Barbarenhafte, zu dem man sie nutzt.
    @Vroni
    Twitter verführt eben dazu, binnen Sekunden Wortmüll abzusondern. Da unsereins eben einen höheren Respekt vor dem geschriebenen Wort hat, schmerzt dieses Gewitter der Gedankenlosigkeit.

  85. Zumindest der Autor diese...
    Zumindest der Autor diese Artikels hat noch einen Job, pardon, Arbeit. Fuer alle, fuer die das nicht zutrifft, ist es nicht so einfach Mobilitaet pauschal zu verdammen. Wer zum Beispiel in der Automobilbranche im Rhein-Main Gebiet taetig ist, kann nur beten, dass Opel nicht schliesst. Denn andere Autojobs sind nur durch einen Umzug nach Stuttgart oder Muenchen zu haben, also durch Mobilitaet.

  86. Chat, bitte: Vor solchen nicht...
    Chat, bitte: Vor solchen nicht wirklich fundierten Einlassungen in Bezug auf die Bajuwaren würde ich dringend raten, sich mal mit der Friedenhain-Prestovice Gruppe auseinanderzusetzen, da gab es nämlich eine sehr deutlich erkennbare und homogene Landnahme. Mir geht das jetzt zu weit, die Völkerwanderung komplett auseinanderzunehmen, aber in seiner Gesamtheit waren das römische Imperium ein hochgradig stabiles und ortsgebundenes Konstrukt, anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, das Reich am Laufen zu halten. Ethnogenese ist ein Spezialbereich der Frühgeschichte, und das würde jetzt auch alles reichlich weit führen, nur: Man kann festhalten, dass die Grenzprobleme des römischen Reiches auf eine Abfolge schwer kontrollierbarer Wanderungsbewegungen zurückgingen, verbunden mit einer fatalen Bündnispolitik bei nachlassender Fähigkeit des Staates, effektive Truppen zu stellen. Der Limes selber war explizit dazu da, niedergebrannt zu werden – die Römer setzten auf eine gestaffelte Verteidigung im Raum, was man auch an der zur Grenze hin nachlassenden besiedlung der Terrains erkennt. Die bayerische Teil der Provinz Raetia etwa ist so ein Areal, das man als Auslaufszone nie besonders ausgebaut hat. Grob gesagt: Römer sesshaft mit Staatsstruktur, Völkerwanderer nicht sesshaft mit Stammesstruktur.
    .
    Und um Cherusker und Co. geht es hier ohnehin nicht. Adlerfibeln und Goldschnallen kommen erst mit dem Niedergang des römischen Reichs auf.

  87. Wikipedia hilft:
    Barbar ( von...

    Wikipedia hilft:
    Barbar ( von griech. βάρβαρος, bárbaros, Plural bárbaroi), war die ursprüngliche Bezeichnung im antiken Griechenland für alle diejenigen, die nicht (oder schlecht) griechisch sprachen (wortwörtlich: „Stammler“).
    Eben die Twitterer von damals

  88. es ist so vieles, dieser...
    es ist so vieles, dieser blendend beschriebenen zustände, blenderei.
    am wenigsten vielleicht der “ überall stinkt immer ein döner für 2euro“-
    über den ich laut gelacht habe.
    am meisten blenderei , z.b. die freisprechanlage hinterm ohr( bei meinem mann
    scheint sie angewachsen zu sein) und da ich ihm angeboten habe ihn zu kennen,
    möchte ich weinen.

  89. @ Don: Die 'Baiovari' - das...
    @ Don: Die ‚Baiovari‘ – das waren zunächst mal ‚die Leute aus Böhmen‘: „Es waren wohl Gruppen, die einst im heutigen Brandenburg als Semnonen ansässig gewesen und später elbaufwärts nach Böhmen gezogen waren. Ihr Weiterwandern nach Bayern, wenigstens eines deutlich nachweisbaren Teils davon, bald nach dem Jahr 500 ist heute eine von Archäologen und Historikern überwiegend vertretene Vermutung. Das gleiche gilt für die Annahme, daß diese Auswanderer mit Wissen, vielleicht auf Aufforderung des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen in die Provinz Raetia secunda kamen, über die dieser König ja noch die Oberherrschaft beanspruchte“ (so weit der Stand der historischen Wissenschaft im Jahr 2000). Ihr Ursprung als „Elbgermanen“ das ist ein übriggebliebener Euphemismus für die Prä-bajuwaren, für diese Hermunduren, Semnonen und Quaden, die sich dort, im großen ostelbischen Genpool, erst einmal fröhlich mit allem fortpflanzten, was sich bewegte und nicht bei drei auf den Bäumen war. Kein Mensch fragte damals übrigens nach dem Arierpass oder dem Germanenausweis …
    Ansonsten gehe mal davon aus, dass der durchschnittliche Römer edlen Geblüts allein schon der Verwaltung wegen weiter in der Weltgeschichte herumreiste als ein beliebiger Barbarenfürst, ob nun slawisch, germanisch oder keltisch …

  90. (Seufz) Ich könnte ja was zum...
    (Seufz) Ich könnte ja was zum Stand der Forschung schreiben, aber das würde a) langweilen und b) auch nicht weiterhelfen gegen Rechthaberei. Nur so viel: Es ist komplex, aber mit Friedenhain-Prestovice kommt man erhebloch weiter als mit dem Fieseln bei Tacitus und Zusamenklauben bei Wikipedia. Und das ist auch keine „Vermutung“. Wirklich. Zur Not helfen auch die jüngeren Ausgaben des archäologischen Jahr in Bayern.

  91. @jacquesB: So? Und welchen...
    @jacquesB: So? Und welchen Parteien haben Thatcher und Reagan noch mal angehört…? VOn der „geistig-moralischen Wende“ hin zu mehr Konsum, Materialismus und Gier ganz zu schweigen. Wenn Konservativismus die neue Avantgarde ist – tja, da müsste ich erst mal wissen, wie Sie das definieren, bevor ich mich dem anschließen könnte. Die politisch Konservativen jedenfals konservieren für meinen Geschmack zuviel von dem, was an der Vergangenheit schlecht ist (Pfaffen, Tierfolterfabriken, heterosexueller Ehe- und Brutzwang, z.B.), und wenig bis gar nichts von dem, was gut ist – seltsamerweise scheinen sie auch nicht der Meinung zu sein, dass ausgerechnet unser aller Lebensraum, Wasser und Luft der Konservierung bedarf!
    Und übrigens ist mir gerade ein Gedanke gekommen, als ich die obigen Kommentare durchgeesen habe: vieleicht hat diese unsoziale „Mobilität“ ja doch ihr unfreiwillig Gutes, wenn dadurch weniger Kinder geboren werden. Denn im Gegensatz zur geltenden Propaganda ist eine hohe Geburtenrate nichts, was unser Land wirklich bräuchte. Im Gegenteil.

  92. Nö - das ist doch gar nicht...
    Nö – das ist doch gar nicht aus wikipedia. Das Zitat ist hochwissenschaftlich und mit allen amtlichen Forschungsweihen aus einem richtig dicken, gebundenen Buch über die Völkerwanderung eigenhändig abgetippt. Alles neueren Datums und State of the art sozusagen. Friedenhain-Prestovice allerdings steht bei wikipedia drin …

  93. [sic]...
    [sic]

  94. @chat, don: Fürwahr -...
    @chat, don: Fürwahr – spätantike und frühmittelalterliche Ethnogenese über ein halbes Jahrtausend hin mal so eben beurteilen zu wollen, geht immer in die gallisch-germanische Braca. Die Alemannen um 250 (Agathias) sind ganz andere Leute als die um 500 – sicher ist nur, daß darin starke swebische Kontingente vorhanden waren (–> Schwaben). Genauso richtig ist aber auch, daß es ein swebisches Königreich in Nordwestspanien (Galicien) bis in die Maurenzeit hinein gab – der baumlange Rotbart Fidel Castro könnte sich mit vollem Recht „alter Schwabe“ nennen. Wann sind Burgunder solche? Schon auf Bornholm (wo sie herkommen sollen)? An der unteren Oder? Um Worms? Oder erst in Zentralgallien? Usw. und so fort. Nicht sonderlich seriös ist es aber, die Wisigoten nur auf Rumänien zu beschränken: Kulturell wichtig für Europa wurden sie erst in Toulouse und in Spanien, also romanisiert – Ulfilas hin, Codex argenteus her. Arierpass?? Nee, natürlich nicht – aber: In dem Augenblick, wo westgotische Könige ihre Leges Visigothorum codifizieren, um die eigenen Leute (und solche, die Westgoten sein wollten! Das war entscheidend) von der Lex Romana abzugrenzen, ist es vorbei mit der Universalität des römischen Rechtsraumes; die Gentilisierung schreitet munter fort (und ist keineswegs heute abgeschlossen, trotz Brüssel/Luxemburg/Straßburg).

  95. Hallo,

    Global Players haben...
    Hallo,
    Global Players haben niegendwo Heimspiel.
    Gruß

  96. Du vergisst, es gibt Branchen,...
    Du vergisst, es gibt Branchen, in denen es nicht ohne Mobilität geht. Als Wissenschaftler ist man gezwungen umzuziehen. Nach dem Diplom, nach der Promotion, nach dem Postdoc, … und so weiter. Wir hangeln uns von Zweijahres-Vertrag zu Zweijahres-Vertrag. Wir haben fast keine Chance auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag bis wir 40 sind.
    Aber ich will ja nicht wiederholen, was man hier schon lesen kann: http://tinyurl.com/aleplh
    Musik dazu: Insel der Toten von Sergej Rachmaninov.

  97. @Don Carlos: Ihr Zitat...
    @Don Carlos: Ihr Zitat „…Aber als Informatiker weiß man um den Wert dieser Entwicklungen. Dringt der Neid abgehängter Generationen hindurch? …“
    .
    Darf ich Ihnen meine „Theorie des Schnöseltums“ erläutern?
    .
    Ihr Argument hört man immer wieder von den sogenannten „Jungschnöseln“. Denjenigen, die mit Übereifer jeden Blogeintrag über Twitter konsumieren und gebannt auf jedes Barcamp pilgern in der Meinung, sie würden sonst den Zug in die Zukunft verpassen. Jungschnösel sind die Altersgruppe zwischen 15 und 25. Sie kaufen sich noch kein iPhone weil der noch zu teuer ist und weichen deshalb auf billigere Produkte aus, meist auf Linux-Basis.
    .
    Danach kommt die Generation der „Professional-Schnösel“. Dies ist die Altersgruppe zwischen 25 und 35. Völlig beratungsresistent und bar jeglicher Vorstellung, was effizientes Arbeiten eigentlich ist, nutzen Sie – da sie es sich jetzt leisten können – die imageträchtigen teuren Varianten Gehirn- und Hodenkrebs verursachender Mobile-Technologie. Christoph Keese war so einer (mittlerweile wohl nicht mehr in dieser Altersgruppe). Zitat damals: „Der iPod hat mein Leben verändert.“ Da werden dann Terminkalender programmiert und es wird kommuniziert und es werden Clips konsumiert, als wenn das Leben davon abhinge, Hauptsache, man ist bei allem dabei tut so, als ob man überall dazugehört (Community).
    .
    Die letzte Gruppe ist die Gruppe der „abgeklärten Schnösel“. Sie zeigen noch Symptome von Suchtverhalten: Z.B. können sie nicht ohne ihr iPhone aus dem Haus gehen, ohne sich nackt zu fühlen, aber die Distanz zu Ihren Gadgets wird deutlich größer. Insbesondere auch das Gefühl, mit hirnloser Kommunikation und „Followertum“ einen großen Teil ihres Lebens verplempert zu haben, genauso wie ein Raucher, der sich in diesem Lebensalter ausrechnet, dass er ein komplettes Eigenheim in die Luft geblasen hat. Auch beginnen Sie ihre Gurus in Frage zu stellen (z.B. den Thomas Knüwer oder die coolen Typen von Netzpolitik). Einige derjenigen, die die 40 deutlich überschritten haben, entwickeln militante Theorien, wie man dem Twittertum gesamtgesellschaftlich begegnen kann, da letztendlich zurecht eine intellektuelle Verseuchung zu befürchten ist.
    Von „abgehängt-sein“ aber keine Spur. Während die 25-jährigen sich vorbereiten für das Rattenrennen in Konzernhierarchien (oder die Öko-Schnöselvariante für eine Karriere bei einem Windkraftwerkshersteller) entdecken die über 45-jährigen manchmal das Leben nach dem Schnöseltum und das schön!

  98. Sehr geehrter Herr Alphons,...
    Sehr geehrter Herr Alphons, heute machen Sie es sich zu leicht.
    Ich kenne Menschen, die haben IPhone, MacBook und iPod, besteigen regelmäßig den ICE oder die 737 nach Frankfurt, München oder anderswo, loggen sich im Hotelzimmer im WLan ein, verbringen notgedrungen auch ‚mal Stunden auf Flughäfen oder in Hotelhallen, sie fahren Stuttgarter Sportwagen, sind sogar bei Xing und passen doch nicht in Ihr Schema: Keine Boss-Anzüge sondern Harris-Tweed und Eduard Meier-Schuhe, ein Haus oder eine Wohnung im Westend mit Mies van der Rohe-Möbeln aus Familienbesitz , in die sie nach Phasen der Abwesenheit gerne zurückkommen, einer veritablen Bibliothek und genügend Zeit, die Stützen der Gesellschaft zu lesen. Und trotzdem mobil und durchaus neugierig, auch in der Lage, soziale Kontakte über Entfernungen zu halten, jedenfalls noch nicht im Rentenalter angekommen.
    Mein 81-jähriger Vater würde den Kommentar zu Ihrem heutigen Eintrag folgendermaßen formulieren: Mein Gott, was will der Junge denn machen, wenn er alt ist.

  99. Nicole, ich ahnte, daß dies...
    Nicole, ich ahnte, daß dies kommt. Nur soviel: die Beziehungen zwischen Margaret Thatcher und ihrer Partei waren von jeher von Spannungen geprägt; gegen erheblichen Widerstand von Teilen des konservativen Establishments gelang es ihr jedoch, ihre ordnungspolitische und wirtschaftspolitische Revolution durchzupeitschen: Thatcher war keine Konservative – nur dem Parteibuch nach –, Thatcher war eine gnadenlose Modernisiererin. Sie wollte nicht den Status Quo erhalten (was ein Konservativer habituell tut, ehe er über Alternativen nachdenkt), sie wollte das gesamte System umkrempeln. Und dies ist ihr auch größtenteils gelungen. (Den Rest besorgte dann ihr „Enkel“ Tony Blair.) Ähnliches geschah auch jenseits des Teiches zur selben Zeit.
    Die Grundübel, die sie ansprechen (Materialismus, Gier, Maßlosigkeit) entspringen eben nicht dem Konservatismus im Sinne eines Wertkonservatismus, sondern sind direkte Ableitungen des Wirtschaftsliberalismus eines Milton Friedman, der einer der Vordenker dieser Revolutionäre von rechts (oben, whatever) ist.
    Ich weiß, daß die Wikipedia in diesem Forum nicht immer gelitten wird, aber dort fand ich diesen treffenden Gedanken, der den Wertkonservatismus sehr gut beschreibt: „Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.“ Man schimpfe mich antiquiert, aber dieses Konzept scheint mir noch immer reichlich aktuell zu sein.

  100. Vom Geld seines Bestsellers...
    Vom Geld seines Bestsellers (eine dumme Frühlingsgeschichte aus Italien) zwischen seinen Wohnorten in Oberitalien und Oberbayern pendeln, und zwar in einem alten, stinkenden und lauten Auto, Arien hören und gut essen.

  101. Lieber Don, lieber...
    Lieber Don, lieber Alphons,
    könntest Du Deine Blogs nicht vor Veröffentlichung durch die Rechtschreibkontrolle jagen (egal, ob die normale oder die vermaledeite).
    Ansonsten weiter so!

  102. Nachsatz:
    Sehr geehrter Herr...

    Nachsatz:
    Sehr geehrter Herr Volkmann, jetzt muß ich aber wirklich einmal die Barchetta verteidigen.
    1. Eine Bachetta ist kein Roadster, sondern eine italienische Karosserieform, ein Spider, sie hat Kurbelfenster und das Verdeck verschwindet unsichtbar unter der Gürtellinie, ist aber nicht demontierbar. Ein Roadster hat Steckscheiben und ein demontierbares Notverdeck oder aber – klassischerweise – kein Verdeck sondern eine Spritzdecke (MG A, MG B, Morgan, Jaguar XK 120).
    2. Die Barchetta hat zwar Frontantrieb, fährt sich aber vergleichsweise agil.
    3. Elektronischer Schnickschnack ist nur notwendig, wenn man sich oder sein Auto überschätzt, oder, wenn man nicht fahren kann. Dafür gibt es Fahrertrainings. Ich besitze ein recht altes Auto mit Heckmotor, Heckantrieb, manuellem Verdeck und einem einzigen elektronischen Bauteil, dem Steuergerät der Benzineinspritzung. Und genau dieses ist das einzige Teil, was wirklich von Zeit zu Zeit Probleme bereitet.
    Ein Hoch auf die Autos ohne ABS, ESP, DSG, ASR und so weiter.
    4. Die Barchetta ist auf jeden Fall ein wirklich hübsches Auto mit ausgewogenen Proportionen und gutem Design, leider ein bißchen schwach auf der Brust…

  103. "Die Grundübel, die Sie...
    „Die Grundübel, die Sie ansprechen …“, mit großem „S“ natürlich. Verzeihung, ich wollte nicht unhöflich erscheinen.

  104. ...Einverstanden, Herr...
    …Einverstanden, Herr Alphons, vielleicht treffen wir uns mal bei einem kleinen Mittagsmal!

  105. Was ich hier immer wieder...
    Was ich hier immer wieder feststelle ist, dass Leute fröhlich loskommentieren, ohne den Ausgangstext in Ruhe gelesen zu haben… das geht übrigens auch mehrmals.
    Dann kämpft man in der Diskussion auch nicht die falschen Kämpfe aus.

  106. Don Alphonso, wie relevant...
    Don Alphonso, wie relevant sind diese digitalen Nomaden eigentlich? Wuerde ich es mal hoch ansetzen, komme ich auf 5 % meines Abiturjahrgangs. Es sind nicht viele und es ist schon gar nicht eine halbe Generation. Und sind diese Leute wirklich so losgeloest, wie Sie meinen? Ich denke nicht. Sie erwaehnen es ja selbst. Diese Menschen koennen nach Hause kommen. Ein riesiger Vorteil im Vergleich zu vielen anderen Staaten mit von der Realitaet entfremdeten Eliten und einer Bevoelkerung, die wirklich entwurzelt ist. Und seien Sie gewiss. Wenn denn wirklich so viele nach Hause kommen. Sie tun es nicht unbefriedigt und mit ungestillter Gier. Und Sie werden auch etwas mitbringen. Denn schlimmstenfalls ergeht es Ihnen wir der Frau des Fischers aus einem bekannten Maerchen:
    ‚Na, wat will se denn?‘ säd de Butt. ‚Ach,‘ säd he, ’se will warden as de lewe Gott.‘ ‚Ga man hen, se sitt all weder in’n Pißputt.‘
    Door sitten se noch bet up hüüt un düssen Dag.

  107. Aber es sieht besser aus als...
    Aber es sieht besser aus als ein Obdachlosenasyl, selbst wenn es diese Funktion übernimmt
    warum dachte ich bei dem satz an ein gewisses wiener männerwohnhein?

  108. Das in der Meldemannstraße...
    Das in der Meldemannstraße 27?

  109. Avantgarde, immer so bei 60,...
    Avantgarde, immer so bei 60, 70 Kommentaren bricht das auseinander.

  110. Respekt, Don - einer der...
    Respekt, Don – einer der besseren Artikel hier. Und das will was heissen, bei Ihnen.

  111. Guten Abend lieber Don...
    Guten Abend lieber Don Alphonso,
    habe Ihren Artikel mit großem Vergnügen gelesen. Ja, vieles kann ich bestätigen. Die Immer-Mobilen, OSWs (=Ober-Scheiß-Wichtig), Jederzeit-Erreichbaren, Letzter-Schrei-Süchtigen, Möchtegern-High-Potentials (oder so ähnlich) haben eine Zeit lang wirklich genervt. Im Zeichen der aktuellen Krise (ist sie das wirklich?) sind sie aber vielerorts offenbar zurechtgestutzt worden.
    Als alter Hobby-Historiker kann ich mir eine Bemerkung zu Ihrem Ausflug in die römische/europäische Geschichte aber nicht verkneifen. Die Römer waren auch sehr mobil. Sonst hätten sie ja kein Imperium gründen und sich überall breitmachen können, oder? Und das Hälse-Abschneiden haben sie auch ziemlich gut beherrscht. Einer ihrer Ober-Mobilen war ein gewisser Varus. Er war z.B. mal beruflich im Vorderen Orient tätig. Ein Zeitgenosse bemerkte dazu: „Arm kam er in das reiche Syrien, reich ging er aus dem armen Syrien.“ Später hat er das Gleiche im damaligen Germanien versucht. Dafür haben er und 20.000 andere römische Totschläger vor ziemlich genau zweitausend Jahren in den Wäldern unserer Heimat verdientermassen den Frack vollgekriegt.
    Darauf einen Dujardin.

  112. Jetzt fuehle ich mich aber...
    Jetzt fuehle ich mich aber ertappt mit meinem MacBookPro. Aber den habe ich nur beruflich fuer die Aufnahme fremdlaendischer TV-Programme – und das blamiert mich noch mehr. Ikea-Moebel musste ich auch kaufen, denn den Job mit dem MacBook gabs nur in einer anderen Stadt in einem anderen Land. Immerhin muss ich kein Marketing machen, sondern darf fremdlaendische Kunst betreuen.
    Die exclamatio „Ihr Idioten!“ unterschreibe ich gern, ebenso teile ich den Hass auf Mobilfunk und BWLer-Welten. Mobilitaet ist Bloedsinn und viel zu billig. Wir brauchen wieder Grenzen: fuer Geschwindigkeiten, Einkommen und TV-Programme. Und fuer Historiker: diesen ausschweifenden Stil koennte man nicht-sesshaft nennen. Merke: Sitzen ist Zivilisation. Be-sitzen, aus-sitzen, sich durch-setzen und am Ende sediert werden. Und jetzt die Retourkutsche an den Don: Sie sitzen in Ihrem Auto auch ziemlich viel rum! Aber dann den Aufstand predigen, das haben wir alle gerne.

  113. Jeden Höhenmeter, den ich im...
    Jeden Höhenmeter, den ich im Jahr über Pässe fahre, steige ich im Jahr doppelt zu Fuss die Berge rauf. Nur ist das nicht blogrelevant.
    .
    Theoderich: Wann hat eigentlich der letzte Steuereintreiber ein Land verlassen, dessen Landeskinder den Eindruck hatten, er hätte gerecht gewirtschaftet oder gar zu wenig verlangt?

  114. Lieber Don Alphonso,

    Gute...
    Lieber Don Alphonso,
    Gute Frage. Ich weiß darauf auch keine Antwort. Der antike Steuerantreiber hat das von ihm „betreute“ Land aber nicht verlassen, jedenfalls nicht mehr lebendig. Womöglich hatte er es etwas übertrieben.

  115. Lieber Don, haben Sie...
    Lieber Don, haben Sie eigentlich Ihre Erbschaftssteuer bezahlt oder ein altes Versteck in den Bergen? Wo liegt der Freibetrag?

  116. Ich bin Conan, der Mörder von...
    Ich bin Conan, der Mörder von Thulsa Doom.

  117. Tschulligung, war nicht so...
    Tschulligung, war nicht so wertvoll, der Beitrag – aber ich hab vorhin endlich was Wichtiges erledigt und dann war Freitagnacht und jetz hab ich einen in der Krone.
    .
    Heute wieder nicht gelesen, worum es hier geht, aber: Das Foto ganz oben ist KLASSE!!

  118. Alles Leiden des Menschen...
    Alles Leiden des Menschen kommt davon, dass er nicht ruhig auf seinem Zimmer bleiben kann. (Blaise Pascal)

  119. Ja. Irgendwie nicht ganz...
    Ja. Irgendwie nicht ganz unwahr dieser Artikel. Selbstverelendung der mobilen Jobber.

  120. Das kann man nicht so einfach...
    Das kann man nicht so einfach in einen Topf werfen: Businesskasper und mobile Berufe. Es gibt halt Berufe, die kann man schlecht sein Leben lang beim gleichen Arbeitgeber, am gleichen Fließband ausführen. Das ist heute vor allem Informatik und Verwandtes. Aktuell arbeite ich an einem Projekt im Bereich CMS und Anbindung an eine Inhouse-Datenbank. Nichts aufregendes, nichts weltbewegendes aber beim Kunden kann das keiner entwickeln. Also müssen die auf jemanden wie mich zurückgreifen.
    Schon immer gab es solche mobilen Berufe. Mein Großvater etwa war Vermessungsingenieur und hat in seinem Leben auch alle paar Monate an einem anderen Projekt gearbeitet. Mal ein Autobahnabschnitt hier, mal eine Brücke in Südamerika, mal ein Staudamm in Afrika. Die schöne Brücke über den Sylvensteinspeicher wurde auch schon von Menschen mit mobilen Berufen erbaut.
    Noch früher gab es mobile Steinmetze.

  121. Das ist ein sehr guter...
    Das ist ein sehr guter Einwurf, nur denke ich, dass die meisten irgendwo dennoch einen festen Lebensmittelpunkt hatten. Und die Projekte länger dauerten, als in den typischen Werber-, PR-, Internet- und Kreativbranchen.

  122. Don, gehe ich recht in der...
    Don, gehe ich recht in der Annahme, dass sich dieser Text zu nicht geringen Teilen aus deine Beobachtung eines gewissen Mannes aus der PR-Branche speist? Ich meine da einen jemanden mit einem fiesen Seitenscheitel (bzw. – falls rot gefärbt – einem Iro), sowie einer schwer verständlichen Mixtur aus Gernegroß, Werbeabzocke, Pleitiersgehabe, tunichguter Unstetigkeit und guten Absichten.
    Den meinst Du doch auch, oder?

  123. Es geht da um viele Leute....
    Es geht da um viele Leute. Unter anderem auch um mich selbst. es ist ja nicht so, dass ich dieses Leben nicht kennen würde. Der Unterschied ist nur: Ich mache keinen Hype draus.

  124. ;--)))).....Asteine...
    ;–))))…..Asteine Geschichte; Hut ab.
    Mainstreamige Gesellen schwirren OHNE Sinn, GPS-gesteuert, durch die Welten der Technik und Konformität.
    Ich sitz gelangweilt ZU HAUSE (stationär) und beobachte diese „Wilden“ und frage mich leicht nach vorne gebeugt; machen das die da unten laufenden Ameisen ebenso ?? …;–))….Wohl eher NEIN.
    Diese „Mobilerei“ geht mir schon lange aufen Sack; WIR sollten uns auf unser Umfeld beschränken und GUT is…..*

  125. Sg. Don,

    eigentlich bin ich...
    Sg. Don,
    eigentlich bin ich nur rein zufaellig ueber Ihren Blog gestolpert, aber Sie haben es geschafft, dass ich jeden Tag wieder vorbeischaue. Ich bin in der ersten Haelfte meiner 20er, damit wohl etwas juenger als der durchschnittliche Leser Ihrer Zeilen. Auch wenn dieser Effekt voll beabsichtigt sein mag, man ist sich nie ganz sicher wen man fuer Ihren Blog lieber auspeitschen wuerde, Sie oder sich selbst. Es ist ja auch kein Zufall, dass Sie fuer die Faz schreiben, denn wer liesst die nun eben zum Grossteil? Man mag aber schon gar nicht daran denken in welcher Relation die Summe, die die eigenen Erziehung bisher gekostet hat, zum Durchschnitseinkommen steht… und dann auch noch das! Man hat menschliche Beziehungen und jegliche Stabilitaet geopfert um in London und Paris zu studieren, ueberlegt nach China zu gehen, und was ist man? Ein Idiot, der dem allgemeinen Hype auf den Leim gegangen ist.
    Wer wusste, dass Zaehneknirschen ein Kompliment sein kann?

  126. So, jetzt hab ich's gelesen....
    So, jetzt hab ich’s gelesen. Und Sie meinen wirklich, dass es eine signifikante Anzahl solcher Leute gibt, Leute, die all diese Dinge machen aber mit 40 nicht einmal in der Sozialversicherung sind? Hm. Das sind nicht irgendwelche extremen Ausnahmen?

  127. Nun, es ist vermutlich die...
    Nun, es ist vermutlich die einzige Gruppe Nichtsesshafter (und zwar selbstgewünscht Nichtsesshafter) der Republik, die der Politik wegen Tributzahlungen laut in den Ohren liegen. Nehmen wir nur mal die Forderung nach kostenlosen Funknetzen: Das ist nicht gerade billig, kostet die Allgemeinheit ein heidengeld, und warum? Damit so ein paar unsoziale Typen ihr Wischiwaschijöbchen ein klein wenig billiger machen können, damit an den Kosten schrauben und Firmen erzählen, dass sie doch viel billiger als diese Festangestellten sind. Sowas läuft rum, sowas wird nicht verachtet wie andere, genauso widerliche Lobbyisten, sowas tut links und ist die ekelhafteste Form von neoliberalismus, die man sich so vorstellen kann. Massenhaft A-List-Blogger darunter.

  128. Tristan, danke. Soweit ich das...
    Tristan, danke. Soweit ich das in meinem Berufsleben mitbekommen habe, sind Qualifikationen ohnehin nur ein Teil der Bedingungen für ein angenehmes Dasein. Der Weg, den alle gehen. Das Massengeschäft. Ich weiss einfach nicht, ob es so klug ist, sich auf das zu spezialisieren, worauf auch alle anderen gehen, und der Vorteil nur noch mit extremen Anstrengungen herauszuarbeiten ist. Irgendwann wird Flexibilität auch zum Nachteil, etwa, wenn man eigenständige Leute braucht. Es gibt Berufe für Pudel. Aber die besseren Angebote bekommen immer noch die Wölfe.

  129. <p>und was sagt der grosse tom...
    und was sagt der grosse tom peters – guru aller managementgurus – zum thema:
    I am constantly asked for „strategies/’secrets‘ for surviving the recession.“ I try to appear wise and informed—and parade original, sophisticated thoughts. But if you want to know what’s going through my head, read the list below:
    You work longer.
    You work harder.
    [Edit: Deutlich gekürzt. Bitte keine Vollzitate. Don]
    http://www.tompeters.com/entries.php

  130. Und trotzdem werden wir...
    Und trotzdem werden wir blöder
    Ein wenig zu kulturpessimistisch für meinen Geschmack, trotz der darin enthaltenen berechtigten Sozialkritik. Nur wem nützt eine Kritik, die das Vergangene beweint. Schauen wir uns an, wie Engels den Niedergang der germanischen bzw. irokesischen Gentilgesellschaften analysierte. Obwohl beide Gesellschaften mit Sicherheit ihren „demokratischen“ Reiz hatten (aus heutiger Perspektive), waren sie im Moment ihres Zerfalls eben schon reizlos. Gleiches gilt für das Mutterrecht (dem Matrismus), das durch das „Patriarchat“ (Bornemann) zunächst raffiniert erobert und dann gnadenlos abgeschafft wurde. – Und doch, vermutlich, ohne die Abschaffung des Mutterrechts keine Poesie. Denn erst das Patriarchat machte es notwendig, der Angebeteten seine Liebe aufzuschwätzen, durch kluge Worte eben.
    All das geschieht, wenn das Alte im Sterben liegt. Solchem soll man nicht nachweinen. Man muss die Kritik an dem Neuen auf revolutionäre Weise üben, vom Stand dessen, was es vorgibt zu sein, aber eben noch nicht ist, oder gar nie werden wird (wegen der damit verbundenen Klasseninteressen zum Beispiel, oder der geheuchelten Liebe, wo man sich doch nur sich seines Nachwuchses sicher sein wollte – ist ja heute noch ein Problem!), man muss mit der Kritik die Entwicklung weitertreiben, nicht nach hinten zerren. Mich stört an dieser Mobilität nicht die Mobilität, sondern die vorgegebene, resp. auch den damit einhergehenden Mangel an geistiger Mobilität.
    Wenn man zum Beispiel in dem jeweiligen Land nicht weiter kommt als bis zum nächsten Puff um die Ecke und überhaupt dort nur die Huren des Landes kennenlernt (nichts gegen die Huren, und oft sind die ja schon im Hotel, man muss also gar nicht um die Ecke), dann führt das zu vorzeitiger Vergreisung (nicht jede dieser Huren ist eine Aspasia, und mal ganz abgesehen von der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, aber das ist nicht mein Thema). Denn der Ersatz des Nichtgekannten, zum Beispiel durch die Lektüre entsprechender Literatur, wird ja auch nicht angestrebt (es wird dort wie hier also weder richtig „erlebt“ noch „sublimiert“), zumal man dafür auch die Zeit nicht hat, aber vor allem, weil man sich ja im „Besitz des Wissens“ (zum Thema „Wissen“ sei auf meinen heutigen Beitrag „Entmystifiziert“ in dieser Zeitung verwiesen, siehe auch: http://blog.herold-binsack.eu/?p=476) wähnt.
    Trotz gestiegener Mobilität und interkultureller Kontakte werden wir blöder, das wäre meine Kritik.

  131. schade. gerade als vollzitat...
    schade. gerade als vollzitat im kontext hier beinahe realsatire.

  132. Mit etwas Pech - und bei...
    Mit etwas Pech – und bei solchen Leuten ist Pech vorprogrammiert – kriege ich oder die FAZ jede Menge Ärger mit Vollzitaten.

  133. @Ernst Wilhelm: Ich kann Ihnen...
    @Ernst Wilhelm: Ich kann Ihnen nur beipflichten.

  134. Was bisher war, das ist nicht...
    Was bisher war, das ist nicht gut
    ob in Neuem bess’res ruht
    und – ist es Stärke oder Trägheit
    auf altem Wege auszuharren?
    Kleiner 140 Zeichen ;-)

  135. Sehr schön, sehr schön, ich...
    Sehr schön, sehr schön, ich liebe Ihren Blog.

  136. Komisch war: Am Anfang des...
    Komisch war: Am Anfang des Artikels klang das alles nach einer bestimmten Welt von vielverdienenden Schaumschlägern – danach aber ging es um Schaumschläger, die nicht einmal viel verdienen, sondern in nachgerade prekären Umständen leben.

  137. Körbchengrösse, der...
    Körbchengrösse, der Unterschied bei den Einnahmen und der finanziellen Absicherung sagt nichts über die Gleichheit der Mentalität aus. Die armen Barbaren möchten zu allen Zeiten ja keine zivilisierten Menschen werden, sondern erst mal reiche Barbaren.
    .
    Mme, bitte, es war mir ein Vergnügen.
    .
    Jo.Bluesky, und jetzt bitte dauerhaft das Niveau halten, und kein „having irgendwas“ Gesülze schicken.

  138. Gerne würde auch ich mich...
    Gerne würde auch ich mich herzhaft in Rage reden über diese im Grunde genommen armen Tölpel, die nichts Anderes sind als die modernen Leihsklaven eines überlebten merkantilen Systems. Dies würde jedoch ablenken von den wahren Barbaren, die heutzutage in noblen Vorstandsetagen ihre Hintersassen huldvoll empfangen, was jedoch immerhin eine ästhetische Meliorisierung im Gegensatz zu den mit Tierfellen verkleideten Suhlen, von denen aus sie in grauer Vorzeit Kommandos grunzten, die ihre Logenplätze in der Oper unterhalten, ohne annähernd zu verstehen, was ihnen dort geboten wird und sich am Wochenende in der Konzeption neuer Machterhaltungsszenarien geflissentlich ergehen. Hingegen möchte ich es jedoch vermeiden, meinen Blutdruck zu dieser lauschigen Tageszeit noch unangemessen zu erhöhen und es stattdessen vorzugsweise wie Euer Liebden halten und mich mit einem guten Glas Wein und einer charmanten Musik (ich empfehle nachdrücklich NDR Kultur; bei dieser Gelegenheit verbindlichsten Dank für Euere ausgezeichneten Musikempfehlungen) an die Zeiten erinnern, an denen unehrlicheKaufleute und andere fliegende Händler noch die Tiefe unseres Burggrabns ausloten durften.
    Noch einen Gurkensandwich ?

  139. Ja genau, Flucht nach vorne:...
    Ja genau, Flucht nach vorne: „Es gibt Berufe für Pudel. Aber die besseren Angebote bekommen immer noch die Wölfe.“ Auch eine mögliche Herangehensweise. Mir würde sie schon gefallen, da ich noch alle Zähne habe und einen gutmütigen Zahnarzt, aber meinem guten Mann würde himmelangst (Ein Argument gegen die Ehe? Weil man sonst zuviel Rücksicht nehmen muss?). Wie auch immer, Wolfsein muss zu einem passen. Was ich sagen will: Wer mit der Pudel-Muttermilch aufgezogen wurde, immer noch besser und immer noch besser zu werden, tut sich extrem schwer damit, diese Reflexe des spießigen Musterschülerehrgeizes, des „immer mehr desselben“ (es ist ein starkes inneres Drehbuch seit wir 3 Jahre alt sind, denn ab da sind wir domestiziert…) abzulegen und einfach mal das zu machen, was man eigentlich machen will. (Der Pudel ist übrigens als Hunderasse stark unterschätzt: Züchter wissen, er ist dem Wolf in Wildheit und Intelligenz am ähnlichsten.) Oder auch mal unartig zu sein, mal zu beißen. Gerade Frauen quälen sich sehr damit, den leicht dämlichen Bienenfleiß und das idiotische geschmäcklerische Gezicke abzulegen und endlich einmal richtig unartig zu sein, so dass es weit über Zickentum hinausgeht und Frau Mama in Ohnmacht fällt (ich meine jetzt nicht die erotische Unartigkeit, auf das werden Frauen ja gerne reduziert). Oder aus Eigenmarketingsicht: Herausstechen aus der Masse kann der digitale Sklave schon lange nicht mehr mit guter Leistung, das machen andere auch. Herausstechen kann er nur mit Chuzpe. DA muss er sich mittlerweile aber auch schon recht anstrengen: unser Zeitalter tickt nur noch über die Droge Aufmerksamkeit, Popcorn-Sensationstourismus und Provokation. Hammer doch schon alles. Dieses Blog ist zum Beispiel eine einzige Chuzpe as usual :-)
    Eine echte Chuzpe in unserer Zeit der Extreme wäre es (dieses Blog) jedoch erst dann, wenn auch Dons Mama als „Die Mama vom Don“ hier aufschlägt und schreibt: „Komm mir du mal nach Hause!“ :-D . Und wenn der FAZ-Herausgeber zum Onkel Doktor muss, weil er nachts Angstschweiß hat. Noch freut er sich lediglich über den feinen Traffic. Der Herausgeber. Nicht der Doktor.

  140. Hier wird nur geplaudert....
    Hier wird nur geplaudert. Gebissen wird woanders. Nächste Woche in Hamburg.

  141. Das Niveau und der...
    Das Niveau und der Zusammenhang ergeben sich nach der gewogenen, näheren Betrachtung durch den Leser.
    Diese Mobilität ist die Suche nach Verbesserung durch stetiges Verändern. Bei der Entscheidung für oder gegen eine örtliche Bindung, beziehungsweise einen Arbeitgeber, frage sich jeder, ob aus Stärke oder Trägheit.
    Diese Erkenntnis über die Belastbarkeit seines eigenen Charakters ist dann schon nicht irgendwas. Die Nachrichten über die Folgen der Machenschaften schwacher Charaktere in unserer Gesellschaft sind kein Gesülze.

  142. Auch wenn es den beschriebenen...
    Auch wenn es den beschriebenen Typen in dieser Reinform nicht gibt – gerade die digitalsten Böhmen sind sehr heimatverbunden: Der Satz
    „Mit durchschnittlich 40 sank der vollmobile Aware ins Grab, der Awarenessjunkie dagegen muss noch 40 Jahre irgendwie weitermachen, und das wird kein Spass, wenn gerade eine Wirtschaftskrise alle Tore verrammelt“ ist leider ziemlich gut.

  143. Ich glaube sie könnten mit...
    Ich glaube sie könnten mit der gleichen Verve auch ein Loblied auf die Mobilität schreiben.
    Und ich glaube, der wäre genauso wahr wie es dieser ist.
    Man möchte kein Schiedsrichter sein, wenn sich Maus und Elefant über die richtige Größe von Lebewesen unterhalten…

  144. lieber d.a.,
    (just an...

    lieber d.a.,
    (just an afterthought, and belated at that)
    Tourist in Ihrem blog, fast immer amüsiert, manchmal nickend.
    Aber: On nomads and mercenaries. Klar, Romantisierung im Sinne von „Nomaden-Denken“ à la Thousand Plateaus genauso problematisch wie ein verschanzen in der Scheinsicherheit des gekerbten Raumes.
    :lach: Aber so ist das.
    Wie bei Kafka: die Nomaden von jenseits der Grenzen.
    „Auch ihre Pferde fressen Fleisch… “
    Eingeladen, weil die Kriegsmaschine sie braucht, weil sie im glatten Raum besser navigieren können… und nun sind sie lästig, unheimlich, man würde sie gerne wieder los, und kann doch eigentlich schlecht ohne.
    „Wie wird es werden?, fragen wir uns alle. Wie lange werden wir diese Last und Qual ertragen? Der kaiserliche Palast hat die Nomaden angelockt, versteht es aber nicht, sie wieder zu vertreiben. Das Tor bleibt verschlossen; die Wache, früher immer festlich ein- und ausmarschierend, hält sich hinter vergitterten Fenstern. Uns Handwerkern und Geschäftsleuten ist die Rettung des Vaterlandes anvertraut; wir sind aber einer solchen Aufgabe nicht gewachsen; haben uns doch auch nie gerühmt, dessen fähig zu sein. Ein Mißverständnis ist es, und wir gehen daran zugrunde.“

  145. @woolloomooloo ( huch, nochmal...
    @woolloomooloo ( huch, nochmal durchzählen…)
    bei ihren Namen fällt mir doch prompt die überaus erfolgreiche Geschäftsidee des „Harry Cafe on wheels“ in Sidni ein, der Mobilität, Geschäftssinn und chupze in sich vereinte, wenn sich die Mobilität auch nur auf wenige Meter beschränkte! Paßt doch irgendwie zur hier angesprochenen (angehechelten) Optimierung jeglicher, vermeintlicher Lebensansprüche!
    Mit freundlichen Grüßen!

  146. Was, wie mir scheint, achon...
    Was, wie mir scheint, achon mal gerne mit übersehen wird …
    .
    … ist wohl auch, dass z.B. der durchschnittliche gewerbliche Arbeitnehmer in Deutschland „ungefähr im Alter von 65 und mit 43 Versicherungsjahren mit ca. 992,- Euro/Monat in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen wird“. Er braucht nicht mehr arbeiten.
    .
    Und wird wohl – in den zahlenmässig meisten Fällen – „sich mit diesem Monatseinkommen gerne lieber zur Ruhe setzen, tatsächlich mehr an einem Ort sein – und von dem Ort aus Ausflüge unternehmen – als (wie z.B. „eine andere soziale Schicht wie Wotan“) umher zu schweifen“; „das Bedürfnis nach Mobilität im Deutschen Volk eher doch nicht so hoch, wie gemeinhin gedacht wird“. (Und natürlich ist es unanständig wenig Geld pro Monat für die Lebensleistung und „erschwert“ das Reisen ungemein.)
    Warum aber so viele den Mobilitätsversprechen (auf doppeltes oder dreifaches Alterseinkommen?) so lange nachlaufen, die sich, siehe Finanzkrise, für den überwiegenden Teil eben gerade nicht erfüllen, es fast noch nie taten, mir oft eher wirklich schleicherhaft.
    .
    Wäre man mit dem Durchschnitt zufrieden, könnte man sich tatsächlich wesentlich früher schon als finanziell unanbhängig betrachten oder?

  147. Woolloomooloo, ich könnte...
    Woolloomooloo, ich könnte vieles schreiben, aber ich hin ein miserabler Lügner.
    .
    Malte, es ist ein Insiderjoke für Frühgeschichtler. Merke:
    Der Aware
    gibt dem Goten
    auf die Pfoten
    weils verboten
    in die Bahre
    dass er fahre.

  148. Lieber Don Alphonso, so ganz...
    Lieber Don Alphonso, so ganz immobil scheinen Durchlaucht ja auch nicht zu sein. Immerhin sieht das dritte Foto ziemlich nach dem 13. Juni in Berlin-Tiergarten aus. Ganz abgesehen davon, dass bloggen wohl auch nicht wirklich als Arbeit gilt. Ich empfehle „Spaziergang nach Syrakus“. Mobilität der anderen Art.

  149. Wie schon ausgeführt: Es ist...
    Wie schon ausgeführt: Es ist auch ein Text über Notwendigkeiten, denen ich mich beugen musste.

  150. perfekt!57, viele gehen ja...
    perfekt!57, viele gehen ja nicht ohne Polster in die Rente. Da sind genug, denen die Erhöhung vollkommen egal ist, schliesslich gibt es noch massenhaft Zusatzeinkünfte.
    .
    DParker, schön, dass es gefällt. Aber die Art der Verschanzung ist bei mir reichlich offensiv. Ich weiss schon, wie ich die draussen halte. Es gibt einfach Lebensräume, die für solche Leute unerträglich sind. Da bin ich glücklicherweise.

  151. Don Alphonso, 28. März 2009,...
    Don Alphonso, 28. März 2009, 09:45: „Der Unterschied ist nur: Ich mache keinen Hype draus.“
    Dafür machst du halt aus anderen Aspekten deines Lebens mehr Hype als eine ganzes WLAN-Café voll Social-Media-Dampfplauderer.

  152. Sagen wir mal so: Ich bin ein...
    Sagen wir mal so: Ich bin ein engagierter Vertreter der Sache meiner Klasse in der Öffentlichkeit. Einer Klasse, die ansonsten nur zu gern schweigt, weil sie, um es mit den Worten meiner Grossmutter zu sagen „as Mei zamhoidn“ als Lebensmaxime begreift.

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