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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Mille Miglia II – Familiengier zwischen Brescia und Verona

| 38 Lesermeinungen

Bei der Mille Miglia feiert man die automobilen Kreationen von hart arbeitenden Irren, die für ihre Firmen gelebt haben: Porsche, Ferrari, die Maserati-Brüder und die Bentley Boys. Was man kaum je feiern wird, ist das peinliche Betragen späterer Generationen, die zwar nicht mehr unverantwortlich rasen, aber sich ansonsten benehmen, als könnte ausserhalb ihrer Besitztümer demnächst die Sintflut kommen, solange der Staat nur die finanziellen Rettungsboote stellt. Dunkel ist die Nacht über Verona, wenn dort die Boliden donnern, aber nichts ist so finster wie die Spektakel, mit denen Industriellenfamilien gerade ihren Ruf ruinieren.

Anstelle einer neuen Wohnung haben wir uns einen neuen Ferrari mit einem grösseren Kofferraum besorgt.
Ingrid Bergman

Wenn die letzten Automobile in Brescia über die Rampe für die kommenden 1600 Kilometer durch Italien rollen, ist es bereits Nacht über der Stadt. Frühe Startnummern erreichen den Gardasee vielleicht noch in der Dämmerung, aber die meisten Teilnehmer sehen von der herrlichen Landschaft sehr wenig; nur die Strasse und hektisch winkende Polizisten. In den Dörfern und Städtchen ist noch Hochbetrieb, Zigtausende säumen den Streckenrand, und machen die Fahrt durch die vielen Kreisel zu einem riskanten und höllisch lauten Spektakel. Wegelagerei mit der Digitalkamera, familiär organisierte Strassensperren, damit Oma auch etwas zu sehen hat.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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Aber das Geschrei italienischer Sippen alles ist nichts verglichen mit jenem Spektakel, das im Moment von anderen Familien gegeben wird, namentlich von diversen Besitzerfamilien deutscher Konzerne. Schäffler mit ihrer katastrophal gescheiterten Conti-Übernahme, der in sich zerstrittene Porsche-Piëch-Clan, der sich beim Kauf von VW an den Rand des Abgrunds manövriert hat, die Agnellis, die mit Fiat für die Rettung von Opel und Chrysler an das grosse Geld der Staatssubventionen wollen, die Familie Klatten und die Absatzkrise bei BMW – sie alle, man verzeihe mir die harschen Worte angesichts der schönsten Produkte aus ihren Häusern, sie alle bieten ein wahrhaft erbärmliches Bild, das nicht gerade zum Ansehen der Industriellendynastien beiträgt.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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Denn sie sind nicht gerade das, was man als „arm“ bezeichnen könnte. Das Familienvermögen ist durchaus ansehnlich, die ein oder andere Milliarde aus all den Jahrzehnten der Familientätigkeit hat ihren Weg aus den Firmen in die Hände ihrer Besitzer gefunden, und wurde dort anschliessend im Clan und zwischen Erben verteilt. Diese Aufteilung des Besitzes, die uns den Aufstieg der „Family Offices“ gebracht hat, jener Geldverwalter, die die Profite aus dem durch Erbgänge verstreuten Besitz jenen zukommen lassen, die inzwischen nur noch wenig mit echter Firmenarbeit zu tun haben, diese Aufteilung ist ein formidables Mittel, um das Geld in der Familie zu halten und nicht in Notzeiten in die Firma fliessen zu lassen. Denn wer sich über Jahre an Überweisungen und deren angenehme Folgen gewöhnt hat, sieht nicht immer ein, dass er auch mal etwas zahlen muss, unter beträchtlicher Reduzierung des Lebensstandards und gar unter Aufgabe einer Fünftimmobilie, wenn es ganz schlimm kommen mag.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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In solchen Strukturen ist dann immer der ein oder andere Vetter, dem das gerade gar nicht passt, wenn die Familie nun für den Konzern einspringen würde. Dann wird eben über den Verkauf nachgedacht, und nur noch über den Preis geschachert. Da wird der Anwalt beauftragt, im Insolvenzfall Durchgriffsmöglichkeiten zu beschneiden, da zählt längst nicht mehr die Marke oder der Mitarbeiter, sondern nur noch die Verbringung der Schafe ins Trockene. Es ist schwer, solchen Familien so etwas wie Respekt entgegen zu bringen, die auf den Schnellstrassen des Kapitalismus alles beiseite drängeln, was ihrer freien Bahn schadet. Es ist auch nicht wirklich nett, lieber Kernindustrien des Landes an ausländische Investoren mit ruppigen Gewinnmaximierungsstrategien zu verkaufen und unangenehme Spekulanten mit an Bord zu nehmen, die rücksichtsloser als jeder Rennfahrer der echten Mille Miglia durch jene Strukturen pflügen, denen man immerhin einen funktionierenden Staat verdankt, in dem man sich sicher fühlen kann, selbst wenn man eine Weile seine weitläufigen Domänen rund um Salzburg, in Zell am See oder in Oberitalien verlassen muss.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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Selbst der viel gescholtene Aktionär oder gar der Hedge Fonds ist da mitunter verantwortungsvoller, muss auch verantwortungsvoller sein, steht doch das Geld direkt auf dem Spiel, wenn die Beteiligung aus der Kurve fliegt. Ist ein Auto kaputt, muss man die Reparatur zahlen. Entwickelt sich ein Immobilieninvestment nicht nach Plan, hat man unerfreuliche Nachschusspflichten. Durch Family Offices entkoppelte Erben dagegen haben viel Nutzen, aber wenig Verantwortung. Es ist in einer sozialen Marktwirtschaft eben anders als auf der Piazza delle Erbe in Verona Nachts um 12, wo man schon mal Gas geben kann, weil inzwischen die meisten Schlachtenbummler im Bett oder schon weiter auf dem Weg nach Ferrara sind, man sollte ab und an auch Rücksicht nehmen, damit der gute Ruf erhalten bleibt, den sich derartige Familien nach 1945 – sei es nun gerecht oder auch nicht – erarbeitet haben.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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Enzo Ferrari soll zwar menschlich ein Scheusal gewesen sein, brutal, herzlos und gnadenlos, autoritär und fanatisch. Aber er riskierte als Rennfahrer selbst sein Leben und ging in seiner Firma auf, deren Boliden hier die Dunkelheit mit ihren Scheinwerfern durchschneiden. Reiche Erben jedoch, die am Tropf einer Firma hängen, in der sie allenfalls Frühstücksjobs haben oder ein wenig PR machen lassen, sind aus einem anderen Holz geschnitzt, und angesichts der Anspruchshaltung gegenüber Staat und Gesellschaft, die nun in der Krise zum Schutz des eigenen Besitzes an den Tag gelegt wird, stellt sich durchaus auch für mich die Frage, ob denn die vielgescholtene und angeblich leistungsfeindliche Vermögenssteuer angesichts solcher Leistungseliten wirklich so eine schlechte Idee war. Möglicherweise würde etwas mehr Beitrag zum Staatswesen auch dafür sorgen, dass unter den Sammlern die exorbitanten Preise für die historischen Schöpfungen aus Maranello und Modena etwas fielen, und das wiederum könnte all jenen gefallen, die auch gerne mal in so einem Wagen durch das nächtliche Oberitalien fahren würden.

Bild zu: Mille Miglia II - Familiengier zwischen Brescia und Verona

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Die wären dann vielleicht auch weniger prominent, was so einer Veranstaltung immer gut tut, nachdem man sich hier dankenswerterweise inzwischen auch dazu durchgerungen hat, nicht mehr allen Sponsoren jeden Kaufpromi mit TV-Visage einfach so durchgehen zu lassen, wenn es weiter durch Umbrien nach Rom geht.

Bonusmaterial (irgendwohin müssen meine 1500 Bilder ja gehen):

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38 Lesermeinungen

  1. Werter Vetter, es ist Ihnen...
    Werter Vetter, es ist Ihnen kaum zu widersprechen.
    Allerdings ist wohl Enzo Ferrari auch nicht unbedingt als Gegenbeispiel geeignet.
    Denn auch der gute ´Commendatore hat schließlich 1969 seine Finanzprobleme nur mit Fiat und damit mittelfristig mit der cassa integrazione lösen können.
    Die wirklichen verantwortungsbewussten Eigentümer-Unternehmer stehen eben gerade sehr selten in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen bzw sind kaum in den Fernsehnachrichten zu sehen. Aber es gibt sie noch !!
    OT: Sehr schöne Fotos! Gerne hätte ich eines vom Sunbeam in den Hügel zwischen Radicofani und Pienza gesehen !!!

  2. Ich würde Ihnen gern die Hand...
    Ich würde Ihnen gern die Hand drücken, für diese wunderschönen Formulierungen und Ihrem klaren Blick für die Nichtsnutze . Schade, daß es diese eitle Reihe der Hähne, die ihre bunten Schwanzfedern durch „arbeitende Massen“ aufgesteckt bekommen haben, nicht erreichen wird. Wie Sie schon andeuteten , man müßte diesen Nichtsnutzen und Nehmern jahrelanger“windfall profits“ mal kräftig den Steuerknebel ansetzen.

  3. Lieber Herr Alphons,
    auch...

    Lieber Herr Alphons,
    auch heute wieder wunderbare Bilder!
    Allerdings: Hat es eine besondere Bewandtnis, daß Sie alleine drei Aufnahmen des Porsche 550 Spider eingestellt haben?
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
    Andererseits: Ferdinand Piech hat doch mit diesem Porsche nichts zu tun gehabt, allerdings trifft Ihr Text ja auf ihn eigentlich gar nicht zu.
    Neidische Grüße, hs.

  4. Schöne Fotos und eine...
    Schöne Fotos und eine gepfefferte Rede!
    Tja wer gewinne privatisiert muss auch Schulden privat begleichen!! Das sehe ich genauso

  5. Ah. Mehr Bilder. Nun, da kann...
    Ah. Mehr Bilder. Nun, da kann ich dienen. Irgendwelche Wünsche? Klickstrecken? Formate? Bildschirmhintergründe?

  6. den sunbeam wollen wir....
    den sunbeam wollen wir.

  7. Also wenn ich die Wahl hätte...
    Also wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Charakterschwein, das alles für seine Firma gibt oder einem üblen kapitalistischen Geld-in-Sicherheit-Bringer, der sich nachher rührend um die Familie kümmert, wüsste ich nicht unbedingt, wen ich bevorzugen würde …

  8. betr. Begrenzung der Schere...
    betr. Begrenzung der Schere durch Steuern: Adolf Wagner, seineszeichens (ein)Vater des Deutschen Öffentlichen Rechts, forderte das schon im 19. Jahrhundert, da, seiner Meinung nach, ein zu grosser Unterschied zwischen reich und arm die Gesellschaft sprengte (ojeh konjunktiv von sprengen). Ausserdem ist der Vorteil von Steuern, dass sie die Vertragsautonomie bestehen lassen: man kann Gehälter und Vergütungen vereinbaren, wie man möchte. Und das man nicht schaffe wenn man dann Steuern zahlen müsse (Leistungsfeindschaft der Einkommens- oder Erbschaftsbesteuerung) glauben ja wohl jene, die es behaupten selber nicht. Oder warum gäbe es sonst Leute, die etwas anderem als 400 euro Jobs nachgehen?
    .
    Es wird wohl auch so oder so zu dem einen oder anderen schönen Auto reichen – und vielleicht kann man es ja auch irgendwie als Betriebsausgabe oder Sonderbelastung gelten lassen. Denn was gerne verschwiegen wird ist, dass in D’land recht grosszügig von der Steuer abgesetzt werden kann, wenn es auch in den letzten 20 Jahren etwas enger geworden ist.

  9. abf, jaja, sobald ich ihn...
    abf, jaja, sobald ich ihn habe, ab nach Italien. An das Meer.
    .
    egghat, es ist ja nicht so, dass besagte Familinverbände nun bei wenig erfreulichen Supermärkten einkaufen müssten. Es geht einfach um das altbekannte Thema der unternehmerischen Verantwortung, wenn man sich verzockt hat.
    .

  10. Da fährt einer zur MM, um...
    Da fährt einer zur MM, um dann so einen text zu produzieren. Was ist denn los, lieber Don Alphonso, schmerzt es Sie doch mit der Barchetta und nicht mit dem Sunbeam unterwegs zu sein? Für Schäffler und Poorsche gilt der alte Satz „Der Krug geht solange zum brunnen bis er bricht“. Oder eher „Übermut tut selten gut“? Was immer die „Entscheider“ in diesen Familien geritten haben mag, es kommt sie teuer zu stehen. Es wird, wie auch in Eurer Familie, lieber Don Alphonso, im Ergebnis noch genügend übrig bleiben, um ein mehr als angenehmes Leben ohne materielle Not führen zu können. Doch warum führen Sie BMW an? Die Quandts habe mit ihrer ruhigen Investitionspolitik über Jahre BMW die Kraft gegeben, zu dem zu werden was es ist (oder war?). Ohne den Einstieg von Quandt in den sechziger Jahren wäre BMW schon lange Geschichte. Ohne die Porsches wäre die Porsche AG schon lange an VW verkauft und im Finanztrubel der siebziger Jahre dort untergegangen. Gerade die Familienverbände haben die finanziellen Folgen von Fehlentscheidungen zu 100% zu tragen. Das Vermögen ist futsch und die Geldquelle versiegt. Der angestellte Manager kassiert Millionen und wenn der Laden infolge seiner Fehlentscheidungen abstürzt zieht er ohne jeden Verlust als Söldner des Kapitals mit dem nächsten Laden in den Wirtschaftskrieg. Herr Middelhoff hat das Vermögen von Frau Schickedanz auf einen Bruchteil eingedampft und sich anschließend neuen Aufgaben zugewendet. Das ist ein Problem. Viel Geld für eine „Verantwortung“ zu kassieren, die man nicht hat.

  11. @elbsegler:
    Großteils...

    @elbsegler:
    Großteils d’accord. (Don, den MM-Fahrer, lassen wir heute außen vor; er hat eh beide Hände voll Schraubschlüsseln und LiquyMoly.) Aber bitte differenzieren Sie zwischen Middelhoff und Wiedeking. Ersterer hat schon Bertelsmann und anschließend Karstadt fast ruiniert; letzterer hat Porsche vor dem Ruin bewahrt und zu weltweit neuem Glanz geführt. Dass seine Bezüge sich an den miserablen Zahlen von 1991 orientieren (die damals zementiert niedrig erschienen) und halt proportional zum Erfolg gewachsen sind, kann man ihm nicht vorwerfen.
    Das Duell Porsche vs. VW wird ganz anders, nämlich viel gescheiter ausgehen, als die meisten es sich heute vorstellen können; da ist viel Strategie im Spiel, während den Medien kleine PR-Häppchen serviert werden, die diese für Clan-Divergenzen oder für Taktik halten — und willfährig publizieren.
    Hier und jetzt ist der Nebeltopf nämlich wichtiger als der Auspufftopf.
    Servus!

  12. Lieber MM-Reisender, ja,...
    Lieber MM-Reisender, ja, bitte, mehr Bilder!
    Möglichst Aston, Bentley, Jaguar und Porsche.
    Und schöne italienische Zuschauerinnen!
    Danke, hs.

  13. Diese alten Autos .. ich weiß...
    Diese alten Autos .. ich weiß nicht durch welche Brille das manche sehen, sehen alle gleich barock aus. Große Pneus, bauchige Kotflügel und eine lange Schnauze. Und dann: Rot, Silber, Rot, Silber, Rot .. Wo ist jetzt da der Kick?

  14. Holzlenkrad und Rundarmaturen,...
    Holzlenkrad und Rundarmaturen, Kupplung treten, Getriebeknirschen, Zwischengas und ein Röcheln, das selbst ich als Kettenraucher nie hinkriegen werde. Das ist der Kick.

  15. Smart Cabrio fahren ist...
    Smart Cabrio fahren ist übrigens auch sehr nett. Nur mal so nebenbei….

  16. der kick ist,was man empfinden...
    der kick ist,was man empfinden kann beim angucken von material und wie es zusammengefügt ist.
    die felgenkappen der beiden rennautos z.b.-es regt glaube ich strukturen
    im hirn an,wie es das angucken eines paris hilton fotos nicht bringen würde.
    heute ließe sich soetwas schon messen.
    paris hilton wiederum bringt das erbe durch,weil sie glaubt,jemand könnte
    ausgerechnet ihre schmuckkollektion erregend finden.
    .
    und zum schluß hat der riese( auf der karikatur von karl friedrich waechter) recht,
    der sich über das gebirge beugt und den autos auf den strassen nachguckt und spricht:“ aussen sind sie hart und knusprik-aber innen sind sie weich und lecker“

  17. @ aw
    Der alte Adolf Wagner....

    @ aw
    Der alte Adolf Wagner. Theoretisch vielleicht ja, aber praktisch nur innerhalb einer Bandbreite und letztlich eigentlich nein.
    z.B.: Bei 95% Steuerlast werden die Gehirnausfließenden autonom ihre Verträge in D kündigen und auswandern.
    Wie groß der Selbstbehalt vor Staat sein muß, um von einer Mehrheit als einigermaßen gerecht empfunden zu werden; wünsche viel Erfolg beim finden.
    Die ganze Absetzerei: wenigstens schafft das den StBs reichlich Arbeit.

  18. Verehrter Don Alfonso.
    Jeder,...

    Verehrter Don Alfonso.
    Jeder, der das Brot im Schweisse seines Angesichtes zu sich nimmt soll es auch verdient essen. Es hat sich allerdings in unserer Gesellschaft eingebürgert, daß viele das Ererbte, mit dem sie sich Meister Proper zur Reinigung ihrer Musterküche leisten können, mit der Forderung belegen „Wer hat, der hat Anspruch darauf, daß ihm gegeben wird !“. Zugehfrau, Kindergärtnerin, Krankenschwester und Automechaniker unterstellen sie dabei , sie würden minderwertige Tätigkeit ausüben und die in der Steueroase lagernden Ersparnisse der Erben ungerechtfertigt begehren. Ich kenne da so manchen, der aus 4 Euro Stundenlohn gern 3 Euro machen würde, damit Deutschland auf dem Dienstleistungssektor international wettbewerbsfähiger wird. Lieber Don Alfonso: Unser aller Hauptproblem ist, daß die als Hausfrau tätige Mutter von drei Kindern, deren Ehemann mit seiner Sekretärin im feschen MG an der Mille Milia teilnimmt, Depressionen bekommt, weil sie von ihren Dink-Freundinnen mit Weichwissenschaftlerdiplom dauernd gefragt wird warum sie nicht arbeitet !
    Darüberhinaus: Wenn wir gerade bei Wasser predigen und Wein saufen sind, möchte ich doch auf Nummer @793 aus Teil 1 Ihres Artikels eingehen.
    Verehrte Nummer @793: Ihrem Hinweis entnehme ich, daß man sich auch als Ewig Gestriger durchaus „von Vorgestern“ nennen darf. Diskriminierung von Liebhabern sog. Blechdinos verkennt: 1.) Soweit unserere Zivilisation überhaupt auf einem Gerüst gemeinsamer Werte beruht ist dieses durch „großes Herz, weites Land, Freiheit und Brüderlichkeit“ beschrieben. Die ehrliche Haut trägt das sogar als Tatoo, während Ihre anderen Nachbarn sich das allenfalls stylisch als Roadmovie mit 8 Zylindern reinziehen und dabei einem Route 66 Sampler aus dem Supermarkt lauschen. 2.) Auch die antiken Bugattis, Horchs, MG’s, Ferraris, Alfa’s etc. sowie neue Fahrzeuge der Premiumklasse aus Europa können beim Saufen und im Blechverbrauch gut mithalten. Der 53 STUDY hat eine um Größenordnungen bessere GesamtÖkobilanz als ein modernes Oberklassemodell aus D. 3.) Es könnte sein, daß Sie vielleicht mal jemanden brauchen, der noch ein Auto mit 13ner Schlüssel und Hammer reparieren kann. An Ihrer Stelle würde ich mich mit Ihrem sachverständigen Nachbarn gutstellen und ihn vielleicht zu einem 1986 Chateaux Megjei (noch aus orginal sozialistischem Fass) auf das „DU“ einladen. Ich weise besonders auf den Punkt 3 hin, da Ihr Nachbar am anderen Ende der Straße und nicht in einem Viertel der besseren Gesellschaft wohnt.

  19. für kleiner berg
    Prisca...

    für kleiner berg
    Prisca shelley
    Nausikaa am nassen strand*
    Von helgoland ein walroß fand
    Das nannt’ sie loddle dorritt.
    Das vieh wohl weinte den lieben tag
    verdarb die wäsch mit dauernder klag,
    so sehr vermißt’ es den bruder, den smutje
    da erblickten sie fern eine scholle, die trieb
    auf der saß mit musi der uriah heep
    meren wurmbs war er entronnen.
    Er hatte was, das ihm gefährten gegeben,
    von den jütländern war jedenfalls er noch am leben.
    jetzt liehn sie von laughton nen shredder
    kein treibholz war da , doch sol gab an.
    Sie wämten sich, fanden auch marzipan
    und sangen so songs der edda.
    Loddl dankte dem captmann
    Nit dopplhochnulldreimal
    Sondern sublim weihoch siem nur text
    Sprühend mitsukos gral
    *material
    Das walroß und der zimmermann(lewis carroll)

  20. Eine wahrhaft treffende...
    Eine wahrhaft treffende Analyse hinsichtlich dem aktuellen, kranken Verständnis von Verantwortung. Einem Kernproblem unserer Gegenwart & Zukunft.
    Zum Thema Mille Miglia: Leider ist diese Veranstaltung, wie viele andere Veranstaltungen mit Historie, zu einem medialen Affentheater verkommen.
    Solch lange gewachsenes Kulturgut wird in den heutigen Zeiten doch recht schnell verwässert, da sich ihre oft zitierten „ in die Höhe gschissenen Sachbearbeiter“, respektive Investmenbanker, inflationär heftig unter die Veranstaltungsteilnehmer mischen.
    Jede schöne Veranstaltung erhält ihren Glanz aber nur durch Enthusiasmus und Authentizität (hierbei spielt die soziale Herkunft der Teilnehmer eine nachrigige Rolle ) und verliert eben Diesen auch wieder durch die Beteiligung solcher fundamentfreien Lebensläufe.

  21. Natürlich muss ein Kolumnist...
    Natürlich muss ein Kolumnist übertreiben, provozieren, vereinfachen.
    Aber darf er verallgemeinern? Die Sache ist halt leider komplexer als otto Normalverbraucher sich das vorstellen kann.
    Ganz sicher gibt es verantwortungsbewusste Firmeninhaber. Menschen, die weiter denken, als bis zur nächsten Überweisung. Langfristig planen und wissen,was sie tun. Wie immer wird ganz groß über die berichtet, die anscheinend nur ihren Kontostand im Kopf haben und wie man die Steuer hintergehen kann. Dazu noch diejenigen, denen Macht über alles geht und die dafür „über Leichen“ gehen.
    Wer in diesem Spiel aber wirklich welche Rolle spielt, ist manchmal sogar im Nachhinein nicht zu erkennen.
    Mich wundert beispielsweise, dass noch niemand darüber berichtet hat, dass der Geschäftsführer von Schaeffler früher einmal bei Continental angestellt war und ging, weil ihm der damalige Vorstand keine höheren Aufgaben zutraute. Wer jetzt denkt, er habe sich gerächt indem er dafür sorgte, dass inzwischen sowohl Vorstands- als auch Aufsichtratsvorsitzender geschasst wurden, der sollte bedenken, dass es hier um tausende von Arbeitsplätzen geht und so etwas sicher keine Rolle spielt!

  22. @ Jean:
    Sie haben völlig...

    @ Jean:
    Sie haben völlig recht, die ollen Kisten sehen echt alle gleich aus. Genau wie diese ganzen Kirchen, Gemälde alter Meister, Bauhausmöbel und ledergebundene Buchrücken.
    Der Händel heute morgen im Autoradio klang auch fast genauso wie der Haydn am Sonntag Abend im Konzerthaus.
    @ evm:
    Smart Cabrio ist auch prima, heute morgen wieder mit Vergnügen durch Charlottenburg bewegt, aber sind Sie damit schon ‚mal über die Alpen gefahren?

  23. Jean, der "Kick" ist, das Ding...
    Jean, der „Kick“ ist, das Ding zu hören, die Vibrationen zu fühlen, das heisse Öl zu riechen, die Rundungen zu sehen und am nächsten Morgen den Geschmack von Kohlenmonoxid auf der Zunge zu haben. Es spricht alle Sinne an, und zwar sehr, sehr deutlich.

  24. miner, ich muss zugeben, dass...
    miner, ich muss zugeben, dass es unter dem alten Management von Jahr zu Jahr übler wurde mit Merchandising und Werbung und Sponsoren und deren Promis. 2007 war es dann soweit, dass ich mir sagte: Das ist nicht mehr das, was ich mir als junger Mann mit feuchten Augen angeschaut habe. Aber das neue Management hat wirklich die Zügel angezogen. Mit dem Ergebnis, dass jetzt nicht mehr jedes Fahrzeug teilnehmen kann und die auflaufende Prominenz auch kleiner wird, aber das bemäkeln nur jene journalistischen Mietmäuler der Autokonzerne, die sich gern an verbeulte Gesichter aus dem TV dranhängen. Den Zuschauern ist es doch egal, ob dieses Pack da auftaucht. Es geht um die Autos, das Land, die Szenerie und das Brüllen der alten Motoren. Und absolut nicht um den Krempel, von dem man nur hoffen kann, dass er auch weiterhin unter Druck kommt. Wenn Sie da was tun wollen, schreiben Sie böse Leserbriefe an die Verantwortlichen für PR-Geseier bei Spiegel Online, Welt, Focus und Autobild.

  25. Don, schön das zu lesen. Das...
    Don, schön das zu lesen. Das gibt Hoffnung. Manchmal ist es wohl besser einfach durchzuhalten. Habe ich leider nicht getan. Mir ist 2005 der Spass an dieser Veranstaltung aus genannten Gründen vergangen.
    Ich habe danach auch meine beiden alten Fahrzeuge verkauft und mir gesagt: Es ist gut so, Du hattest eine Menge Spass damit, aber fahr niemals über den Zenit hinaus / bzw. geh einfach wenns noch am Schönsten ist.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass all diese Fahrzeuge, bestückt mit jungen Fahrern, das schönste Bild abgeben. Und so sollte sich wohl jeder finanzkräftige ältere Herr die Frage stellen, ob seine Anwesenheit in einem Sportwagen nicht das Bildnis des „Affen auf dem Schleifstein“ vervollkommned ?
    Nicht dass ich schon in diesem verruchten Alter bin…aber ich habe echt das Bedürfnis, so nicht enden zu wollen.

  26. Die Antwort, die ich mir auf...
    Die Antwort, die ich mir auf diese Frage gegeben habe – denn auch ich bin nicht ohne Zweifel und Kritik, was die Veranstaltung angeht – ist, es zu betrachten als Spass für alte Männer, die sonst keinen Spass haben. Das merkt man mitunter. Das zweite ist, es selbst zu machen, in ein paar Wochen, allein und sehr langsam. Ich würde da nicht im Pulk rasen wollen. Ich will halten können, wann immer es mir gefällt. Und dazu brauche ich den Sunbeam.

  27. elbsegler, man darf da...
    elbsegler, man darf da natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber ich kenne ein paar Vertreter dieser Spezies, die von der Überweisung der Vermögensverwaltung leben, weil sie halt auch zum Kreis der Erben gehören. Ich habe nichts dagegen, dass es sie gibt und sie ihr Leben geniessen, aber wenn der Porscheclan ein paar Milliarden bräuchte, könnte er natürlich auch mal bei sich selbst unter dem Kopfkissen nachschauen, statt VW an arabische Staatsfonds zu verticken. Es kann durchaus sein, dass sich diese Art Erben sich auf diese Art von weiteren Zahlungen teilweise abschneidet, aber das ist für sie offensichtlich ein kleineres Problem als die Herausgabe dessen, was sie schon erhalten haben. Es geht also oft nicht mehr um Firmen oder Geschäftsstrategien, sondern nur um die Rettung des eigenen Hinterteils. Und das ist nicht das, was man als „soziale Marktwirtschaft“ bezeichnen würde, ganz egal wie exakt dieses Benehmen von Familiy Offices beworben wird.

  28. Dieses Gefühl und die daraus...
    Dieses Gefühl und die daraus resultierende Energie kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Na lustig, ein erster Erfolg dieser Kommunikation ist, dass ich mich nun mit einer gewissen Sehnsucht nach den einsamen, ruhigen Strassen, gepaart mit dem ach so typischen Geruch und Geräusch eines alten Sportwagens, auf mein Fahrrad setzen werde.

  29. Gewissermassen als...
    Gewissermassen als Vorbereitung habe ich mir letztes Jahr ein Rabeneick von 1952 in Hellblau gekauft, restauriert und vor dem Müll gerettet.
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1153279/
    Inzwischen hat es auch den richtigen Sattel. Und danach war ich reif für den Sunbeam 90. Man muss es eben kombinieren.

  30. A propos Sunbeam. Hat der...
    A propos Sunbeam. Hat der eigentlich noch eine Kurbel. Ich finde erst durch das Anwerfen mit Muskelkraft gewinnt ein altes Fahrzeug so richtig an Charme !!

  31. Der Sunbeam hat im...
    Der Sunbeam hat im Kofferraumdeckel ein mit Rosshaar ausgekleidetes Fach, in dem sich auch eine Kurbel zum Anlassen findet.

  32. Don Alphonso, diese...
    Don Alphonso, diese Trittbrettfahrer, die den Rahm von der Milch schöpfen können ohne die Kuh großgezogen zu haben, gibt es in vielen Ausprägungen. Sie sind in der Regel der Grund, weshalb Familiengesellschaften trotz funktionierenden Geschäfts eingehen. Mit jedem Erbfall streben mehr Leute an die goldene Krippe, nur wir die davon nicht voller, sondern leerer, weil alles ausgeschüttet werden muss, was die Bilanz hergibt. Das ist ein Trauerspiel für die Firma und alle Mitarbeiter und letztlich bringen sich die Erben damit endgültig um die bequeme Geldquelle. Alles Jammerschade, aber wie will man das ändern, wenn es die Familien selbst nicht tun? Vater Staat kann natürlich, wie es der Traum der SED/Linken ist, via Erbschaftssteuer den Clan zum Verkauf zwingen und heftig abkassieren. Dann kann der Neidhammel fröhlich blöcken, ob das Ergebnis sinnvoll ist, spielt dann keine Rolle mehr.
    Im Falle Porsche bezweifele ich, dass alle Familienmitglieder wirklich überblickt haben, was da gespielt wird. Einige werden jetzt wohl verdutzt aus der Wäsche gucken. Operation gelungen – Patient tot! Ich glaube nicht, dass aus der Familie die nötigen Milliarden Euro eingesammelt werden können, um die Situation zu retten. Solange er Schlamassel nicht auf Kosten der Belegschaften beseitigt wird, ist mir eigentlich wurscht, wer hier den Kürzeren zieht.

  33. Diese Kurbel führte bis weit...
    Diese Kurbel führte bis weit in die Sechziger noch jede DS serienmäßig mit sich, wenn auch nicht in einem mit Roßhaar ausgekleideten Fach.

  34. Man kann nur zustimmen, was...
    Man kann nur zustimmen, was Sie zum Verlust des sozialen Sinns sagen. Ca y est.
    .
    Überdies, wirklich schöne Bilder, merci für das Weglassen technischer Details, das freut die Leserinnen.

  35. Georgina Darcy, wir spielen...
    Georgina Darcy, wir spielen hier ja nicht Quartett, und die Wägen stehen für sich selbst. Fragen beantworte ich gerne.
    .
    elbsegler, an Porsche traut sich so richtig keiner ran, die Strukturen sind unübersichtlich, und die Interessen wohl sehr weit auseinander. Es wäre mal spannend, da einen Einblick zu haben, aber was man so hört, ist es nicht leicht, Informationen zu bekommen. Es wirft aber alles kein gutes Licht auf das real existierende Unternehmertum in Deutschland.

  36. Werter Don Alphonso, das real...
    Werter Don Alphonso, das real existierende Unternehmertum wird sich endlich mal die Frage beantworten müssen, ob es allein die Rendite auf das eingesetzte Kapital ist, die zählt und welche Zeiträume solchen Berechnungen zugrunde liegen sollen. Das „schnelle Geld“ ist jedenfalls genauso schnell wieder weg, wie es auftauchte. Das Schielen auf den aktuellen Börsenwert, kurzfristige Scheinblüten, fragwürdige Expansionsstrategien, die häufig mehr die Eitelkeit des Managements befriedigen als dem Unternehmen nutzen. Alles das lässt das eigentliche Geschäft in den Hintergrund treten. In den Konzernzentralen wird wohl mehr über den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen nachgedacht als über die Produkte dieser Unternehmen. Das Grundproblem liegt vielleicht auch darin, dass gerade Aktiengesellschaften keine Aktionäre mehr haben, die bewußt in diese AG und deren Produkte investieren wollen, sondern die Rendite über die Steigerung des Aktienwertes erzielen wollen.

  37. Ach, seien wir doch froh, dass...
    Ach, seien wir doch froh, dass das Gebaren der Herren Industriekapitäne des ausgehenden Fin de siecle und der Roaring Twenties uns noch nicht droht. Denn da hat man flugs den einen oder anderen Weltkrieg vom Zaune gebrochen, wenn ansonsten die Absatzmärkte weg-gebrochen waren. Die Krupps und Quandts und auch der eine oder andere Sektfabrikant mit späterer Berufung zum international agierenden Großmäulertum müssen jedenfalls bei jeder kriegstreibenden Rede eines hohenzollerischen Heißsporns oder eines böhmischen Gefreiten gejuchzt haben. Und niemand will doch wirklich und tatsächlich glauben, dass die Amerikaner mit irgendwelchen Wirtschaftsförderungsprogrammen die Krise der 20er- und 30er-Jahre gemeistert haben? Das echte Programm, welches den Konjunkturmotor jenseits des Atlantiks so richtig ankurbelte, waren die Waffen- und Lebensmittelbestellungen, die erst aus England und später auch aus der Sowjetunion und schließlich vom eigenen Staate kamen. Also: Freuen wir uns, dass sich ein Herr Piech und eine Frau Schaettler nicht zu schade sind, beim Staate (vulgo beim Volke) zu betteln – anstatt eben jenen (bzw. jenes) mit ein bisschen Medienmacht und Lobbyismus in oben gezeigte Blutorgien zu drängeln!

  38. Quartett? Ich könnte nur die...
    Quartett? Ich könnte nur die Geige beisteuern. Oder war das eine hintersinnige Anspielung, der Subtilität ich nicht entschlüsseln konnte?

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