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Neue Traditionen für ein niedergehendes Bürgertum

21.03.2010, 23:55 Uhr  ·  Es ist keine 100 Jahre her, da galt einer jungen Frau ihr Aussteuerschrank alles. Vor zwei Generationen wären Hosen kaum denkbar gewesen, und vor einer Generation hatte man noch etwas Angst vor einem Partner, der nicht aus der gleichen Schicht kam. Das alles ist heute vorbei und weitgehend vergessen; das Bürgertum hat sich umfassend seiner Traditionen entledigt. Zeit also für neue Traditionen, die unscheinbar, nichtig, eitel und oberflächlich wirken könnten, und es auch sind - aber wer sagt denn, dass das Bürgertum je anders war.

Von

Benimm dich da nicht wie ‘ne dumme Gans und auch nicht wie ‘ne Schneppe, sondern hübsch anständig.
Pietro Aretino, Kurtisanengespräche

Es ist die eine Sache, durch Italien zu reisen und zu wissen, dass der Lebensstandard der Menschen seit Jahren eher sinkt, ein grosser Teil der Bevölkerung in erheblicher Armut fern aller hiesigen, weitberühmten Delikatessen lebt, und dass dieses Land zu den wirtschaftlichen Brandherden der Europäischen Union gehört. Es ist die andere Sache, durch Verona zu laufen und zu sehen, wie viele Frauen mit einer auf den ersten Blick erkennbaren Luxustasche über den glatten Marmor schlendern.

Bild zu: Neue Traditionen für ein niedergehendes Bürgertum

Ungeachtet der Frage, ob auf dem Corso nicht auch die ein oder andere Fälschung vorgezeigt wird: Diesen Taschen ist es erstaunlicherweise gelungen, unterschiedslos an Arme aller Altersgruppen zu gelangen. Es trägt sie die von der Malerei sichtlich gelangweilte Tochter im Palazzo del Te, wie auch die etwas lautstark blondierte und redende Dame in der Cantina Canossa; die Falten mögen kommen und die Figuren mögen vergehen, aber nie ändert sich daran hängend diese Tasche. Gäbe es heute noch einem Beigabenbrauch, so würden spätere Ausgräber der besseren Leichen fraglos diese Taschen als Rang- und Statusabzeichen erkennen, das über Generationen erhalten bleibt.

Nun gibt es dafür in der menschlichen Geschichte durchaus Parallelen; die Tracht der besseren Merowingerdamen etwa änderte sich im Verlauf des 7. und 8. Jahrhunderts, so dass die Gewandfibeln, die die Kleider an den Schultern zusammenhielten, nicht mehr zwingend notwendig waren. Statt aber aufgegeben zu werden, wanderten sie an das Gürtelgehänge, um dort ihre Funktion als Statussymbol beizubehalten, selbst wenn sie ihre Funktion längst verloren hatten. Dort findet man sie dann heute auch noch in Gräbern bei Jung und Alt.

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So ähnlich dürfte es auch heute wieder sein; das Objekt als solches wird in besseren Kreisen erst gar nicht mehr hinterfragt, es gehörte schon zu Mutter, vielleicht auch zur Grossmutter, und spätestens mit dem Abitur dann auch zur Tochter. Es passt überall dazu, von der zerrissenen Jeans bis zum Abendkleid, es ist ein universell vorzeigbares Symbol, das von allen verstanden und als Ausweis einer bestimmten Haltung und eines klaren Standesbewusstseins akzeptiert wird – selbst wenn sich andernorts damit auch TV-Ansagerinnen, Sprechsängerinnen und andere Leute zeigen, denen man nicht vorgestellt werden möchte. In kleinen Städten und den hermetisch abgeschlossenen Westvierteln spielt dieser Missbrauch keine Rolle.

Nun könnte man natürlich sagen, dass es verächtlich und dumm ist, dergleichen Ideologie an einem Sack zum Mittragen anderer überflüssiger Dinge festzumachen, und an einer ganz bestimmten Marke, die ostentativ – und damit leicht erkennbar – wie keine andere ist. Man könnte auf das klassenlose Erwerbskriterium Geld hinweisen, das die einzige Zugangsbeschränkung ist, und damit weder die japanische Schülerin vom Besitz abhält, die das Objekt von ihrem damit bezahlenden Käufer erhält, noch die Dorfmetzgersgattin und auch nicht all jene, die sich das Objekt der Begierde bei Strassenhändlern oder original und fast ganz echt im Internet ersteigern.

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Das mag fraglos sein, und es liesse sich auch trefflich über die Dummheit der Marketingopfer reden, aber man kann etwas Erstaunliches festhalten: Hier bildet sich eine neue Tradition heraus, die immerhin drei Generationen umfasst. Das ist um so bemerkenswerter, als das 20. Jahrhundert mit anderen Tradition einmal Tabula Rasa gemacht hat. Kaum eine Tradition hat es geschafft, dieses Jahrhundert der Moderne bruchlos zu überleben; nichts von dem, was für Urgrossmutter noch absolute Gewissheit war, ist für die Enkelin noch von Bedeutung.

Die Aussteuerschränke, der Rosenkranz, der Herrgottswinkel, das Goldrandgeschirr, das Tafelsilber, die Broschen, die alten Perlenketten, die langen Handschuhe, die lebenslange Ehe, das selbst zubereitete Essen aus Grossmutters Rezeptsammlung, Schneiderkostüme, die Einladungen und Gegeneinladungen, die Kommunikation über Briefe, die Fächer, die Höflichkeit, die Formen des gesellschaftlichen Umgangs – alles ist im 20. Jahrhundert und seinen gewaltsamen und ökonomischen Veränderungen untergegangen. Der besseren Gesellschaft sind auf weite Strecken nicht nur die Traditionen, sondern auch die zugrunde liegende Moral abhanden gekommen. Bis zu den heutigen Töchtern mussten sich drei Generationen ständig neu orientieren und alte Gewohnheiten aufgeben.

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Es ist dieses Vakuum, in dem neue Traditionen erfunden werden, erfunden werden müssen, um die eigene Position zu begründen und sichtbar zu machen. Es macht eben keinen Sinn mehr, der Tochter einen Aussteuerschrank mit besticktem Leinen zu füllen. Also kauft man ihr eine möglichst grosse Tasche, damit sie wenigstens ein wenig Wäsche und die Ehehygiene dabei hat, wenn sie nach der Party mit einem Mann mitgeht, der einem nicht vorgestellt wurde. Man arrangiert sich mit dem neuen Lebensstil und sorgt dafür, dass sie auch dabei nicht billig und arm wirkt; vielleicht auch in der Hoffnung, dass es auf Herren, die den Klassendünkeln nicht entsprechen, einen abschreckenden Eindruck macht. Es ist kein besonderer Wert, den man der besseren Tochter auf die Piste mitgeben kann, aber es ist wenigstens ein Wert, über den man sich mit ihr einig ist, wenn alles andere schon nicht mehr zieht.  

Natürlich reicht das nie und nimmer aus, um sich als Träger einer überlegenen Ideologie zu präsentieren, die von sich glaubt, in einer Vorbildfunktion für den Rest eine historische Mission zu erfüllen. Aber es ist Italien, ein Land, in dem jemand wie Berlusconi mehrfach an die Spitze des Staates gelangte, es ist das Land, in dem ein Ehrenmann des päpstlichen Stuhles mit Callboys in Verbindung ist, in dem auf Plakaten gegen Steuerhinterziehung geworben werden muss, und die organisierte Kriminalität ihr Geld bei Telekommunikationsfirmen wäscht. Italien ist ein gutes Beispiel für das, was dem bürgerlichen Lager auch in Deutschland noch an Verlotterung droht, und angesichts solcher Wertelosigkeit kann man schon froh sein, wenn es überhaupt noch neue Traditionen gibt, so klein und unscheinbar sie auch sein mögen.

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Man kann sich daran festhalten, man kann sich am Schulterriemen reissen, man hat die Gewissheit, anders zu sein, anders als die anderen Schichten, für die es nicht mehr um die Werte oder gar den Aufstieg geht, sondern nur noch um die Frage, wie man den weiteren Abstieg verhindert, wenn auch 2010 viele Touristen ausbleiben und die Chinesen weiterhin selbst den Heimatmarkt der Lederproduzenten mit billigen Importen überschwemmen, und auf die Verarmten vor der Stadt die Filialen des deutschen Billigdiscounters warten. Man kann seine Traditionen und Werte über Bord werfen und dennoch oben bleiben, man kann mit Taschen jenen Neid erzeugen, den man früher mit Festessen und Opernbesuchen schuf: Solange man mit dem Niedergang im allgemeinen Trend des Systems bleibt, ändert sich nichts.

Und das ist für das bessere Bürgertum der einzig wahre Wert.

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (122)
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0 osnova2000 22.03.2010, 05:46 Uhr

Mir ist es interessant....

Mir ist es interessant. Während 20 Jahre wird mein Staat Ukraine von den Herrschern zerstört. Die Diskussionen gehen darüber von welcher Geheimfähigkeit es verfügt Deutschland, warum ist sie im Bau des Staates erfolgreich, und keine Ukraine gibt es?

0 Matt von Damon 22.03.2010, 07:03 Uhr

Ein wie immer gelungener...

Ein wie immer gelungener Beitrag, lieber Don. Bei dem ich mir übrigens die Frage gestellt habe, welchen "Sack zum Mittragen" Sie bei sich haben, wenn Sie in der nächsten oder auch übernächsten größeren Stadt die Antiquariate und Flohmärkte durchstöbern ? Ich kann mich da immer schwer entscheiden und es läuft meistens auf einen alten Rucksack hinaus...

Asfa-Wossen Asserate befasste...

Asfa-Wossen Asserate befasste sich in seinen "Manieren", im Kapitel "Mode & Zeitstil", mit Koffern dieses Herstellers, deren Oberfläche ähnlich gestaltet sein dürfte, wie die der Taschen: . "Ein neueres Phänomen sind luxuriöse Markenartikel - eigentlich ein Widerspruch in sich, denn das Luxuriöse muss doch eigentlich das Einzigartige, auf Maß Gemachte, nach Entwurf eigens Gearbeitete sein, und das alles kann und will eine Marke nicht leisten. Der Luxus-Markenartikel ist Abzeichen einer Zeit, die massenhaft Luxusartikel benötigt, die teuer, aber nicht ganz so teuer wie echter Luxus sein sollen. Für den Umgang mit solchen Markenartikeln habe ich bei dem französischen Autor Renaud Camus in seinem Werk >>Du sens

Werter Don, ich bezweifle,...

Werter Don, ich bezweifle, dass diese Allerweltslogo-Taschen als echtes Distinktionsmerkmal gegenüber anderen Schichten taugen. Es sei denn, sie ließen sich zu einem Faltboot umfunktionieren.

0 Blackcowboy 22.03.2010, 08:26 Uhr

Ach sehr schön und treffend...

Ach sehr schön und treffend beschrieben. Aber mag ich mich irren oder ist der Autor nicht selbst mit jener Marke als (Akten)Koffer unterwegs? Überbleibsel pubertärer Zeigefreude?

Italien : Endstation für in...

Italien : Endstation für in Ungnade gefallene angelsächsischen Adligen wie der Schotte Prinz Charles (aka "Bonnie Prince Charles") nachdem er die Schlacht von Culloden 1745 gegen die Engländer verloren hat. Er floh nach Italien und starb in Modena. Oder Lord Byron der nach dem bekannten Skandal auch nach Italien gefluchtet war und dort blieb stecken bis Geld aus England ermöglicht ihm die Reise nach Griechenland, wo er in Messolonghi starb. Und auch Gore Vidal, der amerikanische Exzentriker (mit Jackie K. verwandt und deswegen ist auch er Adliger .... wenigstens in den USA ), der (immer noch?) in Italien wohnt. Und vorallem, GOETHE, der das Leben in Weimar nicht mehr ertragen konnte - auch er floh nach Italien (er schaffte es bis nach Taormina!!) und genoss dort La Dolce Vita 2 Jahre lang. Read all about it in "Das Inkognito" (Roberto Zapperi) über Goethes ganz andere Existenz in Italien. Verlag CH Beck München) U.a. mit Zeichnungen die Tischbein gemacht hat... Mein Exemplar habe ich 2001 gekauft. Die ItalienerInnen sind bekanntlich sehr tolerant, oder? P.S. Louis-Vuitton. Die Farbkombination braun-gelb finde ich ausgesprochen hässlich.

Den Gebrauchswert dieser...

Den Gebrauchswert dieser Taschen kann ich nicht beurteilen, aber daß sie inzwischen nichts weniger sind als ein Statussymbol ist für mich klar. Es gab hier in dieser großen Stadt deutlich nördlich des Mains vor ca. einer Generation in einem der beiden edlen Hotels eine Ausstellung mit Produkten besagten Hauses, über die sogar im Spiegel berichtet wurde, keine Verkaufsausstellung, sondern mehr ein kunsthistorisches 'Event'. Zu jener Zeit gehörte die Kenntnis dieser Produkte noch zum Insider-Wissen. Damals mußte man auch auf eine S-Klasse noch 3 bis 4 Jahre warten, und Kaufanträge (sic) wurden mit deftigen Aufschlägen gehandelt. Einige Jahre später beschlossen dann schnöde Koofmichs, im Rahmen der LV-Expansion hier und anderswo Läden zu eröffnen, und jetzt hängen sowohl die Originale als auch die Plagiate - die es wohl auch in sehr unterschiedlichen Qualitäten gibt - an den Armen von Leuten, die auch Tattoos und Piercings tragen. Vielleicht kann man in den Taschen ja ganz prima Red Bull und Dosenbier mit sich herumtragen. Oder 3, 4 Handys für die unterschiedlichen Netze und Apps. Was würde die Tasche tun, wenn sie sich die Trägerin aussuchen könnte? Da ich weiß, lieber Don, daß Sie im Besitz eines solchen Koffers sind, hoffe ich, Ihnen nicht zu nahe getreten zu sein. Viele Grüße K

0 Settembrini 22.03.2010, 08:56 Uhr

Lieber Don leider muß ich Sie...

Lieber Don leider muß ich Sie ein wenig enttäuschen: keine höhere Tochter dieser Welt würde sich noch mit einer solch schrecklichen LV-Tasche aus dem Haus wagen. Labels sicht bar zu tragen gilt doch gerade in Ihren Kreisen als Ausweis unbedingt fragwürdigen Geschmacks! Heute trägt 'frau' richtige Qualität (Bottega Veneta) oder höchstens ein kleines Prada- Schildchen. Im Übrigen halte ich es da mit Asfa-Wossen Asserate, der meinte, er habe "unter (seinen) persönlichen Sachen ungern solche mit dem Monogramm von anderen Leuten." Herzliche Grüße

mmh, na ja, Sie hatten schon...

mmh, na ja, Sie hatten schon bessere Artikel. Wenn die Täschchen-Tradition das ist, was Italien retten soll, na dann ... müssen wir wohl bald auch dort zahlen. . Nördlich der Alpen, neulich am altsprachl. Gymansium kurzer, nur wenige Wochen währender Hype um die inkriminierten Täschlein. Als die wenigen alleinerzogenwerdenden Töchter nichtimmerunterhaltzahlender Väter von selbigen plötzlich ein solches Lederwerk erhielten (und auch noch echt), wollen die Töchter der Stützen der Gesellschaft mit solcher Neutradition lieber nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Wie spiessig. Aber war halt auch nicht in Bayr.-Norditalien, sondern weiter oben. . Ich gehe davon aus, weder der chinesische Fabrikant noch der franz. Markenrechteinhaber hat Ihren Promotionartikel in feinster Werbermanier beaufragt.

"Er war auch ein...

"Er war auch ein Country-Song-Komponist doch nur als Hobby denn hauptsächlich war er Fatalist." (Funny van Dannen) Ihr Betrachtungen haben etwas beruhigend melancholisches. Man meint der Untergang des Abendlandes stehe bevor. Vielleicht stimmt das. Vielleicht wird es erst einmal viel schlimmer, ehe es wieder besser wird. Doch unter Umständen würde es auch helfen positive Ziele zu formulieren.

Ich muß Ihnen widersprechen,...

Ich muß Ihnen widersprechen, Don Alphonso. Es ändert sich sehr wohl etwas, wenn sich die Distinktionsmerkmale von realen Werten zu bloßer Konvention verschieben. Wenn der Großkaufmann vierspännig vorfährt, während das Bäuerlein mit seiner Schindmähre dahergezockelt kommt, dann ist der Unterschied augenfällig. Ein ziemlich häßliches Damentäschchen in Kartoffeldrucktechnik, dessen Wert in bloßer Übereinkunft von Eingeweihten beruht, ist kein Distinktionsmerkmal sondern ein hohler Witz. Ich betrachte ja zugegebenermaßen die Stützen der Gesellschaft von unten. In meinem Umfeld bin ich solch einer Tasche noch nie begegnet und hätte ohne die Bildung bei Ihnen und der geschätzten Reisegefährtin von diesem Marktsegment niemals Kenntnis genommen. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß unsereins ständig nach irgendwelchem Edelboutiquen-Marken-Nonsens schielt und sich vor Neid verzehrt. Es ist völlig gleichgültig und würde insofern sogar die Abschreckungswirkung verfehlen. Allerdings habe ich jetzt wohl meine Unschuld verloren und werde auf die Kartoffeldrucktaschen achten müssen. Das ist eben der Kollateralschaden, wenn man von den Gedankengängen höherer Kreise profitieren will.

Klasse Text Don!...

Klasse Text Don!

0 donalphonso 22.03.2010, 10:03 Uhr

osnova2000, das ist, mit...

osnova2000, das ist, mit Verlaub, unverständlich geschrieben. Ich sehe aber auch Ähnlichkeiten zwischen Ukraine und Italien. . Matt von Damon, danke, ich präferiere ganz klar die ausgebeulten Sakkotaschen, und ansonsten schleppe ich per Hand. Eine Notration an Übernachtungsutensilien ist aber im Auto.

0 Reiterjunge 22.03.2010, 10:09 Uhr

Ach, diese lustig gemusterte...

Ach, diese lustig gemusterte Tasche soll also etwas Besonderes sein. Und ich habe mich schon gewundert warum alle damit herumlaufen.

0 donalphonso 22.03.2010, 10:14 Uhr

Neris, es gibt immer wieder...

Neris, es gibt immer wieder Theoretiker des Stils, und es gibt dann noch die gelebte Praxis. Schon in Byzanz wetterte man in Kirchen das eine und lebte das andere, und ich versuche hier, die Realität zu beschreiben. . muscat, es wird aber so aufgefasst; anders liesse sich der volle Laden dieser Firma in Verona kaum erklären. Wie so vieles mag es nicht "taugen", aber der Mensch ist da nicht wirklich rational.

0 donalphonso 22.03.2010, 10:17 Uhr

Blackcowboy, ich stehe zu...

Blackcowboy, ich stehe zu meiner Vorliebe für altes Luxusreisegepäck, aber der besagte Koffer ist nur ganz klein, und ich habe auch was von der Konkurrenz, was weitaus mehr hermacht. Allerdings finde ich, dass so ein Koffer die einzige Methode ist, mit der man stilvoll Tafelpapiere in die Schweiz bringen kann. . fionn, sagen wir mal, in Italien wird einfach mit mehr Lust am Zeigen und Darstellen gekauft und getragen. Ich mag das. Sehr sogar. Mir sind diese Frauen schon irgendwie sehr sympathisch, gerade weil es nicht so mausgrau elegant ist.

0 Louis Vuitton 22.03.2010, 10:21 Uhr

Bitteschön, Sie, dann kaufen...

Bitteschön, Sie, dann kaufen Sie doch woanders, Sie!

O Don Alfonse, das sind doch...

O Don Alfonse, das sind doch nur Versuche, sich durch relativ teure, hässliche Dinger als zu einer exklusiven Gruppe gehörig öffentlich auszuweisen. Illusion! Durchgangsstation in den bügerlich-gesellschaftlichen Orkus! Man fasst diese Taschen oder ähnliches doch nicht mit der Feuerzange an! Keine meiner Freundinnen hat sowas. Hier, in Italien. Über einen alten Schiffskoffer der Marke, auf dem Dachboden bei Tante Oriana entdeckt, über den könnte man reden......aber bei der Vulgarisierung der Welt durch Schaulaufen mit "brands" - macht man einfach nicht mit. Und die Mitmenschen, die das nötig haben, rutschen auf der inneren, geheimen Einladungsliste abwärts unter die Quersummenlinie, die allerletzten, kühlen Plätze.......

0 Blackcowboy 22.03.2010, 10:44 Uhr

Ich erinnere mich an unsere...

Ich erinnere mich an unsere Schweizer Diskussion und den Sport über enge Pässe ein paar Scheine in Sicherheit zu bringen. Was für ein Konkurrenzprodukt aus des englischen gibt es denn in Ihrem Reisegepäck? Und ist Ihre Begleitung wieder mit dem grünen Krokokoffer unterwegs! Ich gestehe ich bin heute noch ein wenig grün vor Neid, dass sie damals so einen formidablen Fund gemacht haben!

0 Matthias Schumacher 22.03.2010, 11:02 Uhr

Vielleicht ist es in Italien...

Vielleicht ist es in Italien einfacher, Mensch zu sein. Vielleicht gehört es zu unserer Natur, doppelzüngig, doppelbödig und doppelmoralig zu denken und zu handeln. Das römische Reich war hoch kultiviert als wir noch nicht mal wussten, dass es so etwas wie Kultur gibt. Die Italiener sind uns vielleicht noch immer ein Stück voraus und alles ist ganz normal und richtig.

Die Bilder oben bestätigen,...

Die Bilder oben bestätigen, was mir am Wochenende aufgefallen ist: die meisten Menschen sehen in Jeans nicht besonders gut aus.

In München ist das nicht...

In München ist das nicht anders. Louis Vuitton wohin man schaut. Ich halte diese Taschen für ein wenig ordinär.

0 Foersterliesel 22.03.2010, 11:16 Uhr

Ja, die Italienerinnen sind...

Ja, die Italienerinnen sind elegant; so sehr ich Reisen nach Italien genieße, ich muß dort eigentlich immer mit dem Gefühl underdressed zu sein und etwas schlampig auszusehen zurechtkommen. Wie die Frauen den finanziellen Aufwand schaffen, war mir immer schon ein Rätsel. Es gibt dieses Nord-Süd Eleganzgefälle, lediglich die Briten und Hanseaten bilden eine Extragruppe und auch die Franzosen (die sich ziemlich uniform und formell kleiden). -- All diese V-fakes auf Ihren Fotos sehen aber immer noch besser aus als die hierzulande beliebten fakes in Gold und Silber, mit vielen Ketten dran. Im vorigen Jahrhundert, so in den 60ern und Anfangssiebzigern, sahen die großen sacs an großen Damen lässig aus und die kleinen Umhängetäschchen an den kleinen Französinnen auch. Die letzte echte V-bag (a tote) bekam ich von einer Luxustranse im Kaffeehaus in die Rippen gerammt.

0 Der Tiger 22.03.2010, 11:37 Uhr

Mein Kompliment! Ich bin...

Mein Kompliment! Ich bin erstaunt, wie Sie es hinkriegen über so scheußliche Taschen einen so amüsanten Blog zu kreieren.

0 hugoservatius 22.03.2010, 11:54 Uhr

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Alphons, nach längerer Zeit habe ich 'mal wieder Ihre Kolumne gelesen und bin doch etwas irritiert. Kennen Sie Damen Ihrer sozialen Stellung mit LV-Taschen? Ich nicht. Allerdings hat die Frau meines Autoverkäufers so eine. Und unsere Haushälterin auch. Ich hatte auch 'mal eine Bauherrin, die Koffer von LV hatte, aber deren Gatte ist mittlerweile insolvent. Aber er fuhr auch Mercedes SL. Ich denke, daß Sie einfach das falsche Taschenmodell gewählt haben. LV ist einfach Prekariat. Die von Ihnen beschriebenen höheren Töchter bzw. ihre Mütter tragen nach meiner Erfahrung eher die Kelly-Bag von Hermès, da stimmt Material, Qualität und Preis, denn sie ist wenigstens wirklich teuer. Und ganz wichtig: Sie hat kein Logo. Allerdings beziehen sich meine Erfahrungen eher auf Hamburg und London, nicht so sehr auf Ingolstadt oder Verona. Beste Grüße aus der sonnigen Hauptstadt (in der es allerdings sehr viele LV-Trägerinnen gibt...), hs.

"Italien ist ein gutes...

"Italien ist ein gutes Beispiel für das, was dem bürgerlichen Lager auch in Deutschland noch an Verlotterung droht". Yepp. @alle: Warum so ein Rumhacken auf den Taschen? Die goldgeränderten Teller haben den "test of time" auch nicht bestanden. Klar es gibt ein paar Liebhaber, aber für die Masse (auch die Stützen) sind die nichts mehr wert. Hingegen kann ich mir gut vorstellen, dass es in 100 Jahren Leute gibt, die solche Taschen cool finden. Mir ist sowieso jedes Produkt suspekt, das sich vor allem über Werbung verkauft. Möglichst billigst produzieren, einen Haufen Werbung machen und dann möglichst teuer verkaufen. Was soll daran faszinierend, begehrenswert oder luxuriös sein? Silberkannen und Porzellan waren wenigstens mal gute Handwerkskunst. Aber das zählt heute nichts mehr.

Grundausstattung einer...

Grundausstattung einer russischen Prostituierten...

0 donalphonso 22.03.2010, 12:32 Uhr

Erstaunlich, wie negativ man...

Erstaunlich, wie negativ man das sehen kann - zumal das Thema je fast ein leicht anderes ist, der wertewandel nämlich. Aber wir können auch über Freudenmädchen reden. . Egghat, man muss fairerweise sagen, dass eine Reihe von Luxusmarken durchaus wirklich gute Produkte herstellen, und man muss sich halt fragen: Will man das haben, oder sucht man sich etwas, das günstiger ist, oder kauft man gleich aus chinesischer Sklavenarbeit? Und da würde ich sagen, ist mir die Käuferin so einer tache angesichts ihrer Möglichkeiten sehr viel lieber als alle, die zu kik gehen, ohne das wirklich nötig zu haben.

0 Kopfgeburt 22.03.2010, 12:48 Uhr

Stellt sich hier nicht die...

Stellt sich hier nicht die Frage der Rezeption? Die Eigenwahrnehmung kann unter Umständen stark von derer anderer abweichen.... Dazu kommt noch der Nachahmungseffekt. Den Nachahmern gelingt dies halt mehr oder weniger gut (genuin versus "it-"style). . Auf der anderen Seite: Wenn das einzige, an was man sich noch halten kann, eine Tasche ist......... . Wertewandel ist nichts Eindeutiges!

0 donalphonso 22.03.2010, 13:07 Uhr

Kalchas, nur zu, mein Koffer...

Kalchas, nur zu, mein Koffer ist ja auch noch aus einer Zeit, da man den Atlantik eher mit dem Schiff als mit dem Flugzeug überquerte; einfach ein Ausdruck meines Sammelleidenschaft. Ich denke, das ist so wie mit vielen Luxusmarken: Sie wären dumm, wenn sie es nicht nutzen würden. Schlieslich ist die Geschichte voll mit Firmen, die sehr gut waren, aber mit ihrer Käuferschicht ausstarben. Was wir hier sehen, sind ja auch nur die Überlebenden eines enormen Schrumpfungsprozesses. . Settembrini, man kann über Prade trefflich streiten, da sehr modisch, wohingegen andere seit Jahrzehnten immer das gleiche machen (Ich habe auch noch eine alte Steamer Bag, die dann aber ohne Logos). Natürlich ist da auf der einen Seite eine gewisse Ablehnung, aber die gelebte Realität... die meisten Bildr stammen aus jenen Strassen Veronas, wo eben nicht die Touristenhorden entlangtrampeln, sondern schon feinere Dinge zu sehen sind.

Lieber Don Alphonso, sicher...

Lieber Don Alphonso, sicher hätten Sie damit recht, gäbe es nicht auch andere "wirklich gute Produkte" , die Fair hergestellt sind von Designer, die keiner kennt - daher kein Mensch kauft...und zwar nur weil kein LV, D&G, Dior oder H draufsteht! Aber so würde ich sagen: Lesen Sie den Artikel noch mal aufmerksamer! LG

0 donalphonso 22.03.2010, 13:15 Uhr

yaq12, man kann es ja auch als...

yaq12, man kann es ja auch als Test auffassen - schaffen es die Leser, unter der Oberfläche die eigentliche Fragestellung zu erkennen. Fühlen sie die ironische Distanz in den Worten, und so fort. Wenn ich dann "Promotionartikel" lese, möchte ich doch freundlich raten, den Text nochmal auf eventuelle Mehrschichtigkeit hin zu prüfen. Ich bin mir sicher, das diese Eigenschaft alleon beim flüchtigen Lesen verborgen bleibt. Und wenn die Ablehnung dieser Dinge tatsäcjhlich so stark wäre, wie das hier mitunter behauptet wäre, gäbe es sie kaum mehr. Dann würde sie wirklich den Weg allen Escadas gehen. . Druli, das Abendland ist längst untergegangen; was ich noch sehe, sind in aller Regel leere Formen, die man benützt, weil man keine neuen Alternativen hat. Obendrein haben die besseren Kreise ihre Vorbildfunktion, aus der sich das Wort "besser" speiste, weitgehend verloren. Der Rest macht sich mit Castingshows seine eigene bessere Gesellschaft mit eigenen Stars und gesellschaftlichen Idealen. Man sucht Popsänger, Modelle, Praktikanten, Ehefrauen - aber doch nicht mehr Angehörige besserer Kreise mit all ihren Riten und Dünkeln. Sollte ich da eine Änderung sehen, werde ich es sofort mitteilen, aber ansonsten bin ich der Überzeugung, dass meine Schicht in einem Limbo ist, zerrissen zwischen Bedeutungsverlust, Diskursunfähigkeit und einem Weltmarkt, der nur noch ihr Geld, nicht mehr aber die Menschen braucht. .

0 donalphonso 22.03.2010, 13:27 Uhr

Oaly, dieses Segment ist nun...

Oaly, dieses Segment ist nun mal ein schmaler Markt, in dem nur wenige überleben können, aber das ist keinesfalls neu, man hat das mit dem Beginn der Massenproduktion. Gestern war ich im Palazzo del Te in einer interessanten Ausstellung über Tapisserien von einem Meister aus Brügge, der sich nach Italien aufmachte und dort von Hof zu Hof zog und damit den Konkurrenten daheim den italienischen Markt kaputt machte - und das war Mitte des 16. Jahrhunderts. Reichtum ist volatil, und wer daran partizipieren und damit leben will, muss eben auch damit rechnen, dass er schnell wieder aus dem markt draussen ist. "Asprey" in London beispielsweise ist so eine Marke, die fast die Kurve nicht gekriegt hätte. . Savall, das würde ich keinesfalls bestreiten wollen, aber ich finde einfach nur sehr wenig, was man als sichtbare Alternative zu derartigen Codes vortragen könnte. Zu uniform ist die Männermode, zu unterschiedlich inzwischen die Formen weiblicher Aussendarstellung. Es ist nun mal der Fluch dieser Zeit, dass dem Anschein nach alles näher zusammmenrückt und sich demokratisiert, und kein weg zurückführt in jene gerade mal 50 Jahre vergangenen Zeiten, als man sich am Tag mit steigender Pracht zum Abend hin noch dreimal umgezogen hat. Ansonsten sind die bürgerlichen Alleinstellungsmerkmale eher dadurch definiert, was man nicht übernommen hat: Pokerabende, Tättowierungen, Komasaufen, zu auffälliges Preisevergleichen - man ist anders, keine Frage, aber man ist nicht mehr die bestimmernden Kreise, die definieren konnten, wie man oben ist und andere unten hält. Jeder ist heute oben, nach seiner Sicht, und wenn es der Opel OPC ist, mit dem man auf der Autobahn fährt und laute Musik hört.

@Don: Gut, war etwas dick...

@Don: Gut, war etwas dick aufgetragen. Zu den Taschen: Richtig, die werden heute von Frauen aller Altersklassen getragen, von der Oma bis zur Enkelin. Aber eine Tradition kann ich nicht erkennen. Ich bin einige Jahre jünger als Sie in Sachen Frauen und Taschen also nicht ganz so erfahren... Aber wenn ich mich an meine Kindheit erinnere und was da reiche Frauen mit sich herumtrugen, kommt mir vor allem eine mittlerweile verstorbene Tante in den Sinn und die trug noch in den 1990ern wenn sie mal etwas gekauft hatte ganz normale Plastiktüten. Auf dem Markt ein Tragenetz. Als Handtasche irgendetwas unauffälliges, an dass ich mich heute nur noch insofern erinnere, dass sie Handtaschen trug. Klein. Schwarz. In Sachen "Die eigene 'Position sichtbar machen" bin ich bis heute schon von zwei Frauen auf etwas angesprochen worden, was ich so gar nicht beabsichtigt hatte: Und zwar handelt es sich dabei um den Metallclip, den man vom Metropolitan Museum ausgehändigt bekommt, wenn man eine Mehrtageskarte kauft. Den clip trage ich aus Erinnerungsgründen an eine schöne Zeit mit mir herum. Eingeklipst am Portemonnaie unter der Lederklappe des Münzfachs, also eine ziemlich intime Stelle. Bin bis heute schon von zwei Frauen darauf angesprochen worden.

0 donalphonso 22.03.2010, 13:41 Uhr

Kopfgeburt, ich habe hier eine...

Kopfgeburt, ich habe hier eine Frau gefragt, wie sie das sieht, und sie meinte, dass da auch der Umstand hineinspielt, dass man dergleichen eben immer tragen kann und, auch wenn man nie ganz richtig liegt, auch in aller Regel nicht weit daneben ist. Klang logisch, würde ich meinen. Und es ist natürlich nicht viel an Tradition, aber in einer Welt mit mehr als 40% Scheidungsquote auch in diesen Kreisen muss man mit weniger zufrieden sein. . MSP, erstaunlich, ich gehe bei Einladungen eigentlich nie danach, was jemand trägt, mir ist das alles einerlei. Ich denke aber, dass die dame auf dem zweiten Bild eine sehr angenehme Gesprächspartnerin sein könnte; bei der Dame auf dem letzten Bild möchte ich Zweifel anmelden. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass es meinem Blog irgendwie schadet, wenn darin etwas zu derartigen Marken auftaucht; die Grundfrage ist eher, was solche Dinge ersetzen können in einer Gesellschaft, die einfach nicht mehr das ist, was sie einmal war. Und ich würde auch vermuten, dass es in Ihren Kreisen nicht mehr zugeht wie vor 100 Jahren. . Ich denke da an Fellinis La dolce Vita, die Feier im römischen Palast, wo sich die Gesellschaft in den alteb Räumen versteckt und Maddalena und Marcello sich noch einmal sehr nahe kommen. Am Morgen verlassen sie das gebäude, und die alte Adlige kommt ihnen auf dem Weg zur Kapelle entgegen, dem sich die Männer der Familie in ihrem aufgelösten Zustand anschliessen. Dieser Moment der hohen Symbolkraft liegt schon weit hinter uns, wir werden von der Feier ausgespuckt und niemand sagt und, wohin wir jetzt noch gehen können.

@Andreas: Das Traurige an...

@Andreas: Das Traurige an Ihrem Kommentar ist, dass Sie den in solchen Luxus- oder zumindest Markenartikeln erreichten Wohlstand nicht sehen - sondern ihn verächtlich zu machen versuchen. Ob eine russische Prostituierte mit einer Hermes-Tasche herumläuft oder einem Escada-Produkt, das war bei D.A. wohl auch gar nicht das Thema. Aber vielleicht ist es ja auch nur noch der hoffnungslose Ausdruck einer Hybris, welche nicht mehr erkennen kann, was Dinge aus einem anderen Blickwinkel wert sein können. So lebt ein Hartz IV-Empfänger möglicherweise einen ganzen Monat von so einer Tasche, wenn er sie verkaufen könnte. Oder eine Rentnerin, welche vier Kinder in ihrem Leben groß gezogen hat, kauft dafür ein Jahr ihre Lebensmittel ein. Doch der allfällige und einfältige Managergeist, welcher sagt, es ginge noch immer irgendwie luxuriöser und teurer und aparter, ist würdelos und verkommen.

"Jeder ist heute oben, nach...

"Jeder ist heute oben, nach seiner Sicht," Darum geht es doch. Es wird geglaubt, dass man mit dem Besitz einer bestimmten Tasche "oben " ist. Der Erfolg dieser Taschen liegt nicht in ihren vermeintlichen Qualitäten. Für die Trägerinnen geht es in erster Linie darum, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Das hat etwas Bemühtes, um nicht zu sagen Lächerliches.

0 donalphonso 22.03.2010, 13:51 Uhr

Blackcowboy, das Problem...

Blackcowboy, das Problem ist diesmal, dass wir mit mehr zurückkommen, als zu Anfang dabeui war. Genauer: Die Copilotin wünscht ein italienisches Damenrad im Stil der 30er Jahre. Und ich stolpertte gerade vorhin über einen Moser Leader AX von 1992 mit Campagnolo für sagenhaft wenig Geld, und somit musste auf dem Gepäckträger Platz für Räder bleiben. Deshalb sind es zwei Reisetaschen, die man quetschen kann. Der besagte Koffer für die Wäsche natürlich auch. Als Alternative hätte ich - für Geldscheine aus einem eventuellen Banksterraub - eine Steamer Bag, ansonsten sah ich in Verona gerade einen hübschen, braunen Koffer englischer Herkunft - aber ich bin wegen der Anschaffung einer neuen Kamera - Sie wollen hier ja was Ordentliches sehen - ohnehin nicht vomn Problem geplagt, Restgelder in die Schweiz bringen zu müssen.
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Matthias Schumacher, ich denke, man hat in Italkien mit dem Herzeigen und Auffallen einfach erheblich weniger Probleme. In Italien kann man als Mann noch zweifarbige Schuhe tragen, ohne dauernd dumm angegafft zu werden - Letztere waren im Übrigen ein weiterer, wichtiger Grund für die Reise.
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0 donalphonso 22.03.2010, 13:55 Uhr

ilnonno, meines ist es auch...

ilnonno, meines ist es auch nicht, also habe ich dergleichen auch nicht. Aber ich bin ohnehin alt, fett und hässlich, nach dem dreifachen Kürbisravioli-in-Butter-Schock der letzten Tage. . loreley, nun, sie drücken einem etwas aufs Auge, was man auch weniger deutlich drücken könnte. Das ist richtig.

0 Louis Vuitton 22.03.2010, 14:03 Uhr

Wer gutes Taschenwerk...

Wer gutes Taschenwerk verschmäht, trägt auch zweifarbige Schuhe. Wie schüttelt es uns!

Gestern in der Berliner (!)...

Gestern in der Berliner (!) U-Bahn (!) saß mir eine Frau mit so einer VT-Tasche gegenüber. Als häufiger U- und S-Bahnfahrer weiß ich: LV ist Alltag in Berlins Subwelt.

Lieber Don Alphonso, ich bin...

Lieber Don Alphonso, ich bin mir nicht sicher, ob Ihre Einschätzung des Falles "Louis Vuitton Tasche" ganz richtig ist. Durch die lange Tradition vom Schiffskoffer bis zur Handtasche ist die Marke fest etabliert, viele Produkte sind schon seit Jahrzehnten im Programm und werden dadurch natürlich gerne mal an kommende Generationen weitergegeben. Wie der Alzer meines Vaters, oder die Taschen- und Koffersammlung der leider schon verstorbenen Eltern eines Freundes von mir. Das ist nun schon lange so und wird wohl auch noch länger so bleiben. . Aber: die Lage wird dadurch verzerrt, daß Louis Vuitton derzeit wieder eine Phase des "sehr chic" seins durchlebt. Daraus ergibt sich ein gewisser "LV-Overflow", welcher sich Ihnen bemerkbar geamcht hat und den Sie nun als Anzeichen einer weitergehenden "Tradition" interpretieren. . Die Zeiten, die Werte, waren schon immer im Wandel, meist sogar schneller als heute, auch wenn vieles rückblickend relativ "statisch" wirkt. Die gesellschaftlichen Grenzen scheinen aber zunehmend zu verschwimmen.

ist auch für die Wahl der...

ist auch für die Wahl der Schuhe nicht verzichtbar.

0 HansMeier555 22.03.2010, 15:00 Uhr

Alditüten und Blaue...

Alditüten und Blaue Müllsäcke -- kann man die auch aus edlen Materialen raubkopieren? Assi-look in höchster Qualität?

Sie haben völlig recht! Jede...

Sie haben völlig recht! Jede Gesellschaft muss osmotisch auf Neues reagieren. Und die wunderbare Fellini-Szene sitzt hoffentlich in einigen Köpfen fest. WIE sie ihn zum Eingang an die Hand nimmt! Ach, ja. Aber lassen Sie mir meine kleinen Zicken bezüglich der Marken: lassen Sie mich die Zeit, das Teuerste, das wir haben, mit einer mechanischen Uhr messen, welche das "tempus fugit" unterstreicht durch Kostbarkeit! Lassen Sie mich die SUVs nicht elegant, sondern scheusslich aggressiv finden, selbst wenn ich gestern mit SUV-Besitzern einen wunderbaren Abend hatte! Auf dem zweiten Bild gibt es auch ein Gesicht zu sehen, ist es das? Man möcht ja nicht mit einer Tasche reden................ Die Schuhe sind bewundernswert schön!

0 Kopfgeburt 22.03.2010, 15:14 Uhr

Wenn die Tasche also kein...

Wenn die Tasche also kein Unterscheidungsmerkmal mehr ist - auf was muss ich dann achten? Liegt die Differenz in den (nicht getragenen) Blue Jeans und den 2-farbenen Schuhen?

Hauptaktionär (? - wenigstens...

Hauptaktionär (? - wenigstens ist er der Chef) bei Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) heisst Bernard Arnault, der in einem "Hôtel particulier" in Paris wohnt. Einmal auf TV5Monde kam es zu einer Diskussion (unter Top Managers im Luxus-Sektor in Frankreich) zum Thema "What is luxury?" Arnaults Antwort : "Le luxe, c'st maîtriser les détails".

Ein Bettler (jung,...

Ein Bettler (jung, gutaussehend, hatte saubere Jeans und T-Shirt an) sass auf dem Trottoir am Wilshire Boulevard (L.A.). Vor ihm ein Schild : "Please help me. I lost my job and my wife has run off (ist davongelaufen) with Louis Vuitton". Clever - ich gab ihm ein 10 dollar bill.

Was bitte haben Traditionen...

Was bitte haben Traditionen mit Werten zu tun? Und was hat diese Tasche - sozusagen das "Ed Hardy" - Shirt aller Zahnarzttöchter - dazu zu sagen? Wieso schreiben Sie nicht gleich mal etwas über diese spießigen Steppjäckchen, Wachsjäckchen und Segelschüchen und den generellen Sinn dieser Uniformität?

Don, 11:14, Ihre Antwort...

Don, 11:14, Ihre Antwort verwirrt mich. Aber wie auch immer: ich weiß nicht, ob Herr Asserate Produkte aus dem Hause LV benutzt (also "das andere lebt"), es ist mir auch herzlich egal; ich fand einfach nur dieses Zitat aus seinem Buch sehr lustig - und sehe, dass sich hier noch mehr Leute nicht für diese Taschen erwärmen können. Viele Menschen scheinen aber einen mehr oder weniger starken Drang haben, sich zu beschriften, das ist durchaus auch meine Beobachtung. Ich kenne den Slogan "Die Beschriftung der Bevölkerung", weiß aber nicht, woher er ursprünglich stammt.

Die Geschichte mit dem Bettler...

Die Geschichte mit dem Bettler in L.A. (dito NY., Toronto, SF, Ottawa, Chenectady) ist inzwischen ein urbaner Mythos.

@HansMeier555 Gibt...

@HansMeier555 Gibt es. http://dierotenschuhe.blogspot.com/2010/02/wer-tragt-den-mull-raus.html

0 HansMeier555 22.03.2010, 19:34 Uhr

In der 12. Klasse hatte ich...

In der 12. Klasse hatte ich die Idee, dass moderne Kuenstler einfach eine Summe mit Oel auf Leindwand und das ganze zum Kunstwerk erklaerten sollten, das eben genau diesen Preis kostet.

0 HansMeier555 22.03.2010, 19:39 Uhr

Na wer sagt es...

Na wer sagt es denn. Zeitgenossen mit Stil haben keine Taschen. Wenn Sie was brauchen, werfen sie ihrem unauffaellig hinterherlaufenden Butler einen Blick zu (oder eine SMS), und der produziert das Gewuenschte in Windeseile. Irgendwo in nicht zu grosser Entfernung rollt immer ein Tross mit VW-Bus oder Sunbeam hinterher, wo Fahrraeder, Kleiderschraenke und Silberkannen fuer alle Eventualitaeten gut verstaut sind. Und auch Lebensmittel aus der Heimat, die anderswo nicht zu bekommen sind.

Ich weiss nicht, es scheint...

Ich weiss nicht, es scheint nur das vielleicht jede die ihrige Version der LV-Tasche erworben hat. Ob nun im LV Laden direkt, aber warum nicht auch beim afrikanischem Händler and der Ecke... oder über die chinesische Ausbeutungs'werkstatt' direkt aus dem südlichen verleugnetem Teil des Landes ??? Der Himmel ist weit...

Filou 18.30h Ja, und auch in...

Filou 18.30h Ja, und auch in Santa Barbara. Doch noblesse oblige.

0 donalphonso 22.03.2010, 20:23 Uhr

Andreas, ich denke,...

Andreas, ich denke, Traditionen entstehen so schnell, wie sie zuletzt auch vergangen sind. Natürlich lebt man heute ganz anders als in den stilistisch schwierigen 80ern, aber die Erinnerung, die auch mit Tradition zu tun hat, will das doch gar nicht mehr wissen. Inzwischen ist es ein Standard, an den man sich gerne hält. . loreley, das mag auf eine Teil der Besitzer zutreffen, aber ich höre da eher ein "Lieber kaufe ich mir einmal etwas Gescheites als viel Mist" - und das ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

0 Trouvaille 22.03.2010, 20:25 Uhr

Cher Don, wieder einmal habe...

Cher Don, wieder einmal habe ich Ihren Artikel mit Vergnügen gelesen, auch mit Zustimmung, was die hiesigen westviertler Geschmacksveränderungen anbetrifft, aber für Italien muss ich Ihnen diesmal doch ein bißchen widersprechen. Wenn ein Kleidungstil oder ein Accessoire in Italien gehäuft auftaucht, dann ist es Mode. Die Sachen haben keine besondere Tradition, aber dass die normale italienische Frau die Mode beachtet und mitmacht, das ist auf jeden Fall eine Tradition. Nur die wirklich Armen machen sie nicht mit. Jetzt sind anscheinend die Taschen mit dem Monogramm dran. Das ist natürlich ein Stil, der den geheimen Vorlieben der gehobenen Mittelschicht in Italien entgegenkommt. Da gibt es jenseits der großen Auftritte - und dazu wird oft schon die Verabredung zum shoppen oder zum aperitivo - einen Kleidungsstil, der vielleicht sonst noch bei Ladage&Oelke zu finden ist, so auffällig gediegen und traditionell ist der. Eine Zeitlang hatte ich mit Italienern viel privat zu tun, in verschiedenen Teilen des Landes, und dieser quasi hanseatische Stil war überall, sobald man unter sich war. Nach außen hin macht frau natürlich die Mode mit, das gehört sich einfach so. Mal sehn, was nach den Taschen kommt. Tradition, das sind einerseits die schlichten Sachen, deren sündhaft teure Materialqualität fast nur noch jemand erkennt, der sie sich gleichfalls leisten kann. Andererseits die disinvoltura, mit der man Moden mitmacht und aufgibt. Mir ist gerade letztere immer sehr sympathisch gewesen. Sie weist den Dingen ihren angemessenen Platz zu.

0 donalphonso 22.03.2010, 20:29 Uhr

Jeeves, das sind dann aber...

Jeeves, das sind dann aber vermutlich eher die Fälschungen. . mawu, natürloch gibt es Tradition und Moden, aber in diesem Fall würde ich fast vermuten, dass es eine zur Tradition gerinnende Mode ist. Beispiele dafür gibt es zuhauf; man betrachte nur die Knöpfe an den Ärmeln eines Sakkos, oder Budapester Schuhe, oder die Vorliebe für Inschriften wie "seit irgendwas". Ich denke, da müsste schon etwas Besonderes kommen, um den Trend zu brechen - die Finanzkrise jedenfalls war es sicher nicht.

0 donalphonso 22.03.2010, 20:34 Uhr

Stil. lieber Stil, ist am Ende...

Stil. lieber Stil, ist am Ende auch kulturabhängig, so oder so. . MSP, leider muss ich für die Schuhe extra nach Verona - früher konnte man so etwas ja noch daheim machen lassen. Tendenziell würde ich meinen, dass das Bürgertum mit der Akzeptanz des Neuen nur begrenzt zu gewinnen hat - stets nur dann, wenn das Neue auch dazu passte und gut war. genau das hat aber im 20. Jahrhundert nicht funktioniert, daher auch die Orientierungslosigkeit beim Bürgertum und allen, die es zu vertreten gedenken.

0 donalphonso 22.03.2010, 20:38 Uhr

Kopfgeburt, das Probkem ist,...

Kopfgeburt, das Probkem ist, dass es da keine offizielle Lesart gibt, sondern nur einen Zerfall in Micromillieus, die selbst Definitionen vorlegen, und die sich durchaus widersprechen. Es gibt nicht mehr DIE bessere Gesellschaft. . RefJur, warum sollte ich etwas dagegen schreiben? Es existiert, es ist da es wird hergestellt und getragen, und esist nicht schlimm. Nur wie es zu deuten ist, ist die Frage.

Als Koelner kommt man nach...

Als Koelner kommt man nach Duesseldorf nur als Zwangsdeportierter. So sassen wir, Madame und ich, auf der Koenigsallee vor Cartier (Tchibo fuer Neureiche) und sahen die teuren Taschen an uns vorbeiziehen. Ploetzlich hatten wir die Eingebung: All' diese Taschenmodelle legen wir im Geiste auf die Decke eines Schwarzafrikaners an der Ponte St. Angelo in Rom. Und? Jedes Stueck sieht billig aus, so um 25 Euro. (Siehe Fotos). Wetten, so war's?

0 Frankie Bernankie 22.03.2010, 21:16 Uhr

Palazzo del Te in Verona? Das...

Palazzo del Te in Verona? Das wüsst ich aber. Den Palazzo del Te gibt es ausschliesslich in Mantua, und eine Kopie davon in der kleinen , isarabwärts von München gelegenen Stadt, in der ich wohne, deshalb diese besserwisserische kleine Expertise.

Italienerinnen schaffen es,...

Italienerinnen schaffen es, mit Stöckelschuhen über das übelste mittelalterliche Kopfsteinpflaster zu schweben. Die germanische Pluntschkuh sieht mit Stöckelschuhen in der Goethestraße eben so wie eben so aus. Dennoch möchte ich nicht in Italien leben, solange ich mit meiner eigenen Arbeit Geld verdienen muss. Und selbst zum Fußball will ich da nicht mehr gehen. Ich habe ein Problem mit Italien, und das als Liebhaber. Ich könnte mir da höchstens noch ein Häuschen in der Maremma mit Selbstversorgung vorstellen, aller finanziellen Sorgen ledig. Italien ist Avantgarde, was den Niedergang, von mir aus den gepflegten Niedergang betrifft. Die sind uns voraus, kommt hier auch noch, aber die paar Jahre Rückstand haben ja aus unserer Sicht doch noch was für sich. Bis dahin muss ich mir aber die Hütte im Vogelsberg mit Selbstversorgung leisten können.

Dagegen schreiben sollen Sie...

Dagegen schreiben sollen Sie natürlich nicht. Aber eine Deutung aus ihrer Sicht würde mich tatsächlich interessieren. Vielleicht unter dem Aspekt: "Von Rom nach South Hampton - Beobachtungen des Wechsels modischer bzw. kultureller Vorbilder der oberen Mittelschicht im Laufe der letzten 2000 Jahre" - oder so. Hätte Soziologie studieren sollen ;).

Lieber Don Alphonso, nachdem...

Lieber Don Alphonso, nachdem ich knapp die Hälfte der Leserkommentare und Ihre Kommentare zu den Leserkommentaren in Sachen LV-Taschen gelesen habe, bleibt mir nur zu sagen: Hier kämpft einer um's Überleben, dessen Thema dünner und dünner wird. Es war mal Klasse, Don - und auch tabubrechend - aber nun, Don, lassen Sie sich bitte was Neues einfallen. Mit Respekt Rehm

0 donna laura 22.03.2010, 21:31 Uhr

werter don, liebe loreley, sie...

werter don, liebe loreley, sie haben ja recht: die taschen sieht man überall, das gute ist, man kennt den preis und das alter der handtasche (wenigsten so ungefähr). da weiss frau, sie besitzt etwas bewährtes, welches sogar ein almöhi erkennt, der ob der kosten leicht verschreckt ist, aber auch mit ehrfurcht beladen. . und überhaupt: frau muss nicht lange nachdenken, ob die tasche wirklich gekauft werden sollte, denn - wie oben bereits vom don erwähnt: sie passt ja eigentlich immer. wobei, wenn die dame einigermassen klug wäre, sie andere dessins aus diesem hause präferierte, damit umginge sie das monogramm-problem und hätte trotzdem etwas traditionelles gekauft. (die antiken koffer sind wirklich eine klasse für sich) . mir stellt sich das problem nicht: meine handtasche geben sämtlich, wenn überhaupt, nur sehr diskrete hinweise auf die urheberschaft. irgendwie war das schon immer so; vermutlich wurde ich so erzogen, eben kein fashion victim zu sein. obwohl ich es bin: aber man sieht es wenigstens nicht. ich teile modische optik sehr ungerne mit zahnarztgattinnen - oder jungen, übergewichtigen mädchen mit bauchfreitop und fälschung am arm. . erinnert sich noch jemand an die so bez. chanel-trainingsanzüge aus spanien in den 80ern?

etwas, woran man sich...

etwas, woran man sich festhalten kann, haltbarer als die meisten beziehungen heutzutage (zumindest, wenn es eine kelly oder birkin ist), seelischer ausdruck der unbehaustheit: bag people. Hatte einmal im traum eine "life bag", hierin den extrakt dessen, was man tatsächlich braucht: nicht viel.

Italienische...

Italienische Volksdialektik Pietro Aretino! – Oh, das ist schon eine Weile her, dass ich da mal drin gestöbert habe. Interessante Anspielung auf eine womöglich sittliche Parallele zum heutigen Italien, und diese Anspielung ist nicht mal so verkehrt, denn wusste doch ganz Italien von diesen Kurtisanengeheimnisse, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Sittlicher kann ein Volk nicht sein. Popen wie Päpste sind halt auch nur Menschen, den aktuellen Benedetto vielleicht ausgenommen! Aber der ist ja auch kein Italiener. Doch muss ich Ihnen in einem widersprechen: „Italien ist ein gutes Beispiel für das, was dem bürgerlichen Lager auch in Deutschland noch an Verlotterung droht“. . Denn das ist es definitiv nicht, ein „gutes Beispiel“, eher ein schlechtes. Denn nur in Italien kann eine Mafia in die Gesellschaft integriert werden, wenn auch auf schrägste Weise; in Deutschland sieht das anders aus. So stehen die Frankfurter Großbanken schon lange unter dem Verdacht für die Mafia Geld zu waschen. Doch hier redet man deshalb nicht darüber, weil es sich nicht gehört. Nach dem Motto: solange man darüber nicht redet, wird es wohl auch nicht stimmen. In Italien redet man darüber vielleicht nicht, weil es zu gewöhnlich ist, um sich darüber das Maul zu zerreißen. Hier Doppelmoral, dort wahrer Adel im Gemüt. . Ein gutes Beispiel dafür, wo die Mafia wirklich ein gesellschaftliches Problem ist, nämlich dort, wo sie verschwiegen wird – aus Heuchelei. . Übrigens: ob die Taschen Fälschungen sind, ist in Italien aus einem ähnlichen Grunde kein Thema, wie das der Herkunft eines Berlusconi. Gutes (gerade wenn als Plagiat daherkommend) kann so gut Schlechtes bewirken, wie Schlechtes eben auch Gutes. Das ist wahre Dialektik, Volksdialektik, die Dialektik eines alten Kulturvolkes, das die Spießbürgermoral eben so leicht verdaut, wie der Russe ein unbekömmliches Essen durch einen noch schlechteren Wodka. Auch die Fälschermafia wird dort rein integriert. Italien ist ein wirklich großes Land, es hat ein gigantisches Herz, und es hat daher womöglich eine größere Zukunft als eines jenes Deutschlands armseliges Spießerland.

Es ist mir egal, was das Volk...

Es ist mir egal, was das Volk trägt.

Welch vergnügliche Lektüre....

Welch vergnügliche Lektüre. Das Bürgertum mag ja zu solchen Taschen greifen, um sich des eigenen Status zu versichern. Zumindest auf der Alpensüdseite würde sich aber niemand von Familie mit einem derartigen Ding sehen lassen. Mit der Abgrenzung nach unten über Labels hält man sich dort nicht weiter auf, so etwas beschäftigt seit je her eher das Neue Geld und die Angehörigen der Mittelschicht (die sich dafür auch verschulden; das ächzt schon seit Jahren im Gebälk, man mag gar nicht ans Zusammenkrachen denken).

0 Grimaldeli 22.03.2010, 23:03 Uhr

mawu/22. März 2010, 15:36...

mawu/22. März 2010, 15:36 Und viele kennen nicht die Theatergarderoben, die Sekretaere und die Kutschen, welche LV einstweils als Koffer gefertigt hat. Das hat Qualitaet, obwohl gerade bei uns der Markt mit Copien voll ist. Selbst unsere Zugehfrau hat solch ein Teil. Aber, wie schon hugoservatius(22. März 2010, 12:54) schrieb, die Klasse traegt Kelly o.ae. Fruehr waren es ca. 15TSD FF fuer so ein schoenes, zeitloses Exemplar, heute sicher mehr. Ich habe fuer meine Frauen einige gekauft... Persoenlich nutze ich lieber, wie D.A. meinen alten Arztkoffer oder den Attachee aus Leder, handgefertigt in 1979 und jeder beneidet mich um diese Teile! Wenn sie , als tourist uebrigens an der F-I- Grenze mit Plagiaten, sei es LV, Hermes, rolex,cartier etc. erwischt werden... unter 3000 Euro ist da nichts als Strafe! Das gilt selbst fuer T-Shirts! . Don Alphonso 22. März 2010, 21:29 "die Knöpfe an den Ärmeln eines Sakkos" sollten auch an den Aermeln zu knoepfen sein, oder? Und, desolais, sagen Sie bitte nichts gegen John Lobb. Wenn Sie nach 25 Jahren Ihre Schuhe immer noch tragen koennen, ziehe ich diesen Satz naturalement zurueck. Und ich weiss, von was ich rede! . RefJur 22. März 2010, 17:53 Wachsjaeckchen und Segelschuechen"! Wenn Sie in sowas gross geworden waeren, wuerden Sie verstehn, wo der Unterschied ist! Barbour(baumwolle gewachst) gekauft 1974, mehrmals repariert, immerwieder gewachst, immer noch schoen und alltagstauglich! Timberland-Bootschuhe mit Messerschnittmustersohle, selbst beim Landgang hat Hundeschei..e keine Chance...

0 Maximillion Gratuitous 23.03.2010, 02:18 Uhr

Wahre It-girls tragen einen...

Wahre It-girls tragen einen parfümierten, asthmatischen Chihuahua auf dem Arm. Dagegen sind LV-Taschen, egal ob echt oder fast echt, erbärmlich spießig. Sie sind das typische Accessoire der Dorfmädchen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als von Heidi Klump zum next Supermodel erkoren zu werden. Die traurige Spezies minderbegabter Möchtegernaufsteigerinnen trägt nicht nur seine nackte Haut zu Markte, sondern auch Taschen mit Logo. Immerhin sind die Taschen groß und lassen sich weit öffnen - sollte also einmal Hirn vom Himmel fallen...

0 dirk puderbach 23.03.2010, 07:13 Uhr

tadashi> jap. =ordentlich,.....

tadashi> jap. =ordentlich,.. phonet. Verwandtschaft? ja,..ich finde auch, es gab schon bessere Artikel. Im Bezug auf mein eigenes Markenverhalten denk´ich an meine Freitag-Tasche. Nur zum Arbeiten!..Laptopbehältnis im Winter, wasserdicht, ein Unikat. Ich nehme Sie auch für´s Schwimmtraining. Unsere Beziehung begann irgendwo in der Nähe des Universitätsgeländes in Zürich, im Vorbeifahren mit dem Rad seh´ich die Tasche in der Auslage beim Fahrradhändler. Hatte irgendwie Patina; der Preis war uninteressant! Zuhause, beim Outdoorhändler sehe ich dann, was das Ding Kosten soll. Ich fand´s schon frech. Andere, vergleichbare gab´s für die Hälfte. Die Kaufentscheidung, bzw. der Prozess dauerte etwa drei Wochen, in der w Weihnachtszeit> Geld hatte man da genug. Zur Psychologie der Segmentierung kann man hinzufügen, dass ich hochzufrieden mit dem Ding bin, es hielt und hält alle Versprechen, aber die Damenwelt konnte ich damit nicht beeindrucken! Und ob andere Taschenbenutzer neidisch schauen, weiss ich auch nicht. Nach Italien nehme ich leider immer nur den doofen Rucksack mit, der ist noch unauffälliger.Uni- sex ... die Freitagtasche ist einwenig hip..,.hat eine Internetseite, bei der man nur noch staunt aber sie hat mich noch nie darüber nachdenken lassen, ob es schick oder eher tuntig ist(verzeihung) als Mann mit Tasche zu erscheinen. Sie ist einfach nur da. Manchmal sind die Dinge auch nur das, was man aus ihnen macht.

Die Bessere Gesellschaft in...

Die Bessere Gesellschaft in England (droht auch auszusterben) sind Kunden bei Holland & Holland. Und Schuhe kauft man "made to measure" bei Lobb in London. Was London bietet sind die "Gentlemen's Clubs" wie der Reform im Westviertel St James. Bis vor ca. 30 Jahren (?) wurden Frauen nur durch die Hintertür reingelassen.

0 donalphonso 23.03.2010, 07:47 Uhr

fionn, gleich bei meinem...

fionn, gleich bei meinem Schuster über die Brücke ist in Verona ein Laden, der Lobb führt. Dort schaue ich ins Schaufenster, auf meine Schuhe, dann wieder ins Schaufenster und sage mir: Kann man auch machen. Aber wo sollen da die Vorteile sein? . Die englische Klassengesellschaft hat den Vorteil, dass dprt noch erheblich mehr zum Aussterben als in Deutschland ist, was die reinen Vorurteile und selbstüberzeugungen angeht. . Neris, das ist durchaus fein; was ich nur sagen wollte ist, dass ich ein Problem hätte, mir von irgendwem vorschreiben zu lassen, wie ich etwas zu sehen habe. Das besagte Buch fand ich, um ehrlich zu sein, als erheblich an der Borderline verortet. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

0 donalphonso 23.03.2010, 07:49 Uhr

Mrs. Mop, danke für den...

Mrs. Mop, danke für den Hinweis, sehr hübsch! . HansMeier555, tja, ich trage selbst. Aber ich bin ja auch eher der Expeditionstyp, der auch in Berlin und Kambodscha überlebt.

Moin Don, die weibliche...

Moin Don, die weibliche Handtasche ist überlebenswichtig, da sie der Evolution dient. Siehe Schätzing. Das männliche Handschuhfach hingegen wird wohl aussterben. Das sind aber nicht die wichtigen Fragen. Die sind: wie kommt der Panamera nach Sylt? Asiatisch, d.h. z.b. um 90 Grad gekippt (wie damals im Aufzug)? Espanisch, " a la plancha"? oder dänisch (der Weg ist das Ziel)? Das Ergebnis einer mehrköpfigen Arbeitsgruppe der DB führte letztes Jahr zum Rücktritt von Mehdorn.

0 donalphonso 23.03.2010, 07:56 Uhr

funzen, das ist allerdings so...

funzen, das ist allerdings so - andererseits würde ich bei gewissen Umfeldern schon auf Originale tippen. Gewisse Männer hängen dergleichen eben gerne an ihre Frauen. Weil man nicht nachdenken muss, weil es irgendwie passt, weil es etwas ausdrückt. . Trouvaille, nun, ich möchte fast behaupten, dass diese "Mode" nun schon länger als ein Jahrzehnt zu beobachten ist; und in Bayern ist da längst eine gewisse Selbstverständlichkeit eingekehrt. Die Frage wäre also, ob dergleichen es schafft, von einer zuerst modischen EWrscheinung zum Kanon der notwendigen Dinge hinüberzuwachsen. Und da sehe ich es auf einem guten Weg - ob es ein guter Weg für die bessere Gesellschaft ist, weiss ich aber auch nicht.

0 donalphonso 23.03.2010, 08:00 Uhr

Filou, zu dem Thema gibt es...

Filou, zu dem Thema gibt es bei Roberto Savianos Gomorrha ein paar sehr anschauliche seiten zu lesen. Tatsächlich werden die Fälschungen besser und besser - weshalb auch die ranzligen Originale der Zeit vor 1970 teurer und teurer werden. . Frankie Bernankie, das ist klar - ich befinde mich eben in der Grossregion Verona, vorgestern eben im Palazzo del Te, und dortselbst war so ein Schnütchen zu besichtigen.

0 donalphonso 23.03.2010, 08:07 Uhr

schusch, generell ist die Lage...

schusch, generell ist die Lage in Italien eher traurig, und ich sehe auch keine Tendenz zur Besserung. Deshalb denke ich langfristig auch an ein Haus in Meran, wo es keine Österreicher gibt, die Eingeborenen aber auch Italien nur die positiven Seiten abgewinnen. Ich denke, das ist ein guter Kompromiss. . jasper x, das kann man natürlich so sehen, allein: Mir wird das bevorstehende Ende meiner Tätigkeit nun schon seit 10 Jahren vorhergesagt, und ich bin immer noch da. Ich denke, es ist eher so, dass manche Themen manche mehr und manche weniger ansprechen. Ich gebe freimütig zu, dass die eigentliche Intention des Beitrages weitgehend überlesen wurde, aber auch damit kann ich leben, wie auch mit den tausend Lesern, die hier über die entsprechenden Facebook-Gruppen reingeschwappt kommen. Ich gebe mir immer Mühe, das ist alles, was ich tun kann, ich gehe auf die Menschen ein, ich bin höflich - mehr kann ich leider nicht tun.

0 donalphonso 23.03.2010, 08:16 Uhr

donna laura, das lacoste-Hemd...

donna laura, das lacoste-Hemd ging auf eine ähnliche Art und Weise unter, das Label Boss hat darunter sehr gelitten, ich würde mir so etwas auch nicht neu kaufen - aber auf der anderen Seite baut Rolex wirklich gute Uhren, und die haben jede Mode überlebt. Es gibt eben so ein paar Designsaurier, die einfach nicht umzubringen sind, auch nicht von Zahnarztgattinnen (was mir übrigens tausend mal lieber als der Zahnarzt ist). . babe, das kommt natürlich dazu: Dass es heute wichtiger denn je ist, eine Tasche dabei zu haben. Weil man zu viel unterwegs ist, weil man nie wirklich ankommt, egal ob in einer Beziehung oder in einem Leben oder einem Zuhause.

Guten Morgen! Ich bin, da es...

Guten Morgen! Ich bin, da es noch frueh ist, ziemlich unverdorben vom Tag, gewissermassen frisch im Kopf-und maessig gelaunt. Die Intention des Beitrages habe ich so begriffen: Es gibt eine beklagenswerte Desorientierung bei den sog. besseren Kreisen, besonders bei den Neuzugaengen derselben. Da fehlt es am traditionellen Begriff fuer Qualitaet, sowie am rechten Selbstbewusstsein fuer entsprechend originelles Auftreten. Da bleibt nichts anderes, als mit seinem vielen Geld, genau dasselbe zu tun wie andere mit ihrem vielen Geld. Man ist auf die Versprechungen des hochpreisigen Markenartikels angewiesen. Da liegt man, so glaubt man, immer richtig. Was die kleinen, guten Fabrikanten kaputt macht, ist der mangelnde Mut der potentiellen Kundschaft und deren Qualit...(siehe weiter oben). . PS: Falls ich heute Abend entsprechend animiert bin, gebe ich gerne die Geschichte meiner chinesischen Cartier-Uhr und deren Wirkung auf Angeberkreise zum Besten. . PPS: Grimaldeli. Solex. Ist bei mir irrationale Nostalgie und das Hinterherheulen nach der abenteuerlichen, wuesten (auch dummen) Jugend.

0 donalphonso 23.03.2010, 08:53 Uhr

Filou, es ist eher eine Art...

Filou, es ist eher eine Art Orientierungslosigkeit nach der Auflösung der Bindungen und die Erfindung neuer Bindungen, die ich als Kernthema dieses Beitrags bezeichnen würde. . Devin08, tatsäcjlich ist das Thema von Aretinos Gesprächen die Doppekmoral, die Amoral und die Fälschung, und als solches ist das Zitat natürlich auch ein Hinweis dezenter Natur auf die Frage, was eigentlich geblieben ist, wenn man erst alle Möglichkeiten betrachtet und dann zum Schluss kommt, dass nichts mehr funktioniert.

Danke für den flott...

Danke für den flott geschriebenen Artikel, den ich mit Gewinn gelesen habe. Ich wusste auch, solche Taschen schon irgendwo (Flughafenshop?) gesehen zu haben, hatte aber den Hersteller vergessen (der Name taucht in einem Kommentar auf). Es ist eine hohe Kunst, aus irgendwelchen alltäglichen Banalitäten eine gedankenvolle unterhaltsame Geschichte zu machen.

Grimaldeli, gute und mit...

Grimaldeli, gute und mit Persönlichkeit aufgeladene Stücke sind natürlich immer die Besten. Daher habe ich meinem Vater auch verboten, seinen mittlerweile fast 20 Jahre alten Daimler Double-Six zu verkaufen, obwohl er ihn kaum noch fährt. . Ich teile, wie schon geschrieben, die Einschätzung von Trouvaille. Ob nun LV, Hermès oder sonstiges - es sind alles jahrzehntelang etablierte "Luxusmarken" mit top Qualität, die zudem auch modischen Oberströmungen unterworfen sind. Man denke etwa an die Verbreitung der Hermès-Gürtel, die könnten als alternatives Beispiel in Don Alphonsos Artikel fungieren. Und ich kenne praktisch niemanden der infrage kommenden Personen, der nicht irgendetwas besagter Marken besitzen würde. . Puh, leider ist die Diskussion zum Teil ziemlich ermüdend, da ja nun wirklich jeder hier seine persönliche Geringschätzung zu Louis Vuitton Taschen und deren Trägern lautstark kuntun muß.

0 donalphonso 23.03.2010, 09:42 Uhr

Aus der Verachtung anderer...

Aus der Verachtung anderer wiederum speist sich auch ein gewisser Reiz am Tabubruch. Ich jedenfalls habe jetzt gerade ein frisches Hemd aus besagtem Koffer der nicht im Text genannten Marke genommen, und habe das Geräusch der Verschlüsse ebenso genossen, wie das leise Seufzender Jahrzehnte, mit dem Luft über die hohen Innenkanten hineinströmt.

Ganz langsam werde ich wach....

Ganz langsam werde ich wach. Sie meinen also, dass das traditionelle System der emotionalen Bindungen, der familiaeren Bindungen, der traditionelle Kulturbegriff, das, durch was auch immer bestimmte, Selbstwertgefuehl einer fremdgesteuerten Neigung zum Surrogat, zur Faelschung, zum Falschen gar neigt? Hmmmm! Na dann erzaehlen Sie mir nichts Neues, denn das war meine Rede schon um 70/71-nein, nicht Sedan, obwohl die Folgen einer solchen Meinung mich aehnlich vernichtend wie die Franzosen trafen. Aber wahrscheinlich verstand ich Sie wiederum falsch. In dem Fall gebe ich auf, und widme mich weiterhin haemisch der Betrachtung falscher Damen mit falschen Taschen und falschen Zukunftserwartungen.

Grimaldeli, bei Ihnen müsste...

Grimaldeli, bei Ihnen müsste das Wetter doch mittlerweile ganz nett sein, oder? Hier in München ist der Frühling eingekehrt, meine Sportwagen habe ich in den letzten Tagen auch wieder in Betrieb genommen. Mit den Kindern bin ich zum Eis Essen gefahren um das Öl auf Temperatur zu bringen, und in ein paar Wochen geht's dann endlich wieder nach Spa Francorchamps. Vielleicht auch mal wieder zu einer netten Rallye mit meiner Frau als Copilotin. Davon träume ich zur Zeit!

Don Alphonso, letztens war ich...

Don Alphonso, letztens war ich doch mit meiner Frau in Wien, und irgendwie hatte ich Lust, den Alzer von meinem Vater mal wieder einzusetzen. Dieser wird ja an der Oberseite wie eine Truhe geöffnet und verfügt über eine herausnehmbaren Einsatz. Das ist wirklich ungemein praktisch im Gegensatz zu konventionellen Koffern. Vor allem auch für jemanden der zu faul ist, den Hotelschrank einzuräumen. Irgendwie schon ein schönes Ding, da kann man sagen, was man will.

0 HansMeier555 23.03.2010, 10:15 Uhr

Habe letzte Woche Straussens...

Habe letzte Woche Straussens Bocksgesang wiedergelesen. Traditionslosigkeit als zivilisatorische Untergangsgefahr! Was das damals für ein Geschrei verursacht hatte. . Heute scheint mir, der Autor hatte die Gesellschaft einfach mit dem TV-Programm verwechselt. Im Grunde ist der Text pure Fernsehkritik.

0 Doctor Snuggles 23.03.2010, 10:19 Uhr

@ Neris: der Slogan wurde,...

@ Neris: der Slogan wurde, allerdings nicht als Slogan, schon mal in diesem Artikel zu einem ähnlichen Thema verwendet: http://diepresse.com/schaufenster/mode/419424/index.do

Andererseits möche man als...

Andererseits möche man als Frau nicht unbedingt einer anderen im gleichen Kleid begegnen. Als ich vor ein paar Jahren beim Tennisturnier in Rom eine neue Gucci-Brille trug und sie an ca. 4 anderen Frauen sah, hatte ich keinen Spass mehr an ihr. Dabei hatte sie nicht mal ein sichtbares Label. Ich kaufe seitdem nur noch Sachen, die nicht extrem in Magazinen beworben werden. Es gibt genug abseits vom Mainstream. Wenn einem täglich Frauen mit Louis Vuitton Taschen begegnen, will man die nicht unbedingt auch. Im Gegenteil.

0 Doctor Snuggles 23.03.2010, 10:42 Uhr

@Neris: Hatte den von mir...

@Neris: Hatte den von mir genannten Artikel nur kurz überflogen, jetzt, beim richtigen Lesen fand ich auch das von Ihnen genannte Zitat: es ist von Max Goldt und findet sich wohl in seinem Artikel "Die Leutchen und die Mädchen" bzw. in seinem Buch "Für Nächte am offenen Fenster".

Hinzufügend; ..wie erwähnt,...

Hinzufügend; ..wie erwähnt, ich erlebe diese Geschichte mit dem Fahrrad. Da ist nicht viel Platz für den ganz grossen Luxus(in Italien).die,.die man sieht, haben immer mehr (dabei) und sehen besser aus. Um fortzufahren, man ist unsicherer als andere, will sagen , schwimmt immer ein wenig. Und dieses letzte Jahr in Neapel, >Amalfi startend habe ich bereits am ersten Tag, auf einer Beerdigung endend, Angst erlebt und jeden Tag irgendwie das Wort Mafia zu hören bekommen. Nach einigen Jahren dann erstmals beim abendlichen vertrauten Gespräch mit anwesendem carapinieri,..die waren auch täglich dabei, aber eigentlich eher nett,.also beim abendlichen Feiern wurden dann die Lebensstrukturen in der dörflichen Gemeinschaft beleuchtet und die Angst bekam ein Gesicht, sie war keine Fratze aber auch nicht abstrakt; man konnte sich schon vorstellen unter solchem Dämmerlicht(ich nenn´s ´mal so) zu leben. Italien ist für mich ein sehr grosses, schönes Land, in dem ich viel lerne und herrliche Landschaftseindrücke sammle, aber passend zu all´diesen tollen mittelalterlichen Städten, der Verstreutheit und Weitläufigkeit , haben die dort auch was `Finsteres´ behalten, mit dem man erst ´mal klar kommen muss. Ein halbes totes Rind unterm Schlafzimmerfenster(die Hunde nagen dran, wie ich morgens feststelle) oder auf der Heimfahrt säuberlich aufgebahrt ein Fuchskadaver... ..wurden bemerkt... Der kleine Steinschlag im Seitental, ich war vielleicht der erste, der daran vorbeifuhr, oder die bildhaften Beschreibungen der Bevölkerung in laquillar, Neapel , in der Molise von den eben erst stattgefundenen Katastrophen sind ein Teil des italienischen Lebens den, wir hier auf ihren Inhalt bez. nicht so kennen..>.sind eben in Deutschland ... So erlebe ich Italien und ohne Gefahr zu laufen, den Erzählstildes Verfassers zu kopieren, verweise ich auf erlebte Abende in /bei Spoleto, die ebendieses Schwelgen in Pracht und Luxus als Erinnerungsschwerpunkt entstehen liessen. Vielleicht ist es dieser Wiederspruch der die Markenaura entstehen lässt. ..etwas Angst ist immer dabei...

D.A., Verehrter, lassen wir...

D.A., Verehrter, lassen wir mal das untergegangene Bürgertum - Sie haben gezündet bei mir mit dem Hinschlenkern der Szene aus La Dolce Vita. Ein erotisches Feuerwerk. In schwarzweiss. Warum müssen sich heute in Theater und Oper die armen Darsteller fortwährend ausziehen? Weder sexy noch erotisch, nur peinlich. Sind wir spiessig? Sind die Regisseure spiessig? Alle kennen wir das aus dem heimischen Privattheater. Oder sind wir da schon wieder beim Bürgertum? Dem, das sich nicht geniert, nackt auf die Strasse zu gehen, sich jedoch Ihrer Veron eser Schuhe schämen würde?

0 dervorstadtsonichprolet 23.03.2010, 11:10 Uhr

wäre man an dieser Stelle...

wäre man an dieser Stelle etwas gehässig, würde man unter Umständen Folgendes anmerken können: Sie mögen zwar das Seufzen der Jahrzehnte hören können, was da sonst so herumstöckelt hört wohl eher das Stöhnen der noch nicht so ganz volljährigen kleinen Chinesinnen mit den geschickten (wenn auch schwieligen) Händchen. Wenn hier einige anmerken, dass eine Marke an sich als Luxussymbol nicht taugt, so möchte ich entschieden widersprechen. Der Gedanke mag noch aus einer Zeit stammen, als der Luxusmarkt noch nicht "durchgebrandet" war. Im Laufe der letzten 50 Jahre, hat das "branding" (gibts dafür nen schönes deutsches Wort?) jedoch immer weiter an Bedeutung gewonnen. Dies gilt nicht nur für Konsumgüter sondern hat auch in der Welt der Luxusgüter seine Spuren hinterlassen. Die zunehmende Konzentration und Konzernisierung und das sammeln von Marken unter dem Dach einer Hauptgesellschaft ist ja ebenfalls eine Entwicklung die sich durch alle Bereiche der bunten Warenwelt zieht. ums kurz zu machen, Luxus"marken" sind kein Widerspruch in sich, sondern spiegeln einfach nur gewisse wirtschaftliche Entwicklungen der jüngeren Vergangeheit wieder. Ein anderer Grund (um auch mal im Geiste dieses Blogs zu bleiben) wäre vieleicht das nachlassende Bewusstsein für Qualität innerhalb der besseren Kreise. "Früher" erkannte das Gegenüber in welch feinem Zwirn und Leder man gewandet war. Heute muss man es schon in großen Lettern verkünden ( oder viele kleine Symbole kartoffeldrucken)

D.A., Verehrter, lassen wir...

D.A., Verehrter, lassen wir mal das untergegangene Bürgertum - Sie haben gezündet bei mir mit dem Hinschlenkern der Szene aus La Dolce Vita. Ein erotisches Feuerwerk. Hände. Augen. Bekleidet. Schwarzweiss. Warum müssen sich heute in Theater und Oper die armen Darsteller fortwährend ausziehen? Weder sexy noch erotisch, nur peinlich. Sind wir spiessig? Sind die Regisseure spiessig? Alle kennen wir das aus dem heimischen Privattheater. Oder sind wir da schon wieder beim Bürgertum? Dem, das sich nicht geniert, nackt auf die Strasse zu gehen, sich jedoch Ihrer Veroneser Schuhe schämen würde?

Darf ein anderer Besserwisser...

Darf ein anderer Besserwisser sich ganz kurz einblenden? Es gibt zwei Lobbs. Der eine, den Mme. fionn vermutlich meint, empfängt in St. James's mehr unten, wo die Säule ist, und macht Schuhe von Hand, die in literarisch bekannten Holzboxes übergeben werden. Aber eigentlich oder am liebsten nur, wenn er sie auch schon für den Großvater gemacht hatte. In diesem Fall lagern die Leisten noch im Keller, für den Fall, dass die alte Exzellenz von Toten aufwachte. Die Kosten sind mörderisch, die Fristen ebenso. Rechnen Sie ein, zwei Jahre. Dann gibt es einen Kettenladen (fast?) gleichen Namens, einer davon sogar in der Jermyn Street um die Ecke, in dem man Schuhe kaufen kann. Ich weiß nicht, ob beide außer dem Namen etwas gemeinsam haben. Ich glaube aber, der eine heißt "John Lobb" wie ein Handwerker, der andere "Lobb's" wie ein Club; ich kann mich aber nicht mehr erinnern. Was übrigens einen der erwähnten Clubs in St. James's angeht, war die bevorzugte Stelle der älteren Mitglieder, also naturgemäß Gentlemen, ein Platz schräg neben dem Aufgang zur Library im ersten Stock, wenn die weiblichen Gäste die Treppe emporschritten. Die Clubdiener taten so, als wüssten sie das nicht. Der kurze Moment der Erregung war zuverlässig zu erwarten, denn Kaffee wird nur oben genommen. Und das ist nicht ein urban myth.

D.A., Verehrter, lassen wir...

D.A., Verehrter, lassen wir mal das Bürgertum, das orientierungslose und dessen dito Rettungsvertreter - Sie haben durch Ihren locker hingeschlenkerten Fellini-Verweis etwas in mir losgetreten. Diese Szene, Anouk Aimée, die Hände, Klamotten leicht derangiert, Feuerwerk von Erotik in schwarzweiss. Und jetzt: warum müssen sich die armen Darsteller in Theater und Oper immerzu ausziehen? Nicht mal sexy ist das, nicht shocking, immer etwas peinlich. Und langweilig ohnehin; kennt doch jeder aus seinem eigenen Privattheater...... Oder ist das schon wieder orientierungslos bürgerlich? Im übrigen hätte Fellini auch aus dem Bild einer LV-Tasche, in der eine Frau hundeartig gräbt, um das Händi oder sonstwas zu orten - die Szene kennt jeder -, ein Paradigma für Sinnlichkeit machen können.

Aber hey, den Niedergang der...

Aber hey, den Niedergang der Bourgeoisie an der von jeder Mami inflationär eingesetzten Louis-Vitton-Tasche festzumachen, das ist Kunst. . (Die Kunst ist das einzig Ernsthafte auf der Welt. Und der Künstler ist der einzige Mensch, der nie ernsthaft ist. Na, von wem stammt das wohl.)

0 donna laura 23.03.2010, 13:23 Uhr

@ Don Alphonso: ach so, sie...

@ Don Alphonso: ach so, sie meinen lv et al. als neuimplementierter orden für die weibchenwelt, dessen glanz auch auf die - in diesem fall meist - spendablen männchen zurückfällt? im sinne von: ich kaufe mir meinen orden selber? . was schon ein paar mal anklang: dies ist doch nur schnöde und selbsttäuschende selbstversicherung, dass man zumindest nicht optisch abstiege. was ja nicht ganz falsch gedacht ist: wenn ich nicht gerade mit meinem shooting brake voll toter rehe über solch eine handtasche fahre oder einen undichten chihuahua hineinstopfe, hält die doch ewig. allerdings könnten von zeit zu zeit modellwechsel angesagt sein. . ach mawu, was trauere ich noch dem sovereign mit langem radstand meiner mutter hinterher. irgendein idiot hat den totrepariert. dabei hat mir das britische elend des nichtimmerzuverlässigstartens sehr gut gefallen. und besonders das sanfte und geräuschlose über die autobahn gleiten. ach. ach! . wobei auch zu bedenken gilt: bei automobilen steht auch meistens drauf, was drin ist. bei mercedes sogar - kompressor! toll!

In Italien ist die...

In Italien ist die Geschmacklosigkeit noch geschmackvoll, während es in Deutschland umgekehrt ist. Und am Schlimmsten sind die, die die bessren Italiener sein wollen. Lächerliche Vergeblichkeit.

@mrs. mop,...

@mrs. mop, hansmeier555 müllsäcke, immer nur müllsäcke: http://www.luxuo.com/fashion/louis-vuitton-counterfeited-fashion-brand.html (das cherry-blossom-schnellfeuergewehr ist ganz herzallerliebst.)

0 benjamin walter 23.03.2010, 16:01 Uhr

Was einen hier doch irritiert,...

Was einen hier doch irritiert, ist der etwas freihaendige Umgang mit dem Begriff "Buergertum", der dieses blog seit jeher umweht. Historisch gesehen handelt es sich bei Buergertum doch um eine Sozialformation, die der historischen Tiefe (auch Stammbaum genannt), dem Reichtum und der Repraesentationskraft des Adels einen gaenzlich unrepraesentativen Bildungs- und Leistungsbegriff entgegensetzt. Wenn in Asien produzierte Taschen, die nun beileibe nichts Exklusives mehr an sich haben (nicht weil sie billig waeren, sondern weil sie an jeder Ecke zu bekommen sind und eben kein knappes Gut darstellen), tatsaechlich eine derart prominente Repraesentationskraft entwickelt haben sollten, dann deutet dies eher auf vollendeten Warenfetischismus in der Massenkonsumgesellschaft hin. Die schrumpfenden Restbestaende des historischen Buergertums (das ich auch eher in den Hansestaedten ) zuckt darob die Achseln und zieht sich in seine Kontore zurueck oder foerdert mittels einer Familienstiftung den oertlichen Kunstverein.

Don Alphonso 07.49h ...

Don Alphonso 07.49h Lobb >>Aber wo sollen da die Vorteile sein?

Ich bin ein bisschen amüsiert...

Ich bin ein bisschen amüsiert über die angestrengten Versuche von Oberschichtgebaren der fleißigen Leser von Asserate, Roetzel und vielleicht auch noch Vogue. Authentisch wäre spannender. Mancher übersieht dabei das ein oder andere: eine Tradition, von der Sie, Don Alphonso, sprechen, bezieht sich wahrscheinlich nicht auf die fünf oder zehn Jahre, in denen sich Mitglieder von Unter- und Mittelschicht an Taschen der im Text nicht genannten Marke oder meinetwegen auch von Longchamp erfreuen. Kate Middleton, die Tochter ehemaliger Flugbegleiter, hat vermutlich eine, die Tochter unserer Haushälterin hat auch eine, und wenn schon. Die besagten Monogrammtaschen meiner Großmutter, dem höchst kultivierten Produkt von 250 Jahren französischer grande bourgeoisie, wurden wohl irgendwann zwischen den 1960ern und 90ern gekauft, die ein oder andere haben meine Schwestern und ich übernommen. Auch wenn sämtliche Putzfrauen und kleinere Angestellte diese Taschen tragen würden, meine Oma würde doch nicht eine Sekunde mit ihnen verwechselt. Deswegen ist es vollkommen egal, wer solche Taschen oder ihre Fälschungen sonst noch tragen könnte. Was das Logo betrifft: es gibt solche, die so konstant präsent sind, dass ihnen das Demonstrative ziemlich abgeht. Meine Großmutter würde nicht mit blinkenden Gucci-Gs herumlaufen, aber zwei Buchstaben in einem Muster, dass sie schon ihr ganzes Leben kennt? Nimmt man die überhaupt über ein inneres Nicken hinaus zur Kenntnis? Zum Schluss: Bottega Veneta käme ihr kaum an den Unterarm, aus einem Grund: Den Gegenwert eines Kleinwagens in eine Handtasche zu investieren gehört nicht zu der Art von Exzentrik, die sie noch irgendwie elegant finden könnte (von dieser Regel scheint Hermès rätselhafterweise ausgenommen zu sein). Wenn man solche und größere Summen ausgibt, dann ist das Erworbene deutlich kleiner als eine Tasche, kommt in Lederschachteln und glitzert sehr hübsch und der Anlass ist vermutlich irgendein Jahrestag, zusammen mit dem schlechten Gewissen unseres übermütigen Großvaters.

am ende werden geist und...

am ende werden geist und herzensbildung jede richtige oder falsche tasche als distinktionsmerkmal überstrahlen. (hoffe ich mal)

0 donalphonso 23.03.2010, 20:33 Uhr

Ich bin zurück aus Parma und...

Ich bin zurück aus Parma und muss mch für die fehlende Freischaltung entschuldigen, aber jetzt geht es wieder.

0 HansMeier555 23.03.2010, 20:39 Uhr

Diese Taschen sind in Italien...

Diese Taschen sind in Italien womöglich das, was in den 50ern bei Männern der uniforme Aufzug mit Anzug-mit-Hut-undKrawatte war: Ein Bekenntnis zur eigenen Verpflichtung, "bürgerliche" Umgangsformen zu wahren. Auch wenn Hut, Mantel und Anzug noch so alt oder billig waren. Auf einem unscharfen Schwarzweißfoto kann man das ja gar nicht sehen. Es geht nicht um Exklusivität, sondern um Inklusion. Ich gehöre zur Mittelschicht und fahre immerhin einen Golf (und keinen Seat oder Hyundai).

0 malaparte 23.03.2010, 20:54 Uhr

>in Verona ein Laden, der Lobb...

>in Verona ein Laden, der Lobb führt. Dort schaue ich ins Schaufenster, auf meine >Schuhe, dann wieder ins Schaufenster und sage mir: Kann man auch machen. Kurze Anmerkung: Sie haben sicher die Schuhe des Hermes-Konzern in Italien gesehen (schön aber nicht preiswert), die echten Londoner Lobbs sind Maßschuhe aus London und stets Einzelfertigungen. Warum hacken hier soviele auf echten oder gefälschten Handtaschen und -koffern rum? Die RUCKSACK-Epidemie ist das größere Übel. Selbst Männer im Anzug und Damen im Mantel schleppen ihren Mist mittlerweile auf dem Rücken rum. Eine LV-Handtasche ist dagegen eine stilistische Wohltat.

0 donna laura 23.03.2010, 20:55 Uhr

@ HansMeier555: gut...

@ HansMeier555: gut beobachtet!

0 HansMeier555 23.03.2010, 21:32 Uhr

Transportprobleme sind mir...

Transportprobleme sind mir auch unbekannt. Jedenfalls im Winter. In meinen Lodenmaenteln ist immer irgendwo die Naht in der Tasche gerissen, so daß man in den Zwischenraum einen halben Hausrat reinschieben kann: Handschuhe, Stadtpläne, Reisepässe, Taschentücher, Fotoapparate, Taschenbücher, CDs etc. Sehr praktisch!

vroni (23. März 2010, 13:57),...

vroni (23. März 2010, 13:57), darf ich tippen? 1. Andy Warhol 2. Jupp Beuys . Prioritaet hat Warhol.

0 benjamin walter 24.03.2010, 02:42 Uhr

Lieber Hans Meier, ich...

Lieber Hans Meier, ich schaetze ihre Kommentare und stimme Ihnen zu, dass Buergertum - historisch - per definitionem inklusiv ist. Aber eben doch nur per definitionem und als Ideologie. Buerger ist, wer die buergerlichen Kriterien erfuellt. Ich finde das zuallererst langweilig, weitere Vorbehalte auf Anfrage.

0 HansMeier555 24.03.2010, 05:54 Uhr

Lieber Herr Walter, nur die...

Lieber Herr Walter, nur die Refeudalisierung waere eine Loesung. Wir brauchen eine sieghafte Aristokratie. Das sage ich ja seit Jahr und Tag. Buergertum, pfffzt.

Doctor Snuggles (11:19 u....

Doctor Snuggles (11:19 u. 11:42), danke für den Hinweis. Ja, von Max Goldt, zumindest über Umwege, könnte ich es aufgeschnappt haben. Ich kann das Bedürfnis, sich mit Markennamen o. Ä. zu beschriften, nicht nachvollziehen, aber wer's mag... Offenbar verkauft es sich. "Erstaunlich", wie es in einem Text aus Goldts QQ heißt. ;)

Don, (23. März 2010, 08:47)...

Don, (23. März 2010, 08:47) Sie kennen vielleicht die Szene aus dem "Leben des Brian": "Ihr seid alle Individuen!" - "Wir sind alle Individuen." ;)

Sehr geehrter Herr Don Alfonso...

Sehr geehrter Herr Don Alfonso Gonzaga.. Sie im Abendkleid machen bestimmt etwas her, aber im Ernst.. Ich glaube, dass sie das Phänomen überschätzen; nicht weil Louis Vitton sein Revival und zig Billionen an Renminbis diesem Phänomen zu verdanken hat.. Die Mode der Louis Vitton Taschen, so kann ich mich erinnern, hob zeitgleich mit den neuen Finanzvehikeln ab, von deren Existenz wir nun alle wissen. Louis Vitton Subprime Taschen sind deshalb für mich nichts anderes als es die Daguerrotypien waren; irgendwann kann es sich jeder leisten; heutzutage kostet das Foto schon wieder gar nichts mehr.. Louis Vitton`s Platz in der Geschichte als das Accessoire für modebewusste Damen wird ja auch mittlerweile von verschiedensten Typen von Taschen kontestiert, Chloe oder Dior oder welche auch immer.. (die, die die kennen, wissen welche ich meine) Nicht umsonst vermarktet es LV mit ungemeiner Wucht an gemeine Leute.. Im Bel paese sind solche Moden sichtbarer, weil sie, wie Sie richtig meinen, expressiver mit modischen Elementen umgehen. Auch haben Sie natürlich recht, wenn Sie das riesige Heer der Besitzlosen in guter Werbermanier in unterschiedliche Segmente unterteilen. Trotzdem, "Luxus"güter sind Konsumgüter.. Anders verhält es sich mit zeitlosen Genüssen, wie sein Sommerhaus mit Frescen holländischer Maler zu schmücken. Oder aber ein pranzo in der Cantina Canossa. Kann mich an die Pizzen dort erinnern.. Wahrer Luxus!

Louis Vuitton tragen Leute,...

Louis Vuitton tragen Leute, welche keinen Schimmer von Understatement, gutem Geschmack und Stil haben. Mit einem Wort: Neureiche.

0 MarkusvonBentheim-Burg 27.03.2010, 13:09 Uhr

Werter Don, hier muss ich es...

Werter Don, hier muss ich es mit Ihrer sonst verbreiteten These halten: Nur alt ist gut. Die schönen alten Überseekoffer, selbst mit fremdem Monogram, tragen jede Menge Geschichten und Geschichte mit sich herum. Die großen alten Schiffsreisen, die weiten und langen Bahnreisen oder die berühmten Flusskreuzfahrten, nie ohne LV Koffer. Ebenso unverwerflich sind die Spezialanfertigungen, die bei Paris von Herrn Vuitton persönlich gefertigt werden. Anders verhält es sich mit fast jeglicher Handtasche, inklusive der limitierten Editionen, das ist alles furchtbar... Beste Grüße aus der schönsten Stadt der Welt MvB-B

Ach Luxusmarken! Ich gönne...

Ach Luxusmarken! Ich gönne mir nur einen Montblanc 146. Und eine alte, lange nicht mehr gewachste Barbourjacke, halb zerrissen, mit zu kurzen Ärmeln. Ich finde sie zu schwer, ich schwitze immer in ihr, aber sie erinnert mich an früher. (aber Barbour ist natürlich keine "Luxusmarke").

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.