Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Ich starre gern auf 1930

| 94 Lesermeinungen

Schliesslich bin ich Kulturhistoriker. Und obendrein lasse ich mir ungern sagen, wohin ich in krisenhaften Zeiten zu starren habe. Das muss man sich ja heute sagen lassen. Aber: Wer einem die Blickrichtung vorgibt, hat vielleicht auf der anderen Seite was zu verbergen. Und nachdem trotz übelster Krise gerade fast jeder Journalist damit beschäftigt ist, im Schlechten das Gute und im Falschen das Richtige zu entdecken, sehe ich 1930 noch mehr Ähnlichkeiten zur Gegenwart.

Als um die Jahreswende 1931/32 der allgemeine Bankzusammenbruch endgültog da war, hingen alle Grossbanken vom Reich ab.
OMGUS, Ermittlungen gegen die Dresdner Bank

Man sollte immer vorsichtig sein, wenn Autoren in Blogs eine Frage mit „?!“ beenden. Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern auch ein Zeichen dafür, dass dem Autor seinen eigenen Argumenten nicht voll vertraut. Allerdings kommt das auch in den besten Familien vor, so etwa auch in dem Beitrag  „Was starrt ihr alle auf 1929?!“ von Michael A. Gotthelf, der damit auf Thomas Strobls leicht ketzerische Thesen zur Instabilität des Kapitalismus antwortet. Gotthelf gibt sich redlich Mühe, den traurigen Ruf der 2009er Krise zu verbessern, wehrt sich gegen Vergleiche mit 1929 und sieht, Strobl ver- und Zahlen und Untersuchung durch das duzfreundschaftliche Vakuum werfend, die Wirtschaft allenfalls in einer mittelprächtigen Rezession. Alles super, eine Umverteilung der Mittel oder Korrektur des Systems sei überflüssig, es gehe durchaus gerecht zu, nicht die Pferde scheu machen lassen und immer weiter so – solange man nicht in Strobls Hausblog in den Kommentaren die Corrigenda liest. Vermutlich bin ich mit folgendem Geständnis auch ein übler linker Ketzer, der Handlanger zu „Krugmans Stellvertreter in Deutschland“ Linken – aber ich möchte hier keinesfalls verhehlen, warum ich selbst gebannt auf 1930 starre.

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Wenn meine Grossmutter aus dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise erzählte, sagte sie immer „Bei uns hat es immer etwas Fleischiges gegeben“. Wir hatten immer Fleisch auf dem Tisch. Damals musste man sich Fleisch erst mal leisten können. Im Kern lässt sich die Geschichte des gehobenen Bürgertums der letzten beiden Jahrhunderte auch anhand des Fleischkonsums erzählen, der früher allein den Eliten vorbehalten war: Die Bauern hatten Mangelkrankheiten durch den ewig gleichen Getreidebrei, und die Mächtigen Rheuma wegen der unmässigen Fleischesserei. Wer nicht mehr Hunger hatte, versuchte auf der Nahrungskette nach oben zu gelangen, und im 19. Jahrhundert gelang es dem Bürgertum, Fleisch zu einer Normalität werden zu lassen. Manche hatten immer Fleisch auf dem Tisch. Die Fleischschüssel war der Mittelpunkt des Gedecks. Sogar zwischen 1916 und 1936. Das waren jene, die durch alle Krisen hindurch, auch unter Verlusten, ein gewisses Niveau halten konnten. Wie etwa meine Familie.

Andere dagegen mussten in jener Zeit erst mit der Kriegsnahrung vorlieb nehmen, verloren einen Teil ihres Vermögens durch das Platzen der Kriegsanleihen und den Rest durch die Inflation, und hatten nicht mehr viel von ihrem Reichtum, als 1930 bis 1933 die Folgen der Weltwirtschaftskrise schliesslich Deutschland erreichten, wo sie durch die Zwangsmassnahmen der Regierung Brüning noch verschärft wurden. Wir hatten immer Fleisch auf dem Tisch, aber natürlich auch nicht mehr so viel, denn auch bei uns gab es Kriegsanleihen und Bargeld. Das deutsche Bürgertum hatte sich seit dem Ende der napoleonischen Kriege konstant und ohne grosse Brüche entwickelt, um dann innerhalb von 15 Jahren oft alles zu verlieren. Durch eine Krise, die sie so wenig verstanden, wie die meisten heute die Krise verstehen.

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Wer damals unter die Räder kam, verlor alles. Es betraf jeden; manche konnten, wie meine Familie, zumindest einen Teil des Vermögens retten, andere gingen in die Donau, weil sie keinen Ausweg mehr sahen. Feine Leute, erzählte meine Grossmutter, die sich nichts zu Schulden hatten kommen lassen, denen aber die Krisen jede Existenzgrundlage nahm. Wir hatten immer Fleisch auf dem Teller. Wir schon. Aber wir hatten auch eine Bäckerei. Wenn der Teig nicht aufging und das Brot ungeniessbar war, kamen trotzdem welche, um sich damit den Magen zu verderben. Es gab sehr viele Arme und Hungrige.

Wir hatten übrigens auch nur Fleisch, weil mein Grossvater Jäger war und Freunde unter den Adligen hatte. Man gab auch manches weiter. Im Park um die Stadt war im Winter 1930/31 kein Ast mehr auf dem Boden. Wir kamen durch. Aber das Bürgertum als Ganzes wurde an den Abgrund geschoben, und viele darüber hinaus. Jeder versuchte zu überleben. Wir hatten Fleisch, aber die Gesellschaft verlor das, was man vielleicht als „Tugenden“ bezeichnen könnte. Man wurde unempfindlich gegen Leid, gegen die Arbeitslosen, die an der Donau kampierten, weil sie die Miete nicht mehr zahlen konnte, gegen die Töchter, die sich verkauften, gegen die Sterblichkeit und den braunen Pöbel, der davon profitierte. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Krieg, sagte meine Grossmutter. Und die Schlechte Zeit. 1930.

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Es gibt manche alte, nicht allzu erbauliche Geschichten, die man in meinen Kreisen vorträgt, um die Zugehörigkeit zu beweisen: Die mit dem Arzt liierte Urgrossmutter in Davos, der Opa, der dem Grafen allzu ähnlich sah, der Zusammenbruch des Autos hinter dem Brenner Anno 28, die mangelnden Flötenkünste von Urgrosstante Eulalie. Ich kenne niemand, der solche Scherze mit der schlechten Zeit treiben würde. Auch heute steht man wieder vor der Herausforderung, das Vermögen zu sichern; ich kenne durchaus Leute, die im Bereich von kreditfinanzierten Geschäftsimmobilien oder Filmfonds ihr Vermögen zu verlieren drohen. Bei den Eltern meiner Bekannten sind Vermögensverluste von einem Drittel normal. Und den unter Schulden und Geldmangel stöhnenden Familien Schaeffler, Schickedanz, Porsche und Oppenheim wird man gerade ebenso wenig über die 30er Drangsale erzählen müssen.

Aber Herr Gotthelf meint, man solle nicht auf dieses 1930 drauf starren. Ich frage mich: Warum nicht? Was will Herr Gotthelf, dass man es dort nicht sieht? Vielleicht die Parallelen jenseits der Zahlenschubserei? Da sind beispielsweise die frappierenden Ähnlichkeiten zu den Rettungsbemühungen für deutsche Banken, die den Staat selbst 1932 an den Rand des Zusammenbruchs brachten: Nachdem die Banken ihr Eigenkapital verzockt hatten, musste der Staat eben jene Millionen hineinpumpen, die er durch harte Schnitte bei sozial Bedürftigen und durch tatenloses Zusehen bei Firmenzusammenbrüchen gespart hatte. Wer heute Brüning’sche Notverordnungen sehen will, mit unbezahltem Zwangsurlaub für Staatsdiener und de facto Staatspleite, wird im Kalifornien unter Herrn Schwarzenegger fündig, ebenso bei Obdachlosen und Suppenküchen. Rechtsextreme Bürgerwehren in staatlicher Legitimation in braunen Uniformen, die Jagd auf Ausländer machen, denen die Schuld an der Krise gegeben wird? In Berlusconis Landen ist dieser Flair der 30er ab sofort wieder zugelassen.

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Die auffälligste Übereinstimmung zwischen 1930 und heute finde ich jedoch in einem amerikanischen Blog, in dem sich jemand die Mühe macht, Tag für Tag die Schlagzeilen des Jahres zu veröffentlichen. Und da ist es gar nicht die Hoffnung, Fiat könnte einen amerikanischen Autobauer übernehmen – es ist das immer gleiche Gebrabbel sogenannter Experten, die Krise habe ihren Höhepunkt erreicht, eine Verbesserung der Lage würde schnell kommen, das Schlimmste sei hinter ihnen, der ganze Unsinn, den all unsere Experten genauso fundiert und falsch von sich gegeben haben, egal ob sie nun Ackermann, Bernanke oder Paulson heissen. Diese zynische Wette auf eine grandiose Zukunft mit Wachstum und Prosperität, die erst kommt, wenn man noch mehr Geld in marode Banken und Firmen steckt, ihnen Nachlass beim Kauf anderer Banken gewährt, Kreditversicherer mit Geld überflutet, damit Banken nicht an ihren Spekulationen nicht krepieren und man mit Billionenschulden weiter machen kann, oder auch nicht, wenn die Zukunft noch etwas länger braucht – und noch längerund noch länger – 1930 hat das unter unschönsten Begleitumständen auch bis 1945 gedauert. Da ist der Vergleich mit 1930 mitsamt der daraus zu ziehenden Lehren immer noch die erfreulichere Angelegenheit.

Und damit wir uns auch richtig verstehen: Die abgebildeten Geldscheine sind keine Sammlerstücke, sondern nicht entwertete, aber wertlose Originale, echte und durchaus schmerzvolle Verluste meiner Familie, die zu eben jenem Zweck der Erinnerung aufbewahrt wurden.Damit so etwas beim nächsten Mal nicht wieder passiert. Zum Beispiel 2010.

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94 Lesermeinungen

  1. Ein Blick zurück in die...
    Ein Blick zurück in die Geschichte , um aus Parallelen und Unterschieden Lehren zu ziehen, schadet nie!
    Allein Euer Untergangsszenario mag micht nicht überzeugen.
    Falls es doch eintritt, werde ich gerne Abbitte leisten!
    Interessant ist auch, dass bei Eurer Großmutter das Fleisch noch Synonym für einen Rest von Wohlstand in der Krise war, Ihr aber dem Fleische völlig entsagt !

  2. Gerade wer auf 1930 schaut,...
    Gerade wer auf 1930 schaut, kann vielleicht Massnahmen ergreifen, für sich selbst, sein Unternehmen, für sein Land, um die nicht aufhaltbaren Verwerfungen etwas abzufedern. Was unsere heutige Situation – soweit ich das als Laie überblicken kann – von damals unterscheidet, ist die Möglichkeit, Informationen sehr schnell weltweit zu verbreiten, vor allem durch Internet und Massenmedien. Und wenn man die ganzen klugen Köpfe des Planeten virtuell zusammen schaltet, sollten doch ein paar Lösungen herauskommen, die oberhalb des Niveaus brüningscher Nachfolger liegen.
    Es ist vielleicht sehr gut, dass es so unterschiedliche Ansätze gerade in den stark wachsenden Ländern gibt, es auf Europa kaum noch ankommt. So wie sich die deutschen Länder in der Europäischen Union verloren haben, verliert sich Europa nun zwischen den bevölkerungsreichen Mächten – eher ein Mitläufer als ein Bestimmer. Das muss für die Bürger des Landes nicht das Schlechteste sein, denn die Experimente, die letztlich allen nutzen wie die Finanzkrise schadet, werden woanders gemacht, wir können einfach die Früchte ernten und haben es hinterher schon immer besser gewusst.
    Verhungern wird so schnell – vermute ich – keiner müssen in den Ländern mit gut ausgebauter Infrastruktur. Es gibt genug Potenzial in der Robotik, der Landwirtschaft, der Energiegewinnung, Rohstoffwiederverwertung, um einige Jahrhunderte mit wenig oder sogar negativem Wachstum zu überleben. Ob es dann noch jeden Medien- und sonstigen Bespassungskonzern gibt, ob die sog. Konsumtempel und andere Tandschleudern weiter exisiteren, ob wir uns weiter leisten können, dass gefühlte 75 % der Landesbevölkerung unproduktiven Tätigkeiten nachgehen, steht auf einem anderen Blatt.

  3. Ja, das ist dann der...
    Ja, das ist dann der Treppenwitz der Geschichte. Noch übler wird mir aber von Freunden meines Grossvaters genommen, dass ich weder Jäger noch Ehemann wurde. Und auch kein Interesse an den Schiessprügeln habe. ich habe dazu mal was geschrieben:
    .
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/477754/
    .
    Es geht mehr um das Prinzip als um das Essen. ich glaube auch nicht an den Untergang, aber an den grössten Raubzug dieses Jahrhunderts mit verarmten Staaten und fetten, unbelehrbaren Banken.

  4. ich sage einfach nur: danke...
    ich sage einfach nur: danke für diesen Artikel !
    Warum erkennen das so wenige Menschen ???

  5. Zeitschriftenleser, ich sehe...
    Zeitschriftenleser, ich sehe ein massives Ungleichgewicht beim Informationsbetrieb. Wer sich für die Krise interessiert, braucht mit deutschen Medien und Journalisten erst gar nicht anfangen. Es gibt ein paar deutsche Blogger, die kompetent sind, dazu sehr viele amerikanische Kollegen, aber das läuft völlig am Mainstream der deutschen Medien, auch Wirtschaftsmedien vorbei. Und damit natürlich auch an den Menschen. ich verkehre nicht in dummen kreisen, aber wenn ich von der krise der Alt-A-kredite erzähle, versteht das keiner. Die Technuk zum Verbreiten ist da, aber nicht die Fähigkeit, das Wissen einzusammeln. ich empfehle daher immer
    .
    http://ftalphaville.ft.com/
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    Es gibt in Europa nichts besseres.

  6. ...obwohl die Vergangenheit...
    …obwohl die Vergangenheit jedem klar zur Verfügung steht und man aus ihr gelernt haben sollte & sogar das „Spiel“ aktuell um Einiges durchsichtiger ist als 1930.
    By the way: Wunderbar kommt in diesem Artikel der Glanz Ihres Idealismus…uups, fast aus Versehen…hervor.

  7. Den Jagdschein solltest du...
    Den Jagdschein solltest du übrigens machen. Erstens gehört er in deiner Region einfach dazu und zweitens bekommst du damit nochmal Zugang zu Kreisen und Denkstrukturen, die dich reizen sollten. Damit meine ich nicht nur die hier titelgebenden Kreise, sondern vor allem die Bauernjäger

  8. Das wär was! Da würden mir...
    Das wär was! Da würden mir auch manche gleich noch die Tochter andrehen…. das Problem ist, dass die Erinnerung schon sehr stark ist, und man nicht versteht, dass keiner die Tradition fortsetzen will, trotz all der schönen Gewehre, die man mir weitergeben würde.
    .
    miner, wer als Historiker an die Lernfähigkeit der Menschen glaubt, solte auf Priester umsatteln.

  9. Don freuen sie sich, dass ihre...
    Don freuen sie sich, dass ihre durchlauchte Großmutter immer genug Fleisch hatte und somit nicht die Gefahr bestand für Hitlers „Kanonen statt Butter“ Programm instrumentalisiert zu werden. In diesem Sinne: Fleisch ist mein Gemüse!

  10. Ein Beitrag, der betroffen...
    Ein Beitrag, der betroffen macht, weil man spürt: es ist so.
    Ad „Ungleichgewicht beim Informationsbetrieb“:
    War das nicht (auch) schon immer so? Nur heute mutet es seltsam an, da nunmehr jeder – und nicht nur eine Oberschicht – qua Internet Zugang zu allen Informationen haben kann.
    Meine These: Das Gros der Informationsteilnehmer vulgo Menschheit will den Dingen nicht auf den Grund gehen. Die Welt will betrogen werden. Man ist’s zufrieden – der Sinn des Lebens ist nun einmal das Leben und nichts Höheres.

  11. Heutzutage werden aber die...
    Heutzutage werden aber die Abwrackprämien für den Erwerb der neuen Wagen des Volkes -irgendwann zumindest- wohl noch ausbehalt. Damals gingen hunderttausende von Sparern, wie mein Grossvater, komplett leer aus. De Anrechtsscheine über mehrere hundert Millionen Reichsmark wurden komplett wertlos. Statt Kdf-Wagen gab es Kriegsgut. An die Krise würden heute schlagrtig alle glauben, sagte man ihnen, dass es die Abwrackprämie nicht gibt. „Tut uns leid, haben wir zwar versprochen, aber es ist kein Geld mehr da.“ Das hätte eine ganz andere Qualität als die Verluste bei Schaeffler und Schickedanz.

  12. Lieber Don Alphonso, zu dem...
    Lieber Don Alphonso, zu dem 1930er Szenario fehlt aber in Deutschland noch wirklich echte, beissende Armut und die Radikalisierung der Gesellschaft. Braune Horden kann ich wirklich nicht entdecken, und der Zulauf zur Linken scheint sich in Grenzen zu halten – Oskar’s Popularitaet ist nicht mit der von Ernst Thaelmann zu vergleichen. – Ein Oldtimer ist doch ein schoeneres Spielzeug als ein Schiesspruegel, da gebe ich Ihnen voellig Recht. Und irgendwann kommt dann vielleicht doch mal ein Don Alphonsito in die Welt ;-: – Totale Geldentwertung haben z.B. auch die Khmer Rouge exerziert, die 1975 die Zentralbank Kambodschas gesprengt haben und den Riel ausser Kurs setzten; sehr ambitioniert, diese totale Abschaffung der Geldwirtschaft. Meine Eltern haben auch noch einige schoene Piaster-Scheine. Doch fuer den Euro sehe ich das nicht kommen. – Wie macht sich der Sunbeam auf den Strassen um den See herum?

  13. Ich frage mich immer wieder:...
    Ich frage mich immer wieder: wer hat eigentlich diese Welt erschaffen, die wir jetzt erleben? Nach den Totalverlusten des Krieges schaffte es mein Vater zumindest wieder, Firmen aufzubauen und einen angenehmen bürgerlichen Wohlstand zu erschaffen. Ohne Betrug, einfach mit viel Arbeit, als guter und seriöser Geschäftsmann. So war das einmal. Heute scheint aber alles nur noch mit Beschiss und Betrug zu laufen, Haffa-like, jeder will nachahmen und gleich ans große Geld, koste es, was es wolle. Diese ganze Gier ist in der Dot.com-Blase verpufft und mit ihr leider auch beträchtliche Teile des bürgerlichen Vermögens. Wir alle schlagen uns nun so durch, von einer Krise in die nächste, von einer Spekulationsblase zur nächsten und erschaffen doch – nichts. Und in „unseren Kreisen“ geniesst man noch den restlichen Wohlstand, den vorangegangene Generationen erschaffen haben. Denn mit dem bisschen, was man durch ehrliche Arbeit als Selbständiger, Arzt und dgl. verdient, kann man diesen Wohlstand kaum noch erhalten. Der „bürgerliche Wohlstand“ scheint heute zu beträchtlichen Teilen geschrumpft. Ich frage mich, wohin dieses Geld umverteilt worden ist.

  14. @zeitschriftenleser
    Es ist...

    @zeitschriftenleser
    Es ist richtig, dass sich Informationen schnell und effizient über den industrialisierten Teil dieser Welt verbreiten lassen. Jedoch dürfen Sie nicht die Qualität dieser Informationen vernachlässigen.
    Wer sagt denn, dass es nicht schon lange Wege der Energieerzeugung gibt, die nahezu kostenfrei sind? Handeln Politiker und Wissenschaftler (, welche die Berater der Politiker sind) wirklich zum Wohle der Allgemeinheit?
    Adam Smith hat mit seiner Theorie der unsichtbaren Hand das Bild des egoistischen, aber genau dadurch wirtschaftlich optimal handelnden Menschen in der Ökonomie beschrieben. Da wir sehen, dass es der Gesellschaft immer noch gleichgültig erscheint, was in Berlin beschlossen wird, stellt sich die Frage, ob es etwas wie Gesellschaft überhaupt gibt? Mir kommt unsere Gesellschaft vielmehr wie ein Haufen loser – manchmal temporär stärker – verbundener Individuen, die nach Ihrem persönlichen Glück streben und das oftmals auf Kosten vieler anderer. Solange dieses Nebeneinander von Gleichgültigkeit, Gier und Überheblichkeit in Deutschland existiert, könnte 1930 einen Vorgeschmack auf das liefern, was uns noch bevorsteht.

  15. KMR, man wird wohl von einer...
    KMR, man wird wohl von einer gewissen Convenience-Nachrichtenlage ausgehen müssen. Wie das aussieht, kann man bei Bild und Spiegel Online betrachten: Schnell, sensationsheischend, ohne Tiefgang und Wissen der Redaktion. Natürlich ist Wirtschaft ein hochkomplexes Thema, aber die Spezialisten dort prügeln es schon flach genug, dass auch der Letzte sich gut informiert fühlt, ohne irgendwas zu verstehen.
    .
    anderl, die 1929er Krise erreichte ihren Höhepunkt auch erst 1932. Im Vergleich haben wir da noch massenhaft Raum und Assets zum entwerten. Und die Geldverschieberei der EZB zu den Banken wird auch noch Folgen haben, Einfach warten und zuschauen und nicht vergessen: Die Schweiz ist ein schönes Land. Das ist es, was uns damals geholfen hat.

  16. Cao Ky, ich hoffe durchaus,...
    Cao Ky, ich hoffe durchaus, dass es nicht soweit kommt. Momentan ist ja alles noch da, Abwrackprämie, 0%-Finanzierung, Bespassung der Massen durch kostenlose Glotze. Die Rechnung gibt es dann nach der Bundestagswahl, und nebenbei rollt dann auch ein Problem durch die Kurzarbeit auf uns zu. Diese Krise wird uns noch länger begleiten.
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    Der Sunbeam wird jetzt erst mal in Frankfurt geschweisst, aber das Geschirr habe ich schon:
    .
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1441257/

  17. Der Vergleich mit 1930 greift...
    Der Vergleich mit 1930 greift noch aus einem weiteren Grund zu kurz. Wir leben heute in einem alternden Land. 1930 gab es einen ausgesprochenen Youth Bubble im deutschen Reich. Die fortschreitende Radikalisierung war vor allem den fehlenden Lebenschancen einer nachwachsenden Generation geschuldet.
    In den kommenden Jahren, wird hierzulande kein Ausbildungswilliger leer ausgehen.
    Ich denke, dass die Krise noch 5 Jahre dauern wird, aber Deutschland steht vergleichsweise gut da, denn die Leute sind alt und satt und meistens gut situiert. 1930, das war 10 Jahre nach Kriegsende, 7 Jahre nach der Währungsreform. Man stelle sich mal vor der letzte Krieg wäre 1997 zu Ende gegangen und den Euro gäbe es als neue Währung erst seit 2002. Die Unsicherheit dieser Zeit ist mit heute nicht zu vergleichen.
    Diese ganzen Vergleiche drängen sich nur auf, weil die Banken ähnlich da stehen. Nun wandern deren Schulden zum Steuerzahler und dann ist Alles nicht gewesen ..

  18. Don Alphonso,

    sehen SIe doch...
    Don Alphonso,
    sehen SIe doch – um Gottes Willen- nicht immer so schwarz !
    Geschichte wiederholt sich eben nicht ! Marx hatte nicht nur mit seinen Revolutionsschlußfolgerungen,sondern auch mit seinem Kreisbild des Geschichtsverlaufs Unrecht.
    Oder schwallt da nur das blaue Blut ?
    In Ihren Adeligen Kreisen war es ja immer schon Mode,sich die düstereten Szenarien auszumalen.
    Wohl,weil man den Tag ja mit etwas ausfüllen mußte – und das Jagen auch nicht immer möglich ist (die Jagdhunde haben nicht immer Spaß daran,und Sie ganz untypisch schon gar nicht) und das Jagen hinterm Stubenmädel her heute nicht gern gesehen ist.
    Hat sich vielleicht deswegen der Okkultismus so flutartig im Kreis des Adels verbreitet,damit man damit einer neuen ,aufregenden Beschäftigung nachgehen konnte.
    In den 20er und 30er Jahren war der Okkultismus ja richtig hip in gewissen Kreisen.
    Obwohl sich damit wohl vorallem die hochwohlgeborenen Damen beschäftigten und längst Verstorbene wieder auftauchen ließen,während der Herr Baron dem Stubenmäderl nachjagte.

  19. Ich kann mir nur schwer...
    Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich die Schweiz und insbesondere die Schweizer Banken der aktuellen Situation entziehen können. Auf den globalisierten Finanzmärkten haben UBS und CS jedenfalls Risiken eingesammelt, deren Verdauungsprozess noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Was die Kantonalbanken und auch die kleinen Privatbanken in den Büchern haben, bleibt nur zu erahnen. Sicherheit sieht für mich anders aus.

  20. Jetzt werden wir fast...
    Jetzt werden wir fast geshichtsphilosophisch. Aus der Vergangenheit lässt sich sehr viel lernen – allerdings nur der, der sich um die strikte Unterscheidung zwischen Wesen und Erscheinung bemüht.
    Die Zyklentheorien (meinetwegen auch Dekandenztheorien) erlauben durchaus einen Blick (auch, wenn Spengler grandios ist; fast besser ist die kurze Wilamowitz-Moellendorf Rede zu den Weltzyklen).
    Man muss hier zwangsläufig vergleichen. Ein Vergleich scheitert aber oft an eigenen Erfahrungen (oder der der Familie) und, wir haben gerade bei unseren Historikern dorch das „Unvergleichbarkeitsdogma“. Schieder hat sich da ja mal furchtbar drüber aufgeregt – und ich weiss auch nicht ganz, woher das kommt (Idealismus?).
    Ein Vergleich mit den Jahren nach 29 halte ich auch für sinnvoll, nicht nur aus der persönlichen Perspektive der Vermögenssicherung. Wir haben doch gesellschaftlich mit ganz ähnlichen Phänomenen zu rechnen. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die junge deutsche Demokratie bisher nur in einer Schönwetterperiode tanzte – gerade deshalb halte ich die Aussage, „die Demokratie hat sich bewährt“ für ziemlich gefährlich. Bauernfänger haben wir in der Politik genug.
    Nun müssen wir aber einen Punkt beachten: die allermeisten Vermögen die heute zerstört werden, sind auch eben so schnell aufgebaut – oder man hat bestehende Vermögen eben einem zu hohen Risiko ausgesetzt hat. Die oberste Maxime bei mir heisst nicht umsonst: Vermögenserhalt – allerdings um den Preis, dass man auch in den „Boomjahren“ nicht partizipiert.

  21. Wie wunderlich aufwendig das...
    Wie wunderlich aufwendig das wertlose Geld doch gestaltet ist. Danke für die Detailaufnahmen. Das würden wir heute mit ein paar freiberuflichen Grafikern (wenn überhaupt) noch extrem viel billiger machen. Jede Krise hat ein anderes Gesicht und die Desinformationstechniken ändern sich, die Desinformation bleibt im gleichschritt mit dem Desinteresse.
    Zur Verknappung von Lebensmitteln kann es rasend schnell kommen, da möge man ein wenig Phantasie angesichts der Angebotsmonopole walten lassen. Gilt für Aufbackware, Sprit, Brennholz, Milch und Mineralwasser. . . ganz zu schweigen von argentinischen Zitronen- sobald China die Weltwährung eingeführt hat, natürlich.

  22. @ mawu: "Der "bürgerliche...
    @ mawu: „Der „bürgerliche Wohlstand“ scheint heute zu beträchtlichen Teilen geschrumpft. Ich frage mich, wohin dieses Geld umverteilt worden ist.“
    Hui, endlich einmal, ein Mal, die richtige Frage, die wesentliche, die, die nicht einmal dem Don Alphonso zu stellen je eingefallen wäre. Denn gerade so ist es, mawu: Das Geld ist ja nicht weg, ist es nie. Es ist nur – woanders. Aber bei wem?

  23. Lieber Don Alphonso, die...
    Lieber Don Alphonso, die Abwrackpraemie hat doch genau das Konzept der Keynes’schen Pyramiden umgesetzt, die er halb-ironisch gegen die damalige Weltwirtschaftskriese vorgeschlagen hat. Mit dem TV haben Sie voellig Recht – das ist ein einzigartiges Palliativ, was die Massen ruhig haelt. Das gab es 1930 nicht. – Mal sehen ob die deutsche Bundestagswahl wirklich was veraendert. Viele haben auch geglaubt, dass die Grosse Koalition die Dinge gemeinsam wirklich anpackt – doch da ist nichts geschehen. – Ansonsten muss aber auch angemerkt werden, dass viele Werte, die jetzt vernichtet wurden, eben nur auf dem Papier erschaffen wurden, als die Blase hochkochte. Noch vor vier Jahren stand der DAX auf 4000 – wieso sollte er sich von innerhalb drei Jahren auf 8000 verdoppeln?? Hat sich die deutsche Wirtschaft von Januar 2005 bis Januar 2008 verdoppelt? – Das Geschirr ist wirklich schoen. Interessant, dass noch 2003 das meistverkaufte Porzellan der KPM das Design „Tilsit“ aus 1790 war! – Hoffen wir dass das Schweissen gut geht.

  24. Die Krise kommt auf leisen...
    Die Krise kommt auf leisen Pfoten, beschleunigt sich langsam, legt hin und wieder eine unberechenbare Pause ein.
    Es muß ja keine totale (Geld)wertvernichtung eintreten. Reicht schon, wenn die Kaufkraft auf ein Fünftel sinkt. Dann erfreuen sich selbst wohlhabendere Rentenempfänger über Konsum auf dem Niveau von Hartz IV.
    Die Ausgabe von IOUs in Kalifornien wird vielleicht demnächst der Finanzierung des griechischen Staatshaushalts Vorbild geben. Bei „Erfolg“ werden weitere Kandidaten nicht warten wollen.
    Da auch bei den Banken in Lohn und Brot sitzende Analysten die kaum angegangene Krise vorzeitig zu verabschieden versuchen, darf man getrost
    auf deren Bestand vertrauen.
    Welchen Namen sollte das Frankfurter Notgeld tragen?
    Aber soweit wird es wohl nicht kommen.

  25. Gewaltige Sprache
    @Don...

    Gewaltige Sprache
    @Don Alphonso: Ich habe nun ein wenig in deinem „Rebell ohne Markt“ geschmökert und finde folgenden Satz im „Manifest“: „Diese Revolution wird ist kein Festessen, sondern ein Akt der Gewalt gegen die Mächtigen.“ (http://rebellmarkt.blogger.de/stories/29182/)
    Ist das „wird ist“ ein Druckfehler oder Absicht? – „Gewalt“ – Hm?
    Wenn ich mir das Grußwort so anschaue, denke ich, da ist ein wenig bei Villon geschmökert, oder bei Mühsam. Eine gewaltige Poesie jedenfalls! Ist das der Abgesang auf jegliche Poesie? Ich frage nur, so aus Interesse, da ich mich damit auch beschäftige, Stichwort: Patriarchat und Poesie (siehe auch: D er persische Hafiz, die (Homo)Erotik und der Nihilismus, http://www.herold-binsack.eu/downloads/Hafiz_die_Homo_Erotik_der_Nihilismus.pdf).
    Zum Thema: Du (das Du stand ja schon mal im Raum) und der Strobl, ihr kommt euch so langsam näher, zumindest thematisch. Ist nun der Strobl ein anarchistischer Liberaler oder bist du ein liberaler Anarchist? – Marxisten seit ihr jedenfalls beide nicht, muss nicht gegen euch sprechen.
    Du must nicht antworten, wenn du dich damit diskreditiert fühlst, denn so wäre es natürlich nicht gemeint.

  26. Cao Ky, KPM ist natürlich...
    Cao Ky, KPM ist natürlich eine ganz andere Klasse, der Don scheint aber mehr ein Augenmensch zu sein, den das rosa lockt. Und 20 Euro für das Zeug – das Strafgeld ist schon ok.

  27. Von mir aus kann die Krise...
    Von mir aus kann die Krise weitergehen, ich habe in Immobilien investiert und Schulden, wie’s sich gehört. Die Anleihen des Terminators (oder seiner Kollegen in good old Europe) würde ich meiden. Den 2 Bio. Staatsschulden in D. stehen allerdings auch 6 Bio. Privatvermögen gegenüber. Also wäre ein Treuhand-Sequel eine Option. Steinbrück hat ja schon über seinen Nachfolger gesagt: „Das hat er nun davon.“
    Verschuldungen von 2xGNP wie in Japan sind kein Problem, solange die Schulden lediglich 1/4 bis 1/3 des Staatshaushalts fressen. Da ist ja ungefähr klar, wo das Geld hingeht, da weiss man, was man hat. Und genau so machen wir locker weiter bis zum Schuldenstand von 3xGNP. Lieber Don, wollen wir wetten? (Um was wenn nicht Papiergeld?)

  28. Meine Güte, ist Ihnen die...
    Meine Güte, ist Ihnen die Ironie abhanden gekommen? Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn alle Vermögen durch eine Krise mal richtig durchgeschüttelt werden? Wirtschaftskrisen gab es schon immer, zumindest seit der großen Tulpenkrise von 1637; all das ändert nichts daran, dass der Kapitalismus so, wie er nun einmal ist, uns seitdem erheblichen und so nie gekannten Reichtum beschert hat. Daher ist es abenteuerlich, aus der jetzigen Krise irgendwelche Weltuntergangsszenarien herleiten zu wollen. Jede Korrektur schafft auch immer Raum für Neues. Und warum sollten wir in Mitteleuropa oder Nordamerika eigentlich ein Grundrecht darauf haben, für immer einen zigfach höheren Lebensstandard zu haben und zigmal mehr Ressourcen verschwenden zu dürfen als die Bewohner anderer Weltgegenden? Mein Tip: bearbeiten Sie Ihren Obst- und Gemüsegarten, denn so haben schon Ihre Vorfahren überlebt und sich gegen Krisen abgesichert. Und machen Sie sich nicht mit Herrn Strobl und dessen fragwürdiger Wirtschaftskompetenz gemein.

  29. Ich habe zum Verbleib des...
    Ich habe zum Verbleib des Wohlstandes eine Theorie: ein Blick ins Sortiment eines US WalMarts läßt erkennen, daß 90% der angebotenen Waren „Made in China“ sind. Daraus folgert ein immenser Kapitaltransfer vom US-Konsumenten zum Hersteller in China, das ganze finanziert und gepusht durch die restlose Verschuldung des Eigenheims mit Geld aus dem eigenen Land und Europa. Ein großteil dieses Kapitals benützt China dazu, um den Lebensstandard der Bürger zu erhöhen – dieser ist aber so niedrig und es gibt davon so viele, daß ein Großteil dieses Kapitals in der chinesischen Volkswirtschaft verbleibt.
    .
    Also: die ohne reale Sicherheiten verliehenen Dollars und Euros sind erstmal weg, die US-Konsumenten sitzen auf immensen Schulden, der Konsum bricht zusammen, unser Lebensstandard sinkt entsprechend. Europäische Bürger, selbst große Konsumenten von China-Schrott, sind wenigstens nicht so hoch verschuldet. Trotzdem stellt sich die volkswirtschaftliche Frage, ob nicht ein wenig Protektionismus der alten Industriestaaten angebracht wäre – immerhin müssen die amerikanischen und europäischen Prolls auch von irgendetwas leben; Hartz IV Empfänger konsumieren ja nur das, was anderen Produktiven enteigent wurde.
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    Dies ist nur eine Theorie, es könnte ja auch irgendwie anders sein. Zumindest drängen sich diese Schlüsse bei Beobachtung auf.
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    @sterne: die Umverteilung des bürgerlichen Kapitals spielt da auch mit rein, dürfte aber in erster Linie ein lokales Problem dieser Volkswirtschaft sein. Dazu mache ich mir mal explizit Gedanken.
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    http://de.wikipedia.org/wiki/Kreislaufmodell

  30. mawu, im Prinzip ist man an...
    mawu, im Prinzip ist man an manchen Stellen sicher nicht traurig, wenn China untergehen sollte. Das würde einige Probleme recht nachhaltig lösem.Andererseits: Vieles aus China ist einfach überflüssig, deshalb gehe ich davon aus, dass auch in China das Geld mittelfristig verloren und verschleudert wird, um die Industrie zu stützen.
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    stilkritik, vor 1929 waren fast alle Krisen regional, und die, die es nicht waren, wie der Untergang des römischen Reiches oder die Pest, waren insgesamt keine lustigen Veranstaltungen. Gegen Umverteilung habe ich gar nichts, auch wenn es meine Klasse schmerzt; in diesem Fall jedoch sorgt die Krise dafür, dass nicht viel zum Umverteilen bleiben dürfte, je nach Intensität der Katastrophe. Und es wäre schon schlimm genug, wenn Deutschland so enden würde wie England, ein Zombie am Tropf der untoten Banken.

  31. Devin08, ich bin grob gesagt...
    Devin08, ich bin grob gesagt ein kapitalistischer Trotzkist; mir sagt die Vorstellung der permanenten Revolution sehr viel, und Strobl ist, soweit ich das erkenne, ein Debitist, was wiederum ein sauberes Modell ist, um den Bedarf einer permanenten Revolution zu erklären. Das Zitat mit dem Festessen enthält einen Tippfehler und ist ansonsten von Mao. Ich glaube auch, dass man die totalitären Irren der letzten Jahrhunderte lesen sollte, natürlich immer mit dem Wissen, wer die waren.
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    Abgesehen davon bin ich etwas angenervt von der Umverteilung der letzten 20 Jahre, die den einen Reichtum brachte und den anderen Schulden als tolle Alternative zum Besitz einredete. Obendrein bin ich in Sachen Qualität erzreaktionär.

  32. Driver, ja, das mit Immobilien...
    Driver, ja, das mit Immobilien habe ich auch gemacht, plus zwei Mobilien, um von der einen zur anderen zu kommen. Das Vermögen der BRD jedoch liegt in den Händen sehr weniger, die es nicht einfach hergeben werden; die müsste man meines Erachtens dazu motivieren, aber leicht, nun, leicht wird das sicher nicht. Allerdings habe ich da einen neoliberale Idee, die ich demnächst mal aufschreiben werde.
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    Dodizil, in Rückgriff auf eine gute Tradition würde ich von „Rentnermark“ sprechen. So, wie es in den USA läuft, ist es ledigleich eine weitere Verschleuderung des Staates an die Banken; deshalb wollen die ja auch IOUs handeln. Ich wüsste nicht, beim besten Willen nicht, wie die dort (und in der Folge alles und jeder) ohne Währungsschnitt rauskommen sollten.

  33. Ach so, kalifornische...
    Ach so, kalifornische Verhältnisse IOUs in Europa. Ich tippe jenseits des Baltikums und Südosteuropa innerhalb der klassischen EU auf
    1. Die Griechen, wegen der windigen Haushaltslage
    2. Freund Berlusconi, der die Schuld Mädchenschändern und Schwarzafrikanern geben wird
    3. Spanien, wobei die erst mal warten können, bis das Volk sein Schwarzgeld verzehrt hat.
    Bei England tippe ich eher auf Staatsbankrott, und bei Irland auf das Abzocken der EU, weil sie doch so klein sind.

  34. ...meiner Meinung nach ist...
    …meiner Meinung nach ist erst Besserung in Sicht, wenn dieser grauenhafte „Schulden-machen-ist-super-und-schlau-Gedanke“ aus den Köpfen rausgeht.
    In meinem eigenen Leben meide ich Schulden und lebe sehr gut damit. Wo ist das Problem ?
    Wer hat eigentlich seit ca. 1990 diese vielen Schlaumeier geklont und auf die Menschheit losgelassen, die jeder Firma und jeder Privatperson ein schuldenfinanziertes Leben empfehlen. Und wiel wichtiger: Wer sammelt und stanzt die wieder ein ??
    Wie stand es vor einiger Zeit so treffend in einem FAZ-Kommentar: **Lügen sind die Schulden des kleinen Mannes, Schulden die Lügen des großen**

  35. Zuallererst einen großen Dank...
    Zuallererst einen großen Dank für diesen wunderbaren Blog, einerseits an Don A für die erfrischenden Diskussionsauslöser und ans eingefleischte Publikum für’s rege Mitdiskutieren!
    Schon spannend zu sehen, wie blind manche sind, Don A für ihn glücklicherweise, nicht.
    @ KMR:
    „Ungleichgewicht beim Informationsbetrieb“: ja, das war schon immer so, auch heute werden viele Menschen mit überflüssigem Lärm zugedröhnt bzw lassen sich privatfernsehlich freiwillig beschallen, die Cleveren sind in der Lager Nachricht von Lärm zu unterscheiden
    @ herrohlson:
    in den USA ist die JUgendarbeitslosigkeit massiv angestiegen,die Hälfte der Jobverluste in jüngerer Zeit trafen Unter-30-jährige
    @ codizil:
    Die credit default swaps Kaliforniens stehen gleich gut bzw gleich schlecht wie die Ägyptens. Von „leise“ kann da keine rede sein! Wer erinnert sich noch daran, daß GM schon 2005 auf „junk“ heruntergestuft wurde, aber erst dieses Jahr Pleite ging?
    Tja, es schadet ganz sicher nicht Zigaretten, Schnaps, ein paar Münzen, vor allem aber Lebensmittel im abschließbaren Keller zu haben…

  36. Ich starre mehr auf 1920/21...
    Ich starre mehr auf 1920/21 und frage mich on Angela und Guido tatsächlich die Bundeswehr gegen Hungerrevolten einsetzen würden.
    30% Kürzung von Hartz4 und damit auch bei der Sozialhilfe sind eine Ansage, die mir klar zeigt, das eine Zeit der sozialen Unruhe auf uns alle zurollt. Die Polis in Berlin sind offensichtlich inzwischen abgehoben genug und volksfern genug, um anzuordnen das Deutsche auf Deutsche schiessen.
    Die Zeitschiene zeigt nicht auf das Ende der Doppelkriegszeit aus WK1 und WK2, nein ich fürchte wir stehen mitten drin.
    Die Polis haben Entscheidungen getroffen (Alternativlos wie sie sagen), die einfach nicht funktionieren und nicht machbar sind. Nach dem WK1 wurde entschieden, D finanziell zu ruinieren, nach der Blase 2007 leider auch.
    Mir ist es vollkommen wurst, ob die USA noch Vermögen haben und mir ist es auch egal ob der deutsche an der Billiarde Derivatemarkt größer oder kleiner ist. Nicht egal ist mir, was aus diesem Land wird.
    Internetsperren, Rechteentzug für die Breite Masse und Willkürpolitik gesalzen mit Gewaltandrohung durch die Armee im Inneren sind Entwicklungen, die ich sehe und kaum noch glauben kann.
    Es ist an der Zeit das Gerümpel aus dem Keller zu räumen und Lebensdmittel zu hamstern, die Garage leerrzuäumen um Propangasflaschen zu horten.
    Mit einem alten Spruch : Leute kauft Kämme, es kommen Lausige Zeiten.
    Der Hunger liegt nicht hinter uns ………..

  37. Deutschland wird aus der Krise...
    Deutschland wird aus der Krise gestaerkt hervorgehen

  38. Bankenpleiten, Rechtsradikale,...
    Bankenpleiten, Rechtsradikale, Börsencrash, bankrotte Industriefirmen, Inflationsgefahr, Randalierer, Arbeitslosigkeit, Geldentwertung, Kurzarbeit, Rassismus, Linksradikale — die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und passt ebenso gut auf 1930 wie auf 2009. Wir wissen bereits, wie es 1930 weiterging. Ein Volk, das nicht aus seiner Geschichte lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

  39. Verehrter Don Alpohnso,
    wie...

    Verehrter Don Alpohnso,
    wie können Sie nur, wie können Sie nur, wie können Sie nur?
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    Zu einer Zeit, in der die Welt auf die ( gehirnlose ) Beisetzung des Nasenverstümmelten schaut? Die Verkehrsstaus sind aufgelöst, weil die Nation am Fernseher sitzt! Wie können Sie sich in einem solchen zeitgeschichtlich einmaligen Moment über 1930 den Kopf zerbrechen?
    .
    Ich hätte vor Trauer keinen Gedanken frei gehabt – was wird die Welt sagen, wenn Sie erfährt, womit Sie sich heute beschäftigt haben?
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    Na, na, na … Gruß Hanskarl

  40. holly

    holly martin, der...
    holly
    holly martin, der dichter, genau, warum höre ich auf einmal karas den dritten mann zithern?
    Ich starre mehr auf 1920/21 und frage mich on Angela und Guido tatsächlich die Bundeswehr gegen Hungerrevolten einsetzen würden.
    einsetzen vielleicht. die frage ist, ob die sich einsetzen lassen werden. von daher eher bundespolizei, die umpaspelierten transportpolizisten wissen noch, was eine harke ist und auch die alten bahnpolizisten waren zu ihrer zeit keine feinen.
    wirklich gefährlich werden private wachschützer, am besten solche aus dem ausland, weil die die sprache nicht verstehen, sich sofort bedroht fühlen und gleich drauf mit souveränen feuerstössen die lage klären. zu recht, wenn sie ihre subjektive notwehrlage gerichtsfest begründen können. von daher wird auf einmal verständlich, warum herr ministerpräsident tillich einen gewissen herrn putin aus den gus mit einem sächsischen orden dekoriert…
    30% Kürzung von Hartz4 und damit auch bei der Sozialhilfe sind eine Ansage, die mir klar zeigt, das eine Zeit der sozialen Unruhe auf uns alle zurollt. Die Polis in Berlin sind offensichtlich inzwischen abgehoben genug und volksfern genug, um anzuordnen das Deutsche auf Deutsche schiessen.
    abwarten. es soll da schon kreative sozialämter geben, die eine kürzung der bedarfssätze danit rechtfertigen, dass ihrer kundschaft freie mahlzeiten bei den tafeln zuständen. die förderung des bürgerschaftlichen engagements hat zur zeit einen hohen stellenwert, offenbar soll hier ein dritter arbeitsmarkt geschaffen werden.
    das war die gute nachricht, die schlechte: wenn die, die noch in prekärer arbeit sind, über massive steuererhöhungen und erhöhte eigenanteile bei der krankenversicherung zur kasse gebeten werden, könnte das prinzip teile und herrsche sogar aufgehen.

  41. Marxismus, Leninismus,...
    Marxismus, Leninismus, Trotzkismus, Feuilletonismus
    @Don Alphonso: „kapitalistischer Trotzkist“!, wau, welch eine Wortschöpfung. Ich vermute mal, dass dahinter eine ziemlich freizügige Auslegung dessen steckt, was Trotzkis damit gemeint hatte. Ich persönlich halte nichts von dieser „Permanenz“, gleich ob Revolution oder Konterrevolution. Permanent sind die Armut und der Reichtum, so wie der Fluss des Kapitals, alles andere kommt und geht, wie Ebbe und Flut. Bei dieser Gelegenheit: war denn Trotzki in deinen Augen kein „Irrer“? Ich will jetzt gar nicht von seinen Differenzen mit Stalin oder auch Lenin reden, das wird zu theoretisch, sondern von seiner Persönlichkeit. Ich stelle mir gerade vor, Trotzki statt Stalin an der Spitze der KPDSU, ich glaube die Sowjetunion wäre das Kuba vor seiner Zeit geworden – viel linke Sprüche aber im Kern eine rechte Politik. Tito war so ein Kandidat, ich glaube, er mochte Trotzki auch. Es kommt darauf an, diese „Irren“ einerseits beim Wort zum nehmen, andererseits ihre Taten im geschichtlichen Kontext zu begreifen, nicht ihrer zuliebe, sondern der Wahrheit.
    Nicht nur die Sowjetunion, die ganze kommunistische Bewegung ließ sich vom Kapital vor sich herjagen und somit mit sich spielen. In vielerlei Hinsicht war sie das Objekt des Klassenkampfes, nicht das Subjekt. Genau genommen herrschte doch ständig Krieg, Bürgerkrieg, weißer Terror, und die Antwort: natürlich roter Terror, bis zum Ende des 2. Weltkrieges, und dann kam der kalte Krieg. Das herrschende Kapital behielt die ganze Zeit die Offensive. Und der revolutionäre Widerstand spielte nach seinem Takt.
    Ein Trotzki gehörte dazu, er spielte die Flöte in diesem Konzert, Stalin die Bassgeige, nach Lenin gab es allerdings keinen Dirigenten mehr, sondern nur noch Diadochen, ein ziemlich orientalisches Konzert also (vgl. auch „Geschichtsoffen“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=328). Ich wundere mich manchmal, wie lange die Sowjetunion das alles aushalten konnte, ob ihrer Schwächen, ihrer wirtschaftlichen wie ideologischen, von den theoretischen ganz zu schweigen. Sie übernahmen die Praktiken ihrer Gegner und wurden somit ihre besten Gegner. Sie konnten sich nur noch selber schlagen. Das war ihre Schwäche, wie auch ihre Größe! Ein historisches Drama, ein wahrlich dialektisches, woraus zu lernen, zu wichtig ist, als dass man verächtlich darüber unkt, als Linker.
    Auch Mao war so eine tragische Gestalt. Im Geiste, in der Theorie, sicherlich noch von allen der beste Marxist (ob seiner Dialektik) und doch in Wahrheit ein „Bauernschlauer“, ein Zitatenschleuderer. Aber, wie soll es ohne Bauernschläue gehen, nicht nur in jenem Land voll mit seinen Bauern, überhaupt? Und sagte nicht auch Marx, dass die soziale Revolution am besten zusammen mit einer Neuauflage eines Krieges der Bauern ginge (Marx-Engels-Marxismus, Lenin)? – Begreifen wir das, oder ist das nur ein so griffiges Zitat? Sind wir nicht deswegen oft Objekt der Geschichte, weil wir uns zu gut, zu edel, wähnen, zu links, und dabei nur hoffnungslos naiv sind, gar selbstverliebt, ob unseres revolutionären Intellektualismus („kapitalistischen Trotzkismus“)? Und Trotzkis Verachtung der Bauern, war sein größter Fehler, meiner Meinung nach (nun Stalin handelte nicht besser, aber in der Theorie blieb er wenigstens Leninist, das war es wohl auch, was diese kommunistische Bewegung zusammen hielt, Stalins theoretischer Leninismus, eines Trotzkis galanter Feuilletonismus konnte da wohl nicht mithalten). Was hinderte ein Stalin daran, das auch in der Praxis zu sein?, lautet nun die historische Frage? – Sein Despotismus!, das wäre doch zu billig! Nun Mao blieb bei den Bauern, nur war er am Ende ihr Feudalherr, so war das nicht gemeint – von Marx.
    Die tragischen Gestalten, die „Irren“, sind die, die Geschichte machen, eine tragische Geschichte, eine irre. Wann wäre das je anders gewesen?
    Und doch soll diese Geschichte ja zu Ende gehen, also warum bleiben ihre Revolutionen in ihrem Bann?

  42. Holly01, ich finde, Du...
    Holly01, ich finde, Du übertreibst da wirklich ein bisschen. Die Ausmaße der damaligen Weltwirtschaftskrise waren „etwas“ drastischer als heute. Mein Opa erzählte: wenn irgendwo ein paar Stunden Arbeit gesucht waren, sind gleich duzende Arbeitswilliger aufgetaucht um sich darum zu streiten. Clint Eastwood erzählte mal in einem Interview, wenn sein Vater im Garten Holz hackte, fragten Passanten ob sie das nicht tun könnten und etwas zu Essen dafür bekämen. Das ist Armut, und das sehe ich hier noch lange nicht in dem Maße.
    .
    Trotzdem ist irgendwie dafür zu sorgen, daß auch unsere Prolls Arbeit bekommen, und nicht nur die der Chinesen. Die Finanzkrise ist m.E. höchstwarscheinlich nur das Ergebnis unseres übermäßogen Konsums von China-Schrott in Kombination mit speziell der US-typischen Schuldenwirtschaft (s.o.).

  43. Devin08, es ist nicht ganz...
    Devin08, es ist nicht ganz einfach zu erklären, aber ich versuche es mal so: Laut Trotzki fallen die revolutionären Schichten nach einer Weile durch das System in eine erst passive und am Ende konterrevolutionäre Rolle. Die Rolle der Träger der Veränderung geht über auf die nächste Schicht. Nun haben wir in der heutigen Phase das Phänomen, dass die Arbeiterklasse tatsächlich jene konterrevolutionäre Haltung vertritt, die Trotzki beim Bürgertum sah. Tatsächlich sind es all die Käufer bei kik und anderer Schundläden, die die Unterdrückung im globalen Massstab fördern. Auf der anderen Seite gibt es aber Kräfte, die im Kapitalismus auch eine Waffe für den Umsturz dieser Strukturen sehen – man kann das System nicht ausschalten, aber so modifizieren, dass es andere Ergebnisse zeitigt. Sich dessen bewusst zu sein und dafür zu arbeiten, ist angesichts der Verblödungsmechanismen aus Werbung und Konsum wiederum ein Schritt in der permanenten Revolution. Trotzki entkleide ich also seiner grundlegenden Annahmen zur Revolution, behalte aber seine Funktion. Ich rette gewissermassen das Uhrwerk, und werfe das alte Gehäuse weg.
    .
    Hanskarl, Popkultur ist mir ewig weit weg, und wer in jener zeit etwas auf sich hielt, hörte Prince und kannte den anderen gar nicht.

  44. …Oder die Revolution frisst...
    …Oder die Revolution frisst ihre Kinder (Leonhard)
    @Don Alphonso: Solche Spekulationen sind nur notwendig, weil Marxens Dialektik vom „automatischen Subjekt“ nicht wirklich begriffen war. Aus dieser Rolle des „Marktidioten“ kommt keiner von uns heraus, der Arbeiter sowenig wie der intellektuelle Revolutionär, dies ist unsere Matrix. Wir können sie durchschauen, aber nicht „unterwandern“. Sie wird erst verschwinden, mit dem Verschwinden dieser Gesellschaftsordnung, mit dem Verschwinden von Markt, Lohnarbeit und Kapital. Damit wäre keine „Schicht“ jemals fähig zu einer revolutionären Erhebung. Denn diese Bindungen gelten für uns alle.
    Die Rolle des revolutionären Subjekts ist nicht subjektiv begründet, sondern entspringt objektiven Verhältnissen. Obwohl das Bewusstsein seiner selbst, also eine revolutionäre Klasse zu sein, ergo: das revolutionäre Selbstbewusstsein Voraussetzung für eine revolutionäre Erhebung ist, kommt ein solches Bewusstsein nicht von innen, innerhalb der Klassenverhältnisse, sondern nur von außen. Mit solchen Spekulationen, vom Wechsel des revolutionären Subjekts also, entledigt man sich ganz galant dieser Aufgabe, nämlich ein solches Bewusstsein zu schaffen (siehe auch: „Verlagerung der Akzente auf Kontrolle/Der, der keine Visionen hat“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=301).
    Dass die Arbeiterklasse reaktionär sei, entspringt kleinbürgerlichem Wunschdenken, intellektueller Hochnäsigkeit, denn es verabsolutiert die Rolle der Kritik, die Ebene der Erkenntnis, die (falsche) Ideologie und vernachlässigt die Analyse der realen Klassenbeziehungen. Die Befreiung der Arbeit steht immer noch an, und wer sollte das bewerkstelligen, außer der Arbeit selber, die Klasse der Arbeiter? Ohne diese Befreiung, kommen wir kein Jota voran, nicht weg vom Markt. „Reaktionär“ kann man nur sein, wenn man an der Erhaltung dieser Verhältnisse aus objektiven Gründen interessiert ist, nicht aus subjektiven. Subjektive Gründe haben keinen Bestand. Wir werden sehen, was diese Wirtschaftskrise davon am Ende noch übrig lässt.

  45. Devin pardon, aber Sie irren...
    Devin pardon, aber Sie irren einfach, wenn Sie gegen alle Evidenz weiter an Adorno oder dem etwas optimistischeren Habermas festhalten, von den profanierten eschatologischen Hoffnungen des schnarrigen Trierers in Zeiten des Privatfernsehens ganz zu schweigen.
    Bei den letzten Resten der TV- und China-Ramschfieber-sterilisierten Arbeiterschaft wird es schon mit Sorel schwierig und dem kleinbürgerlichen Darwinismus der restlichen Bürosklaven im dritten Sektor genügt die wohlige Illusion, immerhin etwas klassendistinguierter in der eingebildeten Reputation denglischer Dummtitel am Hungertuch nagen zu dürfen.
    Oder sehen Sie sich die heutigen Studenten an, diese Blüte des vaterländischen Geistes: statt energisch gegen die korrupte und zerstörerische CHE-Kultuspolitik der letzten Jahre aufzubegehren bleiben sie in troglodytenhaften Wiederholungsreflexen mit Hörsaalbesetzungen und Vorlesungstreiks a la 68 gefangen. Reflexionsfähigkeit erschöpft sich auch hier im resignativen Schulterzucken…

  46. @Hanskarl
    @Don Alphonso
    Ich...

    @Hanskarl
    @Don Alphonso
    Ich muss Don Alphonso beipflichten;
    Ich habe tausende von CDs und noch mehr Vinyl, aber, deolais,nicht eine Michael Jackson, noch nichtmal eine Jackson-5! ich bin JG 53also etwas aelter als Don Alphonso. Zu unser Zeit fasste man sich nicht in den Schritt! Man nutzte ihn! (Kein Smiley an dieser Stelle, da….)

  47. Der Wert der Arbeit und das...
    Der Wert der Arbeit und das Produkt als Ramsch
    @Besucher: Bitte entschuldigen Sie, denn normalerweise argumentiere ich nicht so aggressiv und so direkt, aber wenn von der Evidenz einer „China-Ramschfieber-sterilisierten Arbeiterschaft“ gesprochen wird, kann ich nur fragend erwidern: von welcher Arbeiterschaft reden Sie? Wie kann man so verallgemeinern, einfach dem Augenschein nach, ohne auch nur den Ansatz einer Analyse, einer selbstkritischen Analyse? Ich selbst entstamme jener Arbeiterschaft, mit bäuerlichem Hintergrund, nicht dass das was beweisen hätte, bzgl. meines „Klassenbewusstseins“ gar, das hätte nichts damit zu tun, das habe ich ebenfalls von „außen“ erhalten, aber es sollte als Hinweis gelten, dass ich noch nicht alles vergessen habe, schon gar nicht meine eigenen Gefühle, jenen klassentypischen. Warum soll ich der einzige sein, der, wenn er kann, der also eine Wahl hätte, keinen „Chinaramsch“ kauft, überhaupt keinen Ramsch kauft? Worin liegt denn die Besonderheit jener Menschen, die das nicht tun? Bedarf es dazu eines Studiums vielleicht? Wohl doch nicht, oder vielleicht doch? – eines ganz besonderen gar? Erfahrung und Kenntnis im Umgang mit Ramsch und Wertgegenständen! Das ist es doch, was Sie glauben, was dem „Arbeiter“ abginge?
    Und nun frage ich den klugen Intellektuellen, den Nicht-Arbeiter, den Nicht-Ramsch-Käufer: Verstehen Sie etwas vom „Wert“, dem Nichtramsch? Wohl nicht, sonst wüssten Sie, dass Sie, ob Sie wollen oder nicht selber Ramsch kaufen, Ihr Klassendünkel Sie aber daran hindert, das zu erkennen, einen solchen zu erkennen, genau dort, wo Sie einen Wert vermuten.
    „Wert“ ist nichts als „abstrakte Arbeit“, geronnene abstrakte Arbeit (Marx/Das Kapital). Und darin ist sich Ramsch mit Wert gleich, ununterscheidbar gleich. Ramsch bekommen Sie erst dann nicht mehr, wenn Sie nicht mehr auf der Suche nach Wert sind. Aber hiervon sind wir alle Welten entfernt.
    Und damit bleiben Sie, ich, der Arbeiter, egal wer, bis auf weiteres „automatische Subjekte“. Automatische Ramschproduzierer, wie automatische Ramschkäufer. Das einzige was Wert hat, ist der „Wert“, der abstrakte, nicht der konkrete, der Tauschwert, der Mehrwert, sprich: die Verwertung des Werts – das Kapital. Besitzen Sie Kapital? Denn alles andere wäre Geschmacksache.
    Sollten Sie das irgendwann begriffen haben, dann wären Sie vielleicht auch in der Lage, das einem Arbeiter zu erklären, und Sie werden erstaunt sein, wie schnell der begreift. Denn der ist es doch, der den Wert noch zu schätzen weiß, ist er ihm doch noch sehr nahe, von der Erschaffung an. Er kennt den Wert seiner Arbeit und das Produkt als Ramsch, naja, zumindest Teile davon, von beidem. Er kennt nicht das Geheimnis des Zusammenhangs beider. Er ist halt nur ein Teil des Systems, so wie wir alle, einschließlich derer, die es intensiv studieren. In der Klasse aber, als Klasse, als Klasse gegen Klasse, erhält er die Möglichkeit den Zusammenhang zu erfahren, sowie die Grenzen der Klasse innerhalb des Systems.

  48. Verehrter Don Alfonso,
    Wert =...

    Verehrter Don Alfonso,
    Wert = geronnene Arbeit … Richtig ! Der Preis der Arbeit variiiert weltweit. Auch Chinesen kaufen bei MM, d.h. sie sind nicht blöd – im Gegenteil – sie kaufen ständig mehr bei MM – d.h. sie werden ständig schlauer ! Eine der Irrlehren, die in den alten Industrieländern verbreitet wurden war die Mär davon, daß der „Abhängig Beschäftigte“ daheim nicht mit dem Wanderarbeiter in einenem Niedrigkostenland im Wettbewerb steht. Ein Trugschluß ist auch, daß die bessere Gesellschaft der Stützen gefeit ist vor der Stütze. Wir sind alle miteinander gegenseitig abhängig. Auch Burladingen könnte eines Tages zum Ausverkauf stehen. Der Mure der Finanzkriese rauscht unbeirrt weiter – ebenso wie der Klimalawine. Die Überlebenden werden wieder einmal die Möglichkeit haben, in Zukunft alles besser zu machen. (Aber das war doch alles von vornherein klar … oder ? … Machen wir uns doch nichts vor ?!)

  49. Don Alphonso - Sie, ein...
    Don Alphonso – Sie, ein Trotzkyist?! Schade, sehr schade! Wenn es wenigstens Kropotkin gewesen waere! – So, da folgen Sie also den Lehren des Volkskommissars, der im russischen Buergerkrieg gnadenlos agierte und die Todesstrafe in seiner Roten Armee durchsetzte. Und das mit der „permanenten Revolution“ ist doch auch nur eine Ausrede um die kontinuierliche Herrschaft der kommunistischen Partei zu legitimieren. – Sie entaeuschen mich sehr!! – @Devin08: Mao war ein brutaler Massenmoerder der in jungen Jahren gerne an Folterungen persoenlich teilnahm und der dann Millionen von Chinesen waehrend seines irrsinnigen „Great Leap Forward“ bewusst verhungern lies (und dabei noch Getreide in die SU schickte) und dessen „Kulturrevolution“ sein Land verwuesstet hat. Wie Sie diesem Irren noch teilweise hinterherlaufen ist schauerlich. Lesen Sie – und Don Alphonso ebenfalls! – Jung Chang und Jon Halliday’s „Mao“ damit Sie endlich merken, um welche Art Mensch es sich bei Mao wirklich gehandelt hat!!!

  50. Cao Ky, ich bin alles andere...
    Cao Ky, ich bin alles andere als ein Fan von Trotzkis Politik, und ich glaube auch nicht, dass Trotzky ein Fan von meiner Theorieplünderung wäre, aber tatsächlich wird man sich fragen müssen, wo eigentlich die revolutionären Ansätze in dieser Welt sind, die sich gegen Ausbeutung durch Verblödung wenden. Und warum das eben nicht mehr das proletariat ist. Da kann man mit Trotzkis Theorie arbeiten. Im Übrigen: Auch Stalin hat in seinen Linguistikbriefen Dinge geschrieben, die so richtig sind, dass er heute Schüler in allen politichen Parteien und jeder PR-Agentur hat. Wenn Sie Stalinisten suchen: Bei denen wird Ihnen geholfen.
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    No. 6, es geht doch längst wieder los: Die EZB hat 442 Milliarden zu 1% Zins an die Banken verteilt, die damit in die Spekulation gehen. Und von einer Bankenregulierung ist noch immer nichts zu sehen. Wie üblich, entsteht inmitten der Krise die nächste Blase. Auch diesmal mit weiterverkauften Risiken. Man wird nichts dagegen unternehmen, weil es die Illusion einer Verbesserung schürt. Und es kann eine Weile halten. Ob China dann noch ein Player ist? Meines Erachtens wird dieses Land a la UdSSR auseinander brechen.

  51. Grimaldeli, dieses Blog...
    Grimaldeli, dieses Blog möchte generell ohne die Witzfiguren aus aktueller PR- und Medienproduktion auskommen. Man möchte ihnen nicht vorgestellt werden.
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    noch so einer, es ist ja nicht so, dass es nicht deutliche Preissenkungen bei den Lebensmitteln gab. Ich denke, man wird das über Sonderangebote fettmachender Billigprodukte auffangen, und so langfristig auch die Rentenproblematik reduzieren (Zynismus aus)

  52. Don Alphonso, ich bezweifele...
    Don Alphonso, ich bezweifele sehr, dass es jemals das Proletariat war, das „sich gegen Ausbeutung durch Verbloedung“ gewehrt haette!! Die sogenannten proletarischen Revolutionen sind doch alle durch buergerliche, oder ex-buergerliche Anfuehrer angestiftet worden. Und welch groessere Verbloedung gibt es denn als Ideologie?! Dagegen ist Konsumerismus doch so harmlos, er suggeriert den Massen nicht ein, dass die Feinde haben, die sie umbringen muessen! – Stalin mag richtige Erkenntnisse gehabt haben, aber das rechtfertigt natuerlich nicht, was er getan hat – und jemanden, der diese Erkenntnisse anwendet, Stalinist zu nennen, ist auch nicht fair, wenn er oder sie sich von den Taten des Diktators distanziert. – Wenn Sie sich aber Trotzkyist nennen, implizieren Sie damit schon ein Einverstaendnis mit dem Weltbild – und den Taten – des Menschen, der diese Theorien entwickelt hat. Und das ist sehr schade!

  53. @ Don: wunderschönes Foto vom...
    @ Don: wunderschönes Foto vom Tegernsee in Regenpause. Höfliche Frage: mit welchem Fabrikat machen Sie die professonell wirkenden Aufnahmen?

  54. Cao Ky, das kommt darauf an....
    Cao Ky, das kommt darauf an. In meinen Augen sind die Linguistikbriefe Stalins Beitrag des realen Kommunismus, und wenn man den Kommunismus ernst nimmt, kommt man auch nicht darum herum, Stalin als Theoretiker ernst zu nehmen. Alles andere wäre wirklich verharmlosend. Einerseits, weil sie auch nach Stalins Tod Handlungsmaxime in der UdSSR geblieben sind; andererseits, weil sich die Konsumpropaganda des nachkommunistischen Westens ganz sicher nicht auf die Traditionen der Neuen Gestaltung beruft, sondern ihre Inspitation der sozialistischen Propaganda entlehnt. Und die Stossrichtung – unser System ist das einzig Gute, nirgends geht es Euch besser – ist durchaus die gleiche. Man hat die Rahmenbedingungen, erzwungen durch den Rechtsstaat, erheblich verbssert, aber in meinen Augen sind das natürlich Stalinisten. Genau so, wie ich Werbung für eine Form des Totalitarismus halte.

  55. sterne, das ist eine Casio...
    sterne, das ist eine Casio Exilim EX-Z200, von der ich aber abraten würde, weil die Blende zu gross ist, und die Kamera bei schlechtem Licht die ISO-Zahl so nach oben jagt, dass die meisten Aufnahmen nicht zu gebrauchen sind. Ausserdem ist die Bedienung, wenn man etwa auf Makro umschalten will, wirklich eine Plage.

  56. Don Alphonso, ernst nehmen...
    Don Alphonso, ernst nehmen muss man den Kommunismus auf jeden Fall!! Er hat schliesslich noch in jeder seiner praktischen Anwendungen im 20. Jahrhundert unendlich vielen Menschen unendlich viel Leid zugefuegt. – Der grosse signifikante Unterschied des Konsumerismus ist, dass er keine Feindbilder aufbaut; nicht umsonst gibt es in Orwell’s „1984“ die „Hate Week.“ Ueberhaupt ist dieses Buch das Beste, was ueber totalitaere Ideologien in ihrer praktischen Anwendung bis jetzt geschrieben worden ist. Da gibt es auch die Idealisten („work harder“) die dann von den Herrschenden buchstaeblich an den Schlachthof verkauft werden. – Im Kapitalismus/Konsumerismus duerfen Sie sich straflos ausklinken, im Totalitarismus gleich welcher Coleur wird man Sie deswegen verfolgen. Sie duerfen Ihren TV entsorgen, den iPod verschenken, niemals fast food konsumieren, und Sie duerfen bei entsprechenden Abiturnoten noch immer studieren und kommen wegen Konsumverweigerung nicht in ein Umerziehungslager, und selbst die GEZ wird Sie nicht aus dem Jesuitenkolleg werfen wenn Sie sich niemals einen TV kaufen. Selbst Trotzky kannte bei den „Abweichlern“ vom Kommunismus an sich keine Gnade, und hat das auch immer wieder bestaetigt.

  57. Nun, die Hate Week von heute...
    Nun, die Hate Week von heute trägt die Namen Schungelcamp und Starsuche. Kollektive demütigung und Entwürdigung als Spektakel. Für mich stellt sich ohnehin nicht die Frage, ob wir in einer Demokratie oder in einem Totalitarismus leben, sondern eher, wieviele totalitäre Produkte die Demokratie schaden. Man muss meine meinung nicht teilen, aber PR und Werbung sind in meinen Augen tatsächlich Instrumente des Totalitarismus und aufklärungsfeindlich. Schon immer gewesen.

  58. Devin, Sie legen eben Wert auf...
    Devin, Sie legen eben Wert auf Ihre Erwartung einer Trotzdem-Progressivität, während aus meiner Sicht derzeit nur Zentrifugalkräfte am Werk sind: eindeutige China-Importstatistiken, Klassenkampf von unten nach oben, erfolgreiche Manipulation bis hinunter zum Hilfsarbeiter mit einer schäbigen Version des alten Sozialdarwinismus in direkter Konkurrenz zum potentiellen revolutionären Klassenbewusstsein und, als endgültigen Überbau-Overkill, triebbasierte Bewusstseinsmanipulation per TV und Konsum. Das ist, wenn Sie so wollen, die Atomisierung der unteren Klassen zu restlos entpolitisierten Marshmellows, besonders gruslig in den USA zu beobachten und das Aufzeigen der dazugehörigen Verblendungszusammenhänge bleibt schrulliger Zeitvertreib unverbesserlichen Optimisten.
    Ich kenne Dieterichs neueste Äquivalenztheorie leider nur aus der Wikipedia- Klappentextversion und ganz sicher ist Marxens Mehrwertanalyse immer noch gültig, das ist unbestritten. Die Probleme in Deutschland wurden auch erst vor ca. 10 Jahren richtig massiv, als die bewährte BRD-Lohnformel klammheimlich versenkt wurde, derzufolge der jährliche Produktivitätszuwachs zu minimum einem Drittel an die Arbeiterschaft weitergereicht wird. Solange aber billigste China-Importe darüber hinwegtäuschen, weiter die Befriedigung künstlicher Konsumbedürfnisse ermöglichen und Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen simulieren wird sich nichts zum Besseren ändern und ich wünsche, dieser Pessimismus wäre unangebracht.

  59. Holly01, ich glaube, man wird...
    Holly01, ich glaube, man wird mit allen Mitteln versuchen, die Illusion eines zusammenhaltenden Staates aufrecht zu halten. Und die Chancen stehen noch nicht mal schlecht. Das Problem ist, dass man sich nicht zu viele Instabilitäten leisten kann, und deshalb versuchen muss, sie zu staffeln. Die grosse Gefahr ist die steigende Arbeitslosigkeit, die den Binnenmarkt treffen kann in einer Zeit, da man sich von der Exportorientierung wird verabschieden müssen. Ich bin mir sicher, dass man gerade solche 30er Szenen wird verhindern wollen.
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    Pfeifen im Walde: Natürlich wird Deutschland relativ gestärkt sein, im Vergleich zu Osteuropa, Italien, England und Spanien. Aber das allein ist etwas wenig.

  60. Es ist immer gut einen Blick...
    Es ist immer gut einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. So kann man schon immer erahnen was da kommen mag.
    Man sollte nicht der Illusion verfallen, dass sich schlimme Geschichte nicht wiederholen kann, oder das die Menschen aus der Vergangenheit die Lehren ziehen, wie man es gerne hätte.
    Ich habe mal einen Interessanten Bericht gelesen. Im Kern ging es in diesem darin, dass wenn Menschen andere Menschen abstrafen wollen, diese bisweilen sogar bereit sind für sich selbst Härten in Kauf zu nehmen. Vor allem dann, wenn sie das Gefühl haben, dass sich der zu Bestraftende unsozial verhalten habe.
    Wenden wir dies auf die Banken und Politiker der heutigen Tage an. Ist es durchaus möglich, dass die Menschen gesellschaftliche Änderungen herbeiführen, welche für sie selber zwar auch schlecht sind. Was aber in Kauf genommen wird, wenn es nur die da oben erwischt!
    Was ich sagen möchte ist, ich warne davor so dumm zu sein zu glauben, dass sich Geschichte nicht wiederholen könnte.

  61. Korrektur: Klassenkampf von...
    Korrektur: Klassenkampf von oben natürlich

  62. Hansi, natürlich wird es für...
    Hansi, natürlich wird es für die Schweiz sehr schwer. Allerdings haben die auch einen enormen Druck, das System zu bewahren, weil das System die Schweiz ist. Und ich bin lieber bei denen, die keine andere Wahl haben, mein Geld zu retten, als jenen, die es nach Belieben weginflationieren.
    .
    Ansonsten sehe ich nicht schwarz. Ich sehe nur was war und mache mir dazu Gedanken. Das ist mein Beruf. Wenn jemand die Schllüsse nicht gefallen, ist es in Ordnung.

  63. Don Alphonso, der gravierende...
    Don Alphonso, der gravierende Unterschied ist doch dass die Leute selber ins Jungle Camp gehen und nicht hineingeschickt werden, weil ihre Eltern Grossgrundbesitzer oder Kapitalisten sind, oder aus irgenden einem anderen Grund den sich das Regime ausdenkt. Natuerlich kommt der Einwurf, dass der Gang in’s Jungle Camp nicht freiwillig ist weil die Werbung den Menschen daraufhin konditioniert hat, aber das lasse ich nicht gelten; es ist immer noch ein materieller Unterschied ob ich mich entscheide, etwas zu tun, oder dazu gezwungen werde („power comes from the barrel of a gun“). Und niemand muss sich das ansehen, waehrend woanders das ganze Dorf zusammengetrieben wurde um sich Folterung, Erniedrigung und schliesslich Hinrichtung Ungluecklicher anzusehen, die der Staat zu diesem Zweck aussortiert hatte. – Werbung mit Totalitarismus gleichzusetzen mag eine nette Pointe in einer Plauderei sein, aber im Ernst sind beide voneinander sehr verschieden.

  64. Cao Ky: "Und welch groessere...
    Cao Ky: „Und welch groessere Verbloedung gibt es denn als Ideologie?!“
    Genauso ist es und das blickt auch an einigen Stellen durch, bei dem gegenwärtigen Diskurs. Es wird ideologiespezifisch argumentiert, es handelt sich um keine neutrale Analyse. Das gefällt mir bspw. in Sigmund Freuds Werken so gut, diese erstmalige, neutrale Analyse des menschlichen Geistes anhand der Fälle seiner Patienten.
    .
    Ich frage: Macht der Pfau totalitäre Werbung???
    .
    Das menschliche Zusammenleben folgt einfachen psychologischen Mustern, wie sie schon seit Urzeiten existieren und bis hin zur Tierwelt erkennbar sind. Und dazu gehört nunmal auch das Streben nach Territorium, Eigentum, Tauschhandel, Markt, Werbung usw. – völlig natürliche Dinge, die wir heute versuchen in ideologische Muster zu pressen.
    .
    Gesellschaftlich müssen wir innerhalb dieser natürlichen Struktur „nur“ dafür sorgen, daß kein wirkliches Leid entsteht und auch für den Faulsten, Dümmsten oder den größten Pechvogel eine Minimalversorgung gewährleistet ist.

  65. @mawu:
    Was denn nun eine...

    @mawu:
    Was denn nun eine „Minimalversorgung“ ist, darüber wird ja nun auch wieder heftig gestritten.
    Hier bietet sich auch der Blick auf 1932 an!

  66. @mawu: Recht haben Sie! Ich...
    @mawu: Recht haben Sie! Ich habe schon oft gesagt dass, wer wissen will, wie die Welt wirklich funktioniert, lieber einen Tag z.B. im Monterey Bay Aquarium verbringen sollte, statt die Ideologen zu lesen, die der Welt ihre Visionen aufpressen wollen, natuerlich unter ihrer Fuehrung. In diesem wirklich einzigartigen Aquarium lernt man schneller als man moechte drei Wesensstrukturen des Lebens: 1) Erhalt der eigenen Existenz, was Stoffaufnahme anderen Lebens beinhaltet (‚fressen“) und dabei 2) nicht gefressen zu werden und 3) sich fortzupflanzen. Das Ganze kann man schoen ausschmuecken, doch diese drei Grundsaetze bestimmen wie es in der Natur wirklich zugeht. So ist jedes Lebewesen ein Jaeger (und wenn nur pflanzliches Leben gejagt wird, oder Pflanzen nach Licht jagen), Gejagter, und Fortpflanzungswilliger, damit das Leben weitergeht. – Natuerlich ist das eine recht einfache Basis, und der Mensch kann sich sein Leben sehr schoen einrichten, doch sollte man niemals Thomas Hobbes vergessen, „homo hominem lupus est.“ (man is a wolf to other men). Und bei den in diesem Blog oft verteufelten Chinesen geht es in der Legende des Wolfs von Zhongshan auch nicht zu wie bei Daniel in der Loewengrube, sondern der Wolf von Zhongshan frisst spaeter seinen menschlichen Retter auf. – Gegen diese harschen Grundsaetze hilft im menschlichen Miteinanderleben in der Tat am besten Kant mit seinem kategorischen Imperativ – noch immer die beste logische Begruendung, warum man sich gut verhalten sollte, und daher wirklich menschlich, im Kontrast zur Basisnatur.

  67. Haette gleich kennzeichnen...
    Haette gleich kennzeichnen sollen, etwa mit „“, dass diese SprechBLASE bis zum September die maximal simplifizierende Standardreplik auf das Krisenthema sein wird, aehnlich dem „Nennen Sie mir einen Staat, in dem es Sozialhilfeempfaengern besser geht, es noch aeltere Studenten und juengere Rentner gibt“.

  68. Cao Ky, es gibt durchaus sowas...
    Cao Ky, es gibt durchaus sowas wie eine schleichende Desensibilisierung. Man lotet Grenzen aus, erweitert sie, macht Undenkbares zur Massennormalität. Oh, sicher, da ist noch viel möglich. Wir sind noch weit von Schlimmerem entfernt. Aber ich sehe nicht, warum man das einfach als gegeben akzeptieren sollte, wenn es die eigene Normalität zur Exzentrik vorgestriger Bedenkenträger zu machen versucht.

  69. Pfeifen im Wald, da haben Sie...
    Pfeifen im Wald, da haben Sie natürlich recht. Entschuldigen Sie bitte meinen unangebrachten Ernst.

  70. Mir fällt zu diesen Shows...
    Mir fällt zu diesen Shows immer wieder das Beispiel aus der Trivialliteratur ein „The running man“ (und das in diesem Blog, ohje) . Eigentlich werde die sog. Freiwilligkeit und der allg. Voyeurismus hier doch ganz gut beschrieben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenjagd_(Stephen_King)
    Mit der Freiwilligkeit in Gameshows ist das wohl so ein Ding. Ich denke, dass sich hier die Verantwortlichen die
    geringe Bildung der Teilnehmer, sowie deren Ängste & Nöte zu nutze machen, um sie für solche abartigen Shows zu ködern.
    Ich wäre froh, wenn seitens des Bundesverfassungsgerichtes diesem Zauber mal langsam ein Ende bereitet werden sollte, denn ich denke nicht, dass diese Shows mit dem Artikel 1 des GG zu vereinbaren sind. Zweifellos wird hier u.a. beim lecker Insektenessen die Würde der Menschen öffentlich verletzt.
    Man hat ja auch schliesslich vor Jahren den sog. „Zwergenweitwurf“ verboten, obwohl „Zwerg“ und „Werfer“ beide freiwillig an dem Spektakel teilgenommen haben.

  71. Despotie als Erbe, oder:...
    Despotie als Erbe, oder: zurück zum Anfang
    @Cao Ky/Mamu: „Im Kapitalismus/Konsumerismus duerfen Sie sich straflos ausklinken“.
    Das ist eine Verharmlosung der strukturellen Gewalt im Kapitalismus. Im Übrigen herrschen in der überwiegenden Mehrheit der kapitalistischen Welt politische Verhältnisse, wie denen, die Sie ausschließlich den bekannten Sozialismen unterstellen – totalitäre. Sie beschreiben also die Bilderbuchrealität, die ideologische Matrix, eine Minderheitenveranstaltung, nicht die ganze Wirklichkeit.
    Und ich wiederhole es: Im Kapitalismus herrschen strukturelle Verhältnisse – „die unsichtbare Hand“ -, welche derart wirkmächtig sind, dass selbst schwerwiegendste Fehler immer wieder das System bestätigen, auch immer wieder das alte System hervorbringen, was ja auch seine Stärke ist, ihn gelegentlich gar demokratisch, ja natürlich, erscheinen lässt. Davon kann im Sozialismus nicht die Rede sein, bzw. nur bedingt. Der Sozialismus ist im Wesentlichen das, was die Menschen aus ihm machen, oder eben auch nicht!
    Mit einer gewissen Einschränkung. Der Sozialismus löst nicht nur den Kapitalismus ab, er ist damit auch dessen Erbe. Das heißt: Der Sozialismus ist immer so schlimm, wie der Kapitalismus (es gewesen) ist.
    Das was Sie hier beschreiben, sind Realitäten, aber diese sind nicht einfach linear zu begreifen, sie entspringen einer ständig gedoppelten Dialektik, einer zu brechenden.
    Um es mal ganz einfach zu sagen: Ein Stalin ist nicht nur Ausdruck einer gewissen kommunistischen Realität (die selbstkritisch zu überwinden ginge), sondern auch und vor allem die Antwort, die längst überfällig gewesene Antwort auf ein Gesellschaftssystem, das über Jahrhunderte hinweg eine despotische Herrschaft ausübte (Ernst Jünger hat das treffend beschrieben, in „Der gordische Knoten“, vgl. http://blog.herold-binsack.eu/?p=328, „Geschichtsoffen?“ ): den russischen Zarismus, die russ. Orthodoxe Kirche, den russischen Geheimdienst, und wenn man so will: die russische Dummheit des Volkes. Und das hat eine nachhaltige Wirkung auf alle folgenden Systeme.
    Stalin war ein Despot, Mao war ein Despot, ich bestreite das nicht, denn sie waren kontingente Produkte einer Jahrhunderte langen Despotie.
    Der Sozialismus muss nicht so sein, er wird nicht so sein, es sei denn, wir akzeptieren Despotie, jetzt und heute, so wie wir sie gestern (womöglich) akzeptierten, und damit in aller Wahrscheinlichkeit auch für die Zukunft.
    Und wenn dem so ist, dem so wäre, überlebt(e) bei uns auch nur ein despotischer Kapitalismus.
    Und dies wäre ein Grund mehr, für den Sozialismus zu kämpfen, denn dieser hätte damit zu brechen, oder es ginge wieder zurück zum Anfang.

  72. FBandt, die sache mit dem...
    FBandt, die sache mit dem Rating ist fraglos richtig, allein, die Märkte verhalten sich nicht immer rational. Und selbst das rating ist es nicht. Im Prinzip müsste man nach der Kalifornienpleite das Rating der USA neu berechnen. Es wird nicht getan. Die USA könnten Staatsbankrott machen, und wären weiterhin AAA. Die Realität zählt da einfach nicht.
    .
    crispinus, damals war das Geld ja auch noch goldgedeckt. Da hat es sich gelohnt, Scheine für die Ewigkeit zu machen, die nur noch ein paar Jahre hielt.

  73. Don Alphonso, mit der...
    Don Alphonso, mit der schleichenden Desensibilisierung haben Sie voellig Recht, das ist der beruehmte Frosch im Kochtopf, der bei langsam ansteigender Temperatur auch nicht herausspringt, bevor es zu spaet ist (wobei ich mich schon immer gefragt habe, wer einen Frosch kochen will!). – Und sehen Sie, da sind Sie auch beim Thema „wehret den Anfaengen“ das Sie wegen Ihrer Abneigung der „Zero Tolerance Policy“ angezweifelt haben. – Auf der anderen Seite muss es Menschen erheitern zu sehen, wie andere sich erniedrigen lassen. In den US ist das genre „Bums Fighting“ in underground video clips sehr populaer – Obdachlose verpruegeln sich gegenseitig vor laufender Kamera fuer echtes Geld. Aber denken Sie nur an „Torte ins Gesicht“ in all den b/w slapstick movies! Und frueher gab es auf dem Jahrmarkt das Freak Show Tent, und die Clowns sind auch eine Abart des gleichen Themas – siehe „Rigoletto!“ – Interessant dass es nur an westlichen Hoefen die Institution des Hofnarrs gegeben hat, die weder die chinesischen, vietnamesischen noch japanischen Kaiserhoefe kannten.

  74. @Devin08: Nun, wenn Stalin ein...
    @Devin08: Nun, wenn Stalin ein Despot war wie der Zar, und Mao ein Despot wie die Qing Kaiserin oder die Warlords, welcher Mensch brauchte dann einen Stalin und Mao?! Im Gegenteil: Stalin und Mao haben weit, weit mehr Menschen sinnlos umgebracht (Stalin alleine 20 Millionen Ukrainer, bei Robert Conquest nachzulesen und dokumentiert) als die Herrscher es vor ihnen es je getan haben – daher also die Frage, musste dieser moerderische Irrweg beschritten werden? – Und wenn nach ihrer Ueberzeugung auf eine reaktionaere Despotie eine revolutionaere Despotie folgen muss (und daher impliziert quasi entschuldigt wird), wie erklaeren Sie sich die Amtsantritte eines Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, Golda Meir, Koenig Juan Carlos, Konrad Adenauer, die allesamt eine bessere Gesellschaft schuffen als die, die vor ihnen herrschte?! – Ich bin auch gerade Argumente wie diese sehr leid, die den Massenmord und Genozid von Pol Pot mit der Haerte des vorangegangenen Krieges zu erklaeren und sogar zu rechtfertigen suchen!!

  75. Was das Lernen aus der...
    Was das Lernen aus der Geschichte betrifft, so bin ich durchaus Hegels Meinung, daß eine Lehre aus der Geschichte gezogen werden kann: „Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist
    dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte
    gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären,
    gehandelt haben.“
    .
    @Devion08: Bei Ihren Ausführungen zum Wert liegt ein Kategorienfehler vor. Der „Wert“ ist und kann nicht dem Ramsch entgegengesetzt werden, denn was den auf der Arbeitszeit beruhenden Wert betrifft, so ist dieser von der Qualität des Gegenstands völlig unabhängig. Schund hat genausogut wie jedes Qualitätsprodukt einen Wert (der sich in einem davon zu unterscheidenden Preis ausdrückt). Der Schund unterscheidet sich vom Qualitätsprodukt gerade nicht dadurch, daß es weniger Wert besitzt, sondern durch das, was Marx den Gebrauchswert nennt (anhand von Möbeln wurde in diesem Blog schon des öfteren demonstriert, daß die Kosten für hochwertige Produkte durchaus unter denen von Ikea-Ramsch liegen, der Gebrauchswert aber deutlich höher ist). Der Don versteht sich deshalb, wenn ich ihn richtig interpretiere, als revolutionären Befürworter des Kapitalismus, weil er glaubt, man könne den Gebrauchswert revolutionieren, ohne die davon unabhängige Wertstruktur anzutasten. Denn dazu müsse man nur dem PR-Gelichter den Hahn zudrehen, dessen Propaganda den Ramsch überhaupt erst verkäuflich macht. Das ist zwar eine sympathische Utopie, doch es läßt die Dynamik des Werts außeracht, der zum Kapital fortschreitet und in dessen Dynamik es selbst liegt, den Gebrauchswert zu unterminieren. Es ist kein Wunder, daß des Dons liebstes Beispiel für das Marktgeschehen der Wochenmarkt ist, auf dem die unmittelbaren Erzeuger ihre Produkte feilbieten und Wert und Gebrauchswert zumindest nicht in Gegensatz zueinander treten. Doch auf dieses Niveau lassen sich innerhalb einer kapitalistischen Weltgesellschaft die Märkte nicht (mehr) herunterdrücken. Der Wert ist längst selbst verwertender Wert, Kapital, und bringt aus sich heraus abenteuerlichste Märkte hervor, in denen in Form absonderlicher Derivate der Wert selbst zu einem Gebrauchswert mutiert und somit Dinge gehandelt werden, die in einem strikten Sinn gar nicht existieren. Die eigentlichen Gebrauchswerte, das heißt, real konsumierbare Güter, werden zu einer Marginalie, bis dann die Krise kommt und das Verhältnis von Gebrauchswert und Wert wieder ins Lot rückt – mit in der Regel katastrophalen Folgen für die Menschen, die das Pech haben, in derart interessanten Zeiten zu leben.

  76. Die Geister der Vergangenheit...
    Die Geister der Vergangenheit oder eine neue Kontingenz
    @CaoKy: Wo sagte ich denn „notwendig“, ich sagte kontingente Produkte. Und ich wiederhole: Die Geschichte verläuft nicht linear. Somit haben wir es immer mit potenzierten Faktoren zu tun. Ich bin überzeugt, dass in Ländern wie Russland oder auch China ein Stalin oder ein Mao bei weitem noch nicht die schlimmsten Gräuel gewesen sind, denn die Spirale der Gewalt ist nicht beendet. Es kann nur schlimmer werden.
    Ihr Zugang zur Geschichte entspricht dem, was man weitläufig als voluntaristisch bezeichnet. Sie gehen davon aus, dass man Geschichte einfach so machen, oder vermeiden könnte. Die Massen machen die Geschichte, das ist schon einmal eine wichtige Einschränkung (nicht diese oder jene Genies, auch nicht diese oder jene Despoten, oder dieser oder jener Gutgläubige), und sie machen die Geschichte auf der Grundlage des Vorgefundenen.
    Bekämpfen Sie den Despotismus, kämpfen Sie für die Freiheit der Menschen, bekämpfen Sie die Ausbeutung von Menschen, den Hunger, das Elend, die Zerstörung der Umwelt, und Sie nehmen Teil an einer neuen Kontingenz, einer, die sich irgendwann emanzipiert haben wird, von den Geistern der Vergangenheit.
    Ein Sozialismus, der dann kommt (und dass dieser kommt ist zu 50 % wahrscheinlich, so wahrscheinlich wie, dass es stattdessen die Barbarei sein wird), wird einer sein, der Ihren Vorstellungen entspricht.
    Tun Sie das aber nicht, will heißen: glauben Sie weiterhin an diese Märchen, an jene Magie. die sie offenbar ruhig schlafen lässt, jene von der Freiheit im Kapitalismus, dann wird die Despotie, die Barbarei kommen, weil Sie dann nicht bemerken, wie sie kommt.
    Apropos Märchen: Wo haben Sie denn das mit dem Adenauer her? Oder habe ich mich da verlesen?

  77. @Devin08: Natuerlich machen...
    @Devin08: Natuerlich machen die Menschen die Geschichte, nicht die Massen. Wieso hat ein Robert Mugabe sein Land zugrunde gerichtet, und ein Nelson Mandela das seinige aufgerichtet? In beiden Laendern gab es „Massen,“ die vorher von der Herrschaft ausgeschlossen waren. – Verstehe ich Sie Recht, wollen Sie leugnen, dass die Regierung Adenauer weitaus besser war, als das Dritte Reich unmittelbar davor? Adenauer hat eine bessere Welt geschaffen als die, die vor ihm geherrscht hat. Ebenso hat Ebert eine freiere Welt als das Kaiserreich war geschaffen. Und Ebert’s frueher Tod zeigt eben, dass es doch Menschen sind, die Geschichte machen, und wo gute Menschen fehlen, kann es dann schief gehen. – Fuer Russland und die VR China wuensche ich innigst, dass Sie Unrecht haben, und es niemals schlimmer als unter Stalin und Mao werden wird!!! Immerhin haben es Menschen wie Gorbachev geschafft, neue Freiheit zu schaffen, auch wenn es den „Massen“ eher egal war: Glasnost und Perestroika kamen von oben, nicht von unten. Die „Massen“ haben die Jahrzehnte der Stagnation unter Brezhnev und den folgenden Greisen durchlitten, sie haetten auch weiter gelitten.

  78. Herold, erstens behaupte ich...
    Herold, erstens behaupte ich nicht, daß wir im Kapitalismus leben, sondern in einer Art Sozialismus – das zeigt schon allein eine Staatsquote von über 50% deutlich. Zweitens behaupte ich, daß es Kapitalismus weder als Ideologie, noch als „System“ gibt, sondern daß Marktwirtschaft eine logische Folge der menschlichen Psyche ist, die sich bis zu Urmenschen, teilweise sogar bis ins Tierreich zurückverfolgen läßt. Was, als das Streben nach „Privatbesitz“, soll denn die versteckte Nuß des Eichhörnchens sonst sein?
    .
    Sozialismus ist eine durch den menschlichen Geist erfundene Utopie, die aber im völligen Gegensatz zur menschlichen Psychologie steht – sie ist die Bilderbuchrealität, nicht die Marktwirtschaft.
    .
    Im Gegensatz zum Monterey Bay Aquarium versuchen wir als denkende Individuen eine „gerechtere“ Welt zu erschaffen, dies wird aber nicht gegen die Psyche des Menschen funktionieren, sondern nur mit ihr, wie man ja in Begeisterung und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung solcher Versuche deutlich gesehen hat. Es ging wie erwartet nicht ohne Zwang und schon war der Despotismus da.
    .
    Die „Masse“ muß so viel Anreiz haben zu arbeiten, daß sie es mit Freude tut (Arbeit macht ja grundsätzlich auch Freude, mir zumindest), dann folgt die Belohnung und weiter geht’s, das ist die menschliche Psyche. Michael Schumacher hat einen hohen Marktwert und verdient entsprechend viel, in einer Mine können viele arbeiten, also ist der Marktwert des Minenarbeiters niedriger, das hat noch nichts mit Ausbeutung zu tun. Die Abfederung nach unten ist das soziale System. Nur braucht die Masse natürlich etwas zu arbeiten (siehe China-Schrott Diskurs).

  79. Bei allem Respekt, mawu, aber...
    Bei allem Respekt, mawu, aber was Sie hier verbraten ist wirklich pure (kapitalistische) Ideologie. Aus der versteckten Nuß des Eichhörnchens (oder, auch nicht besser, einer überhistorischenden „Psyche des Menschen“) den Privatbesitz an Produktionsmitteln abzuleiten ist ungefähr so plausibel wie die Argumentation der Monarchisten, die noch vor ein paar Jahrhunderten die Notwendigkeit eines Königs aus der „natürlichen Gewalt“ des Vaters in Familie ableiteten. Selbst wenn eine „Natur des Menschen“ existieren würde, ließe sich daraus absolut nichts ableiten: Die menschliche Gattung hat sich immer dadurch ausgezeichnet, daß sie durch Rituale, Konventionen, Gesetze der Natur Einhalt geboten hat; genau das hat sie zu einem evolutionären Erfolgsmodell gemacht.
    .
    Daß wir im Sozialismus leben würden wegen einer angeblichen 50%igen Staatsquote: Entschuldigung, aber ich wüßte nicht, daß unser Staat 50% der Produktionsmittel in seinem Besitz hätte. Er mag relativ viel Einkommen abschöpfen, aber letztendlich liegt die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel – und damit die Entscheidung darüber was und wie produziert wird – in den Händen einer Minderheit.
    .
    Und selbst das wäre noch nicht einmal ein so besonders großes Problem, wenn diese Minderheit ein vernünftiges Kriterium hätte, das ihre Entscheidungen, was und wie produziert werden soll, leiten würde. Aber ihr einziges Kriterium, das der ach so großartige Markt kennt, ist die Rendite, daß aus Geld mehr Geld gemacht wird (und wer das nicht tut, wird untergehen). Wenn der Begriff des Sozialismus irgendeinen Sinn haben soll, dann kann es nur der sein, daß die gesamte Gesellschaft (nicht der Staat in Form einer bürokratischen Kaste) die Entscheidung darüber trifft, was und wie produziert werden soll. Und dazu muß die Gesellschaft als Ganzes die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel besitzen.
    .
    Und diese letzte Behauptung ist keine Antwort, sondern eine Frage, eine Frage, von der, wie ich wirklich glaube, das Überleben der Menschheit (um selbst einmal kurz in den von Devin08 so geschätzten Pathos-Modus zu wechseln) anhängt: Wie kann es gelingen, die gesellschaftliche Produktion so vernünftig und demokratisch (wobei ich zugeben muß, daß ich selbst Zweifel daran habe, ob Vernunft und Demokratie eine Ehe miteinander eingehen können; es ist aber notwendig) zu organisieren, daß die Bedürfnisse der Menschheit ohne Zerstörung der notwendigen natürlichen Grundlagen der Produktion befriedigt werden können.

  80. wort und totschlag

    danke für...
    wort und totschlag
    danke für den verweis auf auf berlusconis garden. das hatte ich nicht mitbekommen. ich blicke immer noch voller schrecken auf die magyar garda. angeblich verboten, erreicht der zivilterror neue qualität, wenn man bomben in von roma bewohnte häuser wirft.
    http://budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=4554&Itemid=27
    ein schöner kommentar aus dem pester lloyd (deutschsprachige stütze der ungarischen gesellschaft):http://www.pesterlloyd.net/2009_02/0902kommentar/0902kommentar.html

  81. Wertbeständiger...
    Wertbeständiger Don,
    Theorieplünderung: treffliches Ventilieren von
    “ Erkenntnisvermögen vs. Imprudenzkonvolut“.
    Wäre ja kein Problem, wenn die USA (Rating-Referenz-Status) nach Ausgabe der neuen IOU-Währung AAA geratet bleiben. Die Bewertungsskala wird nach oben um weitere Rating-Qualitätsstufen erweitert, deren Bezeichnung der schöpferischen Phantasie erprobter PR-Strategen überantwortet sein mag.
    Übrigens, aktuell sollen die California-IOUs mit einem Abschlag von 3,44 Prozent gehandelt werden. Die den Handel dealende Bankenschaft soll an der Sucht nach Echtgeld recht und absehbar ausnehmend gut verdienen.
    Interessant wird die Sache, wenn Staaten ihr Finanzierungsmodell an Derivaten orientieren, mit IOUs gehebelt auf IOUs.
    Aber wer kann schon wissen, welch erfinderische Dynamik Not zu wecken versteht.
    Da heutzutage Zahlungsvorgänge mit dem Mobiltelefon bewirkbar sind, müßte man nicht dem Beispiel von ehemals Rhodesien folgen.
    Der Waldbestand bliebe weitgehend unberührt von den Erfordernissen galoppierender Inflation und die Notenpressen wahrten ein gewerkschaftsverträgliches Arbeitstempo.
    Stattdessen glühten die Akkus der Mobiltelefone.
    Die Beschränkung wäre dann lediglich durch die Größe der Displays gegeben, meistens nicht mehr als 140 Zeichen. Auch hier eine schöne Möglichkeit zurückhaltender, dennoch augenfälliger Distinktion für die Stützen: der Blackberry mit seinen Darstellungsmöglichkeiten, weit jenseits dieser technischen Beschränkung.

  82. Massen, Menschen,...
    Massen, Menschen, „Übermenschen“, Vernunft
    @Cao Ky: Massen meint die Menschen, es sei denn, Sie meinen mit Menschen „Übermenschen“. Adenauer war ein Geschöpf der Nazizeit, ein Bürokrat aus dieser Zeit, und er setzte soviel davon fort, wie ihm die Besatzungsmächte gerade erlaubten, und noch ein wenig mehr. Ein nahezu kompletter Nazigeheimdienst (BND mit Gehlen), eine Regierungsmannschaft, aus der immer mehr als Altnazis enttarnt werden mussten, einen Verwaltungsapparat, der war komplett „alte Garde“ – lauter Nazischergen, bis in die untersten Ränge. Ein Großteil der bundesdeutschen Verwaltung lebt heute noch davon. Er hat wahrlich keine Kader verschwendet, dieser lupenreine Katholik, äh Demokrat. Soll ich mehr dazu sagen? Und Ebert war der Schlächter der Revolution von 1918, eben jener Revolution, die sich gegen die Überreste der Monarchie, des feudalen Großgrundbesitzes und natürlich gegen das Großkapital, das, das den 1. Weltkrieg zu verantworten hatte – Krupp und Konsorten -, richtete. Damit richtete er zugleich über eine demokratische Entwicklung, er schuf damit die Grundlagen für das spätere Naziregime, also somit auch für Adenauer, Strauß, Kissinger, usw.usf.
    Ebert wie Noske waren die Bluthunde gegen die Revolution.
    @Alter Bolschewik: Gut gesprochen! Mit dem „Pathos“ kann ich gut leben.
    Und meine Antwort auf Ihre Frage: Sie haben sie selbst beantwortet. Demokratie kann mit „Vernunft“ nicht, es sei denn, es wäre die bürgerliche Vernunft, diese ist aber nicht wirklich demokratisch, sondern oligarchisch, bürokratisch, sprich: elitär, also eine Farce, eine demokratische Farce, eine Farce von Demokratie.
    Demokratie, die für die Massen, die der Massen, die, die einer proletarischen Vernunft entspricht, kann und muss sehr gut mit Sozialismus gehen. Und nur in dieser Verbindung haben beide eine Zukunft, oder beide gar keine.

  83. Alter Bolschewik und Herold,...
    Alter Bolschewik und Herold, es amüsiert mich ein bisschen, daß meine persönlichen Theorien von Ihnen als „kapitalistische Ideologie“ verstanden werden. Ich bin kein großer Leser ideologischer Werke und analysiere die Welt lieber selbst. Mir ist natürlich bekannt, warum die menschliche Gattung ein evolutionäres Erfolgsmodell ist, aber Ihnen ist sicherlich auch bekannt, daß es in jeder Gesellschaft weltweit ab einer bestimmten Anzahl von Mitgliedern Märkte gibt, auf denen Waren ausgetauscht werden. Und dies nicht ohne Grund, denn auch im Kleinen ist der Markt der effizienteste Mediator zwischen Angebot und Nachfrage.
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    Kommen wir zur Nachfrage, Ihre „Bedürfnisse der Menschheit“. Sie möchten doch auch in Zukunft entscheiden, welche Waren Sie einkaufen – oder hätten Sie gerne jemanden, der Ihnen vorschreibt, wieviel Bier sie trinken oder welches Fleisch Sie essen dürfen? Wohl eher nicht, aber der Markt regelt das von selbst – wollen alle weniger Bier trinken sinkt der Preis und es wird eben weniger produziert. Ihrem Umweltgedanken stimme ich grundsätzlich zu.
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    Der Markt kennt keine Rendite, sondern die Einzelperson – und das zu recht. Wenn ich einen Kunden für graphische Leistungen habe, kann ich mir überlegen ein paar Macs anzuschaffen und Grafiker zu beschäftigen. Habe ich kein Geld, kann ich mir etwas leihen bei jemandem, der es gespart hat und für seinen Kunsumverzicht natürlich etwas haben möchte (Zinsen). Wenn ich aber all diesen Aufwand treibe diese Produktionsmittel anzuschaffen usw., mache ich das nur, wenn ich etwas dabei verdiene – das ist die Rendite – denn sonst würde ich lieber nichts tun. Das entspricht der menschlichen Psyche und letztlich könnte jeder meiner Grafiker im umgekehrten Fall das Gleiche machen wie ich. Wo genau liegt in diesem Beispiel eigentlich der Unterschied zwischen den Grafikern und mir?
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    Konzerne folgen diesem Prinzip im großen Stil, hier kann es schon eher problematisch werden, speziell wenn Monopole den Markt ausser Kraft setzen. Hierbei helfen die gesetzlichen Rahmenbedingungen.
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    Ist der Markt ausser Kraft gesetzt, durch Monopole oder Planwirtschaft etwa, dann werden die Bedürfnisse noch weniger befriedigt, Unzufriedenheit und Motivationslosigkeit machen sich breit, das ist die logische Folge, die wir oft genug beobachten konnten. Diese ganzen Ideologien waren vielleicht interessant, um den Monarchismus zu überwinden, heute , in einer freien Marktwirtschaft, sind dagegen sie völlig überflüssig und veraltert. Wir sollten lieber an den Rahmenbedingungen dieser Marktwirtschaften schrauben. Übrigens bin ich nun leider ein paar Tage im Urlaub, meine Antwort könnte also etwas dauern.

  84. vert, gern geschehen und...
    vert, gern geschehen und danke. Das mit Budapest wusste ich nicht. Übelst.
    .
    codizil, ich denke, IOUs werden als Schattenwährung Karriere machen, jetzt, da es im ersten Moment gar nicht so schlimm läuft. Das lädt Nachahmer ein, und zusammen mit den gelockerten Bewertungsvorschriften ist kurzfristiges Geld kein Problem, wenn man zocken will. Zur nächsten Blase wird es npch nicht reichen, aber auch hier wird am Ende einer zahlen. Ich würde nicht in Kalifornien leben wollen.

  85. Auf das sozialistische Motto...
    Auf das sozialistische Motto >Geh Du weg und laß mich hin, falle ich prinzipiell nicht herein. Soll ich vielleicht einem, der bittere Medizin braucht, eine süße reichen?< Aus >das grüne Gesicht< von Gustav Meyrink. Wie offen hier Verbrecher wie Stalin, Mao, Lenin und Trotzki schon fast gelobt werden, grenzt schon an Verhetzung. Ich bin nur ein Hauptschüler und blöder Bauarbeiter, aber eines weiß ich bestimmt: Mein Leben, mein Überleben musste ich und muß ich dem Dasein abtrotzen. Geschenkt wird einem nur das Leben und um den Platz, den man darin einnimmt muß man kämpfen. Nur wenigen ist es vergönnt auf einen Platz hineingeboren worden zu sein, wo der Kampf vielleicht anders ist, wo es eher ein leichtes Spiel ist, und das sogar noch mit fortgeschrittenem Alter. >….Es ist ein komisches Haus, das einer von unseren alten Hagestolzen sich vor zweihundert Jahren gebaut hat. Wir heiraten alle sehr ungern. Es liegt sehr schön, ganz abseits, über dem Fluß. … ob er sich zu den Drohnen rechnen müsse. Nein das tue er nun wirklich nicht. „Sehen Sie“ sagte er, ich glaube, dass diese alten Geschlechter das Recht haben, in jeder Generation ein Spielkind zu erzeugen. Verstehen Sie? Sie haben viel getan, gearbeitet, geherrscht, gedient, gekämpft und geblutet, dass alle fünfzig oder hundert Jahre einer das Recht hat zu spielen oder auch nur zu schauen…..< Aus >Das einfache Leben< von Ernst Wiechert Zu diesen Menschen gehöre ich nicht, aber ich gönne es Ihnen, um so mehr, je mehr diese Menschen den einfachen das zahlen, was Ihnen ein erträgliches Leben bietet. Ich habe ganz und gar nichts dagegen, dass es Menschen gibt, die mehr verdienen als ich, vielleicht sind sie schlauer als ich, vielleicht leisten sie mehr und ein mehr an Leistung sollte belohnt werden. Aber für die Bereitschaft etwas leisten zu wollen, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Die erreiche ich nur mit einem Höchstmaß an Freiheit, wie ich sie mir am ehesten in einer freien, sozialen Marktwirtschaft vorstellen kann, die dergestalt ausgerichtet ist, dass auch der Mensch, der die einfachsten Tätigkeiten ausführt, von seiner Arbeit leben kann und zwar gut leben kann. Wenn Sie >HEROLD< und >ALTER BOLSCHEWIK< so gebefreudig sind, dann fangen Sie doch gleich damit an und geben mir eine Milliarde, ach was, mir reicht auch ein tausendstel von einer, ich bin ja bescheiden. Und – nebenbei bemerkt, dass Sie sich hier >Alter Bolschewik< nennen dürfen ist ja schon eine Frechheit, denn wenn jemand sich >Alter Nationalsozialist< nennen würde – nun, diese Person würde noch nicht mal freigeschaltet werden. Geschichte wiederholt sich in der Tat nicht, gleichwohl ist das Leben immer das gleiche – nur, das Gewand der Zeit ändert sich. Ach ja, was las ich neulich: Aus den Städten kommt der Intellekt, von dem Land die Weisheit

  86. Eigentlich wollte ich zu...
    Eigentlich wollte ich zu diesem Artikel des Don keinen Kommentar mehr schreiben, weil stilkritik nicht ganz zu Unrecht angemerkt hat, daß das hier in einen Profilierungswettbewerb in Sachen historischer Materialismus ausartet. Aber aufgrund des Kommentars von Grenzgänger muß ich wohl doch noch ein paar Sachen klarstellen.
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    Zum einen habe ich mich an der etwas absurden Debatte uüber Trotzki, Stalin und Mao mit keinem Wort beteiligt; insofern erachte ich mich nicht als angesprochen.
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    Zum zweiten verstehe ich nicht, warum ich „gebefreudig“ sein soll (was immer das heißt): Ich habe in meinen beiden Kommentaren den Standpunkt eingenommen und zu begründen versucht, daß der Markt kein vernünftiges Kriterium für Qualität hat, sondern rein quantitativ darauf aus ist, aus Geld mehr Geld zu machen, und daß genau das die permanente Krisenanfälligkeit des Kapitalismus provoziert. Und daraus habe ich die von mir vielleicht etwas verschwurbelte formulierte Frage abgeleitet, ob und wie es möglich sein könnte, die gesellschaftliche Produktion so zu organisieren, daß sie von Qualitäts- statt von Renditeerwägungen abhängt. Und ich habe meine (sozialistische) Meinung dazu geäußert, daß das nicht geht, wenn die gesamte Produktion auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln fußt. Was das mit „Gebefreudigkeit“ zu tun hat, ist mir schleierhaft.
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    Zum dritten: Das Pseudonym „Alter Bolschewik“ war ursprünglich gewählt, weil ich bei meinem ersten Kommentar in diesem Blog unverschämterweise den Don dahingehend korrigiert habe, daß ein Zitat, das er Lenin zuschrieb, eigentlich von Friedrich Engels stamme. Als „alte Bolschewiken“ wurden nach der Revolution von 1917 diejenigen Parteimitglieder des Mehrheitsflügels der russischen Sozialdemokratie bezeichnet, die bereits vor dem Weltkrieg unter Einsatz ihres Lebens den zaristischen Despotismus bekämpften. Die Bezeichnung „alte Bolschewiken“ unterschied sie von den nachrevolutionären Opportunisten, die dann zum großen Teil den Apparat Stalins bildeten. Die meisten dieser alten Bolschewiken wurden von Stalin in den 20er und 30er Jahren ausgeschaltet, deportiert und ermordet. Insofern schwingt in diesem Pseudonym und seinem Gebrauch in diesem Blog über die „Stützen der Gesellschaft“, bei aller Sympathie für sozialistische Bewegung, eine gewisse, leicht ironisch eingefärbte Melancholie über das Scheitern dieser Bewegung mit. Wenn aber jemand, so wie Grenzgänger, diese tragischen Gestalten der russischen Geschichte mit den braunen Schlägerhorden, die die Weimarer Republik zugrunde richteten, in einen Topf wirft, dann zeugt das von ausgesuchter Geschmacklosigkeit.

  87. @ Alter Bolschewik. Sicher...
    @ Alter Bolschewik. Sicher haben Sie nicht die Namen derjenigen erwähnt, die den tatsächlich existierenden Kommunismus / Sozialismus geprägt haben. Sie haben jedoch ein Pseudonym benutzt, was zunächst eine recht tiefe Verbundenheit zu diesen Gestalten beinhaltete. Auch dadurch, dass Sie mir nun erklären (besten Dank) woher dieser Name rührt, macht den Gebrauch des Pseudonyms nicht besser, denn er ist mit Sicherheit immer mehrdeutig zu verstehen, selbst dann, wenn man weiß, was sich dahinter laut Ihrer Erklärung verbirgt.
    In dem Zusammenhang war auch der Begriff >Alter Nationalsozialist< zu verstehen. Wenn Joachim Fest in seiner Hitlerbiographie schreibt: >Wenn Hitler Ende 1938 einem Attentat zum Opfer gefallen wäre, würden nur wenige zögern, ihn einen der größten Staatsmänner der Deutschen, vielleicht den Vollender ihrer Geschichte, zu nennen< S. 40, dann beinhaltet das wohl, das es >Alte Nationalsozialisten< gegeben hat, die ähnlich, wie Ihre angesprochenen Alten Bolschewiken etwas anderes wollten, als die Gräuel, die geschahen. Im Übrigen verabscheue ich jede Art von Schlägerhorden, gleichgültig ob rote, braune oder schwarze oder welche Farbe auch immer. Sie schrieben, dass die Gesellschaft als Ganzes die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel besitzen soll. Insofern treten Sie für Verteilung ein. Daher meine bescheidene Anfrage ob Ihrer Gebefreudigkeit

  88. Das Buch der Bücher dazu:...
    Das Buch der Bücher dazu: Köppen „Tauben im Gras“.
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    Das Bürgertum kann eben alles verlieren: Am Ende werden auch noch die nicht-zerbomten Immobilien zwangsbewirtschaftet, zumal, wenn sie in Städten stehen. Und sind vollkommen wertlos, kosten bloß, sind daher unverkäuflich.
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    Und wo außer Zwangsbewirtschaftung kein Staat mehr ist, da keine Anleihen, keine Ordnung, keinerlei verwertbares Vermögen. Und Goild wird gefunden und geraubt. Und es wird leicht gemordet dafür.
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    Daher auch läßt z.B. Schiller Wallenstein (die Verhältnisse beklagend) sagen „Sei im Besitz – und du wohnst im Recht, und heilig wirds die Menge dir bewahren“ – nämlich die Privilegien eines Adels sogar durch einen 30-jährigen Krieg hindurch (welcher, wie bekannt, Mitteleuropa zu über 70 Prozent entvölkerte; da waren dann nicht nur die Vermögen weg, sondern man wurde auch noch scheußlichst tot gemacht, wie uns allen Simpilcissimus berichtet, und zwar von pimitivesten Landsknechten).
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    Aber „Kaiser“ oder „König“ und „von“ war man früher auch hinterher, jenseits jeder Krise, mit Anspruch auf Länder und Landschaften – und die Arbeitskraft der Menschen darin, genannt „Völker“.

  89. Schlechtes Deutsch, tut mir...
    Schlechtes Deutsch, tut mir leid, mal wieder zu müde gewesen.

  90. Aber eine gute Buchempfehlung....
    Aber eine gute Buchempfehlung. Allein, die Wohnungszwangswirtschaft kennen wir auch wie auch die Tricks, ihr zu entgehen. Das bereitet mir jetzt nicht allzu grosse Sorgen.

  91. Also alles weiter bloß eine...
    Also alles weiter bloß eine gehobene Form des Eskapismus?
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    A propos TV und Feuilleton: Der arme Schirrmacher, von de Weck so unterfordert… .
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    Was bleibt: Auch gilt es, in der gegenwärtigen Zeit auf sich aufzupassen, dass man der katabolen Gesellschaftslage nicht unnütz (resp. vorzeitig) zu viel Energie zuführte (anabol, na klar).
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    Vielleicht provokant, aber auch einmal wieder zu erinnern: Wer wirklich klug wäre, läse eher wenig Feuilleton? Wie wäre es heute mit Wille & Vorstellung mal wieder erneut gelesen? S. aus F. pur?
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    Vielleicht haben sich noch mehr Leute gefragt, ob Herr de Weck evtl. keine Kinder hat und auch sonst eher keine Beziehungen zu jungen Menschen? (Und erst dann im Internet von der Tochter gelesen?)
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    Denn wer selber Kinder hat, die, wie billig, die nachkommende Generation repräsentieren, sieht die Welt tatsächlich anders, weiter eben: Auch die Männer „der Generation Counterstrike“ werden „männernetzwerken“, Frauen haben wollen/müssen, Familien gründen, Karriere machen, sich als Vorstände hochgebildete Frauen ihrer eigenen Altersschicht (klar die mit den Prädikatsexamen, welche nie counterstrikten) als billige/willige/abhängige Zuarbeiterinnen halten, „wie wir Machtmenschen das nun mal so machen“.
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    Und mit all den gesellschaftlichen Folgen, denn schließlich müssen diese heute noch jungen Männer nichts tun, als warten: Die ganze Gesellschaft, buchstäblich alles, wird ihnen (am Ende sogar völlig vorraussetzungslos) in den Schoß fallen. Alle Botschaften, alle Grundbuchämter, alle Verträge, alle Bücher, alle Verlage, alle Zeitungen, alle Häuser, alle Straßen, alle Waffen, alle Patente, alle Frauen, alle Theater, alle Fabriken, usw.. Vorraussetzungslos.
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    Das diese sich bei einer vorangegangenen Generation dafür qualifizieren müssten, die ihnen erst dann, nach erfolgreich bestandener Lebensprüfung, das alles überreichte, was Deutschland und die Welt ausmachte, eben Unsinn, Unsinn der zur Zeit mal wieder ganz offenbar wird.
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    Halt höchstwahrscheinlich weiter bloß unreflektierter Humbug alter Leute von gestern (… also schon der Jahrgänge 1962 und älter…?).
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    Wir schauen ansonsten auch gerne auf 1930. Die Tanten meines Vaters z. B. waren damals allesamt schon geschieden, resp. hatten noch nie Väter gehabt für ihre höchst symphatischen, lebendigen und gesunden Kinder. (Wofür auch?) Haben damals (auch) als in finanzieller Unabhängigkeit sich empfunden: Als Angestellte im öffentlichen Dienst, unkündbar, lebten die drei Schwestern – nebst den genannten Kindern – in Berlin gemeinsam mit ihrer Mutter in einer großen und komfortablen Wohnung ihr privates Sozialismusmodell. Männer kamen da, wenn überhaupt, nur als Satelliten oder „Gelegenheiten“ vor. (Mit einer – und auch noch katholischen – Bäckerei hätten die nie getauscht, weiter zur Sache geredet; eben: sich so weit nach unten verschlechtert).
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    Wir schauen halt auch gerne auf 1930 – und, wie Don auch, auf jede andere Vergangenheit: Sinn, also das Organ für die Wahrnehmung von Raum und Zeit, haben aber weiterhin noch lange nicht alle, eher ist es bei weitem nicht die Mehrheit. Von daher bleiben besondere Mitverantwortung und Fürsorge für den Rest unser.
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    Und: Die FAZ-Online wird man auch weiterhin vorzugsweise im Elternhaus kennenlernen, durch den Vater wahrscheinlich. Und es bleibt mit der Bildung am Ende wie mit Dons liebster Sexualaufklärung: Ihr Erwerb „läuft auch intrinsich“. (… denn z. B. Brandts den Warschauer Kniefall kam woher?)
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    „Der Aufkläung, also den Prinzipien der Rationalität verpflichtet“, sehr gut, jaja, natürlich, zum Glück, wer noch? und was auch sonst? Auch von daher muss es weiter oben auch „zerbombten“ heißen, *g*.
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    Natürlich liegt der Tegernsee, wie hier gesehen und gelesen, recht eigentlich in Graubünden, hat nicht nur einen Hausberg, sondern ist von sieben Bergen umstellt – dazwischen es selbstverständlich Aus- und Übergänge gibt, die man aber auch dann nicht nutzt, wenn man sie geht … . Man studiere dazu evtl. Castorp und auch das Traumkapitel neu.
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    Das Geniale an Thomas Mann, wie auch immer wieder schon Eckhard Heftrich leise ausführte (denn wer wollte das Nachfolgende schon je hören in Deutschland? aka: den Josef lesen?) ist gewesen, dass er im Josef die Schicht des gehobenen Bürgertums als gegeben gewesen auch ohne archäologischen Beweis voraussetze und der Realität nach frei erfand, eine Bourgeosie also, welche, wie bisher noch jede solche, in stehender Ewigkleit ganz sicher weiß und wußte, „dass ganz Ägypten nur um Ihretwillen da wäre“, „… denn was würden Fellachen und Pharao bloß machen ohne sie – und ohne ihre Vermittlung zwischen und Machtausübung zum Erhalt und fortwährende „unbestechliche“ Wirkung des Guten“?
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    Aus der Sicht des „Zwischen“, welches beschränkt – und daher natürlich immer nur sich selbst kennend – ist eben immer nur das „zwischen“ schon 100%. Pars pro toto eben.

  92. Warum empfiehlt Herr...
    Warum empfiehlt Herr Schirrmacher das FAZ-Stiftungsmodell nicht eigentlich gleich für die ganze Republik?
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    Anfangen könnte man, z.B. „zwecks Überwindung von 1930 und 2009 in uns allen“, mit einem Projekt „schrittweiser Einstieg ins Wohnen im schuldenfreien Wohneigentum für alle“.
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    Allgemeine und gleiche Wohnungsbaugenossenschaften werden gegründet, mit dem Ziel binnen 30 Jahren das ganze Volk ins schuldenfreie Eigenheim zu bekommen. Wer will natürlich nur. (Und mit satzungsgemässer Beschränkung von Spekulation resp. Veräußerung, usw., usf..)
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    Wenn man die Ausdehnung der Städte in Deutschland heute ansieht, wird man nicht umhinkommen, für die vergangenen 20 Jahre einen Flächenverbrauch zwecks Gewerbegebieten festzustellen, wie wir ihn zuletzt (und erstmalig so?) in unseren Städten zwischen 1871 und 1914 hatten. (Und der gehabt „Verbrauch“ der letzten 20 Jahre wäre anscheinend überwiegend unreflektiert geblieben… .)
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    Zeigte er so gesehen aber unseren gesellschaftlichen Umgang mit uns Selbst: „Die Stelle kommt weiter vor dem Menschen“. Denn der Quadratmeter Boden für Gewerbe, also „die Arbeitsstelle“, kostet z.B. im Land weithin kaum mehr als 20-40 Euro voll erschlossen , während der qm fürs Eigenheim 100-400 und mehr kosten soll und darf (also das Streben nach Privateigentum weiterhin das Gewerbeeigentum in großem Stile quersubventioniert)
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    Also die Gewerbe auf aristokratischen Flächen residieren, während die Menschen für selbsterworbene 360 qm Fläche, auf welcher ihr eigenes 160 qm-Heim steht, z.B. 70.000 Euro zahlen (… und unsere Zeit weiterhin mit einer gewissen analen Fixierung „den Flächenverbrauch und die Landschaftsversiegelung/zersiedlung beklagt“. Von daher müssten die Hausgrundstücke eigentlich noch schmaler ausfallen, *g*. Auch damit das Mittelalter, die geistige Stadtmauer in den Köpfen, bloß nicht beschädigt würde, denn Platz haben wir eigentlich genug. Und auch Möglichkeiten überall „rechtlich einwandfrei und mit geeigneter Infrastruktur zu siedeln“(naheliegende Stichworte wie „Klärteich“, „solar“, „Passivhaus“ usw. absichtlich vermieden))
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    Nein, was „der Stelle“ recht ist, sollte den Menschen billig sein. Reform tut Not – auch wenn solche Reform Eingriff in den Besitzstand der heute schon Besitzenden bedeutete: Gesetzgebung könnte z.B. festlegen, dass durch alle Gemeinden für jeden qm Gewerbegebiet auch 3-5 qm Wohngebiet auszuweisen wären, vermarktet nach nachvollziehbaren und stiftungsmodellähnlichen Regeln.
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    Was der FAZ recht ist und gut tut, dürfte und wollte man auch weiterhin der Allgemeinheit verwehren?

  93. Nichts zu vererben, nichts zu...
    Nichts zu vererben, nichts zu vergeben, außer…
    @Grenzgänger: Da ich von Ihnen angesprochen worden bin muss ich wohl antworten. Ich empfehle Ihnen einen Blick in meinen Blog/Werke/Grünhofausstellung/Werk und Vita (http://blog.herold-binsack.eu/?page_id=17). Sie finden dort alles, was es über mich zu wissen gibt. Und falls da noch Unklarheiten sein sollten, können Sie mich ja wieder anschreiben. Nur das vielleicht noch am Rande: auch mein Leben dürfte – so ähnlich wie das Ihrige – der Welt abgerungen sein. Ich habe nichts zu vererben, nichts zu vergeben, außer vielleicht – mit dem Einsatz meines Lebens -, das Produkt des Kampfes für eine bessere Gesellschaft, wozu ich aber nur einen bescheidenen Beitrag zu leisten kann.
    Der Diskurs über eine solche Gesellschaft geht nun mal an historischen Gestalten, wie Mao oder Stalin oder natürlich auch Lenin und Marx nicht vorbei. Lernend kritisch, kritisch lernend. Selbstkritisch. Es sind ihre Theorien, die zu diskutieren sie, wie die Gründe ihres praktischen Scheiterns. Hier ist nirgendwo Spielraum für „Belobung/Verhetzung“.
    Wie kommt es nur, dass selbst unter den Herrschenden in diesem Lande, im Angesicht der offenbar von ihnen nicht zu bewältigenden Krise, Marx wieder en voque ist? Seine Bücher aus den Antiquariaten geholt werden, diskutiert werden? Natürlich ihn dabei zu beschränken suchend, auf seine rein ökonomischen Theorien, meidend alles über den Klassenkampf. Alles Belobigung, alles Verhetzung?
    Ihr Problem hingegen scheint mir, dass Sie nicht über den Kapitalismus hinaus zu denken wagen („…dass auch der Mensch, der die einfachsten Tätigkeiten ausführt, von seiner Arbeit leben kann und zwar gut leben kann…“), also gleich auch allen anderen ein Denkverbot erteilen wollen. Wie kommen Sie nur darauf, dass Ihr Maßstab, für das was gutes Leben anbelangt der allgemeingültige sein muss? Mal abgesehen davon, dass ich eine Menge gerade aufbegehren höre, ob der Behauptung, dass selbst, „der Mensch, der einfachste Tätigkeiten ausführt, gut leben könne“. Gilt das auch noch bei 3 – 5 Euro die Stunde? Das ist doch der derzeitige Tarif für solche Tätigkeiten – in diesem Lande? Nach woanders will ich gar nicht erst erfragen. Ach ja, und: die Zeit, wo man von seiner „Hände Arbeit“ leben kann, gut oder schlecht spielt keine Rolle, ist definitiv abgelaufen. Lesen Sie mal ein gutes Buch, kein marxistisches! Wie zum Beispiel Jeremy Rifkin: „Das Ende der Arbeit“. Vielleicht begreifen Sie dann, dass nunmehr, wenn überhaupt unser aller Verstand, unser Gehirn, der „wichtigste Rohstoff“ (Frank Schirrmacher – auch mein Marxist) ist.
    Entschuldigen Sie meine direkte Betitelung solcher gewagter Behauptungen: Das ist arbeiteraristokratisches Geschwätz. Das sagen Sie, ohne wirklich nachgedacht zu haben, ohne nachzudenken über die Masse der Menschen auf diesem Planeten, sondern einfach nur Ihre eigene Situation, bzw. Wunschbilder, abbildend. Sagen Sie das irgendeinem dieser Arbeiter, die im Moment wieder mal ihre Arbeit verlieren, irgendwo da draußen! Die vielleicht gerade einen dieser Betriebe besetzt haben, weil ihnen das Kapital nicht mehr den „gerechten Lohn“ für ein „gerechtes Tagewerk“ (Marx zu Lassalles gewerkschaftlichen Illusionen) geben will, ihnen also das „gute Leben“ streitig zu machen sucht.
    Das Internet macht’s Ihnen ja möglich.

  94. Und doch wollen Sie so...
    Und doch wollen Sie so viel…..
    @ Devin 08,
    Sie müssen nicht antworten, ich zwinge Sie nicht. Daß Sie eindeutig Sympathien für Massenmörder hegen, kommt hier zwischen den Zeilen zum Ausdruck und eindeutig ein Blog weiter.
    Wenn Sie sich bis auf das äußerste verringern, müssen Sie mit Ihrer Arbeit überleben und sei es nur um dem Boden das abzutrotzen, was Sie zum Überleben benötigen. Aber heute erhalten Sie alles aus dem Supermarkt und bald wird es soweit sein, dass Sie per Datenbahnen Ihr Frühstücksbrötchen aus der Lade Ihres PC entnehmen können, oder was wollen Sie mir mit Ihrer Aussage , > die Zeit, wo man von seiner „Hände Arbeit“ leben kann, gut oder schlecht spielt keine Rolle, ist abgelaufen,< sagen? Ach ja die Bekräftigungsformel >definitiv< habe ich ausgelassen. Das wir alle nur noch mehr oder weniger nutzlose >geistige< Erzeugnisse unter die Menschen bringen? Das halte ich für Intellektuellengeschwätz, aber bitte, wenn Sie es glauben wollen. Es wird immer Arbeiten geben, die von Menschen ausgeführt werden müssen, mit deren Händen, insofern finde ich Ihre Aussage geradezu diskriminierend, was doch einen Linken wie Sie, fast ohnmächtig werden lassen müsste, da Linke doch grundsätzlich nicht diskriminieren. Welcher Arbeit auch immer nachgegangen wird, Gehirn braucht sie immer. Wer kein Gehirn, besser, nicht denken kann, wird auch nicht die einfachsten Tätigkeiten ausführen können. Ein Problem ist tatsächlich die immer mehr zunehmende Automatisierung, sowie der immer stärkere Einsatz von Maschinen, der mehr und mehr Menschen aus der Arbeitswelt ausschließt. Übrigens halte ich persönlich die politischen Begriffe wie links oder rechts und dergleichen für überholt – wichtig ist, was ein Mensch für sein Land und für die Menschen, die in ihm wohnen tut. Und dieses zum Wohle beider. Von der Herkunftsbedeutung der Wörter her, halte ich es eher mit dem Wortstamm Rechts. Ich vermute allerdings, dass Sie vor lauter Maohegelstalinmarx und Trotzkistirnermühsamtoller kein Herkunftswörterbuch besitzen. Ach ja, noch mal zu dem von Ihnen so betitelten >Bluthund< Noske: Wahrscheinlich kann ich Ihm danken, nämlich dafür, dass mein Opa keine 7 Tage in der Woche arbeiten musste nach Machtübernahme der Bolschewiken, und darüber hinaus nur noch das Verhungern sein restlicherLebensinhalt gewesen wäre. Und schließlich habe ich nirgendwo geschrieben, dass man von 3-5 € Stundenlohn leben kann und schon gar nicht gut. Solche Unterstellungen verbitte ich mir.

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