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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Bankenverstaatlichung fast so schön wie in Irland

| 65 Lesermeinungen

Zurück aus Italien zum harten Leben, zurück an den sonnigen Tegernsee, wo die Zeiten für Aktionäre verstaatlichter Banken nicht schön sind und man über gewisse Dinge nicht spricht; etwa den alten Herrn, den bei der Verteidigung seiner selbst usurpierten Privatstrasse gegen Parkende aus der Armutsregion München beinahe der Schlag getroffen hätte, und über all die Besserverdienden, die noch besser zu verdienen gedachten, sobald sie hierzulande neoliberal-irische Verhältnisse durchlobbyiert haben wollten - für die gibt es ein hübsches Stück ökonomischer Vernunft in der heutigen Irish Times, das in Zeiten wie diesen nicht übersehen werden sollte.

Ich ließ mir’s wohlschmecken, schlief in dem prächtigen Himmelbett, ging im Garten spazieren, musizierte und half wohl auch manchmal in der Gärtnerei nach.
Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts

Es ist ganz erstaunlich: Bis vor einem Jahr war die Heimreise aus Italien nach Deutschland immer auch eine Reise in die nationale Depression. Oben auf dem Jaufenpass verliess man die offenherzige Region Meran und nähert sich Österreich, das in seiner Enge schon einen Vorgeschmack auf die Düsternis des Nordens bot, und auf der Passhöhe blickte man ein letztes Mal sehnsuchtsvoll zurück auf dieses Land, in dem das Leben erst mal schön ist, und dann schaut man weiter. Man drehte sich um und wusste, was hinter all diesen Hügeln kam: Verärgerte alte Männer in Anzügen, die nie genug bekommen konnten.

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Nie genug von Liberalisierung, nie genug Fördermittel, nie genug Unterstützung von der Politik, nie genug Entlastung und Steuersenkungen. Natürlich ist Deutschland nicht so schön wie Italien; in manchen Regionen ist es sogar richtig hässlich und heisst Berlin oder Essen oder gar Hoyerswerda, aber nirgendwo, unter keinen Umständen war es so scheusslich, so unerquicklich und von bornierten Leistungsverweigerern, Sozialfällen und Inkompetenz belastet wie in den Reden dieser Männer, die man selbst auch nur begrenzt als „schön“ titulieren kann, ohne sich dem Vorwurf der glatten Lüge oder des Wirtschaftsjournalismus auszusetzen. „Standortdebatte“ nannte man diesen verbalen Wettlauf um die Verhässlichung und Herabwürdigung des Landes durch alte Männer, und damit war sie als ökonomisch notwendig geadelt, selbst wenn man ähnliche Beschwerden, so sie von unten kamen, als „Gleichmacherei“, „Kommunismus“ oder „typisch deutsche Neidkultur“ abtat: Deutschland,  ein kommunistisches, neidiges Land, das die Guten behindert, die Schlechten mästet und damit international zurückbleibt, während vor der Haustür, im Baltikum, in England und ganz besonders in Irland die Liberalisierung von allen Lebensbereichen zeigt, wie man es macht.

Diese nicht wirklich schönen alten Männer sind heute meine Nachbarn. Sie wohnen oft und gern am Tegernsee, weil es dort schön ist, und man sich sicher sein kann, dass die durchschnittlich 1,3% ALGII-Empfänger des Landkreises Miesbach hier ganz bestimmt nicht wohnen. Sicher irgendwo, aber nicht hier. Hier ist es noch mal besser, als in der neuen IVW-Studie behauptet, hier sind sie unter sich, und gern würde ich zu ihnen gehen, wenn sie unten am Yachtclub in der Sonne sitzen, ihnen auf die lacosteten Rücken klopfen und sagen: Gell, inzwischen ist es hier auch nicht schlecht, fast so schön wie in Irland.  

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Nun bin ich bekanntlich der höflichste Mensch von der Welt, und ausserdem beginnen bald die Gartenparties, zu denen ich gerne eingeladen werden möchte, und so verzichte ich auf derartige Anreden. Trotzdem wäre es gar nicht so dumm, in alten Zeitungen nachzuschlagen, wer noch vor wenigen Jahren seine Tage damit zubrachte, den Klassenkampf von oben mit einer Art Landesbeschimpfung von oben anzuheizen – ich bin mir reichlich sicher, dass unter den Freunden des alten irischen Modells heute genug Jammerlappen und Memmen sind, die den Niedergang ihrer Hypo Real Estate Aktien nicht wie Männer nehmen, sondern verlangen, der Staat möchte sie und ihre Spekulation besser entschädigen, statt das Ruder der ohne Staatshilfe insolventen Bank zu übernehmen.

Diesen Vertretern des enthemmten Kapitalismus mit staatlicher Hintertür für die private Besitzgarantie möchte man einen offenen Brief zu lesen geben, den zwanzig bekannte Ökonomen aus Irland verfasst und heute höchst prominent in der Irish Times veröffentlicht habem. Und was diese Herren da geschrieben haben, hat so gar nichts mehr mit dem keltischen Tiger zu tun, der hierzulande immer als Vorbild herhalten musste. Es ist ein Plädoyer für die Verstaatlichung der grössten Banken des Landes:

We believe that the correct action to take now is nationalisation of the banking system, or at least that part of it that is of systemic importance. We do not make this recommendation from any ideological position. In normal circumstances, none of us would recommend a nationalised banking system. However, these are far from normal times and we believe that in the current circumstances, nationalisation has become the best option open to the Government.

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Nun ist die Lage in Irland schlimmer als auf dem Kontinent: In Irland lässt man die Studenten bluten und verpfändet zukünftige Pensionsbeiträge, um die Löcher zu stopfen, die das marode – oder vielleicht besser, faktisch insolvente – Bankwesen der Insel nach einigen fetten Skandalen wie künstlich gestützten Aktienkursen und Bilanzfälschungen hinterlassen hat. Und nachdem auch in Irland Einlagengarantien und Liquiditätshilfen nichts gebracht haben, der Staat aber nicht wie England oder die USA faktisch zum Gelddrucken übergehen kann, weil er Teil der Eurozone ist, soll nun versucht werden, die Banken zu retten, indem der Staat ihnen die schlechten Papiere abkauft, und somit die privatwirtschaftlichen Institute stabilisiert. Dafür finden die Wissenschaftler eine deutliche Mahnung:

Every additional euro that the State pays for bad assets is an additional euro for the current bank capital holders and one euro less of valuable equity investment for the State.

Auch der Rest dieser lesenswerten Ohrfeige für Politik und Banken ist harter Stoff für alle, die in Deutschland um Banken wie die von Staatshilfen abhängige Commerzbank winseln, die gerade über ihre Tochter Eurohypo einen Multimillionenbetrag in den USA verloren hat. In Irland formulieren Ökonomen Dinge, die man hierzulande nur von der PDS und den Jusos kennt; Austausch der Vorstände und des leitenden Managenements, ein Ende der Unterstützung maroder Banken, die Beteiligung der Steuerzahler am Gewinn, und massives Misstrauen gegenüber den Kapitalmärkten, denn „the experience of recent years is one that would have to cast doubt on the ability of markets to effectively monitor financial institutions.

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Für nicht wirklich schöne alte Männer auf all den schönen Berghütten am Tegernsee könnte man aus diesem Brief zwei Folgerungen herausziehen. Die eine Folgerung ist, dass sie noch froh sein können, weil man ihrer Standortdebatte nicht so weit folgen konnte, um auf dem Niveau von Irland zu sein. Bezeichnenderweise ist die Depfa, die die Krise der Hypo Real Estate auslöste, nach Irland gegangen, um dort in irischen Verhaltnissen leben können. Die andere Folgerung wäre, dass sie, wenn sie schon das Vergnügen haben, in diesem weniger liberalen, aber dafür halbwegs sicheren Land zu leben, das ruhig auch mal so sehen könnten. Und Danke sagen. Danke zu einem Land, das nur dann Banken übernimmt, wenn es gar nicht mehr anders geht, und sie und ihre Schlechtmacherei jahrelang erduldet hat, ohne sie dafür zur Rechenschaft zu ziehen, ohne ihre Namen und Aussagen von damals hervorzuholen, ohne sie und ihren angeblichen Sachverstand zu diskreditieren, und sie in Ruhe am See sitzen zu lassen, statt ihnen den Standort zu machen, den sie gefordert haben.

Denn in Irland ist man inzwischen nicht nur mit der ökonomischen Vernunft der Nationalisierung von Banken, sondern auch mit dem Verbrennen von Puppen mit Namensschildern weiter. Möchte vielleicht jetzt jemand irische Verhältnisse? Oder doch lieber noch eine gemütliche Tasse Tee in diesem gemütlichen Land? Zenzi kimmt glei. Es ist schön hier. Wirklich. Deutschland ist ein schönes, ein angenehmes Land.

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65 Lesermeinungen

  1. Zenzi? Zensi? Sensi?...
    Zenzi? Zensi? Sensi? Sensimann?
    Schöner Artikel. Erinnere mich noch an den Irland-Rant in deinem Blog. Erst mit 10% Steuersatz und Hilfen aus Brüssel in Höhe von bis zu 4% des irischen BIPs den anderen Ländern die Arbeitsplätze klauen und um am Ende den Bailout wollen.
    Wenn diese Krise auch eines gezeigt hat: 20% Steuersatz auf Firmengewinne sind keine gute Idee. Das ist zu wenig. Es zieht erstens die unproduktiven Zeckenbranchen an und kann zweitens auch keine langfristige Finanzierung des Staatshaushaltes bringen. So schön der Traum von 20% Steuersatz auch ist.

  2. Bisweilen empfinde ich es als...
    Bisweilen empfinde ich es als höchst deprimierend, wie gleichmütig das Volk hier scheinbar alles mit sich machen lässt. Neidisch schaut man auf brennende Mülltonnen und gekidnappte Manager bei den Nachbarn im Westen, neidisch schaut man auf eine aufmüpfige, weil vollkommen ohne Chance und Hoffnung verbliebene Jugend in Griechenland. Oder man schaut gen Island, wo das aufgebrachte Volk zumindest die zuletzt Herrschenden davon gejagt hat. Betrübt schaut man in die Bundeshauptstadt, wo nicht einfach nur die Limousinen der Bonzen, sondern in typisch märkischer Punk-Blödheit, ziellos so ziemlich jedes Auto angezündet wird.
    Andererseits kann man sich natürlich auch einreden, dass der Verzicht auf jedwede Form von auch nur angedeuteter Unbotmäßigkeit ein Zeichen zivilisatorischen Fortschritt ist. Dass man hier gelernt hat, dass brennende Mülltonnen und nicht mehr auf der Strasse ruhende Pflastersteinenichts weiter als Revolutionsromantik für die Kamerateams sind. Wenn man sich das einreden möchte, wohlgemerkt …

  3. In diesem Fall ist es gar...
    In diesem Fall ist es gar nicht so schlecht, eine „verspätete Nation“ zu sein. Auf manchen Zug ist man deswegen nicht mehr aufgesprungen. Nicht das man das selber zu verantworten hätte. Es resultiert vielleicht noch aus der Trägheit und dem Ballast, den das alte Römische Reich Deutscher Nation mit sich rumschleppte. Klingt absurd, aber so erkläre ich mir die manchmal erfreuliche Schwergängigkeit unserer politischen Institutionen.

  4. Es wäre wohl wirklich mal...
    Es wäre wohl wirklich mal Zeit für ein „Best of“ der ganzen Turboprivati- und Liberalisierer in Wort, Bild und Schrift. Oder gibt’s das schon irgendwo?

  5. Jordanus, erkläre das mal den...
    Jordanus, erkläre das mal den leuten, die glauben, Geschwindigkeit sei alles und Nachdenken könne man später auch. Diesen ganzen Beta-Leuten. Ist ja nicht auf die Wirtschaft begrenzt. Es ist Mode.
    .
    Nnier, meines Wissens gibt es das nicht, aber es würde sich anbieten, wenn man eine gewisse Partei wäre. Aber lass das mal noch ein Jahr weiterkriseln, dann gibt es solche Aufrufe auch hierzulande. Deutschland hat mehr Luft als andere. Aber nicht Luft für immer.

  6. Reinhard, ich bin bei...
    Reinhard, ich bin bei Vandalismus schon immer reichlich sensibel. Ich war mal in München bei einer Demonstation gegen Rechtsextreme, die von Gegendemonstranten gestoppt wurde, Natürlich konnte das keiner wissen, der an der Stelle sein Auto abgestellt hatte. Un die anderen besser anbrüllen zu können, bestieg man auf beiden Seiten die dort abgestellten Autos. In Mengen. Bringt das was?
    .
    Ich glaube, dass man argumentieren und eine Debatte in Gang bringen muss, gerade in deutschland, wo man mit brennenden Mülltonnen erst mal nur abschreckt. Ich glaube, es ist leichter, die Menschen an Argumente und Beteiligung zu gewöhnen, als ans Steine schmeissen. Das ist gar nicht so schlecht, es gibt nur zu wenig Ansätze, und wenn man mich fragen würde, wo Blogs und Medien in Deutschland versagen, würde ich sagen: Hier. bei genau dieser Fragestellung.

  7. Bin weder Alpha, noch ein...
    Bin weder Alpha, noch ein Beta,
    komme gerne etwas später.

  8. egghat, ich finde es halt...
    egghat, ich finde es halt schade, dass so viele saftige Geschichten aus dieser globalen Krise einfach nicht erzählt werden, weil sie nicht so richtig die Leute betreffen. Das stimmt zwar in Hinblick auf die Aktualität, aber leider gar nicht, wenn man lieber heute in Parabeln erzählen möchte, was mirgen kommt. Das Schöne für dieses Land ist, dass andere den Weg schon mal entlang gekrochen sind, und da macht es meines Erachtens schon Sinn zu schauen, wo und wie sie sich die Hautaufgerissen, den Schädel eingeschlagen und das Kreuz gebrichen haben.
    .
    Irland ist da übrigens nicht allein, auch Österreich und Ungarn und das Baltikum sind Regionen, über die man viel mehr reden müsste. Wie auch Spanien.

  9. Ich mag ja den Spruch...
    Ich mag ja den Spruch „Abwarten und Tee trinken“ sehr.

  10. Noch im Sommer 2008, am...
    Noch im Sommer 2008, am Vorabend eines tollen Konzerts, erzählte mir ein betrunkener, dicker Isländer: „Now I’m fuckin‘ rich, now I have to see him every fuckin‘ time.“
    An den musste ich oft denken in den letzten Monaten. (Ja, ich kann lesen: IRland. Aber irgendwie …)

  11. Bei aller Zustimmung zum...
    Bei aller Zustimmung zum Artikel wollen wir aber nicht vergessen, dass die Landesbanken als erste pleite waren. Und dass z.B. der Herr Lafontaine Verwaltungsrat der KfW ist, die bekanntlich mal eben noch 350 Mios an Lehman rübergeschoben hat. Schaut man sich die Namensliste dieser Räte mal an, dann glaube ich nicht daran, dass irgendeine Partei sich damit hervortun wird, die Kollegen vom Aufsichtsratssessel links und rechts bloßzustellen, als da bei der erwähnten KfW außer Lafontaine unter anderem wären: Michael Glos, Peer Steinbrück, Frank Bsirske, Siegmar Gabriel, Roland Koch, Matthias Platzeck, Horst Seehofer, Frank Walter Steinmeier … Die Geschichten werden nicht erzählt, weil sie sehr wohl die richtigen Leute betreffen.

  12. Über die Trägheit des...
    Über die Trägheit des Römischen Reichs Deutscher Nation sowie dessen Nachfolger, der EU, kann man trefflich spotten.
    All die Möchtegern Revoluzzer, die einfache Lösungen en passent formulieren, unterschätzen sowohl die Komplexität als auch die Leistungsfähigkeit dieser hervorragenden Staatensystemen.
    Was wir brauchen sind keine Revolutionen, sondern eine langfristig orientierte Weiterentwicklung des bestehenden System. Sehr altertümlich, „das Bohren dicker Bretter“. Dies ist aber nicht „sexy“, zumal in einer Zeit, in der jede Mode und jede noch so kleine Änderung als „Revolution“ verkauft wird. Drunter macht man´s nimmer.

  13. Der Staat wird es schon...
    Der Staat wird es schon richten- genauso wie Mami und Papi damals als man jung und unerfahren und die Welt noch viel einfacher war. Alle diejenigen, die nach mehr Staat rufen, muessen sich aber eine Frage gefallen lassen: wo auf der Welt ist ein einziges Land, in dem der Staat das sagen hat und alles besser ist? China? Russland? Nord Korea? Venezuela? Zimbabwe?

  14. @ anderl

    Richtig, man sollte...
    @ anderl
    Richtig, man sollte sich vor einer politischen Wahl grundsätzlich mit Namenslisten und Vergangenheiten befassen und was einige Herrschaften vor wenigen Jahren getönt haben und in welchen Aufsichtsräten sie sitzen. Unser guter Rodenstock bespielsweise, der öffentlich gegen Subventionen wetterte, strich sehr wohl gleichzeitig vom Staat welche für sein Unternehmen ein. Die Presse hat mir das nicht erzählt, diese Info hatte ich damals von Attac. Und so geht das weiter und immer weiter.
    Mitschuld der (gesteuerten?) Presse also und ihre Schlampigkeit bei der Recherche. Als wenn da aber noch nicht genügte: Das Volk hat ein sehr schlechtes Gedächtnis. Weiß noch irgendjemand bewusst, dass Frank Walter Steinmeier damals mit Schröder DER Architekt der Agenda 2010 war? Wird je ein Hartz4-Wähler 2008 sich solcherlei Dinge erinnern, ich fürchte kaum. Ich fürchte, Wahlen werden wegen ganz anderer Dinge gewonnen. Hohle Betrachtungen stehen im Vordergrund, z. B. ob jemand gut aussieht. Oder einen Hund hat. Oder besser als Merkel aussieht (Kunststück) und ob er dynamisch wirkt. Mich stört weniger, dass Deutsche den Hintern zu Randale weniger hochkriegen als ihre Nachbarn. Mich stört, dass Deutsche sich geistig einlullen lassen, anscheinend soylent green nehmen.

  15. Mülltonnen werden es bald...
    Mülltonnen werden es bald nicht mehr sein
    Es sind genau die Länder, die von den Neoliberalen in den letzten Jahren so über den großen und kleinen Teich gelobt wurden, ob ihrer Geschäftstüchtigkeit. – Von wegen dem irischen Tiger. Wie mache ich aus einem Armenhaus eine Spielhölle? – so ungefähr war doch die Frage in Bezug auf Irland, ähnliches bei Portugal. Nun, indem ich die ganzen Bettler zu Croupiers mache, ihnen ein weißes Hemd anziehe, so dass die gar nicht merken, wie ich ihnen währenddessen das letzte – wenn auch dreckige – Hemd drunter ausziehe. Ich überrede sie, das bisschen Wert auf dieser sumpfigen Insel mehrfach zu verpfänden. Die Lachse hatten sie ja schon selber weggefischt. Wäre wohl besser gewesen, die Iren wären gleich ins Pfandhaus gegangen. Nun stehen sie zusammen mit den Engländern davor Schlange, kein nettes Déjà-vu-Erlebnis. Die Gewinne wurden inzwischen abgezogen, die Verluste bleiben, und die Iren, das Volk unter den Iren, werden wohl ärmer sein als je zuvor.
    Dass die Iren dazu Beifall klatschten, ob der Tatsache, dass sie plötzlich im weißen Hemd mit Manschetten dastanden, kann man ihnen nicht verübeln. Wann hatten sie je die Gelegenheit dazu, ist ja nicht aller Tage Kirchgang. Und das ewige Kartoffelessen sind sie auch leid.
    Allerdings, als sie sich gegen den Lissabonner Vertrag aussprachen, wurde mir klar, dass sie was geschnallt hatten, wenn auch nicht sofort das Wesentliche, aber mehr als der satte Rest von Europa. Der Event ist vorbei.
    Nun werden die Kelten vielleicht doch mal zum Tiger. Ihre guten Launen dürfen sie ja bis auf weiteres nicht mehr in Alkohol einlegen. Nicht nur wegen der klammen Kneipenzeiten, sondern wegen des knappen Geldes.
    Mülltonnen werden es bald nicht mehr sein, die da brennen, das wissen wir aus Belfast und anderswo.

  16. Alles gut und schön. Nur...
    Alles gut und schön. Nur hoffe ich, lieber Don Alphonso, dass das Hoyerswerda betreffende Urteil „häßlich“ aus eigenem Aufenthalt an der Schwarzen Elster beruht. Dann will ich das als Meinungs-Äußerung gern akzeptieren. Falls nicht: Pfui Teufel ob unreflektierter Übernahme eines Klischees! Ich muss nämlich in Hoyerswerda leben. Man kann sich zwar über Schönheit trefflich streiten, aber was Städte (und das betrifft auch Berlin oder Essen) angeht, trifft ja wohl eher das alte abchasische Sprichwort zu, wonach jede Medaille zwei Seiten hat…

  17. Ja, wenn man die wirklich...
    Ja, wenn man die wirklich Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen könnte…
    Die „von Staatshilfen abhängige“ Commerzbank gehört doch schon zu 25 % dem Staat, die Allianz hätte sich mit der Dresdner sicher über Kurz oder Lang die Ohren gebrochen, aber 18 % der CB gehören jetzt ihr. Für die nächsten Jahre nun leiht sich der Bund die Milliarden für die stille Einlage für geschätzt 5 % und bekommt von der CB 9% dafür wieder. Die Aktionäre gehen dafür auf Jahre leer aus. Sie sind ja in Wirklichkeit längst enteignet – allein die 60 % der Eurohypo, die nicht sowieso der CB gehörten, haben rd. 4 Mrd. gekostet, die Dresdner noch mal 5, für 25 % am gesamten Konzern zahlt der Staat 1,8 Mrd. Das waren vor einem Jahr o h n e die Dresdner noch nicht mal 10 %.
    Ein besonderer Krimi, der seltsamerweise nirgends erzählt wird, ist die Geschichte der Hypo Real Estate. Gegründet als „Bad Bank“ für die Hypovereinsbank, an die Börse gebracht als Spin Off, hat sie einen grossen Teil des Kaufpreises an die Unicredit zurückfliessen lassen. Weder Hypovereinsbank noch Unicredit werden von der Öffentlichkeit verantworlich gemacht, obwohl die Haftung der Alteigentümer erst in 2008 erloschen ist, praktischerweise wurde die desolate Lage erst danach veröffentlicht.
    Die generelle Verstaatlichung von Banken sollte sich angesichts der Vorreiterrolle der Landesbanken bei der Verlustgenerierung und der Ratlosigkeit der sie tragenden öffentlichen Hände (und der Sparkassen, die mitverantwortlich sind) niemand wirklich wünschen. Es wird ja immer vergessen, dass das Bankgeschäft eigentlich nichts mit „Zocken“ zu tun hat – im Gegenteil. Die wirtschaftliche Vernunft bei der zinsbringenden Anlage von Spargeldern in Form von Krediten an Industrie und Handel hat ja im Schatten des Investmennt-Glamours nie aufgehört, und dieses Geschäft braucht Fachleute, nicht Ideologen.

  18. Ich war mal in der Nähe wegen...
    Ich war mal in der Nähe wegen eines nicht uninteressanten Restitutionsfalles und kam bei der Fahrt zurück nach Berlin an dem Ortsschild vorbei und dachte mir: Schau es Dir mal an… Für einen besseren Sohn aus dem Westen habe ich mir sehr viele Orte im Osten angeschaut, einfach, weil ich mich für Ruinen interessiere. Ich war danach ziemlich erstaunt, als ich las, dass diese scheinbare Heimatschutzarchitektur tatsächlich sozialistisch war – jedenfalls, es hat mir nicht gefallen. Aber warum ich es hier genommen habe, weiss ich auch nicht; Chemnitz, Halle und Bitterfeld fand ich schlimmer, Neustadt an der Orla aufgrund all der zerfallenden Jugendstilfirmen bedauerlicher.

  19. Ich bin auch fuer die...
    Ich bin auch fuer die Verstaatlichung der Banken, dann koennen die Genossen schon um 14h statt erst um 15h nach Hause entschwinden. Ausserdem bleiben sie dann einfach im oeffentlichen Gehaltsgitter und werden nicht pro Luftbuchung bezahlt. Bleibt noch die Frage des Timings: Den Oekonomen, selbsternannten „Weisen“ und sonstigen „Experten“ faellt immer etwas spaet ein, dass nun doch der Staat die Banken retten soll. Warum bleibt das Bankenkartell bestehen? Warum darf niemand eine neue Bank gruenden? Warum werden die bescheidenen Sparer nicht von den gierigen Anlegern getrennt – qua Einlagensicherung hier und Haftung dort? Aber rueckblickend auf die christliche Pilgerreise des Don stelle ich fest: Schuldnerland Nr. 1 der Welt ist immer noch das buddhistische Japan mit 180% des BSP, Tendenz steigend. Wir liegen erst bei 60% und haben noch vieieieiel Luft. The sky is the limit. Vielleicht versucht’s der Don mal mit nem Heissluftballon ?? So ein Gefaehrt braucht auch keinen Standort mehr. Verfeuern laesst sich bei der Gelegenheit das wertlose Papiergeld. Luftbuchung mal andersherum. Aber malt ein Dollarzeichen und ein Kreuz auf die Huelle.

  20. Alexis Schweitzer
    Wir haben...

    Alexis Schweitzer
    Wir haben doch einige erhebliche Systemprobleme, die in der jetzigen Krise deutlich werden. Z.B. Management und „hohe“ Angestellte verdienen sich dumm, tragen aber keine Konsequenzen. Oder, der eigentliche Eigentümer, der Aktionär, kümmert sich überhaupt nicht mehr um das Unternehmen und sieht für sich keinerlei Verantwortung. Ihn interessiert nur seine Rendite. Das Management reißt dadurch die Macht an sich und kassiert, in jeder nur möglichen Gelegenheit, auch dann Millionen, wenn es mehr als schlecht arbeitet. In UK hat man zumindest schon Fensterscheiben eingeworfen. Aber von den Deutschen, die noch nie eine Revolution geschafft haben, kann man nicht mal mehr das erwarten. Im Gegenteil, hier bekommt HRE-Funke fast Mitleid, wenn er beim Schneeräumen von Nachbarn schief angesehen wird. Was fehlt ist Verantwortung, von jedem Beteiligten. Dann bräuchte es auch keine staatlichen Vorschriften, z.B. zur Vorstandsvergütung.

  21. Ein wunderbar gewohnt...
    Ein wunderbar gewohnt zynischer Artikel, der auch die Irland-Problematik anreißt. Die HRE und die Depfa (alle dt. Lebensversicherungen haben ausreichend Pfandbriefe im Portfolio) allein reichen für einen Staatsbankrott in D. In der Schweiz ist es die UBS, in den USA AIG und Fannie Mae/Freddie Mac usw. und so fort. Jede Rettung überschreitet locker den jährlichen Staatshaushalt, nur dies ist der Grund für die Bettelei für einen Bailout auf der einen und Verstaatlichung auf der anderen Seite. Wenn man dies (zu recht) kritisiert muß man aber auch öffentlich machen, wer den Banken diese Möglichkeiten eröffnet hat. 2003 hat Rot/Grün mittels Finanzminister Eichel unter Federführung des Staatssekretäres Asmussen eine weitgehende Liberalisierung der strukturierten Finanzprodukte beschlossen und in einer eigens gegründeten Gesellschaft heftigst von selbigem (Asmussen) beworben. In den USA die Abschaffung des Glass-Steagall-Acts unter Clinton. Wie anderl beschrieben hat, sind die Landesbanken unter staatlicher Führung und staatlicher Beaufsichtigung als Erste aufgeflogen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der gierige Staat ist meiner Meinung nach alles: Wegbereiter, Vollstrecker und wiederum Retter. Das ist ja irgendwie auch der merkwürdige Konsens des G-20 Gipfels.
    Auch im Rheinland lebt es sich gut, einen Irish Pub und einen Biergarten am Fluß gibt es hier auch. Das Leben ist schön und danach wird man sehen, sollte jedem als carpe diem taugen, aber manchmal ist nichts schwerer als dies zu begreifen, anscheinend mit verstärktem Nord-Süd-Gefälle.

  22. Also ich kann dem nur...
    Also ich kann dem nur beipflichten! Und das wohl bewusst, da ich selber seit Jahen in Irland lebe und es doch hautnah miterlebt habe, wie alles den Bach runtergeht! Anfangs konnte man es ja garnicht glauben, wenn man vor einem Schaufenster stand und fuer ein ganz normales Stadthaus, 4-5 Zimmer, 130qm, rustikale Bauart, nahzu 1.000.000 Euro und oftmals mehr bezahlt hat! Kein Scherz….Da war einem klar, hier wird einfach nur spekuliert. Irlands Buerger sind aufgrund derartiger Preistreiberei und das schueren von immer mehr mit weit ueber 180.000.000.000 Euro verschuldet. Hinzu kommen 200.000.000.000 Millionen Schulden der Unternehmen. Konnte es selber nicht glauben, ist aber wahr.
    Es gibt viele Dinge dir mir die Augen geoefnet haben. Eines steht fest, Deutschland ist schoen! Da geht nichts drueber…. Wenn man mal weg war, weiss man es zu schaetzen und hat dann auch kein Problem den einen oder anderen Euro mehr an Steuern zu zahlen, wenn man das beste Strassen- und Verkehrsnetz vorfindet. Ein tolles Bildungs- und Gesundheitssystem, wo man nicht fuer eine Blombe 250 Euro zahlen muss und wo man wirklich sagen kann: Es gibt auch einen Sommer, mit allem was dazu gehoert!
    Guten Abend

  23. Ein guter Artikel, besonders...
    Ein guter Artikel, besonders das miesmachen des eigenen Landes und hochloben besonders des Angelsächischen scheint eine der Lieblingsbeschäftigungen in unserem Land gewesen zu sein. Vielleicht sind wir wirklich kein Land der Mülleimerwerfer, aber wenn ich die Besonnenheit verfolge, mit welcher der „kleine“ Mann der derzeitige Krise entgegen sieht, bzw. sie durch steht, möchte ich in keinem anderen Land leben. Wobei ich doch wieder zweifele, ob nicht besser ein paar Fensterscheiben in Managerbüros kaputt gehen, wenn es dazu führen würde, dass unsere Elite UNSER Land nicht als ihre Spielwiese und seine Bürger als nützliche Deppen in ihrem globalen Spiel betrachten würde.

  24. Meine Übersetzung von...
    Meine Übersetzung von „Abwarten und Tee trinken“ für irre Iren und übereifrige Engländer: Wait and Tea!

  25. @FIlip
    200 x 10 hoch 15...

    @FIlip
    200 x 10 hoch 15 erscheint mir etwas hoch.
    … brennende Mülleimer …
    Bitte pfleglich mit Mülleimern umgehen! Ich sehe immer häufiger Menschen, die sich daraus ernähren. (hier kein smiley)

  26. Sehr gut geschrieben Don..hat...
    Sehr gut geschrieben Don..hat einfach ma wieder Laune gemacht nach deiner Italienreise…der ich leider nicht ganz soviel abgewinnen konnte..habs nicht so mit Glaube,alten schwarzgekleideten Frauen und Tand.

  27. "Er liess sich nicht stoeren,...
    „Er liess sich nicht stoeren, sondern streckte nur den kopf ein wenig aus dem graase hervor, wies mit seiner schalmei auf den andern wald hin und blies ruhig wieder weiter.“
    Don Alphonso als Hirte auf der Alm.. Lol!
    Wegweisende Beitrag und wird hoffentlich
    Den so wie die Islaender nicht ploetzlich reich werden konnten, Irland nicht auf einmal aus Bauern Baenker machen konnte und die PIGS nicht einfach ihre Strukturprobleme loswerden konnten, so einfach geht das Spielchen weiter, dass die seit Jahr und Tag spielen..
    Man muesste wohl immer wer einem da was ins Ohr saeuselt.. Und die, die auf die falschen hoeren sind also die Beta Menschen ..
    Ich kannte nur die Alphas und die Omegas..
    Man muss sich fragen, was die ganze Sache mit dem bailout so auf sich hat.. Geht es einigen nicht darum den Geldfluss wieder aufs eigene Konto zu leiten? Waren diese ganzen neuen Kapitalprodukte nicht nur Teil des grossen Ponzi-Schemes? Haben wir in Deutschland vielleicht etwa eine eigene Agenda?
    Ich schliesse mich Devin08`s Meinung an: Das war kein Unfall, das ist eine feindliche Uebernahme ohne Vorankuendigung.
    Mal gespannt, wie die Deutsche Bank da rauskommt, denn die Gewinner (Nicht-Verlierer in diesem Fall) sind wohl schuldig (Mitwisserschaft und so), die Verlierer unschuldig (so wie man fuer Dummheit unschuldig sein kann).

  28. Nnier, jemand meinte mal...
    Nnier, jemand meinte mal Island sei „Irland in a nutshell“. Trifft es ziemlich gut.
    .
    Anderl, der wahre Wettlauf findet beim Thema „Wer bietet die meiste Sicherheit“ statt. Das Hauptproblem sind da die landesbanken, die noch immer nicht fusioniert wurden. Bei der Politik glaube ich aber eher, dass sie Konsequenzen ziehen, und nicht einfach nur auf den nächsten Hype lauern, samt neuen Rekordgewinnen und damit auch Rekordinflation, weil das Geld ja irgendwo her kommen muss.

  29. Johann, gerade bleibt ja...
    Johann, gerade bleibt ja nichts anderes mehr übrig, als dicke Bretter zu bohren. Mich wundert es nur, dass es noch immer keine übergreifenden Ansätze zur Regulierung von Finanzfirmen gibt und sich London und die USA erfolgreich drücken – auch unter Obama. Sie nennen es „Change“
    .
    Dagny, nicht nach mehr Staat, sondern nach einem effektiveren Staat, der schneller eingreifen kann. Also wenn, dann ein Qualitatives „mehr“. Man muss sich doch nur mal die BaFin anschauen: Zahnloser geht es kaum.

  30. @Dagny: Schweden...
    @Dagny: Schweden

  31. Die Rom-Reise, so interessant...
    Die Rom-Reise, so interessant sie auch war, gehörte in den GT-Blog.
    Das hier ist Hintern treten de luxe, dafür gönnt sich die F.A.Z. den
    Don.
    Wie lange noch, mir egal. Hintern treten! Yeah!

  32. @FIlip, da spricht mir jemand...
    @FIlip, da spricht mir jemand aus der Seele. Entschleunigung heißt das Zauberwort (auch wenn dieses leider auch bloß einem Trend entwachsen ist). Den von Alphonso zitierten nicht schönen alten Herren kann man deswegen eigentlich auch keinen Vorwurf machen, die sind auch nur von in den letzten Jahren sogar noch gestiegenen Informationsflut überrollt worden, hatten allerdings die fatale Charkaterschwäche, zu meinen, sie wüssten etwas damit anfangen zu können (bei der Grammatik bin ich mir jetzt nicht so sicher) und hätten die Situation im Griff, weil die angelsächsischen nicht schönen alten Herren dies ja auch von sich behaupteten.
    Resümee: Die Welt dreht sich tatsächlich immer schneller, alte hässliche Männer fürchten permanent zu kurz zu kommen (ja, meine Fruendin wirft mir auch immer vor zu pauschalisieren), die Blasen platzen in immer kürzeren Abständen und: alle englisch sprechenden Länder sind böse (ups, schon wieder) und der Rest zu blöd, das zu durchschauen

  33. Vielen Dank für den...
    Vielen Dank für den Artikel!
    Mittlerweile habe ich in meinem nicht mehr ganz so kurzen Leben dermaßen viele Hypes um Firmen, und Länder gesehen, das ich sie gar nicht mehr alle aufzählen kann. Was uns hier schon von Politkern, Lobbyisten und (Wirtschafts-)“Journalisten“ als leuchtendes Vorbild verkauft wurde und sich nachher als Luftnummer, Luftschloss oder grossangelegter Betrug entpuppte dürfte mittlerweile einige Bücher füllen.

  34. schusch, wie schon gesagt: Das...
    schusch, wie schon gesagt: Das war ein Experiment. Aktuell bin ich in der Nachdenkphase, insofern danke für den Rat.
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    Alter Sack, bei mir hat einmal die New Economy gereicht, dass ich immer Anflüge von Gewaltphantasien bekomme, wenn man versucht, mir den nächsten Gierschlund als Leitfigur hinzustellen. Ich habe auch was gegen eine Bad Bank. Sollen sie die Dinger enteignen und zusammenfusionieren, bis die Geschäftsmodelle wieder tragfähig sind, aber keine 10 Jahre Risiko für das Versagen solcher Zocker.

  35. Sehr schöne Recherche!...
    Sehr schöne Recherche! Allerdings bedeutet die vermeintliche „Verstaatlichung“ keinerlei Verbesserung für die ausgepresste Bevölkerung:
    1) Bereits jetzt müssen die Kleinkunden der staatlichen Postbank 18,2% Überziehungszinsen bezahlen. Die Renditerewartung der SoFFin für ihre Kredite und Garantien von 8% läßt sich nur realisieren, wenn die Kleinstkunden ausgepreßt werden. So bekommen Arbeitslose z.B. ihr ALG frühestens nach 3 Wochen – willkommene Kunden für Staatsbanken wie Commerzbank, Dresdner und Postbanlk.
    2) Die verstaatlichten Banken vertreiben nur noch ein „mündelsicheres“ Finanzprodukt: Staatsanleihen, etwa als „Riester-Rente“. Dies tun sie, um eine Reform der Staatsfinanzen zu verhindern und weiter laufende Staatsausgaben, in erster Linie Pensionen und Gehälter, über Schulden finanzieren zu können.
    3) In dieser systemischen Korruption von Bürgern, die selbst den Schwankungen der Märkte nicht ausgesetzt sind, ist die Verstaatlichung keine Korrektur einer entfesselten Finanzwirtschaft, sondern die logische Folge eines Wanderns des Kapitals zu triple A.
    4) Das bedeutet: Angeblich bereits versteuertes Kapital wird nun dem Staat zur Verfügung gestellt, der dies belohnt: Durch Befreiung von Erbschafts- und Vermögenssteuer, durch endlose Haftung der Steuerzahler und durch die 25% Zinsabschlagssteuer.
    5) Nun müssen alle noch Lohnabhängigen mehrfach an den Staat abführen, nämlich die Rendite der Staatsanleihen, die überhöhten Steuern und Sozialabgaben (von denen Beamte und Selbständige ausgenommen sind), die überhöhten Zinsen, die überhöhte Mehrwertsteuer, alles, um eine Klasse von Marktfreien zu erhalten, die die Lüge von der angeblichen Sozialen Marktwirtschaft verbreiten.
    6.) Die Finanzaufsicht ist übrigens bereits seit dem Jahre 2000 außer Kraft, als zwei der vom Don erwähnten Herren, nämlich Herbert Henzler und Roland Berger ihr Gutachten zur „Reform“ der Deutschen Bundesbank vorlegten.
    Fazit: Die Verstaatlichung ist wie die Gierige-Banker-Beschimpfung ein Scheinmanöver, um eine Strukturreform der Staatsfinanzen zu verhindern und die Privilegien der Marktfreien zu erhalten.

  36. Vroni, da würde einem noch so...
    Vroni, da würde einem noch so einiges einfallen: Mautgebühr. Und überhaupt: Wo bleibt jetzt die stärkere Kontrolle der Banken, die man forderte? Und wo ist die Presse, die der Politik da auf die Füsse tritt? Seit einem Monat gibt es eine Rally, die mit einer Lüge der Citibank begann, und seitdem starrt die medienlandschaft nur noch auf den DAX. Weil sie zu blöd ist, etewas anderes zu tun? Ich weiss es nicht. Aber in Bereichen wie Gewerbeimmobilien brennt es seit Monaten, es gibt in den USA eine Rekordarbeitslosigkeit, es passiert so viel, aber die Medien sind grossteils damit beschäftigt, auf Kurse zu starren oder über die Verstaatlichung der HRE zu bemäkeln. Ab und zu wird noch eine Studie nachgeplappert. Es ist unfassbar. Unfassbar mies.

  37. Devin08, mit dem Problem der...
    Devin08, mit dem Problem der Lissaboner Verträge muss man leider sagen, dass sich die Iren damit selbst das Grab geschaufelt haben. Erst profitieren und die anderen ausnehmen und dann nicht mal die Verträge unterzeichnen – da darf man sich nicht wundern, wenn sie Retter sich nicht drängeln. Portugal hat die Sache übrigens durchaus mit einem gewissen Augenmass betrieben.
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    wolfram, die HRE war ein Spiel wie Infineon bei Siemens. Aber das ist ein freies Land, wer sowas verkaufen kann, darf es verkaufen. Man sollte dabei aber auch die Rolle der bayerischen Staatsregierung nicht übersehen, die unbedingt so eine Bank in München haben wollte, wo sie ja auch viele Geschäfte gemacht hat. Ausserdem hatte auch die Landesbank mal Anteile an der HRE.

  38. @wolfram und Don: Da die HRE...
    @wolfram und Don: Da die HRE der größte Übernehmer von Kommunalanleihen ist, sind bereits im Oktober 2008 Edgar Meister, ehemals Vorsitzender der europäischen Bankenaufsicht und Direktor der Bundesbank sowie Siegmar Mosdorf, Ex-Staatssekretär im BMWi und Inhaber der Agentur, die die „Initiative Finanzstandort Deutschland“ betreut, in den Aufsichtsrat der HRE berufen worden, lange, bevor über den Staatseinstieg gesprochen wurde.
    Offensichtlich stand dieser schon lange fest. Die Bayerische Landesbank ist sowohl Mitglied der Initiative Finanzstandort wie der von dhaxel hier erwähnten“True Sales International“ des heutigen Staatssekretärs im BMFi Jörg Asmussen. Gegen dessen Berufung in den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom haben wir gerade einen Gegenantrag zur HV gestellt:
    http://www.telekom.de/gegenantraege
    Mit der HRE wird keine Bank gerettet, sondern das Ponzi-Scheme der deutschen Staats- und Kommunalanleihen.

  39. Zu all denen, die gestern noch...
    Zu all denen, die gestern noch vom Markt, der alles regelt uns dessen Freiheiten für das Unternehmertum geschwärmt haben: Die ein oder andere Liste der Apologeten gibt es bereits.
    Der Guardian hat kürzlich mal eine „wanted“-Liste aufgemacht in der die seiner Meinung nach führenden Schuldigen für’s Abbiegen auf die „road to Ruin“ versammelt sind. http://www.guardian.co.uk/business/2009/jan/26/road-ruin-recession-individuals-economy/print Vielleicht hat ja die ein oder andere Staatsanwaltschaft den Link aufbewahrt ;-).
    Interssant auch diese Liste, mit dem vesammelten volkwirtschaftlichen Sachverstand -wenn man dass so nennen will. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/hamburgerappell.htm Über niedriges Verkehrsaufkommen auf dem Holzweg kann man also nicht klagen.
    Vergleicht man diese Liste mit fogendem Ranking
    http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/100volkswirte.htm wird deutlich, dass hinter dem ganzen ein mächtiger Spin stand.
    Mehr dazu finde sich bei besagtem Dr. Wo unter dem Punkt Irrwege, falls das jemand nachlesen möchte.

  40. Nun ja, Rom, Mailand und...
    Nun ja, Rom, Mailand und Florenz in allen Ehren, aber der Aussage „Natürlich ist Deutschland nicht so schön wie Italien; in manchen Regionen ist es sogar richtig hässlich und heisst Berlin“ ist wohl nur bedingt zuzustimmen.
    Gewiss strahlen so manch italienische Dörfer ihren Charme aus – doch übersteigt die Anzahl italienischer Dörfer, die vom Krieg gezeichnet, verdreckt und schäbig daherkommen, die Anzahl der Bezirke Berlins, in denen man vielleicht eher nicht hausen möchte. Schließlich bietet unser wenn auch zuweilen biederes Land eine Fülle an wahren Perlen von schönen Orten – Ingolstadt miteingeschlossen.

  41. Oh verehrter Don...
    Oh verehrter Don Alfonso,
    Würde mich freuen, wenn Sie in einer Ihrer nächsten Stellungnahmen folgendes Jung-Männer- und Jung-Mädelelesproblem adressieren würden….. Justament kam ein alter Mann zu mir (seines Zeichens ein Vater) mit der Bitte, seinen jungen Sprössling darüber hinwegzutrösten, daß jener, welcher mit sämtlichen Einserdiplomen der wichtigsten alten und jungen Tempel der MBA-Master-Erbsenzähler- und Finanzmarketingtraderwelt ausgestattet sei, nun auf dem Rücksturz von seinen weltweiten Praktikantenreisen Harz IV anheimzufallen droht…. Hätt sich doch der gute Junge lieber für WasReeechts interessert, will sagen: dafür, sein karges Brot ehrlich im Schweiße seines jungen Angesichts verdienen zu wollen. Während nun sein alter Vater, ohne viel dazugerlernt zu haben (außer daß Tegernsee inzwischen out ist), sich auf sein redlich und verdient subventioniertes Altenteil in Singapur zurückziehen will, hat er ein ganz natürliches Interesse daran, daß seine Nachkommen ihre Roadster in Zukunft selber finanzieren. Da aber inzwischen auf einen arbeitenden alten Ingenieur in D nur 0,9 Personen als potenzieller Nachwuchs antreten wollen und die anderen lieber Lotto studieren, wird wohl nichts anderes übrig bleiben für den Nachwuchs der besseren Gesellschaft als von Vaters Gnaden zu vegetieren oder den Roadster zu verkaufen und das Geld in Schafsweiden auf Irland zu investieren. Das mit dem Schafskäs verdiente Einkommen kann dann auf der irischen Nationalbank gespart werden. Genug gespart könnte z.B. ein Kleinwagen aus zertifiziert orginal französischer Herstellung gekauft werden. Ab der übernächsten Generation wär die Welt dann wieder in Ordnung … Die Juncker aus Mecklenburg-Vorpommern lassen ihre Leibeigenen die Mittel erwirtschaften, die sie brauchen, um mit der Kutsche nach Italien zu reisen weil sie endlich mal wieder ein italienisches Restaurant besuchen möchten. Und irgendwann wird auch Tegernsee wieder modern. … So oder so ähnlich wird diese Zukunft auch in den romatischen Science Fiction aus deutscher TV-Hausmacherproduktion herbeigesehnt. … Phantastische Zukunft ? … Nein ! Teil eines Masterplanes ! Denn mit den Rettungspaketen ist der erste wichtige Schritt auf diesem Weg getan !

  42. In meinen Lehrjahren (in den...
    In meinen Lehrjahren (in den späten 80igern) hatte ich vom Hypothekenbanker stets das Bild des größten Langweilers (max. 80% BW + erster Rang + Zinssatz + Ratenplan = Auszahlung -> Tilgung verfolgen – seltenst zwangsversteigern). Die Bausparkassen waren dagegen schon wahre Hasardeure!
    Ende der 90iger kamen meine Wunderjahre – das Geschäft mit dem Pfandbrief wurde plötzlich irrsinnig „sophisticated“, da wurden alles mit „assets“ gebacked was nur irgendwie nach Geldfluss in der Zukunft roch. Dazu tolle credit default swaps (super! – die konnte man OTC durchhandeln und es blieb sogar was hängen für den eigenen Bonus!). Um das Angebot idiotensicher zu machen durften Ratings von am Kreditausfall unbeteiligten Dritten keinesfalls fehlen! Am Ende jeder Verbriefung eine Riesensause weil das ganze gebastelte Disclaimer-Konstrukt ja so irrsinnig komplex und somit auch sicher war. Pötzlich war Hypothekenbanking irgendwie sexy und alle feierten. Mich wunderte auch warum das in Irland alles so viel besser funktionierte. Wie man heute weiss lags am Regulierungsnebel der grünen Insel.
    Als die Amerkaner recht schnell spitz gekriegt hatten dass man dem Rest der Welt nach dieser Masche eine grandiose internationale Neuauflage der eigenen Savings + Loans Krise bescheren konnte (um Obdachlose z.B. aus Sacramento in schicke Vorortvillen einziehen zu lassen) fing die Marketing – Maschinerie so richtig an zu schnurren. Zu dumm dass auf dem Höhepunkt des US-Marketing-Events die Landesbanken sich gerade mit Milliarden vollgesogen hatten (weil deren Gewährträgerhaftung auslief) und nicht wirklich wussten wohin mit dem ganzen Geld. Da kamen 0,X% Renditepickup und „…so sicher wie der deutsche Pfandbrief“ doch sehr gelegen – man griff beherzt zu. Den Abgesang erleben wir gerade – die Gewährträgerhaftung ist zurück und zwar weltweit! Ab sofort wird Hypothekenbanking hoffentlich wieder so langweilig wie früher.
    PS: C. Blümchen ist nicht zu bedauern, dass er diesen großen angloamerikanischen Bluff nicht erkannte und so beherzt auf der falschen Seite des Atlantiks zugriff. Dass seine Aktien keinen Wert mehr haben sollte ihm auch klar sein – wenn nicht ists ihm eben durch eine feindliche Übernahme des Staates mit Squeezeout + WP Gutachten mit Wert 0,X% (klingt doch besser als staatliche Enteignung) klar zu machen!

  43. Sie haben den Braten gerochen...
    Sie haben den Braten gerochen – die Iren
    @Don Alphonso: Bezüglich der Lissabonner Verträge und der Abstimmung Irlands vertreten Sie voll den Standpunkt der FAZ (keine Dankbarkeit für die Millionen, die sie von der EG erhalten haben sollen!) –; Sie sollten noch mal drüber nachdenken.
    Und übersehen Sie bitte nicht, dass die Gewinner des Geschäfts in Irland vielleicht maximal 5 – 10 % derer ausmachen (doch wohl eher weniger), die dann an der Abstimmung teilnahmen.
    Und das waren wohl in der Hauptsache Verlierer. – Denn der Nettogewinn an diesem Boom hielt sich doch wohl im Rahmen, denn es konnten ja wohl nicht alle Spekulationsgewinne in lukrativen Gegenden (Dublin usw.) einheimsen. Für die Masse bedeutete das wohl vielleicht ein höheres Einkommen, aber noch höhere Mieten und erheblich höhere Preise. Sie zahlen heute in Irland mehr für ein Guinness als in Deutschland. Und die Lebensmittelpreise waren immer schon hoch. Was soll man diesen Leuten also vorwerfen? Dass sie sich nicht vor der Karren der falschen Leute haben spannen lassen? Sie haben den Braten gerochen, wenn auch nicht verstanden, aus welchen faulen Bestandteilen er bestand.
    Dafür gebührt den Iren meine ewige Anerkennung.

  44. Ich kenne den Standpunkt der...
    Ich kenne den Standpunkt der FAZ nicht, aber ich weiss, dass beim „Nein“ Kräfte mit dabei waren, die mir nicht gefallen haben. Ich finde es trotzdem gut, wenn man darüber abstimmen kann – aber wer sich so aufführt, wie die Iren das getan haben, und dann noch die Hand beisst, die sie füttert, darf sich nicht wundern, wenn man nun nicht mehr begeistert ist, wenn die geplatzten Sondertouren dieser und anderer Inseln – UK – jetzt nicht zu Mitleid führen. Ich gebe gern zu, dass hier auch meine Voreingenommenheit durch die New Economy mit reonspielt, wo Irland auch so ein Vorreiter der Extraschmaldenkklasse war.

  45. Driver, aufgrund einer...
    Driver, aufgrund einer Neuanschaffung sieht es nicht so aus, als wäre bei mir genug wertloses Papiergeld übrig, und die Restbestände aus der Kaiserzeit, die hier noch rumliegen, sind mir Mahnung genug. Geld ist mir reichlich egal, ich bin ein Freun echten Besitzes. Was ich allerdings kaufe, kann man auch bewegen, und vielleicht besser als einen Ballon.
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    Prinzipiell war es früher so, dass Bank fast so eine Art Beamtenjob war. Wir haben ja Bankleiter in der Familie: Das sind immer die allerordentlichsten und allerkorrektesten und allersolidesten gewesen: Frau, 2 Kinder, E-Klasse, Türmchenhaus des Historismus, nie ohne Anzug, nie einen Geburtstag vergessen. Und die Kinder anderer Bankleiter waren allesamt kreuzbrav und noch ehetauglicher als Apothekertöchter.
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    alexisschweitzer, das Problem der freien Möglichkeiten des Managements und deren Gewinnstreben liegt nun mal in den veränderten Leitbildern der Nation, oder auch der PR, der Medien gerne aufsitzen. Bei den Kollegen von der FTD, die Bildstrecken mit den schönsten Steuerparadiesen bringen, kann man immer Mitleid bekommen, solange man nicht wirklich im Gefängnis landet. Und bei Wirtschaftsseiten wird dergleichen gerne und dauernd nachgeplappert. Welchen grossen Wirtschaftsskandal hat eigentlich welches Medium in den letzten Jahren selbstständig aufgedeckt? Und selbst diese fundamentale Krise hat nichts am Zusammenspiel zwischen Presse und Firmen am Buffet geändert.

  46. dhaxel, ehrlichkeitshalber...
    dhaxel, ehrlichkeitshalber muss man bei dem Staat auch sagen, dass kein daran beteiligter Bürger auf die Barrikaden ging, als die Landesbanken zuerst mal Gewinne einfuhren. Das st das eine. Das andere aber ist die Frage, ob man die auch betroffenen Privatinstitute unterstützen soll. Halte ich für eine schlechte Idee. Deutschland hat zu viele Banken und Bankster. Es gibt keinen Grund, diesen Sektor anders zu behandeln als die deutsche Radio- oder Textilindustrie.
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    FILip, danke für das anschauliche Stimmungsbild.

  47. Hellroos, das Problem mit der...
    Hellroos, das Problem mit der Zivilisation ist, dass sie, sobald sie abgeschliffen ist, die Menschen ausser Kraft setzt, gegen das vorzugehen, was das ursächliche Problem ist. Angezündete Banken helfen da auch nicht weiter, Was wirklich fein wäre, wäre eine Meinungsbildung, gegen die man politisch naturgemäss schwer ankommt. Und dass es getht, sieht man ja bei Themen wie Tierpatenten und Gentechnik. Dass es die nötige Öffentlichkeit dafür nicht gibt: Nicht meine Schuld. Ich bemühe mich rege. Die Frage ist, warum das 100.000 andere Blogger nicht tun.
    .
    Quallenregen, darf ich dem entnehmen, dass eine Trennung von den Stützen der Gesellschaft und ihren Reisen angeraten scheint? Was macht man dann, wenn ich in Urlaub bin?

  48. (Und wenn ich über...
    (Und wenn ich über Wirtschaftspresse abfällig schreibe, möchte ich dpch solche Beiträge
    .
    http://www.faz.net/s/RubFDD3C7AC2DA84A62B07572E50A34044D/Doc~EF539A62EE909420DA3A8F477EB59FDA1~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
    .
    ausgenommen wissen)

  49. @Don Alphonso, hier ein paar...
    @Don Alphonso, hier ein paar Beiträge von mir zum Thema „Irland und die Abstimmung“. – Vorurteile sind kein Argument, Nichtwissen auch nicht!
    Im Übrigen – die Iren sind für mich sowas wie die Bayern: hoher Bierkonsum, streng katholisch, eigentlich unpolitisch, aber nicht wirklich blöde. Man lese nur Oskar Maria Graf bzw. James Joyce, anarchistisch halt.
    Glaubwürdigkeit und Propaganda
    Man könnte fast glauben, dass die Iren bestochen werden sollten: Mit 55 Milliarden Euro. Ich habe es nie ganz verstanden – dieses Wunder. Und nun kommt dieser irische Querkopf und lässt ganz Europa zittern! Welch eine Anmaßung? – Ein Prozent der Bevölkerung und knapp ein Prozent des Bruttosozialprodukts! Ich dachte es wäre umgekehrt! – Doch alles nur Propaganda, für den Tag X präpariert? Und wenn die andere Zahl stimmt, die ich so gehört habe, nämlich dass von diesem Boom in Wahrheit nur 10 -15 % der Bevölkerung was gehabt hätten – netto und real besehen (wäre ja nichts neues) -, lauern da 85 % auf ihre Chance, oder auf den Tag der Abrechnung. Denn die haben alles verloren: ein schönes Land, noch bezahlbare Mieten und noch erschwingliche Nahrungsmittel – für ein Großteil – , und zu dem Preis, dass immer ein paar hunderttausend die Insel verlassen mussten, bevor sie verhungerten. Und sie wurden aufgenommen. Jetzt glaubt ihnen das keiner mehr, denn sie sind ja soo reich! Also haben sie vor allem ihre Glaubwürdigkeit verloren, und damit womöglich das den Iren Wichtigste. Die zurück zu gewinnen, das könnte eine Niederlage der EU wert sein, den Iren.
    Zum Beitrag: Die EU bangt: Jetzt entscheiden die Iren (Nicht aus Dankbarkeit)
    Mit der „Löschtruppe“ nach Brüssel vielleicht?
    Herr Gauweiler hat ja auch schon eine Klage gegen die ursprüngliche Verfassung eingereicht, u.a. – ich hab’s gelesen, und meinen Augen kaum getraut – wegen des darin enthaltenen Versuchs, im Kriegsfall die Todesstrafe, damit auch für Deutschland, wieder einzuführen. Dass sich ausgerechnet der CSUler Gauweiler d a g e g e n stemmt, stimmt mich natürlich nachdenklich, nichtsdestotrotz, hat er Recht! Im Moment fürchtet man, dass die nächsten Wahlen zur EU 2009 ein einziges Desaster werden. Es wird angenommen, dass des Volkes Stimmen unter 20 % bleiben. Das wäre als ein misslungener Versuch zu werten, den frechen Anschlag auf eine Reihe von europäischen demokratischen Verfassungen auch noch durch die Zustimmung des Volkes zu legitimieren. Wenn dies auch nicht als eine uns solchermaßen bekannte (nämlich moderne politische) Diktatur gelten sollte, ist doch eine Bürokratenherrschaft auch eine solche, vielleicht sogar eine klassischere als bisher ins Bewusstsein getreten wäre. So benutzte der reiche Römer Crassus bekanntlich seine 500 Mann starke „Feuerwehr“ (Löschtruppe) um damit nicht nur reicher zu werden, sondern gar Alleinherrscher von Rom. Also lassen wir uns nichts erzählen, von Leuten die vorgeben, doch nur Europa zu dienen.
    Zum Beitrag: Die EU bangt: Jetzt entscheiden die Iren (Nicht aus Dankbarkeit)
    Tiger im „tank“
    Ich denke, es ist kein halbes Jahr her, wo im Fernsehen noch euphorisch über den irischen Tiger berichtet wurde. Ich ahnte es schon, das dicke Ende kommt, denn dass das nur Blasenwirtschaft gewesen sein konnte, muss man einem halbwegs gebildeten Halbwüchsigen schon nicht mehr erklären. Wenn ich das richtig interpretiere, läuft das direkt auf einen Staatsnotstand zu. Das wäre die erste ernstzunehmende politische Krise innerhalb der EU (wenn man von der nicht mehr abreißen wollenden Randale in Griechenland mal absehen will), die mehr als nur den Sturz der Regierung vorsähe. Und „dass die Armee „notfalls ihre Pflicht tun müsse, das klingt böse, sehr böse, denn offensichtlich meutert diese Armee (wie die Polizei) schon. So entwickeln sich Aufstände, Revolutionen, Bürgerkriege. Und das ist es, worum es in dieser Krise doch geht. Und diesmal kommt der Aufstand von den Rändern her, den Ländern, denen man in den letzten Jahren viel zugemutet hat, an Ideologie, und wie sich jetzt zeigt, vor allem an reichlich „bad Banks“. Der irische Tiger steckt dann wohl bald wieder im Tank – im „tank“.
    Zum Beitrag: Denn sie wissen nicht, was tun

  50. @ Devin08: Nicht wirklich?...
    @ Devin08: Nicht wirklich?

  51. Don Alphonso - die genannten...
    Don Alphonso – die genannten Artikel der FAZ sind tatsächlich wunderbar (Bernie C, Nick und Co.). Das Lesen der Artikel ist lehrreicher als die vergeudeten Semester Geldtheorie, um am Ende doch nur zu verstehen, daß das ganze Wirken des Geldsystems nicht zu verstehen sondern -nach Bekenntnis zu einer bestimmten Denkschule- einfach nur „zu glauben“ ist.
    Für ihr anschauliches Anschreiben gegen das wirtschaftsjournalistische Einheitsgesabbel sei hier aber auch die Kolumne „Das Kapital“ eines FAZ-Konkurrenzblattes erwähnt.

  52. Johann, Sie haben vollkommen...
    Johann, Sie haben vollkommen recht!
    Alle die hier nach Revolution und brennenden Mülltonen rufen; wissen Sie was Sie da wollen oder rufen Sie nur weil es halt gerade schick ist? Wollen Sie hier eine Revolution haben? Brennende Mülltonen, brennende Autos, brennende Häuser? Wer sagt Ihnen das es hinterher besser ist? Ach ja wo soll den die Revolution überhaupt hinführen? Wenn überhaupt machen Sie da ja nur vage Andeutungen.
    Ein kleinen Vorgeschmack auf das von Ihnen Herbeigesehnte finden Sie am 1. Mai in Berlin. Was da veranstaltet wird ist zwar bei weitem keine Revolution, aber Mülltonen werden auf jeden Fall brennen. Dort sehen Sie dann wie diese Revolution aussehen könnte, sie wäre nur größer, unkontrollierbarer und verheerender.

  53. Nein ,nein..lieber...
    Nein ,nein..lieber Don…machen sie ruhig weiter und lassen Sie sich nicht dadurch stören das mir Reiseberichte nicht unbedingt Zusagen.
    Nach meinen Erlebnissen in Bibliotheken und Buchläden bin ich von Reiselektüre geheilt…..
    Wenn dem Volke denn 4-5 Meter Reiselektüre angeboten werden und Philosophen,Ökonomen usw sich mit 0,5 Metern und nur halbvoll begnügen müssen,muss man sich nicht wundern wo es hingeht…
    Von daher bleiben Sie ein Lichtblick der blogenden Zunft und ich lese es lieber selten als garnicht ;-)
    Da übersehe ich getrost die Reiseberichte und erfreue mich der Spitzen Feder bei Gelegenheit.

  54. Sehr geehrter Devin08,

    ich...
    Sehr geehrter Devin08,
    ich erfreu mich an ihren Kommentaren,ihren Analysen und ihrem Glauben an eine besser Welt.Manchmal beschleicht mich aber der Eindruck das Lesen aber auch in die Irre führen kann,zumindest wenn ich an dem von Ihnen angedachten Ende ankomme.
    Am Ende prallen bei Ihnen Theorie und Wirklichkeit aufeinander,und emittieren ein Schwarzen Loch,wie auch immer das gehen soll :-)
    Gegen bessere Gesellschaftstheorien als Kapitalismus,Demokratie,freie Marktwirschaft,Sozialsysteme, spricht der heutige Mensch , der ist für Gesellschaftsformen jenseits des Eigennutzes vollkommen ungeeignet.
    Soll heißen..in jeglicher Gesellschaftsform werden irgendwelche Eliten versuchen das Ruder an sich zu reißen um sich etwas zu gönnen…..und wir haben das gleiche Spiel nur in einer anderen Umgebung.(Dazu habe ich nicht unbedingt Lust 9 Jahre auf ein Auto warten zu müssen)
    An der Natur des Menschen wird jegliches Gesellschaftsystem scheitern,das auf Gleichheit,Brüderlichkeit,Gerechtigkeit usw aufgebaut ist.
    Ob der Mensch dereinst eine Stufe erreicht in dem dies nichtmehr der Fall ist..da habe ich meine Zweifel aufgrund angeborener Instinkte.
    Mir fehlt bei aller guter Theorie ein aus heutiger Sicht real machbarer Weg, sozusagen eine gerechtere Weiterentwicklung unserer Gesellschaft auf jetzigen Grundlagen.
    Wenn die USA bei sich Sozialsysteme einführen würden,wäre das ein großer Schritt für die Menschen dort und eine Weiterentwicklung ihres bestehenden Systems,die Frage ist..wenn man diese Sozialsysteme schon hat…wie kann man das bestehende Gesellschaftsmodell gerecht weiterentwickeln…für alle…Arme sowie Leistungsträger.(Ohne das schnöder Mammon von a-b und wieder zurück transferiert werden muss, mit dem man die Menschen gegeneinander ausspielt)
    Wenn sie mir da einen Happen anbieten,beiße ich gern hinein……

  55. Qaullenregen, ich habe mir ja...
    Qaullenregen, ich habe mir ja alle Mühe gegeben, es nebenbei auch zu einer Reise in jenes ökononmische Herz der unaufgeklärten Finsternis werden zu lassen, um dem reinen Cicerone zu entgehen. Gewissermasse eine neue Verpackung für alte Dolche. Das heisst wohl, dass ich mir etwas Mühe werde geben müssen,

  56. Köstlich, ich war zu lange...
    Köstlich, ich war zu lange dabei, um mir noch grosse Illusionen zu machen: Ein guter Journalist kostet eben nicht mehr als ein gutes Mittagessen. Und: es gibt gute Journalisten, und reiche Journalisten. Beides sind sie nur, wenn sie es schon vorher waren.

  57. Christoph, es könnte...
    Christoph, es könnte natürlich auch so sein, dass die Politik sich schleunigst was einfallen lässt, um die Wut zu begrenzen. Es sind diesmal ja nicht Autonome, die den Zorn fühlen, sondern jeder, der sich betrogen fühlt. Also fast alle.

  58. Don Alphonoso,
    die Politik...

    Don Alphonoso,
    die Politik hat sich doch schon etwas einfallen lassen, nämlich die Abwrackprämie. Jetzt können sich die bisher Frustrierten erstmal über ihr neues Auto freuen und wenn die Freude sich dann legt ist Wahlkampf und der Stammtisch diskutiert über die Parteien, mögliche Koalitionen. und wer es jetzt dann besser machen wird.
    Es ist völlig egal wer Steine in Fenster wirft oder Mülltonnen anzündet. Ob das ein Autonomer macht, der frustrierte Nachbar oder sonst Irgendwer brennen wird die Sache genau gleich. Das Feuer wird nicht schöner nur weil es aus hehren Motiven entfacht wurde.

  59. Über die Abwrackprämie...
    Über die Abwrackprämie müsste man auch mal was schreiben – fällt eigentlich keinem auf, dass die Leute nach 9 Jahren immer noch auf den gleichen Kleinwagenmüll umsteigen, statt in der Lage zu sein, sich endlich mal das zu kaufen, was unter unseren Eltern als „ordentliches Auto“ galt?

  60. Oh doch,lieber Don...

    das mit...
    Oh doch,lieber Don…
    das mit der Abwrackprämie und dem Kleinwagenmüll fällt schon auf..hat aber einen ganz einfachen Grund….Jemand der sich ohne Abwrackprämie kein gescheites Auto kaufen konnte,kann es auch mit der Prämie nicht.
    Ob nun 30000-40000 Euronen abzüglich Prämie finanzierbar sind oder jemand den kleinen für 10000 kauft abzüglich 2500….in Prozent ist die Dimension da klar.
    Das sich der Durchschnittsbürger nicht mehr leisten kann liegt ja auch an der Einsicht der Gewerkschaftsfunktionäre den Unternehmen die Hand zu reichen oder sich bezahlen zu lassen um bei Lohnforderungen wenn überhaupt einen Inflationsausgleich zu fordern.
    Hier darf man gerne die Unternehmer mit ins Boot nehmen…wer den Menschen, die bestimmte Lebensumstände haben, nicht genug Lohn zahlt,hat halt dort einen schrumpfenden Markt.
    Was haben uns denn die weniger steigenden Löhne gebracht?..schrumpfende Märkte für deutsche Unternehmen..nichtmehr Klasse wird gekauft..sondern beim China Textildiscounter nebenan…
    Also wundern muss man sich da nicht und die Unternehmer ,die ihren eigenen Binnenmarkt vergessen haben, sollten sich mal daran erinnern statt immer zu jammern…
    Wer hat den den Standort schlechtgeredet und gejammert das Gott erbarmt?
    Das man nun genau solche Unternehmen mit irgendwelchen Prämien die die Leute zum Kauf einsetzen sollen stützt, ist in sich ein Witz und die Herrschaften sollten dran denken bevor sie noch ein böses Wort über Deutschland rauslassen, und bei der nächsten Lohnrunde mal ihre Spendierhosen anziehen.
    Das haben die Bürger in diesem Lande mehr als verdient.
    Die Aktionäre dürfen da gern eine Weile mit etwas weniger Profit auskommen,immer noch besser als nichts.
    (Immerhin wurde hier auch noch kein Manager in Gewahrsam genommen von Angestellten)
    Aber Hirn ist selten und wundert bei den ganzen Wirtschaftsexperten kein Meter.

  61. Im übrigen lieber Don,

    ich...
    Im übrigen lieber Don,
    ich habe die Dolche schon sausen sehen,aber in Bezug auf alte Dynastien und in der geschichtlichen Umgebung ,in der dies dargestellt wurde.. fehlte mir einfach das Herzblut um da mit Freude einzusteigen…..
    Für mich hatte das ganze eher etwas Bedrückendes..mit den Bildern und den Geschichten,ein schreckliches Zeitalter…und nein..über Kunstgeschmack und Kunstempfinden kann man nicht streiten….da ist jeder sein eigener Herr.
    Von daher lasse ich das als Reise und Geschichtsbericht der Region langsam versickern,….ich kann einfach nicht anders,andere widerum können davon nicht genug bekommen.

  62. Wir hatten auf der Rückfahrt...
    Wir hatten auf der Rückfahrt ja noch eine weitere Idee: Wir rasen von Frankfurt an die Cote in einem zu testenden, 150.000 Euro teuren Aston Martin Volante, und zwar über Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und dann Monte Carlo, und versuchen, dort 100.000 Euro zu verzocken. Solange sitzt Herr Strobl an einem Terminal in Frankfurt mit 250.000 Euro und muss versuchen, davon ebenfalls 100.000 Euro zu verzocken. Wer als erster durch ist, hat gewonnen. Gleichzeitig erklärt Herr Strobl seine Anlagestrategie, und wir schreiben über die Schönheit der Strecke. All das in Echtzeit. Wäre das eine Idee?

  63. Ich denke das mit dem...
    Ich denke das mit dem Verzocken könnt ihr locker zeitgleich hinbekommen…Ihr setzt alles auf rot, solange bis wech is…und der gute Strobl verspekuliert sich bei einem Termingeschäft mit madigen Rinderhälften aus Argentinien.
    Das in einem Reisebericht verpackt, sowie durch eine dubiose Anlagestrategie zur Gewinnscheffelung mit Argentinischen Rindviechern untermalt und voila..seit ihr euren Job bei der faz los :-P oder man bringt euch an einen sicheren Ort :-)

  64. Ich dachte da ja an Sponsoring...
    Ich dachte da ja an Sponsoring durch eine Schweizer Privatbank für uns und durch den Insoverwalter von Lehman für Herrn Strobl.

  65. Das Brett vorm...
    Das Brett vorm Kopf
    @Quallenregen: Ich freue mich, wenn Ihnen meine Beiträge gefallen, obwohl ich beinahe befürchte, dass Sie sie nicht wirklich verstehen.
    Das „schwarze Loch“ ist, soweit es überhaupt existiert (es spricht einiges dafür, zum Beispiel durch die Annahme so mancher Physiker, dass es sowas wie „instantane Verschränkungen“ auch und gerade in der biologischen Welt gäbe, somit die Zeit dort nicht, nicht mal Lichtgeschwindigkeit), eine physikalische Angelegenheit. In der sozialen Welt, resp. in der ökonomischen, gibt es wohl nur von Menschen gemachte „schwarze Löcher“ – wir erleben das ja gerade. Aber dies eben nur, solange die Klassengesellschaft existiert, und damit antagonistische Widersprüche als die Form von Dialektik, die in aller Regel die Logik auszusetzen hilft.
    So ein Fall für fehlende Logik, ist Ihr Glaube/Unglaube an „Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit“, denn in der Tat, das wäre so ein Beispiel für ein „schwarzes Loch“, oder anders ausgedrückt: für einen riesengroßen blinden Fleck in Ihrer Optik.
    Die Menschen handeln niemals aus Gleichheits -, Brüderlichkeits-, oder gar Gerechtigkeitsgründen, das sind die Märchen/Antimärchen der bürgerlichen Klassengesellschaft, der Klassengesellschaft überhaupt. Es gibt nur die Gleichheit unter Gleichen, die Gleichheit von Kapital, dem Grunde nach, und die Ungleichheit für den Rest der Bevölkerung, nämlich für die Arbeit. Aus dem Bestreben, sich diese Ungleichheit vom Hals zu schaffen, darf man nicht schlussfolgern, das Motiv wäre edel („brüderlich“), es ist völlig unethisch zu verstehen. Solidarität ist eine Notwendigkeit, kein Luxus, kein Überschuss, kein kultureller Event. Daraus ergibt sich natürlich das Problem, dass neue Eliten neue „Ungleichheiten“/alte Ungleichheiten zu restaurieren suchen. Sie haben da keine Skrupel. Woher auch? Das gehört dazu, zu diesem Kampf. Daher ist der Klassenkampf ein höchst unangenehmer, denn nicht enden wollen scheinender. Aber das scheint nur uns so. Spätere Gesellschaften werden das dann, quasi retrospektiv, ganz anders betrachten und sich über unsere Vorbehalte, Ängste und Verhinderungsstrategien totlachen. So wie wir uns heute über die animistischen Geister der Vorgeschichte amüsieren.
    Und eine solche Verhinderungsstrategie ist das Märchen von dem – von Natur aus – bösen Menschen, dem „Leviathan“ (Hobbes) in uns. Seit der Vertreibung aus dem Paradies glauben die Menschen das, eben weil sie absolut keine Vorstellung davon haben, warum sie dieses Paradies verlassen haben. Sie können nur vertrieben worden sein. Dass sie dieses Paradies selbst geschaffen (naja, von der Natur übernommen!) haben und dann selbst zerstört haben, in einen Müllhaufen vielleicht verwandelt haben, kann ihnen solange nicht in den Sinn kommen, solange ihnen die Folgen ihres Handels nicht klar sind. Die sind uns heute noch nicht klar. Der Mensch ist nicht böse, er ist nur einfach noch zu dumm, zu ungebildet, um zu begreifen, dass nichts in der Natur von Natur aus böse oder gut ist. Von Natur aus ist alles gleich gut wie gleich schlecht – unethisch eben.
    Der gesellschaftliche Mensch hat Wertungen eingeführt, die er selbst gar nicht versteht, so wenige wie die „Werte“ mit denen er sich da gerade umgibt. Er denkt, es sind Werte, weil ein Mensch da Arbeit reingesteckt hat. Fallen die Werte, dann fallen auch die Wertungen, und alles scheint plötzlich ganz einfach gewesen.
    Solange bleibt uns das Brett vorm Kopf.

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