Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Von Kunst, Besitz und Berufen ohne Wert

| 105 Lesermeinungen

In der sattsam bekannten Sage vom menschlichen Flugversuch stieg Ikarus zu nah an die Sonne, wo seine aus Wachs und federn gefertigten Flügel schmolzen, und der junge Herr zu Tode stürzte. Nachdem sich auch Geschichten als Farce wiederholen, möchte ich hier den Blick auf Zeitgenossen richten, die sich redlich einen abflatterten, ziemlich viel über das Erklimmen gesellschaftlicher Höhen nachdachten und nun, mangels Tragfähigkeit ihrer Vorstellungen, nicht wirklich dort ankommen, wo sie hin wollten. So ist es nun mal: Die einen verlieren in der Krise das geld, das sie haben, und die anderen jenes, das sie nun nie bekommen werden.

Besitz ist das Verhältnis zwischen Menschen.
Lew Dawidowitsch Bronstein, gen. Trotzki

Beim Aufräumen hinter dem Bett darübergestolpert: Ich weiss nicht, wer in jenen Frühlingstagen des März 2006 die deutsche Architectural Digest gekauft und dann bei mir vergessen hat. Ich war es sicher nicht; allein schon die geistig unterfordernde Einleitung der Chefredakteurin dieser mit „THINK BIG“ überschriebenen Ausgabe ist mir unerträglich, und die Neigung dieser Möchtegern-Zeitschrift für Möchtegern-Reiche, alle möglichen Begriffe auf Englisch zu einfliessen zu lassen, um Kennerschaft vorzutäuschen, empfinde ich als Beleidigung.

In der besagten Ausgabe wird von einem Modearchitekten berichtet, der einen Chauffeur entliess, der sich verspätet hatte – aber erst, nachdem er ihm das Gepäck getragen hatte. Und in der besseren Gesellschaft, tönt diese Werbekloake, seien „unverplante Abende so rar wie frische Austern im Mai“. Ein klarer Fall für die Papiertonne, denn der Gast von 2006 wird dieses Monument der Dummen Berliner Republik und ihrer Einrichtungssünden kaum mehr haben wollen – wäre da nicht jene entzückende Anzeige der Bank des Hauses Liechtenstein aus besseren Tagen, gleich neben einem Beitrag über den florierenden Kunstmarkt, und das wird später mal Geschichtswert haben. Das muss man aufheben.

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Denn das waren noch tolldreisten Zeiten, als das Fürstenhaus in einer deutschen Zeitung verbrämt auf die steuerlichen Freuden ihres Landes hinweisen konnte. Es gab keine Finanzkrise, keine CDs mit Daten, Zumwinkel war noch in Amt und Würden, in Amerika erreichten Immobilien Rekordpreise und der Tegernsee war reichlich uninteressant für Anleger, die Wirtschaft florierte und die Umverteilung in den westlichen Industrienationen suchte händeringend nach Investitionen. Und seien es, wie in jener Zeitschrift aufgezeigt, Spielsachen aus einer gräflichen Manufaktur, deren Chefin früher bei einer Werbeagentur war und nun – der Mann ist TV-Produzent – in Berlin hübsche Sachen für die Kleinen der grossen Gesellschaft oder was sich dafür hielt fertigte. Kurz, der ganze Irrsinn jener Jahre vor dem Crash tritt uns noch mal entgegen, es räkelt sich eine Blonde mit LV-Täschchen, ein Bentley wird gestestet, und ein Ofen darf auch mehr als 20000 Euro kosten.

Das war einmal. Verschwunden ist das Anzeigenaufkommen, verschwunden ist die Selbstsicherheit beim Verlag Condé Nast, verschwunden auch der gute Ruf des schnellen Geldes und all derer, die in seinem Windschatten nach vorne ziehen wollten: Der Hedge Fonds Manager ist ebenso bedroht wie die PR-Chefin, der Werber stöhnt kaum leiser als der schlecht abgefütterte Journalist; viel hört man auch von Entlassungen, aber so gut wie nichts von neuen Erfolgen. Die wirklich Reichen verlieren Buchvermögen, diejenigen, die sich auf einem guten Weg wähnten, dagegen ihre Arbeit, ihre kleine Firmen, die Aufstiegschancen. Journalisten jammern unschön öffentlich, aber das wahre Drama spielt sich unter Juristen und anderen sekundären Branchen ab, die sich die Reichen und ihre Finanzkonglomerate nicht mehr leisten können oder wollen.

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Überhaupt scheint das Gerede vom Aufschwung, passend vor der Wahl, bei den Reichen nicht wirklich auf offene Ohren zu treffen. Man merkt es im Grossen wie im Kleinen. Angesichts der aktuellen Kurse und Firmenbewertungen müsste wie überall fusioniert und übernommen werden; allerdings sind die diversen Beispiele der Wirtschaftskrise nur Fälle für Lehrbücher der Wirtschaft und der Geschichte des Besitzbürgertums, wie man sich dabei übernimmt: Die Familie Porsche bei VW, die Familien Schickedanz und Oppenheim bei Arcandor, Schaeffler bei Conti, oder grösser und auch nicht weiser: Cerberus versagt bei Chrysler, Microsoft dagegen verschleuderte jüngst die teuer gekaufte Agentur Razorfish, und Ebay verkaufte Skype – der Zeitgeist geht klar zur Schuldenfreiheit, zur Konzentration auf das, was man kann, auf kleine, effiziente Strukturen; man möchte kein Räuber und Eroberer mehr sein, sondern beständig, traditionell und grundsolide. Alles andere kommt im Moment nicht so gut an.

Dieser Zeitgeist jedoch schlägt sich nur begrenzt in den typischen Magazinen der Gefolgschaft dieser Leute wieder. Zwar sind die Bankerappartments am Central Park mit goldgestreiften Wänden verschwunden, und reizende Cottages in England und Bauernhäuser in den Bergen tauchen vermehrt auf; unabhängig davon muss aber zugunsten der Werbekundschaft das hohe Lied des Konsums weiter intoniert werden, mag auch die Kehle kratzen, ohne dass einem jemand dafür einen Champagner reichen würde. In der Realität jedoch knallt die Neue Leipziger Schule gegen die Betonwand der Unverkäuflichkeit; man erzählt sich so gar nichts mehr von den Kunststars in den Strandcafes am See und wenn doch, dann ist es der erstaunliche Umstand, dass so mancher sich nun nicht gefeit gegen die Auftragsarbeiten zeigt – von irgendwas muss man ja leben, bis der Markt wieder kommt. Aber käme er wieder – müssten da nicht schon längst wieder Aufkäufer unterwegs sein, die sich nun zu günstigen Preisen mit einer ganzen Krisenjahresproduktion Kunst eindeckten? Doch vom Kunstmarkt hört man absolut nichts Ermutigendes; „tot“ nennt ihn ein mir bekannter Restaurator; wer nicht muss, behält seine alten Meister, und gleichzeitig jedoch erreicht das Gold wieder die Höhe von 1000 Dollar pro Unze. Nicht, dass ich das für weise halten würde; es ist eben so, dass man nur Gold momentan mit Gold aufwiegt.

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Zu gerne würde ich Studien zu diesen Phänomenen lesen; aber hier rächt sich der Mangel an übergreifenden Forschungen, und so bleibt mir nur die Vermutung: Die Annahme, dass wir nicht nur ein Problem wertloser Vermögen in der Finanzwelt und überteuerten Bildern bei Auktionen haben, sondern auch ein Problem ziemlich entwerteter Mitglieder der Gesellschaft. Rund um die steigenden Geldmengen bildeten sich Berufe, Berufsbilder, ganze Branchen aus, die wiederum eigene Medien, Kommunikation, Beratung, Verwaltung und Büroausrüster nach sich zogen, die mitschrieben am „THINK BIG“ mit den grossen Zahlen und der immer präsenten Möglichkeit, es in Liechtenstein zu optimieren. Es entstand eine ganze Welt, die direkten Zugang zu diesem Vermögen versprach; und jetzt, da es sich aufgelöst hat, geflohen ist oder sonst wie zwischen all den Hebeln und Schmierstoffen der Finanzbranche verschwunden ist, braucht man sie auch nicht mehr.

Nicht nur für heute. Sie können gehen. Für länger. Jenseits der irrationalen Szenen an den Börsen, die durch irrationale Konjunkturprogramme befeuert werden, ist in Wirklichkeit gar nichts mehr wie früher. Die Welt von 2006 ist absolut tot, aus, vorbei, 2008, 2009, 2010 stehen in der besseren Gesellschaft für die neue Orientierungslosigkeit und Zukunftsangst, angetrieben durch Staaten, die ernst machen mit der Besteuerung, um ihre STAMOKAP-Versuche zu refinanzieren, ohne daran bankrott zu gehen, und andere Staaten, die ihre Anleger verraten und verkaufen. Es ist noch nicht sehr lang her, als Frau Schickedanz mit ihrer Kinderkrebsstiftung noch als Vorbild für soziales Engagement gehandelt wurde, und mit ihren seltenen öffentlichen Auftritten üppige Spenden einsammelte, statt – wie gerade jetzt – Spott und Hohn. In Zeiten wie diesen ist ein fluffiges Umfeld junger, eloquenter Geldausgeber, die ihre Ideologie den bei Springer verlegten Texten des Herren Poschardt zu entnehmen scheinen, extrem unpassend. Das wird man eine Weile nicht tragen, denke ich. Allenfalls in der Hauptstadt, mag sein, aber sicher nicht dort, wo es eine bessere Gesellschaft gibt.

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Brutal gesagt: Es reicht schon ein kurzes Blättern in dieser Zeitschrift, um das enorme Sparpotenzial zu erkennen, das sich durch den Konsum während der Blase gebildet hat. All diese Leute, die irgendwas machen, ohne etwas Notwendiges herzustellen, sind wegrationalisierbar, und das auf die bequemste Art und Weise. Niemand braucht das wirklich. In Tagen wie diesen braucht man auch keine Hedge Fonds Manager, man kann an Einladungen sparen, die Kleiderschränke sind noch voll, und auch ohne Feng Shui Beratung kann man sein Regal an die richtige Wand stellen. Das wird für die Betroffenen kein Spass, auch wenn sie sich im oft gehörten Glauben trösten, mit dem Ende der Krise gehe sofort wieder das Prassen los.

Ich glaube das nicht. Nach der Krise geht erst mal der Versuch los, die Verluste zu kompensieren, neue Reichtümer anzuhäufen, von den Nachbarn und Freunden nicht abgehängt zu werden, wieder dabei zu sein. Es wird lange dauern, bis man das wieder öffentlich zeigen und feiern möchte, selbst wenn es wieder aufwärts gehen sollte. Vielleicht, welch Horror, gewöhnt man sich aber auch wieder an das stille Geniessen, an die Ruhe, an das angenehme Leben, ganz ohne die Frage, ob man überhaupt noch ohne tibetanisches Steinsalz kochen darf, und das auch noch in einer Küche ohne die must-havige, kombinierte Herd-Bar-Arbeitstisch-Insel aus von kasachischen Jungfrauen formgestreichelten Tropenholz in der Mitte. Das wäre dann ganz schlecht für das Umfeld. Allerdings, so höre ich, braucht man wohl Grundschullehrer und Altenpfleger, und Call Center – das Wort wird bei AD und ihren denglophilen Lesern sicherlich gefallen! – sind immer auf der Suche nach Leuten mit einnehmendem Wesen.

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105 Lesermeinungen

  1. @Don, draußen tobt schon...
    @Don, draußen tobt schon Novembersturm, aber hier bei Ihnen fühle ich mich wohl bei Sätzen wie: „….an das angenehme Leben, ganz ohne die Frage, ob man überhaupt noch ohne tibetanisches Steinsalz kochen darf, und das auch noch in einer Küche ohne die must-havige, kombinierte Herd-Bar-Arbeitstisch-Insel aus von kasachischen Jungfrauen formgestreichelten Tropenholz in der Mitte.“ Die ganzen letzten Jahre der Exzesse, Betrügereien und des Schwachsinns in einem Satz. Bravo! Wir sollten die Kollekte durch die Reihen der blogger reichen für diese Mitleid erregende Spezies der Jongleure.

  2. ... zu Ihren herrlich...
    … zu Ihren herrlich treffsicher beobachteten Ausführungen betr. Überflüssigkeiten passt auch recht gut, dass uns besagte Zeitschrift über mindestens 3 Jahre hinweg unaufgefordert (!) und kostenlos (!) immer wieder brav in unser Museumsbüro gesendet wurde.
    Offenbar hielt man uns für eine relevante Zielgruppe?

  3. Der ging runter wie Öl. ...
    Der ging runter wie Öl. Jetzt kann auch ruhig wieder mal ein schlechter Artikel kommen ;-)
    Eine wunderbare Idee, einmal über die nichtsproduzierenden Gestalten unserer Gesellschaft nachzudenken.
    Man betrachte unsere Gesellschaft mal mit ein wenig Ehrlichkeit, also ohne ABM´s, ohne durch private Neuverschuldung geschaffene Lobbyposten und ohne all die staatlich- planwirtschaftlichen Subventionsjobs ….es könnten morgen früh locker viele, viele Millionen Menschen sehr lange ausschlafen. Die Kette der Jobs, die wirklich keiner so richtig echt braucht, sie erscheint einem bei längerem Nachdenken schier endlos.
    Ich frage mich oft, erkennen die Betroffenen eigentlich, dass sie nicht wirklich gebraucht werden oder schiebt da das Innere so eine Art Selbsterhaltungs-Rettungs-Klappe vor die Birne? Wahrscheinlich glauben die Meisten einfach unerschütterlich an den Blödsinn den sie veranstalten.
    Dazu fällt mir doch ein Spruch eines alten Dozenten ein: Wenn Nachts auf jedem Grab ein Kerzchen brennen würde, in welchem jemand liegt, der sich für wichtig und unersetzbar gehalten hat…die Friedhöfe wären taghell erleuchtet.
    In diesem Sinne, Gute Nacht.

  4. Tibetisch. Es heisst...
    Tibetisch. Es heisst tibetisch!

  5. Hallo Herr Don Alphonso,

    das...
    Hallo Herr Don Alphonso,
    das klingt ja sehr nach Wahlunterstützung für DIE LINKE.
    Gab es früher auch in der besseren Gesellschaft solche Orientierung?

  6. Täuschen Sie sich nicht -...
    Täuschen Sie sich nicht – auch nach der Krise sind Hedge Fonds beliebt wie eh und je.

  7. maximpouska, ich habe gerade...
    maximpouska, ich habe gerade Gäste auf meinen Sofas, aber um das ganz schnell zu beantworten: Absolut nicht. Ganz und gar nicht. Warum sollte ich für Leute eintreten, die mich ausplündern wollen, um jenen zu geben, die dann zu Ikea und kik rennen?

  8. Hihi, dieser Beitrag wird die...
    Hihi, dieser Beitrag wird die Ratlosigkeit im Consultantsvölkchen nicht gerade verkleinern.
    Neo Rauch als Ossi-Jeff Koons muss wohl im neuen Althaus-Film mitspielen, Arbeitstitel „Apres Ski“.

  9. nico, ich bin mir absolut...
    nico, ich bin mir absolut sicher, dass Hilfeleistungen hier überflüssig sind; zu den Ausbildungszielen dieser Leute gehört auch die Kaltacquise und die Fähigkeit, auf Leute mit klaren Zielvorstellungen zuzugehen. Wenn wir damit anfangen, könnten wir auch gleich an Parteistiftungen Geld überweisen.
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    Hiwwelhuber, ich denke, dass die Wege der Auflagensteigerung unbegreiflich sind. Ich selbst habe einmal was für ein kleines Magazin für Popkultur geschrieben, und werde trotz der Bitten, meinen Papiermüll zu entlasten, pünktlich jeden Monat mit diesem Produkt erfreut. Als beleidigend jedoch empfinde ich die Zusendung der Cicero – hält man mich für einen abgewirtschafteten, moralisch verkommenen Berlin-Lobbyisten, dass man meint, mich damitg belästigen zu müssen?

  10. miner, tatsächlich gibt es so...
    miner, tatsächlich gibt es so eine Art sich selbst ernährende Konzeptstruktur, in der das eine das andere bedingt und jeder von jedem abhängig ist, solange verbindlichkeiten mit Geld abgegolten werden. Darin ist man nutzlich, weil es dem anderen hilft; am Ende der kette steht zwar etwas hochgradig Sinnloses, aber im Verlauf der Verwertungskette hofft man, dass die blosse Existenz sinnstiftend ist. Niemand mag PR und Werbung, aber es wird trotzdem gemacht, für enorm teures Geld und ohne Rücksicht auf die Käufer, die für Produkte und nicht den Medikamentenmissbrauch der Werber bezahlen wollen.
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    krazykrake, ich ändere das morgen früh, gute Nacht.

  11. " hält man mich für einen...
    “ hält man mich für einen abgewirtschafteten, moralisch verkommenen Berlin-Lobbyisten, dass man meint, mich damitg belästigen zu müssen?“
    Was bitte ist denn an Cicero so schlimm, dass Sie solch ein hartes Urteil fällen?

  12. Frage an Radio Eriwan: Wenn...
    Frage an Radio Eriwan: Wenn Besitz das Verhaeltnis zwischen den Menschen ist, wie verhaelt es sich dann mit dem Eigentum?
    …Wir entschuldigen uns fuer den Sendeausfall, und sind bemueht die technische Stoerung schnellstmoeglich zu beheben. Solange etwas Musik vom Frauenchor der LPG Wir sind die Kraft, Vorwaerts Und Nicht Erinnern.

  13. Ich glaube, es gibt kein...
    Ich glaube, es gibt kein Zurück mehr. Krise hin oder her! Diese Luftnummern gehen weiter. Vielleicht mit weniger Zuwachs an Marketingspezialisten, PR Beratern, Fondsmanagern etc. Allein schon die ganzen Bachelors, die in den kommenden Jahren die Hochschulen verlassen und nichts richtiges gelernt haben, außer Denglisch!
    Man kann dann froh sein, wenn man noch einen Platz hinter der Hecke hat !

  14. So gesehen kann auch der Don...
    So gesehen kann auch der Don seinen Hut nehmen, auf dem dann stehen würde: ‚Überflüssig‘. Denn streng zu Ende gedacht benötigen wir den Bauer, den Arzt, jemanden der weiß, wie man ein Haus baut und instand hält und einen, der für Brennstoff sorgt. Das war es dann aber auch. Journalisten und Blogger wären in so einer Welt genauso überflüssig, wie Ingenieure, Wissenschaftler, Forscher – denn Wissen ist reichlich vorhanden. Einmal abgesehen davon, dass man auch keine Verkäufer, keine Firmeninhaber, keine Soldaten, keine Politiker, keine Lehrer und keine Autoverwerter benötigt.
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    Das Leben, welches wir führen, ist aber reicher, facettenreicher vor allem. Dem einen dürstet es nach Fengshuisoße, dem anderen nach Chichi-an-den-Wänden, dem nächsten nach ölhustenden Oldtimern. Der eine ergötzt sich an Think-Big-Oberflächlichkeiten, der andere glaubt, nur weil er am Bergrand wohnt, wäre er schon ein Senner. In Wirklichkeit sind unsere Tätigkeiten aber so sehr spezialisiert, dass man auf jeden einzelnen von uns verzichten könnte. Wofür ein Pudelsalon? Wofür Fachleute für’s Zähnebleichen? Wofür Silberkannenverkäufer? Wofür stützt da jemand eine Gesellschaft? Wofür überhaupt eine Gesellschaft?

  15. Debütant, das wird sich...
    Debütant, das wird sich zeigen. Ich sage ja nicht, dass hedge Fonds schlecht sind – sie sind im Kern ein Mittel zur Portfolioabsicherung, und damit vollkommen legitim. Nicht mehr legitim jedoch sind die unregulierten Kraken der Cayman Islands mit Sitz in London. Ich bin mir aber recht sicher, dass man alleoin schon aus steuerlichen Gründen da massiv einschränken und regulieren wird, damit die wieder werden, was sie sein sollten. Angesichts der Solvenzkrise, die wir haben, sehe ich auch keine Chance für eine schnelle Erholung der Branche.
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    Besucher, was man so aus den einschlägigen Agenturen hört – ich rede ja auch mit PRlern – so sind kleine Überlegungen in der FAZ deren allerkleinstes Problem. Selbst grosse Häuser sind gerade dabei, neue Strategien und Geschäftsfelder einzusatmpfen, Lohnverzicht soll gar nicht selten sein, und man hört auch von einer Werbeagentur die, oh Schreck, wi in besten Zeiten der New Economy gerade Probleme bei der Gehaltsabrechnung hat. Software, sagen sie. Ende der Kreditlinie, sagt man. Und dass eine gewisse Bank ihren Öffentlichkeitslieferanten empfohlen hat, auf einen Teil der Forderungen zu verzichten, um weiterhin dort arbeiten zu können, ist wohl Fakt.

  16. Also, diese Geschichte mit den...
    Also, diese Geschichte mit den im Sommer nicht zu bekommenden Austern scheint sich wirklich in den sich stetig erneuernden Kreisen der Neureichen zu halten. Naja, wird da auch irgendwie erhebend sein mit Ende 30 die erste Auster des Lebens und dazu ein Glas miserabler Puffbrause möglichst publikumswirksam zu verzerren.
    Also, die Geschichte stimmte ja: die europäischen Austern (heute kaum noch zu bekommen) sind in den Sommermonaten männliche Tiere und das Austernsperma ist einfach nicht der allergrösste Genuss. Ich habe allerdings eine Freundin die darauf schwört: es wäre wohl die einzige Genussmöglichkeit ohne an das Thema Aids denken zu müssen. Leider gibt es heute aber fast nur noch pazifische Austern auf dem Markt die dieses Phänomen nicht aufweisen.
    Nun ja, der Poschardt kann aber wenn er will: in 2007 veröffentlichte er einen Beitrag über die Verschandelung des öffentlichen Raumes durch Jogginghosenträger.

  17. @miner: <i>Ich frage mich oft,...
    @miner: Ich frage mich oft, erkennen die Betroffenen eigentlich, dass sie nicht wirklich gebraucht werden oder schiebt da das Innere so eine Art Selbsterhaltungs-Rettungs-Klappe vor die Birne?
    Darauf hat mein Vorredner Ephemeride schon eine sehr gute Antwort gegeben. Ich knüpfe daran an mit dem Bekenntnis, dass ich diesen Sachverhalt durchaus reflektiere, dass meine Arbeit nicht irgendwelchen ganz grundlegenden Bedürfnissen der Menschheit dient. Ich verkneife mir auch die naheliegende Gegenfrage, was Sie anscheinend so sicher macht, sich diese Frage nicht stellen zu müssen. Ich sehe in alledem jedenfalls keinen Grund, mich entweder zu erschießen, in die Landwirtschaft zu gehen oder mich irgendwo als Söldner zu verdingen, um das Problem der Überbevölkerung anzugehen. Welche Konsequenzen sollte man sonst daraus ziehen, wenn man es mal konsequent zu Ende denkt? In den Wald gehen und als Eremit Beeren und Wurzeln knabbern?
    Letztlich landet man bei solchen Überlegungen dann doch wieder bei der Systemfrage – und der Einsicht, dass der relative Wohlstand in dieser Gesellschaft nun mal in einem hohen Maße darauf beruht, dass eben nicht nur für die allergrundlegendsten Bedürfnisse gesorgt ist, und dass dieser relative Wohlstand eben auch um den Preis erkauft ist, dass den Leuten ständig irgendwelches Zeug aufgeschwatzt werden muss, das sie im Grunde nicht wirklich brauchen. Das mag man bedauern oder auch Kübel voll Hohn und Hass über alle diejenigen ausgießen, die tiefer drin in dieser Maschinerie werkeln als man selber. Aber mir wäre das irgendwie zu platt und oberflächlich, ich würde lieber danach fragen, ob und wie eine Gesellschaft vielleicht auch ohne dieses eingebaute Wachstumsparadigma und den daraus resultierenden Konsumismus funktionieren kann. Oder die Frage stellen nach der Trennung von Einkommen und Erwerbsarbeit, Stichwort Grundeinkommen etc. (nicht, dass ich ein glühender Befürworter wäre, aber ich finde die Diskussion notwendig, wenn herkömmliche (und vor allem sinnvolle) Erwerbsarbeit zu einer immer knapperen Ressource wird.

  18. Herrlich. Der Beitrag tut gut...
    Herrlich. Der Beitrag tut gut wie eine Tasse Tee.

  19. Überflüssige Berufe:
    Ach,...

    Überflüssige Berufe:
    Ach, kommt drauf an was für Juristen: die Kollegen vom Arbeits- und Insolvenzrecht langweilen sich zur Zeit nicht so besonders. Ich denke, die Familienrechtler kommen auch noch dran, wenn die Krise die Lebensgemeinschaften gewisser Kreise sprengt.
    .
    Und Ärzte wollen ausgebildete werden, ausserdem kommt die junge Generation gar nicht mehr ohne eine ganze Batterie and Labortests und Bildgebenden Verfahren aus, sodass wir auch noch Laborant(in)en und Röntegenologen brauchen, dann wieder Lehrer, auch wenn’s Euch nicht gefällt: irgendwen fürs Seelenheil oder seine säkulären avatare, schliesslich Notare denn Bauern haben Land und da sollte auf Grundbuch und Vertrag nicht verzichtet werden, also brauchen wir noch Landmesser… Ich höre mal auf mit dem, was es denn noch so braucht.

  20. Sehr schön drapierte...
    Sehr schön drapierte Teetröpfchen auf dem Hedgefonds-Heini :-)

  21. Hmmm. Douglas Adams schrieb...
    Hmmm. Douglas Adams schrieb mal einen ganzen Roman darüber, dass ein Planet alle Immobilien und Versicherungsmakler sowie die Telefon-Desinfizierer loswerden wollte. Die Überlegung sollte erlaubt sein, ob wir nicht die angesprochenen Gruppen auf dem Mond oder Mars aussetzen.

  22. So schlimm kam es mir gar...
    So schlimm kam es mir gar nicht vor hierzulande.
    Ein Urlaub in England 2006 mit viel Fernsehen am Abend hat mir andere Dimensionen eröffnet. Immerhin ist selbst in München nicht jedes zweite Ladenlokal ein Makler, wie haben keine professionellen Backofenreiniger und auch keine Kindergeburtstagsausrichter.
    Schön doch, dass wir immer 10 Jahre hinter den Angelsachsen her sind, quasi als DDR auf dem finanzindustriellen Globus.

  23. Ja, der war gut! ;) Ob ein...
    Ja, der war gut! ;) Ob ein paar Werber, oder so, hier zur Gegenrede antreten? Wohl eher nicht!

  24. FS, ich wäre etwas...
    FS, ich wäre etwas überrascht: Als Werber würde ich mich eher um meine Probleme kümmern, denn versuchen, anderen welche zu machen. Und dass es der Branche nicht gut geht, ist kein Geheimnis.

  25. Um des Plauderns willen halte...
    Um des Plauderns willen halte ich entgegen, dass es nur sehr wenige Berufe, Verrichtungen oder was auch immer gibt, die nicht weggekürzt werden könnten. In einer modernen Gesellschaft sind die meisten Tätigkeiten doch, ha ha, Derivate. Es gibt – so hieß es, glaube ich, in den Utopien der Aufklärung – den Nährstand, den Lehrstand und den Wehrstand. Basta. Je nach Entwicklungsstatus (ich hätte fast Entwicklungsstand geschrieben) vervielfacht und kompliziert sich dieses einfache Muster. Zuerst ist der Wehrstand nur damit beschäftigt, Knüppel bereitzuhalten und zu benutzen. Danach beginnt etwas, das heute bei den Überwachungssatelliten im Weltraum angekommen ist. Siehe den Film. Der Lehrstand war zuerst wahrscheinlich nur ein Beisammensein von Alt und Jung, dann kommt die Schreibkunst, der Buchdruck, Heideldruck, die Verlagswirtschaft, die Buchmessen, die Lehrergewerkschaften und ihre bürokratischen Bedürfnisse, die Papierherstellung, die Blogschriftsteller und, was sie brauchen, vom Computer an aufwärts. Und so weiter. Im Lauf dieser Geschichte kommen auch immer wieder neue „Stände“ hinzu, der Autofahrer, der Künstler, der Priester, und schaffen neue Welten um sich herum.
    Das muss wohl auch so sein, denn was sollten die restlichen paar Milliarden Menschen denn den ganzen Tag tun?

  26. Warum sind hier eigentlich so...
    Warum sind hier eigentlich so viele Klugscheißer unterwegs.

  27. @B.A.H., mark793: Vielen Dank...
    @B.A.H., mark793: Vielen Dank für die meiner Meinung völlig richtigen Bemerkungen. Es zeugt von einer ziemlichen Hybris, sich als Leitplankenbauer oder Produktmanager oder Philosoph wichtiger zu fühlen als ein Werber, Hedgefondsvertickerer oder PR-Mann – austauschbar und überflüssig sind wir alle, sofern wir unser Dasein nicht auf die absolut essentiellen Dinge beschränken würden. Wohlstand war schon immer damit verhaftet, dass plötzlich gotische Kirchtürme in den Himmel schossen, dass der Gesellschaftsroman salonfähig wurde, dass statt Strohsack eine Taschenfederkernmatraze zur Liegeunterlage herhielt – und wenn der Don in seinen noch so reduzierten Barchetta schaut, er wird Dinge finden, die die Autos vor 40 Jahren (1970er) noch nicht hatten. Über die Sinnfrage, ob es wirklich all der vielen Neuerungen braucht, kann man sich nicht streiten. Es ist eine Einstellungssache. Ob die Damen damals wirklich Turmfrisuren und Schönheitspflästerchen benötigten oder heute Guccipornobrillen und Overkneestiefel? Wer mag das entscheiden? Dem einen ist’s wichtig, der andere mag auch Frauen im Sackleinen und Holzschuhen. Und genauso verhält es sich eben auch mit Jobs beispielsweise der Werbeindustrie – der Hinweis, dass es denen gerade schlecht geht, ist kein Argument dafür, dass sie dadurch überflüssiger wären als andere. Den Solarmodulzellherstellern geht’s gerade auch schlecht, ebenso wie manchen Kindergärtnerinnen…

  28. Sie rennen ja nicht zu Ikea...
    Sie rennen ja nicht zu Ikea und Kik, wenn sie wieder normal arbeiten, normal konsumieren und normal leben können – jedenfalls nach einer gewissen Lernphase. Kaum etwas geht von heute auf morgen, außer vielleicht die Entlassung des Hundetrainers und der nicht minder obsoleten Feng Shui-Beraterin.
    @ Dipsy
    Wenn Posch Ulfhardt im Jahr 2007 einen Text gegen Joggenhosenträger veröffentlicht hat, dann mag man darin einen Glanzpunkt seiner Karriere erkenen und darüber hinaus, eine ihn sehr hübsch charakterisierende Beschränkung seiner geistigen Reichweite – insofern bin ich sehr dankbar für Ihr Beispiel. Wenn Sie sich allerdings Sonntags morgens im Westviertel ihrer Stadt umschauen, so werden Sie feststellen, dass Sie bei dieser Gelegenheit eine ganze Menge Jogginghosenträger sehen werden, sehr sympathische zumal, und nicht wenige davon sind Geschichtsprofessoren, Unternehmensberater oder bestens gelittene Hausjuristen, welche sich in ihrer realen und aller Sorgen ledigen Lässigkeit wenig darum scheren, ob Herr Porschardt Jogginghosen nun mag oder eher nicht. Es ist sogar so, dass ebendiese Leute, an deren Rockzipfeln sich Herr Poschardt jederzeit und gerne zu hängen bereit zeigt, weder von seinen Texten, noch von seiner Haltung, und schon garnicht von seiner Person angetan sind, sofern sie diese überhaupt zu kennen bereit sind.
    Wenn Sie so wollen: In den Westvierteln der Großstädte wohnen die Marxisten.

  29. tja,
    dann warten wir mal auf...

    tja,
    dann warten wir mal auf einen weiteren schub
    der rückbesinnungs-welle:
    eigenes brot backen (inhaltsstoffe, „mit den händen sinnlichkeit erfahren“)
    nur freitags baden (wasserverbrauch, heel the world)
    gemeinsame mahlzeiten (redekur gegen das „erschöpfte selbst“, wir-gefühl stärken)
    „gendergerechte“ arbeitsteilung (mama bäckt den apfelkuchen, papa … )
    .
    und
    auf die propagierung des „new schlichtismen“:
    zeitweilig durch die finanzkrise in ihrer karriere unterbrochene „macher“ schwadronieren in talkshows über ihr „neues leben“ a la
    klares wasser – klare seele
    oder
    trocken brot macht wangen rot –
    und regen an,
    h4-bezüge im sinne des volkswohles & der förderung wahrer transzendenz auf 20€ im monat zu reduzieren.
    .
    .
    p.s.
    die teespritzer haben mich massivst irritiert –
    in einem haushalt, in welchem die trauben so fein beschnitten und die küchlein so vorteilhaft drappiert werden.

  30. Werter Don,
    wie Sie es auch so...

    Werter Don,
    wie Sie es auch so schön überspitzt in Liquide schrieben, so ist es auch mit dieser Krise: altes Geld stört so eine Krise so gar überhaupt nicht. Und wie bei allen anderen Katastrophen auch, trifft es hauptsächlci die Dummen ud die, die Fehler in Boomzeiten kaschieren konnten. Ein Opel, ein Karstadt wären auch ohne Krise unter die Räder gekommen. Die erste Generation baut auf, die zweite erhält – bestenfalls – und die dritte zerstört. Manchmal braucht es gar nicht so viele Generationen, um etwas komplett zu zerhauen.
    Aber die Beständigkeit von qualitativ Hochwertigem ist bemerkenswert. So ist Sterling Silber (Teekanne im Bild), Cashmere (Iris von Arnim), Rahmengenähtes aus England (Budapesterschuhe) und ein Mercedes G- Modell aus den 70er und 80er Jahren mit karierten Polsterrsitzen und indiskutablen Farbe wie Creme aussen ein Fels in der Brandung. Dazu kommt das tolle Bauchgefühl des alten Geldes. Als ich das erste Mal von Infineon hörte, grummelte es im Bauch und ich habe das Geld in Art Deco von Robbe und Berking investiert. Als das Waldsterben in den 80ern populär wurde, habe ich die Nachbargrundstücke um mein Gut erweiternd gekauft. Als das Ozonloch nicht mehr zu übersehen war, habe ich mich über mein G- Modell gefreut, weil ich instinktiv wusste, dass es nach spätestens 5 Jahren medial und real verschwunden sein würde. Dann kam das Internet und ich habe den alten Ramsch der Familie gewinnbringend bei Ebay veräußert. Leichtes hochwertiges Gepäck bringt einen durch jede Krise. Dann an allen Medien-, New Media, Internet- Hypes vorbei habe ich jeden Überschuss in kleine solide Firmen mit Substanz (Maschinen, Grundstücke, Gebäude udn Geld) gesteckt. Was für Erfolge… Und nun gibt es auch in dieser Krise Orte der Glückseligkeit: Sylt nd Timmendorfer Strand sind solche. Hier wird an Hebeln gezogen und umverteilt, dass es die wahre Freude ist. Goldgräberstimmung am Yukon war nichts dagegen. Aber pscchhhht, nicht weitersagen. Gottseidank ist dieser Blogg nicht so angesagt, gelesen und beachtet….Muhahahahaha Neue Hyps auslösen und davon profitieren Muhahahaha

  31. ......"braucht man wohl...
    ……“braucht man wohl Grundschullehrer und Altenpfleger,“ ……
    Der moderne Goethe: Wurzeln= Grundschullehrer-Flügel=Altenpfleger.
    Die Eltern im Callcenter. Ha,ha,es ist leider soviel davon wahr-
    was kann man denn besser machen?

  32. Werbekloake?...
    Werbekloake? Wennschondennschon: Reklamekloake.

  33. Werter Don,
    .
    Montgolfières -...

    Werter Don,
    .
    Montgolfières – alles Montgolfières! Mit heißer Luft kann man zwar aufsteigen, aber nicht oben bleiben.
    .
    Gruß Hanskarl

  34. JamesDean, nein, nein....
    JamesDean, nein, nein. Poschardts Beitrag war in einem Sonderheft „Dekadenz“ des Merkurs. Dort schreiben zu dürfen ist wirklich eine Art Ritterschlag. Er schrieb um die Verrohung der Grosstädte durch eben solche Leute, die meinen das Auge der anderen Leute durch diese Anblicke beleidigen zu müssen. Da hat er ja im Kern durchaus recht – und, er meinte damit auch nicht die Jogger. Die Klientel von der er schrieb scheint Sport (von der Teilnahme von einem Sitzmöbel abgesehen) eher unbekannt zu sein.
    In meinem Westviertel (bei mir ist es eine Hanglage) laufen in den Randzeiten in der Tat einige Leute so umher. Aber nur zum Sport. Ansonsten gibt es diese Russifizierung in meinem Viertel nicht: auf die Strasse wird nur mit vernünftiger Kleidung gegangen. Daran hält sich selbst der Ordinarius für Römisches Recht zwei Strassen weiter! Und irgendwelche Aufsteiger (die allerdings kaum an dieser Lage wohnen) werden ziemlich bald dazu gezwungen!
    Wo kommen wir denn dahin, wenn jeder rumläuft wie es ihm gerade einfällt? Ein paar verachtende Blicke älterer Damen und die Sandalenträger verlassen jedes Frühstücksbuffet sofort. Ich sass zuletzt auch zum Dîner in einem badischen Grand Hotel wo tatsächlich junge Leute mit T-Shirt und Jeans auftauchten! Am nächsten Abend gab es eine deutliche Steigerung. Soziale ächtung wirkt und sollte weitaus häufiger genutzt werden.

  35. Neben Teespritzern finde ich...
    Neben Teespritzern finde ich auf Dauer vor allem jene Pünktchen ästhetisch irritierend, mit denen sich in den F.A.Z.-Blogs die Kommentierenden zu anständigen Abständen zwischen den Absätzen zu verhelfen trachten.
    Um die Unzulänglichkeiten des leerzeilenfressenden Content Management Systems zu umgehen, kann man aber ein wenig nachhelfen mit dem Setzen eines nichtumbrechenden Leerzeichens („non-breaking space“).
    Man/frau schreibe (oder kopiere) einfach
    &nbsp;
    (kaufmännisches Und + n + b + s + p + Strichpunkt)
    in die freizubleibende Textzeile: So kann man auch längere Kommentare wie seit altersher schön und anschaubar gliedern…

  36. Menschen, die bei I*** und K*k...
    Menschen, die bei I*** und K*k einkaufen, machen das sicher nicht wegen mangelnden Geschmacks, sondern weil ihnen die Gegenleistung für ihre Arbeitskraft kaum eine andere Wahl lässt.
    Das Hochglanzmagazin hatte wenigstens einen guten Geschmack, was die abgelichteten Kunstwerke anging. Das Swinemünder Rathaus von Lyonel Feininger hat schon was.

  37. @FS/Don A.: Et alors? Dass der...
    @FS/Don A.: Et alors? Dass der Werbemotor stottert, ist ja nicht Ursache der Krise, sondern eine der vielen Folgen. Klar kann man da jetzt hämisch mit dem Finger drauf zeigen, „Ätsch, Ihr Ärsche!“ rufen und Applaus von den Umstehenden einheimsen. Schließlich sind wir doch alle genervt von den permanenten Getröte für irgendwelchen Ramsch, den wir nicht brauchen. Bleibt trotzdem die Frage, ob uns ein konjunkturell bedingter Rückgang der Werbeausgaben automatisch zu einer besseren Welt führt mit mehr Bewusstsein für wahre Werte und Nachhaltigkeit. Ich kann ja nicht mal feststellen, dass die Erschütterungen auf den Finanzmärkten zu einem großen Umdenken oder Nachjustieren der Prioritäten geführt hätten. Sobald da wieder eine Handbreit Wasser unterm Kiel ist, wird ieder jeder Fetzen Stoff in den Wind gehängt und auf Zockerkurs gesegelt. Das wird auf dem Werbemarkt nicht viel anders sein. Einige Dienstleister werden den Bach runter gehen, und dann sind es global gesehen nicht mehr fünf oder sechs große Networks, die die Geldflüsse in die Medien kontrollieren, sondern nur noch drei oder vier. Damit ist die Erpressbarkeit derjenigen Medien, die die Krise überstehen, noch größer als zuvor. Ja, aber das Internet, höre ich schon fragen. Das wird aus der Verzweiflung heraus, den flüchtigen Konsumenten um jeden Preis irgendwo erwischen zu müssen, wahrscheinlich viel massiveren Kommerzialisierungsversuchen ausgesetzt sein als wir uns heute vorstellen können. Deswegen sollten wir über die Werbekrise vielleicht nicht zu laut jubeln, denn deren Kollateralschäden erreichen uns allemal – auf dem einen oder anderen Weg.
    (Disclosure: Ich bin kein Werber, habe mit diesem Themenfeld aber beruflich/publizistisch zu tun)

  38. Ist's nur ein Traum? Analyst...
    Ist’s nur ein Traum? Analyst verhaelt sich zu einem anstaendigen (bitte mit hanseatischem st aussprechen) Beruf wie Dr. Wolfram Weimer zu Don Alphonso.

  39. Springer und Ringier sind halt...
    Springer und Ringier sind halt im Journalismus das, was im englischen Empire die hinteren Ecken der schlechteren Kolonien waren: Praktisch für die bessere Gesellschaft.

  40. wer im Glashaus sitzt, ......
    wer im Glashaus sitzt, …

  41. @usedomer

    Auf die Dauer zahlt...
    @usedomer
    Auf die Dauer zahlt sich nur Qualität aus. Bei k*k kaufen ist sicher nicht preiswerter als etwas Vernüftiges zu kaufen.
    Aber vielleicht wissen das diese Leute gar nicht, weil ihnen die bunten Reklameblättchen einreden, dass sie heute eine gelbe Leggins und morgen eine pinkfarbene brauchen – diese edlen Poly-Ester Teile kosten ja nur 2,99 !!
    Stilbildend sind dann auch RTL und Konsorten!

  42. Usedomer, die Bildunterschrift...
    Usedomer, die Bildunterschrift lautet: „Ein Feininger wäre fein! Gurr Johns (o. die Firmenzentrale an Londons Pall Mall) half Sammlern beim Kauf desses Bildes“ Guter Geschmack? Nun ja. Sehe ich nicht ganz so.
    .
    Ich plane im Übrigen mal einen Vergleich: Ich und drei Flohmärkt vs. das, was es bei Ikea für den gleichen Preis gibt. Ich bin mir sicher, dass es bei mir billiger kommt, und trotzdem nachher mit gutbürgerlichen Tugenden vereinbar ist. Angeeignet habe ich mir das übrigens in meiner Studienzeit, als mein Hunger auf tafelsilber grösser als meine finanziellen Möglochkeiten war – und die Legende, dass leute wie ich sowas einfach aus dem grossen Schrank ihrer Eltern nehmen können, ist eine Legende. Man füllt solche Schränke nicht, indem man hergibt.
    .
    mark793, kann gut sein, aber vielleicht setzt ja auch in den Medien ein Umdenkprozess ein, dass man besser überleben kann, wenn man den Leser wieder als Kunden begreift, und nicht als das, was man den Werbetreibenden verkauft. Dass man beim Springerkonzern und anderen Massenanbietern da n icht weit kommt, kann sein, aber wenn die es nicht überleben, wird man mich anderen Grab nicht weinen sehen. Die Zeiten, da reklame nur ein Zusatzgeschäft war, war nicht die schlechteste aller publizistischen Zeiten. Und auch bei der Werbeindustrie gibt es ja welche, die inzwischen begreifen, dass man mit Information und ehrlichen Angeboten weiter kommt, als mit Lüge und Täuschung – zumindest bei jenen Kunden, bei denen es sich lohnt.
    .

  43. @Don Ferrando
     
    Als ob...

    @Don Ferrando
    Als ob man auf dem Golfplatz sein „berittenes“ oder „beflaggtes“ Polohemd ohne Missachtung zweimal tragen darf.
    Nach unten treten und nach oben anbiedern klappt eben immer, solange es nur einem Einzigen schlechter oder besser als einem selbst geht.
    @Usedomer
    Auch wenn kaum vorstellbar: Ja, es gibt freiwilligen „Verzicht“. Es soll sogar Menschen geben, die freiwillig bei IKEA kaufen und dies nicht als ausweglose Situation des eigenen präkeren Daseins empfinden sondern Spaß daran haben.
    Wahrer Luxus ist es, sich in einem IKEA-Sofa genauso wertvoll zu fühlen wie die selbsternannte Elite in Rolf Benz, Musterring und Co.

  44. schwarzfahrer, weiol hier I+ea...
    schwarzfahrer, weiol hier I+ea Werbung schaltet? Ist nicht meine Sache. Meine Sache ist darüber zu reden, dass diese Werbung nicht dazu angetan ist, die Welt besser oder schöner zu machen.
    .
    Don Ferrando, es wird den Leuten eben eingeredet, dass alles immer neu sein muss. Neu ist das einzig relevante Kriterium. Alt kann um Klassen besser sein, aber wenn es nicht neu ist, taugt es nicht. Alt ist ein Schimpfwort, und das durchaus in vielen Kreisen. Altes besitzen ist konsumfeindlich, antikapitalistisch und sollte vielleicht auch mal verboten werden. Damit man mehr Neues verkaufen kann.

  45. Lieber Don Alphonso, nach...
    Lieber Don Alphonso, nach mehreren – meiner persönlichen Meinung nach, Sie entschuldigen meine verschämte Kritik sicherlich – eher schwächeren Beiträgen, knüpfen Sie mit diesem Text wieder an das Niveau früherer Editionen an. Meine Glückwünsche hierzu

  46. ISDN < --- > VoIP...
    ISDN < --- > VoIP

  47. Dipsy, wenn wir schon über...
    Dipsy, wenn wir schon über diesen Herrn reden – man kann zwar in Berlin nicht mehr viel kaputt machen, nachdem man dummerweise nach 1945 die Stadt nicht so liess, wie sie war, aber dennoch wurde zugunsten der von diesem Herrn mittelfristig geleiteten und dann eingestellten Zeitung ein möglichst grosses Plakat in den öffentlichen Raum geknallt. Mit voller Absicht, mit der klafren Idee, das Bewusstsein der Vorbeigehenden entsprechend zu behämmern. Obwohl es das Fälscheste ist, was man bei der Zielgruppe, zu der ich gehören das Vergnügen habe, tun kann. Da nimmt sich also ein magazin das Recht heraus, seine Sicht der Berliner Republik so hinzuknallen. Dagegen sind Polyesterfreunde eine ausnehmend freundliche Erscheinung. Die wollen nichts von einem. Wie man sich derartig aufdringlich geben mag und sich dann über andere beschwert, die eine andere Kleidung haben, geht mir nicht ein. Aber, wie schon gesagt, es ist ja nicht in Deutschland, sondern weit weg, in Berlin.
    Zonebattler, vielen Dank, das probiere ich gleich mal.

  48. Ich gehöre zwar nicht zur...
    Ich gehöre zwar nicht zur besseren Gesellschaft, aber nachdem ich diesen Blog seit nunmehr vier oder fünf Monaten mehr oder weniger regelmäßig gelesen habe, möchte ich es nun doch einmal wagen, eine Frage zu stellen. Ist es denn wirklich die fragwürdige Nützlichkeit gewisser Berufsgruppen, die hier so viel Empörung hervorruft oder echauffieren Sie sich nicht vielmehr über die Aufdringlichkeit und die Vulgarität deren Vertreter? Denn in einem Punkt muss ich Ephemeride zustimmen: Der journalistischen Zunft (bloggend oder nicht-bloggend) kann man m. E. auch nicht in toto einen Nutzen zusprechen. Trägt sie doch zu der allgemeinen kulturellen Hysterie mehr als nur ein Scherflein bei.

  49. @herrohlson
    Sehr schöner...

    @herrohlson
    Sehr schöner Kommentar!
    Was waren das für Jahre, im Glauben, dass die neuen Märkte Russland und China so viel Geld in unsere amerikanischen und europäischen Kassen spülen, um Pudelpflege, überteuerte Kunst, Riskfonds etc. in rauen Mengen zu konsumieren…
    @Don: Auch sehr schöner Beitrag!

  50. Liebe alle,
    nein, nein, nein....

    Liebe alle,
    nein, nein, nein. Ich will mich doch gar nicht vor diesen Herren stellen! Sollte ich mich da falsch ausgedrückt haben, so muss ich mich da wirklich entschuldigen.
    Auch ich habe einmal dieses Blättchen (VF) in der Hand gehabt und war wirklich schockiert über derart viel banalen Blödsinn. Selbst die ZEIT ist da besser. Wahrscheinlich hat er alles von „How to spend it?“ abgeschrieben. Jedenfalls war ich sehr überrrascht, den Herren dort, also im Merkur, zu lesen und der Beitrag an sich war auch ganz gut.
    Ich bin nicht ganz so gut, aus schlichtem Desinteresse, über die Pressemeute informiert. Aber, ich teile Ihre Ablehnung des Ringier – Ciceros uneingeschränkt. Ich habe selten so ein Schwachsinn gelesen; eine Art „Intellektuellenranking“ – jetzt weiss sich, worüber man sich in Grossberlin unterhält. Allein die Namenswahl ist eine derartige Beleidung, selbst Mommsens ungezogene Fehleinschätzung Ciceros war harmlos dagegen!
    Mich wundert aber auch dieses Blättchen nicht. Immerhin hat da Frank A. Meyer seine Finger mit im Spiel.
    Bei Meyer erinnere ich mich immer an eine Szene mit dem ehemaligen Herausgeber dieser Zeitung, Prof. Joachim Fest. Da brachte Meyer doch tatsächlich diesen Satz (zu Fest!) „Links der Mitte ist für mich eine Frage der Intelligenz.“

  51. @Observator: Letztendlich ist...
    @Observator: Letztendlich ist es egal, über wen oder was man sich echauffiert, um von der eigenen Person abzulenken. Im Allgemeinen kann ich noch keine wirklich existenzbedrohenden Tendenzen in dem hier wohldiskutierten Dunstkreis erkennen. Weder auf der Seite der Werbenden, noch des Beworbenen, noch der Werbeopfer. Im Übrigen wird die Krise vorbeiziehen und das unbeschwerte Leben weitergehen wie zuvor – die Lehre aus den 20er Jahren nebst folgender Wirtschaftskrise wurden ja bekannterweise verinnerlicht. Ja, ja, das war natürlich alles anders. Meine Hochachtung vor der unverfrorenen Aufrechterhaltung dekadenter Tendenzen anstatt pseudokritischer Betrachtung der eigenen Maßlosigkeit. Lange Rede kurzer Sinn: Aus sich selbst heraus hat sich die Upper Class noch nie geläutert neu erfunden.
    Allerdings bleibt zu erwähnen, dass eine Läuterung von „LINKS“ die noch schlechtere Alternative ist. Das eigene Unnütz-Sein ist Kennzeichen fast aller Menschen – eben immer auf ihrem Niveau.

  52. Beides, Observator, beides!...
    Beides, Observator, beides!

  53. [Ansonsten muss ich mich für...
    [Ansonsten muss ich mich für meine schludrigen Antworten entschuldigen, ich bereite hier gerade etwas vor, was auch im Blog aufscheinen wird, und da komme ich mit dem Antworten schlecht hinterher]
    Was die Frage mit dem Journalismus angeht: Ich glaube, dass weite Teile des Journalismus ihre Existenzberechtigung längst selbst in Frage gestellt haben, und dieselbe gerade verlieren. Ob es mich dabei erwischt? Nein. Ich schreibe nicht für Geld, sondern aus Überzeugung. Ich schreibe das, was ich denke, und ich möchte nicht darauf verzichten. Amüsanterweise ist das, was ich denke, für manche anregend genug, sich damit zu beschäftigen. Bei anderen ist das vermutlich anders, die müssen dann eben die angeblich grossen Themen machen, um auf Interesse zu stossen. Eine Lösung für das Problem habe ich auch nicht; ich glaube nicht an die Religion des Journalismus und schon gar nicht an seine Stellvertreter, aber sehr wohl an die Freuden der Kommunikation. Bin ich gut genug, wird es immer jemanden geben, der mit mir reden will. Bin ich nicht gut genug, mache ich etwas falsch. ich tue mir natürlich leicht mit solchen Ansichten, aber ich habe keine anderen, und auch keinen Plan, was wäre, wenn es anders wäre. Ich habe nichts zu verkaufen und niemanden, der mich bezahlt, dass ich etwas sage, was ich nicht denke. Das ist alles, was es hier gibt, nicht mehr, nicht weniger.
    Ich glaube auch nicht, dass man gleichzeitig hohe Qualität und den Massengeschmack bedienen kann. Vermutlich wird es zwei Bewegungen geben, die eine anspruchslos, billig, schnell, einfach, die andere teuer, langsam, komplex und nicht jedem offen. Der zweite Weg ist sehr schwer, weil es über die Beschaffenheit dieser Art sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt; da stehen sich auch wieder diverse Interessen und Haltungen reichlich unversöhnlich gegenüber. Manche werden mein Geplauder aus einer oberflächlichen Schicht hassen; ich persönlich würde noch nicht mal TV-Kritik lesen wollen, ich möchte das zum Nichtthema werden lassen. Nur so wie bisher, dass jeder von allem ein wenig macht und mit dem langweiligen Durchschnitt Werbung spannend erscheinen lässt, wird es kaum weitergehen.

  54. Habe mich wie immer beim Lesen...
    Habe mich wie immer beim Lesen köstlich amüsiert, muss aber auch etwas bemängeln: Es müsste heißen: „…seines Landes…“ statt:
    —————8<---------------8<---------------8<---------------8<---------------8<-------- "Denn das waren noch tolldreisten Zeiten, als das Fürstenhaus in einer deutschen Zeitung verbrämt auf die steuerlichen Freuden ihres Landes hinweisen konnte" ---------------8<---------------8<---------------8<---------------8<---------------8<-------- Gruß, O. Fragender

  55. mark793 / Ephemeride
    .

    Der...
    mark793 / Ephemeride
    .
    Der Don kann keinesfalls einen seiner mehr oder minder geschmackvollen Hüte nehmen, denn er erfüllt meiner Meinung nach wichtige Aufgaben…und das auch noch subventions & werbefrei. Er sitzt also niemandem auf der Tasche, bildet seine Leser, bzw. deutet auf bestehende Fehler in der Gesellschaft hin und steht damit recht weit vorne im Dienste der Evolution. Auch noch morgens um 3 ohne Nachtdienstzuschlag ;-)
    .
    Es gibt übrigend´s ne Menge Berufe, die extrem nützlich sind ( Ich verzichte hier auf die Auflistung ). Die meisten Job´s werden wirklich gebraucht, keine Frage.
    .
    Wieso aber sollte ich Achtung vor künstlich erhaltenen Jobs haben? Als Mensch, der auf jede Art der gesellschaftlichen Subvention verzichtet, gestehe ich mir wenigstens diese Frage zu.
    Es verdient jede unsubventionierte, sich selbst erhaltende Tätigkeit ( mit Ausnahme von sozialen Bereichen & solange sie moralisch in Ordnung geht) meine Achtung. Meinetwegen auch Coaches, Feng-Shui-Onkels & Berater-für-alles-was-es-so-gibt….solange die jemand finden, der´s braucht und bezahlt.
    .
    Mir geht´s um die lieben Subventionsjobs und Job´s die´s gibt, weil sie plötzlich super systemisch sind (ohh, aber da dürfen wir nicht drüber reden, sonst geht ja bekanntlich die Welt unter) :
    -Banken & Versicherungen, die´s nur gibt, weil sie zu gross geworden sind.
    -Werbung. Werbung ist durch die steuerliche Absetzbarkeit indirekt subventioniert (inwieweit Werbung moralische Grenzen beachtet, sei auch mal dahingestellt). Wollen wir´s mit der Werbung mal ohne Absetzbarkeit probieren ?
    -Fliegerei zahlt keine Steuer auf Kerosin, ausschliesslich (!) durch diesen staatlichen Verzicht können Firmen wie die LH fliegen, mit Zahlen prahlen und mit Werbung künstlich neue Fluganreize schaffen. Das klappt aber nur in fetten Zeiten und mit ner Menge staatlicher Neuverschuldung. Wollen wir´s mal mit Steuer probieren ?
    Ganz nebenbei: Die Autoindustrie und die ländliche Baubranche lieben ihre wolligwarme Pendlerpauschale ;-) Wollen wir die mal streichen ?
    -Steuerberater / Anwälte (kein Mensch würde die Meisten davon brauchen / wollen, wenn der Staat mal auf die Verständlichkeit der Gesetze achten würde).
    Wo also ist es gerecht, wenn ein Gewerbezweig durch Gesetzgebung od. Steuer gepushed wird, ein anderer, echt wichtiger, auch ohne Push überleben kann ?
    .
    Ok, Ok aus staatl. Sicht: Man möchte die Leute von der Strasse haben und ihnen etwas berufliches Selbstvertrauen geben. Geht klar. Nun führen aber gerade einige dieser Kunstposten zu einem schwierigen gesellschaftlichen Umfeld, fliegen einem über´s Haus oder stehen vielen anderen Menschen im Wege herum.
    .
    Nun kommt meine, leider etwas ketzerische Idee zum Ende hin ( P.s: ich bin nicht so böse wie´s wirkt und entschuldige mich vorab schon für die Freiheit der schnell runtergeschriebenen Gedanken):
    Wenn man schon irgendwelche Gruppen künstlich in Arbeit hält, dann sollte man es wenigstens nach dem japanischen Prinzip der sog. „Fenstergucker“ angehen: Sie bekommen weiterhin tolle Titel, ein prima Gehalt und ein super Büro mit Fenster….aber ein Telefon, dessen Schnur nicht an die Teleonbuchse angeschlossen ist. Damit sie wenigstens keinen weiteren Schaden/Unfug anrichten können.

  56. @mark793: das war keine Häme!...
    @mark793: das war keine Häme! das durch die Krise bedingte weniger an Werbung fällt nicht nur mir positiv auf! ich kenne keinen dem da was fehlt außer den Werbenden natürlich! Über die zukünftigen möglichen von Ihnen beschriebenen Konsequenzen kann man sicherlich diskutieren!

  57. Miner: "Auch noch morgens um 3...
    Miner: „Auch noch morgens um 3 ohne Nachtdienstzuschlag“. Woher wollen Sie das wissen?

  58. sterne, ich gehe einfach davon...
    sterne, ich gehe einfach davon aus…manchmal besitze ich auch einen Glauben an´s Gute.
    Don, entäuschen Sie mich nicht….

  59. <p>Also, die FAZ  zahlt...
    Also, die FAZ zahlt ein gewisses Honorar für Beiträge. Ich schreibe mehr, als ich theoretisch verpflichtet wäre, und die Bilder sind mein Privatvergnügen. Was ich mit den Kommentaren mache, ist ebenso mein Privatvergnügen. Es gibt keine Pflicht, darauf einzugehen oder sie zu beantworten, aber ich käme mir schäbig vor, würde ich mich hinstellen und es einfach laufen lassen. Das ist aber auch kein verdienst, sondern, wie gesagt, Privatvergnügen. Mit Betonung auf Vergnügen. Manchmal kritteln welche, ich sei zu billig, und machen „bessere“ Angebote, aber mir gefällt es hier, es ist so, wie ich es mag, und deshalb bleibt es auch so. Eventuell daraus entstehende Kaufobjekte möchte ich keinesfalls jemandem aufdrängen. Allerdings: Mein Leben ist kein Modell für andere Kollegen, das geht nur, weil es so ist, wie es ist.

  60. @miner, wollen Sie das mit der...
    @miner, wollen Sie das mit der „steuerlichen Absetzbarkeit“ von Werbung vielleicht ein wenig genauer ausführen – oder kann es vielleicht sein, dass Sie die Absatz- und Imagewerbung von Unternehmen irgendwie mit den Werbungskosten durcheinanderbringen, die Sie in Ihrer Steuererklärung geltend machen dürfen? Das sind nun zwei Paar Stiefel, die aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, obschon der Begriff dies irreführenderweise nahelegt. Die steuerlich relevanten Werbungskosten sind laut steuernetz.de „alle Aufwendungen, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen dienen. Insbesondere im Bereich der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit fallen eine Vielzahl von Werbungskosten an; Werbungskosten sind hier alle Aufwendungen, die durch den Beruf veranlasst worden sind. “
    Werbung von Unternehmen, die auf den Absatz von Produkten und Dienstleistungen oder zum Aufbau eines Unternehmens- oder Markenimages abzielt, genießt meines Wissens gar kein steuerliches Privileg, das ist eine brunzbanale Betriebsausgabe, die nicht mal gesondert in der Gewinn- und Verlustrechnung oder sonstwo ausgewiesen muss und weder für die Umsatz-, Körperschafts-, Gewerbe- oder Wasauchimmersteuer irgendeine Relevanz hat. Wenn Sie da andere Einsichten in den Sachverhalt haben, lassen Sie es mich wissen.
    Man kann der Werbung weiß Gott viel vorwerfen, dass sie verblödet, zum Kauf von unnützem Ramsch verführt, heile Welt vorgaukelt und nicht zuletzt von allen Käufern über den Produktpreis bezahlt wird – aber Steuervorteile? Ich bitte um Aufklärung. Ernsthaft.

  61. Don, "Ick tue mir natürlich...
    Don, „Ick tue mir natürlich leicht mit solchen Ansichten..“ .Sicher ein Tippfehler, oder wollen Sie nach der Hauptstadt der Herzen jetzt die wirkliche erobern ?

    Wenn Sie das denken wofür Sie bezahlt werden, heiligt das per se nicht das was sie sagen. Mag sein das in dem besprochenen Metier Zynismus vorherrscht. Trotzdem ist durch „Haltung“ und finanzielles Desinteresse keineswegs der Archimedische Punkt schon gewonnen, von dem aus sich ein interessanter Dialog entwickeln könnte. Ihre Interventionen erinnern an einen Kompaß, der nach Süden zeigt – die Grundorientierung bleibt konventionell.

  62. mark793, entschuldigen Sie...
    mark793, entschuldigen Sie meine Nachlässigkeit im Ausdruck.
    Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich gelesen habe, was ich geschrieben habe ;-)
    Ich meinte dass „Werbung“ als Betriebsausgabe voll geltend gemacht wird, werden kann….nicht nur bis zu einem angemessenen, festgelegten Pauschbetrag/Prozentsatz.
    Es gibt hier meiner Meinung nach eh einen seltsamen Pool an Ausgaben ( hierunter fallen auch die berühmten „Firmenfahrzeuge“ mit denen das Weibchen die Kinder durch die Gegend schaukelt), der aufgrund einiger, neuerlichen Sinnfragen wohl der Überarbeitung bedarf.
    Korrigieren Sie mich aber bitte, wenn Sie hier ein tieferes Fachwissen haben. Meine ich ernst.

  63. Lieber Don, klar ist Werbung...
    Lieber Don, klar ist Werbung so blöd wie Videospiele, aber wenn man damit aufwächst, gewöhnt man sich doch an so manches. Allein die Spots der 70er waren Kult. Männer konnten ihrer Frau noch sagen: „Dein Kaffee schmeckt mir nicht! Ich trink den im Büro…“
    Heute wird alles in Watte gepackt. Irgendwann haben wir die Ausfahrt verpasst. Jetzt quillt uns das Zeug in die Ohren und Augen. Und was für die Werbung gilt, gilt auch für die Unterhaltungsindustrie, s. den Fall Heinze beim NDR. Aufgedunsen, überflüssig, blödsinnig.
    Einen Einwand lasse ich aber gelten. Viele Kommentare sind persönlicher Art, weil nicht alle wie Don Alphonso lustwandeln können. Wer die Medien verlässt und sich z.B. der Wissenschaft und Kultur zuwendet, bekommt ein Budgetproblem. Und das verschärft sich stündlich, die deutsche Universität muss ich Ihnen ja nicht erklären. Statt eine Lobby nach Berlin und Brüssel zu schicken, wirbt sie mit dem DAAD um Studenten aus Fernost.
    Und was wird aus den Kunst- und Auto-Sammlungen (und den sie betreuenden Kunsthistorikern), wenn der Reichtum nicht mehr aus dem Portfolio sprudelt? Haben Sie einen studierten Adlatus für Ihre Silberkannen?
    Es ist eben alles eine Frage der Perspektive (von oben oder von unten) und der Quote.

  64. Elend im Überfluss
    Was ich...

    Elend im Überfluss
    Was ich den Schranzen, Lakaien und anderen Dienstleistern nehme, ist bestimmt nicht ihre „Überflüssigkeit“ im Sinne materieller Produktion. Mindestens 90% der Waren und Dienstleistungen, aus denen die Ökonomen das BSP berechnen, sind überflüssig, insofern die verbleibenden 10% zur Ernährung und Kleidung der Bevölkerung vollkommen ausreichen könnten.
    Das Traurige ist, daß die Überflussverwalter aus all dem Zuckerteig dieser 90 Prozent nichts Rechtes gebacken bekommen. Selbst in den Jahren der obszönen Profitabschöpfung ist nichts entstanden als abgeschmackter Plunder, für den dann in den sogenannten „Lifesyle“-Magazinen geworben wird.
    Diesen Heftchen wiederum sind nichts als Werbebroschüren, Pornos für Impotente, bar jeder geistigen Regung und jedes menschlichen Gefühls. Erheben sie aber doch einmal intellektuellen Anspruch („Cicero“), dann fällt ihre Nuttigkeit umso greller ins Auge.

  65. @miner: dieses Modell des...
    @miner: dieses Modell des japanischen „Fensterguckers“ gibt es wohl in Deutschland auch. Mir wurde zugetragen, dass es bei einer großen deutschen Bank eine ähnliche Einrichtung gibt, allerdings nennt man es dort „Sterbezimmer“.

  66. Wenn man wissen will, wie man...
    Wenn man wissen will, wie man vor ein paar Jahren tickte, hilft auch diese Kaupthing-Werbung weiter.
    http://www.youtube.com/watch?v=31U54cgf_OQ
    Wirkt heute geradezu surreal

  67. @Booooster: Bitte schlagen Sie...
    @Booooster: Bitte schlagen Sie bei Adams noch einmal nach, auf welchem Planeten die Telefondesinfizierer schließlich gelandet sind. Ansonsten haben Sie natürlich recht.
    .
    Ich glaube übrigens nicht, daß es überflüssige Berufe gibt, sondern nur überflüssige Tätigkeiten. Die sind in der Regel Teil des Problems, das sie lösen sollen. Vor einiger Zeit war im „Spiegel“ ein Beitrag über einen Vermögensberater der Deutschen Bank. Der brachte es fertig, das Depot einer älteren und etwas unbedarften Dame um den Faktor 10 zu reduzieren, indem er es fortlaufend umschichtete. Von seriösen Industriewerten zu immer fragwürdigeren Fonds. Natürlich fielen bei jeder Umschichtung Gebühren an, bis der Zweck erreicht war. Darüberhinaus ließ er sich von der Dame teure Geschenke machen (Uhren, Auto u.a.) Seine Lehre als Bankkaufmann oder sein Abschluß in BWL waren an solchem asozialen Verhalten sicher nicht schuld. Wohl aber seine Tätigkeit. Ich glaube übrigens, daß er von seinen Vorgesetzten immer lobende Beurteilungen erhielt. Als braver Sklave in der Fertigungsindustrie kann ich mich natürlich einer klammheimlichen Freude nicht entschlagen, daß es gerade den Finanzalchemisten derzeit ans Fell geht. Nichts schöneres für mich, als der Anblick eines Masters of the Universe mit dem Pappkarton unterm Arm. Wie war es denn? Seit 10 Jahren erzählte man uns (den Industrie-Sklaven) was für Deppen wir seien: „Der Ehrliche ist der Dumme“, „Wer mit 25 seine erste Million nicht zusammen hat, ist ein Versager.“, „Kauft Telekom-Aktien, oder ihr seid blöd.“ Ich habe dem Schwindel damals nicht getraut und traue ihm heute nicht. Denn ich weiß, was es bedeutet mit realen Produkten reales Geld zu verdienen. Insofern begrüße ich es, wenn die Typen, „die was mit Medien machen“ und die Finanzjongleure auf dem Boden des Marktes ankommen, den sie so lange beschworen.
    „Quite an experience to live in fear, isn’t it?“
    Willkommen im Club.

  68. Eine bescheidene und etwas...
    Eine bescheidene und etwas technokratische Anmerkung zu dem wirklich formidablen Beitrag: müsste es nicht richtigerweise „aus (…) formgestreicheltem Tropenholz“ heißen? Unachtsamkeiten wie diese sind bei der ansonsten hohen sprachlichen Qualität ihrer Beiträge natürlich verzeihlich.
    Gruß, Tobias

  69. miner, danke für die...
    miner, danke für die Präzisierung, jetzt ist klarer, wovon wir reden. Ehrlich gesagt kann ich in der Geltendmachung bzw. der Abzugsfähigkeit dieser Betriebsausgabe (wenn es denn eine solche ist und kein Scheinrechnungsgeschiebe) kein großes Skandalon sehen, das nach sofortiger Abschaffung schreit. Denn selbst wenn das Drehen an dieser Steuerschraube das Werbeaufkommen etwas reduzieren würde, käme dabei mit Sicherheit unterm Strich kaum bessere und wahrhaftigere Werbung heraus. Von daher würde ich eher zum Betätigen anderer regulatorischer Hebel raten (aber das würde hier im Detail jetzt wirklich zu weit führen).
    Und die sogenannten „Firmenwagen“, jo mei, wieviele Mitarbeiter von Audi, BMW & Co. stünden seit Jahr und Tag auf der Straße, hätten Unternehmen nicht die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern was mit vier Rädern hinzustellen? Also das kann nun wirklich der Markt selber regeln, da gäbe es in der Besteuerung von Unternehmen meiner unmaßgeblichen Meinung nach ganz andere Baustellen und Schlupflöcher zu schließen.
    @FS: Häme hatte ich auch nicht bei Ihnen (oder miner) speziell gemeint.

  70. "Vaterland? Wo ist das?...
    „Vaterland? Wo ist das? Hier?“
    http://www.youtube.com/watch?v=yzdyEX1zFkc
    „Nein – das Jahrhundert ist meinem Ideal nicht reif … .. Doch manche Bürger preisen sich noch glücklich in ihrer Erniedrigung. … sanftere Jahrhunderte verdrängen unsere Zeit … “
    Ansonsten halt nichts neues bei unserem Don. Sein unverwandtes (und damit selbstverschuldetes?) Leiden an Teilen der bürgerlichen Gesellschaft hält an. „Wozu er das braucht?“, fragt man sich manchmal.

  71. Leiden? Ih wo. Mir geht es...
    Leiden? Ih wo. Mir geht es ganz vorzüglich.

  72. Mein Kompliment, geehrter Don,...
    Mein Kompliment, geehrter Don, ein schöner Text. Mit am amüsantesten war jedoch das Bild der aus der Vogelperspektive fotographierten Teekanne mit „dem ein wenig in die Traufe geratenem Untersatz“. Ich erinnere mich sie öfters bei Ihnen zu sehen. Sie scheint ihre fachmännische Meinung gerne an den Mann zu bringen.
    Weltensiedler

  73. Savall, haben Sie denn Ihre...
    Savall, haben Sie denn Ihre erste Million später zusammengebracht?

  74. Nun reise ich ab, an den...
    Nun reise ich ab, an den Tegernsee, für ersteinmal 3 Wochen. Ob´s gefällt? Dann bleib ich. Soll aber viele Staus und zu viele Münchner geben dort.

  75. Savall, diesen beagten Fall...
    Savall, diesen beagten Fall las ich auch, und es gab einen forschen Abwalt, A. Tilp, der nun für diese großzügige Dame der Generation Obrigkeitsdenken ein Urteil erstritt auf der Grundlage des BGB von 18oo haumichblau. U. U. ist damit der Weg für Sammelklagen frei. Etwas bewegt sich also. Und seit langem bin ich der Meinung, bei Anlagegeschäften selbst „seriöser“ Banken handelt es sich um nichts anderes als ein Schneeballsystem, nüchtern betrachtet. 20%Kontokorrentzinsen für die nicht weglaufen können und 20% auf assets der anderen – passt doch! Diese Bluthunde sind wirklich die Pest einer Entwicklung.

  76. Verehrtester Don, ich muss...
    Verehrtester Don, ich muss mich beschweren. Gestern beim Käfer am vorzüglich sortierten Zeitschriftenstand dank Eures Blogs die WOI erstanden. Zu Hause die Leckereien in den Kühlschrank und dann voller Vorfreude die WOI aufgeschlagen. Und was findet sich auf jeder zweiten Seite? Werbung, Werbung, Werbung. Dazu beim Darwin-Artikel tote Tiere, so dass ich mit dem Blatt auch nicht bei meiner Frau Freundin landen kann. Da hätte ich mal besser einige Petit Fours mehr erstanden.

  77. Werter Don - hier gehts ja...
    Werter Don – hier gehts ja richtig rund! Herzlichen Glückwunsch zu diesem wundervollen Artikel!
    Soeben wird mir in der Bahn ein Fahrgastrechte-Formular überreicht – das kommt schon nah an die Steuererklärung heran!
    Nutzlos ? Die ganze Bürokratie samt Lakaien und Helfershelfern! Wenigstens sind Personal und Reisende guter Laune. Es gibt zwar den ein oder anderen wichtigtuenden Nörgler, aber -zumindest im Bordrestaurant- habe ich den Eindruck, dass die Leute die erzwungene Entschleunigung auch etwas geniessen!

  78. @Schwarzfahrer, sie...
    @Schwarzfahrer, sie missverstehen mich kräftig. Ich rede nicht den gelabelten Wichtigmacherhemdchen das Wort. Aber auch mit geringen Mitteln ist man nicht unbedingt auf chinesischen Polyester-Schrott angewiesen. Ich spreche da aus Erfahrung.
    Was auf Golfplätzen so üblich ist, weiss ich allerdings nicht !

  79. Übrigens würde es einigen...
    Übrigens würde es einigen der hier Anwesenden gut zu Gesicht stehen, wenn sie diese doch recht langweiligen Verallgemeinerungen einschränken könnten. Ich verstehe die Erregung, aber ich dachte, hier würde man ein wenig über den üblichen Stammtischparolen stehen. Also „die Banker, die nicht genug kriegen können“, usw. Ich habe selber mal Bankkaufmann gelernt und bin heute selber noch in einer Bank angestellt, allerdings habe ich mit Geldgeschäften rein gar nichts mehr zu tun. Ich kann daher sagen, dass der Großteil der Angestellten ganz liebe Menschen sind, die nichts mit „Master of the Universe“ oder so am Hut haben. Viele Bankangestellten, gerade die in die Filialen, werden nach Tarif bezahlt, fette Bonuszahlungen sucht man dort vergeblich. Leider sind es eben ganz bestimmte Kreise innerhalb der Banken, die nach außen als die großen Macher auftreten und das ganze Ansehen aller Mitarbeiter runterziehen. Ich kann verstehen, wenn man solche Mitteilungen liest: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-09/14846725-commerzbank-hat-grosse-plaene-im-investment-banking-009.htm
    dann muss man sich am Kopf kratzen. Wollte die Commerzbank nicht das Investmentbanking massiv eindampfen und hatte man nicht erst in London einiges an Personal entlassen? Und jetzt plötzlich diese Kehrtwendung mit dem Bereich, der bei der Dresdner Bank die letzten Jahre für so rote Zahlen gesorgt hatte? Gerade der Chef der Commerzbank hatte eigentlich eher einen besonnenen Eindruck gemacht, warum jetzt diese 180-Grad-Drehung, ich verstehe es nicht. Aber dennoch sollte man das nicht an den „einfachen Angestellten“ auslassen, die dürfen nur den Mist ausbaden, der oben verbrochen wird.

  80. @sterne: Die Franzosen...
    @sterne: Die Franzosen verstehen es eh besser. Zur ersten Million hat es immer noch Zeit.
    Im übrigen bin ich vom Schlag des Onkel Toby, nichts kann mich erschüttern.
    @nico: Ich bemitleide die hanseatische Dumpfnudel nun nicht gerade. Verlust, wem Verlust gebührt. Mich schockierte eher die Provinienz des Gauners. Vielleicht bin ich etwas naiv. Aber ante Ackermann hielt ich die DB für ein seriöses Institut. O tempora, o mores! Aber letzten Endes schaffen sich die Kunden die Bank, die sie verdienen.

  81. @Savall, diese Dame ist eben...
    @Savall, diese Dame ist eben nur repräsentativ für viele, die an Ehrlichkeit und Seriösität in Kathedralen des Geldes und der damit suggerierenden Sicherheit, das eigene Geld sei in guten Händen, glauben und glaubten. Nicht, das man dort kein Geld verdienen könne, aber man muß eben den strikten Weg vorgeben. Ahnungslosigkeit wird zu oft brutal ausgenutzt. Die Banker stehen unter enormen Erfolgsdruck, vorgegebene Ziele zu erreichen, koste es, was es wolle. Auch vor Ackermann war die Welt so heile nicht. Es gab zu allen Zeiten Anlageabteilungen vieler Banken, die, sowie ein Konto deutliches Plus aufzeigte, aktive „Beratung“ betrieben. In der F.A.Z. war unlängst eine Serie über die größten Anlagerbetrüger. Zumeist waren es einfachste Gauner, die lediglich mit der Gier und Naivität der Menschen spielten. Wie die Hütchenspieler im Bahnhofsviertel. Im Grunde stimme ich daher zu, was die Kunden verdienen.

  82. Holla Herr...
    Holla Herr Alphonso.
    Soviel ernsten, unverschmückten Zorn ist man von Ihnen eher nicht gewohnt. Kompliment.

  83. @Petra Scholl- Laretourné:...
    @Petra Scholl- Laretourné: ich weiß, in Ihrer Jugend haben Sie erfahren wie schön es ist, ein Skateboard und ein BMX-Rad zu steuern und „danach gab es Reiten, Fechten und Tanzen“. Das alles aber nur so halbherzig wie die eher nachrangige Produktauswahl des zu ihrem diesmaligen Beitrages beworbenen Verkaufsportals. Einen Füllfederhalter, aber eben nur einen M150er, auch wenn kaum einer geraden Verstandes schreiben kann, eine M8, aber dann eben nur ein billig-Elmarit. Nichts halbes und nichts ganzes, so wie ihre ganze Liste, so wie überwiegend unsere Wirtschaft; Hans Dampf in allen Gassen, überall aber nirgendwo so richtig, mit fatalen Ergebnissen unter dem Strich. Sie sind Repräsentant(in) der Lage. Gratuliere.

  84. @savall: ich bin auch...
    @savall: ich bin auch clubmitglied und mache nix was ich nicht halten kann, ….wo findet gleich nochmal unser naechstes treffen statt ?? (ich fuerchte mich auch nicht vor nix davor/danach (…ausser vor post-aktien, gut dass ich die damals nicht gekauft hab!!!) !!) ;-))
    @donalphonso: was sagt man zum niedergang der deilmann-reederei ??
    bzw. was sagt die „kleine schwester“ zur sitztiefe von 466mm ?? — kann man daraus ein moebel bauen (lassen) welches geeignet ist dem durchlauchten wertesten ein wenig ruhe zu goennen??
    @andrea: der nachname steht in deutlichem kontrast zum „grossen bruder“.
    ….weiter so !!

  85. Herr Liebreiz, mitteltiefe...
    Herr Liebreiz, mitteltiefe innere Befriedigung träfe es besser.
    Fragender, Sie haben nur zu recht.

  86. Manni1000, mit Schiffen habe...
    Manni1000, mit Schiffen habe ich es zugegeenermassen nicht so, und mit dem Norden auch nicht. Dieses Projekt überquert so gut wie nie den Main, und kann wochenlang durch Italien kreuzen, ohne das Meer zu sehen. Sitzgelegenheit ist eib schlichter Biedermeierstuhl aus der Zeit um 1825, Nussbaum, als Trümmeransammlung für 20 Euro gekauft und selbst restauriert.
    Doctor Snuggles, das kleine Problem bei den grossen Banken scheint mir zu sein, dass man dort eben auch nur die Ruder bewegt, die andere voranbringen auf Kursen, auf denen man lieber nicht sein wollte. Ich möchte hier kein schlechtes Wort über Raiffeisenbanken sagen, und auch in manchen Sparkassen sitzen sehr anständige Leute. Aber die Nichtnachhaltigkeit des Bankgeschäfte mit den abrupten Kehrtwendungen und unüberlegten Geschäftsfeldveränderungen – und darüber könnte ich durchaus auch ein paar Details aus Münchens Restbankenwelt erzählen – machen es eben enorm schwer, für diese Konglomerate auch aus Sicht eines Kundigen noch Sympathie aufzubringen. Das Bild zu ändern, wäre die Aufgabe der Banken. Aber solange man dort meint, es sei nichts passiert, und man möchte gerne weitermachen, wird sich daran kaum etwas ändern.

  87. wandfuessl, ich kenne das...
    wandfuessl, ich kenne das Blatt nun schon seit langem, und wenn das viel Werbung sein soll, möchte man die 2007er Ausgaben daneben halten. Das war viel Werbung, über 300 Seiten.
    köstlich, ich weiss schon, warum ich überzeugter Automobilist, Radfahrer und Fussgänger bin. Zufriedenheit ist Selbst verantwortung, da holft auch kein Customer Relationship Management Tool. Mal ganz abgesehen davon, dasss ich kein Verhältnis mit einer Firma wünsche.

  88. don, dieser deiner eine satz...
    don, dieser deiner eine satz gehört in marmor gehauen:
    .
    Ich glaube, dass weite Teile des Journalismus ihre Existenzberechtigung längst selbst in Frage gestellt haben, und dieselbe gerade verlieren.
    .
    was die existenzen angeht:
    in eben mal vier wochen sind bundestagswahlen und die favoritin ist dabei, sich ihren sieg dadurch zu sichern, dass sie so tut, als wäre überhaupt gar nichts ausser sommer, sonne und gute laune.
    .
    ist schon im oktober nicht mehr so.
    da werden auf einmal manche entbehrlich sein. auch in branchen, die bisher als vorzeigebranchen galten, maschinenbau, automobilbau, chemiie.
    das verzichten wird auch eine rolle spielen, wenn die steuern und sozialabgaben erhöht und die leistungen verringert werden.

  89. Hier übrigens noch eine Art...
    Hier übrigens noch eine Art Kursus, der auch unter die Rubrik „brauchen wir sowas wirklich?“ fällt: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,646944,00.html
    Erinnert stark an Erziehungsratgeber und Diät-Programme.

  90. @miner: Sie widersprechen...
    @miner: Sie widersprechen sich. Einerseits finden sie, dass (sogar) Feng-Shui-Berater und Coaches und was nicht alles eine Daseinsberechtigung haben, weil es einen Markt für sie gäbe, „jemand sie braucht und bezahlt“. Andererseits werfen Sie etwa den Anwälten und Steuerberatern vor, überflüssig zu sein; es gäbe ihren Markt bloß auf Grund der (laut Ihnen unnötigen) Komplexität der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung. Wenn ein zivilisierter Staat wie Deutschland gedenkt, all seinen Verpflichtungen gerecht zu werden, resultieren daraus unweigerlich gewisse komplexe Strukturen, und die benötigen Rechtspflege.
    Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, dass die Anwaltschaft bloß ein Produkt von staatlicher (ergo künstlicher) Intervention in Form von Gesetzen ist, denn es ist eine fundamentale gesellschaftliche Notwendigkeit, sich in irgendeiner Form (legislativ) zu organisieren, und damit entsteht stets ein Bedarf an Spezialisten.
    .
    Wenn es um vollkommen überflüssige Jobs geht, dann stehen die EU-subventionierten Milchbauern ganz oben auf meiner Liste. Dabei handelt es sich um eine Gruppe, deren Erzeugnisse in dieser Form (und Menge) tatsächlich keiner braucht.

  91. @Debütant,...
    @Debütant, Diskussionspartner:
    BITTE verschonen Sie uns mit dieser typisch deutsche, sehr kleinlichen Subventionsneiddiskussion, wer nun voll und ganz überflüssig ist und wer nur ein bißchen.
    .
    Wenn jeder nur bekäme, was er verdient hat, müssten alle Prügel kriegen.
    .
    Viel wichtiger ist doch die Frage, wie die Zuvielverdiener ihr Heu wieder ausgeben. Genau das können sie nämlich nicht! Dafür fehlt es ihnen an Mut, Stil und Geschmack. Ihnen die Fähigkeit der kreativen, sozial integrativ wirkenden Verschwendung wieder beizubringen, dazu leistet Don Alphonsos Blog hier einen wichtigen Beitrag.

  92. "Beim Aufräumen hinter dem...
    „Beim Aufräumen hinter dem Bett darübergestolpert“? Puh! Und sonst? Pausenbrot von 1985 gefunden? Die selbstgestrickten Socken, die lange im Rennmauskäfig lagen? Die eingetrockneten Rennmäuse selbst? UNd dieses komische Ding da, das aussieht wie…. ups.

  93. Debütant, mir ist bewusst,...
    Debütant, mir ist bewusst, dass sich jede Berufsgruppe und deren Angehörige für wichtig und unersetzbar hält/halten ( s.o. …mit Kerzchen & Grab) und mit dem Finger auf eine andere Gruppe zeigt. Weitehin war mir auch klar, dass ich mir hier mit einem undiplomatischen Rundumschlag einen 5-Frontenkrieg an Land ziehe…
    Aber, als Frankfurter Bauchmensch denke ich: Was raus muss, muss raus. Und wie schrieb der grosse Meister Don mal vor geraumer Zeit: Wenn ich auf der Suche nach weiteren Freunden wäre, würde ich mir einen Hund anschaffen.

  94. Polemik ist das Salz in der...
    Polemik ist das Salz in der zähen Suppe der Diskussion.

  95. oh, es wurde schon alles...
    oh, es wurde schon alles gesagt von so vielen, ich spare mir meine ‚twopence‘ und laß jemand anderes sprechen:
    http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY
    MD

  96. MD, irgendwann wurde auch das...
    MD, irgendwann wurde auch das schon mal hier verlinkt.
    .
    Zerlina, so zäh ist sie nun auch nicht. Nur etwas erkaltet.

  97. Julius, sonst nur ein micht so...
    Julius, sonst nur ein micht so arg wichtiges Buch und der unvermeidliche Staub. Besagte komische Dinge tauchten auf, als die obere Wohnung von den Hinterlassenschaften recht unterhaltsamer Schauspieler befreit wurde.
    .
    HansMeier555, alles nur das nicht – es ist ohnehin schon schwer genug, noch vernünftige Teekannen zu finden. Sollen sie doch was anderes kaufen, do viel Gutes, dass es für alle reichen würde, gibt es auch nicht.

  98. Doctor Snuggles, ich hatte mal...
    Doctor Snuggles, ich hatte mal das Vergnügen, so einer Trainer auf einem Kongress zu erleben – für Nochnichtarbeitslose der New Economy. Nach Leuten wie dem Tschakka-Höller und den diversen Rechtumscoaches der letzten Jahre muss man sich nicht mehr über Amerika wundern. Nicht jedem ist es gegeben, mit Abscheu auf grenzenlosen Optimismus zu schauen, manche wollen – aus welchen Gründen auch immer – gut drauf sein.
    .
    Tacheles, bezieht sich die Frage, was nach dem Ende des Reichtums kommt, auf mich? Ich bin nicht reich, wenn man von krummen Statistiken mal absieht, und ich gedenke doch, in diesem Zustand zu verharren. Nach oben ist der Weg sicher nicht offen, da bin ich zu faul, und nach unten bin ich vermutlich abgesichtert – das zumindest so weit, dass ich mir keine Gedanken darüber mache. Auch wenn es vielleicht anders wirkt, ist mein dasein eher preisgünstig. Ikea etwa empfinde ich als sehr teuer.

  99. Werter Don Alphonso, durchaus...
    Werter Don Alphonso, durchaus nicht diese spezielle Diskussion im blog, nein jede neigt zum Erkalten, weshalb Polemik Not tut. Dazu, miner, finde ich, darf man ungerecht sein, mit dem Finger auf andere zeigen und in Freunden den 5-Frontenkrieg erwarten.
    Die Vollholzmöbel von Ikea sind meistens aus bedauernswert schnell wachsendem Nadelholz gefertigt. Über die bis zur Fehlkonstruktion reduzierten Montagemöglichkeiten oder dieses bin ich in der lage die Nase zu rümpfen, pampig könnte ich als Kleinbürger werden, dass sich dieses zusammegeleimte Vollholz praktisch mit dem Fingernagel der kleinen Zehe durchsägen lässt. Jeder noch so primitiv gearbeitete 30ger-Jahre Stuh hält praktisch ein Leben lang.
    Was mich zu der vermessenen Reprise veranlasst: Was wäre denn, wenn statt der vielen maschinell und durch billige, weil ausgelagerte Fließbandarbeit hergestellten Massenware, qualiativ vertetbare, Gebrauchsgegenstände in größerer Stückzahl hergestellt würden, und zwar gleich um die Ecke. Man mag einwenden, dies sei eine Utopie. Aber andererseits: dieses Warenhaus für “ die guten Dinge, die es noch gibt“, gibt es ja, das noch Quellen auftut. Es spielt sich dort das Preis/Leistungsverhältnis, zumindest was die Lebensdauer von schlichten Gebrauchsgütern angeht in einem vertetbaren Rahmen ab, finde ich, der ich nichts bin und nichts habe. Also nochmal ehe ich es vergesse: Anzustreben wäre die Produktion höherwertiger, länger lebender, klug, ja schön gestalteter Gebrauchsgüter in einer bedarfsdeckenden Auflage. Utopie? Planwirtschft? Chaos? Zu wenig Anreize?
    Meine bauchige Teekanne aus Bunzlau-Keramik tropft nicht, wenn ich sie in der Horizontalen leicht nach rechts oder links neige.

  100. Bitte um Verzeihung, ich habe...
    Bitte um Verzeihung, ich habe nich festgedacht – noch ein Aspekt:
    Mein Großvater, der als Letztgeborener den Hof in K u.K, heute irgedwo Rumänien, glaube ich, nicht erben konnte, zog es in die Welt. Nach einer kurzen Zwischenstation in Berlin, dass auch damals schon großkotzig war, wo er aber immerhin Anstellung fand, als Wegschipper von Kohleschlacken in einem städtischen Gaswerk, kam nach Rathenow an der Havel(wie Valentins Veilchen ausgesprochen), und wurde Handelsreisender in optischen Geräten, später Brillen, weil er besser mit seinesgleichen umgehen konnte. Dann traf er meine Großmutter und heiratete sie aus den bekannten Gründen, aber immerhin – das gehörte zum Standard des Verhaltensregelkanons der Kleinbürger. Er eröffnete ein Miclhgeschäft in der Kleinstadt und kaufte auf Kredit einen dreirädrigen FIAT-Lieferwagen(genannt Schlaglochsucher). Damit war er zwangsläufig einen Deut schneller bei der Molkerei, als seine Konkurrenten, die noch mit Pferdegespannen an der Rampe aufliefen. Eine kleine Schlägerei, so überliefert es meine Familie, vielleicht aber auch nur ein „Wortgefecht“ regelten fortan die Reihenfolge der Abfertigung, ein kleiner Marktvorteil, denn die Leute kauften früher schon um halbfünf Uhr früh Michprodukte.
    Als er sich in der Kleinstadt im Sattel wähnte, fuhr er nach Posen, und besuchte seinen Bruder, den Zweitältesten. Der riet ihm an, sich eine, seinem neuen Stand gemäße. Überjoppe anzuschaffen. Mein Großvater entschied sich 1937 nach der Prüfung des Stoffes und der Nähte für englischen Tweed, der natürlich schottischer war. Die Joppe gefiel ihm und er wollte sie kaufen. Da sagte sein Bruder, englischer Tweed müsse aber nach Rauch riechen. Richtig, er roch nacht Rauch, war also echt und die Nähte waren auch solide. Er kaufte die Joppe und reüssierte damit in der Kleinstadt nur mäßig, vielleicht, weil sie nach Holzrauch roch. Leute, die auf sich hielten, konnten sich Braunkohlebriketts leisten, deren Rauch widerum damals sehr faul, nämlich nach Schwefel roch. Auf das Aussehen der Joppe, die geschnitzten und gebleichten Ochsenbeinknöpfe und wie der Stoff gewirkt war, richtete sich das Augenmerk nicht. Vielleicht gut. Die Anekdote von der schottischen Tweedfabrik weiß von einem Umsatzeinbruch zu berichten. Als die noch mit Importholz beheizten Dampfmaschinen der Fabrik gegen kostengünstigere Elektromotoren eingtauscht wurden, roch der Stoff, beliebt beim englischen Landadel, wie beim Bürgertum, dass sich mit der Manie des sich dem Bürgertum anbiedernden „grob gewirkten Adelsgeschmacks“ zu schmücken trachtete, auf einmal nicht mehr nach Rauch. Aber was soll’s. Die damls ungleich weniger betrugsbegabten Verkaufsstrategen der schottischen Tweed-Fabrik, richteten unbekümmert eine Räucherkammer ein, in der die fertigen Stoffballen fortan zu schmoren hatten, bis sie den gewünschten Verkaufserfolg zu erzielen imstande waren.
    Das allein ist kein Betrug, sondern, nennen wir es Entgegenkommen. Denn der Geschmack, respektive Geruch, an den sich eine Generation von Käufern gewöhnen mag, der ihnen Sicherheit der Qualität sugeriert, ist eine Sache.
    Die andere besteht darin, zu prüfen, ob die Joppe anständig genäht ist und der Stoff so gewirkt, dass er nicht bei dreimaligem Ellenbogenaufstützen daselbst abgerieben wirkt. Das allerdings erlernt man oder nicht.

  101. Lieber Don,
    Sie haben mich...

    Lieber Don,
    Sie haben mich mißverstanden.
    Ich will nicht, daß unsere herrschende Klasse Ihnen künftig auf dem Trödelmarkt die besten Silberkännchen vor der Nase wegschnappt und die Preise in die Höhe treibt.
    Ich will, daß unser Besitzbürgertum mal dafür sorgt, daß auch heute mal wieder ein bissel was von dem edlen Zeug neu produziert wird. Ich will, daß sie ihre häßlichen Bungalows auf dem grünen Hügel verlassen und ins Zentrum der „dummen“ kleinen Städte zurückkehren, meinetwegen auch mit 48 Fensteröffnungen zur Hauptstraße hin.
    Daß sie den gescheiterten Hauptschülern Ausbildungsplätze als Kammerdiener, Kutscher und Köchin und damit eine Perspektive eröffnen.
    Daß sie im offenen Wagen durch die Innenstadt fahren und sich von jedermann grüßen lassen.
    Denn ohne entsprechende soziale Verhältnisse und Hierarchien haben auch die Silberkännchen doch gar keinen Sinn.
    Lieber Don, nehmen Sie es mir nicht übel, aber: Kaseln an der Wand, Silberkannen im Schrank einer Singlewohnung — das ist doch nur die Antizipation des Museums. Was wir brauchen, ist eine LEBENDIGE Kulturkultur, und das heißt, wir müssen uns um Nachwuchs kümmern.

  102. @HansMeier555, offen gesagt,...
    @HansMeier555, offen gesagt, ich sehe gar kein Mangel an edlem Zeug wie Silberkännchen von z. B. Cristofle in Paris. Dem sonst allwissenden Don berichtete ich jüngst vom Hermes-Heli zum artgerechten shoppen. Also, ich stimme zu was den Nachwuchs anbelangt, aber Silberkännchen, Perserbrücken, Jagdtrophäen und den Salon-Eingang flankierende Porzellantiger als Museumskunst zu degradieren, läge mir fern.

  103. Monsieur,

    für den faux pas...
    Monsieur,
    für den faux pas der doppelten Verlinkung möchte ich mich ja einerseits reumütig entschuldigen, denn das ist mir entgangen –
    andererseits… man kann es gar nicht oft genug verlinken…
    MD
    Einen schönen Sonntag, und weil Sie diesmal keine Musik vorgegeben haben, mich unterhält gerade Les Witches mit Nobody’s Jig. Da Ihnen die Musiciens de Saint-Julien gefallen haben, dürfte das Ihnen auch zusagen.

  104. @nico
    Es geht nicht um das...

    @nico
    Es geht nicht um das Edel-Ding an sich, sondern seine Bedeutung für die Qualität der sozialen Beziehungen.
    Was bringt denn die Jagdtrophäe, wenn man nicht weiß, wer den Hirsch geschossen hat? Ohne Anekdoten, ohne Geschichte, ohne mitlaufende Tradition ist auch das schönste handgemachte Silberkännchen nur eine Ware.
    Dabei hat es doch Lew Dawidowitsch so wunderbar auf den Punkt gebracht: Besitz ist die Beziehung zwischen Menschen — und für keinen Besitz gilt das mehr als für Geschenke von geliebten Menschen, von Erbstücken und von allem, was mit Erinnerungen und Hoffnungen verbunden war.
    Das traurige am heutigen Luxus ist, daß er keine soziale Funktion erfüllt. Früher gab es Eliten, die sich durch ihren Luxus für alle sichtbar in den Mittelpunkt stellten und sich damit auch zu ihrer Verantwortung für das Gemeinwesen bekannt haben.
    Die heutigen Eliten verstecken sich. Ihre Kanzleramts-Sause machen sie heimlich, wie die Hanni & Nanni auf dem Internatsdachboden — wo sie es doch öffentlich im wiederaufgebauten Berliner Schloß tun könnten.
    Ihr ganzer Luxuskonsum trägt privatistischen Charakter: Segeljachten am anderen Ende der Welt, Luxusautos, denen man nicht ansieht, wem sie gehören, Kleider, die nicht in der Öffentlichkeit getragen werden.

  105. @HansMeier555, ach so ist das,...
    @HansMeier555, ach so ist das, das ist dann in der Tat museal. Karl Lagerfeld hatte sich einst von all dem im Überfluß vorhandenen LouisXIV-VI-Mobiliar getrennt, weil er meinte, man würde zu schnell altern mit all diesen musealen Dingen. Recht hat er, hinge man auch noch diesen Anekdoten nach. Und welche Anekdoten würden diese heutigen Eliten denn schon erzählen können. Wie ich das erhedgete Geld verprasste, wie ich Conti übernahm, aber dann doch die Segel strich…….Etwas anderes als das die Dynastien und Großgrundbesitzer vergangener Tage, meine ich.

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