Home
Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

| 100 Lesermeinungen

Von Stresa am Lago Maggiore lernen heisst siegen lernen: Während in Deutschland Kleingeister und Bedenkenträger ein paar lumpige Problemchen bei der Auferstehung des Berliner Stadtschlosses aus Ruinen zum Anlass nehmen, ungefragt zum Thema Demokratie und Repräsentation radikale Thesen zu äussern, ist in Oberitalien die Welt noch in Ordung. Hier werden zukünfige Generationen die Antwort finden, wie man moderne Herausforderungen des Volksgeschmacks mit alten Mitteln zur allgemeinen Zufriedenheit löst. Die Stützen der gesellschaft erlauben es sich deshalb, der Zukunft zu deren Beschleunigung ein wenig vorzugreifen.

zu Stresa, den 15.IX.2032

Hochverehrter Herr Direktor, ehrenwertes Komitee, Gott zum Grusse,

wir haben uns nun in Stresa am Lago Maggiore eingefunden, und freuen uns, Ihnen erste Überlegungen zu den komplexen Problemen, die unser geliebtes Hauptstadtschloss seit der Vollendung vor 2 Jahren heimgesucht haben, übermitteln zu dürfen. Um es kurz zu machen: In Stresa ist man bislang nicht auf die von Herrn Prof. v. Gamsenbruch von der Charité Fondsgesellschaft präferierte Lösung verfallen, die Räumlichkeiten für volksnahe Fitnesscenter und Botoxbehandlungen zu nutzen. Auch der Vorschlag von Kommerzienrat Blauschnabel, die von der undankbaren Bevölkerung nicht wirklich angenommene, ja sogar als Obrigkeitssymbol verhasste Baulichkeit in eine Vergnügungs-Shopping-Area seiner Wellnessbuy AG umzuwandeln und dabei auch die sinnlosen Flächen der insolventen, durch Pro7Sat1RTLI-VIARDZDF aufgekauften Humboldforumsgesellschaft mit einzubinden, um damit kleinlicher Kritik vorzubeugen und den Massen zu geben, was den Massen zusteht, findet in durchaus vergleichbarer Architektur in Stresa keinerlei Widerhall.

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Vielmehr ist es in Stresa offensichtlich gelungen, neue Wege zu gehen, die eigentlich die alten Wege sind, oder besser: Hier ist alles noch so, wie es sein soll. Diese Lösung wäre unseres Erachtens auch bestens für das neue Wahrzeichen unseres Landes geeignet, das in seinem Rückgriff auf Preussens Gloria den Weg ebnete für die umfassenden gesellschaftlichen Reformen, die dem Bewährten aus dem Zeit vor dem 14er Krieg zu neuen Ehren verhalf, und sicher bald so respektiert sein wird, wie es sich für Leistungsgesellschaften geziemt. In Stresa jedenfalls gibt es keine Unruhen wegen der Sozialistengesetze, hier hat sich das wohlige, allumfassende Gefühl alter k.u.k.-Herrlichkeit gehalten. Staunend und traurig gaffen unsere dort weilenden, älteren Landsleute die Ruinen jener grossen Epoche an, die sie aus den frühen Sissi-Filmen bestens kennen (wir empfehlen übrigens dem Staatsparteisekretär und Komiteemitglied Freiherrn Ziegenleder, auch sämtliche wohlgefühlzersetzenden Werke von Schnitzler und anderen Feinden jener Epoche (Anton Kuh, Karl Kraus etc.) auf den Index zu setzen, die würden beim gesellschaftlichen Ausgleich nur stören).

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Kurz, hier in Stresa rotten sich keine Arbeitslosen zusammen, hier wünscht sich der anständige Deutsche des verbliebenen Mittelstandes derartige Bauten jener glanzvollen Adelsepoche so sehr, dass es sicher kein Problem wäre, die Allgemeinheit für deren Erweckung in public-private Partnership – Kassenwart Baron Eulengreif wird das gerne hören – finanziell zu beteiligen. Die Imageprobleme, die Joint-Venture-Parties der Deutschen Bank und der Hohenzollern zur Feier der allgemeinen Schulgeldeinführung im Stadtschloss 2031 mit sich brachten, kennt man hier nicht, denn die bewaffneteren Kräfte der Berlusconistiftung sorgen für die nötige Diskretion zu solchen Anlässen, wie in der Guten Alten Zeit unter Metternich.

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Auch alte Werke staatskirchlich-privater Natur werden von unseren Mitbürgern, für die wir die Verantwortung haben, hier sehr geschätzt. In einem Bild sehen Sie die Isla Bella, seinerzeit Vergnügungsschloss und Park etlicher Bischöfe und Kardinäle aus dem Hause Boromeo, die gänzlich frei von kleinlichen Überlegungen dem deutschen Touristen als wünschens- und erhaltenwerte Bleibe erscheinen. Kein böses Wort über Günstlingswirtschaft und die Verbrennung von Sündenböcken, mit denen Mitglieder jenes Hauses weiland ihren Ruf als herausragende Vertreter des christlichen Abendlandes begründeten. Mag der Deutsche daheim über den wieder eingeführten Zehnten auch jammern  – hier in Stresa geniesst er die Früchte jener Abgaben für einen kleinen Betrag, und steht ehrfürchtig, mit kurzen Hosen, weissen Socken und Plastikrucksack angetan, in Uniform also vor den Zeugnissen grosser Vergangenheit.

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Auch stört es ihn absolut nicht, wenn andere im Grand Hotel verweilen, und schon in der Einfahrt offensichtlich wird, für wen der Luxus hier ist – und für wen die Gastfreundlichkeit nicht gilt. Eben jenes Grundproblem des nach so vielen Verwerfungen, Skandalen und Verhaftungen kleiner Subunternehmer bei erwiesener Unschuld aller Komiteemitglieder endlich vollendeten Sahnestücks deutscher  Geschichte – ein Symbol der Klassentrennung, mit der Deutschland von 800 bis 1918 eigentlich ganz vorzüglich gefahren ist  – wird hier in Stresa einfach durch Verweis auf eine lange Tradition gelöst. Es war so, es ist so, es wird so bleiben. Niemand käme hier auf die Berliner Idee vorzutäuschen, als wäre das für jeden, für alle und ein altes Symbol einer egalitären Gesellschaft. Mit mehr liberalem Mut und deutlich prohibitiven Preisen wird dem Deutschen deutlich gesagt, wo sein Platz ist, und selig lächend akzeptiert er den Blick auf Grösse am Seeufer.

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Geschmacksfragen jedoch spielen dabei keine besondere Rolle. Gerade der vor der grossen Grundrechtsreform oft geäusserte Vorwurf, man baue da zu Berlin ein Disneyland in grauem Stein, muss absolut keine Hoheitsbeleidigung mehr sein. Ganz im Gegenteil, in Stresa sind die Züge ins Kitschige unverkennbar, das Sentimentale feiert fröhlich-tränenreiche Urstände, man kann hier gar nicht anders als zu erkennen: Kitsch wirkt. Rosa funktioniert. Gold kommt prächtig. Wer in Kronleuchter starrt, vergisst den Hunger und auch die zugewiesenen 1Mio-Euro-Jobs. Unserer Beobachtung nach ist das Stadtschloss für unsere Landeskinder nicht zu wenig demokratisch, sondern zu wenig prunkvoll. All die schlichten Innenräume, die demokratischen Stühle, die schlichten Treppenhäuser: Zur Hölle damit! Der Mensch schätzt den Prunk. Es war falsch, dem Russen die stalinistischen Marmorbauten zu nehmen, nie hätte sich der Rumäne durchgerungen, den Ceaucesku-Palast abreissen zu lassen, und so sagen wir: Die Schönheiten in Stresa lehren uns, das Stadtschloss als das zu begreifen, was es ist: Ein Symbol der Herrschaft, hineingesetzt in eine Stadt, die beherrscht werden möchte. Und genau so sollte es auch wieder wirken. Also, rufen wie Baurat Graf Schmieretzky-Schmuklammer zu: Mehr Rosa! Mehr Gold!

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Und natürlich auch für die deutsche Frau: Mehr Blumen. Blumen erfreuen Mütterherzen. Blumen wirken volksnah, in ihnen zeigt sich das gleiche Interesse von Schlossbewohner und Kleingärtner, Blumen müssen an das Stadtschloss, an jedes Fenster. Wir sind zuversichtlich, dass die Styroporplatten des verehrten Sponsors Hoflieferant Knacksnriss, die jene Fenster begründen, zumindest ein paar Blumenkästen tragen können, zumal, wenn es gelingt, Kunststoffblumen von einem Sponsor zu erhalten: Vielleicht sind unsere Freunde von der chinesischen Handelskammer ja bereit, unserem Jahrestribut ein Gegengeschenk folgen zu lassen.

Bild zu: Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Wir also sind prinzipiell der Ansicht, dass beim Stadtschloss durchaus behebbare Fehler bei Gestaltung und Marketing gemacht wurden. Wir brauchen für die noch anstehenden Sozialreformen mehr gute, alte Zeit nach dem Vorbilde des Sissi-Habsburg, das wir trotz leichter historischer Unkorrektheiten übernehmen sollten. Unsere Geschichte muss für das Volk einfach liebenswerter werden. Und wir müssen aus dieser Geschichte heraus elitärer werden, nicht einfach nur so elitär sein, weil wir das Sagen haben. Wir dürfen nicht mehr wie früher die Veränderungen verstecken und schönreden, wir müssen sie offensiv propagieren. Unser Land muss keine Pension für alle sein, sondern ein Grand Hotel mit Ballsaal für die einen und Dienstleistungsjobs für die anderen. Genau das muss das Stadtschloss ausdrücken. Formen wir es um in ein Grand Hotel Habsburg-Hohenzollern mit 5 Sternen, geniessen wir, was wie erschaffen haben, in vollen Zügen, und nicht nur in kleinlicher Heimlichkeit. In Stresa sieht man, dass die Leute es schätzen, wenn es nur schön bunt, laut, dem normalen Geschmack angepasst und obendrein am See gelegen ist.

Mit besten Empfehlungen aus Stresa, Ihr

Hofberichtssecretarius Alfons Borstenfrau

Handschriftliche Notiz von Baudirektor Herzog McKinzlei: Potzblitz, der Mann hat recht. Prima Sache. Sofort in die Wege leiten. Neue Sissiserie bei Intendant v. Niederwurm beauftragen: Sissi in Love in Berlin. Spree mit Staumauer v. Charlottenburg bis Wedding anstauen, Helmholtzplatz als Insel. Seebad Marzahn f. Arbeiter? Blumen auch vor alle Überwachungsroboter. Orden pour le Merite 7einhalbte Klasse am kleinen Bande f. unseren treuen Alfons. Aus dem wird noch mal ein guter Lakai.

0

100 Lesermeinungen

  1. besten dank fuer die bilder....
    besten dank fuer die bilder.
    ist das das wappen in der der lobby vom grand hotel der borromaeischen inseln in stresa? perfekt. – lese spaeter. besten dank fuer die bilder. meran nie. stresa schon so 3, 4 tage. besonders jetzt. sanfte melancholie des spaetsommers – oder besser etwas spaeter.

  2. abf, wie man es nimmt: Meran...
    abf, wie man es nimmt: Meran liegt mir als Mann der Berge irgendwie näher, ausserdem ist die Anfahrt besser: In Meran kann ich zu Mittag essen, am Lago Maggiore kann ich froh sein, wenn ich Abends noch etwas bekomme.

  3. q.e.d....
    q.e.d.

  4. sagt: Adept Alphons,...
    sagt: Adept Alphons, weitermachen!

  5. Lieber Genosse Sekretär,...
    Lieber Genosse Sekretär, keine Sorge Gold, rosa und reichlich prunkvolle Lampen – dafür ist gesorgt. Lediglich die Außenfassade und die Statik werden bei der Regierungsübernahme durch die einstige Staaatspartei (man munkelt 2013) etwas angepasst. Wie man hört wird eine schlichte kupferbedampfte Glasverkleidung (abwaschbar wg Hauptstadtkunst) favorisiert, bei der Statik liegt eine genietete Stahlskelettkonstruktion mit variabler Innenteilung im Bereich des Möglichen. Der Wiederaufbau ist auf dem besten Weg, aber wie das bei derartigen Zeitreisen oft ist, ist noch nicht so klar wie weit zurück die Reise gehen wird.
    wortschubse, war das fehlende „e“ schon der Beginn ihres Verschwindens ? Seinen Sie empfindlich, grantig unbedingt, aber schubsen Sie weiter – ich entschuldige mich auch.

  6. Wem der Helmholtzplatz und die...
    Wem der Helmholtzplatz und die Cafés drumherum nicht gefallen, der ist in Berlin falsch.

  7. Rat Burzelberger, aber...
    Rat Burzelberger, aber sicher.
    .
    HansMeier, ich könnte mir den Platz sehr gut als Tauchrevier vorstellen.

  8. gelesen. - berlin hat...
    gelesen. – berlin hat natuerlich auch sein disneyland. wir denken an die pictureske ansammlung griechischer tempel, roemischer baeder, chinesischer lustpavillione, russischer holzhauskolonien, hollaendischer stassenzuege samt windmuehle etc etc und an den froehlich stilsicheren mix all dessen auf kleinstem raum – oh herrliches potsdam. – und disneyworld nur eine knappe autostunde weiter richtung sueden, das legendaere woerlitz mit der original pirates of the caribbean grotte, der entfernten cousine der inseln bella, madre und pescatori.

  9. Und was ist der Platz Ihrer...
    Und was ist der Platz Ihrer Meinung nach bisher gewesen?

  10. poisson, ich finde ja, dass...
    poisson, ich finde ja, dass man nach den historischen Ergahrungen mit Bausubstanz besonderen Augenmerk auf die Rückbaubarkeit legen sollte – von mir aus auch so, dass man das Ding im Zweifelsfall für spätere Generationen wieder einmottet. Die Ruinen in Stresa – drei Stück mitten im Ort – sind nur idyllisch, weil sie massiv und dauerhaft gebaut sind. Nachdem man sich das wird nicht leisten können, sollte es wenigstens keinen hässlichen Zerfall nach sich ziehen.
    .
    abf, danz Neuschwabenland in Mitte ist eine Disneyinszenierung des prekären Daseins, das sich der Illusion hingibt, ein Projekt zum Leben könnte reichen. Das Volk, jung und alt, rechts und links, wünscht sich solche Illusionen, und für jene, die keine mehr haben, gibt es eben Molliparties und Flatratetrinken. Aber auch in Stresa hat man die Illusion, zweitweise Palastherr mit Dienerschaft zu sein.

  11. sehr schoen, don. - ich merke,...
    sehr schoen, don. – ich merke, die suedliche luft schaerft und mildert zugleich. – was immer zu den letzten drei saetzen an mich gefuehrt hat… – halten und kultivieren!

  12. Im Sinne der Nachhaltigkeit...
    Im Sinne der Nachhaltigkeit und späteren Rückbaubarkeit schlage ich die sog. Grosse Berliner Kulissenlösung (GBK) vor, wie diese ja schon einmal versuchsweise und mit allergrösstem Erfolg betrieben wurde.
    .
    Die Kulissenlösung nach Baumeister Potjemkin wird dann sicher auch in der restlichen Republik in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen: Ein Teil des Geldes ist weg, den anderen Teil hat jemand anders, der Rest ist nach Berlin gegangen, sind wir arm, sind Kulissen doch sexy.

  13. HansMeier555: Eine...
    HansMeier555: Eine Fehlentwicklung.
    .
    abf, beim aktuellen Dauerregen kann es sein, dass es mit meiner Laune abwärts und mit meiner Schärfe aufwärts geht. Zumal morgen ein wirklich scharfer Hund auf dem Programm steht.

  14. @Don, dieses Bild ganz oben,...
    @Don, dieses Bild ganz oben, bravo. Mehr vermag ich nicht zu sagreiben.
    @abf, vernehme ich in Ihren Worten dezent den Zauberberg?!

  15. Kunstrat Fraischdörfer, ich...
    Kunstrat Fraischdörfer, ich denke, mit Opel sehen wir schon den ersten Testlauf nach der theoretischen Überprüfung des Gesamtkonzepts anhand der Bilanzen deutscher Banken. Es wird also zunehmend realer und noch realer, so real, dass es fast schon ein Körnchen Wahrheit enthält.

  16. Schon recht, schon recht,...
    Schon recht, schon recht, edler, lieber & getreuer secretarius Borstenfrau.
    – Alldiweil wir schon lang des ewigens Sollicitierens und Dissimulierens des Volks wegens müd sind, sind wir nunmehro im Ahnschlusse an den Septembris 27.sten fest und firm in unserem Entschlusse, gemähs göttlichem Ratschlusse und Willen durch=zuregirn, ohn die widernatürliche gleichmacherische Intentiones in weitere Betrachtungen zu nehmen gewillt sint.
    Derohalben haben wir ebenso beschlossen, ab diesem Tage unseren hochwohlgebornen, freiheitlichen & liberaln Edlen und Getreun allhier und alldort wo nöthen die Kommodität der Grand Hotels des Iles Borromées zu garantiern. Und unsern Baurn wie Untertanen haben wir hiermit gnedigst bewilligt, unsere bottes à l‘écuyère wie stivale da equitazione, welche daselbst vor dem Eingange stehen, à la robot zum Gottes=Lohne freundlichst zu seubern & reinigen, die Occasion haben werden.
    Damit seiet Gott befohln und guhte Recreatio in Lago Verbano, werter Borstenfrau mit geschätzter Mademoiselle, und seid also von uns , so euch mit allen gnaden genaigt, hinwider gegriest,
    Serenissimus
    Imp.A.Dux Germaniae Ackermerk, semper Augustus, P.P., etc, et Soc.

  17. regenwetter und lago maggiore...
    regenwetter und lago maggiore ist eine ungeschlagene mischung. alles klar.

  18. Helmholtzplatz,...
    Helmholtzplatz, Fehlentwicklung?
    Vermutlich meinen Sie damit die Entwicklung der letzten 10 Jahre, die überall als großer Erfolg gilt.
    Haben Sie das Viertel vor 1997 gesehen? Das gefiel mir viel besser. Aber Ihnen?

  19. ...bei dem jetzigen Wetter...
    …bei dem jetzigen Wetter handelt es sich laut Wetterdienst um einen sog. „Kältetropfen“ ( yeah, man hat ein neues Wort kreiert ). Der soll bald ausgetropft haben, aber wenn er Ihnen zu zusätzlicher Schärfe verhilft, dann solls wohl so sein. Lassen sie das Dynamit, das TNT, lassen Sie Semtex in Ihre Worte sickern…denn nicht nur, dass die Leute es lieben. Sie brauchen es mehr denn je.
    .
    Gruss aus dem verregneten Hessenland.

  20. Verehrter Geheimrat...
    Verehrter Geheimrat Borstenfrau,
    gerne gebe ich Ihnen eine kurze Antwort. Kurz deshalb, da mir zwischen zwei Doenern wenig Zeit bleibt. Ausserdem steht noch mein Flaschenbier auf einer Stele-ich moechte Unbefugte nicht in Versuchung bringen.
    Zur Sache: Beim Neubau des Stadtschlosses lag der Gedanke ein begreifbares Symbol unserer neuen, berliner Republik in den oeffentlichen Raum zu stellen. Eine schlichte Fassade, hinter der sich ein absolutes Nichts befindet, ist nach Auffassung aller Beteiligten die einzige angemessene Loesung.
    Ich hoffe, Ihnen hiermit gedient zu haben. Sollten Sie weitere Fragen haben, bin ich gerne bereit, unseren Stararchitekten-es wird sich sicher einer finden-zu bitten, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Seien Sie bitte nett zu ihm, er wurde als Kind zu heiss gebadet.
    Ewig der Ihrige, Ihr F.

  21. unrelated: das herz englands....
    unrelated: das herz englands. – ein zu schoener artikel, ihn nicht zu teilen.
    besonders auch dipsy wird er freuen. ich erinnere eine gewisse vorliebe fuer loechrige wollpullover.
    http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1049497/As-Boris-Johnson-attacked-unkempt-appearance-Olympics–Why-posh-people-scruffy.html#ixzz0QhQhThMp
    interessant ueberigens auch, dass schaebig nur in england gut aussieht. in deutschland nicht so.

  22. die spree zu einem see oder...
    die spree zu einem see oder strome aufstauen?
    das würde mir gefallen.
    zumal dann kein platz mehr für ein stadtschloß wäre.
    .
    apropos rosa:
    bewahr uns schinkel vor einem zweiten frauenkirchen-kitsch-desaster!
    .
    apropos frauenkirche:
    so schön wie dd`s riverside wird balin nie.
    .
    aber die sache mit dem see …
    nur echt seerosengeschmückt & mit gondeln!
    zurück in die romantik.
    in anpassung an die gesellschaftspolitische tendenz des krebsgangs.
    a la: vorwärts nimmer, rückwärts immer!
    .
    p.s.
    sie schelm, sie!
    irgendwo scheinen sie dieses dreckige nest zu mögen.

  23. Wie will man denn einen Fluss,...
    Wie will man denn einen Fluss, der bisweilen rückwärts zu fliessen beliebt, in solcher Weise aufstauen?! Also, bitte!

  24. Dabei ist es doch so einfach....
    Dabei ist es doch so einfach. Auf jedes Loch einen Flicken. Wenn man kein Loch hat, kann man eines machen. Für das Stadtschloss wurde ein Loch gemacht. Es geht darum, dass am Ende die Richtigen ihren grandiosen Sieg dokumentieren.
    http://www.duckhome.de/tb/archives/7119-7.-September-1950-Sprengung-des-Berliner-Schlosses.html
    Nun warten wir darauf, dass sich die Dinge wieder ändern und ein neues Loch entsteht, oder das alte Loch erhalten bleibt. Die Zeiten sind nicht gut für Schlösser und schon gar nicht für nachgeahmte Siegessymbolik innerhalb eines verlorenen Wirtschaftskrieges.

  25. nico, vielleicht mache ich...
    nico, vielleicht mache ich noch einen Beitrag über die Ruinen am Lago Maggiore, weil, hach, mein Herz! Meine Seele!
    .
    sadeler, wollen Sie dem hochwohlgebornen Landmann Ackermark aus der Schwyz unterthänigst bestellen, dass er Vorsorg treffen mag ob des Geschrey, das sein wirt bey seiner Mätress in Berlin, sintemalen die Ergebnyss der Wahlen zum gottgnädiken Königthums bekannt seyn werden. Sehe leider kein Fortkommen für die uckermarrcksche Union, und bin somit auch nicht kommodieret, bey den Welschen zu verweilen.

  26. Don Borstenfrau,

    so sei es - ...
    Don Borstenfrau,
    so sei es – aber Verzeihung: „Ackermerk“, mit Verlaub…

  27. Vielleicht könnte man der...
    Vielleicht könnte man der chinesischen Handelskammer mit einigen Grundmauerresten eine Freude machen-soviel wie dort schon gestanden hat, wird sich sicher was finden ..
    .
    wenn man an die Bauten des Potsadamer Platzes denkt,plus dessen Gesamtbild,
    graust es vor noch mehr Glas und Stahl.
    Ein Argument für rosa Gold und Prunk,wäre auch der Ansporn für kleineres Handwerk sich an dem Bau zu beteiligen; beteiligen zu dürfen.
    Dieses viele Geld wäre sinnvoll verteilt.
    .
    Soviel Gegenwind wie der Architekt Franco Stella einfährt.lässt ohnehin
    fraglich,ob das alles rechtens ist.

  28. SZ-Panorama vom...
    SZ-Panorama vom 16.09.2009:
    „Berlin brennt – Versicherer raten zum billigen Zweitwagen“
    Immer mehr Autos werden abgefackelt !!!
    Mehr sog i net

  29. Hochzuverehrender...
    Hochzuverehrender Serenissimus!
    Unterthänigster Unterfertiger dieses wäre Serenissimi Gnaden zu ewigen Danke verbunden, insofern Serenissimi Gnaden zum Gotts=Lohn wollen hinlängliche Collation hinzufügen. Allwo der niedere Pöbel in dieser Gott=losen Zeyt, dem HErrn seis geklagt, der hohen Kunst des von Lufft lebens sich gäntzlich entschlagen.
    Ihr in gäntzlicher Devotion ersterbender
    Savallus servitus

  30. Ach Borstenfrau, wie recht Sie...
    Ach Borstenfrau, wie recht Sie haben. Erinnern Sie sich noch an den Mob der weiland in zu Beginn des jetzt so strahlenden Jahrtausends versucht hat, das Projekt Stadtschloss mit allen Mitteln zu verhindern? Erinnern Sie sichnoch an die Schwächlinge, die sich dem Mob anbiedernd auf diese Zwitterlösung „Humboldforum“ eingelassen haben? Ja, mehr Rosa und Gold muss her. So wie die St. Petersburger Schlösser, Warschau und Danzig wiedererstanden sind, um dem Ungeist zu trotzen, so hätte auch das Berliner Stadtschloss als historisches Zentrum und Herz der Stadt wiedererstehen müssen. Disney-Land? Na und? Wer weiß in 200 Jahren noch, dass dieses Schloss 50 Jahre lang verschwunden war? Wer erlebt heute Warschau oder Danzig als Disney-Land?

  31. Ach was. Dieser ganze...
    Ach was. Dieser ganze Wiederaufbauwahn ist doch voellig daneben.
    Man hat Kriege verloren und kann sich nicht damit abfinden, dass es neben der Niederlage noch Kollateralschäden in Form zerstörter Bauwerke gab, deren Zeitgeist hoffentlich nie wieder kommt.

  32. Was das Berliner Schloss...
    Was das Berliner Schloss angeht, ist doch die Hauptsache, dass seinethalben Erich Honeckers widerwärtiger Plaste-Furunkel abgeräumt worden ist. Dieser versteinerte Politruk-Mief. Alles andere ist fast zweitrangig.
    Dass außerdem das ehemalige SED-Staatsratsgebäude (mit dem originalen Eosander-Portal) heute eine private „business-school“ oder so etwas ist, scheint der süßen Rache fast schon wieder zu viel.

  33. Tja, der werte...
    Tja, der werte hoch-groß-edelgeborne und mannfeste Don Geheimrat verschweigt in seinem discourssireten scharffgeschliffnesten ausgeputzeten Donnerkeil, dass das Volke Humblementissime der Herren so sehr viel enportanze gebet, dass sie euch von Spiessen Koepff abhauen und viel Schrecken in den Affterdarm catologiren werden, sollte die Protzfabrik mehr werden als nur Mäusenester im Kopff.

  34. @Hiddensee
    Was hat das eine...

    @Hiddensee
    Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wie und warum das Schloss zerstört wurde ist doch für die Frage, was an seiner Stelle wieder gebaut werden soll völlig gleichgültig. Weder mit dem Abriss noch mit dem Wiederaufbau von Gebäuden läßt sich der Geist vergangener Zeiten bekämpfen bzw. erneuern. Wir bauen nicht gegen die Vergangenheit, sondern für die Zukunft.

  35. Werter Don, Eine Nation, deren...
    Werter Don, Eine Nation, deren tausendjähriges Reich kaum 10 Sommer überdauerte und deren Versuch in dialektischem Materialismus so dialektisch geriet, daß er sich kaum 40jährig selbst aufhob, sollte in der Tat die Rückbaubarkeit ihrer Bausünden besser bedenken. (Gemessen an dem, was so symbolisch ausgedrückt werden muß reichte heute ein Zelt).
    Völlig überraschend ist da Preussen ein folgenswertes Vorbild: Während anderswo die „ohne Hosen“ die Messer nicht nur wetzten baute Kg. Friedrich Willie II seiner Proletin Wilhelmine (einer Kneipenbekanntschaft) ein „Marmorschloß“ in Berlin. Nicht etwa aus Marmor und für die Ewigkeit sondern aus Holz und Spanplatten der jederzeitigen Rückbaubarkeit wegen, Baumeister soll ein gewisser Ikeanus aus den nahen Schweden gewesen sein. Indess das Ding steht heute noch auf der Pfaueninsel und schimmelt und legt Zeugnis ab von preussischer Baukunst. Was für ein Vorbild !

  36. sadler, Savall,...
    sadler, Savall, Elitetraktorist, ich lese Ihre Texte gerade zum dritten mal und grinse noch immer

  37. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphonso,
    hat Sie Cato bezüglich Ihrer Aussagen zu Opel inspiriert?

  38. der Mann heißt: Humboldt,...
    der Mann heißt: Humboldt, ohnzielsetzlichst.

  39. Erlauchter Don,
    hochverehrte...

    Erlauchter Don,
    hochverehrte Damen und Herren,
    .
    bitter ist die Einsicht, aber heilsam, daß wir von echter Refeudalisierung noch sehr, sehr weit entfernt sind. Gut ist wieder mal das Gegenteil von „gut gemeint“.
    .
    Da pfuschen die Meisterbürger mit historisch abgepausten Architekturschablonen herum, die dann irgendwie „geüllt“ werden müssen — innen mit schäbigen Wärmestuben für die Kanaille, außen mit irgendwelchen Stuckverzierungen….
    Idiotische Materialisten die denken, ein „Schloß“ sei eine Immobilie, ein „Objekt“ aus Stahlbeton und Stuck und Mörtel.
    .
    Was soll da schon anderes herauskommen als ein ein Puff für Impotente?
    .
    Wo es doch sonnenkönigklar ist, wie man sowas richtig machen müsste:
    Man müsste das Berliner Schloß von Anfang an als exklusiven Residenzort konzipieren, wo nur die crème de la crème de la leistungselite Zutritt hat und wo gewöhnliche Leute wie Oberkellner und Oberbürgermeister nur durch den Dienstboteneingang hineindürfen.
    .
    Die Gestaltung der Luxusappartements hätte von Anfang an in enger Abstimmung mit den Haushofmeistern der Milliardäre zu erfolgen, die später auf Staatskosten darin residieren sollen. Ob italienische Renaissance, Louis XV oder faschistischer Monumentalstil, darüber braucht sich dann der Stadtentwicklungssenator genausowenig Gedanken mehr zu machen wie Frau Merkel über die Gästeliste im Kanzleramt.
    .
    Außer Luxusappartements muß der Ort natürlich auch noch eine – nichtöffentliche Opernbühne, einen riesigen Ballsaal, ein Schwimmbad auf dem Dach, eine Pferderennbahn im Keller und ein bis drei Eliteuniversitäten enthalten.
    .
    So — und nur so — könnte man in der Mitte von Mitte von Mittelmaßland endlich wieder ein Zentrum der zwischenmenschlicher Wertschöpfung errichten. Wir wollen keinen neuen Palast-der-Republik, sondern einen Ort der sozialen Ungleichheit mit Stil.
    .
    Feudalismus oder Barbarei, so heißt die Losung des neuen Jahrtausends.

  40. Sie schreiben aber auch eine...
    Sie schreiben aber auch eine flotte Feder, poisson. Die Borussen waren, bis sie ab 1850 der Größenwahn packte, ja olle Pragmatiker, also erstaunt mich das nicht wirklich. Der einzige Preußenkönig mit Kunstverstand war ja dann auch eher so aus der Art geschlagen, daß man sich fragt, ob seine werte Frau Mama nicht doch… Aber das tut man ja bei Calvinistens nicht.
    Die abgrundtiefe Feindschaft, die Demokratie und Repräsentation in diesem Lande verbindet kann ich aber gut aushalten. Sie hat ja auch ihre wohlbegründeten Ursachen. Immerhin zeugt es von bewundernswerter Konsequenz, wie über den Kanzlerbungalow in Bonn, den langen Eugen bis zum Wasserwerk sich ein Strang ästhetischer Verwahrlosung bis zu den jüngsten Berliner Errungenschaften zieht. Mir ist eine Bundeswaschmaschine in Hannoveraner Baracken-Barock allemal lieber als ein verhinderter Künstler, der wieder mal Reichsparteitagshallen plant. Ein Fassadenschloß mit einem gegen Null konvergierenden Nutzungskonzept ist auf jeden Fall überflüssig wie ein Kropf. Wenns denn für die Dahlemer Sammlungen eines neuen Gebäudes bedarf, dann sollen sie in Gotts Namen eins bauen. Wozu man dafür den Fassadenvorwand braucht, ist mir schleierhaft. Von mir aus kann man auch die freigelegten Fundamente so belassen (heute in Feuilleton ist ein Beitrag dazu). Vielleicht sagen dieses Ruinen über dieses Land und jene Stadt mehr aus, als jeder darübergestülpte Bau.

  41. Ok. Ich bin ueberzeugt....
    Ok. Ich bin ueberzeugt.

  42. Den Garten Eden für...
    Den Garten Eden für alle!
    @Don Alphonso: „Unser Land muss keine Pension für alle sein, sondern ein Grand Hotel mit Ballsaal für die einen und Dienstleistungsjobs für die anderen.“
    Knapper und besser kann man es wirklich nicht formulieren, bravo lieber Don, das Programm der Herrschenden Klasse, ganz besonders in Deutschland.
    Das Gegenprogramm heißt dann „naturgemäß“: Den „Garten Eden für alle“ (Kommunismus), unter zeitweiligem Ausschluss ehemaliger Ausbeuter und sonstiger „gefallener Engel“ (Sozialismus). So wie in: „Ein Tegernsee überall“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=399, bzw. http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/09/06/die-kanten-der-besseren-kreise.aspx
    @HansMeier555: „Feudalismus oder Barbarbei“? Sie kommen langsam zum ironischen Punkt, jetzt gefällt mir das schon besser.

  43. abf, wir haben eine famose...
    abf, wir haben eine famose Halle. Eine Halle zum Verlieben. Sollte draussen die gute, alte Welt untergehen, würde ich gern von dieser Halle aus zusehen.
    .
    HansMeier555, ich habe nicht den Eindruck, dass sich in berlin was seit Mai 45 verbessert hat. Jeder Stein, der dort über den anderen gesetzt wird, ist einer zu viel. Was die Örtlichkeit angeht: 2002/3 war das noch ein halbwegs akzeptabler Ort für das Ausgehen. 2008 war es dann schon mittelalt, kinderverseucht und generell reichlich tot.

  44. Gnädiger Don,

    Haben Sie doch...
    Gnädiger Don,
    Haben Sie doch einfach Erbarmen mit der Sandbodenstadt.
    Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.

  45. miner, nach diesem Tag im...
    miner, nach diesem Tag im Monsum lasse ich erst mal Tee in mich fliessen, dann sehen wir weiter. Ausserdem ist das nächste Thema äusserst freundlich gesonnen.
    .
    Filou, wollte man ein Symbol der Berliner Republik, würde ich empfehlen, eine grosse Käseglocke anzufertigen und dieselbe darunter frisch und froh zu halten, bis sich ein Käufer findet (symbolischer 1 Euro vielleicht?)

  46. HansMeier555, es ist nicht...
    HansMeier555, es ist nicht meine Schuld, dass Berlin so übel absäuft. Ein wenig mehr gutes Benehmen, etwas mehr Rücksicht, weniger Kriminalität und Rücksicht, und schon könnte man reden, in wie vielen Dekaden manche Bereiche wieder vorzeigbar wären.
    .
    abf, man braucht eben Sinn für Patina. Aber das kommt durchaus auch in Deutschland, keine Sorge.

  47. swina, ich war dort, und ich...
    swina, ich war dort, und ich weiss, dass ich es nicht mag. Für den deutschen See ein deutsches Kanonenboot, und alles wird gut. Im Schloss wusste man schon, wie das hierzulande geht.
    .
    Holgi, der Gott, der das Eisen wachsen liess, wollte sicher auch entsprechende Stauwehre.

  48. @Don
    was mir an Berlin so gut...

    @Don
    was mir an Berlin so gut gefällt ist doch gerade, daß ich mich dort richtig schlecht benehmen kann, ohne daß jemand gleich denkt, ich hätte was gegen ihn.
    .
    Monsieur, s’encanaillez-vous.

  49. HansMeier555, genau das ist...
    HansMeier555, genau das ist es: Dass man die Möglichkeit, das zu tun, auch als Vorteil auffasst. Und ich denke das natürlich. Wie auch anders, wenn man aus einer Region kommt, wo man andere nur anraunzt, wenn man sie anraunzen will.

  50. @Don
    Sehen Sie. Und die denken...

    @Don
    Sehen Sie. Und die denken Sie, Sie wären arrogant und eingebildet. Nur weil Sie sich mit elegantem Jackett mal in die U-Bahn verirren. Dabei hat Sie der liebe Gott so erschaffen.

  51. Herrliche Fotos, seufz, will...
    Herrliche Fotos, seufz, will Urlauuuub!!!!!.
    Habe den Link zu diesem Blog-Artikel auch einem Webportal-Kunden von mir gegeben (zwengs Thema Verlinkung. ) Warum grade dieses Blog hier? Weil die FAZ wie viele andere Online-Zeitungen kaum in ihren normalen „anständigen“ Artikeln verlinkt. Nada, rien. Fand halt nix. Was blieb mir also übrig, als zu diesem Blog zu greifen als Beispiel für farbige Links und für Verlinkung #zwinker#
    Next: auch zu diesem Blog zu greifen als Beispiel für Blogging. Das will er nämlich auch machen. Naja, wird mehr als ein lausiges Beispiel, wird ein Benchmark…

  52. aus dem Blickwinkel einer...
    aus dem Blickwinkel einer Darmbakterie:
    „Sie können sich an uns, wenn Sie haben besondere Anfrage, oder wenn Sie einen Architekten oder Designer und Sie möchten wissen, ein bestimmtes Projekt Glas. Unser Personal wird Ihnen helfen, zu schaffen Spezialglas Objekte auf Anfrage.“
    http://www.e-muranoshop.com/store/dettview.php?id=3323
    .
    Bitte, gern geschehen.

  53. Ätzend, diese unzuverlässige...
    Ätzend, diese unzuverlässige Technik, die halbseitige Beiträge durch Cursoreinfrieren frißt.-
    Bevor ich mich nochmal zu Stresa und Berlin auslasse, erstmal Grüße an @unellen und @wortschubse: bleibt, wie ihr seid, nämlich geradeaus, laßt euch nicht verbiegen und unglücklich machen.
    @HansMeier555: Das ist nichts, was der elenden Vulgarität abhelfen würde.
    Nun @Don:
    Der Regen scheint in Stresa ja arg aufs Gemüt zu schlagen. Im Sommer macht der Lago beim Wasserskifahren mehr Spaß.
    Ist die Wirtschaft in Stresa (es gibt nur eine, die wirklich was taugt, die mit der Weinecke) inzwischen wieder erholt? Als ich vor 6 Wochen dort war, bekam ich statt der bestellten Polenta – ich wollte endlich mal Polenta probieren, nun weiß ich immer noch nicht, wie das schmeckt – was anderes auf den Teller. Allerdings war es auch ein hektischer Tag und mein dreivierteljähriger Neffe war motzig, weil der Schoppen nicht zu seiner Zufriedenheit ausgefallen war. Und das gute Eiscafé hatte zu, das war sehr unmuterregend, denn das Eis vom schlechten Eiscafé reicht da in keinem Fall hin.
    Was mir in Mailand und Stresa aufgefallen war, waren die oftmals osteuropäischen oder asiatischen Kellner(innen). In Mailand in der U-Bahn waren diverse Afrikaner. Es scheint mehr Einwanderer zu geben als noch vor 5 Jahren, und sie kommen von weiter her.
    Insofern empfand ich es nicht als völlig gleich wie vor 5 Jahren. Aber nun bin ich wieder zuhause; am Sonntag habe ich mich über die Blumen im Charlottenburger Schloßpark gefreut, es war gerade mal schön ruhig, ziemlich touristen- und joggerfrei.
    Was das Berliner Schloß angeht, so hoffe ich inständig, daß sich der Baubeginn noch 10, gern auch 20 Jahre verzögert, denn bis jetzt ist das nur Murks. Von mir aus hätte man den Ballast der Republik ruhig noch ein paar Jahre für die Partypeople und Touristen stehenlassen können, dann hätte man sich solche Dinger wie temporäre Kunsthalle gespart.
    Über den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war ich sehr glücklich, aber das war ein einfacher Fall, denn eine Kirchengemeinde fand sich denn doch noch, wie es sich gehört. Das Schloß anders wiederaufzubauen als mit den Fassaden, den Innenhöfen und der Kuppel, die es hatte, wäre kein Schloß und somit vollkommen indiskutabel. Von außen ist es also völlig festgelegt.
    Was weniger bekannt ist: daß das Schloß schon zu Kinderzeiten von Willi 2 nicht mehr bewohnt war und eine reine Rumpelkammer, weil auch Kaisers im Winter nicht mehr frieren und die Eiszapfen vom Hahn hacken wollten (welcher Besitzer einer funktionierenden und bezahlbaren Heizung will es verdenken). Kurz, man bindet sich damit eine große, im Unterhalt teure Immobilie an den Hals.
    Die Dahlemer Sammlungen gehören auf die Museumsinsel, keine Frage. Als einzige ins Schloß gehören sie nicht. Ins Schloß gehören Kaiser- und Königskronen, der Erstdruck von Kants Werken, Silberkännchen, Porzellane, alt- und mittelhochdeutsche Handschriften, eine Auswahl an Waffen und ein paar Textilien. Bach, Goethe, Wegener, Humboldt, Grimmelshausen, Caspar David Friedrich, Novalis. Nicht zu vergessen Piefkes Glanz und Gloria, damit auch Ösis und Briten sehen, was eine Harke ist, Grimms Märchen und Wilhelm Buschs Lob des Sonntagsbratens. Erbstücke nunmehr deutscher Provenienz eben, die geblieben sind.
    Zum Wohnen ist das nichts, aber man wird Besuchertoiletten, einige Büroräume für Kuratoren und Historiker, diverse Magazinkeller, Werkstatt, Pförtner und Museumsshop brauchen. Gastronomie könnte auf der Schloßfreiheit untergebracht werden. Es sollte Raum für Sonderausstellungen vorhanden sein. Ich glaube, damit ist es reichlich voll.
    Berlin hat eine klassizistische Ader. Wenn es nicht in Hektik verfällt, macht es seine Sache manchmal richtig gut.

  54. Ich fürchte, man wird mich...
    Ich fürchte, man wird mich des Aufruhrs bezichtigen, da ich soeben rund drei Minuten recht schallend gelacht habe.
    Vielleicht könnte man die Kandelaber auf Bild Nr. 7 besser abmontieren lassen. Sie machen auf mich in macherlei Hinsicht einen etwas unruhigen Eindruck.

  55. @ colorcraze: Also...
    @ colorcraze: Also Grimmelshausen kann das ja egal sein, Caspar David Friedrich und Novalis vielleicht auch noch, aber den ollen Geheimrat G, und Johan Sebastian und zumindest Humboldts Alexander ins Stadtschloss? Ne, die gehören da nun wirklich nicht hin. Die Dahlemer Sammlungen auf die Insel ist gut. Aber was wird aus Dahlem ohne? Fährt die U-Bahn demnächst nur noch bis Podbielskiallee? Das würde reichen, da steigen die meisten Studenten ein und aus, wenn sie nicht in Dahlem wohnen. Hatte ich mich schon als Charlottenburger geoutet? Im Schlosspark fallen demnächst wieder einige alte Bäume dem „Baumschnitt“ zum Opfer. heute sah ich schon die Obergärtner aus Potsdam, wie sie Maß nahmen.

  56. Ach! Berlin.
    "Georges, das ist...

    Ach! Berlin.
    „Georges, das ist nicht Europa“, mir mein treuster katalanischer Freund letztens in PrenzlBerg skandierte. 10 Mark für die „soup de canard“. Ja, so iss…
    Auch die 20 Megatonnen, die bei Putin & Nachfolger oder eben in Islamabad extra für die „200 Dörfer östlich der Elbe“ zu bestellen seien blieben nicht unerwähnt. Das Stadtschloss ist eh nur für Touristen aus den zivilisierten Zonen; von daher reicht Ost-Platte IV zur Re-Konstruktion. Berlin ist nicht einmal auf Sand gebaut, so auch Schiller irrte. Die neue Mauer wird elektronisch hochgezogen. An der Ostgrenze Neu-Charlemagnes, also kurz hinter Würzburg, Heilbronn und Rosenheim. Nürnberg wird fallen. Der Rest bleibt da wo er immer war. Unbefriedete Gebiete des deutschen Ordens, meinetwegen auch aus Königsberg geführt. Berlin, eine Laune der Geschichte.

  57. Jochen Hoff, nun ja, meine...
    Jochen Hoff, nun ja, meine Überlegung ist: Nachdem Sozialismus und Kapitalismus versagt haben und sich keiner mehr an die Oligarchie erinnert, wird man wohl auf letztere zucückgreifen. Ist ja auch schön einfach.
    .
    sadeler, oh pardon. Werde es geziemend zu verwenden wissen.

  58. kleinerberg, was dem...
    kleinerberg, was dem schwäbischen Bürgermeister seine Sparkasse, ist eben Berlin der Potsdamer Platz, incl. des Beisheimtraumes seines gülden verzierten Centers.
    .
    Don Ferrando, ich glaube nicht, dass das hilft. Dem Berliner ist es doch egal, was brennt, den jedes Auto ist für ihn ein Statussymbol. Überhaupt wie alles, was noch heil und nicht besudelt ist.

  59. Reverendissime Savallus...
    Reverendissime Savallus Dominus, so sey es allhier und immerzeyt angeraten.
    .
    elbsegler, allein aus Gründen der artgerechten Palasthaltung muss da auch ein richtiger Hofstaat rein. Man denke nur an Staatsgäste und Touristen! Mit sowas kann man richtig Geld verdienen. Überhaupt sollte Deutschland wieder zu seiner Geschichte stehen. Es war ja nicht alles schlecht, an der Marne.

  60. Hiddensee, ein Volk, das an...
    Hiddensee, ein Volk, das an den Arier als Vorfahren glaubt, das glaubt auch, dass das Stadtschloss – seinerzeit ein grässliches Konglomerat vollkommen stilfreier Gewaltherrscher – die deutsche Geschichte bereichert.
    .
    B.A.H., immerhin hatte das Staatsratgebäude den Vorteil, dass es noch stand. Und die Idee, das Symbol der einen Diktatur gegen die Protztorte der anderen Diktatur auszutauschen – und so zu tun, als sei letztere eine feine sache gewesen – ist schon eztwas dreist. Aber es erwischt ohnehin nur Berlin, ich bin in Italien, und Stresa ist sehr schön.

  61. herr doktor,
    .
    das ist es....

    herr doktor,
    .
    das ist es. historisierende plattenbauweise, wie exemplarisch zu berlin im nikolaiviertel zu besichtigen. wers nicht weiss, hält das dann auch für echt, ist es ja auch.
    .
    kann der renner werden für alle die, die historischen touch wollen und denen fassadenkunst/kunstfassade a la römer, frankfurt, zu teuer ist. möbiliert wird das dann mit ikea, so wächst zusammen, was zusammengehört.

  62. don,
    .
    ich sehe das...

    don,
    .
    ich sehe das kaffeetisch-buch „schwäbische sparkassen“ schon direkt vor mir.

  63. Don, bitte keine Ausfälle...
    Don, bitte keine Ausfälle gegen die Inder!

  64. Werter Kunstrat! Ein solches...
    Werter Kunstrat! Ein solches Buch ist mir jüngst in die Hände gefallen. Es befaßt sich zwar nicht mit Sparkassen, sollte aber das Herz eines jeden schwäbischen Sparkassendirektors im Leibe hüpfen lassen. Es geht immer noch einen Tick, äh, kostengünstiger. Hier gibt es ein paar Bilder, leider stark verkleinert:
    http://davidspero.co.uk/imagepages/churches/001churches.html

  65. @Don Alphonso
    Das wäre eine...

    @Don Alphonso
    Das wäre eine gute Idee: „Das Schloss“ als Dauer-Doku-Soap mit Hofstaat, Kaiser incl. Living History mit Wachwechsel und drei mal Parade am Tag. Das Schloss wäre innerhalb weniger Jahre mit den Eintrittsgeldern bezahlt. Nach einiger Zeit könnte keiner mehr Inszenierung und Wirklichkeit unterscheiden und wir könnten uns die Wahl des Bundespräsidenten sparen. Aber dann stünde ja wieder ein Schloss leer …

  66. Clash of...
    Clash of Civilizations

    Personal:
    Zuschauer 1 u. 2 (kennen sich nicht)
    Postbediensteter (schwarze enge Lederhose, Jeansjacke)
    Süddeutscher Briefeschreiber
    Szene: Ein lauer Sommerabend vor einem Zustellpostamt in Berlin-Charlottenburg. Zuschauer 1 u. 2 stehen einen Bierdosenwurf vom gelben Briefkasten mit der Aufschrifft “ Letzte Leerung 20:30″

    20:25 Der Postbedienstete entsteigt einem gelben Fahrzeug, klemmt einen Postsack an den Kasten und dreht einen Hebel. Im Fallen der Briefe betritt der Süddeutsche Briefeschreiber die Szene.
    SB: „Guten Abend, können Sie den (hält triumphierend einen Brief hoch) noch mitnehmen ?“
    P:“Hamse keene Oochen im Kopp, se sehn doch, et is schon jeleert“
    SB:“Was soll denn der Sch…, ich werde mich über Sie beschweren.“
    P:(amüsiert)“Na erlauben se ma ick bin Bundesbeamter“

    P in sein Fahrzeug und ab.

    Zuschauer 1 (zu 2 gewandt aber laut, beifällig, Sportkommentator-Ton):“ Na det hat er ihm aber jut jejeben.“
    Zuschauer 2 (zunächst abwägender Blick) überlegt kurz,
    nickt dann.

  67. don, freut mich, dass der...
    don, freut mich, dass der artikel gefallen hat. deutsche patina. fast ein oxymoron. bayrische lederhosen bilden da die loebliche ausnahme.
    sonst in deutschland, auch wenn man etwas verarmten adel in alten schloessern besucht, wird eher der schein des ‚anstaendigen‘ gewahrt, und alles angenagte und abgegriffene wird moeglichst so gedreht und drapiert, dass man es nicht sieht. – wenn die zuenftigspeckigen lederhosen nicht waeren, deutschland muesste sich in grund und boden schaemen ob unserer jaemmerlichen spiessigkeit.
    danke bayern.

  68. @Don
    In Berlin können...

    @Don
    In Berlin können Hartz-IV-Empfänger menschenwürdiger leben als irgendwo sonst.
    Grüße vom Arzberg

  69. @ abf
    Zugegeben, ich besuche...

    @ abf
    Zugegeben, ich besuche eher selten „etwas verarmten Adel“ in Deutschland, habe aber so meine Zweifel, ob Sie dieses Land kennen. Außer speckigen Lederhosen kann man in unseren Breiten reichlich „Patina“ sehen, auch außerhalb des weiß-blauen Wunderlands, dem auch der Don in innigster Hassliebe verfallen ist – wo wir doch beim Thema Oxymora sind.
    Wir armen Seelen nördlich des Weißwurstäquators wissen um unsere mindere Existenz. Expeditionen ins Bayernland lassen uns aber regelmäßig zur Kenntnis nehmen, dass ihre Lederhosenwelt manchem entsprechen mag, aber nicht dem Alltag.

  70. Patina gab es in Berlin, Prag,...
    Patina gab es in Berlin, Prag, Krakow und Wilnius genügend.

  71. @Zerlina:
    Sehr zartfühlend...

    @Zerlina:
    Sehr zartfühlend ausgedrückt, die Kritik an der Fassade Nr. 7. Tja, Dahlem… das hat noch seine Domäne, ansonsten wird Zehlendorf halt schätzungsweise vor allem der letzten Silbe seines Namens die Ehre geben und sich weiterhin selbst genügen. Die Bäume sind im Schloßgarten schon ab und an morsch, da muß mitunter was ab, bevor es auf Spaziergänger fällt. Die türkis-goldenen Blumentöpfe, die es dort seit ein paar Jahren hat, amüsieren mich. Die Parterre-Rabatten sind hervorragend gelungen in der Bepflanzung, ich hoffe, daß man sie auch die nächsten Jahre so anlegt.
    @Don:
    Der Vergleich des Potsdamer Platzes mit der örtlichen Kleinstadtsparkasse hat was. – Nein, es ist den Berlinern nicht egal, wenns wo brennt. Wenn ein Haus brennt, ist das Stadtgespräch und wird als richtig schlimm empfunden. Nur Autos haben noch nie so wirklich interessiert, denn Innenstadtbewohner erleben sie vor allem als im Weg stehende Verkehrshindernisse. Das libidinöse Verhältnis des Vorstädters zum Auto war ihnen auch vor 25 Jahren schon fremd. Die Leidtragenden der Kreuzberg-Friedrichshainer Zündel-Folklore sind vor allem die Handwerker und Ladenbesitzer, die dort ein Geschäft haben.

  72. elbsegler, hoch interessant....
    elbsegler, hoch interessant. ich verstehe nur nicht ganz.

    HansMeier555, jawoll, gibt es in berlin. aber das ist eher sone loft-patina. ich meine da was ganz anders. eher so richtung krakow, ist aber nicht deutsch.

  73. Ich war mal gerade auf der...
    Ich war mal gerade auf der Seite des erwähnten Beisheimcenters.
    Tatsächlich vermitteln einem die Innenansichten, psychodelische Tempel,
    die eine Mischung aus Kälte,Drogen und Trance vermitteln.
    Nimmt man die Stabi, die Philharmonie und die Neue Nationalgalerie( einzig da
    sehe ich gelungene Absichten in der Klarheit), dazu-
    dann fühlt sich alles an wie ein Kratzen im Hals.

  74. @abf
    q.e.d....

    @abf
    q.e.d.

  75. Werter Don ich halte es da mit...
    Werter Don ich halte es da mit Ihnen und finde Berlin ebenfalls versenkungswürdig!

  76. @abf
    ich schrieb nicht "gibt...

    @abf
    ich schrieb nicht „gibt es“, sondern „gab es“.
    .
    Am Antlitz des heutigen Berlin sind die West- und Süddeutschen schuld. Wenn der Kollwitplatz zum Ballermann des Freiburger Bildungsspießers verkommen ist, dann können die Berliner selber am wenigsten dafür.
    Der Don fühlt sich dort fremd, unverstanden, umgeben von Leuten, die anders denken, fühlen und reagieren als seine besitzbürgerlichen Pappenheimer in den dummen Städten zwischen Salzburg und Stuttgart.
    Für sein sozial-kulturelles Kapital (Biber, Mayr, Kaseln und Asamkirchen…) kann er dort keine Zinsen erzielen. Sein Gefühl kultureller Überlegenheit verschafft ihm keine Befriedigung, da er niemanden mehr findet, dem gegenüber er sie ausspielen könnte. („Wat erzählste da, Alter?“)
    Das Bild vom Staudamm drückt nur aus, wie er sich jetzt schon dort fühlt: Erstickt und begraben unter dem kalten Ozean gottloser, post-bürgerlicher Ignoranz. Eine U-Bahnfahrt als seelisches Waterboarding.
    .
    Lieber Don, warum fahren Sie nicht einfach weiter nach Stettin oder Danzig? Diese Städte sind jetzt nach 400 Jahren Unterbrechung wieder katholisch wie Bayern schon lange nicht mehr.

  77. Was Berlin immer gefehlt hat,...
    Was Berlin immer gefehlt hat, und womit es mit anderen Grossstaedten Europas durchaus vergleichbar ist, ist ein gewisser Zauber. Zauber? Berlin verkoerpert eine platte Realitaet, wenn man so will: Diesseitigkeit mit aeusserst begrenzter Tradition und unklaren Aussichten in die Zukunft. Das liegt in der Vergangenheit (nicht nur WK II) begruendet. Als Grossstadt ist Berlin zu jung, um Menschen mit einer anderen inneren Melodie als Hip-Hop ein heimisches Gefuehl zu vermitteln. Ich moechte behaupten, dass Berlin mit Gefuehl ueberhaupt nichts am Hut hat. Unsentimentalitaet ist ganz sicher kein Nachteil, aber um diesen gewissen Zauber zu spueren, muss man auch nicht sentimental sein. In 50 bis 100 Jahren, wenn dann hoffentlich eine eigenstaendige Kultur sich entwickelt hat-vielleicht! Vielleicht aber auch erst nach tausend Jahren Geschichte. Haha, das erste Millenium wurde jedenfalls von Berlin ausgehend prima vergeigt. Das darf man nicht vergessen. Eine Landschaft praegt den Menschen; eine Stadt ebenfalls. Auch Berlin praegt!

  78. Schöne Fotos, interessanter...
    Schöne Fotos, interessanter Artikel! Nur der Diskussion kann ich nicht ganz folgen.
    Schade …
    Aber welcher Berliner sieht schon beim Thema Stadtschloß wirklich durch?

  79. In Potsdam bauen sie übrigens...
    In Potsdam bauen sie übrigens auch noch ein Schloß.
    Da mal nachhaken.

  80. elbsegler, wenn wir für die...
    elbsegler, wenn wir für die Zukunft bauen (was ich doch etwas bezweifeln möchte, schliesslich ist die Damnatio memoriae immer Abrechnung mit der Vergangenheit), dann wäre eine Grünanlage etwas Feines gewesen, und nicht der nächste adelssüxhtige Kleinbürgerprotz, mit dem sich da manche verwirklicht sehen möchten. Und angesichts der zerbröckelnden historischen Qualitätsbauten an anderen Orten ist es eine echte Peinlichkeit, was man sich in Berlin leistet.
    .
    poisson, das Rokoko war überhaupt – auf sehr hohem Niveau – von einer fast ikeahaften Gesinnung – kleine Möbel für den Transport etwa, chinesischer Imariplunder als Wandschmuck. Was die Bundesrepublik angeht, die ja eine Weile gehalten hat, so würde man vielleicht Deckefluter verbindlich vorschreiben wollen, Wohnlandschaften und immer ein Eckchen für die Buddhastatue, mit austauschbaren Merkel- oder Steinmeierkopf. Architektonisch vollkommen egal, Hauptsache stillos und leicht zu putzen.

  81. JanChris, auf jedem Pass, den...
    JanChris, auf jedem Pass, den ich befahre, ist stets irgendwo ein Opel Astra oder Vectra zu überwinden: Hässlich, langsam, und bremst immer im Scheitel der Kurve. Automobilistische Lebensversager. Opelfahrer streuen massenweise Parmesan über ihre Trüffelravioli. Opelfahrer hören Kuschelrock und haben Deckenfluter und lesen mit Vorliebe Lidlprospekte. Ist man dann erst an ihnen vorbei, öffnet sich ein grandioses Panorama, das man eigentlich geniessen wollte – aber kaum hat man es genossen, keucht der Opel wieder heran. Ich mag Opel nicht. Schlechte Autos für eine schlechte Lebensauffassung.
    .
    Savall, genau das sage ich: Diese Stadt sah in Ruinen gar nicht mal so schlecht aus. In jeden ordentlichen Landschaftspark gehörte eine saubere Ruine! Warum nicht auch in den urbanen Wildpark Berlin?

  82. Devin08, nachdem ich mich mit...
    Devin08, nachdem ich mich mit solchen Immobilien auskenne: Dort gibt es für Heerscharen immer was zu tun, allein, man muss ihnen auch noch Benehmen beibringen – was in Berlin nicht so leicht ist, aber hey! Die konnten marschieren, vielleicht lernen sie auch noch höfliche Fragen.
    .
    Vroni, ich habe auch noch Monsunbilder und Material für den Test „Hält ein britischer Koffer von 1929 nach 80 Jahren immer noch das, was an Tropentauglichkeit in der Werbung versprochen wurde?“ ZUm Glück hatten wir eine tolle Halle.
    .
    Ansonsten: Ich linke auch nicht gerade gerne. Ich halte Links für überbewertet.

  83. 'seelisches Waterboarding' -...
    ’seelisches Waterboarding‘ – schoene metapher, HansMeier555. busfahren ist richtig schlimmm, ueberall.

  84. rokoko von fast ikeahafter...
    rokoko von fast ikeahafter gesinnung. originelle analogie. da geh ich mit, don.

  85. @Filou, in Berlin morgens um...
    @Filou, in Berlin morgens um neun aus dem Haus zu treten, frische Luft mit einer Brise See zu atmen, dann durch die menschenleere und menschenstille Mommsenstrasse, ueber die Knesebeck in den Kurfuerstendamm zur Arbeit zu gehen hat schon einen eigenen Swing, eben keine city that never sleeps, mehr ein Gehen in Stille schaffendem Schnee und dies oh Wunder im Sommer.

  86. Doch, das kenne ich schon,...
    Doch, das kenne ich schon, Thairat. Bloss das ist am fruehen Morgen. Und das ist das ehemalige Westberlin. Darum ging es mir aber nicht.
    Ich moechte jetzt nicht meine Lieblingsstadt zum Vergleich heranziehen, denn ich zielte eigentlich auf die Abwesenheit einer sich kontinuierlich entwickelnden Stadtkultur. Was diese betrifft, hat Berlin einfach Pech gehabt. Als ich dort als gelernter Koelner (und geborener Hallenser) lebte, war mir sehr schnell klar, dass ueber die laecherlichen 1 1/2 Jahrhunderte den Buergern dieser Stadt etwas nie gegeben wurde: die Chance, wirklich ein echter Berliner zu sein. Das drueckte sich besonders deutlich im staedtischen Lokalpatriotismus aus. Es fehlte einfach etwas-wahrscheinlich die laessige, grosszuegige Toleranz.
    Ich weiss nicht, wie der Berliner NACH dem Mauerfall ist. Mein letzter Besuch Berlins fand genau am 10. November 1989 statt. Wegen des Mauerfalls. Seitdem schenke ich mir vorlaeufig weitere Besuche. Ich bleibe aber hoffend.

  87. @Thairat: die Knesebeck ist...
    @Thairat: die Knesebeck ist mir auch recht angenehm.
    @Filou: Berlin ist tatsächlich eine recht junge Stadt, als Großstadt jedenfalls. Muß aber nicht nachteilig sein, weil sich dadurch der Pioniergeist noch nicht so völlig verflüchtigt hat. Und immerhin hat es Berlin in den 1920ern geschafft, die seit der Jahrhundertwende angedachte Vereinigung mit den Umlandgemeinden zu vollziehen und wurde dadurch die größte Stadt Deutschlands. Das Rhein-Ruhrgebiet wartet da heute noch drauf und agglomeriert immer noch vor sich hin in bergisch Pepita. In der Innenstadt sind die Häuser größtenteils über 100 Jahre alt, die sind schon eingewohnt – sooo neu ist es nun auch wieder nicht. Zauberhafte Ecken gibt es eigentlich nicht wenige, man muß bloß die Zeit haben, die Gewühlzeiten vermeiden zu können, dann kann man sie sehr genießen. Ein New Yorker Schriftsteller, als Stipendiat zu Besuch, war sehr irritiert ob der Ruhe und des hörbaren Vögelgepfeifes in einer Stadt.
    @Don: Sie fahren kein sehr breites Auto, das ist geschickt, um um Stresa herum den Berg hochzufahren.

  88. ... fest steht jedenfalls,...
    … fest steht jedenfalls, daß die königl-bayerischen Truppen weder 1866 noch 1870 viel getaugt haben. Damals, 1866 (oder vielmehr schon 1848/49) hätte doch der Moment sein müssen, etwas wirksames gegen die preußische Vormacht zu unternehmen. Leider waren sie dazu unfähig, und das müssen sie durch 100 Jahre Ressentiment wiedergutmachen.
    Warum sich der Führer ausgerechnet Oberbayern zu seiner Wahlheimat erkoren hat (und nicht etwa die Ueckermark) kann ich mir indessen auch nicht erklären. Auch Bayreuth liegt ja nicht in Pommern.

  89. Vo Zouz nach Davos wären es...
    Vo Zouz nach Davos wären es nur knapp 70 Kilomter gewesen, vor der Abfahrt von Zuoz an den See.
    OK, Don hat sein Thema gefunden. Und es ist eine Freude, wie er es handhabt.
    .
    Für Momente oder Stunden der Nicht-Betrachtung der anderen (und ihrer Fehler/Unmöglichkeiten), zum Verweilen in reinerem Sein also, bieten sich viele Orte an, so für uns auch schon Mal folgender:
    .
    http://www.davos.ch/sommer/services/website-info/suche/adresse.html?uk=NO&adr_id_kategorie=7D642364-ECF3-334A-87D9-757A6C6ACB28&id_adresse=ECB6D369-E90C-44CF-B485-40C46CF5798E&img_table=&lang=de
    .
    http://www.waldhotel-davos.ch/de/13/home.aspx
    .
    Und weiter bleibt positiv zu vermerken, dass Don so auffallend gern über die Pässe kurbelt. Die Übergänge zwischen den Gipfeln nutzt, um voranzukommen. Anstrengung nicht scheut. Sondern sucht. (Was auch sonst?)
    .
    Und doch hieße auch dies nicht recht eigentlich eine Selbstverständlichkeit loben? Denn im ICE mit sozial Entrechteten durch besonders teure, gerade, komfortabel breite Betonröhren hindurchbefördert zu werden (natürlich nur für den Zug komfortabel und seine Räder), auf nahtlos verschweißten Schienen höchster Gleichmässigkeitsgüte den Pass und die Aussicht von ihm und das Verweilen dort oben eben nicht erlebt zu haben, dass ja genau der Zweck der Tunnelei: Nutzmenschen in Nadelstreifen sollen die Scheuklappen besser nicht abgelegt bekommen: Die Verblendung deren, also ihr Weltbild soll natürlich vollkommen sein. Nahezu fast hermetisch (*g*).
    .
    Das also Überfluß und Verbrauch und Zeitverbrauch den Luxus ausmachen überhaupt nicht neu. Und kaum erwähnenswert. (… wie Don es also macht unser Vergnügen)
    .
    (Und für manch zeitgeistmässig besonders Schlaue wären „Tunnel“ eh nix weiter als Anzeichen einer möglichen depressiven Strukturphantasiebildung: Gerade auch unter Diplom-Psychologen gibt es abhängig Beschäftigte, deren Weltbild ggfls. noch enger ist, als das der Manager. Das aber mal wieder nur am Rande. Don aber hatte eh nie davon gesprochen, oder auch nur angedeutet, dass er jemals den Tunnel den Pässen vorgezogen, g)
    .
    Und immer wieder auch Sintra. http://images.google.de/images?sourceid=navclient&hl=de&rlz=1T4GZEZ_deDE308DE308&q=sintra+portugal&um=1&ie=UTF-8&ei=kje1SpnmG9DJ_gbI64izDQ&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=5
    .
    http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,187867,00.html
    .
    .
    Wie gesagt: Don hat sein Thema gefunden, ist ganz Chronist der Zeit. Auf seine, ihm ganz eigene gute Art finden wir.
    .
    Dabei ist es im Grunde ja nur überaus natürlich, das andere anders sind. Und auch mal gerne. Gar nichts anderes sein wollen, nicht höher hinaus, oder aktiv die Selbstentfremdung überwindend den Tag angehen wollen, oder die Woche oder das Leben. Sondern einfach sie selbst sein wollen, hier und jetzt und wo sie sind und auch hingeboren.
    .
    .
    Das Leben bleibt wie bekannt u. u. eine einfache 2×2 Matrix. Z.B. mit den bekannten vier Möglichkeiten:
    – leichte Arbeit,
    – schwere Arbeit,
    – hoch bezahlte Arbeit,
    – niedrig bezahlte Arbeit.
    .
    Und es hieße es nicht u. u. die Menschen zu verhöhnen, wenn man ihnen Dummheit und Bequemlichkeit unterstellte, weil sie in großer Zahl Arbeit exakt richtig in die vier Kategorien unterscheiden können (richtig! nicht falsch: falsch wählen hier nur Dumme!), und dann sogleich treffsicher und gelungen (wichtig! gelungen!) für sich die eine gute Wahl treffen zu können, getroffen zu haben, nämlich die leichte hochbezahlte Arbeit erkannt, angestrebt und auch erreicht (!) zu haben … . Im Errreichen der Ziele erst liegt bekanntlich der Triumph(g).
    .
    Das auch die schwere, schlecht bezahlte Arbeit Erkenntnisgewinn brächte, wäre da nicht so wichtig, oder? Denn wer bräuchte schon mehr Erkenntnis? Und schon gar Erkenntnis als Gewinn?
    .
    Oder gar das Leben erst als wirklich gelungen zu empfinden, wenn man die 2×2-Matrix vollständig sich ausgefüllt hätte? Als das eben, was man „postmodernen Polyperspektivismus“ nennte?
    .
    Nein, das kann man „den Völkern“ nicht vorwerfen. Aber den Eliten auch nicht: denn wer von denen aus der kleinen dummen Stadt lebte schon so? Die dort die Elite geben? Bewußt die 2×2-Matrix erkennend und ausfüllen wollend?
    .
    .
    Ganz bestimmt wenden sich Dons Blogs eben auch an die der Bürgerlichkeit quasi gegenüberliegende Seite: ans Künstlertum. Trakl passt hier wohl auch:
    .
    http://www.gedichtepool.de/autor/autor_t/trakl.htm
    .
    „Grodek
    .
    Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
    Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
    Und blauen Seen, darüber die Sonne
    Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
    Sterbende Krieger, die wilde Klage
    Ihrer zerbrochenen Münder.
    Doch stille sammelt im Weidengrund
    Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
    Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
    Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
    Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
    Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
    Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
    Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
    O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,
    Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
    Die ungebornen Enkel.“
    .
    (Bei Grodek war eine Schlacht im ersten Weltkrieg, und Trakl diente als Sanitätssoldat)
    .
    „Untergang
    .
    Über den weißen Weiher
    Sind die wilden Vögel fortgezogen.
    Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
    .
    Über unsere Gräber
    Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
    Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
    .
    Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
    Unter Dornenbogen
    O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.“
    .
    So weit ist ja das (Klein-)Bürgertum bei uns im Moment noch nicht. (und Trakl schlief mit seiner Schwester, sie trieben ein gemeinsames Kind ab, nahmen auch Morphium zusammen.)
    .

  90. @HansMeier555. Mei...
    @HansMeier555. Mei liaba…
    …ich heb gestern ferngesehen. Jo, Bayern III. Da habe ich erfahren, dass im 1ten Weltkrieg bayerische Piloten in Palaestina, im Kibbutz Merhavia, Zionisten gegen die Araber verteidigten. Ok, die Piloten hatten auch andere Aufgaben, aber DAS haben sie auch getan.
    Do legst di nieda, wos?

  91. Dös worn bayerische...
    Dös worn bayerische Kibbuzzeln.
    „Schallomm, sog I“

  92. Ganz famohser Beitrag,...
    Ganz famohser Beitrag, nachgerade entzückend, da spreizt sich mein kleiner Finger ab, so bin ich hingerissen. Chapeau! Meister Don!

  93. Oh bitte, keine Ursache, mit...
    Oh bitte, keine Ursache, mit dem allergrössten Plaisier!
    .
    perfekt!57, ein Freund meinte, er müsse das Wort „fonsen“ prägen: Ungewöhnliche Anstrengungen unternehmen für Ziele, die zu erreichen anderen unsinnig oder nicht nötig erscheinen. Und ja, natürlich liebe ich Pässe. Ich stelle mir das ideale Leben als einen einzige Abfolge von Pässe vor, als Tanz zwischen Serpentinen, als hinaufschrauben zur dünnsten Luft und hinabsinken in grüne Täler. Ich bin nicht sentimantal, aber meine Psyche kommt an Grenzen, wenn ich mit der Missa Salisburgensis an einem sonnigen Tag zur eisgekränten Spitze des Jaufenpasses hochfahre.

  94. Don Alphonso, sind Ihre...
    Don Alphonso, sind Ihre Kommentare zum Thema Opel Sarkusmus? Wenn ja, dann hören Sie hier auf, den Kommentar zu lesen.
    Wenn nein, dann bin ich schockiert, wie oberflächlich und affektiert Sie sind, und möchte betonen, dass Deutschlands „bessere Gesellschaft“ für eine solche Haltung nicht steht. Unsere (Ihre? Vielleicht eher doch nicht) Schicht ist stolz auf Werte wie Leistungsfähigkeit, Traditionen, und, in diesem Zusammenhang ganz besonders wichtig, darauf, dass mein kein oberflächliches Leben wie weite Teile der Gesellschaft führt.
    In dieser Hinsicht ist es ein Armutszeugnis, dass Sie Menschen gemäß ihre Autos beurteilen und verurteilen. Bei uns in der Familie hat man durchaus Respekt für Menschen, dir über derart oberflächliches Denken in Statussysmbolen erhaben sind.
    Außerdem: Haben Sie sich ihr Auto (was auch immer das sein mag, ein Opel ja wohl nicht) erarbeitet, oder haben Sie es von ihrer Familie bekommen? Stellen Sie sich vor, sie wären in anderen sozialen Verhältnissen aufgewachsen, hätten jetzt keine Wohnung am Tegernsee, müssten im Büro bei irgendeiner Zeitung arbeiten, und hätten am Ende gar noch einen Opel? Würde Sie das zu einem schlechteren, oder anderen, Menschen machen?

  95. Nun, Debütant, das nächste...
    Nun, Debütant, das nächste mal lasse ich auf dem jaufenpass eine Kamera mitlaufen. Es ist nun mal so, dass gewisse Fahrzeuge gewisse Typen Fahrer anziehen – kein Problem auf der Autobahn, aber wenn es diffizil wird, die Hölle für den ambitionierten Sportfahrer. Ich rase keine Pässe hinauf oder hinunter, ich mag nur sauber gefahrene Kurven und das Wechselspiel aus Gas, Bremse und Schwerkraft. Opelfahrer können das in den allerseltensten Fällen, denn weder sind diese Autos dafür entwickelt, noch sind die Fahrer dazu befähigt – wären sie es, würden sie keine Opel kaufen, denn dann wüssten sie, wie ein Fahrzeug sein muss. Es gibt wunderbare, opeltaugliche Alpenübergänge. Trotzdem ist auf jedem Pass immer ein Opel vor mir. Mitunter warte ich sogar, bis ein Opel 5 Minuten Vorsprung hat, weil ich denke, dass er die Strecke in 15 Minuten schaffen sollte, für die ich 10 Minuten brauche. Meistens klebe ich ein paar Kurven später hinter ihm und habe sehr lang Zeit, mir zu überlegen, was für ein Mensch das ist. Und das meiste ist nun mal Oberfläche, in allen Gesellschaften. Schönes Wetter heute.
    .
    Filou, das mit dem fehlenden Zauber ist sehr gut erklärt. Und die Realität ist zudem nicht so freundlich, den nötigen Abstand einzuhalten. Halten Sie in Berlin mal einer Frau die Tür auf, Sie werden sehen, dass sich von vorne sofort ein Proll reindrängt.

  96. Wenn ich nochmal zitieren...
    Wenn ich nochmal zitieren darf: „Schlechte Autos für eine schlechte Lebensauffassung.“ Hinter ihrem vorherigen Beitrag steckt ja wohl mehr als eine gewisse Verärgerung über den Fahrstil irgendwelcher Opelfahrer. Wissen Sie, ich find diese kaugummifarbenen Plastikautos von Opel auch furchtbar. Aber ich attestiere einer anderen Person nicht einfach „eine schlechte Lebensauffassung“, bloß weil diese Person keinen Wert legt auf ein bestimmtet Auto, oder es sich nicht leisten kann. Denn das finde ich oberflächlich.
    Sie sind meiner Kritik auch in gewisser Weise ausgewichen. Wie gesagt: Hätte ihre Familie ihnen die komfortable Situation, in der sich sich auch in Hinblick auf ihr Automobil zu befinden scheinen, nicht ermöglicht, und müssten, Gott bewahre, Sie vielleicht sogar einen Opel oder etwas dieser Art fahren. Es ist nicht gut, wenn man sich über Dinge definiert, die andere erreicht haben.

  97. @Debütant
    Sarkasmus oder...

    @Debütant
    Sarkasmus oder nicht — das muss halt auch mal in der Schwebe bleiben dürfen.
    .
    Wenn er kein Vermögen hätte, würde der Don mit dem Fahrrad über die Alpenpässe fahren — und sich über die notorischen Mercedesfahrer ärgern, die ihm den Spaß an der wohlverdienten Abfahrt verderben, weil sie immer bei Tempo 30 das Panorama genießen wollen (und nebenbei Kuschelrock hören).
    .
    Aber einen Opel kaufen würde er sich nicht!
    .
    Im Begriff „Lebensversager“ entlarvt sich der Don als Bourgeois, ja als Calvinist. Opelfahrer, Ikeakäufer und Berliner sind nicht „auserwählt“ und verdienen darum keine Gnade.
    .
    Gnadenloser Don: Da ist nichts von ritterlicher Jovialität gegenüber den Minderbemittelten.
    .
    Und so ist auch er auf „Leistung“ fixiert, was ihn wiederum dem Opelfahrer ähnlicher macht als er wahrhaben möchte. Nur mit der Besonderheit, daß der Leistungsbegriff des Don einseitig ästhetisch ausgerichtet ist. Die Leistung besteht darin, Schöne Gegenstände auf dem Trödelmarkt aufzustöbern, zu erwerben und zu erhalten — was ja zugegebenermaßen auch viel besser ist, als im Lidl günstige Sonderangebote aufzustöbern, billige Opel-Gebrauchtwagen aufzustöbern oder Sonderkonditionen für den Konsumerkredit zu erhalten.
    .
    In der maximalen Konsumoptimierung (wo kauf‘ ich am besten ein?) erkennen Sie aber alle beide, der Don wie der Opelfahrer, ein unumstößliches sittliches Gebot.
    .
    Abgesehen davon schreibt er phantastische Artikel, die Gott sei Dank auch mal schön sarkastisch sind.

  98. Debütant, es gibt billigere...
    Debütant, es gibt billigere Autos als einen Opel. Und was meinen eigenen Wagen angeht: Es ist die abgelegte Barchette meiner kleinen Schwester, die ich reichlich verbeult an einem Wintertag reichlich restwertlos und kaum fahrtüchtig – im übrigen erst beim zweiten Versuch – aus einer Schneewehe befreien und herrichten konnte. Soviel also zu den Kosten meines Wagens.
    .
    Und doch: Ich glaube, für einen Astra muss man mit stilistischer Blindheit geschlagen sein und anderen Werten des Vorzug geben, die ich spiessig finde. Meine Barchetta hatte einen Motorschaden und galt schon zweimal als Totalschaden – trotzdem stehe ich dazu. Wer Astra kauft, braucht eine Schachtel, um von A nach B zu kommen. Ich reise. Ich mag den lauten Motor, die harte federung, das Fehlen aller Helferlein, das pfeifende Verdeck, und ja: Auch die Unsicherheit, ob das Auto ankommt. Astra ist das Auto für Ikeakäufer

  99. Betonen möchte ich hier, dass...
    Betonen möchte ich hier, dass ich durchaus Alpenpässe mit dem Rad gefahren bin. Am Gardasee hatte ich stets mein Rennrad dabei.

  100. colorcraze, das war geplant -...
    colorcraze, das war geplant – allein, das Wetter und die in Sturzbäche verwandelten Strassen liessen es nicht zu.

Kommentare sind deaktiviert.