Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Aus der bösen, alten Zeit des Bayerischen Abiturs

| 390 Lesermeinungen

Finden Sie auch, dass mit den Kindern zu freundlich umgegangen wird? Meinen Sie, dass die Blagen endlich wieder Gedichte auswendig lernen sollten? Und nicken Sie, wenn die Front von Bild, Sarrazin, Focus und anderen mal wieder den Niedergang unserer Bildung anprangert? Nun, dann kann ich nur sagen - Sie hätten sich besser mal selbst gebildet. Denn das Schulmodell, das nun angepriesen wird, klingt sehr vertraut nach dem, das ich erleben durfte. Gebildete blieben darin trotzdem eher seltene Erscheinungen geblieben.

Gleich darauf marschier’n die Lehrer, Machtverehrer, Hirnverheerer,
für das Recht die deutsche Jugend zu erziehn zur Schlächtertugend.
Eines der Brechtgedichte, die bei uns nicht gelehrt wurden.

Seit genau zwei Jahren erzähle ich hier selektiv Halbwahrheiten in einer Art, die Sie, liebe Leser, gerne noch etwas fälscher interpretieren dürfen, als sie ohnehin schon gedacht sind. Nicht, dass ich lügen würde, dafür bin ich zu gut erzogen, aber ich passe schon auf, dass Sie mir und denen, die mir wichtig sind, nicht zu nahe kommen. Wir wurden uns schliesslich noch nicht vorgestellt, und ausserdem, glauben Sie mir, wäre die ganze Wahrheit über mein Westviertel und die besseren Kreise vermutlich genauso banal wie jede andere Wahrheit. Bei mir sitzen Sie auf den billigeren Plätzen und sehen auch mit dem zweiten Auge nicht wirklich gut, und faktenbasiert verdrehte Informationsaufbereitung bekommen Sie hier auch nicht. Ausser heute. Ausnahmsweise. Denn es geht um etwas Wahres und Wichtiges, die Bildung nämlich, deren Erhalt ausgerechnet von jenen Verantwortlichen aus Ex-Berlinpolitik und Medien verlangt wird, die dafür so zuständig sind, wie der Steuerhinterzieher für die Forderung nach Steuerfahndung. Diese „Oh Gott unsere Kinder werden ja so dumm“-Debatte. Die „Wenn ich meinen Nachwuchs nicht in eine Privatschule stecke wird er asozial“-Panik.

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Ich war während der 80er Jahre auf einem der beiden Elitegymnasien meiner Heimatstadt. Das andere war humanistisch, meines war nahe an unserem Seeviertel und mit einem Direktor gesegnet, der nebenbei auch Chef des CSU-nahen Lehrerverbandes in Bayern war. In jener Zeit konnte man sich kaum ein unliberaleres Städtchen wie meines vorstellen, und im Zusammenwirken all dieser Kräfte war das Gymnasium das blanke Gegenteil aller schulreformatorischen Bestrebungen. Als Kind versteht man all diese Zusammenhänge noch nicht vollständig, und zudem gab es in jener Zeit auch keine Alternativen: Bei uns existierte keiner der angeblich zu verständnisvollen, ökomüsligen Kumpellehrer, die andernorts so lautstark beklagt werden als die 68er, die an der Bildungsmisere schuld sind. Es gab ein paar Lehrer, die dachten, man könnte nicht im Stil der 50er Jahre unterrichten.

Unser Physiklehrer etwa war menschlich durchaus nett. Mathematisch eher minderbegabt, wählte ich Physik als Abiturfach über vier Halbjahre. Weil die Schule einen blendenden Ruf bei diesen Fächern hatte und genug dabei waren, die danach Maschinenbau studieren wollten, war dieser nette Lehrer mit dem Stoff für das Abitur nach knapp über einem Jahr durch. Danach lernten wir weiter bis zu dem Stoff, für den gerade der Nobelpreis für Physik vergeben wurde – Quantenmechanik und Funktionsweise des Rastertunnelmikroskops, das würden wir sicher bald brauchen. Das stand nicht im Lernplan, tat aber dem Ruf der Schule gut. Der wirklich nette Lehrer war der Meinung, wir sollten halt Prioritäten setzen, ihm sei das wichtig. Das sagten, weniger nett, auch weniger nette Lehrer über ihre Fächer. Es gab einen Wettlauf, wer am weitesten kam und am meisten forderte. Wenn eine Klasse mal nicht spurte, wurden die Schulaufgaben so lange auf einen Schnitt von 3,95 runterkorrigiert, bis die Eltern Panik bekamen und die scheinbar faulen Schüler daheim weitertrieben. Ich glaube, das war eine Schule, deren System aus Druck, Kontrolle und Leistungswille Herrn Sarrazin gefallen hätte.

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Ich war in Englisch nie schlecht, aber einer Lehrerin gelang es spielend, mich von meinem langjährigen, guten Durchschnitt nach den Sommerferien um fast drei Noten zu drücken. Einfach, weil sie das für richtig hielt. Dass ich später Englisch als Leistungskurs nehmen und problemlos bestehen konnte, verdanke ich dem Umstand, dass sie sich das Bein gebrochen hat und durch eine andere, dann sehr engagierte Lehrerin ersetzt wurde: Die geknackste Dame liess schon vorher wissen, dass ich bei ihr keine Chance hätte. Einfach so. Es gab einen Chemielehrer, der in der ersten Stunde des Jahres seinen Schülern – ohne sie zu kennen – sagte, wen er durchfallen lassen würde. Ein kathlischer Religionslehrer unterhielt seine Schüler gern mit Erzählungen von der Partisanenjagd, damals an der Ostfront. Ein Musiklehrer, der erstaunlicherweise über den Volkstanz Cardas promoviert hatte, hasste Jazz so sehr, dass er sich weigerte, die Schüler über diesen Punkt der Musikgeschichte zu unterrichten. An anderen Schulen der Region – Bayern unter Strauss, wie gesagt – ging es auch nicht liberaler zu. Aber dafür hatte dieses Gymnasium einen besseren Ruf bei technischen Berufen, deshalb schickte man seine Kinder dorthin. Es war eine wirklich harte Schule. Die Art Schule, die den Ruf des Bayerischen Abiturs besonders förderte.

Es gab natürlich auch unter den Lehrern solche und solche. Man konnte das Pech haben, dass einem der Deutschlehrer bei jedem Buch sagte, es gäbe dazu einen Film. Man konnte das Glück haben, dass man von einem anderen Deutschlehrer zur AG Literatur eingeladen wurde, um mehr zu lesen. Es war dieser Lehrer, der – man stelle sich vor, 80er Jahre des 20. Jahrhunderts – sich der Demütigung aussetzte, den Direktor zu bitten, ob er mit uns Andre Gides Verliesse des Vatikans lesen dürfte. Schliesslich war Gide homosexuell, und das Buch spielt leicht darauf an, da musste man fragen. Das war weltenfern vom Mörike-Schiller-Goethe-Nationaldichter-Kanon, der ansonsten üblich war, und den ein paar alte Herrschaften gerade wieder lautstark einfordern. Dieser Mann öffnete einem dann auch die Augen für den Umstand, dass es neben der Lyrik eines mitunter doch etwas fragwürdigen Herrn Goethe auch noch andere Autoren gab, die uns etwas Nettes sagen konnten: „Wenn die Igel in der Abendstunde still nach ihren Mäusen gehn, hing auch in an Deinem Munde, und es war um mich geschehen“ – wir hingen sehr an den Mündern der wohlerzogenen Mädchen in der AG Literatur. Wir fuhren mit ihnen auch in die Staatsoper nach München. Es war nicht alles schlecht an dieser Schule, es gab Freiräume für Entwicklungen, die das Zwangsprogramm des Schultheaterbesuchs nie gelassen hat. Aber auch dieser Deutschlehrer konnte manche bayerischen Dorfkinder mit genialischem Mathematikverständnis und Desinteresse an seinem Unterricht nahe an den Rand des Durchfallens benoten, ohne mit der Wimper zu zucken. Wer es hier nicht schaffte, konnte immer noch auf ein Deppengymnasium.

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Ich erzähle das nicht, um mich zu beklagen. Man konnte es überleben, man entwickelte Strategien für ein Leben jenseits des Zwangslernens. Die Zahl derer, die mit den diversen Erwartungshaltungen nicht fertig wurden, in der Station 36 landeten, vom Hochhaus sprangen oder Säufer wurden, war sehr klein. Man zählte die Tage bis zum Ende. Man schluckte hinunter und wusste, über der Donau ist München, Leben, Studium, Staatsoper, Museen und Party. Zumindest in meinem Umfeld, das wohlerzogen, selbstbewusst und kulturbeflissen war. Man musste uns nicht in die Opern und die Hypo-Kunsthalle zwingen, wo wir weiterhin an den Mündern von Sängerinnen und gemalten Schönheiten hingen. Man behält in den Jahren des Studiums einen gewissen Überblick über ehemalige Schulkameraden: „Man“, das waren die paar Kinder, die schon in der AG Literatur waren. Die anderen wurden durchaus auch anständige Leute, gute Techniker, begnadete Ingenieure, zuverlässige Ärzte, Nachfolger ihrer Eltern, sicher keine Idioten. Aber eben auch Leute, die es nicht verstehen, warum man kein TV-Gerät besitzt. Mit denen man sich nicht über die Musik von Lully unterhalten kann. Die sich schon eine Anlage für den Preis eines Kleinwagens kaufen, um darauf dann aktuelle Popmusik zu hören. Deren Häusern man ansieht, dass ihr Wollen und Können bei der sinngerechten Verwendung historischer Baustile eher nicht in Einklang stehen. Es sind anständige Leute, sie mussten sich an den Realitäten orientieren: Ein baldiger Studienabschluss war wichtiger als ein Nachmittag in der Antikensammlung. 

Nein, kann ich aus meiner Erfahrung mit einer vorreformatorischen Schule und ihren Ergebnissen nur sagen. Nein. Weder sind deren Ergebnisse des Systems besonders aufgeschlossen geworden, noch besonders gebildet. Es sind Menschen, die zumeist gar keine andere Wahl hatten, als sich nach den Notwendigkeiten zu orientieren: Weder hatten sie die Zeit, noch die Lust oder gar das Verständnis, am Zentralinstitut für Kunstgeschichte am Mittwoch Vorträge zu hören. Wir hatten dort das schönste Unicafe über der Abgusssammlung: Wir blieben dort unter uns. Und das ganz sicher nicht wegen der Schulen, aus denen wir kamen. Es waren wenige, die diesen Weg gehen wollten, andere hatten andere Vorstellungen. Einbilden sollte man sich darauf nichts; es ist ganz leicht, sich in einem Spezialbereich Wissen anzueignen und auf andere herabzuschauen. Bildungshybris ist besonders abstossend, weil sie Wissen mit einer Intoleranz verknüpft, die andere ausschliesst. Wer sich wirklich für Kultur interessiert, wird sich schnell und leicht über alles hinwegsetzen, was ein normaler Lehrer zu unterrichten weiss, und wer andere Interessen hat, sollte sie haben dürfen, ohne deshalb als Symbol des Bildungsniedergangs herhalten zu müssen.

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Realistisch betrachtet führt in der Bundesrepublik des Jahres 2011 kein Weg zurück in die Schule der Unterdrückung und Gegenreform, aus der ich komme. Was damals üblich und an Auswüchsen möglich war, würde heute auch in Bayern zu einem Elternaufstand führen. Von meinem Abiturjahrgang sind sicher die Hälfte der Absolventen immer noch in dieser Stadt; nie habe ich einen von ihnen in der Sonntagsmatinee gesehen, die klasische Musik allen ohne Eintrittsgeld und Hürden durch Bekleidungsvorschriften zugänglich macht. All der Druck, der Sadismus, die kleinen Schweinereien und die verständnisvollen Ausnahmen haben nicht dazu geführt, dass die Ergebnisse hoch gesteckten Bildungshoffnungen gerecht geworden wären.

Es war umsonst. Man kann, das ist zumindest meine Überzeugung, niemanden zur Bildung unterdrücken, allenfalls zum Auswendig lernen, und zum Hass, und zur Intoleranz. Und von den Resultaten solcher Ideologien des Zwangs möchte ich eigentlich nicht, dass sie erneut Einfluss darauf bekommen, wie man in diesem Land Bildung organisiert.

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390 Lesermeinungen

  1. Wie war denn der...
    Wie war denn der Sportunterricht?

  2. *möh*...

    Nachdem die letzte...
    *möh*…
    Nachdem die letzte E-Mail-Version des geschätzten Stützen-der-Gesellschaft-Blogs fehlerfrei ankam und mit Genuss gelesen werden konnte, zeigt die soeben erhaltene Version nun wieder die unschönen fehlenden Leerzeichen:
    „Ich war während der 80er Jahre auf einem der beidenElitegymnasien [sic] meiner Heimatstadt. Das andere war humanistisch, meines war nahe an unserem Seeviertel und miteinem [sic] Direktor gesegnet, der nebenbei auch Chef des CSU-nahen Lehrerverbandesin [sic] Bayern war. In jener Zeit konnte man sich kaum ein unliberaleres Städtchenwie [sic] meines vorstellen, und im Zusammenwirken all dieser Kräfte war dasGymnasium [sic] das blanke Gegenteil aller schulreformatorischen Bestrebungen.“
    Werter Don, bitte bald reparieren (lassen).

  3. Ich wusste, dass Sie trinken....
    Ich wusste, dass Sie trinken.

  4. HansMeier555, wie er immer...
    HansMeier555, wie er immer ist, wenn viele vom Land kommen: Mitunter recht brutal und wenig erbaulich.
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    Eber-hard, ich werde anfragen, was es mit dem Bug auf sich hat.

  5. Halbwahrheiten, soso, sehr...
    Halbwahrheiten, soso, sehr hübsch.

  6. @DA
    toller artikel,...

    @DA
    toller artikel, glückwunsch. am erasmus gymnasium in amberg war es ähnlich, wir hatten nur ein paar mehr nicht so „rechte csu-nahe lehrer“, die ganz okay waren. aber die restauration hielt ab 1982 umso stärker einzug. aber prinzipiell: gymnasium der 80er in bayern und dazu zählte die opf. ja leider wieder – können sie…
    wenn ich mich dann noch an die „tiraden“ unseres geschichts/latein/griechisch lehrers über hessisches abitur erinnere. das war alles sehr arm

  7. Immer noch besser als die...
    Immer noch besser als die pressehandelsüblichen Halblügen, möchte ich sagen.
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    bertholdIV, ich denke, dass esin der Kombination der Eigenschaften schon eine besondere Sache war; Münchner Bekannte hatten solche Erlebnisse eher selten. Rückblickend würde ich sagen, dass es eine KOmbination von verbliebenen, alten Lehrerkadern aus finsterer Zeit und Vorboten der Globalisierung war, die diese Schule zu dem Drillinstitut werden liessen, was sie war. Es gab ja dann aiuch genug, die verächtlich auf die anderen Gymnasien herabschauten. Auch unter den Schülern.

  8. Zwar nicht die von mir...
    Zwar nicht die von mir präferierte Diashow, aber dafür anregende und nachdenkliche Lektüre. Danke.
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    Wer über 75% seiner Schulzeit in Hessen verbracht hat, so wie ich, kann da nicht wirklich mitreden, doch kann ich andererseits auch nicht behaupten, dass die konfessionelle Privatschule, die ich in der Mittelstufe besuchte, bleibende Schäden hinterlassen hätte. Ich erinnere mich gern an die Zeit – und an den Kunstgeschichte-Unterricht (Kapitelle!).
    Tanzen war das zweitgrößte Talent meines Deutschlehrers (er hatte extra für unseren Abi-Ball vorab einen Standardtanzkurs mit seinem Lebensgefährten besucht). Das größte war zweifelsohne seine Fähigkeit, unsere ungeteilte Aufmerksamkeit auf Franz Kafka oder Hermann Hesse zu lenken und uns damit in einer Vielzahl der Fälle auch zu begeistern.
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    Nein, ein Leben unterhalb der Mainlinie hätte ich mir nicht vorstellen können.

  9. Arabella, darauf noch einen...
    Arabella, darauf noch einen Pott Feuerzangenbowle mit vernidottergelbem Eierliqueur von Filou!

  10. Das sollte eigentlich ein...
    Das sollte eigentlich ein Kompliment sein.

  11. Danke, ich weiss.
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    Wäre es...

    Danke, ich weiss.
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    Wäre es ansonsten möglich, diesmal etwas mehr am Thema zu bleiben? Oder besteht Interesse nach einesm Alk-Blog?

  12. Hm, das ist jetzt schon sehr...
    Hm, das ist jetzt schon sehr anders als das, was ich in meinem 70er-Jahre-Betonklotz-Gymi erlebt habe. Dieses „wir sind die Besten, und wer nicht spurt, fliegt“ kenne ich garnicht. Willkür, Terror, Ausgrenzung ja. Leistungsdruck durch ein Übermaß an Hausaufgaben ja. Aber nicht dieses Unter-die-Weihen-eines-Triumphalismus-Stellen („unsere Schule ist die beste“), oder wie man das nennen kann. Also so eine völlig von sich und ihrem Tun überzeugte Schulspitze kenne ich nicht.

  13. Eberhard, ich habe mich jetzt...
    Eberhard, ich habe mich jetzt nochmal durch alle Eingeweide der Software gewühlt – ich habe einfach keinen Zugriff auf die Emailbenachrichtigung. Ich gebe es an die Technik weiter.

  14. Kein "Wer hat die meisten...
    Kein „Wer hat die meisten Einserabiturienten und den besten Abischnitt der Stadt“-Wettlauf? Oh. Immerhin, ich war da nicht gerade das, was man als „hilfreich“ bezeichnen würde.

  15. Wunderbarer Artikel - mal...
    Wunderbarer Artikel – mal wieder ;-)
    Zum Thema Schul(!)bildung stellt sich doch vor allem die Frage, wie Schüler und Lehrer etwas ernst nehmen sollen, das außerhalb der Sonntagsreden der Politiker politisch und gesellschaftlich in diesem Land keine Rolle spielt. Man schaue sich nur an, welches Engagement – finanziell und zeitlich – seitens der Kommunen und leider auch vielen Eltern für Schule aufgebracht wird. Die Ausstattung auch an „besseren“ staatlichen Schulen gereicht zudem nur selten dazu, dass Schüler oder Lehrer sich hier bestätigt fühlen können. Und warum sollen diese dann etwas ernst nehmen, was offensichtlich von der Gesellschaft nicht ernst genommen wird?
    Echte Bildung ist im übrigen weit mehr als Schulbildung und ist – um mit alten Worten zu sprechen – vor allem Herzensbildung. Das hat mit Werten zu tun, die das eigene und zwischenmenschliche Leben tragen können. Viele der heute gefragten „Werte“ sind jedoch nicht tatsächlich werthaltig d.h. bieten kaum dauerhaften Halt. Umso mehr Menschen suchen dann spätestens in der Midlifecrisis in wie auch immer zu bewertenden Esoterikveranstaltungen Sinn und Sinnlichkeit in ihrem Leben. Die Vermittlung wahrhafter Werte gelingt wohl tatsächlich neben den familiärnen Voraussetzungen am besten in z.B. einer Literatur AG – unabhängig davon ob der sonstige Schulalltag aus Drill oder Reformpädagogik besteht.
    MB

  16. Ich sage Danke, auch wenn...
    Ich sage Danke, auch wenn dieser hervorragende Artikel alte Traumata in Erinnerung ruft!

  17. Und wie reagierten die...
    Und wie reagierten die Landeier auf den Biologieunterricht?

  18. Werter Don, wie sich ie Bilder...
    Werter Don, wie sich ie Bilder gleiche! Ich hatte in der elten einen Chemielehrer, der das jahr eröffnete mit der Ankündigung: „15 Punkte bei Mir, dass ist der freihändige Kopfstand“! Es war gruselig!!
    Gruß
    FS

  19. Das Interesse ist da - nicht...
    Das Interesse ist da – nicht bei allen, aber bei allen war es auch zu unserer Schulzeit nicht da. Allein die Zeit ist weniger geworden. Die Abiturienten heute stehen unter einem viel größeren Druck als wir es standen, obwohl das vermittelte Wissen weniger wird und auch die Lehrer heute weniger fordernd sind als sie es im Bayern der 80er Jahre waren.

  20. Sehr verehrter Don...
    Sehr verehrter Don Alphonso,
    haben denn nicht alle Pädagogen einen „Tunnelblick“? Ich kenne keinen ohne!
    Subjektivität gehört in der heutigen Zeit zum Alltagsgeschäft in allen Bereichen des Lebens.
    Ihre (nun nicht mehr) stille Verehrerin auf der Erbse

  21. Werter Don,
    so,...

    Werter Don,
    so, Protokollschreiben im Investment Committee edeutet Don-Blog-Zeit.
    Den Satz mit der Bildungshybris finde ich sehr gut, es ist wirklich immer einfach sich in irgendwaszu spezialiseren und dann auf andere herabzuschauen, die vielleicht auch einfach nicht die Möglichkeiten hatten.
    Wie, der Herr Üzelük kann kein kein Deutsch? Der ist doch schon seit 30 Jahren in Deutschland! Da gibt es doch Kurse, da hätte er ja mal hingehen können! Ja, wenn er nach 10-Stunden-Schichten im Stahlwerk noch die Energie und Kraft dafür gehäbt hätte sicher…Geht das in die gleiche Richtung?
    Unser Gymnasium hat mal an einer Umfrage teilgenommen, unter 100 Gymnasien waren wir das mit dem höchsten Alkoholkonsum, aber auch das mit der höchsten Lebensfreude. Das war aber in den 90ern, und im Norden ist man ja von bayerischem Abitur auch meilenweit entfernt in der Qualität. Hat man uns auf jeden Fall immer erzählt: Dein Schnitt wäre in Bayern nicht 1,9, sondern 2,9!
    Naja was solls, those were the days,
    schöne Grüße aus dem Norden,
    Moritz

  22. Die Leute aus unserem...
    Die Leute aus unserem Englisch-LK konnte man an den Augenringen erkennen, weil wir in der Bandbreite von Chaucer bis Roth soviel gelesen haben (lesen mussten), wie in eineinhalb Jahren eben geht. Nebenei sehr viel über englische und ameriaknische Architektur, Kultur und Politik.
    .
    Der Lehrer war weder ein Kriegsveteran noch rechtslastig, er hatte nur extrem hohe Anspürche an sich und uns.
    .
    Ich kann mir gut vorstellen, dass einige seit damals von Literatur nichts mehr wissen wollen. Genauso könnte die erzwungene Beschäftigung mit Kultur dazu geführt haben, dass manche nie mehr wieder in ein Konzert gehen. Mit Druck Interesse zu wecken klappt schon bei Vierjährigen nicht.

  23. Don Ferrando, hic Bavaria, hic...
    Don Ferrando, hic Bavaria, hic salto!
    .
    Magdalena Burgfried, ich denke auch, dass man die Rolle der Familie dabei gar nicht unterschätzen kann. Wobei es da auch grässliche TurboSUVmütter gibt

  24. FS, stimmt, so einen hatten...
    FS, stimmt, so einen hatten wir auch. Für den sprayten sie eines Tages auf den Schulhof
    „Bubak, Ponto, Schleyer,
    der nächste ist der Hallerm….“
    .
    Grosse Aufregung, damals. So etwas! In Bayern!
    .
    HansMeier555, mit glatten Einsern, wie immer.

  25. @DA
    wenn man noch bedenkt wie...

    @DA
    wenn man noch bedenkt wie klein der teil der volksschüler auf dem land war, die ein gymnasium besuchen durfte. bei uns waren das deutlich unter 10%.
    ist schon richtig, dass in münchen die gymnasien angenehmer und im endeffekt auch besser waren, aber solche systeme zeigen einfach in der provinz oder in den besetzten gebieten am deutlichsten ihre schattenseiten. muss ja einen grund haben, warum aus meiner abiturklasse kaum jemand noch dort wohnt..

  26. Ich war auch in den 80ern auf...
    Ich war auch in den 80ern auf einem bayerischen Gymnasium an der Donau. Das beschriebene Verhalten der Lehrer kenne ich auch, nur waren die 68er-Lehrer keinen Deut besser. Da hatte man am besten eine „Stoppt Strauß“-Plakette, dann war die Sozialkundenote geritzt. Die Mutigeren unter uns klebten stattdessen einen Straußaufkleber auf den Ranzen, nur um dieses scheintolerante, verbeamtete Revoluzzerpack zu ärgern, und nahmen die 4 in Kauf. Links zu sein galt unter den Schülern als angepaßt.
    In der Psychiatrie sagt man: Lehrer ist kein Beruf, sondern eine Diagnose. Das ist das Problem und hat nichts mit der Richtung der Pädagogik zu tun. Berichte von Freunden aus anderen Bundesländern waren noch deutlich grusliger als meine eigenen schlimmen Erfahrungen. Die linke Reformpädagogik gipfelte in der Odenwaldschule: Schüler als sexuelles Freiwild der Lehrer, die das bis zu ihrem Tod in Ordnung fanden. Dazu lernte ich im Studium, daß es Leute mit Einserabitur geben kann, die einfachste Wörter nicht richtig schreiben können (die waren nicht aus Bayern). Selber denken hatten die nicht unbedingt gelernt, was oft als Entschuldigung für solche Absolventen angeführt wird.
    Der Lehrerberuf zieht Leute mit Persönlichkeitsstörungen an, das war schon bei den entsprechenden Anwärtern im Studentenwohnheim zu spüren. Also hilft nur Kontrolle, Einschreiten. Mein Ältester ist jetzt auf dem Ammerseegymnasium, wo es auch Soziopathen unter den Lehrern gibt, die aber damit nicht mehr so einfach davonkommen. Insofern hat sich viel verbessert.
    Die Sache taugt nicht dazu, darauf sein politisches Süppchen zu kochen.

  27. Frau B., sicher, die Probleme...
    Frau B., sicher, die Probleme sind heute andere, aber ich denke, die Grundlagen des verbrechens der G( wurde genau zu dieser Zeit gelegt. Und es überrascht vielleicht gar nicht, dass unser damaliger Direktor als Vorstand seines Verbandes sehr schnell bereit für die G8 war. Es war nur die logische Konsequenz aus dem, was bei uns üblich war.
    .
    Prinzessin auf der Erbse, das dachte ich früher mitunter auch, aber so ganz stimmt das nicht; meine LK-Englisch-Lehrerin zum Beispiel war da enorm offen und flexibel.

  28. Und doch brauchen wir diese...
    Und doch brauchen wir diese Paukschule, denn nur erst sie schafft die Voraussetzung zur kontrollierten Liberalisierung, welche ein kultivierter, angenehmer, allseits beliebter Direktor dann in einer zwanzigjährigen, aufgeklärt-absolutistisch-barocken Art dann sich selbst, Schülern und Eltern erlauben darf —
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    Solange allen der Drill und die Angst noch in den Knochen steckt, wissen sie seine Gnadenerweise dankbar zu schätzen, sie freuen sich über die Gründung einer Jazz-Band und weitere Zugeständnisse.
    .
    Irgendwann aber haben sie sich daran gewöhnt und es bricht Katerstimmung aus. Die vollzogene Öffnung und Liberalisierung wird umstandslos als Statusverlust wahrgenommen, während die eigene Schulzeit im Rückblick schon wieder verklärt wird. Angesichts der Schwierigkeiten der eigenen Kinder, einen Beruf zu finden, sehnt man sich nach den Zeiten zurück, als man (angesichts des allgemeinen Akademikermangels) auch mit einem Dreierabitur problemlos Arzt oder Anwalt werden konnte und automatisch einen sicheren Job fand.
    .
    Denn im Gegensatz zur alten christlich-feudalen Ordnung beruht die kommunistische Demokratie, unter der wir heute leben, nun einmal leider auf moralischen Voraussetzungen, die sie selbst nicht reproduzieren kann.

  29. Was ist denn das Thema:...
    Was ist denn das Thema: Halbwahrheiten oder sentimentales Halbstarkengefasel?

  30. "... der nächste ist ein...
    „… der nächste ist ein Bayer!“ – so stand es an der Uni Freiburg.
    .
    Anfang der 80er wurden noch Graffitis gesprüht, sondern ausschliesslich politische Losungen.

  31. Ich war, obgleich Protestant,...
    Ich war, obgleich Protestant, auf einer sehr alten und sehr katholischen Schule. Vor 1980.
    Die Einschätzung ist schon richtig: Wirklich wichtige Sachen lernt man eher nicht in der Schule. Keinen der Autoren, die mir heute viel bedeuten (z.B. T. Mann, Doderer oder Niebelschütz), haben wir in der Schule gelesen. Die Heranführung an gute Musik oder gute darstellende Kunst war mangelhaft. Das mußte man sich später aneignen, was Neugier und die Existenz von Mentoren voraussetzt. Dennoch: Ich glaube, man nimmt gar nicht wahr, daß man gerade auch in diesen autoritären Institutionen viel Rüstzeug mitbekommen hat. Und: Es gab wenigstens kein linkes Gequatsche. Im Übrigen: Wenn ich die Schulen meiner Kinder betrachte, frage ich mich schon, ob sich so viel geändert hat.

  32. Robert Gernhardt hat mit einem...
    Robert Gernhardt hat mit einem frühen Gedicht, er war 17 als er es schrieb, seinen Lehrer am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium gewürdigt.
    Hier spricht der Dichter:
    Auf den Lateinlehrer Otto Kampe
    Er ist wie Crassus sehr gerissen
    und so beredt wie Cicero.
    Wie Maecen ist er kunstbeflissen,
    ein Wüstenfuchs wie Scipio.
    Lukullus gleicht er als Genießer
    an immer wohlgefülltem Tisch,
    und gleich Ovid, dem Feind der Spießer,
    so ist auch er kein kleiner Fisch.
    Wie Tacitus ist er Erzähler.
    Wie Seneca sucht er das Wahre.
    Er hat wie Cato keine Fehler
    und so wie Caesar keine Haare.

  33. Ein (Schul-)tag im Leben Hanno...
    Ein (Schul-)tag im Leben Hanno Buddenbrooks.

  34. Zu der Zeit als & wo ich...
    Zu der Zeit als & wo ich aufwuchs und auch zur Schule ging, wusste ich nicht mal dass es sowas gab: Gymnasium …und das ging nicht nur mir so. Erst später (ja: ’68), etwas merken, erkennen und lesen, lesen, lesen…
    Ihr glücklichen Kinder reicher Eltern diskutiert hier auf sehr hohem Niveau.

  35. ... schade, dass die...
    … schade, dass die Leerzeílen verloren gehen.
    Und im Übrigen: Bis auf die Glatze passt alles auch sehr schön auf den geschätzten Don. War mir vorher noch garnicht aufgefallen.

  36. @mapar
    so viele 68er lehrer...

    @mapar
    so viele 68er lehrer gab es doch in bayern gar nicht und wenn dann wurden sie doch im lehrerkollegium nichts…
    wenn ich viel glaube, aber nicht, dass in bayern der 80er linke lehrer wirklich über noten…
    mit einer stopp strauss plakete flogen sie in bayern von der schule, man erinnere sich nur an den fall in regensburg..

  37. Hatte ich mal erwaehnt, das...
    Hatte ich mal erwaehnt, das ich streng sozialistisch erzogen wurde? Auf der Schule jedenfalls.
    Die Konfrontation von DDR-Bildungsinhalten mit den BRD-Normen haetten einen schier zur Verzweiflung treiben koennen, wobei die naturwissenschaftlichen Faecher ein minderes, eigentlich garkein, Problem darstellten. Alles andere aber? Von Plautus bis Boell, von Caesar bis Hitler, von Mitschurin bis Linée waren die Anknuepfungspunkte doch recht fragil, oder garnicht vorhanden. Man waere in ein riesiges Loch gefallen. Es gab aber troestlicherweise kriegsgeschuettelte Lehrer, die mit mueder rheinischer Noncalance diese Luecken teils beifuellten, oder ignorierten (Jung, dat kriejen wir schonn jerejelt!).
    Die spaetere Konfrontation mit bayrischen Elitabiturienten verlief voellig undramatisch. Irgendwie waren wir dann doch alle gleich: 20-jahrige Torfkoeppe eben.
    Die Erinnerung an die Lehrer ist inzwischen stark verblasst. Das taegliche, unruhige Leben ueberlagerte das schulische. Es bleibt bei der alten Weisheit: Et haett noch immer jot jejange!

  38. Typisch ist wohl auch das...
    Typisch ist wohl auch das Wechselspiel zwischen zwei Gymnasien in einer Kleinstadt. Das eine humanistisch-grossdeutsch-bürgerlich-katholisch-liberal, das andere mathematisch-kleindeutsch-beamtisch-protestantisch-stramm (Adjektivkombinationen sind variabel, wenn auch nicht beliebig).
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    Da gibt es Konstellationstraditionen, die tief ins 19.Jh. zurückreichen.

  39. Don, ich garantiere dir mit...
    Don, ich garantiere dir mit diesem Thema hundertausend Einträge.
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    Jeder hat das Grausiges oder Skurilles zu erzählen.
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    Meinereiner gehört danach zu der Minderheit in Bayern, die GLÜCK mit ihrem (reinen Mädchen-)Gym hatte. Oberfranken, Kulmbach. Man glaubt es nicht.
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    Mein Mann hingegen, 10 Jahre jünger, ist geschunden worden, bei dem ging das aber schon in der Röthenbacher Grundschulklasse los. Der muss eine Lehrerin wie die Frau Sarrazin gehabt haben, die ihn als 7jährigen explizit nicht nur anschrie, sondern auch exemplarisch mobbte . Seitdem hasst er Schule. Hat aber trotzdem studiert, Respekt dann.)
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    Ich war der Jahrgang (1977) mit dem letzten bairischen klassischen Abitur, ohne Leistungskurse und Grundkurse, und ohne Schinderlehrer. Aber: Linke, liberale Geschichtslehrer (nicht neo-liberal), junges, aber bereits kauziges Vanilletabakpfeife rauchendes Französischlehrerlein. Der Physiklehrer hatte sehr unterhaltsame Macken. Ich freue mich jedesmal auf seinen Unterrricht und war da logischerweise auch gut. Der Mathelehrer war etwas gefürchteter, weil er so zackigschnell war, Mathe machte mir aber ebenfalls keine Probleme. Man schrieb friedlich von mir oder meiner Freundin, der anderen Mathe-Korryphäe ab. Alle waren im Schnitt sehr freundlich. Kunst & Kultur: Der alte Direktor schickte seine Klassen geballt im Jahr zweimal ins Kino. Nix E-Kultur: „Insel der Delphine“ guckten wir. Das waren wahrwscheinlich die Filme, von denen er selber sehr gerührt war und er beschloss deswegen, sie mit uns zu teilen.
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    Fast meine komplette Abiklasse wurde Lehrer. Kein Wunder wegen des Idylls.
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    Meine Tochter war im Behaim-Gym und wusste – 20 Jahre später – schon Kantigeres zu berichten. Die Rektorin dort war eine Leistungs- und Eliteanhängerin. Ich hätt sie anders als der Herr Papa die Tochter gern in eine andere Schule gesteckt und war auch den freien Schulen nicht ganz abgeneigt.
    .
    Ich bin zwar nur eine Single Case study, doch ich wage mal die empirische Skalierung :-) :
    Kann es sein, dass die Pauke sich nach 77 mit der Einführung der Leistungskurse drastisch-biestig elitär veränderte? Und jetzt mit dem G8 nochmal ekelhafter wurde? Mir tun die jungen Leute leid.

  40. Nachtrag: Ein Schulfreund,...
    Nachtrag: Ein Schulfreund, damals Gründer und Vorsitzender des JuSo-Ortsverbands (und bester Freund des JU-Vorsitzenden), lebt heute in Nordrhein-Westfalen und würde seine Kinder gerne auf ein bayerische Schule schicken. In NRW muß er darum kämpfen, daß seine Kinder auf eine Schule kommen, in der sie Lesen, Rechnen und Schreiben lernen.
    Eine Ärztin aus einem anderen Bundesland, die eine Weile in Bayern gelebt hat, berichtete mir erstaunt, daß sie nur in Bayern Leute kannte, deren Kinder auf der Hauptschule waren, was in Düsseldorf in ihrem Viertel undenkbar war.
    Überheblichkeit gegenüber anderen Bundesländern ist nicht angebracht, doch läßt das selbsterlebte Schulelend vielleicht anderes zu rosig erscheinen; es muß ja einfach besser sein.

  41. So Abizeitungen aus der...
    So Abizeitungen aus der Jahrhundertmitte wären reizvollere Sammlungsobjekte als, sagen wir mal, Briefmarken, MÜnzen und Eiserne Kreuze.

  42. Werter Do,

    sie haben mich...
    Werter Do,
    sie haben mich erst vor kurzem als Leser Ihres Blogs dazugewonnen und mit diesem Artikel direkt ins Schwarze bei mir getroffen.Chapeau!
    So, wie Sie es beschreiben habe ich selbst es nicht ganz miterlebt, zumal ich schulisch nicht im Freistaat aufgewachsen bin, sondern die Bildungsinstitute westlich der blau-weißen Landesgrenzen in Anspruch nehmen durfte (die sich aber nicht minder auf die Fahne schreiben, eine der besten Bildungssysteme unserer Republik zu besitzen). Die Situationen allerdings, die Sie beschreiben kann ich nachfühlen…sehr zum Schrecken seit Einführung der neuen Abschlüsse auch an den Universitäten, die eigentlich dazu gedacht sind Bildungsfreiheit, Eigenständigkeit und kritisches Denken anzuregen. Leider setzt sich die „Bulimie-Bildung“ immer mehr durch, auch durch den Anspruch der zuständigen Dozenten in der nun kürzeren Ausbildungszeit die gleichen (oder zumindest nicht wesentlich gekürzten) Lerninhalte durchzubringen (schließlich hält jeder seinen bereich für den wichtigsten), was zwangsweise zu einer Verarmung am Interesse anderer Lerninhalte außerhalb des Dunstzirkels des eigenen Studienfaches der Studenten erklären würde. Abgesehen von der steigenden Anzahl psychosomatischer Erscheinungen in den Beratungen und dem vorsätzlichen Medikamentenmissbrauch einiger übereifriger Fachnovizen ist dies wohl kaum die Realität, die uns die Politik glauben machen will. Welch‘ Erkenntnis. Á la bonne heure, Madame Schavan!

  43. gegen die...
    gegen die geschichtsvergessenheit hier im blogg:
    „Stoppt-Strauß“-Zwischenfall [Bearbeiten]
    in
    http://de.wikipedia.org/wiki/Albertus-Magnus-Gymnasium_Regensburg

  44. @DA: („Kein "Wer hat die...
    @DA: („Kein „Wer hat die meisten Einserabiturienten und den besten Abischnitt der Stadt“-Wettlauf? Oh.“) Von der Schule aus nicht, nein. Von diversen Elternhäusern aus natürlich schon, da gab es so einige, die getrieben haben. – War ich auf der Insel der Seligen und keiner hats gemerkt?

  45. zumindest giovanni di lorenzo...
    zumindest giovanni di lorenzo erinnert sich noch – mutig für einen redakteur im holzbrinck konzern:
    Viele Zeitgenossen, auch ihr Mitautor Axel Hacke, haben eine Sehnsucht nach den großen Politikerpersönlichkeiten vergangener Tage. Und Sie?
    Di Lorenzo Ich bewundere Helmut Schmidt, aber generell habe ich keine Sehnsucht nach den alten Leitwölfen. Jede Generation soll eigene Vorbilder haben, außerdem wird in der Rückschau auch vieles verklärt. Denn zum Charisma gesellten sich auch viel Selbstherrlichkeit und oft eine Kultur der Angst. Franz Josef Strauß zum Beispiel hatte sicherlich rhetorische Potenz und einen großen politischen Instinkt. Aber in Regensburg wurde damals zum Beispiel eine Gymnasiastin der Schule verwiesen, weil sie eine „Stoppt Strauß!“-Plakette am Parka trug. So etwas wollen wir doch im Ernst nicht mehr haben.
    http://www.ksta.de/html/artikel/1294060151096.shtml

  46. Eine Freundin, die mit mir in...
    Eine Freundin, die mit mir in Berlin das Gymnasium besuchte, zog zusammen mit ihrer Mutter nach Unterdolling (oder Oberdolling?). Mitte der 90er besuchte sie wohl die beschriebene Schule und scheiterte grandios. Sie ist dann garnicht mehr zur Schule gegangen sondern hat, wieder in Berlin, gekellnert und solche Sachen gemacht. Damit hätte man rechnen können.

  47. @DA: Da Sie sagten „Vorboten...
    @DA: Da Sie sagten „Vorboten der Globalisierung“, ein paar Assoziationen dazu. Meine Schule war neu (Neubaubetonklotz, wie gesagt), und neben einigen üblichen Bildungsbürgerkindern (Sparkassendirektor, Lehrer, wenige höhere Angestellte) waren da eine Menge dabei, deren Eltern kleine Selbständige oder sogar Facharbeiter waren. Also schätzungsweise eine recht andere Mischung wie bei Ihnen, wo ich den Anteil der höheren Angestellten höher einschätze. D.h. bei mir war es bei so einigen ungewiß, ob sich da je ein Weg auftun auftun würde bzw. daß sie selbst einen Weg finden mußten. Bei Ihnen waren vermutlich mehr dabei, deren Eltern einen klaren Werdegang vor Augen hatten (man muß unterkommen als Angestellter), und die die Konkurrenzmechanismen kannten, daher die Notenfixiertheit.

  48. lieber, geschätzter Don,...
    lieber, geschätzter Don, tsts, dünkel macht spass, vor allem wenn er unter der annahme geschieht, das man ihn sich erlauben darf, je sais: das mit den billigeren plätzen könnte man ihnen verübeln, wenn man es denn wollte, was nicht der fall ist, denn nicht alle kommentatoren wohnen in ‚berlin‘. für mich gesprochen: man darf die besseren plätze frequentieren.
    .
    im übrigen hatte ich auch mal einen lehrer, der mir amüsanterweise zwei minuten vor der mündlichen prüfung ganz klar machte: das matheabi fällt flach. er sagte wörtlich: sie sehen viel zu gut aus, als dass sie das nötig haben, dass man es ihnen leicht macht und als dass ich ihnen das ermögliche.
    achja, in physik und statistik war ich auf der uni nicht so übel, und das lag gewisslich nicht am intrinsischen charme, denn so verhungert sind die dozenten dieser fächer auch wieder nicht…

  49. Lieber Don,
    ganz schön...

    Lieber Don,
    ganz schön mutig!!!, aber in der heutigen Zeit höre ich jeden Tag seit nunmehr 22 Jahren die 2 Wörter ununterbrochen. Dabei ist mir völlig klar:Das kann nicht in den bundesdeutschen Schulbüchern stehen. Denken sie an die sogenannten „neuen Erkenntnise“ aus dem „Amt“. Ich kenne den Zug seit 1955 aus der Schule.und das „Braunbuch“ seit A.Norden (gest.1982!)
    Aber, ich ziehe den Hut ganz tief vor Ihnen.
    Über die Bildungspolitik gab und gibt es immer unterschiedliche Meinung, aber im Kern haben Sie völlig recht.

  50. Es ist doch schön, zu sehen,...
    Es ist doch schön, zu sehen, dass sich die Muster überall ähneln. unser Gymnasium in Niedersächsisch Sibirien hatte genau die 68er-wir-erziehen-unsere-Kinder-antiautrität-Lehrer, die bei Ihnen nicht waren. Und war es bei uns anders? Hmmm, sicher. Aber es gab genau die gleichen Phänomene. Zjm Beispiel der Deutschlehrer, der uns mit expressionistischen Gedichten unterhielt, oder vielmehr quälte. Und nebenbei keinem Jungen mehr als eine 3+ gab und keinem Mädchen weniger als eine 3+.

  51. Waldorf, Waldorf!...
    Waldorf, Waldorf!

  52. Ohne jetzt die Mainlinie in...
    Ohne jetzt die Mainlinie in Richtung Donaueinzugsgebiet überschreiten zu wollen: Jedenfalls haben Sie sich nicht in der Schule gelangweilt, werter Don, und Sie durften sich für die ein oder andere Form von Bildung interessieren; das nenne ich privilegiert.
    .
    Die Briten haben vor ein paar Jahren ein ganz interessantes Experiment gemacht. Ein Schwung Abiturienten lebte in den großen Ferien für sechs Wochen in einem Internat nach den Regeln der 50er Jahre, und nach den Lehrplänen. Ersteres wurde nur anfänglich als streng empfunden. Letzteres als ein sehr harte Belastung, weil die Anforderungen im Hinblick auf den Stoff damals *erheblich* strenger waren und die heutigen straight-A verwöhnten Schüler sich strecken mussten. Es war auch für gute Schüler wieder Luft nach oben da.
    Und das, obwohl man kann gepflegt davon ausgehen kann, dass sich für so einen Spaß eher die interessierteren Schüler interessiert haben dürften, mit entsprechenden Wirkungen auf das Ergebnis.
    .
    Damals spielten aber auch die Noten keine Rolle für den Zugang zu einer Uni, anders als heute, mit der Folge der Noteninflation. Skandal: Universitätszugang für alle.

  53. Ich kann mich im Ergebnis nur...
    Ich kann mich im Ergebnis nur dem Mitkommentator mapar anschliessen:
    Ich bin in Hessen zur Schule gegangen, und zwar unter der Ägide der ach so fortschrittlichen Kultusminister Friedeburg und Krollmann. Eigentlich war meine Schülergeneration sowas wie staatlich geprüfte Versuchskanninchen, alles von Kurzschuljahren über Förderstufe, Gesamtschule bis zur reformierten Oberstufe wurde an uns lebenden Objekten getestet. Heute wird das Konzept der Gesamtschule unter dem Begriff „Einheitsschule“ wieder propagiert. Vor einiger Zeit berichtete die FAZ dabei über eine (von einem Protagonisten dieser Reformen verfassten!) Studie, nachdem ausgerechnet die Gesamtschule die sozialen Unterschiede am wenigsten zu nivellieren in der Lage ist.
    Um Don Alphonsos Schlußsatz abzuwandeln: Von diesen Resultaten solcher Reformideologien ausgehend möchte ich deshalb nicht, daß sie erneut Einfluß darauf bekommen, wie man hierzulande Bildung organisiert.
    Lehrerwillkür in der von Don Alphonso geschilderten Art gab es bei uns aber auch, die ist unabhängig vom System und auch von den individuellen politischen Einstellungen des einzelnen Lehrers. Auch den sogenannten „Fortschrittlichen“ fehlte es dabei oft genug an Courage im Umgang mit ihren Vorgesetzten oder Toleranz im Umgang mit abweichenden Meinungen.
    Am meisten hängengeblieben ist – unabhängig vom System oder politisachen Standpunkt – dort, wo die Lehrer engagiert genug waren, uns auch die Grundlagen beizubringen und nicht nur ihren jeweiligen Hobbies frönten.
    Gerade das Fehlen von Grundlagenwissen macht die Menschen aber auch manuipulierbarer. Wenn die Menschen zu Hass und Intoleranz manipuliert statt gezwungen werden, ist das vielleicht weniger unangenehm, läuft aber auf dasselbe Ergebnis hinaus.

  54. @mewhere: man läßt sich den...
    @mewhere: man läßt sich den Druck eine Weile gefallen, wenn man zumindest zeitenweise meinen kann, das führe zu irgendwas (z.B. Chance auf einen sicheren Arbeitsplatz, oder irgendwann dazu, daß man etwas besser versteht*). Aber aus einem reinen rattenrennen nur um des Rattenrennens willen klinkt man sich aus.
    * Mein Chemielehrer hat mit uns jahrelang gräßlich gepaukt, recht streng. Oh, zeitenweise habe ich ihn gehaßt. Er hat aber mindestens einmal im Jahr erklärt, wenn man nach einigen Jahren durch die Paukerei durch sei, sehe man plötzlich ganz viele Zusammenhänge. Das hat sich bewahrheitet. Insofern hatte ich mit zeitweiligem, ätzendem Pauken ein Erfolgserlebnis und bin aufgeschobener Belohnung gegenüber nicht so ganz negativ eingestellt.

  55. Lieber Don, zunächst einmal...
    Lieber Don, zunächst einmal herzliche Glückwünsche zum erfolgreichen „Zweijährigen“, Ihr Blog ist eine echte Bereicherung für das Web und für die FAZ. Gerade weil er „anders“, „unangepasst“ ist und nicht im Mainstream läuft. So etwas kann man nicht kopieren, da werden sich „die an den Resopaltischen“ die Zähne dran ausbeißen. Es ist Ihnen nicht zu verdenken, dass sie jetzt einmal so eine Art Rückschau vornehmen, sich selbst von außen betrachten und sich fragen, wie geht es weiter und Ihr Publikum sogar ermuntern, Themenvorschläge einzureichen. Ich möchte Sie bitten, sich nicht all zu lange damit aufzuhalten und einfach weiter zu machen. Sich zu fragen, was der Kunde will, kann auch schädlich sein, was man an zahlreichen Ausgeburten der Marktforschung erkennen kann. Henry Ford soll einmal gesagt haben, „wenn ich auf meine Kunden gehört hätte, hätte ich komfortablere Pferdekutschen gebaut.“ Wer weiß denn schon wirklich, „was er lesen will“. Und, Angebot schafft Nachfrage. Alles Gute weiterhin!

  56. Jeder Mensch erfindet sich...
    Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten…
    Max Frisch

  57. Meine Oberschule wurde von...
    Meine Oberschule wurde von Müttern, derer Kinder dort nicht hingingen, als „einzige Realschule, an der man Abitur machen kann“ bezeichnet, was wohl abwertend war.
    Ich habe gewiss weniger Wissen als meine Französischen Jahrgangsgenossen dort eingesammelt, aber, zwischen Film AG, Orchester und Chor (bis zur 8. oder bis zum Stimmbruch Pflicht), hedonistischen und anderen Altsprachlern und geschätzten Kunst und Musiklehrern, bei dem Deutschlehrer Dr. phil(osophiae), vielen linken und möglicherweise Müsli vertilgenden, aber auch der CDU Kandidatin, deren Akt der Revolution gegen ihren Vater (Mathe und Physiklehrer) gewesen war, Mathe und Chemie zu lehren, den Schulkameraden, von denen die Künstler, Musiker (manche sind’s wirklich geworden) und Altsprachler ihrerseits jeweils ¨doch, ein bisschen auf die anderen herabblickten, und den armen Kerlen die Mathematik LK machen mussten, weil’s bei den Sprachen nicht reichte und Bildende Kunst und Musik auch arg tückisch sein können, eben auf der Klippschule, die man besuchte wenn’s bei den Grundständigen nicht gereicht hat oder die Eltern einem den langen Schulweg bis dort nicht zumuten wollten, eben dort habe ich das gelernt, was sich als Äquivalent zum schon wissen herausgestellt hat: lesen. Und das Kultur was mit Sinnenfreude zu tun hat.

  58. In der Grundschule hatte ich...
    In der Grundschule hatte ich es mit bornierten und ideologischen autoritären Lehrern zu tun, im Gymnasium daraufhin mit bornierten, ideologischen antiautoritären Lehrern. Das Problem der Bildungsdebatte, so scheint es mir, liegt in Borniertheit und Ideologie. Das Problem nahezu jeder anderen Debatte in Deutschland übrigens auch.
    Letztlich scheitert alles, was überdehnt und ins Extrem getrieben wird. Leider resultiert daraus zumeist nicht ein gewisse Moderation, sondern eine nicht minder radikale Gegenbewegung.

  59. spezialmarke@: Ja bin der...
    spezialmarke@: Ja bin der echte. Und unter diesem Einfluß geraten, schlimm…. http://en.wikipedia.org/wiki/The_Life_and_Opinions_of_Tristram_Shandy,_Gentleman
    Don Alphonso@: Sie Ärmster. Sowas aber auch. Hatten Sie es schwer, unglaublich. Keine Feuerzangenbowle-Erlebnisse? Non vitae sed scholae discimus?
    ..
    Wahlweise hätte ich Ihnen, (Anfang der Achtziger so das Folgende noch möglich gewesen) nach der 8. Klasse Grundschule, eine Maurerlehre verschrieben. Weil das Elternhaus für Höheres mangels Masse (Diridari) nichts übrig hätte.
    Mit´nem Polier, der noch in Breeches rumlief und immer die Arme bei seinen Elogen in die Seite stemmte und seine Reitstiefelbewehrten Beine spreizte, der noch am Westwall gewerkelt hatte. Klassische Inaugualrede am ersten Arbeitstag: „Na Du Jesulein! Sauber vollfugig mauern und den Mörtel abziehen mit der Kelle. Du Brückenkopf, Dir reiss ich den Arsch bis zum Anschlag auf!“
    Die übrigen grinsenden Maurer und Hilfsarbeiter ehem. Wehrmachtssoldaten, Flüchtlinge, Algerier, Kommunisten, ehem. Fremdenlegionäre, Suffköppe, teilweise im Bau gesessen. Alles bei 35° im Schatten bis Nachmittags um Fünf Uhr. 1/2 Stunde Mittagspause. Samstags dasselbe bis Ein Uhr Mittags.Die Baustelle in Zwanzig km Entfernung mit dem Fahrrad anzufahren. Überstunden zuweilen ein must, wg. Betonierarbeiten einer endlos großen Betondecke mit sog. Japanerwettrennen mit Betonsuppe, dorthin wo der Kran nicht hinkam….
    Ach so, Morgens um Fünf raus aus den Federn. Zigarettenrauchen obligatorisch.
    Für Ganzkörper-Muskeltraining wäre gesorgt gewesen, für schöngeistige Gespräche in der Baubude ebenfalls: (Literarisch in etwa verleichbar mit Naturalismus) Erlebnisberichte aus WK II und Puffbesuchen, Scheidungs-u. Alimentengeschichten, Lotto-u. Totoergebnisse, ausgiebige Kommentare zum Fußball aus BILD und Lokalteil der örtl. Großpresse.
    ..
    Falls Sie dann noch Ehrgeiz verspürt hätten in Sachen höherer Bildung, so wäre Ihnen Abends zur Freizeitgestaltung der 2. Bildungsweg offengestanden. Beginn 18.30 h – 10.00 h, Montags-Freitags. 3,5 Jahre. Der Sonntag futsch wegen Erledigung der Hausaufgaben.
    Noch Fragen?

  60. Ach Don, wieder schnell aus...
    Ach Don, wieder schnell aus dem Häuschen… Ich habe wirklich nichts gegen Alkohol, ein Gläschen guten Vernidot lehne ich nie ab. Und Sie erklären uns die gefühlt 380 Weinflaschen in Ihrer Wohnung als Vorratshaltung für Gäste – das ist eben die Halbwahrheit in ihrer ganzen Gestalt…
    .
    Außerdem wäre ein Alk-Blog genial. Her damit! Aber Sie machen leider gerade in „Schul-Blog“, das ist eibnfach, Schule rennt ja immer, ein Thema, darin sich jeder (selbst ein specialgeier) als Fachmann wähnt.

  61. Heißt es in dem Brechtgedicht...
    Heißt es in dem Brechtgedicht nicht: „Hirnverheerer“?

  62. Filou20. Januar 2011, 13:21 @...
    Filou20. Januar 2011, 13:21 @ Mr. woren beym Lehra Welsch in dr Klass, in dä Kaijass Numero Noll inera steynahld Scholl, do hame so jet nit jelieaht, dreymal Noll es Noll, es Noll…

  63. Ich musste mich in ebendieser...
    Ich musste mich in ebendieser Zeit an einem Gymnasium in einer niedersächsischen Kleinstadt durchschlagen; dort galt aufgrund des durchschnittlich sehr jungen und teilweise äußerst linken Lehrkörpers die CSU sowieso, der Katholizismus und alles „Bürgerliche“ als schlechthin faschistoid.
    Die sarrazinesken Lehr-Methoden gab es zwar nicht, aber politische Druckmittel, persönlich nicht nachvollziehbare Ablehnungen von Schülern – jeglicher Couleur und Herkunft – waren aber sehr ähnlich.

  64. Aet Plindos, do och?...
    Aet Plindos, do och?

  65. Zu den kulturellen Interessen:...
    Zu den kulturellen Interessen: Ich besuche Konzerte und liebe die Literatur, nicht wegen, sondern trotz der Schule. Ich höre immer wieder Leute mittleren Alters, die von einem Lehrer schwärmen, der sie zur Musik, Kunst, Literatur gebracht hat. Das sind wohl Glücksfälle, denn Schulunterricht, auch gutgemeinter, zerstört eher Interesse und Begeisterung. In der Hinsicht haben Elternhaus und eigenes Interesse einen viel größeren Einfluß.
    Die ideale Schule vermittelt Kulturtechniken, breite Kenntnisse und geistiges Handwerkszeug ohne weitere Ansprüche und vor allem ohne den gerade aktuellen ideologischen Ballast.

  66. Filou@: Jo jo dat, in äschd....
    Filou@: Jo jo dat, in äschd. Jong, do hässde alles metkreje wat de für ä jood Läve bruche däs.
    Ming Mamm hät dajeje domols ümmer för misch adens jesäht: „Rallef, loss dat, isch han dr schun dausendmol jesacht, do solls dä Füngere vun dä Mädsche un dä Ziijrette losse!“

  67. Die Theorie, dass gerade die...
    Die Theorie, dass gerade die Paukschule am ehesten für sozialen Ausgleich zu sorgen im Stande ist, leuchtet mir durchaus ein.
    Wer erst mal auf dieser Schule drauf ist, der hat auch eine reelle Chance, eben durch Paukerei guten Noten und damit später einen beruflichen Aufstieg zu erreichen.
    An einem libereal-lockeren Gymnasium oder einer Gesamtschule kriegt er am Anfang vielleicht auch gute Noten, aber am Ende bleibt er auf der Strecke, und zwar weil ihm eben die Kenntnisse fehlen, die ihm nicht eingepaukt wurden. Die Bürgerkinder aber schliessen auch diese Schule mit ERfolg ab (und setzen den Bildungsweg auf der Uni fort), weil sie die vorenthaltenen Kenntnisse aus ihrem Umfeld vermittelt bekommen.
    Wen das deutsche Schulsystem so stark selektiv wirkt, dann nicht wegen übertriebener Paukerei, sondern wegen seiner vordergründigen Liberalität.

  68. Wie überall ist die...
    Wie überall ist die Lehrerschaft natürlich nur durchschnittlich. Wo wir doch die besten haben sollten !!! Aber eben: Schliesslich wollen wir ja auch in der Medizin bei der Polizei oder auch in der Politik nur die Besten haben! Doch die gibt’s nur einmal…..
    Drum waren halt auch meine LehrerInnen „nur“ Durchschnitt.
    Aber aus uns ist ja offensichtlich trotzdem (oder: deswegen / oder: egal warum) was geworden – und sei es nur Calvados- und Tee-Trinker.

  69. Religionsunterricht:
    >Warum...

    Religionsunterricht:
    >Warum hat Kain den Abel erschlagen?<>Weil Abel ihm alte jüdische Witze erzählt hat< (aus Salcia Landmann "Der jüdische Witz")

  70. @ mapar
    So sehe ich es...

    @ mapar
    So sehe ich es auch.
    Das Handwerkszeug, sich etwas selbst erarbeiten zu können, sollte man als junger Mensch vermittelt bekommen. Wie geh ich an etwas ran? Wann und wie hinterfrage ich es? Wie durchschaue, verstehe ich Strukturen? (Bei dem Thema Strukturen ist man fast bei Mathematik…) Wie kann ich mir etwas herleiten? Wie verbinden? Was sind nur Korrelationen, was echte Kausaliäten? Was unterscheidet das zirkuläre Denken?
    .
    Das fehlt vielen. Oft stoße ich verwundert auf Menschen, die der Don „strukturelle Analphabeten“ nennt.
    Pseudo-Intellektuelle Paukerei, der überzogene „Wir machen die meisten 1er-Schüler“-Anspruch der Schulen kann das Strukturelle, das Intrinsische nicht ersetzen. Es fehlt hinten und vorne, mein Eindruck. Sowas wird dann eher keine „Elite“. Zumindest keine im Denken.

  71. Nach Einschätzung eines...
    Nach Einschätzung eines Verwandten, der in den 30er und 40er Jahren auf der Schule war, war der Erziehungsstil damals auf der Grundschule deutlich humaner als auf dem Gymnasium.
    .
    Das hat mich wirklich verblüfft.

  72. Meine Nonnen waren da doch...
    Meine Nonnen waren da doch etwas einfühlsamer. Statt einer sechs in Englisch (die ich verdient hätte), gaben sie mir eine fünf. Damit kam ich durchs hessische Abitur und hielt als Schlechteste der Klasse auch noch die Abirede.

  73. @ HansMeier555
    Das ist auch...

    @ HansMeier555
    Das ist auch meine Meinung, und wohl auch der Grund, warum der erwähnte Schulfreund inzwischen eine gute Meinung vom Gymnasium hat. Er kam aus sehr einfachen Verhältnissen vom Dorf und die eher leistungsorientierte Schule hat ihm ermöglicht, seine Begabung zu nutzen. Mit dem Rüstzeug kam er dann an der Uni zu einem ausgezeichneten Examen und hat beruflich die meisten aus den besseren Vierteln hinter sich gelassen. Aus der SPD ist er schon lange ausgetreten. Eine anspruchsfreie Kuschelschule hätte ihn nicht so weit gebracht. Die bevorzugt nämlich Lehrerkinder und andere mit einem Elternhaus, das man nicht ohne Bildung verläßt.

  74. Es muss ja auch keine "Elite"...
    Es muss ja auch keine „Elite“ draus werden, auch keine humanistische Gelehrtenriege. Wenn die Gymnasialbildung den Kindern hilft, einen sicheren Job zu ergattern, sind 90 Prozent der Eltern vollauf zufrieden. Insofern war auch das hier besprochene Gymnasium doch höchst erfolgreich und für viele ein Wunschtraum.

  75. @HansMeier: ja, ich glaube,...
    @HansMeier: ja, ich glaube, das mit den 2 Schulen am Ort ist ein Punkt, der relativ leicht zu Profilneurosen entgleiten kann – wenn die nicht unterschiedlich genug sind (verschiedener Fächerkanon z.B.). Das althergebrachte Gymi (auch die Fachoberschulen) lag eine Kleinstadt weiter. Für den Musik-LK arbeiteten beide zusammen. Die Schüler, die das wählten, hatten enormen Streß durch Fahrzeiten. Aber zumindest einer ist ein richtig glücklicher Musiklehrer geworden.
    @Vroni: („Kann es sein, dass die Pauke sich nach 77 mit der Einführung der Leistungskurse drastisch-biestig elitär veränderte?“) – hm, ich glaubs eigentlich nicht. Zumindest bei der Einführung der Leistungskurse galten die ja als minderwertig („Schmalspur-Abitur“). Ich gehörte zum 2. Jahrgang mit LKs in BaWü. Mal sehen, was es noch für Erfahrungsberichte gibt *gg*. Ich würde eher annehmen, es hängt mit den örtlichen Arbeitsaussichten für die Abiturienten zusammen, mit der Elternstruktur und eben solchen örtlichen Konstellationen wie von HansMeier angesprochen.
    @mapar: Mir war die in Berlin grassierende Hoffnungslosigkeit bei Hauptschülern lange völlig unerklärlich, denn aus Dorf und Kleinstadt in BaWü kannte ich es so, daß die als Arbeiter, Handwerker, Vereinsmitglieder durchaus geschätzt wurden. Es ist aber wohl so, daß die in Berlin einfach keine Arbeitgeber finden, weil auch die einfachen Jobs hier – sagen wir mal Hörnchenverkaufen – eher Geschicklichkeit als Kraft erfordern. Das Ganze wird ideologisch überbläht, aber der wirkliche Grund ist wohl der angegebene.
    @icke: Lesen und Sinnenfreude sind ja kein schlechter Ausgangspunkt für weiteres.
    @Plindos: bei mir hieß es immerhin auch noch „Du heiratest doch nur“. Daß sich Vollzeit körperlich arbeiten und abstraktes Lernen gegenseitig zu annähernd 100% ausschließen, ist so. Drum gabs ja auch Meisterschulen für die Maurer, da haben sie dann nur gelernt.
    @mamave: jaja, dochdoch.

  76. @HansMeier: Paukschule...
    @HansMeier: Paukschule formatiert und vereinheitlicht stärker, ja. Nur denke ich nicht, daß man heute mit Auswendiglernen noch irgendwohin kommen kann. Als Kellner in Portugal mags noch reichen, als Kellner in D nicht mehr. Ganz ohne Pauken finde ich bei so einigen Fächern sinnlos, weil man erstmal eine Grundlage schaffen muß und, wie beschrieben, das Aha-Erlebnis des Lohns für Beharrlichkeit eintreten sollte, aber wie Vroni finde ich das, was sie „Handwerkszeug“ nennt, neben Basiskenntnissen am allerwichtigsten.

  77. Auf meiner Schule hatten wir...
    Auf meiner Schule hatten wir es auch nicht leicht. Die Lehrer waren streng. Und dann war der Abiturball.

  78. Arrabella, waren Sie gar auch...
    Arrabella, waren Sie gar auch in der Schule? – Erzählen Sie…wir lauschen.

  79. @HansMeier: <laughter...
    @HansMeier: Einen sicheren Job. Für die heute 20jährigen. Hinweis: das war mal. Ist aber schon eine Weile her. Wie unsere Schulzeit.

  80. "Moijn, wer fehlt? In der...
    „Moijn, wer fehlt? In der nächsten Stunde wird eine Arbeit geschrieben, alles klar? Herrschaften, heute steigen wir in die Tiefen der Analysis ein!“
    Die Freude und der Schrecken manch eines Schülers der später nach dem Abi „eigentlich“ nur eines der „weichen“ Fächer studieren wollte, wie etwa Kunstgeschichte oder Philosophie. Engagierte Lehrer preisen immer die Eleganz der Lösungen von Differential-und Integralrechnung. Hach, nein, diese Ästhetik und Vollkommenheit.
    Hier wurde dieser Anspruch Wirklichkeit in der Vertonung des Hauptsatzes. q.e.d.
    http://www.hauptsatzkantate.de.vu/

  81. @colorcraze
    Dafür würden die...

    @colorcraze
    Dafür würden die Dantes KOmödie auf italienisch auswendig lernen.

  82. colorcraze@: Danke für diesen...
    colorcraze@: Danke für diesen Hinweis, es waren damals an die fünfzig Aspiranten in zwei Parallel-Klassen. Übrig blieben fünfzehn. Nice to meet you.

  83. @colorcraze; 20. Januar 2011,...
    @colorcraze; 20. Januar 2011, 14:56
    Ging mir mit Chemie genauso und obwohl ich Geschichte ohne große Mühen auch ganz gut verstand, habe ich aus ‚Vernunftsgründen‘ (Stichwort promovierte Taxifahrer) ersteres zu meinem Metier gemacht. Heute denke ich manchmal, anders wärs besser gewesen. But-life is hard and then you die.

  84. @Plindos, 16:43: Ja, es ist...
    @Plindos, 16:43: Ja, es ist unverkennbar: Sie sind’s! Und natürlich lesen Sie den „Tristram Shandy“ als ordentlicher Bildungsbürger im Original. – Ich habe ihn mal auf Deutsch in einer gut knautschbaren Taschenbuchausgabe im Bett gelesen, nicht unspannend, aber irgendwie „zu viele Seiten“ – ach, es gibt einfach zu viele Bücher; leben will man ja zwischendurch auch noch und mal einen eigenen Gedanken haben. – Und noch so ein Gedanke zum Thema: man sollte an allen Schulen allen Schülern das Meditieren lehren…

  85. Mewhere, wie es mit...
    Mewhere, wie es mit Englisch-Geschichte via Kulturgeschichtsfächer ausgeht, sehen Sie ja hier.

  86. colorraze, ebent, wie man in...
    colorraze, ebent, wie man in meiner Heimat sagt. Deswegen würde ich ja meine Realschule mit Abi auch immer verteidigen. „Ihr müsst nich alles wissen, aber ihr müsst wissen wo ihr es findet“ war eine Maxime eines unserer Lehrer.
    Und den Umweg auf einer Wanderung während unserer Abitur aka Leistungskursfahrt nach, natürlich Süditalien, um uns unbedingt noch….Pinienkernplätzchen zu kaufen, zur Abrundung der Bildung.

  87. @newhere: sehen Sie, und bei...
    @newhere: sehen Sie, und bei mir ist es umgekehrt – nach meinem überzogenen Designstudium dachte ich: ich Idiot, hätte ich nur Chemie gemacht, was war ich blöd, mich durch die „Länge“ des Studiums und das blöde „Männerfach“-Geschwätz abschrecken zu lassen. Insofern: 100%ig zufrieden ist man hinterher selten. Aber man sollte sich nicht viel darüber ärgern, denn ändern kann mans ja nicht mehr.
    @Plindos: sorry, Ellipsenverständnisproblem: 50 Aspiranten auf was? 15 übriggebliebene bei was?

  88. ganz recht,
    man kann nicht bei...

    ganz recht,
    man kann nicht bei PWC, deloitte und touche arbeiten und Mark Twain nicht gelesen haben.
    Das schliesst sich aus wie richard strauss und mahler an einem abend.

  89. Es war, einige Jahre früher...
    Es war, einige Jahre früher (Abi 1972) und in NRW doch deutlich anders. Unser Gymnasium, nur für Jungs, bekam kurz vor meinem Eintritt einen neuen Direx, promovierter Germanist, Herausgeber eines damals durchaus verbreiteten Lesebuchs für Gymnasien, eher liberal. Später wurde er Lehrbeauftragter und dann noch Prof, an der RUB in Bochum. Wir wurden ab 1969 Versuchsschule mit Oberstufenreform. Weil ich noch einen Leistungskurs mehr als gefordert unterbrachte, präsentierte man mich im mündlichen Abi stolz den skeptische Kommissaren des Regierungspräsidiums.
    Zuerst hatten wir noch alte, konservative Lehrer, teils „mit Schmiss“. Die erzählten allerdings von ihren Kriegserlebnissen, nur einer jedoch mit brauner Tendenz. Ein anderer Lehrer, wenn aufgekratzt am Schuljahresende davon wie er Workuta überlebt hatte, was immer damit endete dass er mal eben ein stolz überreichtes 5-DM Stück zusammenfaltete, mit bloßen Händen.
    Ansonsten waren wir eine verrufene Klasse, mit 14 hielten wir den ewigen Schulrekord an „Einträgen ins Klassenbuch“. Dann kam eine ganze Generation junger Lehrer, einer ( Geschichte, Französisch) wurde unser Klassenlehrer. Er disziplinierte uns, ging mit uns aber auch („Ihr seid ja schon groß“) kegeln, Fußball spielen und mal ein Bier trinken. Unsere Leistungen wurden besser, da wurden auch keine Abstriche gemacht. AFAIK bin ich der einzige Berufsmilitär, aber mit einem Vorstand eines inzwischen recht großen Mittelständlers, einem Astrophysiker mit Forschungsaufenthalt in Berkley und anderen haben wir es doch ganz ordentlich zu was gebracht. Wenn ich zu viele Details erwähne, werde ich (werden wir, Ulli, falls du mit liest) zu schnell identifizierbar.
    Die „soziale Kompetenz“ wurde durch Schülermitverwaltung gefordert, aber auch durch die Tätgkeit als Oberministrant. Der geistliche Rat (kath Religion) versuchte uns für den Bund ND zu schanghaien.
    Insgesamt keine Schreckensanstalt, Buddenbrooks las ich schon mit 13, natürlich mit Sympathien für den kleinen Hanno. Überhaupt las ich mehr und anderes als schulisch gefordertes, das erschien mir manchmal banal, aber wie modern wir waren ersehen daran dass wir Grass „Katz und Maus“ mit seiner Kritik an Heldenverehrung und Ritterkreuz und der Onanierszene als offizielle Schullektüre hatten. Auch das haben wir überstanden…
    Das Französisch war so brauchbar, dass ich immerhin meine diversen Frankreich Aufenthalte gut überstanden habe. Einen französischen 4-Sterner musste ich vor Jahren als Begleiter herumführen. Zum Abschied schenkte er mir einen Silberteller mit Wappen seines Kommandos graviert und fragte, wo ich mein gutes Französisch her habe. Auf die etwas schnoddrige Bemerkung dass seien nur kleine Reste dessen was ich au lycée gelernt habe, meinte er trockenes müsse ein ordentliches gewesen sein, wann es gegründet worden sei? Auf meine Antwort 1609 grinste er.

  90. colorcraze@: Beim Finale,...
    colorcraze@: Beim Finale, sorry.

  91. früher war alles anders.
    .
    es...

    früher war alles anders.
    .
    es geht bei dem ganzen bildungsgedöns darum, dass die nach uns erst verdummt und dann verarmt werden.
    oder anders, das was semantisch geschickt als bildung verkauft wird, ist die zurichtung der jugend auf die erfordernisse eines von den anforderungen her längst nicht mehr durchschaubaren arbeitsmarkts. was ist eigentlich aus der generation praktikum geworden?
    .
    die aus den westvierteln merken auch schon, dass die einschläge näher kommen.

  92. specialmarke@:Verschämt...
    specialmarke@:Verschämt lächelnd, nein ich habe auch „nur“ ein Übersetzung gelesen. Nur der Schnelligkeit halber und wg. der mit herübergenommenen Illustrationen im Link ist´s halt in der englischen Version von mir kopiert worden.
    Man darf nicht zu oft Strunzen sonst fällt man allzu sehr auf ;-)

  93. gheluved,
    ich dachte, die...

    gheluved,
    ich dachte, die hätten das instinktiv drauf und bräuchten nicht erst nachzulesen, wie man, beispielsweise, für sich rentierlich einen zaun stricht.

  94. @specialmarke: oh nein, da bin...
    @specialmarke: oh nein, da bin ich nicht dafür. Wir haben das mal gemacht in Religion, mir wurde schlecht. Das ist nichts für Europäer.
    @newhere: nochn Trost: der Historiker, den ich mal getroffen habe, hoppt nach meinem Durchsehen von Auftrag zu Auftrag, und es geht immer nur wenige Jahre (oder noch kürzer). Mit Familiengründung ist da nichts. Insofern haben Sie wohl schon die Option mit den breiteren Möglichkeiten gezogen.

  95. Aber braucht man überhaupt...
    Aber braucht man überhaupt Schule? Wenn man schon genug Geld hat? Jedenfalls kein Abitur. Die wirklich wichtigen Dinge (Reiten, Fechten, Tanzen, akzentfreies Französisch, Grundkenntnisse in Phaleristik und Heraldik, Familiengeschichte) lernt man dort so oder so nicht.

  96. ich lese immer nur von...
    ich lese immer nur von geplagten Schülern ( von den ich auch einer war ), wo sind die heldenhaften Lehrer, die uns im Geschichtsuntericht über das 3.Reich nichts erzählten ( 1961)?
    allerohnzielsetzlichst
    saknussemm

  97. Bei uns wäre es absolut...
    Bei uns wäre es absolut undenkbar gewesen, das Abitur nicht zu machen.

  98. @saknussemm, nichts, niemand,...
    @saknussemm, nichts, niemand, zu keiner Zeit. Nicht im Westen, nicht im Osten. Fragen? Abgebuegelt.

  99. @auch-einer: ich finde auch,...
    @auch-einer: ich finde auch, für die jetzt 20jährigen ist es richtig mies. Für die 30jährigen ist es bereits ziemlich mies. Ich schätze, das drum auch so Phänomene wie Rückzug in die Religion auftauchen, und gleichzeitig vermehrt diese „Turbo-Mütter“. Ich hoffe, in 20 Jahren ist es besser, dann könnten sich die Veränderungen vielleicht schon ein bißchen auskristallisiert haben.

  100. Kreuzberger...
    Kreuzberger Hilfsarbeiterkind@:Spielt alles keine Rolle, Sie selbst haben zäh nicht aufgegeben, das zählt. Ihr Rezept ist das Gleiche wie es Maxim Gorki angewandt hatte. Es muß ja nicht unbedingt eine Revolution im politischen Sinne sein was Sie verfolgen sollten. Aber das ist ganz Ihre eigene Sache. Am besten ist es ein Ziel vor Augen zu haben, möglichst schriftlich fixiert. Das Unterbewusstsein sorgt dann schon für die Erfüllung. Nach der Devise „Am Anfang war das Wort“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Maxim_Gorki

  101. @prince Matecki: mal...
    @prince Matecki: mal interessehalber, wie war bei Ihnen der Französischunterricht, daß der so gut angeschlagen hat?
    Bei mir war es eine Katastrophe, weil ich eine Lehrerin hatte, die viel wert auf richtige Aussprache und Satzstellung legte, und dies anhand quälend langweiliger Lehrbücher, die Familienverhalten zum Thema hatten. In meiner Pein bemalte ich den ganzen Schultisch von oben bis unten, jede Stunde kam ein neues Stück dazu. Eines Tages kam der Schulrat und setzte sich an diesen Tisch… nun ja. Leider viel zu kurz hatten wir als Schwangerschaftsvertretung eine andere Lehrerin, die ein anderes Lehrbuch brachte, es mehr mit richtig lesen angehen lies und auch mal was über französische Geschichte erzählte. Mein Interesse erwachte schlagartig, das Tischgemälde stagnierte, ich verbesserte mich ruckartig um 2 Noten. Aber leider, leider war die Schwangerschaftspause schnell zu Ende, und so wurde es nichts mehr mit Schulfranzösisch.

  102. @HansMeier555 Sie haben Golf...
    @HansMeier555 Sie haben Golf spielen vergessen, ganz wichtig!

  103. Was für ein Thema, da muss...
    Was für ein Thema, da muss ich auch aus dem Nähkästchen plaudern. Ich habe ja, wie Filou, einen ostdeutschen Emigrationshintergrund und die geballte Ladung von 10 Jahren allgemeinbildender polytechnischer Oberschule abbekommen.
    *
    Woran ich mich vor allem erinnere ist Ödnis und Langeweile. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich im meinem Leben jemals wieder so gründlich und ausgiebig gelangweilt hätte, und zwar an sechs Tagen die Woche, denn Schulunterricht war von Montag bis Samstag.
    *
    Die Highlights waren Geschichte, Staatsbürgerkunde, sozialistische Wehrerziehung, der Unterrichtstag in der Produktion (in einem Betrieb) mit den Fächern „Einführung in die sozialistische Produktion“ und „produktive Arbeit“. Natürlich alles ideologisch verbrämt, dass es zum Grausen war. Außerdem gab es noch die Fächer „Geographie“, „Musik“ und „Kunsterziehung“, „Deutsche Sprache und Literatur“. Ab der 5. Klasse lernt man Russisch und ab der 7. konnte man wahlweise eine zweite Fremdsprache, meist Englisch oder Französisch dazu nehmen. Mehr Wahl war aber dann nicht. Meine Lieblingsfächer waren Mathe, Physik, Chemie und Biologie, denn da war es schwierig Marx und Engels unterzubringen, aber manchem Lehrer gelang auch das noch.
    *
    Das Ganze als Frontalunterricht, selber denken war nicht gefragt, Widerspruch wurde nicht geduldet und die Möglichkeit der individuelle Förderung war gänzlich unbekannt. Druck wurde auch ausgeübt auf die aufmüpfigen und auf die schlechteren Schüler. Auch hier war es so, dass nur ein gewisser Teil sitzenbleiben durfte, sonst erfüllte die Schule nicht das von der Partei vorgegebenen Plansoll.
    *
    Ach ja, Abitur war für mich nicht drin, denn freie Wahl gab es nicht. Man wurde von der Schulleitung an die „Erweiterte Oberschule“ delegiert. Aber nur, wenn die Familie eine korrekte politische Gesinnung vorwies (hier galt Sippenhaft)sehr gute Noten waren da eher zweitrangig.
    *
    Über diese Jahre hat mich das Lesen gerettet. Wir hatten zuhause viele Bücher und wenn das nicht reichte, war da noch die öffentliche Bibliothek. Ich hatte immer mindestens ein Buch dabei und manche Lehrer haben es stillschweigend geduldet, das ich im Unterricht gelesen habe. Etwa Nützliches habe ich im Unterricht aber doch gelernt: Die Fähigkeit echtes Interesse glaubhaft vorzutäuschen und in Gedanken ganz wo anders zu sein.

  104. Oh, ...
    das weckt unliebsame,...

    Oh, …
    das weckt unliebsame, vergessen gehoffte Erinnerungen:
    Der katholische Religionslehrer, zugleich Pfarrer, der vor dem Unterichtsaudi-torium elf- bis zwölfjähriger Schüler in den frühen Siebzigern immer wieder sein vorberufliches freiwilliges Soldatentum in WW2 ungefragt ausführlich rechtfertigte, bereitete Ratlosigkeit.
    Im privaten Gespräch, denn bei diesem jovial autoritären Rechtfertiger war abwägendes Diskutieren nicht unbedingt wohlgelitten, vergewisserte man
    sich unter den Schülern, daß er nicht der bis dahin gepflegten Vorstellung vom
    Gottesmann entsprach.
    Lästig war auch sein fast schon penetrantes Werben für seine favorisierte christliche Jugendgruppe. Einige Mutige liessen sich dann später von diesem
    Unterricht befreien, wurden aber nach Jahren vom Fach Ethik wieder eingeholt.
    Später erfuhr man, daß er kurz nach seiner Berentung heimgeholt worden war.
    Vielleicht war diese frühe Auseinandersetzung mit ungewohnten Konflikten gar nicht so schlecht, hatte man doch bei der bewußt, nach reiflicher Überlegung erfolgten Trennung von dieser Körperschaft, trotz nicht zu unterschätzender Prägung, ein reines und erleichtertes Gefühl.

  105. Golf, pffffz.
    Sie meinten wohl...

    Golf, pffffz.
    Sie meinten wohl Reiten mit der Lanze, allenfalls Polo.

  106. colorcraze, darf ich mal eben...
    colorcraze, darf ich mal eben zwischen?
    Franzoesisch war bei uns in der DDR fakultativ. Englisch kam nicht vor. Franz. war fuer mich ein Blick in den Westen. Meine Leistung war maessig, was eindeutig an der Lehrerin lag. Dafuer kaufte ich mir am Kiosk die L’Humanite, das Zentralorgan der fanzoesischen Kommunisten (was anderes gab es nicht), um zwischen den Zeilen etwas erschnuppern. Klappte natuerlich so dolle.
    Fakultativ hiess uebrigens 7.00 Uhr Schulbeginn. Mein persoenlicher Anstieg der taeglichen Leistungskurve fand aber erst um 11 statt. Hat man ganz miese Karten.

  107. Gibt er hier irgendwen, der...
    Gibt er hier irgendwen, der die frontale Sitzordnung als belastend empfand („weil man nur Rücken sieht“) und froh war, wenn er an Vierertischen oder im Kreis sitzen durfte?
    .
    Erfahrungen mit Gruppenarbeit?
    .
    Mengenlehre?

  108. colorcraze@: Ach was, die...
    colorcraze@: Ach was, die Zeiten waren immer beschissen. Sich ein Ziel setzen und losmachen, sich durch nichts und niemanden beirren oder behindern lassen. Jammern kann man unter der Erde. Das ist die einzige Erfolgsmaxime.
    ..
    saknussemm@: Man muß lesen, immens viel lesen, Fragen stellen, dann weiß man auch wie´s damals gelaufen ist. Meine Frau hatte auf der Penne die Gräfin v. d. Schulenburg als Lehrerin in Geschichte, die Frau des letzten deutschen Botschafters
    in Moskau, der Stalin die Kriegserklärung übergab, den die Faschisten in Plötzensee umgebracht haben. Kein Sterbenswörtchen kam ihr dieserhalb über die Lippen.
    Von mir erfuhr meine Frau mehr in Neuerer Geschichte, als in all ihren Jahren auf dem Gymnasium bis zu ihrem Abi. Und das von einem halben Autodidakten.
    Mit sieben Jahren fing ich jeden Tag an Zeitung zu lesen. Ich las sogar „Neues Deutschland“ von „Drüben“, weil mein Großvater (Schneidermeister) schon mal Päckchen mit Klamotten schickte, da lag die mit drinne, damit die Grenz-Vopo die anstandslos passieren liessen.

  109. Guten Abend,

    hat der Metzner,...
    Guten Abend,
    hat der Metzner, der Verräter von der FDP, der einige Dinge , die der Geheimhaltung anheimfallen, was Ihnen, bei Ihrer Haltung zu Nation und Volk sicherlich überhaupt nicht missfällt, ebenfalls die von Ihnen besuchte Schule mit seinem Lerneifer beehrt?
    Ich frage nur wegen dem Buch dem schwulen, ach nein wegen dem Andre Gides, der ja zu der von Ihnen bevorzugten Personengruppe gehört, wenn es darum geht Nichtdekadente zu bestimmen.
    Ansonsten sind Bayern und Baden – Württemberg die einzigen Länder in denen die Lehrer noch über einen Übertritt auf ein Gymnasium entscheiden und in denen noch die ach so altertümliche Dreigliedrigkeit des Schulsystems gilt.
    Nun die Bildung von wahren Eliten(womit wir bei dem Thema sind, zu dem ich meinen ersten Beitrag hier bei Ihnen schrieb) kostet auch Anstrengung. Selbst auf deutschen Segelschiffen soll das so sein.
    Aber – ich soll Meyer heißen, wenn Sie nicht genau in dem Zusammenhang in der von Ihnen gescholtenen Lehranstalt geholfen wurde, und Sie zu dem werden durften, was Sie hier darstellen.
    Oder stimmt das alles gar nicht, und Sie sind in Wirklichkeit Absolvent der Odenwaldschule?
    Würde einiges erklären.
    Angenehmen Abend noch zum zweijährigen.

  110. Windsbraut, mir kommen die...
    Windsbraut, mir kommen die Traenen. Hat sich offensichtlich nichts geaendert seit meinem fruehen Weggang.
    Hahaha! Was war das noch fuer eine Geschichte, als mir beim montaeglichen Schulappell vor versammelter Mannschaft unter der Fahne der DDR das Pionierhalstuch abgenommen wurde, ich also ein Ausgestossener war? Hymne singen, Abmarsch zum Unterricht. Fuer mich war das Ereignis eine Empfehlung in die besseren Kreise meiner Stadt. Es gab damals naemlich noch akademische Eltern, die aus purem Trotz den „Sanitaetsrat“ an der Klingel stehen liessen. Deren Kinder sprachen die Empfehlung aus. Die Eltern prueften. Und man war drin. Und schon war man in einer anderen Welt. Das nenn‘ ich Dialektik.

  111. Hans Meier: Mengenlehre gab es...
    Hans Meier: Mengenlehre gab es bei uns in der ersten Klasse, mit verschiedenen Klötzchen in Primärefarben, gleichsam als Vorbereitung für das später in dieser Altersstufe noch so genannte Rechnen. Fand ich recht anschaulich und hat Spass gemacht.
    Rücken angucken ganz wunderbar, da diskrete Eigenbestimmung über die eigene Zeit ërmöglicht wird.

  112. Noch eine Frage in die Runde:...
    Noch eine Frage in die Runde: Klassenfahrten? Abiturfahrt? Sagen Sie nicht, dass es das nicht gab, gab es schon in den 50er Jahren letzten Jahrhunderts in mittelfränkischen Mädchenschulen (über die frühen 40er Jahre machen wir mal keine dummen Witze)

  113. Sehr nett, vor allem die...
    Sehr nett, vor allem die Bilder Nur, dass ich das betreffende Gymnasium nicht als Elitegymnasium bezeichnen möchte. Grüße, ein Humanist.

  114. Ach ja, Lehrer... Wer nimmt...
    Ach ja, Lehrer… Wer nimmt sie schon ernst? Ich bin ordentlicher Universitätsprofessor, und glauben sie mir, schon als Studierende stehen Pädagogen gaaanz weit unten.

  115. Fuer die ganz Wachen:
    23.30...

    Fuer die ganz Wachen:
    23.30 Uhr, DasErste, Die Akte Gysi.

  116. Grenzgänger@: Wow. Wäre...
    Grenzgänger@: Wow. Wäre interessant was Sie denn, bei dem kurzen Debut welches Sie heute gaben, schwer enträtselbar, darstellen? Gute Nacht.

  117. Don, um mal von meiner...
    Don, um mal von meiner deutschen Elite-Bildung abzugeben: Ich nehme mal an, die Texte werden mit einem Schreibprogramm wie Word oder einem Editor geschrieben. Anschließend wird der Text vom Content-Management-System importiert und deshalb hier auf der Website korrekt dargestellt. Wer auch immer diese Emails mit Copy und Paste erstellt, sollte wissen, dass die „weichen Zeilenumbrüche“ deines Orginaltextes als Leerzeichen („Space“) interpretiert werden müssen. Da das nicht geschieht, entstehen die Fehler. Sehr oft reicht es schon, den Text in einen normalen Editor zu laden und dann wahlweise als ANSI, Unicode oder UTF-8 abzuspeichern und dann in die Email zu importieren. Falls ein CMS die Email selbst verschickt, musst Du dort in den Einstellungen rumdoktern.
    *
    Gern geschehen! (Ach so: Absolvent des Paul-Oesterreich-Gymnasium in Berlin-Weißensee und Träger des Ordens für Ausgefallene Leistungen.)

  118. Gruppenarbeit nur an...
    Gruppenarbeit nur an amerikanischer High School, also Gesamtschule mit Unterteilung innerhalb des Schulgebäudes in Special, Regular, Accelerated und Honors, d. h. Sonderschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium unter einem Dach für alle – die sich aber nur beim Sport und schon weniger beim Lunch trafen.
    Mit den richtigen Leuten ein Heidenspaß, ich hatte da immer Glück, noch dazu mit Migrationshintergrund, deutschsprachig, in einer Gegend stark dominiert von Töchtern und Söhnen des gelobten Landes.

  119. "Nur, dass ich das betreffende...
    „Nur, dass ich das betreffende Gymnasium nicht als Elitegymnasium bezeichnen möchte.“
    ich überlasse diesen Ruf gern der örtlichen Lateinschule. Nur war die zu meiner Zeit gerade am Aussterben. Und das nicht gerade in Schönheit. Wobei, auch heute ist die Schule eher hässlich – haben Sie die mal gesehen, wie sie jetzt aussieht?

  120. auch einer.
    wissen die...

    auch einer.
    wissen die bestimmt, aber ob so sympathisch wie T S? glaube kaum.

  121. Neben dem Aufschwung können...
    Neben dem Aufschwung können die Gewerkschaften auch mit dem Fachkräftemangel argumentieren.

  122. Selektive Halbwahrheiten,
    na,...

    Selektive Halbwahrheiten,
    na, in Ihrer ersten Halbwertszeit gab es an bayerischen Gymnasien auch schon Gras, Haschisch, Koks und in verfeinerter Form pures THC.
    .
    Wer war jetzt der bessere Tester: Sie oder die Lehrer…

  123. @HansMeier: „Erfahrungen mit...
    @HansMeier: „Erfahrungen mit Gruppenarbeit?“ – Huahuawa, ganz fürchterliche. Der schlimmste Lehrer von allen, der Erdkundelehrer (er terrorisierte einzelne Schüler bis hin zu Schlaflosigkeit, er war an unser Gymi strafversetzt worden, es gab mehrere versuchte Eltern-Lehrer-Aufstände gegen ihn, praktisch alle paar Jahre wieder), befahl alle paar Monate „Gruppenarbeit“. Dazu mußten 3 Schultische à 2 Personen zusammengerückt werden, und er gab an, wieviele Seiten aus dem Erdkundebuch von welcher Gruppe bearbeitet werden sollten. Keinerlei Anleitung. Danach war jeweils einer der Gruppe dran und mußte was vortragen, was ihm in der Regel nicht paßte. Danach schrieb er unter der Überschrift „Ergebnisse unserer Gruppenarbeit“ seinen Sermon an die Tafel. Den wollte er dann in der nächsten Stunde, ein paar Tage später, möglichst wörtlich von einem Schüler, den er an die Tafel rief, reproduziert haben. Oft hagelte es dabei Fünfen und Sechsen, weil die an die Tafel Gerufenen so verstört waren, daß sie kein Wort rausbrachten. (Mein Erfolgserlebnis in diesem Zusammenhang war, daß ich dabei mal _ohne Auswendiglernen_ auf eine 2-3 kam, weil ich die Nerven behielt und vermittels Orientierung an der aufgehängten Karte genug zu sagen wußte) – So einige Lehrer, die mein Vater in der Kriegszeit hatte, müssen noch schlimmer gewesen sein. Einer schickte seine Schüler immer Blumen klauen, ob auch noch Hühner bin ich mir nicht mehr sicher. Meine Mutter hatte auch einen, der seinen Schülern Noten je nach mitgebrachtem Speck- und Kohlenstück gab. – Mengenlehre war viel Lärm um nichts. Die Eltern waren so besorgt, daß die Mathematiklehrer für sie Abendkurse geben mußten. Völlig umsonst, ich fand es sehr leicht und verständlich und kam damit bestens zurecht. Meine Mutter, die unbedingt meine Hausaufgaben kontrollieren wollte, weniger, mehr als einmal hat sie die verschlimmbessert.
    @Plindos: jein. Ich denke, daß die Eltern in den 70ern weniger herumhirnten als heute.
    @Prinzessin auf der Erbse: Golf ist für rollstuhlfahrende Rentner. Das braucht man vor dem 80sten nicht zu lernen.
    @Filou: das änderte sich zu meiner Zeit. Der Religionslehrer las uns ausführlich aus Protokollen des Auschwitz-Prozesses vor, und im LK Geschichte war Nazizeit Thema (weshalb ich mich gegen Geschichte entschied, denn mich hätten die Vorgeschichte und die Weimarer Republik interessiert, nicht das Gehampel, das dann vollführt wurde, als es zu spät war)

  124. @yast: ich nehme ja an, das...
    @yast: ich nehme ja an, das geht über das CMS, und wenn man das ändern will, muß man da ganz tief in dessen Eingeweiden wühlen, und um den nötigen regulären Ausdruck einzubauen, ist keiner da.

  125. @icke: unsere Klassenfahrt...
    @icke: unsere Klassenfahrt ging nach Rom. Alle anderen hatten die übliche Packagetour nach Berlin. Damit bin ich heute noch sehr zufrieden, denn so konnte ich mal mit ein paar Interessierten teils im Laufschritt auf der Flucht vor Touristenguides, teils die Exponate neugierig beguckend, die Vatikanischen Museen durcheilen. Und die Kuttelnwirtschaft im Modeviertel war auch ein Erlebnis. Berlin konnte ich dann später eigentouristisch entdecken, indem ich einen zum Studieren dorthin gezogenen Klassenkameraden besuchte (Neukölln, am Kottbusser Damm, 4m20 hohe Decke im Erdgeschoß Hinterhaus).

  126. @ HansMeier555
    Der...

    @ HansMeier555
    Der Fachkräftemangel existiert nicht.
    .
    Er ist von Ingenieur-Verbänden erfunden worden, die wollen, dass es weiterhin zu viele Fachkräfte und Ingenieure auf dem Markt gibt. Damit die Industrie weiterhin bequem selektieren und Lohndrücken kann. Eine Sprecherin (VDI, BDI?) hat das mal ausversehen – natürlich vornehmer ausgedrückt – im Radio zugegeben, hehe. War sehr erfrischend. Man sollte öfter Radio hören. Ob es sie noch auf dem Posten gibt?

  127. @Vroni: hab ich zwar nicht im...
    @Vroni: hab ich zwar nicht im Radio gehört, aber jedesmal wenn ich das Gejammer vom Ingenieurmangel höre, läuft mir auch so die Galle über – mein Bruder ist ein solcher und arbeitet nach Odyssee D hoch und runter in der Schweiz.

  128. Ich seh' das Schulthema a...
    Ich seh‘ das Schulthema a wengerl lockerer, entspannter — rückwirkend für mich und aktuell an meinen Kindern.
    Meine Lateinschule war, so müßte man sie nach heutigen Kriterien wohl nennen, unverlogen humanistisch, anspruchsvoll und repressiv. Und wenn ich jetzt sag‘, daß es ein österreichisches Jesuiteninternat war, das man als Teenie naturgemäß bis aufs Blut haßt … dann werden die hehren hiesigen Blogger mich vermutlich so bemitleiden, wie ich mich damals bemitleidet habe. (Aber bleibt bitte entspannt: Falls unsere Patres überhaupt irgendwelche sexuellen Ambitionen oder Vorlieben hatten, so blieben sie uns alldieweil völlig unbekannt; es gab keinerlei Entgleisungen.)
    .
    Jetzt, zwei Jahrzehnte später, sehe ich diese Jesuiten in einem anderen Licht als damals und überrasche mich dabei, ihnen für vieles dankbar zu sein; denn ohne sie hätte ich keine Liebe zur Barockmusik, zur Literatur und zur Geschichte entwickelt — und nie den Wissensdurst, der mich durchs Leben begleitet.
    Sie waren hart, aber fair, konsequent und beständig; man verzeihe mir diesen Gemeinplatz.
    Die heutigen Kuschelpädagogen, allseits angesehen und politisch beworben, sind windelweich, beliebig und wetterwendisch; sie hängen ihr Mäntelchen nach jeder hysterischen Schülermutter. Und das Alphabet per Gesang zu erwerben, Literatur nur passiv zu erleben, nichts tun zu müssen, was man nicht freiwillig mag — das bringt’s nicht wirklich. Außerdem verkündigen sie den Kindern unaufhörlich den nahenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Weltuntergang, so daß man sie täglich aus dem aufgedrängten Pessimismus heben muß, wenn sie nach Hause kommen.
    Das ist nicht Schule, sondern Entmutigung … oder Anleitung zur Zukunftsangst.
    O.K., daheim kriegt man die Blagen wieder hin. Dafür muß man Zeit haben, und man hat sie auch gern. (Wär‘ ich aber kein Freiberufler, hätten wir sie nicht.)
    .
    Und allmählich denk‘ ich mir, daß die einst gehaßten Jesuiten mit mehr Format, Charakter, Substanz und Liebe zugange waren; sie verlangten auch von niemandem etwas, was sie nicht selbst perfekt beherrschten. Es waren Persönlichkeiten.
    Zwei von zehn Lehrern meiner Kinder sind das auch. Der Rest ist liberal, konservativ, links, linkslinks oder was immer, krank oder gesund — und sonst nichts.

  129. Bildung wird maßlos...
    Bildung wird maßlos überschätzt. Die Menschheit ist zehntausende von Jahren ohne Bildung ausgekommen. Alles was zählte, war eine dicke Keule, und im Winter war ein haariger Arsch vorteilhaft.

  130. uns (Abi mitte ´70er ) ...
    uns (Abi mitte ´70er ) wurde von unseren Lehrern immer erklärt, wie
    doof wir doch im Vergleich zu unseren Vorgängern gewesen wären.
    Und was wird den jungen Menschen heute erzählt ? mfG. T.

  131. Brecht, Bayern, Bayerisches...
    Brecht, Bayern, Bayerisches Abitur, aber etwas früher. Erster Jahrgang einer 1970 eröffneten Anstalt in einer Kleinstadt. Vom Altersdurchschnitt jüngstes Lehrerkollegium Bayerns damals, etliche Lehrer frisch von der Uni, hochmotiviert, z.T. 68er, und viele mir in positiver Erinnerung, obwohl meist mäßiger Schüler, geht scho, mehr brauchts nicht. Anfangs vereinzelt Mobbingerlebnisse der Art „Bauern gehören nicht aufs Gymnasium“, „Nur Stadt ist Kultur“ (merke: Lehrer sind Spießer) und tätige Züchtigung der „Schlechten“, heute undenkbar. Das Gymnasium erstmals für breitere Bevölkerungsschichten, wir mit dem Privilegium, immer die „Großen“ zu sein. Fünf Parallelklassen, die meine, Fünf e für die Evangelischen, Ausländer (das war eine Amerikanerin) und sonstigen Ungläubigen. Meine ältere Schwester hatte noch die traditionsreiche evangelische Eliteschule für höhere Töchter in der ehem Freien Reichsstadt A. besuchen dürfen/müssen, deren kostbares jahrhundertealtes Stadtpalais bezeichnenderweise im selben Jahr einem klotzigen Waschbeton-Kaufhausneubau weichen musste. Der Krieg hatte seine Aufgabe trotz anerkennenswerter Leistungen in A. nur unvollständig erledigt, aber dem wurde und wird? schon mal bedenkenlos abgeholfen.
    Der besungene Mantel der Geschichte streifte uns unsanft, als nach dem Besuch von MP „Fonsel“ Goppel (zur Einweihung?) unseren Deutschlehrer sein Schicksal ereilte. Erich Meiberger, der wohl zu Recht im Ruf stand, der beste Brechtkenner zu sein, CSU Ratsmitglied in A, hatte sich mit seinem Parteigenossen schwer überworfen und den Besuch mit einem Kniefall zu einem Eklat werden lassen. Er wurde umgehend in die Psychatrische eingewiesen. Es ist mir nicht bekannt, ob das das Ende seiner Schullaufbahn war. Querulatorische Dissidenten müssen ja hier und da mit sowas rechnen. ( Siehe auch http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/laenderreport/527225/ ) Später gab es nochmals Unruhe, als die Schule rechtzeitig für das erste Abiturzeugnis nach einem bekannten Raketenforscher benannt wurde, an dessen Eignung als Vorbild man Fragen stellen kann. Der Widerstand aus Teilen der Lehrer- und Schülerschaft war selbstverständlich zwecklos.
    In der Berufsschule nördlich der Landeshauptstadt drohte mir der Klassenlehrer mit sofortigem Schulverweis wegen dem „Stoppt-Strauß-Bapperl“, Regensburg fand der gut. Ich habe es vorgezogen, es zur Schonung seiner Nerven und meiner Karriere fortan während des Unterichts unter der Jacke zu trage, als einziger Abiturient in der Klasse ohnehin bunter Vogel. Querulant bin ich später noch geworden.
    In kunsthistorischen Seminaren, oder Museen ist mir nie mehr jemand aus meinem Jahrgang begegnet, da bestätige ich Dons Erfahrungen, gleiches gilt für das Unverständnis, auf das man stößt, keinen Fernseher zu besitzen. Meine Interessen sind auch weniger der Schule zu verdanken (wo sie indes durchaus gefördert wurden) als einem anregenden Hintergrund, wo es beispielsweise auch keine Fernseher, aber weitläufige Dachböden mit Kammern voller alter Bücher gab (die in die Westviertel schon keiner mehr mitnehmen gewollt hatte).
    Verglichen mit den Schulbauten gleichen Alters hier in einem westlichen Bundesland, welche meine Kinder besuchen, steht der 70er Jahre-Bau in Bayern immer noch glänzend und gepflegt da. Soviel miese bauliche Qalität, Lieblosigkeit der Gestaltung und Verwahrlosung habe ich zuerst auf der anderen Seite der Mauer kennen gelernt, beim Studium an der Spree. Schlechte Schüler sind meine Kinder bisher darum nicht geworden. Das Gymnasium ist klein, das Einzugsgebiet vergleichsweise ländlich, der Ausländeranteil vergleichsweise gering, die Lehrer motiviert.
    Verallgemeinerungen kann und will ich nicht machen. Hin und wieder verstaue ich Nachlässe und Neuerwerbungen auf dem Dachboden, was zu viel ist, ist zuviel. Die Lesekrankheit hat sich nur auf meine Tochter übertragen.

  132. "Quantenmechanik und...
    „Quantenmechanik und Funktionsweise des Rastertunnelmikroskops, das würden wir sicher bald brauchen.“ oha. Und wie lernt sich selbiges ohne recht vorangeschrittne Mathe? Ja, bei uns gabs ein anderes Spielchen und das ging so: Ich …. also ich brauch das ja nicht zu lernen, ich bin ja sooooo begabt. Und dann rannte man in die Mutter des Genies – man trug Zeitung aus oder ging anderweitig minderwertigem Nebenerwerb nach, wurde befragt: Naaaa, auch fleissig beim lernen? (dumme Frage!) Und man gab an, man bereite sich seit 2 Tagen aufs Examen. 2 Tage???? also – der/die sitzt seit 2 Wochen. Das Genie…..

  133. lieber don, meine verehrung....
    lieber don, meine verehrung. moegen Sie weiterhin gute themen finden.
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    ich habe ein paar tage in der matratzengruft verbracht, heute wohl auf arbeit einen besuch von ralph fiennes [seufz] verpasst, dem ich beim besten willen nicht zuhusten konnte. nun, nun, meine assistentin wirds sicher freuen und ich habe dafuer ein wenig an meine schulzeit gedacht nach der lektuere Ihres textes. mir ist dabei aufgefallen, dass ich noch nicht ganz die grenze ueberschritten habe, um zu sagen, dass nicht jeder dritte tag meines lebens dieser institution zum opfer gefallen waere. wenn Sie mich fragen, 12 verlorene jahre. schockierend. was ich in der zeit alles haette machen koennen. so wie man irgendwann aufhoert, mit dr freud ueber die familie nachzudenken und alle moeglichen beschuldigungen hervorbringt, habe ich auch mit der schule meinen frieden gemacht. gemocht habe ich sie nicht. nie. aber geschadet hat sie mir eigentlich auch nicht.
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    und das, obwohl ich meine schulkarriere in der zone begonnen habe. eigentlich war das am anfang ganz nett. es war auf dem dorfe, die lehrerin war wie meine grossmutter und auch ansonsten waren die bedingungen gut. meine omama hatte dafuer gesorgt, dass ich mich nicht langweilte, denn schreiben, lesen und uhrzeit und so konnte ich schon. suetterlin, fraktur und roemische zahlen. ich kam nach ihrem sohn und den hatten sie damals fast gelyncht ob solcher dinge. sie wollte mir das ersparen. sie wohnt jetzt im himmel und es vergeht kein tag, an dem ich ihr nicht dankbar waere. 12 jahre unter ihrer aegide hatten mich sicher weiter gebracht.
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    wenn man das recht zutreffende szenario von windsbraut [my heart goes out to you]betrachtet, laesst sich denken, dass wenn man als renitenzgirl in totalitaeren staaten zur welt kommt, dies keine keine gute voraussetzung fuer die sozialistische einheitsschule noch fuer die schulausgangsschrift ist. zum glueck bin ich ein recht naiver mensch, der eher zur benevolenz, denn zum unstilvollen aufmucken neigt. solange man mir meinen willen laesst. die erste kollision kam als wir dorfkinder noch in der sog. unterstufe in die naechste stadt umgelagert wurden in eine dieser unzumutbaren modernen zonen schulbauten mit h-foermigem grundriss. zum elternbesuch wurde meiner mutter erklaert, dass wir alle etwas zurueckgeblieben waeren und es sein koenne, das ich eine extrarunde einlegen muesse. dies wohlbemerkt im ersten monat nach dem wechsel. es kam nicht dazu, aber ich war von diesem tage an von meinem glauben daran, dass lehrer menschen sind, denen man zu folgen hatte, geheilt. die meisten, die ich kennengelernt habe, kamen mir wie schlechte schauspieler vor, die einen wohl fuer debil hielten oder glaubten, dass wir die von ihnen zur schau getragene sozialistiche einheitshaltung fuer bare muenze nehmen wuerden. es war dies oftmals eine elende heuchelei. viel gelernt habe ich von ihnen nicht. da man nicht wusste, ausser dem schulparteisekretaer, wer von ihnen in der stasi war, konnte man sich in menschenkenntnis ueben – die meisten meiner vermutungen wurden nach der wende bestaetigt. social soft skills, die mir immer wieder zugute kommen. und das alles als mehr oder minder neutraler beobachter und gratis. ich galt als kritisch, aber complacent. in den hoeheren klassen waren die faecher in den schulbaenken nicht mehr zum durchsehen. so habe ich mir bildung verschafft, durch lesen unter der bank. querbeet. ab und zu mal eine bemerkung, dass man zeigte, dass man mitmachte und gut war. so schlecht war ich nie, dass sie mir etwas konnten. ich habe dann als einzige meines jahrgangs abitur gemacht, und das, ohne eltern in der partei gehabt zu haben. mein grossvater hatte den sowjets dabei zusehen muessen, wie sie ihm als letzten in der umgegend all seinen besitz, seit jahrhunderten in der familie, in die kolchose ueberfuehrt und ueber fast 40 jahre ruiniert haben. die erinnerung daran brachte tolle hysterische szenen bei familienfesten hervor, die ich immer mal verfilmen wollte. und dann wurde seine enkelin sieger beim russischwettbewerb. ich musste dahin, man konnte sich solchen delegierungen nicht entziehen, ich habe aber ebenso leicht englisch und franzoesich gelernt. als aechter patriarch hat er mir das noch auf dem sterbebett vorgeworfen. es war jedoch eine art freibrief, unsere gegend war jahrzehntelang schlusslicht in dem fach. ich hatte mir immerhin eine gewisse unabhaengigkeit erworben und er hat ausgeharrt und recht behalten. sein besitz kam irgendwann dann doch zurueck.
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    man war mit dem stigma oberschule auf dem lande der blamierte. musste ins internat, andere lachten einen immer aus und bei der reichsbahn waren im winter die zuege sa*kalt. (pardon my French) besonders an sonntagabenden. so etwas hat dazu gefuehrt, dass man weder abgehoben wurde, noch sich als was besseres gefuehlt hat. die grossen geister, in meinem falle das 18.jh., haben einen dabei stark gemacht. man wollte halt einfach diesen wisch, um fort zu koennen. man hat auch gelernt, mit sich selbst auszukommen. das halte ich fuer wichtiger als buckower elegien oder photosynthese, wenn sie einem schlecht erklaert werden.
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    ich hatte eine staatsbuergerkundelehrerphobie. egal, was ich tat, es war falsch. und das war nicht gut. in stabi konnte man erkennen, wer in welchem umfang in seinem leben mit dem prinzip ‚judas‘ jonglieren wuerde. fuer ein studium waere eine gute note unabdingbar gewesen. ha, und dann kam gott und schickte den mauerfall. ploetzlich konnte ich in der kreisstadt mein abi angehen ohne sonntaegliches taschepacken und zugfahrt. dieselben leute, die noch vor den grossen ferien gesagt hatten, dass der sozialismus siegen wuerde, waren ploetzlich wie versessen darauf, einen anderweitig runterzumachen, indem sie einem erklaerten, dass das allgegenwaertige bayerische abitur marx und engels ersetzt haette. das war das neue manifest. ich habe mich im letzten jahr, obwohl ich nichts auf statistiken und dergleichen gebe, doch gefreut, als ich las, dass die ehemaligen wettiner fuerstentuemer die wittelsbacher in dieser richtung abgehaengt haetten. es liegt etwas ungemein troestliches darin zu wissen, dass man, auch wenn man oftmals einem zeternden und unliebsamen lehrkoerper ausgeliefert war, jahre spaeter ein wenig bestaetigung bekommt und sich in seinem inneren widerstand nicht hat brechen lassen. ein beitrag zum seelenfrieden.
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    zum abiball in freiheit habe ich dann eine rede gehalten, in einem anzug meines vaters, grossvaters hornbrille und hut. es dauerte, bis man mich erkannte. es basierte auf tucholskis ‚der mensch‘. ich hatte es umgeschrieben und es hiess nunmehr ‚der lehrer‘. es hat gesessen, tucholski sitzt immer. ich will nicht sagen, dass nicht auch tolle lehrer darunter gewesen seien, aber derer waren nicht viele. jedenfalls zogen die richtigen es vor, mich fuer den weiteren verlauf des abends zu ignorieren und das hielt ich fuer einen extrabonus zum zeugnis.
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    studiert habe ich dann etwas unmoegliches und natuerlich unter dem zeichen des hedonismus. taxifahren musste ich deshalb nie. es hat mir die freiheit gegeben und die faehigkeit, auf dem absatz umzudrehen, wenn mir die zwangsmomente der gesellschaft auf den leib ruecken wuerden. mehr braucht man im leben nicht.
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    hierzulande gibt es uebrigens etwas, das nennt sich ‚education otherwise‘. das ist eine vereingung von eltern, die ihre kinder zuhause beschulen. darauf wuerde meine wahl fallen, sollte ich nachwuchs haben. zutrauen wuerde ich es mir und viele der kinder kommen schneller vorwaerts, oft bis zum ticket fuer oxbridge und man weiss, man hat seinen beitrag geleistet. in deutschland ist so etwas seit herrn hitler ungesetzlich. das heisst, mit familie koennte ich nicht zurueckkommen fuer eine lange zeit. es sei denn, ich wuerde einen weg finden, diesen umstand politisch zu aendern. schaetze, es faenden sich interessierte eltern. das waer mal ne aufgabe.
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    dieser stabilehrer ist dann nach der wende schuldirektor geworden und es stellte sich heraus, dass er einen zwillingsbruder im westen hatte, den er auch schon zu ostzeiten unter privilegien regelmaessig besucht hat, um gemeinsam auf die jagd zu gehen. pack schlaegt sich usf.
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    apologies fuer gewisse laengen und dank an Sie, don. fingieren Sie wie Sie wollen und raeumen Sie irgendwann dem ephemeren genre nicht mehr so viel platz ein. Ihr talent ist zu groesserem bestimmt. [ui, jetzt gibts klassenkeile von Ihren afficionados…]

  134. @KG sehr gut! Bei uns wurden...
    @KG sehr gut! Bei uns wurden die immer „Strichlezieher“ genannt. Und das war einfach nicht feierlich, wie lang die gebraucht haben. Fuer was? Fuer alles!
    @Vroni, das Interview kenne ich leider nicht, aber mir kam auch schon irgendwie der Verdacht.

  135. Sehr schön, aber mal ganz im...
    Sehr schön, aber mal ganz im Ernst: Das bayerische Abitur zielte niemals darauf ab, Menschen auszubilden.
    Da ich zwei Jahrzehnte lang unter anderem auch Lehrer ausgebildet habe kann ich bestätigen, daß die Créme der Studierenden andere Berufsfelder besetzt – Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Das Dumme ist nur, daß es Ausnahmefälle sind, die wie Robert Gernhardt ihre Pauker entzaubern können. Das hat weniger etwas mit Bildung zu tun als mit Reife und dem einen Text, den man voraus sein muß,

  136. Lehrer, pfff. Als...
    Lehrer, pfff. Als leidgeprüfter Vater bilingual und im Ausland herangewachsener Kinder, die aus biographischen Zufällen in die bayerische Provinz umgesiedelt wurden, kann ich nur sagen: Bei Schwierigkeiten Visitenkarte raus, in zwei Sätzen die Bildungshierarchien klarstellen und die Sache ist geritzt. Auf Sand (unserer Lehrerbildung) und Schein (staatlich verordnetem Bildungskanon) gegründete Spießerbande, deren Macht darin besteht, die die unten sind ebendort zu halten.
    Nix gegen den Tegernsee, aber die zukunftsweisenden Ideen gehen von dort nicht aus.

  137. Nach all dem fürchterlichen...
    Nach all dem fürchterlichen hier möchte ich sgen, dass ich über mein Gymnasium (Hamburg, 1964 bis 1972) nicht klagen kann. Weder kann ich die berichteten Missbräuche berichten, noch fand ich dass wir bloß gepaukt haben. Andererseits denke ich, dass wir schon etwas gelernt haben. Vielleicht ist meine Wahrnehmung verzerrt dadurch, dass ich ein guter Schüler war und daher nicht Zielscheibe der Lehrerkritik. Trotzdem.
    Es war die Zeit vor der großen Reformiererei, und der Numerus Clausus wurde gerade erst zum Ende unserer Schulzeit eingeführt. Vielleicht war das der Grund für eine gewisse Gelassenheit.

  138. Woher die Kraft wenn sich in...
    Woher die Kraft wenn sich in diesem Blog die Opfer selber scheint’s verehren?
    (ehemaliges Opfer des HCA Gym. Su-Ro, welches frühzeitig den Absprung schaffte.)

  139. Bei all dem Wahnsinn bleibt...
    Bei all dem Wahnsinn bleibt doch unklar, welche Erfindung nun eigentlich die wichtigere war: Das Rad oder die Schrift?

  140. @ bettelbaron
    "Bei...

    @ bettelbaron
    „Bei Schwierigkeiten Visitenkarte raus, in zwei Sätzen die Bildungshierarchien klarstellen und die Sache ist geritzt. Auf Sand (unserer Lehrerbildung) und Schein (staatlich verordnetem Bildungskanon) gegründete Spießerbande, deren Macht darin besteht, die die unten sind ebendort zu halten.“
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    Ist was dran. Habe erlebt, wie eine höhere Tochter in unserer Klasse das Gym nicht mehr gerafft hat. Dennoch warsie unerklärliche 3 Jahre zu lange da. Sie war einfach nicht geeignet und litt, aber die Eltern waren reich und im Eltern-Fördererverband. A bissi wo geht oiwei, sagt man in Bayern. Da machte auch mein glückliches Gymnasium in der kleinen glücklichen Bratwurstfrankenstadt keine Ausnahme. Während mir mein Vater (Arbeiter, Schreiner, stock-katholisch dazu – strenger als der Papst, aber selber aus dem Latein-Internat in Klosterschwarzach geflogen) bei jeder Note, die unter 2 war, drohte, mich von der Schule zu nehmen. Und es sei sowieso eine Linken-Veranstaltugng da und was ich da für eine politische und religiöse Gesinnung lerne. (Das gefiel mir grad recht, dass er so tobte…, grins. Und ging noch gerner dahin.)
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    „Nix gegen den Tegernsee, aber die zukunftsweisenden Ideen gehen von dort nicht aus.“
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    Das hat auch keiner behauptet, der Don glaube ich auch nicht.
    Aber es stimmt, a bissi wenig Tegernsee-BAahing is scho hier.

  141. Offenbar verfügen Sie nicht...
    Offenbar verfügen Sie nicht über das erforderliche Gespür, um mitzubekommen, wie oberpeinlich es ist, in einem Text über die gute alte Eliteschule ein paar fette Rechtschreibfehler zu haben. Es gibt doch bestimmt den einen oder anderen ehemaligen Elitekumpel, der Deutschlehrer geworden ist und der vor der Veröffentlichung einen Blick auf Ihre Produktionen werden könnte. Holen Sie sich Unterstützung, es kann nur besser werden!

  142. sehr schlechter Artikel!!!
    Es...

    sehr schlechter Artikel!!!
    Es geht nichts über Disziplin und Gehorsam! Da lernt man am meisten – auch für das Leben. Man sehe nur nach Kanada oder Schweden!! Die Bildung ist eben kein Zuckerschlecken, das man sich eben „einfach mal so locker aneignet“!!

  143. Uff, das war der Stoff um...
    Uff, das war der Stoff um nachdenklich zu werden. Die Parallelen zu meiner
    Elitegymnasialzeit im ach so linken NRW der Siebziger Jahre (bis 82) sind bemerkenswert. Insgeheim tagträumte ich davon dem ein oder anderen dieser Figuren, die sich Lehrer nennen durften, so richtig eine rein zu hauen. Ich weiß: Sie gaben weiter, was sie selbst noch viel viel schlimmer erlebt hatten, waren weitgehend und durch Krieg dann oft gänzlich um ihre eigene Jugend betrogen worden, kamen aus bigotten Familien (weshalb sie ja auch an meiner sogenannten Tendenzschule in kirchlicher Trägerschaft gelandet waren). Ihre einseitige kleinstbürgerliche Sichtweise der Welt war ihr lebenslanges Gefängnis. Sie behandelten uns Schüler deshalb so wie es ablief, weil sie wussten, dass wir ihnen nicht mehr folgen würden – kurzum sie waren neidisch. Jeden Mittag nach Schulschluß sahen sie Typen wie mich mit dem Motorrad vorbei brausen, den Helm am Arm, Haare im Wind, Freundin hinten drauf, ab in einen besseren Tag und auf in die Zukunft. Sie hatten nur eine Spießerlimousine, eine Glatze, eine verknöcherte Gattin und ihre Vergangenheit und die war auch scheisse. Ich bin froh, niemanden von Ihnen geschlagen zu haben, ich hätte heute ein schlechtes Gewissen. Es war auch gar nicht nötig, denn sie haben es sich selbst besorgt, täglich und immer mitten auf die Zwölf. Aber eins steht fest: Wer heute in meiner Gegenwart von sogenannter Disziplin im Geiste dieser Jahre spricht, der bekommt es mit mir zu tun. Denn es ist dieselbe widerliche Haltung wie die meiner Lehrer: Gegenwart nicht verstehen (wollen) und deshalb das Gestern immer wieder einfordern.

  144. Wäre ja auch irgendwie...
    Wäre ja auch irgendwie Verschwendung, die crème de la crème der Studenten dann als Lehrer zu den verpickelten halbwüchsigen Monstern zu schicken.
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    Habe vor ein paar Jahren mit großem Vergnügen Gerlinde Unverzagts „Lehrerhasserbuch“ gelesen. Köstlich. Ob es in Berlin wirklich so schlimm ist? Solche Zustände keine Ausnahmen mehr, sondern die Regel? — Das lehrt einen Bescheidenheit. Wenn sich der Lehrer nach zwei Wochen die Namen der Schüler merken kann und ihnen innerhalb von einem Jahr Lesen und Schreiben beizubringen vermag, dann muss man eigentlich schon mal zufrieden sein.

  145. Das Lehrerbashing ist nur...
    Das Lehrerbashing ist nur billig. Frage ist doch, was hinten rauskommt.Und Deutschland war in den dreißiger Jahren des letzten Jahrunderts DAS Wissenschaftsland, sowohl angewandt als auch theoretisch und jetzt sind wir nix.

  146. O ja. Niemals hat Deutschland...
    O ja. Niemals hat Deutschland so viel Genies auf einmal hervorgebracht als zu jener Zeit, als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung nicht lesen und schreiben konnten.
    Wer immer sich mit Bildungspolitik befasst, sollte auch darüber hin und wieder mal nachdenken.

  147. Vielleicht kann man es so...
    Vielleicht kann man es so deutlich machen:
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    Selber braucht man nur Konversationsbildung, für die schwierigen Fachfragen gibt es Leute.
    .
    Die Bürgerlein sind zu erstaunlichen Leistungen fähig, wenn man sie sich richtig organisiert, d.h. ihre Bildung nach den Maßstäben ihres Leistungs- und Produktivitätswahns selbst organisieren läßt. Dann sind sie nützlich und glücklich dabei.
    .
    Nur politisch darf man sie sich nicht selbst überlassen, sonst kommt am Ende hinten nur lauwarmer linksliberaler Brei heraus, mit dem sie selber ja ach nicht glücklich sind. Denn so ist das mit Bildungsbürgern: Auf ihrem Gebiet sind sie tolle Experten, nur mit der Organisation des eigenen Haushalts komplett überfordert. Das Bürgertum braucht einen Feudalherrn über sich, um wieder so gut zu funktionieren wie im 19. Jahrhundert.

  148. @ Striesner:
    So einfach ist...

    @ Striesner:
    So einfach ist es. Da erzählen einige Betroffene von ihren schrecklichen Erlebnissen und schon wird es als bashing abqualifiziert.
    Eine Verteidigunglinie, die ja auch die Katholische Kirche nach Aufdeckung der Verbrechen, die Repräsentanten begingen, angewandt hat.
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    Und zum zweiten teil Ihrer Argumentationslinie kann ich noch hinzufügen, daß in der 30er Jahren auch tolle Autobahnen gebaut wurden und die Arbeitslosigkeit sank !

  149. Kirche, Staat und auch Schulen...
    Kirche, Staat und auch Schulen wollen nicht zum Denken erziehen, sondern zum
    Gehorsam.
    Hannah Arendt in: Das Böse:
    S.36: ..moralisches Verhalten hat nichts mit Gehorsam gegenüber irgendeinem von außen gegebenem Recht zu tun – mag es sich dabei um das Gesetz Gottes oder die Gesetze des Menschen handeln […]
    Die politische Ordnung erfordert nicht moralische Integrität, sondern lediglich gesetzestreue Bürger, und die Kirche ist immer eine Kirche der Sünder.

  150. Französisch gab es...
    Französisch gab es (nacheinander) bei zwei jüngeren Lehrern, der eine unser Klassenlehrer bis es beim Versuch Oberstufenreform keinen Klassenverband mehr gab. Viel Vokabel und Grammatik lernen bei durchaus strenger Benotung und Abfragen, aber auch Literatur lesen quer durch die Bank ( Camus La Peste erinnere ich mit der Diskussion über die Ansprache nach dem Tod des Kindes, inwieweit „il se rapprochait à l´hèresie“ ) aber auch mal Le Monde oder Le Figaro, einen Artikel erklären und diskutieren. Freie Diskussion mindestens einmal die Woche („da lernt ihr gut sprechen“). Beide Lehrer hatten ein Jahr in Frankreich studiert (damals war die Dt-Frz Freundschaft mitsamt Austausch noch nicht in Routine versackt) und besonders der jüngere der Beiden sprach französisch auch so schnell wie tempramentvolle Franzosen. Das war ein Kulturschock für uns. Zum Schluss lasen wir im Leistungskurs französische
    Büchlein zu Sprachebenen und Linguistik sowie zum Strukturalismus aus der
    „que sais-je“ Reihe, die eher für Studenten gedacht sind / waren.
    Dieser Lehrer war auch unser Geschichts- / Gesellschaftskundelehrer, und ja, doch, der hat mit uns 1969 /70 Weimarer Republik und Nationalsozialismus durchgenommen, mit klarer Positionierung.
    Wir waren übrigens als Unterprima zum Hilfseinsatz der Kriegsgräberfürsorge in Soissons, mit Kultur Nordfrankreichs und Renovierung eines Friedhofs mir 2200 Gräbern gefallener Soldaten (dt) aus WK I, einschließlich meiner ersten Schwielen an den Händen aber auch der abendlichen Diskussionen dazu, denen unsere Lehrer nicht aus dem Weg gegangen sind. Ein alter, pensionierter (den ich ganz zu Anfang als Englischlehrer gehabt hatte) war mit dabei, altersmilde aus seinen Erfahrungen der 30er und 40er erzählend, und sehr gelassen auf uns aufpassend wenn die jüngeren beiden Lehrer abends mal raus wollten. Wir hatten übrigens ein Treffen und ein SPortfest mit aus der Region zusammengetrommelten Schülern des Internats in dem wir untergebracht waren (die hatten ja noch Ferien).
    Anschließend bezahlte der Volksbund uns drei Tage Jugendherberge in Paris, meine erste Tour durch den Louvre und über den Montparnasse, und auch das Erlebnis des Unterschieds zwischen Kommunikation mit Kellnern und Tresendame gegenüber dem litararischen Französisch mit subjonctif dass man uns auf der Schule beibrachte.

  151. specialmarke: Schule. Doch,...
    specialmarke: Schule. Doch, ja. Klosterschule, Nonnen und eine Marie. Davon, mein Lieber, verstehen Sie nichts.

  152. @Filou
    Oh nein! Darf ich Ihnen...

    @Filou
    Oh nein! Darf ich Ihnen ein Taschentuch reichen? Die Geschichte hat doch noch ein gutes Ende genommen!
    Die Leserei unter der Bank war noch zu etwas gut, denn als ich nach der Wende die Gelegenheit zum Studium beim Schopfe packte, habe ich aufs Abitur verzichten können und statt dessen eine Zugangsprüfung gemacht. War hart, hat mir jedoch 3 Jahre erspart.
    *
    „Es gab damals naemlich noch akademische Eltern, die aus purem Trotz den „Sanitaetsrat“ an der Klingel stehen liessen.“
    *
    Ja, aus Weimar kenne ich das auch. Nur hatte ich das Pech, den zweiten Teil meiner Schulzeit in einer ländlichen Region verbringen zu müssen, wo das Militär dominierte. Da war das Klima doch sehr anders. Ödland nicht nur in geistiger Hinsicht.

  153. specialmarke, sie ist...
    specialmarke, sie ist exkulpiert.

  154. Holofernes, solche Problemerl...
    Holofernes, solche Problemerl gab es bei uns auch, nämlich bei der Frage, ob Lehrer das heikle Thema Wacksersdorf ansprechen oder gar mit ihren Schülern da zum demonstrieren hinfahren sollte. Da lernte man schnell der Wert der Demokratie und der freien Rede in Bayern kennen, erst in der Schule und dann in der Oberpfalz.
    .
    Bassorider, das war auch so ein Hochgefühl: Das Wissen, dass man bald alle Freiheiten haben wird. Und die müssen weiterhin aufgeblasene Lehrpersonen an einer irrelevanten Einrichtung im Donausumpf sein. Leit dat es mir für die engagierten Leute. Der Rest… mei. Gott sei ihrer Seele gnädig.

  155. Und es fehlen jede Menge...
    Und es fehlen jede Menge Schulfächer, v.a. Sozialästhetik.

  156. Dem bürgerlichen...
    Dem bürgerlichen Produktivitätswahn sollte man mehr entgegensetzen als immer nur Altphilologie und Kunstgeschichte.
    Da gäbe es neben der Kulinarik auch noch Rosenzucht und Floristik. —
    .
    Gewiss bin ich nicht der einzige hier, den es befremdet, dass der Don bei aller Liebe für Teppiche, Möbel, Sahnetorten, Kronleuchtern und Silberkannen trotz allem kein Verhältnis zu frischen Blumen und Blumenbuketten zu haben scheint.

  157. gabriele@: Das große...
    gabriele@: Das große theologische Unwissen vieler Theologen indem sie das Wort Sünde falsch interpretieren: Im Eigentlichen aber ist Sünde der Abfall der Seele von Gott. Das ist schlicht und ergreifend alles. Was dieses einfache Wissen darüber hinaus instrumentalisiert, dient der Machtausübung, aus welchen Gründen auch immer.
    ..
    HansMeier555@: So ist es. Die Römer, sagen wir etwa bis zur Zeit Marc Aurel, kannten noch den Unterschied zwischen maiestas und auctoritas. Das Arcanum ist unter die Leut geraten und wird gebraucht wie eine abgegriffene Münze. Allein die Inflation des Wortes Kompetenz steht signifkant dafür. Vermutlich war der tiefere Grund in der Haltung der RKK gegenüber Giordano Bruno und G. Galilei darin zu suchen, dass „sie“ genau wusste, was auf dem Spiel stand. Es ging lediglich um die Wirkungen, die aus deren Erkenntnissen entsprangen. Ansonsten hätte sie nichts gegen jene Genannten gehabt. Sogenannte Häretiker wurden nur angegriffen, wenn sie Wirkung, z. B. über den Katheder, entfalteten.
    Kopernikus, Nikolaus Cusanus gelangten, schon mehr als hundert Jahren früher zu ähnlichen Einsichten, da es noch keinen Buchdruck gab, kam deren Wissen somit nicht unter die Menge. Ohne die späteren Publikationen könnten wir uns allerdings jetzt auch nicht unsere sehr, sehr reaktionären Gedanken gegeneinander austauschen.
    ..
    Was das Fechten oder Tennisspielen anbelangt, so ist zu erkennen, dass es nunmehr seit einem halben Jahrhundert ohne Eleganz ausgeübt wird, ordinäres Punktesammeln ist angesagt. Bei Sieg oder Niederlage das Zeigen von abgrundtiefen Banausentum in der Gestik.
    ..
    Die Figur des modernen Dandy ist der vergebliche und scheiternde Versuch sich Distinktion zu verschaffen. In der Literatur vertreten durch Oscar Wilde, Ernst Jünger und Stefan George.

  158. Also Wilde würde ich schon...
    Also Wilde würde ich schon gelten lassen, ebenso Proust. —

  159. Und wenn sie mich fragen, war...
    Und wenn sie mich fragen, war Rom schon lange lange vor Alarich untergegangen.

  160. Naja, so ab der 2. Hälfte des...
    Naja, so ab der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts hatten die Dauerkrise mit kurzen Erholungen, aber die Wurzeln des Problems waren sehr vielschichtig – ich würde gar nicht unbedingt glauben, dass die Römer ihren Untergeng bewusst erlebt haben, das war ein langer, langsamer Abstieg, wie Amerika heute.
    .
    Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, eine alte, unpolitische Ideologie des 18. und 19, Jahrhunderts neu zu leben; das heutige Gegenstück dazu ist das Berufskind, und das hat ganz andere Lebensinhalte.

  161. Wenn die Wissenschaftler heute...
    Wenn die Wissenschaftler heute wissen, wie man auf den Mond fliegt, warum können sie dann nicht herausfinden, warum sich kein geeignetes Personal mehr finden läßt?

  162. bettelbaron, das interessante...
    bettelbaron, das interessante am Lehrer ist ja der Umstand, dass er einerseits diktatorische Macht gegenüber seinen Schülern hat, und andererseits stets bemüht sein muss, seine gesellschaftliche Stellung irgendwie zu halten. Inzwischen sind Lehrer selbst zwischen Hammer und Amboss – und ich darf sagen, dass ich auch von einer Jugend wenig halte, die schon am Mittag Alkopops trinkt.
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    prince Matecki, unser Lateinlehrer war ein Förderer des gesprochenen Lateins und immer ganz aufgeregt, wenn er berichten konnte, wie er und seine Kumpane dabei waren, Latein als interntionale Sprache der Juristen wieder zu etablieren. Der Mann hat es wirklich geschafft, mir – sogar mir! – Rom und Neapel auf Schülerreise gründlich zu vermiesen. Man könnte sagen: Schon früh wurde in mir dier Hass des Archäologen auf ignorante Althistoriker und stets bösartig-verbiesterte Altsprachler angelegt. Eine Befundlage wird um so schöner, je weniger schriftliche Quellen und derartige SWchreibtischeinbilder es dazu gibt.

  163. Und gar keine Anekdötchen à...
    Und gar keine Anekdötchen à la Pfeiffer oder Pepe Nietnagel? Ich bin ein wenig enttäuscht.

  164. Sehr guter Artikel, hier meine...
    Sehr guter Artikel, hier meine Wunden: Deggendorf/Donau 1948 (Jahrgang 1937) Nach dem Krieg erhofften sich bayerische Kulturbeauftragte in einer „Kurzform“ an Oberschulen den Bildungsinhalt 2er Schuljahre in ein Jahr zu komprimieren. Dh. von 2 Zimmer-Volksschulen mit mehreren Klassen belegt, galt es in einem Turbo-Verfahren sehr viel, sehr schnell aufzunehmen. Kommentar unseres Physiklehrers beim ersten Zusammentreffen:“ Was bildet ihr euch ein, hier teilzunehmen( nach erfolgter bestandener Aufnahmeprüfung) glaubt ihr etwas besonderes zu sein? Der Mathe-Lehrer vergnügte sich damit uns elfjährigen einen Fußball mit voller Wucht an den Körper zu knallen, sein verzogener Sohn rannte dann den noch aufrecht Stehenden den Kopf in den Magen. Gute Lehrer nur Biologie und Englisch/Französich. Als Evangelischer hatte ich auch meinen Leidensweg im katholischen Schülerheim. A guada hoits aus, zefix sog i

  165. Nö. Sinn macht das wirklich...
    Nö. Sinn macht das wirklich nicht.

  166. Mangel an Respekt vor dem...
    Mangel an Respekt vor dem Reichtum, der heute zur Vorabendunterhaltung auf RTL herabgesunken ist, würde ich meinen, HM555.
    .
    Nichts dergleichen. Einmal ist unter einem schweren Lehrer der Stuhl weggebrochen, aber das war es auch schon – und es war wirklich der Stuhl, niemand von uns.

  167. ...und ich als Zuspätrömer...
    …und ich als Zuspätrömer habe wieder die ganze Dekadenz verpasst! So ein Jammer!!

  168. Fluglotse, selbst bei uns...
    Fluglotse, selbst bei uns wurden nich Klassen entlang der Religionen aufgespalten, mit der Folge, dass sich reine Jungenklassen die da wo da Vadda aufm Doaf nua an Bua hod aufs Gümnasium hod geh lassn bildeten. Durch einen blöden Zufall bin ich da in der 10. und 11. Klasse gelandet, aber ich muss sagen: Das waren eigentlich noch die allerbesten Zeiten, relativ betrachtet. Wir haben gut zusammengepasst: Ich habe wie der Teufel bei denen in Mathe und Chemie abgeschrieben, und die bei mir in Geschichte, Englisch und Deutsch.
    .
    Und schon so entspannt, dass Klassen/Herkunftsunterschiede eigentlich gar nichts ausmachten. Davor waren ein paar Bauernkinder vom Dorf in einer gemischten Klasse – das waren dann die Schläger und Mobber.

  169. @Hansmeier555 (11:50) – nur...
    @Hansmeier555 (11:50) – nur wenn man das, was man in der Schule lernt, für wichtig hält. Meine garantierte ‚sechs’ in jeder Klassenarbeit bekam ich für mangelnde englische Rechtschreibung. Ich setzte dem entgegen, dass ich eines Tages sowieso eine Sekretärin haben würde, Rechtschreibung also nicht zu können brauche. Das hat sich dann auch so ergeben, und mein ganzes, hart erarbeitetes Kapital ist englisch sprechend erworben worden.
    .
    Mit Managementfragen habe ich mich seinerzeit mit großem Interesse beschäftigt. In der Schule wird so was natürlich nicht angeboten, dafür bekam ich Praxis bei den Pfadfindern (wenn man mit 17 eine 30-köpfige Gruppe leitet, kommt man nicht umhin, einige Ackermannfähigkeiten zu entwickeln – sonst laufen die Kinder weg oder tyrannisieren ihre Leiter)

  170. Hans Meier 5556: "Wenn die...
    Hans Meier 5556: „Wenn die Wissenschaftler heute wissen, wie man auf den Mond fliegt…“ Das ist kein Argument. Sie wissen es ja nicht. Oder glauben Sie, es sei schon jemand auf dem Mond gewesen? Hinter ihm waren und sind viele. Aber auf…!?

  171. @fluglotse
    mein beileid als...

    @fluglotse
    mein beileid als evangelischer in deggendorf. das ist heftig.
    eine unserer studentinnen am lst. in den 90ern war aus deggendorf. erschreckende ansichten. kein wunder, dass die deggendorfer gnad mit den märchen über die hostienschändung durch juden solange in betrieb blieb

  172. Der Tiger, interessant, Sie...
    Der Tiger, interessant, Sie haben den Haufen Wölflinge also dazu gebracht, sich erst am Wegesrand notgeilen älteren Herrschaften anzudienen und dann später gegenseitig den vereinnahmten Dirnenlohn abzujagen?

  173. Der Tiger, mit den...
    Der Tiger, mit den Fähigkeiten eines Ackermannes (vulgo „Bauern“) erreichen Sie hier nichts: der Don hasst Bauern. Fast so sehr, wie er Bauernkinder hasst. Die hatten in der Zeit der juvenilen Traumatisierung nämlich die schlagkräftigeren Argumente. Und glaube keiner, die Schnösel, denen sie ad hominem applizieret wurden, hätten sie nicht verdient.

  174. @Don
    .
    Was soll auch...

    @Don
    .
    Was soll auch rauskommen, wenn das Bildungssystem so konstruiert ist, dass es auf sozialästhetische Aspekte keine Rücksicht nimmt.

  175. Schulfach Personalmanagement:...
    Schulfach Personalmanagement: Initiieren, entscheiden, delegieren, motivieren, kontrollieren, evaluieren.

  176. @hansgeier333: Heißt das, Sie...
    @hansgeier333: Heißt das, Sie wollen sie nicht mehr verbrennen? – Wohl weich geworden angesichts des großen Seelenwundenleckens hier…

  177. "der Don hasst Bauern"

    Ich...
    „der Don hasst Bauern“
    Ich hasse Altphilologen, Althistoriker, Bankster, Berlinerslumbewohner, Transferleistungsempfänger aus Politik und Gesellschaft und das dumme Geschnatter des Bundesfamilienministeriumswölbbauches -. aber keine Bauern.

  178. @ "DoktorBenway21. Januar...
    @ „DoktorBenway21. Januar 2011, 07:59 http://Www.citizoom.tv
    Woher die Kraft wenn sich in diesem Blog die Opfer selber scheint’s verehren?
    (ehemaliges Opfer des HCA Gym. Su-Ro, welches frühzeitig den Absprung schaffte.)“
    an dem Gymnasium ging es ja in den 80ern lustig zu oder, so hat es mir mein Klassenkamerad, Sohn des evangelischen Pastors aus neukirchen b.Su.-Ro immer erzählt (sein bruder war am gym dort).
    jetzt soll das gym aber eher „csu nah“ sein, so berichten es mir freunde, die ihre kinder dort haben

  179. @muscat – es waren Mädchen,...
    @muscat – es waren Mädchen, aber ich ließ sie Sachen machen, die zu der Zeit nur Jungens vorbehalten waren. Die Eltern (Westviertel und Arbeiterklasse) waren erstaunlich unterstützend.
    @Arabella – wie kommen Sie darauf, dass ich mich bei Don einschmeicheln möchte? Ich schmeichele mich bei Männern grundsätzlich nicht ein (und natürlich erst recht nicht bei Frauen).

  180. Lustig waren die 80er....
    Lustig waren die 80er.

  181. Nachtrag: Ich bin nicht ganz...
    Nachtrag: Ich bin nicht ganz verstanden worden, deshalb diese Erklärung. Der baierische Physiklehrer war wohl gegen die vom baierischen Kultusministerium erlassene Maßnahme (Kurzform 2Jahreslehrinhalte in einem Jahr) politisch fixiert und ließ seinen Frust an uns Kindern aus, denen er , ohne sie zu kennen, gleich am Anfang , die Fähigkeit und den Bildungsanspruch, ja die Teilnahme absprach oder sie mit der gehässigen Bemerkung von dem Physikunterricht abzuschrecken versuchte. Unsere Mütter hatten uns großen Kinder, die wir aber durch die Nachkriegswirren und die daraus resultierenden Unterrichtsausfälle nur körperlich groß waren, für das Bildungsangebot „Kurzform“ angemeldet, damit das 1 Jahr aufgeholt werden konnte. So glaubten sie jedenfalls. Wie gesagt, aus der Zwergs-Dorf-Volksschule in die Sonderstufe. Ging voll in die Hose. Wenn ich heute das Gejammere höre, mai liabe Fra, zefix sog i

  182. @DA
    Bauernkinder, die Mobber...

    @DA
    Bauernkinder, die Mobber und Schläger
    Bei unserem wohlangesehenen Institut waren das hauptsächlich die Mitglieder besserer städtischer Familien. Die Söhne und Töchter der kleinen Handwerker und unteren Beamtengrade waren schon froh, wenn sie nicht in den ersten drei Jahren notenhalber hinausgekegelt wurden, so mancher Kamerad blieb da auf dem Felde.
    Da wollte kaum einer auch noch als Rowdy auffallen.
    Besonders taten sich aber einige Wiederholer aus „Elite“-familien hervor.
    Da konnte man der körperlichen Abmahnung nicht ausweichen, mußte in der international einheitlichen Sprache blaue Flecke zurückmorsen. Feinsinnige Argumentation hätte die soziale Stellung im Klassenverband erheblich geschwächt. Bedauerlich, aber unabwendbar.

  183. Guten Tag.

    Striesner!
    Seien...

    Guten Tag.
    Striesner!
    Seien Sie bloß vorsichtig.
    Wie Broder auch schon bemerkte: Wer zuerst Hitler sagt, hat verloren.
    Aber da haben Sie es schon. Die erste Zurechtweisung ist schon durch einen weiteren Don erfolgt, und das obwohl Sie nur was von 30er Jahren schrieben….
    Vroni!
    Leider etwas spät, ich weiß. Haben Sie sich das Video angeschaut? Eigentlich ist nur die Stimme punkig. Mir fiel das nur zur Erhöhung ein. Wie auch im letzten Jahr, als der Herr des Bloglikörs in Italien weilte. Da war es SAN LORENZO was mir einfiel. Eine schlechte (klanglich) LIVE Version ist hier zu hören http://www.youtube.com/watch?v=VrxBJOGKO0w&feature=related
    Plindos! Alias Perfekt 57, alias Jorge Loma…..
    Was sollte ich schon darstellen?
    Haben Sie das nicht behalten?
    Vorerst einen schönen Tag noch.

  184. der eigentliche sinn der...
    der eigentliche sinn der schulpflicht bestand weniger in der vermittlung von faktenwissen als vielmehr in einer einheitlichen sozialisierung der untertanen, wozu auch die vermittlung eines bestimmten, einheitlichen wissens zählt. die gemeinsame sozialisierung ist die grundlage für ein verstehen untereinander (wer z.b. die regeln und abläufe eines fußballspiels nicht kennt, kann den berichten anderer nicht folgen, geschweige denn selbst an einem spiel teilnehmen. und diese voraussetzung eines gemeinsamen wissenshintergrundes gilt für alle erscheinungen des gemeinschaftlichen lebens.). diese uniformierung des denkens war die grundlage für denn wirtschaftlichen und militärischen erfolg der bevölkerung eines staates als einheit im konkurrenzkampf mit anderen staaten. spengler bezeichnete diese fähigkeiten als in-form-sein-eines staates.

    in einer echten demokratie wirkt eine solche vereinheitlichung des wissens und des denkens jedoch anachronistisch. die heutige schule hat nur einen bildungsauftrag, jedoch keinen erziehungsauftrag. ohne eine gewisse einheitliche erziehung kann jedoch kein schulbetrieb mit den heutzutage üblichen 1000 schülern gewährleistet werden. die erziehung fängt ja schon bei pünktlichkeit und gegenseitigem respekt an. wie verhindert man anarchie ohne ein minimum an erziehung?

    auch ohne eine gewisse vereinheitlichung der bildung geht es nicht. das hat zwar vorteile in der vermittlung und auch im gemeinschaftsleben ermöglicht erst ein gemeinsamer wissenshintergrund ein gegenseitiges verständnis. gleichzeitig schränkt die vereinheitlichung der wissensvermittlung die bildungsbreite und damit den erkenntnishorizont zu einem gewissen grade ein.

    während die recht drastischen beschreibungen der schule von windsbraut und annasethe den vorstellungen und erwartungen vom leben in einer diktatur entsprechen, stimmen die übrigen erfahrungen so garnicht mit den vorstellungen von der freiheit des geistes und der person in einer hochentwickelten demokratie überein. eben weil ein vereinheitlichter bildungsinhalt nicht ohne eine gewisse einheitliche und reglementierte erziehung vermittelt werden kann, die jedoch dem geist der freiheit des individuums widerspricht, wird eine vereinheitlichung der erziehungsmethoden vermieden und den pädagogischen und moralischen fähigkeiten der lehrerschaft der einzelnen schulen überlassen.

    somit besteht in der erziehung anscheinend ein rechtsfreier raum, der je nach fachlicher und menschlicher qualifikation genutzt oder auch nicht genutzt werden kann. das widerspräche wiederum den prinzipien der rechtsstaatlichkeit, was jedoch durch zahlreiche erlebnisse von schulabgängern bestätigt wird.

    dieser konflikt der ideale von der freiheit der person und des geistes sowie der rechtsstaatlichkeit mit der realität des zwangs zu einer gewissen einheitlichkeit der wissensvermittlung und der bildungsinhalte sowie dem fehlenden auftrag und den fehlenden einheitlichen richtlinien zur erziehung muß demzufolge der grund für die bizarren verhältnisse an deutschen schulen sein, in denen sowohl schüler als auch lehrer opfer der verhältnisse werden, indem sich die einen unterdrückt, falsch bewertet und nicht umfassend ausgebildet fühlen und die anderen nicht respektiert und der aggression von schülern ausgesetzt. gekrönt wird dieses chaos durch die wiederholten aussagen der wirtschafts- und hochschulverbände, daß die schulabgänger den anforderungen in den betrieben und an den hochschulen nicht gewachsen und deshalb ausländische fachkräfte oder studenten vorzuziehen seien.

    demnach bestünden nur zwei möglichkeiten zur lösung des konflikts: abschaffung der schulpflicht und umwandlung in eine unterrichtungspflicht oder schaffung einer vereinheitlichten ausbildung und erziehung unter inkaufnahme des damit verbundenen verlustes an individueller freiheit und der daraus folgenden einschränkung der bildungsbreite sowie des erkenntnishorizontes der gesamtbevölkerung.

  185. Gnadenumwobener Herr Don:...
    Gnadenumwobener Herr Don: „Davor waren ein paar Bauernkinder vom Dorf in einer gemischten Klasse – das waren dann die Schläger und Mobber.“ Ein kleiner, empörender Vorschlag: Ersetzen Sie „Bauernkinder“ durch, sagen wir, „muslimische Kinder“ – und lesen Sie den Satz noch einmal. Lieber nicht?

  186. Auch Altphilologen und...
    Auch Altphilologen und Althistoriker. Zuwendung, Distinktion, Gnade.

  187. Sie hat den Blocksberg mit dem...
    Sie hat den Blocksberg mit dem Vatikanischen Hügel vertauscht. Da ist auch die Heilige Inquisition machtlos.

  188. Haltet, Ihr lieben gewesenen...
    Haltet, Ihr lieben gewesenen Schüler, es mit den heutigen Worten unserer liebsten Minister!
    Niebel: „Vieles ist besser geworden.“
    Der vuzGe: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“
    Na, da wird der Rückblick doch milder, nicht wahr?

  189. Colorcraze, das ist der...
    Colorcraze, das ist der Vorteil in Berlin zu wohnen: die Abiturreise geht gewiss woanders hin. Sürditalien, Türkei, Frankreich, England für die einschlägigen Leistungskurse usw.
    Tja, Don, dafür gibt es im Haupststadtslum den Altgriechen, bei dem sich Odysseus mit der Nymphe mischt (Sie sind doch alle aufgeklärt?), der in Neapel die Pinienkernplätzchen kauft, und bei dem Alles warm und hell ist.
    SchluchtenOssi, auch ich habe mit der amerikanischen Gesamtschule gute Erfahrungen gemacht. Da wo ich war, gab es zu dem von Ihnen erwähnten auch nocht eine Berufsschule Bau/Fahrzeugmechanik/Haus- und Gastwirtschaft. Ansonsten Mathematik und Naturwissenschaften durchaus gutes bis sehr gutes (LK)Niveau. Dabei war es vom sozialen Milieu keine besonders privilegierte Gegend. Neu England auf dem Lande. Aber 5 Wochenstunden Mathematik mit einem guten Dutzend Schülern, die da sein wollen und einmal die Woche „Friday Fractions“ also Übungen zu den zu wissenden Grundlagen (bemerkenswerte Identitäten, Ableitungen usw), da kommt schon was zusammen.
    Und die ganzen Kommentare zur Rechtschreibung des Gastgebers: Sie erinnnern mich an einen bekannten der seinen Wehrdienst als Mathematiklehrer in St Maxence (UffzeSchule de Heeres) ableistete. Dem wurde von seinem Chef geraten, bei den kleinsten Schwierigkeiten mit der Disziplin den Verursacher sofort strammstehen zu lassen, gut zu betrachten bis er etwas kritikables am Aussehen gefunden hat, und dann zur Sau zu machen. Sagen Sie mal, die Situation hier ist doch etwas anders, oder?

  190. Arabella, als Ausländerin im...
    Arabella, als Ausländerin im jetzigen Land habe ich erfahren, dass mangelhaftes Beherrschen der allgemein üblichen Codes Agressivität verursacht. Der Don verzeihe mir mein ungebetenes Einmischen, aber mir erscheint sein Satz plausibel.

  191. Hier darf jeder......
    Hier darf jeder…

  192. "Und schon so entspannt, dass...
    „Und schon so entspannt, dass Klassen/Herkunftsunterschiede eigentlich gar nichts ausmachten. Davor waren ein paar Bauernkinder vom Dorf in einer gemischten Klasse – das waren dann die Schläger und Mobber.“
    .
    Das Problem waren dann nicht die Bauernkinder, sondern die gemischte Klasse.
    Gemischte Klassen neigen mehr zu ähm Profilierungssucht.

  193. Ich bin in einem eher...
    Ich bin in einem eher liberalen Schulsystem großgeworden und durfte mich auf dem Gymnasium mit Hautpmann, Döblin, Pirandello (auf deutsch) und Brecht herumschlagen. Dabei hätte ich viel lieber Fontane gelesen. Am Ende wars aber ganz gut so, denn es hat mich vorm Tunnelblick bewahrt. Brecht mag ich deswegen/trotzdem noch immer. Und ich gedenke stets freundlich des Deutschlehrers, der uns in seiner Freizeit Don Giovanni übersetzt und vorgespielt hat. Immer noch eine meiner Lieblingsopern.

  194. vroni,
    zu meiner zeit war das...

    vroni,
    zu meiner zeit war das problem bei den gemischten klassen ein gewisser unterschied in der motivation, um es so zu sagen. in der oberstufe kamen in meinem fall, es sit schon lange her, mit den gemischten klassen dermassen streberinnen (sowohl solche von der intelligenten wie von der strebsamen sorte), dass zumindest mir klar war, dass da kein blumentopf zu gewinnen war.
    .
    während der zeit der oberstufe bin ich zur schule gegangen, gelebt habe ich ausserhalb der schulzeit, gelernt habe ich ausserhalb der schule anderes, aber deswegen nicht schlechteres.
    fremdsprachen lernt man durch sprechen, wer nicht die chance hat, umgang mit ihrer sprache mächtigen muttersprachlern zu haben, wird einen auslandsaufenthalt von mindestens eienm jahr (ein vierteljahr, um die mutterprachler zu verstehen, noch ein vierteljahr, um von der denke wegzukommen, dass deutsche es in jedem fall besser machen, ein vierteljahr, um die fremdsprache zu sprechen, das letzte vierteljahr, um in der fremden sprache zu denken).

  195. Komme gerade von der Massage...
    Komme gerade von der Massage (wegen Halsstarrigkeit). – Nun, ich muß gestehen, daß ich – obwohl Abiturjahrgang ’66 – viele der hier beschriebenen Probleme nicht hatte. In der letzten Schulklasse wurden wir eingehend über Judenverfolgung und Konzentrationslager unterrichtet, über den Nationalsozialismus selbst aber überhaupt nicht. Man war sich damals wohl noch nicht so recht im klaren darüber, wie man den zu interpretieren hätte, ohne das Ansehen des Deutschen Volkes zu beschmutzen. Der Deutschlehrer war Kreiskulturleiter vor ’45 gewesen und ein großer Verehrer von Goethe. Ich habe ihn damals mit der Auffassung provoziert, Schiller hätte großartigere Dramen geschrieben und Kleist bessere Prosa. Lediglich einige Gedichte von G. seien wohlgeraten…
    .
    Die Leistungsanforderungen des Gymnasiums waren damals recht hoch und der Druck von Lehrer und Elternhaus auf mich, bessere Noten zu schreiben, war enorm. Doch irgendwann begriff ich, daß die Drohung meines Vaters, mich „von der Schule zu nehmen und in eine Lehre zu stecken“ recht hohl war und eine gewisse Kooperation von mir erfordert hätte. Vor allem aber hätte sich mein Vater damals selbst deklassiert. – Die Abiturientenquote lag in Baden-Württemberg damals bei 6 – 7 Prozent!
    .
    Ich bin in den letzten Jahren eigentlich ganz gerne in die Schule gegangen. Man bekam ja etwas geboten in der Schule, im Gegensatz zum sonstigen Leben: Fernsehen war kaum vorhanden, Rundfunk erst mit 18 nach Erwerb eines eigenen Kofferradios mit neun(!) Transistoren, Kino selten und nur am „Tag des besonderen Films“, das andere Geschlecht zwar allgegenwärtig, aber noch nicht (wie heißt das Bibel?) erkannt(!) – Ich gründete damals eine Schülerzeitschrift, sammelte Anzeigen dafür, lernte Seiten umbrechen und Druckvorlagen für den Kleinoffsetdruck herzustellen, umging die Zensurversuche des oben erwähnten Deutschlehrers, gab Nachhilfeunterricht in Mathematik und hatte nach „Ausbruch“ aus dem Elternhaus noch eine sehr gute Zeit bis zum Abitur…

  196. Nach Gruendung der DDR wurden...
    Nach Gruendung der DDR wurden die Lehrer im Lande knapp. Die meisten machten rueber in den Westen. Nicht ohne Grund, muss man wohl annehmen, denn viele schleppten aus der Zeit davor eine ueble Reputation im Kielwasser und das ehemalige KZ Buchenwald hatte nach der Befreiung grosse Kapazitaeten ueber. Woher nun aber Lehrer nehmen? Eiligst suchte man halbwegs linientreue Leute, die man husch-husch inerhalb von einigen Monaten zu Paedagogen im Sinne des neuen Staates ausbildete. Das Ergebnis muss verheerend gewesen sein, denn noch zu meiner Schulzeit gab es das schoene Bonmot: „Was ist der Unterschied zwischen einem Neulehrer und einem Volkspolizisten? Der Neulehrer kann MIR und MICH nicht unterscheiden…“
    .
    So eine bedauernswerte Figur muss man erlebt haben. Russisch z.B. gehoerte zu keiner Zeit zum schulischen Faecherkanon. Nun ploetzlich war ab der 5ten Klasse Russisch ein Pflichtfach. Mein, inzwischen angejahrter, Neulehrer, eine einfache Seele, dessen Deutsch wegen seines tiefen, haesslichen hallensischen Dialektes eine kaberettistische Lachnummer war, erging sich nun in der Unterrichtung grinsender Kinder im Fach Russisch. Jede Stunde war fuer ihn ein persoenliches Desaster, eine Erniedrigung, die er nur durch niedertraechtige Kujonierung der Klasse kompensieren konnte.
    .
    Das naechste Mal sprechen wir ueber den Neulehrer fuer Biologie und seine Verehrung fuer die Erziehung von Ackerplanzen (nein, nein, keine Bauernmaedchen, hahah!) nach Mitschurinschen Erkenntnissen. Oder wie waere es mit Goethe als Klassenkaempfer? Oder der Bauernkrieg als Vorlaeufer der ersten sozialistischen Revolution auf deutschem Boden?
    .
    Und oben im Sekretariat sass der Direx, ein Vertreter des alten humanistischen Gymnasiums, dessen Haare stuendlich grauer wurden.

  197. @colorcraze: Als ich...
    @colorcraze: Als ich Meditation für die Schüler vorschlug, dachte ich nicht an religiöse, sondern mehr an mentale Übungen im Sinne der „Kunst des Bogenschiessens“. Es hilft bei unterschiedlichen Situationen des Lebens; zum Beispiel Sarrazins Beitrag zur politischen Kultur vor sich liegen zu haben und nicht zu lesen, als Designer gelassen dem „kreativen Loch“ ins Auge zu blicken, ohne nervös zu werden, als 65jähriger entspannt den Rentenbescheid öffnen, auch wenn er im niedrigen dreistelligen Bereich liegt…Das Hyperaktivitätssyndrom scheint sich zu einer Art Volkskrankheit zu entwickeln – das verdanken wir meiner Meinung nach unserem Bildungswesen. – Ich weiß, das ist eine sehr gewagte Hypothese , aber man kann sie in diesem Kontext ja mal in den Raum stellen…

  198. @Filou: diese Art der...
    @Filou: diese Art der Lehrerrekrutierung hat in Preussen ja Tradition. Als Friedrich Wilhelm I. die Schulpflicht einführte, schickte er ausgemusterte Soldaten aufs Land, um die Alphabetisierung voranzutreiben…

  199. @specialmarke, stimmt schon,...
    @specialmarke, stimmt schon, aber nicht fuer die hoehere Schule. Im Westen stand ein Dr.phil. mit Hackfresse vor der Klasse, in der DDR ein kriegsgeschaedigter Opportunsozialist, meist aus der Generation Flakhelfer, Volkssturm.

  200. Wirklich NIEMAND hier auf eine...
    Wirklich NIEMAND hier auf eine Waldorfschule gewesen?
    Spielt die Anthroposophie im Donschen Umfeld wirklich überhaupt keine Rolle?
    .
    Das könnte Neid erwecken.

  201. Ich kannte mal einen, der...
    Ich kannte mal einen, der hatte seine drei Soehne dahin geschickt. Sind alle nix geworden.

  202. Mutter katholisch, Vater...
    Mutter katholisch, Vater Protestant (praktizierend), Kinder Waldorf. Als das Abi der Blagen anstand, ging Mutti in der Kirche ein Licht anzuenden. Es war die falsche Kirche (zu unbedeutend).
    Ich dagegen fuhr nach Koeln, ging in den Dom, nahm Geld aus meinem Beutel und liess mich nicht lumpen.
    Abi in der 2ten Runde bestanden!
    Falls der Bub promovieren moechte, muss ich dann zu Notre-Dame-de Paris?

  203. @HansMeier555: Ich gestehe,...
    @HansMeier555: Ich gestehe, ich war an der Gründung einer solchen Schule als Vorstandsmitglied beteiligt, die meine beiden Söhne (heute 26 und 28 Jahre alt) einige Jahre besucht haben. Meinen Söhnen hat es nicht geschadet und ich bin etwas intoleranter geworden. – Reden wir nicht mehr von Sekten…

  204. Ketzer heiraten + Wunder...
    Ketzer heiraten + Wunder erwarten = Gott (rk) herausfordern.

  205. Nicht nur das. Der Mann hatte...
    Nicht nur das. Der Mann hatte auch mal mit Warentermingeschaeften spekuliert. Ich hielt ihm eine Rede ueber unethische Geschaefte. Auf mich hoert aber keiner. Niemals. 30 Mille futsch. Dan hat ihn der Anwalt uebern Tisch gezogen; gutes Geld schlechtem hinterher geworfen.
    Ansonsten ein netter Mensch, wenn man von seinem latenten Antisemitismus absieht. Nun ist er nach Berlin gezogen. Da soll das Leben billiger sein als in Koeln.

  206. @DA: Das verstehe ich nicht......
    @DA: Das verstehe ich nicht…

  207. Groschen gefallen......
    Groschen gefallen…

  208. Es ist immer wieder...
    Es ist immer wieder erstaunlich, welch reichhaltige, emotionale und interessante Reaktionen das Bildungsthema hervorruft. Danke Don, Dank auch an alle Kommentatoren, es ist im besten Sinne aufregend. Ich will jetzt nicht auch noch meine ganze erbärmliche Bildungsgeschichte ausbreiten, das wesentliche zur DDR-Bildung ist schon gesagt. Vor allem annasethe möchte ich für diese bewegende Fallstudie danken. Es ist das erste Mal, daß ich einen Kommentar gespeichert habe. Es wäre in diesem Zusammenhang zu erwähnen, daß ich den Don auch schon seit manchem Jahr dränge, ein zweites Buch zu verfassen. Allein, er hat seine eigene Agenda. Trotzdem schließe ich mich Ihrer virtuellen Petition an. Es ist ja nicht so, daß er seine Perlen hier vor die Säue würfe, aber trotzdem, trotzdem. Ich warte ja immer noch auf den Zöllner aus Brechts Gedicht.
    So, zurück zur Bildung. Was zum DDR-Abitur aus meiner Sicht noch zu sagen wäre ist, daß es in einer Art elitär war, daß es jeden Tegernsee-Bewohner zum Emporkömmling degradiert. In unserer Schule durften von 50 Schülern aus zwei Parallelklassen zwei Leute (in Worten: zwei oder 4 v.H.) das Abitur machen. Eine andere Frage interessiert mich: was braucht man eigentlich von der Schulbildung später wirklich noch? Ich für meine Person kann nur sagen, daß ich mein curriculum anders gewählt hätte als die Obrigkeit meinte, daß es mir förderlich wäre. Ich nenne die Fächer jetzt nicht, weil sie mir leicht gefallen sind, sondern im Gegenteil, ich nenne das, was mir fehlt: ordentlicher Sprachunterricht, nämlich Englisch, Französisch, Latein. Ein fundierter Musikunterricht (notfalls mit Peitschenschlägen). Nein, ich meine nicht das hirnrissige Absingen von Volksliedern oder die theoretische Exegese von Jimi Hendrix‘ „Star Spangled Banner“. Und außerdem, horribile dictu, Mathematik-Unterricht. Das alles hätte mir im Leben geholfen, das war in der Schule völlig unzureichend und ich vermisse es. Tja, zu spät. Was die eigentliche Bildung abseits der Ausbildung betrifft, die verschafft man sich selber oder eben auch nicht. Im übrigen verdanke ich meine mir so teure Affinität zur Historie einem seinerzeit schon pensionierten Geschichtslehrer, der uns in Vertretung in der fünften Klasse unterrichtete. Ein pädagogisches Naturtalent. Obwohl es schon Jahrzehnte her ist werde ich seinen Namen nicht vergessen, er hieß Nebrich. So soll hier seiner gedacht werden wie allen Lehrern, die guten Willens sind.

  209. Hochwürdiger Don
    Was ist Gott...

    Hochwürdiger Don
    Was ist Gott (rk)?
    Wird das Kürzel nur ordnunghalber wg Lohnsteuerkarte angegeben?

  210. Aavall, warten Sie auf morgen,...
    Aavall, warten Sie auf morgen, dann geht es um das Raubmüttertum.
    .
    rk bedeutet römisch-katholisch. Und nach dem Rom Gott andere Eigenschaften zuschreibt, als die lutheranischen Ketzer oder die orthodoxen Heiden (zumindest sieht man das in Bayern nicht selten so) muss es auch ein anderer Gott als der von den Ungläubigen sein.

  211. @Don
    Eine Herausforderung...

    @Don
    Eine Herausforderung wäre das nur, wenn es nicht im guten Glauben geschähe, der natürlich (auch aus sicht der RKK) ein Aberglaube sein kann. Der Kirche Geld opfern ist niemals sündhaft.

  212. ja aber können die...
    ja aber können die Waldorfschulen womöglich eine gute Alternative sein, wenn man an den ganzen Steinerkram nicht glaubt?

  213. @annasethe: danke für Ihren...
    @annasethe: danke für Ihren eindrucksvollen Bericht. Auch ich war in der ersten Klasse unterfordert, wenn auch nicht in so hohem Maße wie Sie. Später machte mir die Schule oft Spaß, abgesehen von den Erlebnissen, die ich hier anekdotisch geschildert habe, hatte ich noch eine Menge anderer.
    Aber da Sie zum Homeschooling neigen, möchte ich doch mal die Gelegenheit ergreifen, da einige deutliche Worte darüber zu verlieren.
    Ich halte nämlich die allgemeine Schulpflicht in öffentlichen Schulen für eine sehr sinnvolle zivilisatorische Einrichtung. Warum: weil sie die Macht der Familie über ihren Nachwuchs nicht total werden läßt. Das Kind wird dadurch der örtlichen Gemeinde präsentiert und lernt, sich zu dieser zu verhalten, es lernt, daß es auch noch eine andere Sphäre gibt als die der Familie unterstellte. Das ist nicht immer erfreulich, weil man dabei nicht immer nur willkommen ist und auf Leute trifft, von denen man etwas übernehmen kann, sondern auch auf Langweiler, Minderbemittelte, Böswillige, Abgerutschte, geistig Fehlformatierte, Schläger. Aber: die Schule, das sind „die anderen“. Eine familienfremde Macht. Die Gesellschaft. Und mit dieser muß man lernen qua Präsenz umzugehen, nicht nur per E-mail. Von Kind an.
    Deutlich gesagt, ich halte die Auflösung der Schulpflicht, wie sie von diversen Grüppchen aus verschiedenen Gründen betrieben wird, für einen gesellschaftlichen Rückschritt, so wie ich „Steuersenkungen“ und „Steuerwettbewerb“ derzeit für einen rückschrittlichen Blödsinn halte. Das kommt kurze Zeit den Reichen zu gute, aber nur kurze Zeit. Auf längere Sicht hingegen führt es zu Gated Communities welcher Form auch immer, also ins Dunkle Zeitalter.
    Aus demselben Grund bin ich auch dafür, daß sich die Verwaltung gegenüber Tierliebhabern durchsetzt, die meinen, ihren Ansinnen ohne Rücksicht auf die Lebensweise der Millionen Menschen um sie herum frönen zu können (http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E04FF90B2282B410C91F7706A7E385DB0~ATpl~Ecommon~Scontent.html).
    Wie mein Rostocker Kumpel in solchen Fällen zu sagen pflegt: „das geht ja garnicht.“
    Tut mir leid, aber wenn Sie auf Homeschooling bestehen, wird es hier für Sie auf absehbare Zeit keine Möglichkeit geben, zu wohnen.
    Aber ich unterstütze in diesem Fall die Gesetze voll und ganz, und bin nicht der Meinung, daß in Europa das Zeitalter bereits so finster ist, daß nur noch das Zurückziehen in die Höhle der Familie und des Clans ein Überleben möglich macht. Ein bißchen was von seiner Zeit muß man auch den örtlichen Mitmenschen opfern, ob man sie nun mag oder nicht.

  214. @specialmarke:...
    @specialmarke: („Hyperaktivität von Bildungswesen“) hm, also da kann ich jetzt allgemein nichts zu sagen. Nur meine eigene Erfahrung als Person dagegensetzen, die dagegenspricht: bei mir kommt das Aktivitätsgetriebe eindeutig aus dem familiären Umfeld. Vor allem meine Mutter ist rastlos tätig, tätig, tätig. „Von nichts kommt nichts!“. Schon, aber wie Sie so richtig sagten, gibt es das Loch vor der Idee, oder ein paar Wochen durchprogrammieren und dann eine Weile flachliegen. Das sind andere Rhythmen. Wenn sie denn zu Rhythmen werden. Aber jedenfalls bin ich lieber „faul“, sitze am Schreibtisch, und zeichne und denke. In Abständen brauche ich dann etwas Umgebungsinhalation. Das ist sehr, sehr anders als bei den meisten Leuten meiner Umgebung.

  215. @DA
    Orthodoxe Heiden?
    Also...

    @DA
    Orthodoxe Heiden?
    Also rechtgläubige Heiden?
    Vielleicht ist das ja gar keine contradictio in adiecto.
    Andererseits: Contraria contrariis curantur.

  216. das hängt wahrscheinlich mit...
    das hängt wahrscheinlich mit der ausbildung zusammen – gott (rk), gott (lu), gott (ort). so wie dipl.-ing. (uni), dipl.-ing. (th) und dipl.-ing. (fh).

  217. @Filou: Ja, doch, Notre Dame...
    @Filou: Ja, doch, Notre Dame paßt schon.

  218. Don Carlos, wo lerne ich auf...
    Don Carlos, wo lerne ich auf Gott (FH)? Ich will ja nicht so lange studieren.

  219. @colorcraze.
    Welchen...

    @colorcraze.
    Welchen Schulstoff man im Berufsleben auf alle Fälle braucht?
    .
    Genau drei Dinge:
    .
    Simple Englisch,
    den Führerschein und
    Microsoft Office.
    .
    Alles andere ist Bildungsluxus (zur sozialen Distinktion), den man entweder nie wieder braucht oder sowieso nochmal richtig studieren muß. Insofern könnte man durchaus, und ohne den „Standort DEutschland“ wirtschaftlich zu gefährden, wieder zur achtklassigen Volksschule als Normalschule zurückkehren.
    .
    Man könnte sich ein System vorstellen, dass schon die 14jährigen nach Studier- und Berufswünschen sortiert und ihnen jeweils genau das Minimalprogramm an gebrauchtem Stoff verordnet und dadurch zuverlässig 22jährige Ingenieure, Ärzte, Juristen und Betriebswirte produziert.
    .
    Das ist es, was die Industrie will und das ist es auch, was die Masse der CDU-SPD-FDP-Bürger insgeheim für ihre Kinder wollen (v.a. in den kleinen Städten): Bildung ist Berufsausbildung und sonst Zeitverschwendung.
    .
    Auch der Oberstufenreform der 70er Jahre lag ja genau dieser Gedanke zugrunde: Überflüssiges abwählen, um den Notenschnitt und damit die Chancen auf den gewünschten Studienplatz optimieren.
    .
    Unsere Lateinlehrerin aber hat uns geraten, genau diejenigen Fächer als Leistungskurse zu wählen, die wir später NICHT studieren wollen, weil das die beste Chance sei, etwas für die eigene Allgemeinbildung zu tun. Dafür bin ich ihr noch heute dankbar (auch wenn iweder vorher noch nachher Latein gewählt habe).

  220. @colorcraze, home educating...
    @colorcraze, home educating mit den Kindern von Nachbarn (so ca. 10) faende ich garnicht so verkehrt.

  221. Nicht doch, für so einen...
    Nicht doch, für so einen Abschluss empfehle ich die chapelle Ste Ursule de la Sorbonne, die alte Kollegienkirche der berühmten Pariser Universität, wobei die heutige Kirche der Nachfolgebau aus dem Barock ist. Richelieu hat den Neubau damals in Auftrag gegeben, wenn ich recht erinnere liegt er dort auch begraben. Nach einem Sturmschaden 1999 oder 2000 und weil die Kirche ohnehin im 19 Jahrhundert etwas pfuschig nach den Schäden der Revolution repariert worden war lief in den letzten Jahren eine umfangreiche Restaurierung.
    Vielleicht ist der Draht dort kürzer.

  222. @HansMeier555: Die...
    @HansMeier555: Die Waldorfschulen gehören – geschichtlich gesehen – zur Reformschulbewegung, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts überall in Deutschland höchst unterschiedliche Projekte hervorbrachte. Das 20. Jahrhundert sollte ja „das Jahrhundert des Kindes“ werden – man könnte allmählich mal Bilanz ziehen…
    Die Waldorfschulen kranken an der engen Verstrickung mit einer sektiererischen Glaubenslehre aus okkulten und christlichen Elementen, die das Geistesprodukt des Herrn Steiner sind; auch die Ästhetik der Schulbauten, der dort gelehrten Künste, sind nur ein Abklatsch seiner Zeit – dem Expressionismus. Wenn man dies alles wegnähme, blieben nur ein paar naturgefärbte Wollflocken und leinölgetränkte Greiflinge – ach ja, nicht zu vergessen (Eurythmie!): und flatternde Seidentücher…

  223. "Eine andere Frage...
    „Eine andere Frage interessiert mich: was braucht man eigentlich von der Schulbildung später wirklich noch?“
    .
    savall, es geht um ein stück papier, mit dem man beweisen kann, einen abschluss erreicht zu haben. ohne abschluss hat man hier zu lande schlechte karten.
    bildung ist eine höchstpersönliche sache, die ist individueller als alles andere. wer das will, muss sich selber darum kümmern, neugier spielt eine grosse rolle. zeit, musse, gute bibliotheken und gute gesprächspartner helfen sehr.
    lehrer können helfen, wenn sie die neugier nicht abtöten.

  224. @DA: da bin ich ja neugierig,...
    @DA: da bin ich ja neugierig, was man in Bayern (für mich ein fremdes Land) unter „orthodoxen Heiden“ versteht. Ich selbst würde darunter ja eher verschiedene DDR-Bürger verstehen, die einen weiten Abstand zu jeglicher Religion haben. Gewiß gibt es auch noch andere. Aber die genannte ist eine sehr zivilisierte Sorte.

  225. @Filou: aber das ist doch...
    @Filou: aber das ist doch nichts anderes als Stadtviertelschule minus Offenheit auch für arme Tröpfe.

  226. HM555 (19:57), wird in Holland...
    HM555 (19:57), wird in Holland bereits ungefaehr so gemacht. Funktioniert.

  227. @Filou
    .
    Hoffentlich nicht die...

    @Filou
    .
    Hoffentlich nicht die Klagemauer.

  228. Filou, nur in...
    Filou, nur in mecklenburg-vorpommern. in den anderen ländern gibt’s den studiengang nur als BA (bologna-reform usw.).

  229. @HansMeier: Das weiß ich...
    @HansMeier: Das weiß ich wohl, daß die Eltern vor allem die Berufsausbildung im Kopf haben („Du heiratest doch nur“ hat sich mir TIEF eingeprägt). Es ist auch richtig, dies nicht zu vernachlässigen und dies auch in einem hohen Maße zu berücksichtigen. Aber, wie Sie ja selbst erlebt haben, muß Schule ein Stück weit auch über den örtlichen Suppentellerrand hinausreichen. Ich selbst konnte jahrzehntelang nichts mit meinem Lateinunterricht anfangen; war mir ziemlich wurscht, aber ich hatte es halt als „bißchen Kunst als solche“ abgeschrieben. Auf einmal merkte ich, daß ich das durch das Übersetzen und Satzstellungen ausknobeln gelernte Denken, mit anderen Strukturen umzugehen und diese zu analysieren, verdammt gut zum Verständnis von Programmiersprachen brauchen konnte. Manches kann man wirklich nicht brauchen. Aber manches zahlt sich auch erst nach längerer Zeit aus. Und manchmal die seltsamsten Sachen. Für meinen Vater vielleicht, daß er eine Lehrerin hatte, die der Klasse berühmte Liebespaare in der Literatur näherbrachte. Mitten im Krieg. Ich glaube, das hat gegen Verrohung und Zynismus geschützt.

  230. @Prince Matecki: Sie haben...
    @Prince Matecki: Sie haben völlig recht, das ist noch weit besser!!

  231. passt zwar nicht zum thema:...
    passt zwar nicht zum thema: aber da viele neue kommentatoren im blog sind ein hinweis auf das „theaterstück“ in stuttgart.
    http://www.swr.de/blog/terrorismus/?p=2569
    warum nur berichten die zeitungen nicht darüber.
    @prince matecki
    als einziger mit dezidiert geäußerter militärischer ausbildung. möchten sie nicht mal was dazu sagen?
    @Bassorider
    danke für den beitrag

  232. 'römisch-katholisch' wird...
    ‚römisch-katholisch‘ wird doch eigentlich das anlegen mit dem heck an die pier genannt. oder, Filou, ollen seebär?

  233. Hat schon jemand mal darauf...
    Hat schon jemand mal darauf hingewiesen, dass das Römische Reich seinen wohlverdienten Untergang nicht zuletzt seiner Unfähigkeit verdankte, ein seiner Bedeutung angemessenes Bildungswesen zu entwickeln?

  234. hans meier,
    "Man könnte sich...

    hans meier,
    „Man könnte sich ein System vorstellen, dass schon die 14jährigen nach Studier- und Berufswünschen sortiert und ihnen jeweils genau das Minimalprogramm an gebrauchtem Stoff verordnet und dadurch zuverlässig 22jährige Ingenieure, Ärzte, Juristen und Betriebswirte produziert.“
    .
    wieso könnte? aber genau das läuft doch derzeit ab.
    ich nenne es das verdummungs- und verarmungsprogramm (wenn der 22-jährige bachel-ing nicht mehr soviel kann, auch nicht mehr soviel an fähigkeiten braucht, wie ein maschinenschlosser-geselle vor dreissig jahren, warum im dann dasselbe bezahlen) das zu aller perfidie hin semantisch geschickt als bildungspolitik verkauft wird.

  235. @specialmarke: dem, den ich...
    @specialmarke: dem, den ich als Waldorfschüler kannte, war eine gewisse Waldschratigkeit eigen.

  236. @DA
    bei ihrem kampf gegen...

    @DA
    bei ihrem kampf gegen s.p.on. sollten sie bedenken, dass das mal eine gute zeitung war:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13528772.html
    btw: wie war es eigentlich in den 80ern auf der anderen seite der schützengräben?

  237. @b4
    .
    Die Piusbrüder das...

    @b4
    .
    Die Piusbrüder das Problem trotz Zölibat irgendwie nicht. Wenn die RKK Priester braucht, bitte, da sind sie.
    .
    Und überhaupt ist es nicht die Kirche, die das Nachwuchsproblem hat, sondern die abendländische Gesellschaft.

  238. Prima, da passen sie...
    Prima, da passen sie hin!
    .
    bertholdIV, ich helfe beim Druck machen, dass sie wieder besser werden.

  239. savall: stimme Ihnen zu: und...
    savall: stimme Ihnen zu: und hellen Faulpelze beibringen, sich ein bisschen anzustrengen.
    .
    filou: St Expedit, gleich wo: expeditive Lösungen für aussichtslose Fälle.
    .
    Waldorf als Salat ist doch ganz hübsch.

  240. @b4: ach Gottchen, die...
    @b4: ach Gottchen, die Verheiratetenweihe – das ist doch schon seit 500 Jahren das Gejaule der deutschen Katholiken, meinen Sie, das käme nun ausgerechnet heute durch?

  241. @hansgeier333: Anbei die...
    @hansgeier333: Anbei die gewünschten Handreichungen für Exorzisten…

  242. Ein wirklich schöner Beitrag,...
    Ein wirklich schöner Beitrag, vielen Dank! Meine Nichte z.B. ist 16 Jahre alt und am Gymnasium in einem G8 Jahrgang. Neulich fragte ich meinen Bruder so: Hat das Mädchen eigentlich inzwischen mal einen Freund? Und ich bekam eine sehr plausible Antwort: Nein, dafür hat sie leider keine Zeit. Und da frage ich mich irgendwie schon: Ist das nicht ein sehr hoher Preis für ein Abitur nach 12 Jahren?

  243. liebe colorcraze,
    Meine Eltern...

    liebe colorcraze,
    Meine Eltern wurden auch zu Hause unterrichtet, mein Vater statt der Volkschule (er kam dann fürs Gymnasium in ein sehr strenges katholisches Internat, in dem er sehr ungern war) und meine Mutter war nie in einer Schule. Sie war dennoch sehr sozial, an anderen Menschen interessiert, allerdings sehr einseitig musisch-sprachlich orientiert, mit großen Wissenslücken in den Realien. Außerdem sehr individualistisch, eigensinnig und ein bißchen anarchisch; und an mich hat sie weitergegeben, daß man Lehrer nicht todernst nehmen muß, was in meiner Schulzeit anfänglich zu ein paar Komplikationen aber weiterhin zu angenehmer innerer Freiheit geführt hat.

  244. Das ist wohl der Grund für...
    Das ist wohl der Grund für den Erfolg von Schuelervz und Browserspielen: Weil es schnellm zwischendrin während des Lernens geht. Freunde finden, reden, flirten… Alles ausser Sport.

  245. @b4: mir hat nur mal ein...
    @b4: mir hat nur mal ein damals in Mutlangen stationiert gewesener Ami erzählt, es seien einige innerhalb abgedreht. Ansonsten habe er aber nicht so ganz verstanden, warum sich die Demonstranten ausgerechnet über die Pershings so aufgeregt hätten, denn das seien doch die kleinen Kaliber für ein paar Häuschen gewesen und nichts, womit man eine Stadt hätte ernsthaft angreifen können.

  246. Ja und die Eltern erlauben es,...
    Ja und die Eltern erlauben es, im Gegensatz zu Facebook. Das liegt wohl daran, dass man bei SchuelerVZ nicht so einfach reinkommt, wenn man kein Schüler ist… ich glaube nur über Einladung oder so?

  247. Abi-12.
    Nö, ich kann wirklich...

    Abi-12.
    Nö, ich kann wirklich nicht verstehen, was daran so schlimm sein soll.
    Bei uns wurde das letzte halbe Jahr nur noch Allotria getrieben.
    .
    Und all die Jahre davor habe ich (obwohl ich eher der Strebertyp war, mit entsprechend guten Noten) im Schnitt auch nicht länger als eine Stunde Hausaufgaben täglich gemacht. Dass ich für irgendwas nachmittagso keine Zeit gehabt hätte, „weil ich lernen musste“, tut mir leid, kann ich mich nicht daran erinnern.

  248. icke, bei aller Liebe, aber so...
    icke, bei aller Liebe, aber so weit will ich nicht. Ich will doch dann jauchzen und trinken. Das geht doch nicht im Flugzeug.
    .
    princeMatecki, gute Idee. Muss aber die Kirche vorher ansehen. Die kenne ich noch nicht. Oh, was ich alles nicht kenne.
    .
    Don Carlos, in Mittelmeerhaefen ist das gebraeuchlich. Weiss garnicht, wie das geht. Wollte deswegen schon mal Grimaldeli fragen. Grimaaaaaaaaaaldeliiiiiiiii!
    .
    HM555, vor zwanzig Jahren hinterliess ich dort ein Briefchen. Nix, gar nix. Der Mann scheint ein Antiphilosemit zu sein.
    .
    (Weil ich gerade dabei bin: Moshe will Sprecher im Rundfunk werden. Er bekommt eine Einladung zum Probesprechen. Moshe geht hin.
    Na, fragen die Freunde, nachdem Moshe zurueck ist, wie war’s?
    Nix war, sagt Moshe, aaa…llles…Aaa…aaa…nti…se…mmmmm…iten!)

  249. @berthold IV: ja sie haben...
    @berthold IV: ja sie haben recht – auch der Landrat wurde jetzt aus der CSU gestellt mit den schwarzen Stimmen aus Sulzbach – er ist ein ehemaliger Klassenkamerad. Vorher war mein Großonkel 24 Jahre lang Buergermeister als roter im schwarzen Bayern. Seitdem die dortige Maxhuette geschlossen wurde brauchts auch keine Arbeitervertretung mehr. Und das Essen beim Sperber wo Claudia Roth manchmal bedient war Weihnachten auch so lala…

  250. also mir hat es in Rupp-hausen...
    also mir hat es in Rupp-hausen gut gefallen, und geschadet hat es den meisten nicht. Und eins ist ja wohl klar: besser im Gym mit Donaublick als im Atomschutzbunker beim Kreuztor

  251. @Werter Savall
    Ich hatte ja...

    @Werter Savall
    Ich hatte ja insgeheim gehofft, dass mehr Widerspruch kommt und auch mehr Erfahrungsberichte kommen, die da sagen „Bei uns war die Schule toll, wir hatten gute Lehrer und sind gern hingegangen etc.“. Leider sieht die Realität anscheinend anders aus. Deshalb loben Sie zu Recht Ihren verflossenen Geschichtslehrer Nebrich, denn die wenigen Guten kann mich nicht oft genug preisen.
    *
    „Eine andere Frage interessiert mich: was braucht man eigentlich von der Schulbildung später wirklich noch?“
    *
    Da muss ich ja gestehen, dass ich, was ich nie gedacht hätte, auch Marx noch gebrauchen konnte. Ich habe nämlich – das sei hier preisgegeben- an einer Westdeutschen Uni u.a. Soziologie studiert. Und ich kann mich an ein Seminar erinnern, in dem wir einen Text von Marx lesen und interpretieren mussten und es herrschte betretenes Schweigen. Da habe ich das ratzfatz und ohne groß zu Überlegen in Basis und Überbau zerlegt, dass den anderen die Kinnlade nach unten klappte (na ja, gelernt ist halt gelernt).
    *
    Was allerdings, bei der anwesenden Westmarxistenfraktion zu dem Irrtum führte, ich wäre eine der ihren. Damals war das so, entweder man war links und kannte sich mit Marx aus oder man hatte mit Marx nichts am Hut und auch nichts von ihm gelesen. Den Zahn habe ich denen sehr nachhaltig gezogen.

  252. @Foersterliesel: das ist...
    @Foersterliesel: das ist interessant. Was war das für eine Gegend, in der Ihre Mutter aufwuchs? Sehr abgelegen? Bei mir war es so, daß auf jeden Fall schon meine Urgroßeltern in der Volksschule waren, obwohl der Hotzenwald auch nicht gerade die urbane Gegend ist.

  253. In Amiland läuft grade eine ...
    In Amiland läuft grade eine Diskussion um diese chinesische Tiger-Mama, die laut damit angibt, dass sie ihre Kinder mit klassischen Hau-ruck-Methoden dazu gebracht hat, KLavier (oder Geige?) perfekt zu lernen und ausserdem überall nur Bestnoten zu schreiben (bei einer eins minus gab es gleich Taschengeldentzug oder so).
    Jetzt debattiert ganz Amerika aufgeregt darüber, ob und warum so eine Erziehung nicht nachahmenswert ist. Auch in der NYT.

  254. @Don Carlos
    Ja, dass ist...

    @Don Carlos
    Ja, dass ist richtig
    @Filou
    Is nich so zu empfehlen. Der Bug wird meist mit ner Mooringleine fest gemacht, und über die muß man ja erst mal drüber, mit der Schraube. Außerdem finde ich es nicht so doll, wenn mir jeder auf den Frühstücksteller kucken kann.
    http://www.skipperguide.de/wiki/Anlegen_mit_dem_Heck_zur_Pier
    Und damit gebe ich den Kanal 16 wieder frei und melde mich aus dem Funkverkehr ab.

  255. @Foersterliesel: nicht daß...
    @Foersterliesel: nicht daß das irgendwie im Ton falsch rüberkommt (schriftlich fehlt immer die richtige Betonung): an Ihrem Beitrag sehe ich, daß es in Österreich offenbar anders war als in Deutschland. Weshalb mich die näheren Umstände interessieren, und da tippe ich halt wegen der höheren Berge erstmal auf verkehrsmäßig wenig erschlossen damals.

  256. liebe colorcraze,
    es war die...

    liebe colorcraze,
    es war die Zeit um den 1.WK, auf dem Land, aber nicht abgelegen und da bereits allgemeine Schulpflicht bestand mußten die Kinder Externistenprüfungen ablegen; eine ältere Schwester kam auch ins Internat, meine Mutter (die Jüngste) wollte nicht. Sozialisiert wurden die Kinder in einem großen Haushalt mit Hilfen und Gästen, unterrichtet von (wechselnden) Hauslehrerinnen.

  257. BertholdIV, dies hier passt...
    BertholdIV, dies hier passt sicher noch in Ihre Raupensammlung (Gysi):
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6297714

  258. Windsbraut, kommen Sie mal...
    Windsbraut, kommen Sie mal rueber auf die 10?
    .
    Ok, vielen Dank. Das hatte ich auch befuerchtet. Aber bei den anderen scheint das Routine zu sein. Die haben da einen Trick, den ich nicht kenne.
    Goede reis verder. Thank you. Over and out.
    .
    Auf 16: Scheveningen Radio, Scheveningen Radio, dit is Lawrenti Berija op 16. Kunt U mij horen…………….?

  259. Mein Vater lud ab und zu seine...
    Mein Vater lud ab und zu seine beruflichen Freunde in unser Gartenhaus ein, allesamt Stützen des alten rheinischen Kapitalismus, der mit dem Fall der Mauer und dem Regierungsumzug nach Berlin entschwunden ist. Mein Vater zauberte seine berühmten Bratkartoffeln auf dem Kohlenherd und wir Kinder durften bei dieser Gesellschaft zumindest zeitweilig dabei sein und Getränke servieren. Natürlich lauschten wir den Gesprächen dieser Herren über Gott und die Welt. Helmut Schmidt wurde zum Beispiel damals lange nicht so verehrt wie heute. An vieles erinnere ich mich noch sehr gut, man unterhielt sich eines Abends über einen vielversprechenden jungen Doktor, den man einzustellen gedenke. Leider habe dieser junge Mann keinerlei Manieren und seine Bildung sei recht mangelhaft.
    Dieser junge Doktor ist mittlerweile Vorstand in einem großen Unternehmen und nebenbei Honorarprofessor an einer namhaften deutschen Universität. Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen bei einem Abendessen neben ihm zu sitzen. Er erzählte von seinem Vorlesungen an der Uni und –richtig- er beklagte die schlechten Manieren und die dürftige Allgemeinbildung seiner Studenten.
    .
    Derzeit beliefere ich drei verschiedene Schulen mit eigenen Kindern. Mal sehen was draus wird.

  260. @windsbraut: ach, ich glaube,...
    @windsbraut: ach, ich glaube, Sie sehen das ein wenig zu pessimistisch, weil halt Anekdoten plakativ sind und es immer Auseinandersetzungen gibt. Aber Auseinandersetzungen müssen ja auch stattfinden können – im luftleeren Raum ist das schwerlich möglich. Die meisten Lehrer, die ich hatte, würde ich zwischen gut bis mittelmäßig einstufen. Mit unserer langjährigen Klassenlehrerin (Latein) hatten alle ein gutes Verhältnis, sie war so ein Mittelding aus freundlich, streng, nicht zu persönlich, Dinge ins richtige Verhältnis setzend. Ihren Mann hatte ich als LK-Deutschlehrer, der war auch gut. Daß ich von einem nichts gelernt hätte, kann ich nicht behaupten, auch wenn es in wenigen Fächern zeitweise nur war, die langweilige Zeit totzuschlagen, ohne die anderen zu stören. Aber daß einem ab und an ein Lichtlein aufging, weil man was begriffen hatte, wie soll man das adäquat beschreiben? Daß man sich durch den Austausch mit Mitschülern und zeitweilige Distanz zum Elternhaus verändert, an was kann man das messen? Ich kann nur sagen, daß Schule für mich ein Luftloch war, um der Klaustrophobie, die mich im Elternhaus unweigerlich befallen hätte, zu entkommen.

  261. Berija? Feinschmecker...
    Berija? Feinschmecker unterwegs, muss schon sagen. Georgisch-katholisch.

  262. Vielleicht noch eine positive...
    Vielleicht noch eine positive Stimme zur Schulzeit. Also meine Penne, (gegründet 15xx), versuchte gegen alle bildungspolitischen Stürme der Zeit das alte humanistische Ideal hochzuhalten. Wir wurden von der offiziellen Politik gegenüber der benachbarten neu gegründeten Gesamtschule gnadenlos benachteiligt, was entsprechende Abwehrreflexe des Westviertels hervorrief. Gut, man konnte es sich leisten, den fehlenden Chemielehrer durch einen Assistenten der Uni zu ersetzen, weil der Chemieprofessor zufällig seine Kinder auch auf der Schule hatte. Aber es hat sich uns schon eingeprägt, den Mangel an Ausstattung und Lehrern irgendwie wegzuimprovisieren. Das Gefühl, einer bedrohten, aussterbenden Art anzugehören, schweißte Lehrer und Schüler zusammen. Ich hatte in der Oberstufe ein Sortiment von Lehrern in Deutsch, Geschichte, Kunst, Musik, Latein, Griechisch, Philosophie, Religion, das war faszinierend. Fast alles ältere Herren, kurz vor der Pensionierung, die es tatsächlich verstanden, die Fächer zusammenwachsen zu lassen und ihre eigene Begeisterung zumindest auf einen Teil von uns zu übertragen und uns ihr Bild von abendländischer Kultur zu vermitteln. Mathe und Naturwissenschaften konnte man in diesen Jahren vergessen, aber man kann nicht alles haben. Solche Dinge kann man ja auch im Studium nachholen. Mein jüngerer Bruder, hat, fünf Jahre später, diese Lehrer nicht mehr erlebt, dafür aber eine jüngere Generation, die sich nun in den Naturwissenschaften hervortaten. Nicht nur die eigenen Schulerfahrungen sind Momentaufnahmen, ich glaube auch der angebliche „Geist“ oder das „Ideal“ einer Schule sind permanent im Wandel.

  263. Lieber Meier, das Boot hiess...
    Lieber Meier, das Boot hiess tatsaechlich einige Wochen so. Ich liebe sinistre Scherze. Nachdem wir diese Idee genuegend bekichert hatten, wurde es umgetauft und neu angemeldet. Es erhielt einen Namen, der etwas mit anglikanischen Pfarrersfrauen und (natuerlich) mit Oigoihoi zu tun hat. Wer den Namen erraet, bekommt von mir das letzte Glas meines 30-jaehrigen Calvados. Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

  264. @HansMeier: leider finde ich...
    @HansMeier: leider finde ich den Link dazu nicht mehr, aber es war neulich der Prozeß von dem Brandenburger, der irgendwann Vater und Mutter erschlagen hatte, weil sie ihn zwar in die Schule gehen ließen, aber ihm sonst jegliche Beziehungen außer Haus abspenstig machten. Das war, anders als der Tigermama-Roman, keine Fiktion.
    @Försterliesel: aha, Hauslehrerinnen. Hm. Ob und wann es solche in D gab, weiß ich garnicht. Meine Oma erzählte mehrfach, daß die Professorengattin, bei der sie eine Zeitlang „in Stellung“ war, ihr etwas Französisch und Englisch beizubringen versucht hätte. Aber von einer Hauslehrerin habe ich weder sie noch eine Großtante, die in der Schweiz in einem Haushalt gearbeitet hatte, je reden hören. Ich kann mich nur erinnern, wie meine Großeltern und auch andere dieser Generation über die Verlängerung der Schulpflicht um diverse Jahre sprachen, wobei sie ihre Zeit (7 Jahre Mädchen, 8 Jahre Buben) hervorhoben. Allerdings gehörte der Hotzenwald zu Baden, und das war ziemlich „progressiv“. Von meiner Oma ist nach Unterlagen anzunehmen, daß sie als Kind bei Verwandten wohnte, um dort zur Schule gehen zu können. Das war auch so um/vor WK1.

  265. @ DA: mit den ...
    @ DA: mit den „lutheranischen Ketzern “ von h 18:48 kann ich ja nun gar
    nichts anfangen, den „orthodoxen Heiden“ habe ich nach codizil h 19:26
    auch nicht viel hinzuzufügen, aber warum die hochwohllöbliche RKK in
    Münster immer noch drei beste lmmobilienlagen mit toller Aussicht in der
    lnnenstadt hat entzieht sich völlig meinem Verständniß. mfG. T.

  266. Diese fiese Tiger-Mama trifft...
    Diese fiese Tiger-Mama trifft nicht nur bei den AMis einen Nerv: Einerseits haben wir uns alle schon vor langer langer Zeit entschlossen, unsere Kinder keinem solchen Paukzwang unterwerfen zu wollen, aber insgeheim bleibt doch immer die Frage, ob es nicht doch irgendwie das beste wäre.
    .
    Dann gäbe es auch endlich mal wieder ein wenig Kammermusik in bürgerlichen Haushalten.

  267. Eine Gelegenheit mal gegen die...
    Eine Gelegenheit mal gegen die Gewohnheit was Gutes über Amiland sagen.
    .
    Es gibt dort sogar in normalen Wohnvierteln (Mittelklasse natürlich, aber keineswegs nur die obere Mittelklasse) staatlich finanzierte Mittelschulen, die denen, die es wollen, ein hohes Niveau anbieten. Die meisten Schulfächer werden in verschiedenen Schwierigkeitsgraden angeboten und wer will, kann überall die schwerste Stufe wählen und erhält dann eine Bildung, die hinter deutschen Gymnasien nicht zurückbleibt. (Wer das tut? Die Einwandererkinder: Chinesen, Russen, etc.)
    .
    Aber die meisten Schüler sind halt nicht so ehrgeizig und bohren lieber nur dünne Bretter, wählen alles ab, was streßt. Und so werden die Entscheidungen zum Bildungsweg, die in Deutschland immer noch der Obrigkeitsstaat trifft (Gymnasialempfehlung, Benotung) in Amiland den Schülern selber auferlegt: Will ich mir den Stress machen, will ich wirklich später studieren? Womöglich ist das weniger frustrierend.

  268. bertholdIV (21. Januar 2011,...
    bertholdIV (21. Januar 2011, 20:29) Auf den ersten Blick ist die Antwort naheliegend. Die Sache liegt so weit zurück, dass ein Großteil der Erwachsenen und Journalisten Baader-Meinhof und RAF nur noch vom Hörensagen kennen und sie das Thema deswegen nicht sonderlich interessiert. Andererseits ist dieser Fall schon erstaunlich. Die Tatsache, das er wieder aufgegriffen wurde, lässt schließen, dass ausgerechnet bei der Aufklärung des Mord am Bundesstaatsanwalts seinerzeit nicht saubere Arbeit geleistet wurde…. Warum?

  269. @colocraze – Die Tigermama...
    @colocraze – Die Tigermama hat keinen Roman geschrieben, sondern ein Sachbuch in dessen Vorwort festgehalten wird:
    ‚Mit diesem Buch versuche ich dem normalen europäischen Bürger mit etwas Humor zu erklären, wie Europa politisch funktioniert und was aus welchen Gründen geändert werden muss. Was ich in den Teilen I, III, Sektion 1 von Part V und Teil IX beschrieben habe, kann ich jederzeit in dieser Form vor einem Gericht bezeugen. Der Rest ist eine Mischung aus ein wenig Spielerei und einer Menge, zum Teil sehr harter Realität.’

  270. Lernen die Kinder in China...
    Lernen die Kinder in China eigentlich noch die Lehren des großen Führer Mao?

  271. Sicher. und das ist auch kein...
    Sicher. und das ist auch kein Problem. Der Totalitarismus des 20. Jahrhunderts – Kommunismus, Faschismus und Kapitalismus, siehe „alternativlos“ – ist ein Baukastensystem mit Modulen, die überall passen.

  272. Ja, Papierchen müssen sein,...
    Ja, Papierchen müssen sein, auch-einer, das ist eben in unseren Zeitläuften so. Ich will auch gar nicht über ein neues Schulsystem reden oder dergleichen. Was mir im Rückblick auffällt ist, daß es in den von mir genannten Fächern, Sprachen, Musik, Mathematik, gern etwas mehr Leistungsdruck hätte geben können. Den Wert dieser Fächer konnte ich damals nicht beurteilen und sie sind im Selbststudium schwer nachzuholen. Jetzt fehlt mir dort manches. Ich plädiere natürlich nicht für eine Paukschule oder gewalttätige Lehrer. Physische oder psychische Gewalt stehen sich übrigens im Effekt kaum nach. Was ich zurückblickend gern hätte, wäre eine Schule, die weniger Faktenwissen als vielmehr Kompetenzen vermittelt. Haben Sie eigentlich das große Latinum, Don Alphonso? Und wenn nicht, haben Sie es bei der Kunstgeschichte vermißt? Ich stolpere jedenfalls in der Historie permanent über Sprachprobleme. Sehr ärgerlich das alles.
    .
    Im großen und ganzen kann ich nichts schlechtes über meine DDR-Schule sagen, windsbraut. Es war kleinstädtisch bis dörflich, alles ideologisch sehr entspannt. Was völlig fehlte und mich im nachhinein wundert ist das Fehlen eines völlig bösartigen Lehrers, wie sie hier so vielfach geschildert wurden. Es gab ein paar richtig gute. In die Russischlehrerin waren wir alle verliebt und hatten deshalb glänzende Noten. Ich hab es sogar mal zu einer Russischolympiade geschafft. Dann gab es ein paar Inkompetente und Langweiler, aber böse war keiner. Es gab auch keine „Vorfälle“ bei denen die „zuständigen Organe“ auftreten mußten. Es war einfach langweilig, straight und ein bißchen nutzlos. Marx und Engels sind übrigens abseits des Zivilkultes und der ideologischen Vereinnahmung richtig gute Autoren. Versuchen Sie nur mal das Manifest, den 18. Brumaire des Louis Bonaparte oder Engels‘ Artikel zum Amerikanischen Bürgerkrieg und zu 70/71 ohne Marxismus zu lesen. Das ist elegante Literatur vom feinsten. Ich glaube zum Beispiel, wenn Don Alphonso und Engels sich zum Tee getroffen hätten, dann hätten sich die beiden blendend verstanden.

  273. @newhere - ich denke dazu...
    @newhere – ich denke dazu haben sie keine Zeit mehr. Heute lernen sie stattdessen Englisch. Was mein Buch betrifft, haben die Tigerbabies es nicht nur (in Teilen) gelesen, sondern auch aktiv mitgeholfen:
    ‚Die letzten achtzehn Jahre waren manchmal sehr schwierig. Dass ich trotzdem meinen Humor nicht verloren habe, ist die Leistung meiner Töchter Sonja und Katrin, und meiner Neffen Friedrich und Tilmann. Ihnen und ihrer Generation sei dieses Buch gewidmet.‘

  274. windsbraut, ganz ehrlich, ich ...
    windsbraut, ganz ehrlich, ich fand Ihre und Annasethes darstellungen so abstrus, klischeehaft und nicht nachvollziehbar, daß ich mich durch eine anderslautende darstellung nicht dem vorwurf der systemnähe oder der mitläuferschaft aussetzen wollte. es war sicher nicht alles toll, einiges war durchaus lästig, aber mit ein wenig arsch in der hose gab es durchaus möglichkeiten zur selbstentfaltung. es war eine gute vorbereitung, selbst für die damals nicht absehbar bevorstehenden bewegten zeiten und ist immer noch eine gute erinnerung an eine gemeinsame jugend mit leuten, die heute über die halbe welt verstreut sind.

  275. Interessant, quasi eine...
    Interessant, quasi eine Transferleistung.

  276. @HansMeier555
    Mein Filius...

    @HansMeier555
    Mein Filius macht gerade Abitur und darf nichts abwählen. Nein, das sächsische Abitur ist anspruchsvoll und der Abischnitt „1“ ist kaum noch erreichbar, allerdings ist die Gefahr durchzufallen ebenfalls gering. Wohin das führt, ich habe keine Ahnung.

  277. "Der Totalitarismus des 20....
    „Der Totalitarismus des 20. Jahrhunderts – Kommunismus, Faschismus und Kapitalismus, siehe „alternativlos“ – ist ein Baukastensystem mit Modulen, die überall passen.“
    .
    das ist nicht ganz abwegig. eben wird hier zu lande alles von der ddr übernommen, was der zurichtung der massen auf die generierung von unternehmensgewinnen förderlich ist. sonderbarerweise oder bezeichnenderweise ist das ein projekt der cdu und der dort vorhandenen angeblich fortschrttlich, zeitgemäss und soziel eingestellten kreise, gerne frauen, ja, gattinnen, speziell eine frau von der leyen.

  278. @Don
    .
    Das dürften die...

    @Don
    .
    Das dürften die Eppelmänner aber anders sehen.
    .
    Neulich hab ich mal gehört, dass in chinesischen Fernsehtalkshows u.a. ernsthaft und vernünftig über die Frage diskutiert wird, wer für die Jugend das bessere Vorbild sei: Pawel Kortschagin (der positive Held aus dem stalinistischen Jugendbestseller „Wie der Stahl gehärtet wurde“) oder Bill Gates, der Gründer der Microsoft Company.

  279. Lieber Tiger,
    bei allem...

    Lieber Tiger,
    bei allem schuldigen Respekt, Ihr Buch meinte ich nicht.
    Bitte grüßen Sie lieb ihre Töchter von mir, und lassen sie sie kräftig Klavier üben.

  280. @filou
    danke. das passt auch...

    @filou
    danke. das passt auch dazu
    @colorcraze
    natürlich kommen die damit nicht durch, aber was kümmert sich die övp oder die cdu um die zahl der priester der rkk.
    ausserdem wie schon gesagt, piusX priester gibt es genug
    @DoktorBenway
    „@berthold IV: ja sie haben recht – auch der Landrat wurde jetzt aus der CSU gestellt mit den schwarzen Stimmen aus Sulzbach – er ist ein ehemaliger Klassenkamerad.“
    Das absolut schmutzige war ja das ausbreiten des Privatlebens des roten Vorgängers im neuen Tag. jetzt schweigen über den neuen landrat, den „junggesellen“, obwohl wie mir meine freudne aus rosenberg erzählen…
    was da gegen den letzten landrat in der lokalen „schwarzen“ presse gelaufen ist, das war m.e. schon äußerst derb – bierzeltraufereien mit der landratsgattin etc. –

  281. banal, aber sehr wahr. Ich...
    banal, aber sehr wahr. Ich kann bis heute nicht feststellen, daß meine Schulausbildung aus den 70-er Jahren qualifzierter gewesen wäre als die heutige. Eher im Gegenteil. Dank PC, straffesten, mehr oder weniger zentralisierten Lehrplänen und Bewertungsschablonen wird heute exakter und genauer gearbeitet. Da konnte man sich damals doch durch entsprechende Taktik um so Manches leichter drücken. Auch die schon ausführlich beschriebene Bewertungswillkür, die wir auf allen Ebenen heftigst erlebten, scheint durch diese Schematisierung deutlich eingeschränkt. Lächerlich und wenig nutzbringend bleibt natürlich der ständige Aktionismus, was die sogenannten Bildungsinhalte angeht. Vergessen wir aber nicht, unser Schulsystem entwickelte sich aus militärischen Strukturen, was sich z.B. in Frankreich heute noch deutlicher widerspiegelt als in Deutschland. Pädagogischer Fortschritt – und so lange gibt es diese Wissenschaft ja noch gar nicht – braucht nicht nur Erkenntnis, sondern auch seine Zeit.

  282. Passend zur Blogkonferenz...
    Passend zur Blogkonferenz
    FAZ-Print: Feuilleton: Samstag, 22.Jan.2011:
    Wie die Tigermutter ihre Kinder zum Siegen drillt.

  283. Die Vergangenheit der...
    Die Vergangenheit der Zukunft:
    …der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Herrenrasse

  284. Der promovierte Deutschlehrer...
    Der promovierte Deutschlehrer war absolute Spitzenklasse an der Abendschule. Von Sokrates, Plato, Cäsar, über die Merseburger Zaubersprüchen, W. v. d. Vogelweide, über Gryphius, Melanchthon, Schiller, Goethe, Kleist, Fontane , Hauptmann, Döblin, Kafka, Jünger, Hemingway, Flaubert, Baudelaire, Verlaine, Proust etc. hatte er so gut wie nichts ausgelassen an Einführungen und Beispielen in den Kanon der „Unsterblichen“.
    Er hielt uns an, als gestandene, tagsüber hart arbeitende Burschen mit verteilten
    Rollen Faust mündlich vorzutragen, (hi, hi, ich als Gretchen).
    Der Geschichtslehrer konnte ihm ebenso das Wasser reichen, die Entwicklung des Faschismus und seine geistigen Wurzeln, samt dessen Ende, wurden schonungslos analysiert.

  285. Die Erfahrungen einer...
    Die Erfahrungen einer Schulzeit in der DDR sind gewiss individuell sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass nach dem Bau der Mauer eine Stabilisierung des Systems eintrat, sodass bei vielen Menschen Resignation und Fatalismus (es ist wie es ist, machen wir das Beste daraus) Raum griff.
    Unbestreitbar ist, dass Bibliotheken von Unliebsamem gesaeubert wurden, das geistige Erbe Deutschlands den Erfordernissen des ideologisch fundierten Staates angepasst, notwendige, aber unliebsame Wissensteile durch Surrogate verfangen, wurden, um mit einem derartig geklitterten Grosswissen ein abgerundetes Gesamtbild vorzutaeuschen. Nach einigen Jahren faellt das Fehlen der soliden Bauteile nicht mehr auf. Man wundert sich ueber Fehlfunktionen, findet die wirkliche Ursache wegen Vegessens oder Versteckens nicht und schiebt die Schuld auf irgendetwas anderes. Diese schlampige Methodik funktioniert in geschlossenen Systemen solange gut, wenn externe Einflussgroessen fern gehalten werden. Dennoch bleibt das Gebaeude instabil und muss Erschuetterungen fuerchten. Dennoch nagt der Zahn der Zeit am Moertel, irgendwann bricht alles zusammen.
    Die 89er Wende war ja nun keineswegs durch den Ruf nach geistiger Freiheit zu Stande gekommen. Es war ein Ruf nach Freiheit, aber nach materieller Freiheit; Reisefreiheit, Konsumfreiheit, Freiheit vom Dirigismus. Die Freiheit des Geistes ist dagegen ein geringes Gut, eine Angelegenheit von originellen Denkern.
    Unter diesen Aspekten ist es durchaus moeglich, die Schulen der DDR im milden Licht einer 40-Watt-Funzel gnaedig zu betrachten.

  286. ...ausserdem sollten wir uns...
    …ausserdem sollten wir uns angewöhnen die FAZ (vor allen die Kolumnen) zu lesen, neben dem Spiegel.

  287. Ein Onkel von mir (Bauer im...
    Ein Onkel von mir (Bauer im Osten) sagt über seine, wirtschaftlich geschickter agierenden, Bauernkollegen immer, diese hätten den Marxismus-Leninismus rückwärts studiert.

  288. liebe colorcraze,
    Ihr...

    liebe colorcraze,
    Ihr Nachfragen ist ganz in Ordnung, ich leide nicht unter den bei uns (eher bei Älteren) verbreiteten Empfindlichkeiten und Ressentiments, hab in einer deutsch-österreichischen WG gelebt und deutsche Berufskollegen als sehr grad und angenehm empfunden.
    Früher war das üblich, daß die Kinder statt Volkschule zu Hause unterrichtet wurden und dann ins Internat kamen. In meiner Volksschulzeit wurde betont wie wichtig es se,i daß alle Kinder gemeinsam in der Volksschule seien, wegen der sozialen Kohärenz und gegenseitigen Identifikation. Vor etwa 10 Jahren kam mir noch ein Mäderl unter, das auf dem Lande aus Gesundheitsgründen (nur so ist das vermutlich gegenüber den Behörden begründbar) zu Hause unterrichtet wurde. Es kann sein daß bei meiner Mutter auch diese Begründung
    benutzt wurde, (über die rechtlichen Bedingungen damals und heute weiß ich gar nichts). Sie war aber ganz gesund, ein Wildfang der gern mit den Dorfbuben spielte und darauf bestand, daß in ihre Schürzen eine extra Tasche für ihr
    Taschenmesser eingenäht wurde (da schmunzelt der Freudianer).

  289. @auch-einer - Wenn ich einmal...
    @auch-einer – Wenn ich einmal Frau von Leyen begegnen sollte, würde ich sie fragen: ‘Nach meiner Erfahrung war es eine ständige Herausforderung Kindern gerecht zu werden und gleichzeitig einen anspruchsvollen Beruf zu haben. Ich habe nur zwei, wie leisten sie das als Ministerin mit sieben?’
    .
    Wenn Frau von Leyen mir dann erklären würde, dass sie als Ministerin an der Zukunft ihrer Kinder arbeitet, würde ich dem entgegenhalten: ‚Seit sie Ministerin sind, kommen sie nur mit Ideen, die (noch mehr) Geld kosten. Für ihr ‚fabelhaftes’ Erziehungsgeld müssen eines Tages die gerade geborenen Babys zahlen, denn jedes von ihnen kommt mit einem Schuldenberg von 100.000 Euro zur Welt.
    .
    Fazit – weder persönlich als Mutter noch als Minister bin ich von ihnen beeindruckt.’
    .
    @HansMeier555 – Meine Töchter spielen nicht Klavier. Sie sind – zumindest in der Beziehung – sehr faul aufgewachsen mit viel Zeit zum Spielen und Kindergärtnerinnen als Nannis, die ihnen Geschichten vorlasen. Hobbys, wie Softball, Geige oder Flöte spielen, Reiten, Theater- und Malunterricht mussten sie aus eigener Initiative aufgreifen (im Unterschied zu meinen westviertel Bekannten, die Ihre Kinder schon im Alter von drei Jahren vom japanisch inspirierten Geigenunterricht zum Schwimmkurs scheuchten).

  290. @ Plindos
    Sie meinen doch...

    @ Plindos
    Sie meinen doch nicht etwa, die Papier-FAZ sollnmer lesen?
    Ich mein nur, ich war ja willig und habs probiert. (War ein mords-intellektueller Leitartikel über Woytila, deswegen hatte ich damals es gewagt und die FAZ gekäuft). Das war so ein herablassend intellektueller Wust, hab heut noch Kopfweh davon. Hab nix begriffen. Zu elitär für mich armen Bauernschädel, das wars dann.
    .
    Von der Seichtigkeit her schaffe ich eigentlich nur die ZEIT. Die wiederum aber nie von der Menge her. Also auch Überforderung, nur anders. Daher fange ich bei ihr wie bei jeder Zeitung von hinten an, beim flacheren Feuilleton (nie bei den Theaterkritiken, da auch Mordskopfweh), den lustigen Partnerschaftsanzeigen und den Rätseln. Wobei vorletzte auch herrliche Rätsel sind.

  291. "In jener Zeit konnte man sich...
    „In jener Zeit konnte man sich kaum ein unliberaleres Städtchen wie meines vorstellen“
    Als. Hat man uns in Sachsen-Anhalt so beigebracht – So ganz ohne Elite, nur mit früh aufstehen.
    Aber was meckere ich, der erste Artikel in diesem Blog, welcher mir in der Grundaussage gefällt. Lernen auf Zwang – Nein, danke.

  292. @Savall
    „Marx und Engels...

    @Savall
    „Marx und Engels sind übrigens abseits des Zivilkultes und der ideologischen Vereinnahmung richtig gute Autoren. Versuchen Sie nur mal das Manifest, den 18. Brumaire des Louis Bonaparte oder Engels‘ Artikel zum Amerikanischen Bürgerkrieg und zu 70/71 ohne Marxismus zu lesen. Das ist elegante Literatur vom feinsten.“
    Ja, da gehe ich mit Ihnen sogar d’accord. Es hat bei mir jedoch lange gedauert bis ich so etwas halbwegs vorurteilsfrei lesen konnte.
    *
    @Don Carlos
    Schön zu hören, dass es auch anders ging und Sie Möglichkeiten zur Selbstentfaltung hatten. Leider kann ich Ihnen solches aus meiner Schulzeit nicht berichten. Es war so wie oben beschrieben, und für mich war es im Studium eine geradezu schockierende Erfahrung, wie viel Spaß man beim Lernen haben kann, wenn man gefordert wird und einem die Lichter reihenweise aufgehen.

  293. Ach, Filou, ich will die DDR...
    Ach, Filou, ich will die DDR und ihre Schule nicht verklären. Ich habe sie bloß als Kind als relativ harmlos erlebt. Natürlich wurden die üblichen sozialistischen Exerzitien abgehalten, aber gleichsam lustlos und in manchen Fällen unfreiwillig lächerlich. Daß einem etwas fehlte, bemerkte man erst später. Ich erinnere mich noch gut an das etwas subversive Gefühl, als ich meine erste Bibel kaufte. Das kuriose an der DDR war ja, daß wenig explizit verboten war, aber vieles totgeschwiegen wurde. An eine weitere Kuriosität erinnere ich mich mit gemischten Gefühlen. Es zeigt aber die Wirkung von Diktaturen ganz anschaulich. Ich bin ja Bibliomane seit frühester Jugend. In der DDR wurde viel veröffentlicht, auch im Diktatursinne durchaus suspekte Literatur. Als Beispiel vielleicht Musil, Kafka, dos Passos, Hemingway, Bulgakow, Strittmatter (Ole Bienkopp, Wundertäter III). Also war ich immer auf der Jagd und kriegte einen Adrenalinschub, wenn ich wieder einen der inkriminierten Autoren erwischt hatte. So pervers es klingt, aber das habe ich nach der Wende manchmal vermißt. Trotzdem wünschte ich mir diese Verhältnisse nicht zurück und was mich in unserer Gegenwart glücklich macht ist, daß es alle, alle Bücher gibt. (Heute kam der Postbote mit einem Antiquariatspäckchen. Erstausgabe von Zimmermanns Bauernkrieg zu einem teuren, aber unverschämt günstigen Preis. Ich liebe ZVAB.)

  294. DA@: Ihr Rochus auf die...
    DA@: Ihr Rochus auf die Altphilologen ist der wirklich nur ideologischer Natur? Oder hatte Ihnen einer der Lehrer im wörtlichen Sinne den „de Bello Gallico“ oder den Plutarch (versehentlich) um die zarten Eleven-Ohrwascheln gehauen?

  295. Savall, Stabilisierung des...
    Savall, Stabilisierung des Systems nach dem Mauerbau. Dann darf man auch kontrolliert Subversives ins Land lassen. Es kann ja keinen gesellschaftlichen Schaden anrichten.
    Kontrollierte Subversion ist ein Freiheits-Placebo. Man muss nur daran glauben.

  296. windsbraut@: Finde auch, dass...
    windsbraut@: Finde auch, dass der K. Marx einen mit seinen frühen Schriften einen faszierenden Stil hatte, dagegen das „Kapital“, grauenhaft. F. Engels war wohl einer der profundesten und kenntnisreichsten Militärschriftsteller die es je gab, ebenfalls schriftstellerisch hochbegabt. Dafür braucht man keine ideologisch einseitig gefärbte Brille.

  297. Das ist wie der Unterschied...
    Das ist wie der Unterschied zwischen Glaube und Zweifel.
    .
    Altphilologe: So und so steht geschrieben.
    .
    Archäologe: Aber die Befundlage passt überhaupt nicht.
    .
    Altphilologe: Dann haben sie entweder die Quelle nicht verstanden, oder den Befund falsch interpretiert.
    .
    Archäologe: Naja, natürlich kann man Befunde auch anders deuten und was ein paar hundert Meter weiter kommt, haben wir nicht begraben, aber hier zumindest ist es unzweifelhaft…
    .
    Altphilologe: Sehen Sie! Sie wissen nicht alles, aber wir haben die ganze Quelle.
    .
    Archäologe: Naja, Sie haben 1 Quelle, irgendwelches abgeschriebenes Zeug des Mittelalters, und schon der Autor selbst hat das nur bei Livius…
    .
    Altphilologe (läuft puterrot an): DAS IST MIR SCH****EGAL!

  298. @Foersterliesel – Meine...
    @Foersterliesel – Meine Mutter hatte es irgendwann einmal satt, mir immer wieder neue Unterhosen zu kaufen. Damals trugen Mädchen immer einen Rock, und wenn ich dreimal einen Sandhaufen runter gerutscht war, hatte ich Löcher in dem feinen Material. Meiner Mutter Lösung waren grobe graue Bubenunterhosen, bei denen sie den Schlitz zunähte.
    .
    Vor und nach dem Turnunterricht hatte ich keine Probleme, meine un-sexy Unterwäsche vor den Augen der blümchenschlüpfertragenden Mitschülerinnen zu verbergen. Aber dann beschloss das hessische Gesundheitsministerium, dass den dünnen und blassen Landeskinder im Winter ein Sonnenbad unter einer Höhensonne gut tun würde. Diese Veranstaltung fand im Krankenhaus statt, und jeweils 25, nur mit Unterhose bekleidete Kinder mussten fünf Minuten lang unter einer an der Decke angebrachten Kunstsonne kreisen. Nachdem daraufhin die geniale Unterhosenidee meiner Mutter sogar Thema der Westviertelkaffeeklatsches wurde, kaufte mir meine Mutter eine Ausnahme.

  299. Danke, Don. Einfach herrlich....
    Danke, Don. Einfach herrlich. Die Buchstabenklauber sind mir auch ein Greuel. Ich sage immer wieder: Qatna. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Am 28. öffnet in Berlin die Tell-Halaf-Ausstellung. Wieder ein Tritt in den Hintern der Griechenland-Besoffenen, die denken, daß die Menschheitsgeschichte mit Solon angefangen hat. (Sorry für die Wortwahl, aber manchmal geht es mit einem durch.)
    .
    Da bin ich aber anderer Meinung, Filou. Stabilisierung ja, in gewissem Maße. Aber immer diese panische Angst der Herrschenden vor der Literatur. In völliger Unkenntnis derselben, aber in instinktivem Hass. Es wurde ihnen abgerungen, von den wenigen Wissenden. Unter scheußlichen Verrenkungen manchmal, aber trotzdem. Wenn Marquardt den Hilbig verlegt oder Faber den Wundertäter III gegen das Politbüro durchsetzt, dann hat das mehr zum Untergang der DDR beigetragen als die die ganze CIA. Oh, die Bonzen wußten es, sie hatten eine scheußliche Angst vor der Literatur, weil sie sie nicht verstanden. Und zumindest damit haben sie recht gehabt.

  300. "Ich glaube zum Beispiel, wenn...
    „Ich glaube zum Beispiel, wenn Don Alphonso und Engels sich zum Tee getroffen hätten, dann hätten sich die beiden blendend verstanden.“
    .
    engels wird weit unter wert gehandelt, dafür wird marx überschätzt.

  301. Vroni@: Er, der D-Lehrer...
    Vroni@: Er, der D-Lehrer meinte es genau so, ansonsten lese ich lieber davon die besagte Kolumne erste Seite, das Feuilleton, den Wirtschaftsteil quer, intensiv Natur und Wissenschaft mit dem anhängenden „Geister“-teil. Die Reise-Schriftsteller sind des öfteren sehr amüsant und treffsicher. Die „Zeit“ ist mir zu fad geworden. Spiegel seit zehn Jahren out, zu flappsig und immer so tuend als ob der jeweilige Journalist hautnah mit dabei gewesen.
    Savall@: Aufpassen, dass Sie sich nicht in so einem bibliomanen Wahnsinn nach Art von Jorge Luis Borges verlieren, das ZVAB ist der geeignete Geheimzugang ;-)

  302. Pfarrer Schorlemmer behauptet...
    Pfarrer Schorlemmer behauptet ja, Hammer gefunden zu haben, mit dem der entlaufene Mönch die 95 Thesen an die Tür genagelt.

  303. liebe colorcraze,
    dazu...

    liebe colorcraze,
    dazu noch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schulpflicht#Der_h.C3.A4usliche_Unterricht

  304. DA@: Das nette Dramolett ist...
    DA@: Das nette Dramolett ist lustig, m. E. nur bedingt aussagekräftig.
    Vermutlich ist so ein Archäologie auch schon mal durch die Schule eines Altphilologen gegangen, sonst hätte es ihn nicht „gepackt“ zumindest das Rüstzeug an Grundlagen gefehlt. Ein Studienrat wird vemutlich nur, bei seinem vorausgegangenem Studium, falls nicht besonders passioniert, kaum i. d. R. reines Quellenstudium betrieben haben. Dann wäre er wahrscheinlich nicht auf dem Gym gelandet. Die Apparate der Historiker wie David Gibbson oder Theodor Mommsen lassen nicht unbedingt auf nur mittelalterliche Belege schliessen. Wie Raoul Schrott bei seiner Neuübersetzung der „Ilias“ vorgegangen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Seine Thesen haben auf jeden Fall für mächtig Wind gesorgt. Die teilweise modernistische Sprache gefällt mir persönlich nicht sonderlich. Vielleicht gewöhnungsbedürftig.
    ..
    …haben wir nicht begraben…So sind aber auch schon gewiefte Archäologen durch andere gefoppt worden.

  305. Don Alphonso@: Sie werden es...
    Don Alphonso@: Sie werden es nicht für möglich halten. Glaube und Zweifel sind bei mir untrennbar verbunden, die beiden haben sich in der Binnenschau aneinander gewöhnt, keiner kommt ohne den Anderen aus.

  306. liebe Der Tiger,
    Ihre Mutter...

    liebe Der Tiger,
    Ihre Mutter war sicherlich eine sehr patente und unkonventionelle Dame und hat Ihnen viel Courage und Unabhängigkeit mitgegeben.
    Selbst hatte ich als Kind auch immer Latzhosen aus Duvetine (genannt Teufelshaut), später Lederhosen und Kleider nur für Feste&Fotos an. Meine Mutter trug bis zu ihrem Tod mit fast 90 Jahren stets ein Taschenmesser in der Handtasche, aber nicht das berühmte Schweizermesser mit dem Scheerchen, oder ein perlmuttplatiertes, sondern so einen bunten Feitel mit Holzhülle vom Jahrmarkt, er liegt nun bei mir in meiner Bleistiftschale.

  307. HansMeier555@: Wenn der den...
    HansMeier555@: Wenn der den mal nicht mit dem Hexenhammer verwechselt hatte.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer
    Vielfach sind ja ansonsten selbst im christlichen Raume Votivgaben als stilisierter Hammer bei erflehten Fruchtbarkeitsfragen noch immer im Schwange. S. Thor den Hammerschwinger

  308. Engels war meiner bescheidenen...
    Engels war meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin der intelligentere und gebildetere von beiden, auch-einer. Seine militärischen Schriften sind auf jeden Fall äußerst bemerkenswert und seine Voraussage WK I betreffend ist bis heute erschütternd.
    .
    Ach, Plindos, Ihre Mahnung ist nur zu berechtigt, kommt aber leider zu spät. Ich bewege mich zielgerichtet auf die Bibliothek von Babel zu. Jeder trage seine Last. Ich tue es mit großer Freude (bis zum nächsten Umzug).

  309. @Försterliesel: Die...
    @Försterliesel: Die österreichische Schulpflichtregelung kommt ja Eltern sehr entgegegen, die die ersten Schuljahre aus eigener Kraft meistern wollen, vorausgesetzt, die jährliche Externenprüfung wird einigermaßen vernünftig gehandhabt. Die Zeiten, in denen man Roßeggers „Schriften des Waldschulmeisters“ nachleben könnte, die mich als junger Vater sehr beeindruckt haben, sind wohl allerdings unwiderruflich vorbei…

  310. Es liest sich wie das was es...
    Es liest sich wie das was es wohl auch ist: Eine persönliche Inventur einer fortdauerenden Unterforderung. Wie immer Pech halt, wenn man intelligent ist.
    .
    (Zumal gerade eben auch in sozialer Hinsicht: Ja, nicht alle sind einsichtvoll und einsichtsfähig, gerade nicht, was sie selbst angeht, gerade auch hinsichtlich triebhaft Bedingtem (wie angeborener Körper- u. Denkfaulheit) gegenüber nicht. Oder ihrem grundsätzlichem Phantasiemangel gegenüber. Oder einem total nicht vorhandenem historischen Bewußtsein: Da hilt eben auch keine Schule. (Zu unterscheiden hilft sie schon, nach Schichten und Herkunft, wie gesagt: das aber eben für manche nicht alles, nicht mal das Mindeste oder Wesentliche))
    .
    Sagten wir ja schon öfter: Gäbe keine größere Strafe als Universalgenie sein zu müssen, als als solches geboren zu sein, wie jedes halbwegs talentierte Selberdenken früher oder später von alleine feststellte: Egal, was man anfinge, man würde früher oder später feststellen (trozt aller absichtlich faulen und indolenten Versuche, dem auszuweichen): Auch das kann ich richtig gut, und mit ein bißchen Mühe schon wieder besser als alle anderen; ja sogar richtig genialisch, wenn ich nur will/wollte. (Denn, was es nicht so wäre, dann wäre es das eben nicht: „Universalgenie“, q.e.d)
    .
    … und es sind sogar schon Menschen für deutlich weniger als 14.000 Milliarden Dollar umgebracht worden. (Noch eine Durchschnittsbildung)
    .
    Intelligenz plus Kenntnis ist eben z.B. Goethe „Die Gedichte hatten meist mich“ wusste er zu berichten. Und nun gehe mal umher und erwarte, andere hätten sich über den Satz auch schon Gedanken gemacht, in nach Sinn und Richtung und Gegenrichtung betrachtet (mit allerlei Erolg) – nein, das ist eher nicht der Fall. Nicht häufig jedenfalls.
    .
    Die Masse der Leute sind Zusammenhalt: Über wiegend unreflektierter Zusamenhalt über auswendig gelernte „Nahraumbiographie“ (wie Klatsch über Nachbarn, oder „unserer Westviertel“ – und nichts anderes). Und gerade auch als solcher sind sie nett und nützlich. Und können sich dem, als zum Teil sogar wahrgenommener Identität, wollüstig hingeben: Durchaus zum Vorteil einer sozialen Referenzgruppe.
    .
    Und nun komme Du und sage „Du stehst nicht außen“, und das, obwohl du intelligent bist … .
    .
    Wir kennen jemanden, der hat sich schon mit Anfang dreissig (durchaus als Experiment und durchaus nicht unreflektiert) dafür entschieden gehabt, eine Zeit lang (10 Jahre mind. also) intensiver nur noch mit anderen erwachsenen Männern zu tun haben zu wollen, die mindestens eine Doppelqualifikation haben mussten: a.) älter als 80 zu sein und b.) sich schon mindestens 1x über sich selbst und ihren Lebensgang in schriftlicher Form selbst Rede und Antwort gestaden haben. Und da bleiben dann gar nicht soviele im Hier und Jetzt. Aber passend zum immer mit vorhandenen historischen Bewußtsein „wird auf dem Zeitstrahl sogleich die Auswahl deutlich größer.
    .
    Man kennt das: „Es steht nun fest, dass Guido Westerwelle während der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen im letzten Herbst die Verantwortung für das Goethe-Institut dem designierten Entwicklungsminister Dirk Niebel zuschieben wollte.
    .
    In einer Sitzungspause machte Westerwelle Niebel auf die vielen Dritt-Welt-Institute aufmerksam und brüstete sich, noch nie eine Zeile von Goethe gelesen zu haben. – ‚Ja denkst Du denn, ich?‘, fragte Niebel erbost zurück. Woraufhin die FDP-Minister in spe von Anette Schavan, CDU, wissen wollten, ob die Abschiebung des Instituts ins Entwicklungsministerium vom erweiterten Kulturbegriff gedeckt sei. Schavan beschied abschlägig.
    .
    Vorläufig letzter Akt des Ganzen: Nach der Rede, die Westerwelle im Oktober 2010 auf der Jahrestagung des Goethe-Instituts hielt, ohne Institut oder Kultur zu erwähnen, ließ er seinem Ehemann die Nachricht zukommen: „Echt öde war das! Aber der Goethe-Präsident, der Klaus-Dieter Lehmann, der ist schon ziemlich flott.“ http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1333420/
    .
    Dumme lassen sich nicht besser regieren. („Wems nicht passt, der kann ja gehen… .“)
    .
    Am Ende ist er, sind solche wie er, eher Friedrich Schiller nah („Ich kann nicht Fürstendiener sein“ – andere können das schon, sogar ohne zu leiden … ) und so denken und formulieren zu können erst wie Schiller … . (Von Polizei/Geheimpolizei/Spitzeln durchgängig beobachtet der Dichter übrigens, er war gefährlich. Und sein Leichnam wurde nach der Trauerfeier entwendet und geheimseziert: man wollte (musste!) es schon genauer wissen. Hätte man bloß in die eigenen Seelen schauen können, statt in fremde, tote Körper bloß… ) http://www.youtube.com/watch?v=yzdyEX1zFkc
    .
    „Es war umsonst. Man kann, das ist zumindest meine Überzeugung, niemanden zur Bildung unterdrücken, allenfalls zum Auswendig lernen, und zum Hass, und zur Intoleranz. Und von den Resultaten solcher Ideologien des Zwangs möchte ich eigentlich nicht, dass sie erneut Einfluss darauf bekommen, wie man in diesem Land Bildung organisiert. “
    .
    Es scheint aber so zu sein: „Das Deutsche Volk ist ein Volk von „Untertanen““ – ganz im Sinne gleichnamigen Buches – und nichts und niemand kann das wenden oder ändern. Was bleibt ist lediglich die Frage, ob der Dichter in Not- und Sorgenzeiten (wenn Krieg ist und der Schuldendienst regiert) in Deutschlad noch seines lebens sicher ist, oder ob er sich exilieren muss. („Selber schuld, was kann er nicht die Klappe halten?!“)
    .
    Und die „Untertanen“, die es anginge, sie lesen eher wenig, gehen eher auch in kein Schauspiel; der verlorene letzte Krieg allerdingas hat in Folge vieles (leider) gewaltsam (zum Glück) zum Besseren gewandt gehabt, wir sehen jetzt bloß, das diese Wirkung nun abklingt … .

  311. Savall, der Bücherliebhaber...
    Savall, der Bücherliebhaber wird schnell Esel seiner selbst. Umzüge lehren das, sind aber selten heilsam genug.

  312. Ich war etwa zur gleichen Zeit...
    Ich war etwa zur gleichen Zeit auf einem ebenfalls naturwissenschaftlichen Gymnasium in Bayern. Genauer gesagt in München – und ich denke nicht dass es dort generell viel liberaler zuging. Der Direktor war Präsident des Philologenverbandes, das war der eine Pol. Der andere Pol war Deutsch- und Religionslehrer, linksliberal, und für mich damals ein permanenter Reibungspunkt. Aus Frust und dem Wunsch wirklich etwas bewirken zu können ging er 79 als Austauschleher nach Kabul und wurde dort mitsammt Frau, Kindern und Freunden erschossen – von Taliban die sie für Russen hielten.
    Was ich sagen will – prägend für unser Schulsystem sind die, die sich ihm unterwerfen und sich dort durchbeissen – wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens.

  313. Selbstverständlich sind wir...
    Selbstverständlich sind wir ausschließlich durch die Unfähigkeiten der anderen bedingt und aneinander gekettet und gefesselt und von- und durcheinander gehalten. Und das ist gut so und schön so und genau richtig, und wir fühlen uns damit richtig wohl und würden nie was ändern, und verstehen auch gar nicht, wie überhaupt auch nur einer anders sein kann, wie wir:
    .
    Was der eine nicht kann, kann der andere halt. Und macht das dann auch gerne für ihn. Da muss man gar nicht erst extra fragen für, das versteht sich nämmich von alleine. Und so sind wir einander der perfekteste Entfaltungsraum und merken es gar nicht und wollen das auch gar nicht und wenn schon. Wo das doch so schön ist. Und wen interessiert schon die Welt. Oder angebliches „Denken“? Wo man es doch so bequem und behaglich haben kann ohne so was unütz Anstrengendes alles.
    .
    Und es fängt schon beim Physikabitur an: Beim Physikabitur an einem gemeinen Gymnasium. Da werden so Kinder halt schon verbildet, durch zuviel „Denken-Lernen“ halt. „Denken-Lernen“ sollte halt eigentlich, wie man sieht, am besten doch und natürlicher Weise nur für wenige vorbehalten bleiben, für solche am besten, die „nach umfangreichen Tests und insgeheimer Beobachtung „von oben““ (da, wos dafür richtig ist), dafür auserwählt wurden, bei denen es auch nicht so schadt, wie im vorlegenden Fall doch leider offen sichtlich, wie auch mal gesagt werden muss, damit es hoffentlich nicht mehr lange so weiter schadet, und der Schreiber sich doch besser zukünftig in seine natürlichen, und wie zu sehen eigentlich viel engeren Grenzen, einsichtsvoll bequemen möge, wie es ihm eigentlich bestimmt war, wenn er bloß einsichtig wäre, dies anzuerkennen.
    .
    Aber leider, so steht zu befürchten, ist es längst zu spät und der Zug für ihn abgefahren, durch zuviel Unterricht und Litaratur und alles andere halt: Wie schade für ihn. (Bei uns kommen solche jedenfalls auch weiter nicht unter, die stören bloß! Denn unsere Klugheit ist eben die einzig richtige Klugheit, Zusammenhalt statt windigem Einzelgängertum eben! Und wenn sich sowas dann auch noch für was Besseres hält, trotz schlechter Schulnoten: da sieht man gleich, dass das was nicht richtig ist, naunskannesjaegalsein, wenn er nur nicht so angibt und geährlich wird … .)

  314. Savall, aber sicher waren die...
    Savall, aber sicher waren die meisten reichlich ungebildet, wobei ich den Monstranzbegriff ‚Bildung‘ doch mit reichlicher Ironie betrachte. Sagen wir so: diese Menschen hatten von vielem eine Ahnung, nur Lesen wollten sie nicht so recht. Warum auch? Sie hatten Zuarbeiter wie jeder Herrschende, der ohne assistierendes Personal nicht auskommen kann. Von diesem wurden die notwendigen Informationen, gut kondensiert fuer eine kleine Buechse, dargereicht. Will sagen: Mielke bestimmte den Kurs, die subtil informierteren Untergebenen lieferten das passende Arbeitsmaterial.
    So kam es eben, dass eine Menge guter DDR-Autoren, Juergen Becker z.B., erst in den Knast kamen, dann freigekauft wurden, spaeter an seltsamen Krankheiten zu frueh verstarben. Die Machthaber in der DDR wussten sehr gut, dass der Besitz einer scharfen Waffe harmlos ist. Und sie wussten selbstverstaendlich, ob der Besitzer davon Gebrauch machen wird oder sich nur am blinkenden Metall und der feinen Mechanik erfreut. Literatur ist in autoritaeren Systemen voellig ungefaehrlich, in libraleren kann sie eine Bombe sein.

  315. windsbraut, da waren Sie aber...
    windsbraut, da waren Sie aber wirklich an einer ausnahmeeinrichtung. ich kenne wirklich keine sensibelchen, die montagmorgens sturmgebeugt und rotzblasen heulend zum fahnenappell zusammengetrieben und dann für den rest der woche von knarzigen lehrern zur sau gemacht wurden. möglicherweise gab es da einen unterschied zwischen stadt und land, wie schon bei savall beschrieben. was sollte einem passieren? aufgelockert wurde das ganze noch durch den jährlichen schwung an jungen praktikantinnen, um deren sympathien sich gebalgt wurde und die recht hilfreich bei der verbesserung des notendurchschnitts waren. echte untertanen habe ich erst nach der wiedervereinigung kennengelernt.

    was gibt es dagegen heute? in jedem ort leere schulgebäude. zusammenfassung von 1000 schülern in einer schule. stundenlange fahrtzeiten. kaum zwei schüler aus einem ort. lehrer, die ihre schüler nichtmal vom namen her kennen. pädagogik ein numerusclaususfreies studienfach für leute, die ohne weitere voraussetzungen halt akademiker werden wollen. permanente mischung der klassen. unterrichtsgespräche, in denen sich jeder seine wahrheit aussuchen kann. ‚ideologiefreiheit‘ in der form, daß schon in der siebenten klasse beigebracht wird, jede noch so schlecht bezahlte arbeit sei besser als hartzvier. die schulbücher blenden ebenfalls bestimmte sachverhalte aus, aber halt andere als früher. und die krönung: das abitur kann mit einer fünf in zwei hauptfächern abgeschlossen werden. da kann man es auch gleich bleiben lassen. aber vielleicht reicht’s ja für ein pädagogikstudium.

  316. Sie sprechen ein großes Wort...
    Sie sprechen ein großes Wort gelassen aus, Arabella. Allein, ich hab gelernt mit meiner geliebten und gehaßten Bürde zu leben. Ein jeder freut sich, wie er mag.
    .
    Sorry, Filou, ich widerspreche. Die Literatur war der Sprengstoff. Die Ausweisungen, die Morde bestätigten nur die Bedeutung der Literatur. Wir lechzten ja danach. Die Diskussionen über „Ole Bienkopp“ oder Alfred Wellms „Wanzka“ und „Morisco“ oder Erpenbecks „Blauen Turm“ wurden offensiv geführt und haben das System gesprengt. Geist gegen Macht. So habe ich es empfunden. Sie hätten den Sommer 1989 erleben sollen. Diese Diskussionen, dieser Wille, es anders machen zu wollen, diese Eloquenz von Leuten, denen man es zuvor nie zugetraut hätte. Ich verstand plötzlich den Sommer von 1789. Alles war möglich für diese kurze Zeit.

  317. Wir lehnen uns nie auf....
    Wir lehnen uns nie auf. „Dagegen-sein“ (gegen was auch immer) schon immer die reinste Zeitverschwendung. (In Tunesien hat man ja auch mal wieder am besten solange gewaret, bis jetzt die Massen auf der Strasse waren. Und dann konnte man ja gut und ungefährlich gerne auch noch mitmarschieren, schon um später auch richtig und aus eigener Erfahrung mitreden zu können, wie alles gewesen ist. Soviel Biographie ist man sich schließlich schuldig.)
    .
    Oft werden ja Ereignisse „zum Dagegensein“ auch von oben inszeniert. Z. B. weil man dem Volk und sich selbst zu weit entfremdet ist nach Jahren und Jahrzehnten ganz oben. Und dann spürt man sich als Akteur top-down (Schäuble, Überwachung) endlich auch mal wieder richtig selbst, spürt die eigenen Grenzen, wenn das Volk oder Einzelne daraus, sich mal wieder so richtig schön auflehnen.
    .
    Nicht zuletzt schon vor (und teils auch noch nach) der 1848ger Revoltution wurde das so gemacht: Wir gründen einen Adelsverein (Mainz) und fördern die Ausreise (nach Amerika). Hat mind. folgende Aspekte:
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    – wir sind beschäftigt,
    – das Volk wird beschäftigt
    – wir lernen die Ausreisewilligen kennen und könne sie besser sortieren (nach Charakter, mentaler Stärke etc.) (Wer sich rührt, dessen Intelligenz und Kräfte kann man einschätzen: fördert so auch die Welt des Sozialen).
    – Und Ausreisewillige können also Ausreisewillige oder politisch Umtriebige sein oder bloße Ausweicher,
    – brave Deutsche aber machen sowas nicht (Ausreiseanträge stellen, resp. sich danach erkundigen)
    .
    Wie auch immer es aber ausgeht, es ist unser Nutzen:
    .
    – wir sind sie hier los,
    – wer auf der Überfahrt schon stirbt, war eh schwach,
    – oder hielt sich für zu stark und hat sich zu stark „reingehängt“,
    – wer drüben auf dem Treck umkommt, für den gilt nämliches,
    – wer aber überlebt, dem blüht in nächster Generation eine bescheidenes Glück,
    – das es aber eine Generation mindestens brauchen wird und die Erstankömmlinge sich zu Tide arbeiten werden (ungefähr) wissen ja nur wir Elite hier,
    – und wenn es sich nicht nur um bloß dumme Aufsässige handeln würde, dann ließen sie sich ja hier von uns führen zu ihrem Glück und blieben hier, sich unseren sozial exklusiven Führungserfahrungen anzuvertrauen, aber leider ist dem ja wie bekannt nicht so,
    – und wie auch immer haben wir es ja veranlasst, so dass alles, was drüben passiert, wir immer letztgültig als doch von uns von Anfang an innitiert/inszeniert/gespendet werden ausgeben können: Der Druck im Kessel ist nie selbstständig. Immer sind es Hitze und stählerne Wandung schuld: Und beides sind wir.
    – Am Ende aber werden blühende Landschaften stehen, und dass das und nur das unser Ziel ist und bleiben wird (und historisch zu tradieren!) (und nicht etwa unbequeme Landsleute/Untertanen loszuwerden), das wissen nur wir, aber schon immer – und können es auch sicher durchsetzen.
    .
    Die Revoltution von 1848 kam aber trotzdem. http://de.wikipedia.org/wiki/Mainzer_Adelsverein
    .
    („Entlang des Ohio Rivers und des Mississippi Rivers kam der Tross nach New Orleans (Louisiana) und erreichte schließlich am 1. Juli 1844 Galveston in Texas. Solms hatte den Auftrag, in Texas Land zu beschaffen. Er gründete in der Matagorda Bay einen für die Ankunft der Siedler gedachten Hafen namens „Carlshafen“, der später den Namen Indianola bekam. Im Dezember empfing Solms dort bereits die ersten 200 Familien, die nach 10-wöchiger Überfahrt eingetroffen waren; viele der Passagiere hatten allerdings die Strapazen der Reise nicht überlebt. Zu allem Unglück gab es auch noch kein Land. Erst am 18. März 1845 (!) kaufte Solms 500 Hektar Land direkt am Zusammenfluss vom Comal River und Guadalupe River an der Straße von San Antonio nach Austin, auf dem dann endlich bei Ankunft des ersten Siedlertrecks am 21. März die Ortschaft Neu-Braunfels (New Braunfels) gegründet werden konnte.“ (Und die Küste war Moskito- und Malariasumpf“wüste“ – 100% lebensfeindlich. Da 200 Familien ohne jeden Plan und Fürsorge anzulanden war nur eines: fahrlässige Tötung) http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Prinz_zu_Solms-Braunfels http://www.auswanderung-rlp.de/auswanderung-nach-nordamerika/19-jahrhundert/organisierte-auswanderung-das-texasprojekt-des-mainzer-adelsvereins.html
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    Wenn es nur den Ansichten mancher Fürsprecher der Tergernsee-e ginge, sollten dann nicht bald wieder mal Teile des Präkariats, aussichtsreiche Teile zumindest, mal wieder auf den Treck gehen, weg von hier, bloß etwas weg von hier? „Deutschland, wieder neu, ewig rein“ sozusagen? Oder „Tegernsee wird überall“ etwas anders ausgedrückt? Naja, nu dann. Ein kleines Stückche Weile hinter dem Ural z. B. soll auch noch etwas ungenutzter Platz sein … .
    .
    Man kann auch inszenieren, z.B. auch um „Zeigerpflanze“ immerhin zu sein: Gegen den „Fundamentalismus in den Köpfen…“ http://www.youtube.com/watch?v=RxQJbOpIbOI&feature=related „Deutschland Erwache!“ also: Eben invertiert-unbemerkt: „Nessun Dorma“ – ganz groß deutsch einmal mehr!
    .
    Man kann tief fallen, obacht! (… besonders aber die Nicht-Westviertel sagt man aber nicht) http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1765293/Mutter-von-verstorbener-Offiziersanwaerterin-verklagt-BRD.html

  318. Filou@: Erich Mielke (Leiter...
    Filou@: Erich Mielke (Leiter des MfS 1957-1989) war doch einer der erhabensten Liebenden (zumindest quantitativ) im deutschen Sprachraum: „Ich liebe — Ich liebe doch alle — alle Menschen — Na ich liebe doch — Ich setzte mich doch dafür ein.“
    (Mielkes Auftritt vor der Volkskammer am 13. November 1989 )
    .

  319. Savall, Sie wollen mir allen...
    Savall, Sie wollen mir allen Ernstes einreden, dass die Mehrzahl der DDR-Buerger auf Grund ihrerer liteterarischen Bildung die „friedliche Revolution“ verursachten?
    Ich werde wohl auf meine alten Tage, mein Menschenbild aendern muessen, wenn’s dann wahr waere.
    .
    Die DDR ging, genauso wie das Ancien Regime, an seiner eigenen Schwaeche zugrunde. Wobei der Vergleich mit den Zeiten von Louis XVI eigentlich unzulaessig ist.
    Aber wir sprachen urspruenglich ueber Schulerfahrungen.

  320. @Filou: "Literatur ist in...
    @Filou: „Literatur ist in autoritaeren Systemen voellig ungefaehrlich, in libraleren kann sie eine Bombe sein.“ Hm. Sagen Sie so. Haben Sie auch ein Beispiel dafür?
    Mir fällt keins ein.
    @Försterliesel: Ach, schau an, in Österreich wird das also recht anders gehandhabt, mit sehr eingeschränkter Präsenzpflicht (nur für die Externenprüfung). Aber es hängt dann am Entscheid eines Einzelnen, ob es zugelassen wird oder nicht. Ich glaube, das könnten die Leute hier schwer verknusen. Einem allgemeinen Gesetz folgen sie schon (wenn auch mitunter widerwillig), aber daß ihre Wahl von jemand genehmigt werden muß, darüber würden sie wahrscheinlich an die Decke gehen.
    @Plindos: „Glaube und Zweifel in der Binnenschau“ – das war gut. Ihr Deutschunterricht scheint ja sehr abwechslungsreich gewesen zu sein. Das ist vielleicht der Vorteil bei Abendschule, da gehen nicht mehr die völligen Jungspunde hin, Literatur trifft dann nicht auf reichliche Erfahrungslosigkeit.

  321. Filou@:Vermutlich war einer...
    Filou@:Vermutlich war einer der Sargnägel, der zum Untergang der DDR im geistigen Sinne, beitrug, das Wirken und die Person von Robert Havemann ((* 11. März 1910 in München; † 9. April 1982), er war mißliebig ob seiner Unabhängikeit geworden. Die Stasi hatte bis kurz vor seinem Lebensende mit einem Großaufgebot von Uniformierten Tag und Nacht seine Hütte bewacht.
    Don Carlos@: Leider haben Sie recht.

  322. @Plindos, ds ist sehr...
    @Plindos, ds ist sehr wahrscheinlich. Damit fing es an.
    .
    @colorcraze, die Zulassung literarischer Produkte in autoritaeren Systemen kann gesteuert werden, nach dem Prinzip: wir lassen die Leute glauben, dass sie in geistiger Freiheit leben. In liberalen Systemen ist Literatur einfach da und jeder kann nach seiner Fassong damit machen, was er will. Die Bomben sind auf dem freien Markt erhaeltlich. Wer sprengen will, sprengt.

  323. Ralleff, dat met dem Mielke...
    Ralleff, dat met dem Mielke wor dress.

  324. Sie wollen mir ernstens...
    Sie wollen mir ernstens einreden, Filou, daß die Mehrzahl der DDR-Bürger im Herbst 1989 auf die Straße gingen? Wer wohl war damals auf der Straße?

  325. ja, Filou, die abgehauenen...
    ja, Filou, die abgehauenen kamen nie darüber hinweg, daß ihr weggang in der zone nicht umgehend zu einer revolution führte. dasselbe problem hatte schon der dauerbeleidigte biermann, der sich für den großen anführer des kommenden umsturzes hielt. er ging, doch alles lief weiter wie bisher. und plötzlich gab es montagsdemos mit dem motto ‚wir bleiben hier!‘. wie konnte das passieren ohne die unterstützung der ‚wahren‘ dissidenten, die wegen ihrer ‚gefährlichkeit‘ für das system sogar emigrieren mußten!? und zur linderung dieser narzißtischen kränkung muß der erfolg der wende dann abgewertet werden – das system wäre ohnehin zusammengebrochen, denen ging’s eh nur um die bananen. und so weiter. doch ganz gleichgültig, was den zusammenbruch tatsächlich herbeigeführt hat: dieses gefühl echter freiheit – das leider nur bis zur verkündung der wahlergebnisse der ersten freien volkskammerwahl reichte – werden Sie wahrscheinlich nie kennenlernen.

    savall hat schon recht. es gab sicher verschiedenste motivationen für die teilnahme an montagsdemos. ausgangspunkt waren jedoch naive literaturzirkel im umfeld der kirche, die zu dieser zeit noch als moralische und intellektuelle institution galt. allerdings nicht im umfeld des hochgelobten herrn gauck. dort hätte man die wende fast verschlafen.

  326. colorcraze@: Sehr...
    colorcraze@: Sehr liebenswürdig Ihre Bemerkung. Aber die tiefergreifenden Erfahrungen und eventueller Verknüpfungen als Einsichten im Zusammenhang mit Literatur kamen erst sehr, sehr viel später. Die tiefsten gerade in der Gegenwart.
    Nur als Beispiel. So im Alter von 25 Jahren habe ich mich an den „Zauberberg“ gemacht. Konnte nichts damit anfangen, merkwürdigerweise die „Buddenbroks“
    haben mich mit 18 Jahren geschmissen. Vor etwa 7 Jahren „verstand“ ich erst den
    „Zauberberg“. Sofern einem das überhaupt ganz gelingen kann.

  327. filou, savall,
    und wenn es nun...

    filou, savall,
    und wenn es nun ganz anders war? (in rumänien wars die sicuritate selber, die ihren conducator nebst gemahlin schnell, rechtförmig und wirkungsvoll abservierte. die gingen dann auch in die nato und eu zursicherung ihrer posten).
    .
    ah, les quereles allemandes. j´adore ca.

  328. Filou@: Sie sollten vielleicht...
    Filou@: Sie sollten vielleicht mal A. Schopenhauers „Versuch über das Geistersehn und was damit zusammenhängt“ lesen, dann kämen Sie unter Umständen auf die Idee, dass die Wirklichkeit womöglich noch ganz andere (verblüffende) Facetten bereit hält. :-0

  329. Danke, Don Carlos, besser...
    Danke, Don Carlos, besser hätte man es gar nicht zusammenfassen können. Die Literatur hatte in der DDR eine ganz andere Bedeutung, als man es sich heute vorstellen kann. Es war _wichtig_, in jeder Beziehung des Wortes. Und die Leute, die am 9. Oktober an der Nikolaikirche standen waren Leute wie ich, die im benachbarten Antiquariat einkauften. Es ist ja hier unwillkommen, Tellkamps „Turm“ zu erwähnen. Aber so war es, das waren wir, diese Leute haben am 9. Oktober ihren Kopf hingehalten. Das mag manchem heutzutage romantisch, weltfremd und sonstwie vorkommen. Allein, so war es.

  330. Savall@: Danke für den...
    Savall@: Danke für den Hinweis zu Bellkamps „Turm“, werde die zweite Hälfte mit anderen Augen lesen.

  331. @filou, savall, auch-einer:...
    @filou, savall, auch-einer: keine Entschuldigungen wegen OT. Das ist aktuell, denn in Tunesien ging die Tür jetzt auch auf. Die genießen auch ihre Freiheit. Aber sie werden Institutionen ausbilden müssen.

  332. Okay, auch-einer, vielleicht...
    Okay, auch-einer, vielleicht war ich am 9. Oktober an der Nikolaikirche weil es die Securitate, der Mossad und die CIA es wollten. Vielleicht war ich aber dort wegen Strittmatters „Selbstermunterungen“ und Nolls „Spur der Steine“? Was ist wahrscheinlicher?

  333. savall, danke für den hinweis...
    savall, danke für den hinweis auf den turm.
    .
    kann es sein, dass das mfs schon in etwa informiert war (es wäre auch die variante völlige panik, totale verwirrung möglich)?
    .
    wenn plan a war, weitermachen mit gebremstem schaum, runde tische um die opposition zu spalten, dann könnte es doch auch den plan b gegeben haben, bevor das ganze nicht mehr zu halten ist, die russen sind eben dabei uns für hartgeld zu verkaufen, dann eben die mauer auf und den klassenfeind ins land.
    .
    wirkliche gewinner bei dem ganzen waren die blockflöten, die in einer juristischen sekunde ihr herrchen gewechselt haben, soviel treue durfte einfach nicht unbelohnt bleiben.

  334. "Aber so war es, das waren...
    „Aber so war es, das waren wir, diese Leute haben am 9. Oktober ihren Kopf hingehalten. Das mag manchem heutzutage romantisch, weltfremd und sonstwie vorkommen. Allein, so war es.“
    .
    savall, erstaunlich, dass die demonstation nicht aufgelöst wurde und der schiessbefehl nicht gegeben wurde. in eiener anderen zeit hätte man von fügung, zumindest dottes beistand gesprochen.

  335. Die Misere des deutschen...
    Die Misere des deutschen Bildungswesens einerseits und Deutschland als einst führende Wissenschaftsnation andererseits: Letzeres Phänomen ist, anders als der Autobahnbau, nicht auf das Dritte Reich zurückzuführen. Es wird, wohl aus Gründen der political correctness, zu wenig beachtet, dass Deutschland bereits im 19. Jahrhundert, genauer gesagt: im Deutschen Kaiserreich, zur führenden Wissenschaftsmacht in Europa aufstieg – tatkräftig und natürlich aus politischem Interesse bewusst gefördert durch Wilhelm I. Man denke nur an die Spitzenstellung der deutschen Geschichtswissenschaft und die Neugründungen naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteter Bildungsinstitutionen.
    Diese Strukturen blieben im Wesentlichen erhalten, bis die Rassenpolitik des Dritten Reiches ein Großteil des wissenschaftlichen Potentials durch Vertreibung und Vernichtung eliminierte. Ob sich Deutschland je von diesem Aderlass erholt hat?

  336. gottes beistand, meinte ich...
    gottes beistand, meinte ich

  337. @Savall (20:45), damit kann...
    @Savall (20:45), damit kann ich nichts anfangen. Klar gingen die Leute auf die Strasse. Aber war es eine Revolution? Oder war es die Nutzung einer sich ueber Jahre hinweg anbahnenden systemischen Schwaeche?
    .
    @Don Carlos, na Sie machen mir Spass. Die Abgehauenen gingen und vergassen diesen Staat. Zurueck blieb der Phantomschmerz des hinterlassenen Privaten. Gut, auch das Private ist politisch, aber nicht weiter relevant. Wir sollten den weiten Zeitraum , beginnend in den spaeten 40ern, endend in den spaeten 80ern zu ueberblicken versuchen. Da muss man ehrlich sein. Zur Ehrlichkeit gehoert das furchtbare Denunziantentum, dem jeder zum Opfer fallen konne, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefiel. Zur Ehrlichkeit gehoert auch das Erkennen des Muckertums, des orwellschen Doppeldenks, das Leben mit der veroeffentlichten Luege und der vermeintlichen privaten Wahrheit. Dem Verschwinden von politisch unliebsamen Buergern nach Bautzen. Wer diesen Staat verliess, durfte mit gutem Grund die Tuer hinter sich schliessen und den Schluessel wegwerfen.
    Biermann, lieber Carlos, Biermann! Eine doppeldeutige Ikone komischer Linker. Den sollten wir vergessen. Dem ging es nach seiner Ausweisung sehr gut im Westen. Dieser weinerliche Schwatzsaenger mit Heinepreis und beliebter Laienprediger in evangelischen Kirchen…
    Nun, lieber Carlos, mosern Sie ueber die Verhaeltnisse in diesem neuen Deutschland. Sie tun das mit Recht. Aber Sie, wenn Sie ein Ehemaliger des anderen Deutschlands sein sollten, sollten es mit etwas mehr Demut tun. Diese Uebernahme der DDR durch die BRD hat einen ganzen prosperierenden Staat finanziell an den Abgrund gefuehrt. Ganz banal, mein Lieber, zeigte sich das Irrationale, konsumgeile Verhalten des gemeinen DDR-Buergers auf dem Bahnhofsvorplatz von Halle/Saale. Am 2. April 1990, einem Arbeitstag, standen ein paar Trabis auf dem dortigen Parkplatz. Am 15. Mai 1990, gerade mal anderthalb Monate spaeter, quoll derselbe Platz ueber von gebrauchten BMW’s.
    .
    Ueber die Ethik des gewoehnlichen DDR-Bewohners machte ich mir schon als Kind keine Illusionen mehr, nachdem zwei StaSi-Futzis in ihren von der GeStaPo uebernommen Ledermaenteln in unserem Wohnzimmer standen, das Buecherregal filzten, meine Mutter, ein harmloses Wuerstchen, zur „Klaerung eines Sachverhaltes‘ mal eben mitnamen. Ursache war eine dumme, kleinliche Denunziation.
    Evangelische Kirche, Umweltbibliothek, literarische Kreise? Lassen Sie mich nicht lachen. Wenn den Leuten nicht das Wasser am Hals gestanden haette, waere der ganze kulturelle Schmonzes ueberhaupt nicht aufgefallen. Das war nicht die Ursache, das war das Mittel. Und wurde danach sofort vergessen. Wir wir inzwischen wissen.
    .
    @Plindos, vielleicht finden Sie in Ihrer Enzyklopaedie auch einen Text, der mich weiser machen koennte? Ein literarischer Hinweis bringt nicht viel.
    .
    @auch-einer, na prima, wir ergehen uns in Andeutungen?

  338. lieber specialmarke,
    ja, mir...

    lieber specialmarke,
    ja, mir gefallen auch die Waldkindergärten, von denen es nun auch in Wien einen gibt; als Volksschule würde ich auch eine Waldorfschule bevorzugen, mir selbst fiel der Übergang vom Zeichnen zum Schreiben schwer, auch das viele, viele Stillsitzen.
    Eine kritische Steiner-Rezeption (falls es Sie noch interessiert) findet sich in Michael Eggerts blog
    http://www.egoisten.de///

  339. @Savall, Filou; Ich denke...
    @Savall, Filou; Ich denke nicht, dass die eine Wahrheit über die Novembertage von 1989 gibt. Dafür sind die Erfahrungen und Blickwinkel zu verschieden. Aber das Empfinden, von dem Savall berichtet, halte ich für sehr nachvollziehbar. Es geht meines Erachtens auch weniger um das Gesamtereignis jener Zeit, sondern um die wenigen Wochen nach den Ausreisewirren des Sommers und dem Anschlussgeschrei der Konsumgierigen. Dieser November damals war beinahe mystisch, es gab tatsächlich so etwas wie eine geistige Anführerschaft der Intellektuellen, die Zeit schien zu stehen und gleichzeitig zu rasen. Ich selbst war noch relativ jung damals, werde aber nie meine ersten freien Diskussionserfahrungen im Gewandhaus zu Leipzig unter der Moderation von Kurt Masur vergessen.
    Wie schon erwähnt, war dieser Zauber schon Anfang Dez. vorbei, als die Massendemos losgingen, diverse Parteien und sonstige Gruppierungen Aufstellung nahmen und begannen, Verteilungskämpfe auszutragen.
    Und ebenso muss ich Savall zustimmen, was die Bedeutung der Bücher in der DDR betrifft: der Stellenwert war hoch, wichtig war v.a. der geistige Besitz, kaum jedoch, m.E.,der materielle Wert. Und im „Turm“ ist es beschrieben, außerordentlich gut sogar, man lese nur den Ausflug zur Leipziger Buchmesse.
    Abschließend noch ein kurzer Beitrag zum eigentlichen Thema: ich habe ein wenig den Eindruck, dass die Kommentatoren mit östlicher Schulerfahrung weniger persönliche Blessuren davon getragen haben. Langeweile und Ideologieprobleme ja, aber sonst wohl eher sich nicht so wichtig nehmen, lernen, was gut ist, und ansonsten durchstehen. Es ist im übrigen auch schwierig, bei einer allgemeinen Schulpflicht für jeden ein maßgeschneidertes Schulprogramm anzubieten. Da muß man schon ein wenig für sich selber sorgen. Und nun wird es doch etwas länger, weil mich auch das Lehrer-Bashing stört: Deppen und schlimme Zeitgenossen sind ja wohl allgegenwärtig, wieso soll das bei Lehrern anders sein? Was aber niemanden berechtigt, Pauschalurteile abzugeben; gibt es noch einen anderen Berufsstand, abgesehen von Politikern, der sich solche permanenten Einmischungen und Herabsetzungen gefallen lassen muß? Glaube nicht, daß einen eigene , durchaus folkloristisch verklärte, Schulerfahrungen zum Experten werden lassen. Und nein, ich bin kein Lehrer, aber mit schulpflichtigen Kind. Habe aber bei der Lektüre der Kommentare festgestellt, daß ich ja ein Super-Abitur habe! Nämlich ein sächsisches von ´92 – damals war man ja der Meinung, daß nur der andere Freistaat im Süden der angemessene Partner sei und legte die Bildungslatte entsprechend hoch, um wenigstens den Hauch einer Chance gegen das bayerische Abi zu haben. Haben wir damals immer zu hören gekriegt, daß die Bayern das beste Abitur haben, wir uns also daran orientieren müssen, mit z.T. schlimmen Ergebnissen für den ´91er Jahrgang, bei uns war man dann schon etwas gnädiger.

  340. @Försterliesel: danke für...
    @Försterliesel: danke für den Link – die Barbie-Recherche des Historikers Hartmann ist ja äußerst erhellend. Demnach werden wohl Verbindungen recycelter Nazifolterer zu dem Herumgefuhrwerke der USA im Lateinamerika der 70er und 80er Jahre bestanden haben. Und Mitterand kaufte ihn dann gegen 50t Waffen den Bolivianern ab. Das der Part, wo die mir noch nicht so ganz faßliche Größe Frankreich ins Spiel kommt. Neben deren Konfliktverhalten muß ich auch mal ein wenig graben, was in Bolivien von da an loswar, wie es schließlich zur Regierung Morales kam. Die US-Amerikaner können in Südamerika nicht mehr viel schalten, das weiß ich, seit mir ein Bayer erzählt hat, was er beim Verkauf von Meßgeräten nach Brasilien erlebt hat. In Wikileaks wirkt das alles sehr kumpelhaft-förmlich, aber wenn man noch Braudels Bemerkung hinzunimmt, daß die seinerzeit qua Guerillakrieg die Holländer rausgeschmissen haben, wird klar, daß die _sehr, sehr eigen_ sind.

  341. @Ghostwriter: ich fürchte mit...
    @Ghostwriter: ich fürchte mit einer Wiederbelebung des Wissenschaftsstatus ist so schnell nicht zu rechnen, und zwar u.a. deshalb, weil Berlin so arm ist. Das wäre der natürliche Standort dafür. Hamburg ist Großhandel, München ist gutes Leben, Frankfurt ist Bank – in Berlin saßen die Regelsuchwütigen.

  342. @Rouleur, da ist was dran. Ich...
    @Rouleur, da ist was dran. Ich erlebte diese Zeit aus der Fernsehperspektive in Holland. Aber nach dem Besuch Gorbatschows im Kohlenpott war mir klar, das etwas passieren wuerde.
    Ich zoegerte uebrigens nicht, am 9en November mit meiner ganzen Familie nach Berlin zu fliegen, um mich, soweit es moeglich war, kundig zu machen.
    Danach folgte ich dem ganzen Geschehen mit allen Sinnen, erlebte die Reaktionen im Westen, und war zwei Jahre lang im Osten unterwegs, habe meine Vergangenheit aufgearbeitet. Ich kann die idealistischen Verklaerung Savalls nicht teilen.

  343. ....und dann kam das Tigerbaby...
    ….und dann kam das Tigerbaby zu Besuch, kochte Abendessen und sagte: ‚Mama, was Du da hast, ist Schweinegrippe.‘ – ‚Ich Schweinegrippe? Das ist doch nur so eine Journalisten-hype! Außerdem wäre ich dann schon längst tot! Ich aber hab‘ das schon seit vier Tagen!‘ – ‚Mama, in deinem Alter ist das nicht tödlich, weil es 1959 schon mal einen ähnlichen Grippevirus gab. Unser Arzt hat gesagt, wenn es nach 5 Tagen nicht besser wird, solltest du aber doch mal zum Arzt gehen (Holländer gehen nicht so oft zu Arzt wie Deutsche).‘
    .
    Was ich damit sagen möchte, ich emfehle allen werten Blogteilnehmern sich gegen diese widerliche untigerische Krankheit impfen zu lassen.

  344. @auch-einer, na prima, wir...
    @auch-einer, na prima, wir ergehen uns in Andeutungen?
    ja, mangels beweisen kann ich nicht mehr als mutmassungen anstellen. einiges an der sache kommt mir eben sonderbar vor.
    vielleicht sollte ich mal wieder loest, nikolaikirche lesen.

  345. @Försterliesel: Vielen Dank...
    @Försterliesel: Vielen Dank für Ihren Link auf egoisten.de. Ich habe ihn mal in meine Leseliste aufgenommen, obwohl ich mich eigentlich nicht mehr mit Anthroposophie und Waldorff-Pädagogik auseinandersetzen möchte. Aber Michael Eggerts Artikel „Ein Lob der Zeitverschwendung“ fand ich sehr erfreulich. Die Erziehung zur Achtsamkeit als Leitbild in Kindergarten und Schule wäre allerdings ein Anliegen, für das ich mich noch heute einsetzen könnte …

  346. Filou@: Es war dieser Ausruf...
    Filou@: Es war dieser Ausruf von E. Mielke, der mir ein Erstaunen und deshalb sein Erwähnen abnötigte. Als ob er aus einem Traume erwachte, er, der scheinbar allmächtige Meister des „Wissens „. Als ich diese Äusserung zufällig damals im Radio hörte, lief mir ein unwillkürlicher Schauder über den Rücken. Deshalb der Lit.-Hinweis zu Schopenhauer, der sich darin mit dem Phänomen des Traums auseinandersetzt. .

  347. @Plindos, ja so wird ein Schuh...
    @Plindos, ja so wird ein Schuh draus. Danke. Halten Sie doch bitte demnaechst Rechnung damit, dass nicht jeder so belesen sein kann wie Sie.
    Und mit jedem neuen Tag werde ich unbelesener.

  348. Filou, demut ob der dummheit...
    Filou, demut ob der dummheit eines prosperierenden staates, sich von der möglichkeit der erschließung eines neuen, nach transferierung der eigenen währung unproduktiven lebensraumes an den rand des finanziellen zusammenbruchs führen zu lassen? demut darüber, daß sich die regierung dieses in seiner kulturlosigkeit und unorganisiertheit unverständlicherweise prosperierenden staates ausgerechnet die irrationalität und konsumgeilheit des in der ausnutzung des allgegenwärtigen mangels für seine persönliche bereicherung gestählten bodensatzes der ostdeutschen gesellschaft zur richtschnur ihres handelns gemacht hat? wenn Sie das, was Sie bei der flucht über ungarn, bei der flucht über die deutsche botschaft in prag oder bei dieser menschenflut über die nach dem 9. november geöffnete grenze beobachten konnten, für die wende gehalten haben, dann haben Sie genausowenig begriffen wie der oggersheimer, denn die wende wandte sich gerade gegen die dabei gezeigte rückgratlosigkeit und zielte auf eine verbesserung der politischen situation, um diesen drang zur flucht in normale reisen mit bewußter wiederkehr umzuwandeln. es gibt nichts widerlicheres als diese gleichsetzung der motive der flüchtenden mit denen der initiatoren der wende. die wiederum der kränkung entspringt, im osten nicht erwünscht und umkämpft gewesen zu sein. andere hatten auch probleme mit der staatsmacht, nächtliche hausdurchsuchungen und inhaftierungen inklusive, ohne sich damit überhöhen zu müssen. und auch heute reicht wieder eine kleinliche denunziation, was inzwischen, von politischen kreisen ausgehend, hoffähig gemacht wird, mißliebige aus dem rennen zu werfen oder zumindest eine weile zu beschäftigen. natürlich ermöglichte die schwäche der staatsführung erst diese wende. doch wieviele tote hätte der umbruch denn fordern müssen, um Ihre akzeptanz zu finden?

  349. Lieber Don Carlos, gerne...
    Lieber Don Carlos, gerne wuerde ich Ihnen jetzt spontan antworten. Ich muss mich aber durch konsequente Kleinschreibung, mich fordernde Schachtelsaetze und Sarkasmen arbeiten. Das braucht Zeit. Seien Sie versichert, die Antwort kommt.
    Sie machen es einem wirklich nicht leicht.

  350. In Brüssel sollen Belgier...
    In Brüssel sollen Belgier demonstriert haben, sagt mein Mann. FÜR eine Regierungsbildung, endlich mal. Flamen und Wallonen hätten gemeinsam die Nationalhymne abgesungen. (Es sei eine deutsche Flagge aufgetaucht. Wahrscheinlich als mahnendes Zeichen, daß vereinigen eben auch geht, wenn man nur will.)

  351. Sie haben irgendwo Recht, ...
    Sie haben irgendwo Recht, Filou, Kleist´sche Schachtelsätze ohne Groß-
    und Kleinschreibung , betr. 21:32 gestern , sind schon verflixt anstrengend.
    Was soll das eigentlich, zeigt man damit wie modern und proggressiv man
    ist oder daß man auf einer außerordentlichen und besonderen Schule war?

  352. @Das ist ja allerliebst, wie...
    @Das ist ja allerliebst, wie Sie hier die Erlebnisse anderer Leute als albernes Getue abfällig bewerten.
    Und es konnte einem ja auch wirklich nichts passieren. Einschüchterung und Bedrohung durch die Stasi und Entzug der Kinder, bei aufmüpfigen Eltern etc. ist ja nie vorgekommen, hat es natürlich nie gegeben, alles nur Westpropaganda.

  353. Keine Sorge , lieber Autor,...
    Keine Sorge , lieber Autor, niemand wird jemals mehr in Deutschland in einer höheren Lehranstalt so gequält, wie Du. Aber in fernen Ländern jenseits der großen Ozeane, da sind Milliarden Schüler, die sich unaufgefordert selbst quälen und dann Harvard, Princeton und Yale bevölkern und die die nicht mehr konkurrenzfähigen Deutschen wirtschaftlich zerquetschen werden. Moral von der Geschicht: Ex nihilo nihil fit. Von nichts kommt nichts (Leopold Mozart, Salzburg).

  354. Äh. diese Amerikaner, die mit...
    Äh. diese Amerikaner, die mit ihren Bankstern gerade in den Staatsbankrott rauschen, weil das Land sonst nur noch Atombomben und kriminelle Organisationen exportieren kann? Die sollen uns zequetschen? Die sind doch längst ein chinesisches Protektorat.

  355. "Milliarden Schüler" = ...
    „Milliarden Schüler“ = China, China, China (nix Indien) . Don Alphonso, schlaf schön weiter, doch dein Erwachen wird ein Schreckliches sein !(siehe Gerald Celente, Prognostikerpapst). Aus dem leib-seelischen Nihilo nihil fit in Nihil-Nirwanaland (Leopold Mozart, Salzburg).

  356. verdrehen Sie nicht die worte,...
    verdrehen Sie nicht die worte, windsbraut. natürlich gab es das alles, auch in der eigenen familie. hausdurchsuchung, haft, flucht, konfiszierung des privateigentums, das ganze programm. traumatisierend. alles unbestritten und selbst erfahren.

    aber es gab auch den untersuchungsführer, der belastendes material unterschlug und damit noch größere probleme verhinderte. es gab trotzdem die möglichkeit zur aufsässigkeit. es gab trotzdem die möglichkeit zum abitur. es gab trotzdem das gewünschte studium und es gab trotzdem den gewünschten beruf. natürlich mußten dafür zugangsvoraussetzungen erfüllt werden, wie von jedem anderen auch. natürlich wurden bewerbungen zunächst abgelehnt und dann doch zugesagt. natürlich war hinterher klar, daß da eine überprüfung stattgefunden hat und daß man durch leute aus dem eigenen umfeld beobachtet wurde. und natürlich brauchte man sich auf all das nichts einbilden und wurde, wie andere auch, bis an seine grenzen gefordert. das hatte nichts großartiges. aber es sagte auch niemand, ‚Sie können ja gehen, wenn’s Ihnen nicht paßt!‘.

    es war immernoch erkennbar, daß das system nicht funktionieren kann. das system war immernoch unsympathisch. es gab dann endlich nach dem zusammenbruch diese winzige chance, eine eigene lösung zu entwickeln. dieses wirkliche gefühl der freiheit. verbunden mit einigen sorgen um die zukunft, aber eben auch zuversicht.

    und dann kam das geld und entwertete alles. die kirche, die in ihrer nähe entstandene wendebewegung, die bisherigen berufe, die arbeitsstätten ohnehin. und wie erwartet, ob gegen das system oder nicht – alles mußte erneut gerechtfertigt, nachgewiesen werden. alles wurde erneut untersucht, die inhaftierten oder geflüchteten angehörigen riefen mißtrauen hervor. nur diesmal aus einem anderen blickwinkel. und es gab die forderung zur anpassung. diesmal sogar deutlicher, ‚denn es gibt ja eine familie, die zu versorgen ist.‘.

    was ankotzt, ist schlicht diese anscheinend naive, doch irgendwo zynisch-herablassende totschlagargumentation, daß mit der abschaffung des ostens und der aufarbeitung der stasiakten alles schlechte aus der welt und wer jetzt noch das gegenteil behaupte, ein ideologisch beeinflußter lügner sei. alles ist jetzt gülden, wohlgenährt, frei, zwanglos. die wende war doch nur ein instinktgeleiteter impuls von heruntergekommenen ossis, die zonengabiähnlich ihrem trieb nach bunter reklamebeleuchtung, dosenbier und bananen folgten und durch den druck ihrer kuhherdengleichen zusammenballung die mauer zum einsturz brachten. dieser sich in drängender gier entladende aufgestaute mangel mußte zunächst mit der demark gestillt werden, um das vorgefundene und bisher nicht vorstellbare chaos ordnen zu können.

    waren schon die szenen peinlich, die sich abspielten, als nach der grenzöffnung der rückstrom der begrüßungsgeldabholer aus westberlin versuchte, ähnlich dem kampf um den letzten platz im letzten flug aus stalingrad, einen platz im zug zu erkämpfen – blankgescheuerte knie, über den haufen gerannte kinder, aufgeschürfte hände, doch glücklich über eine büchse dosenbier, ananas und zigarretten – die reduzierung einer ganzen bevölkerung auf diese szenen und diese seitdem permanente aufforderung, jetzt doch endlich zufrieden, demütig(!) zu sein, weil man doch nun alles gewünschte habe, entwertet die regelmäßig bekundete freude über die gelungene vereinigung gründlich.

    savall hat recht, das beste ist noch, daß man jetzt alle bücher im internet aufspüren und kaufen kann. aber das wäre inzwischen auch so möglich gewesen.

  357. Danke, Don Carlos. Sehr gut...
    Danke, Don Carlos. Sehr gut und sehr richtig, wie ich meine.

  358. @BertholdIV, falls Sie's noch...
    @BertholdIV, falls Sie’s noch nicht kennen:
    http://www.vera-lengsfeld.de/up/up/Wie%20ich%20Gregor%20Gysi%20im%20Stasiknast%20Hohenschoenhausen%20erlebte.pdf
    (im weitesten Sinn ich hier interessant)

  359. @Filou: wah, Wildost vom...
    @Filou: wah, Wildost vom Heftigsten! Tricksereien, Geldgeschiebe…
    @Don Carlos: von mir werden Sie bestimmt nicht hören, Sie sollten demütig sein. Ich habe am 9.11.1989 genau deswegen nach Ostberlin eine Schranke gelupft, weil ich mit diesen Leuten, die sich ihre Freiheit erkämpften, bekannt werden wollte. Mir wäre eine langsamere Vereinigung mitsamt allgemeiner Abstimmung auch weitaus lieber gewesen. Aber der Kairos ließ das nicht zu, denn die Energie verpuffte zu schnell ins nirgendwo (als ich hörte, daß sich die Leute mit dem Honeckerjagen befassen, war mir klar, es ist vorbei und wird nichts mehr. Weil keine Öffentlichkeit für das Wofür und Wohin mehr da war.). Anschluß war, wie ich inzwischen einsehen mußte, bei diesem gallertigen Zustand das kleinere Übel.

  360. Naja - der Bericht ist ein...
    Naja – der Bericht ist ein bisschen ohne roten Faden und Bayernspezifische Aussage…
    „Alle haben mich unterdrückt, durch zwang kann man niemanden begeistern, und die hälfte ist da hängen geblieben, wo sie zur Schule gegangen sind.“
    Das trifft auf jede der verdammten KZ-Schulen der Bimbesrepubik zu.
    Ob CSU oder liberal – ich habe in Hessen in meiner Lari-Fari Gesamtschule nichts anderes erfahren – inklusive der ein oder zwei Alkoholiker und Selbstmörder…
    Generell also nicht unwahr, dürfte aber auf so ziemlich alle Schulen in Deutschland zutreffen. Nur, dass die Bayern immerzu behaupten, dass sie ja alle so ein tolles Abitur gemacht hätten und wir Hessen zu Blöd wären um das gleich Abi zu bestehen. Wo ist jetzt der Vorteil/Nachteil/etwas besonderes? Bei mir war es genau so!

  361. @Werter Don Alphons
    Bitte...

    @Werter Don Alphons
    Bitte verzeihen Sie, es ist meine letzte Erregung, ich bin dann auch gleich weg.
    *
    @Werter Don Carlos
    Ach, Sie Mal an, da habe ich etwas ganz falsch verstanden?
    Wenn Sie mir auf meine Beiträge antworten:
    *22. Januar 2011, 11:01
    „windsbraut, ganz ehrlich, ich fand Ihre und Annasethes darstellungen so abstrus, klischeehaft und nicht nachvollziehbar, daß ich mich durch eine anderslautende darstellung nicht dem vorwurf der systemnähe oder der mitläuferschaft aussetzen wollte.“
    *
    Und
    *
    22. Januar 2011, 18:29
    „windsbraut, da waren Sie aber wirklich an einer ausnahmeeinrichtung. ich kenne wirklich keine sensibelchen, die montagmorgens sturmgebeugt und rotzblasen heulend zum fahnenappell zusammengetrieben und dann für den rest der woche von knarzigen lehrern zur sau gemacht wurden.“
    *
    Dann wollten Sie nicht ausdrücken, dass Sie das für abstrus und eine Ausnahme halten, und eigentlich nur vermuten, dass ich als „Sensibelchen“ mich nur nicht hätte so anstellen sollen?
    *
    Sie wollten mir also sagen, dass annasehtes und meine Erfahrungen durchaus glaubhaft sind? Und dass es tatsächlich aus solche Zustände gegeben hat? Und dass einem doch das ein oder andere passieren konnte, auch in der Schule, auch die Verweigerung des Abiturs beim Notendurchschnitt 1,0, einfach weil die Eltern z.B. einfach unangepasst und keine stillen Mitläufer waren?
    *
    Ja, dann verzeihen Sie, dann nehme ich natürlich alles zurück.

  362. Windsbraut, aber bitte, tun...
    Windsbraut, aber bitte, tun Sie sich keinen Zwang an und bleiben Sie, so lange Sie wollen.

  363. Windsbraut, hier fliegen schon...
    Windsbraut, hier fliegen schon mal die Fetzen. Ich finde das schoen, nicht wahr Don Carlos, HM555 u.A.?

  364. doch, windsbraut, ich fand...
    doch, windsbraut, ich fand Ihre darstellung abstrus und klischeehaft und irgendwo herabsetzend und irgendwie sehr verallgemeinernd (‚Ach ja, Abitur war für mich nicht drin, denn freie Wahl gab es nicht. Man wurde von der Schulleitung an die „Erweiterte Oberschule“ delegiert. Aber nur, wenn die Familie eine korrekte politische Gesinnung vorwies (hier galt Sippenhaft)sehr gute Noten waren da eher zweitrangig.‘).

    ich weiß nun nicht, was Ihre familie gegenüber den kleinlichen auseinandersetzungen anderer ostdeutscher mit der obrigkeit herausragendes im widerstand geleistet hat, daß Sie mit diesem genialen notendurchschnitt nicht zur oberschule durften (die berechnung der kommastelle war in der ddr übrigens unüblich, man hatte nur mit ‚auszeichnung‘ oder ’sehr gut‘ eine chance, was die notendurchschnitte unterhalb 1,5 bezeichnete). aber zumindest eine berufsausbildung mit abitur wäre sicher drin gewesen.

    ich wäre jedenfalls nie auf den gedanken gekommen, meine persönliche auseinandersetzung mit vertretern des ostdeutschen bildungssystems als widerstandskampf zu stilisieren, geschweige denn, mich aufgrund der daraus folgenden probleme unterdrückt zu fühlen. denn bizarrerweise gibt es immernoch menschen, sogar genuine westgermanen, die nach einer meinungsverschiedenheit versuchen, einem das leben zur sau zu machen. siehe auch die schilderungen der anderen hier.

    und seien Sie ehrlich, Sie würden mir für meine meinung doch auch gern eins auswischen. sind Sie eine sozialistische lehrerpersönlichkeit?

  365. deswegen sind wir doch alle...
    deswegen sind wir doch alle hier, Filou. Ihre erwiderung steht noch aus… drücken Sie sich etwa? oder schieben windsbraut vor? ungalant…

  366. Don Carlos, im Schimpfen bin...
    Don Carlos, im Schimpfen bin ich ganz grosse Klasse, da faellt mir alles leicht. Das Thema aber ist mir wichtig, aber es ist auch sehr komplex. Ich ringe um Form und Inhalt. Geduld, bitte Geduld.

  367. @Don Carlos
    „und seien Sie...

    @Don Carlos
    „und seien Sie ehrlich, Sie würden mir für meine meinung doch auch gern eins auswischen. sind Sie eine sozialistische lehrerpersönlichkeit?“
    *
    Es ist noch viel, viel schlimmer, denn ich will Ihnen nichts auswischen, ich möchte Ihnen etwas klarmachen. Und zwar, dass ich bei Ihnen etwas vermisse: Die Kenntnis und Anwendung der Regeln der gepflegten Konversation. Zu diesen gehört, dass man die Meinungen und Erfahrungen anderer Menschen mit einem gewissen Respekt zur Kenntnis nimmt, auch wenn man sie nicht teilt.
    *
    Und nein, ich bin keine Lehrerpersönlichkeit, weder eine sozialistische noch eine kapitalistische.

  368. frau windsbraut, respekt ist...
    frau windsbraut, respekt ist das eine, aber wie simplicius simplicissimus nach seiner rückkehr aus dem wald alles gesprochene für bare münze zu nehmen, ist auch keine grundlage für gepflegte konversation. und Ihre aussagen erzeugen nunmal dissonanz.

    unter den beschriebenen zuständen die zehnte klasse mit einem notendurchschnitt von 1,0 abzuschließen, war eine herausragende leistung, die zeigt, daß da jemand seinen widerwillen gegen die methoden und sein mitgefühl gegenüber den gedemütigten sehr gut ausblenden und sich in einem sehr hohen maß konzentrieren konnte.

    gleichzeitig war eine solche person, trotz seiner überdurchschnittlichen fähigkeiten, immernoch auf ein gewisses wohlwollen der so drastisch beschriebenen lehrer angewiesen, denn zumindest die fächer sport, musik und kunst boten in der bewertung einen gewissen ermessensspielraum, weil die benotung zu gewissen teilen von der subjektiven einschätzung der lehrer abhing, was durchaus zum drücken des notendurchschnitts mißliebiger schüler genutzt werden konnte. aber zu hitzigen diskussionen mit aufgebrachten eltern führte.

    noch komplizierter war es in deutsch, weil neben der bloßen aufzählung der fakten immer eine interpretation im sinne der herrschenden ideologie gefordert war. genauso wie in staatsbürgerkunde, wo allein zur aufzählung der erforderlichen fakten die für die note eins geforderte verwendung des korrekten sozialistischen vokabulars bei den meisten schon eine sprachhemmung verursachte.

    es gab durchaus möglichkeiten, diese probleme auf dem weg zu einem schulabschluß für sich selbst zu lösen. es war ja kein geheimnis, was gefordert wurde, also lieferte man das gewünschte und machte sich hinterher im freundeskreis darüber lustig. oder man gab seinem inneren widerwillen nach. das wurde einem nicht übel genommen, aber ein notendurchschnitt von 1,0 war dann nicht mehr drin. oder nur mit sehr verständnisvollen lehrern, die es nach obiger beschreibung an dieser schule nicht gab, sonst hätten die auf jeden fall Ihrer bewerbung zur oberschule zugestimmt.

    bleibt also nur eine sehr hohe anpassungsleistung an die bestehenden weltanschaulichen zwänge, um den angestrebten notendurchschnitt zu erreichen. das haben viele gemacht und es wurde auch allgemein akzeptiert, ohne gleich als 110%er alle seine freunde zu verlieren, wenn man denn in seiner freizeit auch wieder normal sprechen konnte. in Ihrem fall müßte das jedoch zu konflikten mit Ihren eltern geführt haben, die nach Ihrer beschreibung einen so starken widerwillen gegen das system hegten, daß Ihnen das die zulassung zur oberschule verbaute.

    die rechte gesinnung vorzutäuschen, um sein berufliches ziel zu erreichen war also durchaus weit verbreitet und in gewissen grenzen akzeptiert. bei den meisten dieser schauspieltalente verhinderte jedoch das limbische system das eindringen der sozialistischen theorien in tiefere gehirnschichten, indem es aufgrund des in der amygdala gegen sie entwickelten widerwillens für dieses gedankengut undurchlässig geworden ist. das heißt, die meisten konnten bereits zwei tage nach der entsprechenden prüfung diesen gedankenmüll nicht mehr rekapitulieren, während Sie mindestens zwei jahre später während Ihres soziologiestudiums dazu noch in der lage waren.

    zusammenfassend: gepflegte konversation, respekt gegenüber anderen meinungen und erfahrungen hin oder her. wenn Sie die zehnte Klasse wirklich mit 1,0 abgeschlossen haben und trotzdem nicht zur oberschule zugelassen wurden, kann das nur bedeuten, daß Ihr notendurchschnitt im bewerbungszeugnis des halbjahres der neunten klasse oberhalb von 1,5…2,0 gelegen hat, nicht die mangelnde linientreue Ihrer eltern. die abschlußnote war relativ egal, das bewerbungszeugnis zählte. Sie können ihnen also verzeihen. andere gründe können nicht vorliegen, denn nach öffentlichem verbrennen der staatsflagge (straftat) oder grüßen des parteisekretärs der schule mit dem hitlergruß (straftat) wäre ein ausgezeichneter schulabschluß wahrscheinlich nicht mehr drin gewesen. der antrag auf zusatzrente für opfer der diktatur wird ebenfalls abgelehnt.

  369. @Don Carlos
    Das ist ja alles...

    @Don Carlos
    Das ist ja alles sehr schön zusammenphantasiert, aber ich habe nie behauptet, , dass ich es war, die einen Notendurchschnitt von 1,0 hatte.
    *
    Und da Ihnen die Ironie anscheinend entgangen ist: Ihre Ergüsse wirken eher amüsieren, da Sie sich selbst darin so schön vorführen. Ich denke jedoch, dass Ihr privater Feldzug die meisten Leser wenig interessieren dürfte.
    Aber bitte, wenn es der Therapie dient, immer raus damit.

  370. @Don Carlos, mit Ihrem letzten...
    @Don Carlos, mit Ihrem letzten Beitrag beschrieben Sie das Problem der Persoenlichkeitsbildung im Erziehungssystem der DDR ziemlich treffend.
    Das Resultat dieses systemisch aufgezwungenen Verhaltens, mit der Folge einer dauerhaften Charakterverbiegung, irreparabel wie die verkrueppelten Fuesse altchinesischer Hofdamen, ist es ja was manchen ehemaligen DDR-Buerger in staendige Konflikte mit der Aussenwelt und mit sich selbst treibt.
    .
    Eine lebendige, sich staendig weiter entwickelnde Gesellschaft braucht freie Geister, das Hervorbringen von Spinnern muss dabei gleichwertig akzeptiert werden, wie das von brillanten Ingenieuren, Philosophen, Aerzten oder „nur“ Facharbeitern..
    .
    Ein Bildungssystem, in dem zurechtgebogene Wahrheiten als „Letzte Weisheiten“ gelehrt werden, Inhalte, deren Logik angesichts der Realitaet nicht nachvollziehbar ist, erzeugt Pragmatiker des Tages, keineswegs aber zukunftsfaehige selbstaendige Individuen. Man erzieht Zwangscharaktere.
    .
    Pragmatismus, Opportunismus ist uns allen inne, aber auch der Widerstand gegen offensichtlichen oder subtilen Bloedsinn. Die Frage ist nur, welche dieser Eigenschaften uns praegend seit der Geburt in welcher Staerke vom Schicksal mitgegeben wurde.
    Und so kann es kommen, dass der Eine nach einer Wendung der Dinge frei durchatmet weil er nun seinen eigenen Weg gehen darf, der andere sich durchoelt, weil er’s so gelernt hat. Noch ein anderer wegen des Konfliktes zwischen verinnerlichtem Alten und draengendem Neuen schier zu verzweifeln droht. Letztere sind uebrigens sehr oft sehr redliche Erscheinungen.

  371. volle zustimmung, Filou, die...
    volle zustimmung, Filou, die erzwungenen verhaltensweisen durch das pädagogisch einwandfreie und ideologisch unverdächtige lehrpersonal der oben beschriebenen lehranstalten auf der diktaturfreien seite des zaunes führen eben genau deshalb nicht zu den genannten irreparablen, dauerhaften und konfliktinduzierenden verbiegungen des charakters, weil sie nicht systemisch sind. sehr richtig. so, und jetzt lassen Sie sich, wie eben schon windsbraut, wieder an Ihrem bettchen festschnallen, lassen sich eine kleine beruhigungsspritze geben und denken sich nicht weiter kleine geschichten aus, die Sie als Ihre erlebnisse oder philosophische weisheiten vor sich hin brabbeln und wenn dann die argumentation stockt, behaupten, das war alles nur ausgedacht,um andere vorzuführen. der nette pfleger dort sieht dann ab und zu mal nach Ihnen beiden.

  372. Don Carlos, janz jrosse Oper,...
    Don Carlos, janz jrosse Oper, Boah!

  373. Windsbraut, kommense mit? Jehn...
    Windsbraut, kommense mit? Jehn wir sejeln?

  374. lieber Filou,
    ganz große...

    lieber Filou,
    ganz große Oper, richtig. Normalerweise scrolle ich sowas.

  375. Don Carlos, das war nicht...
    Don Carlos, das war nicht nett! Das wird Ihnen schnuppe sein, aber ich war schon sehr neugierig auf die von Filou versprochenen Replik. Und bin auch in keinster Weise enttäuscht worden: zurückhaltend und durchdacht. Nach dem ersten Schreck habe ich nochmals die fraglichen Beiträge von Windsbraut und Anasethe gelesen – und kann nicht erkennen, was einen da so erregen kann. Zumal mein Eindruck ist, daß in beiden Fällen die These der verschiedenen Bewältigungsmöglichkeiten von Filou durchaus zutrifft. Da scheint ja noch immer ganz schön was zu köcheln…!

  376. @Filou
    Ja, gehen wir segeln...

    @Filou
    Ja, gehen wir segeln und lassen es gut sein. Nachher trifft ihn noch der Schlag, das will man ja auch nicht.
    Obwohl, ich sehe gerade, dass auf meiner überfluteten Wiese gerad Flaute (2bft)herrscht. Machen wir lieber einen virtuellen Ausflug in die Weltstadt.

  377. ja, rouleur, die replik...
    ja, rouleur, die replik erinnerte in der argumentation wie im gestus deja-vu-artig an einen polit-unterricht, lediglich mit dem unterschied, daß die argumentation aus der genau entgegengesetzten weltsicht erfolgte. und das ist ein, gerade auch in seiner beobachtbaren häufigkeit, erstaunliches phänomen. es ist genau diese argumentation ‚in (der) zurechtgebogene Wahrheiten als „Letzte Weisheiten“ (dargestellt) werden, Inhalte, deren Logik angesichts der Realitaet nicht nachvollziehbar ist‘. der unterschied/gegensatz zwischen dem parteifunktionär und dem aufgeklärten demokraten besteht in solchen diskussionen nur darin, daß bei dem einen der sieg des proletariats gesetzmäßig und unausweichlich ist und alle opfer im kampf des proletariats durch diesen letztendlichen sieg der überlegenen gesellschaftsform gerechtfertigt sind (würg), während bei dem anderen die demokratie den gipfel- und endpunkt aller gesellschaftlichen entwicklung darstellt und alle opfer im kampf für die verbreitung und erhaltung der demokratie vertretbar sind, weil ihre opferung eben nicht systemisch erfolgte und diese überlegene gesellschaftsform über die demokratischen instrumentarien zur überwindung dieser probleme verfügt (würg). beide systeme stellen also ideale dar, deren aktuelle unvollkommenheit opfer fordert und beide verfügen über die mittel, diese unvollkommenheiten zukünftig(!) auszuschließen und sich dem ideal immer weiter anzunähern. wenngleich auf verschiedenen wegen, wovon der jeweils eigene dem des anderen überlegen ist.

    auch wenn es ofenkundige äußerliche unterschiede zwischen beiden systemen gibt, diese übereinstimmung der erscheinungen und eben auch der argumentationsform erschreckt. die mittel zur überwindung der unvollkommenheiten auf dem weg zum ideal ermöglichten und begründeten früher zwar noch eine deutliche unterscheidung beider systeme – zumindest in zentraleuropa, der wirtschaftsliberalismus in chile und anderswo wird dabei gern ausgeblendet -, nähern sich aber seit einigen jahren einander an. politisch andersdenkende werden ausgegrenzt – auf der einen seite im engeren lebensumfeld, auf der anderen medial -, verlieren ihre lebensgrundlagen, es gibt lager für besonders gefährliche gegner. und es gibt folter. die einen foltern geheim, weil die masse der bevölkerung dagegen wäre, die anderen weitgehend öffentlich, weil es die masse der bevölkerung nicht interessiert. oder weil die masse für folterungen ist? denn die gesundheit des volkskörpers ist wichtig. die sicherung der errungenschaften des proletariats ist notwendig. die demokratie muß wehrhaft sein. und egal, aus welcher politischen richtung, es finden sich immer welche, die die zwingende überlegenheit der jeweiligen ideologischen richtung missionieren.

    was an diesen denk- und verhaltensweisen jedoch in einer demokratie besonders abstößt und dadurch die aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist, daß sie eben nicht mehr mit den besonderen zwängen oder besonderen hervorbringungen einer diktatur – Filou spricht von einem ’systemisch aufgezwungenen Verhalten, mit der Folge einer dauerhaften Charakterverbiegung, irreparabel wie die verkrueppelten Fuesse altchinesischer Hofdamen‘ – zu beschönigen oder zumindest erklärbar sein sollten.
    und das scheint der punkt zu sein. es handelt sich augenscheinlich eben nicht um eine diskussion von politischen werten oder politischen argumenten, weil diese ja offensichtlich stets gleich sind, lediglich das vokabular und die umsetzung unterscheiden sich. es sind keine politischen einstellungen, die da geäußert werden oder denen da gefolgt wird, sondern stets identische muster einer kollusiven interaktion bestimmter persönlichkeitstypen.

    oswald spengler schreibt, daß es historisch unerheblich ist, aus welchen gründen eine tat erfolgt, was die ursachen für ein ereignis oder eine entwicklung sind. was historisch zählt, sind die tatsächlichen ergebnisse von handlungen, ereignissen oder entwicklungen, nicht ‚gute‘ oder ’schlechte‘ absichten, unterlassungen, ideale. man sollte dafür eigentlich keine historiker, philosophen oder ethiker zitieren müssen – es ist völlig unerheblich, ob verbiegungen des charakters, herablassende behandlung, mißhandlungen oder gar sexuelle mißbräuche systemisch erfolgen oder ob sie allgemein bekannter und unterschwellig anscheinend weithin und jahrelang akzeptierter bestandteil der erziehung zur ‚hervorbringung freier geister‘ in einer sich ’ständig weiterentwickelnden gesellschaft‘ sind. der fakt ist derselbe. es ist völlig unerheblich, wie man diese vorkommnisse begründet, sie sind tatsachen und diese tatsachen wirken weiter, ganz gleichgültig, ob sie durch das eine system hervorgerufen wurden oder durch unzulänglichkeiten des anderen jahrelang ermöglicht wurden.

    meine kommentare wandten sich also gegen den so bei Filou und im alltag beobachteten, in seiner offenkundigen unbewußtheit eine innere überzeugung darstellenden zynismus, daß die erfahrenen traumatisierungen in den jeweiligen bildungssystemen (oder sinngemäß sonstigen institutionen) schon deshalb nicht gleichzusetzen seien, weil sie in gänzlich verschiedenen politischen systemen erfolgten. Auf Filous Erwiderung darauf war ich ebenfalls gespannt. die überlegenheit der eigenen weltsicht damit zu begründen, daß schon der versuch einer gegenargumentation die fehlenden bewältigungsmöglichkeiten des anderen offenbart, hat durchaus eine zurückhaltende und durchdachte eleganz, gepaart mit einer gewissen versöhnlichkeit. denn die unvollkommenheit des menschen macht die unterscheidung unmöglich, ob eine diskussion ‚Widerstand gegen offensichtlichen oder subtilen Bloedsinn‘ darstellt oder ob es sich um einen konflikt zwischen ‚verinnerlichtem Alten und draengendem Neuen handelt‘. wer diese zwingende logik zuerst ausspricht, besitzt heute die überlegende rhethorik, der sich virtuelle persönlichkeiten wie das diktaturopfer windsbraut instinktiv sofort wieder unterordnen, während weniger bewegliche geister an der fehlenden akzeptanz dieser ‚letzten weisheit‘ schier zu verzweifeln drohen, sich aber damit trösten können, immerhin redliche charaktere zu sein. von einem tumben, dem unsympathischen stereotyp entsprechenden, real durchaus existent gewesenen, jedoch ehrlicherweise in dieser form nicht konsequent repräsentativen parteifunktionär wäre hier lediglich die versöhnlich klingende, in ihrer schlichtheit und allgemeingültigkeit aber bestimmte aufforderung zu vernehmen gewesen: ‚akzeptieren Sie die realitäten. dann werde Sie es leichter haben.‘. wir haben uns weiterentwickelt.

  378. @Don Carlos: Jösses, was ist...
    @Don Carlos: Jösses, was ist denn Ihnen über die Leber gelaufen? Und was bringt Sie dazu, zu meinen, daß man in die reale Welt 100%ige Ideale verwirklichen könne? Wie kommen Sie darauf, daß wir unser politisches System für das allerbeste halten, wo wir doch wissen, daß es das am wenigsten schlechte ist?

  379. ein echter exportschlager...
    ein echter exportschlager halt, wenn man sich nicht zu sehr wehrt. woher wissen Sie’s?

  380. Von dem, was ich von Eltern-...
    Von dem, was ich von Eltern- und Großelterngeneration erzählt bekommen habe.

  381. ich habe mal in einer gelebt....
    ich habe mal in einer gelebt. sechs monate lang. der verlust schmerzt immernoch.

  382. @Don Carlos: Ah. - Ich nur 3...
    @Don Carlos: Ah. – Ich nur 3 Stunden. Aber hab auch Jahre gebraucht, um darüber hinwegzukommen. (Nein, war nicht Mauerfall)

  383. bizarr... läßt sich darüber...
    bizarr… läßt sich darüber mehr erfahren?

  384. @Don Carlos: hm.. ich möchte...
    @Don Carlos: hm.. ich möchte es nicht in die Öffentlichkeit bringen.

  385. Um mal von dem Gezoffe um...
    Um mal von dem Gezoffe um DDR-Schulen und deren verhaengnisvollen Auswirkungen wegzukommen; hier etwas sehr lesenwertes zum Thema:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,737982,00.html

  386. und Sie haben über die...
    und Sie haben über die wintermonate tatsächlich das boot noch im wasser…? nebenbei: ich grinse oft beim lesen und schreiben von kommentaren. manchmal boshaft.

  387. Don Carlos, Boot: Oel...
    Don Carlos, Boot: Oel gewechselt, Wasserpumpe abgeschraubt, Rumpf gekaerchert, aufgebockt.
    Ich weiss, ich weiss. Feuerkopf.

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