Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Vergeblichkeit musikalischer Zwangsmassnahmen

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So wünscht man sich die Kinder: Gebildet, musikalisch und eine Freude für alle Tanten, wenn sie zu Weihnachtend das Repertoire populärgeistlicher Werke auf Geige oder Klavier vortragen, bevor es zum Braten geht, wo sie dann von schulischen Erfolgen erzählen. Die Realität jedoch ist jämmerlich; jämmerlicher gar als meine einstigen Blockflötenversuche - begleiten Sie mich in die Abgründe und Vorhöllen der gescheiterten Musikzurichtung meiner Kreise, die Ihnen vermutlich nur zu gut bekannt sein dürften.

Non cuivis homini contingit adire Corinthum
Horaz. Episteln

Von allen Qualitätsillusionen der besseren Gesellschaft hat keine einen derartig negativen – verzeihen Sie, liebe Leser, ich mach noch schnell das fenster zu – von allen Qualitätsillusionen des gehobenen Bürgertums hat keine einen dermassen – Herrgottsakra, Moment, ich muss noch das andere Fenster schliessen – von allen Quäli – jetzt reicht es aber, pardon, ich muss Sie und den Rechner mitnehmen in die Bibliothek, da haben wir unsere Ruhe, also, richtig, von allen Einbildungen der Schicht, aus der zu stammen ich das Vergnügen habe, gibt es keine Qualitätsillusion mit einer derartig negativen Erfolgsquote wie die Vorstellung, die Kinder könnten musikalisch sein, ein Instrument lernen und mit ihren Künsten später Hausmusikabende, Schulkonzerte oder gar die Matinee in der Maria de Victoria Kirche bereichern. Es ist Unsinn von der ersten Minute an – jene Minute, die gerade nebenan in einem musischen Gymnasium, früher höhere Töchterschule mehrfach aufgeführt wird, und zwar auf dem übelsten aller Folterinstrumente: Der Blockflöte.

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Die Blockflöte ist die Kalaschnikow unter den Musikinstrumenten: Enorme Durchdringkraft, unverkennbares Geräusch, unverwüstlich, billig in jedem Kaff Bayerisch Afghanistans zu beziehen, und richtet auch in Kinderhänden schon maximalen Schaden an. Fragen Sie den Händler, der mir meine CDs verkauft: Auch er ist gegenüber jenem Mutterschiff des Gepiepses, und versucht mir seit jeher Flötenkonzerte anzudrehen. Vergeblich. Ich hasse Flöte. Dazu müsste sie nicht mal jene Abba-Lieder von sich geben, die man den Schülerinnen mit allen Dissonanzen, die so eine 11-jährige bessere Tochter hervorzubringen in der Lage ist, teuflischerweise als Übungsmaterial überlassen hat.

Und bitte: Ich weiss, wovon ich rede. Auch ich wurde als Kind nicht nur in jedes Konzert zwischen Altmühl und Isar mitgenommen; auch ich wurde mit so einem Ding auf die unschuldige Menschheit losgelassen. Schon früh zeigte sich mein ausgeprägter Sinn für Disziplinlosigkeit und mein feines Gehör für die Rufe anderer Verlockungen; meine Improvisationskunst im Erfinden von Ausflüchten galt als einzigartig, und nie waren meine flinken Klavierspielerhände flinker als in jenem Moment, da es galt, dieses öde Ding zu zerlegen und dem Unterricht ohne jede Fortschritte zu entfleuchen. Ich sass still in Konzert und Oper, und ich liebte es, perfekt den Tisch zu decken – aber an der Blockflöte zeigte sich bald, dass ich den Kanon der bürgerlichen Gesellschaft nicht im vollen Umfang würde erfüllen können.

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Nun zeichnet sich die bessere Gesellschaft auch und vor allem dadurch aus, dass sie einfach darauf besteht, besser zu sein. Diejenigen Bereiche, in denen sie de facto nicht besser ist – denn auch das kann vorkommen, wenngleich es niemand zugeben würde – werden mit der ganzen Wucht der heranrauschenden Generationenmächtigkeit mittig gerammt, durchbrochen, und in den Boden gerieben. Kinder werden erst gar nicht gefragt, ob sie Arzt werden wollen, Hochzeitsüberlegungen werden früh angegangen, und wenn der Sohn faul, gelangweilt und eher den Büchern verfallen ist – findet sich immer eine Mutter einer Bekannten, die noch ein Klavier daheim hat, das sie nicht mehr braucht. Das wird dann mitsamt der Noten – Heil Dir im Siegeskranz! – geholt, und weil man nun schon so ein schönes Klavier hat, werden es die Kinder doch sicher mal probieren wollen.

Unter dem ersten privaten Klavierlehrer, der sich wirklich bemühte und auch sonst ein nette Persönlichkeit war, lernte ich halbwegs so, wie andere in diesem Alter lernen. Nach zwei Jahren jedoch zog der Lehrer von dannen, und so wurde ich, der ich nicht an einem musischen, sondern im traditionellen technischen Gymnasium meiner Familie war, in die Musikschule verbracht. Es war nicht elegant, es war nicht kunstsinnig, es war ein Loch mit Klavier und einem Lehrer, der irgendwann resignierte und meiner Mutter mitteilte, dass sie das Geld behalten könnte. So gestaltete sich mein Übergang von der Welt der Musik zur Welt der Surfbretter und Rennräder vergleichsweise harmonisch, und ich musste auch nicht mehr die Küchenuhr kaputt machen, mit deren heimlicher Verdrehung ich so manche Übungsstunde mehr als halbiert hatte, in der ich dann auch nur einhändig klimperte und anderhändig las. Andernorts ging es nicht so glimpflich ab.

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Mein Freund T. etwa stammte aus einer Industriellenfamilie, die in der böhmischen Heimat sehr viel verloren hatte, aber neben dem – auch heute noch – schönsten Bungalow der Stadt über teure Coupes, eine Tochter ohne berufliche Ambitionen, asiatische Küche und einen Steinway in der Halle ein paar gefühlten Dutzend Metern neben dem offenen Kamin verfügte. Auch dort machte man Kinderversuche an den Tasten, der Vater gab dem Sohne all sein Wissen mit, und als T. sich darin ebenso befähigt wie meine Wenigkeit gezeigt hatte, beschloss man, sich damit nicht länger zu ärgern, und es jenen zu überlassen, die schon immer im Ruf standen, das beste Schulorchester zu haben: Dem humanistischen Gymnasium der Stadt, einer Institution, deren zeitgemäss drohendes Aussterben damals von einer unzeitgemässen Verachtung für Niederungen jener Schulen geprägt war, die mehr als eine Klasse in jeder Jahrgangsstufe vorweisen konnte. Dort sollte T. die Geige spielen, und weil T. ansonsten hoch begabt und nie schlechter als ein Einserschüler war, sollte es auch die erste Geige sein.

Ich habe nie erfahren, was wirklich passiert ist. Man hat darüber nicht geredet; die Wahrheit kam bruchstückhaft ans Licht, T. hatte in der Sache absolutes Redeverbot, und nur über meine Mutter, die als die anerkannt beste Erzieherin des Viertels um Rat gefragt wurde, erfuhr ich pikante Details: T. hatte, als sich das Instrument seinen musikalischen Wünschen widersetzte, und das, obwohl es aus bester Mittenwalder Tradition stammte und sein Vater es dort hatte für ihn fertigen lassen, T. also hatte das Instrument in einem Akt rohester Gewalt und höchsten Jähzornes. Ich glaube, ich kann das in der F.A.Z. nicht schreiben. Jedenfalls war danach keine Leimnaht mehr ganz und auch kein Teil, das man noch hätte leimen können. Die schauerlichen Details solcher Katastrophen machen normalerweise in diesen Kreisen schnell die Runde, man weiss um die Grösse des Primärgenitals des Ehebrechers und was sie, diejenige welche davor getrunken hat – aber ich weiss nur, dass T. zwei Wochen Hausarrest und danach keinen Geigenunterricht mehr bekam.

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Falsch, sehr falsch wäre es, das als Folge der Pubertät sehen zu wollen. Es war uns einfach nicht gegeben. Musik, wirklich gute Musik vortragen zu können ist einfach eine Gnade, die nur wenigen zuteil wird. Ich habe eine grazile, feingliedrige Bekannte aus Grünwald, die in jeder Hinsicht an einem Flügel sitzen müsste, die in Haltung und Figur mit dem Instrument eine bewundernswerte Einheit bilden würde, die einen ganzen Schrank voller Abendkleider besitzt und jede Woche in die Oper geht – sie hasst Klavier, weil sie es lernen musste. In den Spielmannszügen der Dörfer, in den Hackbrettschulen der Käffer und bei der Blasmusik verschlafener Weiler mag das noch anders sein; mitunter finden sich auch Kinder weniger glücklicher Schichten, die den Drang haben, diese Fähigkeiten für sich zu erobern. Aber unter meinesgleichen macht keiner Musik. Im Zweifelsfall hat man aber Kinder, die man dazu mit sanfter Gewalt zwingt, wie es der Tradition entspricht.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. C. etwa, jene ältere der beiden N-Töchter, an denen ich lernen durfte, wie man einer Frau den Mantel abnimmt, einschenkt und die Türen aufhält, kurz, ein kleiner Kavalier zu sein. Dass ich mit C. und ihrer Schwester auch versuchte, in der Walpurgisnacht das Nachbarskind an den Kirschbaum zu binden und als Hexe anzuzünden, ist eine andere Geschichte. C. jedenfalls hatte die Stimme, die den Schulchor in seiner Mittelmässigkeit brilliant zerschnitt, ein süsser, schmerzensreicher Tod für die Hoffnungen aller anderen Eltern, ihre Töchter könnten zu Höherem bestimmt sein. Ein Ausnahmetalent. Sie musste nicht üben, sie konnte es instinktiv. Man war fassungslos, was in diesem schlanken Mädchenkörper steckte und mühelos Kirchenräume erfüllen konnte. Man wusste, dass sie dereinst den Ruf der kunstsinnigen kleinen, dummen Stadt in die Welt hinaustragen würde, dass sie mehr als nur zur Zerlina geboren war, sie sah aus wie die junge Callas, als hätte sich der Himmel erbarmt und der Stadt im Donausumpf mit ihren Tastenversagern eine Göttin geschenkt. Sie ging nach München, an die Musikhochschule, gelangte gar in den Opernchor, war denen aber nicht gut genug – was macht man als bessere Tochter, wenn man alle Begabungen hat, in der Vita aber nur ein mittelmässig erfolgloses Opernengagement zu finden ist?

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Kinder Küche Scheidungsanwalt. Man verstehe mich nicht falsch, ich kann mich nicht satt sehen an Virtuosen, an den Begnadeten und den Gottesgeschenken. Ich bewundere diese Menschen, die für ihre Musik leben, ich finde Menschen mit Instrumenten wahrhaft schön, und nehme dafür auch gern in Kauf, dass ich mit Abba von der Blockflöte malträtiert werde. Meine Verzückung muss einen wenig erfreulichen Anfang haben, und es könnte etwas Schlimmeres gegenüber sein – andere leben neben Müllverbrennungsanlagen, mit Sicht auf das AKW oder am Helmholtzplatz. Wir jedoch, wenn wir ehrlich wären und nicht die bessere Gesellschaft, müssten zugeben, dass die Zeiten der Musik in unseren Händen vorbei ist. Früher, als das Klavier ein Privileg der Reichen war, die genug Zeit dafür hatten. mag das anders gewesen sein. Heute ist es eine Tradition, an die man Jahre vergeblich glaubt, bis die Tochter mit ihren Freundinnen zur Stampfmusik nach Mallorca fliegt, und man schon froh sein kann, wenn sie sich weiter für das Konzertvereinsabo erwärmen kann. Wo sonst sollte man für sie einen Mann finden.

Begleitmusik: Ach so, ja, natürlich, die Frage, ob ich nicht auch Reue empfinde. Ob ich nicht doch gern das ein oder andere Instrument beherrschen würde. Nun, ich schätze die Viola da Gamba und die Laute, ich würde gern des Abends darauf simple Liebesweisen über den Dächern der Altstadt spielen, und manchmal gibt es Konzerte… und CDs… „le Tournai de Chavency“ ist so ein Tonträger. Auf Basis eines Gedichts des hohen Mittelalters von Jacques Bretel wird das Treiben während eines Turniers erzählt, von Kampf, Gunstbeweisen und Lieben, Männer gegen Frauen, von den Freuden des Lebens. Track 8 ist ein Saltarello, banal und simpel, gespielt auf einer Maultrommel und einer eher krächzenden Fiedel. Sofort wünsche ich mir, ich könnte über die Hügel Ostfrankreichs wandern, und

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  1. Komisch, bei uns landen die in...
    Komisch, bei uns landen die in der Pubertät alle im nächstgelegenen Bandübungskeller. Aber ist wahrscheinlich auch nicht höhere Gesellschaft.

  2. Insofern sind weniger bessere...
    Insofern sind weniger bessere Kinder vielleicht wirklich glücklicher — wenn die Eltern mehrere Instrumentenversuche oder Musiklehrer gar nicht erst bezahlen können. Sondern nach dem ersten finanziell aufgeben müssen.

  3. Oh, Populärmusik. Da gibt es...
    Oh, Populärmusik. Da gibt es in anderen Vierteln der kleinen, dummen Stadt ein paar abschreckende Beispiele. Leute, die ihre Band „Slut“ nennen. Leute, die als Radiomoderatoren in einer Comedyshow auftreten. Zwei erfundene Münchner Vorstadtproleten, deren Familiennamen hier jeder kennt. Wenigstens kommt der lokale MTV-Moderator nicht aus der Stadt, sondern aus Manching, was über der Donau ist und wohin man nicht zieht.
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    Der Gipfel des Niedergangs war bei uns eine Familie, die nicht ganz in das Viertel passte und ihrer Tochter ein volkstümliches Akkordeon aufdrängte.

  4. Gegen Blockflötenhass hilft...
    Gegen Blockflötenhass hilft eventuell Musikkenntnis. Wie wärs mit Bach? Z.B. Jagdkantate? (Ist natürlich nicht so exotisch und zum Vorzeigen.)

  5. war bei uns eine Familie, die...
    war bei uns eine Familie, die nicht ganz in das Viertel passte und ihrer Tochter ein volkstümliches Akkordeon aufdrängte. Oh ja! Da hilft nicht einmal der Abstand, den große Gärten bieten. (Riesengroßer Seufzer!)

  6. Sterne, sobald es mit der Oboe...
    Sterne, sobald es mit der Oboe anfängt, können wir bis zur Orgel über alles reden (letztere mag ich nicht, da zu katholisch). Ich mag auch den Zink. Es ist wirklich nur die Erinnerung, die mich von der Blockflöte Abstand nehmen lässt.
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    Not quite like Beethoven, ich glaube, wer wirklich will, der schafft es auch, Das ist wie mit dem Bloggen: Entweder, man hat dafür die nötige Begabung und Hingabe, oder man hat sie nicht. Es ist eine Frage der Seele und des Geistes, nicht der Klasse oder Schicht.

  7. Ab Altflöte abwärts wird es...
    Ab Altflöte abwärts wird es ohnehin weniger piepsig.

  8. Gipfel des Niedrrgangs, zu...
    Gipfel des Niedrrgangs, zu diesen Leuten hatten wir aber die klassische 4 Meter hohe Hecke und ein dornenreiches Rosenspalier. Und haben es noch immer.

  9. Die Altflöte kommt erst in...
    Die Altflöte kommt erst in einem Alter, da ich schon das Klavier hassen lernte. Inzwischen habe ich absolut nichts gegen Klavier, solange ich nicht daran sitzen muss.

  10. "wer wirklich will, der...
    „wer wirklich will, der schafft das auch“
    Stimmt sicher, Don Alphonso. Aber ist das nicht eine bißchen zu klassenlose, gar amerikanisch-populäre Sichtweise? Ich meine, ist es nicht ein Wesenszug der besseren Gesellschaft, dass Wollen keine Rolle spielt? (Man kann noch so dazugehören wollen, wenn man nicht hineingeboren und hineinerzogen wird, gehört man nicht dazu). Oder sickert die Jedi-Ideologie etwa inzwischen auch in die bessere Gesellschaft? Oder sehe ich das ganz falsch?

  11. Sicher, wir ja auch. Aber...
    Sicher, wir ja auch. Aber gegen die Akustik taugt das nicht viel. Denken Sie sich ein hübsches Villenviertel mit hohen Hecken – und über allem schwebt die Klage des gequälten Akkordeons. Zum Glück ist die Zeit vorbei, so etwas wächst sich ja aus. Und zu Zeiten sorgte der Missgriff durchaus auch für Heiterkeit.

  12. "Jedi-Ideologie" ist gut. Gibt...
    „Jedi-Ideologie“ ist gut. Gibt es da besondere Kernsätze?

  13. Sterne: "Luke, Du kannst es!"...
    Sterne: „Luke, Du kannst es!“

  14. Verehrter Don Alphonso,...
    Verehrter Don Alphonso,
    herzlichen Dank für diese überaus treffende Beschreibung gutbürgerlicher musikalischer Ambitionen, welche bei den jugendlichen Delinquenten, da in den seltensten Fällen mit entsprechender Begabung gesegnet, leider nur zu oft zur ersten wirklich krachenden Niederlage im Leben führt. Ob da ein pädagogischer Zweck dahintersteckt, wage ich nicht zu beurteilen. In Ihrem Freund T. aber scheint dies zumindest einen, wenn auch brachialen, Behauptungswillen geweckt zu haben.
    Mit freundlichen Grüßen

  15. Gipfel des Niedergangs, ich...
    Gipfel des Niedergangs, ich glaube, so eine wimmernde Violine ist auch kein Vergnügen. Als ich mit dem Geigenunterricht anfing, spottete man in der Familie gelegentlich, es höre sich an wie die Spinne Thekla;-) (man erinnere sich: in der Kinderserie „Biene Maja“ gab es eine Spinne, die Geige spielte, und zwar schauderhaft).

  16. Vergelt's Gott für diese...
    Vergelt’s Gott für diese Zeilen Alphonso, ich musste wirklich lachen. Mit der Blocktröte kann man einem auch den Spass an der Musik verderben. Mir erging es so und als ich später eine Gitarre wollte, hat es sie vom Elternhaus nicht gesponsert gegeben. Was im nachhinein nix schlimmes ist. Heutzutag wird mein Canapé meist von einer Mandoline und einer Gitarre bewohnt, die zum Entspannungsklimpern herhalten müssen und alte Instrumente sind ja auch was schönes.
    Die Versöhnung mit der Flöte, rein passiv aber nur gell, brachte erst der Tonträger „Venezia 1625“ c’est a vous… und nix für ungut.
    Griessle, Gustl

  17. @ Andrea Diener: Piepsig?...
    @ Andrea Diener: Piepsig? Haben Sie wirklich noch nie eine Blockflöte gehört (außerhalb von Kindermusikstunden)? *Staun*

  18. Not quite like Beethoven: Also...
    Not quite like Beethoven: Also aus dem Film hats der Herr Obama. Man kann drüber schön witzeln, das immerhin. Sah ich doch neulich eine gebräunte Dame mit der T-Shirt-Aufschrift: „Yes, we tan!“

  19. GipfeldesNiedergangs, besagte...
    GipfeldesNiedergangs, besagte Tochter heiratete natürlich glücklich und bereichert jetzt eine weniger schöne Ecke des schönen Oberlandes mit dergleichen Klängen.
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    Not quite like Beethoven, es ist zumindest meine Erfahrung. neben mir sass eine Weile ein Kind aus einem der unmusikalischsten Dörfer zwischen Donau und Ural. Der setzte sich an die Orgel seiner Kirche und konnte das. Sagenhaft. Obwohl seine Eltern absolut nichts davon verstanden. Oder der hiesige Jugendkammerchor, der reichlich gemischt war. Von dem höre ich nur von jenen Mitgliedern, die nicht aus der obersten Schicht der Stadt stammten. fairerweisee muss man sagen, dass es sehr viele Angebote für Musik in der Stadt gab und immer noch gibt.

  20. Meine Eltarn wollten mir auch...
    Meine Eltarn wollten mir auch mal einen LEhrer bezahlen damit ich ein Instrument lernen konnte. Ich war aber die reinste Catastrophe und musste das abbrechen.Jetzt beräue ich es :-)

  21. commentca, Natürlich habe ich...
    commentca, Natürlich habe ich schon Blockflöten gehört. Auch außerhalb des schulischen Blockflötenorchesters, in dem ich ein paar Jahre gespielt habe. Wie kommen Sie denn darauf? Es war der Gastgeber, der vom „Mutterschiff des Gepiepses“ schrieb, darauf bezog ich mich.

  22. Heinz Peterlicht, der gute...
    Heinz Peterlicht, der gute Knabe war leider etwas zu sehr vom Erfolg verwöhnt. Wenn jemand nie Niederlagen erleidet, leidet er um so mehr, wenn dann doch nicht alles nach seinem Willen gerät. Da war die Geige nur ein Vorbote anderer Dinge. Ich, notorischer Faulpelz seit jeher, war und bin da ganz anders. Mir ist es vollkommen egal, wer unter mir sonst noch gut ist, und was er da unten macht.

  23. Georgina Darcy, vielleicht war...
    Georgina Darcy, vielleicht war es ja sogar ein relatives Lob? Die Geigenklasse malträtiert zum Glück die Parallelstrasse.
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    Gustl, gern geschehen. Ich wollte von meinen Eltern nämlich einen Odtimer, den ich natürlich auch nicht bekam mit meinen 9 Jahren, und jetzt habe ich mir auch einen gekauft. Das sind Geräusche! Der Klang des fernen Donners. Wenn er klingt.

  24. "Die Blockflöte ist die...
    „Die Blockflöte ist die Kalaschnikow unter den Musikinstrumenten.“
    Stimmt.
    Aber dann darf das Akkordeon als Stalinorgel nicht fehlen.
    Noch weniger das Taiwan-Keyboard mit Rhythmus-, Akkord- und Begleitautomatik als Soundtrack aller Schlachten Dschingis Khans.

  25. oh, meine Eltern fanden vor 30...
    oh, meine Eltern fanden vor 30 Jahren mein weihnachtliches Blockflötenprivatkonzert immer ganz entzückend…

  26. Tomahawk, das gab in meiner...
    Tomahawk, das gab in meiner Jugend glücklicherweise noch nicht. Auch kein elektronisches Klavier mit Steinwaysimulation.
    .
    Frau B., meine Eltern haben auch immer stumm gelitten und eine gute Miene zum sauschlechten Spiel gemacht.

  27. Ach, das mit der Begabung wird...
    Ach, das mit der Begabung wird ziemlich überschätzt. Was man zuerst einmal braucht, um ein Instrument zu erlernen, ist Fleiß. Um einmal zu den ganz großen Musikern zu gehören, braucht es auch eine gewisse Begabung, aber selbst die Begabten müssen zuerst und vor allem fleißig sein. Wer sein Scheitern an einem Instrument mit mangelnder Begabung rationalisiert, lügt sich etwas in die Tasche: Der Grund ist Faulheit, oder weniger harsch ausgedrückt, der Mangel an wirklichem Interesse.
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    Aus musikalisch völlig unterbelichtetem, aber irgendwie ehrgeizigem Elternhaus stammend wurde ich mit sieben Jahren in den Blockflötenunterricht gesteckt, hielt dort mehr oder minder widerwillig und ohne große Erfolge bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr durch und wurde dann auf Cello umgesattelt, weil mein Flötenlehrer genug von mir hatte. Doch mit sechzehn stellte ich dann fest, daß ich mir das Wegfahren in den Ferien statt mit Jobben leichter mit Straßenmusik finanzieren konnte; und daß ich um so besser verdiente, je besser ich spielte. Das war Ansporn genug, Blockflöte wirklich gut zu lernen (das Cello konnte ich schlecht im Rucksack mitnehmen). Als ich 19 war, meinte mein ehemaliger Flötenlehrer dann, daß ich Musik studieren solle – was ich glücklicherweise nicht getan habe.
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    Die Moral davon: Es ist (bis zu einem gewissen Level) keine Frage der Begabung, sondern des Willens. Ich bin nie ein wirklich guter Musiker geworden, aber das ist auch kein Schaden. Ich mache trotzdem leidenschaftlich gerne Musik. Es kommt nicht darauf an, wirklich ein Spitzenmusiker zu werden, sondern mit anderen Leuten zusammen etwas zustande zu bringen, was keiner von uns für sich alleine zustande brächte.
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    Und es gibt noch einen Bonus, denn es geht beim Erlernen einen Instruments beileibe nicht nur ums Spielen. Wer selbst ein Instrument spielt, lernt vor allem auch, anders zu hören. Und allein der gesteigerte Genuß beim Musikhören ist allemal den Aufwand Wert, den man in das Erlernen eines Instrumentes steckt.

  28. So ist es....
    So ist es.

  29. Alter Bolschewik: Danke....
    Alter Bolschewik: Danke. Genauso sehe ich das.

  30. Das Leiden mit dem...
    Das Leiden mit dem Musikunterricht ist immer so eine Sache des Standpunktes.
    Eine Generation vor mir war Klavierunterricht Pflicht, als Kinder des Landarztes gehörte sich das so. Die Familie war ja gefült kurz unter der Gentry.
    Das Instrument war nicht das Problem, nur die Tatsache dass Boogie nicht gespielt werden durfte.
    Ich wurde vom Unterricht verschont, meine Interessen waren woanders gelagert. Mit 17 bis zum Anfang von Abitur hatte ich Klavierunterricht. Es hatte doch viel Freude gemacht; ich hätte es auch gerne mitgenommen wenn meine Wohnung nicht nur 10mm² groß gewesen wäre.
    Wie so oft liegt die Lösung in der Mitte, so wie ich es halten werde. An Musik werden die Kinder herangeführt, auch an Musikinstrumente. Sie müssen es nicht selber machen wenn sie es nicht wollen, aber sie sollen es kennen lernen und die Gelegenheit es zu lernen.
    m.f.G

  31. kunst und kultur waren schon...
    kunst und kultur waren schon immer nur etwas für wenige, wie selbst der Marxist Hans Meyer feststellte…insofern ist eine Aktion wie „jeki“ (Jedem Kind ein Instrument) tatsächlich äußerst vulgärmarxistisch

  32. geht es darum so analytisch &...
    geht es darum so analytisch & leserlich wie gould zu spielen und sich wie er zu echauffieren, daß das publikum (z.b. mit einem fortissimo am ende des größeren applauses wegen) so leicht manipulierbar wäre? oder darum überhaupt so weit sein zu können dieses gouldsche spiel als solches entziffern/wahrnehemen zu können und es zu genießen? da würde ich dem alten bolschewik auch zustimmen und sagen dank der einstellung meiner eltern konnte ich-dem Nichtexistierenden sei dank-auch das eigene spiel genießen. allerdings war der zauber mit dem umzug ins neue haus, in dem das klavier nicht mehr alt, schwarz, edel und mit metallenen platten versehen (also zu schwer um mitgenommen zu werden) sondern neu, kalt, minimalistisch und ausdruckslos war, schnell vorbei.
    viele wollen das gouldsche himmel erreichen und es ist ihnen egal ob es mit hilfe & natürlich auf kosten der mit aspirationen vollbeladenen eigenen kinder geschieht oder mit den eigenen kräften. & gould? sitzt bequem im himmel und lächelt nur milde zurück :)

  33. Muss ich das wiederholen? Es...
    Muss ich das wiederholen? Es ist erwiesen, dass das Körpergewicht der Kids proportional mit ihren TV-Stunden steigt und ihre Schulleistung proportional zu ihren Musikstunden – wenn sie und ihre Instrumente die überleben. Die Frage ist ab einer gewissen Klasse, ob die jeweilige Schicht die Wertanlage aus Hamburg bezahlen kann oder will. Vielen armen reichen Kids, die keinen Ton treffen und ihr Instrument an die Wand nageln, stehen viele arme arme Kids gegenüber, die nichts in die Hand bekommen ausser Blockflöten aus Plaste. Die Frage ist, wo die „Mein-Kind-kann-Musik“-Neurose herkommt, die ja fast schon dem „Mein-Kind-kann-Model“-Neurose weiter unten entspricht. Es gibt ja auch noch die „Mein-Kind-holt-Gold“-Neurose – die Oberschicht ist da in bester Gesellschaft. Welcome!
    Aber nochmal: Das „Investment“ in deutsches Holz und deutsch-hanseatische Produkte mit 83 Tasten steigt immer noch im Wert und kann – falls vorhanden – auch von Ur-enkeln noch malträtiert werden. Stört das mehr als eine bunte Schall-Tapete?
    Wer auf den Krach von Benzinmotoren ausweicht, ist ein – pardon – Banause. Lieber Don, lesen Sie mehr Adorno und investieren Sie mehr ins deutsche Handwerk! ICH habe meinem Offspring ein gutes Blasinstrument gekauft aus einem Land mit tadelhaftem Ruf in Sachen Qualität – übrigens auch verzollt … – und jetzt übt er von selbst. Voila!!

  34. Es mögen aber sehr viele...
    Es mögen aber sehr viele Kinder die Möglichkeit bekommen, ein Instrument zu spielen, am Ende bleiben wenigstens ein paar übrig, die mit der Musik Glück finden, auch, und unter Umständen gerade als Amateure. Die anderen können sich dann über ihre Blockflöten-Erinnerungen amüsieren.
    Letztens hörte ich in der Münchner Residenz ein erstklassiges Orchester mit Sinfonien von Haydn (88), Mozart (Haffner) und Beethoven (1) – alles Amateure, und offensichtlich Musikliebende. Das war neben der musikalischen auch eine gesellschaftliche (ob bessere oder noch bessere) Demonstration, und wenigstens eine Hoffnung auf weniger Mittelmäßigkeit. Legt die Nagelfeile aus der Hand und schaut nach Venezuela!

  35. Wer kein Musiker wird, ist...
    Wer kein Musiker wird, ist immerhin Musikant muss ich als Antwort auf ihren Artikel behaupten. In einem solchen Fall darf einfach nicht der Erfolg mit dem Instrument im Vordergrund stehen, sondern müssen die sozialen Möglichkeiten Anreiz sein. Ich habe in meinem Leben noch keinen Musiker/Musikanten getroffen – ob proffessionell oder nicht – der gerne alleine übt. Es wird immer nur als Notwendigkeit verstanden gemeinsam etwas zu erreichen – ein gutes Konzert zu spielen (und ab einem gewissen Alter eben auch danach noch sitzen zu bleiben…). Und spätestens wenn das Kind in der Gruppe der Musizierenden sich nicht wohl fühlt, sei sie „besser“ oder auch nicht, dann muss man das wohl zu den Lebenserfahrungen zählen.
    p.s.: Allen gequälten Kindern sei gesagt – habt ihr keine Lust mehr, heuchelt einfach eine Weile Begeisterung und meldet den Wunsch an freier Musiker, o.ä. zu werden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden aus den engagiertesten Eltern Realisten(„Was? Einen so brotlosen Beruf? Das kann doch gar nicht dein ernst sein?“)

  36. @Alter Bolschewik: Ich denke,...
    @Alter Bolschewik: Ich denke, es stimmt, dass man zuerst einmal Fleiß braucht, um ein Instrument zu lernen. Das kann im Falle professioneller Ambitionen sogar recht martialische Dimensionen annehmen: Ein Bekannter, Pianist, erzählte mal, dass manche Klavierschüler üben, bis sie blutende Finger bekommen. Brr. Gruselig. Das klingt doch etwas nach boot camp. Wie lange muss man dazu wohl auf die Tasten hauen?

  37. Was ich jedoch gut finde: in...
    Was ich jedoch gut finde: in Venezuela gibt es nun Programme, Kindern aus den Elendsvierteln Musikunterricht zu geben. Die Resonanz scheint groß zu sein, und die kids begeistert.

  38. Driver: Sie haben die "Mein...
    Driver: Sie haben die „Mein Kind ist hochbegabt“ Neurose vergessen.

  39. Verehrter Don Alphonso,
    weder...

    Verehrter Don Alphonso,
    weder meine Frau noch ich sind sehr musikalisch, obwohl ich ein wenig Akkordeon spielen gelernt habe, damals, nach dem Krieg. Umso mehr waren wir verwundert, als unser ältester Sohn mit sieben Jahren den Wunsch äußerte Orgel spielen zu lernen. Eine elektronische japanische Orgel wurde gebraucht erworben ( für einen für unsere damaligen Verhältnisse stolzen Preis ). Ein Musiklehrer wurde gefunden – der uns schon bald ( uneigennützig ) zu verstehen gab, daß aus unserem Sohn kein Virtuose werden würde. Nach drei Jahren Musikunterricht bot er an zu einem verminderten Honorar zu lehren, denn unser Sohn wollte partout nicht aufhören. Er hat bis zu seinem 16. Lebensjahr Musikunterricht genommen. Danach übte er ohne Lehrer weiter, die Orgel besitzen wir heute noch.
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    Unser zweiter Sohn hatte nie Musikunterricht, obwohl wir es ihm aus Gleichbehandlungsgründen natürlich angeboten haben – er lernte die Übungsstücke des Älteren einfach nebenher mit. Nach vier Jahren spielte er in einer Band und gewann nach etwa acht Jahren den zweiten Preis bei „Jugend Musiziert“ zusammen mit einem Freund.
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    Der Ältere spielt heute noch Orgel, der Jüngere hat das Musizieren seit vielen Jahren aufgegeben.
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    Seltsam, so ist das Leben! Gruß Hanskarl

  40. die revolution muss bei der...
    die revolution muss bei der geige und der querflöte beginnen. seit unzeiten spielen geige- und querflötespieler mit unsäglicher und völlig ungesunder körperhaltung. die musikinstrumentenbauer haben es in den jahrhunderten nicht hingekriegt, beide instrumente so zu überarbeiten, dass spieler jener altertümlichen instrumente gesundheit, spieldrang und körperhaltung in einklang bringen können.

  41. Oh, das Ritterturnier klingt...
    Oh, das Ritterturnier klingt gut! Gleich bei iTunes erstanden — anscheinend ist das doch nicht ganz so exklusiv, wie manche denken…
    Ich war zum Glück nur zum Chorsingen zu gebrauchen, wo ich mit den anderen mitbrummte; aber meine Schwester war musikalisch und lernte nach der Block- dann Querflöte und Klavier, spielte im Musikschulenorchester, und krönte das Ganze mit dem Anschaffen und Selbsterlernen eines Dudelsackes.
    Leider hat sie das bleiben lassen, nachdem sie Kinder kriegte, weil sie die armen Würmchen nicht mit dem schottischen Kampfdudelsack erschrecken und traumatisieren wollte. Ich hörte immer gerne zu, von drei Zimmern weit weg, mit zwei geschlossenen Türen dazwischen.
    Der absolute Höhepunkt familiären Musizierens war, als sie ein von mir geschriebenes Gedicht vertonte und wird das stolz gemeinsam zum Besten gaben. Da waren wir irgendwie mehr oder minder Teenager — ich war dem gerade entwachsen, meine Schwester steckte noch zutiefst drin. Aber wir sind Bildungsbürgertum, kein Großbürgertum — vielleicht macht das den Unterschied aus?

  42. wer sich gegen ein projekt...
    wer sich gegen ein projekt „jeki“ ausspricht,der sollte doch zum verstehen
    noch ein gutes argument anfügen als sich auf marx zu besziehen-
    versuchen kann man`s ja mit den lebenden-so etwa wie mit
    sir simon rattle, der was tut statt zu schwätzen.

  43. Alter Bolschewik, achja, das...
    Alter Bolschewik, achja, das Einsteckproblem kenn ich auch, wenngleich aus anderen Gründen. Ich wollte als Teenager von bestimmten Mopedfahrern einfach nichts g e s e h e n werden, wenn ich mit meiner Gambe bewaffnet quer durch die Stadt zum Musikunterricht musste. Irgendein Instrument war aber Pflicht, also bin auch ich zur Flöte, allerdings Querflöte zurückgekehrt, die in der Tasche versteckt werden konnte.
    Unlustig auf allen Instrumenten war ich als Jugendliche, weil mich mein Mittelmaß genervt hat. Heute bin ich über Grundkenntnisse dankbar.

  44. Alter Bolschewik, Gratulation,...
    Alter Bolschewik, Gratulation, und: Ich gebe es zu. Ich war faul. Und meine Interessen lagen auf anderen Gebieten.

  45. Brutale Übertönung des...
    Brutale Übertönung des kindlichen Gehörs
    Das mit der Begabung ist mit Sicherheit eine falsche Sicht der Dinge, die Sicht einer gewissen Klasse, einer jenen, die es sich leisten kann, die Fähigkeiten von Kindern, noch im richtigen Alter aufzugreifen und zu fördern. Ich behaupte, dass alle Kinder, in dem Alter, in dem sie vor allem auf das Hören spezialisiert sind (bis zum Schulalter, wo ihnen das dann als Ständiges-zu-hören-müssen wieder abgewöhnt wird) gleichermaßen „begabt“ sind. Es ist eine Frage, welche Schaltkreise da im Hirn so eines kleinen Menschen ignoriert oder wie gesagt gefördert werden. Gelingt das rechtzeitig, dürfte das mit dem „Fleiß“ nicht mehr so schwierig sein, denn Kinder sind im allgemeinen stark zu beeindrucken, wenn man ihnen den Erfolg entsprechend honoriert, denn mit Belohnung und nicht so viel Bestrafung. Wird dieser Zeitpunkt nicht richtig erfass, oder dann das Fördern falsch angegangen, wird das eine bösartige Plackerei.
    Wenn es dann gelingen sollte, bei diesen Menschen das Zuhören zu perfektionieren, dann hören sie die Welt besser, anstatt sie ständig und solchermaßen dann all zu falsch sehen zu müssen. Das ist in etwa so, als wenn wir die Welt durch reale Bilder in Form von Fraktale-Algorithmen sehen würden – mit bloßem Auge -, welch Scheußlichkeiten blieben uns da erspart. Daher ist diesen „Genies“ der Zugang zur Mathematik ein leichtes, da sie in den abstrakten Formeln und Gleichungen gewissermaßen sinnlich wahrnehmbare Existenzen zu erblicken vermögen. Ich bin überzeugt, gelänge es uns, unseren Kindern rechtzeitig das entsprechende Gehör zu schenken, schenkten sie ein solches uns ebenso; und die Welt wäre nicht nur um ein vielfaches reicher, sondern auch (v)erträglicher. Was dem aber immer noch im Weg steht, ist vor allem dieser widerliche Klassendünkel, der da glaubt, dass nur Genies die Welt (besser) verstünden und solche selbstredend nur einer gewissen Klasse entspringen können.
    Und da die Welt eben so und nicht anders organisiert ist, vorerst jedenfalls, kann zum Beispiel ein gewisser Don vom kindlichen Gemüt nichts anderes verstehen als dessen Lust auf eine unerträgliche Lautstärke neben einer noch unerträglicheren Ignoranz. Diese Lautstärke und jene Ignoranz sind aber nur die verdiente Antwort, die nicht zu vermeidende Reaktion, auf die seinerseits penetrante Ignoranz gegenüber einer jenen Lebensphase im Leben eines jeden Menschen, in der weniger gesprochen als zugehört wird, sprich: einer brutalen Übertönung des kindlichen Gehörs wie Gemüts.
    Die Blockflöte ist im Übrigen nur deshalb allzu oft das schlechteste aller Instrumente, weil es in der Regel schon sehr frühzeitig dazu dient, die ersten kindlichen musischen Regungen ruhig zu stellen, statt gerade jetzt diesem Kind noch besser zuzuhören.

  46. es stimmt. auch ich habe neben...
    es stimmt. auch ich habe neben blockflöte, klavier, gitarre und chor alles durchlitten, was man in dieser hinsicht als kind erleiden kann. ein wesentliches phänomen des grauen habt ihr jedoch vergessen: die „orffsche kinderinstrumentalgruppe“. ganz, ganz schlimm. das glockenspiel, das meine eltern mir zu weihnachten schenkten, durfte ich erst ohne widerworte links liegenlassen, nachdem ich eine vorführung der ortsansässigen orffschen instrumentalgruppe damit boykottierte, dass ich meine holzschlägelchen nach den ersten zehn oder vierzehn takten dieses UNERTRÄGLICHEN ATONALEN GEKLIMPERS aufs brett schmiss, die arme verschränkte und böse ins publikum blickte. bis zum ende des stücks. danach hat mich meine mutter nie wieder um beteiligung gebeten.

  47. Träume, sich wiederholende...
    Träume, sich wiederholende Träume:
    eine szenische Kantate für 400 Blockflöten und 40 Soubretten. Zum Finale werden die Soubretten auf einem Blockflöten-Scheiterhaufen verbrannt. Feuerwerks-Flöten-Blockmusik……………………..Soubrettendämmerung……………

  48. Ich war gerade dabei, eine...
    Ich war gerade dabei, eine Antwort auf den Beitrag von Devin08 zu verfassen – dabei fiel mir auf, daß es auch unglaublich schön sein kann, diesen Blog einfach nur zu lesen. Man muss ja nicht auf alles und jedes antworten.

  49. Werter Vetter!
    Die Orgel zu...

    Werter Vetter!
    Die Orgel zu katholisch???
    Orgelmusik ist doch seit Bach der Inbegriff protestantischer Kirchenmusik!!!

  50. Mawu: Sicher. Jeder wie er...
    Mawu: Sicher. Jeder wie er mag. Trotzdem freue ich mich natürlich über Wortbeiträge.
    .
    Don Ferrando, in Ermangelung von Erfahrung mit evangelischen Kirchen – diese schmucklosen Dinger sind meines nicht – und angesichts mancher eher erduldeter Orgelkonzerte ist das Instrument für mich nun mal katholisch.

  51. itha, so ein orffsches Ding...
    itha, so ein orffsches Ding hatten wir auch, das galt als non plus ultra kindlicher Musikerziehung. Allein, meine Mutter dachte, dass ich zu Höherem bestimmt war, und so bekam ich sehr früh eben jenen Klavierunterricht. (Über die schreckliche Wirkung des Xylophons in Kinderhand ein anderes mal)
    .
    herold, es sollte klar geworden sein, dass ich die Versuche gegenüber still erdulde und ansonsten durchaus verstanden habe, dass ich nicht für solche Kinderabenteuer geeignet bin. Was soll’s. Andere können dafür keine Pässe fahren und hassen die Riviera.

  52. Je nach Klassenherkunft
    @Don...

    Je nach Klassenherkunft
    @Don Alphonso: Nichts für ungut, ich meine sowas nie persönlich. Ich finde es außerdem gut, wenn man sich rechtzeitig zu seinen Schwachstellen bekennt. Aber ich halte es halt für noch wichtiger, gewissen, sagen wir mal „gesellschaftlichen Schwachstellen“ nachzugehen.
    Das bedeutet jetzt keineswegs, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe (oder ich meine Klassenherkunft stilisiere), aber ich hatte halt schon öfters Gelegenheit meine eigenen Schwachstellen zu erkennen (leider nicht immer rechtzeitig – 2 Ehen, 2 Kinder -; und das hat ja auch was mit dem Alter zu tun, je älter man wird, desto später entdeckt man seine Fehler).
    Und gerade was das Leid der Kinder angeht, mach ich mir große Sorgen, nicht nur weil ich selber Kinder habe, sondern, weil mir alle Kinder gleich viel bedeuten.
    Ich denke gar manchmal an das Kind, wenn ich da so einen Verbrecher vor mir sehe, und denke: was hätte doch aus diesem werden können, wenn nicht…
    So einer wie Ackermann hat sicher schon als Kind seine Freunde beim Murmelnspielen (fränkisch: Klickerspielen) zu bescheissen gesucht, da wette ich drauf. Und irgendwie muss er dabei all zu oft Erfolg gehabt haben. Der eine schummelt mit dann mit Zertifikaten und Derivaten, also wird Banker, der andere Hütchenspieler, je nach Klassenherkunft vermutlich, oder?

  53. Don, wenn die Orgel...
    Don, wenn die Orgel katholisch, dann sind Blockflöte, Tamborine und Triangel auf jeden Fall evangelisch. Ich protestiere immer, zumindest innerlich, wenn ich so erwas hören muß zumal in einem Gotteshaus! :)

  54. Lieber Don Alfonso, es...
    Lieber Don Alfonso, es erschien mir so unglaublich mühsam, einen Diskurs mit zu führen. Trotzdem schält sich nun aus Herolds etwas anstrengendem Beitrag und Deiner Antwort ein interessanter Aspekt heraus. Ich für meinen Teil kann mit 4-jährigen, eineiigen Zwillingstöchtern aufwarten. Im Gegesatz zu Herold sehe ich durch Beobachtung bestätigt, daß es Begabungen sehr wohl gibt, bestimmte Charakterunterschiede waren ab der ersten Minute nach der Geburt erkennbar. Ich bin der Meinung, die Kinder sollen alle Möglichkeiten bekommen und sich nach ihrer Persönlichkeit frei entfalten können – wenn sie Spaß am Blockföte spielen haben werde ich sie motivieren, wenn sie es nicht haben, werde ich sie nicht unnötig zwingen.
    .
    Lieber Don Alphonso, ich fahre auch gerne Pässe (vornehmlich in zweisitzigen Autos) oder beschäftige mich auf intellektuelle Weise – aber ich war der Meinung, Kinder gehören zum Leben dazu. Meine Einschätzung des mit Kindern verbundenen Aufwandes war allerdings völlig falsch, womit ich nun leider ein gewisses Problem habe. Andererseits ist dies vermutlich nur eine Phase auf dem Weg zum später folgenden Höhepunkt. Wie etwa in der Musik, kann ein wirklicher Höhepunkt nur durch vorangegangenen „Verzicht“ erreicht werden. Und dieser Höhepunkt könnte Dir womöglich entgehen – aber wer weiß, vielleicht täusche ich mich ja auch und Herold hat recht mit seinen zwei Ehen und zwei Kindern… :-)

  55. Gerade wollte ich "Venezia...
    Gerade wollte ich „Venezia 1625“ empfehlen, eine neue Einspielung von Maurice Steger mit eher unbekannten venezianischen Komponisten (u.a. Uccellini und Fontana), da sehe ich, das ist weiter oben bereits geschehen. Also nochmal: Wer diese CD gehört hat (wie auch frühere von Steger), wird nie wieder behaupten, Blockflöte sei piepsig. Das ist grandiose Musik mit einer Klangvielfalt der Flöte (ok, zugegebenermaßen: verschiedener Flöten), die man nicht für möglich hält. Ich konnte mich nicht satt dran hören. Können muss man es halt, das gilt für alle Instrumente – und darüber hinaus.

  56. Liebe Mawu, wie ich Ihnen aus...
    Liebe Mawu, wie ich Ihnen aus eigener Ansicht bestätigen kann, wird es erst im Studium so richtig teuer – so eine Art Ablassgeschäft, man hat die Kinder aus dem Haus und zahlt dafür. Nun hatte ich bekanntlich die beste Familie der welt mit allem, was dazu gehört: Trotzdem habe ich einfach keine neigtung dazu. Wie zum Alkohol oder zum Reuchen. Und ich glaube auch nicht, dass in meinem Genmaterial ein unersetzbares Chromoson wäre, das weiterzutragten der menschheit echten Gewinn brächte. Es ist egal.
    .
    FS, es gibt keine Musik, die so erhaben sein könnte, dass sie eine christliche Gemeinde nicht doch jeden Zaubers berauben könnte. Überhaupt, seit dem Ende des Rokoko ist es epigonenhaft.

  57. Wivo, es gibt sicher auch...
    Wivo, es gibt sicher auch grandiose Rezepte für Gelberüben – es bleiben aber Gelberüben. Ich habe für manches ein Faible und für anderes einfach eine fast schon genetische Ablehnung.
    .
    Ladyjane., wo die Gambe doch so erotisch ist!

  58. Sethos, dem Grossbürgertum...
    Sethos, dem Grossbürgertum sollte immer auch ein Bildungsbürgertum innewohnen, sonst sind es reiche Prolls, Bankster, vermögensveralter und andere Leute, denen man nicht vorgestellt werden möchte. Es gibt ganz hervorragende klassische Musik für Dudelsack; ich werde demnächst mal etwas vorstellen.
    .
    Hanskarl, gerade diese Unwägbarkeit ist es, die mich im Bereich des grauen kapitalmarkts von Investments abraten liesse – aber vermutlich würde ich sagen, tut, was ihr wollt und macht bitte die Tür zu und was ihr danach im Probenraum treibt, ist mir egal, solange ihr ein Kondom dabei habt.

  59. Immer wieder mischen, das...
    Immer wieder mischen, das Zeugs
    @Mawu/Don Alphonso: Zunächst mal ein kleines Missverständnis ausräumend: Natürlich unterscheiden sich die Kinder in puncto Charakter, wie überhaupt in vielerlei Hinsicht. Das mit dem Hören als Lebensphase, halte ich aber für unumgänglich, es sei denn, es handelt sich um ein schwerhöriges Kind (dann aber „hört“ das Kind über seine übrigen Sinne). Unterschiedlich sind schließlich auch die jeweiligen Phasen in der Entwicklung, doch gibt es diese Phasen bei allen Kindern. Auch der Umgang selber, den die Kinder mit ihren Phasen haben, ist ein völlig verschiedener. Und der jeweilige Zugang zu den besonderen Musikinstrumenten wiederum ein anderer. Ich denke auch, dass das Vorbild der Eltern (der Erzieher), nicht unerheblich sein wird. Schlicht in all dem Chaos zeigt sich eine gewisse Regel: Im Mutterleib beginnend ist das Kind auf Hören hin abgerichtet. Dieses „Hören“ ist nicht nur mit den Ohren gemeint, es kann auch Fühlen oder Schmecken meinen. Da Klänge über das Hören abgetastet werden, sind somit alle Kinder bis zu einem gewissen Alter gleichermaßen „begabt“ (nicht mit gleichem Charakter versehen, das ist wieder etwas komplexer). Im Übrigen sind meine beiden Kinder musikalisch, was mit Sicherheit nicht an mir liegt, jedenfalls nicht genetisch (allerdings bin ich mir da nicht so sicher, denn mein Vater war musikalisch), sondern wohl eher an meinen beiden Frauen. Beide meiner Frauen kommen aus dem Orient, und dort wird einfach mehr Musik gemacht, mehr getanzt, und last not least: mehr zugehört. Das Plappern kommt erst viel später, und dann will es auch nicht mehr aufhören.
    Bzgl. Dons Gene wäre ich nicht so pessimistisch. Ich glaube, dass wir heute alle Gene brauchen, damit die Menschheit sich gesund und hoffentlich auch bald klüger weiter entwickelt. Bei den 6 Milliarden Menschen sind ehe viel zu viel miteinander verwandt. Ich komme aus Unterfranken, ich weiß wovon ich rede.
    Immer wieder anständig mischen das Zeugs – darauf kommt es an.

  60. Lieber Don Alphonso, ich bin...
    Lieber Don Alphonso, ich bin eigentlich vollkommen Ihrer Meinung, und wenn jemand keine Kinder haben möchte, verstehe ich das ebenfalls vollkommen. Auch ich bin in der besten Familie der Welt aufgewachsen, rauche nicht und trinke nicht, habe auch sonst keinerlei Probleme. Aber, und ich kann die folgende Aussage nicht genug betonen: freuen sich Ihre Eltern nicht jedesmal unendlich, Sie zu sehen?
    .
    Dazu passend: Letztens unterwegs hörte ich eines meiner vielen Lieblingsstücke mit etwas besseren Kopfhörern am iPhone und war genauso verzückt, wie an meiner häuslichen Musikanlage im Wert eines mittleren Automobils. Der Kern ist eben die Musik, deren Wiedergabe macht nur die letzten paar Prozent des Genusses aus. Und da, lieber Herold, stimme ich Ihnen voll und ganz zu: Kinder sollen Musik genauso zwanglos für sich entdecken können, wie ich das Glück dazu hatte und Don Alphonso offensichtlich auch.

  61. Blockflöte, war das nicht...
    Blockflöte, war das nicht eine der Pestgaben, die uns die Pandora aus ihrer Büchse gab? Habe selbst als Kind und Jugendlicher fast ein Jahrzehnt die Altflöte gespielt, späterhin im Kirchenchor und als Solist. Aber rückblickend weiß ich, dass die Blockflöte das unerträglichste aller Musikinstrumente ist, und sich mit diesem Attribut noch hinter die Tuba reiht.
    .
    Einmal wurde mir der Aufenthalt in Taormina fast verleidet, weil dort ein ansässiger Musikalienhändler meinte, die Fußgängerzone mit mittelalterlichen, vulgo Blockflöten-Klängen zu beschallen. Man konnte aggressiv werden bei dieser nervenzehrenden Folter.

  62. Don Alphonso 12:01: Anders als...
    Don Alphonso 12:01: Anders als gegen den Tod (siehe Gilgamesch) ist gegen diese Haltung natürlich kein Kraut gewachsen. Es entgeht Ihnen etwas. Aber das ist auch schon alles.

  63. Seltsam, wie einmütig und...
    Seltsam, wie einmütig und stumpf hie alle Ergänzungsschreiber(innen) auf die Blockflöte eindreschen. Ist die katholisch?

  64. Sterne, nach meiner Erfahrung...
    Sterne, nach meiner Erfahrung ist die Blockflöte sowas wie eine reichlich kollektive Erfahrung negativer Art – vielleicht deshalb? Mich interessiert das. Zumindest bei uns war das so.
    .
    wivo: Im Schlechten sicher, und im Guten: da meine ich Besseres zu haben.

  65. Erotik der Gambe. Nunja, für...
    Erotik der Gambe. Nunja, für das Alter vielleicht eine zu feine Kategorie. Die Jungs in meiner Umgebung hörten ACDC. Und selbst der Knabe aus unserem Quartett versuchte uns Mädels keineswegs mit seinem virtuosen Gambenspiel zu beeindrucken, sondern damit, dass er beide Füße hinter den Kopf klemmen konnte. Außerdem hatte die Renaissance der Alten Musik noch nicht eingesetzt, und die meisten fanden den Klang dieses Instruments etwas merkwürdig.

  66. Eine Blockflötendarbietung...
    Eine Blockflötendarbietung kann durchaus ein Hochgenuß sein! Allerdings war es in meinem Fall ein eher visueller: die Flötistin bearbeitete (sowohl „bezutzelte“ als auch „blies“ wären obschon der Tätigkeit recht nahekommende trotzdem unangemessene Verben) recht extrovertiert und ausdrucksstark und musikalisch ihre Piccoloflöte. Und ja, ich gestehe: das Schwein sass im Auge des Beobachters.

  67. Zur Blocklöte: Sicher gibt es...
    Zur Blocklöte: Sicher gibt es auch bei diesem Instrument Virtuosen, welche in der Lage sind angenehme Tonfolgen zu produzieren, aber das ist hier nicht der Punkt! Die Blockflöte ist wohl auf diesem Planeten das am häufigsten malträtierte und misbrauchte Instrument. Die Masse der Versuchenden schädigt schon seit Generationen die Gehörgänge unzähliger Mitmenschen. Sebst der Gitarrenboom der 60er und 70er Jahre konnte die Blockflöte aus den Kinderzimmern nicht verdrängen. Ein Leidgeprüfter

  68. mawu, das ist immer die Frage,...
    mawu, das ist immer die Frage, mit was ich ankomme. Bringe ich eine Tarte mit, ist die Freude nicht klein; ist die Tarte dagegen auf dem Sunbeam Supreme 90 Mk III, sieht es schon etwas anders aus. Es liegt aber auch daran, dass ich reichlich wohl geraten bin und nicht zu Auffälligkeiten, Scheidungen oder gar Patchworkfamilien neige.
    .
    Ephemeride, es hängt vielleicht auch vom Rahmen ab. sagen wir mal, der Hirte auf der Alm, das ginge noch. Da passt es irgendwie. Aber störendes Gepiepse bleibt störendes Gepiepse.

  69. Ladyjane, zur Hochzeit der...
    Ladyjane, zur Hochzeit der Gambe war das durchaus eine Qualifikation, die man auch von Musikern als Zeitvertreibslieferanten erwartete. Aber natürlich hat das Aufkommend er alten Musik da sehr viel Gutes getan. Auch, weil mancher historischer Ansatz Kindern mehr bringt als die mitunter soch etwas schwer verständliche Welt des Rokoko.
    .
    Pius Xaver Kaltspiel, die passenden Büchlein zu den CDs warten auch manchmal mit Bildern auf, die man unter dem Wort „Muksikalenpr0n“ zusammenfassen könnte. Gerade, wenn das Label Alpha französische Photographen auf französische Musikerinnen loslässt, bekommt man Lust, ins Konzert zu gehen.

  70. Lieber Don Alphonso,...
    Lieber Don Alphonso, interpretiere ich diese unglaubliche „Begeisterung“ der Eltern für derartige Fahrzeuge richtig? Auch ich bin reichlich wohl geraten, aber in den Augen der Eltern kann natürlich nichts perfekt sein (siehe: „Das nicht existierende Selbstbestimmungsrecht der besseren Kinder“). Meine diversen Spleens werden mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorgehalten und sind natürlich die Ursache jeglichen Übels – denn andere Auffälligkeiten der von Ihnen genannten Art habe auch ich nicht zu bieten…

  71. "Schon als kleines Kind hast...
    „Schon als kleines Kind hast Du immer…“
    .
    „Jetzt bist Du schon xx Jahre alt und trotzdem…“
    .
    „Ah geh“
    .
    „Wenn ich einmal sterbe möchte ich wenigstens wissen, dass Du…“

  72. Ja, ja, ja - genau das meine...
    Ja, ja, ja – genau das meine ich!!! Das war doch jetzt wieder ein entspannendes Lachen während der Arbeit! Vor allem die zeitliche Nähe der Äußerungen 1 und 2 fällt bei mir stark auf.
    .
    Ich darf mir seit etwa 4 1/2 Jahren zusätzlich noch folgendes anhören: „Aber Du hast doch jetzt Familie…“

  73. Selbst wenn es ein Spass sein...
    Selbst wenn es ein Spass sein mag, das zu sagen, finde ich es nur fair dafür zu sorgen, dass niemand das weiter erdulden muss – und wenn dann wenigstens nur die Kinder anderer Leute.

  74. Tja, werter Don Alphonso, Sie...
    Tja, werter Don Alphonso, Sie haben bis jetzt diesbezüglich natürlich leicht reden. Ich bin mal gespannt, was ich selbst zu meinen Kindern sagen werde, wenn sie mal größer sind – oder zu den schwachsinnigen Typen, die sie dann anschleppen…
    .
    Übrigens: Zum Pässefahren scheint unser oberbayerischer Raum leider nur noch bedingt geeignet zu sein. Letztens fuhr ich mal Abends zum Tegernsee, Richtung Schliersee/Bayerischzell und war über den Verkehr schockiert, selbst um 21.30 Uhr. Und am Wochenende ist der Verkehr sowiso nicht zum Aushalten.

  75. Jetzt (ab DA 14:58) macht es...
    Jetzt (ab DA 14:58) macht es richtig Spass. Eigentlich wollte ich nur erzaehlen,
    wie ich uebers Klavierspielen (sie executierte Bach) meine zukuenftige Frau dermassen verbitterte, dass sie, um mir endgueltig das Laestermaul zu
    stopfen, mich zur Ehe zwang. Nach 5 Jahren des Fallenstellens.
    Dieses Art des Herumerziehens am Sohn unterliessen wir in wuetender Erinnerung an unsere Eltern voellig. Hm, soweit ich das von mir weiss….

  76. Fehlt nur noch Supernannys...
    Fehlt nur noch Supernannys Senf dazu…

  77. mawu, erinnern Sie sich...
    mawu, erinnern Sie sich einfach daran, wie witzig sie die 12 Autopannen des Don Alphonso fanden, als es im Blog stand – genau so lustig müssen Sie den Kauf einer Ducati Monster mit 15 Jahren und Fahren ohne Führerschein nehmen. Und das ist kein Scherz – der bessere Sohn, der das tat, ist heute respektierter Sportarzt.
    .
    Filou, was ja auch die These widerlegt, dass Debatten um Blogs nur ein kurzes Strohfeuer sind, 52 Stunden nach Beginn der Debatte. Wie auch immer: In der Frage würde ich gern Ihren Sohn anhören. Meine Mutter behauptet ja auch, dass ich immer alle Freiheiten hatte.

  78. Driver, bedaure, aber bei...
    Driver, bedaure, aber bei Adorno überkommt mich schnell Müdigkeit. Und ich wüsste sogar, wo ich hanseatisches Handwerk her bekäme – aber das wird bei mir nichts mehr. Ohne Bedauern. Wie schon im einleitenden Zitat geschrieben: Die einen ist es vielleicht gegeben, in Korinth zu wohnen – ich verbleibe am Tegernsee. UJnd das ohne Zitate des Futur- und Dadaismus zum Thema Auto.
    .
    Weltweis: Bitte nicht.

  79. @ Don & filou, ja, die...
    @ Don & filou, ja, die Appendizitis hier ist wirklich lästig. Je mehr die Additoren schreiben, desto genüßlicher lässt der Hauptautor die Torten kreisen und schaut mit den Füßen auf dem Tisch zu, während die Abstände zwischen den Initialblogeinträgen immer länger werden.

  80. Flop, ich mag es, wenn...
    Flop, ich mag es, wenn Debatten sich verästeln und dann irgendwann der Diskurs versickert. Mitunter sind das die besten Anregungen für neue Beiträge – der hier beruht auch auf so einem abgeschweiften Kommentar.

  81. Verehrter Don Alphonso,
    Ihre...

    Verehrter Don Alphonso,
    Ihre Antwort auf meinen Beitrag ist mir vollkommen unverständlich! Könnte es sein, daß Sie ihn mit einem anderen verwechselt haben?
    Gruß Hanskarl

  82. Nein, ich meinte tatsächlich...
    Nein, ich meinte tatsächlich den Aspekt der Unwägbarkeit der Entwicklung junger Leute – und dass ich einfach versuchen würde, die dabei nicht zu stören, solange es dem Hause keine Schande macht. Heutzutage spielen sie ja auch oft auf Plattenspielern und ähnlichem Gerät.

  83. @flop. Da bin ich mir sicher:...
    @flop. Da bin ich mir sicher: die Fuesse hat der Herr Hauptautor nicht auf dem Tisch. Hoechstens ein Toertchen, daneben einen Band barocker Erotica, sowie
    die CD-Huelle weltlicher Madrigale. Unsereins wuerde sich noch ein Glaeschen
    Wein dazu sezten. Allerdings ist es dafuer noch zu frueh.

  84. auch ich hasse Längslulle,...
    auch ich hasse Längslulle, Querlulle, Panlulle, obwohl ich Längslulle von Piccolo bis Bass flinken Fingers und ziemlich konzerttauglich draufhab. Lieber jedoch Geige und Bratsche.
    Es scheint, dass ich doch ein eher rares Exemplar von früher Musikbegeisterung bin, denn ich wollte es tatsächlich lernen, unaufgefordert, ich habe nie an Uhren zwecks Übungsstundenverkürzung gedreht, meine erste Geige habe ich mir als Sechzehnjährige sogar selbst gekauft und zwar von dem Geld, das ich mit dem Segen unseres Lehrers meinen – sehr viel betuchteren, aber – ähm – altsprachlich weniger begabten Mitschülern für Lateinnachhilfe abknöpfen durfte. Ach herrje – Nachhilfe! Was hatte ich Angst, dass mein Zögling die nächste Klausur verhauen könnte! (Um des Jünglings Eifer in Sachen Vokabellernen ein wenig zu befeuern, schreckte ich selbst vor Erpressung nicht zurück! „Wenn du die Vokabeln bis übermorgen immer noch nicht kannst, erzähl ich deinem Alten, dass du rauchst“) – denn meine Bezahlung und Weiterbeschäftigung waren streng erfolgsabhängig: Keine Verbesserung bei den Lateinleistungen des Delinquenten hieß, nicht nur dieses Engagement loszusein, sondern auch künftig nicht mehr lehrervermittelt zu werden („ich hab da eine ältere Schülerin, die ist billig und gut…..“). Achjajajaja….. nun, ich will nicht weiter an den Memoiren eines Strebers schreiben…. klar war ich ein Streber.
    Das Streichen von Instrumenten lohnte sich indes relativ bald, ich sage nur: Mugge (Musik gegen Geld), eine Nebentätigkeit, die man – laut übereinstimmender Meinung – als Bratscher nach den ersten paar Unterrichtsstunden ausüben kann (irgendwer muß ja am Weihnachtsfeiertag auf der zugigen Empore fürs – den Kirchenchor unterstützende . Schrummschrumm sorgen…)
    Gerne hätte ich übrigens Klavier gelernt, allerdings war das meinem Vater viel zu „höhere Tochter“, also wurde der Antrag von ihm einstimmig abgelehnt. Inzwischen hab ich zwar ein Klavier, allerdings bin ich jetzt zu alt, das Spiel darauf zu erlernen. Dafür wird ersatzweise mein Nachwuchs dran glauben müssen, den ich zur Zeit mit Geigenstunden „quäle“.

  85. Fein. Oder auch nicht....
    Fein. Oder auch nicht.

  86. @DA. Ich moechte es jetzt, zum...
    @DA. Ich moechte es jetzt, zum langsamen Ende der netten Plauderei, nicht zu ausfuehrlich machen:
    Blockfloete fuer den Jungen wegen Schule „Ja“. Papi fand es doof. Wenn schon
    Floete, dann nicht das Ding aus muetterlichem Besitz. Anschaffung einer barocken C-Floete. Das fand der Musiklehrer interessant: Umstieg auf ein tiefer
    gestimmtes Instrument. Danach Fagot. Danach der Wunsch, ohne Vaterbegleitung (ich war ein engagierter Vater) zur Musikschule zu fahren. Alarmglocke! Ergebnis: Geschwaenzt. Dat janze jute Jeld! Konsequenz: Mein Gott, sag das doch direkt!
    Statt Ihrer selbst den Sohn befragt: Nein, die Sorte Sprueche, wie „Du warst dies und das…!“, hat es nicht gegeben. Von mir sowieso nicht, und vom nervenden Muetterchen auch nicht.
    Schoen, mot Ihnen geplaudert zu haben. Bis zum naechsten mal. Wenn es sich so ergibt.

  87. Filou, Sie sind jederzeit...
    Filou, Sie sind jederzeit herlich willkommen. Fagot mag ich übrigens sehr. Pommer auch. Da hätte ich auch einen CD-Tipp.

  88. Vanessa Mae in spe - ein...
    Vanessa Mae in spe – ein Nachtrag (falls da wer was falsch verstanden haben sollte bezüglich meines vorigen Kommentars und bereits darüber nachdenkt, ob das nicht ein Fall für den Kinderschutzbund sei): Eigentlich brauch ich keinen Nachwuchs nimmer nie nicht keinesfalls zu quälen – dem Baby, kaum dem Schnuller entwachsen, aber voll der Teufelstriller im Samtkleidchen, brauchte ich lediglich auf youtube Geigenvanessa vorführen, danach war das gebongt und sofort besser als Hannah und Montana und sie will also auch geigend mit dem Raumschiff einschweben, ja, das sind mal ganz konkrete Kleinmädchenträume, deren Realisierung ich nun ganz gewiss nicht im Wege stehe. Au contraire!
    An alle Eltern, die ihrem Nachwuchs trotz angeblicher Nichtnachhaltigkeit frühestfördernder Musikmaßnahmen dieselben angedeihen lassen wollen, ein Gratistipp von mir: Loben, loben, loben, loben! (Lieber die Finger in die Ohren und tapfer gelobt, lieber Polizeistreifenwagen ignoriert, wütende Nachbarschaftsmassen beschwichtigt als den Nachwuchs in seinen Bemühungen durch noch so berechtigte Hinweise auf Verbesserungswürdigkeit seines musikalischen Handelns zu früh demotiviert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Kinder schon eine gewisse Ahnung davon haben, dass da was noch nicht so ganz stimmt mit Frequenz und Amplitude der durch Instrumente in Schwingungen und Reibungen versetzten Luftmassen.

  89. Gratuliere! Kommentar No....
    Gratuliere! Kommentar No. 7000.

  90. Mit der Floete fing es an....
    Mit der Floete fing es an. Nur, in unserer alten Jaegerfamilie musste es natuerlich dann das Jagdhorn fuer mich sein. Ich habe es gehasst!!!
    Tiere schiess ich noch heut nicht tot, aber die Signale dazu koennte ich blasen.
    Aus den „Rachgeluesten“, denk ich mir, habe ich aus diversen Blasinstumenten im Laufe der Jahre einige wunderschoene Lampen geschaffen. Die Klarinette z.B. auf meinem Schreibtisch erfreut viele meiner Besucher (Es muss ja nicht immer ARTE MIDE sein)

  91. Flöten sind Instrumente...
    Flöten sind Instrumente blöder Gesten. Ich hatte mal das Vergnügen einem Flötenensemble zu zu hören das Mittelalterliches zum Besten gab. Diese rührenden (und ich meine rührend von Rührer!) Bewegungen haben mich fast an den Rand eines Lachkrampfes gebracht. Wenn man bei einem Klavier große Gesten vollführt teilt sich das auch direkt und auch dem unbedarften Hörer mit. Aber versuchen Sie mal bei einer Flöte in die Tasten zu greifen. nee, nee, das geht mal gar nicht.

  92. Leute, Leute, die Stützen der...
    Leute, Leute, die Stützen der besseren Gesellschaft sollten wir sein! Dazu gehört aber auch eine gewisse Bescheidenheit und möglichst die Abwesenheit von Überheblichkeit, sowie nach meiner Meinung auch die Fähigkeit, temporär einmal mit sich und der Welt zufrieden zu sein. Wie Helmut Schmidt mal sagte: das Unmögliche kann niemand erwarten, das Mögliche sollte aber angestrebt und weitgehend erreicht werden.
    Meine beiden Töchter haben vor gut zwanzig Jahren angefangen, das Blockfötenspielen zu erlernen. Ich erinnere mich, wie erfreut und gerührt ich war, wenn sie zu Weihnachten damit zweistimmig die Lieder vortragen konnten, und das auch noch vom Blatt, was ja eine intellektuelle Leistung für 6 bis8-jährige Kinder darstellt. Die eine ist später dann zum Saxophon (Alt und Tenor) , die andere zum Klavier gewechselt. Auch heute noch bin ich gerürt, wenn ich von meinen beiden Laienspielerinnen zum Beispiel Claire de lune (Debussy) höre oder die andere in einer Jazz – Big – Band mitspielt und auftritt.
    Ich selbst habe in der Pubertät nur in einem Kircherchor Flügelhorn mehr schecht als recht gespielt – ich war einfach zu faul und interessierte mich mehr für Little Richard etc – sowie später auch nur eher schlecht Jagdhorn (Fürst Pless in B).
    Ich beneide meine Töchter, das sie auf diesem Gebiet mehr Ausdrucksmöglichkeiten haben und bin auch ein wenig stolz, dass ich mitgewirkt habe, diese Disziplinen zu erlernen. Das kann in der Tat für Eltern nervig sein.
    Life-Musik ist eigemtlich immer gut und mit Konserven nicht zu vergleichen.
    Ansonsten: Ich liebe Euch doch alle! (von wem stammt das denn?)

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