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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Paradiese der Kindheit

| 221 Lesermeinungen

Während im Westen die Modernisierungsschübe das Werk des letzten Krieges oft vollendete, stehen in den ehemalig deutschen Gebieten des Ostens die Dörfer oft noch: In viel Pracht und etwas Zerfall. Da könnte man natürlich auf Gedanken der Rückkehr kommen, wenn man von hier abstammt. Oder sich überlegen, was das für das eigene Zuhause bedeutet.

S’il n’y avait pas de Pologne il n’y aurait pas de Polonais!
Alfred Jarry, Pere Ubu

Natürlich war der Eiserne Vorhang gefallen. Da drüben im Osten. Und man hatte auch mitbekommen, dass Polen mit Lech Walesa jetzt einen Präsidenten hatte, der vielleicht zum Papst, aber ganz sicher in diesem Aufzug nicht ins Parkcafe kommen würde. Auch nicht ins Nachtcafe, in dem wir halb drinnen, halb draussen am Rande der Terrasse sassen und über vieles redeten, aber sicher nicht über den Osten. Eine Bekannte war damals nach Berlin zum Mauerklopfen gefahren, die anderen schüttelten den Kopf, blieben natürlich hier und hatten andere Interessen. Es wurde Winter und wieder Sommer, und wir waren, wo wir immer waren. Das Nachtcafe war eine Art Heimat, die zu verlassen niemandem vor 5 Uhr morgens eingefallen wäre. In diese entspannte und angenehme Stimmung kam der leichtlebige T. dazu, dessen Eltern Arztpraxen mit lukrativen Schwerpunkten hatten, von denen er eine irgendwann, vielleicht, so er das Studium denn schaffen sollte, was damals aber zu bezweifeln war, übernehmen würde. Man wusste von seiner Familie, dass sie, blond, schlank und gross, nicht aus Bayern kam. Was man nicht wusste war, dass der Vater von T. aus Schlesien kam. Man würde es aber gleich erfahren.

Bild zu: Die Paradiese der Kindheit

Denn T. war eine Woche verschwunden. Und als er dann wieder erschien, war er aufgewühlt, verstört, ja vielleicht auch ein wenig missmutig. Seine Eltern hatten ihn, die Gelegenheit der gefallenen Restriktionen nutzend, ins Auto gepackt, und hatten die schlesische Heimat der Vorfahren besucht, die selbst sein Vater nur noch als kleines Kind erlebt hatte. Man wusste, dass es dort eine Fabrik gegeben hatte, ein hübsches Haus, aussenrum ein Dorf und dann einen riesigen Wald. Hemden habe man dort genäht und vertrieben, bis man eben selbst und ganz anders vertrieben wurde, nicht mehr zurückschaute und neue Wege ging, die, insgesamt betrachtet, vermutlich besser als die eines Fabrikbesitzers in einem Krisensektor zwischen Wäldern waren.

Aber die rationale Überlegung ist das eine, das Gefühl das andere. T., der in jenen Tagen zum allerersten Mal in seinem Leben ein Land des Ostens bereiste, war empört über das, was er gesehen hatte. Die Fabrik, die in den Erzählungen der Grosseltern ein Jugendstiljuwel gewesen sein soll: Ein runtergewirtschaftetes Industriegelände mit hässlichen Anbauten. Die Villa: Ein sozialistisches Heim für irgendwas. Die Leute: Meist erst nach dem Krieg hier angekommen, folglich ohne Erinnerung. Wer noch von früher hier war: Kein besonderes Interesse an den Altnichtmehreigentümer. Der Wald: Wunderschön und geheimnisvoll. Und leise schwang vielleicht auch etwas Enttäuschung mit, dass Fabrik und Villa nicht ganz so famos, funkelnd, ornamental und eindrucksvoll waren, wie in den Erzählungen. Gleichzeitig aber auch Entzückung über all das schöne, weite, unberührte Land.

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Es gährte es eine Weile in T., und oft kam er auf das Thema zurück. Es mag auch ein wenig Unzufriedenheit mit dem Studium, mit der Erfahrung mit realen Durchschnittspatienten und Testaten gewesen sein, dass ihm die Idee einer privaten Zukunft in den fernen Wäldern Polens – oder Schlesiens, wie er dann stets betonte – nicht aus dem Kopf ging. Mit Hemden und allen anderen Arten von Herrenoberbekleidung hatten wir damals von der Käuferseite her sehr viel Ahnung, bis an die Grenzen der Dispokredite. T. dachte nach. Informierte sich. Fuhr noch einmal – ohne seine Eltern diesmal, die ihn stante pede enterbt hätten, wenn er Ideen wie Studienabbruch und Firmenbesitzerwerden vorgetragen hätte – über die Grenze, durch die weiten, grünen Wälder, sah sich alles sehr lange an. Überlegte. Nach jedem eher ungut verlaufenen Testat. Verlor darüber die Freundin. Einem anderen, der BWL studierte im Sinne von „er wollte nachher ernsthaft eine Karriere und nicht nur Sohn sein“ und nebenher einige Dinge in der DDR tat, gelang es letztlich, T. die ganze Geschichte wieder auszureden. Es blieb die Sehnsucht. Einige Jahre später – die Fabrik war längst insolvent und in undurchsichtigen Verkäufen unerreichbar geworden, T. hatte doch irgendwie die Kurve gekriegt – gestanden sich dann Vater und Sohn ein, wie sehr sie damals…

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Man hört ja oft, dass Menschen den verlorenen Paradiesen der Kindheit hinterhertrauern, den Erinnerungen an alte Häuser der Grosseltern, an geheimnisvolle Schränke und den Geruch von Eierlikör beim Käseigel beispielsweise. Beim Vater von T. waren es die Steinpilze, so gross wie zwei Hände, die im Sommer aus dem sandigen Boden die Köpfe in den blauweissen Himmel über den Kieferwäldern hoben. Es hat fast immer etwas mit Wiesen, Feldern und Bäumen zu tun, mit Früchten und Genüssen, mit einer gewissen Freiheit des Daseins und frischer Luft, mit einfachen Speisen und Tieren. Ist an dieser Stelle heute vielleicht ein Einkaufszentrum oder eine Siedlung, wurde ein Haus verkauft, abgerissen und an seiner Stelle drei neue Toskanabunker errichtet, wie so oft in Deutschland, kann die Phantasie die Realität noch ausschmücken und verschönern, die Erinnerung geht über die Erzählung an die Kinder, die sich dann wieder ein Haus im Grünen bauen. Oft genug bleibt einem das alles auch erspart, weil Eltern oder Kinder einfach zu stur sind, etwas Liebgewonnenes zu verkaufen, eine Baum fällen zu lassen oder mit sinnlosen Moden zu gehen. Eltern reden manchmal davon, dass man vielleicht später das Haus verkaufen müsste, um etwas anderes zu finanzieren. Kinder denken sich dann im Stillen: Ungern.

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Aber, das muss ich zugeben: Für Menschen, die solche romantischen Anlagen mitbringen und vertrieben wurden, ist Schlesien mitunter eine wirklich harte Erfahrung. Man kann sich dort nicht sagen, man hätte es aufgegeben, weil man eine Alternative hatte. Man sieht aber gleichzeitig sehr genau, wie dieses „Früher“ gewesen sein muss, bei all seinen Schattenseiten und Grausamkeiten der Vergangenheit. Relative Armut und die Schrecknisse des 20. Jahrhunderts sind nichts, was man sich noch einmal wünschen würde, aber oft genug kommt man nach Kilometern durch diese sattgrünen Wälder in ein Dorf, das aussieht, als hätte es die letzten 65 Jahre verpasst. Und dort beschleicht einen sofort dieses Gefühl, man bräuchte nur etwas Farbe und Geld und etwas Entroster für die Eisenteile, die Antennenschüssel weg und die alten Kastenfenster und Türen genau so lassen, damit es wieder so wird, wie es sein sollte. Man übersieht dabei geflissentlich, dass es auch vor 1945 wenig gepflegte Bausubstanz gab, deren Bewohner auf den Feldern und in den Fabriken auch nicht gerade ein leichtes Leben hatten.

Die realen Probleme so einer Rückgewinnung der Paradiese sind es dann wohl auch der Grund, warum so wenige wirklich nach 1989 wirklich über die alten Kopfsteinpflaster zurück in ihre Häuser gegangen sind – ganz gleich, wie sehr sie früher gegen die Akzeptanz der Oder-Neisse-Grenzen waren. Es blieben die Schlesier und die Böhmen, die Ostpreussen und die Banater Schwaben, und meist auch jene, die früher ihre Heimat in Ostdeutschland hatten, selbst wenn die alten Anwesen wieder auf den Markt kamen, und der Erwerb innerhalb der EU unproblematisch ist. Die Steinpilze sollte man nach Tschernobyl ohnehin nicht mehr essen. Der Himmel ist auch auf den Seychellen blau, die Wälder duften auch bei der Marina in Kroatien, die Kinder werden neue Paradiese finden, denen sie hinterher trauern, wenn sie nicht gerade im Chinesisch-Kurs eines polyglotten Kindergartens ruiniert werden. Irgendwann werden vielleicht auch die Vertriebenenverbände und die Pfleger seltsamer Trachten, die kein Mensch mehr trägt, verschwinden, wie auch die Erinnerung, die nicht zwingend angenehm und nicht unbedingt westviertelkompatibel ist. Nicht immer waren in Bayern die Worte über Flüchtlinge von ausgewählter Freundlichkeit. Nicht immer war es das reine Desinteresse, das uns, die Hiesigen gegenüber der Melancholie unempfänglich machte.

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Oft wünschte man sich hier in diesem Blog, ich würde einmal nicht nach Italien oder in die Schweiz fahren, sondern in den Osten. Ich habe es getan, und denke, man sollte es sich anschauen. Polen ist schön, es hat phantastische Wälder, die Strassen entschleunigen, und es ist aus vielerlei Gründen angenehm. Vor allem aber sollte man hinfahren, wenn ein Vermögensberater, ein reicher Freund, ein Vertriebler meint, man könnte doch das alte Haus verkaufen, und statt dessen in dieses oder jenes investieren, der Herr Doktor Soundso mache das auch, und habe statt Ärger jede Menge Rendite. Das mag alles sein, und vielleicht stirbt er auch, bevor er einen Anlegerprozess führen kann, aber so oder so verliert man bei diesen selbstgewählten Vertreibungen auch ein Stück Selbst. Das Gartentor, das Knarzen der Treppe, den Steingarten, in dem Eidechsen huschten, den Apfelbaum. Mit einem Polen kann ein Vertriebener zumindest theoretisch einige der bösen Geschichten vieler Jahrzehnte, den Fluch des 20. Jahrhunderts etwas, ein klein wenig rückgängig machen, oder mit sich ins Reine kommen.

Mit einem Anlageberater und einem Abrissbagger ist das so gut wie unmöglich.

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221 Lesermeinungen

  1. Hab´eine Weile nicht...
    Hab´eine Weile nicht mitgelesen. Jetzt sind Sie wieder angekommen. Das freut mich. Der letzte Absatz und die Bemerkung über Flüchtlinge in Bayern sind mir in Erinnerung, wenn auch in Hessen erlebt.

  2. Ausgezeichnet. Großartig....
    Ausgezeichnet. Großartig. Mehr davon.
    Ich finde, diese spezielle Melancholie ist gut eingefangen. Wir haben alle mal darüber nachgedacht und es hat lange gedauert, zu begreifen, dass diese Länder nun ganz anders sind als damals. Dabei war das schon immer offensichtlich. Aber man hat einfach diese alten Geschichten im Kopf und denkt, es könnte immer so weitergehen.
    Meine Großmutter hat von nichts anderem gesprochen als von diesen Gegenden. Sie hat immer die Landschaft mit Pommern verglichen. Guck mal, das sieht aus wie … damals! Und das sieht aus wie…!
    Wie wäre es mal mit einer Reise nach Kolberg?

  3. Sehen Sie, ist doch alles gar...
    Sehen Sie, ist doch alles gar nicht so schlimm, außerhalb Bayerns bzw. Norditaliens. (Hinweis auf Ihre Bemerkung drüben, von vorhin: Im Münsterland würde niemand komisch – höchstens ein klein wenig devot – gucken, wenn Sie als Radler die Lichthupe einsetzten.)
    .
    Für Anlageberater und ihre jeweilige Klientel gilt: Gleich und gleich gesellt sich gern. Deshalb kann ich Ihrem letzten Satz nur bedingt zustimmen.

  4. Lieber Don,
    oui, en avant:...

    Lieber Don,
    oui, en avant: erfrischender Text zu erfrischendem Thema ! (Dies motiviert mich doch tatsächlich nach längerer Pause mal wieder zum ostentativen Applaus)
    Schön, dass es, wenn schon keine „Grand Tour“, dann zumindest eine „Petit Tour“ in die östlichen Gefilde gab, die Sie zu einem arabeskenreichen kleinen Essay motivierte.
    Vielleicht nun noch etwas mehr zu Ihren Erfahrungen mit „Kunst & Kultur“ bei dieser Begebenheit ? Mich persönlich würde es freuen…

  5. A la récherche de temps perdu...
    A la récherche de temps perdu — die Suche nach der verlorenen Kindheit ist immer eine wehmütige Erfahrung. Eine junge amerikanische Dame wollte die Kindheitsorte beider Eltern aufsuchen. Mit detaillierten Schilderungen ausgestattet, fand sie schnell das Vaterhaus im Osten völlig unverändert und schmuck wieder hergerichtet. Das Haus der Mutter im Westen hingegen war verschwunden und die ganze Umgebung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Das nennen wir Fortschritt.

  6. Fast haette ich es vergessen:...
    Fast haette ich es vergessen: Agnetendorf in Schlesien. Die Villa Gerhart Hauptmanns. Damals war es noch ein Ferienheim und als Museum noch nicht vollstaendig eingerichtet.
    Ein verflixt komplizierter Weg dorthin auf schmaler Strasse. Das Wort Mystik kommt mir eigentlich nicht so schnell in den Sinn, schon garnicht, wenn man vorher an der grossen Strasse an verbrannten Waldstuecken und einsamen Sesselliften vorbeifuhr-ueber mir ein Loeschhubschrauber der Armee- doch auf der Fahrt durch diesen Wald fiel mir „Mystik“ ein. Selbst die bemoosten Bunker des Krieges am Rande des Weges machten einen friedlich-maerchenhaften Eindruck. Man bemerkt sie kaum noch; mit der Zeit nahmen sie die Farbe der Umgebung an.
    Es ist eine Landschaft, so glaube ich, die einen Menschen schwerbluetig macht, ernsthaft, bedaechtig, tiefsinnig und geisterglaeubig. Welche Lieder singt man da, wie klingen sie? Welche Geschichten werden dort erzaehlt? Ich konnte es nicht erfahren, denn ich wollte schnell wieder weg. Es war mir zu dunkel. Trotz des Hochsommers.

  7. Wann seit Ihr rausgekommen? ...
    Wann seit Ihr rausgekommen? …47… Schweigen.

  8. Wehmut erfasst mich,...
    Wehmut erfasst mich, Erinnerung an eine entschwundene Zeit und doch Teil meines Lebens. Ich bin angerührt.

  9. Schlesien-ein geheimnisvoller...
    Schlesien-ein geheimnisvoller Klang weht mich aus längst vergangenen frühen Kinderzeiten an: Hell, lachend, düster-kalt-militärisch. Beides herzzerbrechend.
    Die geschichtsträchtige und kultivierte Großstadt Breslau wo ich geboren wurde. Liegnitz, die alte Piastenstadt, mit der Erinnerung an meine Großeltern väterlicherseits. Die Ferien im Reisengebirge, die ausflüge zur Grödnitzburg zu den Verwandten mit der Kastanienbesäumten Bahnhofswirtschaft und der Bimmelbahn..
    Zuletzt meine Korrespondenz vor drei Jahren mit einem polnischen Offizier, der über die Geschichte Breslaus Einiges von mir wissen wollte und mir Bilder von der Luftwaffensiedlung zusandte in der ich aufwuchs.
    Oder jene Korrespondenz per E-mail mit einem Deutschamerikaner, Ingenieur, der als 17-jähriger die Belagerung mitmachte. Er berichtete von den 200 russischen Panzern, die wohl an unserer Wohnung vorbeigefahren sind, und auf den Bahndamm zufuhren in der Nähe der riesigen Linke-Hoffmann-Werke hinter dem die Verteidiger lagen. Ganz nahe liessen sie T34 heran, an die Reihe der eingegrabenen 8,8 Flakgeschütze. Auf 25 m Distanz. Dann wurden sie alle zusammengeschossen. Die armen Russen.
    Der Gauleiter Hanke, der immer vom letzten Blutstropfen schwafelte, hatte sich eine schwerbewachte Fiesler-Storch in einer Halle in der Innenstadt parat gestellt. Zufällig sah er, dieser in Wehrmachtuniform gesteckte HJ-Junge, diese in einem Moment einer Verwirrung nach einem Feuerüberfall.
    Mit dieser Maschine stahl er sich davon, Hauke der Schweinehund.
    Das Lustige , falls erwünscht in, kommt einem nächsten Kommentar.
    http://www.zobten.de/Hanke/Hanke.htm

  10. @smaug, darueber redete...
    @smaug, darueber redete niemand, weil man ueber die Zeit davor dann auch haette sprechen muessen.
    Ob Taeter oder Opfer-beide Seiten schwiegen. Am Ende war jeder mit Schuld beladen.

  11. DA 09. Juni 2011, 15:16: Kein...
    DA 09. Juni 2011, 15:16: Kein Problem, Schulzeit geht, ähm…, immer. Und zwar
    1. als Schulzeit,
    2. als Klassentreffen nach 10 Jahren (Sozialvergleich, meist ärgerlich, weil Mitschüler, über die man lachte, heute 2 Häuser und drei Pferdepflegerinnen mehr haben als man selbst, und der stotternde blasse Mitschüler, der bei den Mädels nicht punktete, heute Regierungssprecher ist),
    3. als Klassentreffen nach 25 Jahren (meist angenehm, weil die anderen auch alle geschieden und verschuldet sind und ein Alkoholproblem haben),
    4. als goldgefasste Erinnerung beim Sitztanznachmittag in der Residenz Haus Sonnenberg.

  12. muscat 09. Juni 2011, 16:08:...
    muscat 09. Juni 2011, 16:08: In Münster vielleicht. Aber sicher nicht in Rhedebrügge oder Ennigerloh.

  13. Die wirklichen Aristokraten...
    Die wirklichen Aristokraten sind zurückgegangen.
    .
    Eben weil die Verhältnisse tatsächlich nur eines brauchen: Ein Herrschaft. Denn Herrschaft übernimmt Verantwortung, gibt Ordnung, gibt Halt, gibt Sicherheit und Orientierung.
    .
    Und darum gehts. Nicht um Besitz. Aber um Recht geht es. Und um Orientierung.
    .
    Und ist das vorhanden, bauen die Leute drumzu, die o.G. finden sich ein, und alles wird wieder, wie es war. Bezahlt sich in kaum mehr als 30 Jahren. Ja: Besitz entsteht aus Ordnung plus Sinn, man weiß.
    .
    Der Adel hat nach Kriegen durch die Jahrhunderte schon oft den eigenen Besitz (ganz bürgerlich) zunächst zurückgekauft und dann durch die genannte Haltung Sinn gestftet. Und drei Generationen weiter war es schon immer so: „Sei im Besitz und Du wohnst im Recht. Und heilig wirds Dir Dein Gesinde bewahren“.
    .
    Alles was dem richtigen Manne dazu fehlt, ist ggfls. die passende Frau. Und evtl. auch noch die nötigen Jahre.

  14. Genau die gleichen Gedanken...
    Genau die gleichen Gedanken gingen mir letztes Wochenende durch den Kopf als ich durch den Kronberger Kastanienwald ging: mein Paradies der Kindheit. Freiwillig bin ich auch nicht gegangen. Aber Computerkartography – in der die technischen Grundlagen der heute jedermann bekannten Googlemaps entwickelt wurden – hatte damals in Deutschland weniger als eine kleine Kante der edge-of-technology, und die wenigen Stellen die es gab, gab es nicht für eine Frau.

  15. Ist da das Nachtcafe am...
    Ist da das Nachtcafe am Maximiliansplatz gemeint ? Vor zehn Jahren meine Heimat im Nachtleben die ich seither nicht mehr wiedergefunden habe ?

  16. Genau dieses. Verlorenes...
    Genau dieses. Verlorenes Paradies der Jugend. Wie oft denke ich mir in München: Und jetzt ins…
    .
    Ach wie schön war die Zeit der Sperrzeitenregelung und ihrer Ausnahme.

  17. Guter Bericht!
    Ich selber habe...

    Guter Bericht!
    Ich selber habe nach der „Wende“ ungeduldig drauf gewartet,das Haus meiner
    Grosseltern und ersten Kinderjahre wiederzusehen.Leider war die Ansicht sehr
    ernüchternd:das Haus war bis auf die Grundmauern,Innenwände und Böden
    total ausgeschlachtet worden.Man schätzte die Wiederherstellung auf 1,5 Mio
    DM. Eine Kusine,Miterbin,wollte unbedingt in die Welt ihrer Kindheit zurück,
    zahlte mich aus,hat es aber nie geschafft, die Ruine wieder aufzubauen.Sie
    musste zuletzt das Gebäude verschenken, wobei sie kurz nach der Wende in den
    Golgräberzeiten,diese Ruine sogar hätte verkaufen können.Heute sitzt sie ein
    paar Kilometer weiter auf einem ehemaligen, asbestversäuchten Bauernhof.
    Soviel zu der Sehnsucht „zurück in den Osten, auf den Pfaden der Vorfahren
    wandeln.Ich selber sitze lieber im Westen schlemmend und süffelnd in einer
    Szenekneipe.

  18. schöner text und die stimmung...
    schöner text und die stimmung auf den bildern ist nuja auch „bardzo polski“.
    .
    die paradise der kindheit vor den eigenen Eltern zu schützen ist eins, problematisch wirds wenn man große Teile seiner Kindheit abseits des eigenen Gartens verbracht hat. Man muss zusehen wie die Felder langsam zugebaut werden (die Stadt prosperiert ja … ) alte fabriken werden abgerissen und die brache bleibt, die Gärten der Freunde werden verkauft oder auch noch mit irgendwas zugestellt, alte Pättkes werden asphaltiert und die Radtouristen kommen und lärmen…

  19. Für sich selbst schaffen...
    Für sich selbst schaffen Träume so nur die Dummen. (Zu hart gesagt?)
    .
    Wr das Leben kennt und verantwortlich ist, kennt sich nun mal aus mit Träumen:
    .
    Klar gehe ich zurück. Aber nicht, um selbst zu träumen – denn ich bin erwachsen und will nichts anderes mehr sein; also nicht, um selbst zu träumen oder mir meinen Traum mit/durch Besitz zu schaffen.
    .
    Nein, anders wird ein Schuh draus, welcher Leben heißt: Zeuge ich da Kinder und ziehe sie (nebenbei) groß, lebt der Traum in ihnen fort. Wird neue Kindheit: Nur so gehts, wie erfahrene Eltern wissen.
    .
    Und mein Traum würde sein, das zu ermöglichen, glücklichen Kinder gücklich zuzusehen.

  20. Ohne Ironie @plindos, man...
    Ohne Ironie @plindos, man sollte es erzaehlen, wenn man es erlebt hat. Es ist sehr wichtig, dass auch die nachfolgenden Generationen aus moeglichst erster Hand etwas erfahren. Die westdeutschen Schulen waren in dieser Hinsicht sehr nachlaessig.
    .
    Wie sagte ein guter Bekannter (beinahe ein Freund): So langsam muss Schluss sein mit diesen alten Geschichten.
    Nein, muss nicht, darf nicht. Das sind wir unseren Nachfahren schuldig, sonst halten sie die Nazizeit fuer eine Weltparty mit komischen Uniformen.
    .
    Erzaehlen von Kindern, die mit Muttern Ziegelsteine klopften, um damit wieder eine Wand in der Kriegsruine aufzuziehen. Erzaehlen von Kindern, die sich mit uebrigebliebenen Granaten in die Verstuemmelung spielten. Erzaehlen von Erich Kaestner, der vor lauter Trauer ueber sein zerstoertes Dresden seinen Zufluchtsort Muenchen nicht mehr verliess.
    .
    Es geht eben nicht nur um die „verlorene Heimat“, es geht um die leichtfertig, ueberheblich verspielte Heimat, weil dieses Volk gestern wie heute immer nach einer Erloesungsidee sucht oder an einen Erloeser glaubt. Egal ob er oder sie rot, braun oder gruen ist.

  21. Stimmt, diese Wälder.
    Als...

    Stimmt, diese Wälder.
    Als man sich für so etwas noch warm anziehen musste, war ich ein paar Jahre in Warschau und bin oft in diese Wälder gefahren, um Herrgottschnitzer, swietkarze, zu suchen (und nach Möglichkeit mit Hilfe von Zloty auszurauben.) Wenn ich Heimweh nach Deutschland hatte, fuhr ich kurz nach Schlesien oder, wenn es ganz schlimm wurde, nach Ostpreußen.
    Die Fotos haben diese Bilder zurückgerufen, als wäre es gestern gewesen. Diese Weite. Danke…
    Seit damals sehe ich übrigens „die Heimatvertriebenen“ mit anderen Augen. Die anderen Deutschen konnten oder mussten im Grunde weitermachen (und wenn sie in Goebbels‘ Ministerium gute Schreibtischarbeit geleistet hatten, konnten sie sogar Bundeskanzler werden); nur die Vertriebenen mussten in der Tat bei Null anfangen, und auch noch bei anderen Leute, die sie dafür hassten. Sie haben den Krieg zweimal verloren. (Und etliche Bürger der DDR dreimal.)

  22. Und Blinkfried Hirnruh...
    Und Blinkfried Hirnruh denkt:
    .“So schlimm wird es mit mir am Ende doch wohl nicht für immer kommen, dass ich auf ewig in einem Westviertel wohnen müsste.“ (Neue Bildungen, dem Besitz vorgeschlagen – eine Möglichkeit dazu wurde hier ja angedeutet.)
    .
    Und: Wir wollen ja am liebsten keinen Gedanken 2x verschwenden. Mutter Natur ist da aber anders.
    .
    Und die Welt der Ideen verändert die Welt. Darum auch gibt es so selten wirklich neue Ideen.
    .
    Alterssitz Duisburg – mit Blick auf Industriehäfen sowie ein- oder mehrere Stahlwerke: Kleiner Hochofenabstich selbst gemacht. (Da kommt Freude auf.) (Und tatsächlich viel besser, als Rasen mähen im Park.)
    .
    Und der WDR Drei TonArt hat diese Woche auch gekocht: In Mantua. (Wo sonst, Durchschnitt und Zeitgeist sind scließlich überall.)
    .
    „WDR 3 TonArt besucht namhafte Interpreten und Komponisten, schaut ihnen beim Kochen über die Schulter und hilft beim Schälen und Schnibbeln. Während es verführerisch brutzelt, erzählen die Gastgeber Anekdoten aus Küche und Konzertsaal, philosophieren über das Verhältnis von Kochen und Musik und verraten ihre Lieblingsrezepte.
    .
    Gastgeberin heute: Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, die mantovanische Ravioli kocht“. http://www.wdr3.de/tonart/details/artikel/wdr-3-tonart-d964eb42f1.html
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=5qS_4bwNHVo
    .
    Ja, je weiter der Zweite Weltkrieg zurückliegt, desto besser ist wirklich alles geworden, in der Tat. Fast von alleine.
    .
    Und woanders spielt auch Musik:

  23. Tut uns leid, dass um 19:24...
    Tut uns leid, dass um 19:24 die letzte Zeile nicht mit rüber kam: http://www.youtube.com/watch?v=KFph6ZGUX9o (Herausragender Nachwuchs ist eben fast überall)

  24. Filou, Ihr Freund hat Recht....
    Filou, Ihr Freund hat Recht. Es muss einmal Schluß sein mit diesen alten halben Geschichten. Wer nur von den Leiden der Trümmerfrauen erzählt, aber verschweigt, dass die Damen kurz zuvor noch Hitler anbeteten (sic!), der hält lieber gleich die Klappe.

  25. Nepomuk, Rest des Textes...
    Nepomuk, Rest des Textes ueberlesen? Es war da keine Rede von unschuldiger Verfolgung.

  26. @filou
    Nein. Weil es so...

    @filou
    Nein. Weil es so schlimm war, das es nicht ausgesprochen werden kann. So schlimm, das polnische oder russische Worte Panikattacken auslösen. So schlimm auch, weil Verbrechen an Deutschen nicht einmal in Deutschland verfolgt werden.

  27. "Zweifellos hat sich die...
    „Zweifellos hat sich die Tragödie aus der das Leben hervorging in den Alleen eines Parks zugetragen. Sie waren zu zweit, waren schön und wollten anders sein. Die Liebe ließ auf sich warten aus Abscheu vor der Zukunft. Und die Sehnsucht nach Kommendem erwies sich als Tocher der Liebe, die sie nicht erfahren hatten … .“ Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe …

  28. @perfekt!57:
    *
    - "Die...

    @perfekt!57:
    *
    – „Die wirklichen Aristokraten sind zurückgegangen.“ /// (Nicht alle…:-)
    *
    – „Und darum gehts. Nicht um Besitz. Aber um Recht geht es. Und um Orientierung.“ /// (Es geht um Freiheit, hier um die Freiheit, man selbst zu sein.)
    *
    – „Der Adel hat nach Kriegen durch die Jahrhunderte schon oft den eigenen Besitz (ganz bürgerlich) zunächst zurückgekauft und dann durch die genannte Haltung Sinn gestiftet…“ /// (Das ist wahr.)

  29. @ Nepomuk: "Es muss einmal...
    @ Nepomuk: „Es muss einmal Schluß sein mit diesen alten halben Geschichten. Wer nur von den Leiden der Trümmerfrauen erzählt, aber verschweigt, dass die Damen kurz zuvor noch Hitler anbeteten (sic!), der hält lieber gleich die Klappe.“
    *
    Eben, halbe Geschichten! Wir wollen dijenigen nicht vergessen, die Stalin anbeteten! Er war es eigentlich, der den polnischen Stützen der Gesellschaft das Genick brach… (siehe Link)

  30. verehrter...
    verehrter Don,
    Dankeschön!
    Aus dem Tagebuch eines, der an den Ort der Kindheit zurückgegangen ist:
    http://www.syberberg.de/Syberberg4_2011/9_Juni.html

  31. "Nicht immer waren in Bayern...
    „Nicht immer waren in Bayern die Worte über Flüchtlinge von ausgewählter Freundlichkeit. “
    .
    Allerdings.
    Meine damalige beste Freundin war Kind von „Flüchtlingen“. Mussten sich einiges von Nachbarn in unserer Straße anhören. Vermutlich wegen angeblicher finanzieller Bevorzugung der Staatsregierung beim Häuschen. Was ich als Kind partout verstand, es waren doch angenehme Leute. Oder begegneten stiller Reseviertheit. Mir war das wurscht, bin gern hin zum Spielen. Sie war eine wahre Prinzessin, ich betete sie an. Sie durfte ein Meerschwein halten und ich keins, und bei ihren Großeltern gab es herrliche Sachen zum Essen. Nur diese Währung zählt bei Kindern.
    .
    Ihr Vater, ein ganz lieber, der „drüben“ ein Haus hatte, war im Alter dann lange Jahre depressiv. Kann schon sein, dass es die alten verdrängten Kriegs- und Vertreibungserlebnisse waren. Er war vorher „mal drüben“. Hätte er vielleicht nicht machen sollen.

  32. "Er ist zwar ein Flüchtlich,...
    „Er ist zwar ein Flüchtlich, aber ein netter Mensch“ pflegte man in Bayern zu diesem Thema zu aagen, egal, was die segensreiche Statsregierung über den angeblich 5. Stamm neben Schwaben, Franken, Bayern und Pfälzern zu sagen pflegt. Aber man muss das auch ein wenig unter dem Gesichtspunkt der früheren Wohnungszwangswirtschaft sehen.

  33. Was ist Heimat ? Fuer mich war...
    Was ist Heimat ? Fuer mich war es eine kleine dumme Stadt noerdlich der Donau
    und da wollte ich gar nicht weg, aber es war so duester und hoffungslos zu der
    Zeit in meiner dummen Heimat, dass ich abgehauen bin. Aber es hat nicht lange
    gedauert und da hab ich mich gefragt, wo bin ich denn da hin ? Nach dem Fall des eisernen Vorhangs musste ich das Investionsprojekt meiner Urahnen nicht zurueckkaufen sondern habe es zurueckgeklagt. War auch kein leichtes Unter-
    fangen, aber es hat sich gelohnt.

  34. Filou, Rest überlesen. Sorry....
    Filou, Rest überlesen. Sorry. Allerdings war Ihr Post kein Meisterwerk der Klarheit :-)

  35. yast2000: Katyn, oh je. Da...
    yast2000: Katyn, oh je. Da haben Sie völlig recht. Ich glaube zwar nicht, dass Polen am Verlust des Adels und der militärischen Oberschicht heute leidet, aber ein furchtbares Verbrechen ist benannt, das hierzulande seltsame Stille auslöst.

  36. @ Lernzielkontrolle: Fassen...
    @ Lernzielkontrolle: Fassen wir also zusammen…
    *
    1. Heimat ist, wo’s Pudding gibt!
    2. Liebe ist, wenn’s Landliebe ist, aber nicht hier….
    3. Heimat hält dich zwar nicht fest, lässt dich aber auch nie wieder los!
    4. Man kann sich auch vertrieben fühlen, wenn man es nie war.
    5. Der Adel ist zwar im Untergang, hält sich aber tapfer…
    6. In Bayern gibtes neben dem fünften Stamm noch einen sechsten: Lila Kühe.
    7. Alle wollen zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß.
    8. Alle suchen ihre Wurzeln, hoffen aber, dass diese nicht durch Keime belastet sind.
    9. Es gibt Gegenden außerhalb von Deutschland, die durch Bäume, nicht aber durch Häuser zersiedelt sind.
    … bitte fortsetzen ….

  37. Wie können wir sicher sein,...
    Wie können wir sicher sein, dass es Schlesien gibt? Bielefeld allein ist schon nur eine Erfindung. Für eine Existenz von Ländern dahinter würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen.

  38. Naja, Don.
    Hier in unserer...

    Naja, Don.
    Hier in unserer Straße ging es um eigene Häuser, nicht um Wohnungszwangswirtschaft mit Mietwohnungen. Damals liefen gewisse Regierungsprogramme, nicht umsonst hieß unsere Straße auch „Breslauerstraße“. Die „Flüchtlinge“ bekamen ein eigenes Haus. Das war zuviel. Das hatten die Nachbarn, die auch mühsam in ihr Häuschen reinsparten, nicht verkraftet. Für sie war das ungerechtfertigte Bevorzugung. Gab üble Stimmung damals.

  39. Seltsam, seltsam, hier ist die...
    Seltsam, seltsam, hier ist die Rede von den Paradiesen der Kindheit. Gibt es die wirklich? Im Geiste denke ich an alte Bekannte; ich kann mich nicht erinnern, dass die traumverloren an die Staetten ihrer fruehen Jahre dachten.
    So ganz im Stillen befrage ich sie, wollt Ihr dahin zurueck? Na, wie ist es: Remscheid, Halle, Schnait, Koenigswinter, Stuttgart, Buenos Aires, Haifa, oder woher ihr alle kommt? Ich bin mir sicher, das die Antwort lautet: Vielen Dank, bist du verrueckt? Paradies, wie kommst du bloss auf sowas?
    .
    Irgendwie ist man ueberall ein bisschen ungern (Seb. Haffner, freihand Zit.)

  40. Halt! Einer kam aus...
    Halt! Einer kam aus Bielefeld-und ging freiwillig zurueck. Man sah ihn nie wieder.

  41. Liebster Filou,
    "... der vor...

    Liebster Filou,
    „… der vor lauter Trauer ueber sein zerstoertes Dresden seinen Zufluchtsort Muenchen nicht mehr verliess.“
    .
    Zufluchtsort íst nicht Heimat. So wahr.
    Eine Exilmünchnerin
    (Heimat: entweder mein alter Bauernhof von damals (abgerissen), oder die Seelenheimaten Connemara (‚go to hell or to connaught‘) oder Baikal.

  42. "Heimat haelt dich zwar nicht...
    „Heimat haelt dich zwar nicht fest,
    laesst dich aber auch nie wieder los“
    An immigrant in Chicago
    yast2000@Lernzuekjibtrolle

  43. Die Suche nach der...
    Die Suche nach der Seelenheimat @Vroni: man findet so schnell keine. Ich hab‘ doch lange genug gesucht, franzoesische Provinz, (ganz irre) Jerusalem, (unbezahlbar) Paris. Bevor ich bewusstlos wurde, sagte mir ein armenischer Chirurg: „Heimat ist da, wo die Rubelchen sind!“
    Ein Trost ist das nicht.
    Aber man versteht die Menschen, die manisch auf Reisen sich begeben.
    .
    Was soll ich nur mit der Stadt meiner Kindheit beginnen? Huebsch ist sie wieder geworden nach der Wende, aber zuerueck? Der Dialekt, die diversen Schulen, die anderen Orte des nicht naeher zu Beschreibenden, nee, um keinen Preis.
    .
    Sehr schnell nach dem Mauerfall fuhr ich dorthin. Die Befuerchtung, vor Sentimentalitaet irre zu werden, wich einer haemischen Genugtuung beim Durchstreifen der mir vertrauten Strassen und Plaetze; dass ich euch verliess, war das kleinere Unglueck. Was aber heisst nirgends anzukommen?
    So Ahasvert man sich einen ab.

  44. Die Geschichten sollte man...
    Die Geschichten sollte man nicht instrumentalisieren, aber man sollte darauf achten, dass alle ihre Geschichte in Ruhe erzählen können.
    Nur so erhält man ein Gesamtbild von Hetze die von aussen gesteuert und überhöht wurde.
    Nur so kann man erkennen, wie auf allen Seiten „kleine Despoten“ erzeugt und eingesetzt wurden, um so Seilschaften zu „installieren“.
    Nur so kann man erkennen, dass am Ende nur Verlierer da waren. Eine Gesellschaft geprägt von Massenvergewaltigungen, Vertreibung, Enteignung und oft genug auch Mord und Gefangenenlagern, die nur eingerichtet wurden, um den Opfern beim arbeiten und verhungern zuzusehen.
    Vertrieben wurden am Ende alle. Die einen aus den alten polnischen Stammgebieten in den westen, dei aus den alten deutschen Ostgebieten noch weiter nach Westen.
    Vorwürfe? Wer soll die vorbringen? Alle? Keiner?
    Die Deutschen haben den Krieg angefangen …… es war ein Doppelkrieg der 1914 begann und 1945 zu Ende ging.
    Die Ursachen werden überraschend wenig refektiert und in den Schulen nicht betrachtet.
    Jeder sollte seine Geschichte kennen.
    .
    In einer Zeit in der Minister DieMiesere wieder ernsthaft über Krieg als letztes Mittel der Politik nachdenkt, ist es sicher ganz besonders wichtig, wenn die Alten den Jungen erzählen was für ein Wahnsinn, dieses letzte Mittel tatsächlich ist.

  45. @ perfekt!57 & Nepomuk & Filou...
    @ perfekt!57 & Nepomuk & Filou & yast2000 et al.: Danke. DANKE. D-A-N-K-E. Pro und Contra. Gleichermaßen. Dieses aufrichtige Niveau ist sonst öffentlich kaum noch zu finden. Warum – mit Verlaub – leben Sie alle im Verborgenen? Überlassen den Drittklassigen, der vermeintlichen Elite, den permanent inhaltsleeren Redeschwall – durch alle politischen Couleurs hinweg? Die Meinungsmache der wieder einigermaßen gleichgeschalteten Medien? Einst erstrebten wir Qualität. Antworten auf Fragen. So hab ichs gelernt als Nachgeborener. Heute werden Problemkomplexe in multidisziplinären Diskursen ergebnisoffen andiskutiert. Auf höchster Ebene. Und dieser Zustand gilt als alternativlos. – Bittesehr! Es liegt mir fern, angesichts des apostrophierten Zustandes in Fäkalspache zu verfallen. Indes – um ehrlich zu sein: sie liegt mir auf der Zunge. – Hoffnungslosigkeit und Zynismus sind düstere Geschwister. Sie alle haben hier gerade Lichter gesetzt. Noch ist Polen nicht verloren.

  46. @ Lernzielkontrolle: Part...
    @ Lernzielkontrolle: Part II
    *
    10. Woher ein Mensch auch immer kommt, wohin er auch immer geht: Für das Schicksal gibt es kein Navigationsgerät und schon gar keinen Fahrspurassistenten.
    11. Welches Schicksal ein Mensch auch immer genommen hat: Er muss mit seinem ‚Ich‘ leben und sollte dafür Sorge tragen, dass es ihm stets ein guter Gefährte ist.
    12. Es ist tückisch, Heimat mit Kindheit zu verwechseln, weil die Kindheit der schützende Uterus der geschlagenen Seele ist. Die Heimat entzieht sich dieser Funktion, in dem sie darauf verweist, im Gegensatz zur Kindheit keine emotionale Dynamik zu haben, woraufhin diese sprachlos ist.
    13. Wer die Heimat leugnet, wird zum Dissidenten der eigenen Seele und muss in den Untergrund gehen, in dem es blöderweise keine Mitkämpfer gibt.
    14. Wer seine Heimat nicht leugnet, muss sich dumme Fragen gefallen lassen; wie er z.B. auf die Idee kommen konnte, an genau diesem Ort auf die Welt zu kommen, was er sich dabei gedacht habe, wieso er nicht weggegangen ist und dergleichen…
    15. Heimat ist Kindheit, die Kindheit hat immer etwas Schmuddeliges. Es kommen regelmäßig Erdbeeren vor: Fruchtflecke werden wie neu, wenn man sie regelmäßig mit einer Beere einreibt.
    16. Schlesien ist Sehnsuchtsort der vertriebenen Seele, weil es nirgendwo anders eine derart idealistisch gelebte, preußische Strenge gibt. Diese Strenge ist eine Form der Askese, die nur noch durch die Humorlosigkeit der Deutschen übertroffen wird. Die Schnittmenge bildet die sogenannte romantische Verwirrung, die keinen Stresstest bestehen würde.
    17. Da Liebe, Hass, Rache und Scham als Triebkraft der Heimatverbundenheit ausscheiden, bleibt nur noch die Schuld als hinreichendes Motiv: Tatsächlich ist die Heimat ideell an die Kindheit gebunden und das Ende der Kindheit endet immer mit dem Verlust der Unschuld. Quod erat demonstrandum.

  47. Preis statt Wert,es zählt nur...
    Preis statt Wert,es zählt nur noch der Schein
    und die Gier wird noch extremer
    hier auf dem Planet der Krämer
    werd` ich stets ein Fremder sein..

  48. Tja meine lieben Mitbürger,...
    Tja meine lieben Mitbürger, das ist live erlebte Geschichte. Tourt man durch das Albigenser Gebiet im Lanquedoc hört man:“ vor 800 Jahre gab es einen schlimmen Krieg mit den Katholiken, seitdem hat sich die Region nicht mehr erholt“. Ich glaube man wird über Mittel- Ost Europa einmal ähnliches sagen. Kriege muss man sich gut überlegen.

  49. Meine Grosseltern sind auch...
    Meine Grosseltern sind auch aus Schlesien vertrieben worden. Sie sind nach Bayern geflüchtet. Sie hatten in Schlesien einen Bauernhof.
    Meine Oma ist den ganzen Weg mit dem Fahrrad gefahren. Meine Mutter und mein Onkel saßen den Weg mit ihren Grosseltern auf einem Pferdewagen. Es war Winter, meine Mutter damals ca. 2 ist fast erfroren.
    In Bayern mussten meine Grosseltern nur fürs Essen bei Bauern arbeiten.
    Die Bauern haben 2mal gegessen. Einmal dürftig für die Familie meiner Oma und einmal übig mit Wurst alleine.
    Meine Grosseltern arbeiten beide 10 Stunden 6 Tage die Woche und lebten zu 6 Personen auf zwei Zimmern.
    Als sie dann von Bayern ins Rheinland umsiedelten und in der Fabrik arbeiten, haben nette Feuerwehrleute bei den Rädern die Luft rausgelassen, so dass die Fahrräder nach 8 Stunden Arbeit 8 km nach Hause geschoben wurden.
    Meine Grosseltern haben durch fleissige Arbeit hier im Rheinland ein Häuschen bauen können, dafür durften sie sich von neidischen Einheimischen das Wörtchen Wasserpolacke anhören, die meinten der Staat hätte alles bezahlt.
    Es ist erschreckend, wie wenig die Westdeutsche Bevölkerung über die Not und das Elend der Vertriebenen weiss.

  50. Lieber Don,

    eine nicht nur...
    Lieber Don,
    eine nicht nur schöne, sondern auch ganz wahre Geschichte, wenn auch die Details vielleicht nicht ganz stimmen. Zumindest kann man diese Atmosphäre wirklich noch in Polen einfangen, obwohl der Osten sicher eine Frage der Perspektive ist. Für Einwohner von Warschau gehört Schlesien eher zum Westen (von Polen). Auch die Stimmung ist dort anders, viel westlicher und europäischer geprägt. Aber Sie haben Recht, wenn Sie schreiben, dass man von den Polen etwas über sein eigenes Verhältnis zur Identität, zur Herkunft und zum (dort selbstverständlichen) Grundbesitz lernen kann. Insofern sollten alle südwestlichen Kaffeehaus- und Italienliebhaber vielleicht doch einmal überlegen, ob Sie das Wagnis eines wahren Osterlebnisses eingehen. Es lohnt sich ganz bestimmt.

  51. @Filou.
    "weil dieses Volk...

    @Filou.
    „weil dieses Volk gestern wie heute immer nach einer Erloesungsidee sucht oder an einen Erloeser glaubt. Egal ob er oder sie rot, braun oder gruen ist.“
    .
    Schon richtig, aber wurden da nicht zwei Farbein vergessen? Farben, die in den 60 Jahren nach ’45 sogar die wichtigste Rolle spielten: schwarz und gelb.

    Woran ich mich noch erinnere und was ich heute vermisse: Man hört leider keinen Kejnichsbercher Dialekt mehr. Der Ort heißt ja nun auch Kaliningrad. Ich mochte diese Sprache, die ich als Steppke in den Fünfzigern (in Berlin) noch manchmal hörte, von viel Älteren, von Bekannten…

  52. Oma und Opa und ihre Kinder,...
    Oma und Opa und ihre Kinder, also meine Mutter, Onkel und Tante kamen aus Schlesien. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass die irgendwann mal bei den diversen Festen oder Besuchen untereinander (alle lebten nun in Berlin) irgendwas aus der „alten Heimat“ erzählt haben, oder den Verlust der Heimat gar betrauert haben. Nie! Ich kann mich an viele lustige Geschichten von diesen Älteren erinnern, aber sowas wie „Heimatgefühle“? Absurd.
    Vielleicht lag das daran, dass meine Familie aus sehr einfachen Verhältnissen kommt, (Knechte bei Bauern oder sowas), also in Schlesien oder „im Osten“ keine hier oben oft erwähnte Grundstücke und Häuser (und ihren geliebten und gewählten Führer) verloren hatten.
    Bedeutet das, das der „Verlust der Heimat“ eigentlich nur ein materieller Verlust ist (Grundbesitz, Häuser, Sicherheit,…)?

  53. Wo sind wir jetzt? Hat DA...
    Wo sind wir jetzt? Hat DA sich verirrt?

  54. Schlesien. Man wollte doch...
    Schlesien. Man wollte doch unbedingt so einen Ostbeitrag – hier ist einer.
    .
    Klaus, das hat sicher eintscheidend damit zu tun. Wenn man geht und bekommt auf der anderen Seite eine Entschädigung für das Gehen, und man verliert sonst wenig, ist es anders, als wenn man ein grosses Leben hatte und sich dann mit ein paar Geldsscheinen im Speicher bei Verwandten oder in einem Lager wiederfindet, ohne jede Chance, das Gewesene in diesem neuen Land neu aufzubauen. Ich würde auch vor Versuchen, das Leben in Schlesien für den Durchschnitt schön zu reden.

  55. @ totfortat: " Pro und Contra....
    @ totfortat: “ Pro und Contra. Gleichermaßen. Dieses aufrichtige Niveau ist sonst öffentlich kaum noch zu finden. Warum – mit Verlaub – leben Sie alle im Verborgenen?…“
    *
    Wir leben alle im Verborgenen, weil Deutschland nicht nur ein großes Problem mit dem sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen hat, sondern neuerdings auch mit dem intellektuellen Missbrauch: Machen Sie doch mal einen Test, schalten den Fernseher ein und werfen Sie einen geschulten Blick auf die dümmlichen Schauspieler und Moderatoren. Dort finden Sie dann die gesamte, auf die eigenen Eltern gerichtete, verdrängte Libido, deren Unerfülltheit sich in schonungsloser Öffentlichkeit manifestiert. („Wir müssen reden!“) Und da, wo die eigenen Eltern das sexuelle Objekt der Begierde sind, kann man keine vernünftige, politische Diskussion mehr führen.

  56. Meine Mutter ist mit 15 aus...
    Meine Mutter ist mit 15 aus Hindenburg Oberschlesien geflohen und in einem kleinen Vorort von Köln zwangseinquartiert worden und hat da meinen Vater, Flüchtling aus Königsberg, Ostpreußen geheiratet. Mein Bruder und ich waren in diesem kleinen dummen Ort Flüchtlingskinder. Meine Eltern haben dort ein Haus gebaut, ja, wirklich selbst gemauert! Ich habe dort meine Kindheit verbracht, aber Heimat ist das für mich nicht.
    Heimat ist da wo meine Freunde sind.
    Meine Mutter war dann mal auf einem Vertriebenentreffen (das Wort gibt es nicht in Wiki) und kam wieder mit den Worten „Bornierte ewiggestrige Betonköpfe“
    Im Umkehrschluss sind für sie aber auch im Zentralrat der Juden Betonköpfe.
    Mein Vater hat den Fall der Mauer nicht mehr erlebt und meine Mutter ist nie auf die Idee gekommen, sich noch einmal Zabrze (ich schreibe bewusst Zabrze) anzusehen.
    Ich selbst bin mit meiner Frau vor zehn Jahren mal von Greifswald nach Stralsund gesegelt und habe dort gesehen, wie man mit viel Aufwand alte Häuser mit aus Polen importierten Ziegelsteinen unter Zuhilfenahme polnischer Maurer, die noch alte Techniken beherrschen, restaurierte. Bezahlt von Immobilienspekulanten aus dem Westen, was dazu führte, dass die Mieten für die Einheimischen nicht mehr bezahlbar waren.
    Ich habe gelächelt….

  57. DA 09.26h Schlesien? Zum...
    DA 09.26h Schlesien? Zum Glück habe ich ein Knaurs Atlas (1989 gekauft) und damals lag Schlesien (Haupstadt Poznan) zwischen Berlin und Warsaw.
    Was gibt’s zu essen in Schlesien?

  58. Eigentlich hatte ich mich...
    Eigentlich hatte ich mich schon darauf eingestellt, dass dem Hausherrn nur die Ärmlichkeit, der Verfall, die Verlassenheit und Zukunftslosigkeit Schlesiens auffallen werden und er darüber herziehen wird. Jetzt bin ich überrascht, einen so freundlichen Beitrag zu lesen, aus dem die innere Ruhe meiner Heimat spricht. Als hätte Schlesien den Don kurz mal zum Schlesier werden lassen. Vielen Dank!
    Übrigens finde ich, dass Schlesier gutes Forschungsobjekt zum Thema „Heimat“ sind. Ich meine hier nicht die nervigen Heimatvereine, sondern den Charakter der Menschen selbst. Ruhig, ein bisschen gewitzt, den Wert des äußerlich Wertlosen nicht verkennend, arbeitsam … und dann diese urgemütliche Sprache, die leider gerade ausstirbt. So bin ich sozialisiert worden, es gab keine negative Konnotationen dabei, und deshalb sind diese Menschen für mich Heimat – egal, wo; den schlesischen Sandboden brauche ich nicht dafür.
    Vielleicht fühle ich mich bei den Schwaben und Alemannen deshalb so wohl, weil sie viele dieser Eigenschaften teilen.
    Übrigens: Die Fotografien mögen beliebig erscheinen, aber sie sind es nicht. Genauso sieht Schlesien aus.

  59. @peppermint52223
    Nicht nur im...

    @peppermint52223
    Nicht nur im Westen. Im Osten waren die Themen Flucht und Vertreibung mit umfassenden Tabus belegt.

  60. @fionn – was das Essen...
    @fionn – was das Essen betrifft, kann ich von einer – mit dem Bild ihres Abendessen – selbst illustrierten Postkarte meiner Tochter zitieren, welche vor zwei Jahren auf einer Mathematikerkonferenz da war:
    ‘Gemüse’ (Senf), Brot, Fleisch, Fleisch& noch mehr Fleisch, ½ l Bier, Vodka.

  61. Mal was ganz anderes..

    Wir...
    Mal was ganz anderes..
    Wir sind ja so verdrossen
    über unsere EHEC-Sprossen
    Melodie Text UKW
    Durch den Grunewald zum Badestrand –
    wir beide radeln Hand in Hand
    die Havelberge auf und ab –
    Sommerzeit bringt uns auf Trab.
    Im Strandkorb dann am Wannseestrand
    vermeidet Creme den Sonnenbrand,
    schau, Tina, deine zarte Haut,
    voll Sommersprossen wo man nur schaut.
    Ich bin ja so verschossen
    in deine Sommersprossen
    Tina – ist das nicht prima,
    was für ein Klima…
    http://www.faz.net/artikel/S30176/sprossen-wohl-ursache-fuer-ehec-epidemie-entwarnung-fuer-gurken-salat-tomaten-30436624.html

  62. @Fionn:
    "... Schlesien...

    @Fionn:
    „… Schlesien zwischen Berlin und Warsaw …“
    Da haben Sie aber einen Fehldruck von Knaurs Atlas erworben, meinen Sie Posen?

  63. @DA - "Man wollte doch...
    @DA – „Man wollte doch unbedingt so einen Ostbeitrag“:
    Lieber Don, der ist doch gut gelungen, warum also so defensiv?

  64. Ich bin nicht aus Bochum und...
    Ich bin nicht aus Bochum und nicht aus Berlin,
    nicht aus Frankfurt und erst recht nicht aus Köln.
    Ich bin nicht aus Hamburg (wie viele Leute glauben),
    und nicht aus München und auch nicht aus Mölln.
    Ich wurde geboren in einer Baracke
    im Flüchtlingslager Espelkamp.
    Ich wurde gezeugt an der Oder-Neiße-Grenze,
    ich hab nie kapiert, woher ich stamm.
    .
    Ich bin auch ein Vertriebener.
    Ich will keine Revanche, nur Glück.
    Ich bin auch ein Vertriebener.
    Fester Wohnsitz Osnabrück.
    .
    Meine Mutter war so treu, dass mir schwindlig wird.
    Mein Vater war bei der SS.
    Ich heiß Heinz wie mein Onkel, der in Frankreich fiel,
    und Rudolf wie Rudolf Heß.
    Alle gießen ihre Wurzeln, alle reden Dialekt.
    Niemals Zeit gehabt, einen zu lernen.
    Ich war immer unterwegs, ohne Grund und ohne Boden,
    mein Geschäft ist Überleben und Entfernen.
    .
    Ich bin auch ein Vertriebener.
    Schlesien war nie mein.
    Ich bin auch ein Vertriebener.
    Ich werd überall begraben sein.
    .
    Ich hab in Lengerich gewohnt, in Hannover und Bad Grund.
    Immer das Gefühl, dass man stört.
    Ich bin auch ein Vertriebener, nirgendwo Gebliebener.
    Zuhause ist, wo man mich hört.
    .
    (Heinz Rudolf Kunze)

  65. Viel Schönes und Wahres wird...
    Viel Schönes und Wahres wird hier gebloggt, wodurch der Essay sich selbst begründet.
    Ich bin überzeugt, daß eine starke Komponente des positiv-verstandenen Heimatgefühls verantworteter, noch so kleiner Besitz in schöner Umgebung ist.
    Und um nicht mißverstanden zu werden: Strommasten und Windräder verschönen nichts.
    Und noch etwas wird in vielen dieser Texte nebenbei wieder mal bewiesen: Es sind nicht die Ausländer, die viele Deutsche nicht mögen, es sind die Fremden.

  66. @ mediensegler: "Wir sind ja...
    @ mediensegler: „Wir sind ja so verdrossen, über unsere EHEC-Sprossen….“
    *
    Sind „wir“ nicht! Der moderne Mensche züchtet sich jetzt seine Giftkeime in Maschinen selbst, weil biologische Reinheit auf die Dauer unerträglich ist. Die Analogie zum Kleinkind und seinem legendären Spiel mit etwas Schmutz ist eindeutig.
    *
    Heimat hat viele Gesichter. Man muss nur genau hinschauen…..

  67. Es ist nie zu spät für eine...
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

  68. @Leinesegler: Schick, das...
    @Leinesegler: Schick, das kannte ich noch gar nicht. Erinnert mich ein wenig an Süskinds „Geschichte vom Herrn Sommer“.

  69. lieber Böhmenfürst, wie...
    lieber Böhmenfürst, wie hiess es schon bei den ganz frühen galliern: diese fremden da, die sind nicht von hier.
    .
    durch die weit verstreute famille habe ich gelernt, dass man mehrere heimaten in sich tragen kann, und stets auch den schmerz über den wie auch immer induziertem verlust, weil man gerade nicht in der heimat a, sondern in der heimat b oder c ist, und umgekehrt.
    .
    ubi bene, ibi patria.
    .
    architektur in rot und weiss, weiss und grün, grelles licht und landschaften und die vom wind gebogenen bäume, düfte nach meer und nach sand, nach feuchtem wald und warmen steinmauern, die eidechsen, nach dem dialekt der spatzen, die hier und nur hier so tschilpen, und um die mittagszeit spezialitäten des landes, das meines ist, eine ganz bestimmte klangfarbe, die man auch nach jahren noch sprechen kann.
    ein glück, wenn man mehr als nur eine hat.
    .
    doch das paradies der kindheit, das ist ganz anders gelagert. spürt man in sich hinein, weiss man, ja, so hat man bereits mit vier im fühlen geahnt, was man zehn jahre später denken und ausformulieren konnte.
    .
    kindheit, das ist der weiche warme duft der hübschen grossmutter mit den besten pfannkuchen der welt und der besten marmelade der welt, die besten fische, das leckerste kaninchen, die sanft wehende gardine zur sonnenüberströmten terrasse hin, der zärtliche klang der stimme des grossvaters, der einem selbst ausgedachte geschichten in anderen sprachen erzählte und die man verstehen lernte, kindheit, das sind beschäftigte, aber fröhliche eltern und grosse famillenfeten mit stundenlangen banketten und wir kinder spielten in weissen kleidern draussen in der sonne. so verpasste man beerdigungen, und fragte ständig nach dem, der gerade unter die erde gebracht wurde, der eine so sanfte stimme hatte, dass er stundenlang geschichten erzählen konnte und man noch jahrelang hätte zuhören mögen. und dies sind paradiese, die verloren gehen, und erst recht, wenn man nicht an sie denkt.

  70. @ JR 11.28h

    Nein, kein...
    @ JR 11.28h
    Nein, kein Fehldruck – habe gecheckt – es steht „Poznan“ (und unten „Posen“ genannt) sowie Wroclaw (unten Breslau), Szczecin (unten Stettin), Walbrzych (unten Waldenburg in Schlesien – kleingedrückt), Bydgoszcz (aka Bromberg – why should Bromberg be mentioned? It is located farther inside Poland than Poznan).
    @ DA – chönd Sie wenigstens e chli polnisch, damit Sie die Tagesmenüs lesen können?
    Oder wird überall in Polen etwa deutsch gesprochen? Oder heute lieber englisch?
    @ Leinesegler. I think your poem is a really good effort.
    Doch auf diesem Blog wird selten gelobt :(

  71. mediensegler Heimat ist da wo...
    mediensegler Heimat ist da wo meine Freunde sind. Dem stimme ich zu.
    Nur meine Freunde sind auf der ganzen Welt verstreut, Dafur habe ich
    jetzt Familie.

  72. @Fionn, "a really good...
    @Fionn, „a really good effort“:
    Darf man das jetzt wörtlich nehmen? Bei den Britanniern bin ich jetzt vorsichtig geworden, vgl.
    http://www.scribd.com/doc/55551980/Anglo-EU-Translation-Guide

  73. @yast2000 10. Juni 2011,...
    @yast2000 10. Juni 2011, 12:58
    Schon möglich das die Heimat dieses pathogenen EHEC-Keims in einem mikrobiologischen Labor liegt. Dennoch ist es nicht unsinnig sich mit solchem ‚Schmutz‘ zu beschäftigen, Dinge wie Penecillin wurden durch solcherlei Beschäftigung entwickelt.

  74. Und dieser Blog ist auch ein...
    Und dieser Blog ist auch ein bisschen Heimat. Es tut gut zu Plaudern. Es
    ist fast wie in alten Zeiten mit den Freunden. Dank dem Don.

  75. Bitte, gern geschehen, es ist...
    Bitte, gern geschehen, es ist mir ein Vergnügen.

  76. Tja, alle Kommentatoren sind...
    Tja, alle Kommentatoren sind irgendwie ein ostentatives Stück weit heimatlos. Was sonst? Heimatverbunden klingt doof. Und Migrationshintergrund ist so schick, dass sich jede(r) einen konstruiert.

  77. yast2000 10. Juni 2011,...
    yast2000 10. Juni 2011, 12:58
    Etwas Schmutz finde ich auch heute nicht schlimm…
    ,,,und ich gebe zu, manchmal habe ich auch schmutzige Gedanken ;-)
    Wieso war eigentlich nie von Champignons die Rede –
    wachsen die nicht auch auf Mist?
    Im Garten meiner Eltern (Kindheit womit wir wieder beim Thema wären) hat man sich extra Mist liefern lassen, zur Düngung…..ich hab es überlebt.
    Beatrice P. 10. Juni 2011, 14:16
    Freunde in der ganzen Welt wäre bei mir übertrieben,
    da ich grundsätzlich nur in Länder fahre,
    in denen man nicht so einfach im Gefängnis verschwinden kann.
    Die USA und die Türkei gehören nicht dazu.

  78. Hach....
    Hach.

  79. wer eine neue Bleibe sucht,...
    wer eine neue Bleibe sucht, sollte eine Hafenstadt aufsuchen… Hier sind die Leute ein Kommen und Gehen gewöhnt. Seltenst wird gefragt wo man herkommt, wenn man willkommen ist, schön, wenn nicht auch kein Problem, das nächste Schiff kommt bestimmt…

  80. @Nepomuk Stimmt, ich sage...
    @Nepomuk Stimmt, ich sage immer, ich stamme eigentlich aus Hinterpommern, was aber vollkommen absurd ist, ich habe immer nur im westlichen Norddeutschland gelebt. Diese Vertriebenengeschichte gibt meinem Leben einfach einen Hauch von – Exotik!

  81. Böhmenfürst
    10. Juni 2011,...

    Böhmenfürst
    10. Juni 2011, 12:49
    Es sind nicht die Ausländer, die viele Deutsche nicht mögen, es sind die Fremden.
    Tja, da ist was dran.
    Nepomuk
    10. Juni 2011, 15:07
    Und Migrationshintergrund ist so schick, dass sich jede(r) einen konstruiert.
    Jetzt möchte ich aber nicht in einen Topf mit denen, die zwar hier geboren sind, aber trotzdem kein Deutsch sprechen.
    Und dann gibt es auch noch deutsche Konvertiten.
    Wo ist denn deren Heimat?

  82. @ Der Tiger. 10.43h Soeben...
    @ Der Tiger. 10.43h Soeben beim scrollen Ihr Mail gefunden. Schrecklich!
    Und wahrscheinlich Schweinfleisch , nehme ich an? Normalerweise schreibt DA gern über Käse, Weine, Käse usw… Wenigstens ist Benzin billiger in Polen (€1,29 je Liter – Super).

  83. mediensegler, da meiden Sie...
    mediensegler, da meiden Sie besser alle islamischen Länder. Einladungen in die USA folge ich deshalb nicht, weil man an der Grenze (Flughafen) behandelt wird wie ein Krimineller. Wo schlechtes Benehmen Gastfreundschaft ersetzt, möchte man nun wirklich nicht zu Gast sein.

  84. Die Kindheit ist eine Zeit und...
    Die Kindheit ist eine Zeit und kein Ort. Deshalb kann man sie nicht wiederfinden, es sei denn in der Erinnerung. Und ich denke, wir alle haben diese goldenen Paradies-Erinnerungen. Es wäre eine nähere Betrachtung wert, warum sie so oft mit der Natur zusammenhängen. Meine zumindest liegen in der Nähe Schlesiens, in der Lausitz nämlich. Ein Bauernhof in der Nähe von Königsbrück. Nach heutigen Verkehrsverhältnissen nicht weit von Bautzen entfernt, aber eigentlich näher an Kamenz, Lessings Geburtsort. Die Wälder so, wie auf Ihren Bildern, Don Alphonso. Aber es gab weniger Steinpilze als vielmehr Pfifferlinge. Unmengen davon. Walderdbeeren, Blaubeeren und den sanftmütigen Hofhund, der für seine Wachaufgaben denkbar ungeeignet war. Denn er liebte die Menschheit, in jedem einzelnen Exemplar. Vor einigen Jahren war ich dort. Glücklicherweise hielt sich die Enttäuschung in Grenzen, obwohl ich vieles nicht wiedererkannt habe. Oder vielleicht gerade darum. Es ist auf jeden Fall besser, die Erinnerungsorte in der Erinnerung aufzusuchen. Wer will sich schon mit der schnöden Realität begnügen?

  85. Egghat: ich halte den...
    Egghat: ich halte den Börsengang von Grpupon für einen Betrug, wie er in den Jahren um 2000 hundertfach vorkam. Aber lesen Sie mal, wie die Abzockerbrüder bei zeit.de gelobt werden! Superhelden, boomendes Unternehmen, Riesenumsätze! – Dass die Schulden viel schneller steigen und pro Jahr bald höher sind als der Umsatz – wird verschwiegen. Ich frage mich, wieviel die Samwers der Zeit für diese Ergebenheitsadresse gezahlt haben. (Und ich frage mich, warum sich die Journalisten der Zeit so gar nicht schämen für ihr kritikloses Schleimstück.)

  86. Sorry, das Milliardengrab...
    Sorry, das Milliardengrab heisst „Groupon“.

  87. @Vroni
    .
    Und es sind noch die...

    @Vroni
    .
    Und es sind noch die überliefert, die als KZ-Insassen zwangsweise Täter waren, töten mussten um selber zu überleben: Deren Therapien Ende der 1950ger, Anfang der 1960ger gingen regelmässig (ungefähr) schief, weil die Patienten kein Vertrauen aufbrachten, sich ihren Therapeuten nie wirklich erklärten, weil sie Angst hatten vor der befürchteten Ablehnung/dem Unverständnis. Und möglicherweise des öfteren nicht zu Unrecht.

  88. Ein Digest meiner Träume...
    Ein Digest meiner Träume erschie mir immer sehr nützlich für die Welt, weshalb ich auch nie einen geschrieben habe. (Pessoa)
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    Nicht weil der Mensch denkt, sondern weil Gott einen Plan hat, existiert die Welt. (Alte theologische Wahrheiten neu vernommen.)
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    Und wir bleiben dabei: Auch wenn uns irgendwelche hergelaufenen Wiener Philharmoniker aus einem köchelvz vorspielen, hat das mit Qualität zu tun.
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    Neue Internetadressen, der Welt vorgeschlagen: walter.röhrl@pikes.peak dot world (die kfz sind nicht wirklich schneller geworden – nur machen die vielen neuen elektronischen Helferlein den relativen Durchschnitt erträglicher (oder so))
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    Losheimer Graben – oder: Meinen Vormarsch lob‘ ich mir. (Wovon wir uns Gott lob‘ auch endgültig befreit haben)
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    Und Hermeline Hermetik trug ihren schönsten Pelz – alles selbstgewachsen! – immer nur nach innen. (Darum) (Was es alles gibt heutzutage, tsss …: „Musikalisch umrahmt Schizofranka mit tschechischer Volksmusik den Frühschoppen“ http://www.grenzecho.net/zeitung/aktuell/schlagzeilen_detail.asp?a={4AE1031F-54B9-457D-AE1E-63DBE91EBE11} )
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    „Bohémismus frei von Chauvinismus muss das Ziel sein!“ (aus den Parolen der Zeit) („FAZ wache!, dass es auch erreicht werde“, denkt da wohl mancher auch mit)
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    Weil Deutschland heute überall so matt gestrichen ist, fahren wir ins glänzende Italien. (Was schon der Kaschubische Sandfuß auch wußte.)
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    „Nächste Woche fährt hier vielleicht Schumi – ich aber nicht!“ ( … falls der Sprecher es sich tatsächlich aussuchen kann)
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    Und die Literaturwissenschaft taugt am Ende doch immer bloß nur fürs Exil. (Man glaubt es kaum, aber so ist’s gewesen)
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    Aber zum Glück haben ja die meiste heute ein Humanistisches Gymnasium besucht und dort die Klassiker vorgelesen bekommen.
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    „Alles Große, was da steht, ist ein Trotzdem“, die Worte Thomas Manns angewandt auf die Biographie von Nikolaus Harnoncourt (der es gestern in WDR3 TonArt dem Sinn nach selber genauso sagte – aber beim bloggen wird es zum Glück wahrscheinlich anders sein und bleiben)
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    „Du sollst ein Segen sein, mit Segen von oben herab und von der Tiefe, die unten liegt“ – warum unser Don auch ein „Joseph“ ist (unbedingt, man erkennt es gleich)
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    „Welch‘ ein Mann – welch‘ ein Kosmos!“ – Von der Wirkung fortgesetzten Schreibens. (Ok, wir nicht, wir haben kein Talent)
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    Nachsatz: „Es interessiert doch die Welt einen feuchten Kehrricht, wie das ist, wenn Katholiken großzügig sein möchten.“ (Wenn „seit wann kann Enge großzügig sein“ eine typische Westviertelfrage wäre. – Und zum Glück bringt das evangelische Pfarrhaus bis heute solche wie Nietzsche und andere Deformationen hervor.)
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    Insofern der Geist Geist ist, herrscht er nicht. Auch nicht über Büros oder Bürotürme. (Wie man Dr. Don ggfls. auch verstehen könnte)
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    Einstürzende Altbauten? (Waren selten hoch – wie jedes Kind weiß, welches in einem Westviertel großgeworden ist)
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    Zufällig hier zum Schluß: Viele Dienste zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie vor Überforderung Angst haben möchten. (Nur der Dr. Don’sche Blogdienst scheint uns ziemlich sicher frei davon – aber zu behaupten, ungefähr da läge wohl auch der Unterschied zwischen Erzählung und Nachricht wäre allzu platt und falsch. *g*) (Obwohl auch Sorge fokussieren kann)
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    Und er hat ja Recht, sein Blog zeigt es: In der heutigen Zeit kann einer bei der FAZ nicht mal Herausgeber sein. (Noch so was unbotmässiges, was evtl. schon gedacht wurde – we are sorry for that.)
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    Der aktive Mann fällt natürlich am Ende immer wieder rein auf Reize, die ihn in Bewegung setzen. Das Passiv, das völlig Beharren, das Aushalten-an-sich an ist daher ganz gewiß und schon immer die stärkste Aktivität. (Warum wir uns über Reiseberichte freuen und unsere Frau lieben.)

  89. "Absagen schreibe ich jetzt...
    „Absagen schreibe ich jetzt direkt grob“, Thomas Mann über sich selbst im Tagebuch – als ca. 78-Jähriger.
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    Auch davon kann man lernen – und ggfls. gleich viel früher anfangen. (Zu Recht)
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    (Noch so eine mögliche Westviertelfreiheit, wenn man nur höflich genug vorginge und es eben doch nicht „direkt so“ merken ließe wahrscheinlich.)

  90. Don Alphonso: Für die Reise...
    Don Alphonso: Für die Reise ist das Fotoangebot weniger denn mau. Haben Sie nicht mehr? Was soll diese Krämerei?

  91. @Fionn – Ich wunderte mich...
    @Fionn – Ich wunderte mich sofort, warum Don nichts über Essen schrieb. Dann fiel mir die Karte vom Tigerbaby ein und ich dachte mir, diese Reise ist gut für seine Taille.

  92. Ein Japaner mag reich sein,...
    Ein Japaner mag reich sein, weil er Geld hat.
    Ein Schlesier ist reich, weil er Platz hat, Raum, Lebensraum.
    Schlesien brachte Geld, weil es Energie lieferte, Kohle, Hafer für Pferde, Wasserkraft. Heute kommt Windkraft hinzu, auch Solarenergie (aber Oberbayern hat mehr Sonnenstunden). In einer Zeit der energetischen Gegenreformation wird Schlesien wieder interessant. Und wer nicht so weit fahren will, kann guugeln:“Kaufpreis: 40.000,00 € (Verhandlungsbasis) Grundstücksfl.: ca. 20.800,00 m²“ und findet viel Platz in Brandenburg. Bei den Photos dachte ich zuerst, der Don wäre dort gewesen. (oder verulkt er uns, und Photo 1 ist Dorfen, Photo 2 der Wald bei Oberschleissheim, Photo 3 im Altmühltal und Photo 4 Altaussee ? )

  93. Savall, Sie haben es vor mir...
    Savall, Sie haben es vor mir geschrieben und schöner als ich es getan hätte. Deshalb kann Heimat auch gefleckt sein: der Klang des Altvatergebirges, wenn es in Omas Schrebergarten im Sommer voller Wärme und Güte erbauliche Geschichten erzählte. Die „Todesbahn“ am Teufelsberg ehe ein sicherheitsbeflissenes Ordnungamt sie im Oberteil unberodelbar machte weil sich auf dem ehemaligen Skihang ein paar besoffene Erwachsene nächstens mit dem LKWschlauch um Kopf und Kragen geschlittert hatten. Lich über Kiefernwäldern und Sand. Sporthallen und öffentliche Schwimmbäder.
    Aber es ist auch eine Vertrautheit mit Fremden, die es nicht so ganz sind: man weiss was geht, was lustig ist und was ernst. Und dann ist es noch der naive Mief derer, die daheim geblieben sind. Die, wie eine Freundin einst bissig meinte, sich ein paar Semester zum Studieren ins wilde Dahlem getraut und dann wieder zurück ins Westviertel sind.

  94. „mediensegler
    10. Juni 2011,...

    „mediensegler
    10. Juni 2011, 16:20
    Böhmenfürst
    10. Juni 2011, 12:49
    Es sind nicht die Ausländer, die viele Deutsche nicht mögen, es sind die Fremden.
    Tja, da ist was dran.“
    Eindeutig Wortklauberei.
    Die Deutschen sind heute stinknormale Hobbits wie andere auch, mit allen Pros und Cons des Menschseins. Hinsichtlich des zur Debatte Stehenden sind sie durchschnittlich wie Magerquark. Alles in allem eine dufte Truppe von Fiatfahrern und Pastorentöchtern. Lediglich ihr feinsinniger Hang zur Selbstverachtung distinguiert die Deutschen auf originelle Weise. Schade drum, dass sich das auswächst.

  95. für fleißige:
    help us trawl...

    für fleißige:
    help us trawl the Palin emails
    http://www.guardian.co.uk/world/sarah-palin-emails

  96. @ perfekt57:
    *
    Entgegen der...

    @ perfekt57:
    *
    Entgegen der allgemein verbreiteten Meinung, gibt es nur wenige Menschen, die das, was sie denken, direkt aufschreiben können. Noch weniger davon, werden, während sie schreiben, von ihren eigenen Gedanken überholt und bringen ihren Satz zu Ende, obwohl die deutsche Sprache zu langsam für sie ist. Die Krönung an Ihren Einlassungen aber ist, dass sie strukturell denken und eigentlich literarisches CrossDressing betreiben: Ihre Themenwahl, ihre Ablehnungen und Annahmen bilden eine unregelmäßige Folge ‚Ganzer Zahlen‘, deren Ergebnis immer gegen Eins konvergiert. (Eigentlich sind sie eine wandelnde ‚Collatzsche Vermutung‘.) Man könnte Ihnen statt der Folge auch ein sinusodiales Weltbild unterstellen, doch dafür sind Sie zu sprunghaft. Das heißt praktisch, dass Sie vermutlich einen IQ weit oberhalb von 150 haben, zweitens ein sehr guter Schachspieler sind und drittens harmoniebedürftig.

  97. Ich habe mehr Bilder, aber ich...
    Ich habe mehr Bilder, aber ich fand, dass eine gewisse Beschränkung und dadurch entstehende Erzählstruktur wirklich ausreicht.

  98. @jeeves (10. Juni 2011,...
    @jeeves (10. Juni 2011, 09:55), die Gelben fallen doch nicht wirklich ins politische Gewicht; Mende (IOS), Moellemann (Fallschirm), Westerwelle (gelbes FliWaTuet).
    .
    Dagegen waren die Schwarzen nach dem Kriege sehr pragmatisch, keine Hochethiker, aber in den damaligen Zeiten ging es eben um andere Dinge: Wiederaufbau, Kalter Krieg, Nato, Berlinstatus, Israel (schwere Last), Frankreich.
    Als langjaehriger SPD-Waehler kann ich nur sagen: Bei den Schwarzen spielten Glaubensfragen hoechstens eine argumentative Rolle zur Stuetzung des Ganzen.
    Manchmal muss man eben bei den Schweinen schlafen. Das wusste F.J. Strauss auch. Bayern hat das nicht geschadet.

  99. @mediensegler, Stralsund: 1991...
    @mediensegler, Stralsund: 1991 im November war ich dort. 15 Jahre spaeter nochmals, und ich muss sagen: gut haben die Leute es gemacht. Was moeglich war brachten sie auf Vorkriegsstand. Madame bekam-wieder einmal-ein voellig anderes Bild von Deutschland. Madame ist Niederlaenderin und kennt eigentlich nur Deutschlands Westen.

  100. Der Verlust der Unschuld...
    Der Verlust der Unschuld führt also zu einer notwendigen, sozialen Kontrolle in der Adoleszenz, die die einzigartige Individualität des Menschen nivelliert auf ein Niveau, dass wir Moral nennen. Die Negierung der Moral nennen wir Heimat. Da aber jeder Mensch durch seinen Lebensweg auch ein einzigartiges Schicksal erleidet, kann er dieses durch den Verlust der Heimat (vulgo Moral) durch seine einzigartige Individualität nicht kompensieren. Wenn man das zu Ende denkt, kann ist der Mensch dazu verurteilt, sein Glück nicht aushalten zu können und damit ist er, liebe Leute, eine ganz arme Sau! Kein Wunder, dass der Verlust der Heimat immer mit einer unerklärlichen Trauer verbunden ist…

  101. @Fionn, Der Tiger:
    Vermutlich...

    @Fionn, Der Tiger:
    Vermutlich widmet sich der Don dem Gebäck an der Kaffeetafel,
    http://www.stockfood.at/Bild-Foto-Faworki-%28Schmalzgebaeck-aus-Polen%29-mit-Puderzucker-282949.html

  102. @Vast2000 vs. Perfekt57:
    "Aber...

    @Vast2000 vs. Perfekt57:
    „Aber weil ich doch irgendeine dunkle Vorstellung habe, die mit dem, was ich suche, von fern her in einiger Verbindung steht, so prägt, wenn ich nur dreist damit den Anfang mache, das Gemüt, während die Rede fortschreitet, in der Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende zu finden, jene verworrene Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus, dergestalt, daß die Erkenntnis zu meinem Erstaunen mit der Periode fertig ist.“
    Kleist:
    „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/589/1

  103. @yast2000 vs. Perfekt57 Vs....
    @yast2000 vs. Perfekt57 Vs. JR:
    *
    Kleist? Ich dachte mehr an Antoine de Saint-Exupéry und seinen kleinen Prinzen… Heimatlosigkeit bewahrt einen zwar vor emotionalen Dummheiten, ersetzt aber nicht die Heimat. (Das war jetzt eine cross gedresste Tautologie in Form eines simplifiziernden Antagonismus! Also fast schon Level-perfekt!57…)

  104. Danke für den Ostbeitrag! So...
    Danke für den Ostbeitrag! So sieht Deutschland mit Patina aus, bitte, geht doch.
    Der Untergang Pommerns begann, wie gesagt, mit dem Aussterben der Greiffen-Herzöge im 17. Jahrhundert. Kurz darauf, 1740, war auch Schlesien der Zivilisation abhanden gekommen.
    .
    Die Vertreibung war gewiß ein Unrecht, schuf aber nebenbei auch die notwendigen Vorraussetzungen für die lang ersehnte Rekatholisierung. (Polen oder Deutsche, ist ja egal, so lange die wichtigsten Dinge auf lateinisch gesprochen werden). Anderswo wird das hoffentlich reibungsloser funktionieren.
    .
    Das mit den Paradiesen der Kindheit stimmt aber. Als ich sechs Jahre alt war, zogen wir vom 10-Häuser-Dorf in ein 10.000-Einwohnerdorf um, das auch nicht so schlecht war. Aber Städte sind generell nix für Kinder, die brauchen ein Dorf mit ganz vielen anderen Kindern.
    .
    Lieber Don, das nächste Mal vielleicht noch etwas weiter weg von Deutschland, d.h.irgendwas außerhalb des Gebietes des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches, vielleicht rein in die Slowakei, Siebenbürgen, Galizien? (…)

  105. Es soll Totengräber gegeben...
    Es soll Totengräber gegeben haben, die Flüchtlinge einen Meter tiefer bestatteten, damit sie bei der Auferstehung nicht auch noch die ersten seien.

  106. hansgeier333: "Es soll...
    hansgeier333: „Es soll Totengräber gegeben haben, die Flüchtlinge einen Meter tiefer bestatteten, damit sie bei der Auferstehung nicht auch noch die ersten seien.“
    *
    Es soll auch Karriereberater gegeben haben, die Hoffnungsträger zu hoch motivierten, damit sie beim Flug sich ja die Flügel verbrannten, abstüurzten und ihnen so als Kunde erhalten blieben.

  107. Ähm, HansMeier555, die...
    Ähm, HansMeier555, die Slowakei gehörte zu Cisleithanien und damit zum Reich. Sie meinten wohl Slowenien.

  108. @hm555
    "Die Vertreibung war...

    @hm555
    „Die Vertreibung war gewiß ein Unrecht, schuf aber nebenbei auch die notwendigen Vorraussetzungen für die lang ersehnte Rekatholisierung. (Polen oder Deutsche, ist ja egal, so lange die wichtigsten Dinge auf lateinisch gesprochen werden). Anderswo wird das hoffentlich reibungsloser funktionieren.“
    sehr sehr gut, ein echter hm555. würde mich dann nur interessieren, wo anderswo ist.
    ich glaube rom hatte für das deutsche reich (zumindest nach luther) welcher nation auch immer, nur zwei optionen: unetrwerfung mit seele, geist und.. oder zerschlagung. ich glaube hochmuth hat dazu mal adenauer zitiert und dessen hass (?) auf den entsprechenden pius wegen dessen sabotage seiner (und des zentrums) politik in der weimarer republik.
    bxvi ist vielleicht der erste, der dieses ziel modifiziert

  109. berthold IV: "ich glaube...
    berthold IV: „ich glaube hochmuth hat dazu mal adenauer zitiert und dessen hass (?) auf den entsprechenden pius wegen dessen sabotage seiner (und des zentrums) politik in der weimarer republik. bxvi ist vielleicht der erste, der dieses ziel modifiziert…“
    *
    Klingt gut, aber das hat jetzt kein Schwein verstanden… :-) Etwas genauer, bitte. Und über die Rekatholisierung Polens will ich von hm555 auch noch was hören…

  110. Guter Vorschlag, yast2000. Wie...
    Guter Vorschlag, yast2000. Wie man die Lausitz rekatholisieren will ist mir auch schleierhaft. :-)

  111. @ JR gestern um 22.29h Re DA...
    @ JR gestern um 22.29h Re DA & Schmalzgebaeck aus Polen.
    Also, ich werde DA (z.Zt unterwegs nach …… Vryzwxzywa?)
    quälen mit diesem Dinnermenü (hé-hé-hé)
    Starter: Taramasalata paté (griechisch) – wir müssen trotz allem den Griechen helfen, oder?
    Main dish: Boeuf en croute; gratin dauphinois; haricots verts (provenance CH)
    Dessert: Mousse au chocolat (Schwyzer Schoggi)
    Weine: Any suggestions?

  112. @ fionn
    .
    Mit deutsch kommt...

    @ fionn
    .
    Mit deutsch kommt man im dt.-polnischen Grenzgebiet noch voran, in den Zentren des Hinterlandes dann aber nur noch englisch und auch nur in den absoluten touriläden (da gibts dann auch auf wunsch direkt ne karte in englisch).
    .
    Auf dem Land bleiben einem ohne polnisch Grundkenntnisse aber nur Hände und Füsse. Die Landflucht der gebildeten (und damit potentiell mehrsprachigen) Jugend ist auch drüben Standard. Die sieht man dann Sonntags an den Provinzbahnhöfen stehen, schwer beladen mit Gurkengläsern voll Eingemachtem für die Woche im Wohnheim..

  113. @yast2000
    muss ich nachsehen,...

    @yast2000
    muss ich nachsehen, das zitat.
    rekatholisierung polens, da würde ich auch gerne von hm555 hören, ist natürlich politisch heikel. die hehre rkk zugehörigkeit als etwas anderes als als tiefe frömmigkeit zu sehen. kardinal könig, wenn es denn stimmt, dass er die vorletzte papstwahl mit entschieden hat, wahr da wohl mehr realpolitiker und wusste wozu man die rkk zugehörigkeit auch benutzen kann; ergebnis kennen wir. dass unser verhältniss zu den orthodoxen damit zum a**** ging, ein kleiner kollateralschaden

  114. lieber yast2000, sie machen...
    lieber yast2000, sie machen aber auch pirouetten wie ein drehkreisel, s. gestern abend 23.06 u.
    .
    da hier nur über die restaurierung von bibliotheken und folianten, aber gewiss nicht über deren inhalt sinniert wird, und da ich meinen whisky noch nicht intus habe:
    .
    heimat bestünde also aus negieren einer moral. wenn der mensch ein individuum sei, könne er – das glück hielte er nicht aus und daher trauerte er, weil er die moral negierte – ergo pro moral (welcher?), mithin bewahrung der heimat, aber das geht nicht, weil er ein individuum- daher man müsste eigentlich individidualität ausmerzen, aber- daher sei der individuelle charakter der menschen schuldig geworden am verlust der moral, der heimat- des sinns- äh-
    also wie meinen? helfen sie mir.
    .
    zwar ot, was halten sie denn von folgendem? ɛ < 0

  115. @B4 (10. Juni 2011, 22:34) -...
    @B4 (10. Juni 2011, 22:34) – Da war ich nun wirklich baff, nicht über Sarah Palins E-Mails, sondern darüber, dass der Guardian den Normalmensch auffordert, diese zu recherchieren. Da der State von Alaska sie freigegeben hat, kann man davon ausgehen, dass das, was den Europäern überlassen wurde, völlig harmlos sind. Für wie dumm halten die uns Bürger eigentlich?

  116. @Savall
    .
    jetzt bin ich...

    @Savall
    .
    jetzt bin ich gespannt, wo Sie Slawonien einordnen würden.

  117. Ich bin '87 aus Rumaenien...
    Ich bin ’87 aus Rumaenien (Siebenbuergen) geflohen und zwar als eine der Letzten aus meinenFreundeskreis, deshalb sind sie, meine Freunde in der ganzen Welt verteilt.
    Aber jetzt zu einem anderen Thema Rumaenien war auch damals zahlungsunfaehig, es hat nur niemand darueber gesprochen auch nicht in den Medien und das war dann
    aus meiner Sicht so: Ich war damals Reiseleiterin, mir und den Touristen fehlte es
    an nichts , aber die Laeden im Land waren leeeeer . Jetzt sind wir es faktisch auch
    ( in Rumaenien ) also ohne IWF, aber jetzt gibt es Gemuese aus der EU und…
    Und nein, ich wollte mich nicht beklagen, ich wollte es nur sagen duerfen.

  118. @yast2000
    .
    Polen ist schon...

    @yast2000
    .
    Polen ist schon katholisch.

  119. der don kann auch pan, schön...
    der don kann auch pan, schön zu lesen.
    .
    reisen im osten (ab zonengrenze bis weit hinter oder-neisse) war nach 1990 eine zeitlang immer time travelling. bewegung in der raumachse war immer auch bewegung durch sicht- und fühlbare deutsche, kommunistische, kriegerische usw. zeitachsen. die erlebbaren unterschiede zwischen münchen, hamburg und düsseldorf (inkl. südeuropäische wohnkolonien) sind dagegen ein laues wohlstandsfürzchen, inklusive nachtcafe.
    .
    bester chronist hierzu: karl schlögel

  120. Maikäfer flieg!
    .
    Egal wie...

    Maikäfer flieg!
    .
    Egal wie man zu Kindern steht: Das Kind, das man selber war, liebt jeder heiss und innig bis zur Sentimentalität.
    .
    Lesen Sie Proust. Wenn das Haus, in dem der Türpfosten stand, an die Jahre der Kindheit Zentimeter für Zentimeter eingetragen waren, auf die Grundmauern abgebrannt ist, dann kann man sich immer noch ein Kännchen Tee und Kleingebäck bringen lassen. Oder vielleicht Zichorienkaffee wass weiß ich.

  121. HansMeier55511. Juni 2011,...
    HansMeier55511. Juni 2011, 06:47 : So ist es in der Tat, das Aussterben der Pommerschen Greifenherzöge und das Sterben des letzten 17-jährigen Piastenherzogs Georg Wilhelm von Liegnitz machte Raum für die daraus folgenden Krisen im dynastischen Gefüge des Alten Reiches. FR. d. Gr. machte sich das Finale in dieser Schwäche (Grundlage Erbvertrag mit Haus Brandenburg, Herzogtum Jägerndorf) zu eigen und entriß Österreich, dem Lehnsherr der Piasten, im Siebenjährigen Krieg Schlesien. Pommern eher beiläufig. Der Siebenjährige Krieg war eigentlich ein Weltkrieg mit Auswirkungen bis nach Kanada, sowie den damaligen amerikanischen Kolonien der Briten und bis nach Indien. „Kleiner“ Anlaß mit großer Wirkung.
    ..
    Die Paradiese der Kindheit? Ein fragwürdiges, sentimentales und verlogenes Projekt der Aufklärung um Rosseau und Pestalozzi. Bis ins 18. Jhdt. hinein waren Kinder in der Gesellschaft wie kleine Erwachsene groß geworden und fanden dem entsprechende Beachtung.
    ..
    Wer sich die jetzige gymnasiale Ausbildung anschaut muß zum Schluß kommen, hier wird mehr Zurichtung und nicht Bildung betrieben. Der Markt ruft und die Politik gehorcht. Es findet die Bolognisierung der höhern und Hohen Schulen auf breiter Front statt.

  122. @ donna laura:...
    @ donna laura: „…individuelle charakter der menschen schuldig geworden am verlust der moral, der heimat- des sinns- äh- …“
    *
    Don Alphonso hat es quasi schon in der Überschrift und in seinem brillanten Text vorweg genommen: die Heimat ist eine Illusion, die an die Kindheit geknüpft ist. Die Kindheit ist eine Illusion, weil sie an Unschuld gekoppelt ist. Aus der Unschuld speist sich aber der menschliche Schuldbegriff: Heimat könnte also eine unterbewusste Metapher für eine Art Glück sein, das es so nie gab. Als Erwachsener Mensch könnte dieser versucht sein, seine (wieder auch immer empfundene) Schuld oder sein Schicksal zu bewältigen, in dem er einen ideellen Sehnsuchtsort namens Heimat regelrecht erfindet, um sich seiner Verantwortung in der Gegenwart nicht stellen zu müssen. Damit verhindert er, dass er glücklich ist oder wird oder sich es eingesteht: Der heimatbesessene Mensch ist so sentimental und unaufgeklärt, wie eine über eine verflossene Liebe trauernde Person, die sich nicht eingestehen will, dass diese damals angebetete Person einen gar nicht haben wollte. Die Sache wäre so oder so schiefgegangen…
    *
    Apropos: Gibt es in diesem Land eigentlich noch gute Drehbuchautoren, oder arbeiten die alle schon für amerikanische Kabelsender?

  123. "Bis ins 18. Jhdt. hinein...
    „Bis ins 18. Jhdt. hinein waren Kinder in der Gesellschaft wie kleine Erwachsene groß geworden und fanden dem entsprechende Beachtung.“
    .
    Die These kenne ich, aber sie überzeugt mich nicht. Mir scheint, Kinder wurden immer anders behandelt als Erwachsene und „Beachtung“ fanden sie offiziell gar keine. Sie zählten nicht mit.
    .
    Der ganze Bereich des Kleinkindergroßziehens war ja auch Frauensache und erzeugte keine schriftlichen Quellen. Da gab es nix, was man hätte aufschreiben müssen, und wissen die Historiker so wenig, und das kompensieren sie dann mit wilden Behauptungen.

  124. yast2M, waren Sie auch ein...
    yast2M, waren Sie auch ein „high potential“?

  125. @ hansgeier333: Wieso "waren"?...
    @ hansgeier333: Wieso „waren“? Ich bin noch nicht mal fünfzig und bereite mich auf die Unsterblichkeit vor, in dem ich mir meines eigenen Unterbewusstseins bewusst werde.

  126. Ja, ganz klar, HansMeier555,...
    Ja, ganz klar, HansMeier555, zu den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern. Die Brücke über die Drina?

  127. @Jeeves, 10. Juni 2011,...
    @Jeeves, 10. Juni 2011, 09:55:
    Zur Zeit der Ostverträge war „Des Heizers Traum“, gesungen von Schobert & Black, aktuell. Da kommen der von Ihnen vermisste, ostpreußische Dialekt und das hier kommentierte „Heijmatlandjefiehl“ zusammen:
    http://lyrics.wikia.com/Schobert_%26_Black:Des_Heizers_Traum
    Leider habe ich im Netz kein halbwegs legal aussehendes Tondokument gefunden.

  128. In unsrer Stadt gab es einen...
    In unsrer Stadt gab es einen pittoresken, aber bröseligen Fachwerkbau, welcher der Bürgerparkerweiterung weichen musste und niemand fragte nach den Gefühlen der Türkenkinder, die dort zuletzt gewohnt hatten.
    Vielleicht erinnern sie sich noch heute an das Knarzen der Balken und die Eisblumen am Fenster?
    .
    Was kann der Krieg der Heimat schon anhaben, schlimmer ist der Autoverkehr.

  129. Ich denke es gab immer...
    Ich denke es gab immer Menschen, die ein Interesse am Wohlgehen der Kinder hatten, und andere, denen es nur eine Last war. Allerdings war zu Zeiten als die Rente nicht von Merkel&Co bestimmt wurde, sondern direkt im Familienbetrieb erarbeitet werden musste, der Zusammenhang zwischen vernünftiger Kinderaufzucht und eigener Altersvorsorge einleuchtender als heute.
    .
    Interessanterweise steht in den zehn Geboten nicht: ‘Zieh deine Kinder anständig auf, damit du ein geruhsames Alter hast’, sondern ‘Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren auf das es dir wohlergehe und du lange lebst auf Erden.’ Das heißt, setzte ein Vorbild, damit sich deine Kinder auch einmal um dich kümmern. Dass die Kinder eines Tages die (Familien) Macht übernehmen und damit in die Lage kommen, sich an den Eltern für ihre schlechte Aufzucht zu rächen, brauchte man den alten Juden offensichtlich nicht per Gesetz beizubringen.
    .
    Da Don ja jetzt in Polen reist, kann er uns leider kein Bild vom Ospedale degli Innocenti in Florenz machen. Sicherlich hat der Gründer 1419 auch sein Ansehen im Sinn, aber immerhin muss man zugestehen, dass es in städtischen Gesellschaft schon damals als ehrenwert galt, sich um Waisen zu kümmern – von denen viele wahrscheinlich die unehelichen (Enkel)Kinder der gehobenen Bürgerschicht waren, die im Aufsichtsrat dieses Waisenhauses saß.

  130. @HansMeier555: "Vielleicht...
    @HansMeier555: „Vielleicht erinnern sie sich noch heute an das Knarzen der Balken und die Eisblumen am Fenster?“
    *
    Das hängt davon ab, ob die Einwohner des pittoresken Hauses katholisch oder portestantisch geprägt waren.

  131. HansMeier555@ Ja gewiß,...
    HansMeier555@ Ja gewiß, jedoch Carl J. Burkhardt, Hoher Völkerbundskommissar von Danzig: Richelieu, der Aufstieg zur Macht. München 1935, hatte in diesem dreibändigen Werk, in einigen längeren Passagen dazu durchaus Bemerkenswertes geschrieben, aber vielleicht hatte er sich´s ja aus den Finger gesogen?
    ..
    Aastpreissisch: Das Floh´che
    http://www.youtube.com/watch?v=GIpSpKH4k44&feature=related
    ..
    Meine Großmutter väterlicherseits stammte aus der richtig tiefen Provinz. Aus Rosenich, dort besassen Verwandte eine großen Bauernhof und bewirtschafteten ihn. Mein Vater hatte Urlaub und fuhr im Sommer 1944 mit mir dorthin in einer Bimmelbahn. Mitten in riesigen wogenden Getreidefeldern mit großen dazwischen, hielt fauchend das Zügelchen. Wir waren die Einzigen die ausstiegen. Vor dem „tippligen“ Bahnhofsgebäude hielt eine Kutsche, der alte Knecht holte uns ab.
    Der Anlaß war ein fulminantes Schweineschlachtfest. Reihum wurde ich gereicht und abgeknutscht, seitdem habe ich eine gewiße Schwäche für kräftige… laßen wir das.
    Auf jeden Fall, nachdem die arme, riesige, fette Sau geschlachtet war, wurde sie zerlegt zur Würsten, Schweinerippen und in, was weiß ich Alles zerlegt. Im Waschkessel eine herrliche, essigsaure , nach Lorbeer, Majoran etc. schmeckende Metzelsuppe gekocht. es wurde mächtig getafelt und danach getanzt. Wie auf einem Bild von Breughel d. Ä.
    Am andern morgen fuhren wir schwer beladen mit Würsten wieder nach Haus.
    Bei einer Projektbearbeitung in Köln traf ich zufällig einen Kollegen, der meine Mischpocke kannte und ebenfalls aus dem Kaff Rosenich stammte.
    Niederschlesisches Schlachtfest:
    http://www.youtube.com/watch?v=M7ifkUujPbk

  132. Es hätte durchaus sein...
    Es hätte durchaus sein können, daß Polen protestantisch geworden wäre, noch bis in die Zeit Karl XII. von Schweden. Das Haus Wasa regierte durchaus längere Zeit in Polen.
    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Wasa_(Dynastie).html
    ..
    yast2000@: Nu, Se sind also ohne een bisken Heiymatjefiehle uff jewachsen, wie mia scheynt? Jloob ich nich!

  133. lieber, bester yast2000, äh-...
    lieber, bester yast2000, äh- ja.
    da kommen aber reichlich viele setzungen in ihrem text vor, und über genau diese insbesondere unter betrachtung der kohärenz und der daraus offensichtlich gezogenen schlüsse könnte man ins diskutieren geraten, allein-
    zu meiner frage im letzten absatz habe ich noch nichts von ihnen gehört. na?

  134. mundus inversus
    Ach, so keiner...

    mundus inversus
    Ach, so keiner geht auf die Schüler-und Pennälertravestien (-paradiese?) und den obigen Hinweis des wackeren Pan Don Alphonso ein. Dabei ist doch daraus sogar Literaturgeschichte mit politischen Folgen entstanden: So eine Schoise!
    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig_Ubu

  135. Das fehlte in den...
    Das fehlte in den Getreidefeldern in meinem Text, die Bäume die dazwischen ab und zu standen. Bitte um Nachsicht.

  136. Was die Lausitz angeht: Die...
    Was die Lausitz angeht: Die muss leider warten, vorerst. Ich bin wieder daheim (und schon wieder verplant)

  137. (Und ich bedaure es sehr, wenn...
    (Und ich bedaure es sehr, wenn ich auf all die Kommentare gerade nicht wirklich eingehen kan, zwengs unterwegs et al.)

  138. Wen es interessieren sollte,...
    Wen es interessieren sollte, hier ein Link zur Belagerung Breslaus v. 18. Februar 1945- 06. April 1945. ausserdem muß ich mich korrigieren, es waren nicht zweihundert sondern zwanzig russische Panzer die zu Ostern zerstört wurden.
    ..
    Meine Mutter, mit meinen zwei jüngeren Brüdern und meiner Wenigkeit, ist von Mochbern aus, einem Vorort von Breslau in der Nähe vom Gandauer Flugplatz, einige Tage vor der Einschließung geflohen. Wir hatten nur einen Koffer, einen Kinderwagen und zwei Kinderrucksäcke als Gepäck. Wie wir später hörten, haben sich auf dem Hbf in Breslau unglaubliche Szenen um die letzten abfahrenden Züge abgespielt. Alle Menschen hatten Angst vor den Russen, die schon in Ostpreußen gewütet hatten. Nach dem was die Deutschen in Rußland und in Polen angerichtet hatten lag Rache in der Luft. Und die Aufrufe von Ilja Ehrenburg wirkten zusätzlich auf die Rote Armee.
    Es war unglaublich kalt und es lag hoher Schnee.
    Auf dem offenen LKW des Kohlenhändlers ging es in der Morgendämmerung mit vielen anderen Frauen und Kindern Richtung gen Westen los. Erst auf der Autobahn, dann mühsam über Äcker, weil die Autobahn für den rollenden Nachschub der Oderfront gebraucht wurde. Über uns tobten Luftkämpfe, ab und zu schoßen russische Tiefflieger auf uns. Paradiesische Zustände ;-). Schließlich kamen wir mitten in der Nacht in Görlitz an. Wir wurden in einem Gasthof in der Altstadt untergebracht. Zur Begrüßung kamen Parteibonzen in ihren kackfarbenen Uniformen. Sie wurden von den Frauen mit Hohn übergoßen..warum sie denn nicht an der Front wären. Fluchtartig verzogen sie sich. Die Fahrt im offenen Wagen trug mir eine Mittelohrentzündung ein und nach zwei Operationen verlor ich das linke Gehör. Unterwegs nach Bayern, in Personenwaggons mit kaputten Fensterscheiben hätten wir um ein Haar noch unsere Mutter verloren. Sie holte für uns bei Rotekreuzschwestern auf dem Bahnsteig Blümchenkaffe, in diesem Moment fuhr der Zug los, am letzten Waggon wurde sie noch hochgezogen. Wir kamen schließlich auf einem Bauernhof in der Nähe von Dresden für einhalb Monate unter. Dort bekamen wir auf den Höhen eines Nachts weitleuchtendes Feuerwerk gratis geboten, der Untergang eines Großteils von Dresden. Hier kamen viele Flüchtlinge bei dem Angriff der Royal Air Force um.
    Wir wurden danach mit der Reichsbahn weiter nach Bayern evakuiert.
    In Regensburg, kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof, auf der Donaubrücke donnerte ein amerikanischer Bomberangriff über uns hinweg, doch er galt nicht uns bzw. der Brücke, das Schicksal war uns gnädig, sondern den Messerschmittwerken.
    ..
    Schließlich hier einige versöhnliche Töne, polnische Renaissancemusik als letzter Link
    ..
    http://www.zobten.de/Festung/Festung.htm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ilja_Grigorjewitsch_Ehrenburg
    http://www.youtube.com/watch?v=k2IYOqBrDfk&feature=related

  139. Ich kann mir nicht ganz...
    Ich kann mir nicht ganz vorstellen, dass drei Jahre alte Aufrufe von Ehrenburg aus der Zeot, als die Deutschen vor Stalingrad standen, 1945 noch weithin bekannt waren. Ich empfehle „Der Fall von Paris“, das einje recht differenzierte Sicht der Dinge hat. Es war keine Zeit für Dichter, und das, was geschah, wäre so oder si geschehen. Es ist leicht, Menschen in einer Lage wie Ehrenburg etwas nachzusagen, aber ich denke, uns allen fehlt das tiefere Verständnis für jene, die in seiner Lage waren. War er opportunistisch? Vielleicht.

  140. Es war sehr wohl eine Zeit...
    Es war sehr wohl eine Zeit fuer Dichter im „Grossen Vaterlaendischen Krieg“.
    Russen leben mit dieser Kunst. Sie verehren Dichter. Dichtung war und ist der grosse Trost in den ewig schwierigen Zeiten des russischen Volkes.
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=WO2JQquQKHY&playnext=1&list=PL219487840CBE0B97

  141. Es muß schon so um 1953...
    Es muß schon so um 1953 gewesen sein, da ist der kleine Maxl, ein ehem. Spezi von mir, mit dem Scherenschleiferhansi und mit noch einigen anderen Jungen auf den Sauweiherwiesen spielen gegangen. An einer langgezogenen Hecke fanden sie US-Eierhandgranaten. Der Maxl muß an einer den Ring gezogen haben, Rumms hatt´s ihn zerfetzt. Heimat deine Lieder.
    ..
    Den europäischen Bürgerkrieg zwischen 1914 und 1945 haben alle Kabinette mit angerichtet. Nicht einfach nur Deutschland. Es war von Anfang an unheimlich gerüstet worden, auf allen Seiten. Man trug „national“. Außerdem war es ein Riesengeschäft.
    ..
    In einer Faschingszeitung aus einem Markt von 1928 im Bayerischen Wald fand ich Texte, die unglaublich den Hitler und seine „Bagasch“ lächerlich machten.
    .
    Die meisten Polen, deren Nachkommen jetzt schon in der 2. oder 3. Generation in Breslau leben, stammen aus Ostpolen. Stalin hatte diesen Teil von Polen abge-trennt. Sie wurden „umgesiedelt“.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Curzon-Linie
    .
    Die Geschichtslehrerin meiner Angetrauten war die Frau von der Schulenburg, Gattin des letzten deutschen Botschafters des Reiches in Moskau. Er überreichte die deutsche Kriegserklärung an Stalin und Molotow. Er war damals überzeugter Nationalist. Nachdem er von den Greueln erfuhr, schloß er sich dem Widerstand gegen Hitler und Konsorten an. Er wurde in Berlin-Plötzensee, 10. November 1944, am Metzgerhaken erhängt wg. der Kenntnis der Vorbereitungen zum 20. Juli 1944. Das sog. III. Reich sparte Frau von der Schulenburg im Unterricht aus.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Werner_Graf_von_der_Schulenburg

  142. Meine Freundin, die Patentante...
    Meine Freundin, die Patentante eines meiner Tigerbabies, kommt aus dem Baltikum. Geflohen ist sie auf einem Schiff mit verwundeten deutschen Soldaten. Die Kinder reisten ganz unten im Bauch des Schiffes, in Begleitung einer alten Dame, die zur Ablenkung Geschichten erzählte. Es gab ausreichend Essen, aber es war saukalt und dunkel. Der Kapitän hatte sie dort unten untergebracht, weil sie dort nur kurz zu leiden hätten, wenn das Schiff von Alliierten angegriffen und versenkt worden wäre.

  143. Don Alphonso@: Ohne Groll....
    Don Alphonso@: Ohne Groll. Natürlich hatte er die Aufrufe gefertigt… weit nach Stalingrad. Unsägliches wurde im 20. Jhdt. von allen möglichen Menschen auf allen Seiten geschrieben und im Rundfunk oder Filmen vorgetragen. Schauen Sie sich nur die Filme der hochbegabten Leni Riefenstahl an, beispielsweise zum Reichsparteitag in Nürnberg. Subjektiv fühlten sie sich alle berechtigt…..und das Interesse das allem unterlegt ist, darf nicht vergessen werden.
    ..
    Zimperlich war man in der Zeit sowieso nicht. In Meißen hatte ich es gesehen, wir gingen an sog. spanischen Reitern als Infanteriesperren, am Elbufer entlang zum Bahnhof, da baumelten an den Chausseebäumen sog. Volksverräter und Deserteure. Das ging Ratzfatz, die Feldgendarmen und die Gestapo waren da nicht pingelig.

  144. @Plindos, mit Bezug auf 07....
    @Plindos, mit Bezug auf 07. Juni 2011, 19:07, jetzt passt’s. Keine Bau. Niemals.
    .
    Aber die Kindheit holt einen ein, ohne das man es merkt. So ging ich eines Tages gut gelaunt mit einem Aktenstapel, ein Liedchen pfeifend am Dienstzimmer eines Veteranen der Legion Condor-er doeste dort seiner baldigen Rente entgegen-vorbei. Die Tuer wurde aufgerissen, ein alter Oberfeldwebel, sehr aufgeregt, schrie mich an…
    …es war nicht das Panzerlied welches ich pfoff, es war dieses:
    http://www.youtube.com/watch?v=2CZgXSAAhis
    .
    Ich hatte dieses Lied, wie viele andere, auf einer Schule des Arbeiter-und-Bauernstaates gelernt.
    So kam zu meinen kleinen Disziplinarstrafen wegen Wein, Weib und Gesang noch ein Verweis des Kompaniechefs dazu.
    Es geht nichts ueber eine lehrreiche Kindheit unter dem Wappen von Hammer und Zirkel.
    Ueberhaupt schien ich der Musensohn der Schule gewesen zu sein, denn immer wenn es einen hohen sozialistischen Feiertag gab, wurde ich erkoren das nachfolgende Lied vorzutragen. Wegen meiner mangelnden gesanglichen Begabung, durfte ich den Text in getragenem Ton aufzusagen, waehrend der Chor im Hintergrund die Melodie summte. Es war immer ein grosser Erfolg und wurde damit belohnt, dass meine Betragensnote von 5 auf 4 verbessert wurde.
    Meine Damen und Herren, hoeren Sie nun das Lied vom Kleinen Trompeter in einer heroischen Fassung. So haette ich das zu meiner Zeit niemals erlaubt.
    http://www.youtube.com/watch?v=2iKr2dOLCuA
    .
    Der junge Mann wurde uebrigens in meiner Heimatstadt gemeuchelt. Im Saal des Volksparkhauses welches keine 100 Meter in Sichtweite zur Villa des Bankiers Lehmann steht.

  145. Die erste Frage ist, warum die...
    Die erste Frage ist, warum die Sowjets diese Vertreibungen überhaupt gemacht haben. Hätte man die Leute gelassen wo sie waren, hätten die meisten von ihnen im Kalten Krieg für den Kommunismus gearbeitet und gekämpft.
    (Wenn man an den mörderischen Aufwand denkt, mit dem sie später die Flucht jedes einzelnen Zweibeiners verhindern wollten).
    .
    Die zweite Frage ist, warum die Westalliierten das alles abgenickt haben.
    .
    Die dritte Frage ist aber auch, warum sich die Deutschen 45ff so widerstandlos vertreiben ließen. Keine Partisanen, kein Guerillakrieg nirgends.

  146. Mit Sicherheit sagen können...
    Mit Sicherheit sagen können wir allenfalls, dass Pius XII. nichts dafür konnte.

  147. Der Euro nur noch ganz knapp...
    Der Euro nur noch ganz knapp über 1,20 CHF.
    Was hat das noch mit Fußball zu tun?

  148. @Savall
    .
    Bitte nicht das Hl....

    @Savall
    .
    Bitte nicht das Hl. Röm. Reich mit Kakanien verwechseln. Denn das sind zwei Große Unterschiede.

  149. Ich kann mir nicht vorstellen,...
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Markt das Niveau von betont intellektuell sein Wollenden beim Euro mit einpreist.

  150. Man kann es vielleicht so...
    Man kann es vielleicht so sagen: Man wollte auch ganz sicher keine weiteren Risiken mehr eingehen. Die Erfahrungen mit Revolten auf russischer bzw. osteuiropäischer Seite waren eher schlecht: Da gab es erst mal die Böhmen, die den Anschluss der Tschechei betrieben, der Danziger Korridor, die Aufstände gegen die Russen im Baltikum, später auch der Tschetschenen, alles von den Deutschen orchestriert – politisch, aus Sicht Stalins, machte das durchaus Sinn.
    .
    Und dann ist da noch der Umstand, dass viele der im Osten verbliebenen später selbst gern gegangen sind. Das Problem wäre so oder so gekommen. Ketzerisch könnte man auch sagen, dass die Vertreibungen auf der einen Seite das Wirttschaftswunder auf der anderen Seite erst möglich gemacht haben, weil die Bevölkerungsvderluste ausgeglichen wurden. Aber natürlich: Es ändet nichts an all dem Leid.

  151. Hans Maier555
    Haben Sie...

    Hans Maier555
    Haben Sie vielleicht etwas über das Massaker von Nemmersdorf gehört?
    Ist Ihnen das Lager Lamsdorf ein Begriff?
    Kennen Sie den Aufruf Ehrenburgs
    „Brecht den Rassestolz der germanischen Frauen, nehmt sie als rechtmäßige Beute“
    Haben sie letztes Jahr von der Wiederentdeckung des Massengrabs in Marienburg gelesen? Das Photo von dem Kinderschädel mit dem Pistoleneinschußloch verdrängt?
    Verehrter Gastgeber, wer diese Verbrechen überlebt hat ist rausgekommen, nicht „gern gegangen“.

  152. Ich ziehe hier sofort und...
    Ich ziehe hier sofort und nachhaltig den Stecker, wenn hier unten die Aufrechnerei mit – man kann das in diesem Fall nicht anders sagen – NS-Propaganda anfängt:
    .
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ilja_Grigorjewitsch_Ehrenburg#Ein_unauffindbares_Flugblatt
    .
    Ansonsten bezog ich mich auf die „Freikäufe“ von Banater Schwaben in der Bundesrepublik oder die Übersiedling von Deutschstämmigen aus der UdSSR.

  153. Die (H)eilige Inquisition ist...
    Die (H)eilige Inquisition ist wieder unterwegs. Ausgeplaudert, Freunde. Chefe macht auf dicke Hose.

  154. <p>Nein, aber es gibt Grenzen....
    Nein, aber es gibt Grenzen. Ich habe einfach keine Lust, mir hier eine über 150 Kommentare friedlich verlaufene Diskussion unter einem friedlichen Beitrag kaputt machen zu lassen, weil plötzlich das gosse Aufrechnen beginnt, unter Benutzung von Legenden der NS-Propaganda. Mir ist durchaus bewusst, dass die NS-Legende von diesem angeblichen Vergewaltigungsaufruf nicht einfach verschwinden wird. Aber wenn ich das zulasse, kann ich auch jede andere Verschwörungstheorie von Neuschwabenland bis zu den Weisen von Zion zulassen.

  155. Verwechsle ich nicht,...
    Verwechsle ich nicht, HansMeier555. Sortieren wir es nochmal kurz: die Slowakei ist Altes Reich. Slowenien und Slawonien sind Türkenbeute und gehören damit zu den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern. Wie übrigens auch Galizien, um in Richtung Stalin zu drehen. Die sog. Westverschiebung Polens hatte aus Stalins Sicht vor allem die Wirkung, ein strategisches Glacis zu sichern. Man wollte die Deutschen nicht mehr am Bug, sondern maximal an der Oder haben. Zu den ganzen Fragen um Imperien, Nationalismen und Grenzen empfehle ich Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Sehr lang, etwas zäh, aber überaus informativ.

  156. @ DA um 09.08h

    Den Stecker...
    @ DA um 09.08h
    Den Stecker abziehen!!!?!!
    You’re The Boss, so
    „Be tough and be strong
    Or be weak and be gone“.
    P.S. Haben Sie schon einige positive Ueberraschungen in Polen erlebt?

  157. Lieber Pan Don Alphonso:...
    Lieber Pan Don Alphonso: Sollten in meinen Texten NS-Reminiszenzen auf geschim-mert sein, so würde ich das außerordentlich bedauern. Die Menschen die damals ihre Heimat verlassen mußten, taten es auf jeden Fall keineswegs freiwillig. Zu einer großangelegten Werwolfveranstaltung jedoch, war kein Potential da, weder moralisch noch materiell. Eine Rückübertragung halte ich für absolut aussichtslos, was sollte ich persönlich z. B. noch dort. Es ist verschüttete Milch, die man nicht mehr zurück inne Kanne bekommt. Die normative Kraft des Faktischen eben. Das Gros der nahfolgenden Generationen weiß kaum noch, daß es diese ehemals deutschen Provinzen überhaupt je gab. Wir haben in Deutschland, Europa andere brennendere Probleme.
    Es sollte noch an Eines erinnert sein. Breslau, wie auch Königsberg waren Horte jüdischer Religion, Kultur und Denkens. Viele jüdische Geistesgrößen lehrten an der dortigen Universitäten. Dieses Alles ist auch für immer dahin entschwunden.
    ..
    Noch ein Letztes zu dem „paradise lost“. Bei meinen Großeltern in Liegnitz in der Nähe des Piastenschlosses, es war Anno 44, hauste in dem Mietshaus in dem sie lebten mit einer großen Eisenwarenhandlung im EG, ein alter merkwürdiger Mann unter einem Verschlag unter der Treppe. Er trug immer einen Hut und einen dunklen Mantel. Er wurde von allen Mitbewohner verstohlen mit Lebensmitteln versorgt. Eines Tages holten ihn die geheimen Sbirren in den Ledermänteln auf Nimmerwiedersehen ab. Ende der Durchsage.

  158. Verehrter Gastgeber,
    in...

    Verehrter Gastgeber,
    in meinem obigen Beitrag habe ich sehr verkürzt wiedergegeben, was mir ein ehemaliger Soldat über seine Kriegserlebnisse berichtet hat.
    Er war am Tag nach der Landung der Allierten auf dem Rückweg an die Ostfront und hat als Einziger seiner Einheit überlebt, weil er aus dem Zug geholt und in eine Kampfeinheit Richtung Westen verlegt wurde.
    Er erklärte so die unterschiedliche Form der Kriegsführung und Kampfmoral der Einheiten an West und Ostfront und den Wissensstand der einfachen Mannschaftsdienstgrade.

  159. Zum Thema Ehrenburg fand ich...
    Zum Thema Ehrenburg fand ich diesen Artikel aus der Ära Augstein interessant:
    .
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45141455.html
    .
    … und verstehe auch, warum ich damals den Spiegel mit mehr Interesse gelesen habe als heute.

  160. Es geht nir ausschliesslich um...
    Es geht nir ausschliesslich um dieses erfundene Ehrenburg-Flugblatt.

  161. Ich glaube nicht, Plindos,...
    Ich glaube nicht, Plindos, daß jemand ihre Äußerungen hier irgendwie mißverstanden hat. Ich fand es sehr erhellend, was Sie zu erzählen haben. Meine Meinung über den unsäglichen Arier-Nachweis wäre hier leider nicht unzensiert zu veröffentlichen. Ich verweise einfach auf das einschlägige Max-Liebermann-Zitat. Immerhin hat diese seltsame Erfindung mir zu einem Stammbaum verholfen. Den man sich im übrigen nicht unspektakulär genug vorstellen kann. Häusler, Kossäten, Pferdekutscher. Alles begann mit der unehelichen Niederkunft einer Dienstmagd in Znaim um 1830. Was mich an dem Stammbaum immer fasziniert hat war die Unbekümmertheit der Leute, was politische Grenzen anbelangt. Man heiratete 150 Jahre lang ungeniert zwischen Böhmen, Schlesien und den Lausitzen hin und her, als ob es keine Grenzen gäbe. Wie HansMeier555 es so trefflich formulierte: egal ob Polen, Deutsche, Tschechen: Hauptsache katholisch.

  162. Sie haben noch einen...
    Sie haben noch einen Ariernachweis im Archiv, Savall? Nach Ableben aller Angehoerigen des zaenkischen Gebildes welches man Verwandtschaft oder gar Familie nennt, sind bei uns keine derartigen Papiere nachgelassen. Sie muessen sich nach 1945 durch Zauber in Luft aufgeloest haben- bei allen Seitenlininien meiner Vor-und Mitfahren.
    Waren da irgendwelche Unsauberkeiten, derer man sich schaemte? Besassen sie den Rassenachweis nicht? Wohl kaum, denn stramme Nazis waren sie alle. Manche waren so stramm, dass sie sogar UK gestellt wurden.
    Ich kann sie nicht mehr befragen, sie sind dahin, und wuerden sie noch unter uns wandeln, waeren die Antworten von rabulistischer Groesse (1).
    .
    (1) Woher kenne ich jetzt das Wort „Rabulistik“? Genau, stramme Nazis…

  163. Savall@: Dieses Hin und Her...
    Savall@: Dieses Hin und Her über staatliche und sprachliche Grenzen hinweg ging quer durch alle Schichten hinweg. Geschichtlich bedingt. Der Adel sowieso.(Bis zum 1. WK konnte man in Europa so gut wie ohne Paß reisen.)
    Die Lausitz und große Teil Schlesiens standen zeitweilig ursprünglich unter polnischer Kronherrschaft, dann der ungarischen Krone zu Zeit Matthias Corvinus Mátyás Hunyadi, dessen Wappen noch an der Burg zu Bautzen zu sehen ist, danach unter der Herrschaft der Habsburger, abgelöst von den Preußen sowie den sächsischen Kurfürsten.
    Kraße Auswirkungen hatten die Verhältnisse in Oberschlesien. Bis in die Familien hinein, die einen Mitglieder sahen sich als Polen, die Andern als Deutsche. Um ein Haar hätte es wegen Oberschlesien schon zu Anfang der Zwanziger Jahre zu einem Krieg zwischen der neuerstandenen polnischen Republik und dem Reich geführt. In der FAZ war über diese Situation ein sehr fundierter Artikel, neutraler Artikel kürzlich zu lesen. Am Rande sei vermerkt, es standen zur Überwachung der Abstimmungen sogar französische, englische und italienische Truppen in Oberschlesien,teilweise ausgerüstet mit Tanks. Einer der der Offiziere der Interalliierten Kommission war auch ein gewisser Offizier mit Namen Charles de Gaulle. Er soll sogar eine charmante Bezieh… nix genaues weiß man nicht. Frankreich verhielt sich nicht so ganz neutral, die Briten waren um absolute Korrektheit bemüht, schon wg. der Sicherheit ihrer Nachschublinien.
    Wortführer der polnischen Interessen war W. Korfanty. Bei bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen waren auf deutscher Seite auch die sog. Freikorps im Einsatz, die sich aus ehem. Kriegsteilnehmern des I. WK als Freiwillige zusammensetzten.
    Neofaschisten nehmen das Datum des 21.05.1921 der Erstürmung des Annaberges gern für ihren Scheiß in Beschlag.
    http://www.gonschior.de/weimar/Preussen/Oberschlesien/Uebersicht_Jahre.html
    http://www.deutsche-und-polen.de/personen/person_jsp/key=wojciech_korfanty.html

  164. Zu verlorener Heimat gäbe es...
    Zu verlorener Heimat gäbe es ja einiges zu sagen, wie oben schon richtig bemerkt nicht nur von Deutschen. Der größere Teil unserer Güter gehörte schon nach 1919 nicht mehr ins Deutsche Reich, sondern lag in Polen. Unter der Wiedervereinnahmung 1939 hat die Familie eher gelitten, bis zur Enteignung beträchtlichen Lands für einen Truppenübungsplatz und Aussiedler aus noch weiter südöstlich und östlich. Die die nach 1945 dort wohnten waren ihrerseits vertrieben und kamen aus dem Osten.
    .
    Polnische Freunde wunderten sich wenn ich Mickiewicz aus „Pan Thadeusz“ zitierte, der weit aus Podolien her geritten kam, das ist heute weißrussisch.
    .
    Weder meine Eltern sind jemals wieder hin gefahren, noch ich. Eine alte Tante hat die Möglichkeiten der 80er Jahre genutzt und sich das Elend vor Ort angesehen.
    .
    Schlesien, das Land mit dem besten Streuselkuchen (kleiner Scherz) war auch vor 1740 nur zu etwa einem Drittel katholisch, sonst evangelisch geworden. Selbst die Fürsterzbischöfe von Breslau, übrigens die letzten die in Deutschland diesen Titel führten, bis 1945 (Preußen hatte den Titel 1740 anerkannt), hatten das nicht verhindern können. Immerhin hat der Versuch der Rekatholisierung unter den Habsburgern zu einem schönen Bauboom der Jesuiten und anderer Orden geführt. Dazu gehört etwa das ehem. Zisterzienserkloster Leubus, mit einer barocken Hauptfassade von gut 225 m Länge. Übrigens waren die bedeutenden Äbte dort auch vor 1803 oft bürgerlich, so Arnold Freiberger, dem der barocke Wiederaufbau zu danken ist.
    .
    Abér alles in allem tempi passati.

  165. Savall,
    eine aus meiner...

    Savall,
    eine aus meiner Familie behaupet, unseren Stamm bis zum 14. Jahrhundert nachweisen zu können. Klingt spitze, aber wenn der Nachweis hauptsächlich über den komischen Nazi-Arier-Nachweis läuft, kann ich super darauf verzichten.
    .
    Und wenn man bedenkt, dass „Arier“ sein nix Genaues ist, alles im Dunkeln bleibt – man könnte genauso gut von sehr unblonden und sehr unblauäuigigen Menschen aus dem indischen oder persischen Raum 2000 v.Chr. sprechen (das waren auch „Arier“) …wenn man all dieses bedenkt, ist schon interessant, weshalb ein ganzes Volk auf den Dreh reingefallen ist, Arier sein wollen. Und das explizit mit blond verbindet.
    .
    Bin daher schwer dafür, nicht nur die Mathematik, logisches und selbständiges Denken in den Schulen stärker zu betonen, sondern auch Geschichte (nicht: politisch motivierte Geschichtsklitterung). Und weniger die Fähigkeit, mit nichts außer schönen Dekoartikeln wie Manschettenknöpfen oder den „richtigen“ Schuhen zu brillieren.
    .
    Bin ich froh, dass heute sprachlich zackige Blender wie Mister Hilter es deutlich schwerer hätten. Allein schon wegen der Informationsmöglichkeiten im Internet. Und wegen des gestiegenen Selbstbewusstseins der Bürger. Im alten Jahrhundert waren Bürger deutlich autoritätshöriger und haben jeden Scheiß brav geglaubt, weil er in schwarzer Farbe auf Papier stand. Heute kriegt die Regierung mehr Zunder – aus allen Ecken, wenn sie Blödsinn verzapft, Klitterungen betreibt oder lügt. Weniger leider allerdings von den Medien (was sollte), sondern mehr von engagierten Internet-Communities (Guttenplag und solche Dinge).
    .
    Ich glaube, wir sind trotz vieler Beschwerlichkeiten schon im richtigen Jahrhundert. Den feudalen und autoritären Käs will keiner mehr.

  166. @ donna laura: War gerade...
    @ donna laura: War gerade wieder internetfrei in Polen und im Oderbruch, daher etwas später: Ich weiß, nicht was ihre letzte Frage im letzten Absatz ist:
    *
    1. „…daher man müsste eigentlich individidualität ausmerzen, aber- daher sei der individuelle charakter der menschen schuldig geworden am verlust der moral, der heimat- des sinns- äh- also wie meinen? helfen sie mir.“
    a) Individualität ausmerzen ist Blösdinn. Wir verlangen ja auch nicht vom Hund, dass er miaut.
    b) Der individuelle Charakter ist auch nicht schuldig am Verlust der Moral. Erstens gibt es gar keine Schuld, es sei denn, der Mensch empfindet sie. Den Verlust von Moral halte ich auch nicht für schlimm, wenn sie die Persönlichkeit behindert.
    c) Sehen Sie, Donna Laura, Heimat, Sinn, Moral, Kindheit, das sind alles Erfindungen der Menschheit. Darüber kann man beim Therapeuten Auskunft geben, aber es sind keine gesellschaftlichen Kategorien, keine Parteien, rein gar nichts. Darübüer kann man sich unterhalten. Aber es ist nichts, worüber eine Person der anderen Auskuft geben sollte.
    *
    2. „zwar ot, was halten sie denn von folgendem? ɛ < 0 /// Das kommt darauf an, was das Zeichen darstellt: Ein Epsilon gehört in der Mathematik zu einer Epsilonumgebung, die definert sein muss. Ein "Unendlich kleiner Null" ergibt gar keinen Sinn, oder das Zeichen stammt aus einem Handy und bedeutet "Herz": Mein Herz ist größer Null, das kann ich versichern. Und ihres?

  167. Leider nein, Filou, der...
    Leider nein, Filou, der Arier-Nachweis ist nicht mehr vorhanden. Ich sage leider, denn ich finde die Amnesie, die die Leute nach 45 befallen hat auch schäbig. Immerhin hat sich die Berufung meines Großvaters zum Volksschullehrer, durch den unsäglichen Gauleiter Mutschmann eigenhändig unterschrieben, erhalten. Aber der zu diesem Komplex gehörige Stammbaum ist noch da und ich weiß es zu schätzen. Die zugehörigen Kirchenbücher dürften nämlich weitgehend vernichtet sein. Im übrigen wurde die Nazi-Vergangenheit in der Familie ausführlich beschwiegen. Meine Großväter waren ad 1) Pionierleutnant, Stalingrad, Spätheimkehrer und ad 2) Gefreiter an der Westfront, Amerika-Gefangenschaft. Ich hoffe, daß sich beide nichts zuschulden haben kommen lassen. Nr. 1 war zu integer (der Volksschullehrer), der andere war zu blöd, um etwas Unrechtes zu begehen. De mortuis nihil nis bene. Ich hoffe es, wie gesagt, ich weiß es nicht.
    .
    Ja, Plindos, das ist historisch gesehen eine aufregende Gegend. Der Termin für die derzeit stattfindende „Via regia“-Ausstellung ist schon gebucht. Eine feine Sache, das.
    .
    Ach, Vroni, jeder Blick in den Spiegel und auch der Stammbaum zeigen mir, daß ich ein waschechter Slawe bin. And proud of it. Gegen die indische Verwandtschaft hab ich auch nichts einzuwenden. Ganz im Gegensatz zu dem Hühnerzüchter aus München.

  168. Vroni@: Beste Vroni, zu den...
    Vroni@: Beste Vroni, zu den Ariern sei noch folgender Hinweis gestattet. Die Inder sind nur teilweise arischen Urprungs. Ebenso wie ein Teil der Perser. Zugewandert so um 3.000 – 1000 v. Chr. aus dem Raum südl. des Urals und vom Kaukasus. Diese verstanden sich schon damals als die geborenen Herren.
    Zwegn dem schmücken sich die, ach so edlen weißen Amis, bei Mitteilung nach rassischer Herkunft gern mit „Caucasian“, z. B. in Heiratsannoncen. Wahn kennt ebenfalls keine Grenzen. Arisch, wie narrisch, meint sowieso von vornherein „edel „, somit absolute Distinktion gegenüber allen Anderen .
    ..
    yast2000@:“Den Verlust von Moral halte ich auch nicht für schlimm, wenn sie die Persönlichkeit behindert.“ Ja da schau her, Stirner läßt grüßen! Max Stirner: Der Einzige und sein Eigenthum. So redet er, der selbstgeschöpfte, aufgeklärte Mensch unserer Tage, von seinem Paradies : Frisch, fröhlich, frei….. fromm eher nicht. ;-)

  169. @Savall
    .
    Die Slowakei...

    @Savall
    .
    Die Slowakei gehörte immer zum Königreich Ungarn.
    .
    Schlimmer als Weltkriege wütet der Autoverkehr. Pressburg ist dafür ein gutes Beispiel.

  170. Trotzdem hat sich Stalin...
    Trotzdem hat sich Stalin geirrt, rein interessentechnisch.
    .
    Die Tschechen und Polen haben es den Sowjets resp. „den Russen“ später nicht gedankt und tun es bis heute nicht. Die sehen sich alle immer nur als Opfer des Stalinismus und wollen nicht zugeben, welchem großen Staatsmann sie das Glück ihrer ethnischen Homogenität verdanken.
    .
    Dass die Vertriebenen der BRD ein Wirtschaftswunder bescherten (oder dazu beitrugen) konnte ebenfalls nicht in Stalins Sinne sein.
    .
    Meine These ist: Das brutale sowjetische Verhalten beim Vormarsch ’45 war die erste verlorene (Propaganda-)Schlacht im (damals schon beginnenden) Kalten Krieg. Auch auf die alliierten Beobachter hat das seine Wirkung kaum verfehlt.
    .
    Ja, vielleicht wäre es gegenüber Polen und Tschechen irgendwie ungerecht gewesen, die Deutschen einfach so davonkommen zu lassen. Aber was soll’s, ihren Opfermythos pflegen sie ja so oder so.

  171. Jo wos soi i sogn? Heit hamma...
    Jo wos soi i sogn? Heit hamma Fingstn un do herin is grad des Gred vo dene Flichtling un dene Saupreißn. Mia hom dera Bagasch eh des Beste gem, de Hl. Hedwig, de Dochta vom Grafn vo Andechs, Tirol un Istrien. Is des nix, ha? Wia hommas dann? Drinkst amoi nacha a Maß afm Berrg Andechs un nacha bist eh stad. Nach da zwoatn oda drittn Hoiwi un zwoa Weißwürrscht moanst eh, du werast im boarischn Baradies, gö! Nacha brauchts koa Kindabaradies oda so a bleds Grfas. Wann mei Bua net bariert hot, hob i eahm Oani glangt, an de Oahrwaschln zogn, do is da Watschnbam umgfoin un a Ruah is im Baradies gweng. Weis eh woahrr is. Ma weard jo scho no a weng Granteln derfa. Aus is. Aine andiaudoridärrä Earziechung hom bei uns do herin gar nie nicht gekannt. Wo samma dann?
    Servus beianand!

  172. Mit dem Autoverkehr bin ich...
    Mit dem Autoverkehr bin ich einer Meinung mit Ihnen, HansMeier555. „Am 1. April 1909 wird aller menschlichen Voraussicht nach die ›Fackel‹ ihr Erscheinen einstellen. Den Weltuntergang aber datiere ich von der Eröffnung der Luftschiffahrt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber die Slowakei gehört trotzdem zum Reich. Die Fiktion „Oberungarn“ gehört zum Ausgleich.
    .
    Zugegeben, Stalin war ein Idiot. Viel zaristischer als die Zaren. Und daß sein Intentionen sich ins Gegenteil verwandelten ist mir nur recht. „Jeszcze Polska nie umarła…“ Ich hatte schonmal gesagt, daß ich die Polen liebe…

  173. @ Plindos: "So redet er, der...
    @ Plindos: „So redet er, der selbstgeschöpfte, aufgeklärte Mensch unserer Tage, von seinem Paradies : Frisch, fröhlich, frei….. fromm eher nicht. ;-) …“
    *
    Wieviel Individualität, Moral und Frömmigkeit braucht man denn, um … sagen wir mal … beispielweise … Deutschland zu verzeihen? Und wenn Deutschland heute ein Paradies wäre, was wäre daran auszusetzen? Wenn das Böse etwas Gutes wäre, das zu sehr gequält wurde, gilt auch der Umkehrschluss: Dann ist das Gute nämlich etwas sehr Böses, das transformiert wurde.

  174. HansMeier555@: Die 20.000...
    HansMeier555@: Die 20.000 Kosaken an der Drau konnten sich nicht genug bedanken als die Briten sie an die Rote Armee auslieferten.
    ..
    Die früheren Potentaten sahen das viel lockerer. Der arme, reiche schlesische Graf Hans Ulrich Schaffgotsch wurde ohne groß Federlesens auf dem Haidmarkt in Regensburg hingerichtet, weil man ihn der Parteigängerschaft mit dem Wallenstein verdächtigte.
    Seine Töchter wurden in ein Klosterparadies gesteckt. Der Graf Melchior von Hatzfeld, Allerchristlicher Majestät Feldmarschall aus dem Hessischen und heutigem Rheinlandpfälzischen stammend, kassierte für ein weniges seine Güter in Schlesien. Ein Teil wurde später zurück erstattet. Die von Hatzfelds zählten danach zu den schlesischen Magnaten.
    ..
    Daraus entspann sich als Rache der Geschichte später ein Melodram besondrer Art.
    Mit allen disparaten Ingredenzien: Sozialdemokratie, Judentum, Adel, Duell usw.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Lassalle

  175. @Don A.: Die Weisen von Zion...
    @Don A.: Die Weisen von Zion eine Verschwörung!? Haben die Güte: mein Urgroßvater hat mit denen Schafskopf gespielt! Nur eines ist zu korrigieren: nichts wurde protokolliert. Nie. Man zahlte die (geringen) Spielschulde bei der nächsten Runde (Iphofener).

  176. @ fionn: "...where she bought...
    @ fionn: „…where she bought Nivea Visage Pure and Natural Moisturising Day Cream…“
    *
    Bei Sonnenbrand, da hilft kein Klagen,
    da die Haut das Licht nicht scheute.
    Dafür kannst du nachher sagen:
    Sie tat Nivea als heute!

  177. From Berlin to Moscow the land...
    From Berlin to Moscow the land is all flat – right? Kommen Sie gut nach Hause, DA. Re mein Beitrag von soeben, that face cream is good for men’s skins too.

  178. Nach Ableben aller...
    Nach Ableben aller Angehoerigen des zaenkischen Gebildes welches man Verwandtschaft oder gar Familie nennt…
    Filou, ein köstlicher Zustand. Gnadengeschenk oder Nachhilfe Ihrerseits?
    .
    Stramme Nazis übrigens hat man heute gern als Vorfahren. Ist cool und zeigt zudem, wie überlegen man selbst den Alten ist.

  179. lieber Plindos, lieber Savall,...
    lieber Plindos, lieber Savall, über kriegsgreuel würde ich mich lieber ausschweigen, allein, es muss einmal gesagt werden, denn ich rede sonst nicht darüber, da meine tatsächlich sehr weit verstreute, grosse famille ziemlich viel erlitten hat. den männern gelang es zum grossen teil, teilweise mit list, teilweise mit geld oder wie auch immer, sich aus kriegerischen verpflichtungen herauszuhalten.
    .
    die zahlreichen kinder wurden in kriegszeiten sämtlich in sagenhaft teure pensionate und internate ausquartiert, schön weit weg vom geschehen, immerhin, aber manches leider auch schön nah dran am zumeist kirchlichen personal, von dem ein paar spinnerinnen und spinner tendentiell etwas zuviel für zarte kinderchen übrig hatten.
    .
    über kein europäisches heer kann man in meiner famille gutes berichten, denn wann immer man nicht mehr rechtzeitig fliehen konnte und begegnungen mit deren vertretern hatte, kam ziemliches leid über die beteiligten, ob das mobiliar zu bruch geschossen wurde oder deutlich schlimmeres.
    .
    immerhin hat niemand und keine bombe das vergrabene gold, das porzellan, die stoffe, die bilder, einige möbel (ja: in eigens gefertigten kisten vergraben) gefunden, und die ländlich gelegenen häuser waren bestenfalls verwohnt, aber nicht opfer der bombenhagel geworden, und das land war mit dem blut recht gut gedüngt worden, so dass man bald wieder anfangen konnte. doch das vieh, das war weg, die teuren zuchtpferde wurden wohl zu schnitzel verwurstet.
    .
    der russische zweig durfte mit tatkräftiger motivation durch die bolschewiki schon in den zehner jahren des vergangenen jahrhunderts fliehen, und konnte schlichtweg nicht mehr als die kinder und die erinnerungen an ein wahrhaft feudales leben und an entsprechende rezepte mitnehmen. nur durch beziehungen und kluge heiratspolitik kam er wieder auf einen grünen zweig.
    .
    das einzig gute war, dass man es in der famille im allgemeinen geschafft hatte, sich rechtzeitig in sicherheit zu bringen – england und irland waren ziemlich sichere häfen.
    .
    das schlimmste ist aber: die meisten menschen in europa waren finanziell, wegen mangelnder beziehungen oder intellektuell nicht in der lage, beizeiten das feld zu räumen, wenn ein grosser teil in dessen mitte sich selbst das unglück sehenden auges herbeiwählte, und wurde so in den strudel gesogen, das schlimmste zu erleiden.
    .
    es wäre nicht schlecht, wenn man sich auf dem hiesigen kontinent nicht allzu sehr wegen solcher petitessen wie dem abgemeierten euro streiten würde.

  180. ...
    Nochmals:
    .
    Selbstverständlich hat er Recht: „Auf der Grenze ist heute in der Mitte. Und die Mitte ist heute Randlage.“
    .
    Gilt und gerade eben auch für die Mitte Europas, also Deutschland. Oder auf der Mitte der deutsch-italienischen Grenze, also bei Meran, was ist in den Bergen und an den (südlich-sonnigen?) Hängen darüber demnächst.
    .
    Was können also die vielen arme Mitbürger, die mitten in einem Reich leben „und dort womöglich bestenfalls noch das am minderen Rad der Marktwirtschaft subaltern mittreiben helfen“ dafür, dass sie es nicht besser wissen? Oder können?
    .
    Und muss man denen das eigentlich auch weiterhin (und gerade in der FAZ?) mehr oder minder ständig unter die Nase reiben?: So fragten wir schon öfter.
    .
    (Und stellten halt fest: Man kann eben. Und auch darin läge schon Begründung. (Womöglich jedenfalls.))
    .
    (Und in der Tat läge ein neues – hier „kerndeutsches“ – Umsiedlungsprogramm rein denkerisch zunächst evtl. hier schon angelegt: „Alle Deutschen siedeln demnächst nur noch auf der Grenze“ – Von der Grenze landeinwärts wäre ab ca. 60-80 KM Schluss. Und innen alles leer. Und wäre tatsächlich inhaltlich naheliegend. Und hätte große Vorteile, z.B. eben auch für „Besuche beim Nachbarn“ – für alle und immer leichtgemacht. http://cgi.ebay.de/Besuche-beim-Nachbarn-ADAC-Mitglieder-/120717259492)
    .
    Ja er hat Recht: „Auf der Grenze ist heute in der Mitte. Und die Mitte ist heute Randlage.“ ( … und viele wussten das auch so schon, ganz ohne ein Kollektiv herstellende Öffentlichkeit). (Denn wie anders sonst wollte man ganz lebenspraktisch täglich wirkliche Vielfalt üben und kennen?)

  181. Und wer "Westviertel" sagt,...
    Und wer „Westviertel“ sagt, muss heute – zumindest für sich selbst – evtl. um so lauter, deutlicher und eindringlicher ggfls. auch „Trakl“ sagen, „eben weil Trakl durch ein hochbürgerliches Zeitalter erst möglich gemacht wurde“ (dieses, welches im ersten WK unterging, ein Vorgang für dessen Kommen so gesehen auch die Figur Trakls wie bekannt exemplarisch mit stand.)
    .
    Immerhin spricht Lutz G. soweit ersichtlich alle relevanten Tatsachen aus Trakls Leben frank und frei an und zitiert auch wichtige Werke: http://www.youtube.com/watch?v=Zd9Wj8oejzE&feature=related
    .
    Wie weit es also kommen kann http://de.wikipedia.org/wiki/Grodek

  182. Bei aller Erfurcht vor den...
    Bei aller Erfurcht vor den hier vorgetragenen Erinnerungen möchte ich bemerken: zu je 1/4 bin ich out of Ostpreußen, Westpreußen, Badensisch und Schweiz. Der bekloppte Vorname ist von Omma Margarete Braun, die aus irendeinem Kirchenbuch ex 1680 ermittelt hatte, dass Volker der vor dem folke (schwedisch) als Herr (her) mit dem Schwert geht. Kommt so: Ihre drei Söhne waren alle im Unternehmen „Barbarossa“ engagiert und kamen alle zwischen 1945 und 49 lebend nach Hause. Margarete hat mir erklärt, dass das der „Herr Jesus“ gemacht hat. Denn die Söhne ihrer Nachbarn kamen nicht zurück. Für den von ihr gewünschten nächsten – dann wohl erfolgreichen – Feldzug gegen die slawischen Untermenschen bekam ich also gleich die passende Bezeichnung. Ganz anders war Omma Martha aus der Schweiz. Die war vom Bauernhof bei Uster in der Gegend von Zürich. Wir sind da häufiger zu Besuch gewesen. Mein Vater ist in den 80ern mit seinen Brüdern nach Ostelbien gereist, um den Bauernhof des Onkels wiederzufinden. Da war aber nichts mehr. Den Hof von Schmied in Uster gibt es immer noch. Anders gesagt: Ausreisen, um andere Leute umzubringen, ist nicht das schlaue Konzept. Zuhause bleiben und den eigenen Laden am Laufen halten, kommt besser.
    gruß fb

  183. Zwei sollten hier nicht...
    Zwei sollten hier nicht unerwähnt bleiben, der Niederschlesier Walter Tausk mit
    seinem „Breslauer Tagebuch“ und der Oberschlesier Franz Jung „Der Weg nach
    unten“, der nach Neisse nicht nur München unsicher machte. Unverzichtbare
    Geschichten aus der 1.Hälfte des letzten Jahrhunderts.

  184. @ DA: "... Mit einem Polen...
    @ DA: „… Mit einem Polen kann ein Vertriebener zumindest theoretisch einige der bösen Geschichten vieler Jahrzehnte, den Fluch des 20. Jahrhunderts etwas, ein klein wenig rückgängig machen, oder mit sich ins Reine kommen…“
    *
    Gute Idee! Am besten beides…

  185. Leben ist Werkstatt. Andere...
    Leben ist Werkstatt. Andere stören da bloß. (Auch Dr. D. ist da lebendes Vorbild) (… und zum Glück können wir nicht arbeiten.)
    .
    Und natürlich sind Männer aus dem Volke als Abteilungsleiter anstrengend. (Warum wir es jetzt mit Frauen versuchen.)
    .
    Und geringer IQ und Oberflächlichkeit richten sich auf Zusammenhalt und Essen. (Warum Wahlfreieit so wichtig ist)
    .
    Und natürlich nervt das deutsche Volk, z.B. von Meran aus gesehen, mit relativer Dummheit und Unwissen: Längst schon wieder müsste es Bühnenstücke nach Art der Heiner Müller oder F.X. Kroetz schreiben, anstatt ausschließlich Arbeitsstellen zu bevölkern. Aber sag`einer das dem Volk:
    .
    Sogar Jesus täte heute nur noch ein vollautomatisch wirkendes isotonisches Fußwasser benutzen lassen. Sogar auf Befehl. (Denn wenn es befohlen ist, soll man sich nun mal besser nicht widersetzen; so wirkt dies Jetzt wohl manchmal, auf einige zumindest.)
    .
    (Aber ich bin doch gefährlich! Denn ich bin einen neue Idee!“ – Atomarer Hirnangriff auf Rentner, so gesehen.)
    .
    (Und auch die Selbstorganisation der Nicht-Genies bleibt bis auf weiteres auf der Tagesordnung der Weltgeschichte.)
    .
    Und wenn wir Dekadenz wirklich ernst nehmen, dann braucht unser Nachwuchs keinen Balett- und Flötenunterricht. Denn die anderen haben ja gar keine Kinder.
    .
    Und nach Feierabend singen in Deutschland nur noch die Vögel.

  186. yast200012. Juni 2011, 20:32@:...
    yast200012. Juni 2011, 20:32@: Das zu verzeihen würde nur Übermenschen erfordern, deren hatten wir zum Überdruß genug. Zu verzeihen gibt es m. E. nichts, das Gericht findet andern Orts statt. Ansonsten geht die Zeit gleichmütig drüber hinweg.
    Die Übermenschen waren groß im Zerteppern von Paradiesen, natürlich waren das oft nur kleine, umhegte, sehr unheroische, ohne axial ausgerichtete Prunkavenuen, Dörfer und Städte. Diese kannten nur kleine Katastrophen, zum Zündeln am Großen langte es meist nicht. Dagegen Hanswürste und Wiedergänger der Macht feiern allerdings immer wieder unfröhliche Urständ. Sobald diese Höllenhunde losgelassen sind, gebärden sie sich wie rasend vor Tollwut.
    Meine Behauptung: Die Dialektik des Bösen ist ungemein verführerischer Spreng-stoff für Intellektuelle, denen alles zu brav und bieder ist. Die kichernde Versuchung dazu ist oft sehr groß.
    ..
    Folkher Braun@: Sag ich´s doch immer wieder: Bleibe im Lande und unterernähre dich redlich ;-)

  187. HansMeier555@: Die Batorys...
    HansMeier555@: Die Batorys kamen auch u. a. aus der Slowakei und stellten sogar einen König von Polen. Was waren sie nun? Rumänen (Vlachen), Litauer, Slowaken, Ungarn, Polen oder wie oder was?
    ..
    Perfekt@: Gestatten: Das mit Jesus, ein lauer Spruch. Im Übrigen gilt: Wenn es, das Volk, keine Arbeit hat, wird es rebellisch und schlägt bei passendem Anlaß alle Paradiese zu Klump und die Regierer werden zu Gelump.

  188. @Filou10. Juni 2011,...
    @Filou10. Juni 2011, 22:52
    Stralsund: Natürlich sind die Häuser alle wunderschön restauriert.
    Wir waren 2003 dort mit unserer Charteryacht im Hafen, und haben uns gewundert,
    dass um 22 Uhr im Kern der Stadt schon „die Bürgersteige hochgeklappt waren“.
    Wenig Touristen, wenig Einheimische, fast alle Kneipen zu.
    Am nächsten Morgen erklärte uns ein sehr netter Fremdenführer,
    dass die Mieten im Stadtkern für Normalverdiener nicht zu bezahlen wären,
    die Touristen gegen 18 Uhr mit den letzten Bussen wieder rausführen und so der Stadtkern abends zunehmend verwaisen würde.
    Jedes Ding hat halt zwei Seiten.
    Wie das heute ist kann ich nicht sagen, wir waren leider nicht mehr da.
    Was Ihre Madame angeht, unser Bild von den Niederlande, Nordseeküste, Ijsselmeer
    und den Menschen dort ist durchweg positiv, sehr tolerante bodenständige Leute.

  189. @Plindos 11. Juni 2011,...
    @Plindos 11. Juni 2011, 16:38
    Das Schlachtfest, das Sie beschreiben, kenne ich von meiner Oma väterlicherseits, (ostpreußisch) so aus den frühen sechzigern, es gab dann immer noch lange danach gebratene Leber- und Blutwurst.
    Das einzige was uns Kindern nicht gefiel, war der Umstand, das wir in der gleichen Zinkbadewanne, die zum Auffangen des Blutes diente, auch gebadet wurden.

  190. @Nepomuk 10. Juni 2011,...
    @Nepomuk 10. Juni 2011, 17:23
    Natürlich meide ich diese Länder aus den gleichen Gründen.

  191. @Plindos: "Meine Behauptung:...
    @Plindos: „Meine Behauptung: Die Dialektik des Bösen ist ungemein verführerischer Spreng-stoff für Intellektuelle, denen alles zu brav und bieder ist. Die kichernde Versuchung dazu ist oft sehr groß.“
    *
    Wieso Sprengstoff? Intellektuelle sprengen doch nichts, sie wollen aufklären. Es ist abseits vom Taktgefühl auch nicht verboten, alles brav und bieder zu finden. Die kichernde Versuchung stellt für mich auch keine echte Gefahr da. Wir wissen mit Sartre sogar, dass der Ekel ein reguläres Gefühl ist. Worauf ich hinauswill, ist die „Vertreibung aus dem Paradies“: Sie findet außer in der Bibel „nie wirklich“ statt, und dort setzt sie einen festen Glauben an Gott voraus. Die „Vertreibung aus dem Paradies“, so es sie denn wirklich gibt, findet durch die Eltern statt, und zwar durch mangelnden Schutz des Heranwachsenden. Alle gesellschaftlichen Vertreibungen sind bloß das große Muster eines Urmusters „familiären“ Umgangs miteinander, deren Schuld auch in der passiven Duldung des Guten und des Bösen bestehen kann…

  192. Mei passt scho ois, gö, wos...
    Mei passt scho ois, gö, wos da Herr Don do a so vazölln duat. Schaug i ma de Lätschn vo deni Obkemmlingä vo dera Intelligenzia do in G….ing o, wia de in eahnam Kindabaradies umanandawuzzeln. Mei, aus is! Wons des iebbahaubts derfan. A so a Grischpi, wonn dea zwoa Joahr oid is, nacha is mid am Baradies scho finito. Gschissn. Dea kimmt in an Älidä-Kindagoarrtn füar de Schdützn vo dera Bagasch, do wo de oarmen Wuzzal scho Kinesisch, Änglisch un Vransösisch lerna müassn. Perfekt sog i da! Wanns no a wengerl älda sand, hom de an Därminkalenda wiar a Mänädscha. Ois zwega dem, damids hervorragändä Schhtartbedingunga ham. Vaschtehst, host mi? In da Schui, wann de net ollaweil Oansa schreim, nacha brichd de woahre Derror aus bei deni Dahoam. Schpuarst ned, kimmst soforti in a Internadssammellagärr unta verschäarrftä Bedingunga.
    Neba mia sidsd aa a so Oana, so a Ogweisselta (Blasser), brima sog i da, i schreib ollaweil ob bei eahm, vo mia kriagta dodafier Zigarettn un Ois wos ma heit zu Dog zum Iebalebn ois Schüla brauchd. Ea schtehd unta meim schpeziällän Schudz, vaschtehst mi? I geh itza Fuaßboischpuin, ea muaß in seim Kindabaradies Geigä un Glavia iebän…so wiad a Jeda sekierrt wiar as brauchd & vadeana duat, gö!
    Domit ea sich in Baiern zrecht find aufm Land, hob i eahm a CäDä mid an Ainfiehrungskuarrs im akkaratän Fluachn gschenkt (un domid a richtigs Nifeau kriagt), a Messa mid a abbrochnan Klingä un an oidn Schneitzhodan (Taschentuch) mid an dodn Frosch drinnan:
    http://www.youtube.com/watch?v=e2Qpmie5Gd0&feature=related

  193. Ich habe mal wieder was...
    Ich habe mal wieder was schönes Neues gelernt, „Zuhause ist, wo man mich hört.“
    Über die Verpflegung des Don habe ich mir anfangs keine Sorgen gemacht. Es gibt Kartoffeln und geräucherten Käse. Aber so langsam wird das Fehlen des kulinarischen Berichts echt unangenehm.

  194. Nepomuk, ja, bis in die "90er"...
    Nepomuk, ja, bis in die „90er“ waren Widerstandskämpfer ein „must have“ der Ahnenreihe, heute ists der „stramme Nazi“, zur Not geht auch „der Mitläufer“, aber nicht so gut. Der Wandel liegt an der Distanz: Bis vor 10, 15 Jahren war der Widerstandskämpfer unverzichtbar, weil man sonst dem realen Opa, der eben Nazi war, kritische Fragen hätte stellen müssen (sich aber nicht traute). Inzwischen ist der letzte Naziopa tot, und nun kann man mit ihm reüssieren, weil man nicht mehr in die Verlegenheit kommt, sich mit ihm auseinanderzusetzten.
    .
    Das „Must have“ von heute ist aber nicht der „stramme Nazi“ als Vorfahre, sondern das „Opfer katholischer Kinderschänder“ (siehe hipper Eintrag von „donna laura“ 22:30 gestern) – das ist ultracool und toppt noch den Naziopa.
    .
    Meine Prognose fürs nächste Jahrzehnt: spricht Lars-Thorben zu Lauramarie: „meine Vorfahren waren…“ (effektvolle Pause) „…Atooooomkraftbefürworter!!!“ Lauramarie: (fällt in Ohnmacht)
    Ich glaube, das wird bezüglich der Gruselfaktors „Vorfahren“ bald alle Erfindungen (sagen wir besser: „biographische Guttenbergiaden“) überflügeln, derer man sich heute brüstet.

  195. @mediensegler, Stralsund,...
    @mediensegler, Stralsund, November 1991
    http://www.fotos-hochladen.net/view/starlsunddqkm7cuwlo.jpg

  196. Konfuzius sagt,
    vielleicht...

    Konfuzius sagt,
    vielleicht testet er gerade die Unmengen von Pieroggi, die es in Polen gibt.

  197. @ Don Alphonso: Ich habe...
    @ Don Alphonso: Ich habe gerade mal die SPON-Blogs stilistisch gegengelesen. Der Don kann sich was einbilden, denn die männlichen Vertreter haben seinen spötiisch-distanzierten Tonfall komplett übernommen. Glückwunsch, Don! Das war es doch wert! So schreibt und nicht anders man Geschichte(n)!

  198. Nepomuk, ja, bis in die "90er"...
    Nepomuk, ja, bis in die „90er“ waren Widerstandskämpfer ein „must have“ der Ahnenreihe, heute ists der „stramme Nazi“,
    .
    und ich dachte, das waren oft dieselben, stichwort schärfster innerer widerstand.

  199. "@ Don Alphonso: Ich habe...
    „@ Don Alphonso: Ich habe gerade mal die SPON-Blogs stilistisch gegengelesen.“
    .
    yast, sie sind nicht etwa masochist?
    es gibt noch härtere drogen: die kommentare in der „welt“ sind springers flagschiff in jeder hinsicht würdig.

  200. „Plindos 13. Juni 2011,...
    „Plindos 13. Juni 2011, 12:44
    yast200012. Juni 2011, 20:32@: Das zu verzeihen würde nur Übermenschen erfordern, deren hatten wir zum Überdruß genug. Zu verzeihen gibt es m. E. nichts, das Gericht findet andern Orts statt. Ansonsten geht die Zeit gleichmütig drüber hinweg.
    Die Übermenschen waren groß im Zerteppern von Paradiesen, natürlich waren das oft nur kleine, umhegte, sehr unheroische, ohne axial ausgerichtete Prunkavenuen, Dörfer und Städte.“
    Auch wenn das alles sehr hübsch klingt, seien Sie bitte mit den Begriffen redlich, wenn Sie sie so plakativ einsetzen.
    Im besonderen, wenn Sie einen geisteswissenschaftlich abstrakten (Überm.) im Sinne eines ideologisch verquasten (Herrenm.) verwenden. Soviel sollte Ihnen der Spaß wert sein. Die Axt im Haus im Namen des Zimmermanns? Nicht gut.

  201. @Filou 13. Juni 2011,...
    @Filou 13. Juni 2011, 16:57
    1991 gab es aber auch in der früheren DDR Farbfotografie, oder….?

  202. Sie liegen, so glaube ich,...
    Sie liegen, so glaube ich, reichlich falsch, lieber @Eisbachsegler. Die Naziverwandtschaft liess sich schwer zu Lebzeiten der Betroffenen als kleinbuergerliches Adelspraedikat der „aufgeklaerten Jugend“ verwerten, da die lieben Leute eisern schwiegen oder sich relativierend aeusserten, so im Stil „davon haben wir nichts gewusst und selber haben wir auch fuerchterlich gelitten, die Bombardierungen im Krieg…“usw.
    Erst nach Ableben der Grosseltern resp. Eltern konnte man einige Wahrheiten erfahren, sofern der Nachlass in Form von Dokumenten ueberhaupt noch vorhanden war, oder ein Onkel kurz vor dem Abschlittern in die Demenz sich erklaerte.
    .
    Das Alleinstellungsmerkmal „Wiederstandskaempfer“ fuer rot angehauchte Kneipenrevolutionaere kam nach meiner Erfahrung aeusserst selten vor-es ist einer der wenigen Faelle, dass jugendliche Renommiersucht KEINEN Mythos verwendete. Sie konnten es auch nicht tun, da die westdeutsche Geschichtsschreibung allein sich um den 20. Juli, Geschwister Scholl (nur beilaeufig), eventuell noch die Edelweisspiraten irgendwie bemuehte. Und was heisst „bemuehte“?
    Ach, was solls…?
    .
    Nepomuk, zu Ihrer Frage: es war eine Kombination von unausweichlichem Schicksal (vulgo Tod) und real angewandter Metaphorik.
    Zum zweiten Teil: Auch ich litt einst am postpubertaeren Jugendirresein.

  203. lieber Eisbachsurfer, es ging...
    lieber Eisbachsurfer, es ging um die unentrinnbarkeit des individuums im krieg. je wehrloser (jünger, ärmer, ohne beziehungen etc.), desto umpf.
    .
    immerhin darf ich mit fug und recht behaupten, keine nazis in der famille zu haben, denn diese war weder deutsch gewesen noch hatte sie damals kontakt zu deutschen gesucht, auch nicht als collaborateure und profiteure, denn als dies möglich gewesen wäre, war sie nicht in der zone libre: verreist, für längere zeit (mit den kindern, das hatte man aus wk I gelernt). weil es ging.

  204. auch-einer, so ists....
    auch-einer, so ists.
    .
    Überall geht der Widerstand etwas zur Neige. In den NL hatten noch bis ca. 2000 etwa 130% aller Einwohner Vorfahren im Widerstand.

  205. @mediensegler, Farbe haette...
    @mediensegler, Farbe haette auch nichts genuetzt. Es war einfach nur grau. Das Braun kommt von der Kohle. Stralsund roch damals noch Ruehrei und Heizungsmief.
    Irgendwie.
    Haetten Sie 1991 Stralsund besucht, Sie haetten gesagt „daraus wird nix mehr“. Wismar ging noch, Halle war ertraeglich, die Gegend rund um die Wismut A.G. war sauber geputzt (warum wohl?).

  206. @filou
    Klasse, das mit...

    @filou
    Klasse, das mit fotohochladen.. hier Stralsund 2003 kann man auch die Backsteine sehen
    http://www.fotos-hochladen.net/view/stralsundfhrs6cigy2hfed.jpg
    und hier noch etwas Geschichte, sind wir wieder bei Ostpreußen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Schill

  207. filou,
    die gegend um...

    filou,
    die gegend um bitterfeld war die ecke, wo ich anno ’90 dachte, daraus wird nichts mehr.

  208. @fionn
    flach ja, aber auch...

    @fionn
    flach ja, aber auch sumpfig.

  209. Stralsund in den 90ern? Da...
    Stralsund in den 90ern? Da hättet ihr mal Stralsund Ende der 80er erleben müssen, als in der Innenstadt Häuser teilweise ohne Vorankündigung einfach einstürzten… Tatsächlich ist auch in den 90ern bis in die 2000er Jahre im Innenstadbereich viel kaputtgegangen (ich glaube mich an einen Denkmalpflegebericht aus dieser Zeit zu erinnern, der es mehr oder weniger als Erfolg sah, dass in den Jahren davor weniger als 10% der denkmalgeschützten Substanz abgerissen wurden). Für mich war der denkmalpflegerische Wiederaufbau immer ein ziemliches Trauerspiel, vor allem, weil ich mit Bautzen einen direkten Vergleich hatte. Zum Ende der DDR waren beide Städte in einem ähnlichen Zustand – sowohl, was die Menge an an denkmalwürdiger Bausubstanz anging, als auch deren Zustand. Bautzen kam sehr viel schneller auf die Beine.
    Das verlinkte Foto ist übrigens die Ecke Wasserstr./Frankenstr.; schräg gegenüber steht die Heilgeistkirche.

  210. (ich meinte natürlich das...
    (ich meinte natürlich das verlinkte Foto von 1991)
    Wer sich wirklich für die Situation in der DDR zur Wende interessiert, dem empfehle ich das Buch „Bilder von Dresden“ mit Fotos ca. 1990. Es ist für mich interessant, wie sich z.B. allgemein der „Farbgeschmack“ geändert hat (und das hat nicht nur etwas mit mit alten bzw. verwitterten Farben zu tun).
    Alle diese Dinge sind auch irgendwie verloren gegangen; dazu brauchte es keinen Krieg und keine Vertreibung. Ein Paradies war es nun ganz sicher auch nicht, aber es sind halt die Erinnerungen an etwas, was so nicht mehr existiert.

  211. Gute polnische...
    Gute polnische Restauratorenarbeit. Auch Stralsund. Nicht schlevjy, finde ich.
    http://www.fotos-hochladen.net/view/wagenlagerb504vkoz9y.jpg

  212. @oberlehrer nomen est omen...
    @oberlehrer nomen est omen ?
    Erklären Sie mir bitte den Unterschied zwischen Ende 80, also 88-89 Wende
    und 1991. Da kann ja nicht viel passiert sein.

  213. @Filou (18:03):

    knackige...
    @Filou (18:03):
    knackige Nazis fand ich gar nicht so schlimm. Schlimmer waren mein Vater, seine zwei Brüder und die mir später vorgestellten Kriegs- und Plenny (Kriegsgefangenen)-Kameraden. Alle gut protestantisch erzogene Schulbuben aus der Lutherstadt Wittenberg. Ihre Geschichtskenntnisse waren nahe null, vor allem in Sachen 1870 bis 1918, und im Ostfeldzug sind sie im Grunde nur für den nötigen Lebensraum der Deutschen unterwegs gewesen. Dachten sie wohl. Auch als sie im Wirtschaftswunderland Karriere gemacht haben, hat sich keiner dafür interessiert, was sie denn historisch insgesamt angestellt haben.

  214. Das bewusste Verwahrlosen der...
    Das bewusste Verwahrlosen der Städte war ja auch einer der Gründe für die 89er Wende. So gründete sich im Herbst 1989 das Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt“, um dem weiteren Verfall entgegenzuwirken.
    Bis 89 passierte gar nichts, ab dann wurde zumindest versucht, die Substanz irgendwie zu konservieren. Die „wilden“ Abrisse waren 1991 so ziemlich vorbei. Leider liess die Sanierung ziemlich lange auf sich warten; in der Innenstadt wurde in den 90ern gefühlt mehr neu gebaut als saniert. Und nach wie vor gibt es genügend Gebäude, die in einem ziemlich ruinösen Zustand sind.
    Die polnischen Restauratoren sind mir vor allem aus den frühen 80ern gegenwärtig, als die Stadtmauer freigelegt und neugestaltet wurde.

  215. @Folkher Braun, bei den...
    @Folkher Braun, bei den knackigen Nazis hatte ich den Eindruck, das sie nach 45 Kreide gefressen hatten. Die waren beinahe Handzahm. Im Osten wurden sie gluehende Verfechter des „besseren Deutschland“.
    .
    Irgendwann sah‘ ich Fotos von nationalsozialistischen Eheschliessungen durch protestantische Pastoren der norddeutschen evangelischen Kirche. Der Pastor mit dem typischen Wagenradkragen, die die deutsche Hand erhoben zum deutschen Gruss. Da kommen einem sehr grundsaetzliche Ueberlegungen.
    .
    Die deutlich Unbelehrbarsten muessen tatsaechlich aus dem niederen Buergertum gekommen sein; ich erinnere Einen von der Reiter-SS (er mochte Pferde), Abonent der „Soldatenzeitung“ und der „Nationalzeitung“…
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    Schwamm drueber.

  216. @Filou
    .
    Das klingt plausibel....

    @Filou
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    Das klingt plausibel. Wenn sie mich fragen, wann sich meine Opageneration auf ihre nationalreaktionäre Position festgelegt hat, dann würde ich auf 1946 tippen.

  217. @HM555, wann, weiss ich nicht...
    @HM555, wann, weiss ich nicht so genau. Er war Sudetendeutscher, man denke an Henlein, fluechtete nach Passau, kam dann ins Rheinland.
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    Lustig: in meinen fruehen Wanderjahren war ich mal Buffethilfe im Bahnhofsrestaurant. Da waren zwei Kellner, die „ïn der dollen Zeit“ mit ihrem SS-Verband vor Moskau lagen, das Strassenbahndepot in Sichtweite. Nach erreichen des Bierpegels kam die immergleiche Geschichte von den fehlenden Kopeken Fahrgeld, man waere dann ganz schnell in der Stadt gewesen…
    .
    Mit anderen Worten: Man war umgeben von solchen Leuten. Im Westen aeusserten sie sich ziemlich unverbluemt, im Osten wurde eisern geschwiegen, obwohl…
    …die dunkelgruenen wadenlangen, schweren Ledermaentel der Gestapo wurden, so vermute ich, unverzueglich an die OMs der StaSi weitervererbt.
    .
    Ungemuetliche Zeiten mit ungemuetlichen kriegstraumatisierten Menschen.

  218. Aber meine Leute waren...
    Aber meine Leute waren überwiegend gar nicht richtig im Einsatz gewesen (zu alt, zu zivil, zu provinziell, zu katholisch etc.) und konnten darum mit allerbestem Gewissen wieder auf die Reset-Taste „1919“ drücken: Die Versailler Siegermächte und die Kommunisten sind an allem schuld. Für die Nazisache konnte man nix und da sie ja nun vorbei war, durfte man sie schnell begraben.

  219. Stramm rheinisch-katholisch...
    Stramm rheinisch-katholisch waren die Meinen der westlichen Linie. Ganz ohne Aerger kann es aber nicht gewesen sein, denn im Keller meiner Tante lag der zerbrochene Ehrendolch des Herrn Major.
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    Kaiserzeit, Weimar war niemals ein Thema. Ganz selten kam die Sprache auf jene Kriegsgefangenen, die im Garten der Villa der Tante einen Luftschutzbunker bauten…
    …und niemals von jenen, die UK-gestellt im Dienste von IG-Farben in der Umgebung von Krakau westen.
    .
    Ein Nachkomme erzaehlte gerne vom Huertgenwald und der Flakstellung vor Ijmuiden. Der war bei der HJ und konnte das Heldentum nicht abwarten. Spaeter lief er nur in Khaki ‚rum und hatte alles von Hemingway im Regal. Das fand ich komisch.

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