Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

12-Töner und andere sinnlose Abschottungen

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Kultur würden vielen sehr viel weniger Spass machen, wenn sie allen gleich viel Spass machen würde. Wo bliebe dann die Distinktion, würde sich mancher sagen, wo wäre meine Überlegenheit, wie könnte ich mich absetzen - allein die Vorstellung ist so entsetzlich, dass man sogleich ein Abo für das Parkett der Oper abschliesst und sich die Meinung der Modefeuilletonisten stichpunktartig für die Pause aufschreibt. Dabei will das alles doch niemand haben. Die Eliten quälen sich, die anderen schalten die Glotze ein. Man kann Kultur ganz einfach wieder geniessen.

Jede Art der Musik ist gut, ausser der Musik der langweiligen Art.
Gioacchino Rossini

Geschichten besserer Kreise kann man so oder so erzählen.

Die einen präferieren die Familiengeschichte in der Tradition legitimationssüchtiger Adliger als generationenübergreifendes Ringen bis zu der Spitze, an die sie gelangt sind. Das sind nicht selten die Neureichen, die glauben, sich mit Leistung beweisen zu müssen. Die anderen sitzen zwar im ehemaligen Jesuitenkolleg, vor dem sich die gaffenden Touristen stauen, auf dem Sarough aus der Zeit um 1900 und unter Stuck und Kronleuchtern auch in Bad und Küche, aber das ist alles nur Zufall, denn wenn der alt’Uhlmann 1848er ein anderes Haus… und wenn die Stadt es der Oma doch abgedrückt… und dass man für eine Zeitung und nicht für Werbegazetten wie die W*lt schreibt… und dass unten im Haus ein Laden ist, der High End Audio und nicht gebrauchte Mobiltelefone vertreibt… die Kronleuchter blieben aus der Berliner Zeit übrig und der Sarough ist von der alten Frau H., ja, es sieht alles schon ziemlich nicht ganz schlecht aus, aber das ist alles nur Zufall, die meisten anderen Familien haben ihre Anwesen in der Altstadt verkauft, bei der Zeitung hat man sich auch nicht beworben, es ist mit einem passsiert, gewissermassen sass man zufällig am richtigen Fleck und das Schicksal hat einen darunter hochgeschichtet. Warum? Wer weiss.

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Meine Freunde wissen es auch nicht, und ganz ehrlich: Dass ich mir überhaupt solche Gedanken über das Warum meiner Existenz mache, hat erst in dem Moment angefangen, als ich den Vorschlag machte, hier dieses Blog zu schreiben. Davor habe ich das alles genauso desinteressiert als gegeben hingenommen, wie es meine Freunde immer noch tun. Die verstehen auch nicht, warum man das schreiben oder gar lesen sollte. Wenn ich über der Kürbistarte anfange, von meiner Tätigkeit zu erzählen, kommt unweigerlich nach ein, zwei Minuten eine den Wunsch nach besserer Unterhaltung signalisierende Frage wie: Hat Dein Musikalienhändler im Haus nicht wieder ein paar neue CDs bekommen? Hat er stets. In Wochenfrist kommt immer etwas Neues an. Also ziehen wir um und gehen in das Zimmer, in dem die Anlage steht. Baroque in Hannover heisst die neue CD, Hofmusik aus der Zeit um 1700. Übrigens, ertönt es später thematisch durchaus passend in einer kleinen Pause zwischen den Tracks von der musikalisch sehr bewanderten I., hat jemand von euch Lust, in die Oper zu gehen? Ich hätte noch zwei Karten für das Wochenende, meine Eltern können nicht mit.

Man kennt das. Solche Fragen wurden früher immer gestellt, wenn dem Konzertverein etwas Ungewöhnliches eingefallen ist. Schlagzeugerehrungen. Stücke, die Dirigent selbst auch geschrieben hat. Musik des 20. Jahrhunderts noch vor der Pause, so dass man nicht entfleuchen kann. Das waren die Konzerte, bei denen dann die Kinder ihre weniger hochkulturnahen Freunde einladen durften. Die Eltern brachten einen auch hin und holten einen wieder ab, und sassen derweilen im Schlosskeller. Und wussten wieder, dass die pubertierenden Monster auch ihr Gutes haben konnten: Weil mit ihnen nicht die Stühle leer blieben und es weniger offensichtlich war, dass sie solchen Darbietungen nicht überragend viel abgewinnen konnten. Ehrlich gesagt war es dann stets so, dass nur die Musiklehrer, die 110-prozentigen und nahe Bekannte des Veranstalters den Künstlern den Eindruck zu vermitteln suchten, dass diese Stadt und ihre Elite natürlich auch 12-Tonmusik zu schätzen weiss, und sich dem Neuen nicht verschliesst. Nachdem aber viele Freunde nach einigen schlimmen Erfahrungen wussten, was Freikarten bedeuteten, waren sie nicht mehr dafür zu gewinnen. Nur wer Glück hatte, fand duerhaft Platzhalter für den festen Platz im Parkett. Wer weniger Glück hatte, musste auch nichts befürchten: Zu viele kamen nicht, als dass es irgendwie aufgefallen wäre.

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Lass mich raten, die übliche Bedrängniss mit Alban Bergs Wozzek steht an, wäre an dieser Stelle eine unhöfliche Antwort für der I. Anliegen gewesen; eine Antwort, die ausserdem auch noch eine durch nichts zu rechtfertigende Unterstellung wäre: Nein, die Karten sind für Leos Janaceks Oper Janufa. Ich muss sogleich bei meiner Mutter die Pflanzen in den Keller tragen, A. muss unbediungt die Steuer machen, S.und der R. treffen sich leider schon mit Freunden, und so scheint es, die I. würde sich allein und verlassen das durchkomponierte Drama um Kindesmord, Schuld, Beziehungsstress und Klangwolken quälen müssen. E no gloria senza pene, ne placer senza dolore, erklingt über das Elend der im Stich gelassenen Operngängerin Händels angenehme Kantate. Janacek, denken wir alle insgeheim, das ist der Höllenkreis vor Albans Berg der Zahnschmerzen, dahinter kommt der Mann mit dem unpassenden Namen Schönberg, und es ist noch so weit bis zu den Fegefeuern von Shostakovitch. Die Ärmste. Willst Du nicht auch mitkommen, fragt die S. nun im Gegenzug die dem Janacek anheimfallende I., der P. ist auch da, der würde sich so freuen, dich wieder zu sehen. Die I. blüht auf und hat nicht einmal den Restanstand, sich auch nur eine Minute zu zieren und zu sagen, dass sie ja dann den Janacek und dessen epochales Werk Janufa aufgeben müsste.

Denn, seien wir ehrlich: Wir geniessen Janacek nicht wirklich. Oper und so vieles der „Ernsten Musik“ rannte spätestens ab Wagner weg vom Vergnügen in eine Sackgasse, man wurde akademisch und verachtete diesen volkstauglichen Italiener Verdi, dessen Chöre bald auf der Strasse gesungen wurden – versuchen Sie das mal mit einem Wesendoncklied oder dem Siegfriedidyll – man wollte weg von den Sudeleien eines Rossini hin zur Erhöhung, zur Musik, die nicht mehr jeder einfach so verstehen konnte, Musik für gehobene Ansprüche, Nasen und Augenbrauen, Musik für Sager wie: „Wie wir ja alle wissen“, „Der Komponist betont doch selbst in seinem Brief an die Sängerin“, „Unzweifelhaft ist dieses Werk unzweifelhaft“, und was an Bildungshuberei den Opernführerauswendiglernern sonst noch einfällt, um ihre kulturelle Überlegenheit zu beweisen. Nur Verzückung bei Josef Rufer beweist allen, dass man empfindet und versteht und mitreden kann. Wer es erduldet, kann sich wenigstens gewiss sein, sich jetzt mal ordentlich von den Unterschichten distanziert zu haben, deren kultureller Horizont irgendwo bei der Aida in Verona beim Gardaseeurlaub aufhört. Sehr bürgerlich, diese Haltung. Auch: Sehr deutsch.

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Und sehr überflüssig. Es mag sein, dass man sich in Zeiten, da niedere Schichten und Hungerleider auf die Stehplätze der Opernhäuser drängten, sich etwas von ihnen beengt fühlte. Es mag sein, dass man deren Desinteresse an Kleidern in der Pause als störend empfand, und ihnen nur ungern Kunstverstand zumass. Da war natürlich eine Musik, die geistig anstrengte und für viele nicht mehr einfach zu verstehen war, eine feine Sache: Oper für die Gebildeten, Vaudeville für den Rest. Es ist kein Spass mehr, es ist ein Joch, unter dem man sich zu beugen hat, man muss über Stunden und Stunden in einem Saal mit vielen alten, entsetzlich überparfümierten Menschen schlechte Luft und noch schlechtere Musik zu sich nehmen, die ein Judenhasser namens Wagner zu kürzen nicht in der Lage war, aber man nennt es Festspiele auf dem Grünen Hügel, und alle Politiker kneifen die Lippen zusammen und stehen das irgendwie durch, auch wenn sie jetzt lieber Leberkäse und ein Bier aus der Dose hätten. Hauptsache, die Welt erkennt, dass sie das richtige Kulturverständnis haben.

Aber wozu? Auf der einen Seite hat sich die Kultur der Eliten so weit vom allgemein Verständlichen entfernt, dass auch die Eliten selbst kaum mehr mitkommen, und sich ein ganzes System von Kulturerklärern halten müssen, die ihnen sagen, was sie wovon zu halten haben. Und auf der anderen Seite streben die Unterschichten schon lange nicht mehr nach Erkenntnis oder Angleichung an die Eliten. Sie haben ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche, und sie sind ein Markt, der von den Massenmedien mit grosser Fürsorglichkeit bedient wird. Die Opernhäuser würden nicht voller werden, wenn man den Don Giovanni wieder spanische Tracht tragen liesse, wenn man dem 20. Jahrhundert ein Jahrhundert Zeit liesse, sich dem Urteil der Geschichte etwas weniger auf der Bühne zu stellen, und wenn man sich vom Zwang befreien könnte, mit der Regie auf alte Stücke neue Deutungsebenen aufzupfropfen, mit denen man vielleicht den Kritikern imponiert, aber den Zuschauern den Abend versaut. So oder so sind wir allein. Die anderen wollen gar nicht mehr. Die haben etwas Besseres gefunden.

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Natürlich muss man deren Einschaltquote deshalb nicht mögen. Es ist aber auch eine Ausschaltquote, sie wenden sich nicht nur anderen Dingen zu, sondern von den Eliten ab. Mehr kann man in einer liberalen Demokratie nicht erwarten. Man könnte also wieder anfangen, alte Musik zu geniessen, statt neuere Bildungsansprüche zu ertragen – Bildunngsansprüche, die, da machen wir uns bitte keine Illusion, von Leuten hochgenast werden, die uns bislang nicht vorgestellt wurden. Leute, die man sich so hält, wie man sich auch zwei, dreimal in der Saison zwingt, dieses 20. Jahrhundert durchzustehen. Leute, die von den Bemühungen berichten, ganz oben im Reich der Kultur anzukommen, sich dort mit ihrer Deutungshoheit an der Spitze wähnen, aber nicht ganz begriffen haben, dass so ein Friseurbesuch auch mal wieder nötig wäre. Neureiche der Bildung. Wir dagegen liegen auf den Sofas bei Wein und Mandelgebäck aus Mantua, hören Musik unter den Kronleuchtern, plaudern, brauchen uns nicht belehren zu lassen, weil die Musik für sich selber spricht, und es ist, wie es eben so ist: Angenehm. Darum. Wir wissen.

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243 Lesermeinungen

  1. Es ist kein Spass mehr, es ist...
    Es ist kein Spass mehr, es ist ein Joch, unter dem man sich zu beugen hat, man muss über Stunden und Stunden in einem Saal mit vielen alten, entsetzlich überparfümierten Menschen schlechte Luft und noch schlechtere Musik zu sich nehmen, die ein Judenhasser namens Wagner zu kürzen nicht in der Lage war, aber man nennt es Festspiele auf dem Grünen Hügel, und alle Politiker kneifen die Lippen zusammen und stehen das irgendwie durch, auch wenn sie jetzt lieber Leberkäse und ein Bier aus der Dose hätten. Hauptsache, die Welt erkennt, dass sie das richtige Kulturverständnis haben.
    Sehr gut formuliert, gut gelacht.
    Das Gleiche gilt übrigens auch für moderne Architektur und vieles in der modernen visuellen Kunst.

  2. Das ist die Musik, die das...
    Das ist die Musik, die das B-tum sich zu geben vermochte: Beh-Musik und Buh-Musik. Donaueschingen hie und Dieter Bohlen da.
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    Es wird höchste Zeit, dass die wirklichen Eliten wie etwa der Vorstand der Deutschen BAnk AG auch in dieser Hinsicht ihre soziale Verantwortung erkennen und in diese Lücke hineinstossen. Und dann halt mal in Eigenregie ein Opernhaus betreiben. Und, ganz wichtig, auch die künstlerische Ober-Oberhoheit fest in der Hand behalten und straff ausüben: Also nix mit „autonomem Künstlertum“, sondern mit dem Vorstandsvorsitzenden in der Rolle als Intendanten. Angeheuert werden die besten Komponisten, Sänger, Tänzer und Regisseure — aber die Gesamtverantwortung lastet dem Oberboss auf den Schultern, kein autonomer Kuratorenblock kann sie abnehmen.
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    Sein Ehrgeiz hätte dann bitte schön darin zu bestehen dass die Gäste von Rang und Geschmack ihn persönlich um Eintrittskarten bitten werden — nicht aus Höflichkeit, sondern weil die Darbietung, die nicht für alle zugänglich sein wird, so unwiderstehlich ist. Weil es nicht nur ein Privileg, sondern auch ein echtes Vergnügen sein wird, dabeisein zu dürfen.
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    Natürlich ist nur wünschenswert, dass der Vorstand auch auf die inhaltliche und ideologische Ausrichtung des Programms maximalen Einfluss nimmt, so ähnlich wie der Vierzehnte im Siebzehnten. Das ist nämlich gar nicht so einfach, wenn man sich dabei nicht blamieren will und sich nicht hinter der läppischen Bemerkung verstecken darf, das sei doch alles nur Radiowerbung. Es dauert ja immerhin mindestens 2,5 Stunden.
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    Nein, die Oper müsste so sein, dass der Zuschauer fühlt: Mit dieser Oper will die Bank auch sich selbst und ihren Platz im Weltganzen darstellen und ihre Herrschaft legitimieren. Und die Berechtigung dieser Sichtweise nicht mehr ganz und gar von der Hand weisen kann.

  3. gelungener, schöner komentar...
    gelungener, schöner komentar des kulturbetriebs…. in versform bei wilhelm buschs maler kleksel im vorspann ebenfalls treffend beschrieben.
    musik macht manchmal müde und kostet mühen, lässt einen aber immer ahnen, das dem menschsein etwas göttliches beiwohnen kann….
    tip: fred friths perfekte musik und videosequenz
    http://www.youtube.com/watch?v=wenLSXETmCQ

  4. Man hört heute Jazz....
    Man hört heute Jazz.

  5. Ich setze mich der Gefahr aus,...
    Ich setze mich der Gefahr aus, als hochnäsiger Bildungsprotz angesehen zu werden, aber das muss ich riskieren: der Eros der Aufklärung wallt eben mächtig durch mein Blut, da müssen kleinliche Bedenken hinsichtlich meiner Reputation zurückstehen! Don Alphonso, sie haben wie so oft in vielem Recht, gleiten aber auch über widerborstige Details hinweg, die eines näheren Blicks würdig wären: heute die Sakralisierung Wagners im Polit- und Kulturbetrieb.
    Ich möchte an die unglaubliche Wagnerbegeisterung in Frankreich um 1870 erinnern, die vor allem Charles Baudelaire losgetreten hat, ein Mann durchaus elitären, wenn auch nicht bürgerlich-elitären Denkens. Wagner rauschte dann aber durch alle Schichten: in jeder Bierbude wurden Adaptionen des Wagner-Sounds gespielt, die Avantgarde-Musik wandelte sich zum „Oans, zwoa, gsuffa!“, verpflanzt in die Hauptstadt der Welt, von dort die Ausbreitung in die Provinz. Wagner schuf also durchaus eine Art schichtenübergreifende Kaufhausmusik, der Lemontree (kein Franzos, sonder das Lied „Lemon Tree“) des 19. Jahrhunderts. Dagegen erscheint Verdi geradezu als Geheimtipp. Wagners Werk ging den Weg vom Elitarismus über Megapopularität zur gehobenen Kulturspielerei. Die „Veredelung“ des Revolutionärs und seiner in mancher Hinsicht fragwürdigen Kunst fand in Deutschland statt: Von Ludwig II. über Hitler zu Merkel, politische Weihwässerchen wurden und werden reichlich über ihm versprüht.

  6. Grade dieser Beitrag hätte...
    Grade dieser Beitrag hätte doch eine Begleitmusik verdient gehabt.
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    Neue Musik – die anspruchsvollste Form der Freiheitsberaubung.

  7. Was Musik betrifft bin ich...
    Was Musik betrifft bin ich keine Intellektuelle / „highbrow“.
    Sind Brian Ferry und Stan Ridgeway immer noch aktuell and top of the pops?
    Bei mir schon.

  8. Kunst kommt von Können,...
    Kunst kommt von Können, lautet ein Standardspruch – sehr wahr. Mozart und Händel fallen dem Ohr nicht nur leicht, weil sie leicht sind, sondern auch, weil wir es gewohnt sind, das dudelt ja in jedem Bekleidungsgeschäft tagaus tagein. Würden wir genauso viel Janacek hören wie Mozart – die Klangwelt erschlösse sich uns eher.
    Freude an anderen Harmonien und Tonalitäten fliegt nicht von selbst zu, es ist eine Frage der Gewöhnung, fast könnte man sagen: Konditionierung. Und auch des Bemühens. Mozart wie Janacek wollten mit ihrer Musik durchaus gestalten und etwas vermitteln – diesen Anspruch einfach zu ignorieren und die Kunst zur Begleitmusik, zum Konsum herabzuwürdigen, wird ihr nicht gerecht.
    Janaceks Streichquartette höre ich übrigens durchaus auch abends bei einem Glas Wein. Aber ich bin ja auch nicht Westviertel.
    Rondo Veneziano ist übrigens auch sehr hübsch, und sehr eingängig. Und schöne Kostüme haben sie auch an!

  9. Ich kann mich noch dunkel an...
    Ich kann mich noch dunkel an die Konzertabende in der Kölner Musikhochschule in den 80er Jahren erinnern, von Dozenten und Studenten veranstaltet: Bei den Klavierabenden regelmäßig Lichtblicke von jungen Pianisten und -innen, lebendig, virtuos, charismatisch. Dann der Examenskandidat, dessen Spezialgebiet Schönberg war: Wir wussten nicht, ob das Stück langweilig war, oder ob nur der Vortragende so gelangweilt vortrug. Ist das Stück jetzt zuende, soll ich applaudieren, oder ist der Pianist eingenickt? Er schien ohnehin viel weiter über den Dingen zu stehen als seine Kommilitonen; Applaus wurde mit einem gequälten Grinsen und hochgezogener Augenbraue ertragen.
    Ein Abend der Kompositionsklasse, die Stücke von den Studenten selber komponiert und vorgetragen: Es war so etwas wie „Fantasie für Streichquartett und zwei Kurzwellenradios“, und der Gesichtsausdruck der Studenten schien zu sagen: „Jaaa, das versteht ihr nicht, aber unser Prof sagt, so muss man das machen.“
    Fazit nach 30 Jahren Musikhören: J.S. Bach, Charlie Parker und Osvaldo Pugliese gehen mir unter die Haut, Schönberg und Stockhausen eher am A.. vorbei.

  10. Auch ein schönes Motto: "Die...
    Auch ein schönes Motto: „Die einzige Gattung, die ich aus unserer Litteratur verbannt zu sehen wünsche, ist – die langweilige.“ (Christoph Martin Wieland)

  11. Alles gesagt: Ich schließe...
    Alles gesagt: Ich schließe mich an. Wenngleich ich sagen muss, dass alles, was auf „… in Hannover“ endet, mich nicht gerade magisch anzieht. Gäbe es vielleicht eine kleine Hörprobe? Auf youtube habe ich nichts gefunden.
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    HansMeier, in Ffm. ist das schon lange Realität:
    http://www.oper-frankfurt.de/de/page25.cfm
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    Zurzeit habe ich gar keine Lust auf Klassik. Lieber ein paar Tunes aus Nordafrika.

  12. Saß mal mit einem Freund in...
    Saß mal mit einem Freund in einer Aufführung für Bassklarinette. Das Stück sollte das Klangspektrum dieses Instrumentes möglichst komplett demonstrieren. Dazu gehörten Klappern, Hauchen, Gegen-Den-Notenständer-Schlagen etc. Melodie: Nebensache. Rhythmus: zu trivial.
    Musste mich mittendrin ausschnupfen. Zu meinem Schnauben meinte der Freund: „Diese Stelle gefiel mir bisher am besten.“

  13. muscat, das ist noch gar...
    muscat, das ist noch gar nichts. In Berlin hat die Deutsche Bank vor ein paar Jahren die Dreigroschenoper gesponsert. Da saßen die Herren dann in der ersten Reihe, haben sich den bekannten Satz von der Gründung einer Bank angehört und waren sehr amüsiert.

  14. Die Kakophonie ist m.E. ein...
    Die Kakophonie ist m.E. ein Protest, eine subtile artikulierte Aufforderung der zwar materiell fortbestehenden, aber geistig und ästhetisch verwaisten ehemaligen Hofkapellen zur Wiederherstellung feudaler Verhältnisse.
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    Es fehlt der Auftraggeber. Das heute herrschende Bürgertum braucht keine Kunst und fragt sie nicht nach.

  15. Chapeau, gut getroffen werter...
    Chapeau, gut getroffen werter Don.
    Erlauben Sie mir noch einen Vergleich: Das was für die besseren Kreise die Stockhausens sind (bei mir fängt es schon mit Bartok an…), ist bei der noch ungestümen Jugend die sog. „Hausmusik“ (auf Deutschlisch auch der als „House“ bezeichnete Stil- wenn man das so nennen darf)- eine Art „Techno“.
    Beide haben gemeinsam, sie sind Folter für die Ohren (und Nerven). Merkt man besonders, wenn ein durch regelmäßige Discobesuche „gestählter“ Heranwachsender in der Bahn in der Nähe sitzt, und seine Gehörgänge vom MP3 Spieler in entsprechender Lautstärke massieren läßt.
    Selbst die für unsere Ohren etwas gewöhnungsbedürftigen Klänge einer Shamisen (gerne auch mit Geisha- Gesang) klingen da wohltuhender. Immerhin eignen die sich ggf. auch für die akustische Berieselung in einem japanischen Kaufhaus, Mozart auch, Stockhausen oder die o.g. „Hausmusik“ nicht.

  16. @HansMeier555: ich stelle mit...
    @HansMeier555: ich stelle mit Vergnügen fest, daß Sie sich in Ihrem neuen Amt als „Minister für kulturelle Angelegenheiten“ zu bewähren scheinen…Weiter so!

  17. Alles gesagt, nun ja, gerade...
    Alles gesagt, nun ja, gerade was Kunst angeht: Ich war vor vier Wochen in der Pinakotheca von Siena, und dort hängt Duccios Madonna neben vielen anderen, weniger bedeutenden Ikonen der Zeit. Der Unterschied ist ziemlich deutlich, hier beginnt die abendländische Tafelmalerei, eigenständig zu sein – und die Besucher, die ohnehin schon zu den Gebildeteren gehören, rennen unterschiedslos daran vorbei. Es liegt also nicht nur an der Kunst.
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    HansMeier555, nette Idee, aber wäre dann der Erfolg der zwangsbegeisterten Wesire und Eunuchen der Bank, wenn der Banksultan auf der Bühne steht, nicht ein wenig zu gewiss? Ich kenne das im Übrigen in dieser Stadt von einer Konzertreihe, die vom hiesigen Weltmarktführer bezahlt wird: Da dürfen vor allem die eigenen Mitarbeiter die Karten mitnehmen, und damit ist der Jubel garantiert, egal was aufgeführt wird.

  18. azam21, nun, Rossini hat das...
    azam21, nun, Rossini hat das mal – in Bezug auf wagner – so formuliert: Dessen Musik bestünde aus grossartigen Augenblicken und entsetzlichen Viertelstunden.
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    yast2000, da gibt es eine gewisse Gruppe, die es tut, aber die Leute, die ab 10000 Euro für eine Anlage ausgeben, bevorzugen grösstenteils klassische Musik, sagt mein Musikalienhändler.

  19. Matthias Mersch, nun, in...
    Matthias Mersch, nun, in gewisser Weise bin ich froh, dass dies hier kein Musikblkog ist, denn müsste ich hier meine ehrliche Meinung zu Wagner und den Folgen niederschreiben, also wirklich ehrlich – dann würde es vermutlich Drohungen mit gekündigten Abos geben, und zwar im Gallusviertel und nicht, wo es sein sollte, in der bayerischen Staatsoper. However, auch ich habe mir das dort angetan, einfach um mir die Leut anszuschauen. Wagnerpublikum ist so anders als das Publikum von Rossini, Verdi oder Händel. Ein ganz besonderer Genuss. Äh ja.
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    HansMeier555, den Link zur CD habe ich nachgetragen.

  20. @Don
    Echt, die machen so was?...

    @Don
    Echt, die machen so was? Mit einer gesunden Dosis freiwlligen Zwanges? Das finde ich grossartig und würde es nach kräften fördern. Genau so stelle ich mir das vor.
    Erst recht, wenn man es, wie ihr Weltmarktführer, schon im Namen trägt.
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    Aber das wäre nur der Anfang. Der Ehrgeiz müsste schon sein, Kunst zu produzieren, die nicht nur für das Produkt und seine Urheber, sondern nebenbei auch so zwingend für sich selbst spricht, dass die übrige Menschheit einfach nicht dran vorbeigehen kann.
    Die RKK hat das immer gekonnt. So dass noch heute die kirchenfernen Töchterlein von Alt-68ern diese von ihnen abgelehnten Texte wiederum ihren Kindern beibringen müssen — weil die Musik nun mal für eine tridentinische Messe komponiert wurde und nicht für den Christopher Street Day.
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    Warum kann die heutige Elite das nicht? Warum kann die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nicht mal eine Oper produzieren, die jedermann klarmacht, dass Stuttgart einen neuen Bahnhof braucht? Mit den beseren Argumenten allein kann man, wie man sieht, sich eben nicht immer durchsetzen.

  21. hansgeier333@:Erlauben Sie...
    hansgeier333@:Erlauben Sie mir, dass ich nochmal kurz auf den „arbeitenden“ Prinzen
    zu sprechen komme: Der Hochwohlgeborene muß mit seinen Kollegen, sofern er schon länger mit seinen Kollegen in diesem ARBEITSAUSSCHUSS saß, irgendwie in harter, gemeinsamer Arbeit alles Wichtige verschnarcht haben. Man schaue sich den Nachbarblog bezügl. Defension & Securitas von Herrn Löwenthal an, da kann man sehen wie den Jungs der Säbel schon des Längeren durch den Dreck schleift. Etwa nach dem Motto: Die Politik hat die Priorität gegenüber allem was mit der Militia zu tun hat.

    Bester Don A.@Also dass Sie mein Lawrence Stern-Zitat nicht durchgelassen haben:
    Aber, aber, das war doch gar nichts gegen das durchgelassene „Stalinistische Lippenbekenntnis mit der Sollbruchstelle oder so ähnlich“. Immerhin Klassisch.

    Teil I
    Dafür bekommen Sie jetzt ungspitzt Casala: Ihre weitausholender Wurf gegen die Moderne landet im Ungefähren Ihrer verschnörckelten Sofakissen. Warum? Schauns, das ganze abendländische Bildungsprogramm bis zur Zwölftonmusik und darüber hinaus wäre ohne die „Vorkommnisse“ zuvor nicht zu haben gewesen. Mit Plätzchen und Likörchen versüsstes Hinhören zu dem aus der Konserve mit den Verehrungswürdigen, wie Monteverdi, Bach, Charpentier, Mozart (au fein, Mozatrkugerln) et al. wäre ums Verrecken NICHT ohne die von Ihnen mit Hohn überzogene RKK (mit all ihren gehabten menschlichen Sünden, Abwegen, ja auch der Infamheiten) zu haben gewesen, noch nicht einmal die Kirche in der Wies oder ein ehem. J-Convent am Tegernsee, nicht eine vertonte Messe, nicht ein Requiem. NB.:Also ich habe auch meine „Leichen“ im Keller. Aber so tief vergraben, dass der Verwesungsgeruch nicht allzu ruchbar wurde. Bin doch aaaber ein solch Sensiblechen und so Geruchsempfindlich he, he.

    Beethoven, der „späte“ Mozart eh, fingen schon an den Stachel zu löcken als Vorläufer der Moderne wider die gewohnte Diner-Begleituntermalung bei der Hofmusi. Sie konnten nicht anders, weil, sie mußten sich dem komlexen Druck der ihrigen Gegenwart hingeben. Das war´s was ihr Genie beförderte und sie daran in der Tiefe aber auch leiden liess (geschah ihnen recht, sie wollten es so, konnten nicht anders weil, weil…). Wagner (der Revoluzzer aus Dresden, Bakunins Genosse), dagegen, er war genau der aufgeplusterte Pömpösian, der in die die Zeit des fin de siècle mit seinem, teilweise gipsernen, phantasy Mittelalter- und Nibelungenrevival passte (…wieso sich eigentlich heutige Politiker andauernd, wenn die Zeit gekommen, auf dem umwaberten Wagaweia-Hügel in die Reihe von A.H. stellen müßen, das wird mir ewig ein Rätsel bleiben). Wobei auch in dieser Kulturepoche, von etwa 1800-1914, durchaus Großartiges entstand. In der Architektur unter vielem herausgegriffen der Kristallpalast der WA in London, die Firth of Forth-Bridge, der Eiffelturm, die Semperoper, Klenzes Bauten, die großartigen Bahnhofshallen oder die Sayner Hütte bei Bendorf, in der Musik Brahms, Bruckner, Schuhmann etc. findet man die Ent-sprechung. Alles das sehr erbaulich, harmonisch, durchkanonisiert. Dem Schönen, dem Wahren, dem Guten ver- und überschrieben. Wir, die Erben, haben uns das anscheinend Optimale aus dem Raritätenkabinett herausgeschnitten zur permanenten Verfügbarkeit. Der Rest: Fort damit.
    Teil II
    Hm, hm, gemach, es kömmt noch mehr. Etwas Zeitverschoben.

  22. Im Idealfall würde es so...
    Im Idealfall würde es so laufen: Im Opernhaus der Deutschen Bank treten die besten Sänger und Musiker auf, die es überhaupt gibt. Über Gagen wird nur gemunkelt. Eintrittskarten werden nicht verkauft. Hinein kommt man nur mit persönlicher Einladung, und dann aber natürlich kostenlos.
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    So stelle ich mir das vor.

  23. DA@: Im Nachgang: Ah Verdi,...
    DA@: Im Nachgang: Ah Verdi, diese Musik im italienischen Aufbruchsrhythmus der neugewonnen Souveränität zu den verschmopften Shakespeare-Libretti. Lachhaft. Und dann Aaaiiiiida für den Khediven bei der Suezkanal-Eröffnung, Pharaonen-Pappekulisse. Dagegen das Requiem, wunderbar. Ok, ok-meine private Auffassung.

  24. Was haben Sie nur gegen Alban...
    Was haben Sie nur gegen Alban Berg, Don Alphonso? Werke wie das Violinkonzert oder die Lyrische Suite sollten auch für im 12-tönigen ungeübte Ohren akzeptabel sein. Aber freilich: Wenn man Musik zum reinen Klangteppich degradiert und ausschließlich unter kulinarischen Gesichtspunkten betrachet, sollte man von der zweiten Wiener Schule besser die Finger lassen. Das gilt dann aber auch für Gesualdo zum Beispiel oder für Brumel. Auch von Bachs Cellosuiten oder gar der Kunst der Fuge rate ich dringend ab!

  25. Wobei es aber nicht nur die...
    Wobei es aber nicht nur die ganz grossen, schweren Formen geben sollte, sondern auch leichte Divirtimenti, geeignet als Hintergrundmusik zum Smalltalk bei der Kanzleramtsparty.
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    Dann werden die Gäste schon im Vorfeld munkeln und raten: Welcher Komponist diesmal wohl das Dessert komponieren durfte?

  26. Baröcke Hörerin, ich würde...
    Baröcke Hörerin, ich würde das unter „Jugendtrauma“ zusammenfassen wollen. Ich muss nur auf dem Programm einen Komponistennamen lesen, dessen Geburtsdatum nach 1890 liegt, und schon suche ich nach Alternativen. Das geht aber nach meiner Beobachtung gar nicht wenigen so. Und das, ohne dass man deshalb gleich ungebildet sein müsste. Ich glaube, es gibt ein Recht, selbst zu entscheiden, inwieweit man sich vertiefen will, und wie sehr man dabei geniessen möchte. Im 20. Jahrhundert kommt dagegen dieser ekelhafte Zwang auf, dass alle meinen, einem sagen zu müpssen. dass man sich erst mal vertiefen muss, bevor man geniessen darf. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich seit drei, vier Jahren seltener in Konzerte gehe, und mich lieber mit einer anständigen Anlage erfreue. Nur wenn ich etwas wirklich hören will, gehe ich in das Konzert oder in die Oper.
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    unellen, ja, das Problem mit den Wohnungen kenne ich gerade zur genüge – von der anderen Seite. Hässlich, aber unvermeidlich.

  27. Abgesehen davon - wenn ich die...
    Abgesehen davon – wenn ich die Musik betrachte, die mir besonders am Herzen liegt, komme ich nicht umhin zu erkennen, dass schon früher die Aufführungspraxis nicht unseren Konzertvorstellungen entsprach. Ich höre gerade mit viel Begeisterung Johann Joseph Fux – der setzte die Pauken zu Beginn auch nicht wegen des Effekts ein, sondern allein, um sich im Trubel Gehör zu verschaffen. Das durfte man, das darf man meines Erachtens noch immer. Und ich stehe auch dazu: Für Passfahrten gibt es keinen besseren Klangteppich als Messen von Händel und Biber.

  28. Sagen Sie, Donna...
    Sagen Sie, Donna Laura,
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    lernen Ihre Töchter eigentlich ein wenig Singen, Flöte und Klavier zu spielen? Wenn man nur bedenkt, was junge Frauen heutzutage für einen Fetisch aus ihrem Gewicht und ihrem Brustumfang machen, dabei aber viel wichtigere Parameter wie Haltung, Grazie und Stimmodulation vernachlässigen.
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    Sie selbst können dafür am wenigsten, denn es bringt ihnen ja niemand mehr bei. Man kann froh sein, wenn sie sich während der Johannespassion keinen Kaugummi in den Mund schieben.

  29. Das ganze funktioniert nur,...
    Das ganze funktioniert nur, weil der Staat neben der Bereitstellung der Musik gleich noch die Musikhörer dazu liefert, die das besser könne als irgendwer sonst auf Erden: die akademischen Musikwissenschaftler.

  30. Meumea, sehr schön...
    Meumea, sehr schön beschrieben!
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    bester HansMeier555, ihre vorstellungen sind recht idealistisch, wenn ich das mal so formulieren darf.
    ich hatte einmal das zweifelhafte vergnügen, mich einer von der von ihnen angeführten bank initiierten musical-aufführung (!!; ich- äh* o) mit nichts entziehen zu können, ich bin s e h r bearbeitet worden von dem bankmenschen – nicht nur der inhalt war entsetzlich, auch die aufführung war eine veritable, stümperhafte, letztlich aber saukomische quälerei.
    als ich nur noch das komische sehen konnte, durften meine entourage und ich einander nicht mehr ansehen – wir müssten wie teenager unterdrückt prusten und kichern, und bei den lauten stellen ungezogen laut lachen (es ging in dem getöse unter). die pause wurde für small talk und schliesslich zum gehen benutzt, vorgeschobene plötzliche erkrankungen eines kindes und nur ein auto für die anfahrt waren ein prima argument.
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    musicals haben einen günstigen staubsaugereffekt: dorthin ziehet all ihr, die ihr euch gequälet fühlet von klassischer musik.
    seither bekommt man auch wieder kurzfristig karten. und wer vom tanz der vampiere schwärmt, der ist… und das weiss man dann gleich.
    .
    mal ehrlich, mahlers 3. sinfonie, die ich gestern verlinkte, stellt bereits (nur) bezüglich gesangseinlagen die grenze des im wohligen erträgliche dar; auch hier winkt zuvorderst der intellektuelle genuss.
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    zu wagner wollte ich damals immer eine (mit den zur musik passenden ansichten) schleppen, die stets einen auf grande dame machte und mir ihren verschnarchten sohnemann als gatten mitgegeben wollte – ausgerechnet mir! mir! die ich von wagner so gar nichts positives halte.
    ich habe es nicht einmal geschafft, mir eine platte davon anzuhören. irgendwie habe ich dann immer anderes zu tun. jaja.
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    bach hat wiegenlieder geschrieben – sehr angenehm.
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    lieber Don Alphonso, den erwähnten don giovanni der staatsoper m habe ich sogar goutiert: endlich mal nicht so verstaubt – und gleich nach den ersten zwei minuten gingen einige ältere wutschnaubend und buhend hinaus – herrlich.
    der grund:
    der erste sänger war recht, nun, unansehnlich – und es war a l l e s von ihm zu sehen:
    nackt, zitternd, verzottelt und verschmutzt stand er auf der bühne und sang, naturgemäss minutenlang.
    er hat am ende sich sogar umgedreht und uns seine hängende rückseite bewundern lassen, nur um sich wieder umzudrehen und die ebensolche vorderseite zu präsentieren (nun gut, anders hätte sie in der staatsoper auch nicht präsentieren dürfen…).
    das war wohl zuviel.
    ich dachte an die altvorderen, die die wohl reagiert hätten.
    genüsslich lehnte ich mich zurück und harrte der dinge.
    gar nicht so übel, letztlich, auch die tierhälften und die (optische) technoeinlage… [ggg]

  31. rob, in Bereichen, da sich das...
    rob, in Bereichen, da sich das organisierte Verbreechen nicht lohnt, muss der Staat eben seine ehrenwerten Gesellschaften selbst subventionieren.

  32. Donna mia Laura,
    .
    Das war ja...

    Donna mia Laura,
    .
    Das war ja schon fast eine Arie!
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    Sie sagen es. All das läuft falsch, aber warum? Das Geld ist da, die Kompetenz ist da, die Stradivaris sind da, es fehlt einzig der Wille, was zu ändern. Und der muss, wie immer, von oben kommen.

  33. pardon, im 5. absatz...
    pardon, im 5. absatz verschwand sinnentstellend ein ‚m‘: es muss korrekt heissen: zu wagner wollte mich damals…

  34. @Don
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    Apropos Eunuchen und...

    @Don
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    Apropos Eunuchen und Musik… aber diese Vorlage überlasse ich jetzt Berthold IV.
    .
    Jedenfalls steht fest: Sie konnten sich verlieben und haben es oft getan.

  35. Haben wir doch Mitleid mit dem...
    Haben wir doch Mitleid mit dem modernen Musik(theater)betrieb! Alte Opern als Kostümschinken zu inszenieren traut man sich nicht, die Varianten mit leeren Bühnen und nackten Schauspielern bzw. Sängern sind auch begrenzt. Massenhaft SS-Uniformen auf der Bühne schockt auch niemanden mehr. Es fehlen eben zeitgenössische Stücke, die auch ohne mehrstündige Einführungsvorlesung verstanden und erlebt werden können. Dann müßte man nicht ständig Etikettenschwindel treiben, der die Zuhörer und -schauer am Ende doch nur ärgert. Unter dem Vorwand, Schillers Räuber geboten zu bekommen und stattdessen die mehr oder weniger gelungenen Variationen eines mehr oder weniger begabten Regisseurs ertragen zu müssen, nervt auf Dauer gewaltig. Die Entfremdung zwischen Künstlern und Publikum in in allen Bereichen der Kunst ist immer größer geworden. Vielleicht erleben wir auch eine Zeitenwende. Vielleicht liegt hier ein aus falsch verstandener Tradition des „Bildungsbürgers“ ein Patient seit vielen Jahren auf der Intensivstation und wird nur noch deshalb am Leben erhalten, weil man sich nicht eingestehen will, dass er eigentlich schon lange tot ist. Noch haben zu viele Angst vor der großen Leere, die käme, wenn man die Maschinen (sprich: die Geldhähne) abstellen würde. Vielleicht würde aber auch neues entstehen, was bisher von den sich überlebten Kunstformen unterdrückt wurde.

  36. 'Der Ehrgeiz müsste schon...
    ‚Der Ehrgeiz müsste schon sein, Kunst zu produzieren…‘ im zusammenhang mit ‚weltmarktführer‘ war in seiner zweideutigkeit sehr schön, HansMeier555. vielleicht würde sich die erzwungene auseinandersetzung mit kunst ja tatsächlich mal auf dessen produkte auswirken.

  37. @HansMeier555, die Vermählung...
    @HansMeier555, die Vermählung von Geld und Musik hat doch längst stattgefunden: Paul Sacher & Pierre Boulez. Boulez komponierte häufiger kleine Grußbotschaften an den geliebten Mäzen in seine Stücke rein. Das sind die einzigen identifizierbaren Tongebilde in Boulez‘ Oeuvre. Sie evozieren beim Hörer sofort die Assoziation eines alten Schweizers mit viel Geld.

  38. einführungsvorlesungen werden...
    einführungsvorlesungen werden oft gemütlich als erholungsschlafzeiten nach torte und likör genutzt, gerade von den älteren herrschaften in den ersten zwei reihen.
    .
    man sieht es an den wippenden köpfen und korrespondierend hört man es an der ruckartig aufgrunzenden schnarch-schnappatmung. recht amüsant, besonders für die vortragenden dramaturginnen.
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    die herrschaften sind dann auch meist diejenigen, die fauchend und fäuste schüttend den saal verlassen, sowie ein sänger auftaucht, der im geburtstagsanzug auftritt und aussieht wie sie unter ihrem gewand…
    .
    wenn erwin schrott die besagte rolle innegehabt hätte, ich hätte nichts dagegen gehabt…

  39. Das sympathischste an Wagner...
    Das sympathischste an Wagner ist mir die Tatsache, dass er waehrend der 48er-Revolution Handgranaten befuellte-und sich deshalb schnell vom Acker machen musste. Das zweitsympathischste ist mir seine unglaubliche Schlitzohrigkeit; ein rechter Sachse eben.
    .
    (Mir ist eine Filmsequenz aus dem Hollaender in Erinnerung (Auffuehrung der Opera de la Bourse in Bruessel), die mir heute noch den Atem nimmt).
    .
    Ansonsten, da bin ich mit Barocke Hörerin eins, ist Alte Musik keine Musiktapete fuer Pralinchen. Alte Musik ist anstrengend fuer den Ungeuebten, dem Eingefuehrten und Geuebten mit feinen Oehrchen und Sinn fuer Komplexes ist sie ein froehlicher Aufstand gegen das massive Einerlei der taeglischen Umpfentums.
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    Opern-und Konzertpublikum? Ah bah! Wie dankbar bin ich, als zum Ausgang meiner Kindheit die amerikanische (sic.) Idee des High-Fidelity in die Welt kam und ich mich in der Folge weder mit Eintrittskarten, noch mit Haekelstolas (gerne auch auf Nerz gequaelter Kuckuck) behaengten Breithinternenten optisch vergewaltigen lassen musste-von deren bessergestellten Ehegatten mal ganz abgesehen.
    Und dann schickte der Olymp die DVD zur Menschheit. Ein Segen fuer den Veraechter jeglicher Menschenauflaeufe…
    …muss jetzt wieder ins Hamsterrad, darf nicht weitertraeumen.

  40. lieber HansMeier555, pardon,...
    lieber HansMeier555, pardon, ich antwortete ihnen noch nicht, dafür jetzt: meine töchterlein – von brustumfang kann nicht die rede sein, da präpubertär – lernen ballett, das ist gut für die haltung und für die nerven, später kommen andere sportarten hinzu.
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    der kelch der jaulenden blockflöte und der nervtötenden violinübungen, gemeinhin kollateralschadenverursachende insignien der sdg, ist bislang an uns vorübergegangen – klavier, e-gitarre und schlagzeug sind die instrumente, derer wir uns erfreuen dürfen. die jungs sind nicht übel, und der erste hat eine sehr schöne stimme, sowohl e, wie auch u.
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    cher Filou, „rechter Sachse“ – der war gut!

  41. Also ich wäre sehr gerne bei...
    Also ich wäre sehr gerne bei den Uraufführungen von Le Sacre du Printemps oder Verklärte Nacht dabei gewesen und hätte dem Bürger den spitzen Hut vom Kopf gehauen. Schlägereien im Konzerthaus, Morddrohungen an Redakteure, Boykotte und Gegenboykotte. Da ging es noch um etwas.
    Gerade Verklärte Nacht lässt sich auch heute noch sehr wohl hören und Schostakowitsch hat bei sowjetischen Massenfeiern doch prima funktioniert. Wagner hat die bedeutendste europäische Kulturbewegung um 1900 inspiriert, mal abgesehen davon, dass der Hochzeitsmarsch auf jeder Dorfhochzeit geduldet wird.
    Charmant ist natürlich HansMeiers Idee. Gibt’s natürlich schon. Die Rolling Stones und andere Größen des Rockzirkus machen so etwas gern.

  42. Noch ein Motto, das hier seit...
    Noch ein Motto, das hier seit Jahrzehnten auf’m Schreibtisch liegt: „Die größte Sünde in der Kunst ist Langeweile“. Ist zwar eine Binse, aber ich muss es immer noch und immer wieder in den Absagen an sicherlich nette Menschen zitieren, die mir zuvor ihre musikalischen Demo-Aufnahmen zugeschickt hatten.
    .
    Ich seh‘ gerade: neben diesem Zitat steht da noch ein anderes, das passt wunderbar zum heutigen Schwindel sogenannter Moderner Kunst: „…dass es Menschen gibt, die noch ahnen, was Kunst ist. Eines Tages werden sie den Schwindel durchschauen.“
    .
    In den Sixties war ich noch begeisterter Anhänger. Mit dem Alter und dem permanenten Dazulernen hat sich das doch radikal verändert.

  43. Werter Don Alphonso,
    Ihr...

    Werter Don Alphonso,
    Ihr Beitrag hat mich wieder einmal belustigt. Die „Elite“ sorgt also dafür, dass ein Haufen Geld für Kultur ausgegeben wird, also ihr eigenes Interesse, und dann, dass dort Zeug gegeben wird, dass ihr selbst nicht gefällt, dass sie sich dann aber antut, um ihren elitären Geschmack zu beweisen… Um’s mit Spock (Popkultur, kann man googlen ;-)) zu sagen: Faszinierend!
    Was ich aber gar nicht teilen kann sind Ihre Ansichten zu Wagner. Ich bin sowas von nicht-Westviertel und habe dennoch (oder gerade deswegen?) in meinen Jugendjahren die Liebe zu Wagners Musik entdeckt. Insbesondere in den späteren Musikdramen gibt es die von Rossini beschriebenen „großartigen Augenblicke“ tatsächlich, allerdings ist deren Verknüpfung in den Viertelstunden dazwischen nicht weniger großartig. Ich gebe aber zu, dass das ganze als absolute Musik nichts taugen kann – und ich weiß nicht, ob die Faszination auch nur annährend so groß wäre, wäre der Drama-Teil nicht in meiner Muttersprache.
    Sie meinten übrigens: „denn müsste ich hier meine ehrliche Meinung zu Wagner und den Folgen niederschreiben, also wirklich ehrlich“ Also mich würde diese meinung schon interessieren -nur zu!
    Anders als bei Berg ist es bei Wagner auch sicherlich nicht so, dass nur die Elite „dabeisein muss“. Wie sonst ist es zu erklären, dass schon vor einem Monat keine einzige Karte mehr für die Frankfurter Walküre zu haben war – bei sieben Aufführungen?! Soviele Einwohner hat das Gallusviertel doch gar nicht. Sollte die FAZ sie hinschicken wollen, die Last nähme ich Ihnen gerne ab.
    In vielen Bereichen der (modernen) bildenden Kunst habe ich schon seit Jahren hingenommen, dass ich nur ein begrenztes intellektuelles Interesse an ihr habe, viel gravierender aber, nahezu keinerlei emotionalen Zugang. Ich kann Bücher darüber lesen und theoretische Abhandlungen – aber dann stehe ich im Museum vor einem Kadinsky und denke mir nur: Okay- schön bunt… Wenn Ihnen das bei Wagners Musik so geht, machen Sie sich nichts draus – für Händelopern gibt’s zumindest immer freie Karten – auch ohne Presseausweis.
    Gruß,
    T.I.M.

  44. @donna laura
    Das Konzert- oder...

    @donna laura
    Das Konzert- oder Opernschläfchen ist besonders erholsam. Ich döse auch mal gerne – aber erst wenn es dunkel ist. da reicht statt Torte und Likör auch ein üblicher Arbeitstag als Grundlage.

  45. Filou@:Nu wo se des sachn mit...
    Filou@:Nu wo se des sachn mit de Revoluschion, de Belschier, des mergwürdsche Mischvolg, eischedlisch Estreischaer, ne woar, als da hamse in Bruxelles Anno 1830 rischtisch de nu nausgelassn (oda de Macht dea Musigge (de Gatholen geschn de Libroln)):
    Am 25. August 1830 brach nach einer Vorstellung der romantisch-nationalistischen Oper La Muette de Portici („Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber) in der Brüsseler Oper im Publikum der Ruf „vive la liberté“ los. Nach dem Ende der Aufführung zog das Publikum aus dem Theater und ließ die Menschenmasse, die sich ironischerweise zur Feier des Geburtstags König Wilhelms I. (der Niederlande, Belgien wurde davon okkupiert) versammelt hatte, außer Kontrolle geraten. Gemeinsam stürmte man den Justizpalast. Am späten Abend wurde das Haus des Verlegers Libry-Bagnano geplündert (möglicherweise auf Agitation französischer Geheimagenten) und das des Ministers van Maanen, der treibenden Kraft hinter der Sprachpolitik des Königs, in Brand gesteckt. Die amtliche Druckerei wurde zerstört. Als die herbeigeeilten Ordnungskräfte von der Schusswaffe Gebrauch machten, gab es Tote.
    Don Carlos@Je nun, die Gedanken sind eben vogelfrei. Es ist einfach wunderbar, manchmal von des Gedankens Blässe nicht befallen zu sein. Hat so etwas Zen-artiges an sich. Probiern Sie´s mal aus.

  46. bester HansMeier555, hören...
    bester HansMeier555, hören sie mal, so ähnlich geht es bei uns seit jahren im zweiten keller von oben zu: http://www.youtube.com/watch?v=FVUtEXSltR0&feature=related. immerhin ist der dritte, bislang der einzige, bei dem man sich evtl. gedanken machen müsste, beschäftigt und in der obhut seines älteren bruders. und man weiss, wo er steckt.
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    so etwas habe ich auch schon mal gehört http://www.youtube.com/watch?v=w9wynNrvOBo – vielleicht wird es ja an weihnachten aufgeführt, wer weiss?
    allerdings ist dann kein schläfchen möglich.
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    m.e. ist das gar nicht mal so übel. findet sogar seine musiklehrerin.

  47. „Es ist kein Spaß mehr, es...
    „Es ist kein Spaß mehr, es ist ein Joch, unter dem man sich zu beugen hat, ….“
    *
    Sehr schön, genau so ist es! Deshalb ist ja auch dieses todernste, in Ehrfurcht erstarrte Getue üblich, was man beim öffentlichen Kunstgenuss an den Tag legt. Lachen ist Spaß und geht gar nicht.
    Mir ist noch lebhaft die Empörung einiger Anwesender in Erinnerung, anlässlich Loriots „Der Ring an einem Abend“. Ich frage mich heute noch, was wollten die da? Die Aufführung zählt immer noch zu meinen schönsten Konzerterlebnissen. Was haben wir gelacht. Seit dem höre ich Wagner ganz gern mal.

  48. fionn, zu Popmusik kann ich...
    fionn, zu Popmusik kann ich wenig beitragen, ich kam schon als Spiesser zur Welt.Unmusikalisch, aber wenigstens Spiesser!
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    Elitesse, ist das wirklich so? Ich glaube, dass im 19. Jahrhundert einfach ein anderer Ansatz entstand: Weg von allem, was auch nur im Verdacht stand, unterhaltend zu sein. Nicht ohne Grund habe ich oben Rossini zitiert, der damals in Deutschland gehasst und verachtet wurde, und dem man unbedingt etwas Eigenes, aber nicht so leicht-frivoles entgegen setzen wollte – am Ende hat man im Freischütz halt den Kranz aus veilchenblauer Seide gewunden. Umgekehrt sehe ich auch das Genialische der durchkomponierten Opern nicht – man denke nur etwa an Don Giovanni, gleich die erste Arie des Leporello, wie genial sie sich im weiteren Geschehen auflöst, Masettos Ho Capito mit seinen wechselnden Ansprachen, die obszöne Vielschichtigkeit der Registerarie – das ist nicht einfach nur Gedudel, auch das hat eine Tiefe, die man durchdringen muss. Nur ist es wie das baden in einer warmen Lagune des Meeres – das Ergründen von Wagner führt immer in den braunen, kalten Schlamm. Ich empfinde „schwer“ und „verschlossen“ einfach nicht als Qualität. Nicht in der Musik, nicht in der Literatiur, nicht in der Kunst. Ich mag schwärmen und umschwärmt werden.

  49. Ja der Wagner, das war ein...
    Ja der Wagner, das war ein ECHTER 68er um 1848; zusammen mit Semper ein Revolutioenchen, dann kam aber der Marsch durch die Institutionen; der Eine wurde ein bewunderter Architekt, der Andere ein unvergessener Komponist.
    .
    Was hammer heute? Der Eine erfand das Flaschenpfand neu (groesste Kulturleistung seit Zeus Europa zuritt), der Andere wurde Berater und schrieb Marathonlaufbuecherzusichselbst. Hohn und Spott…

  50. Meuma, ja, das kennt man auch,...
    Meuma, ja, das kennt man auch, wenn man in München Leute an der MHS kannte. Aber genau das ist eine Entwicklung des akademischen Betriebs: im 18. Jahrhundert wäre man nie auf die Idee gekommen, die Mehrheit des Publikums vor den Kopf zu stossen. Das kann man sich erst mit der Alimentierung des Betriebs durch den Staat und seine tumben Vertreter leisten, die sich von Komissionen bescheinigen lassen, dass alles gut und richtig so ist. „Hommas wiada amoi gschafd, sagt der Staatssekretär beim Verlassen der Oper und öffnet im Auto schnaufend seinen Gürtel.
    .
    muscat, ich habe es oben verlinkt. Und es ist im Übrigen auch keine bombastische Hofmusik, sondern durchaus fein, leise und nicht ohne Anspruch.

  51. T.I.M., Wagnerianer sind eine...
    T.I.M., Wagnerianer sind eine ganz eigene, verschworene Gruppe, und ich wage zu behaupten, dass die Schnittmenge mit den normalen Operngängern eher unbedeutend ist. Meine Erfahrungen kommen da aus München, was in Sachen Wagner allein schon wegen des Gefühls der Zurücksetzung gegen ein fränkisches Kuhdorf eine ganz besondere Sache ist: Wer sich hier zu Wagner bekennt, erwartet die allerreinste Lehre. Da sitzen dann wirklich die alten Mumien mit dem Stereomikrophon in der Brusttasche des umgeschneiderten Smokings, und ereifern sich schon in der Pause, welche unmöglichen Unterschiede sie daheim zu Karajan heraushören werden.
    .
    Das ist das eine. Das andere ist meine Unfähigkeit, mir so einem Schmonz wie den Ring inhaltlich anzuschauen, und das ernst nehmen zu müssen. Diese Freakshow!

  52. HansMeier555@: Nachdenklich...
    HansMeier555@: Nachdenklich den Kopf wiegend, das Sponsoring von E-Kultur womöglich in Verbindung mit dem schönen deutschen Wort EVENT erwägend. Wer möchte nicht als (Feld“)-Curator in so einer Sinekure mitbestimmen (sic) dürfen. Das hohe C wird allemal noch von den gecharterten Musikern und Fiedelisten angestimmt, oder?
    Auf jeden Fall werden die arg zusammengeschmolzenen Etats der Kommunen des öfteren hilfreich, durch so etwas entlastet, so heißt es, zum öffentlichen Wohle.
    panem et circenses.
    Es gibt im Rheinischen (frei nach Beikircher) den sog. sing-Fall: Wem sing Bruud isch ess, dem sing Lied isch sing. (sing=sein)
    Also Kastraten haben die Agenturen, wie gehabt im Neapel (oder Spanien) der Bourbonen etc. wie Conservatorio dei Poveri di Gesù Cristo, Conservatorio della Pietà dei Turchini, Conservatorio San Onofrio oder so eine Größe wie Farinelli momentan nicht im Angebot. Dafür haben wir im Falle des Falles die Countertenöre oder Cecilia Bartolli.

  53. Eigenartig, daß der Jazz als...
    Eigenartig, daß der Jazz als zeitgenössische Musik noch keine Erwähnung gefunden hat. Ich gehe seit vielen Jahren jährlich in ca zehn bis 15 Konzerte, die in der Regel in einem nordbayerischen Jazzclub stattfinden, zu dem ich immerhin eine Anfahrt von 60 Kilometern in Kauf nehmen muß. Ob mir die Musik der gastierenden Musiker halbwegs zusagt, entscheide ich nach Hörproben aus dem Internet. Man kann während des Abends seinen Rotwein trinken und die Lokalität zwischen zwei Stücken zwanglos wieder verlassen und nach Hause fahren, wenn man genug gehört hat. Ähnlich habe ich es früher in Berlin gehalten, wo ich ein Jahrzehnt unmittelbar bei der Deutschen Oper gewohnt habe, ohne dieses Haus ein einziges Mal zu besuchen…

  54. Wagner hat das Hollywoodkino...
    Wagner hat das Hollywoodkino erfunden.

  55. Der Herr der Ringe, Hobbits,...
    Der Herr der Ringe, Hobbits, Elfen, alles da.

  56. Werter Don, wohl zuviel...
    Werter Don, wohl zuviel Apocalypse Now gesehen. Oder wenigstens den Anfang davon. Besser der Duft von Napalm im Morgengrauen als der von angebrannter Zwiebel-Pilz-Consommé im Abendnebel der Musterküche. Walkürenritt statt Verdi-Buffo!
    @ Plindos w/Prinz: Jetz fliegen schon Comedians nach Afgha. Schade, dass die dort so wenig Bäume haben. Idealer Platz für´n Dschungelcamp.

  57. Ich finde klassische Musik...
    Ich finde klassische Musik toll. Noch toller ist aber, dass ich mit meinem Studentenausweis fast überall 50% Rabatt auf Konzertkarten bekomme. Morgen läuft in FFM Hindemith, das wird ein Spass.
    Dass ausgerechnet hier so ein borniertes Kunstverständnis gefeiert wird und alles was nicht sofort wohlklingend ist und aus dem 20. Jhdt stammt verdammt wird macht mich schon etwas traurig. Aber so denken 99% meiner Altersgenossen. Geschmack kann man sich halt einfach nicht kaufen, den muss man sich erarbeiten.

  58. Mir scheint der Gegensatz...
    Mir scheint der Gegensatz zwischen „sich vertiefen“ und „genießen“ doch recht konstruiert, Don Alphonso. Oder fahren Sie mit Ihrem Rad stets nur den Hügel hinunter und nie hinauf? Bergauf fahren ist anstrengend und trotzdem ein Genuss – jedenfalls wenn man oben ist und sich am weiten Horizont erfreut. Auch Beethoven hat ja übrigens sein Publikum stets und ausdauernd vor den Kopf gestoßen, keineswegs nur mit den späten Streichquartetten. So schrieb zum Beispiel die Allgemeine musikalische Zeitung nach der Uraufführung der Eroica: „Die Sinfonie würde unendlich gewinnen…, wenn sich B. entschließen wollte sie abzukürzen und in das Ganze mehr Licht, Klarheit und Einheit zu bringen… Auch fehlte sehr viel, dass die Sinfonie allgemein gefallen hätte.“

  59. @specialmarke
    Als Magnat...

    @specialmarke
    Als Magnat braucht man auch eine Hauskapelle. Die beherrscht verschiedene Stile, musiziert mit den Kindern täglich und zu feierlichen Anlässen was schmissiges, warum nicht Jazz. Solisten können zusätzlich eingeladen werden, etwa als Geburtstagsgeschenk.

  60. Deutscher Jazz = zu 90 %...
    Deutscher Jazz = zu 90 % angestrengtes, verquastes Gehupe von Leuten, die ihr Instrument nicht beherrschen oder noch schlimmer: Sonntäglicher Frühschoppen im örtlichen Golfclub mit Dixie-Untermalung (= White Trash des Jazz).

  61. Und halt mal Schluss machen...
    Und halt mal Schluss machen mit diesem schrecklichen Etepetete der Künstler.
    Die immer unter irgendeinem Vorwand, grad so, als seien sie Herrschaften, sich weigern, überhaupt oder das gewünschte Stück vorzutragen, sobald es jemand wünscht.
    „Nein, ich will nicht schon wieder das Heidenröslein, und nein, auch nicht Ooops, I did it again singen“ — so Antworten gibt’s dann nicht.
    .
    Natürlich werden dann auch mal die Grenzen des Könnens besser sichtbar als sonst, aber dafür ist man ja Sportsmensch.

  62. M. E. gibt einige Auswege aus...
    M. E. gibt einige Auswege aus der Stagnation der zeitgen. Musik , neben den Älteren wie Carl Orff, Sergeij Prokofieff, Dimitrij Schostakovitsch, das sind z. B. Arvo Pärt (Die Aufführung seiner Werke in der Konzertsaison 2006/2007 widmete Arvo Pärt der am 7. Oktober 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja, die wiederholt die Politik Wladimir Putins kritisiert hatte), Krzysztof Penderecki, Phillip Glass, James Dillon, György Ligetti, Mauricio Kagel, Hans Werner Henze u. v. a..
    Wir haben ja eine Zivilsation in den letzten zwei Jahrhunderten geschaffen, die im höchsten Grade von Abstraktionen lebt, die bar allen biologisch-stammesge-schichtlichen Traditionen diametral, auf allen Ebenen der Existenz, gegenübersteht. So eben auch die Künste in zunehmenden Maße. Reaktionäre Wege gehen zu wollen halte ich in der Tat für Hasenfüßigkeit oder für den Beweis von Unfruchtbarkeit, Eskapismus. Den Anschluß an Traditionen zu suchen halte ich für legitim, so lange es nicht in sog. Postmoderne verfällt. Ob das immer gemütlich zu goutieren ist, ist eine ganz andere Frage.
    Die vielfache Aufführungpraxis der hochsubventionierten Theater und Opernhäuser grenzt an Lächerlichkei und Unverschämtheit, hat sie sogar weit überschritten. Das Publikum des Banausentums zu bezichtigen schlägt gegen den Vorwerfenden zurück. Es geht immer noch um Qualität, die schaffen, deren Kriterein zu bestimmen, zu umschreiben nicht einfach ist. Dann auch noch womöglich ein breiteres Publikum hinreissen soll.

  63. @ Barocke Hörerin: Schonmal...
    @ Barocke Hörerin: Schonmal was von Sonatenhauptsatzform gehört? Herr B. gilt als Perfektionist derselben. Geben Sie sich wie unser Don weiter dem Genuß von flötotto hin.

  64. Barocke Hörerin, ich bin da...
    Barocke Hörerin, ich bin da natürlich ganz anderer Auffassung. Dass man zu Zeiten der Komponisten noch manches Fehlurteil absonderte – geschenkt. Der Unterschied ist der zwischen „anstrengen“ – wofür man sich Mühe geben muss – und „sich quälen“ – wogegen man einen Widerwillen entwickelt. Das geht, zugegeben, bei mir recht schnell: Wenn ich den Eindruck habe, dass da mehr einer Idealvorstllung eines Künstlkerhirns oder schlimmer noch, dem Betrieb gehuldigt werde, sage ich nein. Ich habe durchaus den Trieb, schwere Bücher auszulesen, Bildprogramme zu verstehen und Musik zu erfassen – aber überall sind halt auch Künstler und das Umfeld, die genau das verachten. Um in die Literatur zu gehen: Ein deutscher Roman hat heute nur Chancen, wenn die Protagonistin zumindest selbstmord überlegt, anorexisch ist, mit dem Leben nicht klarkommt und idealerweise aussieht wie die Hegemann. Schloss Gripsholm hätte beim deutschen Feuilleton ebensoi wenig Chancen wie Balzac, der Taugenichts oder Evelyn Waugh. Was eine Chance hat, ist überschwerer Krempel voller Innerlichkeit und verschränkten Bedeutungsebenen, der es den Rezensenten erlaubt, ihre mit Wikipedia unterfütterte Halbbildung abzudrucken und es dann ihrem Professor weiterzuleiten. Bei einer anderen Zeitung habe ich das ein paar Mal genauso erlebt, so funktioniert der Bachmanpreis und dann wundern sie sich, warum keiner diesen Schmodder kauft.
    .
    Und wenn dann ein Fälschungsskandal auftaucht, sind alle ganz entsetzt, wie das nur passieren konnte.

  65. Sehr geehrter Don Alphonso,...
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    Ihr Thema lockte mich nach Monaten wieder in Ihr blog (Ihre Gemeinde schreibt halt arg bedeutsam und gebildet) und ich frage mich nur, warum Sie denn nichts über die elementarste aller Motivationen schreiben, Oper zu erleben? Die Verstrickung in die Abenteuer und Dramen, das Eintauchen in grandiose Musik, das Selbstvergessen und -finden – wozu dann noch der „Kultur“talk?

  66. hansgeier333@: Der Platz neben...
    hansgeier333@: Der Platz neben einer Feldhaubitze oder neben einem, den Takt angebenden MG, kann sehr ungmütlich sein, auch das Eine kosten. Der Geruch von verbranntem Menschenfleisch durch Napalm oder Phosphor verursacht, hat überhaupt nichts heroisches an sich, ist schlicht widerlich. Ästhetik weit und breit,
    noch nicht einmal in Deckungslöchern oder Unterständen, unauffindbar. Nur Angst und vollgeschissene Hosen sowie erbärmliches Geschrei, Gebrüll der Verwundeten erlebbar. Thats it.

  67. ich verstehe nicht allzu viel...
    ich verstehe nicht allzu viel von musik und ihrer theorie, schon gar nicht von klassischer – meiner subjektiven meinung nach hat wagner aber schon einen gewissen unterhaltungswert, in etwa analog zu einem leidlich produzierten blockbuster im filmgeschäft. man kann das schrecklich finden, aber wenn, dann doch auf eine ganz andere art schrecklich als schönberg, hauer oder stockhausen…
    im übrigen werde ich regelmäßig bei längeren klassischen konzerten schläfrig, selbst, wenn ich eigentlich gerne konzentriert bleiben würde – und zwar durch die bank, bei mahler, bach, wagner (sowiso), schönberg…

  68. Andreas, für solche Anwürfe...
    Andreas, für solche Anwürfe bin ich schlichtweg zu alt.
    .
    Niemand redet hier der Verdummung das Wort, und es liegt auch nicht daran, dass man es nicht versucht hätte: Es spricht einfach viele Musikfreunde nicht an. Vermutlich auch, weil das oft nicht die Absicht der Komponisten war. Denen ging es eben manchmal um den aufgeführten, akademischen Diskurs. Und ihren Fans um eine Distinktion – alles in Ordnung. Aber ich muss vor dieser Asche nicht ehrfurchtsvoll erstarren, und ich muss das Feuerchen, das da gewesen ist, nicht als mächtige Brunst ansehen, nur weil manche es anders empfinden.

  69. @ hansgeier333
    "Werter Don,...

    @ hansgeier333
    „Werter Don, wohl zuviel Apocalypse Now gesehen. “
    .
    Apocalypse Now kann man nicht of genug gesehen haben.
    Und: The End (Doors) ist klasse und sitzt kongenial drauf.
    Was mich immer noch und schon wieder zu gewisser Popmusik greifen lässt. (Bin die, die im Musikunterricht mit gespielt interessiertem Gesichtsausdruck erfolgreich gepennt und dennoch Einsen und Zweien eingefahren hat. Mit ein bisschen Kenner-Geschwätz zwischen den Schlafphasen klappt das schon.)
    .
    Während mein Gudster lieber der Hille Perl lauscht, wenn sie auf ihrer Viola da Gamba ein altes Stück sägt.

  70. muscat, ich schmeiss' mich weg...
    muscat, ich schmeiss‘ mich weg – ‚gehupe‘! herrlich! danke!
    .
    lieber don, ihnen als mann vom fach wird es kaum entgangen sein: das auffällige an der zeitgenössischen bildenden kunst der 00er jahre ist die wiederholung und damit die wiederholung der aussage, die nicht einmal (anders) kontextualisiert wird (und die sich gegen das erarbeitetwerden zuweilen sträubt resp. zuweilen kaum lohnt); variationen sind dezent bis insignifikant, evtl. wissen galerist und künstler da noch rat, aber das ist deren job.
    .
    erst kürzlich hat man mich auf eine junge künstlerin aufmerksam gemacht, so dass ich mir ihren katalog zusenden liess. was sagen sie – die skulpturen habe ich in anderem zusammenhang auch schon mal gesehen, nur waren diese neuen billiger. das gesäusel des würdigungstextes hätte man auch gut auf irgendetwas anderes anwenden können, wenn man nur die ingredienzien des werkmaterials ausgetauscht hätte.
    .
    vieles an kunst ist reine umsetzung einer idee; umsetzen, handwerk beherrschen und nerven behalten.
    .
    hegemann und anorexisch – haha!
    norovirale literatur!

  71. Mir geht es ganz anders als...
    Mir geht es ganz anders als fast allen, die vorher hier geschrieben haben. Wenn in einem Konzert nicht wenigstens ein Werk des 20. oder schon des 21. Jahrhunderts gespielt wird, gehe ich nicht hin. Nicht zum 37. Mal die Fünfte Beethoven. Die moderne Musik ist in den letzten etwa 20 Jahren wieder sehr viel sinnlicher geworden, weg von den Zahlenreihen der Zwölftonmusik. Matthias Pintscher zu hören oder Jörg Widmann ist ein großes Vergnügen, und wenn seine Schwester Carolin Uraufführungen auf der Violine solo spielt ist das ein Abenteuer, oft Hochseilartistik. Eine notwendige Einschränkung zu meiner Einleitung: Natürlich gehe ich in ein Konzert, wo allein Mozart, Schubert oder Janacek gespielt wird, das sind einfach die größten. Und Bergs „Wozzeck“ ist meine Lieblingsoper, die habe ich in 50 Jahren 15 mal gehört.

  72. Donna Laura, das muss jeder...
    Donna Laura, das muss jeder halten, wie er will – in neuer Kunst ist eben auch das Gefühl eingepreist, schon etwas zu verstehen, wozu andere noch zu doof sind. Das ist legitim und richtig, nur präferiere ich andere Ansätze. Neu ist in meinen Augen per se noch keine Qualität.

  73. Bester Don,

    herzlichen Dank...
    Bester Don,
    herzlichen Dank für diese Sektion des toitschen (Sing- und Sprech-) Theaterbetriebs. Hat schon mal jemand die „Soldaten“ von B.A. Zimmermann gesehen? Brrr, da schüttelt es einen. Ich sage ja nicht, dass es nicht beeindruckend ist. Aber schön? Angenehm?
    Also: Herzlichen Dank
    B

  74. unangenehm reaktionärer...
    unangenehm reaktionärer duktus. anderen zu unterstellen sie hörten klassische moderne um eine parvenuehafte überlegenheit zu demonstrieren, nach dem motto: was ich quälend finde muss kunst sein (davon lebt heute im übrigen der überwiegende teil der zeitgenössischen bildenden kunst) zeugt schlicht von fehlendem musikalischem verständnis. es gibt kaum ergreifenderes als Arnold Schönberg: Suite op. 29, ich konnte schon entschiedene 12ton musik hasser in die irre führen indem ich ihnen späten beethoven (große fuge) und frühen schönberg (verklärte nacht) vorspielte. oder h-mol fuge von Bach. lesen sie die einführung von Anton Webern. Die 12ton musik resultiert aus einer natürliche und folgerichtigen Entwicklung der europäischer Harmonik. Ihre Resentiments sind einem Blatt wie der FAZ unwürdig und wären selbst vor 100 Jahren zu Zeit der Entstehung der sogenanten 12ton Musik rückständig gewesen.

  75. In der Überflusswirtschaft...
    In der Überflusswirtschaft gibt es nur noch eine Produktion, auf die es ankommt, und das ist die Produktion von Begehren.
    .
    Und schöne Musik begehrt eben niemand von Belang, und für die Bürgerlein reichen die 200 essential classics für 69,90 Euro auf 60 CDs allemal aus.

  76. @muscat: ich denke, daß sie...
    @muscat: ich denke, daß sie mit Ihrem Urteil über den deutschen Jazz eher einem Vorurteil frönen, das die erbärmlichen Dixiland-Darbietungen zu Frühschoppen- und Brunchveranstaltungen am Sonntag morgen für Jazz hält. Es gibt durchaus Strömungen im Jazz, die ich nicht mag und als anstrengend empfinde, daher immer meine Vorauswahl per Internet. Praktisch alle Musiker haben heute ihre Homepage mit Referenzstücken oder finden sich mit Konzertmitschnitten auf Youtube. Den lokalen Nachwuchs kann man übrigens in „meinem“ Jazzclub einmal im Monat kostenlos bei einer Jamsession bewundern – wenn man will…

  77. Jetzt hatten wir schon das...
    Jetzt hatten wir schon das Beispiel mit dem Radfahren, dann wurde der dicke und komplexe Roman angeführt. Fehlt noch der Wein, der dann auch gerne mal getrunken wird, wenn man sichs bei den vier Jahreszeiten gemütlich macht. Wenn ich Wein trinke, dann schmeckt er für mich – nach Wein. Und diesen Geschmack mag ich ehrlich gesagt nicht besonders. Vielleicht aber könnte ich auf den Geschmack kommen: Ich könnte ein Weinseminar belegen, viel, viel üben und irgendwann könnte ich diese und jene Aromen und das Bouquet voneinander unterscheiden, besser noch: Ich könnte mir ein Urteil erlauben, ob ein Wein toll ist, jenseits von „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“, ich könnte wahrscheinlich stundenlang über meinen Lieblingswein schwärmen. So ist es doch letztlich auch mit Musik. Welcher Komponist hat den bitte für den „akademischen Diskurs“ komponiert? Weder Rihm noch Stockhausen tun dies, die komponieren eher im Wissen um die Musikgeschichte. Sein wir doch ehrlich: Bach, Mozart, Beethoven – nur ein geringer Teil ‚versteht‘ diese Komponisten, kann sagen, warum diese Komponisten so gut sind. Ich schwöre, dass ein durchschnittlicher Hörer niemals ein Mozart- von einem Salieri- oder Johann-Christian-Bach-Stück unterscheiden könnte. Verstehen geht nur mit einem gewissen Wissensumfang, mit dem dann auf einmal auch ein Schönberg-Orchesterstück oder gar der Berg’sche Wozzeck (übrigens doch ein so wahnsinnig leicht zu hörendes Stück, mein Gott, das ist Expressionismus, das KANN doch gar nicht nach Mozartkugel-auf-der-Chaiselongue klingen!)interessant, oder vielleicht: schön? wird! Und ist dieses Wissen automatisch elitär? Ist das nicht bei allen Dingen so? Ist nicht auch dieser Blog elitär, dessen feine Ironie von einem Zehntklässler an einer Förderschule wohl kaum goutiert werden könnte?

  78. Ach übrigens: Es muss in...
    Ach übrigens: Es muss in Ihrem Text natürlich anorektisch und nicht anorexisch heißen, sehr geehrter Don.

  79. geschätzter don, ganz klar,...
    geschätzter don, ganz klar, die geschichte weist den weg in den olymp.
    neuheit ist so wenig eine qualität in der kunst wie wiederholung.
    wenn nach tagen noch gedanken an ein werk aufsteigen, dann hat dieses einen berührungspunkt in einem gefunden, welchem man nachgehen kann, was nicht nur spass machen muss.
    und wenn man das werk vergessen hat – nun denn.

  80. Ich müsste mich täuschen,...
    Ich müsste mich täuschen, wenn der Anteil tatsächlich gespielter moderner Musik in den öffentlichen wie privaten Häusern höher als fünf Prozent läge. Insofern ist doch alles in Butter, oder?
    .
    Wo ich aber unbedingt zustimme, ist die Kritik an der sakralen Überhöhung des Kunst- und Kulturbegriffs im deutschen Bildungsbürgertum zur Hebung der eigenen Bedeutung. Genie-Gedanken, Dichterfürsten, Opernzaren und natürlich der Schwärmer auf dem Grünen Hügel haben u.a. ihren Teil dazu beigetragen.
    .
    In italienischen Provinzopern ist es noch heute gang und gäbe, dass das Publikum den Picknickkorb auspackt und eine fröhliche Runde feiert. Das gibt es bei uns nur bei diesen unsäglichen – die Philharmoniker in der Waldbühne ausgenommen – Classic-Open-Air-Konzerten (ich glaube, die werden immer Classic geschrieben, wie man das dann ausspricht, Klässik oder Klassik, weiß ich nicht). Ebenso werden dort (in der italienischen Provinz) Operncharaktere wie deren Interpreten mit Jubelsturm oder Hassgesängen begrüßt. Die Interpreten sind es gewohnt, gegen das Publikum ansingen zu müssen.
    .
    Vergleichbares habe ich in Deutschland nur einmal erlebt, ausgerechnet in der Deutschen Oper Berlin, als ein Nebendarsteller in (ich glaube mich richtig zu erinnern) Turandot die Bühne betrat und noch bevor er auch nur die Lippen spitzen konnte, inmitten operngemäßer Stille im Publikum von einer Gruppe mittelalter Männer in den vorderen Reihen auf fußballfanartiger Weise ausgebuht und ausgeschrieen wurde. Der Vorgang wiederholte sich mehrfach und endete beim Vorhang in einem wüsten Geschrei. Wir konnten uns das damals nur mit Hilfe einer von uns ersponnenen, in die Oper hineingetragenen Liebes- und Eifersuchtsgeschichte unter Männern erklären.
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    Ich lebte mal Tür an Tür mit einem Wagnerianer. Meine Kinder lachen über Wagner, lieben Mozart (und Weill-Songs). Sie sind wohl geraten.

  81. Danke, Thomas Draschan....
    Danke, Thomas Draschan.

  82. Das sagt sich leicht: Wer...
    Das sagt sich leicht: Wer Schnittke sät, soll Britney ernten.
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    Aber womit genau werden wir sie ins Irrenhaus dudeln? Abba? Die Stones? Jungfernkranz?

  83. Der Gang des Tiefssinns hier...
    Der Gang des Tiefssinns hier haette den Wagner schon sehr amuesiert, Scherzbold, der er war. Der Mann war ja nicht nur ein genialer Komponist und Librettoschreiber, in Bayreuther Kneipen machte er Kopfstaende, trank und war auch sonst sehr gut gelaunt. Beim spaeteren Bewunderer Dolferl haette er wahrscheinlich doch sehr ironisch gegrinst. Der Mann (Wagner) wusste vom Verhaeltnis von Kunst und Geschaeft. Halt ein schlauer Sachse. Die Verehrung, welche ihm schon zu Lebzeiten zuteil wurde, quittierte er meistens mit Witz. Der Bewunderer F. Nietzsche besuchte ihn am Vierwaldstaedter See, legte Wagner eine selbstkomponierte Oper vor und musste sich anhoeren, dass hier ein Meuchler mit einem Libretto unterm Mantel erschienen sei. Der Humor, so liess ich mir erzaehlen, werde in Wagners Opern zu wenig gewuerdigt. Nun gut, sei es so. Ich weiss es nicht, denn ich las nur Gregor-Dellins Biographie.
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    Ueberhaupt finde ich dass das Operngenre zu ernst genommen wird, das deutsche sowieso. Und das des 19ten Jhdts. erst recht. Allen heiteren, flachdenkenden Menschen zum Troste gibt es heute ernsthafte Regisseure, Saenger und Dirigenten, die dem Ernst des Lebens mehr als nur gewachsen sind, wie das folgende Beispiel zeigen wird. Hier wird Musik des 18en Jhdts. aufs Gelungenste mit der Indianerromantik des Karl May des 19en Jhdts. verknuepft.
    Bitte beachten Sie den wurschtigen Trommler am linken Buehnenrand-und halten Sie durch: nach der Prairie kommen die Guten Wilden. Auch empfehle ich die Hintergrundfiguren, welche die spanischen, portugiesischen und franzoesischen Eroberer darstellen. Ueber Demoiselle Petitbon, braucht man kein weiteres Wort zu verlieren. Leider zeigt sie am Ende eine leichte Schwaeche in der Stimme. Sie ist aber auch ein zu zartes Maedchen.
    Meine Damen und Herren, hier nun das Rondo aus Les Indes Galantes von J.P. Rameau. Der Dirigent ist der hochverehrte Herr Gardiner, dessen ernsthafte Arbeit seit Jahrzehnten ueber alle Zweifel erhaben ist.
    Das Traeneneimerchen finden Sie hinter der Logentuer.
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    http://www.youtube.com/watch?v=3zegtH-acXE&feature=related

  84. Auf die Gefahr hin, dass...
    Auf die Gefahr hin, dass dieser Aspekt schon erörtert wurde (ich bin gerade erst über das heutige Thema gestoplert und für vollständige Lektüre des Blogs fehlt mir leider die Zeit…):
    Nach meiner Beobachtung macht es einen erheblichen Unterschied ob man selbst musiziert oder ob man sich fremder Leute Musizieren anhört.
    Als Hörer endet für mich der Genuß zeitlich in etwa bei Wagner, Rachmaninov usw.
    Aber als früheres Mitglied in einem Studentenorchester fand ich es jedenfalls durchaus auch interessant und kurzweilig, sich spätere (Schostakowitsch) oder gefühlt spätere (Strawinski) Komponisten vorzunehmen. Man ist als Musiker insoweit doch etwas mehr gefordert… Was nun das Publikum „meiner“ eigenen Konzerte: ich hatte immer Verständnis, wenn sich jemand unser Spiel dann lieber nicht anhören wollte. Die Eltern und Geschwister sind aber trotzdem immer brav als Publikum erschienen; Blut ist halt doch dicker als Wasser.
    Ich habe allerdings die neuere Musik (insbesondere 2. Hälfte des XX. Jh.) zuweilen auch mal – nolens volens – im dem Programm der hiesigen Sinfoniker versucht. Regelmäßig ließ mich nur die Aussicht auf den zweiten Programmteil (regelmäßig „Gassenhauer“ der klassischen und romantischen Musik) das bis zur Pause durchstehen.
    Allein diese Programmzusmmenstellung (erst moderner Krams, danach musikalischer Genuß) regt mich im Übrigen auf: die Damen und Herren Intendanten haben offenbar ein musikalisches Sendungsbedürfnis versuchen in dieser Weise, das Publikum zum Hören von „Modernem“ zu erziehen.
    Für mich ist dies eine unerträgliche Entmündigung des Publikums, bei welcher sich der Kulturbetrieb nicht wundern muss, wenn das Publikum eher ausbleibt.
    Es muss ja um Himmels Willen nicht direkt Herr Rieu mit seinem grenzdebilen Pop-Klassik-Ensemble sein (dem ich im Übrigen nicht zu nahe treten will; er ist zweifellos ein guter Musiker, der nur erkannt hat, dass er mit musikalischer Prostitution wirtschaftlich weiter kommt) oder – fast schlimmer – Paul Potts und dergleichen sein, aber man könnte klassische Programme für Einsteiger sicherlich zugänglicher gestalten, als dies zumindest in unserem kleinen Städtchen am Rhein hier die Regel ist….
    Aber dies nur so am Rande.
    Mit besten Grüßen

  85. thomas draschan@:So ist es....
    thomas draschan@:So ist es. Weil ich genau dieses Stück aus dem Opus von Schörnberg ebenso empfinde, wie Sie es geschildert haben, hatte ich ein Gedicht darauf hin (für mich) auf ihn geschrieben. Das diese Musik hermetisch wirken kann in der Rezeption, vermittelt natürlich oft den Eindruck von l`art pour l`art, als Glasper-lenspiel von Inisdern. Schön ist, das 100 Jahre alte Musik noch immer als neu empfunden werden kann.
    http://www.youtube.com/watch?v=QglpmtsVhX4
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchoenbergArnold/

  86. donna laura, bitte gern...
    donna laura, bitte gern doch!
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    Ich verschließe mich ungern bestimmten Musikrichtungen oder -stilen. Es macht mich manchmal ganz kribbelig, was ich bei Musik alles NICHT kenne. Schlimmer noch als bei Büchern. Mit Musik verbinde ich Erlebnisse und sie ist damit sozusagen ein Archiv meines Daseins. Wie erschreckend klein dieses Archiv jedoch immer noch ist!

  87. @muscat: Morgen spielt in...
    @muscat: Morgen spielt in „meinem“ Jazzclub „The Gothic Jazz Orchestra“…

  88. specialmarke, ich bin weitaus...
    specialmarke, ich bin weitaus größeren Kummer gewohnt. Daher viel Vergnügen bei dem Konzert. Klingt ganz unterhaltsam, was die Herren da machen. Repräsentativ für die „Szene“ halte ich es jedoch nicht.

  89. Den Fehler hat schon Nietzsche...
    Den Fehler hat schon Nietzsche gemacht, Wagner als Ersatzreligion zu nehmen – und dann war er zutiefst beleidigt, als er erkennen musste, dass Wagner doch nur ein egozentrischer Künstler ist (wenn auch ein genialer). Als mittelbare Reaktion hat er dann auch noch das ganze Christentum im Antichrist verdammt.
    Davon abgesehen glaub ich, das vielleicht die Münchner eine ganz besondere Gruppe sind. Ich zumindest schau mir auch gerne Opern von Händel (naja, manchmal vielleicht zuviel da capo), Puccini oder Verdi (a propos Frankfurt: Ich glaube diese Spielzeit wird/wurde der phänomenale Don Carlo wiederaufgenommen) an. Allerdings bislang nie in München – da geh ich lieber in die Philharmonie solange Thielemann noch da ist. – Und verglichen mit Mahlers achten, die ich da letztens hören durfte, ist Wagner doch wirklich noch dezent in seinen musikalischen Mitteln.

  90. HansMeier555@ Lachhaft ab dem...
    HansMeier555@ Lachhaft ab dem soundsovieltenmale ist doch das Sende-verhalten/praxis von HR2, WDR3, Bayern4, mit ihren routinierten Klassiksendungen. Immer das „gewohnte“ Repertoire, (Anno Rektisch, anorektisch), die Musikliteratur (auch neue Funde) in Form von Noten ist viel reichhaltiger, interessanter als dem werten Publico so suggeriert wird (Deutschlandfunk macht sich). Bloß kein Risiko eingehen. Es gibt wirklich hinreissend aufgeführte Musik quer durch alle Schaffensepochen abend-ländischer Musik etwa ab Guilleaume Dufay von engagierten, jungen europäischen, amerikanischen Companies bis zu der, z. B., Kammermusikpraxis des Cypress String Quartet.

    Ausserdem muß hier eine Lanze gebrochen werden für klassische arabische und indische, chinesische und japanische Musik, die ganz andere Klangdimensionen des Hörens erschliessen können.

    In der Bildenden Kunst haben die japanischen Holzschnitte eine unglaubliche Wirkung auf die westlichen Künstler des ausgehenden 19. Jhdts. gehabt, von van Gogh bis
    zu van de Velde, Frank Lloyd Wright etc.

  91. Vater Leopold Mozart empfahl...
    Vater Leopold Mozart empfahl seinem Sohn, Musik „für die langen Ohren“ zu schreiben. Der Sohn: „Prscht!“ und komponierte SEINE Musik, die die zeitgenössischen Kritiker als kompositorisch grandios beurteilten: „Aber wir verstehen sie nicht“!
    Was wollte Beethoven mit seinem Akkord nach dem 3. Satz/ am Anfang des 4. sagen: „Oh, Freunde, nicht diese Töne, sondern ….“.
    Ich glaube, man braucht einfach ein bisschen Zeit, Vorurteilslosigkeit und Offenheit, um sich in manches einzuhören.
    Danke, Plindos!

  92. Also, einen hab' ich...
    Also, einen hab‘ ich noch…
    If I’m down and so soft,
    i always go down to the river,
    und halte dann erstaunlich oft,
    meine Hand in den Glibber.
    The old man says to me,
    that they will never return.
    Der Mollakkord bringt es wirklich nie! – // voice in the background //
    Wären wir doch niemals gebor’n!
    After a long treatment,
    I went back down to the river,
    sie war Barby, ich nur Kent,
    zum Teufel mit dem Gebibber!
    (instrumental)
    Warning: Bad lyrics can cause depression!

  93. Don Alphonso: die Tatsache,...
    Don Alphonso: die Tatsache, dass Kunst des 20. Jahrhunderts bei der Oberschicht nicht gut gelitten ist, gilt nur für die Musik oder auch für die Malerei?

  94. Malerei als Investment ist...
    Malerei als Investment ist sicher sehr gerne gesehen.

  95. Zu meiner Zeit war der...
    Zu meiner Zeit war der Musikunterricht eine Katastrophe und ich habe nichts davon behalten. Infolgedessen bin ich musikalischer Banause und höre nur, was mir gefällt. Ich habe noch nie versucht, ein musikalisches Werk zu analysieren, zu verstehen oder zu interpretieren. Es geht einfach nicht. Wenn mir Wendell Kretzschmar op. 111 erklärt, ist alles ganz verständlich. Lege ich die CD ein, finde ich davon nichts wieder. Banause eben und Bauchhörer. Und wie mein Namenspatron verrät, ist vorrangig Barock und noch früheres meine Vorliebe. Trotzdem höre ich auch ganz selbstverständlich Neue Musik. Vor allem die Platten vom Kronos Quartet und Zweite Wiener Schule. Jetzt habe ich, quasi zur moralischen Stärkung, gerade Trios von Wolfgang Rihm aufliegen. Da mir als Nicht-Westviertler Urteile wie Vorurteile erspart geblieben sind, ist mir das ganz selbstverständlich, ich höre es gern. Das hat nichts mit Distinktionsgewinn zu tun. Ich kenne nicht einmal Leute, mit denen ich darüber reden könnte. Die würden „Rihm“ für eine neue Margarinesorte halten und mich fragen, wo es die zu kaufen gibt. Daß es in der Neuen Musik viel Publikumsveräppelung gibt und daß nicht alles davon bewahrenswert ist, ist mir auch klar. Aber gerade die Zweite Wiener Schule hat für mich längst Klassikerstatus. Die Anschlüsse aus der Musikgeschichte sind doch evident. Beethovens op. 131 könnte auch von Alban Berg sein. Oder weil Biber genannt wurde: die Rosenkranz-Sonaten gefallen Ihnen, Don Alphonso, und Webern nicht? Das verstehe ich nicht. Die Zeit wird bei der Neuen Musik die Spreu vom Weizen trennen. Wie es auch im 19. Jahrhundert der Fall war.
    .
    Über diese grandiose Inszenierung von „Indes galantes“ bin ich vor längerer Zeit auch gestolpert, Filou. Da wird der Begriff „Komische Oper“ ganz neu definiert. Dank übrigens auch für den Tipp zu „Ercole amante“. Auch sehr schön. Wenn Sie noch mehr von solchen Inszenierungen kennen: immer her damit.

  96. Plindos,
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    Vielleicht gibt es...

    Plindos,
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    Vielleicht gibt es auch unter den Neutönern solche, die man mit ganz viel Vorbildung, Anstrengung und gutem Willen am Ende goutieren kann — aber darum geht es ja gerade NICHT.
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    Denn dieses Angebot bedient eben gerade keine vorhandene Nachfrage. Denn es gibt gar keine qualifizerte Nachfrage! Denn eine qualifizierte Nachfrage kann ja nicht von jedermann kommen, sondern nur von den sozialen Eliten.
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    Unsere heutigen Eliten aber sind in dieser Hinsicht so bedürfnislos wie der Parkplatz vorm Baumarkt. Das ist das Elend und der Skandal. In eben diesem virtuellen Kommunismus liegt die eigentliche Obszönität unserer heutigen sozialen Ordnung wie auch unserer Musikverfassung.
    .
    Um Missverständnisse auszuschliessen: Ich meine definitiv NICHT den privaten Musikgeschmack und den privaten Musikkonsum unserer Elitionäre, der womöglich oft hochentwickelt, hochgebildet und hochkultiviert ist.
    .
    Ich meine ihre Sterilität. Ihre Weigerung, neue Kunst in Auftrag zu geben, sich darum zu sorgen („Kurator“ kommt wohl von „Sorge“), dass endlich mal wieder Kunst entsteht, die auch von politischer Relevanz ist.
    .
    Und auch das bitte jetzt nicht wieder missverstehen: Ich meine NICHT, dass sie geizig wären, oder mehr Geld für notleidende Orchester spenden sollten, damit die immer und ewig Beethovens Fünfte runterleiern können — Das letzte was uns fehlt, sind wohlmeinende „Mäzene“, die auch noch stolz darauf sind, dass sie alten Routiniers und neuen Scharlatanen bei ihren Fideleien „freie Hand“ lassen.
    .
    Was uns unsere Oberschicht, dieselbe, die sich bereichert, abschottet, ihre Privilegien politisch und rechtlich ausbaut und den Umzug in eine gated community schon ins Auge gefasst hat — was sie uns heute schuldet, ist ein ehrliches Bestreben, ihre sicher sehr gut begründbaren Ansprüche und Standpunkte auch durch die Mittel der Kunst zu verdeutlichen und zu legitimieren.
    .
    Wie sich diese Musik am Ende anhören, auf welche Traditionen sie zurückgreifen wird, darüber müssten dann nicht wir, sondern die Hofkapellmeister dieser neuen globalen Elite sich Gedanken machen.
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    Uns nichtzahlenden Nichtkuratoren bleibt es allenfalls unbenommen, erwartungsvoll zu mutmassen, dass eine solche Musik nicht nur anspruchsvoll, sondern eben auch „gefällig“ zu sein hätte. Für die Oper des späten 21. Jahrhunderts, so spekulieren wir, wird wohl wohl ebenfalls gelten müssen, was Gerhard Schröder einst in seiner genial unbekümmerten Art in Bezug auf das Holocaustdenkmal forderte: „Es muss ein Ort sein, wo die Leute gerne hingehen“.

  97. Schließen uns unbedingt...
    Schließen uns unbedingt Draschan an, er ist wahrer.
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    A. Berg, Schönberg, Stockhausen: Die reine Freude, beste Unterhaltung, pure Entspannung – schönsterGenuß. Alles davor eher Unterforderung. (… darf auch mal sein).
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    Und hat sich was mit „Sozialüberlegungen“ – ist bloß genau so, wie wir schreiben. (Und mit Überforderten hat man u. u. nicht so gerne zu tun, das stimmt.)
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    „Wenn ich mich mit meiner Phantasie unterhalte, unterhalte ich mich meist hervorragend.“ Das Gegenteil von Selbstgenügsamkeit – oder „Wer arbeiten geht, ist bloß zu faul zum Schreiben.“
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    „Eine eigene Meinung habe ich nur, wenn ich nicht gefragt werde.“ Wie man sich den Knecht so vorstellt.
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    Der Blogger – eine neue Spezies? Auf dem weiteren Weg der vaterlosen Gesellschaft.
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    „Hätte er doch den Westvierteln gegeben“ – Robin Hood war auch ein Idiot.
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    Ich kann hier schreiben, was ich will, die Armen kiegen trotzdem nur viele gesunde Kinder.
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    Die Höhe eines IQ erkennt man an der Qualität abseitigen Denkens. (Erst denken, dann werten)
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    Alle Blogs von Don in Summe reden womöglich recht eigentlich nicht von den Aufstiegswünschen der oben Genannten, sondern von der Abstiegs/Bergungswünschen der vergehenden Westviertel(-teile) in einem Weiter-Unten. (Worüber Westviertel evtl. demnächst promovieren)
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    „Auf das Jetzt geben wir nichts – wir sind immer historisch.“ Warum unter den Granfoulard eine gerittene Pferdedecke gehört.
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    „Etwas später erst segeln wir über Land – zur Bank von Waterloo.“ Die Vereinigten Staaten von Amerika – so gesehen.
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    Warum unter den Granfoulard eine gerittene Pferdedecke gehört? Weil es Gneisenau und Nettelbeck gab (Reformatoren der Aristokratie – in Richtung Bürgerlichkeit):
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    „Im gleichen Jahr bereiteten Scharnhorst, Boyen, Clausewitz und Gneisenau eine Volkserhebung vor, die Gneisenau verfasste … . … Nach Napoleons Rückkehr 1815 blieb Gneisenau weiter Stabschef von Blüchers Armee. Ein eigenes Kommando blieb ihm somit versagt, eine Entscheidung, die auf das andauernde Misstrauen des Hofes gegen ihn als „Jakobiner“ (mit seinen vormaligen Volksbewaffnungsplänen) zurückging, und die ihn tief kränkte. Trotzdem erfüllte er seine Aufgaben mit Tatkraft und Energie. …“
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    Zur Not tut es also auch der Granfoulard ohne Pferdedecke. Als abschreckendes Beispiel dafür, wohin einen die Pferdedecken bringen können, wenn man nicht aufpasst. http://de.wikipedia.org/wiki/August_Neidhardt_von_Gneisenau
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    Deutsche Kulturlandschaften – von fleissigen Maschinen wohl bestellt. (Es muss sich wohl um unsere Äcker handen, nichts anderes)

  98. @ Deutschlandfunk und...
    @ Deutschlandfunk und Plindos
    .
    Nachts von zwei bis morgens um fünf kommen da nahezu jede Nacht die tollsten (Musik-)Sendungen.
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    A. Hören lohnt,
    B. Die Uhrzeit ist bezeichnend
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    Und sicher hat Frau Schulz recht: Was es braucht kann man eben nicht überall voraussetzen.

  99. Und wir sind...
    Und wir sind merkwürdigerweise natürlich einmal mehr bei Thomas Mann, wenn man so will (nicht „bei der Genialisierung durch Krankheit“, an die wir nicht glauben, Unfug), aber immerhin doch beim „Dr. Faustus“:
    .
    „Neben dieser äußeren Entwicklung Leverkühns vollzieht sich während des Leipzig-Aufenthalts sehr stark und rasch seine innere Entwicklung. Insbesondere der Kontakt zu einer Prostituierten („Esmeralda“), die der Komponist scheinbar zufällig kennenlernt … . Der Ruf „hetaera esmeralda“, den Leverkühn auch motivisch als „h-e-a-e-es“ wiederkehrend in seine Werke einbaut, bewirkt die Lockung des Teufels.
    Adrian Leverkühn infiziert sich, um Genialität zu erlangen und um die neuartigen Musikwerke schreiben zu können, die ihm vorschweben, bei der Prostituierten bewusst mit Syphilis. …
    .
    Leverkühn verspricht sich eine ´Genialisierung durch Krankheit´ und infiziert sich mit Syphilis. Bis zur Entdeckung des Penicillins war Syphilis eine verbreitete Seuche, die durch Geschlechtsverkehr übertragen wurde. Sie manifestiert sich in verschiedenen Organsystemen, vor allem aber im zentralen Nervensystem. ´Genialisierung durch Krankheit´ ist ein literarisches Motiv des Fin de siècle und der in dieser Epoche aufgetretenen Kulturströmung Dekadenz, lässt sich aber naturwissenschaftlich nicht verifizieren. Friedrich Nietzsche war an Syphilis erkrankt, im Spätstadium der Seuche in geistige Umnachtung gefallen und nach langem Siechtum gestorben. Nietzsches Lebenslauf hat Thomas Mann als Vorlage für seine Kunstfigur Adrian Leverkühn gedient.
    .
    Angeregt und illuminiert durch das Initialstadium der entzündlichen Gehirnzerstörung erfindet Leverkühn die Zwölftonmusik, auf eigene Hand und ohne von Arnold Schönberg zu wissen. In seinen Selbstkommentaren nennt Thomas Mann die Reihentechnik Teufelswerk und befürchtet amüsiert: «Schönberg wird mir die Freundschaft kündigen». Tatsächlich führte der Roman zum Zerwürfnis zwischen Thomas Mann und Arnold Schönberg. Dieser fühlte sich verletzt, ausspioniert und hintergangen und setzte sich öffentlich zur Wehr. Dass ausgerechnet Thomas Mann mit T. W. Adorno zusammengearbeitet hatte, machte die Sache nur schlimmer, weil Schönberg immer schon eine Abneigung gegen seinen größten Apologeten hegte. Die ab der zweiten Auflage von Thomas Mann hinzugefügte Anmerkung auf der letzten Seite, in der Schönberg die Priorität an der Zwölftonmusik ausdrücklich eingeräumt wird, konnte das einmal belastete Verhältnis nicht wirklich bessern. …“
    .
    „Für das Romanprojekt studierte Mann musikwissenschaftliche Lehrbücher sowie Biographien, darunter solche zu Mozart, Beethoven, Hector Berlioz, Hugo Wolf und Alban Berg. Seine musikalischen Erfahrungen hatten aber mehr mit dem Hören seiner Lieblinge Wagner und Brahms zu tun, es fehlte ihm an Expertise, vor allem der zeitgenössischen Musik. Deshalb nahm er Kontakt mit Komponisten wie Igor Strawinsky, Arnold Schönberg und Hanns Eisler auf, um sich in Sachen Komposition unterweisen zu lassen. Der wichtigste Berater jedoch war der Musiker, Komponist, Musiksoziologe und Philosoph Theodor W. Adorno. Die musiktheoretischen Äußerungen des Teufels im Teufelskapitel stammen nahezu wörtlich aus Adornos Philosophie der neuen Musik, mit dessen Erlaubnis….“
    .
    http://de.wikipedia.org/wiki/Doktor_Faustus
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    Der Dr. Faustus ist und bleibt wohl bis auf Weiteres „das bürgerliche Scheidewasser“.
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    (Wie auch Savall mit W. Kretzschmar inzwischen feststellte)

  100. Ich habe es schon mehrmals...
    Ich habe es schon mehrmals erwaehnt, lieber Savall: Opera Garnier, Paris, 2002 (glaube ich), Rameau, Platée, Minkowski, Paul Agnew als Platée. Grandiose Inszenierung mit sehr gutem Ballett, Ironie, Ironie. Und nochmals Ironie.
    Vor vielen Jahren kaufte ich mir die CD. Alles blieb mir unverstaendlich. Erst als Buehnenauffuehrung wurde Geist und Witz mir deutlich. Die nachfolgende, nicht ypische Ballettszene verwende ich sehr gerne wenn das bloede Thema Geschlechterkampf (besonders wenn apodiktische Noelkoeppe langweilen) anstand. Aber bitteschoen:
    http://www.youtube.com/watch?v=7z8LmH0s9lQ
    .
    (Wurde hier schon mehrmals verwendet)
    Kaufen, Riemen aufs Heimkino werfen, Champagnerpulle oeffnen!

  101. "Die Höhe eines IQ erkennt...
    „Die Höhe eines IQ erkennt man an der Qualität abseitigen Denkens. (Erst denken, dann werten)“ – perfekt!57, danke für diesen satz.

  102. Mahler, Strauss oder...
    Mahler, Strauss oder Schostakowitsch sind doch nicht akademisch-verkopft! Das sind DIE prägenden Sinfoniker des 20. Jahrhunderts. Gerade bei Strauss wird ja auf das hinschmissige, das allzu wohlklingende kritisiert, bei Mahler das triviale-humoristische. Diese Musik ist das exakte Gegenteil von verkopft und akademisch. Es geht mitten ins Herz, es geht um große Gefühle. Verlust, Tod, Auferstehen, Scheitern!
    Was in Gottes Namen ist hieran verkopft? Man bilde sich selbst ein Urteil!!!
    http://www.youtube.com/watch?v=pPs4QzDNk_Q&feature=related#t=7m49s
    http://www.youtube.com/watch?v=xK7z2NhUrsQ
    http://www.youtube.com/watch?v=pdW56CgZbfs&feature=related#t=5m49s
    Das ist purer Rock’n’Roll! Von wegen verkopft!
    Wer dauernd nur Mozartgefiedel, Bachfugengeklimper, schräge 2. Wiener Schule oder postmodernen Kram hört ist selber schuld.

  103. Goethe als Mozart-Fan...
    Goethe als Mozart-Fan wünschte sich als Vertoner seines Faust – Mozart. Und das ausgerechnet als Intimfreund Zelters! Beethoven und Schubert verstand er nicht, obwohl er wohl Schuberts Vertonungen kannte.
    Des „Konservativen“ und „Tristan“-Verehrers Mann Beschäftigung mit Schönberg besagt wohl sehr viel! Diesen Jahrhundertroman kann man nur verstehen und genießen, wenn man Mann und A.Leverkühn folgen will. Wenn nicht, sollte man eine Parallele bei Brecht suchen: bürgerliches Gefühlstheater kanns nicht sein
    Partiturlesen hat wenig mit „Unmusikalität“ zu tun! Das versteht, wer sich darum bemühen WILL!

  104. @ Don Alphonso: wie in einem...
    @ Don Alphonso: wie in einem frueheren Beitrag erwaehnt hat meine musikalische Sozialisiserung tiefreichende familiaere Wurzeln. Ich kann deshalb die generelle Verdammnis der Musik des 20. Jahrhunderts nicht nachvollziehen.
    .
    Gerade die genennten Komponisten haben doch Musik geschrieben, die wirklich unter die Haut gehen kann. Die tragischen Momente in Janaceks „Amarus“ oder Strauss‘ „Im Abendrot“, dem letzten der „Vier letzte Lieder“ halten jedem Vergleich stand, sie sind absolut nicht atonal und duerften auch Ihnen gefallen- es sei denn, Ihre musikalische Welt endet wirklich im Barock. Auch dann empfehle ich Ihnen, nochmals einen Versuch zu machen!
    .
    Mir hat in diesem Zusammenhang die Lektuere von Steffen Moellers „Vita Classica“ grosses Vergnuegen bereitet, auch wenn das letzte Drittel ehrlich gesagt zu langatmig geraten ist: http://www.steffen.pl/vita_classica.php
    .
    Kleine Wagner Anekdote: weil der Gong in der Nachkriegszeit zu Kommentaren der Nachbarn fuehrte, gewoehnt meine Grossmutter sich an, meinen Grossvater mit dem Leitmotiv des Siegfried, kunstvoll gepfiffen, zum Mittagstisch zu rufen. Das kannte ich dann noch bis in die 80er Jahre so, der Gong hing unbeachtet in seiner Ecke und wurde nur von den Kindlein noch maltrtaetiert…

  105. @Andreas, thomas draschan
    Es...

    @Andreas, thomas draschan
    Es stellten sich ja schon genügend Stimmen ein, die Ihnen beipflichten. So möchte ich, nach mögliche Schwachstellen abklopfen. Die Reaktion-Vorwurfs-Karte würde ich nicht spielen wollen, denn das könnte als Bestätigung des Texts gelten: dass eine kleine Schar von Leuten alles was keine „Neue Musik“ ist als reaktionär verdammt. (Darüberhinaus hätten wir das Problem mit der Ironie, denn natürlich gibt sich unser werter Gastgeber nur augenzwinkernd als jener „Reaktionär“ aus)
    Rhetorisch würde vielleicht ein Schuh daraus, wenn wir die „Verächter der Neuen Tonkunst“ darauf hinwiesen, dass sie sich ebensogut den Schuh anziehen könnten:
    („Denen ging es eben manchmal um den aufgeführten, akademischen Diskurs. Und ihren Fans um eine Distinktion“)
    Dieses allgemeine Eingedresche auf die Neue Musik, das Regietheater etc., geht es da nicht ebenso um Distinktionsgewinn? Oder zumindest die beruhigende Versicherung, dass andere auch noch so vernünftig fühlen, wie man selbst?
    „Es spricht einfach viele Musikfreunde nicht an.“
    Dann geh‘ ich lieber zu den -feinden.
    Vielleicht ist es ja letztlich einfach: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. – Nur sollt man auch leidenschaftlich drüber streiten. Literatur und Musik sind auch für einen gelegentlichen Dönerfresser wie mich Herzensangelegenheit.. Und bei manchen Klavierstücken von Schönberg ist das ästhetische Vergnügen so groß, dass zu Gänsehaut den Rücken hinabperlt, während Mozarts Brandenburgischen Konzerte mich nach 10 Minuten spätestens in einen Zustand tumber Trance versetzen, aus dem mich nur eine ordentliche, klare Dissonanz wecken könnte.
    „[..] wie es eben so ist: Angenehm.“
    Mit Verlaub, da fehlt mir die Leidenschaft. Leidenschaft, die von der Sache kommt. Man mag von Adornos „Philosophie der neuen Musik“ halten was man will, vielleicht ist sie schon doktrinär (nebenbei: die Kulturkritik der „Dialetkik der Aufklärung“ würde diesem Blog auch sehr eignen), aber leidenschaftlich ist sie… bis dahin Stravinsky mit psychopathologischen Vokabeln zu belegen.
    Ist das alles was von der Musik, der Literatur, der Kunst bleiben soll: angenehm? – Was ist das denn für ein (massenkompatibles) Sedativ?
    ______________________________
    Auch wenn ich nicht wage es für mich selbst zu reklamieren. Er selbst hielt sich leidenschaftlich dran:
    Bring vor, was wahr ist. Schreib so, dass es klar ist. Und verficht’s, bis es mit dir gar ist. – Ludwig Boltzmann

  106. ..das schlaue Füchslein;.....
    ..das schlaue Füchslein;.. .ich dachte immer, ich hätte es als program. Musikspiel, aber es ist eine Oper,die ich schon lange nicht mehr gehört habe.
    Seltsamerweise gab es zu jener Zeit ein kleines Hotel im Gran Paradiso, dass eine kunstvoll aufgenommene Fotoserie mit einem zahmen, großgezogenen Fuchs ausstellte, dessen
    Lebensgeschichte vom Welpendasein bis zum alten Fuchsengreis zeigt.
    Einer der beiden Besitzer des Hotels ist kunstinteressiert, malt selbst und hatte im letzten Jahr wunderbare Aufnahmen der seltenen Nationalparktiere an den Wänden.
    (verz. Sie die kl. Abschweifung)
    .Langweilig war daran nichts..!
    ..aus der gleichen Zeit war bei mir der wundersame Mandarin..als private cd.Aufnahme..
    es gibt nicht viele in meinem Bekanntenkreis , die diese Sachen kennen und es macht Spass, ´mal ´drüber zu reden.
    Wenn ich heute den Rolling Stone aufschlage, sind die Namen der präsentierten Bands spanische Dörfer..
    zum Genuss und Spiel mancher klass. Musikstücke benötigt man viel Zeit und Ruhe..
    ..

  107. Kleinbürger ist wer in...
    Kleinbürger ist wer in Gedanken nicht darüber hinauskommt worüber er im Leben nicht hinauskommt. Es gibt Menschen die es in ihrer Lektüre nicht bis zu Musil, Proust oder Joyce geschafft haben, geschweigen den darüber hinaus. Es gibt Leute die Entspannungsklassik hören und dazu aus hässlichen alten Kaffeekannen deutsch Plörre trinken und glauben das sei Kultiviert. Weil sie nicht wissen dass es jenseits von Attitüde überhaupt eine Sinnhaftigkeit von Kunst gibt und weil sie so kleinbürgerlich denken dass sie von sich auf andere schliessend glauben die anderen verstünden auch nicht was man selbst nicht versteht. Wie engstirnig. Bitte liebe FAZ stellen sie doch diesen ekelhaften Spiesserblog ab. (Im übrigen freue ich mich dass meine Freunde nicht nur Konzerte mit klassischer Moderne besuchen sondern oft genug selbst zur Aufführung bringen, die Spiesserfreunde vom Herrn Blogger sind halt genauso beschränkt wie er selbst)

  108. @DA Leider ist mein gestriger...
    @DA Leider ist mein gestriger Kommentar anscheinend in den unergründlichen Weiten des Internets verloren gegangen. Dies ist der zweite Versuch.
    *
    „Es ist kein Spass mehr, es ist ein Joch, unter dem man sich zu beugen hat ….“
    *
    Genau so ist es. Was mich besonders stört, ist doch dieses todernste, in Ehrfurcht erstarrte Getue, was beim öffentlichen Kunstgenuss gezeigt und erwartet wird, jedenfalls in Deutschland. Zu einem meiner schönsten Konzerterlebnisse gehört immer noch Loriot „Der Ring an einem Abend“. Was haben wir gelacht. Es war auch deshalb so schön, weil die vom Don erwähnte Spezies „Wagnerianer“ im Publikum saß und sich gehörig echauffierte. Es ist doch sehr bezeichnend, dass jemand „Loriot“ liest und trotzdem unfähig ist, sich Wagner als Satire vorzustellen. Ich höre ihn seit dem ganz gerne mal.
    *
    Das Gros der modernen Musik gibt mir jedoch auch nichts, besonders die Künstler, die einem gemeinhin als „bedeutend“ angepriesenen werden. Mitunter stolpere ich aber über Ausnahmen und die sind in meinem Falle z.B. der schon von Plindos erwähnte Arvo Päert, Ralph Vaughan Williams oder Einojuhani Rautavaara. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass eine gute Aufführung einem die Musik erschließen kann. In meinem Falle z.B. eine sehr berührende Aufführung der Oper „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc.
    *
    Das gilt jedoch nur für die Musik. Im deutschen Theater hat sich bei mir bislang noch nie etwas erschlossen, da bin ich regelmäßig verzweifelt oder eingeschlafen.

  109. "Bitte liebe FAZ stellen sie...
    „Bitte liebe FAZ stellen sie doch diesen ekelhaften Spiesserblog ab.“
    .
    Aufgrund der „Neuköllner“ Rechtschreibung und Interpunktion kann der Antrag nicht bearbeitet werden (Ganz abgesehen daven, dass der Aufschrei ungleich grösser wäre, wenn sie es denn täte).

  110. Lieber Don Alphonso,...
    Lieber Don Alphonso, zuvörderst (ha, wie schön altmodisch) müssen Ihnen Alle, die hier so wacker aus ihren Meinungen, Denken kein Hehl machen, Dank aussprechen, dass Sie´s aus Ihrer ebenso wenig tun. Und geduldig das „Konzert“ so dissonant wie möglich, geduldig und passioniert (leidend?, nein? zumindest doch bajuwarisch barocken, tolerant bis grantelnd), ermöglichen.

    HansMeier555: Sie haben den Nagel auf den Kopf (der leider nur imaginär, sozusagen
    komplex als Zahl i existiert. Der Kopf hat sich rückbezüglich in sich selbst verkopft (ist natürlich höherer Blödsinn, aber unwillkürlich wußte ich was s i c h damit ausdrücken will)) getroffen. Zusammengefasst was nachstehender „Bloggist“ perfekt!57 klar und Sie, prägnant gemeinsam, auf verschiedene Weise und Annäherung, zum Ausdruck bringen ist genau die Malaise an der Deutschland seit 200 Jahren krankt. Vermutlich einer der Gründe, der H. v. Kleist dazu brachte, sich mit Henriette Vogel das Leben zu nehmen. Diese Malaise ist nicht nur auf Deutschland beschränkt, hier hat sie
    nur ihre spezifische Ausprägung gefunden. Aber das Leben sich nehmen, dazu sind alle virtuell hier Versammelten viel zu lebenslustig, als dass sie solch finalen Abgang vorzeitig suchen wollen. Zurück zu dem was ich mit meinem unbescheidenen Stümpern zum Ausdruck bringen will ist, dass sich in unserem Land wirklich etwas dahingehend verändern sollte, was Helmut Kohl nur allzu unzureichend und dumpf
    erahnte, mit seinem Wort von der nötigen geistigen Wende und dann verläppern liess.

    Also, in loser Rehenfolge aufgeführt, müssen/sollten/könnten Philosophie (mit einem Surplus an Religion), Dichtung und Schriftstellerei, Musik, Malerei u. Bildhauerei, Architektur incl. Städtebau sowie Landschaftgestaltung, Medien und Schauspiel, Sport
    eine neue, unverwechelbare (dennoch eigenständig bleibend) eine Symbiose eingehen. Jenseits von Kuratorendünkel, Kulturmanagement (sauba sog i)Funktionärs-u. Gschaftlhuberei, tagespolitischen Macht(Sandkasten)spielchen. Puh, ein Kliest´scher Satz….um diesem ganzen elenden Krampf zu entrinnen, dieser hochgepriesenen Ödnis, in Photographie, Film und TV sichtbarlich jeden Tag auf´s Neue dokumentiert, diesem unfruchtbaren, larmoyanten Friede-, Backe-, Eierkuchensch… dieser sozialversicherten Elitenverachtung allenthalben, mit Freitag- abendkrönung mittels Krimi (incl. darin dargebotener Westviertelverachtung). Das Westviertel ist selbst daran schuld, das es so eine lausige Figur hinter seinem wunderbaren Rasenflächen macht. ja, ja reine Polemik von mir, aber weils eh wahr is.

    Die Rezeptur, das Drehbuch, die Handlungsanleitung dafür gilte, wie immer, mit disclaimer, genau das im fortlaufenden Leben zu finden. Ach ja: Das Buch von Thilo Sarrazin (ob gut o. schlecht, sei dahingestellt) hatte versucht an diesen Gittern zu rütteln, war aber m. E. immerhin der praktisch denkende Versuch der lähmenden Lethargie zu entrinnen. Unsere gegenwärtig lehrenden und amtierenden Heroen der Philosophie hätten da noch einiges von im zu lernen. Nämlich wie man die öffentliche Meinung mobilisieren kann um einen Sachkern im besten platonisch-sokratischen Sinne zu polarisieren.

    Hier möchte noch sagen, dass Loki und Helmut Schmidt auf ihre Art, jenseits von Parteien und Mainstream, mit stillem, gebildeten und lakonisch-realistischem Lebensstil, ein Beispiel andeutungsweise von dem obig Gesagtem widerspiegelten, im privaten wie öffentlich-politischen Lebensbereich.

    Nun denn. Noch ein Nachpfoff (elitär, völkerumarmend, einsiedlerisch): Schrill, dissonant, gedengelt, mit und ohne Gong, inclusive Hubschrauberlärm, U-Bahneinfahrbremsengeräusch, Cellistisch, Klavierübertrumpfendes Geklimpere, Strinquartestisch, collagierten sanften Flötentönen, wilden Tröten, Gerassel, harmonsich-disharmonisch, Zwölftönerisch verwegen highaut*.
    *hingehauen

  111. thomas draschan@: Glauben Sie...
    thomas draschan@: Glauben Sie mir, damit haben Sie sich ein Super-Eigentor geschossen und Hinten eingerissen was Sie Vorn aufbauten. Hatten Sie doch garnicht nötig-ts, ts. Mei, a Progressiver ohne Regreß.

  112. Hier spricht der größte,...
    Hier spricht der größte, modernste, alleravantgardistischste Dichter:
    http://www.youtube.com/watch?v=pM9FMRhjcYM

  113. Phorkyas, es ist doch so:...
    Phorkyas, es ist doch so: Musik muss immer ein Angebot sein. Niemand lässt sich freiwillig anschreien oder schlecht behandeln, alle möchten ihre Zeit nicht mit Qual verbringen. Konzerte nun zwingen nun mal dazu, sich realiter an gewisse Regeln zu halten, man klatscht aus Höflichkeit und denkt sich, dass man die Leute mindestens dreimal hervorklatschen muss, sonst fühlen die sich schlecht, und das will man auch nicht. Mir zumindest geht es so, dass ich mich, wenn ich gezielt überfordert werde, schon während des Stückes schlecht fühle, weil ich nicht ehrlich sein kann. Irgendwann ha be ich dann begriffen: Ich gehe nur noch in Konzerte, wenn ich mich dabei gut fühle. Das ist das eine.
    .
    Das andere ist einfach meine Uneinsichtigkeit, mich so behandeln zu lassen. Ich bringe durchaus eine gewisse Offenheit mit, ich gebe mir schon Mühe – aber wenn ich den Eindruck habe, dass das nicht respektiert wird, mache ich es nicht. Schlimmer ist es übrigens bei Bereichen, in denen ich mehr als nur Amateur bin: Keine Gnade kenne ich mit Leuten, die versuchen, sich mit ihrem geglaubten Wissen zu überhöhen. Und schlimmer als Künstler sind in der Hinsicht die Journalisten, die sich was drauf einbilden, weil sie im Moment des Schreibens einen Wissensvorsprung haben, und gar nicht daran denken, ihr Wissen irgendwie zu vermitteln, sondern damit rumprotzen.
    .
    So etwas finde ich erbärmlich.

  114. @Plindos 12:54

    Danke, dass...
    @Plindos 12:54
    Danke, dass Sie das hervorgekramt haben!

  115. Eine Nebenbei - Ernte,...
    Eine Nebenbei – Ernte, sozusagen post mortem, den gebotenen Rahmen sprengend,
    ich meine, also irchndswie, Kulturgüter müssen doch finanzierbar und darstellbar sein, sofern der Staat als Mäzen verantwortungsbewusst eingreifen, einschreiten, regulierend, bei aller gebotenen Nachsicht, gewissermassen als jätender Gärtner tätig sein will:
    http://www.youtube.com/watch?v=YLlSP1FzyuA

  116. ....ich hab´im...
    ….ich hab´im Musikunterricht nur 4 en. ..eingefahren..bach gefiel mir, die zauberflöte war interessant und die stones zuhause gingen gut ab.
    am ende der mittelstufe, als ich gehen durfte, gefiel mir nur noch die Musiklehrerin, die verheiratet war und/aber ich hatte eine 2 o.3……
    ..in unserer gegend war viel guter jazz..

  117. Könnte es vielleicht sein,...
    Könnte es vielleicht sein, dass der Kern der Geschichte darin liegt, dass es in gewissen Kreisen dazugehört, Musik zu hören und schön zu finden, auch wenn man es einem gar nicht so liegt? Da verlegt man sich dann eben auf das ganz sichere, das man schön finden darf, ohne unangenehm aufzufallen und das man auch gewohnt ist. Und wenn es ein paar Jahrhunderte übderstanden hat, dann darf man wohl von einer grundlegenden Qualität ausgehen. (Muss ich mich an dieser Stelle als Freund des EKG 1958 bekennen?)
    Ach so, ich würde gerne mal Mozarts Brandenburgische Konzerte hören. Könnten Sie mir eine Aufnahme empfehlen, Phorkyas?

  118. "Ach so, ich würde gerne mal...
    „Ach so, ich würde gerne mal Mozarts Brandenburgische Konzerte hören. Könnten Sie mir eine Aufnahme empfehlen, Phorkyas?“
    Ich auch, die sind mir nämlich bis jetzt entgangen. Aber ich trinke ja auch Tee (und Kaffee) aus alten Kannen. Ein Tässchen Friesensee gefällig?

  119. Keine weiteren...
    Keine weiteren Kündigungsforderungen? Na dann habe ich gerade nochmal überlebt!
    .
    icke, sicher ist das so. Distinktion ist wichtig, sollte aber angenehm sein. Und um 1700 hätte es kein Hofkomponist gewagt, seinen Gönner anzuöden! Davon profitiert deren Musik bis heute.

  120. dann war da noch der kuk...
    dann war da noch der kuk general, der auf befragen die auskunft gab, zwei musikstücke zu kennen: das eine ist der radetzkymarsch. das andre nicht.

  121. O je, wie spießig! Ich fühle...
    O je, wie spießig! Ich fühle mich an einen alten Lehrer erinnert, der immer behauptete, sein Wellensittich drehe durch, wenn im Radio Musik von „Strichninsky und Murksky“ ertöne.
    @auch-einer:
    Ja, genau! Der Mann war auch so ein Wellensittich.

  122. Seltsam, wenn's um Musik,...
    Seltsam, wenn’s um Musik, genauer: wenn’s um den eigenen Musikgeschmack geht, flippen manche aus. Bei Teenagern mit deren jeweils augenblicklichen Moden ist’s amüsant …und nicht viel anders als hier bei den Meckerern (über den Don).

  123. ..............hätte nie...
    …………..hätte nie gedacht, dass dieses Thema solche Seelenblähungen hervorbringen könnte.
    Dabei ist mit dem Rossini’schen Motto eigentlich schon alles gesagt. Sehen Sie: Arnold Schönberg wäre nichts lieber gewesen, als so populär zu sein, wie Puccini (Ausspruch verbürgt). Das ist doch wunderbar: ein Italiener komponiert ca. alle zwei Jahre eine Oper; er kürzt, er verbessert, er kürzt, bis er die Wirkung erzielt, die er sich vorgestellt hat: direkt ins Herz. Und wenn der Rodolfo am Ende „Mimi“ ruft, schreit, jault, ist grosse Taschentuchparade. Das ist es doch! Heule ich unter meinem Niwoh? Wenn Musik nur mit dem Kopf kapiert werden kann, dann braucht es sie nicht. Verehrter Don Alphonso, kaufen sie sich wirklich mal die Janácek-Quartette. Das Melos-Quartett spielt sie wunderbar. Sie sind auch kurz, wenn das ein Kriterium sein soll. Janácek ist übrigens 1854 geboren, wenn das hilft. Dann, O Alphonso, kommen Sie vielleicht auch mal von Ihrem Barock-Tick runter! Der ist doch nicht die ganze Musik (ich habe auch den Verdacht, dass Sie, trotz des „gestandenen“ Bildes, das man sich von Ihnen machen kann, Anorektisches vorziehen. Stellen Sie sich doch mal vor, die Würzburger Residenz beginne, zu klingen: das geht nicht mit dem halben Stimmband, oder ohne Vibrato)!
    Zurück zu Janácek. In der Scala gab es „Die Sache Makropoulos“. Die Mailänder sind ein zynisches Grosstadtpublikum. Die Vorstellung war überhaupt nicht langweilig. Man blieb. Bis zum Schluss. Und die Leute standen auf und feierten die Gaukler! 80 % Platzausnutzung, 7 Vorstellungen, ein Mordserfolg.
    Weil: NICHT LANGWEILIG!
    Kennen Sie Rossinis „Viaggio a Reims?
    Quizfrage an Phorkyas: wann hat Mozart die Brandenburgischen Konzerte geschrieben?

  124. Immerhin muß man...
    Immerhin muß man konstatieren, daß die “ klassische Musik“ zur Degeneration mehrere Jahrhunderte gebraucht hat. Der Jazz hat den Abstieg in die Unerträglichkeit, bemäntelt durch “ Anspruch“, in wenigen Jahrzehnten geschafft. Deshalb höre ich gern Frühformen wie das Stride-Piano http://www.youtube.com/watch?v=nt_L6qtXupg

  125. @enidblytonfan: Ihr...
    @enidblytonfan: Ihr Youtube-Stück hat doch nichts mit Jazz zu tun – das ist günstigenfalls eine Zirkusnummer…

  126. Die Toleranz gegenüber der...
    Die Toleranz gegenüber der „Modernen Kunst“ wäre auch nicht so gross, wenn man als Museumsbesucher nicht selbst darüber entscheiden dürfte, wann man den Saal mit den Farbklecksereien wieder verlassen darf.
    .
    So müsste das sein: Man betritt den Raum, die Türen schliessen sich, und erst dann wird einem mitgeteilt, wieviele Minuten man das Kunstwerk (z.B ein Haufen Plastikmüll) betrachten muss, bevor man wieder hinaus darf.

  127. "Bitte liebe FAZ stellen sie...
    „Bitte liebe FAZ stellen sie doch diesen ekelhaften Spiesserblog ab.“
    Wenn das mal nicht die Forderung eines klassischen Spießers ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

  128. Ein interessanter Fall ist die...
    Ein interessanter Fall ist die Gregorianik. Die klingt für die meisten auch nur langweilig. Aber sie ist weder kakophon noch eine repressive Geräuschemacherei.

  129. @ Muscat

    "Deutscher Jazz = zu...
    @ Muscat
    „Deutscher Jazz = zu 90 % angestrengtes, verquastes Gehupe von Leuten, die ihr Instrument nicht beherrschen“
    @ enidblytonfan
    „Der Jazz hat den Abstieg in die Unerträglichkeit, bemäntelt durch “ Anspruch“, in wenigen Jahrzehnten geschafft.“
    Dazu fällt mir nur eines ein: Nichts pflegt der Deutsche so gerne wie seine Vorurteile.
    Am Ende ist es doch immer eine Frage von Qualität, auch bei zeitgenössischer Musik. Vieles von Arvo Pärt zum Beispiel finde ich durchaus hörenswert.

  130. @alle Wellensittiche: Sollten...
    @alle Wellensittiche: Sollten Ihnen die Kleine Nachtmusik von Johann Sebastian Bach oder das Hendl von Largo irgendwann zu marzipanhaltig vorkommen, empfehle ich wärmstens Moses und Aron von Arnold Schönberg – das Stück ist viel besser, wenn auch schwerer verdaulich als Kürbistarte.
    @Je langweiliger die Musik desto länger die Erklärungen: Sie haben ja so recht. Diesen modernen Krach kann schon meine dreijährige Tochter machen, von einem gewöhnlichen Esel ganz zu schweigen: http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~EB6DA6C67B0874DB6A18009DEC12B4AB3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  131. Gute Musik ist, was man...
    Gute Musik ist, was man zufällig irgendwo hört, ohne zu wissen, was es ist, und dann noch mehr davon hören möchte.

  132. Danke, Filou, für die...
    Danke, Filou, für die Empfehlung der „Platée“, sie wird beherzigt werden. Im Zusammenhang damit gedenke ich gerne der elysischen Erfindung des Zeitalters der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerkes im allgemeinen und der DVD im besonderen. Welche Wohltat für einen Unterprivilegierten meiner Abstammung. Keinem meiner Vorfahren wäre der Besuch einer Barock-Oper möglich gewesen (soweit die spärlichen genealogischen Informationen reichen, handelt es sich um Gesinde, Fuhrleute, Kleinbauern aus dem Böhmischen und der Lausitz). Welche Demokratisierung mithin auch. Ich stimme Ihnen zu, Don Alphonso, in der Verurteilung des Kritiker-Diktats und ihrer willfährigen Adepten, die regelmäßig ihr Gehirn an der Kasse abgeben. Ich möchte werben für unverschämte Neugier und fröhlichen Eklektizismus. Ja, „Mozarts Brandenburgische Konzerte“ sind peinlich (wenn nicht eine satirische Provokation, Phorkyas ist Mephistopheles schließlich). Ich sage: „Es eifre jeder seiner unbestochnen von Vorurteilen freien Liebe nach!“ Es ist am Ende das Schöne an den Klassikern (inkl. Zweiter Wiener Schule), daß sie ja wirklich gut sind und ihre Wertschätzung keine Verschwörung des Westviertels. Ich bin in Sachen Kunstrezeption ein Snob. Ich lasse mir von keinem Kunstapostel einreden, daß der Kaiser nicht nackt sei. Den überheblichen Ständen stände auch ein bißchen mehr Mut gut zu Gesicht. HansMeier555, bitte übernehmen Sie.

  133. Peinlich ist es auch, wenn so...
    Peinlich ist es auch, wenn so Lederjackenrentner, die vor 40 Jahren mit rauchiger Hopsmusik berühmt wurden, diese jetzt vom Symphonieeorchester klassisch instrumentiert haben wollen.

  134. ....wer hat da was...
    ….wer hat da was durcheinandergebracht ? die dame mit dem wind oder …;
    die zauberflöte und bach wollt ich so nicht zus. verstanden wissen..weil gehören nicht zusammen, aber bach wurde gespielt v.(ober-) Lehrer>wohltemp. clav. und die zauberflöte gab´s vom knisternden phillips.krk, krk.. ptsch. krck,.sie können´s nachempfinden,gar nacherleben?.. auch den nach holz und papiermuff duftenden musiksaal..? dann haben sie ein kleines stück musik erlebt. wie die kritiker das auch gerne hätten, wenn sie über musik schreiben..krk,prtsch.kr ..kzatsch

  135. Brian Ferry's neue Platte! ...
    Brian Ferry’s neue Platte! Er sieht nicht nur cool aus – er ist Absolvent (Newcastle Uni).
    http://www.faz.net/s/Rub1637F1E578F4428A8B033B54C841364A/Doc~E6F224B737B7C49638C9A3F700098219A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  136. Oh Gott. Ich bin zwar schon...
    Oh Gott. Ich bin zwar schon alt, aber so alt, dass ich diese Mumie hören würde, dann doch noch nicht.

  137. Fionn, Brian Ferry und Roxy...
    Fionn, Brian Ferry und Roxy Music? Das war grosse, schraege Kunst. Brian Eno an seinen elektronischen Instrumenten, in seiner bizarren Verkleidung…
    …(ich geh’mir jetzt ’ne Kiste Bier kaufen. Aus reiner Nostalgie.)
    .
    @Gottwald, alias Savall, bis spaeter>

  138. @h.mayer..;..jeff beck ??...
    @h.mayer..;..jeff beck ??

  139. "Keinem meiner Vorfahren wäre...
    „Keinem meiner Vorfahren wäre der Besuch einer Barock-Oper möglich gewesen (soweit die spärlichen genealogischen Informationen reichen, handelt es sich um Gesinde, Fuhrleute, Kleinbauern aus dem Böhmischen und der Lausitz).“
    .
    die sangen noch selber und nicht nur in der kirche.
    .
    so gesehen entspricht dem bürger die kammermusik.

  140. Die kanonischen, die...
    Die kanonischen, die kontrapunktischen Formen, die thematische Verarbeitung vermögen viele Beziehungen zwischen den Dingen herzustellen, und dort ist zu suchen wenn wir zurückschauen wollen auf die Vorläufer – was noch überdies in der Komposition von zwölf Tönen steckt.
    Das großartigse Beispiel hierfür ist Johann Sebastian Bach, der am Ende seines Lebens die „Kunst der Fuge“ geschrieben hat. Dieses Werk enthält eine solche Fülle von Beziehungen ganz abstrakter Natur; es ist die abstrakteste Musik die wir kennen. Trotzdem die Tonalität hier noch vorhanden ist, sind hier Dinge zu finden, die auf das zugehen, was das Wichtigste in der Komposition in zwölf Tönen ist: nämlich auf den Ersatz der Tonalität.

    Wir wollen betrachten, was dazu geführt hat, die Tonalität zum Verschwinden zu bringen. Es gibt ja noch immer Leute die auf Grund der Tonalität komponieren, trotzdem seither ein Vierteljahrhundert vergangen ist. Das Bestreben, der gewählten Haupttonart eines Stückes Gegensätzliches auch im Sinne der Harmonik entgegenzustellen und dann Keile hineinzutreiben -,hat schliesslich gerade dort, wo man diese Gegensätze in ein besonderes Licht setzen wollte, zur Kadenz geführt. Hier war der Punkt, wo auch die Klassiker sich oft recht weit von der Tonart entfernt und Mittel angewendet haben, die für die Tonart verderbenbringend waren, und zwar gerade dort, wo manm es besonders darauf angelegt hatte, die Tonart hervortreten zu lassen. Gewissen Akkorde und harmonische Beziehungen haben radikal und radikalisierend gewirkt; z.B. die Molltonunterdominante (in C-Dur der Akkord Fis-As_des – die neapolitanische Sext – die erniedrigte Stufe von C-Dur).
    Schon dieses Beispiel zeigt uns deutlich den Weg, auf dem es dazu kommen konnte, mit zwölf tönen zu arbeiten. (Sie wissen ja schon, daß der Aufbau des ganzen Systems darauf beruht, daß man die verschiedenen Töne der Skala als Stufen ansieht und die Beziehungen der einzelnen Stufen ausdeuten kann.) – Es gibt eben nicht nur eine zweite Stufe, sondern zwei: die eine heißt in C-Dur D und die andere Des. Macht man das auf jeder Stufe, was kommt dabei heraus ? – Die chromatische Skala – und die Zwolftonleiter ist fertig.
    Ein anderes Mittel der Modulation ist der übermäßige Quintsextakkord (In C-Dur: Fis-As-C-Dis).
    Ich kann den Sinn all dieser Akkorde umdeuten und bin damit in der größten Geschwindigkeit woanders. Es war eigentlich kein Grund mehr vorhanden, wieder in die Grundtonart zurückzukehren, und damit war die Tonalität geliefert.
    Ein Beispiel, das sie im höchsten Grad frappieren wird, ist der Schluss des „Parzenliedes“ von Brahms. Es ist erstaunlich, was an Kadenzen darin vorkommt, und wie weit es durch seine ganz merkwürdigen Harmonien schon von der Tonalität entfernt ist! (hier gehört das Notenbeispiel des Parzenliedes her, die letzten 15 Takte)
    So ist das nicht zugegangen dass einer gefragt hat: „Wie ist das, wenn wir ohne Tonalität auskommen?“ – Es war einfach eine reifliche Überlegung und intuitives Finden. Die Klischees sind ganz einfach weggeblieben. Der chromatische Weg, d.h. der Weg, in Halbtönen fortzuschreiten, hat seinen Anfang genommen. (22 Jan 1932 aus einem Vortrag von Anton Webern)

  141. Ach, herrje, Filou, da hat das...
    Ach, herrje, Filou, da hat das FAZ-Login mein Pseudonym gelüftet. Was mir nicht in mindesten peinlich ist, ich stehe zu meinen Kommentaren. Das „A“ steht übrigens für André. Ich wäre ja ohnehin für Klarnamen, will aber niemanden unter Zugzwang setzen. Also lassen wir es bei dem Pseudonym, Jordi Savall zu Ehren, dem ich hoffentlich keine Schande mache…

  142. ...
    http://www.youtube.com/watch?v=7SN4aqXCE0Y
    .
    Da stroemt ‚was anderes durch meine Adern. Calvados ist es nicht.

  143. Um den Lederjackenrentner mal...
    Um den Lederjackenrentner mal weiterzudenken: Was komischerweise fast nie funktioniert (eigentlich kenne ich kein einziges gutes Beispiel), ist Jazz und Sinfonieorchester. Man denke an das Mahavishnu Orchestra: elektro-ethno-psychedelischer Jazz vom Allerfeinsten; zusammen mit dem Londoner Sinfonikern: zum Gruseln. Andererseits gibt es einen Thomas Quasthoff, bei dessen Kantaten man die Englein singen hört: mit Jazz und Blues grandios gescheitert. Von diesem Wagnermenschen, der dann Popsongs aufnahm, wie heißt er noch, lieber gar nicht zu reden. Aber woran liegt’s? Wie kommt es, dass sich zwei Kunst- und Ausdrucksformen, beide hoch entwickelt, so widerspenstig gegeneinander verhalten?

  144. Das Ganze ist säkularisierte...
    Das Ganze ist säkularisierte Askese. Busse für unsere Sünden, aber auch der Versuch, Gott durch Entsagung, Entbehrung, Andacht und Einkehr näher zu kommen. Verzichte auf Rhythmen, verzichte auf Melodien, verzichte auf alles, was dir je gefallen, kasteie dich, und irgendwann wirst du dich „eingehört“ haben und dann werden aus Stockhausens Kurzwellenstörsendergeräuschen die Engel entgegensingen. Wenn du sie nicht hören kannst, dann war dein Glaube noch nicht groß und nicht tief genug.
    .
    Solche Askese kann nur von wenigen geübt werden. Die alteuropäischen Mönche büssten nicht nur für ihre eigenen Sünden, sondern für die der ganzen Gemeinde, sozusagen als Sündenböcke und Stellvertreter, und genossen darum so grosses Ansehen und erhielten darum so viele Spenden. Je reicher das Kloster, dest mehr Mönche, desto mehr Busse, desto mehr Gnade, desto leichter der Eingang der nebenan wohnenden, nichtbüssenden Sündenbürger ins Himmelreich!
    Und wir haben dafür heute bürgerliche Einrichtungen wie Hochschulen, Kuratorien, Feuilletions, und diese beschäftigen ein Ensemble von Hochleistungsasketen, die dann, stellvertretend für uns, sich in die Neue Musik einhören, Stockhausen gutfinden, einen passenden Schwurbel formulieren und sich mit alldem, und mit ihrem guten bürgerlichen Namen darunter, in die Zeitung drucken lassen. Sage niemand, das seien Scharlatane! Immerhin zahlen die auch einen hohen Preis dafür, müssen sie sich damit auch beschäftigen, lebenslänglich.

  145. Wunderbar, was hier los ist !...
    Wunderbar, was hier los ist ! Großes Kompliment und Dank an den Autor und die Kommentatoren. Ich schaffe es kaum, auch nur mitzulesen !
    .
    Zur Sache vielleicht noch eine Literaturempfehlung: „Das undankbare Geschäft mit neuer Musik“ von Carla Henius. Das Buch ist schon ein wenig älter aber aus einer echten „Innenperspektive“ geschrieben und immer noch sehr lesenswert.
    .
    HansMeier555@: Ihr Vorschlag, dass grosse Unternehmen nicht nur beispielsweise ein Opernhaus betreiben, sondern die Vorstände auch die künstlerische Oberaufsicht übernehmen, beschäftigt mich schon eine Weile.
    Musiker müssen sich häufig verkaufen, um einfach wirtschaftlich existieren zu können.
    Wenn also ein großes Unternehmen oder irgendeine andere Institution mit entsprechender Bedeutung einen festlichen Rahmen wünscht, wird gern zur Untermalung der Reden ein Kammerorchester engagiert. Das Orchester sitzt dann, einheitlich in schwarz gekleidet, dekorativ auf der Bühne, während der Kameramann die blonde Schönheit am Cello im Visier hat. Die Aufgabe der Musiker ist es, während der Reden möglichst freundlich neutral auszusehen und dann die Zwischenmusiken zu liefern, die im Grunde in dieser Situation keine andere Bedeutung haben, als der Blumenkübel am Rande der Bühne. Über die Reden gelästert wird erst in der Garderobe. Peinlich wird es immer dann, wenn der Zettel mit der Programmreihenfolge, der von den vielen hilfreichen Stäben und Assistentinnen dem Vorstandvorsitzenden auf das Rednerpult gelegt wurde, während des langen Weges durch die Instanzen nicht mehr ganz aktuell ist und dann die falschen Stücke angesagt werden: „Sie hörten soeben das erste Brandenburgische Konzert und dabei war es etwas ganz anderes, zum Beispiel was von Mozart.
    Es kommt aber auch vor, dass, spät am Abend beim Bier, wenn der 60ste Geburtstag des Vorstandvorsitzenden gemütlich wird, dieser Mensch auf einmal ein ganz passables Boogie-Piano spielt und mit den ernsthaften Kammermusikern, die auf einmal nicht mehr so ernsthaft sind, eine echte Jam-Session veranstaltet. Wie schön wäre es, wenn diese Kategorie von Auftraggebern mehr Einfluss auf die Programmgestaltung nähme, und nicht alles seinen Stäben überließe, die nur das Zeitkorsett der Veranstaltung im Auge haben.
    .
    DonnaLaura@: Das Schlagzeug Ihrer Söhne im „zweitobersten Keller“. Sehr weise. War das die ehemalige Folterkammer, vielleicht sogar noch mit Falltür zum Verließ ?
    Herrlich, ich muss gerade an das Foltermuseum in Rothenburg ob der Tauber denken, mit den „Instrumenten“ für schlechte Musiker am Pranger.

  146. hallo

    oh mann, oh frau,

    ist...
    hallo
    oh mann, oh frau,
    ist das hier lustig.
    Also, da ich ein „Lederjackenrentner“ bin (nie selbst musik gespielt) mal mein derzeit bevorzugter sender.
    Montréal, Québec : http://www.wefunkradio.com/radio/
    das alte zeug ist ja nett – für das man sich hier so begeistert.
    aber, ist es nicht langweilig?

  147. Liebe Community!
    Ohne mich...

    Liebe Community!
    Ohne mich auch nur EINER der hier geäußerten Meinungen anschließen zu wollen, danke ich doch ALLEN Kombattanten für die zur Verfügung gestellten Links, die mir musikalisch neue Welten erschlossen haben.
    Dies ist nur in einem Blog zu haben, der dazu anstiftet, auch exponierte Positionen darzulegen und so andere an den eigenen Kenntnissen teilhaben zu lassen.
    Bitte weiter so!

  148. ..also ob man die...
    ..also ob man die Kürbiskerntarte durch eins der neueren Potenzmittel ersetzen sollte? Es erschlösse sich dann wohl auch neuere Musik… Aber auch ohne solche Mittelchen: langweilig war jedenfalls die gestrige 6. von Mahler in Praha keineswegs: es gab standing ovations eines teils sehr jugendlichen Publikums. Zwar spart der hiesige Saal nicht mit Dekorationen, die alltäglich mancherorts zum Sofakissen geschrumpft sind, doch war dies nicht maßgebend: Ausnahmsweise habe ich erhebliche Verständnisprobleme, lieber Don Alphonso!

  149. ....bei thomas daschan wird...
    ….bei thomas daschan wird für mich die luft dünn. durch die formenlehre der musik(cl.kühn) habe ich mich noch interessiert! durchgekämpft, aber die atonalität und 12ton-mus.ist im mayers taschenlexikon kürzer und verständlicher charakterisiert.
    seine beispiele muss man spielend mit notenvorlage ergründen, sonst wird´s zu schwer.
    zu bachschen fugen und harmonien füge ich hinzu, dass ich viele soli aus rock und jazz von vielleicht hendrix- bis bestimmt „man“aus wales in schrägen läufen wiederfand;
    soviel spass hatte ich daran , dass ich sie aM LIEBSTEN VON EINER WEIBLICHEN ALTSTIMME HÄTTE SINGEN LASSEN , WAS ICH JA SELBST LEIDER NICHT richtig kann..“your eyes are wondering..“
    ..bei meinen telemannfantasien finde ich meine rockvorlieben der 70er jahre wieder..,was das ganze lebendiger macht und eben nicht langweilig ist; es wurde gelebt..
    rossini und die langeweile..einige seiner stücke wurden zitiert o.umgeschrieben(homage?!) für gitarre in der klassik..und haben den einen o. anderen einfach umgehauen aufgrund der hohen spielgeschwindigkeit; sie sollen vor allem in der notation interessant sein,..wenn man´s ´mal spielen will u./o. kann>rossiniane.
    was ich nach dem hören mit einigen kommentaren der fachpresse und musikern teilte , war die begeisterung für eine entdeckung, die man glaubte gemacht zu haben.
    ..letztendlich nach dem verfolgen der vielen beiträge im blog frage ich mich allerdings, was die art und weise wie musik und das umfeld dargestellt wird.dem interessierten leser bringt..

  150. Bedrängnis, Wozzeck, Jenufa,...
    Bedrängnis, Wozzeck, Jenufa, Schostakowitsch.

  151. @ 17.52h & 17.57h. You are...
    @ 17.52h & 17.57h. You are dead right. Back to Bach.

  152. Die sixtinische Kapelle bringt...
    Die sixtinische Kapelle bringt uns keiner zurück.

  153. HansMeier555 (28.Oktober...
    HansMeier555 (28.Oktober 11:51) – Ihren Idealfall (für Konzerte nicht für Opern) gab es zumindest in den Fünfzigern, als Herr Abs Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank war (so hat das mir jedenfalls meine Mutter erzählt. Herr Abs wohnte gegenüber von uns in einem riesigen Park). Außerdem wurde im kleinen dummen Dorf kolportiert, dass bei Herrn Abs’s Hauskonzerte, die er auch veranstaltete, er in der ersten Reihe auf einem erhöhten Sessel saß und all anderen – einschließlich seiner Frau – auf niedrigeren Stühlen.

  154. Barockoper, Savall, waere in...
    Barockoper, Savall, waere in meiner DDR-Zeit voellig unvorstellbar gewesen. Barockoper ist Luxus, Verschwendung, Wahnsinn (Oper ist immer buehnengewordener Irrsin). Fuer Barockoper braucht es geldreiche Fuerstenhaeuser (oder Stadtbuerger, die sich etwas goennen wollen, aber erst lange nach 1789). Kein Mensch im realen Sozialismus haette sie verstanden oder verstehen duerfen.
    Die dramaturgische Delegierung von Gefuehlen, Intrigen, Schicksalen in eine ferne Goetterwelt, ist uns nicht erklaerlich. Dabei macht dieser Trick den Reiz des Kunstwerkes aus: man sieht sich gespiegelt, ist aber nicht man selbst und kann sich einer disziplinierten Distanz hingeben. Man beweint nicht sich, man betrauert das Schicksal eines anderen. So bewahrt man Haltung.
    Uns Nachgeborenen bleibt die Erinnerung an eine unglaubliche Eleganz der Musik und, wenn die Auffuehrung halbwegs ans historische angelehnt ist, die Freude an der schoenen Bewegung, der Kleidung-und vielem mehr.
    .
    Par exemple: http://www.youtube.com/watch?v=JIXsS16mhQY
    (Lully, Persée, Hervé Niquet. Ich weiss nicht, ob diese Auffuehrung unfreiwillig komisch ist.)

  155. HansMeier555 (21:46) die ist...
    HansMeier555 (21:46) die ist auf Tournee in China. Die kommt schon wieder. Keine Sorge. Stattdessen spielen die Oberkrainer im Vatikan.

  156. ... "Barockoper ist Luxus,...
    … „Barockoper ist Luxus, Verschwendung, Wahnsinn“, manchmal noch dazu mit subversiven Toenen, was die Sache noch verdaechtiger macht.
    Und die Sixt. Kapelle, HansMeier555. Wenn ich mir vorstelle, Kandinsky haette sie ausgemalt, oder Picasso, oder Jackson Pollock, oder …, nein, Chagall, das muss nicht sein. Was ich sagen will: Sei Ihnen selbstredend unbenommen, dass sie Ihnen so gefaellt, wie sie sich darbietet, auch muessen Ihnen (und wem immer) andere Stilrichtungen nicht behagen, habe aber Zweifel, ob man sie in ihren „erhabendsten“ Werken ueberhaupt nach Schoenheitskriterien vergleichen kann.
    Was Sie zu Schoenberg, Stockhausen usw. sagen, erinnert mich an das banausenhafte Geraune, mit dem Bach Zeit seines Lebens zu kaempfen hatte. Die Assoziation mit Asketismus scheint mir ein unsinniges Vorurteil zu sein, solange Sie sie nicht weiter spezifizieren; versuchen Sie es doch mal, an Ausschnitten des Lichtzyklus etwa.
    MfG
    G.S

  157. Die Neue Musik hat einen neuen...
    Die Neue Musik hat einen neuen Spezialisten hervorgebracht: Den Hochleistungsrezipienten.
    .
    Der soll, so munkeln die Laien, tatsächlich fähig sein, in den Geräuschen Musik zu finden!
    .
    Selber auch einmal Hochleistungsrezipient zu werden, das ist der Lebenstraum der Musikhochschulstudenten, die schon begriffen haben, dass es bei ihnen mit der Solistenkarriere wohl nicht klappen wird.

  158. @Filou
    Die kommen wieder? Mit...

    @Filou
    Die kommen wieder? Mit allem was dazugehört?

  159. Don Alphonso,

    ein ganz...
    Don Alphonso,
    ein ganz großes Kompliment! Ihre Ausführungen treffen immer wieder den Nagel auf den Kopf:
    „Ein deutscher Roman hat heute nur Chancen, wenn die Protagonistin zumindest selbstmord überlegt, anorexisch ist, mit dem Leben nicht klarkommt und idealerweise aussieht wie die Hegemann. Schloss Gripsholm hätte beim deutschen Feuilleton ebensoi wenig Chancen wie Balzac, der Taugenichts oder Evelyn Waugh. Was eine Chance hat, ist überschwerer Krempel voller Innerlichkeit und verschränkten Bedeutungsebenen, der es den Rezensenten erlaubt, ihre mit Wikipedia unterfütterte Halbbildung abzudrucken und es dann ihrem Professor weiterzuleiten. Bei einer anderen Zeitung habe ich das ein paar Mal genauso erlebt, so funktioniert der Bachmanpreis und dann wundern sie sich, warum keiner diesen Schmodder kauft.“
    Da fällt mir spontan die Pflichtlektüre aus meiner Gymnasialzeit ein: Drachenblut von Christoph Hein. Hoch gelobt vom Deutschlehrer sorgte die Lektüre allseits für verstörte Gesichter und akute Unlust an weiterer Leserei. Es muss ja nicht immer Erbauungsliteratur sein. Aber eine über 200 Seiten ausgebreitete Depression, kombiniert mit anderen seelischen Leiden ist dann doch etwas zu viel des Schlechten.
    Mit vorzüglicher Hochachtung
    ein Leser aus Berlin

  160. @G. Schoenbauer
    Es gibt...

    @G. Schoenbauer
    Es gibt Künstler, die stiessen anfangs auf Unverständnis und wurden später berühmt. Was glauben sie, was mit Stockhausen in 50 Jahren sein wird?
    .
    Apropos sixtinische Kapelle: Sie haben nix begriffen.

  161. Wenn ich mich schon anstrengen...
    Wenn ich mich schon anstrengen soll, dann doch lieber für eine Musik, bei der ich aus unverdächtiger Quelle weiss, dass sie für manche Menschen tatsächlich ästhetische oder andere Bedeutung hatte, z.B. javanische Dürregesänge.
    .
    Die westdeutsche Nachkriegs-Nullkunst finde ich, wie gesagt, so attraktiv wie den Parkplatz vorm Baumarkt. Der ist ja auch ein Kunstwerk irgendwie.

  162. Die Künstler können selbst...
    Die Künstler können selbst am wenigsten dafür. Denen geht es wie Kindern, die man sich selbst überlassen hat und aus Rache haarsträubenden Blödsinn anstellen.
    .
    Sie sind immer noch späte Opfer des romantischen Wahns, den Künstler als Genie und Halbgott anzusehen, aus dem das Werk so herausströmt.
    Jede Kunst ist immer auch ein grosses Gemeinschaftswerk, an dem viele Menschen beteiligt sind und eine Gesellschaft sich Ausdruck verschafft. Was aber sagt die heutige Nullkunst über uns aus?
    .
    Das Problem liegt bei der NACHFRAGE: Wir haben keine qualifizierte Nachfrage nach guter Gegenwartskunst, weil sich die sozialen Eliten ihrer Verantwortung verweigern.

  163. Donna Laura – bevor Sie...
    Donna Laura – bevor Sie nachfragen, ich war nicht in der Oper sondern beim Bundesverfassungsgericht. Da sah ich Herrn De Maiziere life. Natürlich habe ich nur zugehört und ihn nicht auf seine Argumente hin angesprochen. Manche Leute hatten wohl darauf gehofft, aber in meinen Kreisen redet man nur mit Leuten, denen man vorgestellt wird.

  164. Nun, HansMeier555, die Missa...
    Nun, HansMeier555, die Missa Papae Marcelli gibt es auf den segensreichen Tonträgern. Einen Farinelli kriegen wir allerdings nicht wieder, das stimmt. Heute haben wir Jochen Kowalski. Apropos Kowalski, Filou, bei den Händel-Festspielen gab es durchaus auch Opern. Ich erinnere mich auch an einen „Xerxes“ an der Leipziger Oper. Aber das ging natürlich nur im ideologischen Windschatten. Gottseidank waren die Politbürokraten herrlich ungebildet und verstanden schier gar nichts von dem, was ihnen von Zeit zu Zeit unter die Nase gerieben wurde. Und es waren zwar Barockopern aber keine barocken Opern. Zur Wechselwirkung zwischen Kunst, Macht und Repräsentation noch immer unübertroffen „Le Roi danse“.

  165. @HansMeier555,
    .
    "Was glauben...

    @HansMeier555,
    .
    „Was glauben sie, was mit Stockhausen in 50 Jahren sein wird?“ – Kann ich nicht sagen. Wer dazu in der Lage ist, muss m.E. ueber hellseherische Faehigkeiten verfuegen.
    „Apropos sixtinische Kapelle: Sie haben nix begriffen.“ – Ich befuerchte schon, trotz Ihrer verkorksten Ausdrucksweise.
    MfG
    G.S.

  166. Was ist Luxus? Antwort eines...
    Was ist Luxus? Antwort eines hochbezahlten Managers: „Wenn meine Frau Opernkarten für 470 EURO gekauft hat, ich die Oper schwänze und stattdessen auf dem Sofa liegend Fußball gucke…“.

  167. Verstehe den Aerger ueber Neue...
    Verstehe den Aerger ueber Neue Musik nicht. Die Schlachten Don Alphonsos und von HansMeier555 sind doch laengst gewonnen. Radio und Konzertsaele sind weitgehend befreit, es bleiben nur noch ein paar Lehrstuehlinhaber, die zu vertreiben sind, Lachenmann, Rihm…
    Und Pollini muss zur Raison gebracht werden. Der alte Herr laesst unbeirrt Boulez oder Stockhausen auf Beethoven und Chopin folgen, der Banause.

  168. Klar, Savall, Handel. Handel...
    Klar, Savall, Handel. Handel geht immer. Puh, Glyndbourne. Aber hoefische Oper?
    Le Roi danse, hm, zweimal gesehen, immer entspannt in der Wanne. Kitsch, nicht wahr? Dito „Farinelli“. „Marquise“, auch sehr schoen, besonders die Marceau. Wegen der ertruege ich jede Klitterung. Fuer die Marcaeu wuerde ich meinen Haenden empfehlen, jede Zurueckhaltung fahren zu lassen. Also die Marceau…hmmmm!
    All diese Filme geben mir den Verdacht ein, dass sie ein bisschen Auftragsarbeiten des franzoesishen Staates sind, der das Volk zur Rueckbesinnung auf alte Traditionen auffordern moechte.

  169. "Was glauben sie, was mit...
    „Was glauben sie, was mit Stockhausen in 50 Jahren sein wird?“
    Hoffentlich nur noch ’ne lustige Fussnote. Schon heute schreiben die Schreiberlinge doch nur einer von anderen ahnungsfrei ab. Immer wenn’s um moderne Musik geht, die diese Journalisten ebensowenig mögen, fällt automatisch der Name Stockhausen. Und immer wieder wird abgeschrieben, wie wie toll der Stockhausen die Elektronische Musik“ erfunden hat. Dabei hatte der mit dieser Revolution so gut wie nix zu tun. Sein Metier waren das Piano, Chöre, Bläser (man muss nur mal in seine Discografie schauen). Noch in den Achtzigern hatte er keine Ahnung von Synthesizern, gar Sequenzern, andere mussten ihm zeigen, was inzwischen und momentan so passiert (ist) in der aktuellen – populären – Musikszene. Einer seiner damaligen Mitarbeiter, ein bekannter Posaunist, hat darüber mal im Radio geplaudert. Stockhausen hat sich auf seinem einmaligen Osaka-Erfolg ausgeruht und ist im geistigen – katholischen – Schwurbel abgetaucht. Und wunderte sich wohl selbst, dass er immer als Erfinder der Elektronik in der ahnungslosen Presse (oder von jungen Musikern, die mit einem „heiligen“ Vorbild-Namen protzen wollten) genannt wurde.
    Ach… Musikgeschichte, ein Feld voller Ahnungslosigkeit, Irrtümer, Reklame, Hochstapelei, Lügen, … und ich bin mittendrin. Nicht einfach.

  170. Ich wehre mich dagegen, dass...
    Ich wehre mich dagegen, dass hier das Interesse an zwölftöniger Musik zur reinen Pseudo-Begeisterung erklärt wird, die lediglich auf gesellschaftlichem Druck beruhe (gibt es den wirklich? Mir scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein). Wenn ich zum Beispiel die Lyrische Suite von Alban Berg höre, sind mir die Meinungen irgendwelcher „gehobenen Kreise“ in dummen kleinen Städten piepegal. Ich besuche hauptsächlich wegen des Geschwätzes dieser Leute auch kaum noch Konzerte. Wirklich gerne gehe ich nur noch in die Musikhochschule, da sind nämlich die echten Enthusiasten. Meistens ziehe ich aber die CD vor. Es gibt da zum Beispiel eine großartige Aufnahme mit Bergs kompletter Kammermusik vom Schoenberg Quartett. Die lege ich immer mal wieder auf, bin keineswegs durchgängig begeistert, manchmal verstört, manchmal fasziniert, manchmal tief bewegt, manchmal auch genervt. Nur eines bin ich nie: gelangweilt. Auch deshalb, weil diese Musik hochgradig emotional und dramatisch ist. Nicht zufällig wird Berg als der „Expressionist“ unter den Zwölftönern bezeichnet. Davon abgesehen: Auch Palestrina kann ganz schön anstrengend sein, von Gesusaldo ganz zu schweigen.

  171. "Die sixtinische Kapelle...
    „Die sixtinische Kapelle bringt uns keiner zurück.“
    Ach! Ist sie weg?

  172. @kdm
    Ausgestorben....

    @kdm
    Ausgestorben.

  173. HansMeier555 bezog sich, G....
    HansMeier555 bezog sich, G. Schoenbauer und kdm, nicht auf das Bauwerk sondern den Klangkörper, der seinerzeit hauptsächlich aus Kastraten bestand.
    .
    „Le Roi danse“ ist für mich in keiner Weise Kitsch, Filou. Eher ein Lehrfilm, wie man Kunst zur Machtprojektion einsetzen kann. Wenn das teilweise kitschig wirkt, dann deshalb weil Louis Quatorze zu großem Teil aus Kitsch und Inszenierung besteht. Aber betrachten Sie Frankreich zur Zeit der Fronde und davor mit dem Frankreich von 1659 bis 1789. Nie ist eine ganze Klasse derart genial kastriert worden ohne daß Blut floß. Freilich war am Ende die Monarchie erledigt. Kollateralschaden.
    .
    Danke, Barocke Hörerin, ganz meine Meinung. Ich habe einmal, weil mir die Musik nicht zusagte, zu Ruttmanns „Symphonie einer Großstadt“ Alban Berg aufgelegt. Es war faszinierend. Obwohl die Musik ja gänzlich zufällig war, paßte sie zu Bildern und Schnittrhythmus als sei sie speziell dafür komponiert worden. Bergs Musik transportiert eben ein ganz bestimmtes Lebensgefühl und den Geist einer Epoche. Immer nur Barock wäre mir zu langweilig. Manchmal muß es dieses klare, harte, schnelle Tempo des Berlins der Zwanziger Jahre sein. Ich würde das nicht missen wollen.

  174. Ein Widerspruch zum ansonsten...
    Ein Widerspruch zum ansonsten nachvollziehbar argumentierenden Artikel sei gestattet. Doppelt Unrecht tut der verehrte Autor dem großen Russen. Einmal durch die greuliche Schreibung seines Namens in englischer Transliteration. Und seiner Abordnung ins blutleere Neu- und Zwölftönerfach.
    .
    Tatsächlich war Dmitri Schostakowitsch ein wollüstig komponierender Weltenschöpfer in spätromantischer Tradition, dies auch stets sehr zum Vergnügen des breiten Publikums (wenn auch weniger zu dem der Sowjetmacht).
    .
    Also ganz das Gegenteil der sonst nur zu zwangspädagogischen Lehranstalten verkommenen Konzerten verabreichten Schräg- und Quietschtöner à la Stockhausen, deren Grausamkeiten nicht einmal mit dem Kopf in der Hand zu ertragen sind.

  175. @ Istvan
    "Luxus - c'est...

    @ Istvan
    „Luxus – c’est maîtriser les détails“.
    Uebrigens die Farbkombination braun-gelb von LVMH gefällt mir überhaupt nicht.

  176. @ filou. Seit gestern habe...
    @ filou. Seit gestern habe ich Schluss gemacht mit Brian Ferry.

  177. ...hiamit begriese ich unsan...
    …hiamit begriese ich unsan ollsaits vaehrrten Don Fonsi, Ährenmidglied in unsam Heimatschutzbund „Tegernseer Buam“ und danggen fia sein uneigennitziges Engaschmang fia de Belangä dea Owerboarischen Wariandä in dea globalisiadn Wöld dea Zwefdonmusi. Mia lassn uns net den Schneid vo dene herglafane Breissn fon Meck-Pom und dene Auslända, wias die Estreicher sand, gar nie net okafa. Mia brauchn bei uns do herin koan Schtogghausn net! Wois eh wahrrr is.
    Vui Freid & Pfüat enk mianand! Defilierrrmarrrrsch fia unsan Fonsi! Aufi gehts Buam!
    http://www.youtube.com/watch?v=JOZqt5wbJdI

  178. @ Verehrte donna laura
    Seit...

    @ Verehrte donna laura
    Seit Tagen nage ich – trotz intensiver musikalischer Fortbildung in des Don Alphonso´s Blog – an ihren Gonosomen – homozygot, nein, NIE im Leben, auch nicht bei lückenlos dokumentierter Ahnenreihe bis in´s 11. Jahrhundert.
    Mit puterrotem, tief gesenktem Kopf und Blick auf die eigenen Zehen

  179. Danke, Wimmerl! Und pfiat di!...
    Danke, Wimmerl! Und pfiat di! Selten so gelacht…

  180. De Jong ist johd, do jeht de...
    De Jong ist johd, do jeht de Post af. Met Schmackes. Un für et Enk, alles zesamme Wat sääste?

    http://www.youtube.com/watch?v=13D1YY_BvWU
    http://www.youtube.com/watch?v=xUPrEahobIU&feature=related
    http://www.youtube.com/watch?v=0ZpCV3IFkS4&feature=related

  181. @icke @windsbraut (wenn auch...
    @icke @windsbraut (wenn auch schon etwas spät):
    Das treibt mir nun die Schamesröte ins Gesicht. Ich wollte nur ein bisschen über diese gefällige Musik a lá Mozart spötteln,.. und schon habe ich mich als den Dilettanten zu erkennen gegeben, der ich nun einmal bin [danke @schluepa] (- Für Tee oder/ und Lektüre höre ich jedoch gerne von Muza Rubackyté, 24 Preludes und Fugen von Shostakovich…)
    Auch wenn sich die Kommentarspalte schon gefährlich dehnt: Werter Don, natürlich soll Sie niemand zwingen Musik sich anzuhören bei der sich Ihre Fingernägel aufrollen (bei mir löst bspw. „Summer of ’69“ wahre Panik- und Fluchtattacken aus). Sie kritisieren die Überforderung, der Sie sich nicht aussetzen wollen, sei gezielt,.. eine Art künstliche Konstruktion, der Sie nicht folgen können? Sie müssen ja nicht. Aber auch ein Ignorant wie ich hörte bei Mahlers 7. etwas Neues hindurchschimmern, etwas das mich anzog und mich nach mehr suchen ließ. – Andere lässt das vielleicht einfach kalt.
    Was Sie von den Zwängen eines Konzertbesuchs berichten, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Es kann einem leicht die „Kultur“veranstaltungen verleiden. Aber diese aufgesetzt angestrengte Kennermiene, dieser Beifall, der beinahe am meisten sich selbst beklatscht für die Kultur, die man gerade genossen, ist es da nicht egal was man gerade vorgesetzt bekommt: Barockgefidel oder Cage-Clownerie, 17. Jhd.-Schinken oder Kubismus.
    *
    „Lassen Sie nur das Werk für sich sprechen.“ Dieser Purismus ist wohl ein Wunschtraum.
    *
    Nur dieses Argumentsmuster stört mich immer noch: D i e s e Musik kann doch keiner gut finden, also muss derjenige, der so tut, sein Gefallen aus purem Distinktionswillen simulieren. – Dabei kann selbst so einem Bauern wie mir d i e s e ‚Musik‘ ein ästhetisches Fest sein. Einfach so.
    (D a s ist nur wahrscheinlich schon nahe an dem Argumentationsmuster, das wiederum Sie auf die Palme bringt: Diejenigen, die sich diesem Neuen verschließen, die sich nicht so kitzeln oder ‚beleidigen‘ lassen wollen, dass man die als reaktionär und borniert einsortieren möchte…
    Eigentlich verwunderlich, das bei einem solch abseitigen Nischenthema die Kommentarspalte so kocht.. Im Internet tummeln sich schon merkwürdige Gestalten.)
    @Barocke Hörerin: Da haben Sie für mich den Nagel auf den Kopf getroffen.. (das macht meine Kommentare so gut wie überflüssig..)
    Einen Link möcht‘ ich auch noch spendieren:
    http://www.youtube.com/watch?v=tQBLCeg5UtM

  182. @maternus "Schräg- und...
    @maternus „Schräg- und Quietschtöner à la Stockhausen“ Welche Werke von Stockhausen missfallen Ihnen denn so sehr? Ich kenne nur die nichtelektronischen Fruehwerke, die Klavierstuecke, „Gruppen“, „Punkte“, usw., da quietscht nichts, das ist fuer mich grosse Musik.
    Ich glaube, was vielen aufstoesst, ist gar nicht so sehr die Neue Musik, sondern die Art, wie darueber geschrieben wird. „Gewohnte Hoergewohnheiten durchbrechen“, „kompromisslose Klangbilder“, „tastende Ordnungen zwischen den Klaengen etablieren“ usw usf – dieses Geschwaetz ist so oed wie vorhersehbar. Dazu kommen die Vergleiche, unter Borges, Beckett oder Benjamin ist da nichts zu haben.
    Man kann diese Musik aber geniessen und Spass dran haben, ohne Tiefsinniges zu verzapfen. Schoenberg, Webern, Messiaen, Boulez, Lachenmann, Carter, Ferneyhough, allesamt grosse Kuenstler. Und wems nicht gefaellt, der hoert halt was anderes. Als ob es irgendeinen gesellschaftlichen Druck gaebe, das zu hoeren oder dazu gespraechsfaehig zu sein.
    Aehnliches gilt fuer Literatur. Man kann Joyce, Nabokov oder Proust lesen, Spass an der hohen Komik dieser Meister haben, ueber nicht so gelungene Kapitel hinwegblaettern, und sollte sich nicht von Germanisten, Feuilletonisten und anderen Miesepetern die Freude am Lesen verderben zu lassen.

  183. In einem früheren Leben habe...
    In einem früheren Leben habe ich das Filmschaffen von Thomas Draschan (Frühwerk) durchlitten und bin nicht verwundert, daß ihm der Funke Humor fehlt, den Blogeintrag zu verstehen. Don Alphonso hat ja nicht gefordert, keine moderne Musik mehr zu spielen, sondern nur die Haltung eines Teils (!) ihrer Konsumenten auf die Schippe zu nehmen.
    Wenn Kulturspießer andere Spießer nennen…

  184. Keine Ahnung, ob der...
    Keine Ahnung, ob der Schriftunkundige da oben mit der Bezeichnung Thomas Draschan was mit dem Filmemacher (nennt man das so?) zu tun hat. Glaube ich aber eher nicht. Gerade solche Personen haben sicher kein Interesse daran, eine Stimmung zu verbreiten, die zuallerserst ihr eigenes Wirken massiv bedrohen würde. Mit der gleichen Impertinenz könnte man nämlich auch gegen – um es mal mit den Worten der Angenervten zu sagen – Systemlinge des Kulturbetriebs argumentieren.

  185. Savall, Lehrfilm. Also so habe...
    Savall, Lehrfilm. Also so habe ich das noch nicht gesehen. Kann sein, dass ich mich durch die flamboyante Machart habe ableiten lassen.

  186. Nun, immerhin führt der Link...
    Nun, immerhin führt der Link in seinem ersten Beitrag auf die Seite draschan.com…

  187. @fionn, weiss das der...
    @fionn, weiss das der Ferry?
    .
    Meine Hochzeitsparty gestaltete ich mit Roxy-Music-Songs (ich bin ein Kind aus schlechtem Hause), besonders mit Variationen von „The Bogus Man“. Vom Dekor und den gezeigten Filmen will ich garnicht reden. Das war alles nicht verwandtschaftstauglich.
    Das ist der schlechte Einfluss von guten Musikern!

  188. Hier gehts ja heiter und bunt...
    Hier gehts ja heiter und bunt zu.

    Was ich (rein persönlich, Dilletant) bewundere, das ist die bestürzende Modernität (z. B. in Bezug zu Aavo Pärt) dieser alten Musik, wie hier das „spem in allium“ von Thomas Tallis. Aber auch von Guillaume Du Fay in seinen Chorwerken, Oratorien, u. a. für die päpstliche Kapelle in Florenz und Rom.
    http://www.youtube.com/watch?v=7Cn7ZW8ts3Y
    http://www.youtube.com/watch?v=59N67JPPvZo

  189. Filou. Nein. Ich will BF ...
    Filou. Nein. Ich will BF nicht verletzen – I’ll just drift away….

  190. Und noch einmal: Uns fehlt...
    Und noch einmal: Uns fehlt halt die Nachfrage.
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    Das gleiche Bürgertum, das an den Motor seines neuen Autos höchste Ansprüche stellt, frisst widerstandslos jede noch so absurde Kulturproduktion, die man ihm vorsetzt. In der Öffentlichkeit brauchen unsere Eliten schlichtweg keine Kunst.
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    Und zu Hause hat man ja eine Hifi-Anlage mit 500 CDs.

  191. Ich gebe gern zu, Filou, daß...
    Ich gebe gern zu, Filou, daß ich auf diesen Film einen speziellen Blick habe. Ich sehe das eiskalt als Porträt eines Monstrums. Ein gefälliges Monstrum in der Tat. Aber Ludwig XIV. ist ein Mörder und Räuber in meinen Augen. Ein genialer Mörder, ein genialer Räuber, aber trotzdem eben nur das. Ein Idealbild dessen, was HansMeier555 immer verlangt. Ein Hitler mit Stil.

  192. Jetzt mal 'ne ganz steile...
    Jetzt mal ’ne ganz steile Frage:
    Der Begriff vom „linken Spiesser“ ist bereits gut eingefuehrt in die deutsche Nomenklatur.
    Hm, sollten wird da nicht mal, ohne Zorn und Eifer, ueber den Begriff des „Kitsch in der modernen Musik“ nachdenken? So mancher Titel des Meisters aus Bergisch-Gladbach (schon verdaechtig) koennte einen auf diese Idee bringen.
    Nur so als Gedankenspiel.

  193. Des sog i do ollawei, richti...
    Des sog i do ollawei, richti kräftig duachziagn, i woas goar net wos´d Leit hom, des is bragtisch in da Dradition fo dera oidn Tofimalarei, gellt, mei des is wos fia unsane
    Landfrauenfaeinigung, moan i scho! Itza muass no oana hea, dea wo des brogressif, i moan dea wo des musiggalisch dransferiat. A so a Ami wia da Cädsch oda so. Passt scho!
    http://www.castyourart.com/2010/04/07/thomas-draschan-collage-video-bilder/

  194. @Savall
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    Ich habe schon mit...

    @Savall
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    Ich habe schon mit Leuten gesprochen, die den L-14 allen Ernstes noch schlimmer fanden als Hitler und die Asterix-Comics für „Nazi-Propaganda mit Humor“ erklärten.
    .
    Solche anfechtbaren Urteile erkläre ich mir damit, dass die antifranzösische Propaganda, mit der unsere Grosseltern und Urgrosseltern ihre ganze Kindheit lang zugekleistert wurden, irgendwo immer noch fortwirkt.
    .
    Viel schlimmer finde ich Heinrich VIII. von England. Der hat dort die Reformation eingeführt, und alles nur wegen einer Frau! Darüber empört man sich m.E. viel zu wenig. (Und seine musikalische Begabung macht es nicht wett).

  195. Die Abneigung seiner Eltern...
    Die Abneigung seiner Eltern gegen manche Opern brachten über den Verbrauch der Abo-Karten doch einen schönen Don Giovanni mit Samuel Ramey in der Hamburgischen Staatsoper mit einem Freund sowie in 10 Jahren dreimal Barbiere di Seviglia mit jeweils anderen Künstlern aber in derselben Inszenierung.
    Der Giovanni war höchst unterhaltsam, die Flucht des Don am Ende des ersten Aktes in der Gewitterszene (viele Regisseure erkennen das nicht dass das Libretto eines fordert!) wurde dadurch bewerkstelligt dass Ramey an einem Tampen vom Schnürboden über den Orchestergraben setzte wie Tarzan und dann Degen – fuchtelnd durchs Parkett entkam – wobei er weiterhin sang.
    Das waren noch Zeiten….
    Ansonsten spiele ich selbst, daheim warten ein Flügel und ein Cembalo auf Bearbeitung und seitdem das Erzbistum die hauptamtliche Stelle strich spiele ich ab und zu auch am Sonntag in der Messe. Ich glaube ich erwähnte schon dass wir stramm katholisch sind.
    .
    Aber ansonsten sond wir Militärs natürlich ungebildet und unmusikalisch. Deswegen hatte ein gewisser Moltke auch einen Flügel in der Wohnung, an dem zum Beispiel auch Klaviertrios von Brahms erklangen (das ist bezeugt). Brahms war etwa eine Generation jünger, starb aber nur einige Jahre später. Das war also nach unseren Maßstäben zeitgenössische Musik.
    .
    Wobei man bei den Zeitgenossen sehr differenzieren muss, Tavener (ohne das erste „r“!) oder Rutter haben Musik geschrieben, die man durchaus ohne musikwissenschaftlichen Einführungsvortrag anhören kann.

  196. @Phorkyas
    Trösten Sie sich,...

    @Phorkyas
    Trösten Sie sich, und trinken Sie noch ein Tässchen Tee in diesem virtuellen Tee-Salon, das regt die Durchblutung an und verbessert die Konzentrationsfähigkeit, denn hier wird es des Öfteren etwas später resp. die Kommentarspalte etwas länger. Es lohnt sich jedoch, bis zum Ende durchzuhalten.
    *
    Für den Peteris Vasks möchte ich mich mit diesen beiden Vorschlägen revanchieren:
    http://www.youtube.com/watch?v=UcY5fO_0BkY&feature=related
    http://www.youtube.com/watch?v=auW10aD0kYo

  197. Phorkyas, Phorkyas!
    Mit dem...

    Phorkyas, Phorkyas!
    Mit dem Satz „Ich wollte nur ein bisschen über diese gefällige Musik à la Mozart spötteln“ haben Sie nun aber die Büchse der Pandora aufgemacht! Oder auch einen sehr bösen Geist aus der Flasche gelassen.
    Hören Sie sich doch mal ein paar Strauss-Walzer an, wenn Sie eine Mischung aus Amüsierwut und Melancholie brauchen!

  198. Aber ich bitte Sie, für die...
    Aber ich bitte Sie, für die perfekte Mischung aus Amüsierwut und Melancholie nur Chopin!

  199. @Prince matecki
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    Gerade das...

    @Prince matecki
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    Gerade das Militär könnte doch mal wieder was für die Entwicklung der Musik machen.
    Die BW hat doch bestimmt Töpfe für so was, die regelmässig nicht ausgeschöpft werden.

  200. prince Matecki@: Moltke d. Ä....
    prince Matecki@: Moltke d. Ä. war ja in jungen Jahren für Preußens als Militärberater für die Hohe Pforte zeitweilig abgestellt. Hier, etwas später, etwa als Napoleon III regierte, europäische beeinflußte Musik z. Z. Sultan Abdül Haziz. Es gibt in Istanbul und Umgebung herrlich epigonische Architektur des 18. u. 19. Jhdts. franz. Provenienz, sogar Jugendstil.
    http://www.youtube.com/watch?v=JFlTF15ZSqc&feature=related–

    Was Henry VIII anbelangt, der Junge mußte dranbleiben, sonst hätten die Lords, weil kein männlicher Thronfolger in Sicht, die schon die Lefzen leckten, ihm den Garaus gemacht. Was tut man nicht alles für den Machterhalt? Ausserdem konnte er von der Quasi-Säkularisation exzellent die klamme Schatztruhe auffüllen.

    Ein Musterschüler war L14 beileibe nicht, drangsalierte Deutschland in furchtbarer Weise, brûler la palatine, S. Zerstörung des herrlichen Heidelberger Schlosses. Alles, um den Rhein als strategische Grenze zum Reich zu gewinnen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzer_Erbfolgekrieg

  201. Geglaubtes Wissen? Gibt es ein...
    Geglaubtes Wissen? Gibt es ein anderes?
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    „Evelyn, a modified dog, pondered the significance of short-person behaviour in pedal-depressed panchromatic resonance“ http://www.ping.de/sites/esper/
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    http://www.youtube.com/watch?v=nINYjuPsHbo
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    Danke auch an Yogi , Barocke Hörerin und andere. (Die Aufnahme vom Schoenberg Quartett ist tatsächlich noch zu bekommen, danke für den Tipp! (Wir nehmen es als solchen))
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    Und auch dieser Blog ist einmal mehr, als die Summe seiner Teile.
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    Und immerhin hat Bach sich seine Passionen selbst komponiert, nicht bloß solche von anderen nachgespielt.
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    Fehlte noch ein „Willi Weltwille – Der an Stützen sägt““ (Wie anders als „Willi“ sollte er heißen?)
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    „Ich bin nichts, my!FAZ ist alles“ Wie weit Individualisierung am Ende wohl noch gehen wird. ( … typisch deutsch natürlich).
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    „Der beste Kommentar zum Jetzt ist das Jetzt“ (Weil und wie Götter keinerlei Abstraktion/Reduktion/Konzentration etc. brauchen. Jedes je gewesene Bit, von elektrisch bis DNA, kennen und überblicken; alles in allem, einfühlsam und tolerant)
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    Und auch das gehobene Nobelhotel liegt selbstverständlich weiter am besten noch auf dem Berg. (Wie es da hinkam? Durch Hebung natürlich, wie sonst?)
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    Neue Werke also will die Welt. (Das ist die Sorge)

  202. Mein Gott, HansMeier555,...
    Mein Gott, HansMeier555, „Greensleeves“ ist ja als Mörder-Äquivent noch halbwegs akzeptabel. Im übrigen bin ich im Kernland der Reformation beheimatet und in wenigen Stunden ist Reformationsfest. Weißenfels ist nur ein paar Kilometer vor meiner Haustür. Infolgedessen werden die Symphoniae Sacrae die Platte der Wahl sein. Einigen wir uns musikalisch auf die Psalmen Davids. Von der Nützlichkeit eines L-14 werden Sie mich nicht überzeugen. Ecrasez l’Infame. Eine Madeleine gefällig?

  203. Die Welt hat sich...
    Die Welt hat sich weitergedreht und die Klassik, die das Bürgertum heute hört, wurde doch geschrieben von Frank Vincent Zappa, David Gilmore/Roger Waters, Robert Zimmerman, Ray Manzarek/Robbie Krieger und noch ein paar anderen.
    In wenigen Jahren, wenn die Lizenzen abgelaufen sind, werden wir diese Stücke in den Opern- und Konzerthäusern finden.
    (Bryan Ferry hat wenig selbst geschrieben, war/ist aber ein guter Interpret.)
    GvH

  204. Fällt ja nicht zufällig mit...
    Fällt ja nicht zufällig mit Halloween zusammen!

  205. uiui, jetzt haben sich aber...
    uiui, jetzt haben sich aber alle warmgelaufen! Dann sag ich doch auch mal was dazu – kann ja nicht richtig mitreden, weil mir das Besprochene bis auf sehr wenige Ausnahmen völlig unbekannt ist. Noch unbekannter ist mir Konzertbesuchszwang aus gesellschaftlicher Verpflichtung, ich verstehe, daß das quälend und unlustig wird, wenn es zu oft vorkommt.

    Mit der komponierten Musik konnte ich mich ja überhaupt erst anfreunden, seit ich mal eine Weile Schlagzeug gespielt hatte (Hardcore. Mit Doppelschlag.). Vorher ging mir das dermaßen auf den Zeiger, daß ich am liebsten schreiend und tobend davongelaufen wäre, wie aus „Barbier von Sevilla“ im Alter von etwa 12 oder 15 Jahren oder aus der „Zauberflöte“ im Musikunterricht. Es war mir vollkommen unerträglich, dieses Gequietsche und Geschmachte. Und Bachs Fugen – viel zu abstrakt. – Das änderte sich, wie gesagt, recht überraschend, als ich mich dann mal eine Weile mit dem richtigen Timing von Trommel- und Beckenschlägen befaßt hatte. Ich nahm die Musik auf einmal ganz anders wahr, als ob eine zusätzliche, abstraktere Wahrnehmung dazugekommen wäre. Und eben mehr Verständnis fürs Machen. Dadurch verflüchtigte sich in vielen Fällen die Langeweile, der Qualfaktor nahm deutlich ab, die Neugier wurde größer. Aber es ist schon so, daß es eine Art unmittelbaren Genuß- und Emotionsfaktor gibt. Mein Mann hörte mal übers Fernsehen eine italienische Oper, und ich muß sagen, den Belcanto fand ich auf Anhieb einfach hinreißend. Ganz wunderbar. Davon hätte ich auf Anhieb problemlos 2 Stunden hören können. Und auf der anderen Seite gibt es Sachen, die einem erst nach 5maligem Anhören gefallen, aber jedesmal besser. – Und dann gibt es noch das, das man nur zu bestimmten, sehr neugierigen Zeiten mal anhören kann. Und schließlich … nach wie vor das, was halt einfach nichts ist.

    @donna laura: hm, ich glaube, die beschriebene Theateraufführung hätte mich wohl ziemlich gelangweilt. Nackte sind im Sommer im Schloßpark oder am Strand, in dieser idyllischeren Umgebung sehen sei, wie ich finde, besser aus. Und blutiges Schlachtvieh, nunja, ist ein Fall für die Wurstküche. Da müßten Schauspieler und Stück schon sehr, sehr viel hergeben, um solche groben Effekte nicht mit Tamponwerfen zu quittieren.

    @HansMeier: das mit der fehlenden finanzstarken Nachfrage nach professioneller Musik, die einem geselligen Ritual abseits zufälliger oder einmaliger Zusammenkunft dient, ist wohl so. Und zusätzlich haben die Leute das Singen ohnehin ziemlich verlernt.

  206. Noch hat die Bundeswehr Musik,...
    Noch hat die Bundeswehr Musik, aber beim berühmten Vorschlag vier des Generalinspekteurs stand sie komplett vor der Abschaffung. Vielleicht bleibt ja das Musikkorps der Bw ( früher StabsmusikK) wenigstens erhalten, für die Begrüßung auswärtiger Potentaten mit militärischen Ehren und Zapfenstreiche. Jedenfalls hat der Herr GI mich (wie viele andere auch) für demnächst zum Weihnachtskonzert dieses Musikkorps in die Bonner Kreuzkirche eingeladen.

  207. @mg.midget
    Nix gegen...

    @mg.midget
    Nix gegen Hopsmusik, aber im Konzertsaal muss dass echt nicht sein. Solche Versuche gibt es schon zu hauf, und ich finde das weitaus anstrengender als Janacek.

  208. @perfekt!57: Gern geschehen -...
    @perfekt!57: Gern geschehen – der Preis für die CD dürfte auch recht niedrig gewesen sein, da ist das Risiko überschaubar. Vielleicht sollten Sie zur Lyrischen Suite noch wissen, dass es sich um versteckte Programmmusik handelt, was erst 1977 entdeckt wurde als man handschriftliche Eintragungen des Komponisten in der Partitur fand. Es geht um die heimliche Liebe Bergs zu einer verheirateten Frau -leider ohne happy end, was dem letzten Satz auch deutlich anzumerken ist. Aber hören Sie selbst…
    @Savall: Wenn Sie in der Nähe von Weißenfels wohnen, sitzen sie natürlich direkt an der Schütz-Quelle. Aber zum Reformationstag lege ich trotzdem lieber BWV 80 auf.

  209. @mg.midget: das Interesse wird...
    @mg.midget: das Interesse wird so überwältigend sein wie das an Peter-Kraus-Schlagern in den 1980ern.

  210. Und erkannte man nicht -...
    Und erkannte man nicht – klassischer Lesart zu folge – ob einer „oben“ ist nicht so sehr an der Qualität seiner Maßschuh, sondern auf wessen Schultern er stand? Karl-Theodor z.B. dagegen steht mit beiden Beinen fest auf der Erde. Und wehrt sich gegen Schilde und Schilda. (Was Not tut)
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    „Der mit dem Sofa spricht“ http://www.youtube.com/watch?v=XYgf0HL_5mQ&feature=related Und zwar schon lange vor allen anderen, die ggfls. auch flüstern konnten. Sofa – liebste Wohnungseinrichtung. (Niemand braucht keine Einrichtung, schließlich ist alles virtuell oder Rilke-Nachfolge.)
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    „Und die türkische Küche soll wachsen und gedeihen – hier in unserem schönen Deutschland!“ (http://kochdichturkisch.de/ – Junge, intelligente, hoch gebildete und sehr angenehme Mitbürger allesamt.)
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    „Essen ist Leben, Türkisch zum Nachkochen – Ein Blog stellt türkische Rezepte vor.
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    Die türkische Küche wird weltweit geschätzt, ihre Vielfalt mit unzähligen raffinierten Gerichten ist in Deutschland jedoch kaum bekannt. Das soll sich ändern, sagen die Betreiber eines Blogs und kochen die leckersten türkischen Gerichte vor laufender Kamera. Die Kochclips werden im Blog veröffentlicht, und wer mag, kann die Rezepte nachkochen. Böreks, würzige Kuchen, deftige türkische Hausmannskost oder süße Verführungen aus dem Palast des Sultans …“ http://kochdichturkisch.de/lang/de/2010/10/21/wir-sind-im-radio-wdr5-28-oktober-2010-11-35-uhr/
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    (Der WDR5 ja auch wunderbar… „Der Sender zeichnet sich durch einen sehr hohen Wortanteil mit kulturellen, wissenschaftlichen und aktuellen Schwerpunkten in anspruchsvoller Umsetzung aus. Das kleine musikalische Angebot besteht zum größten Teil aus Jazz und anspruchsvoller U-Musik.“ http://de.wikipedia.org/wiki/WDR_5)
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    Und Bildung ist Glückssache – leider bin ich unglücklich.
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    „Was nützt mir der CW-Wert, wenn ich keinen Hut mehr aufsetzen kann?“ Klasische Frage, als Stellungnahme an den Westviertelsohn gerichtet – zeitlich ungefähr anzusiedeln beim Übergang von der Kutsche zum KFZ-Reihen-Bau (für „Manager und Massen“). (Wirklich die Frage aller Fragen. „No hat no drive“, müsste eigentlich die ewige Antwort lauten) http://www.lonlangston.com/storage/churchill.jpg?__SQUARESPACE_CACHEVERSION=1196429858034
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    Der Hochgebirgssee – auch weiterhin beherrscht von den Kräften des Flachen? („Schafft die Oberflächenspannung ab?“ „Keine Macht der Gravitation?“ – Das allerdings wäre „Tröpfchen zu Weltallen“)
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    Ja, so ist es: Europa hat viel zu viel Kulturüberfluss, alles bloß „angebliche Kultur“. Wir sollten Florenz rufen – und uns besinnen. Hier, schon wieder so eine Zumutung http://www.lamonnaie.be/en/opera/37/ „Wieder hat die Hausregisseurin des Wiener Burgtheaters an den verkapselten seelischen Tiefen der Figuren gearbeitet…“ http://nachrichten.rp-online.de/kultur/besuch-in-der-familienhoelle-1.104718 (Man sollte evtl. erwägen, den höheren Leuten, die solcherart Opern schon mal gesehen haben, den Opernnamen (oder stellvtr. ein int. genormtes Kürzel) auf die Innenseite der Unterarme tätowieren. Dann könnten sie nicht zum zweiten Mal reingelassen werden.)

  211. Leider nicht, der Preis, man...
    Leider nicht, der Preis, man schlägt 52,- Euro vor.
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    Link gefunden, ich finde, sieht dem „Jetzt“ angemessen aus. Vollbild und HD – sehr empfehlenswert http://vimeo.com/16337491 Überhaupt nichts Falsches oder zu meidendes. „De Munt“ ja auch immer wieder eine Gewinn.
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    http://nachrichten.rp-online.de/kultur/besuch-in-der-familienhoelle-1.104718 Finde ich auch in voller Ausgeglichenheit nicht absolut zurückzuweisen.

  212. perfekt!57@:Qualia-Diskussion...
    perfekt!57@:Qualia-Diskussion (wie ist etwas beschaffen z. B. Jazz, 12-Ton-Musik, Popmusic etc.):
    Sie fragen: Was ist das, was Philosophen ‚qualitative Zustände‘ genannt haben? Und ich antworte, nur halb im Scherz: Wie Louis Armstrong schon sagte, als man ihn fragte, was Jazz sei: Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen.“
    (Ned Block: Troubles with Functionalism)

  213. @ perfekt!57: Schauen Sie mal...
    @ perfekt!57: Schauen Sie mal bei JPC, da gibt´s die Aufnahme für knapp 6 €
    http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Alban-Berg-Die-komplette-Kammermusik/hnum/5501533

  214. @ 22:41 Selbstverständlich,...
    @ 22:41 Selbstverständlich, deshalb hatten wir – quasi in die andere Richtung dasselbe sagend – ja auch Zappa von 1973 zitiert: „Arff she said.“
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    „Evelyn, a modified dog, pondered the significance of short-person behaviour in pedal-depressed panchromatic resonance, and other highly ambient domains – arrf! she said“ http://www.youtube.com/watch
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    Zappa machte wie bekannt halt einfach Musik (nicht ganz ohne zu wissen wie und was, *g*) – und kümmerte sich ganz einfach aber systematisch einen Kehrricht darum, wie man welchen Klang, welchen Griff, welchen Effekt theoretisch-praktisch wie bezeichnete/bezeichnen würde. „Einfach musizieren halt“ am besten das Ding für die, denen es gegeben.
    .
    Evtl. mal durchhören ,http://www.youtube.com/watch?v=OURkogc_MkM&feature=related wieviele Tempi- resp. Stimmungswechsel während/für/durchs musikalische Erzählen/Ausschmücken, etc. Und alles „nur Musik“ – nicht mal „schönste Dissonanz“ (etc., etc.) würde ich gelten lassen.
    .
    Und na klar eher keine Musik für Leute, die z. B. in Mittelstädten drei Fernsehgeschäfte haben, gewerbliche Arbeitnehmer ausbilden. Oder eine Großklempnerei oder eine WP. (Wirt.Prüf.Gesellschft.)
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    http://de.wikipedia.org/wiki/Unterwegs – „Prägend für das Rollenmodell waren vor allem zwei Gruppen seinerzeit avantgardistischer Künstler, nämlich die (vorwiegend schwarzen) Musiker, die mit dem Bebop den modernen Jazz aus der Taufe hoben, und die (größtenteils weißen) Dichter, die heute unter dem Begriff Beat Generation zusammengefasst werden.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Hipster – „Stützen der Gesellschaft“ also. „Rosenthals Aussage gewinnt an Schärfentiefe, wenn man bedenkt, dass die „Mitglieder“ der Szene aus zum Teil extrem verschiedenen sozialen Verhältnissen stammten. So lebte der Saxophonist Charlie Parker, der ursprünglich im schwarzen Proletariat des provinziellen Kansas City aufgewachsen war, längere Zeit als Untermieter bei der mondänen Baronesse Pannonica de Koenigswarter, einer ehemaligen Résistance-Kämpferin aus dem englischen Zweig der Rothschild-Familie, die unter den Hipstern das „europäische“ Element repräsentierte.“
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    „Blog is not a state of mind, it’s a fact of life.“ Daher.
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    Es ist eben alles wie es ist. Wiki meint zu wissen „Die besondere Bedeutung dieses Buchs im Werk Kerouacs liegt in der klaren und gelassenen Sprache seines Erzählers und seiner Figuren. Dies machte das Buch einem größeren Leserkreis zugänglich als andere sehr komplizierte und durch den Umgang mit harten Drogen geprägte Werke Kerouacs wie zum Beispiel Be-bop, Bars und weißes Pulver (The Subterraneans, 1958).“
    .
    „Be-bop, Bars und weißes Pulver“, welches uns irgendwann früher zufällig über den Weg lief und gerne gelesen war, fanden wir nämlich auch nie „schlimm“ oder „anstrengend“, auch nicht „irgendwie auffällig“ – die Leute, die aber abends vor dem Fernseher zu Hause blieben und/oder ihre Kinder schickten aber schon. (Dabei sind eigentlich die die anstrengenden, so gesehen.)
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    Anyway.

  215. "HansMeier555 bezog sich, G....
    „HansMeier555 bezog sich, G. Schoenbauer und kdm, nicht auf das Bauwerk sondern den Klangkörper, der seinerzeit hauptsächlich aus Kastraten bestand.“
    ————-
    … thamks fuer die Aufklaerung, den Hinweis verstehe dann allerdings noch weniger.
    MfG
    G. S.

  216. Am besten geht immer noch a...
    Am besten geht immer noch a capella, so
    http://www.youtube.com/watch?v=GSVbiPqXqtc
    oder so
    http://www.youtube.com/watch?v=oloFLyel3Is

  217. Die Große Musik war noch nie...
    Die Große Musik war noch nie ein „Schmücke dein Heim“. Was der Bürger der Neuen Musik übelnimmt, ist, dass diese Tatsache sich nicht länger verdrängen läßt.
    .
    Wenn Kritik, dann aber ohne hinter Adornos „Philosophie der Neuen Musik“ zurückzufallen, und bitte in Kenntnis der Adorno-Metzger-Debatte. Sonst argumentiert man analog eines Niveaus, auf dem angenommen wird, die Präraffaeliten wären die Maler vor Raffael.

  218. Die Präraffaeliten waren ein...
    Die Präraffaeliten waren ein untergegangener, vergessener Stamm der Hinterbliebenen
    der Teutschrömer von der Varusschlacht im Teutobuger Wald R.I.P. Adorno dadegen war ein Aufklärer-Fluchzeuchtyp aus dem WK I, mit integriertem Radio zum Empfang von Schönberg´scher-Klaviermusik.

  219. Nochmals danke für den prima...
    Nochmals danke für den prima Tipp Barocke Hörerin; schon gekauft, 8,89 frei Haus, wirklich gute Empfehlung!

  220. @Noergler Adorno und Metzger...
    @Noergler Adorno und Metzger ? Genau das brauchen wir nicht, abstruse Theorien in gestelztem Deutsch, was fuer ein Geschwurbel. Bin ein grosser Freund neuer Klaenge, aber die Theorien darueber, auweia.

  221. Mozart soll zu seiner Zeit...
    Mozart soll zu seiner Zeit auch Hopsmusik gewesen sein – nur das Tempo war anders.
    GvH

  222. Nichts gegen Theorien, aber...
    Nichts gegen Theorien, aber erst mal muss in der MUSIK etwas sein, was mich anspricht und mich danach vielleicht auch zum Lesen veranlasst. Ich fürchte aber, dass gerade Adorno mit seiner Arroganz eigentlich sehr gebildete Menschen wie Don Alphonso in ein trotzig-fröhliches Ignorantentum treibt, das eigentlich weit unter seinem Niveau liegt.

  223. "Und sehr überflüssig. Es...
    „Und sehr überflüssig. Es mag sein, dass man sich in Zeiten, da niedere Schichten und Hungerleider auf die Stehplätze der Opernhäuser drängten, sich etwas von ihnen beengt fühlte.“
    .
    A propos: Nicht ganz richtig. Heute ist das doch eher so: Die unteren Schichten halten 5-stellige Sichtguthaben vor, mangels Interesse an Zinsen und Geld – und kaufen trotzdem die Karten ganz hinten für € 18,90 – und setzten sich beim Erdunkeln schnell vor, ins Erste Parkett, welches sehr häufig ungefähr leer. (Vielfach „weitgehend westviertelfrei“ also)
    .
    Welches ungefähr deshalb häufig ziemlich leer, weil viele der Westviertler ganz einfach alt sind. Auf Grund ihres Alters keine Lust mehr haben zu gehen, „alles schon kennen“ – was ist vor allem die meisten Gefühle im Zusammenhang mit dem Gegenstande schon so oft und oft erlebt zu haben, dass sie beruhigt und gewiss zu Hause bleiben können: „Für mich kommt da heute abend nichts mehr, was ich wirklich noch sehen möchte. Und die Schuhmachers sind ja auch nicht da.“ Entweder verreist – man sieht sie sowieso in drei Wochen wieder, oder im Heim oder verstorben. (Letztere Möglichkeiten eigentlich läßt das „innere Bewußtsein“ besser aber sowieso nicht richtig an sich heran, höchstens wie bekannt so: „Früher, als auch unsere Schumachers auch noch gingen …“)
    .
    Und der Spießer kommt gerne an im Zustand „kenne ich alles schon, können die Kinder oder der intelligent aufstrebende Klassenkamerad von unserem Bernd gehen stattdessen“ – und selbstverständlich ist die Welt am schönsten, wenn der vollkommen banalen und weitgehend unreflektierten inneren Durchschnittshaltung keiner widerspricht, aber „alle anderen um uns auch so sind“ – und der „intelligent aufstrebende“ Klassenkamerad (das ja schon der Widerspruch in sich) hinterher mal zum Tee (Donnerstag nachm., so 10 Tage danach, kommt gut, wird erwartet) vorbeischaut, dabei gebührend naiv bis linkisch sich aufführt in der fremden, höheren Umgebung, sich aber doch mit einem Diener artig bedankt für die herausragende Empfehlung doch gegagen zu sein, und sich mal an was Besserem bereichert zu haben, was ihm sonst versagt geblieben gewesen wäre“. … wobei klar ist: „eigentlich so richtig lernt ders ja trotzdem zum Glück nicht wirklich, kann und wird nicht Konkurrenz für unsereinen oder unseren Nachwuchs“. Genau so, wie hier eben immer steht.
    .
    Das aber häufig nur noch Theorie, Erinnerung, Teil der ganz normalen Vergreisung. Janacek im Alter von siebenundsechzig oder vierundsiebzig und mit Granufink? Nicht wirklich der Hit das Warten auf die Pause, man versteht es gut.
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    Und auch die schrillen Töne im Ohr bei einigen Passagen – oder überhaupt ständig – sind schon seit einiger Zeit so unangenehm. Was natürlich nicht am Ohr liegt, sondern an dieser unausstehlichen Musik.
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    Und klar ist das alles Schuld der Westviertwel: Warum zwingen sie sich nicht trotzdem zu gehen? „Forever young?“
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    Schließlich wissen gerade sie gut genug, dass jeder einzelne Platz vom Steuerzahler in jeder Aufführung und überall in Deutschland jederzeit mit rund € 70,- bezuschusst ist, sie also auf ihre eigenen Privilegien – und zwar eigentlich fahrlässig – verzichten.
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    Und das wissendes Präkariat schamlos ist: Die sitzen für 18,90 pro Kopf auf 110,- Euro-Plätzen – und freuen sich ebenfalls ganz selbstverständlich, dass nämlich um sie herum mind. weitere 20 Plätze im Ersten Parkett aus genannten Gründen frei sind, frei für den besten und ungeschmälertsten Kunstgenuß, ohne omas und Opas Geräusch und Geruch und Geraschel; 20x 110,- plus 20x 70,- minus 37,90 macht € 3.562,10 Umverteilung zu Ungunsten der Steuern zahlenden Westviertel:
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    Shit happen, but thats germany today – live und in Farbe.
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    Auch von daher sehen auch wir das allgm. Theater- und Opernhaussterben nicht mit gemischten Gefühlen, sondern gern: Wenn nicht wir, dann eben keiner.

  224. @ Hans Meier. Tolle Links,...
    @ Hans Meier. Tolle Links, danke! Und heute früh im Bildungsauftrag mit Mattscheibe:
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    http://www.swr.de/kulturdoku/gesang-hochschule-musik-talent/-/id=100882/nid=100882/did=6231668/1x6o4qt/index.html
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    Keines der Talente (mehr als das) kommt aus einem Westviertel (Gott würfelt), eher ganz im Gegenteil. Aber großes Kino die Sendung, wirklich gut gemacht, lohnender Gegenstand.
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    Und davor ein wenig Beethoven, mit ein wenig Barenboim („at the pianos“) und ein wenig Berlin: http://programm.ard.de/TV/swrfernsehenbw/2010/10/31/beethoven–klavierkonzert-nr-4-g-dur-op-58/eid_281136080703410?list=main#top
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    Stehende Ovationen, B. ist hier so gut wie nie, „reifeste Reife anscheinend, das Alter hat/te er ja jetzt“, dachte man unwillkürlich. Und zwar in der Jahrhunderthalle in Bochum – Don hat eben keine Ahnung: Die Westviertel dort u.a. auch nicht wirklich viel östlicher … . „Wer seine Vorurteile unbedingt behalten will, kommt evtl. tatsächlich auch weiter ohne Fernsehen aus“, gilt für Dr. Don u. M. n. allerdings eher nicht.
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    So ähnlich also: http://www.youtube.com/watch?v=z6kp_7A6ihY&feature=related

  225. "Über Musik sprechen geht...
    „Über Musik sprechen geht nicht, das wäre das gleiche als würde man über Sex sprechen. Man kann darüber nicht sprechen, man muss es erleben.“ – Bruce Springsteen, VH1 Storytellers, 4. April 2005

  226. Damit es nicht ganz so steril...
    Damit es nicht ganz so steril zugeht in der Musiktheorie……
    http://www.bhje.de/1996_fivestring.htm

  227. Dear Folks
    "Hypercyber" aus...

    Dear Folks
    „Hypercyber“ aus der SonntagsZeitung“ (Züri) heute
    <

  228. Sinnvolle oder sinnlose...
    Sinnvolle oder sinnlose Abschottung, das ist hier die Frage.
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    Das Thema berührt. Z. B. auch hierin erkennt es unser Heute:
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    „Er zitiert den Soldaten O’Bryne: „Jeder Kampf bringt einen solchen Adrenalinrausch, und ich fürchte fast, dass ich dieses Adrenalin suchen werde, wenn ich nach Hause komme. Und wenn ich es nicht finde, fange ich zu trinken an und krieg Ärger. Die Leute zu Hause meinen, wir trinken wegen der schlimmen Sachen, aber das stimmt nicht. Wir trinken, weil uns die guten Sachen fehlen.““
    http://www.faz.net/s/RubBE163169B4324E24BA92AAEB5BDEF0DA/Doc~E1370783A9C124F67BC79371D5479BEED~ATpl~Ecommon~Scontent.html ( http://www.youtube.com/watch?v=zvUdruvbdmI )
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    „Für manche gilt damit ein grausames Paradox: Nachdem sie heimgekehrt sind, müssen sie feststellen, wie schrecklich sie das vermissen, was eigentlich die schlimmste Erfahrung ihres Lebens hätte sein müssen. Zum Einsatz unter extremsten Bedingungen gehört auf diese Weise die fehlende Perspektive auf ein normales Leben nach dem Krieg.“
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    „Viele Leute sagen mir, ich könnte alles werden, was ich wollte, … wenn das stimmt, warum kann ich dann kein Scheißzivilist sein und ein scheißnormales Leben führen?“ O’Bryne hat zu diesem Zeitpunkt längst wieder unterschrieben und ist zurück bei der Armee. Der Kriegseinsatz, davon erzählt Junger auch, bringt Menschen hervor, die, hoch spezialisiert und ohne Kompetenz für die Anforderungen des zivilen Lebens, nur Krieg können, denen der Krieg zum Leben wird.“
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    Immerhin doch so viel: Sogar der junge Mann selbst ist sich a. der Tatsache der Kick-Abhängigkeit bewußt, und b. in diesem Jetzt wird öffentlichkeit hergestellt.
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    (Früher wäre das wohl anders gewesen: a. hätte es nur ein betreuender Arzt für sich selbst so gewußt, was b. schon beinhaltet: man hätte therapiert, ohne die Wahrheit auszuspreche, noch vor 2 Jahrzehnten – und zwar mit schlechtem Erfolg, denn die Leute müssen und sollen ja später alleine und selber zurecht kommen. Und da hilft nur das Verfahren á la heute.)
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    Also bleibt die Aufgabe, die eigenen Söhne gesellschaftlich mitverantwortlich zu machen, sie ggfls. durchaus zu informieren und zu sensibiliseren, falls sie nicht von alleine kommen, aber eben doch eher ohne sie selbst wirklich ähnliche Erfahrungen ausgesetzt zu sehen.
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    Man kann natürlich auf vollkommen ignorant und frei von jeglicher gesellschaftlicher Mitverantwortung sein: „Hauptsache mir gehts gut. Und mehr muss ich nicht wissen!“ (Und dann sich wundern, wenn die eigene Brut irgendwann „weg“ ist.)

  229. Seltsam! Zwar scheint es hier...
    Seltsam! Zwar scheint es hier von musikologisch Beschlagenen nur so zu wimmeln, dennoch ist noch keinem davon der grundlegende Irrtum des Oberexperten aufgefallen: Janácek hat mit „Zwölftonmusik“ (was auch immer sich der Autor darunter vorstellen mag) in etwa soviel zu tun wie Franz von Lenbach mit dem Kubismus. Janácek pflegte einen modalen, von Elementen slawischer Volksmusik geprägten Stil. Von „Zwölfton“ nun wirklich nicht die geringste Spur. (Um das zu erkennen, genügen vier Takte…)

  230. Sagt ja auch keiner (also,...
    Sagt ja auch keiner (also, zumindest ich sage das nicht).

  231. "Janacek, denken wir alle...
    „Janacek, denken wir alle insgeheim, das ist der Höllenkreis vor Albans Berg der Zahnschmerzen, dahinter kommt der Mann mit dem unpassenden Namen Schönberg, und es ist noch so weit bis zu den Fegefeuern von Shostakovitch.“
    Dann habe ich die Intention dieser Reihung wohl falsch interpretiert…

  232. Dante hat seine Höllenkreise...
    Dante hat seine Höllenkreise bewusst jeweils sehr unterschiedlichen Sündern zugewiesen.

  233. Dann dürfte Janácek wohl am...
    Dann dürfte Janácek wohl am ehesten unter den Ignoranten im „Sumpf der zornigen Seelen“ zu finden sein. Bestraft für seinen sturen Konservativismus. (Sie merken schon, ich schätze dieses impressionistisch aufgebrezelte Pentatonikgedudel nicht sonderlich…)

  234. perfekt!57@: Das war genau das...
    perfekt!57@: Das war genau das Problem derjenigen WK I -Teilnehmer, die in die Freikorps gingen und durch ihre ungestillten psychischen „Aufgeregtheiten“ vulgo Fronterlebnisse die Weimarer Republik durch ihr anarchisches Element mithalfen zu zerstören.
    Abschottung kann manchmal notwendig sei, wenn die Welt zu aufdringlich wird oder wirkt. Der Typ des Säulenheiligen ist der Extremfall. Oder Hieronymus im Gehäus.

    Piero@.Sie sollten das allgem. Niveau der hier Diskutierenden nicht unterschätzen (ich selber gebe mir redliche Mühe mitzukommen;-), sehe, es ist sehr schwer, keiner hört auf mich). Bedenken Sie eines, hier wird und will Jeder Jeden gründlich mißverstehen.
    Deswegen zutzeln hier so viele am vermeintlich, süßen Honig und erlaben sich an virtuellen Tarten. Mehr ist strengstens untersagt. Der Signore Don ist ein gar strenger Sittenwächter und Zensor.

    Don Alphonso@: Das ist das Schöne an der Hölle, „man trifft sich“. Auch mit und in den div. Kreisen. So ist´s dorten nie fad. Dagegen einmal Beatrice, es langt einem für die Ewigkeit. Im Faust II ist ähnlich. Selbst wenn es ein Genie mit progressiver Musi amalganisiert, so st´s dennoch a Schmäh. Luja sog i.

  235. perfekt!57@:Nachsatz: Als der...
    perfekt!57@:Nachsatz: Als der 30-j. Krieg zu Ende war nach Abschluß des Friedens zu Münster-Osnabrück, wurden ebenfalls Tausende und Abertausende Krieg-Könner
    „Stellungslos“.
    Im Osten in der Ukraine, Bukowina, Südpolen, bis an den Rand des Kaukasus tobte dagegen ein Krieg weiter, der sofern das möglich war, noch viehischer als der Gehabte in Deutschland war. Hier konnten sie alle ihre „Talente“ austoben und zu Grabe tragen. Es überschnitten sich die Interessen des Polen-Großadels, der Russenzaren, der Türken, der ungarischen Magnaten, der walachischen Satrapen der Türken. Es gibt kaum Schriftliches darüber.

  236. .leos janac.i. bez. 12ton...
    .leos janac.i. bez. 12ton mus..>das schlaue füchslein=>oper!..ok?
    zunächst romantische stilelemente vermutend schrieb ich sie selbiger epoche zu, kann aber auch …>..mal nachlesen()

  237. Also ich habe derzeit Frank...
    Also ich habe derzeit Frank Chastenier und Vassilis Tsabropoulos auf dem Radar, zwei ausgezeichnete Jazzpianisten, die ich kürzlich entdeckt habe. Ach ja, auch „Last Night the Moon Came Dropping Its Clothes in The Street“ von Jon Hassel scheint äußerst interessant – Jazztrompete mit viel Elektronik. Gestern Abend war allerdings mal wieder Nils Petter Molvaer dran. Ich finde das hinreißend, andere nicht, mir völlig egal.

  238. weil ich nicht die...
    weil ich nicht die vorstehenden Kommentare gelesen habe, will ich nur Stichwörter in die Runde werfen: Weltkrieg I, Alban Berg, Mathildenhöhe, GESAMTKUNSTWERK EXPRESSIONISMUS, Cocain in Apothekenqualität, Walter Rheiner ff., Überdosis Morphin, 1925. Mein Kampf. Sind Janis Joplin und Jimi Hendrix schon Klassik geworden ?
    (alles weitere in Darmstadt, durchaus anstrengend, aber kinderfrei, ohne Harmonien, Barock und Blattgold, und wenn der Ortsname Programm ist, gibt´s für die dummen Spiesser den Mozart in Schönbrunn).

  239. Die Position, "jeder solle...
    Die Position, „jeder solle hören, was ihm behagt“, weist uns auf die Armseligkeit unserer Gegenwart hin.
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    Denn darum geht doch: Nicht um Töne oder Klänge, sondern um die emotionale Zuwendung anderer Mitmenschen, deren Lebenszeit viel zu kurz ist, um viel davon auf miserable oder abseitige Künstler verschwenden zu wollen.
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    Musik erhebt immer Anspruch auf die Seele der Mitmenschen, und ist somit von Anfang eine hoch politische Angelegenheit.
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    Dass unsere Eliten heute von der sozialen und emotionalen Dynamik, die aus Musik und ihrer Aufführung heraus entstehen kann, aus den vielfältigen Möglichkeiten der Abschottung und der Einbeziehung keinen sinnvollen politischen Gebrauch zu machen wissen, lässt ihre Herrschaft als illegitim erscheinen.

  240. Wie er dies...
    Wie er dies http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/11/03/die-ungeschriebenen-gesetze-der-indiskretion.aspx wieder einmal scheibt: einfach wunderbar!
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    Fiel uns auf: Bei uns übernimmt genau diese Rolle die Ehefrau, genau ihre Aufgabe ist es, so zu sein, also aufzupassen, zur Verfügung zu stehen (tags und überall) und zu argumentieren: Kundig, kenntnisreich, wortgewandt, psychologisch treffend, sozial korrekt einschätzend, erfahren/erprobt im sozialen Ursache/Wirkungsprinzip der Rangordnungen und Sprachspiele, bei Bedarf auch der stark unterschwelligen Gegenfragen usw., usf..
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    Klar könnten wir das auch. Und gerne. Uns aber nutzt das Leben ab, außerhalb. Und genau darum sind wir verheiratet, eben so, wie wir es sind: Kommen wir freitags abends nach Hause – und alles das ist bereits erledigt: Alle Gerüchte gegen uns (gegen uns? nie!) abgewehrt, der allgm. Meinungsmarkt ist bekannt und richtig eingeschätzt, ggfls. mögliche Gerüchtanfänge (gibt es sowieso nie, man kann aber nie wissen) ausgeräumt/bis zur Marginalie verklenert, auf Nebenkriegsschauplätze resp. andere/andere Ziele usw. abgelenkt etc., ggfls. sogar Teilnahme geheuchtelt, wo erforderlich.
    Und wir erhalten sofann also spätestens z.B. freitagabends Bericht über die Lage (oder bei Bedarf auch immer in between per Handy) und lehnen uns sodann entspannt zurück und sagen „danke gut gemacht“ – and thats it, most of the time.
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    Und so weiß man ganz allg. „und vollautomatisch“ wo welche Sprachregelungen ausgegeben. Und bei Bedarf zeigt man sich informert, wiederholt das bereits von ihr Gesagte. Ergebnis Einheit: „Kuck mal an, der ist ja informiert, und wie gut – und wie gut er auch gleich weiter mitspielt!“ (falls man das macht…)
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    Und nun haben wir aber glatt aus Versehen den falschen Knopf im falschen Blog gedrückt, tut uns aufrichtig leid! Und wir hoffen ehrlich sehr, das macht nichts.
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    Und bloß weiter so!

  241. Nicht das sich da was falsch...
    Nicht das sich da was falsch lesen lassen könnte: Wir sind öffentlich mit Sichereit kein Thema, bei uns ist schließlich selbstverständlich alles in bester Ordnung, ganz unzweifelhaft. Wir könnten uns aber verlassen, falls erforderlich, das wollten wir gesagt haben mehr nicht, es ist schon spät.

  242. Selbst wenn man mir...
    Selbst wenn man mir Wagner-Karten schenkte würde ich nicht hingehen – es strengt an. In Dvorczaks Neuer Welt wandle ich gerne – das wird bloss nirgends gespielt. Ist daran auch G W B schuld?

  243. "darum sind wir verheiratet,"...
    „darum sind wir verheiratet,“
    sie können von mir aus kuckuckseierraten SPIELEN bis zum abwinken.

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