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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die kollektive Erfahrung der Silberschale

| 125 Lesermeinungen

Es gibt nicht viel, was Aussenstehenden so banal, ja sogar überflüssig erscheint wie jene Silberschalen, die bei besseren Häusern oft im Eingangsbereich zu finden sind. Aber wie so oft verbergen sich hinter der eitlen Oberfläche wichtige, unaussprechliche Funktionen, die man nur kennt, wenn man sie auch selbst erlebt hat. Es kann also nicht schaden, sich damit zu beschäftigen - gerade, wenn man in Zeiten wie diesen als Abkömmling solcher Häuser gelten und Karriere machen will.

Ein Jammer, dass sie nicht leben wird. Aber egal – wer tut das schon?
Gaff, Blade Runner

Zeiten des Umbruchs kennen Gewinner, Verlierer und, fast genauso schlimm, Stehenbleiber. Leute, die nicht profitieren, die keinen Sprung nach vorne machen, nicht über ein neues Los gehen und dabei Geld kassieren. Gerade jetzt sind wieder viele Posten zu vergeben, und so mancher wird sich fragen, warum ein wenig geschätzter Bekannter in eine Kommission darf, einem neuen Abgeordneten die Tasche tragen wird, einen sinnlosen, aber gut dotierten Bericht schreibt, oder anderweitig eine schwarzgelbe Clownsnase in jenem Zirkus zu tragen berechtigt ist, den man gemeinhin als Berliner Republik verharmlost. Natürlich spielt die Klassengesellschaft eine Rolle, und so, wie man im Arbeiter- und Bauernstaat die Intellektuellen möglichst fern hielt, begünstigt man heute bei der Vergabe von Pfründen jene, die mit ähnlichen Erfahrungen und Werten aufwarten. Dabei, möchte ich meinen, geht es vielleicht gar nicht so sehr um harte Fakten wie Studiengänge und Abschlüsse, sondern um gemeinsame Erfahrungen, die man eben hat. Oder auch nicht hat.

Oder sich nachträglich zusammenlügt. Das ist nicht wirklich einfach, denn die Erfindung eines Onkels bei einem Arbeitgeberverband hilft nichts, wenn man nicht die Feinheiten kennt, die unausgesprochenen Dünkel und Geschichten, die bedeutungslos erscheinen, aber in Wirklichkeit diese Schicht bestimmen wie die Erinnerungen, die im Film Blade Runner den Replikanten eingepflanzt werden. Wer sie nicht hat, fliegt unweigerlich auf. Wir hier bei den Stützen der Gesellschaft jedoch erkennen den Bedarf der Berliner Republik für solche Replikanten für den Einsatz in weniger gut dotierten oder riskanten Bereichen, und stellen hier deshalb gerne diese klassenspezifischen Erinnerungen zur Selbstverabreichung zur Verfügung.

Bild zu: Die kollektive Erfahrung der Silberschale

Da ist beispielsweise die Silberschale im Eingang. In jedem besseren Haushalt findet sich am Eingang so eine Schale, und fast immer ist sie aus Silber, reichlich alt, vom Putzen oft etwas zerkratzt und von sporadischen Stürzen mitunter leicht verbeult, aber das macht sie nur echter. Was immer ihre frühere Funktion gewesen sein mag, nun ist sie fast immer leer, nur ab und an liegt ein Schlüssel oder ein Brief darin. Sicher, sie ist auch ein Ort, an dem man Dinge ablegt, um sie später nicht suchen zu müssen. Ihre wahre Funktion jedoch ist die Entkopplung des inner- und ausserfamiliären Gebens und Nehmens, eine Art neutraler Ort im Haus, an dem Übergaben stattfinden können, ohne dass man dazu anwesend sein müsste. Man kennt diese Funktion, wenn man in diesen Kreisen aufgewachsen ist.

In gewisser Weise sind diese Schalen ein Rest der gesunkenen Adelskultur, in der man bemüht war, Klassengrenzen nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch fühlbar zu machen. Zwischen Besucher, Bittsteller, Schuldeneintreiber und Bedienstetem einerseits und dem Hausherrn andererseits war der Diener postiert, der den Kommenden nach seinem Begehr fragte und dann den Herrn fragte, ob es gerade passt. So kam man bei Absagen gar nicht erst in Kontakt mit den Verschmähten, man musste sich nicht dessen Enttäuschung antun und konnte den Tag anderweitig geniessen. Später dann überbrachte der Diener auf dem Silbertablett die Visitenkarten von Besuchern zur Einladung oder Absage, und als der Diener aus den Haushalten verschwand, blieb allein seine Gerätschaft erhalten: In Form der Silberschale.

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Ihren symbolischen Charakter offenbaren sie, wenn sie wirklich als Schalen im Sinne von „Füllen und Tragen“ benutzt werden. Die meisten Exemplare entstanden in der Zeit des Niedergangs des Dienerstandes rund um 1900, und sie sind aus sehr dünnem Silber gefertigt. Schon ein Kilo Trauben kann eine Schale ruinieren. Sogar die Griffe sind hohl und aus Blechen gelötet. Wenn man sie heute findet und erwirbt, sind sie oft an den Griffen gerissen und neu verlötet, weil sie nicht artgerecht für echte Lasten verwendet wurden.

Geld dagegen ist leicht und artgerecht. Gerade für jenen häuslichen Transaktionen, die nicht immer schicklich sind, die man nicht gerne direkt abwickelt, sei es nun der schwarze Lohn für die Putzfrau, ein Geldschein für das Betanken des Fahrzeugs oder der Zuschuss, weil die Tochter mal wieder nach 3 Wochen kein Geld mehr hat – all das kann stilschweigend über die Schale von der einen Hand in die andere gelangen. Niemand muss sich dem Moment der Schande aussetzen und erkennen, dass es nicht so fein ist, eine Polin für 4 Euro die Stunde schuften zu lassen, oder Schuld auf sich laden, wenn der Sohn bei der Heimfahrt an den Studienort ausprobiert, ob die Karre wirklich 220 geht, oder sich fragen, welche verschwendungssüchtigen Miststücke die Tochter in der letzten Zeit verdorben haben. Kein direkter Kontakt, keine peinlichen Ausreden, keine schlechten Gefühle.

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All der Glanz und Prunk, das Funkeln und Gleissen, die Kunst und der Wert – sie können den Kundigen nicht darüber täuschen, dass sie nicht mehr als eine verweigerte Kommunikation sind, eine Möglichkeit, etwas Unangenehmen zu entgehen. Das gilt auch für die Versäumnisse von Eltern. Oft, zu oft liegen in den Schalen die Karten für den Konzertverein, da man weder die Schlagzeug-Preisträger erleben will, noch die Madrigalsänger, und kein Mozart kann so schön sein, dass er einen vorher den Schönberg durchleiden lassen würde. Dann muss der Nachwuchs für die öffentliche Verpflichtung einstehen, und wenn er selbst auch Karten hat, dann eben seine Bekannten, denn Frau Mama hat Migräne. Man liegt bequem vor dem Freitagskrimi und muss sich von der Brut keine Vorhaltungen über die Kulturlosigkeit anhören, wenn sie draussen die Karten in der Silberschale vorfindet, gleich neben dem Autoschlüssel für den grossen Wagen. Und dem Schein für die Pause und das Danach, natürlich.

Zyniker würden in all den neubaroken, biedermeierlichen und mit Rocaillen verzierten Schalen Symbole der bürgerlichen Verlogenheit sehen, der Gefühlskälte und der arroganten Äusserlichkeit, hinter der die Abgründe lauern – aber, seien wir ehrlich, sie ist einfach ein Zeichen der Bequemlichkeit. Man muss nicht jeden Konflikt austragen, die ideologischen Differenzen der Generationen einbetonieren, man braucht Orte des pragmatischen Ausgleichs, ohne deshalb die eigene Theorie in Frage zu stellen. Es ist bequem, diesen distanzierten Ausweg zu haben, jenen funkelnden Ort des Kompromisses, der nebenbei auch den Gästen gleich beim Betreten zeigt, dass man nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen ist.

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Und schliesslich: Man kennt es ja auch nicht anders. Weil man es nicht anders kennt, gerinnt der Ausfluss von Lüge und Selbstbetrug irgendwann zu fester Tradition und Sitte, und die erste eigene, vielleicht etwas ausgefallene, aber dennoch im Kern trationelle Silberschale findet ihren Platz wiederum selbstverständlich im Eingangsbereich der Wohnung. Wo sie dem Kundigen auf Besuch vielleicht ein Lächeln entlockt, denn schliesslich kennt er deren Bedeutung und erinnert sich vielleicht jenes Scheins, den er dort für den Zweck einer Tankfüllung und als tatsächliches Mittel zur Verführung einer Apothekerstochter vorfand. Das aber ist eine, wenngleich unverzichtbare, so doch ungleich riskantere Erinnerungserfindung für die neuen Replikanten der Berliner Republik, so dass davon gesondert zu berichten sein wird – so lange sollte es genügen, sich selbst eine solche Schale zu beschaffen, wenn man politische Hoffnungsträger invitiert.

In unserer Ära muss es übrigens kein teures Silber der Kaiserzeit sein – für heutige Replikantenaufstiege in jenen Parteien reichen sicher auch schon Repliken von Alessi.

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125 Lesermeinungen

  1. Werter Don, ganz köstlich!...
    Werter Don, ganz köstlich! Zumal wir letztes Jahr unser Silberzeug (samt Schalen) verschachert haben. Nun stehen uns zwei kleine Glasschalen im Eingangsbereich zur Verfügung, eine für den Herrn, eine für die Dame, die bescheiden zur direkten Kommunikation auffordern und mitnichten Zeichen eines Zerwürfnis sind. Übrigens strahlt Ihre Schale ganz wunderbar; selbst poliert?

  2. Guten Morgen Don...
    Guten Morgen Don Alphonso!
    Dazu hätte ich denn schon mal eine Frage: Ginge es auch mit Robbe&Berking? Im Design von Wilfried Moll? Also modern?
    Für die Berliner Republik sind Tupper-Schalen (ich hoffe, Sie wissen überhaupt, was das ist) völlig ausreichend.
    Grüße aus dem Norden
    K.

  3. Byron, Silber hat halt den...
    Byron, Silber hat halt den Vorteil, dass es nicht bricht, wenn es unter Jundern herunterfällt. Und ich putze gerne Silber, immer wenn der Tee zieht, ein, zwei Stück, das hält den Bestand sauber.
    .
    Kalchas, guten Morgen, dazu müsste man bei jenen anfragen, die dergleichen als Zeichen verlangen. Ich würde sagen: Sicher besser als Alessi.

  4. Wir hatten keine Schale zu...
    Wir hatten keine Schale zu Hause.
    Aber wir gehören ja auch nicht zum engeren Kreis der Stützen der Gesellschaft.
    Dann müßte ich mich auch nicht morgens ab 7:00 schon im Werk aufhalten und könnte mich noch nachts um 4:00 schrifstellerisch betätigen.
    Aber ich will mich nicht beklagen, hier ist es schön warm und ich kann Blogs lesen.
    Mein Vater hat mir peinliche Gegenstände immer mit einem sehr kritischen Blick persönlich in die Hand gedrückt.
    Das hatte sicher einen höheren erzieherischen Wert.
    Die Mutter meiner Begleiterin hat so ein Teil in der Diele stehen.
    Der Herr des Hauses der vor 40 Jahren „dazugehören“ wollte kann heute leider nicht mehr über den wahren Zweck der Schale wachen.
    Heute wird dort nur noch der Modeschmuck abgelegt.
    Es müssen aber auch keine Replikanten empfangen werden.
    Ich wünsche einen schönen guten Morgen !

  5. Die Berliner Republik braucht...
    Die Berliner Republik braucht keine Schalen. Sie hat ihre Diener, die ohne Unterlass dienstbereit und verschwiegen sind. Die Berliner Republik residiert auch nicht mehr. Sie wohnt nicht einmal mehr. Zumindest nicht in Berlin. Hier haust sie nur noch. Die Zimmer der Mächtigen können hochherrschaftlich sein, aber hier ist niemand zu Hause.
    Sie sind Reisende die von allen Orten flüchten um sich selbst nicht zu begegnen. Die brauchen keine silbernen Schalen, die hätten Angst, sie könnten sich darin spiegeln. Es geht ihnen wie uns. Sie können sich nicht mehr ertragen und schon gar nicht mehr sehen.

  6. Woher kommt denn der...
    Woher kommt denn der AUdi-Schlüssel ? Warum ist es nicht jener Ihrer Barchetta ?? Warum ist es nicht der eines Daimlers ???

  7. Werter Don, da das Polieren...
    Werter Don, da das Polieren hier bereits angesprochen ist, können Sie vielleicht diesbezüglich ja die eine oder andere praktische Empfehlung aussprechen: Nutzen Sie die rosa Soße von Hagerty? (Die gibt es ja sogar als Spray, was mir nicht nur aus Traditionsgründen eher suspekt erscheint.) Oder gibt es effektivere Methoden? Eine neu erworbene Silberschale will schliesslich zweckmäßig gewartet werden, von dem anderen Krempel ganz zu schweigen…

  8. Werter Don,

    ein herrlicher...
    Werter Don,
    ein herrlicher Artikel aus Ihrer Feder, so habe ich die Schale noch im Flur noch nie betrachtet, sie war aber bei unseren jeweiligen Eltern einfach da und steht jetzt auch bei uns wieder im Flur, allerdings in Form einer viereckigen Porzellanschale. Über den Tag verteilt ändert sich ihr Inhalt, morgens liegen die beiden Autoschlüssel bereit (die Schale ist sozusagen ihr Schlafplatz, damit die Autodiebe sie gleich finden, nachdem sie eingebrochen sind und uns nicht wecken), dann ein Zettel für die Kinderfrau mit Menüvorschlägen für den Nachwuchs (z.B. Spaghetti mit Bolognese, alles bio natürlich), nachmittags auch mal ein Spielzeugauto oder Briefe und abends dann wieder die Schlüssel (siehe oben).
    Viele Grüße aus dem Norden,
    Moritz

  9. In unserer schlichten ovalen,...
    In unserer schlichten ovalen, aber schönen Silberschale liegen Muscheln aus zwei Jahrzehnten Juist-Urlauben, Haselnüsse aus der vorletzten Saison, ein alter verrosteter Kommoden-Griff, eine kaputte (aber anmutig glitzernde) Brosche, und ja, manchmal auch die Karten von unserem Donnerstags-Theater-Abo. In dem Reihenhausflur meiner Eltern hätte es für diese Schale allerdings keinen Platz gegeben. Den habe ich mir mittlerweile selbst erarbeitet und erfreue mich daran.
    Wie wir das mit den Scheinen fürs Tanken gemacht haben? Ich glaube, die haben wir immer so in die Hand gedrückt bekommen. Da sagt es sich auch leichter „Danke“.

  10. "Bequemlichkeit" wird bei...
    „Bequemlichkeit“ wird bei vielen Begründungen für falsches Tun leider sehr unterschätzt.

  11. Ach ja kollektive Erinnerungen...
    Ach ja kollektive Erinnerungen gehen zu schnell verloren und werden erst individuelle dann verlorene Erinnerungen. Schön dass es das Blog gibt, die moderne Form des Tagebuchs. Sozusagen ein E-Tagebuch! Passt das eigentlich zu Ihrer sonstigen Überzeugung werter Don? Eigentlich müssten Sie Ihre Gedanken in Papierform veröffentlichen und geschrieben mit einem Füller, der mittels Tintenfaß betankt wird. Dann wäre es natürlich schwieriger die breite Masse zu erreichen, aber vielleicht würden dann nur die Leute aus den besseren Kreisen Sie lesen?
    Egal, das uns das Netz aber viele Möglichkeiten gibt dem kollektiven Vergessen entgegen zu wirken habe ich jetzt eine Bloggruppe gegründet, wo jeder schreiben kann, was er damals getan hat, als er vom Mauerfall hörte, was waren seine Gedanken und Gefühle. Dieser einzigartige Glücksmoment in der Deutschen Geschichte verdient es, dass wir uns daran erinnern. Ich würde mich freuen, wenn Sie werter Don Ihre Visitenkarte in das Silberschälchen des Blogs legen. Oder jeder Andere ist ebenso willkommen.
    http://mauerfall.blog.de/

  12. So, die Schale als Symbol oder...
    So, die Schale als Symbol oder Mittel der Kommunikationsvermeidung? Interessant! Wo vermuten Sie denn die entsprechende Berliner Schale?
    Im Kanzleramt? Oder in einer Pateizentrale? Oder …?

  13. Wunderbarer Artikel, vielen...
    Wunderbarer Artikel, vielen Dank dafür und für die Aufklärung – ich habe bisher bei diesen Schalen am Eingang immer gedacht, das dies nur ein zusätzlicher Ort für meine Unordnung wäre.
    In meiner Herkunftsfamilie gibt es keine Schale, man regelt die finanziellen Dinge aber ebenso bequem durch Briefumschläge auf dem Flügel. Das hat nur zugegebenermaßen weniger Stil und degradiert den Flügel immer mal wieder zur Ablage. Ich werde bei nächster Gelegenheit für die Silberschale plädieren, dann ist auch mehr Platz im Schrank.
    Für die Konzertkarten hatte meine migränegeplagte Großmutter ja als Überbringer meinen Großvater. Es ist sehr praktisch, wenn der Ehemann einem die Konflikte abnimmt. In schrecklicher Erinnerung ist mir der Abend, als meine Mutter vergessen hatte, dass sie mal wieder einspringen sollte und keine Zeit hatte und mein Großvater kurzerhand mit mitnahm und zwar, Himmel, in Jeans und T-Shirt. Natürlich besaß ich Abendgardrobe, hatte aber keine Zeit mehr. Ich saß im Konzert und habe mich geschämt. Ich habe bisher noch nicht erwähnt, dass ich erst elf war. Später habe ich mir immer die Konzerttermine gemerkt, weil meine Großmutter sowieso kurz vorher Migräne bekam. Muss man Kindern so behandeln?

  14. Werter Don Alphonso,
    die...

    Werter Don Alphonso,
    die Geschichte der Silberschale (und ihrer vielfältigen Nebenformen) ist mal wieder vergnüglich zu lesen. Doch zwei Sätze lassen mich stutzen:
    .
    „Zwischen Besucher, Bittsteller, Schuldeneintreiber und Bedienstetem einerseits und dem Hausherrn andererseits war der Diener postiert, der den Kommenden nach seinem Begehr fragte und dann den Herrn fragte, ob es gerade passt. So kam man bei Absagen gar nicht erst in Kontakt mit den Verschmähten, man musste sich nicht dessen Enttäuschung antun und konnte den Tag anderweitig geniessen.“
    .
    Als es noch silberschalentragende Diener gab, wäre es wohl keinem Mitglied der besseren Gesellschaft eingefallen, jemandem ohne vorherige schriftliche Ankündigung einen Besuch abzustatten. Derartige Aufdringlichkeiten verbaten sich von selbst. Erst das Telefon führte hier zu wachsender Rücksichtslosigkeit und der Erwartung jedermann müsse ständig für jeden ansprechbar sein. Man mußte auch erst einmal den Diener mit der Silberschale zu Gesicht bekommen. Lieferanten, Boten, Bedienstete kamen gar nicht soweit. Sie hatten den Lieferanten- und Personaleingang zu nutzen.

  15. BlackJack66: Schöne Idee vom...
    BlackJack66: Schöne Idee vom Mauerfall-Blog. Da sollten Sie m.E. nicht zu viel vom Don erwarten der hat ja schon hinlänglich seine (schlechte) Meinung über die neuen Bundesländer geäussert, ganz im alten SPD-Genossen-Stil, die zwei Deutschland besser als eines und deshalb die DDR gerne erhalten gesehen hätte. Oder irre ich mich gar? Habe ich falsch in und zwischen den Zeilen gelesen? Ein paar heiter zynische Kommentatoren haben ja im letzten Beitrag ganz praktisch und unwiedersprochen vorgeschlagen Ostdeutschland den Russen zu verkaufen…

  16. Wehrter Don,
    doch bitte eine...

    Wehrter Don,
    doch bitte eine echte Schale.
    Herzlichst P.

  17. ...die ererbten Silberschalen...
    …die ererbten Silberschalen zu putzen! Danke für diese wichtigen Infos, jetzt kann ich auch endlich so tun, als würde ich dazugehören….

  18. Lieber Jean-Luc,

    ich zu ...
    Lieber Jean-Luc,
    ich zu meinem Teil stelle ich einen Topf mit Wasser, ein wenig Salz und etwas zerknüllter Alufolie auf den Herd. Wenn das Wasser anfängt zu kochen, gebe ich die Silberteile dazu und lasse die ganzen Sachen um die 10 Minuten kochen. Die Ergebnisse sind wunderbar. Leider kann ich so die Zeit bis der Tee gezogen ist nicht überbrücken.
    Beste Grüße
    Radal

  19. entscheidend ist die Beziehung...
    entscheidend ist die Beziehung zwischen dem Hausherr (…Dame) und dem Besucher. Der Diener durfte die Karte des Besuchers nicht mit den Händen anfassen, da diese dadurch „entehrt“ wird. (ein Fall von Kontaktmagie.)

  20. Mich würde interessieren, wo...
    Mich würde interessieren, wo die Kanzlerin ihre Silberschale aufgestellt hat… Und, jetzt da die klassische Rollenverteilung aufgehoben scheint, wer trägt da eigentlich wem das Tablett hinterher?

  21. Lieber Herr Don, ich denke...
    Lieber Herr Don, ich denke hier geht Ihre Fabulierkunst mit Ihnen durch. Man muss ein schönes altes Stück Silber nicht mit soviel Bedeutung aufladen, die es garnicht hatte. Auch wenn jetzt plötzlich alle Ihre Jünger Silberschälchen in ihrem Familienfundus zu entdecken glauben…
    So nebenbei: das Silber-Besteck welches Sie am Sonntag in Ihrem Rebellmarkt einem interessierten Publikum darboten (erstes Photo, die zwei linken Teile) ist weder Tortenmesser noch Gebäckgabel, sondern ein Fischvorlegebesteck.

  22. Elbsegler hat recht. Bei...
    Elbsegler hat recht. Bei Ankunft am fremden Ort schickte der Besucher zuerst seinen livrierten Diener mit der Kutsche in der Stadt, der bei Bekannten Visitenkarten abgab. So erfuhr man, wer sich gerade am Ort befand. Die Einladungen konnten dann entsprechend geplant werden. So noch im Hause Goethe, wie man bei Eckermann nachlesen kann.

  23. Schöner Artikel. Ich habe...
    Schöner Artikel. Ich habe auch so eine Schale, mir aber nie Gedanken darüber gemacht. Eigentlich hat jeder Haushalt irgendwo eine Schale rumstehen, wenn auch nicht immer aus Silber, in der sich von ungetragenen Schmuckstücken, über Visitenkarten, bis zu Konzertkarten alles mögliche sammelt. Und bei Don nur ein schnöder Autoschlüssel. Tsk tsk tsk.

  24. Sie kennen Blade...
    Sie kennen Blade Runner?
    Manchmal überraschen Sie mich, Don.

  25. Passt da auch ein Revolver...
    Passt da auch ein Revolver rein?

  26. Werter Radal,
    danke für den...

    Werter Radal,
    danke für den Tip! Ich habe gerade in den vergangenen Tagen erst zwei alte englische Teekannen (allerdings die proletarische Variante, sprich versilbert statt Vollsilber), die bereits komplett schwarz-braun-blau-grün daherkamen, mittels Hagerty und Baumwolltüchern wieder zum Strahlen gebracht. Wenn man da ein gutes Stündchen meditativ vor sich hin poliert hat (eine der Kannen ist zudem geriffelt, was beim Putzen ja besonders viel Spaß macht), ist man jedweder Alternative gegenüber aufgeschlossen… Ihre Methode werde ich alsbald mit ein paar Besteckteilen austesten.

  27. @: Der Gärtner
    Nun da ich...

    @: Der Gärtner
    Nun da ich durch und durh Demokrat bin, lasse ich auch andere Meinungen zu, nur so ist ja ein Gesamtbild zu erstellen. Die Einladung sich an diesem Blog zu beteiligen ist durchaus an alle gerichtet, also dürfen Sie auch gerne teilnehmen.
    Das Silberschälchen mit den Einladungen steht bereit, so mit haben wir ja jetzt auch den Bogen zurück zum Don und seinem Beitrag gespannt.

  28. @elbsegler

    Doch, die...
    @elbsegler
    Doch, die Gläubiger kamen schon unangemeldet. Kann man z.B. bei Mercier, Tableau de Paris, nachlesen.
    Da wurden auch die Strategien aufgelistet, wie man den unangenehmen Kontakt vermeiden konnte.

  29. Die Replikanten verrieten sich...
    Die Replikanten verrieten sich durch ein flackern der Pupillen – so nah wird man den Politreplikanten nicht kommen…..

  30. Befindet sich die...
    Befindet sich die Dienstbotenkultur seit über 100 Jahren im Niedergang?
    .
    Ja, wenn man nur die Privathaushalte betrachtet. In den Firmenzentralen aber gibt es noch etwas von dieser Kultur. Zwar öffnen auch dort einem nicht immer behandschuhte und livrierte Lakaien, aber dafür nicht minder uniforme Sekretärinnen, die ebenfalls blitzschnell entscheiden müssen, wer wie weit vorgelassen wird.
    .
    Vielleicht kann man das so erklären:
    Der heutige Feudalismus ist nicht mehr dynastisch, sondern korporativ. Nicht mehr die adlige Familie, sondern der privilegierte („systemrelevante“) Konzern und seine hörigen Vasallen-Firmen verkörpern die Herrschaft.
    .
    Daher spielen auch private Behausungen keine repräsentative Rolle mehr, sie sind tatsächlich private Schlaf- und Entspannungszonen geworden. Die Herrschatssymbolik ist in die Welt der Büros, Hotels und Firmenwagen übergegangen.
    .
    Auch das materielle Vermögen erwirbt man heute nicht mehr nur ausschließlich durch Vererbung oder durch unternehmerischen Erfolg, sondern eben auch durch die notorischen „Managergehälter“ oder „Manager-Abfindungen“. Früher mußte man dafür die Tochter des Prinzipals heiraten.
    .
    Offen bleibt allerdings die Frage, welche Rolle die im Elternhaus erhaltene Erziehung da noch spielen kann. Ist es wirklich so, daß sich Außenseiter früher oder später „verplappern“? Würde das im Umkehrschluß nicht bedeuten, daß die Elite tatsächlich eben doch so etwas wie eine gute Erziehung erhalten hat? Sind die Elite-Internate dann also doch zu irgendwas gut?

  31. Wie sah denn früher eine...
    Wie sah denn früher eine Visitenkarte aus?

  32. Werter Don,

    ich habe soeben...
    Werter Don,
    ich habe soeben unsere Schalte entfernt.
    Es ist schon auffällig, je bombastischer die Eingangshallen, je unseriöser die Geschäftsgebahren – man denke nur an Versicherungen, Banken oder an Kirchen.
    .
    Gruß Hanskarl

  33. ach, so geht das also. Wieder...
    ach, so geht das also. Wieder was gelernt – jetzt brauch ich nur noch ein schönes Dielenmöbel, auf dem ich so eine Schale platzieren kann… vielleicht finde ich dann morgens auch mal sofort meine Schlüssel.
    Mich amüsiert übrigens, dass hier etwas „Bequemes“ verfechtet wird, bisher hatte ich das Gefühl dass „Bequemlichkeit“ eher etwas unerwünschtes ist, weil es silberne Teekannen, Goldrandgeschirr und alte schwere Koffer verdrängt…

  34. Unellen. silberen Teekannen,...
    Unellen. silberen Teekannen, Doldrandgeschirr und schwere Koffer sind kurzfristig vielleicht etwas unbequem, wenn man sie artgerecht warten muss. Langfristig, wenn man sich nicht abarbeiten muss, um neuen Schrott zu ersetzen, sind sie äusserst bequem. Man darf eben nicht in Tagen denken. Für Dielen kann ich den guten, alten Vertiko sehr empfehlen. Unserer begleitet meine Familie seit ca. 1880.
    .
    Hanskarl ich finde solche Schalen offen gesagt nicht bombastisch – da gibt es ganz andere Möglichkeiten. Sie sind nur ein kleiner, glänzender Hinweis.

  35. Konfuzius fragt, da stand der...
    Konfuzius fragt, da stand der name drauf – sonst nichts. Es war eben eine Visitenkarte und kein Angeberasset.
    .
    HansMeier555, wie man es nimmt: es gibt durchaus Konzerne mit feudalen Strukturen – ein systemvergleich Korea-Deutschland würde zeigen, dass man hier eigentlich recht viele Freiheiten hat.
    .
    Ich glaube, dass es einfach in besagten Kreisen einen Erfahrungsschatz gibt, der sich nicht immer den Aussenstehenden erschliesst. Es sind ja genug Leute mit Erfindungsreichtum unterwegs, aber das sind keine Felix Krulls, sondern einfach nur Lügner. Würde so jemand erzählen, dass alle in seiner Famile Patek tragen, wäre es sofort enttarnt. Zumal das Prägende nicht das ist, was die Werbung von angeblich reichen Leuten vermittelt.

  36. Was das mit dem entsprechenden...
    Was das mit dem entsprechenden Personal in den entsprechenden Häusern, also Residenzen sind gemeint, angeht, hier stehts und ist bei wikisource zu finden:
    Der korrekte Diener. Handbuch für Herrschaften und deren Diener
    von Heinrich XXVIII. Prinz Reuß j. L. Berlin, Paul Parey, 1900

  37. @Don
    Die Frage ist auch, wo...

    @Don
    Die Frage ist auch, wo der Schatz der „kollektiven Erfahrung“ geborgen und tradiert wird. Mit dem Familienleben sieht es ja nicht mehr so rosig aus, das Patch-work-Prinzip mit Internatsverschickungen hat ja auch da längst Einzug gehalten und geschultes Personal ist auch dort selten geworden (siehe Artikel).
    Den Sinn der Schale verstehen ihre Besitzer nach drei Generationen selber nicht mehr (siehe Kommentare) und sind dankbar über Ihre Erläuterungen.
    .
    So würde mich schon interessieren, was den einen BWL-Absolventen in die Klasse der zweistellig abzufindenden „Manager“ aufsteigen läßt, während andere, besser qualifizierte bis zur Rente bei fünfstelligen Jahresgehältern rumkrebsen müssen.
    .
    Gute Umgangsformen (die einen davon abhalten, mit Patek Philippe anzugeben) sind trotz allem zu weit verbreitet, als daß sie das alleinige Distinktionsmerkmal sein könnten.

  38. @HansMeier555, wahrscheinlich...
    @HansMeier555, wahrscheinlich muesste man staerker differenzieren, und zwar fuer die Vergangenheit ebenso wie fuer die Gegenwart, was man hier aber nur andeuten kann; Bourdieu brauchte viele hundert Seiten, um diese Unterschiede aufzuzeigen.
    Im Muenchner Haushalt Thomas Manns gab es das fuer die mittlere/obere Mittelschicht uebliche Personal fuer die Kindererziehung, die Kueche, die Hausreinigung, den Garten. Er klagte nicht wenig ueber die hohen Kosten (in den Tagebuecher 1918/21). Behandschuhte und livrierte Lakaien traf man hier nicht an.
    Auf sie stiess man in der Villa Pringsheim, im Hause seines Schwiegervaters, wo es um einiges nobler und bewusst distinguiert zuging, besonders bei formellen Anlaessen: Grossbourgeosie, Vermoegen ererbt, vielfaeltige kulturelle Ambitionen usw.
    Wenn man sich heute den Haushalt eines Schriftstellers, der gerade einmal einen Bestseller gelandet hat, anschauen wuerde: vielkoepfiges Dienstpersonal wuerde man sicher vergeblich suchen.
    Und fuer besonders vermoegende Kreise hat das private Domizil sicher auch heute keine geringere Bedeutung als Repraesentationshintergrund als frueher (wenn der Betreffende nichts zu befuerchten hat, wie etwa der Kunstkenner Abramovitsch, der eine Ausnahme von der Regel sein mag). Schauen Sie sich doch um in Knightsbridge, auf Long Island, auf Sardinien …; wer auf sich haelt, hat seine Chauffeure, seine Koeche, seine Masseure, seine Leibwaechter, seinen Mundschenk usw. usf., und unter seinesgleichen wird das auch vorgefuehrt; manche sehen in dieser Umtriebigkeit einen wichtigen Grund fuer den Niedergang alter Grand und Park Hotels (vor allem wenn die Wellness-Abteilung noch nicht installiert ist).
    Und wer in dieser Dimension der privaten Haushaltsfuehrung nicht aufs Geld zu schauen braucht, der kann darauf achten, dass die Praesentation „kulturell“ in Ordnung geht. Dass es derartiges gibt, konnte man etwa bei der Versteigerung des Yves-Saint-Laurent-Nachlasses sehen, dass es sich dabei um kein Muss handelt, bei den Bilder aus Michael Jacksons „Neverland“ erahnen.
    Muss schliessen: der Sommelier kommt mit einer neuen Flasche.

  39. Lieber Don, wieder einmal ein...
    Lieber Don, wieder einmal ein anregender und amüsanter Text, wenn auch (zumindest mich) die Silberschalen ein bißchen an die Dielenästhetik Wiener Konditoreien erinnern!
    Was halten Sie denn von einer Achatschale, wie etwa dieser berümten:
    http://www.khm.at/de/schatzkammer/juwelen-schmuck-und-erinnerungsstuecke/?aid=9&cHash=f1951f9b41

  40. @Nikolaus Marggraf
    Danke für...

    @Nikolaus Marggraf
    Danke für den netten Hinweis!
    Wie der Herr, so das Gescherr? Nun, die polnischen Putzfrauen will ich nicht beleidigen.

  41. Uriel Acosta, ich komme gerade...
    Uriel Acosta, ich komme gerade aus dem markgräflichen Schloss zu Bayreuth, und da macht noch etwas Salz in meine Wunden, hier in meinem jämmerlichen Renaissanceloch ganz ohne goldene Spiegeldecken nicht mehr viel aus. Nur so viel: In den Aachener Domschatz sollte man mich besser nicht einsperren, sonst werde ich zu einem Kriminellen. Aber: Ich habe jüngst eine Alabasterschale des Biedermeier erstanden, mit gedrehtem Delphinfuss und umlaufenden, vollplastischen Weinranken. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber es ernährt sich.
    .
    HansMeier555, es ist keine Frage, dass neue Generationen andere Erfahrungen haben werden: Mit dem SUV von der Schule abgeholt und dann in ein Riesentrampolin gesetzt werden, oder schon auf dem Schiebedreirad einen Helm zu tragen – heute gesehen im Schlosspark. Allerdings ist die Silberschale noch ein paar Jahrzehnte beim Drängeln und Anbiedern zu gebrauchen.

  42. Werter Don,
    fabulous!!! Da Sie...

    Werter Don,
    fabulous!!! Da Sie wieder Atem und Muße finden für Gegenstände (fast) jenseits des Vor-Urals, erlaube ich mir die demütige Anregung, das – schon länger in vage Aussicht gestellte – Miesbacher Fleckvieh wenigstens zum Ende des Krisenjahres unter „Weihnachtsgeschichte“ zu verarbeiten. Hätte auch den Vorteil, die wohl unausweisliche Beschäftigung mit der „Realwirtschaft“ im Jahr 2010 sinnfällig einzuläuten.
    @Unellen: Das Vertiko-Möbel ist gewiss originell. Als Flurmöbel ist aber eine hübsche Kommode mindestens so tauglich. Ihr Name ist Programm – bequemer sind Schubladen (beim Vertigo selten) allemal und der Funktion als Stauraum im Flur angemessen. Weitere Vorteile: Über die Kommode passt noch der obligatorische Spiegel und der Nachwuchs wird durch – gegenüber dem Vertiko leichterer Erreichbarkeit der Höhe nach – schon früh an die Finessen innerhäuslicher Kommunikation herangeführt.
    @Hans-Meier555: „Außenseiter“ verplappern sich nicht nur. Meiner Erinnerung nach bei Sebastian Haffner findet sich eine eindrucksvolle Schilderung der Beherrschung des Comment: Der Onkel war als jovial bekannt und gern gesehener Gast jeder Gesellschaft. So bekam er auch Spontaneinladungen. Wenn er dann keine Abendgarderobe bei sich führte, lieh er sich den Smoking des Schwagers, ließ von Minna den Bund öffnen und mit einer Kordel für den Abend flicken. Zu Beginn des Abends eröffnete er der Dame des Hauses: „Madame, ich muss Ihnen etwas gestehen…“ und drehte ihr, die Rockschösse raffend, die Rückseite zu. Das Lachen war auf seiner Seite, die Stimmung gehoben, der Abend konnte beginnen. Haffner (oder ein Kollege) führt dann weiter aus, schon über den in der Mitte seiner Lebensspanne geadelten Geheimrat Goethe habe ein Mitglied der herzoglichen Familie in Weimar befunden: „Ein schöner Mann, gewiss, doch leider in seinen Manieren so unfrei.“ Was einem (Ehrgeizling) wie Goethen abging, war also Souveränität.
    Indes: Es gibt „Hoffnung“ für „Außenseiter“, genau wie für die „Insider“. Souveränität setzt als notwendige Bedingung zwar die Kenntnis der – elegant – zu variierenden Regeln voraus. Hinreichende Bedingung ist aber die innere Souveränität, Selbstvertrauen, das Feingefühl in der Begegnung mit dem Gegenüber, dazu auch ein bißchen Phantasie. Und solchen Menschen zu begegnen macht immer Freude. Schade um den „Insider“, der auf solche bereichernden Begegnungen verzichten möchte.
    @Don: Apropos „Erfahrungsschatz“: Visconti lässt ‚den Leoparden‘ über seinen Lieblings-Neffen Don Tancredi sagen – in deutscher Fassung sinngemäß – „Um einen solch‘ liebenswürdigen und begabten Jungen zu schaffen, braucht es das Opfer mehrerer Generationen von verschwendungssüchtigen, heiteren Nichtstuern.“

  43. G. Schoenbauer, bei uns war...
    G. Schoenbauer, bei uns war das ausweislich der Bilder aus dem Hinterhaus eher leger, aber ich denke auch, dass sich das Grossbürgertum der grossen Städte fundamental von den Honoratioren und Vermögenden der kleineren Städte unterschied. Ich sage nicht, dass es deshalb „besser“ war, aber es gab damals wohl viele gleichzeitige Realitäten. Hier bei uns gab es keine livrierten Diener, sehr wohl aber Dienstmädchen und Köchinnen.
    .
    Nikolaus Marggraf, danke für den Hinweis – ich frage mich halt, ob der Stand von 1900 nicht eine klare Ausnahme ist, angesichts dessen, was man ansonsten über Dienerschaft so lesen kann. Der korrekte Diener als Major Domus könnte so gesehen vielleicht auch nur eine Modeerscheinung der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sein, während man den Rest bei Shakespeare, Lesage, Fenelon, Naish und so weiter nachlesen kann. Und nicht zu vergessen: Figaros Hochzeit.

  44. Reiterjunge, ich musste um 8...
    Reiterjunge, ich musste um 8 Uhr aufstehen und hinaus in die Kälte und 160 Kilometer fahren – das ist auch nicht gerade eine lässige Sache. Ich weiss, es liest sich manchmal wie hingezuckert, aber es fühlt sich durchaus wie Arbeit an. Und natürlich gibt es auch wichtige Konfrontationen, die direkt ausgeführt werden. Aber danaben sind auch noch kleine, sinnlose Konflikte, die man besser anders regeln kann, um sich einfach nicht wegen sowas den Tag zu vermiesen – so verstehe ich die Funktion.
    .
    Jochen Hoff, ich denke, in Bonn wäre das alles so nicht passiert. Aber natürlich geht das Regieren heute anders, die Statussymbole haben sich verändert – trotzdem wird die Regierung nicht besser. Naja.

  45. @G. Schoenbauer
    Herzlichen...

    @G. Schoenbauer
    Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
    „Schauen Sie sich doch um in Knightsbridge, auf Long Island, auf Sardinien …;“
    .
    Hmm. Schicken Sie mir Bilder und beschreiben Sie mir, was dort zu sehen ist.
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    Und was ist mit Deutschland? Ich fürchte, so ein DB-Vorstand oder Anteilseigner eines DAX-Unternehmens verzichtet schon darum auf einen livrierten Diener und ein hochherrschaftliches Schmiedeeisernes Tor, weil er Angst hat, daß man ihn dafür verspotten würde. Ist das nicht traurig?
    .
    Schön Ihr Beispiel mit den Manns und den Pringsheims: Man sieht eben, daß Distinktion eben immer auch Integration bedeuten muß, daß die Herstellung von Abstand nur dann Sinn hat, wenn er zugleich die Annäherung zuläßt (bei gleichzeitiger Demonstration der Verhältnisse).

  46. P.Seudonym, das ist das...
    P.Seudonym, das ist das originale Arrangement, das ich kenne, und meine Eltern fuhren fast immer Audi, schliesslich kommen die von hier.
    .
    Jean-Luc, ich kann mich Radal nur anschliessen, gerade wenn es um komplexe Formen geht. Kleine Dinge reinige ich aber mit banaler Chrompolitur aus dem Autozubehörhandel, da ist nach Aussage von Spezialisten auch nichts anderes drinnen, als im Silberputzmittel, das WMF nicht ohne gute Gründe erfolgreich anbietet.

  47. @jean-jacques
    Danke für Ihre...

    @jean-jacques
    Danke für Ihre Schilderung.
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    Aber wer abhängig ist, kann eben nicht „souverän“ sein, denn das ist eben — der Souverän.
    Wenn Höflinge und Diener sich „souverän“ geben, dann wird das in Wirklichkeit eben gerade nicht positiv ausgenommen, sondern als Anmaßung interpretiert — mögen die Prinzessinnen und Fräuleins auch noch so aufrichtig das Gegenteil beteuern. In Wirklichkeit schätzten sie Goethe eben genau dafür — daß er wußte, wo sein Platz war.
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    Sie verstehen schon: Zuwendung, Distinktion, Gnade.

  48. ich habe als HR aktuell aus...
    ich habe als HR aktuell aus gegebenem anlass mit bewerbern für eine hoch dotierte stelle zu tun. die distinktionsmerkmale, die einen menschen für eine rolle qualifizieren, bei der neben der fachlichen qualifikation verlässlichkeit und vertrauenswürdigkeit unabdingbar sind, haben jeweils nicht mit schichtzugehörigkeit, sondern mit radikal menschlichen eigenschaften zu tun, die man auch herausfinden kann. man muss nur die richtigen fragen stellen. es hat natürlich auch etwas mit erfahrungswerten zu tun – die schlagworte, die man dafür gerne benutzt, sind „menschenkenntnis“ und „intuition“. die lenken aber eher ab. es sind erfahrungswerte, das heißt: man kann sie nur haben, wenn man erfahrungen auch tatsächlich hat. zum beispiel mit blendern. leider hat der chef diesbezüglich zwei blaue augen, weil er erfinder und naturwissenschaftler ist. weshalb wir auch aufgrund seiner auswahl vor meiner zeit den ein oder anderen visitenkarten-blender im unternehmen haben. noch.
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    ein jammer, dass der bestimmunggemässe gebrauch von silberschalen so, wie hier beschrieben, von der existenz eines mehrköpfigen zusammenlebens abhängig ist. es stimmt aber und ist nicht zusammenfabuliert: die schale wird in meinem elternhaus genau für die vom autor aufgeführten zwecke benutzt. es liegen auch des öfteren drin: autoschlüssel, theaterkarten und die kontoauszüge meines einen bruders, der an den wochenenden vom studienort in die heimat kommt, wo auch seine bank ist. meine postkarten an die eltern allerdings liegen nie dort, sondern stehen auf dem vertiko. sinn und zweck des vertikos (welches nach den maßgaben der zeitgemäßen ikea-raumplanung ein extrem unpraktisches möbelstück ist) wären auch einmal eine analyse wert! andrea?
    .
    als wohnsingle hoffe ich jeden tag erneut vergeblich, dass etwas in meiner flurschale liegt. es ist auch nie was in meinen stiefeln, die ebenfalls im flur stehen. selbst nicht am 6. dezember – ich habe das eigenhändig überprüft! (den tag habe ich immer schon sehr gemocht, besonders wegen der schönen legende, und ich kenne inzwischen sämtliche aufhängungspraxen an allen verfügbaren türknaufmodellen. schade, dass derlei folk customs offenbar parallel zum ausverkauf von silberschalen zugrunde gehen.)

  49. Nun, also wird sich, alten...
    Nun, also wird sich, alten Traditionen folgend, im Hause der Finanzen dieser unserer blühenden Landschaften auch wieder eine Silberschale, was sag ich, die Mutter aller Silberschalen, finden – auf das das eine oder andere Geschenk an den Hausherren nicht in Schubladen dem Vergessen anheim fallen muss. Und so lebt eine Tradition im gelben gräflicchen Sinne für die nächsten Jahre weiter. Herrlich.

  50. @HansMeier555: Merci! pour la...
    @HansMeier555: Merci! pour la replique. Zugegeben, an Ihren Beobachtungen zur Distinktion ist etwas dran. Erst recht zum Spannungsfeld von Abhängigkeit und Souveränität. – Noch zu Ihrer Anmerkung zum Kölner Karneval dieser Tage: Sie mögen Recht darin haben, dass die „Prunksitzung“ ein reichlich verklemmtes Spektakel von Gerne-Großen ist. Dazwischen gibt es aber eine Menge Spass! Und: historische betrachtet hat der Karneval auch rheinischer Prägung ein stark anti-autoritäres, egalitäres Moment. Speziell im Kölner Fall gab es allerdings keinen Adel, den es sich gelohnt hätte, in jecker Manier in die Schranken zu verweisen.

  51. "Hmm. Schicken Sie mir Bilder...
    „Hmm. Schicken Sie mir Bilder und beschreiben Sie mir, was dort zu sehen ist.“
    Nein, verehrter Herr HansMeier555, den Gefallen werde ich Ihnen natuerlich nicht erweisen; riecht mir zusehr nach Hausaufgabe, nichts fuer eine Blogveranstaltung, jedenfalls nach meinem Verstaendnis.
    Schauen Sie sich doch bitte die Bilder vom Saint Laurent-Nachlass an, den ich ja nicht zufaellig erwaehnte, wenn Sie auf Visualisierung stehen; leicht im Internet abzurufen. Dass Sie in Valentinos oder Charles Saatchis „Behausungen“ Aehnliches finden, sollte ausser Frage stehen.

  52. Ich habe an und ab das...
    Ich habe an und ab das Vergnügen bei Banken in der Türkei unterwegs zu sein. Die haben erst ein hohes Gebäude in Ankara errichtet, um dann festzustellen, dass ein noch höheres Gebäude in Istanbul noch viel schicker wäre.
    Auf jeder Etage gibt es dort einen Teekoch/-köchin.
    Ich finde das fantastisch und diese Personen genießen dort meine allerhöchste Wertschätzung von allen.

  53. Eine Visitenkarte, auf der nur...
    Eine Visitenkarte, auf der nur der Name steht, fände ich arrogant.
    .
    Es ist nicht so leicht, den Bürger in sich zu überwinden.

  54. Sorry, aber eine solche...
    Sorry, aber eine solche Schale, mit einem solch bortenbesetzen, wie soll man das nennen, Schalenläufer? Kommodenschoner?, auf einem solchen Möbel mit diesem Teppich daneben befindet sich sicher in keinem besseren Haushalt!
    Über Geschmack läßt sich nicht streiten -das trifft hier ganz besonders zu…

  55. @G. Schoenbauer
    Mich hätten...

    @G. Schoenbauer
    Mich hätten die Chauffeure, Koeche, Masseure, Leibwächter und Mundschenks von Knightsbridge, Long Island, und von Sardinien interessiert und am meisten die Frage, wer sie für den Dienst instruiert und wie sie geschult sind.
    .
    Bei der Google Bildsuche habe ich unter „Saint-Laurent“+Masseur leider nix gefunden, obwohl es solche Aufnahmen sicher gibt.

  56. Darf ich eben mithelfen?...
    Darf ich eben mithelfen? Allerdings ohne Masseur.
    http://www.lefigaro.fr/culture/2009/02/23/03004-20090223DIAWWW00499-yves-saint-laurent-berge-les-fameux-tableaux-de-la-vente.php
    Kein Dank, gerne geschehen.

  57. @Hans Meier555, die Frage kann...
    @Hans Meier555, die Frage kann ich nicht beantworten.
    Von Lagerfeld war ja kuerzlich zu lesen, dass er den Puritanismus entdeckt habe, voll auf Spartanisch mache und sich seither nur noch von einem Koch, einem Zimmermädchen und einem Chauffeur bedienen lasse. Aber wo die Betreffenden ihr Handwerk gelernt haben, wer weiss?
    Spontan fallen mir Butler-Schulen oder Luxushotels ein. Frueher lernte man das wohl „on the job“: der Chefbutler rekrutiert den Rest des Personals, Berufsvererbung inbegriffen, wie in „Remains of the Day“ (nur dass hier der Sohn den Vater einstellt).
    Vielleicht sind solche Informationen auch zuviel verlangt. Um bei Lagerfeld zu bleiben: Er hat ja kein Problem, Baptiste Giabiconi, seinen neuen Star, in der Oeffentlichkeit vorzufuehren. Aber dasselbe Theater um den Butler, die Koechin oder die Putzfrau zu veranstalten – es waere ein Theater nach Brechtscher Art, um im Bild zu bleiben.

  58. Im Hause meiner Familie wird...
    Im Hause meiner Familie wird bis auf den heutigen Tag neben der Silberschale ein weiteres für das Haus von Stand unverzichtbares Geschirr durch täglichen Gebrauch geadelt: Der Nachttopf! Dessen anrüchiger Inhalt im hohen Bogen aus einem der Fenster der oberen Etagen auf die Straße entleert, vertreibt unangemeldeten Besuch ebenso zuverlässig wie er Cabrio- und SUV-Mums vom wiederholten Zuparken der Hauszufahrt abhält. Eine seit dem Mittelalter bewährte Methode, die in jüngster Zeit unverständlicherweise aus der Mode gekommen zu sein scheint. Dabei besticht sie durch einfache Durchführung und zeigt hervorragende Ergebnisse. Der GEZ-Gebühreneinzugsbeauftragte ist jedenfalls kein zweites Mal vorstellig geworden.

  59. Maximillion Gratuitous, leider...
    Maximillion Gratuitous, leider ist der passende Erker nicht in jenem Teil des Hauses, den ich bewohne. Schade eigentlich.
    .
    tifftoff, über Möbelschoner, sollte ich wirklich auch mal was schreiben. Sie sind sicher nicht mehr überall üblich, aber was soll schlecht daran sein, wertvolle Möbel zu schonen?

  60. schusch, ein Teekoch wäre...
    schusch, ein Teekoch wäre zwar fein, um ihn zu haben – aber schlecht für meinen Körperhaushalt und dessen konsequente Teein-Überfrachtung.
    .
    Stephan, für solche Dinge ist immer noch der Koffer die allererste Wahl. Schwarz muss er sein, und voll.

  61. @Don Alphonso,

    so geht der...
    @Don Alphonso,
    so geht der Stil verloren; ein Koffer muss übergeben werden, herrenlos abgestellt wird er vom Gepäckstück zur terroristischen Bedrohung.
    In einer Schale hingegen, so habe ich das verstanden, werden die Dinge hinterlegt, die eigentlich nicht übergeben wurden, wo schon die Existenz anzunehmen sträflichen Leichtsinn bedeutet. Nun, vielleicht lässt sich ja eine Schale – wie gesagt, die Mutter aller Schalen – finden, die auch einem Koffer adäquat Heimstatt bietet?

  62. na gut,
    mangels...

    na gut,
    mangels eingangshallen-silberschale werde ich mich dann doch nicht im paul-löbe-haus bewerben.
    .
    zumal mir schon das seiden(hals-)tüchlein fein fehlt.

  63. Swina, das Herméstuch wäre...
    Swina, das Herméstuch wäre auch mal ein feines Thema. (und es kann nichts dafür, unter solche Menschen zu fallen)
    .
    Stephan, die Mutter aller Schalen gibt es schon, sie heisst Luganer See, und an dessen Rand verflüssigt sich alles: Der Unterschied zwischen dem Politiker und der Schmierseife etwa.

  64. Ein Teekoch auf jeder Etage!...
    Ein Teekoch auf jeder Etage! Ich muss türkisch und Finanzkram lernen (hehe, was von beiden ist wohl schwerer?) und bei dieser Bank anfangen!
    Das mit dem Vertiko oder eine Kommode ist eine feine Idee, bisher steht in meinem Flur nur ein Schuhschrank und der ist zu hoch und auch zu wenig tief um darauf gescheit etwas abzustellen. Zu dumm dass ich mein Weihnachtsgeld schon für ein neues Computerchen verbraten habe…

  65. Der war mal richtig gut!...
    Der war mal richtig gut! Ungefähr wirklich fast perfekt. Ein wirklicher Genuss. Und kriegt selbstverständlich auch unser Nachwuchs zu lesen. Es lohnt sich eben doch, Kinder zu haben.
    .
    Und wir aber sind heute doch weiter, oder nicht? Weiter als die Frau Mamas? Will sagen: Doch nur Schönberg, immer nur Schönberg – und bitte ganz sicher vollkommen ohne Mozart!
    .
    Nein falsch: Schönberg und Stockhausen bitte – und gerne auch etwas ausführlicher. Hier, „ein Idiot“ erklärt Bürgerlichen, was die neue Musik ist. Und die meinen wohl auch, sie müssten das wissen, vielleicht für den nächsten Rommée-Abend. Wobei „der Idiot“ recht nett englisch spricht, man merkt den IQ auch.
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=pIPVc2Jvd0w
    .
    .
    Hatte man sich eigentlich „Wälsungenblut“ mal wieder vorlesen lassen? „Silberschale zu „Blutschande“ gesteigert“ sozusagen. Was Künstler sich so verstellen, was in besten Familien so vorkommt, tsss. Und die Silberschalen wissen natürlich von nichts.

  66. Ich weiß schon, warum ich...
    Ich weiß schon, warum ich gegenüber der befreundeten Familie B. immer eine gewisse Unterlegenheit empfand. Die hatten nämlich so eine Silberschale, und wir nur eine zweckentfremdete, wenn auch recht hübsche, Küchenwaagschale an der Wand…

  67. @Don Alphonso,

    wobei der...
    @Don Alphonso,
    wobei der Unterschied nicht nur am Rande des Luganer Sees ab und an nicht feststellbar ist; wobei, für Schmierseife läßt sich eigentlich immer noch eine Verwendung finden, auch wenn sie schon fast verflüssigt ist.
    Wobei der Luganer See und der Comer See auch ohne schwarzen Koffer (eher mit dem Edel-Gepäckstück auf der Brücke des Böötchens) eine Reise wert sind. Am schönsten über die Vielfalt der mit Pässen gesegneten Routen abseits der Autobahnen…Kurz hinter der Grenze nach Italien, über St.Moritz kommend, gab es mal einen wirklich guten Italiener direkt an einem kleinen Bach…

  68. HansMeier, Don...
    HansMeier, Don Alphonso,
    .
    „Der korrekte Diener“ zeigt im Wesentlichen die Technik – Adressat ist der Herr, der sich von gut geschultem Personal umgeben wissen will (damals wie heute wohl ein statussymbol sonder gleichen) , und dafür die Aufgabe hat, sein Personal zu schulen.
    .
    Beispielsweise, wie empfängt der Diener die Besucher des Hauses.
    Welche Formen sind hierbei für wen angebracht, angemessen, formvollendet. Höhepunkt der Formvollendung: Wie empfängt der Diener formvollendet nicht.
    .
    Das Eigentliche steht beim Freiherrn Knigge, Über den Umgang mit Menschen, beispielsweise bei Projekt Gutenberg (bei SPON Kultur). Zitat:
    .
    Über die Verhältnisse zwischen Herrn und Diener
    1.
    Es ist traurig genug, daß der größte Teil des Menschengeschlechts durch Schwäche, Armut, Gewalt und andre Umstände gezwungen ist, dem kleinern zu Gebote zu stehn, und daß oft der Bessere den Winken des Schlechtern gehorchen muß. Was ist daher billiger, als daß die, denen das Schicksal die Gewalt in die Hände gegeben hat, ihren Nebenmenschen das Leben süß und das Joch erträglicher zu machen, diese glückliche Lage nicht ungenützt lassen?
    .
    Lest mal wieder den Freiherrn Knigge.

  69. @Don Alphonso: eine...
    @Don Alphonso: eine Phänomenologie des Hermes-Tüchleins, verfaßt von einem männlichen Dandy? Ich bin gespannt! Und hoffe, diese Ankündigung wird realisiert (das Warten auf den Bildungskanon ist ein ja wenig wie jenes auf Godot…..das ich nun schon beinahe aufgegeben habe – vielleicht zu Unrecht?).

  70. @Nikolaus Marggraf,
    Danke...

    @Nikolaus Marggraf,
    Danke nochmals für diese wirklich wertvolle Quelle.
    .
    Sind Sie sicher, daß geschultes Personal auch heute noch ein Statussymbol ist? Dafür hat man heute Autos, Armanduhren und anderen Tand. In den Lifestyle-Magazinen ist von Fotomodellen, Pferden, Privatjets oder Weinkellern die Rede, aber nur selten vom „korrekten Kammerdiener“. Selbst im aristokratischen England, so heißt es, ist der klassische Butler weitgehend ausgestorben. In bürgerlichen Deutschland hat es den nie gegeben, und seit den fünfziger Jahren ist Hauspersonal moralisch tabuisiert. Hat man welches, dann aus Bequemlichkeit, nicht, um damit anzugeben.
    .
    Über die Verhältnisse zu Knigges Zeiten sind wir weitaus besser informiert als über die heutigen. Spricht das nicht schon für sich?
    .
    Das Privatleben der Elite war früher längst nicht so privat wie heute. Die Begegnung zwischen den verschiedenen GEsellschaftsklassen fiel damals viel einfacher als heute, weil es im Alltagsleben Regeln gab, die den Erhalt der Rangordnung garantierten.
    Der „korrekte Diener“ hatte die Funktion, diese Abstände richtig zu verwalten. Es ging eben gerade NICHT darum, die Rangniederen vollständig fernzuhalten (wie das heute der Fall ist), sondern — unter Aufrechterhaltung des Rangunterschiedes — ihnen eine Annäherung zu ermöglichen.
    Das Schloß des Grafen war zwar kein „öffentlicher Raum“ wie der Marktplatz, aber doch ein Ort öffentlicher Repräsentation.
    .
    Das heute geltende Postulat der „bürgerlichen Gleichheit“ erzeugt bei allen eine solche Status-Unsicherheit, daß am liebsten gleich alle zu Hause bleiben oder sich nur noch ganz privat mit denjenigen treffen, sie sie auch persönlich leiden mögen.
    .
    Das Phänomen, daß eingeladene Schriftsteller zwangsläufig über den schlechten Wein, die geschmacklose Einrichtung, etc. lästern müssen (obwohl sie im Leben nie etwas besseres vorgesetzt bekamen), kommt genau daher: Ihre soziale Inferiorität wird ihnen bei einer solchen Einladung erstmals schockartig bewußt (leben ja nicht im Jahr 1775) und durch mutwillig schlechtes Benehmen versuchen Sie, etwas von ihrer „bürgerlichen Emanzipation“ zu retten. Dazu fühlen sie sich als überzeugte Demokraten auch moralisch verpflichtet.

  71. Georgina Darcy, zu Weihnachten...
    Georgina Darcy, zu Weihnachten werden dann die Wünsche erfüllt (hoffentlich)

  72. Das Personal in einem adeligen...
    Das Personal in einem adeligen Haushalt wurde geschult und manchmal geschliffen, wobei ich Unterschiede zwischen Klein- und Hochadel, altem und Amtsadel sehen wuerde.
    Und nicht vergessen! Auch der junge (maennliche) Adelige wurde umfassend geschult, und der Hoehepunkt dieser Schulung war die Kavalierstour, die mehrere Jahre in Anspruch nahm und ihn nach Moeglichkeit nach Italien, Frankreich oder ins Habsburger Reich fuehrte. Sie diente dem Studium, der Verbesserung der sprachlichen Kenntnisse, dem Anknuepfen von Beziehungen, der Durchfuehrung von Geschaeften im vaeterlichen Auftrag … und natuerlich immer dem Erlernen jenes Regelkanons, der ihm ein sicheres Auftreten unter seinesgleichen, Ranghoeheren und Rangniederen ermoeglichte, wenn er etwa zum Abschluss der Tour vom Papst, vom Kaiser in Wien oder vom franzoesischen Koenig in Privataudienz empfangen wurde.
    Dass Schriftstellern bei Einladungen in besser gestellten Haeusern der Wein zu sauer und die Einrichtung zu grell ist, ist gut beobachtet. Wuerde in dem Zusammenhang auch bedenken, dass sie in solchen Kontexten mit ihren intellektuellen Pfunden nicht wuchern und punkten koennen, wenn das verstaendige Publikum fehlt, und das Ganze eher als Statusinkonsistenz (drei Doktortitel ehrenhalber, aber keine Knete) abhaken, ein normales Kompensationsverhalten also; aber man muesste sich die Faelle konkret anschauen.
    Als es mit dem Adel sozial und materiell bergab ging, diente ein uebersteigertes Beharren auf der Etikette in vielen Faellen ja auch solcher Kompensation. Der „Knigge“ ist auch diesbezueglich aufschlussreich – wie die meisten subversiven Buecher.

  73. ...ist ja immer wieder lustig...
    …ist ja immer wieder lustig zu lesen, wie man(n)/frau sich so durchzuadeln zu versucht, indem verhaltensweisen propagiert werden, die in einer (ehemals??) feudalistisch gepraegten gesellschaft „gang & gaebe“ waren. — ich stehe auch fuer hehere werte ein, — alas, der „wahre adel“ kommt von innen und muss sich weder in silberschalen spiegeln, noch in religioesen extravaganzen seinen ausdruck finden. — meist reicht der mensch „in natura“ (in kleinen mengen wohlgemerkt, denn: … „dosis venum facit“ !!)
    ;-)

  74. Werter Don, werte Damen und...
    Werter Don, werte Damen und Herren, bitte entschuldigen Sie daß ich Ihre Vielstimmigkeit zu einem Kanon ausweite, indem ich auf Kommentare zu letzten Beitrag eingehe. Ich denke das Leitmotiv bleibt doch erkennbar.
    Filou,
    „wir sitzen alle im gleichen Dampfer. Irgendwann, irgendwo ist das Ding mal auf diesem Ozean der Idiotie havariert “
    ich nicht ! (life of Brian) mit solcherart Selbstbehauptung fängt Vernunft an.

    Hans Meier
    „Wer von „Konservatismus“ redet, bringt seine Denkverweigerung schon durch die Begriffswahl zum Ausdruck.“
    Wenn Ihnen das Wort nicht gefällt – terminologisch bin ich weder bewandert noch festgelegt. Was die Sache selbst angeht:
    Es fehlt Konservatismus, die Fähigkeit das empfundene und gelebte Einverständnis mit dem was ist als Vernunft des Wirklichen aufzeigen und begründen zu können. Hegel unterzog sich dem schon 1820.
    Wenn Sie das als Denkverweigerung klassifizieren kann das nur in Ansehung ihres subjektiven intellektuellen Vermögens geschehen sein. Was schon 1820 so weit durchdrungen war kann für uns heutige keine Herkulesaufgabe sein, die Geschichte schreitet voran. (Ohne ihr ceterum censeo unterbrechen zu wollen: denken läßt sich das nicht)

    Devin08
    „Eine erzwungene Sparsamkeit also, die höher gewesen sein dürfte, als die vergleichsweise niedrigere Produktivität..“
    Sie spekulieren sich Zahlen zurecht. Das liegt im Kern der Marx’schen Methode durch eine scheinbare Mathematisierung der Wirklichkeit alles in Zahlen zu fassen ohne eine Meßvorschrift die auch nur dürftigsten Ansprüchen genügte.
    Von da aus läßt sich leicht (aus antideutschen Resentiments) verweigerte Solidarität in Klassenkampf umrechnen.

  75. Als man nach ein paar Monaten...
    Als man nach ein paar Monaten nicht mehr aufeinander neugierig war,besiegelte
    mein Zimmervermieter unser Verhältnis so: er putzte meine Silberschale sehr fein und zaponierte sie mit einer Geste von Vorwurf.
    Dass man sich selber nicht kitzeln kann,ist so ein bißchen dies,wenn itha bemerkt,es müsse damit`s aufgeht,ein Wechselspiel sein.

  76. Wieso eigentlich ein...
    Wieso eigentlich ein Audischlüssel in der Silberschale? Für den hätte es als Material doch auch ein Plastik getan, z.B. in Carbonersatzoptik, nicht wahr? Und natürlich „Made in dummer kleiner Stadt“ – da kann man das am besten.
    .
    Nebenbei bemerkt: Wir konnten im Grunde noch nie verstehen, wie man nur bürgerlich war, sein konnte oder wollte. Gibt doch auch anderes, „zumindest als Möglichkeit des Paradigma“:
    Schon immer fuhr Sir Peter Maserati. Und warum auch nicht. Warum soviele Leute am Ende doch mehr Konvention sind, als einfach zu leben, werde ich nie wirklich zu lernen verstehen. (Weil es so viel kostet eben, und zwar mehr als Geld, wie wir wohl alle wissen.) P. Ustinov natürlich. (Und August 1939: „Europa hattte noch einmal einen schönen Sommer gehabt.“ Und Heinz Rühmann war mal wieder mit seinem kleinen sportlichen Cabriolet nach Drehschluss von Berlin aus für Wochen in Richtung Dolomiten verschwunden, „ein paar Pässe fahren“ … . Und dann „kam“ der Krieg. Und Bert Brecht schrieb 1938 in Dänemark „Das Leben des Gallilei“. Und die kleine Stadt war in der kleinen Stadt: Und wir fürchten weiter die Konventionen, „wenn sie Danaer als Selbstgeschenk hervorbringen“.)
    .
    Statt Couch also: http://www.youtube.com/watch?v=jBBY7B3gerk&feature=related Und wie der Mann fliegt, glatt der Hit!
    .
    (Und an „die Apothekerstochter“ haben sicherlich gleich ganz viele auch so gedacht, schon bevor sie im Text kam. Halt gelegentlich schon mal schön, sich und die allgemeinen Verhältnisse wiederzuerkennen. — Und genannte Tochter hat sich trotzdem oder deshalb selbstverständlich weiter prächtig-tüchtig gemacht; strebt jetzt, zwanzig Jahre später, mehr als wahrscheinlich nach dem vielleicht vierten Kind – und der dritten Apotheke, hat einen ebenso tüchtigen Physiker oder Geiger geheiratet, „der ob der „Sachlage“ in den letzten Jahren auch schon mal Hausmann war … .“)
    .
    Und Alessiblech taugt noch nicht mal für den Kindergeburtstag zum Topfschlagen. (Aber des gewahr zu werden muss man wie bekannt vor allem Kinder haben, oder doch irgendwie sonst wenigstens schon mal mit Kindergeburstagen in Kontakt sein – dazu solche suchen statt zu vermeiden. *g*)
    .
    Und man kennt selbstverständlich Leute, die suchen sich ihre Kunden danach aus, dass keine Audifahrer drunter sind. Denn die bringen am Ende nichts als Verdruss. Und kommen deshalb überhaupt nicht bis zur Silberschale, werden schon Wochen und Kilometer im Vorfeld im Foyer der Oper „aussortiert“. Z. B. da.

  77. Schmunzel. Zu Weihnachten? Das...
    Schmunzel. Zu Weihnachten? Das hört sich ja vielversprechend an. Ich vermute, man kann anhand des Hermes-Seidentuchs eine ganze soziale Gruppe der alteuroäischen Geselschaft analysieren, wie Geertz das mit dem Hahnenkampf in Bali gemacht hat. Ich finde solche Ansätze ja immer höchst faszinierend, denn: der Teufel liegt im Detail, oder, poetischer ausgedrückt mit Blake: to see a world in a grain of sand. In einzelnen Facetten leuchtet ja oft eine ganze Kultur, eine ganze Art zu leben auf. Vielleicht wäre das auch ein interessanter Zweiteiler mit Frau Diener – Hermès Tüchlein einmal aus männlicher und weiblicher Perspektive?

  78. @poisson
    Hegel ist heute nur...

    @poisson
    Hegel ist heute nur noch als philosophischer Steigbügelhalter für zwei bärtige Qualitätsjournalisten von Interesse.
    .
    Also rächte sich das Weltgespenst.

  79. Georgiana Darcy, das würde...
    Georgiana Darcy, das würde mir auch gefallen. Denn ich denke natürlich vermutlich zu Unrecht nur an die Steigbügelmotive, und den Umstand des Schenkenden, der sich evtl. auch vom Hermésverkäufer die Grafik der Gehörgangschnecken auf Tuch vermitteln ließe……oder kaufen Frauen solche Tücher sich selbst?

  80. Poisson, Sie sind ein ernster...
    Poisson, Sie sind ein ernster Mensch. Darum ueberlasen Sie: Auf diesem havarierten Dampfer heuerte ich als Leichtmatrose an, obwohl ich ein Patent als Brueckenoffizier besitze.
    Der Leichtmatrose kennt den Platz des versteckten Rettungsflosses, und weiss auch schon, wen er im Fall des Unterganges darauf mitnehmen will: Weiblich, jung, huebsch, akademischer Abschluss, und-ganz wichtig-Vollwaise.
    Soviel aus aus dem Metaphernraum der „Angela Doria“.

  81. Sich selbst bestätigende...
    Sich selbst bestätigende Ressentiments
    @poisson: „Das liegt im Kern der Marx’schen Methode durch eine scheinbare Mathematisierung der Wirklichkeit alles in Zahlen zu fassen ohne eine Meßvorschrift die auch nur dürftigsten Ansprüchen genügte“. Das müssen Sie mir bei Gelegenheit noch mal näher erklären, am besten am „Das Kapital“. Ich fühle mich allerdings geschmeichelt, dass Sie mich da so mir nichts dir nichts der Marxschen Methode zuordnen. Danke für die Blumen. Ich gebe mir jetzt noch mehr Mühe. Ressentiments habe ich vermutlich, wer hat die nicht, aber „antideutsche“?
    Kann es sein, dass Sie aus der ehemaligen DDR kommen (und nie ein besonderer Freund dieses Regimes waren – ich war das auch nie, aber vermutlich aus anderen Gründen als Sie), und sich jetzt wegen Ihrer Ausgrenzung (dem erlittenen Mangel an Solidarität auch für Antikommunisten) beschweren? Noch die Kommunisten aus dem Westen wie auch die Antikommunisten mögen Sie besonders. So fühlen Sie doch, oder? Aber dieses Gefühl trügt Sie, denn ich fühle mit den Leuten (das kann ich belegen, denn ich habe mich dazu schon öffentlich geäußert), natürlich viel besser, da ihnen näher, mit denen, die sich diesem Regimes aus demselben Grund widersetzten, aus dem ich das getan hätte, wenn ich dort gelebt hätte, und die daher niemals Wendehälse hatten werden müssen!
    Sie müssen darauf nicht antworten, aber vielleicht überdenken Sie Ihre pauschalen Vorwürfe mal im stillen Kämmerlein. Wenn Sie aber die völlig unterschiedlichen Perspektiven von Marxisten und Antikommunisten, gleich ob aus West oder Ost, weiterhin unterschiedslos in einen Topf werfen wollen, bekommen Sie darauf nie eine zufriedenstellende Antwort. Und das sind Ressentiments – auf Gegenseitigkeit, wie ich mal vermuten darf -, die sich immer wieder gegenseitig bedienen.

  82. Sehr schön geschrieben,...
    Sehr schön geschrieben, dieser Versuch über die Silberschale. Wobei ich bisher nur mit Kram- (Schlüssel, Zettel) und Süßigkeitenschalen zu tun hatte, und die oft noch nichtmal im Eingangsbereich. Aber wenn ich mirs recht überlege, gibt es diese Schalen, wenn auch nicht in der mutmaßlichen Originalform in Silber, doch recht oft.

  83. @poisson, sollten Sie in der...
    @poisson, sollten Sie in der Paginierung der „Kapital“-Baende – sicher eine kleine Verbeugung vor den Rationalisierungstendenzen der modernen Welt – die Qintessenz einer mathematisierenden Wirklichkeitssicht herauslesen? Wenn ja, dann muesste eine Formel, wie ich sie zufaellig auf S. 571 des 1. Bandes finde:
    Arbeitspreis = (Tageswert der Arbeitskraft) : (Arbeitstag von geg. Stundenzahl)ja als hoehere Mathematik einstufen. Es gibt forsche Mathematiserungsversuche dieser Theorie, bei John E. Roemer etwa, aber nicht bei Marx. Wo denn?
    Und noch ein Wort zur „Messvorschrift“. Wahrscheinlich gibt es nur wenige Theorien, in denen eine solche praeziser formuliert ist, als im Marxschen Wertgesetz, anknuepfend an A. Smith, aber das muss ja kein Nachteil sein.
    Und heute liest man von der Gier, vom Herdentrieb …, als theoretische Variable, und auch die Moral kommt nicht zu kurz, was auf solchem Niveau natuerlich fast zwangslaeufig ist. Was fuer ein Rueckfall!

  84. Tankgeld in der...
    Tankgeld in der Silberschale…? Es ging durchaus auch anders: Da wurde das Autochen in Vaters werter Firma betankt. Und wer einmal einen Blick in Münchens Süden wirft, wird viele realexistierende Chauffeure, Gärtner, Köche und Haushälterinnen finden. Da ist das äußerst normal und nichts Exotisches. Wobei diese noch genauso ‚geschliffen‘ werden wie zu Adelszeiten, nur dass heute der Schliff eher darin besteht, so lange zu wechseln, bis man ’seine‘ Wunsch-Bediensteten gefunden hat.

  85. filou, Bedaure unernster als...
    filou, Bedaure unernster als ein halbes Filmzitat kann ich nicht.
    -Nur das Wahre ist amüsant, und nur das Amüsante wahr (zu viel Hegel letzthin)

    Bei der Zahl der patentierten Cap Horniers in Leichtmatrosenkluft sollte es mich nicht wundern, wenn es dann doch zu einem Gerangel beim Rettungsfloß käme. Insgesammt entspricht es nicht gerade guter Seemanschaft, bei schwerem Wetter der Mannschaft (und den Passagieren) die eigene Hand vorzuenthalten. Also an Methaphernraum:
    „All hands!“.
    Hans Meier,
    „Hegel ist heute nur noch als philosophischer Steigbügelhalter für zwei bärtige Qualitätsjournalisten von Interesse.“
    Wir verfügen ja heute über den Begriff des sog. „objektiven Interesses“. In diesem Sinne wage ich zu sagen: Hegel zur Kenntnis zu nehmen, liegt ganz in dem Ihren, weil Sie sich nach der Lektüre die Einwände gegen „Mehr Feudalismus wagen“ selber machen könnten

  86. Devin08, melde mich gehorsamst...
    Devin08, melde mich gehorsamst zurück aus dem stillen Kämmerlein. Allein die Höflichkeit gebietet auf Ihre Fragen zu antworten.
    „Kann es sein..?“ Klar kann es sein, jemand der in 2009 in der BRD lebt kann in der DDR geboren sein.
    „So fühlen Sie doch..“ Na ich weiß nicht, aber ich bin ja auch nicht Schiller
    „Sie müssen nicht..“ Nein ich muß nicht.
    „Pauschale Vorwürfe…“
    Entschuldigung das war als konkreten Einwand gegen ein konkretes Argument gedacht. Der Rest sind Fakten
    1) Natürlich ist das „Kapital“ als eine politische Ökonomie der Versuch einer mathematisierenden Theorie -Was denn sonst ? Was ist sonst „Werttheorie“ und was vom „Gesetz der fallenden Profitrate“ zu halten, oder sind das bloße Methaphern ?
    2) Und natürlich war die verweigerte Solidärität in weiten (linken) Kreisen in antideutschen Resentiments begründet. (Jeder A… hat zwei Hälften, die endgültige Teilung Deutschlands bleibt unser Auftrag usw. solche Gags hatten doch einen Resonanzboden.
    G. Schoenbauer, Ein Dreisatz ist keine höhere Mathematik, aber Mathematik. Im Kern der Kapital-Logik steht das „Wertgesetz“, das ist aber nichts anderes als der Versuch einer axiomatischen Begriffsetzung eben des Werts als meßbarer Größe. Diese Mathematisierung ist eben etwas anderes als Mathematik. Es ist der Versuch ein naturwissenschaftliches Program in die Politik zu übertragen – das grandiose Scheitern dieser Unternehmung läßt sich gerade überall da bewundern wo kleinere oder größere Wertkorrekturen durchgeführt werden.

  87. Ach, Poisson, im Marxschen...
    Ach, Poisson, im Marxschen Kapital geht es – zunächst einmal – nicht um Politik, sondern um Ökonomie. Und Warenwerte werden zunächst einmal in Zahlen ausgedrückt – man nennt das, nicht nur bei Marx, Preise. Mit Mathematik oder gar eine Mathematisierung der Politik hat das wenig bis nichts zu tun. Auch gibt es bei Marx kein „Gesetz der fallenden Profitrate“, sondern nur einen „tendenziellen Fall der Profitrate“, nach dessen Konstatierung Marx seitenlang ausführt, was diesem entgegenwirkt. Nichts für ungut, aber was von kommunistischer Seite über Marx schwadroniert wurde, hat mit dem, was der gute Karl schrieb und meinte tendenziell wenig zu tun.

  88. ... und wir streiten wieder...
    … und wir streiten wieder über den Marxismus!
    Willkommen daheim, braucht jemanden nen Joint?

  89. ... und gleich...
    … und gleich nachgeschoben:
    Fritz Raddatz hat in seiner Marx-Biographie nicht unerwähnt gelassen, daß die Familie Marx in England zeitlebens isoliert blieb, da sie einfach nicht lernte, wie man sich dort richtig benahm. Gewiß hatten die Marxens auch so eine Schale im Eingang, aber lagen dort auch Visitenkarten? Die unglückliche Jenny geb. von Westphalen war mit der Britishness überfordert. Sie wollte dort immer noch mit ihrem Adelstitel wuchern, nicht wissend, daß man auf der Insel „alle kontinentalen Titel für erfunden und erlogen hielt“.
    Dem Engels gelang es weitaus besser, sich über die Jagd-Hund-Waffen-Schiene in die lokale gentry einzusickern.
    Aber an Lassalle kamen beide nie heran, an ihr Dienstmädchen schon.

  90. Solidarität oder...
    Solidarität oder Opportunismus
    @poisson: Alter Bolschewik und Schoenbauer haben alles gesagt, was es zu Marx und zu seiner „Wirtschaftstheorie“ (die natürlich mehr als eine Wirtschaftstheorie ist, denn sie ist die Theorie von der Bewegung des Kapitals, die zum Sozialismus führt). Nun zu den Geschichtsmärchen.
    Ich gehöre zu denen, die zufälliger noch die alten, die ganz alten Positionen zur Existenz der DDR kennen gelernt haben. Zu dieser Zeit – so etwa Ende der 60er – war ich selbst noch nicht politisch und schon gar nicht marxistisch. Die Begründung vieler Linker damals war, dass nur die deutsche Teilung eine Wiederholung des deutschen Faschismus verhindere.
    Ich weiß das deswegen so genau, weil ich damals, so politisch unbedarft ich da war, natürlich für die deutsche Wiedervereinigung war. Man bezeichnete mich damals als einen Faschisten. Ich war schockiert, denn das wollte und konnte ich nicht sein. Jahre danach, ich war mittlerweile selbst Marxist, aber Kritiker dieses Ostblocks – jenes Reiches des sowjetischen Sozialimperialismus -, war die Frage der deutschen Einheit kein Thema für die Tagespolitik, aber eines für den Aufbau einer revolutionären kommunistischen Partei in Westdeutschland. Wer sich dem westdeutschen Revanchismus widersetzt, ist natürlich für eine klare organisatorische Trennung gewesen, in Westdeutsche, Westberliner und DDR-Deutsche.
    Aus Sicht eines westdeutschen Marxisten war dieses 89 dann auch keine Revolution und auch keine Wiedervereinigung, sondern eine Annektion, eine Plünderungsaktion. Die Vorstellung der Massen in der DDR von dem was da komme, waren für uns Westler verständlich, aber nicht akzeptabel.
    Der Wunsch nach Einheit war begreiflich, aber politisch verheerend, eigentlich naiv. Wer das heute noch leugnet, kann aber nicht mehr als naiv bezeichnet werden, sondern als ignorant. Nicht im Namen der Demokratie wurde da die DDR liquidiert und dem Westen angeschlossen, sondern im Auftrag eines großdeutsch denkenden Kapitals. Das ist eine politische Tatsache, wenn auch die alten DDR-Kader genau dafür eigentlich die Hauptverantwortung tragen, selbst dann, wenn klar ist – auch und gerade einem Linken, dass eine deutsche Trennung auf Dauer von Anfang zum Scheitern verurteilt war. Doch immer gab es die Option einer Einheit auf revolutionärer Grundlage. Die gab es nach dem Krieg – diese wurde vom Westen sabotiert. Und die gab es selbstredend auch 1989. Allerdings gab es 89 weder im Westen noch im Osten dafür ein revolutionäres Subjekt. Ein solches, dass es nicht hingenommen hätte, dass die DDR kolonisiert wird, zu Deutsch-Ostafrika wird. Diese Option nicht ergriffen zu haben, ist der Makel nicht nur dieser Einheit, sondern auch und gerade seiner Bevölkerung – in Ost und West. Die Ironie des Kapitals hierzu, nämlich dass diese Einheit über die deutschen Sozialsysteme, von der deutschen Arbeiterklasse also, bezahlt wird, spricht eine deutliche Sprache. Welch eine Verhöhnung des Klassengegners.
    Allerdings war die so geschaffene deutsche Einheit ein Fakt, ein nicht mehr zu leugnender. Das Thema der organisatorischen Trennung war obsolet. Nicht obsolet war aber die Frage des Verhältnisses zwischen den alten DDR-Kadern und den wahren Marxisten, des Verhältnisses zwischen Kapitalismus und Sozialismus, des Verhältnisses zwischen Einheit und Spaltung.
    Der Kampf für den Sozialismus hat eine schlimme Niederlage einstecken müssen, aber er ist nicht vom Tisch. Und die Bevölkerung der ehemaligen DDR spielt hierbei womöglich das Zünglein an der Waage. Der kolonisierte Teil Deutschlands wird doppelt unterdrückt, gewissermaßen „national“. In diesem Sinne ist die alte Frage der organisatorischen Trennung nicht ganz erledigt. In dem Maße wie sich die Bevölkerung der ehemaligen DDR gegen diese doppelte Ausplünderung, gegen die Verwandlung in einen Rentnerstaat unter Mafiaregie, in ein entindustrialisiertes Westbiotop, wehrt, entwickelt sich quasi eine Art nationaler Binnenkonflikt. Die ehemalige DDR steht neben den Migranten in diesem Land für Gleichberechtigung oder für eine Parallelgesellschaft. Für Widerstand oder Unterordnung, für Solidarität oder Opportunismus.

  91. Hats den Lasalle nicht bei...
    Hats den Lasalle nicht bei einem Duell erwischt? Fuer einen Frueh-SPDler ist das doch ein bemerkenswertes Ende.
    Ach, haetten sich seine Nachfolger doch ein Beispiel daran genommen.

  92. @HansMeier555: Sie scheinen ja...
    @HansMeier555: Sie scheinen ja gut informiert über die Latrinenpropaganda. Gibt es da auch ein paar Fakten, die sie zu berichten hätten, mal abgesehen von Ihrer Wertschätzung Lassalles, über die man nicht diskutieren kann – außerhalb der Politik jedenfalls?

  93. Was ich von...
    Was ich von loyaloppositionellen demokratischsozialistischenOssies immer wieder gehört habe:
    „Wir hatten Ideale, ihr im Westen dagegen denkt nur materialistisch.“

  94. kleinerberg, es gibt Frauen,...
    kleinerberg, es gibt Frauen, die bei Hermès Seidentüchern einen gewissen Sammeltrieb entwickeln, ergo, sie selbst kaufen, und andere, die sie von ihrer Großmutter geschenkt bekommen, die ihre Bestände loswerden möchte….

  95. Und dann noch jene (...
    Und dann noch jene ( vermutlich mehr als 95%), die es eigentlich gaaaar nicht haben wollten und von einem Mann gesc henkt bekamen und es jetzt natlich tragen, aber sie selbst würden nie…

  96. Sie wäre das...
    Sie wäre das Volk
    @HansMeier555: Marxisten sind historische und dialektische Materialisten. Ideale zu haben, können einem solchen Materialismus wohl nicht entgegen gesetzt werden, aber nur Ideale und keine Theorie sehr wohl. Eine solche Theorie kann Ideale sogar zerstören, konterkarieren. Ein gutes Beispiel mag dabei der Streit zwischen Marx und Heine gewesen sein (siehe: Heine und Hölderlin, http://blog.herold-binsack.eu/?p=477). Heines Ideale standen über dem Kommunismus, und doch war er Materialist genug, eben nicht Idealist, um zu begreifen, dass der Kapitalismus den Sozialismus, und damit den Kommunismus, auf die Tagesordnung setzt. Dass die Freiheit an der Notwendigkeit scheitern wird, das befürchtet Heine, und Marx wird das nicht geleugnet haben. Es sei denn, die bürgerliche Herrschaft distanziere sich von sich selber, ermöglicht mehr Freiheit als ihr notwendig erscheint. Solches anzunehmen war immer schon eine Möglichkeit, aber nicht Notwendigkeit, in aller Regel sogar eine Dummheit. Marx glaubte ein Zeit lang, dass in England ein friedlicher Übergang zum Sozialismus möglich sei – eine Zeit lang -, eine unter bestimmten Bedingungen.
    Die Notwendigkeit zerstört alle Ideale, besonders die, die so notwendig sind. Die Kritik am materialistischen Westen ist eine am konsumistischen Westen, eine völlig falsche also.
    Und dass die DDR-Sozialisten Ideale gehabt hätten, war eine Beschönigung dessen, was in Wahrheit eine Notwendigkeit war. Notwendig war die Mauer, da das Regime kein sozialistisches war, aber auch kein kapitalistisches, sondern ein kolonisiertes, ein vom Sowjetreich abhängiges. Notwendig war diese Kolonie aber auch deswegen, da es im Osten Deutschlands, ganz besonders dort, nach dem Ende des 2. Weltkrieges eben kein sozialistisches Subjekt gab, eines solchen, das die Eroberung dieses Teils Deutschlands durch die Sowjetarmee in eine Revolution hätte überführen können. Der Sozialismus als Kolonie – ein Widerspruch in sich selbst.
    Ideal war das also nicht, sowenig wie ein Ideal, sondern eine notwendige und solchermaßen vorübergehende Lösung. Eine die die Lösung erheischte – eine revolutionäre oder konterrevolutionäre, eine die den Kalten Krieg beendete.
    Ein Ideal, nein eine Wunschvorstellung, wäre, dass diese „DDR-Bevölkerung“ endlich erwacht, sich aus ihrer preußischen Tradition befreit, und Widerstandsgeist entwickelt. Denn, sie wäre das Volk.

  97. Wohin mit all dem Volk?
    Zu dem...

    Wohin mit all dem Volk?
    Zu dem Thema „Wir sind das Volk“ habe ich im Februar 2004, in einem anderen Zusammenhang, in einem anderen Forum, einen Beitrag verfasst, den ich hier präsentiere und zur Diskussion stelle.
    Damit möchte ich auch deutlich machen, dass ich den Wunsch des Volkes der ehemaligen DDR nach Souveränität in einem vereinigten Deutschland nicht nur fördere, sondern darüber hinaus auch einfordere. Nur Souveränität wo? Im Himmel oder auf Erden?
    Denn: Wohin mit all dem Volk?
    Als sie skandierten, die siegestaumelnden Massen: „wir sind das Volk“, frohlockten im Westen nicht nur die Heuchler und Demagogen, auch das hiesige Volk empfand seine klammheimliche Freude, ob dieses Mutes, den man weder dort wie hier, und dort schon gar nicht, vermutete. Das Volk und nicht der Untertan: in Deutschland, endlich nicht nur ein Traum mehr und sei es auch nur für einen Tag.
    Und nicht nur dem, dem Volke so feindlichen chauvinistischen, sondern auch dem kritischen, auch im Westen dem Volk so fernen, Kopfe, dämmerte es bald, recht bald, was dem siegreichen besiegten Volk, hinter dem irrlichternden Flackern ungezählter Kerzen schon entgegenzüngelte, bevor die Mauer restlos geschleift:
    Was niemand ahnte, hier wie dort: dass es nicht das Volk war, dass die Revolution über die Mauer, sondern, dass es diese „Revolution“ war, die das Volk zur Mauer trieb. Eine Revolution, die die Menschen nicht nur aus ihren „Blöcken“, sondern auch bald aus ihren nationalen Gebinden und wohl auch demnächst von ihrem Planeten „befreit“.
    Und ein Gespenst geht um die digitale Welt:
    Globalisierung
    Und das neue Manifest, nicht mehr gehämmert in der markigen Sprache für Plebejer oder Proleten, mittels einer Maschine auf geduldigem Papier, sondern projiziert in seiner multidimensionalen Vielfalt der Formen an einen sternenübersäten Himmel, und Bits und Bytes formen den Rhythmus seiner mathematischen Sprache, kündet von einer nicht mehr all zu fernen Zeit, in der es endlich lautet:
    Es geht ganz ohne das Volk!
    Das Geld: es halluziniert sich endlich aus seiner abstrakten Wesenheit und befreit sich so aus seinem bloßen Dasein als Geist der Welten zur einer neuen materiellen Gewalt, ja zur einzig wirklichen Materie in einer Welt der Zahlen und abstrakten Gebilde.
    Und das Volk schafft jetzt seine letzte Leistung, indem es die Inhalte seiner Gehirne, welche eh schon lädiert durch BSE und dergleichen, transformiert aus dem schnöden Stoff der irdischen Kohle in das genetisch saubere und universal kompatible Silizium.
    Und so wird das Geld endlich zum Schöpfer allen Lebens, eines Lebens, so mobil, dass es nun die letzte seiner Begrenztheit überwindet:
    Die Dimensionen des Weltalls.
    Und nicht mehr nur die Ahnung von der Götter Dämmerung treibt es in seiner Bahn – von Ewigkeit zu Ewigkeit –, sondern die neue Hoffnung auf der Götter Begegnung am Firmament des Himmlischen, das Geld endlich befreit von des Volkes erdigen Seins.

  98. @Don
    Ein Beitrag über die...

    @Don
    Ein Beitrag über die Seidentüchlein ist überfällig, eventuell irgendwie in Kombination mit Classic Radio, mit den „300 essential classics für 69,99 Euro“ und einigen Querverlinkungen zu Tom Waits und Urlaub auf Gomera.

  99. @Devin08
    Kolonien find ich...

    @Devin08
    Kolonien find ich gut. Im richtigen Feudalismus heißt das zwar „Lehen“ oder „Grundherrschaft“, aber seitdem die Spanier in Übersee soviel wildes Brachland auf einmal abgesteckt haben, musste man halt mit heißerer Nadel stricken, so daß alles quadratisch-schäbig-lattenzaunmäßig aussieht, im übrigen bis heute: Zwischen den Wolkenkratzern sammelt sich der Müll.
    Eine Wunschvorstellung wäre, daß die „Gesellschaft“ endlich erwacht, sich aus ihrer bürgerlichen Tradition befreit, und Herrschaftsgeist entwickelt. Denn, sie wäre die Aristokratie.

  100. geargiana darcy, ich danke...
    geargiana darcy, ich danke Ihnen für Aufklärung-es interessiert mich Textiles im
    gewissen Rahmen tatsächlich. Don Alphonso allerdings bestätigt meine gewagte
    Vermutung-der nebenbei bemerkt eben- mir fast wie ein Gespenst aus den voluminösen ,eigenlebenmutierten( natürlich weitghendst aufklärerischen) Beiträgen der Community, unvermittelt auftauchte, und das Marxexponierte Feuer weder anfächert noch gegensteuert,sondern ausprobiert wie es erwiesenermassen auch geht,wenn man Jungs am Rand einer Wiese aufstellt und in die Mitte einen Ball legt……

  101. Denn göttlich ist der...
    Denn göttlich ist der Mensch
    @HansMeier555: „Eine Wunschvorstellung wäre, daß die „Gesellschaft“ endlich erwacht, sich aus ihrer bürgerlichen Tradition befreit, und Herrschaftsgeist entwickelt. Denn, sie wäre die Aristokratie.“ O.K., einverstanden, im Heineschen-Hölderlinschen Sinne, denn göttlich ist der Mensch, dessen Götter den Menschen über sich erheben.

  102. ... wie heisst es so schoen,...
    … wie heisst es so schoen, verehrter Herr HansMeier555: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“
    Nur die Heizkosten fuer die Schloesser, mit ihren weiten Fluren, hohen Zimmern, hellhoerigen Tueren … Laeuft das ganze dann ueber Hartz IV, oder muessen die repraesentativen Raeume – wie etwa in Regensburg – regelmaessig an den „Klassenfeind“ vermietet werden; habe auch schon einmal in einen ehemaligen Schloss einen Urlaub verbracht, und das als Buergerlicher.
    Das mit dem Adel ist ja so eine Sache, bei Unterschieden zwischen einzelnen Laendern und zu verschiedenen Zeiten, versteht sich. Dass man die Koenigin im Vorfeld der Franzoesischen Revolution in der Oeffentlichkeit ungestraft eine Hure nennen konnte (Halsbandaffaere), wirft nur ein Schlaglicht auf die allgemeine Misere der damaligen Aristokratie, und um die Staatsfinanzen war es damals gleich noch schlechter bestellt als im heutigen Amerika, was allerdings nichts mit verscnwenderischer Hofhaltung zu tun hatte, sondern mit den diversen kriegerischen Verwicklungen.

  103. @G.Schoenbauer
    Sehen Sie, das...

    @G.Schoenbauer
    Sehen Sie, das ist ja das traurige: Daß die heutige Aristokratie von ihrem und unserem Geld einfach mal zig Milliarden verballert und das alles — für popelige Einfamilienhäuser, die jetzt im häßlichen, nie zuende kolonialisierten amerikanischen Mittelwesten unbewohnt verrotten.
    Da wäre doch so ein oberbayerisches Schlößlein, so ein Opernhäuslein oder ein Diamanthalsbändchen allemal die lohnendere Investition gewesen — langfristig meine ich.

  104. grade Coco Chanel gesehen:...
    grade Coco Chanel gesehen: Gähn. 2 Minuten Handlung in 2 Stunden Film. Es wird höchste Zeit, daß irgendjemand das Korsett wieder einführt. Vielleicht ja auch für den Mann?

  105. @Devin
    Kommt darauf an, wie...

    @Devin
    Kommt darauf an, wie man „Gesellschaft“ definiert.

  106. Werter HansMeier555, damit...
    Werter HansMeier555, damit sind wir fast bei Ausgangsfragestellung dieser Blog-Thematik: Was ist die Gesellschaft, was sind die zentralen Instutionen und deren Spitzenpositionen, mit welchem Personal sind diese Positionen besetzt, mit einem Wort: der Frage nach den Stuetzen der Gesellschaft.

  107. ... und beinahe haette ich es...
    … und beinahe haette ich es vergessen, die Anschlussfrage: Wo ist in den Kreisen, in denen man es vermuten koennte/sollte, im Flur die ominoese Silberschale abgeblieben?

  108. hans meier,
    .
    guter vorschlag,...

    hans meier,
    .
    guter vorschlag, um von den querelles allemandes loszukommen.
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    sedentücher von hermes – die dort sind nicht so vornehm, dass sie keine homepage hätten, man braucht also nicht an ort und stelle zu reisen.
    ja, paris, das wäre doch ein thema, der bezug zu marx wäre über heine herzustellen, dann käme noch börne ins spiel, von diesen beidem und ihrem speziellen verhältnis aufeinenader bis zur vereinigung wäre gerade noch ein schritt.
    leider wächst bei mir still aber zunehmend die vermutung, dass das paris in meinem kopf etwas anderes ist, als das, was dort an ort und stelle empfunden wird –
    .
    seidentücher von hermes gehören untrennbar zur französichen bourgeoisie. angeblich war es tradition, dass die muttter ihrer tochter zur volljährigkeit ein solches tuch schenkte.
    .
    von da aus noch ein seitenschwenk zu den shalls und kashemirs der belle epoque und ihren trägerinnen und das bild von paris im kopf ist vollends abgerundet.
    .
    meine kenntnisse über sitten und gebräuche gewisser minderheiten sind einer wenig zielgerichteten lektüre geschuldet, die möglichkeit teilnehmender beobachtung bleib mir bisher mangels entsprechenden verwandten und bekannten versagt.
    .

  109. Soeben "Butler Service"...
    Soeben „Butler Service“ gegoogelt.
    Ja, das gibt es wirklich, aber mehr für Events im Business Context, weniger für den privaten Elite-Alltag.
    Wenn man die gleich daneben auftauchenden Treffer zum „Escort-Service“ nicht dazurechnet.
    .
    Also, ich sehe da noch einiges Potential.

  110. ...
    http://www.youtube.com/watch?v=ur5fGSBsfq8
    .
    Bitte angucken,auch Marx spielt den Ball!

  111. @noch so einer
    Huch, da...

    @noch so einer
    Huch, da steht’s wirklich. Es heißt, der Markt für den klassischen Butler gehe zurück, es seien heute mehr so Allround-Genies gefragt.
    .
    Nun, das muß man halt noch aktiv promoten, eine Werbekampagne starten, mit ein bissel sevice-placement in den Nachmittagsspielfilmen, etc.
    .
    Das Berufsbild entspricht doch haargenau dem, was sich die jungen Leute, die „mal was mit Medien machen“ wollten, als Traumjob vorgestellt haben.
    .
    Schicke Kleidung, Nähe zu den Reichen und Mächtigen, stabile Bezahlung inklusive Kost und Logis, angesagte locations und ideal für Singles.
    .
    Könnte da nicht die Arbeitsagentur mal eine große Umschulungsaktion starten?

  112. Nichtidentische...
    Nichtidentische Gesellschaft
    @HansMeier555: „Gesellschaft“ im aktuellen Sinne ist die gespaltene, die Klassengesellschaft, die nicht identische. Die hölderlinsche Götterwelt steht für eine revolutionäre Gesellschaft, für eine im Umbruch, welche den Menschen „über sich erhebt“. Die durchgöttlichte Natur bei Hölderlin ist die allegorische Überhöhung eben jener Gesellschaft (Vater Rhein, die Urgestalt des Freiheitskampfes der Deutschen). Heine hingegen sieht die Göttlichkeit des Menschen im Menschen selber, im Menschen, der sich über die Notwendigkeit erhöht, zur Freiheit befähigt ist. Laut Marx ist die Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit, was Heine aber als eine kommunistische Verkürzung empfand, weil er den Druck der Notwendigkeit auf die Freiheit verspürte. Die Differenz zwischen Freiheit und Notwendigkeit, die Nichtidentität, ist der Spielraum für das Subjekt, für ein revolutionäres hin zum Sozialismus aber auch zur Barbarei (Marx). Freiheit und Notwendigkeit sind also nur vermittels des Subjekts identisch, in Form der revolutionären Bewegung, nicht im objektiven Sinne.
    Die bürgerliche Gesellschaft, die bürgerlich-aristokratische, ist die Verkürzung als Gesellschaft der oberen Klassen, als Bewegungsraum des Kapitals. Die proletarische, die sozialistische Gesellschaft, wäre demnach eine Übergangsgesellschaft, eine nicht notwendig barbarische – hängt vom Klassenkampf ab -, aber mit Sicherheit eine nicht freie, im bürgerlichen Sinne, denn sie schränkt den Bewegungsraum für das Kapital ein.
    Erst die kapitallose Gesellschaft wäre dann wieder eine umfassend freie, da klassenlose Gesellschaft, eine vorübergehend wieder identische, und damit als solche die letzte aller Gesellschaft. Eine identische Gesellschaft ist eine Nicht-Gesellschaft. Es folgt ihr das Reich der Freiheit, das Ende der Notwendigkeit, das Ende der Politik wie der Politischen Ökonomie, mit neuen Widersprüchen, aber ohne Klassenantagonismen.

  113. Sehr geehrter Don,
    wir hier in...

    Sehr geehrter Don,
    wir hier in Hamburg mussten doch ein wenig übe Sie lächeln: Sie haben keinen guten Hausgeist bei sich im Haushalt. Bei uns in unserer Familie haben wir seit ununterbrochenen 27 Generationen diese Hausgeister. Aktuell ist es der gute Herr Petersen. Wie in vielen schlechten Reportagen im Fernsehen zu sehen, sidn heutige hilfreiche Hände mit dem Wort Butler verenglischt worden und haben nur einen begrenzten Tätigkeitsbereich. Die Tätigkeit unseres Herrn Petersen ist umfangreich. Er ist eine Art von Facility Manager und vieles darüber hinaus. Er teilt das Personal ein, organisiert Hadwerker und kümmert sich um das Tagesgeschäft eines so großen Haushalts. Ohne ihn könnten wir uns gar nicht vor den Freitagskrimi setzen. Die Silberschalen, die Sie darstellten würde Herr Petersen niemals zur Hand nehmen, sondern damit dem Gärtne auf die Hände schlagen, wenn dieser die Hecken falsch geschnitten hätte. Unsere gebräuchlichen Schalen sind kleiner, ohne Henkel und in einwandfreiem Zustand. Verarmter Adel und aufstrebendes Bürgertum haben dann die alten Schalen aus unseren Küchen gekauft, um so zu tun, als würden sie zu uns gehören. höhö.
    Also, wenn man nicht geburtsadelig ist, besser auch die SChale am Eingang weglassen, bitte!
    Beste Grüße aus dem Herrenzimmer
    MvB-B

  114. Durchlaucht,
    haben Sie...

    Durchlaucht,
    haben Sie untertänigsten Dank für Ihre Erläuterungen.
    Doch erlauben Sie mir nachzufragen:
    War es tatsächlich der verarmte Adel der bei Ihnen die Schalen kaufte? Und warum standen die denn zum Verkauf?
    .
    Und würde Ihr tüchtiger Herr [sic?] Petersen eventuell (gute Empfehlungsschreiben vorausgesetzt) so freundlich sein, auch umgeschulte PR-Experten, ehemalige CEO’s oder Qualitätsjournalisten für diese schwierige Tätigkeit anzulernen? Oder zumindest als Praktikanten eine Chance zu geben?
    Haben Sie im Voraus untertänigsten Dank von mir und von all den jungen Leuten!
    Gruß

  115. Sehr geehrter...
    Sehr geehrter HansMeier555,
    die Familie – und auch andere befreundete – sortieren von Zeit zu Zeit altes Silber aus, wenn es zu schadhaft wird, um es stehen zu haben, gesehen zu werden oder seinen Zweck zu erfüllen. Erst wird es an das Personal verschenkt, die es dann womöglich auf so genannte Flohmärkte schaffen. Von dort wird es dann wohl recycled. Aber es ist schön, dass daraus dann keine Coladosen gepresst werden, sondern als etwas ganz ganz besonderes von der zweiten Nutzergeneration angesehen werden. So etwas rührt mich….
    Ich habe unseren Herrn Petersen gefragt. Er ist in der dritten Generation seiner Familie in diesem Beruf. Seiteneinsteiger werden wohl vornehmlich an Ölscheichs, Russen und Neureiche vermittelt. Diese Vertrauensstellungen werden von HandzuHand weitergegeben. In unserem nobilitasnetzwerk werden manchmal diese hilfreichen Hände weitervermittelt, wenn der letzte seiner Art von Arbeitgeberseite verstirbt, der Hausgeist aber noch zu jung für den Ruhestand ist.
    Es gehört sehr sehr viel zu diesen Tätigkeiten und werden wohl eher weniger von PR-Beratern ausgefüllt werden können. Von diesen gibt es ja nun auch genug bei xing unter „arbeitssuchend“…
    Beste Grüße aus dem Chesterfield
    MvB-B

  116. Euer Durchlaucht,
    Ihre...

    Euer Durchlaucht,
    Ihre Erklärung hat mich sehr erleichtert. Dann brauche ich beim Anblick meiner Silberschale also kein ungutes Gefühl zu haben, ich könnte ein Kleinod zu horten, das mir eigentlich nicht zusteht.
    .
    Was den Vertrauensdiener betrifft, so möchte ich Sie bitten, dessen „Aussterben“ nicht für einen zwangsläufigen Vorgang zu halten. Es ist in Wirklichkeit nur eine Frage des bewußt gewählten Lebensstils. Wenn der wohlhabende Mittelstand sein Geld nicht mit Autos oder Wertanlagen verpulvern, sondern nachhaltig in die gute Ausbildung von Personal investieren würde, dann wäre das von großem Gewinn nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die soziale Ästhetik.
    .
    Durchlaucht mögen nur bedenken, welch erzieherische Wirkung schon alleine vom Anblick eines befrackten Dieners ausgeht. Da fährt der Zeigefinger dem Jüngling ganz von selbst aus der Nase, Hände rutschen aus den Hosentaschen und hingeflözte Backfische richten in ihren Korbstühlen sich auf.
    .
    Durch den Unterhalt von wirklich gut ausgebildetem Personal kann der wohlhabende Mittelstand seiner sozialen Verpflichtung besser entsprechen als durch irgendwelche Mitgliedschaften in rotürischen Klubs oder Spenden an zweifelhafte Organisationen.
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    Bitte geben Sie den jungen Leuten hin und wieder mal eine Chance, egal woher sie kommen mögen, oder wie ihre Fingernägel bei der ersten Begegnung aussehen mögen. Viele von diesen haben im Kern einen guten Charakter und nur noch nie jemanden gehabt, der sie führen und formen kann.

  117. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr HansMeier555,
    das Nachwuchsproblem stellt sich fast nie. Bedienstete dieses Standes werden extrem alt und kaum einer geht vorzeitig oder rechtzeitig mit 65, 67, in den Ruhestand. Ihr Beruf ist Berufung. Somit habe ich unseren Herrn Petersen von meinem seligen Herrn Vater geerbt. Und wenn es so weiter geht wird der jetzt 32jährige Sohn von ihm meinem Sohn und meiner Tochter zu Diensten sein. Herr Petersen würde sich wigern einen Frack zu tragen, dafür hat er genügend Personal zum Einteilen. Er hat mehr das Aussehen und Benehmen eines Manages. Dies aber mit positiven Attributen, nicht so wie heutige „Manager“. Er leitet und dies wird bei uns im Hause sehr gut bezahlt. Allerdings hat mich Herr Petersen gebeten, dass meine Sekretärin, die dies für mich schreibt, nicht mehr so viel über ihn schreiben soll, es würde ihm nicht zustehen. Gut, denn…
    Sie sprachen von wohlhabendem Mittelstand. Wie lange wird es ihn wohl in der Form noch geben? Und dazu kommt, dass die 68er Generation dafür gesorgt hat, dass sich jeder, der Personal beschäftigt, ein Ausbeuter und Sklavenhalter zu sein scheint. Selbst die erste Putzfrau bei komplett berufstätigen Paaren ist schon ein sialverändernder Schritt…
    Wenn denn nun auch jeder Personal beschäftigen könnte, wäre dies die gleiche Entwicklung wie beim Automobil. Erst hatten es nur wenige, mein seliger Großvater hatte eines der ersten mit Chauffeur, dann kam der Fernseher, auch hier waren wir die ersten, dann Mobiltelefone und ud und… Wenn Nokia und Apple nun auch noch Personal für jeden zur Flatrate anbietet, werde ich mit Herrn Petersen reden müssen…
    Beste Grüße aus der Orangerie
    MvB-B

  118. Euer Durchlaucht,
    für die...

    Euer Durchlaucht,
    für die Erhaltung kultureller Traditionen lohnt es sich auch zu kämpfen.
    Die 68er haben die Pensiongrenze erreicht und werden heilfroh sein, wenn ihre eigenen Kinder und Enkel auf Ihrem Schloße irgendwie unterkommen.
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    Was den wohlhabenden Mittelstand betrifft, so scheint er mir eine aufstrebende soziale Gruppe zu sein. Denken Sie nur an die abgefundenen Bankmanager. Wie kann jemand, der 30 Millionen auf dem Konto hat, ohne einen Herrn Petersen auskommen? Das müsste man diesen Herren nur in der richtigen Form nahebringen. Da gut geschultes Personal schließlich auch auf die Herrschaft selbst mitunter eine erzieherische Wirkung auszuüben vermag (etwa bei der Weitergabe von Traditionen im Falle eines Generationswechsels), hätte dies eine sozialästhetische Wirkung weit über den eigenen Haushalt hinaus.
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    Wenn Ihr Herr Petersen ein Manager im besten Sinne ist (könnte man sagen: Haushofmeister?), dann böte es sich doch an, die Butlerschule ins BWL-Studium zu integrieren. Mit Lehrgängen in den Fächern Land- und Forstwirtschaft, Hotellerie, Gastronomie, Buchführung, Bügeleisen und Kampfsportarten. Das wäre für Führungskräfte wie Herrn Petersen, daneben gäbe es noch Ausbildungslehrgänge für Azubis und Studienabbrecher.

  119. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr HansMeier555,
    zunächst muss ich sagen, dass es mir enormen Spaß macht, mit Ihnen hier einige Themen zu besprechen.
    Besonders der Punkt Weitergabe von Traditionen ist ein ganz wesentlicher Teil der Daseinsberechtigung eines guten Hausgeistes. Wobei man hier nicht platt von konservativem Handeln und Auftreten sprechen darf. Sein Handeln wird von der Aussenwelt, die leider zu Teilen auch zu uns hereinschwappt, mit beeinflusst. Würde er strikt nach den Prinzipien seines Berufsurahns des seligen Herrn Caspar Hansen auch heute noch handeln würde unser Haus ein seltsames Ansehen bei Gästen und Umwelt gewinnen. Somit wird sich die Etikette leicht angepasst. Auch dies ist eine Kunst. Besonders schön ist es, dass man unsere dienstbaren Geister kaum spürt, das Haus funktioniert wie ein Organismus, der zwar durch Geld und Zuspruch gefüttert werden muss, abe nur noch geringfügig mitgesteuert. Ist man dermaßen entlastet, fällt es viel leichter in anderen Bereichen mehr Energie aufzuwenden. Bei einigen befreundeten Familienclans ist das Persoalwesen so schlecht bezahlt, dass der Hausherr immerzu überall eingreifen muss, damit das Haus nicht „kippt“. Meine mir freigestellte Zeit habe ich beispielsweise dazu verwendet eine Stiftung zur Förderung von Kindern und Jugendlichen in Norddeutschen Städten zu gründen. Welch erhebendes Gefühl, die geschenkte Zeit sinnvoll für andere, schwächere, verwenden zu können.
    Der aufstrebende Mittelstand ist bei uns im Club eine neu aufgetretene Erscheinung und wir tun uns ein wenig schwer, diese in das gesellschaftliche Leben in Hamburg zu integrieren. Warum werden Sie fragen. Nun, zwischen „neuem“ und „uraltem“ Geld befinden sich Welten. Man verdrängt dies, leugnet es und doch tritt es imme dann zutage, wenn man kleine Gefallen erweist und die Reaktionen darauf stoisch mit „steifer Oberlippe“ ertragen muss.
    Unser Herr Petersen wurde schon gefragt, ob er nicht einen Praxisvortrag an einigen privaten Universitäten halten wolle. Angefragt von akademischen Gästen unseres Hauses, doch seine berufliche Bescheidenheit hat ihn dies stets ablehnen lassen, er sei ja nur ein ganz einfacher Mann. Großartig… Das macht mich stolz…
    Beste Grüße aus dem Sitz eines britischen uralten Sportwagens
    MvB-B

  120. Euer Durchlaucht,
    auch mir...

    Euer Durchlaucht,
    auch mir macht die Unterhaltung Spaß.
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    Ich glaube, mit dem wohlhabenden Mittelstand ist es im Grunde genau wie mit den Punks, die mit ihren Hunden in der Fußgängerzone sitzen.
    Im Grunde sind es ganz normale junge Menschen, die aufgrund äußerer Umstände in ihre Lage gekommen sind. Hinter ihrer gammeligen, provokanten, bisweilen auch angeberischen Haltung verbergen sie eine tiefe seelische Verzweiflung. Der äußeren Verwahrlosung ging die innere unbemerkt voraus: trinkende, extrem ehrgeizige oder abwesende Väter, hilflose oder fremdgehende Mütter, kraftlose Lehrer und dazu noch Schulkameraden, die ihnen in den Rücken fielen. Ist ein Wunder, wenn junge, sensible Menschen in so einer Situation katastrophale Fehlentscheidungen treffen, wenn sie von zu Hause weglaufen, wenn sie ihre unreifen Seelen in der Fußgängerzone oder bei McKinsey prostituieren, in jedem Falle aber: Drogen nehmen?
    In keinem Falle darf man vorschnell den Stab brechen. Gefragt ist in jedem Falle Geduld, Geduld, Geduld und nochmals Geduld.
    Nur keine übertriebene Distanz, das würde sie zusätzlich verunsichern. Erst Vertauen schaffen, und sie dann ganz unauffällig und nebenbei in minimalen Dosen an Stil gewöhnen, und spätestens deren Enkel werden dann wissen, wie man sich wofür in welcher Weise angemessen bedankt.
    Wenn sich deren Neuvermögen bis dahin schon wieder aufgelöst haben sollte, dann ist das auch nicht weiter schlimm, denn mit guter Erziehung kann man es auch ohne Millionenvermögen zu etwas bringen. Fördern und fordern heißt die Devise, und immer im rechten Maß!

  121. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr HansMeier555,
    in jeder Familie gibt es die schwarzen Schafe. Sowohl auf Elternseite als auch auf Nachkommensseite. Heute wird immer alles auf die „schlimme Kindheit“ oder „den schlimmen Vater“ geaschoben. Fakt ist, dass in frühester Kindheit gewisse Grundlagen gelegt werden, die sich auf das ganze spätere Leben auswirken, AABBEERR danach muss jeder Mensch seinen Genen und seinem Lebensmodell folgen. Es gab auch bei mir Phasen, wo ich an Gott, Vaterland und Familientradition gezweifelt habe. Nichts, rein gar nichts, kann einem heranwachsenden Menschen mehr helfen als in einem starke Korsett aufzuwachsen, aus dem er oder sie sich das geeignete herausziehen kann. Das Wappen und der Wahlspruch sind eine kräftige Stütze, ähnlich wie es früher der biblische Vers des Pastors war, der einem jungen Menschen Trost oder Stütze war. Der Familienstammbaum, der dem jungen Menschen zeigt, woher er kommt, was die Vorfahren richtig oder auch falsch gemacht haben. Die Familienchronik, die die Geschichte und die Geschichten der Familie darstellt. Kaufleute, Reeder oder Bankiers, vielleicht ist das die Vorgabe für den Lebensweg des Nachwuchses. Ganz wichtig: der Freundeskreis der Familie. Was der Vater nicht vermitteln kann, kann vielleicht der alte Notar, der Hausarzt oder der befreundete Priester sagen.
    Im befreundeten Umfeld gab es zur Genüge junge Menschen, die sich von den Familien losgesagt haben. Aber nicht immer kann man dies den Eltern vorwerfen. Manchmal gibt es einfach charakterschwache Menschen, die mit der allerbesten verfügbaren Hilfe auch in den falsche Kreisen gelandet wären.
    In Ihrem Beispiel bei den Punks, die es aber zumindets im Straßenbild nicht mehr allzuoft zu sehen gibt, war und ist es eine Auflehnung gegen das Umfeld, den Staat oder eine andere Autorität. Früher, aber meistens eher später finden diese eine Freudin, gründen eine Familie oder machen den Marsch durch die Institutionen und kommen im bürgerlichen Sinne wieder auf den rechten Weg und lehnen ähnliche punkige Lebensmodelle grundweg ab. Siehe Fischer, Schröder, Trittihn und all diese herumverdrehten Gesellen…
    Ich finde Ihren Vergleich zwischen Punk und Berater bei einer s.g. Beratungsfirma spannend und witzig. Ein enger Freund des Hauses hat einen ähnlichen Werdegang hinter sich. Heute ein geachtetes Mitglied der FFM-Gesellschaft…
    Ob allerdings immer Drogen im Spiel sind, vermag ich nicht zu sagen.
    Familie, Kirche und Staat, sowie Ausbildung, Freundeskreis und Erfahrung sind der Grundstock eines ausgeglichenen reifen Menschen.
    Beste Grüße aus dem Turmzimmer mit Blick auf die Elbe
    MvB-B

  122. Euer Durchlaucht,
    der...

    Euer Durchlaucht,
    der Vergleich zwischen Punkern und Bankern ist viel zu offensichtlich, als daß er von mir sein könnte. Ich verbreite so etwas nur weiter.
    Und was Sie vom Turmzimmer aus im Elbbett vorbeifließen sehen, ist kein Wasser, sondern verdünntes Koks.
    Es war mir ein Vergnügen und hoffe sehr, bald wieder die Ehre haben zu dürfen.
    Grüßen Sie auch unbekannterweise Herrn Petersen.
    Immer der Ihre

  123. Turmzimmer? Elbe? Sven Simon...
    Turmzimmer? Elbe? Sven Simon ist schon lange tot…

  124. "tifftoff, über...
    „tifftoff, über Möbelschoner, sollte ich wirklich auch mal was schreiben. Sie sind sicher nicht mehr überall üblich, aber was soll schlecht daran sein, wertvolle Möbel zu schonen?“
    hm, angesichts dieser aussage wirkt das tischchen auf bild4 sehr schrappelig und heruntergekommen, selbst wenn es nicht wertvoll ist (kann ich, da kein experte, nicht beurteilen), sö könnte man doch wenigstens pflegen…
    und was den „möbelschoner“ betrifft, schließe ich mich der von tifftoff geäußerten meinung an: das ding sieht aus wie woolworth, um 1970 -sorry!
    mfg
    garla

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