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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
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Die feinen Details der unfeinen Leute

16.03.2010, 12:06 Uhr  ·  Wer denkt, dass des Ackermanns 10 Millionen Jahregehalt Klassenkampf von oben sind - der sollte sich mal in früheren Epochen umschauen. Damals war das Ausgrenzen und Abhängen nicht nur eine Zahl auf dem Konto oder die Macht, kritische Gewerkschaftler an die Luft zu setzen, sondern Kultur, Kunst und als Malerei an der Wand zu sehen.

Von

Dieses Rebhuhn kommt den Italienern höchst selten auf den Tisch.
Martial, Epigramme

Darf ich meine Magd vorstellen? Nachdem ich aber im Gegensatz zu früheren Generationen selbst koche und aufräume, oder letzteres zumindest versuche, wenn Gäste kommen, versteht sich von selbst, dass ich eigentlich gar keine Magd brauche. Trotzdem habe ich mir eine zugelegt, gegen eine gar nicht so günstige Einmalzahlung; aber dafür ist sie mit gut 340 Jahren auch kein junger, schlampiger Hüpfer mehr – selbst wenn sie immer noch frisch und lüstern aus dem Rahmen schaut:

Bild zu: Die feinen Details der unfeinen Leute

Was, so kann man nun fragen, hat das Bild einer Magd im Hause eines schlechteren Sohnes aus besserem Hause verloren, und was stellt es hier in diesem Blog dar, das sich mit einer ganz anderen und erheblich besseren Schicht, ihren Tugenden und Unterlassungen auseinandersetzt? Die Antwort liegt in der Intention des  Bildes, denn in jener Zeit und Region, da es entstand – die Spätphase des goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei – wurden nicht Mägde portraitiert, wie man etwa Adlige und Bürger portraitierte. Das Bild zeigt nur an der Oberfläche ein arbeitendes Küchenpersonal. In Wirklichkeit jedoch ist es eine ziemlich brutale Abgrenzung und gleichzeitig Warnung der besseren Gesellschaft vor niedrigen Schichten.

Um 1670 hatte sich in den Niederlanden eine vermögende Oberschicht etabliert, die durch Handel und Manufakturwesen reich geworden war, und aufgrund der eigenen, nicht eben hohen Herkunft alles daran setzte, sich von den normalen Leuten abzuheben. Nur diesem Bestreben, finanziell ermöglicht durch Ausbeutung und Sklavenhaltung in den Kolonien und durch den Profit bei der Ausnutzung von europäischen Moden, dieser rücksichtslosen Geschäftemacherei, verbrämt mit bürgerlich-calvinistischer Moral, die im Erfolg Gottes Ratschluss sieht, sind derartige Küchenstücke zu verdanken. Unter der scheinbar alltäglichen Szene finden sich zwei Bedeutungsebenen; die eine, vergleichsweise offensichtliche Ebene ist die des Luxus und des Standes, der sich im Geschehen ohne Anwesenheit des Herren widerspiegelt: Die Zurschaustellung von einer Untergebenen, die mit einem Rebhuhn auf einem übergrossen Zinnteller eine Luxusspeise jener Tage zubereitet, während das tote Karnickel darauf hinweist, dass ihr Herr ein früher nur den Adligen vorbehaltenes Jagdrecht hat und auch ausübt. Das ist die Repräsentationsebene, die uns viel über den Herrn des Hauses verrät. Aber wenn man genauer hinschaut -

Bild zu: Die feinen Details der unfeinen Leute

scheint in diesem Bild ein grober Fehler zu sein. Die Magd hat selbst ein sehr appetitliches Fleisch, sie lächelt den Betrachter mehr als nur adrett an, und sie wäre vielleicht sogar sehr hübsch, hätte der Maler ihr nicht diesen Silberblick, dieses deutliche Schielen mitgegeben. In der Kunstgeschichte ist das nicht selten; schon die Mona Lisa schielt leicht, um dem Betrachter den Eindruck zu vermitteln, sie schaue ihn bei verschiedenen Betrachtungswinkeln an. Hier jedoch ist das Schielen krass überzeichnet; es ist nicht mehr nur ein optischer Trick, sondern ein Zeichen des körperlichen Makels, den man unwillkürlich als scheel, hinterlistig, falsch und anzüglich auffasst. Die Magd hat fraglos den Blick der Betrachters erkannt, lächelt ihn aus dem Bild an, und zeigt sogleich ihre unlauteren Absichten.

Es ist, soviel weiss man als Angehöriger der richtigen Kreise natürlich, nicht der servile, demütige Blick, den man von einer finanziell abhängigen Magd zu erwarten hätte, die weit, weit unter einem steht. Es ist nicht das Verhalten, das man sich als Aufsteiger im 17. Jahrhundert wünscht, und es entspricht auch nicht dem heutigen Dienstleistungsfaschismus, den mittlere Manager der Finanzwirtschaft und des Lobbyismus immer wieder von Praktikant und Putzfrau einfordern. Es ist kein Blick von unten nach oben, sondern ein Blick auf gleicher Ebene, der etwas aussagt – die Magd glaubt zu wissen, dass sie den Betrachter so anschauen kann. Vielleicht, weil er sie auch mit einem gewissen Interesse niedriger Art betrachtet?

Bild zu: Die feinen Details der unfeinen Leute

Der Schlüssel dieser Bedeutungsebene ist auf ihrem Schoss: Dort nämlich liegt auf dem Zinnteller das tote Rebhuhn, das sie zu rupfen gerade ansetzt. Rebhühner, das war dem Menschen des 17. Jahrhunderts klar, galten nicht nur als teuer, sondern auch als Aphrodisiakum, als sexuell anregend, und das Rebhuhn selbst galt in der Mythologie der Liebesgöttin Venus geweiht. Hier nun ist die sexuelle Stimulanz zwischen den Beinen der Magd, und auf ihrer weissen Schürze hat der Maler ein paar kleine Blutflecken hinterlassen. Sie ist also nicht besonders reinlich, und Jungfrau, das darf der Betrachter daraus schliessen, ist sie auch nicht mehr, dafür aber der Lust durchaus zugetan.

Doch wer nun meint, dass es hier allein um die Verführung ginge, um das Angebot von Fleischeslust und einer Frau an den Betrachter, hat nicht genau genug hingeschaut. Es geht gerade nicht um die Pornographie, sondern um die Beherrschung. Denn das Rebhuhn ist nicht nur eine Luxusspeise, sondern auch ein Hinweis auf das, was die Magd im Schilde führt: Das Rupfen, das Ausnehmen, das Aufspiessen und Braten des Rebhuhns, und der Betrachter sollte besser aufpassen: Sie hat Erfahrung, wie sie andere dazu bringt, Federn zu lassen. Im dunklen Hintergrund nämlich ist eine Messingschüssel, und wenn man genau hinschaut und die Tätigkeiten der Magd prüft, so liegen dort bereits die anderen, bedauernswerten leichten Vögel, die sie mit einiger Erfahrung bereits gerupft hat:

Bild zu: Die feinen Details der unfeinen Leute

Darüber hängt der tote Hase, im 17. Jahrhundert der Inbegriff der ungezügelten Sexualität, auch er ein Opfer im Raum der Magd, an einem Bein aufgehängt und ausblutend, und dem Betrachter zeigend, wie das Leben der ungezügelten Gier endet. In dieser Bedeutungsebene ist das Bild keine banale Küchenszene mehr, sondern eine klare Warnung vor niederen Schichten: Die seien wollüstig, sündhaft und frech, auf Geschlechtsverkehr aus, und wer sich darauf einlässt, muss befürchten, seiner eigenen Gier und den schlechten Absichten der schlechteren Kreise zum Opfer zu fallen, bis er von ihnen ausgenommen und verloren ist. Nur so ist zu verstehen, warum man sich im 17. Jahrhundert eine derartig niedrige Person teuer bezahlte und in die gute Stube hing: Als Zeichen des Reichtums und als Mahnung, sich vor den sündhaften Verlockungen der Unterschichten in Acht zu nehmen.

Wir jedoch im 21. Jahrhundert haben die Aufklärung hinter uns und zahlen nur noch selten Maler, um unsere Sicht auf die Welt auf Leinwand und Holz bannen zu lassen; wir sind 340 Jahre weiter entwickelt und haben grosse Fernseher, die billiger sind, und auch darin dann Unterschichten aller Art beim schlechten Benehmen; allein, irgendwie schont im Laufe der Jahrhunderte die warnende Funktion abhanden gekommen zu sein, die verbleibende Bildebene ist allein die simple Oberfläche aus Sex, Unterhaltung und Amüsement. Man holt sich dergleichen nicht mehr ins Haus, um andere Lebenswege zu entwerfen, sondern um dem Gezeigten nachzueifern, man fiebert mit abgekarteten Gefühlserregungen, man redet ernsthaft über die Belange der Gossenbewohner, man sieht im Sprechsänger ein Vorbild, in Witzereisser einen Intellektuellen und im Plärrer den angenehmen Unterhalter, das alles assistiert von der sog. Fernsehkritik, die einem einredet, man so kein Vollidiot, nähme man den Singsang irgendeiner Vortanzgrösse ernst. Jeder kann es bezahlen, das leistet man sich, das gehört mit dazu zur einigmachenden TV-Nation mit Chips und Bier, und tote Rebhühner liegen auch nicht rum – nur ab und an wird eine Telefonnummer eingeblendet, bei der man anrufen kann, um sich rupfen zu lassen, oder vor der Tür steht jemand mit scheelem Blick, der möchte, dass man dem devoten Medienbüttel der Berliner Republik eine Handvoll Scheine in die Geldkatze steckt, damit die sich weiterhin ihrer Berufung und Neigung nachgehen können.

Da ist mir meine Magd, die erheblich teurer als ein Plasma-TV-Gerät war, mitsamt ihren 340 Jahre alten Bedeutungsebenen und Warnungen dann doch erheblich lieber.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (115)
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0 donalphonso 16.03.2010, 12:14 Uhr

Vielleicht noch ein wenig...

Vielleicht noch ein wenig Sekundärliteratur:
.
Kurt Wettengl (hrsg.): Georg Flegel, Stilleben.
Jochen Sander (hrsg.): Die Magie der Dinge
Hans-Joachim Raupp (hrsg.): Stilleben und Tierstücke
Sam Segal: A prosperous Past (ganz wichtig!)
Anne W. Lowenthal, Joachim Wtwael and Dutch Mannierism
.
Generell ist es ein eher gering beachtetes Thema, gerade, wenn es um die Spätzeit dieser Kunstformen geht, was ich ein wenig schade finde.

Selbst wenn Sie wollten, das...

Selbst wenn Sie wollten, das Finden von guten Hauspersonal ist nahezu unmöglich. Aus den Kreisen, aus denen früher rekrutiert wurde, ist heute nichts mehr zu holen. Da ist nur noch Piercing, Mobiltelefon und auch Grossbild-TV angesagt. Einlassungen zwischen dem Hausherren und jungen Mädchen waren gar nicht so selten. Der erste Hinweis den ein junges Mädchen bei der Ankunft erhielt war der, doch stets ein frisches Höschen zu tragen.; manch Hausherr hatte da einen ungeheuren Verschleiss. Freilich nicht auf den Etagen der Familie; für viele Herren wohl das einzige Mal, dass sie die Dachkammern der Bediensteten gesehen haben.

Diesmal, Verehrtester, haben...

Diesmal, Verehrtester, haben Sie mir eine grosse Freude bereitet. Sowas moechte ich oefter lesen.

0 Kopfgeburt 16.03.2010, 12:38 Uhr

Eine treffliche Analogie Seid...

Eine treffliche Analogie Seid bedankt, Don Alphonso, für die kunsthistorische Unterrichtsstunde. Man sieht doch einiges sodann gleich mit anderen Augen... . Darf ich kurz darauf hinweisen, dass JvGoethe schon zu seiner Zeit sich kritisch zur Programmauswahl des Fernsehens geäussert hat? (ich zitiere): . Getretener Quark wird breit, nicht stark

0 donalphonso 16.03.2010, 12:41 Uhr

Filou, bedaure, aber 10 solche...

Filou, bedaure, aber 10 solche Beiträge im Jahr, und ich muss Insolvenz anmelden. . Dipsy, nun, das hier stammt ja aus einer Zeit, die sich erst gar nicht mit Unterwäsche allzusehr beschäftigte. Man mag hoffen, dass dieses Bild im Calvinimus besser gewirkt hat, als es im 20. Jahrhundert dann schon üblich war; immerhin ist die Verdammung des Beschlafs mit Untergebenen noch bei Beaumarchais stärker, als im Betriebsklima einer modernen Bank.

0 Blackjack 16.03.2010, 12:44 Uhr

WerterDon Alphonso, sie habe...

WerterDon Alphonso, sie habe es geschafft mich zum ersten Mal sprachlos werden zu lassen. Die Brücke zwischen altem Gemälde und moderner TV Soap ist gelungen. Formidable Don, sehr gelungen.

0 Doctor Snuggles 16.03.2010, 12:48 Uhr

Werter Don, ich muss...

Werter Don, ich muss widersprechen. Die Botschaft aus dem Fernseher ist doch klar zu vernehmen: aufgepasst, sonst endet ihr wie die hier gezeigten Doofen. Mir jedenfalls wird das immer sehr deutlich, daher haben wir auch die ganzen Krawallsender rausprogrammiert. Natürlich, ein paar Bekloppte verdrehen das genau ins Gegenteil, fordern ihre 15 Minuten Berühmtheit ein und wundern sich dann, wenn die Nachbarn statt Autogramme zu verlangen mit Steinen schmeissen. Aber man kann ja nun nicht jeden vor selbstgewähltem Schaden bewahren, nicht wahr?

Ja, ja so geht das. So wie ich...

Ja, ja so geht das. So wie ich vor vielen Jahren einen guten Freund vor mir warnte: Leih' mir kein Geld, sonst musst du mir noch deine Frau leihen, die ich dann verkaufen muss, um meine Schulden bei dir zu bezahlen. Circulus vitiosus.

0 Miss O'Murphy 16.03.2010, 12:57 Uhr

Dipsy, ich bin sicher, bei...

Dipsy, ich bin sicher, bei einem freundlichen und angenehmen Junggesellen wie dem Don würde jede Hausmagd gerne arbeiten. Oder werden Putzhilfen nicht mit Torten beglückt?

0 Carolus Magnus 16.03.2010, 12:57 Uhr

Werter Don. In Aachen wurde...

Werter Don. In Aachen wurde letzte Woche die Ausstellung "Hans von Aachen - Hofkünstler in Europa" eröffnet. Leben und Werk des Künstlers aus der Spätrenaissance könnte Sie ebenso interessieren wie die zur Zeit in Maastricht stattfindende TEFAF. Vielleicht zieht es Sie ja mal wieder in den Westen...

0 auxtroisglobes 16.03.2010, 13:08 Uhr

Nur der Vollständigkeit...

Nur der Vollständigkeit halber will ich anmerken, daß, wieder mal, einziges Haar in der Suppe Dons Wirtschaftsverständnis ist. Die Ausbeutungsthese ist insbesondere für die Niederländer, schlicht falsch. Wahrlich keine Heiligen waren sie, aber es ist ökonometrisch gesichert, daß insbesondere der Aufstieg und Reichtum der Niederlande mit tatsächlicher Wertschöpfung in tatsächlich den Niederlanden geleisteter Arbeit erfolgt ist. Die Kriege mit England waren ja dezidiert keine um Kolonien, sondern um...genau. Auch ökonometrisch belegt sind die Auswirkungen der tatsächlichen Räuberei und Versklavung in den Kolonien als Haupteinnahmequelle. Stichwort Spanien. Wirklich, so ein gelehrter Mann, solche Kinderweisheiten von Gemeinschaftskundelehrermarxisten in Wirtschaftsfragen. Aber ganz fehlerlos wären sie vielleicht garnicht auszuhalten.

0 donalphonso 16.03.2010, 13:30 Uhr

Kopfgeburt, das ist halt der...

Kopfgeburt, das ist halt der Fluch beim bewegten Bild: mehrschichtigkeit wird der Geschwindigkeit geopfert. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich extrem wenig von Internet-TV halte. Natürlich kann man ein gemaltes Bild oder einen Text so flach wie einen Film machen, aber kein film kann je so vielschichtig wie ein Text oder ein Bild sein. . Blackjack, gern geschehen (auch wenn es nur etwas Proseminargerede ist, mehr geht bei mir auch nicht mehr.)

0 donalphonso 16.03.2010, 13:35 Uhr

Doctor Snuggles, ich habe mit...

Doctor Snuggles, ich habe mit nicht geringem Entsetzen feststellen müssen, dass diese Ihre Haltung doch eher die Ausnahme ist, als ich die Reaktionen im hiesigen TV-B log zu einer reichlich niveaulosen Veranstaltung in Oslo lesen musste. Die nehmen das wirklich ernst und investieren darin Gefühle. Erstaunlich, aber es ist so. Bei einer Castingshow, wo unerfahrene Leute Zeug singen, das mit ihnen nichts zu tun hat, und nur geschrieben wurde, um andere leute zum Anrufen zu bringen. Unglaublich. . Filou, ganz so schlimm ist es dann auch nicht, ich kann schon damit leben, dass ich mir so etwas, wie der Italiener mit dem Rebhuhn, nur seltenst leisten kann. Ich bin eigentlich ein zufriedener Mensch. Ab und zu kaufe ich eben was und erfreue mich daran. Und wenn ich tot bin, kann ein anderer daran Freude haben.

0 vorstadtnichsoprolet 16.03.2010, 13:41 Uhr

mhh Herr Alphonso, so ihr...

mhh Herr Alphonso, so ihr kleiner Rant gegen Sprechgsänger auf die hier themengebenden Stützen gemünzt war, so muss ich doch deutlich widersprechen. Sprechgesang als solcher mag seinen Weg zwar durchaus in die Stuben des etwas besseren Deutschlands gefunden haben, die hier wohl angedachten hauptstädtischen Vertreter dieses Genres "Negermusik" taugen jedoch immer noch vorzüglich als Distinktionsmerkmal. In diesem Fall jedoch gegen "die da oben". Von wirklich wenigen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen rufen diese Herren mit schlechter Bildung, noch schlechterem Benehmen und zweifelhaften Deutschkenntnissen in allen Altersstufen und ideologischen Winkeln des kleinen, mittleren und zu gut verdienendem Bürgertum nur aufgestellte Nackenhaare und deutliche Unmutsäußerungen hervor. Sowas taugt vieleicht als Elternschreck, wenn man grade 13 oder 14 Jahre alt ist und das in der Hosentasche "vergessene" Kondom noch eher Belustigung denn Besorgnis auslöst. Spätestens mit immer noch unreifen 15 Jahren ist einem so eine Eskapade dann schon selbst gar schröcklich peinlich. Als angehöriger der bildungsfernen Schichten macht es da nur doppelt Spass seine besser situierte Umgebung mit solcherlei Unterschichtenmusik zu drangsalieren und die Umgebung mitder Verachtung zu strafen die ihm selbst nur zu oft zu Teil wird. Da wirkt ja nicht nur der Content abschreckend, das blechern scheppernde Wiedergabemedium tut da sein übriges. Würde man doch wenigstens ganz in der Tradition überseeischer Vorbilder der 80er Jahre auf volltönendere Klangerzeuger setzen ... Gleiches gilt natürlich auch für die seltsame "Witzemacher". Sind ihnen wirklich schon so viele Menschen mit diesen doch sehr seltsamen Vorlieben begegnet? Meine Kindheit und Jugend wirkt auf einmal so beschaulich, verglichen mit den Grausamkeiten die Sie augenscheinlich in den erzkatholischen Reichenghettos Vorderösterreichs erleiden mussten.

0 Not quite like Beethoven 16.03.2010, 13:44 Uhr

Sehr schöner Text,...

Sehr schöner Text, dankeschön Herr Don. Interessante Frage eigentlich, was sich heute die verschiedenen Schichten und Milieus so in die Wohnung hängen, was sie damit ausdrücken und welche Funktion es für sie erfüllt. Wissen Sie ob es darüber Untersuchungen gibt?

Hammer:) So hätte ich das...

Hammer:) So hätte ich das Bild nie gesehen. Das Schielen ist mir aufgefallen aber alles andere. Meinen vollen Respekt. Und ich verstehe immer noch nicht, woran man erkennt, dass die gute Dame keine Jungfrau mehr sein soll.:)

0 Johann Grünthal 16.03.2010, 13:57 Uhr

@Don Auch von meiner Seite,...

@Don Auch von meiner Seite, vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag, der Horizonte öffnet und Lust macht, im in der großen Stadt gelegenen Museum auf Entdeckungstour zu gehen. @auxtroisglobes Nur um Ihrer Anmerkung, eine weitere anzufügen. Vielleicht ändert sich Ihre Einstellung zur Ausbeutungsthese, wenn Sie sich im Nachschlagewerk Ihres Vertrauens über das Kultuurstelsel (Kultursystem) informieren oder das Buch "Max Havelaar" in die Hand nehmen - und lesen.

0 donalphonso 16.03.2010, 13:59 Uhr

Miss O'Murphy, die Putzfrau...

Miss O'Murphy, die Putzfrau anderer Familienmitglieder bringt selbst ab und zu Kuchen mit, aber ich wäre sicher vorbildlich in jeder Hinsicht, und ausserdem bin ich ehrlich und treu. . Carolus Magnus, man führe mich erst gar nicht in Versuchung! Wenn ich dann sehe, was alles in Privat-, aber nicht meinem Besitz ist, und wenn ich sehe, was das alles kostet, bekomme ich nur mittelgute Laune. Ausserdem denke ich, dass man in solchen Momenten einfach überfordert ist; statt dessen schaue ich mir lieber ein Bild jahrelang an.

0 Foersterliesel 16.03.2010, 14:05 Uhr

Gratuliere zum Erwerb des...

Gratuliere zum Erwerb des Bildes! Wirklich sehr hübsch und speziell! Und Dank für die vergnügliche Seminarviertelstunde. -- Wenn man, etwa für einen Haushalt mit mehreren Kindern und berufstätiger Mutter, eine Haushaltshilfe braucht, ist die im österreichischen Osten einerseits sehr leicht zu finden, denn das Angebot an arbeitssuchenden Frauen ist überwältigend. Eine gute und vertrauenswürdige Hilfe zu finden, der frau Kinder und einen pflegebedürftigen alten Menschen unbesorgt überlassen kann, ist allerdings schwer. Die Geschichten rangieren von: drei Monate so überaus anstellig und eifrig gewesen, daß man sie allen Freunden, die ebenfalls Hilfen suchten, empfahl, von allen bekam sie die Wohnungsschlüssel und verschwand dann samt Schlüsseln, Schmuck und Bargeld über, hat sich sehr gut mit den Kindern und noch besser mit deren Vater verstanden oder telefonierte viele Stunden in die südöstlichen Heimatländer und leerte die Vitrinen, bis zu: erschien auf einer Familienhochzeit mit großem Hut und überaus aufgetakelt und stellte sich zu allen Gruppenbildern einfach dazu...Meine eigenen Erfahrungen (berufstätiges Paar mit sehr wenig Freizeit und vielen Verpflichtungen): durchstöberte und durchkramte alles, probierte meine Kleider, alle meine Kosmetika, alles Eß-und Trinkbare sowieso und putzte lediglich "fürs Auge" an den Oberkanten der Dinge herum und telefonierte ebenfall üppig in die Heimat. Allerdings hatten wir die Frau - was eher die Ausnahme ist - angestellt, hatten somit ihre Personaldaten und machten klar, daß Diebstähle angezeigt werden würden.

0 Doctor Snuggles 16.03.2010, 14:06 Uhr

Nun ja, Gefühle kann man in...

Nun ja, Gefühle kann man in vieles investieren und man kann sogar an noch mehr Dinge glauben. Ja, richtig glauben. Habe mich vor vielen Jahren mit Themen aus dem Bereich der UFO-Forschung und esoterischer Bereiche beschäfigt, da kommen einem schon manchmal wirklich Zweifel am Geisteszustand der Menschheit bzw. nicht unerheblicher Teile von eben dieser. Daher erschüttert mich heute nicht mehr viel. Was sind da schon ein paar Kaputte, die den Unterschied zwischen Realität und Fiktion bzw. zwischen echtem Leben und Unterhaltungsprogramm nicht mehr hinbekommen? So neu sind diese Probleme auch nicht mehr, sage dazu nur: http://de.wikipedia.org/wiki/Millionenspiel

0 donalphonso 16.03.2010, 14:06 Uhr

auxtroisglobes, nun, beim...

auxtroisglobes, nun, beim Aufstieg will ich nicht widersprechen, das lag tatsächlich an der fortschrittlichen manufakturfertigung von Tuch, etwa in Brügge, und am Handel in der Nordsee und mit dem Baltikum. Soweit bis ca. 1550 bis 1600. Aber 1602 wird die Vereinigte Ostindische Kompanie gegründet, und die wiederum macht ihre Profite (und einen grossen Teil des Reichtums der Niederlande) mit dem Gewürz- und Luxuswarenhandel. Ersterer war nicht ohne die Kolonien in Ceylon und Indonesien möglich, und beruhte stark auf Sklaverei. Das nebengeschäft des Sklavenhandels nach westindien über die holländische Kolonie Curacao wäre hier auch zu nennen. . vorstadtnichsoprolet, Sie dürfen natürlich gerne den medienwirksam frauen-, schwulen- und hochkulturfreindlichen gestalten mit Vorstrafen fröhnen; mich stört das nicht weiter, denn bis zu mir kommen die erst gar nicht, denn am tegernsee wohnt man in der region, wo andere sich den Urlaub nicht mehr leisten können, und jene Mattscheibe, zu deren Gunsten sich das Pack produziert, habe ich erst gar nicht.

0 donalphonso 16.03.2010, 14:12 Uhr

Not quite like Beethoven, gern...

Not quite like Beethoven, gern geschehen, aber ich muss gestehen, dass ich Untersuchungen zu solchen Fragen mehr als skeptisch gegenüber stehe. Allein mit dem Vermögen kann man da schlecht Gruppen bilden, und generell ist gerade die Alte Kunst wirklich eher etwas für kleine Zirkel von Menschen, die solche Bilder auch entschlüsseln können. tf14, im 17. Jahrhundert hat man diese Bedeutung wahrscheinlich ziemlich einfach verstanden, denn die Menschen konnten diese Bilder "lesen"; sie lebten in einer welt voller Bedeutungen und Zuschreibungen. Im Kern ist es wie eine Sprache, die man lernen muss, dann kann man ziemlich viel verstehen.

0 donalphonso 16.03.2010, 14:24 Uhr

Johann Grünthal, oh bitte,...

Johann Grünthal, oh bitte, das ist natürlich auch der Zweck der Sache - Museen werden schliesslich staatlich gefördert, und man kann sich zurückhoen, was einem an anderer Stelle genommen wird. . Foersterliesel, diese Geschichten gehören mit dazu, die Kosten übernimmt hoffentlich die Hausratsversicherung, und man hat wenigstens etwas zu erzählen, wenn man Kaffeeklatschen geht. Letztlich ist das alles nur eine alte Tradition.

Ein schöner Text, bis auf...

Ein schöner Text, bis auf diesen Teil :"man redet ernsthaft über die Belange der Gossenbewohner," Was wollen Sie damit ausdrücken? Vielleicht über "Gossenbewohnern" redet man nicht? Ausgrenzung des "Prekariats"(ein ebenso schlimmes Wort) durch Ignoranz, im Sinne der bewussten Nichtinkenntnisnahme? Wollen wir Sie nicht gleich "Unberührbare" nennen und eine Kastengesellschaft aufbauen, nicht daß wir sie nicht schon latent hätten? Alles in allem hat mir dieser kleine Fauxpas den Gefallem am ganzen Text getrübt.

0 donalphonso 16.03.2010, 14:32 Uhr

ego, was ich damit ausdrücken...

ego, was ich damit ausdrücken wollte: Man beschäftogt sich tatsächlich mit den Wehwehchen und Vorzeigeproblemen, die Agenturen von Senderangestellten an die Medien verbreiten, damit die dieses niedrige Personal nach vorne in die öffentliche Aufmarksamkeit bringen. Wie beschränkt kann man sein, wenn man allen Ernstes über sowas nachdenkt und es thematisiert? . Doctor Snuggels, es reicht, sich mal ein paar Stunden auf einem Fanforum zu irgendwelchen Medien-D-Promis rumzutreiben, um zu verstehen, wie leichtgläubig man heute immer noch ist. Goldmacherei war dagegen ein seriöses Geschäftsmodell.

0 Reiterjunge 16.03.2010, 14:33 Uhr

Hm, vielleicht ist mir im...

Hm, vielleicht ist mir im Rahmen der Quelleninterpretation dieses Bildes noch ein weiteres Detail aufgefallen: Das rote Kleid der Magd. Rot galt in den Niederlanden des 17.jahrhunderts als vepönt, als Zeichen von Prunk, Laster und Katholizismus. Die damals vorhandenen roten Farbstoffe waren noch sehr teuer. . Der biedere, sparsame und calvinistische Niederländer trug schwarz. . Für das Personal dürften sich Abstufungen zwischen Leinen, weiß, grau und schwarz geziemt haben. Aber da bin ich mir nicht sicher; es müßten noch andere Quellen zu Rate gezogen werden.

0 P. Seudonym 16.03.2010, 14:36 Uhr

D'accord mit Filou - kaufen...

D'accord mit Filou - kaufen Sie sich ruhig öfter mal ein Bild ;-)

0 donalphonso 16.03.2010, 14:42 Uhr

P.Seudonym, da muss ich bei...

P.Seudonym, da muss ich bei der FAZ aber erst mal um Gehaltserhöhung nachfragen. Oder um einen Bilderfonds, am besten mit Blankoschecks. . Reiterjunge, die Interpretation von Rot ist prinzipiell richtig, aber es gibt eine klare Ikonographie der Mägde in roten Oberkleidern, und die ist eben nicht auf die Lasterhaften beschränkt, wie hier. Beispiele sind die Monatsbilder von Flegel und Valckenborch, oder auch ein Bild einer ausgesprochen tugendsamen Magd, während ein anderes Bild von beiden ein junges Paar - offensichtlich die Verführung einer Magd in der Küche - zeigt, bei dem sie in dunklen Tönen gekleidet ist. Insofern würde ich vielleicht eher dazu tendieren, es als Möglichkeit zu interpretieren.

0 Foersterliesel 16.03.2010, 14:42 Uhr

verehrter Don, Frauen...

verehrter Don, Frauen mittleren Alters mit eigenem Anwaltsbüro und 4 Kindern gehen nicht Kaffeeklatschen, dazu haben sie gar keine Zeit, und selbst wenn die Hausratsversicherung den Schaden trägt, der Verlust eines hübschen kleinformatigen Bildes, wie etwa Ihres neu Erworbenen, an dem Sie so viel verständliche Freude haben, oder letzter Stücke Wiener Silbers, ärgern nachhaltig.

0 vorstadtnichsoprolet 16.03.2010, 15:03 Uhr

oh wehrter Don, da hat es...

oh wehrter Don, da hat es wohl ein Missverständnis gegeben. Meine eigene Begeisterung für die freundlichen vorbestraften Herren aus Berlin hält sich in ausgesprochen eng gesteckten Grenzen. Als Spross einer bürgerlichen Familie mit innerstädtischem Grundbesitz, ist mir auch in Preußen die gedankliche Welt dieser Menschen fast so fern wie Ihnen im fernen Bayern. Mir stellte sich nur die Frage, von wo Sie eine Vorbildfunktion des sprechsingenden Proletariats* für die "Elite" (egal ob tatsächliche oder eingebildete) ableiten können. Ein Outing unchristlicher sexueller Praktiken würde hier deutlich weniger Stirnrunzeln hervorrufen, als das offene Bekenntnis zu den noch existenten Vertretern inzwischen verschwundener "Underground-Labels" aus Berlin. Das gilt sogar für diejenigen, die zwar Vermögend aber nicht unbedingt über Maß gebildet sind. * bleiben wir der Einfachheit halber bei diesem Beispiel. schlechte Witzemacher und geweihtragende Damen wären aber genau so wenig satisfaktionsfähig.

Das wäre eines der Gemälde...

Das wäre eines der Gemälde gewesen, vor dem ich mich als kleines Kind entsetzlich gegruselt hätte (allerdings nicht wegen der toten Tiere)...

0 HansMeier555 16.03.2010, 15:11 Uhr

Das war auch die Zeit der...

Das war auch die Zeit der Hexenverfolgungen.

Das war eine sehr gelungene...

Das war eine sehr gelungene und nachzuvollziehende Analyse der möglichen Bedeutungsebenen dieses Gemäldes. Daneben hat die Analyse selbst jedoch ebenfalls zum Mindesten eine zweite Bedeutungsebene. Und die geht so: Seht her, mein neues Bild....

Die Interpretationen zum Bild...

Die Interpretationen zum Bild sind interessant. Interessanter noch auf Freud'scher Metaebene, denn dient hier nicht das Bild als Abwehrmechanismus niederer Triebimpulse? Ist der Slogan zu diesem Wandmöbel vielleicht: 'Verdrängst du noch oder sublimierst du schon?'

0 Lena Meyer-Stadtruth 16.03.2010, 16:04 Uhr

Das Bild ist völlig falsch...

Das Bild ist völlig falsch interpretiert. Wir sehen keine Magd, nicht einmal eine Frau. Die Person auf dem Bild ist offensichtlich ein Mann, ein Priester. Der Farbe der Soutane nach ein Kardinal, eigentlich aber die personifizierte Zeit (daher der Strabismus). Im Hintergrund hängt zwar ein Hase, aber als alte Allegorie auf die Herausgeber von Welt und Süddeutsche, das Bild will sagen: Auch den Schlotbaronen der Empörungsindustrie geht es einmal an den Kragen. Gerupft wird kein Rebhuhn, sondern eindeutig ein Blogger (man beachte die Beine). Die Botschaft des Bildes ist alles zusammengenommen so zu lesen: Empörung mag die leichteste Form der Selbstbefriedigung (Nietzsche) sein, aber wer es übertreibt mit seiner öffentlichen Empörungsmasturbation, bleibt bald auf der Strecke. Daher die Heiterkeit des Bildes, der es nicht um Verführung geht, sondern um die wenig Federlesens machende Gerechtigkeit der lächelnden Zeit.

0 donna laura 16.03.2010, 16:05 Uhr

werte Foersterliesel, ich...

werte Foersterliesel, ich verstehe sie. der beschriebene umstand ist ein oft zu beobachtendes problem. anstand und respekt – wohlverstanden: wechselseitig! – sind auf dem rückzug. und deshalb trage ich den generalschlüssel zu den räumen und behältnissen mit intimen dingen wie bibliothek (mit gemälden), boudoir, kosmetika, alkoholika und kulinarische spezialitäten etc. wie in guten alten zeiten mit mir herum. unser haus ist zu offen für fahrlässigkeiten, hat aber abgestufte schliessanlagen. . das schlimmste, was geschehen könnte, wäre, dass während einer gemeinsam (!) durchgeführten silberputzaktion ein kratzer geschieht. oder dass die antiquitäten unter falscher behandlung leideten. meine freundliche, aber beharrliche pingeligkeit hat bis jetzt stets davor bewahrt. und auch die aussicht auf besondere (kleinere und grössere) belohnungen bei wohlverhalten. . wobei, was ist schon idiotensicher? mich hat der schlendrian und die 'oberflächlichkeit' mancher sog. haushaltshilfen und deren nachlässiger umgang mit antiken möbeln und der burg als wertvoller immobilie an sich auch schon oft geärgert. aber das ist dann eben die gefühlte ausgleichende gerechtigkeit der dienstbarkeit in einer neidgesellschaft. ich lasse einfach wieder reparieren, ohne mich noch gross zu ärgern, denn so teuer ist das auch wieder nicht. das ärgert dann die in hohem bogen rausgeflogene magd, ebenso wie die schlechte referenz.

0 donalphonso 16.03.2010, 16:06 Uhr

Marvin, das wäre dann...

Marvin, das wäre dann gewissermassen die vierte Ebene, die metaphysische, ja vielleicht sogar ironische Interpretation. Und ich werde jahrelang darüber nachdenken können, was es nun ist. Allerdings kann ich mit Blond wenig anfangen. . Nerviat, sicher, aber wie soll ich so ein Hobby refinanzieren, wenn nicht durch das Schreiben darüber?

0 donalphonso 16.03.2010, 16:11 Uhr

Ariadne, ich habe vor ein paar...

Ariadne, ich habe vor ein paar Wochen mein Glück bei einem - manche würden sagen potthässlichen und massiv verdorbenen - Jesuitenkardinal aus der Zeot um 1750 versucht. Für die allermeisten Menschen wäre der etwas gewesen, was sie nicht mal in der Besenkammer hätten haben wollen. Aber es gab ein paar Experten, die mich und meine paar Kröten einfach an die Wand gedrückt haben. So ist das meistens: Gerade das Hässliche macht interessant und spricht an. Und solange es nicht leipziger Schule ist, passt es. . Hansmeier555, nachdem ich mal den von den Medien angeheizten Mob gesehen habe, der entstand, weil ein Gegner des abscheulichen Herrn Raab mal nicht so eingängig war, würde ich da nur bedingt einen Fortschritt sehen.

0 auxtroisglobes 16.03.2010, 16:13 Uhr

@Don, Grünthal: Ungefragt,...

@Don, Grünthal: Ungefragt, die VOC war keine Heilsarmee, sondern allen Grausamkeiten offen. Doch war, in toto, der Warenwert des Kolonialhandels bedeutend geringer als derjenige der innereuropäischen Handelsströme. Es geht mir da um die Größenordnungen. Die größte Wertschöpfung neben der höchstentwickelten Landwirtschaft (inkl. Heringe) und der Güterproduktion war in den Niederlanden vor allem die Dienstleistungen des Transportgewerbes für den europäischen Handel. Es gab Zeiten, da wurde fast alles in Europa von niederländischen Frühlogistikern verschifft, und dies führte zum Konflikt mit England. Um Kolonien ging es nur sehr nachrangig, sondern wer was von wo nach wo transportieren darf. Ostiniden hat den Niederländern niemand weggenommen. Wenn man denn schon Wirtschaftskriege führt, dann wohl doch um den wahren Kern des Reichtums, nicht wahr? Salopp: Nur durch Staatsmonopole und Kriege konnten andere europäische Handelsflotten gegen die Logistikprofis anstinken. Keine Zerschlagung der VOC, sondern Aufbrechen des erworbenen Transportmarktmonopols der Niederländer. Die Mär vom geraubten Wohlstand der Kolonialmächte ist so alt, wie sie falsch ist. Was nicht heißt, daß nicht geraubt und versklavt wurde! Ohne Zahlen bleibt die Diskussion notwendigerweise aber hier stehen, evtl. findet sich noch ein Digitalisat zur Untermauerung.

0 donalphonso 16.03.2010, 16:14 Uhr

Foersterliesel, das sehe ich...

Foersterliesel, das sehe ich ein, aber dann darf ich annehmen, dass der Plausch eher hier im Internet stattfindet? . vorstadtnichsoprolet, ich denke, das liegt auch zu teilen daran, dass man sich in besseren Kreisen zwar an das Binden und Fesseln von japanischen Frauen gewöhnt hat (Kunst! - sagen sie), aber das Berliner Ekel nicht wandkompatibel ist. Es ist also eher eine Frage der Verfügbarkeit im richtigen Rahmen mit dem richtigen Umfeld. Ich habe ausserdem nichts gegen diese leute, solange sie in Berlin bleiben, wo sie auch hinpassen.

0 donalphonso 16.03.2010, 16:19 Uhr

auxtroisglobes, das ist...

auxtroisglobes, das ist insofern richtig, als der reine Warenwert in der Bilanz bei der Einfuhr sehr gering war - man hatte ja seine Sklaven in Java - dieselben Waren aber teuer nach Europa weitergeleitet wurden. Idealtypisch sieht man das am in Asien relativ billigen Silber, das die VOC dort durch den Zwischenhandel in diversen Märkten kaufte, um in Europa einzukaufen, und die Kursgewinne zu kassieren. Im Prinzip gewann die VOC durch Aufschlag in dem Moment, da die billigen Guter in Europa ankamen und zu Luxusgütern wurden. Man zahlte wenig beim Einkauf, aber bekam viel Geld aus Europa herein. Aber das, wiegesagt, nicht in der Zeit vor 1600, den eigentlichen Aufstieg haben die Niederländer tatsächlich weitgehend selbst geschafft.

0 HansMeier555 16.03.2010, 16:26 Uhr

Hoffentlich wird die Andera...

Hoffentlich wird die Andera Dienerin nicht eifersuechtig.

@ D.A. Ich finde das Bild auch...

@ D.A. Ich finde das Bild auch nicht hässlich, nur hätte ich mich als Kind vor dieser schielenden Magd gefürchtet. Was mich nicht daran gehindert hätte, mir das Bild immer wieder anzusehen. Ein ähnliches Gefühl hat bei mir Böcklins "Krieg" ausgelöst, da stand ich in der gemäldegalerie immer an die Hand meines Vaters geklammert davor. Aber sehen wollte ich es. Leipziger Schule passt zu namensgebenden Stadt: langweilig, nichtssagend und heruntergekommen.

0 donalphonso 16.03.2010, 16:29 Uhr

Sie sollte sich in Copilotin...

Sie sollte sich in Copilotin umtaufen lassen, das träfe dann besser.

0 HansMeier555 16.03.2010, 16:32 Uhr

Solange Sie Ihre Magd nicht...

Solange Sie Ihre Magd nicht mit an den Lago Maggiore nehmen.

0 aschenbach 16.03.2010, 16:36 Uhr

Hach....

Hach.

Zwar ist das Bild nicht so...

Zwar ist das Bild nicht so mein Fall, der Text jedoch ist ein kleines amüsantes Lehrstück. Zunächst war ich etwas erstaunt ob der Tatsache, dass solche Motive für einen Vegetarier als Wandschmuck in Frage kommen. "... als Mahnung, sich vor den sündhaften Verlockungen der Unterschichten in Acht zu nehmen...", vermute ich. 1 kg Hähnchenbrust bei Aldi für 2,59 € ?

0 HansMeier555 16.03.2010, 16:45 Uhr

Bilder wie dieses sind...

Bilder wie dieses sind vermutlich auch fuer den skurrilen Geiz der Besitzbuerger verantwortlich, die Unsummen fuer Leichtmetallfelgen ausgeben und der Kellnerin dann keine zwei Euro Trinkgeld goennen.

0 Don Ferrando 16.03.2010, 17:01 Uhr

"generell ist gerade die Alte...

"generell ist gerade die Alte Kunst wirklich eher etwas für kleine Zirkel von Menschen, die solche Bilder auch entschlüsseln können. " . Vor vielen Jahren gab es mal im Fernsehen -lange vor RTL und Casting- eine Sendung "1000 Meisterwerke" Da wurde tatsächlich versucht, einer breiteren Zuschauergemeinde wenigstens ein bischen Bildinterprätation näher zu bringen!

0 gheluveld 16.03.2010, 17:14 Uhr

Ein weiterer Hinweis auf die...

Ein weiterer Hinweis auf die dunkle Herkunft ist die Asisokorie der Pupillen der Dame. Augenscheinlich ist ihr rechtes Auge das ( noch)gesunde Auge. Dort herrscht ein Übergwicht an Sympathikotonus, das heisst, die rechte Pupille ist weitgestellt, was zuförderst in der ( hier moralischen ) Dunkelheit auftritt. Die Anisokorie, verbunden mit einer Augenmuskellähmug links ( das starrende Auge) ist häufig bei der gummösen Neurolues anzutreffen. Sicherlich waren solche Krnankheitsbilder im 17 Jh. häufiger anzutreffen und dem Herren von Stande eine syphilitische Warnung.

0 Reiterjunge 16.03.2010, 17:36 Uhr

Womöglich hat die niedrige,...

Womöglich hat die niedrige, böse und durchtriebene Magd die Zuwendungen ihrer Freier fleißig gespaart und es zu einer Mitgift gebracht, durch die sie in der Lage war sich einen respektablen aber abgebrannten Kaufmann zu angeln. Nach einigen entbehrungsreichen Jahren in Batavia und einem unfeinen, gegen die VOC-Richtlinien verstoßenden Abstecher nach Macao kehrten die beiden mit einem grandiosen Vermögen zurück. . Möglicherweise gehört den stolzen, klassenbewußten Nachkommen der Familie heute noch die halbe Gracht an ihrem Stammsitz, die sie in all den Jahren durch kluges und konservatives Investment in Backstein halten und mehren konnte. . Will sagen, es war das schöne an den jungen Niederlanden das die Standesgrenzen eingerissen wurden. Natürlich versuchten diejenigen die es "geschafft" hatten oder auch jene die nach dem Erben keine Fehler gemacht haben, sich durch allerlei teuren SchnickSchnack sich von den anderen abzuheben. Genau wie heute.

Der Umgang mit dem...

Der Umgang mit dem Hauspersonal. Ich bin der Meinung, nur die Engländer wissen wie mit dem Hauspersonal (Butler, Cook and Gardner) umzugehen ist. Ob z.B der Hausherr den Tantalus immer mit dem Schlüssel schliessen muss? Nein, behaupte ich - ein Schluck Bordeaux/Sherry/Brandy ist des Butlers ein "Perk" (perquisite - aynthing left over that has by cutom a right to have)... http://www.silverandglass.com/prodimages/Tantalus/Mahoganytantalus/Mahogany1.jpg

0 Foersterliesel 16.03.2010, 18:29 Uhr

liebe Donna Laura, Sie kennen...

liebe Donna Laura, Sie kennen das Problem und Sie re/agieren sehr souverän! Auf dem Lande mag es noch möglich sein nette Hilfen zu finden. Daß sie ebenso nett behandelt, ordentlich untergebracht, bezahlt und verköstigt werden setze ich voraus. In der Großstadt ist es sehr schwer. Am erfolgreichsten waren noch Freunde, die etwa ein ungarisches au pair samt Freund in die Einlegerwohnung aufnahmen, ihnen auch ein Auto zur Verfügung stellten und den Burschen im Freundeskreis für Garten - und Bastelarbeiten weiterempfahlen. Die zwei waren fröhlich, flink, ehrlich und loyal und als sie wegen eigener Familiengründung zu Hause blieben empfahlen sie ähnliche junge Paare.

Am kunstgeschichtlichen Exkurs...

Am kunstgeschichtlichen Exkurs mag ich mich wegen fehlender Vorbildung nicht beteiligen, aber dass es sich beim künstlerisch abgebildeten Federvieh um ein Rebhuhn handelt, möchte ich aufgrund waidmännischer Erfahrung bezweifeln, da ein Rebhuhn an keiner Stelle weißes Gefieder trägt. Bei dem weißen Geflügel (weiß wie die Schürze und das Unterkleid der Magd) handelt es sich vermutlich um ein junges Haushuhn oder ein Zwerghuhn. Auch scheint mir der Inhalt der Schüssel zwischen Magd und Hase als gerupfte Hühner recht frei interpretiert. Auf dem Original ist die Auflösung sicher besser als sie auf den Bildern hier widergegeben ist, aber es könnte sich auch um Köttbullar handeln, die durch den Ostseehandel ihren Weg in den Haushalt der niederländischen Stützen der Gesellschaft gefunden haben.

0 Solipsist 16.03.2010, 19:10 Uhr

Sehr schön. Diesen Beitrag...

Sehr schön. Diesen Beitrag hätte ich vor der Heirat lesen sollen.

0 auxtroisglobes 16.03.2010, 19:30 Uhr

Don Alphonso, Wo sie Silber...

Don Alphonso, Wo sie Silber und Asien sagen...was sich die, wir Europäer und vor allem Engländer in China mit dem Opium geleistet haben...ist vielleicht auch mal ein nettes Thema zum nächsten Kännchenkauf.

Herr Alphonso, haben Sie...

Herr Alphonso, haben Sie ergebensten Dank für diesen Ausflug in das Reich der Kunstgeschichte. Ich hoffe, dieser lehrreiche Beitrag war nicht der letzte zu diesem Theman, zur Schonung Ihres Budgets muss der Gegenstand der Betrachtung ja nicht unbedingt eine Neuerwerbung sein.

Don Ferrando Die 1000 (erst...

Don Ferrando Die 1000 (erst waren es 100) Meisterwerke sind wieder einmal ein Hinweis auf das manchmal loebliche Tun des Fernsehens, seine Bildungsauftrag betreffend. Das Best, das dort jemals gesehen und gehoert habe, war die Interpretation einer van Gogh'schen Monmartreszenerie durch David Hockney. Dieser Kommentar wurde auf einem iPodTouch in der Badewanne verfasst. Da hab' ich jetzt auch Internet.

0 jean-jacques 16.03.2010, 23:06 Uhr

Bien-joue!, werter Don! Da...

Bien-joue!, werter Don! Da haben Sie einen schönen Fang gemacht und dem Publikum wieder was beigebracht, merci! Möglicherweise führt die Diskussion um mangelnde Enthaltsamkeit bei den nicht-säkularen Knechten ja dazu, dass ein paar neue und glänzend übel-gelaunte Kardinals-Nepoten "in Rot" auf den Kunstmarkt und damit Ihnen zugespült werden? Wäre zumindest ein hübscher Nebeneffekt dieses - hopefully - reinigenden Gewitters.

0 gottfried01 17.03.2010, 01:02 Uhr

Eine wahre Exegese!!!...

Eine wahre Exegese!!!

0 donalphonso 17.03.2010, 03:26 Uhr

muscat, Stilleben und...

muscat, Stilleben und Küchenstücke sind einfach eine lang, lang und schmerzhaft gehegte Leidenschaft meiner Person, gerade wegen ihrer Komplexität. . Ariadne, sicher, es ist keine gefällige Kunst, sondern eher hart, und vielleicht sogar abstossend. Keine Kunst zum Liebhaben. "Wicked" würde man auf Englisch sagen.

0 donalphonso 17.03.2010, 03:32 Uhr

HansMeier555, es gibt auch...

HansMeier555, es gibt auch einige Küchenszenen, in denen das ordentliche Betragen von Personal gelobt wird, und auch hier sehe ich eigentlich vor allem einen reflexieven Moment, der auf den Betrachter fällt. Don Ferrando, ich kann mich an sowas erinnern, aber es wundert mich absolut nicht, dass es das nicht mehr gibt.

0 donalphonso 17.03.2010, 03:37 Uhr

gheluveld, das ist nach...

gheluveld, das ist nach Einarbeitung in das Fachvokabular ein spannender Ansatz. Nachdem das Schielen auch maltechnisch nötig war, könnte man somit zwei Dinge gleichzeitig erledigen. . Reiterjunge, in den Niederlanden wechselte die Umverteilung von einem inländischen Ausbeutungsprinzip hin zu einer globalen Tätogkeit, an der sich jeder bereichern konnte, siehe auch die VOC-Aktien oder die Tulpenspekulation. So etwas kann lange gut gehen. Lange. Aber auch nicht immer. Aber natürlich kann jeder, wenn es nur noch um Geld und Rendite geht, aufsteigen.

Moin, zu der Abneigung einiger...

Moin, zu der Abneigung einiger "Herr"schaften gegen Berlin und die ärmeren Berliner: Könnte es vielleicht sein, dass die miese Situation der einfachen Leute dort damit zusammenhängt, dass gute Bürger vor einigen Jahren die Berliner Staatsbank (wie immer die auch hiess...) ausgeräubert haben und die Stadt deshalb jetzt kein Geld mehr hat, um ihren ärmeren Bürgern Bildung und Ausbildung zukommen zu lassen? Dass also die Ärmeren so sind, weil die Reicheren sie dazu machen. Aber die ziehen sich dann in ihre gated communities zurück, wo sie vor dem ungebildeten Gesindel sicher sind und sich keine Gedanken über ihre gesellschaftliche Verantwortung machen müssen. Ausbildungsinhalt in Hauptschulabschlussklassen: Hartz-IV-Anträge ausfüllen, weil diese Gesellschaft die einfachen Menschen als Teil ihrer selbst abschafft. Automatisierung und elektronische Überwachung machen es möglich. Was sollen diese jungen Leute anderes tun, als mit Rap-Sprechgesang gegen die ihnen zugemutete Überflüssigkeit zu protestieren. Protest ist nie schön. Und Überheblichkeit und Verachtung ebensowenig. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.

Moin, zu der Abneigung einiger...

Moin, zu der Abneigung einiger "Herr"schaften gegen Berlin und die ärmeren Berliner: Könnte es vielleicht sein, dass die miese Situation der einfachen Leute dort damit zusammenhängt, dass gute Bürger vor einigen Jahren die Berliner Staatsbank (wie immer die auch hiess...) ausgeräubert haben und die Stadt deshalb jetzt kein Geld mehr hat, um ihren ärmeren Bürgern Bildung und Ausbildung zukommen zu lassen? Dass also die Ärmeren so sind, weil die Reicheren sie dazu machen. Aber die ziehen sich dann in ihre gated communities zurück, wo sie vor dem ungebildeten Gesindel sicher sind und sich keine Gedanken über ihre gesellschaftliche Verantwortung machen müssen. Ausbildungsinhalt in Hauptschulabschlussklassen: Hartz-IV-Anträge ausfüllen, weil diese Gesellschaft die einfachen Menschen als Teil ihrer selbst abschafft. Automatisierung und elektronische Überwachung machen es möglich. Was sollen diese jungen Leute anderes tun, als mit Rap-Sprechgesang gegen die ihnen zugemutete Überflüssigkeit zu protestieren. Protest ist nie schön. Und Überheblichkeit und Verachtung ebensowenig. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.

0 Rosinante 17.03.2010, 06:38 Uhr

Lieber Don Alphonso, zunächst...

Lieber Don Alphonso, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem reichen Coctail, welches Sie in ihrem Blog bieten. Bei Vielem, etwa den Finanzmarktbetrachtungen, muss ich Ihnen einfach glauben. Und, wenn Sie sich einmal zu sehr auf's Eis wagen, wird dies mit den Kommentaren wieder austariert. Aber bei Einigem fühle ich mich doch heimisch. Und es spricht –und dies ist selbstredend ganz subjektiv- für ihren Bildungsfundus und seine differenzierenden Gedanken, dass Sie selten bis nie einen inneren Widerspruch bei mir auslösen. Dies unter Ausklammerung von letztlich sekundären Geschmacksfragen. Und dies gilt auch für die Niederländer des 17. Jahrhunderts. .(bitte Leerzeile) Ich teile hier die Linie von auxtroisglobes, der den Wohlstand und Reichtum des Landes nicht in der Handelstätigkeit als solcher (oder der sicher wichtigen Textilindustrie), sondern in der Dienstleitungsfunktion als Transportlogistiker sieht. Ich glaube, dass nahezu alles, was den Wohlstand des hollandischen Staates bis heute ausmacht (und Filou an seiner Wahlheimat offenbar so schätzt: intakte Städte mit effizienter Infrastruktur, Ideen- und Risikobereitschaft für binnelandgewinnende und –schützende Massnahmen und experimentelle Offenheit für alle gestalterischen Bereiche mit dem Zentrum der Architektur), auf diese Zeit zurückgeht. Und ich glaube auch, dass Sie dem marx’schen Vorurteil und (shalom Ihrer Familie) dem jüdisch-rabbinischen Sozialneid seines Trierer Biotops und der berufsjugendlichen Profilneurose des Barmer „fils a papa“ Friedrich Engels zu arg erliegen. Grundiert dies auch die Interpretation Ihres schönen Gemäldes? .(bitte Leerzeile) Um gleich den Sklavenhandel des „bürgerlichen“ Holland im Vergleich zum aristokratisch-absolutistisch-europäischen Umfeld vorwegzunehmen: Im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts wurden die afrikanischen Sklavenimporte im holländisch-brasilianischen Pernambuco von den weiter südlich regierenden und wirtschaftenden Portugiesen um mehr als das Doppelte übertroffen. Versuche, den Bedarf an Arbeitskräften für die Zuckerrohrplantagen mit auswanderungswilligen „Deutschen“ während er Dreissigjährigen Kriegs zu decken (der Gouverneur der westindisch-holländischen Kompagnie war Moritz Prinz von Nassau) waren zuvor wenig erfolgreich (in diesem Kontext entstehen auch die Brasilianischen Landschaften von Frans Post). . Das Abwehrdispositiv organisierten die Holländer mit einer Söldnerarmee (1630 rund 120 Tsd. Mann unter Waffen), womit man den Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Krone delegierte (erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde Holland unabhängig) und für damalige Verhältnisse eine innenpolitische Friedensoase schuf. Daraus –wie es Historiker, Soziologen und Pädagogen heute tun- auf eine Art prämoderner Kuschelpädagogik zu schliessen, verbietet allein die Ikonographie der Kunst, insbesondere das Gruppenbildnis und das Kirchenstück. Die „Vorstände“ (von Waisenhäusern, Kommunen, Spitälern, Altersheimen etc.) zeigen Männer und Frauen mit bigotter, selbstgerechter Härte, und die grossen, lichtdurchfluteten Kirchenräume aus Amsterdam oder Utrecht betonen die ausschliessliche materielle Diesseitigkeit ohne jede Spiritualität. . Allein ein paar Zahlen sind imposant: Holland hatte um 1670 die grössere Handelflotte als England, Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Amsterdam war mit 150'000 Einwohnern das Welthandels- und Weltkunstmarktzentrum. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebte in Städten mit mehr als 10'000 Einwohnern, etwa Zweidrittel in solchen mit mehr als 3'000 Menschen. Selbst letztere waren in der Lage, bis zu zwei professionelle, malende Künstler zu ernähren, was auf eine kunstinteressierte Käufer- und Auftraggeberschaft bis ins Handwerkermilieu schliessen lässt. Man (vielleicht auch frau) kann dies als Paradies der Kreativität anschauen. Einer Kreativität, die ihre Existenz zudem einzig dem Markt und keinen staatlichen Förderprogrammen verdankt. Aber wer heute die Depots von Museen besucht und in Lager von Auktionshäusern Einblick hat, deren Aktivitäten (und Preise) nicht in den seriösen Tages- und Fachmedien erwähnt werden, wird bei niederländischer Kunst des 17. Jahrhundert auch mit einer geradezu erschlagenden Ästhetik des Banalen konfrontiert. Was freilich die Grossartigkeit dieses Jahrhunderts nicht im Geringsten mindert: Frans Hals, Jan Vermeer, Rembrandt Harmensz van Rijn, die Ruisdaels, vielleicht auch Pieter Saanredam sind nur die Fixsterne.

0 Kopfgeburt 17.03.2010, 06:42 Uhr

@Reiterjunge Tja, damals - da...

@Reiterjunge Tja, damals - da konnte frau noch von der Tellerwäscherin zur Millionärin aufsteigen. Und heute? Da bleibt einem ja nur noch das Quentchen Berühmtheit (sprich: Viertelstunde) im Privatfernsehen. . @Don Alphonso Auch in meinen Wohngemächern findet sich kein heiliger Fernsehwinkel. Statt dessen blubbert dorten ein Aquarium (resp. die Fische darin) vor sich hin. Sehr beruhigend und kontemplativ um vom reissenden Strom der Zeit ein wenig Abstand zu bekommen.

0 ErnstWilhelm 17.03.2010, 07:17 Uhr

Don, ihre Interpretationen in...

Don, ihre Interpretationen in allen Ehren. Aber das Karnickel oder der Hase gehoeren zum Niederwild (Niedere Jagd). Es handelt sich also keineswegs um ein Statussymbol.

Danke für das Plädoyer, um...

Danke für das Plädoyer, um der Betrachtung eines Bildes wegen in ein Museum zu gehen. Ihre Bemerkungen sind sehr sympathisch. Auch Ihr wiederkehrendes Plädoyer, sich selbst aus Respekt und Verbundenheit um die Dinge zu kümmern, die wichtig sind. Jedoch stört mich die in manchen Kommentaren zum Ausdruck kommende Missachtung von Menschen in dienenden Berufen. Diese sind meist honorig, ihre Dienste unentbehrlich und manchmal sehr angesehen. Die obersten Hofämter gingen früher auch zurück auf dienende Berufe, ebenso wie die gut bezahlten Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes, die nun ausgetauscht werden. Der Allgemeinheit wird die Nützlichkeit und Unentbehrlichkeit nur zu Zeiten des Streiks bewusst.

Lieber Don...

Lieber Don Alphonso, zusammenfassend kann man also sagen, das Rebhuhn ist keines und muss zum gemeinen Haushuhn degradiert werden. Die Dame schaut nicht lüstern frech sondern Aufgrund ihrer im Verlauf tödlichen neuronalen Geschlechtskrankheit im Endstadium nur im Bereich ihrer Möglichkeiten.Der Hase ist ein Dachhase und keinesfalls erlegt, sondern praktiziert eine damals aus Indien neu eingeführte Form des Streck-Yoga. Und wenn der Maler seinen letzten Gulden nicht in ein Affenhaarpinselchen investiert hätte sondern in eine weitere Ölfunzel, ja dann könnte man im Hintergrund viel Käse sehen. Ich liebe es.

0 dirk (di.p.) 17.03.2010, 09:07 Uhr

..ei- da ist mir beim...

..ei- da ist mir beim Textabschicken ja schon wieder der Text verlohren gegangen. zanen desu yo -sagt der Japaner... .also ergänze ich den letzten Abschnitt meines ursprünglichen Kommentares: ich sehe in der geschichte mit der Magd den vielleicht gelungenen versucht des entstehenlassens einer Welt,> dies selbst eine der Nebenaufgaben von Kunst. in dieser Kunstwelt, >ihrer k.- gibt es jetzt als neues konstituierendes Element das Werk: "die Magd,"(abgekürzt) ein alter Meister, nichts modernes aber/und im Zeitbezug entstanden, wie die Analyse belegen soll. zunächst gefällt mir die Magd besser, als viele der Aushängewerke aus Prominenz und Gesellschaft bspw.-a. Merkels kokoschka oder G. Schröders abgestürzter Vogel überm´Schreibtisch, k. Wowereit.etc.. ihre Magd ist Rückzug und Öffnung. ..sag´ich mal so ..(..) es gibt keinen Fernseher, andere kostspielige Dinge sind der Kunstinvestition zum Opfer gefallen oder wurden hintenan gestellt. ..vielleicht wird der Magd eine Skulptur folgen, oder etwas zarteres, feineres , modernes : ein Klee muss es nicht gerade sein(was zahlt die faz an Gehalt.?.) ..was würde aber bei einer solchen Handlungsvorschau wegfallen?..der Espressoautomat??..>ich finde die Überlegung interessant. zweifelsohne enteht eine neue "Alfonsowelt", die hoffentlich in ihrer Aufgabenbewältigung funktioniert, Gesellschaftschichten oben / unten nicht ausklammert-nur anders gewichtet>betont, ohne ständig zu bewerten, wie´s mittlerweile üblich ist!.. Jetzt müsste eigentlich etwas über die Verklährung in der Kunst folgen, aber wie bereits zu Beginn des Textes erwähnt..ist mir der Urtext eben schon mal abgestürzt.. ..viel Spass mit alter(und vielleicht auch neuerer) Kunst!

Danke, köstlich! Nach dem...

Danke, köstlich! Nach dem Rezepte in weiteres Highlight. Aber kurze Frage: dient die Darstellung der Unterschichten im Krawall-TV eigentlich nicht genau dem selben Zweck wie einst im Kontext der Frühen Neuzeit ihr neues Personal. Sie haben es ja deutlich beschrieben: die ausführliche Abgrenzung von der Minderwertigkeit der Unterschicht und die Darstellung der Integrität der soge- und selbsternannten Eliten. Dr. Snuggels meint zwar, es sei Warnung, nicht so zu werden, wenn nix aus einem wird, doch diese Angst haben und hatten die Eliten nicht, Weder in der Frühen Neuzeit, noch in der Postmoderne(-; Angst vorm Scheitern ja, aber dann ist es ja Scheitern in Schönheit, man hält sich selbst im Lumpenproletariat noch für die besseren Lumpen. Man wird nie die "Scheeche Greet". Danke auch für das Krankheitsbild, bzw. die symptomatische Diagnose an gheluveld. Gruß MD

@ Reiterjunge Zu den Farben,...

@ Reiterjunge Zu den Farben, ich bin da allerdings in etwas früherer Zeit (15-16Jh.) unterwegs als der Herr A, deshalb nicht sicher, ob es für das späte 17te Jh noch gilt; vielleicht mag Herr A da ja was zu sageen - eine kleine Berichtigung. Die Calvinisten trugen schwarz, ja, aber auch die Oberschicht trug schwarz. Schwarzes Tuch ist nämlich mit den Mitteln der Frühen Neuzeit extrem schwer zu färben. Die Durchfärbung und die Farbechtheit von schwarzen Tuchen war so kompliziert zu erwirken, daß es die Stoffe ins unerschwingliche verteuerte. Gruß MD

Don Alphonso kocht und räumt...

Don Alphonso kocht und räumt selbst auf? Ich nehme an, er hat in moderner Technologie entsprechend investiert (müssen)? Ich habe einmal einen Kurs "Modernes Haushalten" in Luzern besucht doch, wegen dem riesigen Zeitaufwand für (die Unterlagen habe ich immer noch) "Arbeitsplanung, Arbeitsgliederung, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitstechnik, Einkaufsüberlegeungen, Umweltschutz im Haushalt"... usw usw, hatte ich kaum Zeit für "Gastlichkeit, Pflege der Zimmer pflanzen und "Varia".. zudem kommt immer wieder etwas dazwischen, z.B. gemütliches Bridgespielen nachmittags. Einen Tipp bekam ich einmal von der Frau eines Butlers in London "Keep the sides of a room tidy and the centre of the room will look after itself".

0 Ihr Getreuer 17.03.2010, 10:34 Uhr

Verehrte Lena...

Verehrte Lena Meyer-Stadtruth, einfach fabelhaft. merci

0 donalphonso 17.03.2010, 10:38 Uhr

MD, danke für die Ergänzung....

MD, danke für die Ergänzung. Letztlich spielt auch die Frage eine Rolle, welcher Stoff genommen wurde, und welche Spitzen - und da sieht die magd jetzt nicht allzu kostbar aus. . Ich sehe schon, dass es gewisse Übernahmen von Unten nach Oben gibt. Wenn Sie die Kommentare zu dem Thema dieses "Grand Prix" auch bei den Beiträgen dieser Zeitung lesen, sehen Sie, dass man sich da wirklich reinhängt. Natürlich nicht mit dem Ziel, so zu werden wie ein Fernsehmoderator oder etwas ähnlich Widerliches, aber schon so, dass der Damm, der Gosse von besserer Gesellschaft trennt, gebrochen ist. Kewin Wunder, wenn die Kinder dann Werbungsansager bei Viva werden wollen.

@tippex danke, das frage ich...

@tippex danke, das frage ich mich auch immer, wenn ich die Kommentare zur Unterschicht höre. Heute schon Magentabletten genommen? Wenn nicht, dann hier, http://www.faz.net/s/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0/Doc~E0AC5A2CD5A6A481EABE50FAE2AEBA30B~ATpl~Ecommon~Scontent.html aber vorher die Großpackung bereitlegen(-; Ist übrigens die selbige Zeitung in der wir uns gerade vergnügen. jaja, linkes Feuilleton und rechte , ganz (auf)rechte Meinung... MD

0 donalphonso 17.03.2010, 11:00 Uhr

Unterschicht hat mit Geld...

Unterschicht hat mit Geld nichts zu tun, ich gehe mal davon aus, dass die Moderatoren und Produzenten solcher Sendungen nicht gerade arm sind. Unterschicht ist eine Geisteshaltung. Den Beitrag finde ich, naja, also, wie soll ich sagen, fragwürdig, um es vorsichtig auszudrücken. Generell denke ich, dass die beste Sozialmassnahme höhere Löhne in den unteren Einkommensklassen sind, selbst wenn dann ein paar Banken ein paar Jahre weniger Eigenkapitalrendite haben. Alles andere löst kein einziges Problem, und schongar nicht das der Unterschichten, die, wie ober erwähnt, nicht über den Besitz zu definieren sind.

Herr DA, ich las vor eingen...

Herr DA, ich las vor eingen Tagen einen interessanten Artikel, über die Auswirkungen der Ungleichheit in der Gesellschaft. Es waren, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, 2 britische Wissenschaftler, trotzdem anwendbar auch auf die bondesdeutsche Wirklichkeit, die ja den dortigen Zuständne nur einige Jährchen hinterherhinkt. Je ungleicher desto unzufriedener und unglücklicher in allen Schichten, war eine Aussage, die andere war, in gleicheren Gesellschaften - ich möchte jetzt nicht ausführen was gleicher heißt, das würde hier zu weit führen, einigen wir uns also auf "weniger segregiert",- hatten die Kinder Berufswünsche wie Straßenbahnfahrer, Schreiner, Lehrer, Klempner, Krankenschwester, etc... also normale Berufe, die auch ihre Eltern ausübten, in ungleicheren Gesellschaften hatten die Jugendlichen Wünsche wie Popstar, Model etc... also "Berufe" die schnellen gesellschaftlich anerkanntem Aufsitieg und Reichtum versprachen. Aber Sie wissen ja selber, wir sprechen nicht mehr von Gerechtigkeit, sondern von Leistungsgerechtigkeit, nicht mehr von Armut sondern von Kinderarmut, nicht mehr von Gleichheit sondern von Chancengleichheit und wie der ganze dumme Neo-Con-Neusprech noch so lautet. Gruß MD

Sehr schöner Beitrag zu...

Sehr schöner Beitrag zu diesem Bild. Mehr davon. . Anders als im Gym und auch anders als später in Kunstgeschichte beim Studium ist das deutlich lehrreicher und unterhaltsamer (natürlich auch provokanter, wenn der Bogen zum TV und seinen Eintagsfliegen gespannt wird). Obwohl unser Kunstgeschichte-Prof ein deutlicher Caravaggio-Anhänger war und eloquent zu erzählen wusste, erschien mir das damals dröge. Komisch. . Zu der Bedeutung des Bildes als Warnung vor den niedrigen verderbten Ständen, mit denen man sich weder erotisch noch sonstwie einlassen solle: Das ist für mich klar ein verklemmt-calvinistisches Ding. Und für mich eine klassische Tätersicht. Warum, das kommt unten*. Zu fast allen Zeiten waren Dienstherrn hinter ihrem Personal her und nahmen sich was sie brauchten und nicht aus menschenfreundlichen Gründen. . Da ist es nachgerade fast witzig – wenn es nicht so traurig wäre, dass solche Maler nebst ihren Auftraggebern und Käufern christlich oder sonstwie pädagogisch bewegt (vielleicht nahmen ja Geschlechtskrankheiten überhand^^) versuchten, das Treiben dadurch einzudämmen, indem sie bildlich behaupteten, nur die andere Seite (die Unterschicht, die Bediensteten) wäre lüstern und verderbt. . Offtopic, aber es passt so schön zu meiner Idee, dass noch etwa anderes dahinter gesteckt haben mag hinter der Warnung, als nur verklemmte religiöse Ideale): Mir wurde unter anderem subversiverweise erzählt (nein, nicht in der Schule, da war alles sehr staatstragend), dass das Duellieren nicht aus humanistischer Sicht verboten wurde, wie es uns heute erscheinen mag, sondern weil dem Militär schlicht die Männer allmählich ausgingen. . *Das mit der Warnung vor dem lüsternen niedrigen Stand erscheint mir eine ähnliche Sichtweise wie die noch vor wenigen Jahren in den Sechzigern auf das Weibliche: "Wäre sie nicht so aufreizend herumgelaufen (und aufreizend war damals in unserer Gegend die Verwendung von Lippenstift, dass man Ausschnitt und Knie zeigte – der Minirock gab es noch gar nicht, der war als Argument dafür fast unschlagbar), dann wäre sie auch nicht belästigt worden." Die verquere altbekannte "Täter"-Sicht also, dass das "Opfer" daran schuld sei. (Beides in Anführungszeichen, damit will ich betonen, dass schwarzweiße Täter-Opfer-Sichtweisen arge Verkürzungen und daher recht kurzsichtig sind.)

ach Herr D A, bitte...

ach Herr D A, bitte vermuscheln Sie nicht die Unterschicht (Klasse) mit der Lumpenelite (die sie ja auch die binäre Bohème zu nennen pflegen), das führt dann zu bei meinem schlichten Strickmuster zu Mißverständnissen. MD (-;

Dieser Blogeintrag kommt nahe...

Dieser Blogeintrag kommt nahe an Ihren k.u.k- Hauptmann der beiden Sizilien, meinen absoluten Favoriten bisher, heran. Beeindruckend beobachtet und geschrieben, vielen Dank.

0 Foersterliesel 17.03.2010, 12:50 Uhr

Nun, die auch aus Schnitzlers...

Nun, die auch aus Schnitzlers "Reigen" bekannten Begegnungen der Klassen führten dann auch zur gründlichen Durchseuchung aller Stände. Und manche, arme Schlucker, Hauslehrer und Genies wie Schubert, Hugo Wolf u.a. die sich eine Heirat nicht leisten konnten, hatten eben nur solche Begegnungen und starben früh an deren Folgen. ---- Da die diebische Putzfrau so nah an den Haushofmeister gebracht wird (aber, verehrter SOLAND um 9:05, da liegen doch Generationen und ganze Gothabände dazwischen!) und der verehrte Don den Kaffeeklatsch schon viel weiter oben vermutete, noch schnell die kleine Geschichte vom Anwalt, der mit einem Fall von Auftragsdieberei zu tun bekam und - selbst Biedermeierliebhaber - sich die Bestellmappe der Hehler ansah, lauter hübsche Kleinmöbel, die Fotos in Klarsichthüllen, wurden da angeboten, darunter auch sein eigenes Lyrentischchen, ein ehemals Spucknapf der nun als Papierkorb diente und sein Säulenkästchen waren auch im Angebot!

0 donalphonso 17.03.2010, 13:10 Uhr

Foersterliesel, so etwas ist...

Foersterliesel, so etwas ist natürlich delikat und spezifisch wienerisch, möchte ich sagen - da fahre ich mit meiner Magd erheblich besser. Für Reigenartiges sehe ich im Moment einfach zu wenig Kontaktmöglichkeiten über die Schichten hinweg. Zumal das heute ja auch alles ganz anders aussieht, rein äusserlich, und nicht immer gefallen muss. . Besucher, gern geschehen; ich sehe schon, ich muss vielleicht doch mehr Bilder kaufen.

"Don Alphonso 17. März 2010,...

"Don Alphonso 17. März 2010, 12:00" Sehe ich ebenso, höheres Einkommensniveau, zudem aber auch insbesondere weit mehr Investitionen in ein solides öffentliches Bildungssystem und Universitäten, die ihren Namen wieder verdienen, jedenfalls die sofortige Rücknahme dieses häppchenhaften Bologna-Bachelor-Wahnsinns, bei dem einige verrückte Bildungspolitiker einem unverbindlichen, demokratisch nicht legitimierten und sinnfreien Missreform-Absichtspamphlet folgen, was ausschließlich zu exorbitanten Nachteilen im Bildungssystem und ganz gravierend für die betroffenen Menschen und deren Modulkopfprodukte geführt hat.

0 donalphonso 17.03.2010, 15:25 Uhr

Johannes, bei der Bildung...

Johannes, bei der Bildung würde ich sogar weiter gehen und es nicht nur bei den Studenten belassen - sonst entseht da doe nächste Kluft, die eigentlich durch Bologna nach unten geschlossen wurde. . MD, wie sonst soll man es machen? Die Zeiten, da man über Stand und/oder Vermögen gehen konnte, sind lange vorbei. Siehe den Fall Hegemann etc.

0 donalphonso 17.03.2010, 15:35 Uhr

Vroni, natürlich kann man so...

Vroni, natürlich kann man so denken und es auch so interpretieren, allein, es ist eben etwas schwer, unsere Moral auf die Moral des 17. Jahrhunderts zu übertragen, dessen Lebenswirklichkeit man sich heute kaum mehr vorstellen kann. Meines wäre es nicht, aber ich schätze einfach die Sprache des Bildes. . MD, das Problem würde ich ähnlich beschreiben wollen; allerdings ist die Antwort darauf eben nicht die Umverteilung nach unten, oder wenigstens ein Ende der Umverteilung nach oben, sondern die Überlegung, wie man sich weitgehend so organisiert, dass der Grant und der Zorn zwischen allen anderen ausgetragen wird - Stichwort Gated Communities, Dubai und so weiter.

0 HansMeier555 17.03.2010, 17:58 Uhr

"Zu fast allen Zeiten waren...

"Zu fast allen Zeiten waren Dienstherrn hinter ihrem Personal her..." . Oder vielleicht umgekehrt? Diese Dienstmagd hier hat es immerhin bis zur regierenden Kaiserin gebracht: http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_I._%28Russland%29 . Lieber Don, geben Sie im Dunkeln auf sich acht -- nicht, daß Ihnen das Weibsbild Ihnen plötzlich einen Ring ansteckt.

@ DA nein ich fordere ja nicht...

@ DA nein ich fordere ja nicht die Umverteilung per Laternisierung , sondern ähnlich wie Sie, gute Löhne und die Einführung eines Mindestlohns z.B. Wer glaubt, Arbeitsplätze würden dann abwandern, kann sich gern in Polen die Haare schneiden und in Indien den Rasen mähen lassen. Dazu ein vernünftiges Bildungsystem, das weniger auf Leuchttürme sondern auf das Erreichen breiter Schichten ausgerichtet ist, (Allmendinger hat das gerade beschrieben, wo hab ich das nur gelesen... ) und vor allem, daß sofort und unverzüglich in den ernstzunehmenden Medien kein Artikel mehr wie der besagte von Herrn Heinsohn erscheint. Diesen nur "fragwürdig" zu nennen ist, mit Verlaub gesagt, ein Eupehmismus. Das ist, um das Ungeheuer beim Namen zu nennen, braune und zwar richtig dickbraune Soße. Warum der Herausgeber da nicht wie der Kasper aus der Kiste in die Redaktion springt und ein paar Verantwortliche feuert, entgeht mir umso mehr, als man nur mal den Hintergrund von Herrn Heinsohn recherchieren braucht. Und da muß man nicht lange zu graben... Entschuldigen Sie den "rant", aber ich halte das, was wir hier in den letzten Wochen zu sehen und zu hören bekamen von der sogenannten Elite, für mehr als nur bedenklich. Ich fühle mich in diesem Land inzwischen sehr sehr unwohl, denn wie sie bin auch ich Historiker, und das Schauspiel, das sich uns hier bietet, hat für mich den Ruch der Wiederaufführung eines alten Stückes das lange auf dem Index war Gruß MD

ach noch eien Nachtrag, hab...

ach noch eien Nachtrag, hab ich über dem rant vergessen. Ich bin nach allem was die kleine Hegemann so gesagt hat in der Öffentlichkeit, in Interviews, etc. überzeugt, daß es nicht, wirklich nicht möglich ist, daß dieses blasierte und deutlich bildungsferne Gör in der Lage gewesen wäre mehr als 5 Seiten zu schreiben, nein, da hat der Papa als Dramaturg der Volxkrawallbühne nicht ausgelastet, einfach mal Spaß gehabt. Und ja, ich hab es gelesen. Zumindest 10 Seiten davon. Mehr wollte ich dann nicht mehr. Es war mir zuwider. Und es war deutlich nicht das Buch einer 17jährigen. Gruß MD

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Alphonso, ich freue mich von Herzen, dass es in der Medienwelt noch solch qualitativ hochwertigen Online-Journalismus gibt. Ihr Bericht ist für mich nicht nur Journalsmus, sondern auch eine besonders sensible Form von Kunst für den Leser. Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

@ MD. Sie kennen doch den...

@ MD. Sie kennen doch den Spruch, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt? das war der Leitsatz, den mir meine geschichtslehrerin mitgab. Man vormuliert die hässliche "Wahrheiten" natürlich heute anders, mehr Fremdwörter und Fachausdrücke und vermeidet tunlichst Begriffe, die selbst der Dümmste mit dunkel-braunen oder roten Zeiten in Verbindung bringen würde und lässt das Ganze einen Soziologen (klingt so schön unverdächtig, kuschelig und nett) aussprechen. Wahlweise kann man offenbar auch Politiker eher linker Parteien um Abgabe des entsprechenden Statements bitten. Dann kann man sich in Ruhe zurücklehnen und auf die (vorhersehbaren) Reaktionen warten.

Mein Gott, die...

Mein Gott, die Rechtschreibung! "Vormuliert". War doch schon zu spät heute...

Dieser Tage wurden wir aus...

Dieser Tage wurden wir aus Frankreich aufgefordert, unsere Exportquote zu senken. Das wäre sicher der falsche Weg, richtig ist jedoch, dass wir das deutsche Lohndumping endlich beenden müssen und das Einkommensniveau steigern, um dadurch die Binnennachfrage zu erhöhen, gerade durch Bezieher geringerer Einkommen, denn die können sich real immer weniger leisten. Zu den ökonomischen Hintergründen sehr interessant und komprimiert auf Heise: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32266/1.html

0 Foersterliesel 17.03.2010, 20:55 Uhr

lieber Johannes, Christine...

lieber Johannes, Christine Lagarde ist nicht bloß ein veritabler Keynesianer sondern auch sehr ansehnlich http://www.nytimes.com/2008/11/14/business/worldbusiness/14finance.html

0 HansMeier555 17.03.2010, 21:03 Uhr

Ach Quatsch, Export,...

Ach Quatsch, Export, Import. Was unsere Seelen jetzt brauchen, ist eine Befreiung von der Diktatur des Produktivitätswahns. Wir haben längst alle materiellen Güter, die wir zum Leben brauchen (ja, wir könnten mit viel weniger auskommen), außer ein bissel Ruhe, Muße, Sicherheit, Frieden und hin und wieder mal eine geistige Herausforderung.

@Foersterliesel Mag ja sein,...

@Foersterliesel Mag ja sein, dennoch vertritt sie natürlich französische Eigeninteressen, daher ist ihre pauschale Forderung falsch, richtig ist jedoch, dass die dt. Binnennachfrage durch angemessene Lohnsteigerung zu forcieren ist. @HansMeier555 Nötig wäre wieder ein Qualitätsmarkt anstatt Finanzmarkt, denn an Finanzprodukten und deren Investmentinteressen kann die Welt nicht genesen, wohl aber an qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen.

Re Mme Lagarde. Warum hat...

Re Mme Lagarde. Warum hat sie ausgerechnet letzte Woche die Deutschen kritisiert? Aus gutem Grund - Regionalwahlen fanden statt, und German-Bashing (anti-German rant) war sicher opportun.

0 Cornelius 17.03.2010, 23:57 Uhr

@ den Frühaufsteher: Tippex...

@ den Frühaufsteher: Tippex 17. März 2010, 06:35 . "...die Stadt deshalb jetzt kein Geld mehr hat, um ihren ärmeren Bürgern Bildung und Ausbildung zukommen zu lassen?" . Ne, ne, das ist alles ganz anders: weil Berlin (und der Rest der Republik) von überaus unbegabten und egoistischen "Volksvertretern" (Flachpfeifen) regiert wird, die nicht einmal den Unterschied zwischen investiver und konsumtiver Steuergeldverwendung zu kennen scheinen, fehlt das Geld an allen Ecken, auch in der Bildung. Warum ein Land seinen wichtigsten Bodenschatz, die Bildung, über Jahrzehnte so verkommen lassen hat, hing zu keinem Zeitpunkt von Bankenpleiten ab. Missmanagement und Milliardenverschwendung unserer Polit"Elite" führte zur heutigen Situation in unzähligen Bildungseinrichtungen. So, habe fertig ...

Was heisst denn hier...

Was heisst denn hier "Unterschicht"? Sollte man nicht lieber von den "Antisozialen" sprechen, die vor lauter Raffgier vergessen, dass sie innerhalb einer Gesellschaft leben und von ihren Ressourcen, und nicht oberhalb? Dass sie mit ihrer Art von ausbeuterischer Wirtschaftsform zwar aktuell viel Geld scheffeln, was aber auf die Dauer nicht gut gehen kann. Deutschland verhält sich ja derzeit merkantilistisch wie Ludwig XIV und führt einen stillen Handelskrieg gegen seine europäischen Nachbarn. Das Ergebnis dieser unvernünftigen Wirtschaftsweise wird womöglich nur sein, dass sie sich das Recht erkaufen, als letzte zu verhungern. Wir wären nicht die erste Hochkultur, die ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Da ist dann das relativ unschuldige Vergnügen, einigen netten jungen Mädchen beim Trällern von Liedchen zuzuhören und zuzusehen relativ unwichtig, jedenfalls ist es viel weniger zerstörerisch.

0 Hapa Gloyd 18.03.2010, 00:47 Uhr

Zumindest stammt das Bild aus...

Zumindest stammt das Bild aus einer Zeit "wo noch nicht jede Mehlspeisköchin unausgestzt herumreiste" (Heimito von Doderer)- wie unser Don es tut, statt dass er uns das Rezept der getrüffelten Hasenterrine endlich verrädt!

0 Rosinante 18.03.2010, 06:00 Uhr

lieber Don Alphonso, finden...

lieber Don Alphonso, finden Sie nicht auch (nach HansMeier555 und Hapa Gloyd), dass man Import/Export und Export/Import sein lassen müsse und das Geheimnis in der getrüffelten Hasenterrine liegt?

0 Kopfgeburt 18.03.2010, 06:39 Uhr

@HansMeier555 22:03 Ihrem...

@HansMeier555 22:03 Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen!! Nachdem ich ihn gelesen hatte, fiel ich auf der Stelle und gemäss Ihrer Anleitung in einen tiefen seelischen Frieden und schlief dann auch folgerichtig sofort ein (was die Richtigkeit Ihrer Aussage nur bestätigt....) . Danke!

@Cornelius 18. März 2010,...

@Cornelius 18. März 2010, 00:57 Zumal diese Volksvertreter, für die Berlin immer so gerne gescholten wird, nur die Zugereisten aus dem schwäbischen Nichtskönner-Ländle, der Weißwursthochburg, Karnevalsregion u.a. Orten sind, welche unser Land ruinieren. Und die einzelnen Länder und deren Bevölkerung sind selbst Schuld an den Depp-inn-en, die sie in die Politik zu entsenden gedenken, wären sie selbst klüger, moralischer, ethischer uvm., wäre es auch die Politik.

@cornelius jupp ich stimme...

@cornelius jupp ich stimme Ihnen zu, verweise nochmals auf den Artikel von Allmendinger den ich grad zu beschäftigt (sprich:faul) bin im Netz zu suchen, aber Bildung ist eben nicht nur Leuchturmuni und Eliteschule, sondern Bildung fängt sehr klein an; z.B. in der Kleinstadtbibliothek, die ich als Kind kannte, in der ich meine ersten Bücher ausgeliehen habe und meine ersten Außerhaus-Erfahrung mit Lesen und Literatur machte. Schauen wir mal nach, wie geht's der Bibliothek denn heute? Ach. Aus Kostengründen geschlossen. Nächste Bibliothek in der Kreisstadt, 40 Minuten Fahrt mit ÖPNV. Da hapert es und zwar ganz gewaltig. Nicht an der Förderung der Eliten, sondern am Kleinklein des Alltags. Da wird das Geld abgezogen, um es anderweitig für den Skiurlaub der Brüsseler EU-Gören auszugeben, weil die es ja so nötig brauchen. Nein das ist nicht mehr Neid, liebe Gemeinde, das ist Wut. Gruß MD PS @Ariadne: (-; Wir Dyslektiker unter uns. Zu miener Dyslexie gesellen sich noch schlechte Augen, die perfekte Mischung, das V hab ich sogar übersehen. Ich halte das übrigens für eine gefährliche Haltung, die in den letzen Wochen deutlich gesteigerten bräunlichen Lebensäußerungen der "Eliten" nicht ernstzunehmen. Da haben sich schon mal einige bös geirrt, als das kreischende Männlein aus Braunau auf den Plan trat. Der wollte ja auch nur spielen, dachte man damals, der verschwindet schon wieder. Ist er ja auch. Allerdings nicht ohne Folgen. Wer sich das mal in aller Deutlichkeit geben möchte, sollte die Kommentare zum Heinsohn -Artikel lesen. Aber bitte nicht zuviel, man weiß ja nie, ob das ansteckend ist. Gruß MD

@ MD. Was die Kommentare zum...

@ MD. Was die Kommentare zum Heinsohn-Artikel betrifft - dabei handelt es sich noch um die noblere Variante. Wenn man richtigen Abschaum sehen möchte, muss man bei Welt.online reinlesen. Ich finde es auch bezeichnend, dass solche putzigen Ideen meist von Herrschaften mittleren Alters stammen, die einen Großteil ihres Lebens für eine nette, saubere Tätigkeit Geld vom Staat bezogen, keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen oder unternehmerisches Risiko getragen haben. Von sozialem Engagement ganz zu schweigen.

0 Cornelius 18.03.2010, 10:44 Uhr

@ Heinrich, 18. März 2010,...

@ Heinrich, 18. März 2010, 08:15 . Ihre Ausschließlichkeitsannahme würde ich so nicht unterschreiben, sind es doch selbst auch die „Volksvertreter/innen“ Berliner Herkunft, denen man das Unvermögen schon von der Stirn ablesen kann. Die Zugereisten tun es denen gleich, und helfen tatkräftig mit, unser Land zu ruinieren, und sich lebst unredlich zu bereichern. . Demokratisch legitimiertes Staatsversagen … . Natürlich trägt unsere Bevölkerung eine Mitschuld an der Staatsverlotterung, aber für eine zeitnahe Erneuerung in Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft, könnten selbst nur die Leute aus den Westvierteln sorgen, weil die - vermutlich – über die notwendigen Netzwerke und Mittel verfügen, mit denen sich eine politische Revolution durchführen und zum Erfolg bringen ließe.

@Cornelius 18. März 2010,...

@Cornelius 18. März 2010, 11:44 Leider nicht korrekt, gerade die Zugereisten sitzen nun aber nahezu ausschließlich in BT und natürlich auch BR, die Zahl gebürtiger Berliner ist dort leider minimal. Wäre dies anders, hätten wir zumindest etwas mehr preußische Direktheit und Realismus im BT, so aber dilletantieren dort die bräsigen Landeier aller Himmelsrichtungen vor sich hin und spielen hedonistisches Schulterklopfen und VK-Tausch. Was die Länder in den BT entsenden, sollte regelmäßig an der geistigen Zurechnungsfähigkeit ihrer Bewohner zweifeln lassen. Jedenfalls wird es Zeit, die Listenwahl abzuschaffen und die direkte Personenwahl einzuführen, dann kann es nicht ständig allzu arge Überraschungen geben, indem über Listen Individuen einziehen, denen man aufgrund ihrer Unglaubwürdigkeit und Unfähigkeit im realen Leben nicht einmal ein Paar Schnürsenkel abkaufen würde.

0 Cornelius 18.03.2010, 20:19 Uhr

@ Georg . An preußischer...

@ Georg . An preußischer Direktheit scheint es mir im BT nicht zu mangeln. Allein der Realismus lässt zu wünschen übrig. Da bin ich bei Ihnen. Würden sich unsere "Volksvertreter/innen" einem Numerus Clausus für Politiker und Parteien unterwerfen müssen, bevor sie ihr Unwesen treiben, stände unser Land weit besser da. Nämlich blendent! . Bin auch dafür, die Listenwahl abzuschaffen. Direkte Personenwahlen wären höchst sinnvoll. Vor allem der/die Bundeskanzler/in sollte direkt vom Volk gewählt werden können. Ein Rezept von vielen ...

0 Maximilian 19.03.2010, 10:33 Uhr

Ebenso wie Frankreich Angst...

Ebenso wie Frankreich Angst vor der deutschen Exportstärke hat, hat die USA jetzt Angst vor China http://www.tagesschau.de/wirtschaft/china920.html . Erst wurde China jahrelang für kurzsichtige Gewinne von der Großindustrie aufgebaut und die umweltschädlichen Billigstprodukte überschwemmen nun dank prekärer Arbeitsverhältnisse und extremer Umweltverschmutzung die Welt. Nun ist die Exportstärke Chinas derart schnell angewachsen, dass USA sich über eine Währungsaufwertung zu retten versuchen. Bei internationalen Währungen mag dies grds. noch möglich sein, im Euroraum nicht mehr, die Einheitswährung schliesst Währungsanpassungen aus. Da ein DM-Euro somit nicht mehr aufgewertet werden kann, fordern die ängstlichen Staaten eine protektionistische Exportreduktion, was grundlegend falsch ist. Eine Lösung wäre aus der Sicht dieser im eigenen Export versagenden Staaten innovativere Produkte zu entwickeln, was ihnen anscheinend nicht gelingt. Künftig könnte das allerdings besser klappen, da die Abschaffung des deutschen Universitäts-Bildungssystems durch die Bologna-Marionetten eine drastische intellektuelle Niveaureduktion schon heute zur Folge hat, was auch die inländischen ökonomischen Innovationen sehr stark reduziert. Eine zweite Möglichkeit zumindest die Binnennachfrage in Deutschland zu steigern, wäre es, die Einkommen zu erhöhen, etwa auch durch die Erzeugung hochwertigerer Produkte mit geringerem Maschineneinsatz, was die Gesamtnachfrage insbesondere bei den betroffenen Arbeitern und Angestellten erhöhen würde. Der Aufbau eines soliden Mittelstands ist jedoch wiederum nicht im gesamtsystematischen Interesse, da Menschen mit genügend Kapitalmitteln unabhängger handeln und denken können, dadurch jedoch auch weit weniger manipulierbar und ausbeutbar wären.

@maximilian Da haben Sie wohl...

@maximilian Da haben Sie wohl recht: selbstständige Mittelständler sind nur als Objekt der Ausbeutung erwünscht, obwohl sie angeblich den Motor der Gesamtwirtschaft abgeben. Ich habe für das Wirtschaftsdilemma eine Lösung gefunden, die ich für chancenträchtig halte: REGIOGELD. Als Komplementärwährung (ohne Zinsen und Inflation, unter diesem Titel gibt es im intenret von Prof. Margrit Kennedy ein ganzes buch gratis) gestaltet, führt sie dazu, dass die Menschen sich ernsthaft und ganz direkt mit Wirtschafts- und Währungspolitik und der Gründung eines Unternehmens (in diesem Falle des zugehörigen Geschäftsbetriebes, denn ohne eine geschäftlich-organisatorische Basis geht es nun einmal nicht) befassen und so wichtige Informationen und Fertigkeiten erwerben. Sie werden auf diese Weise mental unabhängiger und niemand kann sie daran hindern. Wenn das Projekt dann wirklich noch das Laufen lernt, werden die Kenntnisse und Fähigkeiten weiter wachsen. Das alles bei sehr begrenztem Risiko, da es sich um einen Verein handelt. Das Ziel ist es, in der Region regionale Wirtschaftskreisläufe anzuregen und mit hilfe des regiogeldes "am Laufen" zu halten. Dann bleibt wenigstsens etwas von der regionalen Wertschöpfung in der Region und geht nicht im internationalen Spielcasino spielen, mit den bekannten destruktiven Folgen, siehe die sog. Finanzkrise.

@vorstadtnichsoprolet: Als...

@vorstadtnichsoprolet: Als Afrodeutsche finde ich Ihren Begriff und offenbar nicht vorhandene Fachwissen bezüglich einer sog. "Negermusik" noch peinlicher, als die von Ihnen gemeinte (??) Gruppe der Gesellschaft.

@vorstadtnichsoprolet: manche...

@vorstadtnichsoprolet: manche sind aus der Vorstadt, andere müssens noch aufschreiben, damit man es sieht...

0 cleawalford 01.04.2010, 07:45 Uhr

Habe den Beitrag mit Freude...

Habe den Beitrag mit Freude gelesen - sehr interessant und amüsant! _______________________ p.s. es tut nichts zur Sache, aber das Bild selbst würde ich mir nicht unbedingt an die Wand hängen - wo genau ist es denn bei Ihnen in der Wohnung? (übern Schreibtisch/Fernseher?)

0 donalphonso 01.04.2010, 07:54 Uhr

Oh danke, momentan steht es...

Oh danke, momentan steht es noch exponiert auf der Anrichte, und das mit dem Aufhängen hat viel Zeit. Sie bleibt ja noch länger im Hause.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.