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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Putzen im Grossbürgerkanon 2: Kulturen anderer Klassen

| 208 Lesermeinungen

Es wird gerade wortreich von Demoskopen beklagt, die Kulturen der Klassen entwickelten sich auseinander. Das ist mir noch gar nicht aufgefallen, ich dachte eigentlich, dass man reich ist, um eine andere Kultur als die anderen zu haben. Wenn die Demoskopen nun populistisch fordern, wir sollten uns da irgendwie annähern, kann ich nur sagen: Bitte, Demoskopen, nähert Euch nicht zu sehr an mich an.

Die Reichshauptstadt ist nun einmal das Zentrum des Landes; von hier aus gehen die Bewusstseinsströme ins ganze Volk hinein.
Joseph Goebbels, Propagandaminister

Also, bei mir ist das so: Wenn ich Allensbach höre, denke ich unwillkürlich Nölle-Neumann. Nach einem kurzen Schlenker zu Helmut Kohl gehen meine Gedanken zurück, weit zurück in die Zeit und stossen auf Namen wie Hitler oder Goebbels und dann erleichtert auf den Umstand, dass man nicht immer gleich vorgestellt werden muss, und man im Zweifelsfall auch den Raum hätte verlassen können, und dass dieses Verhalten sicher von allen Seiten als angenehme Lösung betrachtet worden wäre. Ich kann nicht anders, als Kind der alten Bundesrepublik ist das in mir festgeschrieben. Generell aber ist in einem Land, in dem die vermögende Schicht das Sagen hat, Demoskopie allenfalls eine nette Analyse dessen, was nicht zählt, und ich kenne auch niemanden, der sich ernsthaft hinstellen würde und sagen: „Also, die Demoskopie hat ja herausgefunden, dass…“ Das kann ja sein, aber es ist so relevant wie Regen in Hamburg, der Untergang von Sylt und Hagel in Frankfurt, wenn man am Tegernsee ist. Manche tun so, als hätte uns das zu interessieren, was andere denken. Aber unser verpflichtender Kanon ist ohnehin schon zu voll. Man sollte das unbedingt streichen.

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Nun hat mich ein Leser darauf hingewiesen, dass dieses Allensbach-Institut eine Umfrage im Auftrag dieser Zeitung gemacht hat, und weil ich in Sterzing war und Apfelstrudel für die Versendung in notleidende Gebiete beschaffte – der Konditor in Frankfurt ist gerade im Urlaub am, Sie ahnen es, Tegernsee – und dann noch auf einen Berg stieg und beim Wilden Mann in Lans Essen gegangen bin und nach fünf überflogenen Pässen so angenehm matschig im Kopf war, dass ich vielleicht auch eine Minute Wagner ertragen hätte, las ich auch den dazu gehörenden Beitrag. Der mal wieder, wie es heute Mode ist, bevor man sich wieder wichtigen Themen wie dem Wetter zuwendet, die auseinander klaffende Schere zwischen Reich und Arm bzw. Mittelschicht beklagte, weil man eine Schicht der sozialen Verlierer produziere. Das gipfelte im Satz: Das Auseinanderdriften der sozialen Schichten ist keineswegs nur eine Frage der materiellen Ausstattung, sondern immer mehr auch der Entwicklung unterschiedlicher Kulturen.

Mal abgesehen davon, dass immer mehr die inhaltliche Konsistenz eines Kaugummis hat und genauso schlechter Stil ist, erstaunt mich die Behauptung angeblicher Entwicklungen unterschiedlicher Kulturen. Was hier angedeutet wird, ist die Illusion eines ehemals verbindenden kulturellen Gutes, einer Art Übereinkunft, eines kleinen gemeinsamen Nenners, auf den man sich klassenübergreifend geeinigt hatte, und der jetzt verloren geht, weil verschiedene Schichten verschiedene Inhalte und Medien konsumieren. Ich habe den leisen Verdacht, dass Demoskopen nicht vollumfänglich wissen, wie so eine Schicht funktioniert.

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Nehmen wir nur mal der Einfachheit halber den Tegernsee. Es gibt hier zwei Klassen von Menschen: Besitzende und nicht Besitzende. Die einen wohnen hier, die anderen nicht. Es ist heiß, das Wetter ist schön, also gehen die einen zum Strand, und die anderen kommen mit dem Auto oder dem Zug. Formal sieht es so aus, als gäbe es eine gemeinsame Kultur des am Wasser Verweilens, gemeinsame Interessen der Panoramabewunderung und das stets gleiche Entsetzen, dass der See nur 16 Grad kalt ist. Jeder möchte dennoch hier sein, und schwer zugeparkt sind die Strandbäder. Und obwohl wir alle scheinbar die gleichen Interessen haben, käme ich nie auch nur ansatzweise auf die Idee, zu einem mit dem Auto angereisten Münchner oder Ebersberger zu gehen und zu sagen: Schön, dass wir die gleiche Badekultur haben! Kommen Sie doch hoch zu meiner Terrasse und lassen Sie uns schauen, ob Sie auch die Kuchengabel richtig halten können. Die einfache und harte Wahrheit ist: Ich weiss nicht, ob diese Leute eine Gabel halten können, ich werde es auch nie wissen, denn ich werde sie nicht einladen.

Oder die Leute draussen auf dem See in ihren Booten. Da gibt es welche in weissen Segelschiffen des Yachtclubs und andere in aufblasbaren Gummibooten. Alle schätzen die Fortbewegugung auf dem Wasser, aber keine Yacht würde beim Schlauchboot anhalten und dessen Insassen aufgrund formal gleicher Interessen mitnehmen. Die Kultur mag ähnlich erscheinen, und es gibt mehr oder weniger zufällige Überschneidungen. Aber die Klassentrennung sorgt dafür, dass man vom Kulturbegriff des anderen erst Notiz nimmt, wenn er in den eigenen Kurs gerät und nicht schnell genug wegpaddelt.

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Es ist nicht so, dass man hier in diesem Gebiet vornehmlich vermögender Menschen nach Allensbach ignorant wäre. Vermutlich wissen die meisten, dass in anderen Regionen Rosstage und Leonhardifahrten nicht typisch sind, und keine blumengeschmückte Verkehrsinsel den Fahrer eines 3er BMWs vom Vorführen seiner Spoiler abhält. Andernorts weiss man vermutlich auch, dass in Regionen wie diesen bei der Bäckerei Plakate für Schlosskonzerte hängen, und eher nicht für Resterampen. Das Wissen um die Kultur der anderen ist vorhanden. Was fehlt, ist der Andere, und wenn er doch kommen sollte, hat man mit ihm nichts zu tun. Würde ich einen Fuss in den Reichshauptslum setzen, würde ich auch nicht erwarten, dass mir jemand seine angebissene Currywurst vor die Nase hält, solange es sich dabei nicht um einen Erpressungsversuch handeln sollte. Man kommt da nicht hinein. Vielleicht dürfte man nicht, vielleicht hätte man enorme Assimilationsprobleme, aber in aller Regel gibt es schlichtweg keinen Versuch, es zu tun. Wann etwa war der letzte Leser im Märkischen Viertel, um dort mit den Bewohnern über Architektur zu reden?

Es ist, wie schon erwähnt, Mode geworden, über die Klassengesellschaft und ihre oligarchische Ausformung zu schimpfen. Was man dabei betrachtet, sind die Unterschiede der Möglichkeiten, der finanziellen Ausstattung und der persönlichen Lebensumstände, und aus diesem Blickwinkel wird dann der Versuch unternommen, die Kultur zu erklären: Ihre Mittel, ihre Definitionen, ihre Moral, ihre Distinktion und Abgrenzung gegen andere. Mein privater Eindruck ist vielmehr der, dass man sich darüber keine Gedanken macht. Der Ebersberger kommt, aber er geht auch wieder, und nimmt hoffentlich seinen Abfall wieder mit. Sich über andere Klassen zu beklagen wäre, als würde man hier über das Wetter in Berlin schimpfen. Ich glaube noch nicht mal, dass wir von einer Koexistenz der Kulturen in eine Epoche übergehen, da die Kulturen nur noch ignorant nebeneinander her existieren. Das war eigentlich schon immer so. Es fällt nur gerade mehr auf, weil die Kultur der Oberschicht für die anderen keinerlei Orientierung mehr darstellt.

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Es kann sein, dass Paddler im Gummiboot gern eine Segelyacht hätten, aber das ist nur ein sichtbares Objekt einer Klassenzugehörigkeit. Was sie vermutlich eher nicht haben wollen würden, sind Segelclubvorstandsintrigen und längliche Debatten über Yachtmaster-Uhren. Es kann sein, dass mancher Ebersberger jetzt ein Stück Apfelstrudel aus Sterzing wünscht, aber vermutlich keine Geschichten über die Frage, welchem Teil der Familie man die rotgestickte Tischdecke verdankt, und wie die Ehe der Dame verlaufen ist, deren Initialen darauf stehen (so gut wie Nölle-Neumann Widerstandskämpferin war, aber das würde man so nicht erzählen). Es mag sein, dass man hier gern eine Wohnung hätte, aber das fette Weib mit der Blume im Haar bliebe nicht an der Wand, sondern könnte im Container dem Restmüll was von Rokokoportraits und französischen Einflüssen auf die Haarmode um 1770 erzählen. Man geht leider eher in die umgekehrte Richtung, indem jemand heute Polo auf Sylt spielt und morgen mit Teenagern über Facebook verkehrt, sich mit ACDC volkstümlich gibt oder beim Rosstag bäuerliche Sitten vortäuscht.

Einfacher ist es, in der eigenen Kultur einfach mitzutreiben, die Ansprüche – keine Sorge, das tut nicht weh – pro forma zu erfüllen, ab und zu ein wenig zu heucheln und immer die Vorteile mitzunehmen, wo sie sich bieten. Die Riten und Fetische der diversen Kulturen sich vermutlich alle gleich schwer oder leicht zu bedienen; ja ich denke sogar, dass das saubere Aufmalen eines esoterischen Wandtattoos weitaus mehr Präzision und Geschick verlangt, als das Einschlagen eines Nagels für ein Gemälde. Ich kann begründen, warum stilistische Unterschiede zwischen Gesicht und Blume im Haar auf eine grosse Malerwerkstatt hinweisen; andere werden vielleicht begründen können, warum der eine Auspuff am Motorrad kanonisch ist und der andere den Besitzer verachtenswert macht. Manche sagen, dass Kultur nur eine dünne Kruste ist; ich bin so etwas wie ein Kulturhistoriker. Ich halte die Kruste für eine Illusion, die Kultur für gehobene Menschen wohlfeil benutzbar macht.

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Dass niemand hier auch nur den Versuch macht, eine wie auch immer geartete kulturelle Hegemonie zu erringen, zeigt recht schön, wo wir angekommen sind: Klasse definiert sich dann über Geld, mit dessen Erringung man genug zu tun hat. Man hat keine Zeit, anderen etwas aufzudrücken, was über wertlose Parteiprogramme und Klientelbefriedigung hinausgeht. Man lässt sich in Ruhe. nur ab und zu kommt es zu rituellen Zumfrassvorwerfungen, wenn einer die Doktorarbeit abschreibt oder ein Techtelmechtel hat, das im 18, Jahrhundert keinen aufgeregt hätte. Vielleicht wird man eines Tages, um Plünderungen zuvor zu kommen, kostensparend TV-Geräte und bedruckte T-Shirts der niedrigen Kultur verschenken, so wie man meinesgleichen schon länger die hohe Kulturförderung schenkt. Ich möchte niemanden missionieren und bin auch ganz froh, wenn es bei mir keiner versucht. Ich habe schon eine Kultur, und die reicht mir. Es ist später auch kein Ebersberger mehr hier, der mir seine Vorstellung eintrichtern könnte. Die Bänke am See sind verlassen, die Boote dümpeln an den Ketten, und irgendwo macht jemand vielleicht ein Modell, um demoskopisch den Sinn zu erfassen.

Vielleicht gibt es keinen.

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208 Lesermeinungen

  1. institut allensbach ist das...
    institut allensbach ist das nicht der demographische arm der alten cdu, des teils der faz, der ständestaat und trienter konzil verteidigt; aber auch in der rkk gerne gesehen?
    mein weiss im vorhinein bei dem institut, was man erhält.

  2. Bemerkenswert werter Don, dass...
    Bemerkenswert werter Don, dass Sie hier den ehemaligen Reichspropagandalümmel zitieren, warum nicht einen der anderen PG’s, die doch in beachtlicher Zahl ihre Villen am Tegernsee hatten. Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit?
    Egal Sie haben recht, dass die Kultur zwischen Prekariat bzw. RTL II Schauer und dem FAZ Leser und evtl Betuchten doch große Unterschiede zeigt, aber beide sind Bürger dieser Demokratie und hoffentlich bereit sich einzusetzen für unsere demokratischen Normen und Freiheiten. Wahrscheinlich aber gibt es auf beiden Seiten gleichviel Schmarotzer und Leute, die dieses System nur ausnutzen und dann ähneln sie sich wieder, dann haben wir eine gemeinsame Kultur gefunden.

  3. Bester Don
    Mit Ihrer Plauderei...

    Bester Don
    Mit Ihrer Plauderei hier schneiden Sie leichtfüssig ein weites Thema an – und zwar gehen Sie zurück zu Adam und Eva.
    Tja, wo fängt Kultur an?…..
    .
    Oh, mir fällt gerade ein: Bei diesem Wetter muss ich ja noch meine Hanfkultur giessen gehen….

  4. Zumindest Sie tun etwas für...
    Zumindest Sie tun etwas für die Vermittlung von Kultur. Ich will hier nicht als Fan erscheinen, muß aber laut loben, wie Sie in mittlerweile hunderten Blogs Brocken für Stückchen Kultur und Haltung verständlich und anregend einstreuen. Michael Crichton und Chrstopher Stasheff fallen mir bei aktuellen Autoren ein, da sie in ihren Büchern immer Informationen, Botschaften und Kultur einbau(t)en. Ich nehme aus jedem Blogeintrag DA etwas mit – obwohl ich Ihre Haltung in einigem nicht teile. Danke dafür.

  5. sehr schön: brutal ehrlich....
    sehr schön: brutal ehrlich. In der guten alten Zeit blickte das Fußvolk noch bewundernd zu den Besitzenden auf und strebte danach zu diesen zu gehören. Das gibt es derzeit nur noch in Asien, obwohl es die wichtigste Triebfeder für die gesellschaftliche/ökonomische/technische Entwicklung darstellt. Heute strebt die hiesige Unter- und Mittelschicht lieber in die Castingshows auf der Suche nach schnellem Reichtum und einem (kurzzeitigen und fragwürdigen) Platz an der Sonne und verachtet die Elite. Dies hat dann die bekannten Auswirkungen: fehlende technische Eliten, Mangel an (Privat-) Unternehmertum, fauler Neid. Wirklich unerfreulich, weil laut und störend, sind eigentlich nur diejenigen Zeitgenossen, die finanziell der Oberschicht, bildungstechnisch aber der Unterschicht angehören. Unvergessen: „Kir royal.“

  6. @Blackjack: Wenn ich recht...
    @Blackjack: Wenn ich recht erinnere, hat der Hausherr in älteren Beiträgen durchaus auch auf die See-Bewohner während des 1000jährigen Reiches hingewiesen.
    .
    Dass zwischen den mit dem Gold’nen-Löffel-Geborenen und Unsereins… dass da Welten dazwischen liegen, habe ich schon als Kind – ohne Nölle-N. – irgendwie mitbekommen, wahrscheinlich durch zu vieles Lesen. Habe mich deshalb als Jungspund davon verabschiedet, noch mehr gelesen… bin aber in der anderen Welt, der Tegernsee-Welt, natürlich nie angekommen; nun sitzt man mit seinen hohen Interessen & der niederen Herkunft zwischen den Stühlen. Was offenbar fehlt ist die materielle Sicherheit „von Hause aus“, oder die „Tradition“. Man kann das wohl alles nicht in einem Leben lernen, wenn man mühsam seinen Unterhalt verdienen muss (was keine Ausrede sein soll, und schon gar kein Lamento). Immerhin hatte man einigen beruflichen Erfolg und hat eine liebe junge (!) Gattin.

  7. Nachdem ich diesen Satz, "Ich...
    Nachdem ich diesen Satz, „Ich glaube noch nicht mal, dass wir von einer Koexistenz der Kulturen in eine Epoche übergehen, da die Kulturen nur noch ignorant nebeneinander her existieren. Das war eigentlich schon immer so. Es fällt nur gerade mehr auf, weil die Kultur der Oberschicht für die anderen keinerlei Orientierung mehr darstellt.“, versucht habe zu verstehen (existieren sie nun nebeneinander oder sind sie einander Orientierung?), mir aber in etwa vorstelle, was sie meinen, zeigt doch die Entwicklung der weniger gehobenen Schichten ganz klar, dass sie nach wie vor Orientierung an den Stützen haben. Nur halt im Negativen Guggst du London. Wenn man einfach so Geld mitnimmt wo geht, kann man auch einfach so T-Shirts aus dem eingeschlagenen Schaufenster mitnehmen, wo geht. Ohnehin ist die Debatte darüber, dass es heutzutage keine Vorbilder für Werte mehr gibt (deshalb gibts wohl auch soviel jugendlichen Auflauf zu Ehren Vergangener in Madrid), keine neue. Take that oder Papst, was wählen Sie?

  8. Aus einer kleinen Serie mit...
    Aus einer kleinen Serie mit dem Thema: Das Volk:
    VOLK?
    Volk: Die Herkunft des altgerm. Substantivs ahd. ‚folc‘ „Haufe, Kriegsschar“, mhd. ‚volc‘ „Leute, Volk; Kriegsschar“, engl. ‚folk‘ „Leute, Angehörige“, schwed. ‚folk‘ „Leute, Volk“ ist nicht sicher geklärt. Wahrscheinlich gehört es zu der unter ‚viel‘ behandelten IndoEurop. Wurzel, sodass lat. ‚plebs‘ „Volksmenge“ verwandt wäre. Eine der ältesten Bedeutungen des germ. Substantivs „Kriegerschar, Heerhaufen“ liegt sowohl in Personennamen wie „Volkhart“ und „Volkmar“ (dazu die Familiennamen „Vol[t]z“ und „Fol[t]z“), als auch in Zusammensetzungen wie: „Fussvolk, Kriegsvolk“ vor. Die Bedeutung „Gesamtheit der durch Sprache, Kultur und Geschichte verbundenen (und zu einem Staat vereinten) Menschen“ hat sich erst mit dem Erwachen eines Nationalbewusstseins im Zeitalter des Humanismus herausgebildet. Die Romantik erweiterte den Begriff um eine gefühlsmässige Nuance, von der Wörter wie: „Volkslied“ und „Volkstum“ zeugen. Daneben bezeichnete ‚Volk‘ schon früh die Masse der Bevölkerung; im Gegensatz zu einer Oberschicht. {Ach!?}
    Sind Wir ein Volk, oder das Volk?
    Ausgenommen (selbstverständlich?) die Oberschicht, die ist ohne Mass{e?], die sind AusserVolkisch, stehen dazu im Gegensatz, sind Obervölkisch, Volk ist UnterOber, Volk ist drunterSchicht, Leute des Volks, Ihr seid Unterschicht. Wer möchte da noch ein Volk sein, Kriegerschar, Heerhaufen, Pöbel? Ist es da ein Wunder, das die Besserfühlenden, Besserwissenden, Besserverdienenden und auch die Weiseren den Abstand zum Volk suchen, bei der Herkunft und dem Verhalten? Das Volk ist einfach. Und der Krieg ist fern. Europa ist friedlich, Soldaten brauchen Wir nur noch in Afrika und am Hindukusch, und das, wie lange noch? Aber das Volk ist da. Unten, täglich, draussen, wo auch immer, Besser-Volk mag es wenig, denn es liesst Bild{er] und ist doch so ungebildet, aber der Krieg ist fern und trotzdem vervielt sich das Volk immer mehr. Also spricht ÜbersVolk englischfranzösischspanischchinesisch… und ist voll global, trans-, multi-, international und maximal AndersVolkisch. Also schicken die, welche meinen sie seien OberVolkschicht, die Kinder auf Schulen in denen im englischen unter{unter? Vielleicht bald ober}richtet wird und die teils wesentlich lernfreudigere Verhältnisse bieten; die Flucht aus der Volkssprache, (selbstverständlich?} unter Hinterlassung des Volks in oft maroden „nackten“ unterfinanzierten Volksschulen, auch wenn diese OberSchulen heissen, oder wird da nur das „Gymnasium“ beim Wort genommen? Das erträgt das Volk aber bei diesem Klima nur sehr eingeschränkt. Das Eltern den persönlichen Kindern die beste Ausbildung wünschen und auch dafür bezahlen ist verständlich, aber das hinterhältige ist, dass das Volk diese VolksFlucht der SuperVolkischen auch noch mit den Steuern mitbezahlt (eine der kleinen Vergnügungen, die die Volksverächtlichen alleine geniessen wollen, aber das so!gemeine Volk mitbezahlen lassen!). Fast jede dieser englischen und lernfreudigeren Schulen wird vom VolksStaat mit-unter{ober?}halten. Wobei die englischen Laute (Leute?) durchaus zur Befriedung der deutschen Völker beigetragen haben; und es noch tun, denn im englischen ist viel mehr Weite enthalten (siehe dazu auch: Das Volk Nr. 8 „Lebens[T]raum“) und die tut allen Menschen gut; und das lernfreudige allen Kindern. Also, mehr englischfranzösischspanischchinesisch… und viel mehr lernfreudiges, aber dann Bitte an Allen Schulen, Wir Alle, darin auch sämtliche Kinder, brauchen mehr Wissen, mehr Musik, mehr Bewegung, mehr Kunst, mehr bedeutenden Inhalt in der Sprache, kleinere Lerngruppen, mehr Selbständigkeit beim Lernen, sowie bessere Lernmaterialien und dadurch mehr Frieden, klarere Verständigung und Lern-/LebensErfolg. Wir Alle! Das tut Allen Menschen gut. Wann beendet das Volk das dauernde Abgrenzen in Fremde, Schichten und Klassen, wie lange braucht das Volk noch Hierarchie? Die Uninformierten, die Uninteressierten, die Überforderten, die Schlechterverdienenden zeugen auch Kinder. Verdienen die nur die veralteten Lernmethoden und Lernmittel, falsche Schulmodelle, im Mangel allein gelassene Lehrende und verfallende Schulen? Wieviele denken: Ja, die brauchen doch nicht lesen, die haben doch den Fernseher? Wann demonstrieren die informierten und besorgten Menschen solange, bis die Räte und Regierungen die Lernbedingungen für Alle Kinder verbessern, statt nur mut- und ideenlos oder überheblich den Geldbeutel für die „eigenen“ (Besitz?) Kinder zu öffnen? Apathie, Abschätzigkeit und Hilflosigkeit als Ausweis eines Besserseins? Wann ist Solidarität statt Fremdwort oder gar Schimpfwort, gelebte Wirklichkeit? Noch will das Volk lieber Schicht sein, will lieber gegeneinander sein, andere missachten, immer schön Zäune ziehen, will gegenseitig kontrollieren, statt wechselseitig zu helfen, statt einfach miteinander da zu sein, statt füreinander zu handeln und aufeinander zu achten. Wie lange ist das Volk noch so eng, so engstirnig und engherzig? Es steht damit nicht allein, das ist auch klar, aber … Wann öffnet Deutschland Herz und Hirn für ein Mee[h]r an Gefühl und die enormen Weiten des Wissens in diesem riesigen Universum? Was braucht das Volk dafür?
    Vielleicht braucht Deutschland einfach einen neuen Namen?
    Herrmannien? Allemannen? WaldReich? Norditalien? Theodisciperus?
    PhilosophLand, dann aber eher: Kanegelarxfeuernietzschland oder
    Schophussdeggerjaspadorburg? LadeDiunDe? GoestheReich? tSchillerhein?
    vanBeethafen? Heinesnacht? WirmachenesJedemRechtLand? FreudReich?
    LagerLand {als Regierung eine LagerLeitung]? JudenvernichtungsReich?
    TränenReich? Sauerkraut? WirbezahlenAllesLand? BildKurier? Oder doch
    besser SZFAZWeltStandard? JammernLand? OstEngland? Wer ist einfach
    für HimmelReich?
    Deutsches Land ein FriedensReich? HundertWasser weit. Viel mehr
    davon. Das Volk braucht das Besser- im Volk, statt drüber oder
    draussen, das Volk braucht die Weisen mittendrinn. Statt über das
    Volk zu sprechen, ist es besser im Volk für das Volk zu sprechen. Das
    Volk braucht Führung, aber es braucht weder eine schlichte
    UnterFührung, noch eine schicke ÜberFührung, noch eine verlogene
    VerFührung und es verzichtet auf weitere Besserwisserei oder
    Überfliegerei, auf Vor[ent]haltungen oder Gängelung. Das Volk braucht
    AufRichtung statt Kleintierhaltung, das Volk braucht Verständnis und
    Klugheit statt Übergewicht und Seifenopern, das Volk braucht
    Zuneigung statt Abschätzigkeit, das Volk braucht Hingabe statt
    Demütigung und AufKlärung statt Rechthaberei.
    Ganz davon abgesehen, das diese Über-, Besser-, Ausser-, Ober- oder
    sonstwie abgrenzenden Menschen im Volk genauso Volk sind, wie die,
    die sie weggschieben, die sie kleindenken und armlassen. Ja, Wir sind
    ein Volk.

  9. Don, mit den Bewohnern des...
    Don, mit den Bewohnern des Märkischen Viertels nun noch über Architektur zu reden, hielte ich für anmaßend und zynisch.
    Ja, es ist wirklich eine Mode geworden, über die Klassengesellschafft zu schreiben. Und alles, was in Mode ist, hinterfragt dann ja auch keiner mehr. Es wird als gegeben hingenommen, wie der Köter die Wurst hinnimmt.
    Besonders zynisch erscheint gerade da der letzte Satz der Umfrage. Dem Bildungssystem wurde doch sukzessive Geld entzogen. Erst sorgen die Eliten über ihre Vasallen und Speichellecker dafür, daß zehn Prozent der Bevölkerung neunzig Prozent von allem besitzen, dann wird dies noch als bedenklich und gefährlich dokumentiert. Das Allensbach Institut und sein Geldgeber sollten doch froh sein, das es ist, wie es ist: daß der Proll eben mehr RTL schaut als Bibliotheken aufsucht, mehr raucht und sich die Sinne nicht mit Wein vernebelt, sonst würde er mal hinterfragen, warum er so gezwungen ist, für 5€ die Rüben aus dem Boden zu reißen; oder Haare zu schneiden; oder Bettwäsche zu wechseln, auf denen sich dann die Privilegierten ausruhen.
    .
    @blackjack, nur ist es bei „Ihrer“ gemeinsamen Kultur so, daß der Notstand des einen oftmals zum Reichtum des anderen führt oder der Reichtum der Eliten den Notstand der anderen voraussetzt. Reichtum der Oberschicht führt allerdings kaum zu mehr Chancen bei der Unterschicht. Im Gegenteil. Dafür hat man schon gesorgt. Moderne Sklaverei eben.

  10. Nur gut, dass das letzte Hemd...
    Nur gut, dass das letzte Hemd keine Taschen hat!

  11. Vielen Dank für diesen...
    Vielen Dank für diesen wunderschönen und traurigen Eintrag, obwohl ich wahrscheinlich mal wieder die Hälfte nicht verstanden habe.
    Geprägt vom Geist der alten Bundesrepublik und Kind der 80iger, der sich von der Leistungs- und Informationsgesellschaft der Neuzeit leicht überfordert fühlt und genug zu tun hat, seine Klasse zu halten und das Leben der Eltern aus grauer Vorzeit zu emulieren, bin ich d’accord mit Ihrer Zustandsbeschreibung, dass „man keine Zeit“ hat, sich sonderlich um die Interessen anderer Schichten zu kümmern. Bei gesamtgesellschaftlichen Fragen bin ich schon lange ausgestiegen, und die Abfolge von „Krisen“ seit den 90igern (vom Reformstau der Ära Kohl bis nach Griechenland, von meiner ersten Freundin bis zum Dauerkrach mit der besten Ehefrau von allen) sehe ich nur noch aus müden und trüben Augen (Mark Lanegan würde singen „bloodshot eyes“) vorüberziehen.
    „Gesellschaften sind nun mal nicht nett“ (ich glaube, Richard Sennett vor x-Jahren in einem Spiegel-Interview), und ein rigides Ständewesen trägt zur Reduzierung der Komplexität des Alltags und damit zum Abbau von Stress und Spannungen bei. Es muss halt nur jeder seinen Platz kennen: Herr oder Knecht, Freifrau oder Magd, Köln-Kalk oder Frankenforst. Und der Freiherr, der mit der 16-jährigen Magd, das führte nicht immer zu einer Tragödie, sondern auch manchmal durch großzügige Alimentation zu einem einigermaßen sorgenfreien Leben (so in einem Fall im Bekanntenkreis, der aber im 19. Jhdt. spielte und langfristig den Aufstieg der Familie ins anständige Bürgertum beförderte).
    Die Klage über das (vermeintliche) Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft erscheint mir allerdings immer dann fragwürdig, wenn Bildungsferne, Unlust und Unflexibilität hochnäsig mit den Unterschichten in Verbindung gebracht wird. Mein erweiterter Familienkreis ist diversifiziert genug, um zu erkennen, dass die Zugehörigkeit zu einer Klasse nicht unbedingt mit Kultur oder auch nur Kultiviertheit zu tun hat, oder anders formuliert: Man kann auch im Hahnwald, Frankenforst oder in Marienburg leben und niemals ein Buch lesen. Warum denn auch? Man ist ja viel zu sehr damit beschäftigt, Geld zu scheffeln, zu konsumieren und seinen Nachwuchs in Internaten au gout du jour zu platzieren, damit dieser irgendwann die Klasse halten kann.
    Bitte um Verzeihung für das Elaborat, aber Ihr Beitrag hat fasziniert und tröstet seit gut einer Stunde über ein sinnloses Memo hinweg.

  12. Hochverehrter Don,
    wenn sie...

    Hochverehrter Don,
    wenn sie Kultur auf Lebensstile und Gewohnheiten reduzieren, ist Ihnen natürlich nicht zu widersprechen – dann gab es nie eine gemeinsame Kultur und es wird sie nie geben, dann sind unterschiedliche Entwicklungen schlicht gesellschaftlich bedeutungslos.
    Nur ist das zu kurz gesprungen. Zu Kultur gehören auch gesellschaftliche Moralvorstellungen im weitesten Sinne. Und dafür macht es einen erheblichen Unterschied, ob es in einer Gesellschaft noch eine kulturprägende Schicht gibt, deren Ideale (und seien sie nur vorgeschoben) gesellschaftlich verbindlich werden. Neigen die Mitglieder einer gesellschaft dazu, Verantwortung zu übernehmen? Suchen Sie für Fehlentwicklungen Sündenböcke und wo? Spielt das persönliche Sexualverhalten eine Rolle in der Öffentlichkeit und welche? All das SIND Kulturfragen. Und für deren Beantwortung spielt die Frage, welche Berührungspunkte einzelne Subkulturen haben, solange keine Rolle, wie es ein überwölbendes, gemeinsam geteiltes Vorstellungsgebäude in Moralfragen gibt. Was man tut und was man nicht tut ist Ausdruck kultureller Prägung. Die wiederum – mehrere Subkulturen vorausgesetzt – nur existieren kann, wenn eine Subkultur in der Lage ist, die anderen von der Überlegenheit ihres Moralkodexes zu überzeugen oder ihnen diesen Kodex aufzuzwingen. Und genau hier hat sich in Deutschland natürlich etwas verändert, nimmt man die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zum Masstab.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  13. So geht man in den besseren...
    So geht man in den besseren Kreisen mit sich selbst und seiner Freizeit um:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,780980,00.html
    Von einem, der es wissen muss:
    Du bist am Ende – was du bist.
    Setz’ dir Perücken auf von Millionen Locken,
    Setz’ deinen Fuß auf ellenhohe Socken,
    Du bleibst doch immer, was du bist.

  14. Minimal OT, an einigen Stellen...
    Minimal OT, an einigen Stellen auch überzeichnet, aber ansonsten durchaus stimmig und eine nette Lektüre für die Mittagspause:
    http://www.freitag.de/kultur/1133-aa-cc-es-ist-so-simpel

  15. bertholdIV, das ist doch das...
    bertholdIV, das ist doch das Schöne an den Demoskopen: Ihre Dienstleistungsmentalität.
    .
    Blackjack, vielleicht spricht man ansonsten die sozialen Unterschiede etwas dezenter und vornehmer an, aber im Prinzip weiss doch jeder, dass es, wo es bessere Kreise gibt, auch schlechtere Kreise geben muss. Soweit würde ich nicht gehen, sie sind halt anders und weitgehend inkompatibel, in vielen Bereichen. Und ich finde: Sie haben ein Recht, sich von einer Datierungsdebatte gelangweilt zu fühlen.

  16. Kopfgeburt, ich glaube, wollte...
    Kopfgeburt, ich glaube, wollte man dieses Thema wirlich gravitätisch angehen, würde es keinen Spass achen.
    .
    melursus, gern geschehen. Ich bin bald wieder in Italien, dan gibt es hier wieder mehr echte Kultur. Und am Sonntag schreibt meine Lieblingsautorin einen sehr fundierten Gastbeitrag, auf den ich mich schon freue.

  17. bessere Kreis, Klassen,...
    bessere Kreis, Klassen, …
    nicht das, nicht das;
    alles nur Windhauch!

  18. @muscat: danke für den Link -...
    @muscat: danke für den Link – Klasse Rant von Seeßlen!
    @ThorHa: durchaus, ja.

  19. Lieber ThorHa,
    komplett...

    Lieber ThorHa,
    komplett d’accord.
    .
    Kultur ist nicht nur, wie verschieden man Bötchen fährt.
    Don, übrigens, was macht dein Faltboot?

  20. Habe den vergnüglichen...
    Habe den vergnüglichen Beitrag mit zunehmendem Schmunzeln gelesen.
    Besagt er mit feineren Worten, den komplexen und der Mehrdeutigkeit geneigten Untersuchungsgegenstand in eine definerte wissenschaftlich bearbeitbare Form zu bringen, dann daraus auch noch entscheidungsrelevant belastbare Aussagen abzuleiten, tendiere eher zum Scheitern, insb. wegen Vereinfachungserfordernissen die der Rechenbarkeit geschuldet sind.
    Im Licht einer erfolgreichen Vermarktung hat diese „Pythia“ allerdings sehr erfolgreich für das eigene Geschäft gearbeitet, das wohl teilweise auch von der Bereitschaft an Wunder und Offenbarung zu glauben, profitiert. Darf auch nicht verwundern, da die Orakeldame wissenschaftlich von einer Art von Marketing berührt wurde.
    In wirtschaftswissenschaftlichen Kreisen darf man auch gelegentlich wahrnehmen, daß akzeptable bis ausgezeichnete wissentschaftliche Methodik nicht zwangsläufig zum realitätsnahen Ergebnis führt, da die getroffenen Annahmen sich fast als Sollbruchstelle zur Realität erweisen.
    Das wäre unproblematisch, wenn nicht manche Erkenntnis mit Hinweis auf die Wissenschaftlichkeit in interessegeleitete Handlungsanweisung gegossen wird.

  21. ich sage immer lasst mich doch...
    ich sage immer lasst mich doch meine Ding machen und ihr macht Euer Ding. Ich ziehe doch auch nicht darüber her, nur weil ihr so ein I-Dingsbums habt… Und so lasst mich doch drei Stunden am Morgen mit Rennrad fahren und erst zum Mittag zur Arbeit erscheien… Aber nee, das blicken sie nicht.

  22. Wenn´s dem Frieden...
    Wenn´s dem Frieden dient
    .
    Ach ist das köstlich. Und ich hatte genau denselben Gedanken, als ich diesen Beitrag vor wenigen Tagen vor die Augen bekam. Kulturelle Differenz = Klassendifferenz? So meinte das Bourdieu sicherlich nicht! Nur sagte ich mir gleich: Für d e n Müll habe ich keine Zeit! Darauf gehe ich jetzt nicht ein! Nicht jede pseudowissenschaftliche, also Alibiveranstaltung, soll (m)einer Reaktion würdig sein. Dennoch: Ich ahnte natürlich, dass ich mich da vermutlich doch mehr drüber ärgere, als ich da jetzt zum Besten gebe. (Auch ich bin nicht frei von Heuchelei.)
    .
    Ich bin Ihnen daher außerordentlich dankbar für diese wunderbare Replik. Sie ist vermutlich hundertmal besser, als sie mir gelungen wäre, eben unter meiner selbstverleugneten Wut.
    Nur eine Frage dazu: Ist das nicht der beste Beleg für des Deutschen Heuchelei im Umgang mit der anderen Klasse? Denn auch der Proletarier heuchelt, wenn er so tut, als gäbs ihn nicht. Es stört ihn maßlos, nicht wahrgenommen zu werden. Anstatt aber dann Krach zu schlagen, wie sich das gehört, und wie wir offenbar nur den Engländern als quasi Naturrecht zugestehen (siehe auch:„Ohne ersichtlichen Grund“, http://www.faz.net/artikel/C30923/brennende-autos-in-der-hauptstadt-die-glut-auf-den-strassen-berlins-30486903.html), wandert unsere geistige Verfassung von einem pathologischen Zustand zu dem anderen. Nun versucht dieser Proletarier sich in der Kopie des ihm völlig fremden Habitus, schmeißt sich in Seide und kauft teure Autos (und merkt dabei nicht mal, wie er sich da mit dem Abfall der Klasse schmückt, die ihn da so erniedrigt). Und befindet sich nicht gerade aus diesem Grund Allensbach so auf dem Holzweg: Ist doch die kulturelle Differenz nur noch dem Psychiater zugänglich. Denn auch die Bourgeoisie hat daraus gelernt und sagt sich nun: Aha, wenn das so ist, dann tue ich mal so, als nähme ich das Angebot an und zeige mich hin und wieder in Proletenkluft. Wenn´s dem Frieden dient!

  23. Werter Don,
    was Sie da so...

    Werter Don,
    was Sie da so schön beschreiben ist doch eigentlich die funktionierende Klassengesellschaft – wo jeder mit seiner Position zufrieden ist und erst garnicht das Bedürfnis hat, in eine andere Klasse zu wechseln. Und ich denke Grundlage davon ist in hohem Maße die gemeinsame kulturelle Basis. Entscheidend ist nicht, dass Sie den Besucher aus München tatsächlich auf ihre Terrasse einladen, sondern, dass Sie es könnten, ohne dass dies für Sie oder den Besucher über die Maßen unangenehm wäre. Natürlich ist dies eine letztendlich utopische Vorstellung und ich denke was Allensbach auszudrücken versucht, ist, dass diese derzeit zunehmend utopischer wird (ob man das tatsächlich aus den Zahlen ableiten kann ist eine andere Frage).
    .
    Ich fürchte, das ist jetzt ein bisschen wirr geworden und schließe mich Vroni an: wir würden gerne den Don im Faltboot sehen.

  24. @jeeves: Entschuldigen Sie...
    @jeeves: Entschuldigen Sie bitte meine Unwissenheit hinsichtlich des verwendeten Wortschatzes: eine Gattin? Was macht man den mit einer Gattin?

  25. Werter Don,
    nur eine kleine...

    Werter Don,
    nur eine kleine Frage: Sind Sie wirklich an „Segelclubvorstandsintrigen und längliche Debatten über Yachtmaster-Uhren“ und ausfuehrlichen Gespraechen „welchem Teil der Familie man die rotgestickte Tischdecke verdankt“ interessiert? Ich gehe doch stark davon aus (und hoffe!), dass das bei den meisten Mitgliedern Ihrer „Klasse“ nicht wirklich der Fall sein duerfte, auch wenn sie es vielleicht hoeflich vortaeuschen koennen. Und falls Euch sowas wirklich wichtig ist, dann wundert Euch nicht, dass wir einfaches Volk Euch nur noch begrenzt nacheifern.
    Beste Gruesse!

  26. @Blackjack
    Ich weiß zwar...

    @Blackjack
    Ich weiß zwar nicht, was dem Don „so durch die Birne rauscht“, wie Denis Scheck vielleicht sagen würde, aber das Goebbels-Zitat hat er u.a. sicher voran gestellt, weil Noelle-Neumann für „Das Reich“ geschrieben hat, Goebbels war der Herausgeber, außerdem wollte Goebbels sie auf Grund ihrer Leistungen zu seiner Adjudantin machen.
    Mit diesem Hintergrund wurde Noelle-Neumann später dann die Mutter der deutschen Demoskopie und ein hoch geehrtes Mitglied der bundesdeutschen Gesellschaft.
    Eine wirklich schöne Biografie!
    Über den gegenwärtigen Stellenwert der Demoskopie in Politik und Gesellschaft sollte man sich sowieso ernsthaft Sorgen machen, denn falls es einen direkten Weg in die Katastrophe geben sollte, so ist dieser garantiert mit Meinungsumfragen gepflastert.

  27. <<Spielt das persönliche...
    < > In der besseren Gesellschaft nennt sich das Geld von einem Alleinverdiener gegen einen geldwerten Steuervorteil vom Staat abgreifen „Ehe“ oder Erfüllung „ehelicher Pflichten“ im Rotlichtviertel Prostitution und unter Alleinerziehenden mit Beutekind Unterhalt des Kidnes wegen. In jedem der genannten Fälle ist die Voraussetzung des direkten oder indirekten Verdienstes Sex. (Im weitesten Sinne profitieren besispielsweise die Erzeiher/Lehrer allein vom „schnaggserln“)

  28. Genau, ich habe z.B....
    Genau, ich habe z.B. überhaupts keine Kulturr. Das laße ich mir nicht nehmen. So liebe ich Ausstellungen mit Photos von amerikanischen US-Vorstädten. In der Küche sind bei mir undefinierbare Fettecken. Auch bin ich ein unausstehliches Subjekt, rieche drei Meilen gegen den Wind. Tiefgaragenevents sind mein Weekend-Vergnügen…Ah ja, ich rauch am Tag drei Packungen Gauloises mit ohne. trage gern T-shirts und zerschlissene Jeans. Rasiert wird nur die Woche 1x. Wen´s interessiert 3x geschieden nun probier ich patchtwork, mit sieben Blagen irgendwo…Kiffe gern.
    Kneipenmilieu is was Feines. Fahre ne olle Tükenschüssel ohne Schalldämpfer ein ums andere mal Schwarz. Ah ja facebook, suuuuper! Die Girlies…

  29. Mein lieber Don, am benannten...
    Mein lieber Don, am benannten See sind Sie, auch wenn Sie in der Nähe ein RMH bewohnen, Gast wie jeder andere Besucher auch. Und zu den Paddlern im Bötchen finden Sie sicher eher Kontakt als zu den „Segelyacht“-Besitzern (obwohl man nichts von dem, was auf dieser Pfütze fault, als „Segelyacht“ bezeichnen darf). Also bitte locker bleiben. Ansonsten, glaube ich, ist Ihr Text trotz der Verwechslung von Kultur und Kultiviertheit ziemlich schön.

  30. @ Don Alphonso
    Vielleicht ist...

    @ Don Alphonso
    Vielleicht ist der Weg vom „Bewußtseinsstrom“ zur Leitkultur noch auf
    überlieferten Hühnerleiter markiert.

  31. Man sollte Kultur nicht mit...
    Man sollte Kultur nicht mit Geschmack verwechseln.
    Ein Faible für Antiquitäten, statt Ikea Waren. Das Hofieren von exquisiten Speisen, statt MC Donalds. Die maßgeschneiderten Schuhe, statt Deichmann.
    Der italienische Sportwagen, statt deutscher Combi. Das ist weder Ausdruck einer eigenen Kultur, noch individueller Präferenzen.
    Oder ist ihnen noch nie aufgefallen, dass es für jeden ihrer Fetische schon Spezialläden, Interessensgruppen und Veranstaltungen gibt,
    wo sich ihres gleichen tummelt?
    Diese Scheinindividualität mit einer eigenen Kultur zu unterfüttern, produziert Differenzen, wo bisher noch keine sind.
    Sollten verschiedene Schichten wirklich verschiedene Kulturen ausbilden, wären die Folgen tief greifender.
    Den VW Gold zu kaufen, beim Tritt auf das Gaspedal an den italienischen Sportwagen denkend, wird vielleicht nicht mehr als schick gelten.
    Der Kauf des Berlauchpestos im REWE könnte nicht mehr das Lebensgefühl simulieren,
    das bei Einkäufen in kleinen italienischen Feinkostläden mit erworben wird.
    Menschen könnten es als nicht erstrebsam empfinden als Mastvieh auf Pauschalreisen an überfüllte Seen zu fahren, um Wohlstandsinsignien nachzueifern.
    Sie könnten andere Vorstellungen vom guten Leben entwickeln und herrschende Vorstellungen massiv ablehnen.
    Gesellschaften, wo verschiedene Schichten eigene Kulturen ausgebildet haben, sind tief zerrissen und bilden auch räumlich Felder
    der Exklusion, was sogenannte gated villages zur Folge hat.
    Der Don wird seinen Lenin immer noch im idyllischen Blumengartenlesen können, zwischen patrouillierenden Sicherheitsleuten.
    Die Ausfahrt mit dem Rennrad könnte sich zuweilen als tröge erweisen.
    Denn anstatt die unberührte Natur der Berglandschaft zu genießen, ist die Ausfahrt eine Tour im Kreis entlang des Sicherheitswalles.
    Doch bleibt noch der Ausblick auf die Panoramalandschaft, auch wenn dieser Ausblick eingerahmt wird durch den Stacheldrahtzaun und Wachtürme.
    Bliebe das Fortbewegungsmittel der Wahl doch mal außerhalb der Sicherheitszone liegen,
    gäbe es nicht mehr diese schreckliche Peinlichkeit fremde Menschen nach Hilfe zu fragen.
    Ein freundlicher Mob von nebenan würde sich dem Fall schon annehmen.
    Gegen einen kleinen Obolus kämen der Don und seine Habseligkeiten in handlichen Teilen zu seinen Tanten zurück.

  32. Zur Kultur der deutschen...
    Zur Kultur der deutschen Sprache:
    vgl. FAZ v. 3.3.2004
    Klaus Zengulys :“Ehs (=das Volk) durffte unnd dahrf noch immerr führr
    seinenn eigennbedahrf sohgahr dih allltenn rehgelln missachtenn.“

  33. Die einen haben die Berge, die...
    Die einen haben die Berge, die anderen den Horizont. Schön, daß mein kleiner Horizont mit fast jedem Ihrer Texte erweitert wird. Bezieht sich Ihr Bedauern über den fehlenden Kampf um „kulturelle Hegemonie“ auf Antonio Gramsci ? Beginnt auch das grossgewordene Kind der alten Bundesrepublik zu glauben, daß die Linke recht hat ? Auch Noelle-Neumann schaffte den Seitenwechsel…

  34. Nein, im Gegenteil, ich bin...
    Nein, im Gegenteil, ich bin froh, dass es bei ein paar Ritualen und Scheingefechten bleibt. Zumal keine Kultur wirklich für sich in Anspruch nehmen kann, besser zu sein.

  35. sehr schöner artikel (wieder...
    sehr schöner artikel (wieder mal)
    aber: „Ich glaube noch nicht mal, dass wir von einer Koexistenz der Kulturen in eine Epoche übergehen, da die Kulturen nur noch ignorant nebeneinander her existieren. Das war eigentlich schon immer so. Es fällt nur gerade mehr auf, weil die Kultur der Oberschicht für die anderen keinerlei Orientierung mehr darstellt.“
    ist das zwingend ein fehler der unterschicht? könnte doch auch umgekehrt sein?
    @Falkenherz 11:03
    in London geben sie sich damit zufrieden, IPhones und Fernseher zu klauen; vielleicht das Glück der „Oberschicht“? Solange das als Opium fürs Volk ausreicht.
    1789 gab´s keine Fernseher …

  36. ein nachtrag - und kein...
    ein nachtrag – und kein schlechter – zum thema london:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,780827,00.html
    v. jakob augstein
    der heisst nicht nur so, der kann auch schreiben.

  37. Was hat der Tegernsee schon...
    Was hat der Tegernsee schon außer Wasser? Nimmt man die Berge weg, ist es der Wannsee.

  38. Das Wasser ist sauberer, und...
    Das Wasser ist sauberer, und das Schlimmste, was einem passieren kann, ist in 30 Kilometer Entfernung Tirol, und kein Megaslum.

  39. @Nico: warum ist es zynisch,...
    @Nico: warum ist es zynisch, mit den Bewohnern moderner Wohnsiedlungen über Architektur zu reden? Wenn man sie nicht mag, – sicher, dann wird nichts anderes bei rauskommen, aber wenn man sie Klasse findet? Vor einiger Zeit las ich mal einen Zeitungsartikel über ein inzwischen recht heruntergekommenes Hochhaus, in das immer wieder japanische Studenten gingen. Die Bewohner wunderten sich zuerst, kamen denn doch mit ihnen mal ins Gespräch, und die Studenten erzählten ihnen über das Haus, sie wohnten in einer Ikone der Moderne, und was der Architekt sich bei dem Haus wohl alles gedacht hatte im Detail, fragten, wie sich das denn im Gebrauch bewähre, usw. – jedenfalls gefiel den Bewohnern das Haus dadurch schließlich um einiges besser. Zynisch kann ich das nicht finden, und war es wohl auch von niemand gemeint.

  40. @DA: dafür geliftete Rentner...
    @DA: dafür geliftete Rentner in Aalleder. Auch kein so doller Anblick.

  41. @muscat
    danke für den link:...

    @muscat
    danke für den link: hoffentlich bleibt und der freitag noch lange erhalten:
    die:
    „Das Casino wird nicht mehr gebraucht, die Medien verkommen weiter, der Mitmach-Kapitalismus verliert an Attraktion. Was kümmert es das Geld?“
    erinnert mich wieder an diesen herrn, mit dem ich vor einiger zeit zu tun hatte:
    http://www.faz.net/artikel/C31501/im-gespraech-christian-stadermann-hq-trust-die-maerkte-treiben-die-politik-vor-sich-her-30486902.html
    nun raten sie mal wozu diese herren aus bad homburg immer raten: privat equity, na welch ein wunder..

  42. @schrödingers katze
    wohl...

    @schrödingers katze
    wohl wahr. man sollte herrn jakob a. ins nachtgebet einschließen oder bei den dominikanern in der postgasse ins fürbittbuch. wie sagte mal kreisky über adamovic „Der Sohn ist ja besser als der Vater“. scheint mir langsam auch hier der fall zu sein…

  43. <p>colorcraze: In Rottach. Und...
    colorcraze: In Rottach. Und nicht heute, heute war es zu heiss. Rottach ist eine andere Sache.
    .
    bertholdIV, heute kam hier eine Lieferung aus Bad Homburg an. Und was soll ich sagen: Fleisch ist immer gefragt.
    .

  44. Das interessante am...
    Das interessante am westdeutschen Westviertel ist die gute alte zäpfchenzeigende Langeweile.

  45. Lieber Don Alphonso, welchem...
    Lieber Don Alphonso, welchem Teil der Familie verdanken Sie denn die rotgestickte Tischdecke?

  46. @ Oh, war ich zu streng?...
    @ Oh, war ich zu streng?

  47. Dem Rosenheimer Zweig, die...
    Dem Rosenheimer Zweig, die Tischdecke gehörte einst der Grossmutter vom Landrichter Spitzer. Und die hat sie selbst gemacht! Ausser mir wollte die aber keiner haben.
    .
    gheluveld, britische Verhältnisse sind natürlich spannender.

  48. Kurze Kulturdoku:
    "Der...

    Kurze Kulturdoku:
    „Der Machtstaat beginnt auf der Straße. Wer die Straße erobern kann, kann auch einmal den Staat erobern.“
    Dieser promovierte Typ (s. Zitat DA o.) mit der frechen Propagandaschnauze, der nie seinen Krefelder Slang verleugnen konnte, hatte sich auf 1.000 (i. W.Tausend) Jahre einrichten wollen, dafür hatte er sich eine, quasi zur Oberschicht gehörende, Tussi angeheiratet. Zwecks Dynastiebildung? Zur linken gabs noch die Eine oder die Andere (man war ja nicht aus Holz). Als es zum bitteren Untergang, mitsamt dem Typ mit dem Schnäuzer führte, wars zu Ende mit den lockeren Kontakten zu den Industrieclubs, der Fimkultur, der reinrassigen Malerei etc. Danach, als endgültig Schluß war, durften alle, fast nur einige, wenige der Übrigebliebenen die Mär verbreiten, sie seien nur gepresst worden oder so.

  49. Dann müssen Sie uns aber...
    Dann müssen Sie uns aber bitte unbedingt noch erzählen, wie die Ehe der Dame verlaufen ist, deren Initialen darauf stehen.

  50. Na, macht nichts. Habedere....
    Na, macht nichts. Habedere.

  51. E.R. Langen, so im Grossen und...
    E.R. Langen, so im Grossen und Ganzen wird hier auch noch gern einfach so gegrüsst, es geht hier recht kommod zu, und man lernt die leute schon auch kennen, wenn man hier wohnt, die einen wie die anderen. Ich kome aus Byern, ir reicht dieser See von der Grösse her völlig aus, und schwimmen macht mir eh keinen Spass.
    .
    homo bulla, da gibt es solche und solche Geschichten darüber. Sie war wohl recht resolut, und sollte jemand ihr auf die Füsse gestiegen sein, ist sie wohl auch zurückgestiegen. Damals waren Scheidungen noch undenkbar.

  52. Grand Guignol, ich finde das...
    Grand Guignol, ich finde das alles zwar nicht schön, aber immer noch besser als die Show des jetzigen Ministerpräsidenten, der für sich bei einer Wahlkampfaktion eine Frau hat suchen lassen. Das eine ist ein Skandal, das andere Unterschicht.
    .
    schrödingers katze, nein, ich glaube, dass man früher sehr wohl der Oberschicht nacheiferte. Die Verehrung für Herrschergeschlechter und Adlige etwa ist kein Zufall gewesen, und Leute wie Adenauer waren verutlich wirklich Vorbilder (Man weiss das etwa von Porzellan, wenn es von den führenden Schichten gekauft wurde, kauften es die nicht Führenden Stück für Stück nach). Heute spielt es keine Rolle merh, wer welches Porzellan hat – das kriegt man für 9,99 beim Outlet, sagen sich manche.

  53. Denkbar aber vielleicht, dass...
    Denkbar aber vielleicht, dass sie, wie so manche andere Dame, statt Scheidung ihren ehelichen Frust in die Tischdecke gestickt und verewigt hat. Hm. Wer weiss schon, was man dort eigentlich an materialisierten Gewaltphantasien unterm Sterzinger Apfelkuchen zu liegen hat?

  54. Das schöne am Westviertel ist...
    Das schöne am Westviertel ist doch , dass trotz rachengähnender Krise alles ruhig bleibt, hier gibts eigentlich nur Optimisten.

  55. Aber ja! Es spielt...
    Aber ja! Es spielt sebstverständlich eine Rolle, welches Porzellan auf der Rotgestickten steht. Wenn es denn schon mit Goldrand sein soll und ich unverschämterweise einen dezenten Verbesserungsvorschlag anbringen dürfte:
    .
    http://www.metz-auktion.de/typo3/PZ53/images/0737.jpg
    .
    http://www.zeller.de/de/katalog/auktion-77-juni-03/auktionsartikel/prunusrelieftasse/

  56. Das ist das gute Rosenthal,...
    Das ist das gute Rosenthal, das ich einem Berliner Nichtsnutz am Savignyplatz entrissen habe!

  57. @DA: ui, Entwarnungsfrisur aus...
    @DA: ui, Entwarnungsfrisur aus dem Rokoko!

  58. Die ständige Wiederkehr des...
    Die ständige Wiederkehr des ewig Gleichen ist auf die Dauer doch recht ermüdent.
    Vor allem aus dem Running Gag: Hauptstadtslum, ist wirklich entgültig die Luft ‚raus.
    Grundsätzlich wäre etwas Understatement nicht schlecht, denn das Herumreiten auf der eigenen Kultiviertheit hat einen unangenehmen Hautgout!

  59. Macht ja nichts. Kann man bei...
    Macht ja nichts. Kann man bei Gelegenheit ja mal fallenlassen. Vielleicht sogar als Bonmot.

  60. Fallen ist besser als...
    Fallen ist besser als werfen.
    .
    kryptart, ich schreibe hier das, was mir Spass macht. Man kann das gerne kritisieren, wenn einen die Folgenlosigkeit nicht stört.

  61. An Kryptart verkaufen ist...
    An Kryptart verkaufen ist besser als werfen. :-)

  62. Kryptart, ich denke, wenn Sie...
    Kryptart, ich denke, wenn Sie beherzt ein entsprechendes Angebot abgeben, haben Sie eventuell gerade die einzigartige Gelegenheit, dem Hausherren zusammen mit dem Gedeck ein Stück Kultiviertheit mit lückenloser Savignyplatz-Provenienz zu entreissen.

  63. Wie gut, dass ich keinen ...
    Wie gut, dass ich keinen Platz mehr habe.
    .
    Veil of ignorance, da kommen wir zur Frage, wie weit man den Begriff Kultur fasst. Ich persönlich habe gar nichts dagegen, ihn so weit wie möglich zu öffnen; dem Archäologen geht es ja, im Gegensatz zum Kunstgeschichtler, um den Befund und nicht um das, was davon Kunst ist. Das alles mit einer gewissen weltentsagenden Verachtung gesehen werden kann, ist ebenso verständlich wie die Haltung, dass alles noch sehr viel besser möglich wäre. Aber was bringt es? Ich kann erzählen, was ich erzähle. Mein Bärlauchpesto jedoch mache ich selbst.

  64. "Ein besonders ernster Aspekt...
    „Ein besonders ernster Aspekt ist dabei, dass sich die Voraussetzungen, unter denen Kinder aufwachsen, die Impulse, Förderungen und Maximen für die Lebensführung, die sie erhalten, immer mehr unterscheiden“
    Der Nachweis einer Studie, vergleichbar in Methodik und Zielsetzung aus den z.B. 70er Jahren könnte die eigene Urteilsbildung hilfreich unterstützen. Mit der Weglassung dieser Quelle setzt sich Frau Köcher in den Verdacht einer Behauptung ins Blaue.

  65. @Don Alphonso:
    Für die...

    @Don Alphonso:
    Für die Folgenlosigkeit kann ich doch nichts, überhaupt ein merkwürdiger Vorwurf.
    Daß Sie derart schnell und aus so harmlosem Grunde die Contenance verlieren!
    @homo bulla:
    Mein Geschmack ist, von Rennrädern mal abgesehen, ein anderer, als der von Don Alphonso.
    Ich kannte mal einen Kunstsammler (geschätzter Wert der Sammlung lag im zweistelligen Millionenbereich), der hatte ein untrügliches Gefühl für gute Kunst – egal ob es um Malerei des 18. Jhd., abstrakte Niederländer, chinesisches Porzellan oder anderes ging – so etwas kann man nicht lernen, man hat es oder eben nicht.
    Er konnte auch ein guter Gesprächspartner sein, wenn er entsprechend aufgelegt war, aber normalerweise war er im Alltag eher ein ziemlicher Rüpel.
    Mir ist nie wieder eine solch extreme Kombination aus extravagantem Geschmack und proletenhaftem Verhalten in ein und der selben Person begegnet!
    U.a. diese Bekanntschaft hat meine Bereitschaft zu vorschnellen Urteilen und die Neigung alles fein säuberlich in Kästchen und Schubladen einsortieren zu wollen doch stark reduziert.
    Eine „Kultur der Oberschicht“ gibt es schon gar nicht, weil es keine Oberschicht im eigentlichen Sinne mehr gibt, die ist schon lange passe – und sollte es doch eine Oberschicht geben, dann sitzt diese jedenfalls nicht am Tegernsee.
    Wenn man sich schon auf dieses Thema einläßt, dann sollte man wenigstens von sozialen Milieus im Sinne Durkheims sprechen, denn damit hat man dann eine vernünftige Basis und muß sich nicht mit dem diffusen Kulturbegriff herumärgern.

  66. <p>Das hat mit Contenance...
    Das hat mit Contenance verlieren nichts zu tuin, das ist meine entspannte Haltung seit den 10 Jahren, da ich mir immer wieder anhören darf, die Luft sei raus, das sei alles schon durchgenudelt, das würde sich im Niedergang befinden – ich habe mich nie darum gekümmert, es hat mir nicht geschadet.
    .
    Ansonsten sehe ich es pragmatisch: Die Existenz einer Unterschicht, an der es keine Zweifel geben kann, bedingt auch eine Oberschicht. Dass die nicht so aussieht, wie sie aussehen könnte: Bedauerlich, aber war das je anders? Vermutlich nicht. Man muss sich mit dem beschäftigen, was man hat. Schlechter Charakter und Kunstsammeln gehört zusammen: Man geht mit so viel Hass auf die Gegner bei Auktionen durch die Welt, man kann gar nicht anders.

  67. schrödingers katze, schön...
    schrödingers katze, schön dass sie sich an der selben Passage gerieben haben. Klar kann noch mehr passieren; ich meine schon seit Längerem, dass wir auf einer Insel der Glückseligen sitzen und eigentlich ziemlich Schiss haben müssten, wann der Plebs, um den wir uns nicht wirklich gekümmert haben, uns diese zertrümmert. In Berlin brennen ein paar Autos, aber die Schaufenster sind intakt geblieben.
    .
    In Brasilien leben Bekannte in einem Westviertelbezirk am Meer, der Sicherheitsdienst patrouilliert regelmäßig, und gelegentlich bekommt man von Freunden, die Freunde kennen, die von Freunden im Mileu gehört haben, gesagt, dass heute kein guter Tag zum in die Stadt fahren ist. Die Schere zwischen Reich und Arm kann also noch ganz anders aufgehen. Der fatale Unterschied zum alten Europa: Dort geht der Wohlstand erst los, hier hat er sich überlebt. Und von den arabischen Ländern , was soll man sagen.

  68. @colorcraze / bertholdIV, gern...
    @colorcraze / bertholdIV, gern geschehen.
    Zu Bad Homburg: Die Leserkommentare unter dem Artikel sagen alles. Sollte das eine vorgezogene Ich-bin-ein-seriöser-und-erfahrener-Family-Officer-das-sieht-man-doch-und-ihr-dürft-mit-uns-auch-mal-ein-bisserl-investieren-wie-die-Quandts-Imagekampagne (in Vorbereitung auf Oktober, wenn Herr S. neue Kollegen bekommen wird) gewesen sein, so ist diese wohl mehr als in die Hose gegangen. War gestern der Lacher des Tages, und das nicht nur im Taunus.

  69. Ich sehe die ganzen Wealth...
    Ich sehe die ganzen Wealth Manager ja so ein wenig als ausgleichende Ungerechtigkeit; wenn man seine Tage mit solchen Schmierlappen (scnr) hinter randlosen Brillen zubringen muss, hat man sich sein Geld wirklich auf eine brutale Art erhalten. Besonders in Zeiten wie jetzt.
    .
    Falkenherz, bislang klappt das mit dem Austarieren in diesem Land gerade ganz unten sehr gut. Die ausbleibenden Revolten zwecks Hartz4 haben mich gewundert, wie auch die fehlenden Aufstände wegen der Bankstergeschenke. Vielleicht sind wir insgesamt einfach zu reich.

  70. waskostetdiewelt, so werden...
    waskostetdiewelt, so werden Studien halt gemacht. Ich bin ja ein Freund von „Hands on“ Betreuung von Auftragsarbeit: Wer gut ist., wird gestreichelt, und wer schlecht ist, wird erwürgt. Und mit diesem Beitrag wollte ich ein klein wenig dazu beitragen.
    .
    colorcraze, die Dame ist der französischen Mode aufgesessen. So waren sie (Ein Glück, dass Frauen heute so anders sind!)

  71. @kryptart, Ihre Erfahrung mit...
    @kryptart, Ihre Erfahrung mit diesem Kunstsammler kann ich bestätigen. Meiner ist zudem promoviert und wirklich ein geistreicher Mann. Was allerdings sein Leben um seine Sammlung betrifft, ist dies eher chaotisch und schlammpig, Ernährung nur das Billigste, sehr gerne kauft er abgelaufene Ware im Posten-shop. Das Auto eine Müllhalde. Klamotten aus den Siebzigern. Unterhaltsam allerdings ist er kraft seines Alters auch. Kunst sammeln und Stil haben sind oft kontrastierende Eigenschaften. Wie heißt es so schön: Übertriebene Eitelkeit ist der Anfang von Dummheit.
    .
    @colorcraze, mich wundert das mit den Japanern gar nicht, denn die kommen ja aus einem Ameisenhaufen und wohnen zumeist in diesen Hochhäusern in den Städten. Zwischen Hochhaus und Hochhaus sehe ich dann aber doch Unterschiede. Wenn man das Märkische Viertel heute noch als modern bezeichnen will, – ich weiß nicht. Für mich ist die trostlose Ausstrahlung mit der einhergehenden Hoffnungslosigkeit vieler Bewohner eher bedauernswert. Wohnqualität sieht für mich anders aus. Und die Bewohner noch darauf ansprechen, käme mir nicht in den Sinn, zumal ich nie eine Reise dorthin anträte. Bei einer Beerdigung gehe ich auch nicht zu den Verbliebenen und spreche sie auf den Mundgeruch des Verstorbenen an.

  72. Don Alphonso, das ist der...
    Don Alphonso, das ist der deutsche Michel. Dieses Charakteristikum hat schon so einige Kriege überlebt, quer durch alle Klassen. Nur ein bischen Nachkriegsdepressionen, ein ewig dahinsiechender Nationalstolz treten in Form eines pseudo-intellektuellen Dauersarkasmus, bestenfalls Dauerpessimismus, dazu. Da war mir der alte deutsche Michel fast schon lieber.
    .
    In diesem Sinne wäre auch mal ein aufmunternderes Thema, nicht nur über Italien, gewünscht.

  73. Ozapft is:
    „Wenn es der...

    Ozapft is:
    „Wenn es der Oberschicht gutgeht, geht es auch der Allgemeinheit gut.“
    (Guido Westerwelle über die zu fördernde Oberschicht)

  74. @ Don Alphonso
    Ich kenne das...

    @ Don Alphonso
    Ich kenne das anders:
    Wer bürgt wird erwürgt.
    Aber wofür können solche Studien schon bürgen?

  75. @ Don Alphonso 18.8.,...
    @ Don Alphonso 18.8., 22:16
    „nein, ich glaube, dass man früher sehr wohl der Oberschicht nacheiferte….“
    genau das meine ich auch und denke dass dies nicht das schlechteste war. aber die frage ist doch, warum ist es heute so anders?
    Warum ist die „oberschicht“ so offensichtlich nicht in der lage ,als vorbild zu wirken und zum nacheifern anzuregen??
    Wie tritt denn die „oberschicht“ oder meinetwegen auch ganz allgemein die „eliten“ in erscheinung? und bei „elite“ denke ich nicht an paris hilton oder david beckham. aber DIE haben merkwürdigerweise eine fatale vorbildwirkung.

  76. "...weil die Kultur der...
    „…weil die Kultur der Oberschicht für die anderen keinerlei Orientierung mehr darstellt…“
    .
    Treffend beobachtet. Womit diese Oberschicht aber auch aufhört oben zu sein, was gerade vorgeführt wird, 1. Akt.

  77. Falkenherz, dazu liegt gerade...
    Falkenherz, dazu liegt gerade ein Vorschlag bei der FAZ, aber ob sie das wollen – keine Ahnung.
    .
    waskostetdiewelt, der Vorteil so einer Beliebigkeit ist natpürlich, dass sie ganz wunderbar in diese Zeit passt. Wir sind mal ein wenig angewundert über das, was geschieht, aber wir würden uns nur ungern festnageln lassen.

  78. @nico: das ist halt der...
    @nico: das ist halt der Unterschied, die Japaner sehen diese Art des Wohnens und Lebens als weiterhin gültig an, Sie (und wohl auch recht viele andere) nicht. Die Trostlosigkeit kommt doch im wesentlichen daher, daß die Lebensordnung, für die diese Häuser gebaut worden sind – Arbeiter und Angestellte, die min. 8h pro Werktag aus dem Haus sind – zerbrochen ist. Als die Leute einzogen, fanden die Leute diese Häuser so schlecht nicht.

  79. Paulchen P. ich würde es als...
    Paulchen P. ich würde es als „schräg oberhalb“ bezeichnen. Teilweise in der Luft hängend, ohne Fundament.
    .
    schrödingers katze, einerseits, weil sich die Oberschicht abschottet und sehr pravat lebt (es gibt keine Gästelisten in Kurzeitungen mehr, nur mal als Beispiel), andererseits, weil sich die Prioritäten in Zeiten des materiellen Überflusses verschoben haben. Man kann heute alles in allen Formen haben. Niemand schaut einen deshalb schräg an. Es gibt also gar keinen Druck ehr, sondern vielmehr die Aussage: Es ist ok, wenn Du Ed Hardy trägst und mit einer Bierflasche in der Hand durch die Stadt gehst.

  80. Ha, da habe ich doch noch ein...
    Ha, da habe ich doch noch ein Heine-Zitat gefunden (sorry, das muss sein wenn man den deutschen Michel erwähnt!), welches hierher passen könnte: „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, / und küsse die Marketenderin! / Das ist die ganze Wissenschaft, / das ist der Bücher tiefster Sinn.“
    .
    Da bin ich ja mal gespannt, auf den Vorschlag!

  81. Tja, wer ist eigentlich die...
    Tja, wer ist eigentlich die Oberschicht, das frage ich mich schon seit langem. Und: gibt es nicht eigentlich immer 2 antagonistische Oberschichten, so wie bei Fugger und Kaiser, City und Queen, Hamburg und Berlin, Athen und Sparta, also einerseits die reichen Finanzer, die handelsmäßig ausgreifen (zentripetal), und andererseits die, die die ganze Chose mit einer inneren Ordnung (zentrifugal) zusammenhalten sollen.

  82. nico@: Reiseerfahrungen eines...
    nico@: Reiseerfahrungen eines mittleren Unterschichtlers:
    Eine meiner Begegnungen mit Mitgliedern einer gewachsenen Oberschicht hatte ich mal in den Siebzigern in Griechenland. Die weitverzweigte Familie besitzt große Ländereien, Teile der Familie gehörten zu den Phanarioten (griechisch Φαναριώτες) in Istanbul. Der Clan stellte dem Lande Politiker, wissenschaftler, Unternehmer, Militärs, Sportler. Der damalige Chef hatte Naturwissenschaften studiert, war aber Unternehmer. Im II. WK war er als Gymnasiast im Untergrund tätig und wurde schließlich mit seiner Gruppe von den Briten im U-Boot nach Alexandria gebracht um das neue Heer mit aufzubauen.
    Er konnte, für mich beschämend, ganze Passagen von Heines Gedichten in Deutsch aufsagen, weil die Familie deutsche Erzieher beschäftigte. Seine Frau bekam während der Diktatur Anfang der Siebziger den Paß abgenommen, weil sie in aller Öffentlichkeit die Mitglieder der Militär-Junta als Arschlöcher und Feiglinge bezeichnete, ihrem Taufnamen Ελευθερία=Freiheit machte sie somit alle Ehre.
    Er liess sich in einem uralten verrosteten DKW-Kombi von seinem herrlich schlau-bäuerlichen Faktotum herumchauffieren, trug uralte Klamotten und Pantoffeln als Schuhwerk, wirkte aber immer wie aus dem Ei gepellt. Seine Mitarbeiter vergötterten ihn.
    ..
    Eines der Merkmale von Angehörigen wirklicher Oberschicht ist es, wenn nach deren Ableben Bronzen von ihnen aufgestellt werden. In unseren Zeiten eigentlich eher die Ausnahme.

  83. Äh, sorry, zentrifugal und...
    Äh, sorry, zentrifugal und zentripetal gehören umgekehrt.

  84. "... ich werde es auch nie...
    „… ich werde es auch nie wissen, denn ich werde sie nicht einladen.“
    „Ich möchte niemanden missionieren und bin auch ganz froh, wenn es bei mir keiner versucht. Ich habe schon eine Kultur, und die reicht mir. “
    Was Sarrazin wohl von diesen Aussagen hält? – Unwichtig.
    .
    Don, ich pflichte Ihnen gerne bei, und möchte hinzufügen, dass ich allerdings dann auch von anderen erwarte, dass sie sich mit ihren Missionierungen zurückhalten.

  85. Wer hat schon einen...
    Wer hat schon einen Freundeskreis, welcher sich aus allen möglichen Schichten zusammen setzt? Wer die beste Ehefrau von allen aus dem anderen Milieu/Miliöö (je nachdem)? Wer arbeitet schon mit Nicht-Seinesgleichen? Zum Schluss, da hat der Don sehr recht, ist’s keine Frage des Nicht-Dürfens, sondern des Nicht-Wollens. Die letzte richtige Erfahrung, mit dem Malocher und dem Abiturientenschnösel und dem ungeratenen Exadelsspross aus Marineattaché-Familie buchstäblich Koje und Teller zu teilen, war bei der Marine. Seither gab es das auf Jahrzehntedistanz nicht mehr. Die einen gingen studieren, die anderen auf den Bau, die dazwischen in die Lehre. Und als sich die Lebensbahnen festigten, konnte man sich erwischen, Freunde von Freunden reflexartig zu fragen, was sie denn studiert hätten. So fest und selbstverständlich ging man davon aus, dass alle Welt um einen herum das Gleiche täten. Die Liason mit einer Bäckerfachgehilfin blieb Liason, weil allein die Wahl der Urlaubsziele schon nicht zusammen passten. Und der weihnachtliche Trinkgeld-Dank an den Müllabfuhrmann und den Postler scheint fast der Höhepunkt der Schichtenberührung zu sein, bei der man sich gegenseitig kurz wie Exoten bestaunt und einigermaßen erleichtert auseinandergeht. Der Seufzer von beiden Seiten, ‚wie gut, dass ich nicht so bin wie der‘, scheint dann noch lang in der Luft zu hängen…

  86. Sage mir wo du Wohnsitz nimmst...
    Sage mir wo du Wohnsitz nimmst und……Die Eliten werden demnächst nach Finnland umsiedeln, denn dieses Völkchen war so schlau, den Griechen Geld für ihre, wenn auch vergleichsweise kleinen, Bürgschaften herauszupressen. Monatlich bzw. jährlich erhalten die dann Geld, um es in vergleichsweise sichere (mehr zu behaupten,wäre wohl zynisch) Staatsanleihen anzulegen, um am Ende nach 30Jahren, läuft alles planmäßig, einen Betrag in Bürgschaftshöhe angespart zu haben. So ist das. Wir, die anderen EU-Länder besichern nun noch die Zahlungen an die Finnen – außer unseren Bürgschaften für das untergegangene Weltreich. Da kann es nur einen Exodus gen Norden geben, meine ich.

  87. Bei mir ist das eher anders,...
    Bei mir ist das eher anders, als Journalist kommt man viel rum und kennt viele Leute, aber das heisst nicht, dass man deshalb alles übernimmt. Ich merke ja auch, dass ich nicht weiter „abfärbe“.

  88. <p>(Wobei ich sagen muss: Es...
    (Wobei ich sagen muss: Es ist manchmal eine harte Erfahrung, jemanden, den man sehr schätzt, in ein Heimatviertel zu bringen, das man für unbewohnbar hält.)

  89. Wobei dann die einen für...
    Wobei dann die einen für Subsistenz und Kohärenz, die anderen für Interdependenz und Verteilung von Überschüssen zuständig wären.

  90. Finnland: Zu kalt, zu viele...
    Finnland: Zu kalt, zu viele Mücken und die Sprache versteht man auch nicht. Nein, die einzige Antwort auf den Untergang der Niederungen sind die Berge.
    .
    Ephemeride, das Seufzen kenne ich vom qualifizierten Schichtarbeiter hier in der Fabrik, als ich ihm erzählte, was ich so verdiene. Der war schockiert und sagte dann, er verstehe jetzt, wieso ich keine Kinder wollte, bei dem Gehalt ginge das wohl nicht. Was lernen wir daraus? Studium muss sich nicht zwingend lohnen, es geht auch anders. Trotzdem schraubt er an einem Motorrad, auf dem das Wort „Kampfsau“ steht, und ich weiss noch immer nicht, an welche Wand ich was hänge.

  91. @colorcraze, ja, vor 50 Jahren...
    @colorcraze, ja, vor 50 Jahren fanden die das ganz spannend, dort einzuziehen, vielleicht aber brauchte man einfach nur eine Wohnung. Die Architektur, vermute ich, hat die nicht groß interessiert. Aus heutiger Sicht, und davon sprechen wir ja bei einem etwaigen Gespräch über Architektur mit den Insassen äh Bewohnern, ist dies eben anders. Und wer wohnt da heute noch drin, der damals Erstbezieher war? Die Entwicklung kann man nicht aus dem Kopf löschen. Und architektonisch wäre für mich diese Ansammlung von Beton auch vor 50 Jahren keine Ikone gewesen.
    Ich meine, Japaner sind keine gute Referenz, um diese Siedlungen zu bewerten, denn dort ist ja Wohnraum quasi unerschwinglich, und, wenn überhaupt, müssen sich auch Gutverdienende mit Wohnungen in Schuhkartongröße begnügen. Deswegen geben Japaner in den Großstädten sehr viel Geld für Lifestyle aus.

  92. "Angebissene Currywurst"? Die...
    „Angebissene Currywurst“? Die klassische Currywurst kann gar nicht angebissen sein, verehrter Don Alphonso, denn diese Wurst wird kleingeschnitten dargereicht. Auch am Tegernsee

  93. Ich kann nur der Oberschicht...
    Ich kann nur der Oberschicht nacheifern, von der ich eine Kenntnis habe; die
    Unterschichten eifern doch sowas von nach!

  94. Don, ja, die Berge, aber die...
    Don, ja, die Berge, aber die von Andorra, da liegt das Gold besser.

  95. Ja, das Einkommen ist's...
    Ja, das Einkommen ist’s wirklich nicht, was unsichtbar trennt. Sondern das Wörtchen Kampfsau, das Airbrush, der CSU-Aufkleber, der All-Inclusive-Urlaub, das Ullstein-Taschenbuch von der Bestsellerliste, die Tiefkühlpizza, der Barthhumor, der Lodenmantel. In meinem Dörfchen in Riechweite vom Tegernsee haben die Großbauern das Vermögen (Hektar, Häuser, Höfe) und aus ihrer Sicht ist der Rest Prekariat – aber Fendt und Strenesse gehen dennoch selten zusammen. Was das eine oder andere nicht auf- oder abwerten soll. Es ist einfach so. Man kennt sich, grüßt sich, sitzt beim Maibaumfest auch mal bei einander oder in der Küche, aber zu mehr reicht es nicht. Berufe wie der Ihrige – werter Herr D.A. – haben da zumindest den Vorteil, immer wieder über den Tellerrand geschubst zu werden, genau wie Krankenpfleger oder Handwerker beispielsweise.

  96. Unsere ruhmreiche...
    Unsere ruhmreiche Reichshauptstadt Berlin, einstmals einer der größten Horte an Oberschicht (Crème de la crème), sieht sich hier im Blog immer wieder den widerwärtigsten Rufschädigungen von gewisser Seite ausgesetzt. Um der Aufklärung willen darf nachstehender Link und deren Unterlinks als ein Beitrag gelten, die Reputation dieser so geschundenen Stadt wieder aufzupolieren helfen.
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/Reichshauptstadt_Berlin

  97. Das sind Schnitte? Ich dachte,...
    Das sind Schnitte? Ich dachte, da ist jemand und beisst das vor.,

  98. @Grand Guignol: Wollten Sie...
    @Grand Guignol: Wollten Sie statt „Horte“ nicht „Horde“ schreiben? Der Freudschen Fehlleistung wird aber nachgesehen…
    .
    @nico: Auch in München lebt sich die Schnöselschicht langsam auf Schuhkartongröße ein. Dem Vernehmen nach bietet mittlerweile der geleaste oder dienstgegebene Pfefferporsche mehr Raum als so manche Wohnung in der Bajuwaren-Metropole.
    .
    @D.A.: Tatsächlich, die Currywurst ist eine Delikatesse. Dann kommt sie aber nicht aus Berlin, sondern aus dem traditionellen Wurstland Westfalen. Dass Westfalen die Wurst gewissermaßen erfunden hat, lässt sich Reiseberichten aus dem 18. Jahrhundert entnehmen. Darin apostrophierten die Autoren den Landstrich vom Teutoburger Wald bis ins Münsterland als Schweine-und-Wurstort. Nunja; wie’s gemeint war mit diesem Siegel, ist nicht mehr zweifelsohne ermittelbar…

  99. War das ein Vortrag über...
    War das ein Vortrag über Kultur?
    .
    Fuck! Das war gar nichts. Pardon.
    .
    Aber es wird ja wieder besser, spätestens beim nächsten Beitrag, wenn nicht schon hier in den Kommentaren. Und anders als beschrieben, gibt es zwischen verschiedenen Schichten kulturelle Schnittmengen – und das nicht zu knapp.
    .
    Nicht allzu weit voneinander entfernt ist beispielsweise der reiche Erbe mit Mitte 40, der so mittelprächtig einen mittelständischen Betrieb leitet, genauer gesagt, leiten lässt, und beispielsweise ein testosteron- und frustgesättigter Mittezwanziger mit dunkler Hautfarbe und beeinflusst von us-amerikansicher Gansta-„Kultur“, zum Beispiel, während sie sich im eigenen Kreise die Vorurteile ausbreiten, auf die sie noch stolz sind.
    .
    Der melierte Erbe hört, dass ebenjener Mittzwanziger mit einer Auszubildenden des Betriebes anbandelt und sein erstes Stichwort lautet, wohlig gegurrt im abendlichen Kreise, bei feiner Sitte Speisen verzehrend: „Arbeitslager!“ Genau dorthin gehören solche Menschen. Das schiefe, gleichwohl selbstzufriedene Lächeln gleicht genau dem Lächeln des Mittzwanzigers, wenn er sich über den melierten Mittevierzignichtskönner äußert, der seine Angebetete trietzen lässt, weil diese – nun – mit ihm eben anbandelt. „Arbeitslager“, wie nützlich das doch sei in solchen Fällen.
    .
    Hier jetzt von etwas anderem als einer sich eben doch sehr gleichenden Kultur auszugehen, hielte ich für verfehlt.
    ;-)
    Grüße
    John Dean

  100. @ Landlord

    Sie überschätzen...
    @ Landlord
    Sie überschätzen die Bedeutung der Castingshows, denke ich. Früher wollten die Schulmädchen verblüffend häufig Flugbegleiterinnen werden, in völliger Verkennung der Arbeitsbedingungen und Verdienstperspektiven. Merkwürdige Schwärmereien gab es zu jeder Zeit. Und was es ebenfalls zu jeder Zeit gab, das war ein merkwürdiger Blick auf „die“ Unterschicht, die man sich heutzutage allzu oft so vorstellt, wie sie mittels „scriptet reality“ gezeichnet wird.
    .
    Mit der Welt als solcher hat all dies eher nur am Rande zu tun.

  101. Bin erstaunt, dass kaum...
    Bin erstaunt, dass kaum Kommentare zu DAs zusammenfassender Bemerkung kommen: „Dass niemand hier auch nur den Versuch macht, eine wie auch immer geartete kulturelle Hegemonie zu erringen, zeigt recht schön, wo wir angekommen sind: Klasse definiert sich dann über Geld, mit dessen Erringung man genug zu tun hat. “
    Dabei scheint mir das die wichtigste, aber auch traurigste, Aussage in diesem blog zu sein: Kultur (egal welche) verkommt zum Beiwerk und die Reaktion drauf bei vielen ist: so what?
    Vielleicht so wenig Kommentare dazu, weil das dann nicht mehr so einfach im leichten Plauderton ginge?

  102. derast, jüngst hat jemand...
    derast, jüngst hat jemand beklagt, es ginge viel zu oft um die Frage, insofern: Ich weiss es auch nicht. Ich bin ein wenig bildungsskeptisch, denn einerseits honoriert das keiner und andererseits zieht Bildung immer eine gewisse Form von Extremisten an, die den Spass kaputt machen. Daher der Plauderton. Und ich sehe auch kein Problem darin, wenn die Veränderungen einen gewissen Druck ausüben. Gerade im Bereich der Kultur, die sich mehr Mühe geben muss.

  103. @muscat
    kennen sie dessen...

    @muscat
    kennen sie dessen kollegen, name beginnt auch mit s, der jetzt bei einer großen englischsprachigen bank angeheuert hat. wie ich den das erste mal erlebt habe, welch ein auftritt: filmreif; ich wäre beinahe – wenn nicht blasphemie – auf die knie gefallen.
    muss aber sagen, dass eine sehr große bank mit einer zahl im namen in wien dieses „family office“ in bad homburg empfiehlt (für ausgewählte klienten); offensichtlich sind manche professionelle marktteilnehmer wirklich beeindruck, von dem, was die machen…
    aber ich sehe, wir sind wenn nicht über die db doch darüber gleicher meinung.
    btw: haben sie den kurs der commerzbankaktie gesehen?

  104. Es sind keine kulturell...
    Es sind keine kulturell homogenen Blöcke oder Milieus. Eher Fleckenteppich. Der Tegernsee ist nur ein kleiner Ausschnitt. Der verarmte Adel etwa wohnt nicht am Tegernsee. Manchmal eher im Reihenhaus. Der Warhol oder Gerhard Richter kostet viel mehr als das Barockportrait, und wird von ganz Anderen gekauft. Die Boheme war immer ein exterritoriales Gebiet und ein Mischmasch aus genial/verkrachter Unter-, Mittel-, Oberschicht (heute gibt es sie so kaum noch, entgegen den Gerüchten, auch nicht in Berlin, dort gibt es nur viel Mediendesign und Selbststilisierung). In den Bibliotheken dieser „Oberschicht“ stehen oft Bücher, die nie mehr gelesen werden, bei den Konzerten schlafen sie fast ein. Nur der Anschein des Dazugehörens zählt da noch, und das gemütliche Gefühl der Gewohnheit. Daher auch die Abscheu vor „Neuem“.
    .
    Manche haben sich dieser Art Kultur auch trotzig emanzipiert, hören nun die Stones, Eric Clapton, oder gar Lady Gaga, nur eben auf einer sehr teuren Anlage in einem sehr großen Wohnzimmer. Wers ernst meint mit der Kultur, kommt nicht daran vorbei, das Bestehende zu schmähen. Aber nicht, um das gestern hochzuhalten, sondern um ein besseres morgen zu denken. Das ist der einzige Sinn von Kultur. Denn wohlfühlen kann man sich auch mit Steak und Bier, auf Schusters Rappen in den Bergen, bei einem Buch, oder in der (richtigen) Disco. Nett plaudern kostet auch nichts, aber es ist eben auch nicht gleich Kultur, nur weil man sich gut ausdrücken kann.
    .
    Als die klügere oder modernere Hälfte des Adels um die Jahrhundertwende bis 1918 verstand, dass es nun wohl vorbei war, als man nach 1945 versuchte, zur Abwechslung mal ein integratives und nivellierendes Gesellschaftsmodell zu bauen, auch unter dem Druck des „Ostblocks“, als in den 70ern Bildung und Aufstieg für Alle ermöglicht wurden, das waren vielleicht noch einmal letzte Sternstunden eines denkenden Bürgertums. Die 90er und 2000er dann mit ihren Erben und Finanzmarktbonzos und dem Neoliberalismus und all den Retrokonservativen haben all dem bewusst und sehenden Auges ein Ende gemacht, und gemeint, es käme doch vielleicht günstiger, einfach den Wettbewerb zu entfesseln, und um die Gated Community eben höhere Mauern zu ziehen. Wo es ihresgleichen auf anderen Kontinenten doch auch so taten. Man wollte ja international mithalten können. „Gleichmacherei“ kann man da nicht gebrauchen.
    .
    Aber trotz aller Versuche und Appelle ließen sich die dazu notwendige Bescheidenheit, Gottesfurcht und Hinnehmen des Ständestaats in der Bevölkerung nicht mehr reinstallieren. Stattdessen dort nun diffuses Aufbegehren, mit dem aber auch Linke nicht recht glücklich werden, Seitwärtsbewegungen. Letztlich liegts wohl alles daran, dass das Bürgertum seine ganzen Klassiker und Philosophen gar nicht mehr wirklich las/liest, sondern nur Geschäftsberichte oder Börsenprognosen oder Blogs der Faz. Sonst wären sie wohl nicht auf die Idee gekommen, das alles mal eben über Bord zu werfen, sich stattdessen Schmalspur“philosophen“ wie Hayek, Mises, Smith geistig an den Hals zu werfen, und ansonsten jeden alten Kulturglanz materialistisch-eifersüchtig nur für sich selbst zu hüten, in den Tresor zu sperren, besitzen, aufbewahren („conservare“) zu wollen. Wozu? Was sie übersahen: Kultur hört, so behandelt, auf, welche zu sein, wird zur Antiquität, zum Sammlerstück. Der Gesellschaft hat sie nix mehr zu sagen.

  105. Na das wird bestimmt lustig,...
    Na das wird bestimmt lustig, wenn die Kultur die Ärmel hochkrempelt und sich mehr Mühe gibt!
    Eine Freundin von mir lebt im Tessin, ist sogar dort geboren, die bedauert auch immer die armen Schweine, die mit dem Tegernsee, dem Starnberger See oder gar dem Wannsee vorlieb nehmen müssen.
    Mein Bruder wiederum lebt in Oregon, für den sind Tegernsee oder Neukölln Jacke wie Hose, beides sind für ihn Unorte, in denen er um nichts in der Welt leben möchte.
    Man findet sich oft schneller auf der falschen Seite der Barrikade wieder, als einem lieb ist!

  106. Der Ruß lässt sich nicht...
    Der Ruß lässt sich nicht aufhalten
    .
    @Derast: Auch wenn man den Begriff eigentlich ablehnt, so wie ich: doch wir sind in der Postmoderne. Nur in der Moderne war eine gewisse Bedeutung in die „Wahrheit“ eingeschrieben, würde jetzt Zizek sagen. Was wir aber gerade erleben, ist wie Bedeutung sich von der Wahrheit trennt. Eine Lücke sich offenbart, zwischen dem was (einfach) „ist“ (zu sein scheint) und dem was das für uns „bedeutet“/bedeuten könnte.
    .
    Im Übrigen: Mit Ausnahme vom „Kapital“ ist auch der Marxismus noch innerhalb dieses Bedeutungshorizonts gefangen. Was ihn für viele heute so unverdaulich macht. Und wohl einer der Gründe, warum „Das Kapital“ von Marx den Marxismus zu überleben scheint. Darin liegt allerdings eine Bedeutung – keine Wahrheit. Denn „Das Kapital“ ist ohne den Marxismus nichts wert (wie natürlich auch umgekehrt).
    .
    Die Bedeutung könnte lauten: Es ist der geradezu als Plauderton (wenn auch in akademischem Gewand) daherkommende Stil, insbesondere im 1. Band ((wo der Prozess von der Ware bis zur Akkumulation des Kapitals in einem geradezu lakonischen (Arbeits-)Stil beschrieben wird)), der den Leuten das Gefühl lässt, dass sie „Das Kapital“ lesen und wieder weglegen, ohne dass sie dabei eine Verwandlung erfahren hätten.
    .
    Ich glaube das in Dons „Plaudertaktik“ wieder zu finden. Bei Kuchen oder einer Tasse Tee lässt sich Bedeutendes oder auch weniger Bedeutendes abladen, ohne irgendjemand zu irgendwelchen „Wahrheiten“ verpflichtet zu haben.
    .
    Zu diesem Thema: Mir ist das natürlich auch aufgefallen, was da für eine Aussage drin ist. Aber eben weil ich diesen konservativen Seufzer zu oft höre, bin ich vielleicht schon etwas abgestumpft und denke mir, der eine oder andere wird’s doch bald endlich begreifen, nämlich, dass das (aggressive) Streben nach kultureller Hegemonie einer überlebten Form des Klassenkampfes entspricht. Die kulturelle Hegemonie des Kapitals äußert sich heute in der Evidenz des Marktidioten. Das ist einfach zu bewerkstelligen und hält das Kapital am Laufen – auch und gerade dort, wo es sich eigentlich schon im Stocken befindet. Die aktuelle (Dauer-)Krise zum Beleg.
    .
    Wer das im Übrigen als Kulturverfall bedauert ( – „Die Bourgeoisie verliert ihre Macht“ – oder so ähnliches, denn auch der Don sagt es: früher orientierte man sich an der Kultur der Herrschenden), erkennt nicht, wie viel wichtigeres stattfindet: die Identität der Klassen, will heißen: der Zusammenhalt der Gesellschaft geht definitiv in die Brüche. Und zwar auf ganz bestimmte Weise. Die Antagonismen verselbständigen sich. Und darin äußert sich ja gerade die Krise des Kapitals – wie aber auch die Krise des Proletariats. Der Machtverfall der Bourgeoisie, wenn er denn eine Wahrheit ist, ginge einher mit dem Bedeutungsverlust eines Proletariats. Eine bittere Wahrheit, vielleicht gerade für den Marxisten, wie mich. Doch wäre ich ein schlechter Marxist, wollte ich diese Wahrheit (die den Dialektiker ja nicht überraschen sollte) einer falschen Bedeutung unterordnen. Die Gegenwart einer überholten Geschichte. Ich muss die Asymmetrie des Klassenkampfgeschehens, welches sich ja hierbei wiederum geradezu symmetrisch vorstellt (Wahrheit und Bedeutung gehen wieder zusammen, doch auf die zwei Klassen verteilt), akzeptieren. Die Zunahme von Idioten ringsum, ist dennoch hierbei nur ein (dennoch unvermeidliches) Nebenprodukt. Denn so findet Gesellschaft nun mal statt. So bereiten sich evtl. auch Revolutionen vor. Und eben nicht anders. Verblöden ist unter Umständen gerade d i e Bedingung, ohne die ein Aufschwung in der Bildung unmöglich ist. Wenn auch ganz sicher nicht im linearen Sinne. Kulturverfall wäre das unhintergehbare Pendant zu einer völlig neuen Hochkultur.
    .
    Ich kann daher auch der Randale in England und/oder dem Autosabfackeln in Berlin und anderswo (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1766) keine falsche Larmoyanz entgegen halten. Es ist wie es ist. So zerfallen Gesellschaften. Wer sich das anders denkt, glaubt wohl, dass die Bourgeoise, während von unten her Feuer an sie gelegt wird, ganz oben sie weiterhin im Hochglanz erscheint. Der Ruß lässt sich nicht aufhalten.

  107. @bertholdIV: Ob ich den kenne?...
    @bertholdIV: Ob ich den kenne? Dem Namen nach, sicher. Das reicht auch, denke ich, um sich von so Leuten fernhalten zu können.
    Sein Wechsel zu B. war finanziell sicherlich lohnend. Ja, und sonst – hört man da nicht mehr viel.
    .
    Was interessiert mich der Kurs der CoBa… Haben Sie den Kurs der DB gesehen?
    ;-)

  108. @ John Dean: So manche...
    @ John Dean: So manche Flugbegleiterin hat es doch in die primetime gebracht. Wie sagen doch die Schlitzaugen. LLusthansa

  109. Wenn ich nun Bibliotheken und...
    Wenn ich nun Bibliotheken und Kunstammlungen erbe – jemand erbt das ja –
    ob ich damit froh werde -; Gold auch Geld zum anfassen – wäre mir lieber.

  110. Ephemeride@: Nein, nein so...
    Ephemeride@: Nein, nein so einfach ist das nicht mit Ihrem, als postulierter F.´scher Versprecher getarnter, Angriff auf die Berliner Oberschicht. Differenzierung nach Zeit, somit Stratifikationsalter täte ihrem Einwurf not. Gewiß, ein Gag ist das schon, die Gegenüberstellung/Transformation von Hort und Horde. Dazu fällt mir glatt wieder Elias Cannetti ein.
    ..
    Was Currywürste anbelangt: Wie gut, dass weder bei Würsten wie auch bei Gesetzen, Viele nicht wissen, welche genaueren Voraussetzungen und Inhalte ihre Fabrikation bestimmten.
    ..
    homunculus@: Gesamtschulen sind deshalb für die Bildung einer neuen geistigen Oberschicht unbedingt notwendig, nieder mit dem Gymnasium alter Prägung: asinus ad lyram. Gell.3,16 (Er passt wie der Esel zum Lautenschlagen)

  111. Devin08@:
    ...."Verblöden ist...

    Devin08@:
    ….“Verblöden ist unter Umständen gerade d i e Bedingung, ohne die ein Aufschwung in der Bildung unmöglich ist.“
    Sofern Sie KM wegliessen, könnte man Ihrer Analyse in etwa zustimmen. S. mein Hinweis zur Gesamtschule und ihre Nowendigkeit.

  112. vereherter Don,
    vergnügt...

    vereherter Don,
    vergnügt gelesen, dankeschön!
    lieber homunculus,
    ja, ich denke Sie sehen das ganz richtig.

  113. Bester DA, sehr interessant...
    Bester DA, sehr interessant Ihr Vorspann mit der Frau Allensbacherin. Nichts lag Ihr damals ferner als das Plauschstündlein mit IHM im Teehaus vorzeitig zu verlassen. Merkwürdig auch dieses Sammelsurium der Anfänge der Bonner Republik mit seiner Durchmischung von Davongekommenen und Mitläufern. Sogar Papa Heuss schrieb vor 45 für das Glanzpapierchen „Das Reich“ unter der Ägide von SS und dem Hinkefuß.

  114. @Devin08
    Das scheint mir...

    @Devin08
    Das scheint mir wieder mal ein Übermaß an apodiktischer Predigt.
    Unangenehm und vernagelt.
    Soviel als gesichert dargestelltes, aber letzlich nicht belastbares Wissen
    möchte ich mir nicht anmaßen wollen.
    Klammheimlich rechtfertigendes grinst da aus der Schilderung von Flammen und Ruß.

  115. Devin08@: Fundsache als...
    Devin08@: Fundsache als Ergänzung oder Wo bleibt bei Ihnen die Kybernetische Welt in die wir hineingeschlittert sind (Stalin ließ Kybernetik ausdrücklich in seinem Reich nicht lehren):
    Wissenschaftshistoriker George Dyson: „Sind der Preis für Maschinen, die denken, Menschen, die es nicht mehr tun?“

  116. @muscat
    es ging nicht um die...

    @muscat
    es ging nicht um die person, sondern um seinen auftritt und wieso sich ein familyoffice solche auftritte erlaubt. erinnert mich ein bisschen – gleiche nationalität – an den ceo eines sehr großen unternehmens mit sitz in münchen. da ich ja auch aus der landwirtschafts komme, so treten halt s. letzterer die großen bauernsöhne auf.
    das mit der coba hatte eine conotation mit dem familyoffice in bad homburg, aber als poltisches spekulationsobjekt halte ich die coba für interessant. m.e. kann die nicht kaputt gehen, denn sonst wäre der ceo in der schusslinie. die fusion mit der dreba hatte ja wirtschaftlich keinen sinn, sondern war nur als möglichkeit der allianz eine bad bank zu generieren sinnvoll; insofern wird die dame aus der uckermarck schon den bundestag überreden, da geld nachzuschießen.., der ceo der coba kommt ja aus gutem haus

  117. @muscat
    nachtrag: das könnte...

    @muscat
    nachtrag: das könnte eienn einstieg wieder lohnen so langsam:
    http://www.fazfinance.net/Aktien/ALLIANZ-SE-VNA-O.N/DE0008404005/Xetra/Wertpapier.html

  118. Der Fixpunkt
    .
    @Grand Guignol:...

    Der Fixpunkt
    .
    @Grand Guignol: „Sofern Sie KM wegließen…“ Danke, und ich nehme an, Sie meinen Karl Marx?! Doch wie sollte das gehen? Den „Wahrheitsgehalt“ (m)einer Aussage könnten Sie theoretisch auch ohne Marx anerkennen, wie Sie es ja auch tun – „könnte man zustimmen“. Doch ohne Karl Marx können Sie die Bedeutung meiner „Wahrheit“ gar nicht werten. Karl Marx liegt all meinen Aussagen zu Grunde. Ohne diesen wären sie alle unsinnig – bedeutungslos. Ja geradezu ohne Bindung an irgendein Koordinatensystem. Im freien Fall begriffen.
    .
    Soweit geht mein Angebot an die Postmoderne allerdings nicht. Daher müssen/sollten Sie sich damit abfinden. Es sollte Ihnen im Übrigen genügen, dass ich ein sehr reflektiertes/reflektierendes Verhältnis zu Karl Marx (dem darin auch entäußerten Objekt meines Denkens) habe. Wie Sie sich ja überzeugen können. Dennoch: eine Alternative sehe ich nicht. Im Übrigen zwinge ich Sie zu nichts. Nicht zur Übernahme meiner „Wahrheiten“ und auch nicht zur Wertung der Bedeutung all dessen. Nur zu einem sind Sie unweigerlich gezwungen: Wollen Sie den Faden im Gespräch mit mir (oder einem Anderen, der Ihnen nicht zustimmt) aufrecht erhalten, können Sie das Muster, das das bisherige Gespräch geschaffen hat nicht einem zukünftigen gegenhalten. Denn auch wenn es stimmt, dass die Wahrheit und die Bedeutung auseinanderdriften, muss diesem „Driften“ immer wieder Paroli geboten werden. Sonst ginge unser aller geistiges Universum in die Brüche.
    .
    Auch in der Welt der reinen Intersubjektivität, wie sie sich Husserl vorstellt (also der frei von jeder theoretischen Vor-urteilung) gibt es einen fixen Punkt, wenn auch dieser nicht mehr außerhalb der Subjekte (also in irgendeinem entäußerten Objekt – einem Theoriegebäude zum Beispiel) anzusiedeln wäre, sondern eben innerhalb derselbigen. Der Bezugspunkt ist das gegenseitige Akzeptieren der Unterschiedlichkeit. Nicht mal mehr so sehr die gegenseitige Akzeptanz/oder eben auch Ablehnung der unterschiedlichen Lebens- und Denkentwürfe/Klassenzugehörigkeit. Denn auch diese Ablehnung ist Ausdruck einer Vor-urteilung – Beleg für eine all zu wirkmächtigen eigenen „Theorie“. Die das intersubjektive freie Spiel behinderten.
    .
    Man könnte es auch so sagen: je weniger dogmatisch hier mein Marxismus in Frage gestellt wird, desto weniger dogmatisch wird er sein.
    Oder klassisch ausgedrückt: Ich kann ohne all das hier leben, auch ohne Ihre „Anerkennung“ – auch wenn ich diese natürlich schätze. Doch ohne meinen Fixpunkt in meinem Denken nicht.
    Sie werden sich darin wieder erkennen. Wenn auch möglicherweise in ganz anderen Kontexten.

  119. bertholdIV, "m.e. kann die...
    bertholdIV, „m.e. kann die nicht kaputt gehen, denn sonst wäre der ceo in der schusslinie.“ Hi hi hi, he he he…
    Zerbrechen wir uns darüber mal nicht den Kopf, das tun schon genug überbezahlte Anal-ysten.
    .
    Bei 50 Cent vielleicht (für alle Aktien, versteht sich).

  120. Liebe Ephemeride,
    Westfalen...

    Liebe Ephemeride,
    Westfalen hat nicht „die Wurst“ erfunden. Auch das 18. Jahrhundert dürfte dazu bemerkenswert spät sein, egal wer’s genau erfunden hat.
    .
    Da waren andere Landstriche schneller, z. B. die Nürnberger.
    Mit ihrer Bratwurst.
    Bereits 1497 ist die erste Verordnung über Größe, Füllung und Preis dieser Würste verabschiedet worden. Das war ein Dokument drüber. Die Wurst selbst gab es nochmal länger.
    .
    Was nicht heißen soll, dass nicht Sachsen oder Thüringer noch früher als irgendwelche Nürnberger irgendwelche Würste erfanden.
    Nur: 18. Jahrhundert, das haut nicht hin. Nicht einmal bei den Westfalen. Die waren sicher auch … etwas … schneller.

  121. @ Wurschd: Ich glaube selbst...
    @ Wurschd: Ich glaube selbst die Nürnberger sind etwa 2000 Jahre zu spät dran, Bratwürste werden schon in der Odyssee beschrieben :)

  122. @all: Kultur, Kultur... wer...
    @all: Kultur, Kultur… wer nicht mal eben, wie der Don, mit runderneuerter Barchetta nach Meran zum Shoppen brausen kann, dem sei empfohlen: Ein Traum von einem Krawatten-Laden!!! Und das mitten in München, in der Maxburgstr. 4 – parallel zur Kaufinger – im Innenhof. Elisabeth Hoff hält dort eine sensationelle Auswahl und unglaublichen Service bereit. Alles jenseits des üblichen Eisdielen-Farben-Einheits-Gestreifes bei den üblichen Verdächtigen der Modeindustrie. Großartig!
    http://maps.google.de/maps/place?hl=de&prmdo=1&prmd=ivnsm&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&biw=1366&bih=685&um=1&ie=UTF-8&q=krawatten+hoff+%2B+herrenausstatter+m%C3%BCnchen&fb=1&gl=de&hq=krawatten+hoff+%2B+herrenausstatter&hnear=0x479e75f9a38c5fd9:0x10cb84a7db1987d,M%C3%BCnchen&cid=4998317826880465632

  123. Er hat ja so Recht. Und zu...
    Er hat ja so Recht. Und zu konstatieren, dass auch seine Westviertel eine Generation weiter eher Zuckerberg nacheifern werden, in dem sie demonstrativ auch „Adiletten“ tragen würden, wäre zu einfach.
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    Wobei es aber evtl. heute schon so sein könnte, das man evtl. einmal probehalber (man glaubt es nicht wirklich, aber) so rumlaufen würde: „Wir haben zwar keinen solchen Milliardenwert an Aktienvermögen wie der („und wollen wir auch gar nicht wirklich haben“) (und dank Bill G. auch 500 Mio in bar-cool politische Aktion das gewesen: „Nun must Du Dir wirklich nie wieder Sorgen machen Junge!“, aber unser geschrumpftes Privatvermögen ist dafür fest in Haftung genommen für die Milliardenschulden unseres Staates.“ Und deswegen Solidarität. Denn auch die muss man sich erst einmal wirklich leisten können.
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    „Adiletten als junges Westviertelstatement“ irgendwann einmal also – das wärs noch, wir sehen es kommen: „Ich bin eh Weltbürger so wie der – und Deutschland ist mir eigentlich doch vollkommen schnuppe, ich tu nur öffentlich zu meinem Vorteil bloß anders“.
    Wobei wir natürlich wissen, was von so dummen Ideen zu halten ist, wie man davon denkt, denken muss. Aber für ganz ausgeschlossen würden wir es eben doch nicht halten:
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    Immerhin zur weiteren Westviertel-unter-einander-Differenzierung würden sie taugen, die Adiletten (*g*)(oder änliches demnächst), die wirklich eher großen Vermögen von den nur mittleren zu differenzieren.
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    Und natürlich immer beste Manieren, egal wie.
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    (Es ist wohl eher ein wenig wie mit den nachlassenden/sich verändernden Manieren auf dem Zauberberg: Man gewöhnt sich dran. Man muss „die Aidiletten zum Vermögen“ nur stolz tragen – und überall: Ich bin die Norm. (Aber so ist eben Westviertel eher auch nicht: *g* – „wir zusammen sinds halt“; „bloß Einzelne eher nicht“, lächel)).
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    „Aber wir alle sind ja letzten Endes heutzutage nur noch Herrenreiter“, hat allerdings noch keiner gesagt – und dies auch nicht gemeint.
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    Und wenn man die soziale Einheitengleichung – höchst ketzerischer Weise – denkerisch erlaubt zwar, aber sprachöffentlich nicht in Westvierteln vorkommend – trotzdem einmal „herumdrehen“ wollte, dann würde man was sehen? Evtl. solches? Die DDR-Erfahrung mit „society on the decline“ hätte gezeigt:

    Zuerst geht der intelligente Mann,
    Dann die ebensolche Frau, (ok, es gibt keine anderen, wir wissen, und zwar dankbar)
    Dann die weniger privilegierte Frau;
    Und der unterpriv. Mann geht nie, er bleibt.
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    Und wäre dann zur Zeit auch genau dies in unseren so sehr abnehmenden Westvierteln zu beobachten? Sprechen wir es doch ruhig aus: Wer dabliebe – und nur da, wäre der dann eigentlich der evtl. nur relativ Mindere?
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    Wie auch immer, es scheint so zu sein: “ Heute werden doch überall bald nur noch Dumme gesucht, die helfen sollen, die Elendsbasis zu verbreitern.“
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    Und wir sagen: Ist erst mal das Geld weg, bleibt den meisten Westvierteln immerhin doch eine stark nachschaffende Erkenntnis.
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    Und Neu-Schwanstein drängt sich vor: Zum Glück steht wohl inzwischen ganz sicher fest, das ist kein disfunktionales Mädchenschloss. Und auch zukünftige Forschungen werden das eher nicht ändern. Noch etwas, wofür Bayern dankbar ist.
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    Und Preussen: Friedrich der Zweite, genannt „Der Große“, hatte keinen Geheimdienst. So was hielt er für Unfug. Wir wissen heute warum. Und möglicherweise auch zu Recht.
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    Und wir sollen uns gerade in dieser Zeit immer daran erinnern, wie sehr eben gerade auch die Nicht-Westviertel bedürtig sind: a. auch etwas sicher zu wissen, und b. auch keine Angst haben zu brauchen.
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    Und: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“ – wahrscheinlich der erste und einzige Preußenspruch, den die Bayern als ihr schon immer ureigenstes Eigentum empfanden.
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    Und die Finanzmärkte einmal mehr mit dem Zbg. betrachtet? „Eigentlich noch noch eine ganz fidele Sache das, so von außen betrachtet, schließlich werden erst ganz dem beschleunigten Ende zu, kurz vor Toresschluß eben, die meisten Milliarden bauchig weggekneipt“. Fidele Sache halt.
    .
    Und wir gedenken der Zukunft, einer möglichen: Was wohl wäre, wenn Frankreich einen Kandidaten hätte, einen mit einem Plan? Und der so aussähe: Zuerst erwerbe ich mir eine doppelte Staatsbürgerschaft, a. französisch (die hab‘ ich ja schon), und dann b. auch die Deutsche. Und dann werde ich franz. Staatspräsident. Einfach so, das geht ja leicht, den ich und nur ich bin der Richtige. Und weil das so ist, werde ich leicht gewählt, kostet mich kaum Anstrengung, geschieht es so. Und so ca. zwei Jahre später, kurz vor der Bundestagswahl in Deutschland, werfe ich überraschend auch dort meinen Hut in den Ring – und setzte mich dort dito durch. Und da ich für gewöhnlich gut delegieren kann ist das alles auch kein Problem. Und viele Probleme treten ja sowieso überall fast so ähnlich auf. Da spart man sich und beiden Staaten schon jede Menge Doppelarbeit: Ob das so ginge? Wahrscheinlich ja, zumindest so herum: Wir Deutschen könnten uns – von heute in die Zukunft empfunden – von einem de Gaulle evtl. gewinnen lassen. Auch von daher müssen unsere zukünftigen gemeinsamen europäischen Anstrengungen vor allem in eine Richtung laufen: Das nämliches in 20 oder 30 Jahren vielleicht sogar auch anders herum möglich wäre: Die Dinge werden nicht bleiben wie sie sind. („GSCI: German Strategic Change Initiatives“ – aber da hätte man wirklich viel zu tun.)

  124. Die Bratwurst hat der Hoeneß...
    Die Bratwurst hat der Hoeneß erfunden. In Berlin hat man nur den Curry-Ketchup oder wie diese Pampe heißt, drüber gekippt. Deswegen allein ist der Schröder nach Berlin. Currywurst und Cohiba.

  125. Wobei wir Deutschen...
    Wobei wir Deutschen wahrscheinlich sehr schnell, entschlossen und stark handeln würden: „Grundgesetzänderung!“ – „Inhaber der deutschen Staatsbürgerschaft können nur Deutscher Bundeskanzler werden, wenn sie nicht gleichzeitig auch in anderen Staaten dieselbe Funktion innehaben.“ (Auch darin, so täten wir einmal mehr annehmen wollen, wären wir den Franzosen natürlich voraus. Die würden womöglich – schwacher Weise nicht wahr – länger brauchen für die nämliche Änderung bei sich, oder nicht?)
    .
    Und auch wir plaudern selbstverständlich bloß, brauchen kein Internet. („Haben“ wollen wir es aber schon – und das mit dem „brauchen“ ist teils auch bloß so eine Generationenfrage, die sich noch weiter ändern wird, viele Alte sind nun mal alt. Unsere Kinder z. B. denken da sowieso überhaupt nicht mehr drüber nach, wie und warum auch? Genausowenig wie über „Klettverschluss statt Knopfloch“, *g*)
    .
    Und Grüße. Heute besonders auch nach Finnland.
    .
    (Wann sind nochmal Bundestagswahlen? In zwei, in sechs und in zehn Jahren? Und wird wieder einmal wie im Fluge herumgehen die Zeit, wir fühlen es jetzt schon.)

  126. Erinnert man eigentlich den...
    Erinnert man eigentlich den folgenden Blog vom 1.11.1941? http://www.youtube.com/watch?v=25YNc5bX7xY

  127. "Bratwürste werden schon in...
    „Bratwürste werden schon in der Odyssee beschrieben :)“
    .
    Gibts wahrscheinlich als Versteinerung in Grabbeilagen der Ägptischen Pharaonen.
    Wurde vermutlich seit dem Pleistozän gewurschtelt und übers Feuer gehalten.
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:2008-08_archeon_steinzeithaus.JPG&filetimestamp=20080813191700

  128. @Ephemeride:
    "Die letzte...

    @Ephemeride:
    „Die letzte richtige Erfahrung, mit dem Malocher und dem Abiturientenschnösel und dem ungeratenen Exadelsspross aus Marineattaché-Familie buchstäblich Koje und Teller zu teilen, war bei der Marine. “
    Weshalb die de facto Abschaffung der Wehrpflicht (Verweigerung per Postkarte) Anfang der neunziger zur beschleunigten Entmischung der Gesellschaft deutlich mehr getan hat, als Niedriglöhne je erreichen werden …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  129. @schrödingers katze
    "Warum...

    @schrödingers katze
    „Warum ist die „oberschicht“ so offensichtlich nicht in der lage ,als vorbild zu wirken“
    Aus drei gaaaanz einfachen Gründen:
    1) Für die Medien ist die Unterschicht bzw. Proletenbenehmen einfach weit interessanter. Man erreicht damit mehr Kunden als mit Berichten über die chinesische Lackmalerei.
    2) Die deutsche Oberschicht seit 1848 hat in Deutschland im Zweifel zwar Stil, aber keine Haltung. Ihr Vorläufer hatte eine – und sei es als nichterreichbares Ideal.
    3) Sie hatte im Zweiten Weltkrieg und den Jahren zuvor so furchtbar versagt, dass sie als Vorbild nicht mehr glaubwürdig war. Kollektiv, flächendeckend und fast ausnahmslos.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  130. @dasiderius: oha, wir sind...
    @dasiderius: oha, wir sind vermutlich ähnlichen alters, und ich gucke – auf alte brd geprägt – auch öfter recht irritiert in die welt. frustrationsgefühle vrklemm ich mir um der restgesundheit willen – allein gegen die gesellschaft und ihre entwicklungen ist doch griechischer steinemporwälzer in potenz.
    @don alphonso: bourdieu beschreibt es für frankreich, daß in segmenten der mittleren lagen nach oben geschielt und nachgeeifert wird. nehmen sie nur die kunst, die mich jedesmal bereuen läßt, keinen eigenen fernseher zum genüßlichen atomisieren zu haben, wenn man wieder in büros und amtsstuben vor „kunst“ posiert bzw. was davon eben zugängig ist. ob die alle ullrich als einrichtungsratgeber gelesen haben?
    was das parallelgesellschaftliche angeht und das beklagte auseinanderleben bis zur gegenseitigen unverständlichkeit, so frage ich mich hierzu schon länger, ob schelskys analyse der nachkriegsgesellschaft nicht mehr wunschdenken war – in den köpfen vieler ist sie, vielleicht auch dank nicht nur räumlich segregiertem leben, eben präsent. gut, bei sowi-studis vermute ich denn auch beklagen eigenen (absehbaren) schicksals, zumindest mit blick auf meine kommilitonInnen an einer kohlenpott-uni, wo man doch sehr der nabelschau anhing, möglicherweise auch alters- und identitätssuchebedingt.
    de facto werden im alltagsbetrieb tradierte kämpfe freudig weitergeführt – und damit eigentlich die gegenerzählung geliefert, vulgarisierter marx. ich würde es nach den jahren pottlerromantik schärfer formulieren: es bleibt einem schlicht keine andere wahl außer der selbstaufgabe, des martyriums, seiner sozialen wurzeln und damit eingeimpften weltsichten treu zu bleiben. auch wenn das bei bestimmten berufsbildern immer enttäuschung und moralisierende vorwürfe hervorruft – aber soll ich denn bitteschön unterschichtskids ihre kleinheit via wortschatz, orientierung zum geschriebenen wort (vulgo: LESEN) und anderer kultureller interessen incl. teilblindheit betreffend die sagenumwobene unterschichtskultur mit kegelclub, saufen, glotze und den unvermeidlichen automobilen phallussymbole penetrant unter die nase reiben??
    soweit mein senf dazu.
    ach so, by the way: den klassenbegriff würde ich demenstprechend aber auch hinterfragen wollen – klar, ist ne gesetzte begrifflichkeit, aber klasse an und für sich halte ich für weniger grobes holz als nicht hinreichend abbildend. dangschat hat da einige kluge sachen zu lebensstilen (und weit jenseits vom ewig zitierten beck) vom stapel gelassen, die ich im alltagsbetrieb zutreffender finde, gegenüber beck an der rückbindung an mterielle gegebenheiten und eben auch in den entfremdungstendenzen, mit denen immer so schön die individualisierung und ausdifferenzierung der lebensstile gegeißelt wird. die eben so neu nun wahrlich nicht ist.

  131. Werter Don, ich muss Ihnen mal...
    Werter Don, ich muss Ihnen mal ein Kompliment machen: dieser Tage verlinkten Sie über den Rebellmarkt einen Beitrag einer „famosen Autorin“ über Taub-blinde Menschen in der FAZ. – Habe heute mit einer Bekannten gesprochen, die in Deutschlands einzigem spezialisierten Institut für diese Gruppe arbeitet in mittlerer Position (Hannover – im Beitrag erwähnt). Sie hatte keine Ahnung von dem Beitrag. Obschon der Artikel der wohl publikumswirksamste Beitrag zu diesem Thema seit Langem war (bei 5-600 Betroffenen nur!). – Langer Rede, kurzer Sinn: Niemand in dem Spezialinstitut liest die FAZ oder hat auch nur ein Familienmitglied, das die FAZ liest. Der Don fläzt sich zwar am Tegernsee zwischen malerischem Fleckvieh und Tortenstücken in der Sonne, aber er hat ein Auge für solche „abseitigen“ Themen, jedenfalls weit weg von Katamaran-Clubs. Also: Chapeau!

  132. Ich empfehle als Lektüre...
    Ich empfehle als Lektüre Pierre Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ (La distinction. Critique sociale du jugement.) zur (Er)Klärung der beschriebenen Sachverhalte.

  133. Es muß in Ober-Tertia gewesen...
    Es muß in Ober-Tertia gewesen sein, daß der Deutschlehrer etwas von Kultur und Zivilisation murmelte.
    Nichts Neues seit damals.

  134. @Grand Guignol: vielen Dank...
    @Grand Guignol: vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Uncyclopedia, ein sachdienlicher Hinweis in wirrer Zeit. Besonders aufklärerisch fand ich (u.v.a.):
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/BioShock
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/Deeskalation
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/BWL
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/Homo_orientis
    besonders tief blicken läßt jedoch
    http://de.uncyclopedia.org/wiki/Atom-U-Bahn

  135. Mit dem Kulturbeutel gepudert....
    Mit dem Kulturbeutel gepudert. Wow! Und nebenbei alle Vorurteile ueber den Tegernsee bestaetigt. Gaehn.

  136. Thorha 21:28,
    wenn man jetzt...

    Thorha 21:28,
    wenn man jetzt der CDU noch die umlagefinanzierte Rente wegnimmt, hat sie
    nichts mehr um sich ‚Volkspartei‘ zu nennen.

  137. fazfazfaz123, man tut was man...
    fazfazfaz123, man tut was man kann, aber morgen kommt ein Gastbeitrag, vielleicht gefällt der Ihnen dann wieder besser.

  138. flaneur, ich weiss nicht, ob...
    flaneur, ich weiss nicht, ob die Mittelschicht nach oben schielt, und wenn sie es nicht täte, könnte man es ihr nicht verdenken. Meine Beobachtung sagt mir zweierlei: Sie beschäftigt sich mit sich selbs (man sollte ein Blog mit dem Thema Basen der Gesellschaft machen), und sie ist oftals wütend, sehr wütend auf alle, die ihnen etwas wegnehmen. Es geht ihnen gut, aber beim Schielen merken sie, dass es anderen sehr viel besser geht. Beim Repräsentieren lernen sie dazu, sicher. Notgedrungen. Ihre Kinder machen Powerpoints, dass es kracht. Ist das Aufstieg? Ich weiss nicht. Das Problem ist vielleicht auch, dass der komplette Lebensstil der Oberschicht recht früh anfängt und Defizite, die man als Kind hatte, später nicht mehr aufgeholt werden können. Ein gewisser Erfahrungsschatz der Sicherheit und der Konventionen. Mir fällt es extrem schwer, um irgendetwas zu bitten oder es zu fordern, wenn es in einem persönlichen Rahmen ist, denn wenn der andere nicht sofort überschwenglich zusagt, ist es eine klare Absage. Aufsteiger sind da ganz anders. Und sie können sich im ersten Moment und im zweiten und dritten damit sicher in einen Vorteil setzen. Aber dann werden sie halt ausgebremst und ausgeschlossen. Es ist weniger eine Frage der Bilder als eine Frage der verstandenen Konventionen.
    .
    Grand Guignol, diese frühe Bundesrepublik, wenn man die mit etwas Abstand einmal betrachten wird, ich glaube, die Adenauerjahre wird man als Phase des Übergangs alter Nazis und Mitläufer zu Autokraten auffassen. Es gibt da, wenn man sich die Zeitschriften ansieht, Ungeheuerlichkeiten. Man denke nur an den Kuppelparagraphen oder all die bewahrten Nazigesetze. Ein Reichsjudenhasser musste sich in Bonn nicht schlechter als in Berlin fühlen.
    .

  139. Die Vorstellung einer...
    Die Vorstellung einer klassenlosen Konsensgesellschaft ist so absurd wie der kindische Wunsch, überall und dauerhaft in diesem Land sicher zu sein. Nehmen wir das Auto-Abfackeln in Berlin: Ich käme nie auf die Idee, in einer Großstadt mein Auto nachts auf die Straße zu stellen. Nie! Und nach den Vorfällen in Berlin werde ich auch niemals mehr Berlin besuchen. Danke für den Begriff „Reichshauptslum“. Den werde ich dankens übernehmen!

  140. Mittelschicht, gern geschehen....
    Mittelschicht, gern geschehen. Generell finde ich ja einen gesellschaftlichen Grundkonsens wünschenswert, aber dazu ist diese unsere Gesellschaft viel zu polarisiert und selbst innerhalb der Klassen zu zertrümmert.

  141. Die Mittelschicht d.h. die...
    Die Mittelschicht d.h. die angestellte Mittelschicht – egal welches Drittel – die
    immer davon ausgehen müssenden – sind das eigentliche Phänomen.
    Aus ihren Bedürfnissen heraus wird die Welt erklärt, die Rahmenbedingungen für ihre Existenz
    formuliert, gerne mithilfe verbeamteter Professoren.
    .
    Man sollte sie und ihr Klagelied – zuwenig Daten, zuwenig Information, zuwenig
    Transparenz, das auch auf die Kultur der Oberschicht zutrifft – ernst nehmen.

  142. @DA:
    "Generell finde ich ja...

    @DA:
    „Generell finde ich ja einen gesellschaftlichen Grundkonsens wünschenswert, aber dazu ist diese unsere Gesellschaft viel zu polarisiert und selbst innerhalb der Klassen zu zertrümmert.“
    Ein interessanter Punkt, aber ich frage mich immer öfter, ob es diesen Grundkonsens denn jemals gegeben hat, von Ausnahmesituationen wie bspw. den Wirtschaftswunderjahren mal abgesehen?
    Meiner Ansicht nach war eher die, wenn auch nur partielle, Durchlässigkeit der Industriegesellschaft nach oben, der Kitt, der sie zusammengehalten hat, der Glaube, jeder könne durch Bildung und Arbeit sein Glück machen.
    Ich denke dieser Glaube ist gründlich verloren gegeangen.
    Mittlerweile muß sich ja sogar die Mittelschicht ernsthaft z.B. die Frage stellen, auf welche deutsche Universität sie ihre Kinder noch guten Gewissens schicken können, von den Problemen der richtigen Schulwahl mal ganz abgesehen.

  143. "Mir fällt es extrem schwer,...
    „Mir fällt es extrem schwer, um irgendetwas zu bitten oder es zu fordern, wenn es in einem persönlichen Rahmen ist, denn wenn der andere nicht sofort überschwenglich zusagt, ist es eine klare Absage.“
    .
    Geht mir privat und öffentlich seit ewigen Zeiten so, vermutlich seit Kindheit. Und krieg ich nimmer weg. Brauche wohl Therapie.
    Wär aber nie drauf gekommen, dass das ein Zeichen eines besseren Standes ist. Dachte immer, das kriegste nie los, wirst außerhalb des privaten Bereichs immer ein Versager bleiben und die anderen ziehen an dir vorbei, weil sie ihre Ansprüche besser und unverfrorener durchsetzen.
    Na so was.
    .
    (Das Gleich mit den Essmanieren. Dachte nie, dass es nur Großbürgerkindern vorbehalten ist, zu Tisch immer grad sitzen zu müssen, Ellenbogen nie auf den Tisch und den Mund nie zum Besteck führen, sondern umgekehrt. Der Drill zuhause war hart. Gez. Handwerkerkind.)

  144. @Mittelschicht: aber auf dem...
    @Mittelschicht: aber auf dem Land, da lassen Sie die Schlüssel stecken, damit der nächste vorbeikommende Schwarzautoverkäufer auch was davon hat, gell.
    @DA: ich schätze, Mittelschicht versucht vor allem Mittelschicht zu bleiben, bewegt sich also eher seitwärts, vor allem wenn es ältere Mittelschicht ist.

  145. colorcraze, wenn es nicht...
    colorcraze, wenn es nicht nach oben geht. bleibt denen nichts anderes übrig.

  146. Ersteinmal möchte ich Dank...
    Ersteinmal möchte ich Dank sagen dafür, dass Sie mit Ihrem Blog eine Diskussions-Plattform zur Verfügung stellen. Ihr Mut mit Ihrem guten Namen für eine Überzeugung einzustehen finde ich aller Ehren wert und gerne lese ich Ihre Beiträge.
    Es ist ja schön und gut, dass Sie keinem Ihre Kultur aufzwingen wollen, (obwohl Sie dadurch, dass Sie uns dies mitteilen natürlich an Ihrer Kultiviertheit teilnehmen lassen) aber es findet doch etwas statt, auf das ich aufmerksam machen will, gerade weil Sie anfangs unseren werten Herr Propagandaminister zitieren.
    Der und seine Gruppe (die Nazi-Bewegung) hatten ja zum Ziel, ein Volk zu schaffen (ähnlich der Birne einige Jahrzehnte danach),dessen Existenz Sie aber gleich im ersten Teil verneinen. Die Einheit des Volkes zu schaffen war natürlich schwer, wie Sie sich als Bayer vorstellen können, aber er (der Propagandaminister, nicht die Birne) und seinesgleichen bedienten sich mehrerer Tricks, um dies zu erreichen. Einer war die sogenannte Negativintergration, d.h. die Erschaffung eines äusseren Feindes, um ein inneres Band zu schaffen und zu stärken.
    Vielleicht verstehen Sie jetzt schon worauf ich hinaus will..
    Was Sie hier propagieren ist ja die Aufhebung einer gewissen Solidarität innerhalb der Gesellschaft (hier „Volk“ zu nennen). Ihr Ziel ist ja nicht die Einheit der Gesellschaft, aber die Schaffung eines Bewusstseins einer besonderen Schicht, die sich „Stützen der Gesellschaft“ nennt und sich hauptsächlich dadurch definiert, dass sie nichts mit dem einfachen Volk gemein hat.. Der Mechanismus ist verblüffend ähnlich.

  147. @Vroni: (Um etwas bitten,...
    @Vroni: (Um etwas bitten, Unmöglichkeit …)
    Ich reih mich mal ein. Was nur zeigt, dass es bei unseren Eltern schichtübergreifend noch einen Konsens gegeben hat, was man tut und was nicht. Und die einzelnen Absätze dieses Konsens kamen ganz sicher nicht aus der Unterschicht. Es GAB eine gemeinsame Kultur, vollkommen unabhängig davon, ob man sich im Alltag begegnet.
    Und man ist sich früher möglicherweise sogar öfter und unbefangener begegnet. Motto der alten (adligen) Oberschicht: Du bist nicht meinesgleichen, aber setz Dich ruhig zu mir. Motto der Mittelschichten: Du bist zwar meinesgleichen, aber bleib mir bloss vom Leib …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  148. Kulturverlust:

    Nach Fest (J.)...
    Kulturverlust:
    Nach Fest (J.) kommt „app“
    (alte Handwerkerregel:-))

  149. <p>Ich sage es gern nochmal:...
    Ich sage es gern nochmal: Kommentare von „Inge“ nerven und fliegen hier konsequent raus. Immer.

  150. @DA: "denen"? Ich fühle mich...
    @DA: „denen“? Ich fühle mich durchaus der Mittelschicht zugehörig, lediglich nicht der Sektion Bildungsbürgertum – ähnlich wie Vroni. Es gibt aber noch eine Richtung: nach unten. Und gegen das Versinken zu strampeln, ist mE ein mindestens ebenso ausgeprägter Impuls.

  151. Unsere Oberschichten, so sie...
    Unsere Oberschichten, so sie denn (noch) seiend denkbar sind, kann man sich
    nur dösend vorstellen, eine Gruppe der Machtelite, welche so etwas wie den Bankenrettungsschirm, Deindustriealisierung, Euro Bonds, Merkel, Roth, Trittin, Schäuble, Steinbrück, Westerwelle, die Privatisierung der öffentlichen Einrichtungen, Hartz IV, Bologna-Abschlüsse, getürkte Promotionen, Auslandseinsätze am Hindukusch (noch weiter östlich als Stalingrad) usw. zulässt, diese Schicht hat nicht nur einen Aussetzer, nein deren meh… …..ballaballa ebenst oder nicht mehr existent.
    EIN Apple-Rechner ist wie ein Taschenrechner: Ausgereift, aber ohne jegliche Funktionen bis auf…

  152. Oliver August lÜtzenich ihr...
    Oliver August lÜtzenich ihr Beitrag ganz oben am Anfang sind sehr gute Empfindungen und Fragen.Menschen wie sie sind wertvolle Mitglieder der Gesellschaft die durch ihr verhalten sich selbst in eine Gesellschaftliche Position verdienen die als Vorbild und Beispiel eine Orientierung und Richtung bieten.Auch im Berufsleben ist dieser Schatz ein Garant ,er ist die wertvolle Position einer wahren Oberschicht.Danke dafür.

  153. colorcraze@: Verehrteste! Es...
    colorcraze@: Verehrteste! Es war mir ein Vergnügen Ihnen zu so viel Unverstand eine Ihrer, in Fachkreisen gerühmten, positiven Stellungnahmen zu entlocken. Weiter so, nur Mut. Staunend können wir nur von der Welt lernen.

  154. @Grand Guignol: dösend?...
    @Grand Guignol: dösend? Vielleicht eher verrentnert und privatisiert. – Die Story über die „Hamburger Atom-U-Bahn“ war endlich mal wieder wirklich was zum Lachen.

  155. @Grand Guignol:
    Grand Guignol,...

    @Grand Guignol:
    Grand Guignol, sie sind ein interessanter Vogel – Chapeau!

  156. @Grand Guignol 22:02, einfach...
    @Grand Guignol 22:02, einfach wunderbar, ich muss nicht umdenken.

  157. Jetzt tät's mich aber doch...
    Jetzt tät’s mich aber doch mächtig interessieren, was „Inge“ zwischen 19:17 und 21:12 kommentierte.
    Oder ist „Inge“ ein Gattungsname“?
    Mit fragendem Gruß ein Insekt, die Facettenaugen wohlwollend auf die Streublüten gerichtet, gestolpert über einen kleinen Sprung knapp unter dem Goldrand.

  158. nicht der Sprung im Porzellan...
    nicht der Sprung im Porzellan ists wo ichs erkannt es ist das Erkennen und ausfindigmachen des Spions aber woran ich den erkannt das sag ich nicht aber so kriegt man jeden Spion

  159. 'Die Märkte sind...
    ‚Die Märkte sind verunsichert‘ – ich auch, schon die ganze Zeit, schließlich geht
    es um mein Erbe ( 2,4 Billionen in Raten ).
    Könnten die Märkte nicht besser auf mein Erbe aufpassen; stattdessen wachen
    sie dauernd verunsichert auf, mit wem gehen die zu Bett?

  160. Don Alphonso als Hl....
    Don Alphonso als Hl. Inquisition,
    das macht „Inge“ interessant.

  161. Inge wird vom Hausherrn immer...
    Inge wird vom Hausherrn immer dann als subkulturelles Mitglied der Unterschicht gedisst, wenn seine Migräne kommt oder die Barchetta wiedermal nicht anspringt.

  162. "Die Krise komt nur bis...
    „Die Krise komt nur bis Erlangen“ – ha, welch schnödes Nachtreten. Dabei kommentiere ich doch schon kaum noch.

  163. Hallo j.Gold, Danke für die...
    Hallo j.Gold, Danke für die Ein- und Wertschätzung! Dachte schon, die ganze Glosse wurde einfach überlesen, weil sie bisher keine Erwähnung fand. Was ich zu erwähnen vergass ist, das die einleitende Begriffsbestimmung: „Volk: „, aus dem Herkunfts-Duden entnommen ist, ich möchte mich da nicht mit fremden Federn schmücken. Gerade weil der Satz aus dem Duden: „Daneben bezeichnete ‚Volk‘ schon früh die Masse der Bevölkerung; im Gegensatz zu einer Oberschicht.“, mich zu dieser Glosse angeregt hat. Oder auch „aufgeregt“ hat, um bei der Wahrheit zu bleiben, deshalb auch mein Klammerausruf {Ach!?}, ist das so? Wenn es im Duden steht ist es quasi amtlich, das es Menschen eines „Volkes“ gibt, die dem „Volk“ gegenüberstehen, oder auch obendrüber stehen, woimmer das auch ist? Mein Anliegen ist es, diese „armen“ Aussenstehenden wieder in die Bevölkerung zu integrieren, schliesslich entnahmen und entnehmen sie erkleckliche Mengen an guten Umgangsformen, Freude, Ästhetik, Wissen, Kunst, Traditionen und erst recht Kapital, das die Bevölkerung doch bestens gebrauchen kann. Ist doch so, oder? Volk, du sollst nicht länger Armen, Wir Reichen Dir die Arme. Wäre doch schön, oder? Also, auf gehts, Ihr Besser da draussen, put put put kommt hinein und bringt viel viel viel mit. Danke!

  164. Den Beifall von falscher wie...
    Den Beifall von falscher wie von berufener Seite vermag & kann ich nur bescheiden abwehren. Danke.
    ..
    Es müsste ein beglückendes Erlebnis sein, für die Oberschicht putzen zu dürfen. Oder als Butler, als Koch, Chauffeur, Gärtner, Gouvernante, Beichtvater, Vorleser, Escort, Kokotte, Gigolo, Portier, Couponschneider, Zigarrenhumilator, Abstauber, Vorprobierer und Verkoster, Feinjustierer, Abwäger, Theater,- Opern, Hügel,-kartenbesteller, Staubwedler, Claquer, Vermögensverwalter, Golfbuggy, Antiquitätenbeschaffer, Wissensvermittler, Pilot, Yachtkapitän, Interviewabweiser, Pressesprecher, Securityman etc. zu fungieren. Solch ein Glück ist hinieden so schnell niemandem beschieden. Da braucht´s Beziehungen, Einfühlungsvemögen, Diskretion, distinktes Auftreten, Professionalität, Kompetenz und erstklassige Recommandations für.
    ..
    Wer ist Inge? Welchem exemplarischen crimen verdankt sie die damnatio memoriae, das „…unterstehen Se sich noch einmal“?

  165. E.R. Binvonhier@: Bin auch´n ...
    E.R. Binvonhier@: Bin auch´n nettä Kumpel, Mööönsch, von voane umme Ecke, wohl. Komm, gehman Biachen schlabban, lassma Obaschicht, Obaschicht sein, ne, könn auch nua ne CurrymayoPommes vadrückn, ey. Mach´se nix dran.

  166. Oliver-August Lützenich@: Nur...
    Oliver-August Lützenich@: Nur nebenbei, nöch. Denken Sie bitte auch an den indogerm. Wortstamm zum Volk gehörig lat.>vulgare, vulgo, vulgavi,vulgatus>vulgata, neugerm. vulgär. Hat doch was. Die 12 Jahre haben leider aus Volk völkisch, Volkssturm, Volksgesundheit (wo ist sie abgeblieben?) Volksküche (wird demnächst wieder stärker frequentiert werden) gemacht.
    Der Völkerbund wurde davor verschlissen.

  167. "Die 12 Jahre haben leider aus...
    „Die 12 Jahre haben leider aus Volk völkisch, Volkssturm, Volksgesundheit (wo ist sie abgeblieben?) Volksküche (wird demnächst wieder stärker frequentiert werden) gemacht.“
    .
    Grand Guignol, vergessen Sie den Volksempfänger nicht, vulgo „Goebbelsschnauze“, womit sich der Sitzkreis hin zum Intro geschlossen hat.

  168. Fritz@: Gerne! Das Doitsche...
    Fritz@: Gerne! Das Doitsche Volkslied, namhaftester Vertreter Heino, ist leider durch das Rapen und Gangstavolglore arg in´s Hintertreffen geraten. S´werd schon wieder. Neueste AP-Meldungen zufolge, spricht man von einem revival. Auch gute altdeutsche Namen kommen wieder in mode vor allem in der Oberschicht: Kevi, Chantal (rhein.: Uns Schangtälschen).
    Zu Ihrem Beitrag fällt mit nur noch ein : VW (Kübelwagen) sprich Volkswagen, ein Auto welches in Mexiko gern gefahren wird (Die Rache Montezumas). Sodann der gute alte Volkszorn (furor teutonicus, colère allemande).
    http://www.ingeb.org/Lieder/wennbeic.html

  169. @Herr Lützenich: Sie stellen...
    @Herr Lützenich: Sie stellen das ein bißchen so vor wie „Volk sucht die Superoberschicht“. Das wird so nicht gehen. Die Ägypter laborieren derzeit da schon ziemlich dran rum. Es gibt einfach niemand, der langfristig Stil, Haltung, Sorgsamkeit und Umsicht für alle garantieren kann, sowie gleichzeitig als Erbonkel und Watschenmann fungiert. Mit anderen Worten, das Volk wird es weiterhin selber machen müssen.

  170. (weil gefragt wurde)
    Inge...

    (weil gefragt wurde)
    Inge kommentiert ab und an mal, siehe frühere Beiträge in diesem Blog und nicht so weit zurückliegende in anderen FAZ-Blogs. Siehe dort.

  171. Hallo Grand Guignol und...
    Hallo Grand Guignol und Colorcraze, hier ein letzter Beitrag von mir zum Thema: Volk, dann hat sichs ausgevolkt. Dann kommen Wir zur (Welt-)Gemeinschaft.
    Volksamkeit!
    Das Volk ist volksam, es volkt den Führern. Stillgestanden! Rechts/Links um, im Gleichschritt marsch! Die Deutsche Bevölkerung volkte ohneGleichen, bis vor die Gaskammern und an die Erschiessungsgräben. Befehl ist Befehl! Wunsch ist Wunsch? Alles war damals soo eng im Volk, es war nur Platz für Eines und Zweifel wurden verschrien! Deutschland, Deutschland, über alles; und darunter das Volk. Deutschland als Fesselballon, das Land der Dichter und Denker hoch über Kopf, da konnte das Volk so richtig das Tier raus lassen, oder. Ja, der AdolfHitlerUnterführer war so barbarisch (roh und ungebildet), das mochten die Frauen und die Männer fürchteten gern. Wieviel Tier ist das Mensch und wenn, was ist die Verschiedenheit? Das Volk braucht und wünscht Führung, es braucht und wünscht Orientierung, gerade in schweren und unsicheren Zeiten, aber … Geradezu eine Erlösung musste es 1933 sein. Eine, die aus der Schmach des verlorenen Kriegs und den darauffolgenden Krisen führte. Der Glauben hatte die Erlösung sooo lange schon versprochen, nun wurde sie eben vom Volk gewählt, von Oben und aus dem Himmel-Reich war zu lange keine gekommen. Ausserdem war/ist die Kirche voller Zweifel. Welcher und was sollte das Volk noch glauben? Aber das Volk brauchte Einigkeit, wollte Eindeutigkeit, erzwang die Kontrolle und wählte klare Machtverhältnisse. Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Einfach. Zweifach war schon verwirrend, mehr als 30 Parteien mehrfach zuViel. Nur eine Bewegung zur gleichen Zeit, mehr ging einfach nicht. Die kontrollierteste Bewegung wurde also einfach von den Meisten im Volk gewählt. Es war die braune Bewegung mit den roten Fahnen und den Haken am Kreuz. Boden, Blut und ein leicht aufzuhängender Glaube. Die Bewegung der AdolfHitlerUnterführung war einfach zu verstehen, einfach zu bevolken und vereinfachte viele Vor[Ur]teile. Einfach war wichtig, mehrfach dem Volk zuwider, ausser bei Vor[Ur]teilen, und die wurden dem Volk reichlich versprochen. Zwar halten die Vor[Ur]teile fast nie, was sie versprechen, aber bis Heute gilt: versprochen ist versprochen, das geht einfach schnell, das halten ist dann etwas anderes. Das kennt das Volk einfach, so handelt das Volk und so handelte die AdolfHitlerUnterführung. Die versprach einfach eintausend Jahre heldisches Herrenvolk, auch alles sonst im tausender Pack und in Riesen-Grösse, den HerrenFrauen einen Mengenrabatt und schöne Küchen, jeden Sonntag Eintopf, Kraft durch Freude, dazu allen Braven, Volksamen, ein ewiges Volksfest und noch so einiges einfach Herrliche mehr. Wir glaubten das!, euer intellektuelles Gewäsch könnt ihr euch sonst wo hin stecken! Woher hätten Wir wissen sollen, das die tausend Jahre, die die AdolfHitlerUnterführung versprach, bereits weit zurück lagen, das nur tote Helden heldische Helden sind, das Deutschland zum Herren nicht taugt, weil dem Volk bis Heute dazu die Weite sowohl im Herzen als auch im Verstand fehlt (zumindest wenn das Herr-sein Klugheit, Umsicht, Güte, Klarheit und Sicherheit bedeuten; wem das Herr-sein jedoch Masslosigkeit, Abschätzigkeit, Kurzsichtigkeit und Verängstigung bedeuten, die stecken noch in der AdolfHitlerUnterführung drinn und das sind leider bis Heute noch ziemlich Viele im Volk), das der tausender Pack nur Hehlerware war, die Riesen-Grösse in Polen und der Sowjetunion lag und die Polen und Sowjets hart darum kämpfen würden, das also der Mengenrabatt nur für Todesanzeigen galt, die schönen Küchen bald wieder leer standen oder in Schutt und Asche zerbombt waren, das der Eintopf einfach dünne Suppe war, das Uns die Kraft durch Leiden bald wieder genommen war, die Ewigkeit jeweils „nur“ eine Lebensspanne dauert, das Volksfest der Hinreisser für einen weiteren Krieg war und das das einfach Herrliche immer im Grauen endet. Woher hätten Wir das wissen sollen, wo selbst der Volks-Geist das glaubte? Versprecher ist man leicht. Man steckt halt nicht drinn, sagt das Volk und glaubt den Versprechern bis heute fast aufs Wort, selbst dem gestammelten. Oder?

  172. "Es gibt einfach niemand, der...
    „Es gibt einfach niemand, der langfristig Stil, Haltung, Sorgsamkeit und Umsicht für alle garantieren kann, sowie gleichzeitig als Erbonkel und Watschenmann fungiert.“
    Exakt. Ich frage mich, ob Sie nicht gerade den wirklichen Grund gefunden haben, der die englische Oberschicht um 1900 revolutionslos abtreten liess. Leider haben Sie damit auch begründet, warum Demokratie eine Fussnote der Geschichte werden könnte – langfristig lassen sich diejenigen nicht in die Verantwortung nehmen, die die Demokratie bräuchte. Die Belohnungen der demokratischen Ämtervergabe rechtfertigen die Kosten nur noch für jene, die an anderer Stelle vermutlich nicht aufsteigen könnten …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  173. @LPK:
    Das angelesene Wissen...

    @LPK:
    Das angelesene Wissen halbverdaut in die Welt entlassen mündet in Zirkelschlüssen nicht unter Birnenform …

  174. Grand Guignol @: Wenn die 2,4...
    Grand Guignol @: Wenn die 2,4 Billionen verzockt sind, werde ich Ihr Angebot
    annehmen.

  175. @ThorHa:
    Was die englische...

    @ThorHa:
    Was die englische Oberschicht angeht, lesen Sie mal: Barbara Tuchman, „Die Briten verlieren Amerika“ (enthalten in dem Band „Die Torheit der Regierenden“)

  176. Werte Vroni: natürlich ist...
    Werte Vroni: natürlich ist Ihr Einwand berechtigt. Reiseführer mit 250 Jährchen auf den Bünden sind nicht eben archäologische Quelle genug, um so ein Zivilisationsgut wie die Wurst irgendwohin zu verorten. Dennoch würde es nicht verwundern, wenn weiland Arminius eines Tages mit einer Wurst auf dem Schild ausgebuddelt würde…
    .
    Lieber ThorHa: Sie treffen den Rekruten… äh Nagel auf den Kopf! Die Abschaffung der Wehrpflicht hat zwei Folgen. Die weitere Abschottung des Militärs zu einem noch unkontrollierbarerem Staat im Staat (à la BND). Und die vollkommene Entmischung der Klassen. Die einen bleiben im Schweizer Internat und später dann in Eton, Vorstandsetage und Poloplatz unter sich, die anderen erkennen sich an Realschulabschluss, Vertreterjob und Dauercamper-Ticket. Berührungspunkte gleich Null.
    .
    Man verzeihe mir meine so verspäteten Eintrag. Aber die Verlockungen des Alpenvorlands und das sommerliche Salzburg sind meine Entschuldigung…

  177. @Ephemeride, ThorHa:
    Die...

    @Ephemeride, ThorHa:
    Die Wehrpflicht trage zur Integration der Gesellschaft bei, ist eine ähnlich unausrottbare „Urban Legend“, wie die, der Wehrdienst bringe unordentlichen jungen Leuten Ordnung bei.
    Merkwürdigerweise erliegen vor allem Frauen solchen Märchen!

  178. @kryptart:
    Die Wehrpflicht...

    @kryptart:
    Die Wehrpflicht stellte sicher, dass sich verschiedene Schichten für 18 Monate unter absolut gleichen Bedingungen zwangsweise begegneten. Ob das der Integration diente, kann ich nicht beweisen. Beweisen kann ich, dass spätere Eliten wenigstens einmal in ihrem Leben auf Augenhöhe mit den Leuten zu tun hatten, über deren Arbeit und Leben sie später entscheiden sollten.

  179. @kryptart: (Tuchman)...
    @kryptart: (Tuchman) anscheinend betrachtet sie so eine Art Wendepunkte oder Zeiten, in denen „es auseinanderläuft“. Das halte ich für den Beginn einer sehr interessanten Fragestellung, nämlich wie eine langfristig gute Regierung beschaffen sein müßte. Nur, skeptisch wie ich bin, meine ich ganz altgriechisch, daß es ab und an Situationen gibt, in denen man es einfach nur vermasseln kann, weil man nicht 2 Entwicklungen, die gleichzeitig auseinanderlaufen, bedienen kann. – (Wehrpflicht) Nun ja, eine Gelegenheit zu schaffen, wo sich Leute aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten übern Weg laufen MÜSSEN, einfach weil sie alle zur Anwesenheit verpflichtet sind, sorgt für erlebniswirksame Erfahrungen miteinander, die ohne eben schlicht nicht stattfinden.

  180. Die allgemeine Wehrpflicht hat...
    Die allgemeine Wehrpflicht hat junge Männer dazu gezwungen zur Kenntnis zu
    nehmen, dass da ein ‚Staat‘ ist, der etwas von ihnen will und sich damit auf je
    eigene Weise auseinanderzusetzen.
    .
    Das hat sich nun erledigt.

  181. @ThorHa, colorcraze:
    Ich...

    @ThorHa, colorcraze:
    Ich bestreite nicht, daß in einer Wehrpflichtarmee die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen manchmal engeren Kontakt als im normalen Leben haben, aber letztendlich spiegelt die Armee die Schichtung der Gesellschaft wieder, die Behauptung, die verschiedenen Schichten begegneten sich auf Augenhöhe ist mindestens ein Euphemismus.
    Die Marine, die Luftwaffe oder die Fallschirmjäger werden sowieso eher von Berufs- und Zeitsoldaten geprägt, das Gros der Wehrpflichtigen findet man in der Infanterie, der Artillerie oder bei den Pionieren.
    Jedenfalls stellen die Angehörigen der „unteren Schichten“ das Fußvolk wärend die Intelligenzia die Offiziersränge bekleidet, das war in sozialistischen Wehrpflichtarmeen übrigens interessanterweise nicht anders.
    Insofern kann von gemeinsamen Erfahrungen keine Rede sein!
    Bei Barbara Tuchman geht es nicht um Wendepunkte, sondern es geht darum zu zeigen, daß es so etwas wie fundamental törichtes Handeln gibt.
    Jemand handelt nicht töricht, wenn sich erst im Nachhinein, im Lichte der historischen Betrachtung, herausstellt, daß die getroffene Entscheidung ein Fehler war, aber er handelt sehrwohl töricht, wenn schon zum Zeitpunkt des Handelns klar ist oder zumindest hätte klar sein müssen, daß diese Entscheidung ein Fehler ist.
    Ich hatte den Essay, „Die Briten verlieren Amerika“, aber vor allem angeführt, weil er ein recht explizite Beschreibung der damaligen britischen Oberschicht enthält, die zwar qua Geburt zur Herrschaft berufen, dieser Aufgabe aber aus verschiedenen Gründen in keiner Weise gewachsen war.

  182. @kryptart: Tuchman
    Falsche...

    @kryptart: Tuchman
    Falsche Empfehlung (ich habe alles von ihr) :-). Die richtige lautet: Der stolze Turm (englisch: Proud Tower: A Portrait of the World Before the War, 1890-1914 ).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  183. @ThorHa: Tuchman
    Falsche...

    @ThorHa: Tuchman
    Falsche Schlußfolgerung (ich habe nicht alles von ihr) :-). Die richtige lautet: Der stolze Turm wäre auch eine gute Empfehlung gewesen, d.h. in dem erwähnten Zusammenhang genauer der Essay „The Patricians“, deswegen war aber „Die Briten verlieren Amerika“ noch lange keine falsche Empfehlung.

  184. @Kryptart: die Möglichkeit,...
    @Kryptart: die Möglichkeit, daß man sich nur zwischen 2 Fehlern entscheiden kann, ziehen Sie also nicht in Betracht – ich schon.

  185. @colorcraze:
    Doch, aber das...

    @colorcraze:
    Doch, aber das ist eben nicht das Thema der Essay-Sammlung von Barbara Tuchman zur Torheit.
    Worauf Sie hinauswollen, ist die Entscheidung zw. Skylla und Charybdis, oder wie die Kanzlerin zu sagen beliebt, die Entscheidung sei alternativlos, obwohl das natürlich nicht das Gleiche ist.
    Ich halte dafür, daß es im Rahmen des Möglichen und der Vernunft immer eine halbwegs richtige Entscheidung gibt, zumindest sollte man versuchen, keine offenkundigen Torheiten zu begehen.
    Wenn man anfängt, den Politiker zuzugestehen, sie könnten prinzipiell nur falsch handeln, kann man sich doch eigentlich auch gleich erschießen!
    Letztlich hat ja, um im Bild zu bleiben, auch Odysseus einen Weg gefunden, um das angeblich unausweichliche Verhängnis auszutricksen.

  186. "Wenn man anfängt, den...
    „Wenn man anfängt, den Politiker zuzugestehen, sie könnten prinzipiell nur falsch handeln, kann man sich doch eigentlich auch gleich erschießen!“
    Ausweislich der Onlinekommentare grosser Tages- und Wochenzeitungen gesteht man ihnen das nicht etwa zu. Sie tun sowieso nichts anderes. Wann darf ich Ihnen die Pistole reichen :-)?
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  187. @kryprart: Tuchman
    Falscher...

    @kryprart: Tuchman
    Falscher Bezug :-) Mir ging es in dem von Ihnen mit Tuchman kommentierten Beitrag um die Frage, warum die englische Oberschicht die Macht freiwillig und ohne Revolution abgegeben hat. Und dafür bietet „Die Torheit der Regierenden“ schlicht überhaupt keine Antwort.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  188. @ThorHa:
    "Ausweislich der...

    @ThorHa:
    „Ausweislich der Onlinekommentare grosser Tages- und Wochenzeitungen gesteht man ihnen das nicht etwa zu. Sie tun sowieso nichts anderes.“
    ??
    Das habe ich jetzt nicht verstanden!
    Eine Pistole ist nicht das Problem, danke der Nachfrage.
    Merkwürdige Behauptung :-), die englische Oberschicht habe die Macht abgegeben, das ist mir völlig neu, mein Gott, wie konnte mir so ein Ereignis nur entgehen..

  189. @kryptart: wenn ich ThorHa...
    @kryptart: wenn ich ThorHa richtig verstehe, nimmt er auf das allgemeine Politikerbashing und die in der Presse vorherrschenden Kommentare und Artikel bezug, die Politiker machten vor allem _alles_falsch_. Eine Haltung, die mir oft genug auch auf den Wecker geht, weil sie meistens das Handlungsfeld viel zu einseitig und eingeschränkt betrachtet. In der Regel begehen sie keine Torheiten, sondern regeln etwas am System, wobei sie aber eben nie das Gesamtsystem komplett regeln können. (Fraglich, inwieweit derlei überhaupt möglich ist – auch der beste und höchste Mensch ist ja kein allmächtiger, totalitärer, solipsistischer Gott.) – Und: nein, nicht immer gibt es einen Weg zwischen Scylla und Charybdis, manchmal knallt man eben auch auf die Felsen.
    @ThorHa: ich kann mangels Lektüre nicht mitreden – was sehen Sie als Grund? Rückzug vor den Anfeindungen? Zu kompliziertes Austarierenmüssen zu vieler Ansprüche?

  190. @colorcraze:
    Ich denke, Sie...

    @colorcraze:
    Ich denke, Sie mißverstehen ThorHa.

  191. @colorcraze:
    Tuchman zitiert...

    @colorcraze:
    Tuchman zitiert einen als archetypisch geschilderten englischen Landadeligen, der seinerseits Chateaubriand zitiert: „Ich habe jene große Liebe für die Freiheit gehegt, wie sie einer Aristokratie eigen ist, deren letzte Stunde geschlagen hat.“ Nach allem, was ich mir an Historie angeeignet hatte, zog sich die englische Aristokratie letztlich aus Vernunft zurück. Ihre Zeit war abgelaufen – und sie wusste es.
    Ich kann nicht beschreiben, wieviel Respekt mir das abringt. Es würde den heutigen Kleingeistern auch wenig sagen, die Haltung für eine Unterkategorie von Markentreue halten. Historisch ist es ziemlich einmalig, in Europa direkt vergleichbares bot zum letzten Mal der halb legendäre griechische Verfassungsvater Solon …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  192. @ThorHa:
    Ich nehme an, Sie...

    @ThorHa:
    Ich nehme an, Sie beziehen sich auf den Parliament Act von 1911.
    Um den zu verhindern, hätte sich das Oberhaus gegen den König, gegen den Premierminister und gegen den Schatzkanzler stellen müssen.
    Wie und womit hätten sie das erfolgreich tun können? Die Armee jedenfalls war seit der Bill of Rights dem Parlament unterstellt.
    Das Oberhaus hat daher das Gesetz akzeptiert, das war eine vernünftige Entscheidung, da haben Sie recht.
    Der Vergleich mit Solon ist allerdings ein wenig übertrieben.

  193. @colorcraze: Politiker
    "In der...

    @colorcraze: Politiker
    „In der Regel begehen sie keine Torheiten, sondern regeln etwas am System,“
    Exakt. Und zwar unter den vorgefundenen Rahmenbedingungen, auf Basis ihres begrenzten Wissens, unter dem Dauerfeuer verabtwortungsloser und inkonsistenter Medien, dem Wehgeschrei ihrer Wähler und dem Gegrummle ihrer Parteibasis. Das System als ganzes in Frage stellen können sie nicht, sollen sie auch gar nicht. Das MUSS Leuten vorbehalten bleiben, die keine Verantwortung für andere tragen. Alle paar 100 Jahre lösen diese Radikalen dann einen Systemwechsel aus, wenn die Zeit dafür reif ist.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  194. @colorcraze:
    Entschuldigung,...

    @colorcraze:
    Entschuldigung, Sie hatten ThorHa richtig verstanden.
    Allerdings frage ich mich jetzt, was ist ein inkonsistentes Medium?

  195. ThorHa 8:59,
    Danke für diesen...

    ThorHa 8:59,
    Danke für diesen Kommentar.

  196. @thorha Sie wissen "radikal"...
    @thorha Sie wissen „radikal“ kommt von Radix und ein Systemwechsel braucht immer den Griff an die Wurzel, sonst bleibt f a s t alles, wie es war, ein paar Ästchen hier und ein paar Blüten dort. Radikal zu sein ist also, zumindest alle paar 100 Jahre, bei einem also in die Jahrhunderte gekommenem System, etwas GUTES, etwas förderliches, wie ich finde. Der Kapitalismus ist so ein Handels-System, das in die Jahre gekommen ist und die Demokratie, das Gesellschaft-System, ist wohl dabei in die Jahre zu kommen. Es ist, glaube ich, an der Zeit für neue Umgangsformen, sowohl im Miteinander beim Waren-Handeln, als auch im Miteinander beim Gefühls-Handeln, also den Wirtschafts- wie auch den Gesellschaftsformen. Das mehr und mehr aufgeklärte Lebewesen Mensch verlangt einen weniger auf blosse Vermutungen und Versprechungen aufgebauten Waren-Handel und ein weniger an wechselseitiger gesellschaftlicher Einschränkung und Über-Regulierung, also weniger Versteckspiel und ein Abbau von Hierarchien. Wahrhaftigkeit der Informationen und wirkliche Gleichberechtigung im Umgang miteinander werden die bisherigen Systeme, die, wie Sie bemerken ziemlich kranken, in einen gesünderen Zustand weiterentwickeln und das braucht auch den Griff an die Wurzel. Der Garten braucht gute Gärtner, graben Wir um, oder?

  197. @Luetzenich:
    Tja. Bis zum...

    @Luetzenich:
    Tja. Bis zum Beweis des Gegenteils bzw. der Entdeckung grenzenlosen Energie-/Materie-Wandels halte ich den Kapitalismus in seinem Kern (Marktwirtschaft, Preis regelt sich nach Angebot und Nachfrage) für alternativlos, es sei denn, der Mensch schraubt an sich selbst herum. Was er bald tun wird. Alles, was man statt Kapitalismus bisher probiert hat, ist häufig grauenhaft schiefgelaufen. Kein Bedarf am nächsten Experiment!
    Und beim Gesellschaftssystem wäre mir ein Zurück auch Recht . Ich glaube nicht, dass der Otto Normalverbraucher im alten Preussen schlechter dran war (vom Materiellen, wegen Technikrückstandes, abgesehen) als er es heute ist. Der Fortschritt der Demokratie seitdem beschränkt sich auf solchen für die 10% Intelligentesten und Beweglichsten. Wirkliche Gleichberechtigung übrigens wird es genau dann geben, wenn alle Menschen zwangstelepathische Klone werden. Und nicht vorher, das verhindern schon die interessanten menschlichen Ungleichheiten, Unausgewogenheitem, Interessengegensätze. Oder um es noch deutlicher zu machen: Ich glaube nicht an eine Gesellschaft der bastmattenhockenden grünen Teetrinker, die sich gegenseitig liebhaben. Ich wünsche sie auch niemandem, sie wäre die Hölle auf Erden.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  198. @kryptart:...
    @kryptart: Inkosistent
    Inkonsistent sind Medien immer dann, wenn sie heute etwas beklagen, an dem sie gestern eifrig mitgewirkt haben. Wenn also die ZEIT Pazifismus oder die vorhersehbaren Folgen der Reformpädagogik beklagt, die FAZ dagegen marktwirtschaftliche Exzesse. Und darin sind Qualitätsmedien besonders gut und besonders verlogen – sie haben ja niemanden, vor dem sie ihre Kurswechsel rechtfertigen müssen! Quid custodit custodies ist die Frage, die Medien für sich noch nie beantwortet haben, die Quittung kommt gerade aus dem Drucker.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  199. @kryptart: inkonsistent -...
    @kryptart: inkonsistent – heute so, morgen so, Hauptsache unvorhersehbar. Habe mal zu Parliament Act und englischem Adel wikipädiert, recht interessant.
    Die Grundbesitzer wurden 1911 entmachtet, weil sie lieber Zölle wollten als Grundsteuern. Das hätte die einheimischen Erzeuger und Industrien doch eigentlich geschützt? Wäre interessant, was die Beweggründe dabei waren. Seit 1999 ist von dem jahrhundertelangen Oberhaus der traditionellen Grundbesitzererben jedenfalls gar nichts mehr übrig, es ist noch eine Art Beirat mit auf Lebenszeit gewählten Personen, denen irgendeine Regierung mal einen Titel umhängte (oder verkaufte).

    Beim Zickzacklesen stieß ich auf ein Buch von 1925:
    http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/structure/1214703
    Der leidet auch an einem Unbehagen.

    @Luetzenich: naja, Hierarchien… da müssen sie aber lang, lang suchen, bis sie noch irgendwo welche finden… die Embleme der Zeit sind der naturdoofe Schwarm und die millisekündlich in der Höhe veränderlichen Geldhäufen. Da, mach was draus.

    @ThorHa: Da mag was dran sein, daß jemand „von außen“ alle paar Jahrhunderte (wobei: nicht doch eher Jahrzehnte?) einen Systemwechsel anstößt.

  200. Guter Literaturhinweis, dieses...
    Guter Literaturhinweis, dieses Buch von Carl Christian Bry müße mal neu aufgelegt werden, die letzte Ausgabe erschien meines Wissens 1984 vom Ehrenwirth-Verlag, den gibt’s nicht mehr, glaube ich.
    Bry prägte u.a. den schönen Begriff: „Elephantiasis philosophica“, der mir beim Lesen von OA.Luetzenich unwillkürlich wieder in den Sinn kam.

  201. Der Ehrenwirth-Verlag ist...
    Der Ehrenwirth-Verlag ist leider bei Lübbe geendet.

  202. @colorcraze: Hierarchien... da...
    @colorcraze: Hierarchien… da schauen Sie aber weit wegg, wenn Sie keine oder nur mehr wenige sehen? Das Gerede von „flachen“ Hierarchien heisst nicht, das es keine mehr gibt, sie sind nur vernebelt worden, um besser zu schmecken, oder wann sind Sie das letzte mal mit Frau Merkel oder auch nur mit irgendeinem Chef einen Trinken gegangen oder haben die/den angerufen, wenn Ihnen etwas auf den Nägeln brannte? Verzeihen Sie, aber: Wo leben Sie? Vielleicht im Elephantasis-Land?
    @ThorHa: die für Unser ganzes DaSein so radikal wichtige Sonne schickt zum Planeten Erde jährlich (und jetzt halten Sie sich fest!) mehr als 1 Milliarde Tera-Watt-Stunden Energie in Form von Lichtteilchen (Photonen). Nochmal festhalten! Das ist mehr als das 60.000 fache des jährlichen Weltstrombedarfs der Spezies Mensch. Sie merken, Wir werden bestens versorgt, Wir nutzen es nur kaum. Sie werden vielleicht fragen: Ja, warum? Weil Wir Menschen noch nicht soweit sind, Unsere Patschehändchen von Etwas zu lassen, was Wir mal in die Finger bekommen haben. Das Mensch (sie wissen: Er und Sie ist Es) ist noch ein Haben-Wesen und noch kein Sein-Wesen. Was übrigens völlig normal und natürlich ist, deshalb ist das völlig und ganz und gar ohne Vorwurf, ich habe auch gerne mehr, als ich eigentlich brauche, aber Wir beklagen trotzdem, das Wir zu wenig haben und merken dabei noch nicht, das Uns das festhalten und beklagen darüber, daran hindert das „WAS IST“ (denken Sie an die TeraWatt!) so zu verteilen, das Jedes mehr als genug hat. Und jetzt sind Wir bei dem, was Sie auch angesprochen haben, das es an der Zeit ist an und in Uns selbst etwas zu verändern, damit Wir die ENORMEN RIESIGEN GIGANTISCHEN Ressourcen, die Uns angeboten werden von der Lebendigkeit, vom DaSein nutzen und zwar VERANTWORTUNGSVOLL, also mit Einbeziehung der Mit- und UmWelt, anders als Wir es bisher tun, so EgoZentrisch. Ohne Vorwurf, wie geschrieben, Wir sind nunmal bisher so von der Natur geprägt worden, aber dieSelbe Natur lebt auch anderes vor und macht anderes möglich. Und das ist weissGott etwas anderes als „teetrinkende Liebhaber“, auch die suchen Sie, wie Colorcraze besser im PhantasiaLand, ich finde es gesünder und erheiternder/erweiternder in das Wirklichkeit (oder hat „Wirklichkeit“ ein Geschlecht? Aber gut das war hier nicht das Thema).
    Hannah Arendt hat einmal gesagt: „Alles denken ist nach-denken“. Ja, bisher ist das so, es ist vielleicht soweit, das aus dem nach- ein vor- wird, oder?
    Servus

  203. @colorcraze, DA -...
    @colorcraze, DA – Bry:
    http://www.dalank.de/archiv/bry.html#4
    Vollständig, soweit ich es überblicke :-).

  204. @Luetzenich:
    Wie Sie selber...

    @Luetzenich:
    Wie Sie selber feststellen – der Mensch ist, wie er ist. Weshalb ihre „Lösung“ eine genetische Änderung des Menschen voraussetzt :-). Und deshalb keine ist. Das kann man bedauern, sollte es aber als Tatsache zur Kenntnis nehmen. Bevor man sich im Träumen verliert. Oder schlimmer – in gesellschaftlichen Lösungen, die nur gegen den Menschen durchgesetzt werden können (das Kernproblem aller sozialistischen Versuche).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  205. Erstmal die Frage an den...
    Erstmal die Frage an den Blog-Inhaber Don Alphonso: Ist das iO, das ich inzwischen etwas vom Eingangsthema abschweife, ich mache es auch kurz.
    @Thorha: Die Tatsachen und die Träume, ein verzwicktes Thema. Die Tatsache ist, das Mensch in kleinen Bereichen bereits Verantwortungsvoll im DaSein lebt und diese Bereiche innerhalb der Gesellschaften immer weiter reichen, Tatsache ist auch, das sich weite Bereiche der Gesellschaft stets gegen jede Veränderung stellen, weil sie befürchten, das es nur schlechter kommen kann, als es ist. Weitere Tatsache ist, dass, soweit Sie und ich zurückblicken können, das Mensch stets gesünder, reicher, stärker, fitter, klüger und langlebiger geworden ist. Sie wissen, die heutige Lebenserwartung reicht schon an die hundert Jahre und Unser Wissen vom DaSein reicht von den Quarks bis über 13 Milliarden Jahre hinaus ins Universum, das ist doch was, oder? Und das trotz des menschlichen Trotzes, all der Verweigerung von Veränderungen und der stets mitgewachsenen Befürchtungen, das es nur schlechter werden kann und Wir besser an allem festhalten oder gar wieder in alte Schneckenhäuser zurückkehren. Die Tatsache ist also, wenn Sie alle Ergebnisse der Geistes- und Materie-Wissenschaften zusammenstellen und ein Ergebnis daraus ziehen: Das für den Menschen noch stets alles besser geworden ist. Auf Kosten anderer Spezies und auf Kosten der Bewusst-losigkeit und der Angst, das gebe ich gerne zu. Tatsachen über Tatsachen, die Terawatt der Sonne und vieles mehr nicht vergessen. Wer ist also der Träumer, und wer der Realist?
    Mir ist lieber langsam aufzuwachen aus dem engen Traum, in den das DaSein uns hineingezeugt hat, auch wenn das für die meisten anderen meiner Spezies nicht zu fassen ist, und sie mich in Verkehrung der Tatsachen als Träumer belächeln. So sind Wir halt. Klar! Aber, wie geschrieben, die Natur lebt Uns auch etwas anderes vor, und ich bin gewiss: Das DaSein wartet mit einer grossen Belohnung auf Uns, wenn Wir alle aus dem Dämmerschlaf erwacht sind und die Wirklichkeit erfühlen und wahrnehmen, wie sie ist; und nicht einen Alptraum dafür halten.
    Wenn Wir denn aufgewacht sind, und das können Wir nur alle zusammen, Einzelne können daran nur scheitern, wie zahllose Schicksale von enorm klugen Menschen beweisen, dann nutzen Wir die Terawatt und vieles andere mehr zu Gunsten des DaSeins und zu unserer Freude, statt Einander, wie bisher, unschlüssig, ängstlich und trotzig die Chancen zu verweigern, bis wieder eine Krise (auch Kriege, aber die haben Wir bald abgeschafft) Uns auf die Finger klopft und ein loslassen einfordert, von abgekauten Ideologien, Systemen und Besitzungen.
    Selbstgespräch: lass es gut sein Oliver!
    Danke fürs hinlesen. Beste Grüsse.

  206. @O.A.Luetzenich: nach meinem...
    @O.A.Luetzenich: nach meinem Eindruck ist es eher in Segmente zerteilt, über denen dann als Klammer noch ein quasiabsoluter Herrscher steht, der sich sämtliches Geschwafel anhören soll. Eben weil, wie das in der Hierarchie war, „der Dienstweg“ für die Rückkopplung nach oben fehlt. – Ansonsten, war das Kraut im Pfeifchen jetzt das Gekaufte oder bereits der gute Schrankanbau?

  207. @ waskostetdiewelt, 18. August...
    @ waskostetdiewelt, 18. August 2011, 20:00:
    Wenn Sie schon auf F.A.Z. vom 03.03.2004 verweisen, dann zitieren Sie bitte auch richtig daraus:
    S. 9
    Dih alltenn rehgelln
    Zum Brief „Sprache und Demokratie“ (F.A.Z. vom 23. Februar): Kann Leserin Julia Meseck uns allen mal verraten, war-
    um „Stofffetzen“ sie ästhetisch verwun-
    den, „Sauerstoffflaschen“ aber offenbar nicht: Ist es denn wirklich so schlimm, wenn man sich eine Regel weniger zu mer-
    ken braucht? Das Volk wurde von Anfang an durch viele Pressebeiträge zur Mitbe-stimmung eingeladen, es hat(te) die Mög-
    lichkeit zur Mitgestaltung und diese auch genutzt (sind „keiser“, „bot“, „der gefan-
    gene floh“ und andere damalige Ände-
    rungsvorschläge schon vergessen?) – ehs durrfte unnd dahrf noch immerr führ sei-nenn eigennbehdahrf sohgahr dih alltenn rehgelln gehtrohst missachtenn – von Diktatur wenigstens in diesem Fall keine Spur.
    Erst die Akademischen Monatsblätter vom April 2004, S. 04 (http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:An9nlEK2acIJ:www.kartellverband.de/fileadmin/user_upload/monatsblaetter/AM2004/KV_4_2004.pdf+zengulys&hl=de&gl=li&pid=bl&srcid=ADGEESiUqdFWxSLtr9VLLNDK62dNMUy_-_aMxkUsdpnD1rsmoX6WbwAOSjbBEBGRLq4g7elpZ7nW3xeFMjnQIsvGLUOIZPK-RWpCELKtjf6M4AVdq63YpzdAiWA6FO_cVshplvftRnnh&sig=AHIEtbTBgIMyTUqw8Mirp8jVSfA9iUT2wA) machten
    Ein Leser-
    briefschreiber hat in der „Frankfurter
    Allgemeinen Zeitung“ vom 3. März
    2004 ein Beispiel dafür geliefert, wie so
    etwas aussehen würde. Ironisch meinte
    Leser Klaus Zengulys :“Ehs (=das Volk)
    durffte unnd dahrf noch immerr führr
    seinenn eigennbedahrf sohgahr dih alll-
    tenn rehgelln missachtenn.“
    daraus…

  208. @ 26. September 2011,...
    @ 26. September 2011, 10:58
    Danke für den kleinkarierten (bis zum Hellgrau gereiften) Hinweis.
    Sinnentstellend scheint der Tastaturfehler dann aber doch nicht zu sein.
    Darauf hätten Sie ja eventuell auch hingewiesen.
    Eigentlich kann so eine Kleinigkeit nur einem, diesem ominösen K. Zengulys aufgefallen sein.

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