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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die beste Lösung des Unlösbaren

| 151 Lesermeinungen

Im Folgenden ein Gastbeitrag der von mir höchst geschätzten Melanie Mühl aus der FAZ-Feuilleton-Redaktion. Ich habe sie lang bekniet, es doch auch einmal zu versuchen. Sie hat mit letztlich erhört und über harte Themen wie den Tod und Altern geschrieben, und ich hoffe, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

[Vorbemerkung des hier sonst schreibenden Bloggers: Würde so ein Thema passen, fragte mich Melanie Mühl, als sie mir den Gastbeitrag anbot, den ich schon immer von ihr haben wollte. Natürlich, sagte ich, und ich hätte es auch gesagt, wenn das vorgeschlagene Thema das karolingische Münzwesen oder die friesische Küche gewesen wäre. Ich erklärte mich natürlich auch bereit, die Bilder zu beschaffen, denn alte Menschen sind kein Problem am Tegernsee. So ging ich hinunter zur Mangfallbrücke, von wo aus man den besten Blick über den See hat. Dort ist eine kleine Birke und darunter eine Bank, und darauf sass eine alte Frau, allein, ganz am Rand. Weisse Hose, weisse Verbände an den Füssen, weisse Perlenkette, eine weisse Bluse mit lila Muster. Im gleichen Lila waren auch die Plastikteile der Krücken gehalten, die neben ihr lagen.

Dieses Bild habe ich nicht gemacht, es wäre hier obszön voyeristisch gewesen, egal, wie gut es gepasst hätte. Das Abschiessen und Verbraten hier im Blog hätte ihr nach meinem Empfinden die Würde genommen, und dass es die richtige Entscheidung war, wusste ich, als ich den nun folgenden Gastbeitrag von Melanie Mühl gelesen habe]

Bild zu: Die beste Lösung des Unlösbaren

Die Großmutter meiner Freundin sagte: ich will sterben. Sie lebte seit vier Jahren in einem Altersheim, ein Schlaganfall hatte sie dorthin gebracht, jetzt war die eine Körperhälfte gelähmt während die andere weiter funktionierte, als wäre nichts gewesen.

Das Heim ist schön, eine Straße schlängelt sich den Hügel hinauf, überall Bäume, durch die man einen Fluss sieht. Vor dem Zimmer breitet sich eine Terrasse mit Vogelhäuschen aus, in dem reichlich Futter liegt. Nur die Vögel fehlen.

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Das Heim ist auch eine totale Institution. Die Aufgabe der Institution besteht darin, eine Gruppe von Menschen zu managen, die der Soziologe Erving Goffman in seinem Buch „Asyle“ als „Insassen“ bezeichnet hat. Der Welt der Insassen steht die Welt des Aufsichtspersonals gegenüber und der Graben, der zwischen diesen Welten verläuft, ist ziemlich tief. „Jede der beiden Gruppen sieht die andere durch die Brille feindseliger Stereotypien. Das Personal hält die Insassen häufig für verbittert, verschlossen und wenig vertrauenswürdig, während die Insassen den Stab oft als herablassend, hochmütig und niederträchtig ansehen“, schreibt Goffman.   

Die Großmutter war nun ein Insasse. Das verminte Territorium konnte sie ohne fremde Hilfe nicht verlassen. Gleichzeitig war sie aber auch eine feine Dame. Sie saß stets perfekt frisiert in ihrem Rollstuhl, einen roten Pullunder über dem schmächtigen Körper, dazu eine Bundfaltenhose und um den Hals ihre Lieblingsperlenkette. Sie roch gut. „Alte Menschen müssen nicht schlecht riechen. Meine Großmutter roch wie früher, als ich noch ein Kind war: nach frisch gewaschener Wäsche“, sagt die Freundin. Aber ihr Blick war traurig. „Der Blick machte mich fertig“. Es war der Blick einer Frau, die fünfundsechzig Jahre lang alleine gelebt hatte, froh, selbstständig, frei – die Herr gewesen ist über ihren Geist und Körper und nun klingeln musste, wenn sie zur Toilette wollte. Manchmal kam jemand, und es passierte, dass ein Pfleger den sie nie zuvor gesehen hatte nachts vor ihrem Bett stand. Manchmal kam auch niemand.

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Die Freundin besuchte ihre Großmutter selten. Dabei hing sie an ihr auf eine kindliche, ehrliche, bedingungslose Art, wie man eben an seinen Großeltern hängt, deren Rolle, egal, wie alt man selbst ist, besonders und unantastbar bleibt. Man bringt ihnen jenen Respekt entgegen, den man den Eltern so oft verwehrt hatte. Die Gesetze, die während der Kindheit innerhalb der elterlichen Wände galten, galten bei den Großeltern nicht: man durfte abends lange aufbleiben, fernsehen, lesen bis in die Nacht hinein, riesige Kaugummiblasen platzen lassen, Unmengen an Plätzchenteig essen. Man durfte sein, wie man war, ohne Konsequenzen zu fürchten. Ganz gleich, was man anstellte, die Großeltern hielten zu einem und plädierten für Milde. Zudem kochen Großmütter besser als Mütter. Sie backen auch besser. Sie erzählen aufregendere Geschichten. Großeltern sind die heimlichen Eltern, zumindest in Kindertagen.

Die Freundin sagt, sie denke mit Wehmut an jene verschworene Gemeinschaft zurück, die zwar im Geiste weiter existiere, aber in der Realität nicht mehr gelebt werden könne. Der erwachsene Mensch muss sich selbst beschützen, vor wem oder was auch immer. Doch sobald wir unsere Großeltern besuchen, verwandeln wir uns in die Enkelkinder von damals. Die Freundin fragte ihre Großmutter wie früher: „Kochst du mir gefüllte Paprika?“ „Backst Du mir Schnecken?“, „Gehen wir ins Leuzebad?“ Als könne sie auf diese Weise das Gefühl ihrer Kindheit noch einmal heraufbeschwören. Das war, bevor die Großmutter ins Heim gekommen ist.

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Es gibt ein sehr schönes Buch von George Perec, es heißt „Träume sind Räume“, darin steht: „Ich möchte, dass es dauerhafte, unbewegliche, unantastbare, unberührte und fast unberührbare, unwandelbare, verwurzelte Orte gibt; Orte, die Empfehlungen wären, Ausgangspunkte, Quellen: meine Heimat.“ Nach diesen Orten suchen wir ein Leben lang und finden sie doch nur in unseren Gedankenwelten. Die Freundin sagt: „Ich will das Bild von meiner Oma bewahren.“ Sie hatte nur noch die eine und die Brutalität der Altersheimwirklichkeit beschädigte ihre Erinnerungen. Die Frau, die im Rollstuhl saß, hatte wenig mit der selbstbewussten, scharfsinnigen, warmen Großmutter zu tun, die sie kannte. Sie war tatsächlich ein Insasse, ein Häufchen Elend, todessehnsüchtig, unglücklich, dass es schmerzte. Ihr Leben hing lediglich noch in Form von Fotos an den Wänden, ansonsten war es verloren. Die Möbel, ein Großteil ihrer „Identitäts-Ausrüstung“, standen aus Platzgründen in der Wohnung der Freundin. Der Großmutter waren wenige Kleinigkeiten geblieben, zum Beispiel die Porzellanhunde oder jener Plastikweihnachtsbaum, der nur so hoch wie ein Buchrücken ist.

Das Essen im Heim wurde in Ostdeutschland gekocht, verpackt und dann in einem Lastwagen angekarrt. Häufig gab es Steckrüben, die so übel rochen, dass sich der Freundin der Magen umdrehte. Sie schmeckten auch scheußlich.

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Die Großmutter wartete auf den Tod. Das Warten auf den Tod zählt zu den Hauptbeschäftigungen in Altersheimen, weshalb man sie so ungern betritt. Es sind Sterbehäuser. Das Ende steht einem direkt vor Augen. Die Insassen vegetieren dahin, entsorgt wie defekte Geräte. Die Großmutter hatte objektiv betrachtet Glück: sie gehörte nicht zu den ausrangierten Menschen, sie bekam beinahe täglich Besuch, vom Sohn oder der Schwiegertochter. Sie war, wie man sagt, noch fit im Kopf, löste Kreuzworträtsel, kannte die Bundesligaergebnisse und wusste jedes Detail der Affäre Guttenberg. Das Heim zählte auch nicht zu jenen Anstalten, in denen sich Demenzkranke in Besenkammern verirren und sterben, weil ihr Fehlen niemand bemerkt hat. Trotzdem war die Großmutter untröstlich. Das Heim stahl ihr die Würde.

Die Freundin sagte: „aber es doch ganz schön hier. Du hast ein eigenes Zimmer. Es ist ruhig. Und dann der Blick auf den Fluss.“ Sie wusste, das war blanker Hohn. Wie alle Insassen war ihre Großmutter dem Personal ausgeliefert, abhängig von dessen Zeit und Laune. Dieses Ausgeliefertsein ist deshalb so grausam, weil es am Ende die kleinen Irrtümer sind, die täglichen Erniedrigungen, die einen Menschen zerbrechen. Einmal wurde die Großmutter nach dem Baden mit Duschgel eingerieben, angezogen und in den Rollstuhl gesetzt wie ein Kind, das sich nicht wehren kann. Ihr Körper juckte, es interessierte niemanden. Ein anderes Mal sagte ein Pfleger: Stehen sie mal auf. Er hatte vergessen, dass sie halbseitig gelähmt war. Später schob er sie im Rollstuhl ungeschickt um die Ecke. Die Wunde an der rechten Hand war groß. Der Sohn tobte, als er am nächsten Tag kam, der Pfleger sagte: „so was passiert.“ Irgendwann erklärte die Großmutter der Institution den Krieg und verweigerte häufig das Essen. Sie nahm ab, zehn Kilo, fünfzehn. Ihre Knochen schimmerten durch die weiße Haut. Mit der Zeit verschwand sie mehr und mehr in ihrem Rollstuhl, als wolle sie sich in Luft auflösen. Aber ihr Händedruck war warm und zart wie früher.

Bild zu: Die beste Lösung des Unlösbaren

Das Schrecklichste, sagt die Freundin, sei das Gehen gewesen, das Umarmen der Großmutter zum Abschied und dann das Schließen der Tür. Als verrate man einen geliebten Menschen. Der Verrat hat ein Ende. Ihre Großmutter ist tot.   

 

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151 Lesermeinungen

  1. <p>"Die Wuerde des Menschen...
    „Die Wuerde des Menschen ist unantastbar.“
    Werte Frau Muehl,
    vielen Dank fuer den ergreifenden Text. Es mag Ihrer Freundin wohl kein besonderer Trost sein, aber fuer unsere Generation denke ich nicht, dass es sich um einen wirklichen Verrat handelt. Weil wir naemlich wissen, dass es uns spaeter genauso ergehen wird, vorausgesetzt, wir koennen unseren gesellschaftlichen und individuellen Wohlstand halbwegs halten. Dass uns diese Vorstellung nicht gefaellt zeugt immerhin davon, dass wir noch nicht gaenzlich Zyniker geworden sind.
    Letztlich zeigt Ihr Beitrag ziemlich klar, dass all das Geschwafel von „humaner Betreuung“ etc. den wichtigsten, vielleicht einzig wichtigen, Ursprung menschlicher Wuerde ausser Acht laesst – die Selbstbestimmtheit! Selbst ein „wuerdevolles Erdulden“ bekommt seine Erhabenheit doch erst dadurch, dass der Dulder sich dazu entscheided, zu dulden. Das mag fuer einige wenige erstrebenswert sein, viele andere werden sich wuenschen, den Mut zum Suizid gehabt zu haben. Vielleicht liest ja der Kollege Tolmein den Beitrag und diesen Kommentar. Seine Meinung dazu faende ich interessant.
    @Don: Schoene Bebilderung, wobei das erste Bild wirklich nicht in die Serie passt. Zu sehr Holzhammer.

  2. Herzzerreissende Geschichte....
    Herzzerreissende Geschichte. Ein Einzelfall?

  3. Ein sehr sensibles Thema,...
    Ein sehr sensibles Thema, welches zum Nachdenken anregt. Danke!
    PadE

  4. Meinen Dank für die Gedanken...
    Meinen Dank für die Gedanken zum Erhalt der Würde der alten Dame.
    Auch wenn es trotzig klingt, einer solch einfühlsamen Beschreibung vom Sterben in vermintem Territorium etwas entgegenzuhalten, es drängt mich.
    Es gibt sie noch, die würdevolle Art, zu Hause, im Kreise der Familie, im eigenen Bett.
    Aber die Gedanken, die die fast täglichen Besuche (zum Glück ist die Familie groß) begleiten, die Angst, das Bild von der tatkräftigen, dem Leben zugewandten Frau zu verwischen, die sind die Gleichen. Die letzte Umarmung, der letzte Händedruck, das Schließen der Tür (wer verlässt hier eigentlich wen). Und eine klitzekleine Spur von Verrat bleibt: Hast Du wirklich alles getan, was Du konntest?
    So just geschehen im hier so oft geschmähten Berlin, erlebt, aber noch nicht verdaut.
    „“Pinsel
    (die Vorsilben verkneif‘ ich mir“

  5. Kein Einzelfall -- so geht es...
    Kein Einzelfall — so geht es nur den Wohlhabenden — den anderen geht’s viel schlimmer.

  6. Nein, es bleibt kein...
    Nein, es bleibt kein Einzelfall – ich schalte frei, Frau Mühl ist gerade beruflich unterwegs und wird nach Ankunft antworten.

  7. Eines der letzten Tabus der...
    Eines der letzten Tabus der westlichen Welt ist die Verfügung über das eigene Sterben und dessen Umstände. Erfunden und durchgesetzt von der christlichen Kirche, zeigt der herzergreifende Beitrag, dass es nicht der menschlichen Würde dient, sondern gegebenenfalls deren Verrat. Ich möchte so nicht leben – und ich hoffe die Kraft zu haben, mein Leben rechtzeitig selbst zu beenden, sollte dieses Schicksal drohen. Leben bedeutete eben mehr als die Aufrechterhaltung der biologischen Lebensfunktionen. Die Würde des Menschen kann durch Tod aufrechterhalten und durch Leben angetastet werden, das entscheidet jeder einzelne. Für sich selbst, hoffentlich.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  8. Werte Frau Mühl,
    wenn dieser...

    Werte Frau Mühl,
    wenn dieser Beitrag weniger Kommentare erhält als die übrigen Beiträge dieses Blogs sollten Sie das vermutlich nicht als geringere Wertschätzung verstehen – ich denke, dass Viele beim Lesen sehr persönliche Assoziationen haben, welche sie nicht unbedingt hier erörtern möchten.
    .
    Was ich mich allerdings frage ist, ob im Titel nicht ein Fragezeichen fehlt.
    .
    Werter Don, sehr schöne Art, ein Bild nicht zu zeigen, überhaupt wie die ganze Bildreihe, welche ja durchgehend nach dem Prinzip arbeitet, das Eigentliche nicht abzubilden.

  9. Es ist zwar noch nicht...
    Es ist zwar noch nicht November, aber das Alter und der Tod (Boandlkramer) haben immer Konjunktur, zu jeder Tages- und Jahreszeit. Das fängt früh an.
    ..
    Der Text spricht auf sehr menschlich-kultivierte Weise von den alten Menschen und dem Vergehen……Ansonsten: „S´is wias is!“
    ..
    „Die Würde des Menschen ist antastbar“ (Versprecher von Hannelore Kohl, verst. Gattin des früheren BK Dr. Helmut Kohl).
    ..
    Meiner Schwiegermutter, 94 J, habe ich bis zum letzten Atemzug die Hand gehalten, nicht im Altenheim, sondern zuhaus. Meiner Mutter, 84 J, leider nur im Altenheim, bis zu letzten Minute.
    ..
    Auf die Frage meiner Frau bei ihrem Friseur, wie lange sich denn die alten Damen sich noch die Haare im Allgemeinen färben/tönen lassen, antwortete er: „Wir färbn bis zum Tode!“

  10. Guter Text! Aber: "es ist wie...
    Guter Text! Aber: „es ist wie es ist“ und wir werden alle sterben und vorher aller Wahrscheinlichkeit nach Hilflosigkeit erleben. Die ist nicht schön und auch nicht angenehm. Glück hat man, wenn diese nicht allzu lange dauert.

    Einer meiner Nachbarn – er war zeitlebens U-Bahn-Fahrer im Schichtdienst gewesen und Single bis zuletzt – hatte, wie ich fand, einen guten Tod. Zwar war er die letzten Jahre nicht mehr sooo gut zu Fuß, konnte sich aber immer noch selbst versorgen (wie man das als eingefleischter männlicher Single halt so macht), spazierengehen und die Vorgänge im Haus mit Adlerauge beobachten. Sein Ende fing damit an, daß er vielleicht 6 Wochen starke Herzschmerzen hatte, was er sonst noch nie gehabt hatte, aber nicht mehr zum Arzt wollte. Eines Tages gab er seine Wohnungsschlüssel seiner Nachbarin – das hatte er sonst im Leben noch nie getan. Ein paar Tage darauf fand man ihn tot in seiner Wohnung. So stelle ich mir einen guten Tod vor: ein paar Wochen an der Krankheit zum Tode (die bekommt jeder, der nicht eines gewaltsamen Todes stirbt) laborieren, und Schluß.

    Ich könnte mir vorstellen, daß sich Pfleger und Krankenschwestern in Alten- und Pflegeheimen ziemlich vorsehen müssen, daß ihnen dies nicht aufs Gemüt schlägt – daß sie es also nur einige Jahre machen können, und dann eher im Krankenhaus arbeiten, weil dort die Leute wieder aufstehen.

  11. Sehr gelungen, Einleitung und...
    Sehr gelungen, Einleitung und Text.
    Wir wollen halt die andauernde Selbstverfügung, blenden aus, daß uns nicht nur ein fading out der Körperkräfte, sondern auch ein soziales fading out erwartet. Die grade erst pensionierten Freunde, die sehr gekränkt sind, daß sie z.B. nicht mehr für einen Notfall positiv intervenieren können… Die Altenbetreuerinnen, vom Arbeitsamt um-und eingeschult, halb hingezwungen, unwillig, – was wir von vielen von ihnen zu erwarten haben, das sollte uns schon jetzt klar sein. Als Dolmetsch zwischen sich und der Realität hat man , falls man hilflos oder dement wird, nur diejenigen Kinder, die nicht aufgeben (meist die Töchter). Früher blieb den Alten nur die Wahl zwischen Dominanz (der Vater der nicht und nicht übergeben will, in einer Psychiatrievorlesung wurde uns eingeschärft bei „zornigen und renitenten“ Alten aus bäuerlichem Milieu immer zuerst nach Hofübergabekonflikten zu schauen, Psychiatrisierung war eine beliebte Taktik gegen sture Väter) und Dienstbarkeit, ja Servilität, sich unentbehrlich machen, Abgabe der Rente um den Kindern einen Hausbau zu ermöglichen, etc.. eher eine weibliche Strategie.

  12. Mir fehlen Worte. Dafür kamen...
    Mir fehlen Worte. Dafür kamen Tränen.

  13. Mehrere Jahre habe ich im...
    Mehrere Jahre habe ich im angegliederten Heimbereich einer psychiatrischen Klinik gearbeitet. Dort lebten und starben ehemalige Langzeitpatientinnen dieser Klinik, die zum Teil schon seit dem 3. Reich hier ihren vorletzten, endgültigen Aufenthalt verlebten. Der Besuch von Angehörigen war selten und so waren meine Kolleginnen und ich die einzigen Bezugsspersonen.Gleichwohl habe ich dort einige- es ist wie im „richtigen Leben“ einige sehr liebenswerte Menschen kennengelernt. Entsprechend ist die Anteilnahme, wenn man sie beim Sterben begleitet. Die Arbeit, die man dort leisten muss ist schwierig und manchmal fehlerhaft, bei bis zu 30 Stunden Diensten, ist das auch nicht verwunderlich und ein paar echte D***** findet man in diesem Beruf auch. Aber das ist bei Bloggern auch nicht anders, deshalb Dank für diesen Beitrag und @ DA, das nicht veröffentliche Foto und Ihre Einfühlsamkeit, die Sie manchmal so geschickt verbergen.
    Bin selbst gerade 64 geworden und blicke manchmal „zum Ende“ hin und habe konkrete Vorstellungen, wie ich einer Zelle im Altenheim entgehe.

  14. Es ist mir ein Vergnügen,...
    Es ist mir ein Vergnügen, solche Einleitung zu schreiben, Foersterliesel – wobei ich sagen muss, auch bei den Betreuern gibt es solche und solche. Kernproblem sind in meinen Augen oft die Familien, für sie es billig sein muss, selbst wenn es anders ginge.
    Schlendrian, mit 64 hat man hoffentlich noch viel, viel vor sich.

  15. Altern konfrontiert mich (bald...
    Altern konfrontiert mich (bald am Ende meiner Berufstätigkeit) mit sozialer Entwertung/falscher Einordnung die mich erstaunt und die ich nicht erwartet hatte. Studentinnen in meinem Arbeiterbezirk, denen ich z.B. mal einen Tip für ein Stipendienansuchen gab, so daß ihnen klar ist, daß ich studiert habe und den akad. Betrieb noch kenne, reden mich als Oma mit Hund an, dabei bin ich weder eine Großmutter, noch hat mein Leben Ähnlichkeit mit dem ihrer Großmütter, noch auch mit dem ihrer Mütter (sie sind jeweils die ersten Studierenden in ihren Familien). Aber das Alter scheint in ihren Augen wohl primär. Vielleicht aber auch ist diese Reduktion aufs Alter einfach nur Ungezogenheit, denn für uns blieb eine alte Ärztin in erster Linie immer Ärztin,
    auch wenn sie nicht mehr ordinierte .

  16. "Wer den Glauben...
    „Wer den Glauben „entsprechend der in der Gesellschaft vorherrschenden individualistischen Auffassung“ zu leben versuche, laufe Gefahr, Christus niemals zu begegnen oder einem Zerrbild von ihm zu folgen“ – wie wahr. (http://www.faz.net/artikel/C31325/weltjugendtag-in-madrid-papst-warnt-vor-den-gefahren-des-individualismus-30488980.html)
    .
    Wir haben selber schon zweimal „die eigene Biographie unterbrochen“ und selber gepflegt – es gibt keinen größeren Gewinn. (Und auch deshalb kann darin auch „individualistischer Vorteil“ liegen, aber „Leben“ ist nun mal Dialektik und unausdeutbar.)
    .
    Und erinnert alles ein wenig auch an 1. Korinther 13: Gott und Jesus z.B. erwarten vom Menschen definitv nicht die maximale Selbstverwirklichung. Die nun eben gerade nicht.
    .
    Mal sehen also, wie die junge Dame zehn, zwölf Jahre später zum selben Thema schreiben wird (denn das ja nun wohl einmal auch die Aufgabe – ganz im Sinne „verantwortlicher biographischer Rundung“, s.o.), sozusagen eine Eheschließung, drei eigene Kinder und einen ganz selbst bis zum Tode gepflegten – geliebten oder nicht – Angehörigen weiter … . (Und „Pflege“ meint alles: Siechtum, dann der Tod inkl. Sterbebegleitung, Ausrichten des Begräbnisses, Durchführung desselben, Trauerarbeit, einzeln und als Paar/Familie/ggfls. auch Nachbarschaft zusammen, eben alles: „Transition“, also „Hindurch“.)
    .
    Wie sie aber schreibt und wahrnimmt: Ganz Dame, ganz Westviertel; so kündigt sich Verantwortlichkeit an, danke!

  17. Mei jo wias halt a so is, ne...
    Mei jo wias halt a so is, ne wahrr…. Gelt, es geht halt nix ieba a guats Schlagerl. Wonst davorr nocha no amoi beichtn gweng bist, hast a guats Anträä im Himmi ghabt. In da Höll nehmans aa net an a jeds Fuchzgal, an jedn Strizzi, aa net. Feit se fei nix.

  18. "Gelt, es geht halt nix ieba a...
    „Gelt, es geht halt nix ieba a guats Schlagerl“
    So einen schnellen, leichten Tod wünscht man seinem Hund, seinen Freunden und Lieben und auch sich selbst, aber langsame körperliche Schwächung, auch geistige, verwandelt, transzendiert starke Egos, als könnten sie sich nur so dem Tod nähern, solche Prozesse haben auch ihre Stimmigkeit.
    Der Jammer ist nur, sie sollten, wie die verletzliche und tief beeindruckbare Kindheit auch, in Geborgenheit ablaufen können, sollten…

  19. Traurig,
    auf hohem Niveau...

    Traurig,
    auf hohem Niveau armseelig ins Sterben gereist.
    Ein noch größeres Vermögen und ein williger, mildgesonnener Erbschleicher im Familien-, Bekanntenkreis, vielleicht doch die bessere Alternative zum überlastungsbedingt etwas ignoranten Pflegepersonal.
    Jedes Stückchen an zusätzlicher Würde, sei es noch so wenig, in so einer Konstellation hoffentlich bezahlbar und der Schleicher könnte schon aus Egoismus relativ treu handeln.
    Die Enkelin wird sicher auch eine Abwägung für das Outsourcen der früher auch in der Familie gegebenen Pflege getroffen haben, vielleicht den beruflichen und finanziellen Verlust aus Pflege gegen die Kosten eines professionellen Pflegeheims gerechnet haben.

  20. Erstaunlich diese elendige...
    Erstaunlich diese elendige Pop-up-werbung in http://www.faz.de, paßt mal wieder wie die Faust aufs Auge, ein Parfümstinkedeoroller mit Markennamen aus der Zeit von Oma.

  21. Sie nennen es Targeting (bei...
    Sie nennen es Targeting (bei manchen Beiträgen wünschte ich, man könnte die Werbung ausschalten).

  22. Das Dahinvegetieren vor dem...
    Das Dahinvegetieren vor dem Tod ist eine Vorstellung, die wohl so überfordert, dass selbst ein fundierter Text wie dieser in Klischees abdriftet.
    Als viel bemühtes Klischee begegnet in diesem Zusammenhang häufig der Begriff der „Würde“.
    Ist wirklich der Verlust von „Würde“ – was ist das eigentlich – der zentrale Schmerz? Ist dieser nicht vielmehr die Lebensleere, der Verlust von Selbstwirksamkeit und geistiger wie emotionaler Lebensintensität, die quälende, sich endlos dehnende sinnlose Zeit, den ebenso sinnlosen Endpunkt des endgültigen Nichts vor Augen – und dies oft unter Schmerzen und bei vollem Bewusstsein? „Würde“ kann man organisieren, gegen das andere hilft kein noch so gut gemeinter Aktionismus der Betroffenheitsrhetoriker.. Das muss ertragen werden, es sei denn, man ist stark genug, sich rechtzeitig auszufädeln.

  23. Vielen Dank für diesen...
    Vielen Dank für diesen hellsichtigen, weisen Beitrag. Was wir immer wieder vergessen: Erst seit der Einrichtung von Krankenhäusern werden wir Menschen krank und sterben. Dass wir im Alter krank werden, an Handlungsmöglichkeiten verlieren, auf Hilfe angewiesen sind, jämmerlich sterben: all das gibt es nur seit der Einrichtung von Altenheimen. Endlich ein Beitrag, der den Schuldigen klar benennt! Altenheime machen alt. Machen krank! Machen hilflos! Schaffen wir die bösen „Institutionen“ ab und alles wird endlich wieder gut: ohne Krankheit, ohne Altern. Wie wir es gewohnt sind.

  24. @Ghostwriter,
    um das...

    @Ghostwriter,
    um das Dahinvegetieren geht es meist erst einmal nicht. Ich habe am 18. meine Mutter (Jg. 1922) zum örtlichen Altenheim chauffiert, damit sie dort unter Aufsicht kommt. Denn das Leben in der eigenen Wohnung wurde für sie zu gefährlich. Körperlich total fit, aber die Verdrahtung im Oberstübchen hatte nach einer Gehirnblutung vor zwei Jahren schwer gelitten. Das größte Problem ist das mit dem „Loslassen“. Meine schöne Küche, mein Klavier, meine Kochbücher und – bei Frauen sehr wichtig – meine Anziehsachen ( verteilt auf 10 m Kleiderschranklängen) müssen eingeschränkt werden.
    Auf der anderen Seite habe ich Altenheim „live“ miterlebt, denn meine Lebensgefährtin ist gelernte Altenpfelgerin und war Betriebsrat in einer Einrichtung der AWO hier in Düsseldorf. Glücklicherweise ist sie inzwischen auf EU- Rente, denn in manchen Altenheimen geht, was die Personalmenge und – qualifikation angeht, inklusive Aussteigen aus Tarifverbünden, wirklich die Post ab. Auf dem Dorf in Westfalen geht es noch etwas gesittet zu, auch was die Arbeitsbedingungen betrifft. Und vor allem: es gibt eine Truppe fitter Rentner, die sich ehrenamtlich mit den Altenheim- Bewohnern beschäftigen. Das ist nach meiner Beobachtung ein ganz wichtiger Punkt: Wer so langsam aber sicher erlebt, wie seine Jahrgänge wegsterben, vereinsamt schneller, als es ihm nicht mehr auffallen kann. Die so erfahrene Leere und dazu der Verlust der eigenen Talente und Interessen sind schwer zu kompensieren. Insofern finde ich das Konzept Altenheim gar nicht so schlecht. Die eigene Alten- WG diskutieren wir hier unter Freunden und Bekannten schon 20 Jahre, weil wir alle aus diversen Studenten- WG kommen. Aber es gelingt keine Entscheidung, weil die Pensionäre aus dem öffentlichen Dienst sich jeden Service kaufen können und die Facharbeiter oft schlicht kein Eigenkapital besitzen, weil sie ihren Kindern eine gute Ausbildung bezahlt haben. Keine einfache Sache. Wir arbeiten dran.

  25. "Don Alphonso
    21. August 2011,...

    „Don Alphonso
    21. August 2011, 23:55
    Sie nennen es Targeting (bei manchen Beiträgen wünschte ich, man könnte die Werbung ausschalten).“
    Sie sagen es durch die Blume. Jeder Browser lässt sich nach Geschmack so einstellen und mit Zusatzfunktionen ausstatten, dass keine Werbung durchdringt. Gar keine. Schlecht für die Zeitung, gut für die Artikel.

  26. Der schnelle, schmerzfreie Tod...
    Der schnelle, schmerzfreie Tod ist ein Sehnsuchtsgespinst – und das nicht erst seit heute. Wie schrieb Spitzweg: „Oft denk ich an den Tod, den herben, und wie am End ich’s ausmach!? Ganz sanft im Schlaf möcht ich sterben. Und tot sein, wenn ich aufwach.“
    .
    Doch wir vergessen, wenn wir von würdevollem Lebensende, von Würde gleich Selbstbestimmtheit, reden und schreiben, dass wir als Menschenkinder in den ersten Monaten und Jahren auch alles andere als frei waren – bis hin zur fremdbestimmten Nahrung, Verdauung, Pflege. Vielleicht also sollte man seinem eigenen Hinfällig-und-Wiederabhängig-Werden von anderen Menschen also begegnen wie der Rückkehr in jene fern vergangene Kindheit.

  27. Ein ergreifender Text der...
    Ein ergreifender Text der natürlich scheinbar im starken Kontrast zu den hier üblichen Bulletins aus der barock-oberbayerischen heilen Welt steht. Schön, daß man so etwas hier auch lesen kann.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist kein Einzelfall und das hier vorgetragene Argument, es habe auch etwas mit dem finanziellen Aufwand zu tun, der seitens der Familie betrieben wird, ist nicht immer zutreffend.
    Es gibt Verwahranstalten, in denen noch nicht einmal die Abgabe von Medikamenten (nach Monaten!) zuverlässig funktioniert.
    Aber so lange in dieser Gesellschaft eine Altenpflege-Helferin, ein Altenpflege-Helfer von dem Beruf kaum leben kann, wird es immer wider zu derartigen Auswüchsen kommen.

  28. Ein in der Tat nicht so...
    Ein in der Tat nicht so aufmunterndes, ein, ja, altes, Thema. Auch hier wieder meine fromme Hoffnung, dass vieles nicht schlechter, sondern besser geworden ist. Allein der Umgang des Einzelnen mit dem Tod, oder besser, mit dem doch recht wahrscheinlichen „Siechtum“ vor dem Tod, scheint wohl grimmiger geworden zu sein. Nicht jeden trifft mit 60 ein Herzschlag beim Joggen oder über Nacht. Zwei Bekannte aus meinem Kreis hatten ja schon dieses, Glück, nicht wahr?

  29. @Cassiel: Wieviel wert ist es...
    @Cassiel: Wieviel wert ist es uns, in einer humanen Gesellschaft zu leben? Das ist ja die Kernfrage bei all dem. Jedoch steckt in der Frage immer auch der Aspekt des Generationenvertrags. Die Gefahr ist groß, dass dieser auf Dauer immer weniger eingelöst wird. Der Grund: Unsere egoistische, weil neoliberal geprägte Gesellschaft, welche den Sinn für soziale Maßstäbe verliert (oder richtiger: verloren bekommt von Interessensgruppen, welche woanders Tea Party heißen).

  30. Da es nun auf "Würde"...
    Da es nun auf „Würde“ hinausläuft, könnte man bedenken, daß Würde ein prekärer, passagerer Zustand ist, von vielen, oft nicht dauerhaft kontrollierbaren Außenbedingungen abhängig. Da lohnt es ja immer noch sich um intrinsische (bitte um Pardon fürs schreckliche Psychologendeutsch!) Faktoren der „Würde“ zu bemühen…
    Immerhin erleiden wir den Tod nicht mehr unter Schmerzen, wie das früher auch die Reichen und Mächtigen mußten (gerade habe ich die kurz nach dessen Tod verfaßte Biographie Gideon Loudons – er war der Zeitgenosse Prinz Eugens, ebenso wie dieser „Zuwanderer“, als halbes Kind zu den Soldaten gekommen, ebenso wie der Prinz eine komplexe, auch heute noch einnehmende Persönlichkeit. Als alter Mann mußte er noch einmal in die Schlacht und starb dann, zwar zu Hause und nicht an einer Kriegsverletzung, aber unter schrecklichen, langdauernden und nicht linderbaren Schmerzen, zwischendurch seinen Nachlaß regelnd. Und so ging es damals allen, die nicht die besondere Gnade eines ruhigen Todes erfuhren.)

  31. @Ephemeride: die...
    @Ephemeride: die Parallelisierung von zwangsläufiger Abhängigkeit am Lebensanfang und am Lebensende ist ja ganz richtig, aber das eine ist ein Anfang hin zu Selbständigkeit, und das andere ein Gnadenbrot.

  32. @Ephemeride: tja, der...
    @Ephemeride: tja, der Generationenvertrag. Wie aber soll der eingelöst werden von 1 Erwachsenen, der 1 Kind und 2 Eltern zu versorgen hat?

  33. @Ephemeride,...
    @Ephemeride, Generationenvertrag:
    Wäre ich noch jung, würde ich ihn als gültig gekündigt ansehen. Durch die jetzigen Arbeitsgenerationen. Keine Kinder und enorme Schulden, aber ich (als Junger) soll den Sinn für soziale Masstäbe verloren haben? Und einen Generationenvertrag erfüllen, zu denen meine Elterngeneration IHREN Beitrag zu liefern leider vergessen hat. Oooops.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  34. @Fritz Braun: die Finanzfrage...
    @Fritz Braun: die Finanzfrage ist wegen ihrer Unlösbarkeit ein vorgeschobener Vorwand, um sich selber aus der Verantwortung zu drücken. Ich hatte zwei Großtanten, die — beide im passensten Alter vom BDM vorsozialisiert — von sich aus und gemeinsam in eine Einrichtung übersiedelt sind, die grundsätzlich in diesem Stil organisiert war — und, richtig, auch eine finanzielle Wohlsituiertheit erforderte.
    .
    Im Vergleich der Außenbetrachtung und der Innenbetrachtung ergab sich für mich: dem Besucher erscheint das als Paradies. Eine Umgebung mit sehr interessanten Menschen, denen nichts ferner liegt, als ihren Geist um ihre Zipperlein kreisen zu lassen. Dem „Insassen“ wird es dennoch leicht zur Folter. Das liegt schlicht daran, daß die Natur des Menschen ihn mit zunehmendem Alter auf Weitergabe seiner Weisheit umschaltet — nicht auf Seitengabe, sondern Weitergabe. Das für den alternden Menschen schlimmste ist, von ebenfalls alten Menschen umgeben zu sein. Und das eigene Miterleben (hier: von Jugend) in den Fernseher zu virtualisieren, macht krank. Der Eindruck, „dort ist er gut aufgehoben“, wird leicht zum Verstärker, den alten Menschen dort nur desto sorgloser verkümmern zu lassen.
    Mit dem Pflegefall an sich ist die Alten-WG ohnehin überfordert. Sie verkürzt lediglich die Kanten einiger Sozialnetzmaschen auf altersgerechtere Weglängen.
    In Wahrheit dürfte eine ganz andere Frage sich immer deutlicher offenbaren: das eigene Rentenalter nicht mehr als Übergang in den Bezug eines Altenbrots zu planen, sondern die eigene Selbstverwirklichung dorthin zu projezieren, wird ohnehin bald an demoskopischen Realitäten scheitern müssen — die im Übrigen bei Fragen nach der Volksverschuldung sehr geschickt ausgeblendet bleiben .

  35. Werter ThorHa, Sie bringen es...
    Werter ThorHa, Sie bringen es ja auf den Punkt. Nur – solang nicht irgendwo ein Anfang gemacht wird oder Vorreiter wie beispielsweise in den letzten drei Jahrzehnten im Bereich des Umweltschutzes sich einsetzen und etwas bewegen, werden noch viele Menschen unbemerkt in der Putzkammer von Altersheimen umkommen. Und das Unangenehme dabei: Sie und ich wissen nicht, ob wir es nicht eines Tages selbst sind.

  36. liebe colorcraze,
    ja, wie...

    liebe colorcraze,
    ja, wie richtig beobachtet! In der Kleinstfamilie verschieben sich die Generationenbindungen hin zu den eigenen Kindern, aber das geschieht nicht schmerzlos, nicht ohne große Loyalitätsprobleme. Moderne aber erfordert auch Distanzierung von den Alten, sonst wären ja Flexibilität und rasches Verändern von Haltungen von einer Generation zu anderen nicht möglich. Die Frauen (abgrenzungsschwach, wie Frau Roche richtig bemerkt) sind davon am meisten betroffen.

  37. Zum Stichwort...
    Zum Stichwort Generationenvertrag erscheint mir folgender Hinweis angebracht: Mit schöner Regelmäßigkeit geistern immer wieder astronomische Summen durch die Medien, die in den kommenden Jahren vererbt werden. Vielleicht sollten mehr Erblasser sich mit dem Spruch im Hinterkopf „Lass die Erben laufen“ ein Taxi zur nächsten Konditorei nehmen und dort ein ordentliches Stück Kuchen vertilgen (sofern sie dazu noch in der Lage sind). ;-) Menschenwürde müssen sich „Insassen“ und Angehörige inzwischen leisten können. Das ist symptomatisch für diese Zeit.
    Vielleicht noch eine Anmerkung zum plötzlichen- vs. langsamen Tod. Mir hat mal ein Mann, der einen langsamen Tod über Jahre starb, gesagt, er betrachte es als Privileg, sich mit dem eigenen Tod gründlich vorab auseinanderzusetzen.

  38. TorHa, was das staatliche...
    TorHa, was das staatliche Versorgungswesen angeht: Das Wort Generationenvertrag war schon immer Unsinn. Man muss sich klar machen, dass es bei den Summen, um die es geht, keine gigantische Sparbüchse gibt, in die man brav seine Beiträge für die eigene Zukunft einwerfen kann. Man gibt es Banken, die verwenden es für andere Dinge. Man sieht derzeit, wie gut sie das tun. Oder man gibt es dem Staat, der verwendet es auch für andere Dinge. Aber sich vorzustellen, dass man das Geld dem Staat gibt, der es wiederum Banken gibt, ist eigentlich widersinnig und nur erklärbar durch die Kurzsichtigkeit der Betroffenen, die nach dem Motto „morgen die Sinflut“ gern leben.
    Wie hoch meine spätere Rente sein wird, ist allein die Entscheidung der dann herrschenden Generation. Willsagen: Wieviel und auf welche Weise der Staat aktuell Geld an Rentner zahlt und Altenheime bereitstellt, hat mit den Rentenbeiträgen allenfalls mittelbar zu tun.

  39. Wehrter Don,
    ein sehr guter...

    Wehrter Don,
    ein sehr guter Beitrag.
    Meine Frage lautet“ ist jedes Heim ein House of God“?
    Wie tief sind die Gräben der Generationen?
    Herzlichst Paulchen

  40. @ThorHa: hart formuliert, aber...
    @ThorHa: hart formuliert, aber im Prinzip sehe ich das ähnlich. Generationen, die die Lebensmöglichkeit der Jungen derart eng stecken, sollten sich mit Ansprüchen an diese zurückhalten.

  41. Werter Fritz,
    da haben Sie...

    Werter Fritz,
    da haben Sie vollkommen recht, aber eine restriktive Browsereinstellung schafft dann wieder andere Probleme, die man spätestens bemerkt, wenn das Gerät bei mancher Seite merklich rumzickt. Bei einer Kompromißeinstellung des Browsers erweist sich auch http://www.faz.de als bereitwillig kompromittierend.
    @ Don Alphonso
    Heute lesenswerter Artikel zum Sterben und der Begräbniskultur, die Normen des Zusammenlebens im berüpelten Bundeshauptslum betreffend, in der FAZ
    http://www.faz.net/-022y0x

  42. One way ticket:
    So die...

    One way ticket:
    So die Einbahnstrasse überhaupt noch zu einer, wie auch immer aussehenden,
    Aussegnungshalle führen mag. Auf dem Land geht, führt der letzte Weg noch zu dergleichen hin. in den Städten erodiert es in rasender Geschwindigkeit hin zur Anonymität des Sterbens in der Einsamkeit, der Nutzlosigkeit, des Verlachtwerdens, des funktionslosen Wegwerfens, des ruhmlosen Vergessens, Einäscherns ohne jede Zeremonie, der absoluten Sinnlosigkeit. Der geheime Sinn geht verloren, nämlich das Leben und Sterben sich gegenseitig bedingen. Wer sich diesem nicht stellt verfällt dem Nihilismus.
    Der Verlust an transzendenter, religiöser Gewissheit geht einher mit der Entwürdi-gung des Menschenbildes. Der ausgerufene, tagtägliche grellgeschminkte Karneval
    übertüncht den nachfolgenden Katzenjammer nur notdürftigst.
    Es ist die Verlumpung, die wir in uns, in jedem Einzelnen, erst unmerklich, dann immer stärker zulassen. Danach entsprechend, verändern sich auch in dieser Form die äusseren Umstände. Die altmoderne Architektenweisheit „Form follows Function“ hält, auf uns übertragen, nicht, was sie so hehr versprach. Der Fisch fängt immer noch am Kopf an zu stinken. Wenn wir uns so großmundig auf unsere Aufgeklärtheit berufen, dann haben wir auch dem Menschenbild, welches diesem Credo entsprechen sollte, die nötige Referenz und Aufmerksamkeit zu zollen. Früher war es das Ebenbild Gottes, welches jeder, unzerstörbar, in sich trug. Falls wir das nicht wieder hinbekommen ist sowieso Sense.

  43. Ja gruzifix, und ich hatte...
    Ja gruzifix, und ich hatte wirklich auf ein aufmunternderes Thema gehofft!

  44. @Foersterliesel: Distanzierung...
    @Foersterliesel: Distanzierung von den Alten fördert vor allem, Altbacksches für Moderne zu halten. Wer sollte es als solches Entlarven?
    .
    Wenn dem Abgrenzungsproblem schon eine genetische Ursache zugrundegelegt werden soll, läßt es sich nicht abschaffen, sondern nur wegmendeln, und das also nicht innerhalb einer Generation. Über die Frage cui bono vor der Relation zwischen Subjekt und Objekt der Distanzforderung, konkreter, wem das weiter existente Abgrenzungsproblem bei der Abwendung vom Einen zugewandt wird, folgt dann: hier wird nur ein divide et impera betrieben.
    Kurzfassung: unter der Nebenbedingung Abgrenzungsproblem wird „modern“ zwingend zum „modisch“.

  45. Man wird ja hier im...
    Man wird ja hier im Reichshauptslum entweder herzlich ausgelacht oder fassungslos wie ein antikes Mysterium betrachtet, wenn man erklärt, daß man nicht nur wegen des dräuenden Zusammenbruchs des Westens und aller möglichen damit einhergehenden Unbillen sowie der massiven Unlust am Verbrennen infolge sinnlos entzündeten Kinderwagens im Hausflur oder Brandschatzung durch enthemmte Horden die hübsche Dachetage mit Echtholzparkett gegen ein kleines Haus mit Garten im trauten Dorf der Ahnen zu tauschen im Begriffe sei.
    Es trifft auf allseitige Verwirrung und Unverständnis, daß man die jämmerlich in Verwahrlosung und Verrohung verlotternde Stadt mit all ihren durchaus ja mehr als reichlich vorhandenen Annehmlichkeiten verlassen will um einer als heillos überkommen angesehenen Verantwortung zu folgen, den (noch durchaus rüstigen und bislang nicht im Ansatz pflegebedürftigen) Eltern zur Seite zu stehen und in der Nähe zu sein, falls die Umstände sich für die alten Herrschaften verschlechtern sollten. Immerhin, sie haben es gemeinsam geschafft, die beiden, an die Achtzig bzw. darüber hinaus zu geraten und im eigenen Haus doch alles einigermaßen gut in Schuß zu halten, ohne fremde Hilfe. Jedes unabhängige Jahr miteinander zu Hause ist ein Jahr weniger des stets vorhandenen Horrors vor dem Pflegebett in fremdem Gemäuer.
    Was mir möglich ist, werde ich tun. Und dabei sicher auch meine Grenzen erkennen. Wie sich das gehört. Die Freunde verstehen das nicht, sie malen die dörfliche Enge als bedrückendes Szenario an die Wand und warnen mich vor Langeweile und Depression im Mangel an Kultur und Weltoffenheit und raten mir, mein bisheriges Stadtleben weiter zu leben und im Fall der Fälle dann eben das Altersheim zu bemühen wie das heute üblich sei und mich nicht sinnlos zu belasten mit anerzogenen, altbackenen Idealen von Verantwortung und Pflicht. Und für die Grabpflege danach gebe es ja doch Gärtner, so teuer sei das ja nun auch nicht (Dabei wird gerne vergessen, daß man nur auf dem Friedhof alles, aber auch wirklich alles erfährt, was im Dorf so geschieht und was man oft genug lieber gar nicht wissen will).
    Was die lieben Freunde völlig verkennen ist die Chance zum Wachstum in einem wichtigen Lebensabschnitt, die sich bietet, wenn man seine alten Eltern nicht zugunsten des stur durchexerzierten eigenen Lebensentwurfs alleine ihr Ding machen läßt, sondern in der Nähe ist. Nicht nur, um ihnen zur Seite zu stehen, wenn sie das brauchen und wollen (und dieses auch einmal nicht zu tun, wenn sie das wünschen) sondern vielleicht auch, um einige Dinge zu klären, die bislang nicht geklärt werden konnten und die sich jetzt auflösen lassen, wie ich feststellen konnte. Der Preis dafür mag dann eine anstrengende Pflege und eine harte Zeit sein. Ich hab das mit meiner Oma mütterlicherseits schon intensiv durch, und ich würde mich schämen, weniger Beistand an den Tag legen zu können wie meine Mutter mit der ihren damals. Die Oma ist zuhause im eigenen Bett gestorben, wir waren alle drei bei ihr in ihren letzten Stunden – ich habe die naive Absicht, diese Bereicherung des Lebens durch das Sterben eines geliebten Menschen nicht an mir vorübergehen zu lassen, wenn es irgendwann dann um meine Eltern geht.
    Ganz gleich, wie sich die Dinge gestalten, das Altersheim ist der letzte Ort auf Erden, den ich meinen Eltern zumuten wollte (es sei denn natürlich, sie selbst entschieden sich dafür). Den gräßlichen Schritt gehe ich, so es denn meine Entscheidung wird, erst dann, wenn nach Abwägung aller Umstände und redlicher Überprüfung sämtlicher eigenen Möglichkeiten und Reserven nichts, aber auch gar nichts anderes mehr geht. Bis dahin ist hoffentlich noch ein sehr weiter Weg mit den alten Herrschaften zu gehen.

  46. mit über 70 geht einem so ein...
    mit über 70 geht einem so ein Beitrag ganz schön an die Nieren,
    denn es ist bei aller Bescheidenheit unser aller Zukunft.
    Die Gesellschaft hat die Kinder objektiv verändert,- ob sie es wollen oder nicht- leider nicht immer zum Besten für die älteren Generationen.
    3 Generationen unter einem Dach? Heute: unmöglich. Früher : die Regel. Es geht heute auch nicht mehr. Das Leben ist anders geworden.
    Also Altersheim (egal wie man die Einrichtung nennt) Deshalb auch m.E. die Silversurfer, die flotten Alten,die modebewussten Rentner, die älteren PKW- fahrer usw. Sie bestimmen noch selbst, bevor der grosse Gleichmacher kommt.

  47. Kleine Vorbemerkung: Sie haben...
    Kleine Vorbemerkung: Sie haben wieder einmal sehr schön geschrieben, sehr verehrte Frau Mühl. Habe mich heute sogar dabei erwischt, so etwas wie ein Fan geworden zu sein. :-)

    Das Problem des alten Menschen, des Insassen im Heim, seine Verringerung der persönlichen Autonomie, ist für viele Charaktere hart und schwer bis gar nicht zu ertragen. Die geringe Autonomie der noch arbeitenden Menschen, der Insassen im Sozialstaat, ist für Freiheitsliebende zeitlebens eine demokratische Hölle. Denn anders als der alte Mensch, desses Psyche und Physis ihn hilfsbedürftig machen, am Ende des Lebens gerade umgekehrt fortschreitend zu seinem Anfange, ist der noch kräftige Mensch, geistig gesund und körperlich vermögend, willens und bestrebt aufzubauen und zu helfen. Doch: Genauso wie es dem parlamentarischem Ausdruck eines gemutmaßten Volkswillens entspricht, genau so muß er helfen. Er ist gezwungen, sein empathischer Impetus ist irrelevant, geradezu gekappt. Und wir beklagen die Abnahme von verantwortungsvollen Handeln in so vielen Lebensbezügen, beklagen die Abnahme von Mitmenschlichkeit und Zuwendung – und erkennen nicht den Grund dafür.
    Zwingt die Alten das unbarmherzige Gefüge der – unvermeidlicher Lebensgesetzlichkeit folgend – nachlassenden Kräfte zur Annahme von Pflege, so wird der Bürger vom Mitbürger meist sehr subtil und selbstredend kollektiv, am Ende immer unter Androhung roher Gewalt, in ein sehr wohl vermeidliches papiergesetzliches und anmaßendes, oft völlig unpassendes und immer nicht ideal passendes Korsett gezwungen, fast eine Millionen Vorschriften bedrohen seine Autonomie, negieren sie oft vollständig. Der Irrtum christlicher Politik, die Überhöhung des politisierten Sozialen, ja, die Säkularisierung christlicher Werte und etatistisch-monopolisierende Sozialisierung einst gewachsener Institutionen von Ehe und Familie zu Sozialhilfe und Familiengericht, von Nächstenliebe und Nachbarschaftshilfe hin zur völkischen Schicksalgemeinschaft und weitgehender staatlich verwester Einheitsbildung, Einheitsgesundheit und Einheitsrente ist viel problematischer als es sich die Gründer erdachten. Was im Kleinen geht, läuft noch lange nicht im Großen. Heute ist Solidarität alles – und doch ein völlig leerer Begriff geworden, nur noch eine Worthülse, denn niemand kann noch solidarisch sein – er muß es. Aus Brüderlichkeit wurde Zwangsverbrüderung. Die Überdehnung wertvoller christlicher Ideen aus den gewachsenen und bewährten menschennahen Institutionen, ihre gutgemeinte Übertragung auf riesengroße Sozialitäten, auf institutionalisierte Millionheere, ist furchtbar für die Würde des Menschen und zeitigt eben zunehmend verheerende Folgen. Der Mensch ist nicht mehr Mensch, er ist zeitlebens Insasse, ist Bürger und Volkseigentum. Seine Autonomie ist vernichtet: Er darf sich nicht frei bilden, sondern wird zwangsbeschult. Er darf sich nicht um seine Gesundheit kümmern, sondern ihm wird nur ein Mitbestimmungsrecht in der staatlich verwesten Krankheitsverwaltung eingeräumt. Und dergleichen mehr noch. Also stirbt er nicht mehr bei der Arbeit oder im Kreis der Familie, sondern in den neuen Institutionen der aufgeklärten Moderne. Diese hat den Menschen befreit aus der Knechtschaft und Enge alter Traditionen, Konventionen und Institutionen. Nun ist er das Opfer politischer Konstruktionen und übermenschlicher Institutionen, die er an ihre Stelle gesetzt hat. Nicht das Vertraute bleibt ihm, sondern das ihm Zugeteilte muß er nehmen. Der alte wie der junge Mensch hat in dieser neuen Welt viel Autonomie verloren. Dem Alten ist zur Rebellion der Tod näher, ist ihm als Erlösung mit den Resten seiner Autonomie leichter zugänglich. Der junge Mensch hat keine Chance mehr. Er will leben, sein Selbsterhaltungstrieb treibt ihn in die Arme derer, die ihn zur Anpassung zwingen. Und nichts wird daran anders, wenn dieser Zwingherr angeblich wir alle sind. Die Welt ist eine des demokratischen Befehls geworden, dem man sich nur noch durch den Tod entziehen kann. So tragen wir den Tod kollektiv in jedermanns Lebenskalkül.
    Wir räumen dem Kollektiv allgegenwärtig Vorrang ein – und beklagen den Verlust unserer uns doch so eigenen Würde. Sensible drängt es, unseren alten Müttern und Vätern den Verlust der Autonomie, die ein Verlust der Würde ist, abzufedern und liebevoll zu helfen. Ja, sie möglichst diesen Verlust nicht spüren zu lassen. Wie können dieselben sensiblen Menschen dem Verlust der Autonomie – und auch hier der damit verbundenen Würde – im Sozialen zustimmen? Dies gar einfordern, institutionalisieren und gesetzmäßig gewaltsam durchsetzen?
    Wahrscheinlich, ich wage diese Prognose, werden die anmaßenden etatistischen Institutionen der Moderne sich angesichts der Überalterung, die wohl selbst ihre Folge ist, überheben. Die Antwort in Deutschland war die staatliche Pflegeversicherung. Bei der jeder mitmachen muß, auch wenn diese Ausgaben dann wiederum für die Nächstenliebe fehlen. Und womit die Welt wieder ein wenig kälter geworden ist. Hoffentlich erschreckt uns diese Kälte in unseren Altersheimen, deren Zahl auf lange Zeit zunehmen wird, genug, um uns wieder eine Idee zu geben, wie es anders sein könnte. Wie so vieles anders sein könnte. Auch jetzt schon, wo wir noch nicht Dahinsiechen.

  48. Schluchz. - Ganz unironisch....
    Schluchz. – Ganz unironisch. So siehts aus: zum Heulen!
    Meine Mutter ist in einer ähnlichen Situation, vielleicht noch ein bißchen schlimmer, da seit dem 2. Schlaganfall fast ganz gelähmt, geistig ein bißchen betroffen, und fast unfähig zu sprechen. Vielleicht auch einen Hauch besser, da geistig ein bißchen betroffen… aber nicht genug…
    Sie hat viel geweint und nicht mehr gewollt, aber doch ein paar Infektionen nebst Lungenentzündung überstanden und sagte dann: Ich will nicht sterben! Unendlich traurig ist es doch, traurig ist sie auch; hilflos, verlogen und gemein fühl ich mich, daß ich sie diesem Laden ausgeliefert habe, der angeblich auch noch „das beste Heim in der Stadt“ sei. Nach irgendwelchen Kriterien vielleicht besser als andere, aber die Acht-, Takt-, Respektlosigkeit des Personals, die sich in tausend Kleinigkeiten zeigt, ist endlos. Es gibt auch MitarbeiterInnen, die sich etwas „sensibler“ geben, aber meist auf eine herablassende und klischeehafte Art und Weise, ohne im geringsten auf die Eigenarten des ihnen anvertrauten Menschen einzugehen (oder dazu, ein mildernder Umstand, zum Teil wohl überhaupt imstande zu sein). Alle Alten Menschen hören doch gerne Schlager im Radio, oder etwa nicht?*
    Wir haben vor einiger Zeit den Schmerzmediziner gebeten, auch noch was gegen die seelischen Schmerzen draufzulegen. Die chemische rosa Brille sozusagen, wo es nichts mehr zu beschönigen gibt. Scheint sogar zu helfen, ein bißchen.
    Ihre Freude, den Enkel zu sehen oder am Telefon zu hören; zusammen lachen, kurz die Traurigkeit, Peinlichkeit, Unwürdigkeit der Situation überwinden. Ich sage mir, dafür lebt sie, immerhin.
    Alles in allem aber: Traurigkeit, so dick, daß man sie schneiden könnte in diesem Heim. (Vielleicht könnte das Personal dort gar nicht anders überleben als eben so verblüffend unsensibel und/oder herablassend, wie es ist?)
    *Nix für ungut. Ohne Frage besteht das Pflegepersonal idR aus hart arbeitenden, wohlmeinenden Menschen, die versuchen, den Laden unter höchstens mittelmäßigen Bedingungen und bei schlechter Bezahlung am Laufen zu halten. Inwieweit die Fähigkeit, diese Arbeit dauerhaft durchzuhalten, mit ehrlichem Respekt und Mitgefühl für die Bewohner vereinbar ist, weiß ich allerdings nicht.

  49. @mimi: Pflegepersonal ...
    Auch...

    @mimi: Pflegepersonal …
    Auch eine der Illusionen der modernen Zeit, dass nur die pflegenden Menschen besser sein müssten, dann würde auch alles besser. Nein, die Fähigkeit (und Bereitschaft), diese Arbeit durchzuhalten, geht im Regelfalle mit verhärteter Epidermis einher. Wie bei Ärzten in der Klinik, für die (ab dem zweiten Jahr spätestens) Sie oder ich nur noch „der Magen“ oder „die interessante Komplikation bei den Hämhoriden“ ist. Fähigkeit wie Bereitschaft der allermeisten Menschen, sich freiwillig und ohne Not immer wieder persönliches Leid anzutun, ist und bleibt begrenzt. Und das gilt dann eben auch für Pflegepersonal.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  50. @ JHM Antikes Mysterium, bei...
    @ JHM Antikes Mysterium, bei dem Sentenzialismus

  51. Lösungsansätze für das...
    Lösungsansätze für das (anscheinend) Unlösbare:
    Na schön denn, in der Analyse dessen „Sís wias is“ sind wir ja Alle, auf mehr oder weniger robuste Art und Weise, im herauspräparieren der Um- resp. soz. Zustände suuuper. Und weiters? Die einen sind für so eine Art Seppuku nach altjap. heroischer Samuraihaltung aus…..der Rest „und sonst bittäschän“? *)
    ..
    Gerne werden an der Kasse weitestgehende konstruktive Vorschläge in schriftlicher Form, in max. DIN A4 – Format, angenommen.
    *) Bitte enttäuschen Sie die Festspielleitung nicht.

  52. Falkenherz@: Gemach, gemach,...
    Falkenherz@: Gemach, gemach, jetzt fängt erstmal der große Sortier an, danach….schaugn mer halt amoi! Lustig, bis auf weiteres, war gestern.

  53. liebe(r) bgks,
    mit der...

    liebe(r) bgks,
    mit der Desidentifikation zwischen den Generationen als eines der Kennzeichen von Modene hatte ich den „heißen Zyklus“ aus der Ethnologie gemeint; im kalten Zyklus und in relativ statischen Gesellschaften lernt man von den Eltern fast alles was man zum Leben braucht, in der Moderne gibt es ständige Innovationen (technischer, moralischer Art etc) da lernen die Eltern von den Kindern. Das ist alles natürlich nur grob, schematisch, idealtypisch.
    Und zu physischen Schmerzen fällt mir noch der Vorschlag des Ethnoanalytikers Paul Parin ein, den Alten doch den Gebrauch leichterer Drogen zu gestatten, gegen dauernde Schmerzen und gegen die Depression, die der Macht-und Kraftverlust im Alter nach sich zieht. Nun, das Achtel bis Viertel Rot wurde früher jeder Oma zugestanden, in Ostasien rauchten die Alten gegen Schmerzen Opium, und synthetische Drogen werden ja ohnehin reichlich verordnet (ab Klimakterium, gehen Sie mal mit unspezifischen rheuma-ähnlichen Schmerzen als ältere Frau zum Arzt, sie kriegen sofort ein Antidepressivum verordnet, gegens Rheuma läßt sich eh nix machen…) und wenn die Opiumpumpe gegen Dauerschmerz falsch „eingestellt“ ist, läßt sich die Großmutter ein überdachtes Schwimmbad in den Garten bauen (passierte tatsächlich im Freundeskreis, die alte Dame wurde durch Übermedikation manisch und beschloß, sich ewig aufgeschobene Wünsche zu erfüllen ).

  54. Erst nach uns die...
    Erst nach uns die Sinnflut?
    Das sehr sensibel und einfühlsam dargestellte Thema steht indes (leider!) in einem Kontext zur Realität der verwahrten anonymen Alten. Der nachstehend wiedergegebene, polit-kabarettistische(!) Auszug aus Georg Schramm’s „Thomas Bernhard hätte geschossen“ ist sicherlich eine (aufrüttelnde!) Überzeichnung, trifft aber mit den Ausführungen des nörgelnden Renters August die dahinter stehende Kernproblematik der bedrohten oder gar verlorenen Alterswürde in einfachsten Pflegeeinrichtungen:
    August will seine Frau nur auf Empfehlung seines Hausarztes in ein (gutes) Pflegeheim geben. Dafür akzeptiert er, dass sein Hausarzt neue Tabletten der Pharmaindustrie an ihm austestet. Singemäß wörtlich (aus dem hessischen) heißt es sodann:
    „Ich müßte sie (sonst) in’s Pflegeding, das Stift vom Amt da geben. Da will ich sie aber nicht reinlegen. Das Pflegestift von der Stadt taugt nichts. Das hat sie (August’s Frau) nicht verdient. Ein Zimmer habe ich mir angeguckt. Ich war in dem Zimmer drin. Da waren 4 Leut‘. Einen Älteren hatten sie in der Ecke festgebunden. Der durfte nicht mehr pinkeln gehen. Weil, wie sie sagten, der dröppelt unterwegs.
    Und die anderen drei saßen zu dritt auf der Kloschüssel auf so ’nem Stuhl mit Rollen, da war der Schieber drunter, und auf dem Brett hat das Frühstück gestanden. Und ein Zivi war mit dem Lappen an den dran am Putzen.
    Das kannst’e doch mit de Leut‘ nicht machen: zu dritt auf der Kloschüssel und der Zivi mit dem Lappen zwischen den Füßen!
    Und meine Frau war immer schon mit dem Untenherum heikel. Wenn sie sich waschen wollte, durfte ich nie in’s Bad. Und da kommt sie zu dritt auf die Schüssel und ein 20-jähriger ist mit dem Lappen zwischen drin. Da schlage ich sie lieber tot vorher. Das wäre mir (ja) schon zu viel; und ich vertrage was!
    Wäre ich in der Kirche, würde ich jeden Tag beten: Lieber Gott, sei so gut und ziele anständig, bevor mich der Schlag trifft und guck‘ vorher, dass kein Arzt in der Nähe ist.“
    Angesichts auch noch des Lachens des Publikums verbleibt im Ergebnis nur Verbitterung und Ohnmacht. Ist die Satire doch der Wirklichkeit recht nahe!

  55. @mimi: In so einer Situation...
    @mimi: In so einer Situation finde ich Palliativmedizin durchaus als richtig. Sie können es aber drehen und wenden, wie Sie wollen, die Altenpfleger können sich sowenig selbst aufgeben und „nur für die Patienten da sein“ wie irgendein anderer Mensch, inklusive Sie selbst.
    @Sedlaczek: sorry, aber das ist doch jetzt wirklich völlig illusionärer Quatsch à la lustvolles Atmen im Vakuum. Der Mensch ist ein zoon politicon, kein Robinson.
    @Thukidydes: ja, es hat sich verändert, und seit ca. 1980 nicht zum Besseren. Der Umschwung hin zu einem vermehrten Glauben an eine bewältigbare Zukunft – meine Mutter erzählt mir öfters, wie es ab den 1950ern „immer besser“ wurde – fand nicht statt, die Skepsis blieb.
    @JHM: wenn Sie es sich beruflich und familiär leisten können, tun Sie das. Denn die Möglichkeit, von Ihren Eltern den Schlüssel zur Familiengeschichte, die man zunächst nur aus dem Erleben als Kind kennt, ausgehändigt zu bekommen, verpassen Sie sonst.
    @bgks/Foersterliesel: „Distanzierung von den Alten fördert vor allem, Altbacksches für Moderne zu halten.“ Sehr wahr. Und das Mißverstehen noch in jeder Generation aufgetretener notwendiger Lebensentscheidungen als „völlig neu“ oder „individuell nur einen selbst betreffend“. – „Moderne aber erfordert auch Distanzierung von den Alten, sonst wären ja Flexibilität und rasches Verändern von Haltungen von einer Generation zu anderen nicht möglich.“ hm, die tritt vielleicht besonders drastisch auf, wenn sich auch der Beruf (so man das heute noch haben kann) der Jungen von den Alten unterscheidet, oder ohnehin nur auf Handlangerfitness ausgelegt ist, so daß sie von den Erfahrungen der Alten wenig profitieren können.
    @Cassiel: Pflegebedürftigkeit wird auch mit viel Geld nicht besser, da kommen dann nur andere Geschäftsmodelle in Anschlag. Z.B. lebensverlängernde Maßnahmen über den Lebenswillen hinaus.

  56. @rei-publicae: sicher, je...
    @rei-publicae: sicher, je billiger, desto kläglicher, aber wenn die Leute in ihrer Wohnung versterben, sieht es auch danach nicht besser aus… fragen Sie mal unter Feuerwehrleuten, die mitunter Türen öffnen müssen…

  57. @colorcraze: Stimme Ihnen aus...
    @colorcraze: Stimme Ihnen aus eigener Rettungsdiensterfahrung als Zivi in der Sache (leider) zu, möchte aber zu bedenken geben:
    In objektiver Hinsicht ist hinter verschlossenen Wohnungstüren würdeloses Sterben zu vermuten. Der Betroffene wird sich aber trotz vielleicht menschenunwürdig erscheinender Umstände seine persönliche Würde bis in den Tod hinein bewahrt haben können.

  58. @rei-publicae:
    Ja! Und wenn am...

    @rei-publicae:
    Ja! Und wenn am Ende nur die persönliche Illusion der Selbstbestimmung verblieb.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  59. Das Schicksal des unwuerdigen...
    Das Schicksal des unwuerdigen Sterbens der Alten, jaja. Aber keine Rede von der unwuerdigen Kindheit der Jungen, verursacht durch die Alten. Verursacht durch die Lieblosigkeit der Eltern, der Lehrer dieser Generation, einer grandios verfehlten Familienpolitik, der beruechtigten Kinderfreundlichkeit der Deutschen.
    Man soll sich nicht wundern, wenn Manche ihre Eltern so human wie moeglich dem Pflegeheim ueberantworten.
    Eltern sind nicht immer Freude und Schutz der Kinder. Sehr oft ueberhaupt nicht.
    .
    Ich kenne einige, denen das Elternhaus, bei aller Wahrung der eigenen buergerlichen Reputation, zur Hoelle wurde. Diese Kinder sprangen von der Bruecke, steckten den Kopf in des Gasherd oder liessen den Automotor in der geschlossenen Garage laufen.
    .
    Und Muetter? Haha! Die deutsche Mutter ist ein Mythos.
    .
    PS: Die war ein kurzer Beitrag zu einer leicht verlogenen Diskussion. Damit verabschiede ich mich wieder ins filoufreundliche Nirvana.

  60. @ThorHa: kommt hinzu, wie lang...
    @ThorHa: kommt hinzu, wie lang die Nachbarn das mitmachen.

  61. Worüber ich mich mal...
    Worüber ich mich mal ärgerte: den Satz „Ihre Tante könnte noch leben, wenn Sie ihr einen Piepser verschafft hätten“ von einer (sonst nur wenig mit der Sache vertrauten) Krankenschwester. Nein, es hätte eben keinen Wert gehabt, sie ständig ins Krankenhaus zu verfrachten und dort noch zum Versuchskarnickel zu machen, wenn 2 Kliniken schon gesagt haben, es gibt nichts mehr zu therapieren. Ich bin sicher (und die Reaktionen von ThorHa und rei publicae bestätigen mich darin), daß der Tod zuhause in ihrer gewohnten Umgebung für sie besser war als im Krankenhaus. (Ja, sie war ein Mensch, der auf seine Würde wert legte.)

  62. @ Ingeborg - Wollen Sie mir...
    @ Ingeborg – Wollen Sie mir grad noch für ganz strunzdoofe erläutern, was Sie mir mit ihrem Kommentar, beinhaltend das, soweit mir bekannt, in der deutschen Sprache nicht gebräuchliche Wort „Sentenzialismus“ nahelegen wollten? Lieben Dank!

  63. Steckrüben ? Man hört, daß...
    Steckrüben ? Man hört, daß die drüben in der Ostzone kleine Kinder fressen !
    .
    (schön blöd von Sohn/Enkeltochte, die Oma in ein Heim zu geben, das keine eigene Küche hat. War sicher billiger. Hoffentlich entschädigt das Erbe für den täglich schrecklichen Abschied.)

  64. filou, Ihr Beitrag trifft zu...
    filou, Ihr Beitrag trifft zu 100%. Danke!!! Ich vermisse Sie hier, aber verstehe Ihren Rückzug.

  65. Filou, selbstredend ist die...
    Filou, selbstredend ist die deutsche Mutter ein Mythos, die Deutschen und ihre angeblich nicht vorhandene Kinderliebe sind ein stets für alles schlechte der Landesmentalität (gibts die?) herausgekehrtes Zerrbild und die Alten haben auch mir das Leben nach allen Normen deutscher Gründlichkeit zur Hölle gemacht, damals. Als ich den Herrschaften mit 15 zu Nikolaus eröffnete daß ich schwul sei und dieses auch keine Phase darstelle wurde das erstmal ignoriert, bis dann beim Zeltlager der katholischen jungen Gemeinde (die für mich eigentlich zuständigen Evangelischen boten derlei leider nicht an) das Malheur geschah, daß ich Dussel in meinem Überschwang völlig vergaß daß man uns ja von außen als anstößiges Schattenspiel recht deutlich sah als ich mit dem zauberschönen Mädchenschwarm der Schule bei Kerzenschein … nun, es hatte Folgen, nicht zu knapp. Und inzwischen sind viele Jahre vergangen und meine Mutter kann ebenso herzhaft darüber lachen wie sie damals heillos hysterisch überreagiert hat. Heute erklärt sie der lesbischen Nachbarstochter was davon, daß man sich in der Jugend verwirklichen soll und gibt der Mutter des Mädels gute Ratschläge – ich bin vor lauter Fassungslosigkeit immer ganz willenlos begeistert, wenn ich derlei mitbekomme.
    Ja, sie haben in vielerlei Hinsicht kläglich versagt, so wie ihre Eltern vor ihnen auch und wie so viele heute noch immer, die es nun doch eigentlich wirklich besser wissen könnten … Ihnen aber jetzt im Alter noch dauernd ihre Mängel, ihre Unzulänglichkeiten und Versäumnisse vorzubeten halte ich für müßig. Man sollte dann irgendwann auch mal realisieren, daß man nicht für den Rest seiner Tage das eigene Drama ständig vom „Versagen“ der bösen Eltern ableiten kann. Irgendwann ist auch mal Zeit für Vergebung und Loslassen. Ich hatte aufgrund des mehr als mißglückten Handelns meiner Eltern auch keine, milde ausgedrückt, durchwegs tolle Jugend, beileibe nicht, aber daraus leitet sich wohl eher kein Recht auf späte Rache an den beiden ab.
    Und verlogen? Drei Viertel der Menschheitsgeschichte und nahezu das gesamte aktuelle Finanzinferno sind eine einzige verlogene Heuchelei, insofern … hilft ja nix.

  66. Dank auch allen...
    Dank auch allen KommentatorInnen, die den Beitrag oben auf die Füße stellen. Altern bedeutet Autonomieverlust, alleinwegen der Verdichtung von Krankheit. Nicht das Altenheim macht krank, sondern das Alter. Und natürlich „tobt“ der Sohn, wenn der Pfleger die Mutter aan die Wand fährt. Er tobt aber deshalb, weil er selbst genau das (vermeintlich) schon tat, als er die Pflege abgab. Wenn die Pfleger böse sind, ist man selbst im Drückebergertum entlastet. Hass aufs Pflegepersonal hat immer Selbstgerechtigkeit zum Grunde.
    Und es stimmt auch: Manches Kind, das die eigene Mutter fremdpflegen lässt, hat erstmals einen erwachsenen Schritt getan. Und sich von dem Menschen, der einem Hölle bereitete, in würdiger und anständiger Weise getrennt. Nur die Mühls dieser Welt sehen in der Mutter die Heilige. Und fühlen sich gerechtfertigt, wenn sie anderen Bosheit und faule Nachlässigkeit unterstellen. Sie können es um so besser, je seltener sie selbst (o ach, die Verpflichtungen) im Heim erscheinen. Um dann zu „toben“, was für Wochen Selbstwertgefühl weckt…

  67. Ein schöner, nein ein guter...
    Ein schöner, nein ein guter Beitrag, danke dafür. Die Bilder haben dieses noch sommerfrohe Herbstabschiedslicht, das in flachem Winkel das grün dunkelt und das gelb umflort. Ein Licht, das Seele und Herz öffnet für solch bitterschwere Ausblicke ins eigene Ende. Der Text tut es ebenso.
    .
    Man gehe an einem beliebigen Tag um ein Pflege-und Bewahrinstitut und sehe einmal nach, welche Pampers-Packungen zu finden sind. Sind 24 Stunden (!) Windeln dabei oder bloß die 8 Stunden-Rundumschutz-Windeln? Werden die Aussentüren abgeschlossen? Weiter: werden Batterien an Armbanduhren erneuert? Wird das Gebiss/ die Zahnprothese jeden Tag (!) eingesetzt bzw. richtig festgeklebt? Wie laut ist die Musik gedreht?
    Es sind die kleinen, täglichen Dinge, an denen man zerbricht. Das gilt auch für den pflegenden Angehörigen.

  68. Das war, dafür daß er an nur...
    Das war, dafür daß er an nur einem Beispiel durchgespielt wurde, ein erstaunlich vielschichtiger Beitrag zur Selbstbestimmung in Alter und Krankheit. (Auch wenn Sie beim Pflegepersonal – Kunstgriff zur Straffung? – die Rollen auf Insassen vs. Aufsicht beschränkt haben. Aber dazu hat ThorHa schon alles gesagt.) An meinen Großmüttern habe ich sogar den himmelweiten Unterschied sehen dürfen, zwischen dem Leben bis zum Tod im eigenen Haus gepflegt von der Tochter, und dem anderen, wenn man Ende 80 den Zugang zur Realität verliert und die Kinder das halt einfach nicht mehr bewältigen können. Sogar die Gefühle der zitierten Freundin sind mir bekannt als meine eigenen; dieser Limbo zwischen Erleichterung und Schuldgefühlen. Das ist jetzt alles wachgerüttelt.
    Trotzdem stehe ich am Ende da, und frage mich: ja und? Und jetzt? … Unter den gegebenen Umständen gibt’s halt tatsächlich keine andere Lösung, als sich – auf welche Art und Weise auch immer – umzubringen. Die alte Dame hat nicht die beste, sie hat die einzige Lösung gefunden.
    Es gäbe natürlich schon noch eine andere, eine utopische, weil man dazu eine komplette soziale Revolution und den sogenannten benevolent dictator bräuchte, der dann das bedingungslose Grundeinkommen und zwar in seiner Reinform durchsetzt.
    Und utopisch ist das nicht, weil’s am Geld scheitern würde, sondern es scheitert daran, daß man mit der Entkoppelung von Arbeit und Einkommen ein phantastisches Macht- und Lockmittel verliert. Man denke nur an den Wahlslogan „Arbeit muß sich wieder lohnen.“ Der hat mächtig eingeschlagen. Die in den dienenden Berufen merken aber nichts. Das Pflegepersonal in Altenheimen und Krankenhäusern, z.B. kann davon ein Lied singen.
    Letztendlich handeln die von uns gewählten Politiker gerade nicht anders als der korrupte Lokalpolitiker in dem Entwicklungsland, in dem ich mal zwei Jahre zubringen durfte. Der sagte, er wolle gar nicht, daß seine Wähler eine gute Schulbildung und eine soziale Krankenversicherung haben, denn dann könne er sie bei den Wahlen nicht mehr mit Geldgeschenken, Medikamenten und schönen Versprechen bestechen.
    Und wir? Wir machen mit.
    Und diese Schlußfolgerung war’s dann eigentlich, Frau Mühl, die mich wirklich und wahrhaftig traurig und zornig gemacht hat. Sehr zornig sogar. Aber nicht auf Sie. Ihr Artikel war wirklich gut.

  69. Mich hat wer inzwischen...
    Mich hat wer inzwischen gefälscht, macht nichts. Nur eben, wo filou noch einmal auftaucht, darfs die Urarabella auch: Der Don hat in der Nachbarschaft zu tun (Generalverachtung „des Berliners“ weckte stolze, aber untaugliche Kommentarezahl) und kann hier nicht wie gewohnt zensieren. Daher, dem filou und dem Erlangener und anderen Dank!, gibt es noch einmal Kommentare mit der Qualität meiner Physikumszeit.
    .
    Aber dieser Eintrag hier zeigt deutlich wie der Berlinschmock von drüben: nur durch immer gröbere Hasspredigt kommt der Don und kommen seine Mädels noch auf Zahlen. An dieser Stelle großes Lob allen pflegenden Angehörigen, die nicht entsorgen, um dann über das „Personal“ „toben“ zu können. Diese Billignummer ist außerhalb der schlechten besseren Gesellschaft zum Glück selten.
    .
    Lieber Don, ein Tipp zum Schluss: entweder reissen Sie sich zusammen oder das hier geht – soweit möglich – noch weiter zugrunde. Mehr denn zuvor halte ich es wie filou, hm555, bIV, grimaldeli, der Tiger und andere einst bemühte und mit Ihnen geduldige Gäste, die sich mit Grausen wenden. Keinen Vernidot für Blender.

  70. Arabella, es ist Urlaubszeit,...
    Arabella, es ist Urlaubszeit, gewisse Kommentatoren haben sich vorher schriftlich abgemeldet, insofern behalten Sie gefälligst Ihre Unterstellungen für sich. Das Gerede vom Niedergang meiner Tätigkeiten kenne ich, seitdem ich sie betreibe. Ich mag den obigen Text sehr, aber ich bin halt mal anders und schreibe das, was ich für richtig halte. Es gibt Leute, die mich beeinflussen können, aber Sie sind dann doch etwas zu anmassend, als dass ich etwas darum gäbe.

  71. Sehr schön übrigens die...
    Sehr schön übrigens die Werbung gerade eben: Jeder 5. Mann über 40 leidet an Erektionsproblemen. Das nenne ich Targeting.

  72. Trotz der Misstöne. Mache...
    Trotz der Misstöne. Mache jetzt einen Sekt auf: Gaddafi strebt deutlich dem Ende seiner Amtszeit entgegen. Ein großer Grund zur Freude (GrGrzFr).
    .
    Leidthema hier:
    Meine Frau Mama hat verfügt, dass sie ins Altersheim will, wenn’s nimmer geht.
    So do I. Ich werde nicht zulassen, dass meine Nachfahrin kein Leben im echten mehr hat, weil sie meine Körperöffnungen beaufsichtigen muss.
    .
    Würde:
    Das Sterben selbst hat eh keine Würde.
    Was solls. Egal, wie reich oder wie arm man ist und ob man zuhause oder mit Apparaten stirbt
    Vorher – das ist der Witz – vorher sollte man noch ein paar eckige Runden drehen. Das Schlimmste, das was einen nicht in Ruh sterben lässt: allmählich zu merken, was man versäumt hat und zu wissen, man kann nichts mehr machen, weil man jetzt als menschliches Gemüse herumliegt.
    .
    Selbstbestimmtheit:
    Haben viele nicht einmal während des Lebens.
    Freut euch doch, wenn ihr sie habt. Jetzt.
    Anstatt Krokodilstränen zu weinen.

  73. @JHM: das haben Sie jetzt sehr...
    @JHM: das haben Sie jetzt sehr schön beschrieben… und das ist auch (hoffentlich) der bei den allermeisten übliche Lebensgang, daß man sich an den Eltern nicht mehr nur abarbeitet, sondern ihre Begrenztheiten eben akzeptiert, aus zunehmender eigener Lebenserfahrung.

  74. Danke, Elsa,
    mit Ihrem...

    Danke, Elsa,
    mit Ihrem Beitrag. War gut. Tat gut.
    Z. B. wg. der Erwähnung der Koppelung.
    .
    Dennoch und trotz aller gute Dinge, die wir uns in einer entkoppelten Zeit gegenseitig an-tun könnten, lebten wir nur im Grundeinkommens-Utopia: Ich will trotzdem nicht, dass die, die ich gewindelt habe, mich dereinst windeln muss.
    Dafür nicht.

  75. Wenn ich das noch anfügen...
    Wenn ich das noch anfügen dürfte …
    Vroni, warum denn soll der, der gewindelt wurde das nun nicht ebenso bei jenen tun, die ihn vorzeiten gewindelt haben? Warum? Was ist denn daran heute so besonders grauenvoll, daß Eltern und Kinder diesen Prozess des Alterns und Sterbens als Teil des Lebens ertragen müssen wie es Generationen zuvor etrugen, was ist denn für uns in unserem ganzen „Wohlstand“ daran heute so uneträglich, daß wir dieses große Lebensthema so derart weit in die Heime und in die eloquente Diskussion fortschieben? Was ist hier eigentlich verlorengegangen? Was erlauben wir hier, was erschaffen wir uns hier eigentlich seit Jahren, was tun wir uns als Gesellschaft an, daß wir heute schon mit 50 schlottern vor Angst vor der Aussicht, in welchem Schreckenszenario wir mit 80 vielleicht enden, daß wir uns schon mit 60 das Mittel organisieren, welches uns den Suizid aus Angst vor dem Horror des unmündigen Alters ermöglicht? Kontrolle gegen den Kontrollverlust? Reicht denn der abgedrehte Jugendwahn nicht aus, muß da jetzt auch noch der Altershorror volle Dröhnung obenauf? Gestatten, daß ich mal kurz rausgehe und speie?
    Als meine Großmutter, weit über 90 und kurz zuvor einseitig wegen Diabetes unter dem Knie amputiert, ein Malheur hatte und ich, immer im Wechsel mit Muttern, dann 5 Minuten zu spät ankam an jenem Nachmittag, da weinte die alte Dame bitterlich, sie hat sich furchtbar geschämt vor mir, es war ihr mehr als unangenehm, daß ich sie so sah und sie so hilflos war. Ich habe sie gesäubert und gewaschen und versucht dies so zu tun, daß ich es irgendwie zuwege bringe, ihre Würde nicht anzutasten. Danach haben wir lange darüber gesprochen, über das Elend, alt und gebrechlich zu sein und jung zu fühlen, über so gerne wollen und doch nicht mehr können – und um nichts in der Welt wollte ich dieses Gespräch (und viele weitere, davor und danach) missen, auch wenn der Anlaß für die alte Dame sicher an diesem Tag keine reine Freude war. Ich habe ihr damals gesagt, daß es mir wichtig ist, da zu sein wie es halt irgendwie geht. Ich habe versucht ihr nahezubringen daß ich sie achte, wie sie ist und ihre Grenzen respektiere. Und sie hat mir gesagt, daß sie mich verstehen kann und gut findet, was ich versuche zu sein und zu tun.
    Ich habe mehr als genug bekommen, es ist also nur fair auch zu geben. Weit ab von intellektueller Betrachtung der Dinge, im direkten Handeln. Im Bewußtsein darüber, daß es äußerst zehrend und grenzwertig werden kann und schlimmstenfalls auch die Frage nach einem Heimplatz sich auftut, wenn nichts anderes mehr geht, mit all den Fragen und all dem Wissen über das, was hier heute im bewegenden Text oben und in den Kommentaren dargelegt wurde. Egal. Einfach da sein, soweit und solange man das kann. Völlig banale Sache, machen unzählige Leute in diesem Land jeden Tag. Gerade in dieser absurden Zeit wichtiger denn je.

  76. @ Melanie Mühl: sehr...
    @ Melanie Mühl: sehr feinsinnig beobachtet und beschrieben. Interessant und, fuer die Betreiber von Altersheimen obligat beschaemnd, ist die Interpretation des Todes als „Erloesung“, und zwar nicht im christlichen Sinn.
    Wie so oft ist es auch am Ende des Gebens grau in der Welt, mit vielen Schattierungen, und nicht bloss weiss oder Schwarz. Das groesste Problem fuer uns alle ist doch anzuerkennen, dass eine Diskrepanz besteht zwischen wunsch und Wirklichkeit.
    Und diese Diskrepanz sollte nicht moralisiert werden. Selber in einer Mehrgenerationenfamilie (vier bis zu meinem fuenften, drei bis zu meinem 31sten Lebensjahr als juengste Generation, derzeit wieder als mittlere Generation) aufgewachsen, habe ich Schwierigkeiten, Heimunterbringung nicht mit Abschiebung gleichzusetzen. Weiss aber wohl: manchmal geht es nicht anders.
    Und gut ist vielleicht irgendwann nur noch unsere Phantasie- bei mir ganz klar der Bilderwelt von vonEichendorff und Strauss entlehnt (http://www.youtube.com/watch?v=sREYcz74QpA ). Und man mag hoffen, dass am Ende die Phantasie stark genug ist, uns durch die Pein der individuellen Ausloeschung zu tragen.
    Bis dahin aber obliegt es uns, der mittleren Generation, selber dafuer Sorge zu tragen, dass unsere Nachfahren uns freiwillig dereinst so behandlen, wie wir uns das wuenschen.
    Und solche Ausbildung faengt oftmals mit einem guten Beispiel an…

  77. @JHM einfach da sein, von...
    @JHM einfach da sein, von sich selbst absehen, auch das muss man lernen. Genau diese Gespräche sind es, die Sie beschreiben – und andere zuvor – die Würde bewahren, ja endlich geben. Wir Jungen helfen, wenn wir da sind, unser junges Leben zeigen, dass es also weitergeht, mit allen Fehlern und Besserungen.
    .
    Als Familie hat man, ob nun gelungen oder nicht, eine Nähe, die kein fremder, dienstleistender Pfleger, auch mit noch soviel Zeit und gutem Willen nachträglich herstellen kann. Histörchen, Sprache, Unausgesprochenes, Kinderlieder, alles ist individuell. Fehlt all das, bleiben Disziplin und Verstummen. Das kann natürlich auch in der durch Pflege oder vorher schon überforderten Familie geschehen. Doch grade das Loslassen auf dem Weg zum Sterben scheint mir, aus Erfahrung, gelingt im Schutzraum der Nähe besser. Und dies einem Menschen verweigert zu haben, ist in meinen Augen eine Schuld, mit der wir Jüngeren nur schwer zurechtkommen, auch für unser eigenes Ende.

  78. @Arabella:
    Gnädigste, das...

    @Arabella:
    Gnädigste, das hier ist ein Blog. Das Sie nicht lesen müssen. Und die einzige Hasspredigt dieses eher nachdenklichen Kommentarstranges stammt aus Ihrer Feder. Was mich angeht, ich muss Sie hier nicht lesen. Greinen Sie sich doch bitte in ihrer physikalischen Umwelt aus, ja?
    TH

  79. Lieber JHM,
    weil ICH es nicht...

    Lieber JHM,
    weil ICH es nicht will. Darum.
    .
    Das kann jeder anders halten, wie ihm beliebt.
    .
    In das allgemeine „Altersheime-sind-anonym-und-daher-schlecht“-Gerede möchte ich nicht einfallen. Die vielbeschworene Anonymität und Entfremdung durch den „fremden Pfleger“, stimmt so in der Praxis nicht.
    .
    Wiewohl ich natürlich weiß, dass es schlimme Altersheime gibt. Unserer in Bayern üblichen „angemeldeten Kontrolle“ und der mäßigen Bezahlung der zu sparsam eingestellten Kräfte sei Dank, wird sich das auch nur langsam ändern.

  80. Lieber Haupts, ich wollte...
    Lieber Haupts, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Sie haben natürlich recht. Man muss das hier nicht kommentieren. Und vor allem muss mans nicht lesen. Da schließe ich mich an.

  81. "Was ist denn daran heute so...
    „Was ist denn daran heute so besonders grauenvoll, daß Eltern und Kinder diesen Prozess des Alterns und Sterbens als Teil des Lebens ertragen müssen wie es Generationen zuvor ertrugen …“.
    .
    Lieber JHM,
    gar nix, aber ist halt aus meiner Sicht a bissi realitätsferner Pfarrers-Blah.
    .
    Warum? Meine Lebenserfahrung zeigt, dass es meist die Frauen der Familie sind, an denen das so hehr umgesetzte „Leben und Sterben anderer zu ertragen“ hängenbleibt. So erlebt bei meinen zwei Omas und meinem Hersteller.
    .
    Wir würden uns alle einen großen Gefallen tun, wenn wir uns moraldurchtränkten („man sollte“) Maximalforderungen ehrlicher anschauen.
    .
    Der Rest mag als pflegendes „Kind“ , entsprechende Wohlhabenheit vorausgesetzt, sich eine oder zwei Krankenschwestern leisten, die im Anwesen zugange sind. Kann man machen. Es liegt jedoch oft an dem auch sonst gepflegten menschlichen Verhältnis zueinander, wie es vorher im Leben miteinander war, ob es ein K(r)ampf wird, mit dem oder der „Alten“, sich gemeinsam dem Sterben zu nähern oder eine gute Sache. Oft sind Alte schon immer ein aggressiver unzugänglicher Batzn gewesen, mit denen schon in gesunden Zuständen ein schlechtes Auskommen war oder sie werden im Alter oft aggressiv (eine mögliche Begleiterscheinung von Demenzen). Oder sie werden paranoid, weinerlich (Altersdepression).
    Muss alles nicht, kann.
    Daher werde ich jetzt nicht in den moralischen Maximalforderungskanon einstimmen.

  82. Altern ist in jedem Fall eine...
    Altern ist in jedem Fall eine ansteckende Angelegenheit. Allein die früh Vollendeten wurden von den Göttern oft schon früh deshalb ihres Daseins beraubt….
    Jeder der Sterblichen kam von daher, egal ob reich oder arm geboren (allerdings zukünftig eher aus dem Vitrogläs´chen, die armen Homunculi):
    Incipe, parve puer, risu cognoscere matrem. Verg.ecl.4,60 (Knäblein auf, und erkenn‘ am Lächeln die Mutter!)
    JHM@: Dankeschön.
    HMG@: So ist es.
    Don Alphonso@: Nachstehend eine Nachricht von den Kalauern. Frage eines US-Amerikaners an einen 72-jährigen Chinesen: Do you have free elections in your country? Strahlende Antwort: Oh, yes, of course, evly molning!

  83. It's summertime! Die Bessere...
    It’s summertime! Die Bessere Gesellschaft ist im Urlaub
    http://www.youtube.com/watch?v=zc9wIzi96_E

  84. In den hochmögenden Kreisen...
    In den hochmögenden Kreisen der FAZ ist wohl die Zeit der Besinnungsaufsätze angebrochen? Etwa weil die Börsenkurse so tief abgesunken sind und gemerkt wird, mal wieder, wie anbrüchig alles Sein hinnieden ist? Das Rekurrieren auf die irdische Unsterblichkeit-hi, hi-behaftet mit Demenz im Hirnkastl etwa? Wer sollte diesen vitalen Glückszustand bezahlen, von weniger pflegen?
    http://faz-community.faz.net/blogs/digital/archive/2011/08/20/unsterblichkeit-glueck-und-vitalitaet.aspx

  85. Also ganz ehrlich (sonst bin...
    Also ganz ehrlich (sonst bin ich ja nicht so ehrlich), ich mag den Text nicht: Zu viel Betroffenheitsrethorik. Und zu viel Betroffenheitsgelaber, auch noch in Form von walls of text. Ich erkläre auch gern warum ich das nicht leiden kann und fast schon widerlich finde:
    .
    Erstens: Einige Kommentatoren haben schon darauf hingewiesen, dass das Leben auch anders passiert und die Abschliebung des überlebenden Elternteils auch eine Art legitime Notwehr sein kann. Zweitens, wie es der Zufalls so will war das Thema jüngst auch im Kollegenkreis ausgebreitet, da die Tante eines Kollegen mit 91 nun mit Schlüsselbeinbruch aus dem Besuch einen Daueraufenthalt macht. Das Problem sei, dass es schon genug „gute“ Altersheime, als für jeden Geschmack, gibt. Sie kosten erstens mehr Geld, und zweitens, wichtiger, muss sich jeder bitteschön selber – und rechtzeitig! – drum kümmern, wo man denn gern seinen Lebensabend verbingen mag. Tatsächlich aber klammern sich die meisten an ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden und steckt den Kopf in den Sand. Verständlich, aber man sollte das dennoch ändern.
    .
    Insofern möge sich jeder Betroffenheitsanalyst und Oh-Weh-Uns-Schreier mal bitte an die eigene Nase fassen und ansonsten den Dingen des Lebens – zu dem auch Siechtum und Tod gehört – aufrecht und mit Anstand entgegentreten. Das ist das Leben und nicht das Paradies, auch wenn wirs gern anders hätten.

  86. (Wie gesagt: Ich mag den Text...
    (Wie gesagt: Ich mag den Text sehr, weil ich weiss, wie das ist, und weil es mir durchaus nahe geht: Es gibt kein echtes „richtig“ in solchen Fällen, es ist ein moralisches Dilemme, man entscheidet über die letzten Monate und Tage eines Menschen: Mich hat der Text sehr in dem bestärkt, was meine Überzeugungen sind. Niemand soll alleine gehen. Und bald schreibe ich wieder den üblichen Plaudercontent)

  87. Ach, was muss man oft von...
    Ach, was muss man oft von bösen: Hauptstadtslumbewohnern lesen!
    .
    Viele Klage – auch hier, dass die Berliner nicht pfleglich tun und ihren Müll nicht brav aus der S-Bahn mitnehmen usw. Andere wieder prügeln sogar, und lassen auch nicht ab, wenn das Opfer schon am Boden liegt.
    Mir will scheinen, dass die Klage veraltet ist. Der böse Bube ist nicht mehr der, der Müll hinterlässt (im Gegensatz zum wohlerzogenen Menschen, der grüßt, Papierkörbe nutzt und alten Menschen seinen Sitzplatz anbietet). Das ist vorbei. Ein guter Mitbürger ist nicht mehr diese heute fast als Karikatur wirkende höfliche Gestalt.
    Oder anders herum: böse ist heute, wer draufschlägt und tötet. Wer darauf verzichtet, ist der Gute (!), auch wenn er noch so pöbelt, verdreckt und sachbeschädigt.

  88. <p>Arabella, der Schwund der...
    Arabella, der Schwund der guten Kommentatoren ist sicherlich auffällig. Das ist wie mit den Schmetterlingen, bildlich gesprochen: zuviel Gift in der Atmosphäre und zu zwanghaftes Aufräumen der Landschaft macht sie eben zur Seltenheit.
    .
    Wenn Sie die aber wieder anlocken wollen, geht das nicht mit Wutgeheul (wie berechtigt auch immer, der Hausherr hier ist selbst kein Freund der leisen Töne), sondern am besten mit etwas Honig. (Wobei nur die Waldschmetterlinge etwas ganz anderes lieben, das sie hier aber schon finden.)

  89. Pardon, aber: Das...
    Pardon, aber: Das „Verschwinden“, das hier immer wieder beklagt wird, täuscht. Es gibt in der normalen Bloggerei einfach sowas wie ein Totlaufen der Threads ab 50 bis 100 Kommentare, und bei den Stützen liegt der Schnitt bei ca. 160 und in diesem Jahr darüber. In den letzten Wochen war es immer drüber, der relative „Einbruch“ auf ca. 200 Kommentare (was immer noch exorbitant ist) ist nun mal der Urlaubszeit geschuldet. Manche gehen, andere kommen, das ist normal – wir sind hier nicht verheiratet. Über den Kommentaren steht ein grosses „Kann“ und kein „Muss“.

  90. Ich finde den Text auch gut....
    Ich finde den Text auch gut. Er bringt das Dilemma und das bürgerlich schlechte Gewissen in den Zusammenhang mit Kindheit und Großelternsein. Ein großer Bogen, der feinsinnig geglückt ist. Auch meine eine Oma war so eine feine Großmutter. Sie starb hochdement nicht an der Demenz, sondern nach einer Woche an der zweiten/dritten Lungenentzündung im Krankenhaus. Sie war zuhause gepflegt worden. Es war immer einer da für sie.
    .
    Was halt fast zu erwarten war, war in den Kommentaren die Bemühung diverser pauschaler und moralischer Klischees wie z. B. „Abschiebung“ undsoweiter. Ich glaube, wer es wirklich erlebt hat, hütet sich gern vor allzugriffigen Worten.
    .
    Mein Vorstoß, selbst zu bestimmen, wohin ich mal will, statt bis auf den letzten Drücker zu warten und jedem mit Gejammere auf die Nerven zu gehen, ist vor allem eine riesenmoralische Entlastung für die, die für mich zuständig sind/ist. Erst so kann das Zusammenerleben der letzten Zeit gelingen. Doch nicht, wenn sie sich unter Druck fühlen. Ist aber nur meine Ansicht, die man nicht teilen muss.

  91. Lieber E.R....
    Lieber E.R. langen,
    Schmetterlinge füttert man mit Brennesseln und Unkraut an. (Nahrung der Schmetterlingsraupe)
    sncr

  92. Mein lieber Don, wir sind doch...
    Mein lieber Don, wir sind doch nicht in Wien. Qualität zählt.
    .
    Allein, dass Sie´s mit der Heirat nicht so haben, entspannt die Angelegenheit durchaus :-)

  93. <p>Das Thema lädt nicht zum...
    Das Thema lädt nicht zum Ironisieren ein und ich liebe sie, die Ironie. Also hier nur meine empirischen Erfahrungen zu diesem Thema. Ich hatte bisher dreimal mit dem Unlösbaren zu tun. In allen drei Fällen mußte nicht ich die Entscheidung treffen und ich bin dankbar dafür. Der eine Fall war klinisch nach schwerem Schlaganfall. Nach rund zwei Jahren Apparatemedizin war es vorbei. Wir haben damals in der Familie beschlossen, die Apparate nicht abschalten zu lassen. Dazu würde ich auch heute stehen, weil unser faktisches Wissen begrenzt ist. Die beiden anderen Fälle waren erheblich unkomplizierter: ein selbstgewähltes Pflegeheim, das sehr gut, aber auch sehr teuer war. Der Betroffene konnte es sich dank seiner Rente leisten und wir haben ihn ermuntert, das Geld dafür und nicht für die Erben auszugeben. Die dritte Lösung war betreutes Wohnen mit einer abgeschlossenen 1-Raum-Wohnung. Auch ziemlich teuer, aber diese Version gefiel mir sehr gut. Man bleibt im Rahmen seiner Möglichkeiten selbstbestimmt. Wie das allerdings bei schwerer Pflegebedürftigkeit aussieht, kann ich nicht sagen, es blieb der Dame erspart. Für mich selbst habe ich allerdings daraus den Schluß gezogen, mich rechtzeitig selbst zu kümmern. Im übrigen ist es tatsächlich so, daß die ars moriendi auf den Hund gekommen ist. Aber ich wünschte mir auch nicht die Zeitumstände zurück, in denen das anders war.

  94. Ich habe eine Oma, die ich...
    Ich habe eine Oma, die ich sehr liebe, die aber genau in die Sparte „Kopf in den Sand stecken“ passt. Am liebsten würde sie irgendwann übernacht sterben, und bis dahin bleibt sie in den eigenen vier Wänden, für den Rest und falls es mal anders laufen sollte, egal, im Übrigen hat gefälligst das am Ort lebende „Kind“ dazusein. Ich habe Eltern, die ich sehr liebe, die aber lieber kein Erbe hinterlassen und sich dafür in einem angemessenen Alterssitz luxuriös, selbständig und selbstversorgt einrichten, als dass die „Kinder“ irgendwann für alle Körperöffnungen zuständig sein müssen, wie Vroni hier so schön formuliert hat.
    .
    Ansonsten bin ich auch der Meinung, dass es nicht unbedingt ein moralisches Dilemma ist, dass natürlich niemand alleine gehen soll; gemeint ist wohl, dass man, bevor man – natürlich alleine – stirbt, sich in und von angenehmer Gesellschaft verabschieden durfte und bis dahin möglichst angenehme Gesellschaft hat. Ein moralisches Dilemma sehe ich eher in den kleinen Dingen, zum Beispiel ob man jemanden, von dem man weiss, dass er vielleicht nur noch ein bis vier Jahre auf der Welt sein wird, vielleicht öfters als früher besuchen sollte.
    .
    Bei allem sollte man nur den Sinn für Realitäten nicht verlieren, denn den Verfall und das Leiden, dafür sollte man sich nicht schämen oder verantwortlich fühlen, das gehört halt nunmal leider ein bischen dazu. Ich sehe es an meiner Oma, und ich sehe auch, dass man dieses Leiden, unbenommen der eigenen Stärken und Schwächen, mit Lebensfreude und Würde tragen kann. Gemeinsam mit oder in der Familie gelingt das natürlich um so besser, aber zuvorderst liegt das an einem selbst.

  95. In...
    In Memoriam:
    http://www.youtube.com/watch?v=M7JqoqOTYe0
    Er wird mir fehlen. Doch hinterlässt er zum Trost wenigstens seine unsterblichen Gags.

  96. Dieses Wohlgetue allenthalben!...
    Dieses Wohlgetue allenthalben! Seniorenresidenzen, allein schon die Verlogenheit dieses Wortes. Derselbe Kicki wie WELLNESS. Alternativlos.
    Dieses scheinbar sanfte Hinbiegen (ist aber in den Auswirkungen ungeheuer rabiat)fängt schon beim Gebären an: Noch nie soviel Kaiserschnitte wurden in der Medizingeschichte durchgeführt wie seit den letzten zwanzig Jahren. Das geht dann weiter mit dem ADHS Syndrömchenbehandlungen der lieben Kleinen und, die Zahnärzte wollen schliesslich auch läbän, mit der zwanghaften Korrektur der Gebisse mittels Zahnspangen in der beginnenden Adoleszenz, die psychischen Auswirkungen werden weit davon geschoben. Von der Idiotie der Impfungen in den ersten acht Lebensmonaten und deren fürchterlichen Auswirkungen haben wir dagegen noch kein Wort verloren. Alles und jedes muß per Intervention korrigiert werden. Das Altern ist ebenfalls eine Superpfründe, bevor man stirbt (abkratzen darf?), wird nochmal die Vollabzocke aller Beteiligten/Involvierten gestartet. Wie sagt der Bayer so schön: Sauba, sog i, mi leckst! (Kein Kasperletheater ist so blutrünstig wie die persiflierte, weißgekachelte Realität).

  97. Man kann zwar mit Anstand...
    Man kann zwar mit Anstand leben,
    aber nun mal nicht in Würde sterben.
    Wer vom Tod lässt sich erbeben,
    wird den Lebenssinn nie erben.

  98. yast2000 ungereimt gewidmet:
    ...

    yast2000 ungereimt gewidmet:
    $$$$$-$$$$$
    MAXIMO LEADER (Revolution im Altenheim)
    Das Leben muß kurz aber
    Beleidigend sein, so der
    Sonderfall des Voluntarismus
    Urwäldlich die Welt aus den
    Angeln hebend, wollend. Der
    Chef vollmundig der Etappe
    Hingegen: 85 Lenze alt.

  99. <p>Grand Guignol: " ......
    Grand Guignol: “ … yast2000 ungereimt gewidmet:…“ -> Ich hab’s mal umgearbeitet…
    *
    MAXIMO LEADER
    (Revolution im Altenheim)
    *
    Das Leben war recht kurz, aber beleidigend.
    Ein Sonderfall des Voluntarismus? Da! Im Wald
    die Welt aus den Angeln hebend, brennt
    der kühne Chef: Vollmundig. Und 85 Lenze alt.

  100. yast2000@: Sie haben mir doch...
    yast2000@: Sie haben mir doch glatt den Hintersinn unterschlagen: Die Rede war eigentlich von einem meiner Lieblingsposter : Che. Chef war der Andere…schon immer. An sich très propres was Sie mir da so zurecht gestutzt haben. Damit leite ich diskret über zu den pomp funebrer.
    http://www.kunst-fuer-alle.de/1/i6204/k102724?gclid=CN-Hu9bq5aoCFYIK3wodxEAq8Q#
    ..
    Sur toutes les questions pertinentes, nous vous conseillons discrètement et attentionné.
    http://www.youtube.com/watch?v=mSdAYmmVt2M&feature=grec_index
    ..
    RIP Die Deutsche Nudelindustrie trauert mit der Nation.
    http://www.youtube.com/watch?v=USTEzlPrcPk

  101. Auch in jungen Jahren rafft es...
    Auch in jungen Jahren rafft es manchen dahin….das ist nicht zum Lachen.
    http://www.youtube.com/watch?v=cYL7KIh3JJw&feature=related

  102. Grand Guignol, apropos der...
    Grand Guignol, apropos der „Idiotie der Impfungen in den ersten acht Lebensmonaten und deren fürchterlichen Auswirkungen“; kann es sein, daß Sie seinerzeit Dr. Andrew Wakefield aufgesessen sind? Dann ist der hier für Sie: http://de.wikipedia.org/wiki/MMR-Impfstoff#Der_Fall_Wakefield – Die Studie ist im Februar letzten Jahres komplett zurückgezogen worden.
    Schade, daß das damals ausgerechnet im Lancet passieren mußte.
    Von den Folgen für die bemitleidenswerten englischen Kinder, die das bis jetzt trifft, mal ganz zu schweigen.

  103. Ist der Alfons krank und...
    Ist der Alfons krank und alt
    kommt er in den Tegernwald
    Dort, unter seiner Lieblingstanne
    Sinniert er seine Lieblingspanne
    Mit dem Schrottcar aus Milano
    Welches im See versunken da no.
    Er zupft noch ein paar grüne Schwammerln
    Die sich nachher im Darm versammerln
    Und verursachen seines Wanstes Rammerln.
    Afi gehts hurtig in die Klinik
    Der Don, wie immer a bisserl spleenig
    Er glaubt doher sei er der Kinig.
    Man reisst heraus all seine Flausen
    Da hilft kein Auf- und Überbrausen
    Er will nur noch nach Hause sausen.
    Jedoch morsch sind die alten Knochen
    und manche Speiche ist auch gebrochen
    Auf allen Vieren ist er heimgekrochen
    Aus die Maus, die Luft ist raus
    der Brandner Kasper is scho zuhaus.
    Zusammen mit dessen verblockten Kumpan
    Geht unser Don seine letzte Reise hinan
    Zehntausend Bloggs hat er abgeschickt
    und ist nun ins Himmelreich entrückt.

  104. Elsa@: Sehr verehrte Dame...
    Elsa@: Sehr verehrte Dame Elsa! Besten Dank für Ihren Hinweis auf das med. Periodikum Lancet. Nein, habe ich nicht gelesen. Beziehe mich in meinen lästerlichen Ausführungen lediglich auf eigene Beobachtungen im näheren und regionalen Umfeld.
    Sollte ich mal in Ihrer Nähe gastieren so übersende ich Ihnen gern ein Gratisticket.
    Ganz der Ihre
    G. G.

  105. @Vroni: Dank zurück, mir ist...
    @Vroni: Dank zurück, mir ist beim Lesen Ihrer Kommentare erst aufgegangen, daß meine Mutter und ich die nächsten in der Reihe sind.

  106. Aus einem von Bülow Interview...
    Aus einem von Bülow Interview vom 21.Juni 2002, in der SZ:
    „Zu Ihrer Welt gehören auch Möpse und Buchsbäumchen. Alles ist eher altmodisch.
    .
    Ja, das ist es. Wenn ich Autos zeichnete, waren es die Automobile aus meiner Kindheit, Türen hatten immer Füllungen, die Möbel stammten aus der Gründerzeit. Auch meine Figuren passten nie in die Epoche, in der ich sie gezeichnet habe. Das waren die vertrauten Eindrücke der Kindheit im Schutz der Großmutter. Ich bin sehr geprägt von diesen Resten bürgerlicher Romantik. Das hat sich im Lauf der Jahre als Vorteil erwiesen: Unzeitgemäßes hält sich länger.“
    .
    Passt gut zu diesem Blog, oder?

  107. Tja, so sind sie, die...
    Tja, so sind sie, die Alterswehwehchen einer saturierten, aber degenerierten Gesellschaft. Indes, die noch nicht Betroffenen, sprich die noch in der Blüte des Lebens Stehenden, brauchen sich nicht zu sorgen, dass es ihnen wie der alten Dame im Beitrag ergehen wird, denn die flächendeckende Vollversorgung mit Altenverwahranstalten wird zukünftig nicht mehr finanzierbar sein. Jedenfalls wird die gerade heranwachsende Generation kaum bereit sein, die dafür notwendigen Lasten zu tragen. Was anstatt der finalen Lebensphase im Pflegeheim kommen wird, muss wieder stärker vom Individuum, ggf. in der Familie, entschieden und geleistet werden; die Führsorgegesellschaft mit all ihren Bequemlichkeiten und mit ihren Abscheulichkeiten wird es nicht mehr allzu lange geben.

  108. Möglicherweise haben die SdG...
    Möglicherweise haben die SdG auch einfach die vergangenen 66 Jahre schon zu sehr als Normalität verinnerlicht. Vielleicht ist diese Phase nur eine Ausnahme und kommt eher als gedacht an ihr Ende. Meine Großväter fielen beide im Feld. Eine Großmutter starb jung im Kindbett, die andere hochbetagt im Kloster. Solche Sterbebiographien waren einmal fast der Normalfall.

  109. Sorry, an Alle: das ist jetzt...
    Sorry, an Alle: das ist jetzt totales OT, aber es muss raus.
    Bisher konnte ich mir zu Eurobonds und Transferunion keine Meinung abringen. Herr Verheugen hat diesen Zustand beendet, er holte die große Verbalkeule –
    die sattsam bekannte, heraus – .
    Nun weiß ich, dass es keine guten Gründe für Eurobonds und Transferunion geben kann.
    Die Verachtung für ‚die Deutschen ‚ des Jahres 2011, die aus seiner Äußerung spricht, kann er behalten.

  110. @Oma mit Hund:

    Diese...
    @Oma mit Hund:
    Diese Vorgeschichte(n) haben wir doch alle. Ich stand vor dem Problem, Johanna Pauline Braun a) nach Düsseldorf zu holen – für sie indiskutabel, denn sie kann einfach nicht meine Lebensgefährtin verknusen (deren Eltern früher auch nicht) b) in eine Anlage des „betreuten Wohnens“ in Westfalen zu speditieren, wollte sie nicht und c) in ein Altenheim zu bringen, das sie kennt, welches sie auch schon ein Jahr mit dem Mittagessen-Service betreut. Ergebnis nach fünf Tagen: „Ich will hier weg, die können nicht kochen.“ In Ordnung. Eine Tochter von einer Bauerntochter aus Uster in der Schweiz hat gewisse Ansprüche an die Kochkunst. Ich erlebe Altenheim derzeit nicht als von mir verursachte Abschiebung, sondern stehe vor dem Problem, dass JPB da Chef vom Küchenchef werden will. Oder das Haus wechseln. Nicht zu vergessen: nach sieben Tagen.

  111. @GrandGuignol:

    ...

    Dear...
    @GrandGuignol:

    Dear Madam,
    may I thank you most humbly for the great honour you have rendered me in presenting me with the Order of the British Empire. Had I known, that it was you hiding behind the mask of GrandGuignol, I would of course have been even more deferential in my former address.
    Sadly, I must inform you that I am not a national of the realm nor, indeed, even a member of the Commonwealth. I will therefore not be able take that most distinguished title you have so gracefully offered me.
    However, if it please your Royal Highness, I would be immensely honoured by the privilege to carry the letters DBE in my name.
    Awaiting your answer in due gratitude
    Yours faithfully
    Elsa

  112. Dearest Lady Elsa DBE!
    After I...

    Dearest Lady Elsa DBE!
    After I was allowed to have access to Your incomparable correspondence despite of the sad occasion, allow me, to propose You to the peace class of the „pour le Mérite“. More this newly democratic nation to honor can not offer.
    With the deepest devotion allways Yours
    Grand Guignol
    (Gone after dictation)

  113. Dearest Lady Elsa DBE!
    After I...

    Dearest Lady Elsa DBE!
    After I was allowed to have access to Your incomparable correspondence despite of the sad occasion, allow me, to propose You to the peace class of the „pour le Mérite“. More this newly democratic nation to honor can not offer.
    With the deepest devotion allways Yours
    Grand Guignol
    (Gone after dictation)

  114. <p>Den Heuchelkonsens nicht...
    Den Heuchelkonsens nicht gefährden
    .
    Eigentlich hatte ich nicht vor, mich dazu zu äußern, da ich indirekt zu diesem Bereich beruflich tätig bin und mein Arbeitgeber – ein öffentlicher – mich laut Dienstvertrag zur Loyalität verpflichtet. (Und ich kann mir nie sicher sein, inwieweit auch mein Arbeitgeber auf eine ganz bestimmte Loyalität wirklich angewiesen ist.) Doch würde ich aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, wie es so schön makaber heißt, wenn ich hierzu schwiege.
    .
    Die Entwicklung in den Altersheimen bekommt so langsam eine Dimension, wie wir sie in den 60ern in den Kinder- und Jugendheimen beobachten konnten, und welche Mitauslöser waren, für die 68er Revolte der Studenten. Über das Thema sexueller Missbrauch will ich jetzt nicht reden, denn da fehlen mir die Belege zu, doch bei allem anderen scheint es keine Tabus zu geben.
    .
    Am schlimmsten ist vielleicht nicht einmal, dass den alten Leuten das Essen vorenthalten wird, für das sie bezahlen, und sich Heimleitungen wie Pflegepersonal (blog.herold-binsack.eu) daran vergreifen, damit Geschäfte machen – das ist eigentlich kapitalistischer Standard -, sondern die Tatsache der Heuchelei. Es ist wie, als wenn man einen Sterbewilligen ins Hospiz (das Beispiel ist frei gesetzt, jede Ähnlichkeit zum Wirklichen reiner Zufall) gibt und diesem dort verspricht, ihm beim Sterben zu begleiten, dennoch vorerst alles daran setzt, um ihn am Leben zu halten (denn nicht das dort gepredigte christliche Verständnis bzgl. des Sterbens, scheint das eigentliche Problem, denn auf dem Weg zum Tod liegt da noch ein dickerer Brocken, die Option auf eine Erbschaft zugunsten des Hospiz zum Beispiel.).
    .
    Hier wie dort wird Sympathie geheuchelt. Gibt es doch dort wie hier nur einen Grund das Sterben hinaus zu zögern (denn auch im Pflegeheim wird nur auf Raten gestorben!) – das wohlfeile Geld. Die erhoffte Erbschaft dort und die erschwindelten Pflegeleistungen hier. Und das wird dann als Empathie verkauft.
    .
    Der Skandal bei mir „um die Ecke“ (mehr darf ich dazu nicht sagen, denn der Strafprozess ist leider ausgeblieben) ist nur einer von vielen. Denn darin ein typischer. Nur dass die meisten Skandale nicht wirklich skandalisiert werden. Da foltert eine Pflegekraft einen alten Menschen, indem sie ihm die Nägel bis ins Fleisch kürzt (war Gegenstand einer Anklage, die dann schließlich die ganze Heimleitung in Verruf brachte, die vom dort tätigen Pflegedienst als solche vertreten wurde). Die Heimleitung hatte (das Heim ist mittlerweile – gigantische Schulden, dennoch millionenschwere ehemalige Heimleiter, hinterlassend – verkauft).
    .
    Dennoch wie gesagt, zum Skandal wird so was eher selten. Es sei denn Mitarbeiter gehen vors Arbeitsgericht, weil man sie zu Mittätern machen wollte, und sie sich gegen die Entlassung wehren müssen. Wie das hier der Fall war. Doch auf die Strafprozesse wartet man nun vergeblich. Die Mitarbeiter hatten Erfolg vor Gericht. Doch niemand will den öffentlichen Heuchelkonsens gefährden.

  115. Falkenherz@:Late but not too...
    Falkenherz@:Late but not too late. „Ein Leben ohne Mops ist denbar, aber völlig sinnlos.“ (Loriot) Das Leben geht weiter, im Sinne dieser trivialen Aussage beste Grüße.

  116. <p>An dieser Stelle herzlichen...
    An dieser Stelle herzlichen Dank für die vielen wunderbaren Kommentare! Damit hab ich, es ist ja schließlich ein sehr trauriges Thema, niemals gerechnet – und bin darüber nun sehr, sehr froh.
    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zum Heim: das Traurigste daran ist, dass es eigentlich, wie gesagt, ein schönes Heim ist, das auch reichlich Geld kostet. Und trotzdem ist es ein grauengafter Ort, im dem, wie wohl in allen „totalen Institutionen“, die Menschlichkeit viel zu kurz kommt. Melanie Mühl

  117. Pardon : Ein Leben ohne Mops...
    Pardon : Ein Leben ohne Mops ist denkbar, aber vollig sinnlos. (Loriot)

  118. Lieber Devin08,
    Sei sprechen...

    Lieber Devin08,
    Sei sprechen mir aus der Seele. Das IST Heuchelkonsens.
    .
    Damit es nicht beim bürgerlichen bequemen Beklagen bleibt:
    Jeder muss sich überlegen, wie er als Bürger, als Citoyen das anpackt.
    Jammern allein giltet nicht. Warum zum Beispiel wird sich allenthalben gegen Atomkraft entrüstet, dei Politik geht mit (issn echtet Ding), aber bigotte Heimleitungen dürfen nach wie vor auf angemeldete Kontrollen hoffen. Wir hatten/haben im stolzen und vom Don überaus gelobten Bayern da so eine Ministerin, die ist unglaublich. Das ist realer Wahnsinn.
    .
    Solche Un-Dinge müssen aus der Welt geschafft werden. Das geht fast nur mit Wutbürgerey, aber was solls.

  119. Sage ich doch, Devin 08,...
    Sage ich doch, Devin 08, erben, erben, erben; bei diesen Summen, wer will da
    zurückstehen und so neu ist das alles nicht; man erinnert sich gerne an die
    ‚Vermächtnisse‘ der RKK , nur hat sich der Kreis erweitert – auch die EU will einen
    Batzen. Kann man es den ‚bovis‘ übel nehmen, wenn sie ein paar Krümel abhaben
    wollen.
    Es fällt schon auf, dass der Rettungsschirm auf die Summe aufgestockt werden soll,
    die in D als Erbe ansteht.

  120. Das Verhältnis der...
    Das Verhältnis der Gesellschaft zum Atommüll und zu den Alten ist vergleichbar: Bis zur Entlagerung weiß sie nicht wohin damit.

  121. Liebe Melanie Mühl,
    diese...

    Liebe Melanie Mühl,
    diese glatte, entmenschte, „professionelle Freundlichkeit“, die ist typisch für alle, die sich professionell mit Helfen beschäftigen müssen: Coacher, Psychologen, der Medizinische Dienst … Es gibt natürlich auch Gründe dafür: alles nicht zu sehr an sich rankommen lassen zu müssen bis zur Burnout-Gefahr.
    .
    Habe das auch schon bei Pfarrern erlebt, kein Witz. Salbader, rhabarber, und der Nächste bitte!
    .
    Das soll natürlich nicht das zurecht kritisierte Klima in einem ansonsten schönen Altersheim (Perfektion, gutbürgerliche Einrichtung und Design sind nicht alles, da haben wir es wieder …) beschönigen und relativieren. Änderung ist dann in Sicht, wenn verstanden wird, was der Mensch braucht: Echtheit.
    .
    Einige Psychologen haben es schon verstanden: Der Klient steht dann auf, nimmt dann seine Coach und geht dann (= es geht ihm besser und er kommt wieder zurecht), wenn er greifbare Ecken und Kanten bei seinem Therapeuten gefunden hat statt geheuchelte Aalglattheit.
    .
    Bis sich das in die Leitung von Altersheimen herumgesprochen hat, dass mehr Echtheit gut für die Alten ist, dass sie sich wohler fühlen und vielleicht dann auch weniger krank sind … Wo das Personal froh ist, nicht allzuviel aktiv zu „involvieren“ und „involved“ zu werden wo die „Insassen“ selbst auch oft nicht mehr allzuviel von sich preisgeben, das wird nie eintreten.
    .
    Es kann sein, dass die Alten-WG doch kein Hirngespinst ist, sondern eine Alternative. Gibt es, ich liebe diese Idee. Und wo es gesundheitlich nimmer geht, stellen die Alten im Eigenaltersheim selbst ihre Caterer, Krankenschwestern und Ärzte ein. Das wäre Selbstbestimmtheit zum gleichen Preis wie der klassische Altersheim-Tages-Monatssatz*, die mir gefällt. Man ist mit 80 doch kein Depperle, das morgens zu Frühzeiten aus den Bett gehauen wird, um dann unglaublich blöd gefragt zu werden: „Na, wie geht es uns denn heute?“
    .
    *Wer glaubt, das sei um die 2000,00 EUR, irrt gewaltig. Es ist vielviel mehr, was angeblich ein Platz im Altersheim kostet. Locker 3500,00 EUR und mehr.
    Und da begreift man den schlechten Service udn die ganze Idiotie nicht. Man kann genauso dauerhaft im Hotel wohnen und bekommt mehr Ansprache.

  122. "Das Verhältnis der...
    „Das Verhältnis der Gesellschaft zum Atommüll und zu den Alten ist vergleichbar: Bis zur Entlagerung weiß sie nicht wohin damit.“
    .
    Der Unterschied ist der: Beim Atommüll regen sich die „Bewegten“ auf. Bei den Alten nicht.
    .
    Gez.
    Nichtoma mit Gazze

  123. Dem Internet sei Dank gibt es...
    Dem Internet sei Dank gibt es bereits Bewertungsseiten zu Altersheimen.
    .
    Hier beispielsweise über welche in München (Auf Berliner A. habe ich verzichtet, man kennt die Empfindlichkeiten):
    http://www.pflege-erfahrung.de/Altenheime_Pflegeheime_M%C3%BCnchen.html
    .
    Da kann man es sich mal richtig geben. Im Guten wie im Bösen.
    Wer schlau surft, findet sicher auch Bewertungen zu hochbegehrten Altersheimen an der geriatrischen Hochburg Tegernsee.
    .
    Empfehle allerdings zur besseren Verkraftung abends eine guten Roten dazu. Carpe diem, noctem, annem …
    Wer weiß, wie lange man ihn noch trinken kann und vor allem, wie lange man ihn als großstädtisches Nachttierchen noch trinken kann, bevor es in die Grube geht. :-)

  124. liebe Vroni,
    die Alten-WG und...

    liebe Vroni,
    die Alten-WG und die selbst engagierten Pfleger wären schon eine Idee; bei uns
    können z.B.Behinderte ihre Betreuer (oft aus Studentenjobbbörsen )selbst auswählen und stundenweise bezahlen, das Pflegegegeld bekommen sie als selbstverwaltetes Budget. – Auch ältere Leute mit niedriger Pflegeeinstufung handhaben das so, je mehr Hilfe benötigt wird (und je mehr Pflegegeld zur Verfügung steht) desto mehr kommen Organisationen mit ambulanten Betreuerinnen zum Einsatz. Diese Frauen bekommen netto 8,50 die Stunde,
    der Arbeitsdruck steigt, sie müssen mehr Klienten pro Tag besuchen, etc..
    Die Klientinnen (zumeist Frauen) können ihre Betreuerin nur sehr bedingt aussuchen, deswegen zögern viele die Inanspruchname so lang wie nur irgendwie möglich hinaus. Stationäre Pflege im Heim betrifft vor allem untere und mittlere Schichten, die Art der Heime ist dementsprechend gestaffelt. Oberschicht wurde und wird zu Hause gepflegt; im zwei-Wochenturnus kommt
    die Pflegerin aus dem Osten ins Haus, ist ständig anwesend, und wird dann von der Turnuskollegin abgelöst und kann zwei Wochen wieder bei ihrer eigenen Familie sein. Inzwischen besteht bei uns eine Anmelde – und Sozialversicherungspflicht für diese Pflegerinnen, die von Agenturen vermittelt werden, denen sowohl Gepflegter als auch Pflegende zahlen müssen; die Vermittlung ist also das beste Geschäft. Pflegegeld ist bei uns einkommensunabhängig und stützt auch solche Arrangements (die genug Raum und Investitionen in Pflegebett etc. und Organisationsfähigkeit der Angehörigen voraussetzen). Auf der unteren Ebene der Pflegeheime gab es bis vor einigen Jahren noch den Krankensaal, die Reduktion auf Bett, Nachtkästchen und Taschengeld, warm-satt-sauber-Kasernierung. Oder aber, im ländlichen Raum: die entgeltliche Aufnahme von Pflegefällen ins Privathaus, mit oft schrecklichen Verwahrlosungsfällen.
    Bei konfliktreichen Elternbeziehungen (auch oft bei Schwiegereltern) sind Nähe und Abhängigkeit sehr belastend. Das waren sie auch früher, aus der Literatur gibt es Beispiele genug. Wie hier in den Kommentaren öfters geschildert, kann Pflegen aber auch eine sehr bereichernde Erfahrung sein, die konfliktreiche Elternbeziehungen zu einem versöhnlichen Abschluß bringt.

  125. Pflegeheim St. Filou fuer...
    Pflegeheim St. Filou fuer hochbetagte Katze in NL-83557 AF Natvoetenkooi.
    .
    Bewertung:
    Zuspruch: Hoch, trotz starkbelastetem Personal. Streichelungen auf Wunsch oder ungewuenscht. Man ist nett bis zur Selbstaufgabe.
    Essenzeiten und Qualitaet: Essenszeiten nach Wunsch, abwechslungsreich quer durchs Futterregal. 2x taeglich gespuelter Napf.
    Hygiene: Taeglich frisches Kisterl. Baden nicht erwuenscht. Gelegentliches Abstauben mit Handstaubsauger.
    Ausgang: Bis zur Dachgartenkante. Umrundung von Bommels Urne (Geraeusche rachsuechtiger Genugtuung).
    Unterhaltung: Ansprachen in unverstaendlichen Dialekten. Personal kann kein Kaetzisch (gibt Minuspunkte).
    Sex: Seit Eintritt des Klimakteriums freiwillige Entsagung, davor 2x jaehrlich hinterm Altar der Dorfkirche.
    Treppenlift vorhanden (Hausherr, seufzend).
    Unterhaltung: Fernsehen auf Bett des Hausherrn, Kuchenkruemel vom Kissen desselben, maessige Neugierde sowie forderndes Auftreten bei komplizierten menschlichen Taetigkeiten (nur dann).
    Gesamturteil: 5 Sterne mit Pauke.

  126. Liebe Försterliesel,
    dann...

    Liebe Försterliesel,
    dann waren meine beiden Omas Oberschicht. :-)
    Ansonsten: ja, gute Recherche. So ist es.
    .
    Lieber Filou,
    ja, manche Miezen haben es besser als mancher Mensch.
    Meine hat es auch besser als ich. Ich kriege keine Knuspertaschen, auch nicht, wenn ich etwas sehr gut gemacht habe (net gschimpft is globt gnuch).
    Tierheime gibt es natürlich trotzdem.

  127. @Vroni:
    So wichtig eine...

    @Vroni:
    So wichtig eine professionelle, häufig wiederkehrende, Kontrolle der Altenheime wäre, sie würde das in Frau Mühls Beitrag angesprochene Grundsatzproblem (Erhalt der Selbstbestimmung im Alter) nicht lösen. Das liesse sich nur mit persönlichen, sich der Familie verpflichtet fühlenden, Dienern wie im 19. Jahrhundert halbwegs anständig lösen. Also heute gar nicht.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  128. @Foersterliesel: Ihr Satz...
    @Foersterliesel: Ihr Satz „langsame körperliche Schwächung, auch geistige, verwandelt, transzendiert starke Egos“ hat mir sehr geholfen. Ich kam gerade von einem Treffen mit einer langjährigen Freundin zurück und war fassungslos. Sie hatte einen Schlaganfall erlitten und kann nicht mehr Sprechen. Lange hatte ich überlegt, was da wohl noch zu lernen sei – jetzt habe ich einiges begriffen. Weh‘ tuts freilich schon. Danke.

  129. vorbildlich, lieber Filou!
    Zum...

    vorbildlich, lieber Filou!
    Zum Schluß fällt mir noch eine WHO Resolution (so um 2000 beschlossen) ein „gegen Gewalt an alten Menschen“ . Vor allem die Betreuung dementer alter Menschen kann den Pflegenden leicht an seine Belastungsgrenzen bringen,
    ähnlich wie bei Schreikindern, die auch leicht Gewaltopfer werden. Inzwischen wurde aber schon die Methode der Validation für den Umgang mit dementen Patienten entwickelt, die alten Menschen sind dann auch weniger desorientiert und aggressiv. Und für pflegende Angehörige gibt es Vertretungs- und Urlaubsangebote u.a. der Caritas.

  130. Liebe Vroni, genau das wollte...
    Liebe Vroni, genau das wollte der Dichter mit dem Bild beschreiben.
    .
    Liebe Foersterliesel, es scheint mir so zu sein, dass manche Aeltere die Kraft verlieren, ihre gewaltsam aufrecht gehaltene soziale Fassade vor dem Absturz zu bewahren. Das Kind mit seinem guten oder schlechten Charakter bricht sich wieder Bahn. Wer im Alter das Ekel vorzeigt, war wahrscheinlich (versteckt, camoufliert) immer schon ein Ekel und traute sich nur nicht, seine menschliche Sau ‚rauszulassen. Leider kommt den Kindern diese Erkenntnis zu spaet. Sind sie doch, sofern sie sich nicht fruehzeitig von ihren Eltern distanzierten, selbst die charakterlich verbogenen Opfer.

  131. Ausserdem weiss ich schon, wie...
    Ausserdem weiss ich schon, wie sich mein weltliches Ende gestalten wird:
    Ich werde ueber eine Blumenwiese spazieren. Darueber werde ich mich so freuen, dass ich vor reinem Entzuecken einen kleinen Huepfer in die Luft mach

  132. Stete Mafia: Und es war'n...
    Stete Mafia: Und es war’n Schulden
    —————————————–
    Es war ein schöner Tag, der letzte im August,
    der Unmut brannte loh, als hätte sie’s gewusst.
    Die Stimmung flirrend heiß´, und damit es mir gefällt,
    sagte ich den andern: Ich hab’ heut kein Geld!
    *
    Da traf ich Angie, und sah in ihre Augen.
    Und irgendwie hatt’ ich das Gefühl,
    als winkte sie mir zu, und schien zu sagen:
    Komm setz dich zu mir…
    *
    Ich war 18 und sie war 58,
    und über Euros wusste ich nicht viel!
    Sie wusste alles und sie ließ mich spüren,
    ich hieß nicht Mark mehr…
    *
    Und es war’n Schulden…
    *
    Sie sagt es so, als wär’n die Zinsen gar nicht da,
    und um die Schultern, war ihr Anzugkragen starr.
    Ich war voll pleite, und wusste nicht wohin
    mit meinem Dispo, der wie gefesselt
    an der D-Mark hing.
    *
    Ich kann verstehen, hörte ich sie sagen,
    nur weil du arm bist, kaufst nicht was du fühlst.
    Doch bleib bei mir, bis die Währung tot ist!
    Dann wirst du sehen…
    *
    Wir gingen beide hinüber zu der Bank,
    Und der Kasten nahm die Plastikkarte an.
    Doch als ein Mann sah ich die Euros aufgeh’n!
    Und es war’n Schulden, und es war’n Schulden.
    *
    Und es war’n Schulden, das erste Mal im Leben.
    Und es war’n Zinsen, das allererste Mal!
    Doch als ein Mann sah ich die Euros aufgeh’n
    Doch es war’n Schulden…

  133. Lieber ThorHa,
    mit Dienern...

    Lieber ThorHa,
    mit Dienern lösen Sie das nicht. Es wird nur schlimmer mit denen:
    Dienerschaft neigt schon immer von Berufs und unterem Stand wegen zu subversiver und gleichzeitig devoter Beflissenheit. Von ehrlicher, aufrichtiger Ansprache von denen und echtem Kümmern träumen Sie mal ruhig weiter. :-)
    .
    Die Autorin hatte schon Recht: Es ist eigentlich unlösbar.
    Und Nebenlösungen fordern dennoch den ganzen Anstand, den man aufbringen kann.

  134. für Antwort bitte ein...
    für Antwort bitte ein bißchen Geduld, im Radio singt Angela Denoke Weills Lieder für Lotte Lenya, unerwartet schön, und dann abendliches Gassi …

  135. @Vroni: Diener
    Seufz. Ich...

    @Vroni: Diener
    Seufz. Ich fürchte, über die insbesondere auf dem Lande (Gutsherren) gepflegte, von gegenseitigem Respekt getragene, generationenlange stolze Dienstbotenschaft wissen Sie nicht sehr viel :-).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  136. Doch ThorHa, stamme aus altem...
    Doch ThorHa, stamme aus altem Dienstboten- und Kleinbauernadel.
    Die Dienstbotenerzählungen meiner Oma haben mir fett gereicht.
    Das ganze feudale Obergesocks kann mich mal. (Arme Oma)

  137. liebe Vroni,
    gut daß Sie Ihre...

    liebe Vroni,
    gut daß Sie Ihre Omas erwähnen: auf dem Land wurde und wird auch noch eher zu Hause gepflegt, wenn die weiblichen Familienangehörigen berufstätig oder durch einen Gewerbebetrieb zu ausgelastet sind, werden migrantische Pflegerinnen beschäftigt, aber aus dem Haus geben gehört sich nicht.
    Bei uns ist es so, daß nur im Roten Wien jeder ohne Zuzahlung der Angehörigen in ein Pflegeheim gehen konnte, in den (eher konservativen, ländlicheren)Bundesländern werden die Familien (teilweise bis zu den Enkeln) zu finanziellen Beiträgen genötigt (Subsidiarität).
    Die Gratis-Pflege ist eine große Entlastung, aber auch eine Versuchung zur Abschiebung und Indikator daß Familien in der Großstadt stärker diffundieren.
    .
    liebe escalera de caracol,
    bei einem jungen Menschen, oder jemandem in mittlerem Alter ist so ein Funktionsverlust, wie bei Ihrer Freundin, noch viel erschütternder als bei alten Menschen. Bei alten Menschen ist es so eine Annäherung ans Verschwinden des Körpers, oft verbunden mit einer besonderen psychischen Präsenz.
    Es ist sehr tapfer von Ihnen, daß Sie Ihrer Freundin die Treue halten und sich mit Ihrem neuen Zustand konfrontieren.
    .
    lieber Filou,
    Demenz zerstört Hirnregionen, es gibt nicht nur Funktionsverluste, auch die Persönlichkeit regrediert, kindische Wutausbrüche, Verlust der Scham, sind für die Angehörigen sehr schwer zu ertragen. Ich glaube nicht, daß Demenz so was wie die „eigentliche Bösartigkeit“ freisetzt. Es ist nicht nur kindliche Regression,
    Unbeherrschtheit usw, sondern Destruktion der Persönlichkeit, je nach betroffenen Hirnregionen.

  138. Schön, dass es noch so etwas...
    Schön, dass es noch so etwas gibt, sterben im Kreise der Familie. Wer ein solches Ende hat, der kann von Glück reden – und das sind wohl die wenigsten, weil es ja auch immer weniger funktionierende Familien gibt. Rechtzeitig eine Pille besorgen lautet die Lösung, dann muss man im Zweifelsfall auch niemanden darum bitten, der womöglich sowieso kein Interesse mehr an irgendeiner Form von Nähe oder Hilfe hat… Melanie Mühl

  139. Dienstboten die zur Familie...
    Dienstboten die zur Familie gehören, mit einer gegenseitigen starken Identifikation und Verantwortlichkeit, sind – glaube ich -Vergangenheit und waren auch nicht die Regel, vor allem in der Stadt, wo es oft Wechsel beim Personal gab. Vor allem Kinder hatten oft darunter zu leiden und waren den
    unzufriedenen Dienstboten ausgesetzt.

  140. @Foersterliesel, wieso...
    @Foersterliesel, wieso veraendert es sich um Himmels Willen in Richtung Boesartigkeit? Es haette ja auch in die entgegengesetzte Richtung laufen koennen.
    So wir mir berichtet wurde, war das Boese und Harte immer schon in dieser Person vehaftetet, halt nur in der kraftvolleren Lebensphase stark unterdrueckt.
    .
    Ach lassen wir’s. Reden wir lieber ueber Katzenstifte, schwierige Gewaechse auf Dachgaerten und gutgekleideten Maedchen…
    …und wehleidige Vaeter und Soehne, die morgen angstvoll die Wartezimmer sadistischer Zahnaerzte bevoelkern.

  141. Mich hat bei Dementen ihr...
    Mich hat bei Dementen ihr Selbsterhaltungstrieb überrascht. Selbstverwirklichung
    um jeden Preis.

  142. Lieber E.R. Binvonhier,
    das...

    Lieber E.R. Binvonhier,
    das liegt, wie ein Vorredner bereits Ähnliches erwähnt hat, daran, dass der Selbsterhaltungstrieb ein Urtrieb ist, der wohl in ganz alten Hirnschichten liegt, die fast bis zum Schluss erhalten bleiben. Wenn alles andere bereits zerstört ist.
    .
    Selbstverwirklichung um jeden Preis würde ich das nicht nennen. Selbstverwirklichung ist, sich selbst in geistigen und körperlichen Verfeinerungen auszuleben, zu optimieren. Das sehe ich da nicht. Eher: Das Leben selbst ist das. Es hat diese ungeheure Kraft, einfach nur leben zu wollen.

  143. Ins Positive gewendet: Selbst...
    Ins Positive gewendet: Selbst bei dramatischen Verlusten der Hirnleistung unterliegen die vorhandenen menschlichen Ich offenbar einem großen natürlichen
    Schutz.

  144. @Foersterliesel: Vielen Dank...
    @Foersterliesel: Vielen Dank für ihre umsichtigen, aufmerksamen Beschreibungen der unterschiedlichen Situationen. Die sind immer enorm erhellend.
    @Vroni: ich bezweifle, daß Dokumentationswut und externe Kontrollen da irgendwas bewirken, ich sehe es eher so wie die Oma mit Hund: die Zeiten des allgemeinen Altersluxus sind in meiner Generation eben vorbei. Einen Aufstand der Alten und Pflegebedürftigen wird es niemals geben, denn sie sind eben – alt und pflegebedürftig, und nicht demnächst erwachsen und das Ruder übernehmend wie einstmals schlecht behandelte Kinder.
    @Folkher Braun: das mit der Alten-WG finde ich eine ganz gute Idee. Vielleicht könnte man es hinbekommen, wenn alle zusammen ein Haus kaufen und eine jüngere Person als Verwalter/Schlichter finanzieren, die dem ganzen den Rahmen zieht.

  145. lieber Filou,
    wie man die...

    lieber Filou,
    wie man die Regression dementer Eltern wahrnimmt hängt natürlich auch immer von der Art der Beziehung zu ihnen ab. Eltern die sehr enttäuscht haben, durch die Demenz zu begleiten ist wahrscheinlich überfordernd. Bei der Regression selbst (ich fasse mich kurz, weil ich eine längere Antwort getippt hatte, die aber irgendwie verschwand, die Hitze und die verschwitzten Finger wohl…) gibt es eine depressiv-anhänglich-larmoyante Phase, aber unterschiedlich stark, dann
    den Eigensinn (selbstgefährdend und sehr anstrengend für die Betreuer, so wie das Trotzalter bei Zweijährigen eben auch) oder Paranoia und Mißtrauen, vor allem aber primären Narzißmus: Egozentrik, Schwung, Selbstherrlichkeit, mitunter erstaunliche Amoralität, Charme, aggressive Selbstdurchsetzung, Ungeduld. Dazu Vergessen, Desorientierung, Unruhe, Motilitätsdrang, ein bißchen wie die Bewegungsunruhe und der Bewegungsdrang kleiner Kinder. Wenn einem die Eltern als Kind sehr weh getan haben, ist all das natürlich noch viel schwerer zu verstehen und auszuhalten.

  146. liebe escalera de caracol,
    es...

    liebe escalera de caracol,
    es sollte „Es ist sehr tapfer von Ihnen, daß Sie Ihrer Freundin die Treue halten und sich mit ihrem neuen Zustand konfrontieren“ zu lesen sein.“
    Lieben Gruß!

  147. Liebe Colorcraze,
    ich sehe das...

    Liebe Colorcraze,
    ich sehe das nicht ganz so negativ wie Sie.
    Klar, wenn man bereits pflegebedürftig ist, reißt man keine Bäume mehr aus in Richtung Aufstand. Wie denn.
    Der muss vorher geschehen.
    .
    Und genau da tut sich nichts.
    .
    Ich glaube die Gründe zu erahnen:
    1. man verdrängt angstvoll, solange man noch gesund und rüstig ist. (80%)
    2. angeborener Fatalismus (8%)
    3. man hört zu sehr auf „Luxus ist vorbei“- und „spätrömische Dekadenz!“-Reden gewisser Personen: Neoliberales Geplärr, um zu verhindern, dass nach der verlogenenen Phase des „Selbst ist das Glück des Schmieds, „Selbst-Verantwortung“, „soziale Hängematte“ auch wieder „Verantwortung von oben“ diskutiert werden kann. (12%)

  148. @Vroni: über 1. sind wir uns...
    @Vroni: über 1. sind wir uns gewiß einig, zu 3.: ich weiß nicht, ob der Druck der Kinder der heutigen Generationen dazu führen wird, ich denke eher, daß das, weil in der Generation eben viele keine Kinder haben, eher „verpuffen“ wird.

  149. @Vroni:...
    @Vroni: Verdrängung
    Natürlich. Was sonst. Das je nach Umständen ebenso nützlichste wie schädlichste Geisteswerkzeug des Menschen. Ihm dabei helfend, schwerste (seelische) Schläge zu überstehen und weiterzuleben. Und ihm dabei im Wege, das rechtzeitig zu tun, was notwendig ist. Also das am häufigsten gebrauchte Werkzeug menschlicher Psyche. Nach der Dummheit, aber nur knapp.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  150. Ein sehr gefühlvoller Beitrag...
    Ein sehr gefühlvoller Beitrag voller Wahrheit. Meine Oma hat sich wohl gefühlt in der Gesellschaft Ihres Altersheims. Auf den Tod hat sie auch gewartet, aber versöhnlich. Gott solle sie ruhig holen, sie sei bereit, ganz ohne Verbitterung. Angst habe ich nie gespürt. Geschimpft hat sie gerne, gelacht aber ebenso und oft. So geht es auch. Das Altersheim meiner Oma hatte nichts von dem Schrecken. Für sie schien es einfach. Das war 1998 und sie wurde fast 100 Jahre. Jetzt ist die nächste Generation so weit, den Schrecken spüre ich jetzt auch, das sich fügen, das akzeptieren, das resignieren, die Angst und den Verlust der Würde. Was hat sich geändert?

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