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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Reise in die herzliche Finsternis der alten Tanten

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Obwohl die Moderne durchaus in der Lage ist, den Menschen zu jeder Zeit mit allen Dingen zu versorgen, neigt man doch dazu, sich im Herbst einen Vorrat anzulegen. Der Mensch kann nicht aus seiner Haut, er tut das, was Generationen vor ihm auch schon getan haben. Vermutlich steckt das in den Genen und den Instinkten, die natürlich nicht modern sind - und so bleibt auf urtümlichen Hamsterreisen auch noch genug Zeit, um anhand der Moderne zu erklären, woher die antimoderne Einstellung der alten Tanten und jungen Neffen kommt.

Ich aber sträube mich gegen Beschränkung, ich will alles oder nichts.
Albert Camus, Der Mythos von Sisyphos

Jetzt ist es wieder schön.

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Vor ein paar Tagen jedoch war das ganze Tegernseer Tal schon eingeschneit, und die Gipfel hat der Winter für die nächsten Monate fest im Griff. Es kommt die Zeit, da man besser mit dem Rodel als mit dem Auto unterwegs ist, man fährt auch nicht mehr so einfach nach Italien, denn die Tage sind kurz, und heulende Schneestürme sind nur schön, wenn sie draussen vor der Panoramascheibe sind und ihren Zorn an Touristen auslassen, die etwas unternehmen müssen, weil sie nun mal hier gebucht haben, und sich auf dem Heilklimaweg Lungenentzündung holen. Echte Tegernseer legen jetzt die Vorräte an und warten, Tee trinkend und kerzenbeschienen, auf bessere Tage. Allerdings, der Vorrat ist wichtig. Und so werden die letzten schönen Tage benutzt, um Bestellungen aufzunehmen, und das Gewünschte eingeschweisst und haltbar jenseits des Alpenhauptkammes zu besorgen. Man könnte natürlich auch zu Dallmayr.

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Aber in Österreich am Achensee ist das Benzin billig, und es ist nun mal nicht das Gleiche, ob der Speck aus einer mit japanischen Touristen überfüllten Münchner Halle kommt, oder wirklich von einem kleinen Metzger unter Sterzings Lauben. Ausserdem ist die Strecke nach Italien ungleich schöner, wenn man oberhalb des Wipptals über die kleinen Dörfer von Volders über Ampass und Pfons nach Matrei fährt, immer im Sonnenlicht des goldenen Herbstes unter diesem schon italienisch blauen Himmel.

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Beschaulich geht es zu auf dieser alten Salzstrasse, es sind nur noch wenige Touristen unterwegs, und so gleitet man zwischen urwüchsigen Dörfen und enge Kurven wie durch einen bunten Heimatfilm der 50er Jahre, wie schon die Grosstanten mit ihren Kommerzienräten und den Ponton-Benzen, windet sich hinauf zur Passhöhe, erreicht Italien, beeilt sich, den hässlichen Brennerort mit seinen Outlets hinter sich zu lassen, und ist nach ein paar Minuten im malerischen Sterzing, wo sich bei der bekannten Adresse  der Speck meterhoch türmt.

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Nicht ganz so lang hält der halbe Meter Apfelstrudel, den man sich traditionell ein paar Häuser weiter besorgt, von den Steinpilzravioli mal ganz abgesehen, hier aber auch noch ein paar Liter Öl und, ach ja, Hüttenschuhe sind auch nicht verkehrt, wenn die kalten Tage kommen. Der wintermüde Braunbär könnte nicht behäbiger durch die Gassen tappen, als man selbst unter der Last der Einkäufe, zwischen den liebevoll restaurierten Häusern, die diesen kleinen Ort gleich hinter der Grenze so einzigartig machen.

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Es ist immer noch wie früher, in der Zeit der Kindheit, als es das alles in Deutschland kaum gab, diesem Land der Margarine und des Sonnenblumenöls, des Kochschinkens und des geschmacksneutralen Käses aus Holland, den angeblich eine Frau brachte, deren Name in Bayern so verführerisch wie ein Schluck Rheinwasser erschien. Seit Jahrzehnten reist die Familie über Sterzing, und nie hat sie bei der Ausreise vergessen, dort noch einmal kräftig einzukaufen. Es könnte, wie gesagt, fast ein Heimatfilm sein, oder eine dieser Super-8-Filmrollen, die in einem Schrank dem Vergessen entgegenschlummern, mit der Aufschrift „Mit Kindern und Tante Gertrud in Sterzing, 1973“. Solange man nicht auf die Idee kommt, über eine kleine Seitenstrasse die Beute zum Auto zu schleppen.

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Dort nämlich steht ein alter, vor sich hinrottender Schuppen, und daneben ein Akt der architektonischen Selbstverwirklichung, der einen aus allen sentimentalen Erinnerungen herausprügelt. Kein Mensch käme je auf die Idee, eine Shopping Mall als Gegenstand einer touristischen Fahrt zu begreifen, und hier, angesichts der Versatzstücke der Funktionsarchitektur, versteht man auch sofort, warum. Den ganzen Tag sah man nur Berge, Wiesen, das Gold der Blätter und das blitzende Weiss auf den Bergspitzen, man sah schmiedeiserne Kreuze in Pfons und urtümliche Bauernhäuser; die Moderne, da konnte man sich auf die Strasse konzentrieren und Gas geben, man gibt Kohlendioxid für Beton, aber hier nun steht die Moderne direkt neben dem Urwüchsigen, und ist durch den direkten Vergleich, durch den Gegensatz nicht zu ignorieren.

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Ahahah, hätten die Grosstanten gesagt und den Kopf geschüttelt, die Arme in die Hüften gestemmt. Also wirklich, hätten sie gesagt. Der Stall ist nicht gepflegt, und die schmiedeisernen Gitter in der dicken Mauer rosten vor sich hin, und dennoch erkennt man an der kleinen Zier, dass auch dieses Nebengebäude dem Erbauer nicht gleichgültig war. Trostlos, wirklich trostlos ist dagegen das Edelstahlgeländer über der Marmorplatte – man gönnt sich auch sonst einiges – vor dem Plastikfenster, was durch die marginale Bepflanzung noch verdeutlicht wird. Hier ist Bergland. An den alten Bauernhöfen ergiessen sich Geranienkaskaden an den Balkonen hinunter. Hier jedoch. Also wirklich.

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Man hätte auch in früherer Zeit Holz glatt und eben machen können, schliesslich ist das hier Bergland, wo man virtuos aus Holz grosse Kunst für Kirchen und Klöster formte; aber damals hatte man wohl auch ein gewisses Verständnis für die Schönheit von Struktur, Alterung und Arbeitsspuren. Dinge werden nicht hässlich, wenn sie nicht gestylt sind. Hässlich werden sie erst, wenn man ausser Styling keine Begriffe von Schönheit mehr hat.

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Eine Schande, murmelt man, und im Geiste murmeln es die verstorbenen Grosstanten alle mit, die früher hier in Sommerfrische waren, es schlägt aufs Gemüt, diese Arroganz des Neuen, dieser gestalterische Hochmut, der einen silberglänzend anschreit, statt eine Geschichte zu erzählen, die zu besitzen diese Moderne überhaupt nicht angelegt und berechnet ist. Ahahah. Dieses Haus sagt viel aus über das, was ist. Man kann nicht umhin, es sich anzuhören. Mögen muss man es nicht.

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Bin ich so früh vergreist, denkt man vielleicht, und wundert sich, dass man einen unerbittlichen Zorn von grosstantlicher Dimension in sich aufsteigen fühlt, diese erbärmliche Schachtel mit ihrer entworfenen, geplanten Struktur rechts, die es wagt, sich an die durch Jahrhunderte enstandene Struktur anzulehnen. Diese Haltung gegenüber dem Neuen ist ebenso instinktiv wie leider auch unangemessen, denn natürlich ist einem der Geist der Erbauer des neuen Hauses kulturgeschichtlich sehr viel näher als der Aberglaube des Bauern, der den Stadl errichten liess, Zwangsheiraten befürwortete und Impfungen als Eingriff des Menschen in die göttliche Ordnung betrachtete.

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Aber wie kann man etwas schätzen, das einem zum Abschied noch seinen fetten Doppelauspuff entgegenreckt, ganz im Stil eines Opel Manta? Wie kann man die Angemessenheit des Stalls nicht schätzen, wenn daneben so in die intakte Bausubstanz hineinge – brandgefährlich sind solche Gedanken, man kennt das aus der eigenen Familie und aus den Clans der Freunde, aus dieser Einstellung erwächst ein Konservativismus, der nicht nur ein wenig doppelmoralisch ist. Denn natürlich wohnen nur die wenigsten, in ihrer Sissiherrlichkeit beleidigten alten Tanten in solchen Häusern mit niedrigen Decken und feuchten Wänden. Längst sind sie in die Vorstädte gezogen, mit allen Annehmlichkeiten modernen, pflegeleichten Wohnens, mit Butzenscheibenimitat und Fussbodenheizung zum dekorativen Kachelofen.

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Zudem macht der antimoderne Reflex auch anfällig für jene Kräfte, die jene Gefühle für sich ausnutzen, und deren Befriedigung versprechen. Ein paar Häuser weiter sind obige Schandflecke im Entstehen, auch hier wieder zwischen historischen Häusern. Man würde meinen, dass konservative Parteien etwas dagegen unternehmen würden, dass sie die kleine, heile Welt der Grosstanten schützen vor dem Einbruch der kalten Welt aus Stahl und Beton und ihrem Fensterrammbock in den öffentlichen Raum. Es sind diese Gebäude und Gewaltakte gegen das Althergekommene, die Angehörige althergekommener Familien zu verbitterten  Wählern konservativer Parteien machen, zu den Propagandisten der Meinung, dass früher alles besser war. Es macht empfänglich für starke Männer, denn man braucht jemanden, der die Welt so bewahrt, wie man sie aus den nostalgischen Photoalben kennt, ohne den Ärger mit den Scheidungen und dem Finanzamt, ohne die Pille und mit einer Erziehung, den den Namen noch verdient. Man möchte keine Festungen dieser neuen Zeit im ureigensten Lebensbereich, in der Speckversorgungsbasis Sterzing, worin sich jener Zeitgeist austobt, an den man sich nicht gewöhnen wird, weil man es in dieser Klasse generell nicht nötig hat, sich an etwas zu gewöhnen. Deshalb wählt man auch die Schwarzen. Nur: In dem Monstrum dort oben residiert die Kette Athesia mit einem Buchladen. Athesia gehört nicht einem koksenden Hedge Fonds Manager in Amerika oder einem deutschen Grosshändler, sondern dem Bistum Brixen und einer sehr konservativen Familie aus Südtirol.

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Vielleicht ist es ganz gut, dass die alten Tanten das doch nicht mehr erleben mussten; vielleicht stirbt man auch, um nicht sehen zu müssen, wie die eigene Welt vor einem selbst in den Boden sinkt, trotz aller Nörgeleien und Abwehrkäpfe, die man verliert, weil sich auf Dauer keine Zeit der Moderne und ihren Verlockungen widersetzen kann, egal wie sehr man die Arme in die Hüften stellt und das Missfallen öffentlich äussert. Was bleibt, sind auf dem Heimweg in Tirol die Plakate der Regierung, in denen „Meine Heimat“ mit Bildern idyllischer Trachten und familiären Wunschbildern propagiert wird. Auf Werbetafeln, die Städte verschandeln und nächste Woche Putzmitteln anpreisen, oder auch Fertighäuser oder neue Türen aus Edelstahl.

Es ist sehr kalt geworden. Kalt und finster.

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106 Lesermeinungen

  1. Bei Sterzing werden...
    Bei Sterzing werden Kindheitserinnerungen wach. Eigentlich müsste ich doch mal wieder. Doch wenn ich Deine Beschreibung lese, kommen mir Zweifel. Ist wirklich alles schlechter geworden? Die Bilder sind schön, wenn auch zum Teil gewollt modern. Jedenfalls die kulinarischen Ziele lassen Sterzing nach wie vor attraktiv erscheinen. Soll ich oder soll ich nicht? Egal, in diesem Jahr wird es ohnehin nichts mehr. Im nächsten Jahr schauen wir mal weiter. Bis dahin wird auch sie nicht untergehen, diese Welt im Süden.

  2. Lieber Herr Don, hier kann man...
    Lieber Herr Don, hier kann man mit dem Gott hab‘ ihn selig(en) R. Gernhardt antworten:
    Nachdem er durch Metzingen gegangen war
    Dich will ich loben: Häßliches,
    du hast so was Verläßliches.
    Das Schöne schwindet, scheidet, flieht –
    fast tut es weh, wenn man es sieht.
    Wer Schönes anschaut, spürt die Zeit,
    und Zeit meint stets: Bald ist’s soweit.
    Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer.
    Das Häßliche erfreut durch Dauer.

  3. Don, da hilft nur ein schöner...
    Don, da hilft nur ein schöner Obstler, da sieht die Gegenwart schon positiver aus. Sterzing kenne ich von einer Alpenquerung mit dem Mouutain-Bike (sorry, Marke Cannondale, amerik.) von Mittenwald nach Bozen, als wir diesen Ort passierten und auch dort nächtigten. Und was juckt Sie da noch der koksende Finanz-Jongleur, der is so weit weg – und auch der muß eines Tages vor den höchsten Richter.

  4. Sagen Sie, Don Alphonso, sind...
    Sagen Sie, Don Alphonso, sind Sie nicht Vegetarier?

  5. "Es sind diese Gebäude und...
    „Es sind diese Gebäude und Gewaltakte gegen das Althergekommene, die Angehörige althergekommener Familien zu verbitterten Wählern konservativer Parteien machen.“
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    Leider scheint es mit den Parteien manchmal so zu sein wie mit dem genannten Bistum. Aus dem hohen Norden (Frankfurter Westend und Wiesbaden, dem sog. „Nizza des Nordens“) ist zu berichten, dass die herrlichen Gründerzeitvillen, die dort nicht nur bloße Straßenzüge, sondern ganze Viertel zieren, von den damaligen nominell „konservativen“ Stadtregierungen abgerissen, kaputtsaniert, totspekuliert und durch moderne ansprechende Betonkasten-Unarchitektur ersetzt werden sollten. Im Frankfurter Westend sieht man das Ergebnis dieses Sozialexperiments: Hier die auch in ihrer Schönheit unverwüstlichen alte Villen, uff de anner Sei vun de Gass die hasslich Uni vun dem Eiermann – der auch einmal Wiesbaden abreißen und zubetonieren sollte.
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    Wer hat das Alte, Schöne und Gute für Großtanten und ihre Nachkommen gerettet? Ich sag es wirklich nicht gern, wirklich nicht, aber es waren die Jusos (in Südhessen besonders links), es waren in Frankfurt -horribile dictu- sogar die 68er, die aus der Betontritesse der Univ. die Straßenseite wechselten und im Westend Villen besetzten, die heute ansonsten nicht mehr stehen würden. So rettete die vermeintlich anitbürgerliche Kleinrevolution den großbürgerlichen architektonischen Schein. Erst danach haben die nominell Konservativen gemerkt, dass es da Wertvolles zu bewahren gilt.
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    Hat sich da heute viel geändert? Man weiß es nicht ….
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  6. Ein echt schöner Artikel !...
    Ein echt schöner Artikel ! Schmerzlich musste ich heute morgen an den Tod meiner geliebten Grossmutter denken. Dieser Tod schlug kurz vor der Jahrtausendwende ein echtes Loch in mein Leben…Die Liebe, die Ruhe und all ihr Wissen waren auf einen Schlag weg aus dem Leben.
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    Denke ich jedoch länger und intensiver darüber nach, so empfinde ich immer aber auch eine Art Frieden bei der Betrachtung ihres Todes / Todeszeitpunkts….denn all ihre natürliche Würde & Ausstrahlung konnte ihr somit durch Flachbildschirme, Handy´s, Billigmöbel, RTL II, Westerwelle etc. nicht mehr genommen werden. Denn sie starb im alten Jahrtausend….in ihrer Welt, ganz kurz, bevor man dieser Dame den o.g. Mist zwangsweise aufgenötigt hätte.

  7. DocJott, oh, Sterzing selber...
    DocJott, oh, Sterzing selber ist wie immer, der Strudel schmeckt, wie er schmecken soll, nur ein paar Gasthäuser machen gerade Ferien, bevor die Wintersaison anfängt. Ohne den Ort zu sehr bewerben zu wollen, aber mit etwas Glück kann man dort schon im Februar wieder draussen essen.Für mich ist es nicht so arg weit, nur macht es im geschlossenen Wagen nicht so viel Spass, also fahre ich nur, wenn es sein muss.
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    Der Gärtner, danke, das sollte man in jede Stadtsparkasse eingravieren. Perverserweise hat auch die Sparkasse Meran so einen scheusslichen Klotz; das Problem ist also kein rein Deutsches.

  8. nico, ich trinke keinen...
    nico, ich trinke keinen Alkohol, aber wenn ich schon auf dieser Welt ein kleines Urteil ausspreche, geht es mir auch wieder besser. (Was man mt hochprozentigem Alkohol angesichts moderner Arhitektur sonst noch machen könnte, ist ein anderes und nicht legales Thema).
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    Politeia Hilton, ich esse kein Fleisch, aber Freunde und Verwandte rechnen da fest mit meiner Hilfe, da sie nicht mal eben hinfahren können.

  9. Siehe auch...
    Siehe auch Gängeviertel-Besetzung und darauf folgendes schlechtes Gewissen des Bürgertums in Hamburg, oder den neuen Trend, dass die Gründerzeitwohnungen, die lange vor sich hingammelten, was die WGs, Freigeister und Senioren darin nicht so furchtbar schlimm fanden, heute überteuert an Marketinghengste, Besserverdienerkleinfamilien und schwarzgrüne Stammwählerschaft vermarktet werden, zum finanziellen Wohle der Makler, die dafür mal kurz ein Foto geknipst und bei Immonet eingestellt haben.
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    Man muss sich aber auch noch mal ansehen, worum ging es denn bei Bauhaus und Reformbewegungen der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts (aus dem schließlich Scheußlichkeiten wie oben dargestellt wurden). Es war ja nicht alles schlecht und falsch. Heute aber, wo die geschmacklosen Horden aus Suburbia zurückgeströmt kommen, weil sie auch so urig-zentral leben möchten, und die, die zuvor dort waren, mittels Markt in miefige depressionserregende 50er-Jahre-Bauten vertreiben, darf man doch mal fragen, ob nicht die gesamte Architektur der letzten 30, 40 Jahre größtenteils falsch, schlecht, dumm, geschmacklos ist. Gerade da, wo es nicht um Prestgebauten, sondern um normales Wohnen geht. Retro-Bauhaus-Moderne, aufgehübscht mit ovalem Edelstahl-Kitsch und etwas Heide, die im Frühjahr wieder rausgerissen wird, die Fotos zeigen es ja schön. Unsere Städte sind voll davon. Wer das Geld hat, Bauherr zu sein, hat eben nicht auch gleich Geschmack. Die Bewohner fragt eh keiner. Die Architekten sind schlecht, gleichgeschaltet, ängstlich und müssen sich dem Mart beugen.
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    Unsere Architektur ist in der Krise! Die älteren Häuser, sofern noch nicht abgerissen, sind schöner! Dafür muss man übrigens überhaupt nicht konservativ sein, um das so zu empfinden, oder ein Hundertwasserhaus-Fan, dafür reicht eigentlich ein wenig Gefühl für Ästhetik. Dass aber gerade in Deutschland-Protzland-Sauberland Geschmack eine seltene Blume ist und bleibt, zeigt sich da eben in Stein gegossen mal wieder deutlich. Aber wieviel an Krankheiten, Aggression und Sucht auf das Konto dieser menschenfernen Architektur geht, gerade da, wo sie in ihrer Billigvariante für die Nicht-Leistungsträger hingestellt wird – wer fragt noch danach. Solange man nur selber ein Stück Sonnenseite ergaunert hat.

  10. Sehr schön und eindrucksvoll,...
    Sehr schön und eindrucksvoll, wie die Bilder einander direkt gegenübergestellt sind. Übrigens hielt ich das erste Bild der beiden Gebäude nebeneinander zunächst für eines, das aus zweien zusammenmontiert wurde, so wenig passen sie zusammen.

  11. yaq12, nun, es ist auch oft...
    yaq12, nun, es ist auch oft genug die Dickköpfigkeit der Hausbesitzer, die rettet. Wir haben da beispielweise in einem Nichtestviertel der Stadt noch ein kleines Haus mit 120 m², gebaut in den frühen 50er Jahren von einem am Bau tätigen Herren, der sein eigenes Haus, so gut es damals eben im Mangel ging, recht gut hingestellt hat. Leider ist dieses Gartenstadtviertel seit den frühen 70er Jahren komplett umwuchert worden, weil es sehr gut liegt. In der Nachbarschaft standen ähnliche Häuser; viele von denen wurden platt gemacht und durcg jeweils zwei Toskanabunker mit 3 Stockwerken und 700 m² Wohnfläche ersetzt, aussenrum ein winziger Garten und darunter eine Tiefgarage. Würde man rational denken, würde man das Haus abreissen udn auch zwei Bunker bauen. Machen wir aber nicht. Es gibt schon zu viele Toskanabunker, und warum sollte man sich all den Stress antun – um dann renitente Mieter zu haben? Also: Es sarf sich njichts ändern, wenn alles bleiben soll, wie es ist.
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    miner, nun, ich persönlich habe ja vor, den ein oder anderen Typen zu überleben, um dann auf seinem Grab zu tanzen – das ist vielleicht nicht würdevoll, aber erstens bin ich Bayer und zweitens gewinnt man Kriege nicht, indem man für die eigene Sache stirbt, sondern einen anderen für seine sache sterben lässt. Und bis dahin werde ich natürlich nicht aufhören, den anderen zu sagen, wie schäbig und billig das alles ist.

  12. Honseot, ich würde sagen:...
    Honseot, ich würde sagen: Durch äussere Zwänge waren die Häuser früher angemessener. Man konnte vieles nicht so tun, wie man es heute macht. Also beispielsweise Edelstahl: Hatte man nicht, also nahm man Schmiedeeisen. Oder Plastikfester: Hatte man nicht, also nahm man Sprossenfenster. Es gab klare bauvorschriften schon im Mittelalter, das Material war begrenzt, das formte die Architektur. Heute ist das anders. Und viele Bauherren glauben, dass moderner Wohnkomfort nur mit einer modernen Manifestation in der Fassade geht. Andererseits gibt es durchaus Beispiele, wo zurückgegangen wird; im Altmühltal etwa sind zu wenige Jurahäuser im Angebot, also baut man sie wieder nach alten Vorbildern. Für die Innenstadtlagen dagegen ist der Zug abgefahren: Es wird keine Bewegung mehr nach draussen geben bei jenen, die es sich leisten können. Die Zahl der Altbauten ist einfach zu klein.
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    nnier, auch in der Realität denkt man zuerst an eine Täuschung, so abrupt ist der Übergang.

  13. Ich bitte meine folgenden...
    Ich bitte meine folgenden Entgleisungen zu entschuldigen, aber die abgebildeten Bauten, vor allem das zweite, sind von der Fassadengestaltung her entsetzlich. Da könnte einen, wie früher Dieter Wieland, ein alttestamentarischer Zorn überfallen.
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    Der Eingang des ersten Hauses sieht aus wie eine hochkant stehende Backofen-Tür. Dazu passend sieht man die später erwähnten Ofenrohre Typ „Opel Manta“ auf dem Dach.
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    Dann haben wir noch einen sinnlosen Pseudo-Balkon, der das Bauobjekt nur teurer macht aber keinen Nutzen besitzt. Er ist selbstverständlich auch zu klein, um die bucklige Verwandtschaft zum Rauchen nach draußen zu schicken.
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    Es folgen Edelstahlgeländer an den Fenstern, die wirken wie notdürftige Stützeisen-Elemente der Feuerwehr (weil die Fensteröffnungen sonst zusammenzubrechen drohen?). Dahinter Plastik-Blumenkästen mit norddeutscher Heide und der unsäglichen Stacheldraht-Pflanze (Calocephalus brownii) dazwischen.
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    Sind das dort rot lasierte Holzflächen oder wurde da nur unprofessionell der Sichtbeton gestrichen?. Warum kann man dem Holz nicht seine Würde lassen. Das gleiche Problem gibt es übrigens bei diesem hier kürzlich erwähnten skandinavischen Möbel-Discounter. Das ganze Pressspan-Zeug wird dort mit Holzimitat-Plastikfolie auf natürlich getrimmt und die wenigen Massivholzmöbel unter farbigen Lackschichten versteckt, neuerdings auch gerne in trendigem schwarz.
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    Die Klingelschilder, wie aus dem sozialen Wohnungsbau, passen farblich selbstverständlich nicht zur Tür oder der Leuchte. Insgesamt ist das ein vollkommen unnötiger Materialmix im Erdgeschoss.
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    Beim zweiten Haus soll dieser „Fensterrammbock“ vermutlich die moderne Version einer mittelalterlichen Pechnase darstellen. Zusammen mit den vier Schießscharten rechts daneben drückt das eine äußerst feindselige Haltung gegenüber der Umgebung aus. Sollte es sich tatsächlich um ein Geschäftshaus handeln, so hat man den potentiellen Kunden auf der Straße wohl zum Feind erklärt.

  14. Don, sehr schön, so soll´s...
    Don, sehr schön, so soll´s ja auch sein! Dann haben wir ja beide was gemeinsam. Betrüger und moralgrenzfreie Gier-Gestalten zu überleben ist wirklich nicht würdevoll….aber sinnvoll….und mit Verlaub: Wenn nicht Sie, wer denn dann ? Mich beschleicht ja seit Langem die leise Ahnung, dass Sie definitiv nicht auf den falschen Gräbern tanzen werden.
    Ich würde ja auch in eine Lese-Depression verfallen, wenn ich jemals in Ihren Zeilen resignatives Gedankengut erkennen könnte.
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    In diesem Sinne: Die Kapelle spielt bereits da draussen & es darf getanzt werden !
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  15. Don Alphonso, aber es ist doch...
    Don Alphonso, aber es ist doch bezeichnend, dass in den letzten Jahren, neben schicken Post-Industrie-Loft, gerade die Gründerzeitwohung wieder zum haben-wollen-Ideal mutierte: knarrender Holzboden, verschwenderisch hohe Decke, verwinkelte Zimmerchen. Ich bin ja auch überhaupt kein Baumarkt-Stuck- oder Stadtschloßwiederaufbau-Fan. Aber ich verstehe nicht, warum man als Architekt/Bauherr/Stadtplaner/Politiker nicht mal fragt, was denn am Alten so attraktiv für sene Fans ist. Neben der Gewachsenheit und Geschichte sind es ja abstrahierbare architektonische Elemente, die man ins Neue retten könnte. Deshalb muss es ja nicht Retro werden, oder Hundertwasser, es kann ja höchst raffiniert postmodern sein. Es dominiert aber der Post-Bauhaus-Kitsch, die „neue“ Sachlichkeit, es soll in der Billigvariante billig und abwaschbar sein, und sieht in der teuren in etwa so aus wie das Bundeskanzleramt. Für wen ist diese Architektur, für die Architekten? Es muss sie doch ins Mark treffen, dass die Leute lieber überhöhte Preise für die letzte Gründerzeitwohnung zahlen, als in ihre CAD-Zweckbauten mit blau-roten Stahlgeländern zu ziehen. Und hier tue ich „den“ Architekten natürlich auch Unrecht, denn es gibt ja solche und solche, und das, was in den Städten heute dominiert, von den langweilig-sterilen Einkaufspassagen bis hin zu Plattenbau, 50er-Jahre Mietskaserne und Backsteinhölle, finden viele ja selber fürchterlich. Aber andere haben die Marktmacht, das zu bauen, und die Connections, und niemand traut sich zu sagen: Schluss damit! Und es würde ja Geld kosten. Letztendlich ist es aber beim Wohnen wie beim Essen, bei der Bildung, beim Leben überhaupt, es fehlen Gefühl für Stil, für Ästhetik als Selbstzweck, dafür, dass alle ein Anrecht darauf haben/hätten, dass das für alle gut wäre, und die ganze Welt insgesamt verschönert. Es dominiert ein Mix aus Sachzwang-, Effizienz- und Marktdenken. Ein paar reiche Schöngeister wenden sich ab, aber können sich ja auch selbst verwirklichen, und der Rest merkt nicht mal, was ihm da angetan wird. Gibt ja „Deko“ im „Dekoshop“, will mans „schön“ haben.
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    Das meinte ich mit meiner Frage nach dem Bauhaus und den Reformen der 20er: da wurden Grundsteine gelegt für die „sachlich“-pragmatische Scheußlichkeiten, die hier gerade so leidenschaftlich verachtet werden, auf der anderen Seite gab es aber die Bestrebungen, für die Bevölkerung insgesamt etwas zu schaffen, zu bauen, das besser, und – nach damaligen Maßstäben – ästhetischer und angenehmer und zeitgemäßer war als das Alte, das ja auch überhaupt nicht immer gut war: Das Gängeviertel in HH war letztlich eine lichtlose enge Arme-Leute-Burg, in der die Krankheiten grassierten, insofern auch etwas unverständlich, warum das nun plötzlich so romantisierend erhaltenswert gefunden wird. Wohl weil das, was stattdessen dort hin soll, die Welt auch nicht besser macht. Das Neue, die Gegenwart, größtenteils so geistlos und flach ist, dass man sich aus Unbehagen daran ins Alte flüchtet. Es müsste aber nicht so sein, und war auch überhaupt nicht immer so.

  16. die kalte architektur, an der...
    die kalte architektur, an der man im wahrstem sinne des wortes anstoß nehmen kann.
    ihr beitrag erinnerte mich an meine empörung, die mich überkam, als ich mal abends in cambridge die straßen entlang flanierte und auf das fostersche faculty of law stieß. eigentlich ein meisterwerk der moderne, daß mit manchen zeitgenössischen bauwerkmonstern nicht zu vergleichen ist, aber….nicht desto trotz war ich tief enttäuscht und meiner idyllischen stimmung schlagartig beraubt.
    wenn man bedenkt, daß in hundert jahren irgendein bloger in sentimentalitäten schwelgend die heutige architektur/welt anpreist und sich nach ihr sehnen könnte…. :)

  17. Lieber Don Alphonso, der...
    Lieber Don Alphonso, der nahende Winter hat scheinbar Ihre sentimentale Ader getroffen und ein bisschen zum überschäumen gebracht. Sicher gehört Antikes, und gewachsenes zum Schönsten, soweit sind wir beide sicher d’accord. Bedenken Sie aber bitte zwei Dinge und die Lösung eines Problems: (1) auch Antikes war mal „neu“, (2) auch die (Bauhaus) Moderne ist in Europa gewachsen und keinesfalls minderwertiger. Nun das Problem: wenn neu gebaut wird – wie?
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    Antikes und modernes können m.E. ohne weiteres koexistieren, ja es kann sogar wunderschön miteinander harmonieren. Aber nur dann, wenn beides mit entsprechenden ästhetischen Qualitäten aufwartet. Zu vermeiden sind scheußliche Profanbauten oder geschmacklich komplett fehlgeleitetes, vorzugsweise in Berlin zu besichtigen (blaue Dächer und dgl.), in diesen Fällen macht es durchaus Sinn bis zu einem gewissen Grade altes zu imitieren. Die Bauordnung in Bayern beschert uns ungleich schönere Dörfer als im Rest der Republik, dafür haben leider auch anspruchsvolle Beispiele moderner Architektur keine Chance auf Realisierung. In Tirol ist man etwas lockerer, dafür gibt es eben auch schöne M-Preis Supermärkte, wie auch nicht so gelungene Exemplare (Ihr nicht zu unrecht kritisiertes Haus etwa, ich habe aber schon wesentlich hässlicheres gesehen).
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    Alt und neu, beides kann doch schön sein. Was ist einzuwenden gegen Sichtbeton oder Edelstahl? Beide Materialien sind auch nicht weniger ehrlich als Holz oder Stein. Ein schönes Beispiel für diese „Fusion“ von alt und neu ist das Haus Gugalun, ein kleines Bauernhaus in Graubünden, dem der Architekt Peter Zumthor einen modernen Teil hinzugefügt hat – modern, aber in Harmonie und mit Respekt:
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/472704

  18. Bitte unterlassen Sie doch,...
    Bitte unterlassen Sie doch, diesen scheußlichen Eigentumsbunkern mit Wischtechnikfassaden das Präfix Toskana hinzuzufügen. Schlimm genug, wenn das die Bauträger tun.
    Diese Bruchbuden haben einfach rein gar nichts mit Toskana zu tun.

  19. Ich schaue von der Arbeit auf...
    Ich schaue von der Arbeit auf und lese dies. Je nun!
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    Ein befreundeter Architekt begleitete mich durch ein neuerbautes Wohnviertel.
    Sofort fragte ich nach der Selbstmordquote.
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    Der Architekt grinste.

  20. Mawu, ihr Beispiel ist das...
    Mawu, ihr Beispiel ist das eines guten, preisgekröhnten, also teuren, Architekten. Mir gefällts, aber wenn ich mich mal empirisch umsehe, sehen 98% der Neubauten/Städte anders aus, und da kommen scheinbar andere Maßstäbe zur Anwendung. Insofern sind solche Projekte (bisher) nur Avantgarde oder Feigenblatt. Ich frage mich aber auch, woran liegts, wer genehmigts, wen störts nicht, und wie sähe es wohl aus, würde die Bevölkerung demokratisch abstimmen über zu Bauendes, statt der Kommissionen oder der Regelung durch lokale Bauvorschriften. Im Ergebnis ist es derzeit jedenfalls eine Frage des Geldbeutels, einigermaßen ästhetisch in der Stadt wohnen/leben zu können (obwohl der ja auch keine Garantie für irgendwas ist), hat man aber nur den Geschmack und die Sehnsucht und den Willen, so läuft man sehnsüchtig durch die Viertel, an den Häusern vorbei, in denen man nie leben können wird, und ist zu Stadtrand, Hässlichkeit und Kompromiss verdammt, seit, wie Don Alphonso sagt, der Run auf die Innenstädte ihre Gentrifizierung besiegelt hat. Oder man muss aufs Land ziehen, mit all den Konsequenzen. Ich finde, das alles sollte nicht so sein, da gefiele mir ja ein Los-Verfahren noch besser. Ansonsten haben Sie aber recht.

  21. Die Hände in die Hüften...
    Die Hände in die Hüften stemmen kann man leider fast überall. Früher wars der pure Beton, heute sinds die öden Flächen der Wärmedämmverbundsysteme. Man kann dann nur hoffen, dass sich jemand bei den Berechnungen oder der Ausführung vertan hat.
    Im hiesigen Städtchen versinkt so ein Betonmonstrum gerade langsam unter dem eigenen Gewicht im weichen, ausgespülten Grund aus Sand. Einst der Stolz des schwarzen Oberbürgermeisters, rächt sich jetzt, dass dieser mit einer weißen Wanne nichts zu tun haben wollte.
    Leid tuts einem nur um die Bewohner, die meist dachten, sie hätten einen bezahlbaren Alterssitz mit Aufzug und Tiefgaragenplatz im Stadtzentrum gekauft, und keinen Anteil an einem bodenlosen Immobilienfond mit Nachschusspflicht.

  22. "... wie sähe es wohl aus,...
    „… wie sähe es wohl aus, würde die Bevölkerung demokratisch abstimmen über zu Bauendes…
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    Es gibt dazu ein Beispiel, wie ein Architekturensemble aussehen kann, wenn der Demos demokratisch darüber abstimmt, und zwar nicht nur über den Flächennutzungsplan, sondern jedes einzelne Bauwerk, Material, Ausführung, bis in die Details.
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    So geschehen mit der Akropolis im perikleischen Athen; die Bauakten und Volksversammlungsbeschlüsse dazu sind in Stein geritzt überliefert (inkl. Kosten).
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    Also, es geht.
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  23. Hanseot, Ihr Artikel ist...
    Hanseot, Ihr Artikel ist insofern schwer zu beantworten, als daß wir wieder vor dem diesen Blog dominierenden Dilemma stehen: die Masse der geschmacklosen gegenüber der gebildeten Elite. Sicher sind auch innerhalb einer Elite die Geschmäcker recht unterschiedlich, Insgesamt ist dort die Chance aber höher, daß ein stilsicheres Werk entsteht. Nehmen wir doch das Restaurant Tantris in München – andere hätten diesen 70er Jahre „Betonbunker“ mit roten Teppichen an der Decke abgerissen oder zu Tode „verbessert“. Aber es ist eine Einheit geblieben, bis heute, und das ist auch gut so, denn es war und ist einfach stilsicher.
    http://www.tantris.de/
    .
    Es ist aber, wie meist in diesem Blog, nicht unbedingt eine Frage des Geldes, in einer stilsicheren Umgebung zu leben, sondern eine Frage des Wollens. Der Bauherr des südtiroler Beispiels hätte genausogut etwas schöneres entstehen lassen können. Die MPreis Supermärkte in Tirol müssen trotz anspruchsvoller Architektur rentabel sein.
    http://de.wikipedia.org/wiki/MPreis)
    .
    Dabei möchte ich die Rolle des Geldes gar nicht herunterspielen. Bloß oft ist dies eben nicht das Problem, sondern die eigene Unzulänglichkeit. Und die wird man den Leuten in einer Demokratie kaum austreiben können, außer durch rigide Bauordnungen, die dann auch die schönen, modernen Beispiele nicht zulassen.
    .
    yaq12, sehr optimistisch. Wissen Sie genau, wie das damals abgelaufen ist und wer stimmen durfte? Ich weiß es nicht, aber ziemlich sicher dürften es nicht unseren heutigen Vorstellungen einer „Volksabstimmung“ entsprechen, bei der jeder Depp mitstimmen darf.

  24. Also, was MPReis angeht... da...
    Also, was MPReis angeht… da bin ich gespalten. Der Laden in Achenkirch ist der erste Supermarkt, wenn man aus Deutschland kommt, direkt an der Bundesstrasse. Und dieser Laden hat nur ein grosses Fenster. In dem stehen alle Alkoholika des Ladens. Und dieses Fenster weist zu den heranfahrenden Deutschen. Auch, wenn die Symbolik vielleicht zutreffend ist: Ich mag sie nicht.
    http://www.mpreis.at/standorte/architektur/architekturbeispiele/mpreis-achenkirch/index.htm
    .
    Ægopodium, im zweiten Beispiel zutiert der Rammbock die in Sterzing üblichen Erker, die eigentlich zur Kommunikation mit der Aussenwelt dienten. Hier wird es meines Erachtens nicht funktionieren. Das in der Tür sieht tatsächlich wie Holz aus; ob es Furnier oder Kunstfaser ist, weiss ich nicht. Allerdings macht die Maserung einen echten Eindruck. Hilft aber auch nicht weiter.

  25. "ein Akt der architektonischen...
    „ein Akt der architektonischen Selbstverwirklichung, der einen aus allen sentimentalen Erinnerungen herausprügelt“
    Sätze wie dieser… Immer wieder gerne. Danke!

  26. miner, mia san de Leid mim...
    miner, mia san de Leid mim diggn Bluad. Do feid se nix.
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    Honseot, nachdem ich hier gewissermassen in den Problemen so eines alten Hauses lebe: Man kann nicht mehr so bauen. Man kann die Türen nicht mehr so machen. Jeder meiner Fensterstöcke kostet trotz maschineller Fertigung1700 Euro mehr als ein normals Qualitätsfenster aus Holz. Eine kleine Reparatur der Haustür von 1720 kostet einen knapp vierstelligen Betrag. Nachbauten alter Schlösser: Ein paar hundert Ezro pro Stück. Nachgebaute Türbeschläge: 400 Euro pro Tür. In der Qualität heute handwerklich bauen – unbezahlbar. Wo bekommt man 20 Jahre abgelagerte Sumpfeichen her? Was kostet ein Spezialist für historischen Putz? Es gibt in Tongeren in Belgien Händler für alte Baumaterialien. Dort kann man es sich als normaler Mensch gerade noch leisten, wenn man Kompromisse eingeht. Vielleicht könnte man noch schlechte Gründerzeit nachbauen. Aber es ist enorm teuer, und die Miete müsste sehr, sehr hoch sein. Und wenn man es in Rigps fälscht – ich weiss nicht. Optimal ist es auch nicht.

  27. Aber Don Alphonso... in die...
    Aber Don Alphonso… in die Alkoholika im Schaufenster des MPreis überhaupt irgendetwas hinein zu interpretieren… Stünde das Gebäude in Bayern, würden Sie das nichteinmal bemerken, und da gibt es sicher genauso viele ähnliche Beispiele des Zufalls.
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    Man kann natürlich darüber diskutieren, ob einem das eine oder andere MPreis Gebäude gefällt. Jedenfalls ist es fast immer relativ anspruchsvolle, gestaltete Architektur und sicher niemals schlechter, auch für den, der sie nicht mag, als die Gebäude von Hofer, Kik & Co.

  28. @Aegopodium: Mit Verlaub, Sie...
    @Aegopodium: Mit Verlaub, Sie als Apiacee wissen doch garnichts! Calocephalus brownii blüht sehr schön, da müssen Sie in Ihrem Schatten noch tüchtig üben!

  29. laperla, ich kenne in Schwaz...
    laperla, ich kenne in Schwaz (Tirol) unterhalb der Burg eine wirklich gut und mit traditionellen Materialien gemachte Siedlung, die in jeder Hinsicht modern ist, ohne der Umgebung Gewalt anzutun. Ich war beim Bau eines Holzhauses im Voralpenland dabei – sehr modern, aber es harmoniert und trägt kein „Ich bin neu und deshalb toll“ vor sich her. Diese Häuser haben keine Gadgets. Sie haben statt dessen Demut. Und ich denke, diesen Unterschied wird man auch in vielen Jahren noch spüren.
    .
    mawu, da spielt aber hinein, dass „neu“ nicht immer mit diesem ultimativen Anspruch auftrat, besser zu sein. Ich lese gerade einen Katalog über Schlosseinrichtungen des Biedermeier, und da ergänte man mit Neuem, ohne deshalb radikal zu brechen oder alles rauszureissen. Sicher auch aus Sparsamkeit. Mir ist ausserdem durchaus bewusst, dass dieses Geländer formal zurück zu Erich Mendelsohn verfolgt werden kann. Nur – nehmen wir als Beispiel mal Le Corbusier: Natürlich – modern! Aber was hat er am Mittelmeer gezeichnet, was hat er selbst in Nordafrika aufgegriffen und dort gelernt. Bruch wo nötig, Tradition, wo passend. Nichts gegen die klassiche Moderne mit ihren Qualitäten. sehr wohl aber etwas gegen Versatzstücke, um Moderne vorzutäuschen. Theo van Doesburg sei hier mein Zeuge.

  30. Mawu, wer als Bayer...
    Mawu, wer als Bayer Österreichern nicht alles zutraut, hat kein langes Leben (umgekehrt ist das genauso).
    .
    Don Ferrando, wäre „im mediterranen Stilbruch“ besser?

  31. Was hast du schon geschaffen...
    Was hast du schon geschaffen durch deiner Hände Arbeit?
    Gondelst in der Gegend herum, hältst Werte hoch, die nicht die Deinen sind und sonnst Dich anTante – sostenuto selbstverständlich.
    Mein lieber Herr Gesülzwurst! Das nenne ich einen Feudalismus, dessen Beziehung in Herrschaft über statt zwischen stattfindet . Schaffst Du auch Werte?
    Merke schon Wilhelm Busch wusste: „ Denn früh belehrt ihn die Erfahrung: Sobald er schrie, bekam er Nahrung.
“
    Weg mit dem Käse!
    R.O.I (Return On Intelligence)

  32. mawu - "Sicher sind auch...
    mawu – „Sicher sind auch innerhalb einer Elite die Geschmäcker recht unterschiedlich, Insgesamt ist dort die Chance aber höher, daß ein stilsicheres Werk entsteht.“ – Entsteht? oder erkannt, geschätzt wird? Reden wir von Produzenten oder Rezipienten? Und wer ist denn diese Elite, was macht sie aus, ob nun Produzent oder Rezipient? Es ist eine Frage von Muße, Zeit und Raum für freies Denken, Hingabe an – in Augen anderer – sinnloses. Von Bildung, und dabei von einem relativen Schutz vor den grundsätzlichen Unbillen der menschlichen Existenz, also das, was Zivilisation, Kultur eigentlich für alle leisten sollten, was mittelbar heutzutage aber nur eine – gewisse – private finanzielle Absicherung ermöglicht (eine staatliche gibt es ja nur auf Niedrigstniveau, verbunden mit geringer Wertschätzung/Mißbilligung). Diese ist dafür also schon mal notwendig, aber noch nicht hinreichend. Wer sich täglich in den Existenzkampf des Andere-übertrumpfens, sich-verkaufens werfen muss oder will, wer so hart arbeitet, dass er danach nur noch müde und leer in die Kissen sinkt, wer die Marktmechanismen auch an sich selbst verinnerlicht und bejaht, fällt also auch schon mal aus, selbst wenn das alles sein Konto prall füllt.
    .
    Sicher gehören etwas Verstand, Gefühl, Willen und Charakter auch dazu, aber die verteilen sich wohl gleichmässig über die ganze Bevölkerung. Nicht aber das Geld. Zeit wiederum hätten ja viele, die aber keinen Zugang zu Bildung oder komplexerer Kultur haben, und die ihr Zeit-haben eher als Problem des nicht-gebraucht-werdens empfinden (sollen)
    .
    Sicher gehören auch eine Art von überlieferter Tradition, und eine Kultur der Wertschätzung von nicht-materiellem, eben Geistes- und Herzensbildung, dazu. Wir haben hier ja bereits festgestellt, dass diese Wertschätzung nicht unbedingt oder ausschließlich dort anzutreffen ist, wo das konservativ-liberale Bürgertum sich politisch verwirklicht. Aber angesichts dieser Gegenwart ist auch der Wille, Unerträgliches so zu benennen und nicht konservativ fortführen zu wollen, nötig, etwas was man traditionell eher „links“ zuordnen würde, leider heute auch oft zu Unrecht. Es ist eben eine hochkomplexe Angelegenheit.
    .
    Meine persönliche Ansicht ist, dass allgemein etwas mehr Entschleunigung, Muße und Freiraum vom Wettbewerb und Existenzkampf, sowie eine größere Wertschätzung von zweckfreier Bildung um ihrer selbst willen, als politische Forderungen umgesetzt, die Welt in meinen Augen wieder verschönern würden, so wie sie andersherum derzeit eher hässlicher wird. Innovation nicht nur in quantitativ-materieller oder technischer Hinsicht, sondern in humanistischer, und im Menschenbild. Daraus ergäben sich dann alle weiteren Forderungen nach einer ästhetisch-humaneren, weniger rohen Gestaltung unserer Welt und Lebensumstände, sein es Architektur, Arbeitswelt, Freizeit… Dass dies derzeit nur von einer „Elite“ (hinsichtlich Geld, Geist/Bildung, Zeit dafür, oder Innovationskraft) angestossen werden könnte, angesichts der Eigendynamik und der Sachzwänge des Bestehenden, ist die eine Seite, dass die Früchte davon aber – unbedingt- allen zustehen müssten, die andere. All das sind ja übrigens Vorstellungen, die sich in den meisten künstlerischen Avantgarde- und Reformbewegungen auch finden lassen, u.a. eben auch im Bauhaus.

  33. Jeanne d'Arc, mal ganz...
    Jeanne d’Arc, mal ganz abgesehen davon, dass ich kein mieser, ungewaschener Troll bin: ja, natürlich schaffe ich Werte. Mein Leben wäre nicht schön, wenn ich immer nur als solche Einlassungen warten müsste.
    .
    Filou, nicht umsonst gibt es da eine Schrift zur Gestaltung, die sich nennt „Ornament und Verbrechen“. Was noch fehlt, wäre der zweite Teil „Ornamentlosigkeit und Verbrechen“.

  34. Don Alphonso, man kann...
    Don Alphonso, man kann vielleicht nicht mehr so bauen. Aber ähnlich, und vereinzelte Versuche gibt es ja wohl auch bereits was man so „nachhaltig“, „ökologisch“, etc. nennt. Es wird nicht jeder leben können wie dereinst die Jesuiten oder Fürsten. Aber etwas besseres als das derzeit verbreitete Elend ist trotzdem möglich, daran glaube ich fest. Wenn der allgemeine Wille dafür besteht, und sich gegen widerstrebende Interessen durchzusetzen vermag. Ob allerdings die Dynamik eines Marktes dies gewährleisten könnte oder würde, daran habe ich große Zweifel. Jesuiten und Adel und das, was sie bauten, das war unter Markt-Gesichtspunkten irrational, Verschwendung. Effizient vielleicht darin, die Jahrhunderte zu überstehen – aber da sei Schumpeter vor, dass die Dinge so lange halten, das lähmt ja bekanntermaßen die wirtschaftliche Dynamik. Ein I-phone muss 3, 4 Jahre oder weniger halten, damit da weiter Innovation geschieht und gekauft wird. Diese Dynamiken diktieren ja derzeit unsere Welt und verleihen ihr ihr Gesicht.

  35. Verehrter Don,
    ja es ist ein...

    Verehrter Don,
    ja es ist ein Jammer, die Armen bekommen nur noch Schund, zu essen, zum Anziehn und als Wohnstatt und die Reichen setzen sich freiwillig in blechernen Schund. Ausnahmen nur überall dort, wo es eine Wertschätzung von handwerklicher Tradition und Material gibt (z.B.die modernen Holzhäuser im reichen, sparsamen Vorarlberg).
    Verehrte Jeanne d´Arc,
    aber, aber, wie kleinlich. Außerdem ist der Don ein Bastler, Mechaniker, Handwerker, Dekorateur und Pastetenbäcker von Gnaden.

  36. tobitobson, der Einsturz...
    tobitobson, der Einsturz gehört nun mal zum Bauen dazu. Gewerbeimmobilien haben oft nur eine Lebenszeit von 30 bis 60 Jahren, das tröstet über manches hinweg.
    .
    yaq12, immer wenn ich durch die Vorstädte der kleinen, dummen Stadt an der Donau fahre – würde ich meinen, dass man erst mal ein klein wenig Bildung mitgeben sollte. Aber: Im Altmühltal hatte ein Dorf eine Scheune in schlechtem Zustand. Da wurde erbittert darum gestritten, ob man sie abreissen oder restaurieren sollte. Und bitte: Das ist wirklich Dorf. Die Entscheidung der Mehrheit war dann für die Erhaltung. Und, so geht die Erzählung, tatsächlich haben dann auch alle mit angepackt. Heute ist man übrigens einhellig der Meinung, dass es ein Juwel des Dorfes ist, wo man feiern und tanzen kann.

  37. Die Moden kommen und gehen und...
    Die Moden kommen und gehen und so kommt und geht auch die Nostalgie. Es mag gegebenenfalls die ewige Verdammnis geben, die ewige Architektur gibt es jedoch nicht. Das tröstet jedenfalls mich ungemein. Und noch etwas beruhigt. Aus vergangenen Zeiten überleben meist nur die Bauten, die sich nicht an den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen orientieren. Wer heute die Gründerzeitwohnung lobt, übersieht folgendes. Zu ihrer Bauzeit fehlten wahrscheinlich ebenfalls der großen Masse der Neubauten Stil und Ästhetik.

  38. @Foersterliesel
    Ja was für...

    @Foersterliesel
    Ja was für ein Jammer. Nur leider war das schon immer so. Wann haben denn die Armen gut gewohnt?

  39. Guten Tag allerseits!
    Der...

    Guten Tag allerseits!
    Der Eingang ist natürlich nicht zu retten, aber den Rest des Gebäudes könnte man vielleicht mit Efeu (oder auch wildem Wein?) und ca. 30 Jahren Geduld in die Umgebung integrieren. Eine entsprechende Typ-Beratung gibt es meines Wissens bei der darauf spezialisierten Klostergärtnerei der Abtei Neuburg, die früher auch einen Versand hatte; ich mag den hibernica sehr, aber eventuell sind lokale Sorten vorzuziehen.
    In seiner 2. Lebenshälfte hätte der Bau dann einen Sinn als Wohnstätte für allerlei putziges Getier.
    K.

  40. Der Wert des Eigentums liegt...
    Der Wert des Eigentums liegt nicht in der Fähigkeit Coupons zu generieren. Es mangelt an Gestaltungsmacht. Eben das macht bürgerliches Eigentum aus: Wertschätzung des Materiellen als Material des eigenen Gestaltungswillens. Heute hat man zuviel Geld zum Kaufen und zuwenige Vermögen den Dingen seine Subjektivität aufzuprägen. Dieses Haus hatte keinen Bauherrn.

  41. Vielleicht ist es kein Zufall,...
    Vielleicht ist es kein Zufall, daß die beiden Nachkriegs-Bestseller
    „Von der Unfähigkeit zu trauern“ und
    „Von der Unwirtlichkeit unserer Städte“
    vom gleichen Autoren-Ehepaar verfaßt wurden.
    .
    Und natürlich waren es schon immer die politisch Konservativen, die alles Erhaltenswerte platt gewalzt haben.
    .
    Heute Bombenkrieg und morgen Beton. Dann sieht es so aus, als hätten wir uns Köln oder Nürnberg schon immer nur so und nie anders gewünscht.
    .
    Das ist das Kampfprogramm des neoliberalen Postbürgertums: Die Zerstörung jeglicher Urbanität und ihre Ersetzung durch Bürotürme, „gated communities“, Einkaufs-„Malls“, landschaftszerfressende Einfamilienhaussiedlungen und irgendwo eine Wohnwagensiedlung zwischen den Bahngleisen.
    .
    Urbanität macht die Existenz einer Gesellschaft sichtbar, aber Gesellschaften darf es ja laut Maggie Thatcher nicht geben.
    .
    Im Grunde lieben wir es so: Regression ist bequem.

  42. @ Don Alphonso
    .
    "im zweiten...

    @ Don Alphonso
    .
    „im zweiten Beispiel zitiert der Rammbock die in Sterzing üblichen Erker“
    .
    Sicherlich. Ich wollte damit auch nur zum Ausdruck bringen, wie die Fassade des zweiten Hauses im ersten Moment auf mich gewirkt hat. Es mag Eigentümer geben, die solch eine abschreckende Wirkung bezwecken (Finanzamt). Aber in diesem Fall? Formen und Farben haben eine nicht unerhebliche Wirkung auf das Verhalten der Menschen. Filou hat es ja in seinem Kommentar ironisch angemerkt („Sofort fragte ich nach der Selbstmordquote.“).
    @ Kalchas
    .
    „Efeu“
    .
    Deshalb auch die Bezeichnung ‚Architektentrost‘.

  43. Don, ich bewundere Ihr...
    Don, ich bewundere Ihr Gedaechtnis. Ich musste auf den Dachboden, um in den unausgepackten Buecherkisten zu wuehlen. Es war Adolf Loos, ein guter Freund Alfred Polgars.
    Ich haette es auch googeln koennen, aber das ist unsportlich.

  44. Werter Don.

    im Fachwerk...
    Werter Don.
    im Fachwerk sitzend werfe ich den ersten Stein: die Sozialmaschine IKEA hat recht. In ihr drückt sich der Souverän besser aus als in jeder Bundestagswahl. Daneben ist Sterzing partie de plaisir. Aus Angst vor 9/11 ähnlichen folgen möchte ich Ihnen dringend abraten ein solches Gebäude aufzusuchen. (Zumal ein Cabrio auf einem IKEA Parkplatz schnell den Argwohn der säkuritie auf sich zöge).
    Gruß und meinen Respekt
    crispinus

  45. Don Alphonso - ich bin ein in...
    Don Alphonso – ich bin ein in München geborener und aufgewachsener Österreicher, quasi ein „österreichischer Bayer“ – ich sehe innerhalb des „Lederhosenbereiches“ keine erwähnenswerten kulturellen oder anderen Unterschiede. Ein Hamburger unterscheidet sich sicher deutlicher von einem Münchner, als ein Bozener. Schlawiner san’s aber alle…
    .
    Ihre Ausführung zu LeCorbusier usw. – ganz meine Meinung. Aber nehmen wir das Beispiel MPreis: wie würden Sie einen Supermarkt (!) bauen wollen? In Form einer alten Scheune etwa, oder eines Kuhstalls? Bspw. hat Peter Zumthor seine Therme in Vals radikal modern gebaut – und doch integriert sich das Gebäude in die Landschaft, benützt er Steine aus dem anschliessenden Berg. Biedert sich eben nicht mit „Lederhosenarchitektur“ an (die ich übrigens auch nicht grundsätzlich schlecht finde). Das, finde ich, ist Moderne, wie man sie sich vorstellt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Therme_Vals

  46. Hanseot - "entsteht" meine ich...
    Hanseot – „entsteht“ meine ich gleichbedeutend mit „erkannt“, „geschätzt“ etc., so wie „Produzenten“ ja auch gleichzeitig „Rezipienten“ sind.
    .
    Im Unterschied zu Ihrer Gesellschaftskritik bin ich der Meinung, daß unsere „Misere“ keine Folge des „Wettbewerbs und Existenzkampfes“ ist, sondern eine Folge der Dummheit der Menschheit im Allgemeinen: in Rom ging man in den Zirkus, im Mittelalter bestaunte man Gaukler und Hexenverbrennungen und heutzutage sieht man RTL u.dgl. – ist doch eh‘ schon ein Fortschritt, oder nicht? Wenigstens kommen keine Personen mehr um.
    .
    Sehen Sie sich das Bauhaus an oder derzeitige Spitzenarchitektur. Die durchschnittliche Bevöklerung bevorzugt jedenfalls blaue Dachziegel mit barocker Balustrade.

  47. Aber ähnlich, und vereinzelte...
    Aber ähnlich, und vereinzelte Versuche gibt es ja wohl auch bereits was man so „nachhaltig“, „ökologisch“, etc. nennt.
    .
    … und ein grosser Schwindel ist.

  48. Verehrter Ernst Wilhelm,
    "Wann...

    Verehrter Ernst Wilhelm,
    „Wann haben denn die Armen gut gewohnt?“
    nun, in der ersten Republik wurden bei uns mit den Mitteln aus den Erträgen einer Steuer, die Besitzer vermietbaren Wohnraums zu zahlen hatten, zigtausende Wohnungen mit für damals bedeutendem Komfort und ästhetischem Anspruch gebaut.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeindebau
    Und für die Siedlerbewegung entwarfen Architekten wie Loos Häuser und Einrichtung.
    http://www.hofmobiliendepot.at/das-museum/sonderausstellung/wohnen-zwischen-den-kriegen.html

  49. Don Alphonso
    "Mawu, wer als...

    Don Alphonso
    „Mawu, wer als Bayer Österreichern nicht alles zutraut, hat kein langes Leben (umgekehrt ist das genauso).“
    Kein schlechter Kommentar: Als Oberpfälzer (ist das Altbayern? Winterkönig, doch eher nicht oder) in Wien:
    Aut ist schon eine deutlich andere Welt als Bayern. Ob Sie schlechter ist, weiss ich nicht. Für meine Kreisstadt Amberg. Die Gegenreformation unter den Jesuiten und Kurfürst Maximilian I hat uns gereicht; schlimmer können sich die Habsburger auch nicht aufgeführt haben. Vorschlag eine neue Hauptstadt für Bayern: Regensburg. Architektonisch interessanter. Auch eine evangeliscche Kirche im Zentrum. Die ehemals älteste (?) Synagoge im deutschsprachigen Raum und auch schöne alte katholische Kirchen und natürlich Parks.

  50. Schlechte Photos....
    Schlechte Photos.

  51. Haben Sie...
    Haben Sie bessere?
    .
    Regensburg war unter den Agilolfingern und bis ins 11. Jahrhundert schon Hauptstadt des bayerischen Stammesherzogtums, aber das rote München ist mir dann doch lieber als die dortige CSU. In München sind sie wenigstens auf feindlichem Territorium.

  52. Nichts gegen die Stadt...
    Nichts gegen die Stadt München ud Ihren roten OB. Aber trotzdem das ist umgeben von einem Meer von Schwarz und dieses bestimmt Bayern. Glauben Sie, dass die CSU ohne diesen Mikrokosmos- München-Strauss entstanden wäre und ohne diesen Ersatz bayerischer Identität durch Gimmiks wie Lederhose, Oktoberfest ab dem 19.JH, als sich Bayern aus der Geschichte verabschiedete (golo Mann) zu Gunsten einer Existenz als Disneypark für wen auch immer – Töchter aus Bad Homburg, weiter bestehen würde? Das rote München hält doch eher das schwarze Bayern am Leben, oder glauben Sie, dass die CSU ernsthaft München regieren möchte?

  53. Sehr geehrtes Försterliesl,...
    Sehr geehrtes Försterliesl, wussten Sie nicht, dass die Unterhaltung über Dritte Zeitverschwendung auf Umwegen ist?
    Ich frage ihn doch besser selbst.
    Mein lieber Herr Gesülzwirt!
    Wenn schon kein „mieser und ungewaschener Troll“, dann doch ein echt Gewaschener? Ein Troll – so impliziert die Aussage- aber allemal.
    Wie steht es denn um deine Werte? Erlangen sie im Rückblick an Bedeutung? Die Stützen welcher Gesellschaft vermögen diese „Denkbalke“ zu (er)tragen?
    Ein Geschiss im Dach, der Stuhl flennt!

  54. Die Menschen bezahlen Geld...
    Die Menschen bezahlen Geld dafür,sich Misoxer Steinhäuser,niedersächsische Rauchhäuser etc. von aussen und innen angucken zu dürfen.
    Erker,im Dreieck verbrochen,wie Sie sie hier auf den Bildern zeigen, überlassen nichts mehr dem Zufallsprinzip-das Auge ist satt,bevor es das ganze Haus gesehen haben muß.
    Das Alte weckt Neugier,nicht weil es alt ist,sondern weil es ungewollt gut ist.
    Es geht auch nicht darum zu erkennen,dass manche moderne Architektur selbstmörderfreundlich ist-was man ja weiß-sondern ob „Künstler“ wie Jonathan Meese beispielsweise von ihren Nuerosen geheilt würden,müßten sie darin wohnen.

  55. Wie rot München ist, hat man...
    Wie rot München ist, hat man ja deutlich bei der letzten Bundestagswahl gesehen!
    .
    Wieviel Direktmandate hat die SPD da gewonnen??
    .
    Und der OB Ude erringt ja seine großen Mehrheiten nicht zuförderst als SPD’ler sondern vorallem, weil er ein perfekter Selbstvermarkter ist..
    .
    Und natürlich auch wegen der Münchener Stadt CSU; ich sage da nur: Erich Kiesel. Hohlmeier-JU Affaire, Käseschachtel-Affaire etc.

  56. Jeanne d'Arc, Sie werden...
    Jeanne d’Arc, Sie werden hoffentlich verstehen, dass meine Neigung, mich mit Ihren Auslassungen zu beschäftigen, dergestalt gleich Null ist, dass Sie hier in Zukunftz nicht mehr in Erscheinung treten werden.
    .
    Honseot, ich wurde jüngst einmal genäötigt, mir eine Einruchtungssendung im TV anzuschauen. daher komme ich zu folgendem Schluss: Früher war das Elend in den Hütten durch materielle Armut bedingt, Heute ist es in den Reihenhäusern durch geistige Armut bedingt. Und natürlich auch der Weigerung, sich nach „oben“ zu orientieren. Man kann viel über die englischen Snobs schimpfen, die aus jedem Cottage ein Manor machen möchten – aber immerhin, damit haben sie ein Vorbild, das die Nacheiferung wert ist. In Ländern, wo sich die Elite im Verborgenen abspielt und obendrein selbst nur über eine gebrochene Tradition verfügt, ist die Selbstverwirklichung typisch und die Wurzel allen Übels.

  57. Foersterliesel, zur...
    Foersterliesel, zur Wertschätzung von eigenem Handwerk in anderen Schichten:
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/723580/
    Wir haben hier die sogenannte Gmundner Keramik, die so viel kostet, wie handgemachte Keramik in Deutschland eben kostet. Die ist hier in vielen Häusern, bei den Reicheren dieses Landes. Die Ärmeren kaufen bei Ikea.
    .
    Ernst Wilhelm, tatsächlich habe ich mit Gründerzeit auch ein gewisses Problem, weil es exakt jene Zeit ist, die sich von der handwerklichen Tradition abwandte. Trotzdem ist sie qualitativ in vielerlei Hinsicht weit über dem, was sich sonst heute, oder auch in den letzten 90 Jahren so fand. In gewisser Hinsicht sind sie einfach der beste Kompromiss aus grosszügiger Anlage, guten Materialien und Patina. Nachdem ich ja in einem repräsentativen Haus mit Raumaufteilung aus der Zeit um 1720 wohne, muss ich zugeben, dass man in Zeiten vor der Gründerzeit schon wirklich in die höchsten Sphären der Gesellschaft gegeh muss, um wirklich repräsentatives Wohneigentum zu finden. Angesichts der Menge der Gründerzeitbauten hat man es dort natürlich leichter.

  58. Kalchas, Begrünen ist immer...
    Kalchas, Begrünen ist immer eine Lösung, und der immergrüne Efeu hat zwei Vorteile: Er verdeckt auch im Winter. Und wenn man ihn lässt, kriecht er unter die Dachbalken, zerstört sie, lässt Wasser eintreten, zieht den Schimmel an und zwingt mittelfristig zum Abriss. Ich empfehel gern die Klostergärtnerei bei Rebdorf – auch kein Versand, aber es ist eine reizende Gegend.
    .
    poisson, man würde manchen Leuten tatsächlich eine Grand Tour durch Europa in Begleitung eines Kundigen wünschen, bevor sie zu bauen anfangen. Dann nicht mehr als kleiner Sonnenkönig, sondern als Diener der Gesellschaft.

  59. Werter Don,

    der Artikel ist...
    Werter Don,
    der Artikel ist wieder grandios, die Bilder sind so, dass wir beschlossen haben, im nächsten Familienurlaub den Familienkombi bayerischen Ursprungs gen Süden zu lenken und wieder mal in Österreich Urlaub zu machen.
    Sehr schön auch der Satz in Ihrem Kommentar mit der geistigen Armut, wenn man in Skandinavien zu Besuch ist, schaft es fast jeder sein Haus u.a. auch mit einigen klassischen Möbeln (z. B. handgearbeiteter Teak aus den 50ern – hier längst auf dem Sperrmüll) einzurichten – im deutschen Reihenhaus gruselts einen im Regelfall – selbst wenn die entsprechende Liquidität vorhanden ist.
    Gruss aus dem Norden

  60. @yaq12 Die 2. Frankfurter...
    @yaq12 Die 2. Frankfurter Westendzerstörung fand nicht unter
    der „konservativen Stadtregierung“ unter Wallmann (1977-1986),
    sondern in der Ära des sozialdemokratischen Baudezernenten
    Kampffmeier statt. 1968 wurde von der Stadtplanung der 5 Fingerplan,
    der Bürhochhäuser mitten in den Wohngebieten des Westends plante,
    vorgestellt.
    Die Aktionsgemeinschaft Westend , der Widerstand der Westendbürger, die ihren Lebensmittelpunkt erhalten wollte, formierte und gründete sich 1969.
    Bis 1977 regierten in Frankfurt immer Sozialdemokraten.
    Rudi Arndt SPD (Dynamit Rudi) wollte sogar die Ruine der Alten Oper in die Luft
    sprengen.
    Von 1979-1989 wurden viele alte Bürgerhäuser im Westend saniert, aber auch
    weitere Hochhäuser an der Mainzer Ldstr.und im südlichen Westendgebiet genehmigt, und es wird immer noch abgerissen.
    Aber angefangen haben die Sozialdemokraten.

  61. Hanseot, Don Alphonso -...
    Hanseot, Don Alphonso – „Früher war das Elend in den Hütten durch materielle Armut bedingt, Heute ist es in den Reihenhäusern durch geistige Armut bedingt.“
    .
    Ich möchte diese Aussage auch als Quintessenz zu Hanseots Gesellschaftskritischem Beitrag beantworten: Nein. Diese Aussage, und auch Hanseots Ausführungen, implizieren, daß es früher weniger geistige Armut gegeben hätte – das Gegenteil ist der Fall. Gladiatorenkämpfe in Rom, Hexenverbrennungen im Mittelalter, dagegen ist das Schlimmste auf RTL harmlos.
    .
    Wir, als „Stützen der Gesellschaft“, können, sollen und wollen der Klasse der „RTL-Glotzer“ nicht zum Besseren belehren. Wir würden das Gegenteil genausowenig akzeptieren. Jeder könnte sich ein gutes Buch kaufen oder leihen, jeder könnte klassische Musik hören – aber es fehlt einfach am Wollen und vielleicht auch am geistigen Können. Wir, als „Stützen der Gesellschaft“ müssen aber, schon aus Selbstschutz, dafür sorgen, daß sich unser gesellschaftlicher Gegenpart zumindest ein minimal würdiges Dasein erarbeiten kann.
    .
    Es gibt in einer Gesellschaft nunmal diesen Gegensatz. Wir können hier über diese Schichten urteilen, oder uns ihnen angehörig fühlen (was bei all denen, die hier schreiben wohl kaum der Fall ist, sonst würden sie das hier nämlich nicht lesen). Aber es ändert nichts an der Tatsache, daß sich dies leider niemals ändern wird.
    .
    Interessant finde ich Don Alphonsos Vorbild-These (Cottage – Manor). Nur ob das in England wirklich besser funktioniert als hier, das wage ich doch zu bezweifeln…

  62. Moritz, das freut mich -...
    Moritz, das freut mich – berücksichtigen Sie auch die Strecke von Hall über heiligwasser nach Pfons, die Ellbogener Strasse, Sie werden es nicht bereuen. Was dänisches Teak angeht – nun, das Problem ist, dass man ab einem gewissen Alter nur noch schwer aus den Lounge Chairs herauskommt. Deshalb wurde in meiner Familie so ein Klassikerset erst ausrangiert und abgestellt, Jahrzehnte nicht benutzt – und steht jetzt in meiner Wohnung am Tegernsee und erfreut durch unschlagbare Qualität. Nicht alles also landet im Müll.
    .
    HansMeier555, das Problem ist natürlich auch dadurch begründet, dass diese unsere Klassengesellschaft eine Tendenz zum Auseinanderbrechen hat. Und weil das so ist und der äussere Feind die andere Klasse ist, braucht man auch im Gegensatz etwa zum italienischen Stadtstaat der Renaissance, keinerlei verbindende Urbanität mehr. Also auch keine Plätze, um sich zu treffen – ist ja nicht mehr erwünscht. Und es überrascht auch nicht, wenn gerade das konservativ-liberale Lager sich solcher Städteplanung verpflichtet fühlt. Deren Wähler dagegen verstehen das nicht, die wundern sich nur, wenn es dann hässlich ausschaut.

  63. Die SZ lobt heute sogar diese...
    Die SZ lobt heute sogar diese moderne Architektur; natürlich angemessen: in einer Klickstrecke auf
    http://www.sueddeutsche.de/,ra17m1/reise/148/492504/bilder/

  64. AGW, man muss vieles...
    AGW, man muss vieles vielleicht einfach als Modetorheiten betrachten. Man sollte es in meiner Stadt heute kaum mehr glauben, aber das schlechteste Viertel der heutigen Stadt wurde noch in den 70er Jahren mit seinen modernen Blocks auch als Ort der Kaufimmobilien für den besseren Mittelstand betrachtet. Eine Bekannte, derenVater immerhin Arzt war, wohnte sogar noch in so einem Block. Im Keller stand ein verstaubter, alter 190er SL als Erinnerung an jene Zeiten, als fast alle und jeder raus aus der Stadt wollte. Man muss froh sein über alles, was überkebt hat.
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    mawu, um Himmels willen, ich möchte niemanden bekehren, ich will plaudern, das ist alles. Ich denke auch, dass diese anderen die hostorische Mission haben, die auf Übertouren drehende Wirtschaft am Laufen zu halten. Mit Menschen, deren Investitionshorizont selten unter 100 Jahren liegt, könnte man die meisten heutigen Produkte vergessen. Und bitte: Die anderen sind ja nicjht zu Ikea verdammt. Wir leben in einem freien Land, die wollen und können das so machen.
    .
    Ich war ja dieses Jahr in Surrey, und ich hatte von den dortigen Vorstädten einen enorm besseren Eindruck als von den deutschen Stilverbrechen. Es betrifft sicher nicht alle, aber man freut sich doch auch schon um kleine Verbesserungen.

  65. Jeeves, erstens gibt es einen...
    Jeeves, erstens gibt es einen Unterschied zwischen dem obigen Beispiel und, sagen wir mal, dem Museion in Bozen oder den futuristischen Villen oberhalb von Meran.
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    Und zweitens ist die Süddeutsche ja auch eine billige Klickstreckennummer mit Finanzproblemen.
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    Filou, in Bücherkisten kramen ist äusserst ehrenhaft.
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    Ægopodium, vielleicht ist es einfach so, dass man, wenn man sein Leben lang nur die Schönheit und das Alte sieht, wie es in Sterzing möglich ist, vielleicht einfach mal auch das Neue und Scheussliche tun will? So eine Art architektonische Insubordination pubertären Ausmasses, für die sich erst alle anderen, und in 20 Jahren man auch selbst sich schämt?

  66. Nun, mein britischer Englisch...
    Nun, mein britischer Englisch Lehrer am Bundessprachenamt, lange ist es her, schwärmte von „stately homes“ und dem National Trust und hatte daheim in der kleinen Wohnung Gemälde als Supraporten und eine Biedermeiervitrine mit dem family silver. Sicher eine Stilkopie, über den Geschmack kann man streiten. Aber ebenso der Wille sich an einem stilistischen Vorbild zu orientieren und dem (nach oben?) nachzueifern.
    In AD ( darf ich das hier überhaupt noch erwähnen?) fand ich neulich einen Artikel über das „Frischeparadies“, einen Deli Supermarkt in Berlin. Das finde ich durchaus ansehnliche Funktionsarchitektur. Büro RobertNeun.

  67. einmal mehr einer dieser...
    einmal mehr einer dieser zauberhaft alphonsinisch schillernden beiträge-
    in den kommentaren werden dann leider mehrheitlich nur die üblichen kleinbürgerlichen ressentiments zum ausdruck gebracht-
    empfehlung an moderne-generalverdammer:
    wahrnehmungverfeinerung üben-
    und da wir hier häufig in norditalien unterwegs sind,
    liegt es nahe die klassiker von carlo scarpa näher anzuschauen:
    ein abstecher nach verona mit der besichtigung des castelvecchio (1964)
    und ein gang über den friedhof san vito d’altivole (1973) schaden jedenfalls nicht-
    und falls die pässe zu sind und man am see bleiben möchte:
    die 50er-jahre-bungalows des architekten sep ruf am ackerberg in gmund-

  68. prince Matecki, es findet sich...
    prince Matecki, es findet sich sogar im verschlafenen Kreuth ein sehr ansprechender Delikatessenladen mit bescheiderer Fassade, dessen Innenleben modern und taditionell gleichermassen ist, und der einen eigenen beitrag wert wäre. Allerdings liebe ich diese kleinen, dunklen, übervollen Höhlen italienischer Geschäfte:
    http://www.salumeriaalbertini.it/
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    Wer öfters bei Ebay Silberkannen sucht, sieht oft die Einrichtung: Sehr oft Repliken, aber immerhin, men bemüht sich, oder träumt sich auch weg in die Zeit des Empire. Mein Hepplewhite-Sideboard jedoch ist auch erst rund 120 Jahre alt, und da sieht man auch die unglaubliche Qualität, die Reproduktionen haben können. Man kann sie auch heute noch machen lassen, für ein paar tausend Pfund. Es gibt also einen Markt.
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    hansimglueck, ich will das nicht als komplette Ablehnung verstanden wissen. Eigentlich versuche ich nur zu erklären, warum ältere Zeitgenossen manchmal Probleme mit gewissen Formen der Moderne haben. Das Tragische ist vielleicht: Wie die fraglos guten Absichten der Moderne sinken, wenn sie mit den falschen Intentionen ausgeführt werden.

  69. crispinus

    mawu, ich sage es...
    crispinus
    mawu, ich sage es ja immer: Hört mir auf mit dem Blödsinn der deutschen Teilung, solange das Herzogtum Bayern nicht wieder in den Grenzen von 955 bis 976 steht, brauchen wir hier erst gar nicht über Gerechtigkeit reden. Zugang zur Adria sofort! Dafür entlassen wir Schwaben aus der Geiselhaft.
    .
    Spass beiseite, natürlich ist man sich nahe, Aber andersrum auch zu nahe. Also: Würde ich nach Österreich ziehen? Niemals! Würde ich ins autonome Südtirol eine Bergkette weiter weg ziehen? Sofort! Da ist der Abstand dann gross genug. (Ausserdem sind die Südtiroler ohnehin die coolsten aller Bajuwaren, das muss auch einmal gesagt werden. Das macht die Mischung. Das darf natürlich nicht gesagt werden)
    .
    crispinus, ich werde mich hüten. Ich denke, es gibt Leute, die für Ikea sorgen müssen und auch dürfen, ich sorge eben für andere. Auch wenn ich gerade drei Rahmen der Grösse 120 mal 80 brauche und natürlich weiss, dass es schwer wird.

  70. "... warum ältere...
    „… warum ältere Zeitgenossen manchmal Probleme mit gewissen Formen der Moderne haben“
    vermutlich eher keine frage des alters:
    ludwig erhard war deutlich über 50 als er sep ruf mit der planung seines ferienhauses in gmund beauftragt hat-
    der hier präsentierte sterzinger fall ist m.e. kein beispiel für moderne architektur sondern schlicht und einfach frisösendesign-

  71. Don, ich weiß nicht, ob die...
    Don, ich weiß nicht, ob die Absichten der Moderne wirklich soviel anders sind als die der früheren Bauten.
    Im übrigen gefällt mir die dunkle Front des alten Holzbaus mit seinem kleinen schmutzigen Fenster und der Stahltür nicht besonders. Funktional, mit damals üblichen Mitteln gebaut. Schön? Nein. Sicherlich, der neue Bau nebenan sieht langweilig aus. Man hätte ihn auch mit neuen Mitteln schön machen können. Es hängt vom Architekten ab, vom Geschmack des Auftraggebers und vom Geld, das er investieren kann. Daher sehe ich keinen Unterschied zwischen den beiden Bauten. Beide entstammen ihrer Zeit, beide drücken eine gewisse Lustlosigkeit aus, ein schönes Heim zu schaffen.
    Ich persönlich sehe mein Heil nicht darin, lediglich altes zu kopieren, gar noch zu vermischen und zum Status Quo zu erklären. Kann übrigens „Der Ursprung“ von Ayn Rand zum Thema empfehlen.

  72. Kunstrat Fraischdörfer,...
    Kunstrat Fraischdörfer, mitunter durchaus ist das ein Schwindel, aber der Mensch möchte auch ab und an ein paar Illusionen.
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    kleinerberg, keinesfalls möchte ich alles Neue verdammen, davor warnt ja auch die Kunstgeschichte. Aber unzweifelhaft gibt es vieles, was vor der Geschichte keinen Bestand hat, und ich bin auch der Meinung, dass die Mode der Schiessscharten und Rammböcke es schwer haben wird, in späteren Zeiten als beispiel für gute Gestaltung akzeptiert zu werden. An anderen Stellen – nehmen wir nur mal die Leipziger Schule – sorgte der Markt schon selbst für eine Justierung des Ansehens.

  73. Lieber Herr Don, die Leipziger...
    Lieber Herr Don, die Leipziger Schule steht für die Rückkehr der gegenständlichen Malerei in die zeitgenössische Kunst und mit seinem herausragenden Vertreter Tübke gar für die bessere neue deutsche Malerei seit 1945. Ich verstehe nicht ganz wie Sie, der Sie doch bei Antiquarischem stets auf alte Portraits des Barock oder Biedermeier setzen hier so danebenhauen.

  74. Sie werden lachen: In meinem...
    Sie werden lachen: In meinem Schlafzimmer hängen Bilder von Ruprecht Geiger.

  75. In ganz Frankreich verrotten...
    In ganz Frankreich verrotten die Kleinstädte. Diese Gemeinwesen haben die Intelligenz auch nicht allesamt mit Löffeln gefressen, aber die Bausubstanz, die dem Don gefallen würde, gibt es dort im Übermaß. Und keiner zerstört die Gemäuer durch Renovierung, denn es findet sich nicht mal ein Mieter. Und so bröselt alles vor sich hin.
    Fährt man aus dem Landesinneren über die Landstrassen zurück ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation, dann kehrt allmählich auch die Farbe zurück — und in Mühlhausen sieht es dann fast schon wieder so knallig-bunt-konsumfreudig aus wie in Sterzing.

  76. ... natürlich eine andere,...
    … natürlich eine andere, viel billigere Art von Konsum, die dem Don nicht so gut gefällt. Aber um eine Fußgängerzone mit Geschäften auszukleiden reicht es, und das ist ja keineswegs selbstverständlich (siehe Burgund…)

  77. Sowas wäre mir für das...
    Sowas wäre mir für das Schlafzimmer doch ein wenig zu knallig:
    http://www.kultur-online.net/?q=node/2503&nlb=1

  78. @Dr. Snug
    Tübke war genauso...

    @Dr. Snug
    Tübke war genauso rot.

  79. Ruprecht Geiger? In Ihrem,...
    Ruprecht Geiger? In Ihrem, Dons, Schlafzimmer? Das will ich sehen! Die Damen koennen Sie ruhig drinnen liegen lassen.

  80. Lieber Don Alphonso das waren,...
    Lieber Don Alphonso das waren, was das Frankfurter Westend betrifft keine
    Modetorheiten sondern Stadtplanung.
    Es sind in den 60iger und 70iger Jahren im Westend mehr Häuser zerstört
    worden als im Krieg.
    1960-1965 wohnten noch über 40.000 Menschen im Westend.
    (Heute 18.000)
    In diesem Zeitraum wurden Häuser im großen Stil aufgekauft. Das Westend wurde zum Cityerweiterungsgebiet ernannt.
    1968 wurden die Grundsätze der Stadtplanung für das Westend der Öffentlichkeit vorgestellt. Der so genannte Fingerplan sah Bürohochhäuser mitten im Wohngebiet des Westends vor.
    1969 formierte sich der Widerstand der Westendbürger und gründete die AGW.
    1970 gab es ein erstes Ergebnis des Bürgerprotests. Die Stadt erließ eine Veränderungssperre für das Westend.
    1974-1976 wird das Hessische Denkmalschutzgestz verabschiedet und die AGW fordert die Gründerzeithäuser in die Denkmalliste der Stadt Frankfurt einzutragen
    1989-1994 wurde ein Westenderhaltungsgesetz erlassen, das nicht nur die städtebauliche Eigenart des Westends, sondern auch die Zusammensetzung der Bevölkerung schützen soll.
    Von der Stadtregierung wurde den Westendbürgern zugesagt, dass es keine weiteren Hochhäuser in der Nähe von Wohngebieten geben wird.
    Ich besitze selber ein Denkmal geschütztes Haus im Westend in der vierten Generation.

  81. Filou, nur, weil wir hier die...
    Filou, nur, weil wir hier die Bürgerlichkeit besprechen, muss ich noch lange nicht komplett durchgestaltet sein, nehme ich an. Ich habe eine Schwäche für dada, den italienischen Futurismus, El Lissitzky, Aragon, Ehrenburg, Ernst und natürlich auch für Geiger. Alles, was wild, anders und poetisch zugleich ist. Wenn ich das nächste Mal am See bin, mache ich ein Bild. Und ich finde auch nicht, dass es ein Stilbruch zu den Kühen vor dem Fenster ist. Mir ist aber durchaus bewusst, dass es nicht jedermann gefallen kann.
    Um die Sache mit der Leipziger Schule vielleicht etwas zu vertiefen – ich gehe ja oft in Vorbesichtigungen von Auktionen mitunter sehr gemischter Qualität. Und da hört man doch sehr viel über die extrem gefallenen Preise der Leipziger Schule. Das alte Problem der Überproduktion in einen Markt hinein, der absolut nicht mehr aufnahmefähig ist. Also reagiert man mit künstlicher Verknappung oder, so miunkelt man, mit bestellten Käufern, um Preise oben zu halten, die nicht oben zu halten sind. Weil es Blasenpreise sind, und die vor ein paar Jahren bei der Art Miami vorgstellte Protzkultur jener jungen Künstler aus Leipzig nicht das ist, was man nach der Krise tragen möchte. Ist Was ich generell von Rauch und Co. halte, steht nochmal auf einem anderen Blatt.

  82. prinz matecki
    .
    mr. williams?...

    prinz matecki
    .
    mr. williams?

  83. Verehrter Don Alphonso,
    Ihr...

    Verehrter Don Alphonso,
    Ihr link zur alten Rahmschüssel: vielen Dank, hab wirklich was dabei gelernt!
    Zu Ihrer blog-Geschichte mit der malaise vom Heiraten fand sich zu Beginn ein empörter Kommentar, in Wien trieben falsche Grafen heiratsschwindelnd ihr Unwesen. Der Name Andrassy wurde genannt. Wir kennen ja alle die Geschichte von der bayrischen Sissi und ihrer Ungarnliebe und dem Grafen Andrassy. Und heute dies: http://www.kurier.at/nachrichten/wien/1953815.php. Dieser also war gemeint und hatte die armen russischen Damen so enttäuscht.

  84. Ich nehme an, dass Sie nicht...
    Ich nehme an, dass Sie nicht mit gekraeuselter Oberlippe reagierten. So hatte ich das ja nun nicht gemeint. Ich habe eine so schoenes Bild von Ihnen; ein gebildeter, kultivierter, diskreter barocker Lustmolch. Lustmolch in jeder Beziehung- und nicht nur erotischer. Dagegen gibt es garnichts zu sagen. Das ist naemlich sehr schoen, und fehlt in dieser unserer langweiligen Welt sehr.
    Fuer mich gilt eben das W.C. Fieldsche Diktum (in Abwandlung): Wer Kinder, Hunde und Wagner nicht leiden mag, kann kein schlechter Mensch sein.

  85. "Langweiliger, knausriger...
    „Langweiliger, knausriger Faulpelz mit spiessigen Ansichten ohne Anlass, sich zu irgendwas Mühe zu geben“ träfe es vielleicht auch. Allerdings würde ich dann klagen.

  86. Lieber Don Alphonso, zu Ihren...
    Lieber Don Alphonso, zu Ihren Ausführungen über Bayern, Österreich und Tirol fällt mir spontan ein: „Bisch’t a Tiroler, bisch’t a Mensch!“. Der Nordtiroler kann aber schon auch gewöhnungsbedürftig sein – liegt wohl am Wetter und den engen Tälern oder so… die Kärntner sind da irgendwie lässiger. Liegt eben vielleicht an der Südseite, wie bei den Südtirolern. Und ausserdem will ich eigentlich garnicht hören, was ned gesagt werden darf…

  87. Die allercoolsten sind, wenn...
    Die allercoolsten sind, wenn ich das noch nicht sagen darf, natürlich sie Slowenen und Ladiner.

  88. Ja, lieber Don Alphonso, und...
    Ja, lieber Don Alphonso, und die aller-allercoolsten, das sind überhaupt die Oberpfälzer.

  89. Nachdem ein Vorfahr beizeiten...
    Nachdem ein Vorfahr beizeiten die Menschen in und um Leuchtenberg als Steuereintreiber malträtierte, kann ich das einfach mal so stehen lassen – die haben genug geblutet und sind sicher eiskalt.

  90. Also, der Meierschen Sicht der...
    Also, der Meierschen Sicht der Vergammelung franzoesischer Innenstaedte mag ich nicht zustimmen. Es verhaelt sich aehnlich wie bei italienischen Staedtchen: sie sind durch Kriege kaum zerstoert, Abriss alter Gebaeude und Ersatz durch moderne Gagarchitektur mag man aus Tradition, und aus materiellen Gruenden nicht Erwaegen.
    Allein die Innenrenovierung der alten Haeuser kostet ein Vermoegen. Da muss man improvisieren. Das Ergebnis ist nicht immer vollendet in Technik und Aestetik. Das aeussere Bild ist nicht so wichtig. Man hat sich daran gewoehnt, und der Tourist findet es pitoresk.
    Und doch passiert in den alten, touristisch uninteressanten Staedten staendig etwas gegen den Niedergang. Frankreich ist gross, das Geld ist knapp-trotzdem verwundert es mich immer wieder, wenn ich Haus sehe, das ich von frueher als heruntergekommenes in Erinnerung hatte, sauber renoviert am alten Platz steht.
    So ging es z.B. mir bei einem alten Gebaeude mitten im Pariser Marais, das noch vor Jahren eine gruselige spaetmittelalterliche Beinaheruine war, und nun brav herausgeputzt, eine huebsche, unpraetentioseuse buergerliche Adresse ist. So etwas heisst mich stets begruendet Hoffen.

  91. Leipziger Schule: Sie...
    Leipziger Schule: Sie fokusieren den ökonomischen Aspekt der Leipziger Kunstproduktion, der mich hier weniger interessiert. Ich gäbe zB. virtuell 10 Picassos für einen Tübke. Oekonomisch wäre das natürlich grösster Nonsense aber nicht in Fragen der Qualität.

  92. Nun, die Leipziger Schule...
    Nun, die Leipziger Schule musste für den Hype nicht vergewaltigt werden, da spielten alle mit, es gab ein richtiges System vom Künstler über Galeristen, Händler, Auktionshäusern und Journalisten bis zu den Büros russischer Oligarchen und amerikanischer Findsverwalter. Insofern sollten Sie sich mit mir ja freuen, denn mit dem Niedergang der spekulativen Blase kommen die Preise in realistische Regionen. Ich jedenfalls empfinde kein Mitleid: Dieser Stil wurde in den letzten Jahren durch den Markt gemacht, jetzt geht er durch den Markt zugrunde.

  93. AGW, ich fürchte, das hat man...
    AGW, ich fürchte, das hat man überall so betrieben, und macht es heute weiter, allerdings mit anderen Gebäuden und anderen Regionen. In Grünwald bei München eta dürfen inzwischen die alten Grundstücke geteilt werden. In der Folge reisst man die Villen der Zwischenkriegszeit ab und macht aus einem Grundstück mit hohen Bäumen drei mit Rasen und riesigen Klötzen – zu Grünwaler Preisen, ohne dass es das wäre, was Grünwald einmal war. Hier aber auf Betreiben der Besitzer! In dreissig jahren werden wir uns mit schrumpfender Bevolkerung noch sehr über diese Kurzsichtigkeit wundern.

  94. HansMeier555, ich höre, das...
    HansMeier555, ich höre, das liegt teilweise auch an denb exorbitanten Preisen für Immobilien in Frankreich – und natürlich auch daran, dass es abgelegene Regionen gibt, die dem deutschen Osten ähneln. Ich habe mir eine Weile ja überlegt, nach Frankreich oder Italien zu ziehen; anfänflich war der Tegernsee da nur die dritte Wahl. In Frankreich ist es entweder halbwegs erschwinglich, aber dann in einem toten Kaff, oder extrem teuer in der Nähe der Zivilisation. Und ich rede hier nicht von der Riviera, sondern nur vom Elsass oder Südburgund. generell aber it in Frankreich die Armut ein besserer Denkmalpfleger, als die reiche Abrissbirne der Deutschen.
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  95. Es greift ein wenig zu kurz...
    Es greift ein wenig zu kurz einzig dem Markt die Wiederauferstehung gegenständlicher Malerei aus dem Blödsinn der Abstraktion zuzuschreiben. Kulturmenschen allerorten konnten aufatmen als sich im Zuge der Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur eine an die Tradition der Malerei seit der Renaissance angelehnte Formensprache entwickelte. Markt spielte damals gar keine Rolle. Auch werden Tübke, Heisig, Mattheuer leider nicht billiger eher unbezahlbar…Für die jüngeren Vertreter dieser Malrichtung mag das zutreffen. Dennoch steht diese Schule in den westlichen Industrienationen für die Abkehr vom Grauen ,,moderner“ Kunstsammlungen.

  96. Die Frage für mich ist dann...
    Die Frage für mich ist dann aber: Greife ich, was gegenständliche Kunst angeht, nicht lieber zu alter Kunst? Ist Tübke für Brueghel nicht das, was ein Stilmöbel der 60er Jahre aus dem Kaufhaus für eine Pfeilerkommode von Röntgen ist? Ich würde da nicht antworten wollen, aber sich sehe einen Stuhl von Breuer nicht entwertet, wenn ich ein Stilmöbel nach alten Vorbildern sehe. Und um die Fragen, die die Grundlage der abstrakten Kunst sind, kommt man ab einem gewissen Punkt der Auseinandersetzung mit Kunst nicht herum, denke ich.

  97. @noch so einer -...
    @noch so einer – indeed
    ______________________________________________
    Hm, daheim habe ich außer einer Christo-Lithographie (mit aufgeklebtem Stück der Hülle) zu „Wrapped Reichstag“ nun ältere Sachen hängen, der Christo ist eher Souvenir an Berlin wo ich damals die Stimmung sehr genoß. Norbert Bisky würde mir gefallen, ist aber wegen seiner raumfüllenden Formate in normalen Wohnungen schwer zu hängen, von den Preisen derzeit mal abgesehen. Feininger gefällt mir auch, ist mit Ausnahme einiger Aquarelle aber derzeit schon sehr in festen (musealen) Händen.

  98. Ja, es ist alles nicht so...
    Ja, es ist alles nicht so einfach – zu viele Menschen haben einen Geschmack, der besser als der geldbeutel ist, und andere haben zu wenig Geschmack, aber bei deren Konto spielt das keine grosse Rolle. Aber das macht die jagd dann auch wieder spannend und reizvoll. Mit einem Scheckbuch kann jeder kaufen.

  99. Und doch bleibt der Blick des...
    Und doch bleibt der Blick des Don immer an Körpern kleben, die oft alt und runzlig sind.
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    Alte Gegenstände und Gemäuer, was sind das für Gefäße? Welche Essenzen gehen für immer verloren, wenn sie zerbrechen?
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    Die universale Gültigkeit des Satzes von der Nichterhaltung materieller Werte läßt sich nirgendwo so gut demonstrieren wie anhand der königlichen Schatzkammern. Werden diese doch immer als erste geplündert oder gar von ihren Eigentümern schon in der nächsten Generation versetzt. Juwelen werden aus dem Gold gehackt und dieses wird eingeschmolzen.
    Kaiserin Maria Theresia verpfändete ihren Schmuck, um sich den Krieg gegen die Preußen leisten zu können — beides ging verloren.
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    Wenn Kunst länger leben soll, muß sie von Anfang billig und bröselig sein, darf mit materiellen Werten nicht zu eng in Berührung kommen. Dann kriegen potentielle Räuber Mitleid und spenden gar noch für den Erhalt.
    .
    Der einzig wirklich sichere Aufbewahrungsort ist das kulturelle Gedächtnis der Nachkommen. Die Bibel oder Homer oder so: Exegi monumentum aere perennius.

  100. Warum kaufen sich die...
    Warum kaufen sich die Kunstliebhaber nicht einfach die Bilder, die ihnen gefallen? Ich meine, bei unentdeckten armen Mansardenkünstlern. Die sind noch ganz billig und fertigen auch auf Bestellung.

  101. @Hans Meier555 Das kommt ja...
    @Hans Meier555 Das kommt ja vor, so kam ich an mein Aquarell im Arbeitszimmer das den Mont St Michel zeigt. Das habe ich auf einer Ausstellung deutscher Künstler 1981 in Washington DC gekauft, die die Botschaft damals organisiert hatte. Einige der Künstler waren eingeflogen worden, und ich habe den Maler gefragt ob er es mir verkauft. Damals war ich ja noch jung auch an Dienstgrad, der Künstler hat mir einen Sonderpreis gemacht, immerhin auch ein halbes Monatsgehalt meinerseits.
    Aber es erfreut mich seither.

  102. @prince
    Altesse, das freut...

    @prince
    Altesse, das freut mich für Sie. Überhaupt sollte man einfach nur danach gehen, was man zu Hause hängen haben will, und was man sich halt leisten kann.
    Alles andere ist ja doch nur eitle Angeberei.

  103. Nein, es ist alles hell und...
    Nein, es ist alles hell und warm.
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    Oder anders: Auch Don sucht noch. Und sein Unterbewußtsein weiß auch mehr. Aber das Bewußtsein braucht die Konflikte, die einander entgegenstehenden, sich kontrastierenden Gegenstände (Begriffe?) noch?
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    Wie wärs am Rande z. B. mal mit ein bißchen „Einführung in den Taoismus“ – keine Angst, es kommt nichts Schreckliches, die Tanten brauchen keinen Tee anzubieten:
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    „Die ethische Lehre des Daoismus besagt, die Menschen sollten sich am Dao orientieren, indem sie den Lauf der Welt beobachten, in welchem sich das Dao äußert. Dadurch können sie die Gesetzmäßigkeiten und Erscheinungsformen dieses Weltprinzips kennenlernen. Da das Dao sich im „Ziran“, dem „von-selbst-so-Seienden“, der Natur, offenbart, steht es für Natürlichkeit, Spontanität und Wandlungsfähigkeit. Der Weise erreicht dabei die Harmonie mit dem Dao weniger durch Verstand, Willenskraft und bewusstes Handeln, sondern vielmehr auf mystisch-intuitive Weise, indem er sich dem Lauf der Dinge anpasst. Der Daoismus besagt, dass es im Kosmos nichts gibt, was fest ist: alles ist dem Wandel (chin. 易, yì) unterworfen und der Weise verwirklicht das Dao durch Anpassung an das Wandeln, Werden und Wachsen, welches die phänomenale Welt ausmacht.
    .
    In den Wandlungen der Phänomene verwirklicht jedes Ding und Wesen spontan seinen eigenen „Weg“, sein eigenes Dao. Es wird als ethisch richtig erachtet, dieser Spontanität ihren Lauf zu lassen und nicht einzugreifen, also Wu wei, „Nicht-Eingreifen“ oder „Nicht-Handeln“ zu praktizieren. Die Dinge und ihr Verlauf werden als sich selbst ordnend und sich selbst in ihrer Natur entfaltend und verwirklichend angesehen. Es erscheint dem Weisen als sinnlos, seine Energie in einem stetigen Willensakt der Handlung (des Eingreifens in das natürliche Wirken des Dao) zu verschwenden. Vielmehr sollte das Tun angemessen sein. Durch den angestrebten reinen und nicht selbstbezogenen Geist, soll ein Handeln möglich werden, das nicht durch eigene Wünsche und Begierden verblendet wird. Der Mensch soll einfach „geschehen lassen“.
    .
    Es wird also als klug angesehen, sich möglichst wenig in das Wirken des Dao einzumischen oder sich ihm gar entgegenzustemmen. Besser als durch große Kraftanstrengungen werden Ziele verwirklicht, wenn dafür die natürlichen, von selbst ablaufenden Vorgänge genutzt werden, die durch das Dao bestimmt sind. Dieses Prinzip der Handlung ohne Kraftaufwand ist eben das Wu Wei. Indem der Weise die natürlichen Wandlungsprozesse mitvollzieht, gelangt er zu einer inneren Leere. Er verwirklicht die Annahme und Vereinigung von Gegensätzen, denn das Dao, welches das Yin und Yang hervorbringt, ist die Ursache und Vereinigung dieser beiden. Somit verwirklicht der Weise im Einklang mit den natürlichen Prozessen den Dreh- und Angelpunkt der Wandlungsphasen von Yin und Yang, die leere Mitte der Gegensätze.
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    Das Daodejing liefert die Weltanschauung, die das Ideal des daoistischen Weisen blieb: Gleichmut, Rückzug von weltlichen Angelegenheiten und Relativierung von Wertvorstellungen, sowie Natürlichkeit, Spontanität und Nicht-Eingreifen.
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    Nach daoistischer Auffassung führt nur die Übereinstimmung mit dem Dao zu dauerhaftem und wahrem Glück. Involviertheit in weltliche Angelegenheiten führt dagegen zu einem Niedergang der wahren Tugend (De).“
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    http://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus. So relativ können dann Bausünden sein.
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    Im Kontrast dazu: Und evtl. mal reingehen in die Häuser? In welchem wachsen die gesünderen Kinder leichter heran? Weil die Eltern mehr Zeit für sie haben (können)? (Lob der Zentralheizung und Wärmedämmung, etc.) – Wir haben ansonsten die Erfahrung gemacht, dass gerade auch die jungen Mütter aus den „Designerhäusern“ mit den grottenschlechten, potthäßlichen, völlig überflüssigen Edelstahlstangen an den Fenstern ihre Kinder bedingungslos lieben können, werden, wollen & tun. Und damit ist dann wieder alles in Ordnung. Denn Jahrzehnte später schaun sie, die Mütter, völlig distanziert das Haus und die Stange an und sagen „ja so war das halt damals, und wir hams halt auch nicht besser gwußt, und aber aus dem Fenster gefallen ists halt niemals nett. Und außerdem sind wir immer auf den Spielplatz gegangen. Und mit drei wars ja außerdem scho im Kindergarten. Und als es fünf war mussten wir eh verkaufen und hatten dann sogar einen Garten … .))
    .
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    Und das Volk will das so: man schaue halt in die Proskete der Baufinanzierer. Und höre genau diese sich selbst so gewählt habende (tatsächlich?) Zielgruppe, wenn sie als Ministerialbeamte im Radio Interviews zur Vorbereitung der Konferenz fürs Kyoto-Nachfolgeprotokoll geben: Die Reden auch ohne Zwang wie ein Text aus dem Wüstenrot-Bausparprospekt (ungefähr). (Und da machten dann weder der Architekt, noch der Bauschlosser, noch Thyssen Edelstahl, noch die Edelstahlstange was falsch, s.o.).
    .
    „Lebensräume so unverwechselbar wie die Natur“ (Selten so einen Schwachsinn gehört.) Wichtig aber“ KfW55pur“. http://www.weberhaus.de/ . http://www.kampa-haus.de/
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    Kontrast zwei: Nicht umsonst ist ansonsten der 11.11. hoffentlich demnächst als deutsch-französischer Feiertag so bedeutsam: Weil die Jugend der europäischen Völker im Juli 1914 mit „Hurra“ in den Krieg gezogen ist, sich morden lassen, und nur die Außenseiter nicht. Don wird also all die anderen nicht so leicht verändern, wollen wir sagen.
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    Auch für Harry Graf Kessler z.B. war die Wohnfrage eher nicht so bedeutsam, wie wir vermuten: http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Kessler „1919 verfasste er einen Plan zu einem Völkerbunde auf Grund einer Organisation der Organisationen (Weltorganisation), der die Verfassung eines derartigen internationalen Staatenbundes enthält. Zweck dieses Bundes war vor allem die Vermeidung neuer Kriege, die Sicherung der Menschenrechte und die Regelung des Welthandels. Hauptorgan dieses Bundes ist der Weltrat, der auch einen geschäftsführenden Ausschuss wählt. Nach seinem Plan sollen ein Weltjustizhof, ein Weltschiedsgerichtshof und Verwaltungsbehörden errichtet werden. Dieser nach Paragraphen geordnete Plan hat die Form einer staatlichen Verfassung.“
    .
    Und das schmiedeeiserne Gitter in der alten Mauer sieht auf den zweiten Blick so alt gar nicht aus: Sieht wie maschinengefertigt aus, keine 15 Jahre alt.

  104. ein kurzes kommentar noch zu...
    ein kurzes kommentar noch zu den MPREIS supermärkten:
    deren architektur ist einzigartig in dieser branche und war bzw. ist wirklich innovativ. schöne bilder von märkten findet ma übrigens unter http://www.mpreis.at/standorte/architektur/architekturbeispiele/mpreis-telfs/index.htm
    wall paper nannte MPREIS “ The Seriously Sexy Supermarkets “
    schade, dass es nicht mehr trendsetter in dieser richtung gibt!

  105. Jo, meine Herren! Aber wo sind...
    Jo, meine Herren! Aber wo sind die Damen, die sich sonst so wortgewandt hier tummeln, auch mehrmals des Tages? Ist unser aktuelles Thema maskuline Domäne?
    >
    Da stehen sie nun, die Notstädte aus der Nachkriegszeit. Ich möchte auch nicht in diesen Dingern wohnen, ebensowenig wie im Märkischen Viertel, in der Bremer Vahr, noch in den Marzahner Platten oder den sozialistisch-realistischen Monolithen der Fischerinsel. Aber lieber in den Reihenhäusern der gar nicht so grundlegend zerstörten Fischerinsel?Ich brauch einen Garten, wie groß auch immer, und ganzjährig blühende Bäume und Blumen. Und bitte Stille! Aber Bach und Mozart gesammelt als Lebenselixier.
    Wie siehts bei mir aus, oh Graus! „Erlaubt ist, was gefällt“! Möbel aus Stahl und Aluminium, einige großformatige Abstrakte, vereinzelte Repliken aus Museumsshops in Ikea(!)-Vitrinen, die ein oder andere Skulptur aus 3 Kontinen-
    ten, wo ich längere Zeit gearbeitet habe und umfänglich gereist bin. Keine Teppiche, 1 Läufer aus oaxacanischer Handarbeit: gemäßigt „bunt“. Normalfernseher, Stereoanlage, Deckenstrahler auf die Bilder, Esstischgruppe (wird demnächst ausgetauscht), keine Gardinen und Vorhänge (ähnlich Holland), dafür Rosen, Weihnachtssternbäume, Bougainvilla etc. gegen Einblick von der Straße, Schiebetür und Fenster in Aluminiumrahmen, besonders ins ganzjährig blühende Grüne mit viel Sonne am blauem Himmel und wilden Wasserstürzen in der Regenzeit.
    In meiner Bibliothek: Eine holländische Winterlandschaft (Öl) im Rembrandtstil (Erbe), schräg gegenüber ein münchener Pferdemaler (Öl, Erbe),schräg gegenüber je vier Vogelstiche (1793, Erbe) und 4 persischeMiniaturen (Erbe) über einem Biedermeiersofa (Erbe). Dazwischen Regale, Regale, wo sich halt Giotto mit Wols, Akropolis mit Scharoun und Praxiteles mit Moore vertragen muss. Dazwischen Bücher mit Werken von Alkaios über Walther und Hildegard bis Grass und H.Müller. Ich blogge von meinem Aluminiumschreibtisch mit Glasplatte gebührenden Ausmaßes. Alle Metallmöbel sind signiert.
    Qas will ich damit sagen? Erbe, das man, wie andere Blogger auch, liebt und aus der Erbmasse auch mit ein bisschen Blick und Egoismus ausgesucht hat. Erinnerungsstücke aus dem Arbeitsleben auf 3 Kontinenten. Geschenke von Freunden, die mich kennen und mein „Sammelsurium“ auf viel Platz beziehungsreich legt, stellt, hängt, so dass dazwischen Spannungen sich auftun. Niemals Dekoration!
    Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt verschiedene Gefühle des Wohnens: geliebtes Erbe, geliebte zufällige und mühsam erhandelte Fund- und heiß ersehnte Sammlerstücke, geliebte Geschenke und dgl.mehr. Ein „Sammelsurium“ wüdren die einen sagen, die anderen, die Neugierigen, denen ich alles, alles erklären (Provenienz, Interpretation etc.) muss und liebend gern will. Mit am Glaserl…..
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    Natürlich kenne ich auch einmalige Bekannte dann bitte nicht wieder mit schwarzbraunen Schrankhimalajas im Gelsenkirchener Baröck und Clubsesseln als Garnitur vom Möbelhaus als Schnäppchen und auf Raten, Kronleuchtern, Bücherregalen mit Bertelsmannrücken, Kochbüchern und Readers Digest, Simmel und Konsalik, nie gelesen, überm Sofa den Hirsch/ Königssee mit St.Bartolomä oder wahlweise Andalusierin/ Zigeunerin. Wer kennt das nicht?
    Ich kenne auch genügend Häuser oder Wohnungen mit in ehelicher Frühzeit sauer erworbener Ausstattung, die man deshalb nicht lassen möchte.
    Ein Geistlicher in meiner schweizer Familie ersehnt sich ein Arbeitszimmer im Lutherstil (Wartburg) und dazu eine gotische Kanzel, um sich schon mal am Sonnabend für Sonntag einzustimmen. Ich habe ihm schon mal 2 Großfotos der Arp Schnitger-Orgel in der Hamburger Jacobikirche und der Silbermannorgel in Dresden geschenkt mit zugehöriger DVD (Bach und Penderecki). Und eine illustrierte Bibel als Projekt meines Seminars: Book of Kells bis Dali und Chagall.
    Ich selbst als ehemaliger WGler aus Opposition gegen den Sohn aus dem Westviertel hatte eine Tage eine Idee, streifte durch Kunstgewerbemuseen, kaufte mit großformatige Bildbände, zwang mich zu einem VHS-Kurs „Schöner Wohnen“ und begann aufmerksamen Ohrs Künstlern zuzuhören, in ihren Ateliers und Werkstätten zuzusehen und auf ihre Aufforderung hin zuzufassen.
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    Übrigens war ich eine Zeitlang mit einem bekannten Sammler befreundet. Wenn er die Schubladen seiner unausstehlichen Wandschränke öffnete, quollen die Andrucke von Picasso, Miro, Dali, Braque heraus, und wir schoben sie in die Schubladen zurück. Das Haus, in dem er hauste, war ein schäbiges Ding aus den 1950ern im Offenbacher Ostviertel.
    Lehre: Hinter den schäbigsten Fassaden tun sich oft genug wahre Wunder auf,
    meine Herren und Damen, wenn Gemeindemitglieder.
    Wie meinte so richtig einer aus diesem bedingt ratlosen Bloggerkreis: Man muss sich öffnen und sich gaanz „leichtsinnig“ einen Ruck geben, sogar bei Rückfällig keit in die ehemalige Mulmigkeit. Risiko zuerst zu kleinen Preisen, und wenn man dann ein Licht sieht, einfach zugreifen. Risiko bei uns allen eingeschlossen.

  106. Schön, dass hier einmal...
    Schön, dass hier einmal festgestellt wird: Heute ist ‚bauhaus‘ Kitsch!

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