Home
Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

| 62 Lesermeinungen

Von Katastrophen profitieren: Während die Polkappen schmelzen, gedeihen in der Pfalz Rebsorten, die man bislang nur aus südlichen Regionen kannte.

Vom Luxuselend der protzigsten Praline der Welt zu einem ernsten Thema im Weinglas: Christoph Raffelt bereist die Pfalz und zeigt, welche Auswirkungen die Klimakatastrophe auf den Weinbau hat:

»Das daaf de nett, de alde Wutz« Helmut Kohl

Es mag verwundern, dass ich meine Weinreise heute in Grünstadt-Asselheim beginne, aber genau dort bin ich über eine ungewöhnliche Flasche Deutschen Rotweins gestolpert. Grünstadt-Asselheim ist jetzt nicht gerade der Nabel der Weinwelt und entsprechend wenig bekannt. Der Ort liegt in der Pfalz. Wer die Pfalz mit Wein verbindet, denkt dann meist an Rieslinge und Spät- oder Weißburgunder, Ortsnamen wie Gimmeldingen, Wachenheim, Forst, Deidesheim oder beispielsweise Birkweiler kommen einem vielleicht in den Sinn oder traditionelle Weingüter wie Dr. Bürklin-Wolf, Bassermann-Jordan oder Reichsrat von Buhl. Dass in dieser beschaulichen, durchaus bodenständigen Ecke parallel zum traditionellen Immergrün fast nebenbei ein Versuchslabor für Orchideengewächse entstanden ist, dürfte noch weitgehend unbekannt sein.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Genau deshalb jedoch lohnt es sich, einen Abstecher nach Grünstadt-Asselheim zu machen, um dort im Familienweingut der Metzgers vorbeizuschauen. Hier hat der junge Uli Metzger frischen Wind in das Weinangebot gebracht und sich neben den üblichen Sorten auch an einige weniger typische herangewagt. Uli Metzger hat im Zuge der Erneuerung das ganze Flaschendesign in die Moderne geholt und seinen Namen zum Programm gemacht. Ich bin dabei durchaus froh, dass er seine drei Weinlinien Flanke, Pastorenstück und Filet nicht in bereits verarbeitetem, abgehangenem Zustand auf’s Etikett gebracht hat, sondern jene Stücke am noch unberührten Rind verdeutlicht.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Eines seiner Filet-Stücke ist der Tempranillo und ich frage mich unwillkürlich: Was zum Teufel macht die spanische Paraderebsorte in einem Pfälzer Wingert? Reicht es nicht, dass halb Spanien mit dieser Sorte bestockt ist? Sollten wir uns hier nicht auf jene Rebsorten konzentrieren, die hier hingehören, die hier verwurzelt sind? Gibt es Bedarf an solchen Weinen? Sicher nicht. Man könnte behaupten, sie seinen so überflüssig wie ein Kropf. Und wenn dieser Tempranillo jetzt genauso schmecken würde wie jener, mit dem blauen Etikett, den ich zufällig vor einigen Tagen entdeckt habe und der, man muss es zugeben, ausgezeichnet zum Metzgerschen Filetstück passt, dann würde ich sagen, stimmt. Aber so ist es nicht. Der Pfälzer Tempranillo, der es mit dem Jahrgang 2008 auf Anhieb in die letzte Runde des deutschen Rotweinpreises geschafft hat, unterscheidet sich durchaus von seinen spanischen Kollegen, gleichzeitig aber bleibt er sortentypisch und eigenwillig und hat Substanz.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Der Tempranillo entsteht im Versuchsanbau, denn zunächst einmal sind solche Sorten nicht offiziell zugelassen. Sie erhalten ein Visum auf Zeit und nach ein paar Jahren mag es eine Zulassung geben, oder eben nicht. Dies wird davon anhängen, wie die entsprechenden Weine sich entwickeln – auch unter Berücksichtigung der allgemeinen Erderwärmung, die sich direkt auf den Weinbau auswirkt. Für viele Winzer ist es ein Fluch, denn die Alkoholgrade steigen und in wärmeren Jahren ist es an der Terrassenmosel oder am Mittelrhein kaum noch möglich, trockene Rieslinge zu machen. Andere dagegen experimentieren mit Sorten, die es hier früher nicht gab. Es war ihnen zu kalt. Tempranillo ist so ein Beispiel, und auch der Pinotage ist so eine Sorte.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Dabei ist diese Kreuzung aus Pinot und Cinsault noch ungewöhnlicher als der Tempranillo vom Uli Metzger. Südafrikas Nationalrebe Pinotage in der Pfalz – auch das braucht eigentlich kein Mensch. Obwohl sich Stefan Bietighöfer & Stefan Dorst darüber im Prinzip einig sind, haben sie es trotzdem gemacht. Aus Interesse. Und, weil sie es konnten. Herausgekommen ist ein Wein, der ein wenig in der Schwebe liegt, irgendwo zwischen Stellenbosch und Neustadt. Was ich mag: Er hat nicht diese häufig penetranten Würz-Röstaromen, die mir so viel südafrikanische Pinotages verleiden und die den Wein so schwer machen, dass ich ihn dann kaum trinken mag. Bietighöfers Pinotage hat bei aller Kraft, die dieser Sorte wohl eigen ist, gleichzeitig eine angenehm duftige, fruchtige, fast florale Note, wirkt leicht pfeffrig und erinnert mich fast an Pinot Noir. Ist der Wein des ersten Jahrgangs 2010 noch ein wenig grün und unstrukturiert, merkt man beim 2011er schon deutlich mehr Substanz – und Potential.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Potential ist da gerade ein gutes Stichwort. Wenn man sich in Ruhe umschaut in der Pfalz, findet man nämlich noch weitere solch ungewöhnlicher Gewächse – und zusätzlich einige Weingüter, die man nie auf dem Plan hatte. Zu Unrecht, wie sich dann herausstellt, denn hier entstehen gute Weine, abseits der ausgetretenen Pfade. Dazu gehören beispielsweise das Weingut Brenneisen-Koch in Ellerstadt und Bergdolt-Reiff & Nett in Duttweiler. Erstere erzeugen einen reinsortigen, eigentlich im Piemont beheimateten Nebbiolo. Bei letzterem hat sich der Tiroler Lagrein eingefunden. Diese Ur-Südtiroler Rebsorte erfährt auch in Italien momentan eine Renaissance, glücklicherweise, wie ich finde, denn die relativ gerbstoffarme Sorte hat sehr viel eigenen Charakter, ist auch in diesem Fall ganz sortentypisch pflaumig-kirschig, es finden sich im Geschmack Gewürze wie Lorbeer oder Nelke, dazu Schokolade und Kaffee. Einzig der meist hohe Alkohol trübt manchmal etwas meine Stimmung. Nicht aber bei diesem Exemplar aus der Pfalz. Beim Lagrein “Im Kolbenstein” hält sich das Volumen glücklicherweise angenehm in Grenzen, zudem passt er mit seinem Duft nach Gewürzen und Orangen ausgezeichnet in die Jahreszeit.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Eine Cuvée ganz eigener Art wählte das ungleich bekanntere Weingut Philip Kuhn für seinen Luitmar. Für diesen Kraftprotz, der 20 Monate in kleinen Holzfässern lag, wurde neben Cabernet Sauvignon und den österreichischen Sorten Blaufränkisch und St. Laurent auch die italienische Sangiovese verarbeitet. Dieser Wein ist ein ziemliches Monument und eine Cuvée von einer Intensität und Präzision, wie man sie in Deutschland selten findet. Dafür ist der aktuelle Jahrgang allerdings auch noch ziemlich verschlossen und benötigt noch mindestens so viel Zeit wie der Syrah des Nachbarweinguts im Ort.

Auch wenn Syrah kein ganz neues Thema mehr ist und die Sorte im Versuchsanbau bereit seit Beginn der 90er angebaut wird, ist sie doch ein schönes Beispiel, um zu zeigen, wie gut sich eine fremde Sorte etablieren kann. Auch wenn es nicht einfach ist. Hanspeter Ziereisen, Syrah-Winzer der ersten Stunde im Markgräfler Land, meint, wenn er gewusst hätte, das Syrah noch zickiger sei als Pinot Noir, hätte er ihn nicht gepflanzt.

Bild zu: Die Erderwärmung im Wein der Pfalz

Das Weingut Knipser, eines der bedeutenden Güter der Pfalz, vinifiziert zwei Weine aus dieser von der Nordrhône stammenden Sorte. Schon der Syrah trocken 2009 ist eine Offenbarung. Es ist ein Wein, der mitten aus der Pfalz stammt und doch so gar nicht deutsch wirkt – und ich meine das durchaus positiv. Er wirkt nicht deutsch, weil ihm die vordergründige Fruchtigkeit, die ich hier so oft nicht mag, völlig abgeht. Andererseits hat der Syrah überhaupt nichts mit den Übersee-Kollegen namens Shiraz zu tun. Während dort häufig eine gewisse Marmeladigkeit auf Grund von Überreife und fehlender Säure vorherrscht, ist hier direkt klar, dass es sich um einen Syrah aus kühlem Gebiet handelt, der am ehesten mit den Gewächsen der Nordrhône vergleichbar ist. Die deutliche Note von weißem Pfeffer, von feinen Würz- und Lederaromen, unterlegt von feinen Johannisbeernoten, vor allem aber die Mineralität und Balance, machen ihn zu einem ganz ausgezeichneten Wein, wie ich ihn in Deutschland noch selten getrunken habe – solche Weine sind für den hiesigen Weinbau eine große Bereicherung.

0

62 Lesermeinungen

  1. Ein 'zickiger Wein'. Das ist...
    Ein ‘zickiger Wein’. Das ist interessant, darueber wuerde ich bei Gelegenheit gerne mehr erfahren.
    Sehr erfreut, Sie wiederzulesen.

  2. @Filou. Die Rebsorte ist...
    @Filou. Die Rebsorte ist zickig ;) Der Wein geht dann. Es gibt sehr anspruchsvolle, pflegeintensive Rebsorten, die schnell beleidigt sind, wenn man sich nicht intensiv um sie kümmert. Sie kennen das?

  3. lieber Christoph Raffelt,...
    lieber Christoph Raffelt, verlockungen des weins erliegt man nur zu gerne, gerade der letztgenannte syrah weckt interesse.
    was sie allerdings zu einem anderen notierten, nämlich “Einzig der meist hohe Alkohol trübt manchmal etwas meine Stimmung” mag man aus erfahrungsgründen nicht so ganz teilen: so kann man auch mit vergleichsweise wenig wein, gehaltvoll beinahe wie ein port, eine fröhlich lachende runde herbeiführen.

  4. Vielen Dank für Ihren...
    Vielen Dank für Ihren informativen Artikel. Meinem Mann und mir schmecken die Weine, die wir eigentlich seit Jahren mögen, auch zunehmend weniger, weil sie uns süßer und fruchtiger vorkommen. Wir leben an der Mosel und trinken natürlich am Liebsten regional, aber das wird schwieriger. Die Rieslingernte 2011, in der Presse gefeiert, mag uns so gar nicht schmecken.
    Haben Sie vielleicht eine Empfehlung für uns, die wir ungern auf Rotwein umsteigen möchten, eigentlich überhaupt keine Ahnung haben und generell verstockte Traditionalisten sind? Danke!

  5. Herr Raffelt, haehae, ich...
    Herr Raffelt, haehae, ich mochte jetzt nicht ins familieaere abgleiten, zu gross wuerde der Spass.
    Pflegeleichte oder zickige Rebsorten dagegen scheinen mir schon einen Sonderbeitrag wert.
    .
    Dass suedliche Rebsorten in die Pfalz einziehen und dort heimisch werden-das wusste ich auch noch nicht. Macht sich da die Klimaaenderung dramatisch bemerkbar oder reagieren die Plaenzchen (Marktweib oder Grand Dame) bereits auf geringe Aenderungen?

  6. Zu eben: Was neige ich doch zu...
    Zu eben: Was neige ich doch zu leichtfertigen Umschreibungen, ts. Eine ‘Grand Dame’ unter den Weinen koennte ich mir noch vorstellen, aber, um Himmels willen, was ist ein ‘ordinaeres Fischweib’ unter den Weinen?
    Und wieso versehe ich Wein mit weiblichen Attributen, wo doch ‘der Wein’ (masc.) heisst.
    Darueber nachzudenken, werde ich mir huete Abend die Zeit nehmen. Bei eine gute Weinin.

  7. Herr Raffelt, ich danke Ihnen...
    Herr Raffelt, ich danke Ihnen für Ihr sehr gefällig verpackten Informationen. Ich trinke gerne Pfälzer Wein. “Mein” Winzer mit Versuchsanbau ist in Rheinhessen im selben Bundesland.
    Um in der Südpfalz, zwischen Landau und Hambach exotische Reben zu testen, brauchen die Winzer aber keinen Klimawandel bemühen. Es war auch früher warm! Kastanien, Mandeln und Pfirsiche gibt es in der ganzen Gegend und sogar Safran wird angebaut. Der Verlust der Pfalz hat die Wittelsbacher hart getroffen.

  8. @donna laura, Ein Lagrein ist...
    @donna laura, Ein Lagrein ist allerdings kein Port, und ich finde, relativ einfache Weine oder auch Weine, die in einer netten Runde getrunken werden sollen, sollten bekömmlich sein. Das Meiste über 14% macht schnell satt und ist selten bekömmlich. Einen Port trinke ich auch in Maßen, bei einem Lagrein möchte ich doch zumindest die Möglichkeit haben, auch zwei Gläser zu trinken.
    .
    @Norddeutsche, das ist wirklich ein Problem. Richtig trockenen, durchgegorenen Riesling findet man selbst in Franken kaum mehr, und die waren mal berüchtigt. Spontan fällt mir auch niemand mit wirklich trockenem Wein ein. Aber ich überlege noch.
    .
    @Filou, die Klimaänderung wirkt sich auf den Weinbau deutlich aus. In Australien liegen Alkoholwerte in den traditionellen mittlerweile schnell bei 15+%. Man geht davon aus, dass in California der Weinbau in 20 Jahren kaum noch möglich sein wird. Wärmere Lagen an der Mosel oder am Mittelrhein produzieren Rieslinge mit 14%, wenn man sie trocken ausbauen will und Syrah wäre vor 15 Jahren noch kaum möglich gewesen. Es ist ein schleichender, aber eindeutiger Prozess.

  9. @melursus, es werden...
    @melursus, es werden natürlich überall Weine im Versuch getestet. Gerne auch neue Kreuzungen. Ich habe es jetzt mal bei der Pfalz belassen, denn gerne hätte ich sonst noch über Malbec in Rheinhessen etc. geschrieben. Teile der Pfalz waren schon immer etwas wärmer, ja. Und die ersten Versuch mit Syrah hatten vielleicht weniger mit dem Klimawandel zu tun als mit der Tatsache, dass es dort eh schon wärmer war. Der Klimawandel führt allerdings dazu, dass es regelmäßiger warm ist und es beispielsweise beim Syrah weniger Ernteausfälle gibt.

  10. lieber Christoph Raffelt,...
    lieber Christoph Raffelt, eines der vergangenen male schon sprachen wir bereits über den lagrein, wobei es sich damals um einen von lageder aus südtirol handelte, der nebenbei gesprochen auch mit seinem löwengang bemerkenswertes hervorbringt.
    ein besonders alkoholhaltiger wein mag sicherlich geschmackssache sein, weswegen der vergleich mit einem port bemüht werden musste. erst neulich tranken wir mit gästen, die wein, eigentlich oigohoi überhaupt, ansonsten eher kritisch beäugen, einen solchen; sie nippten verzückt und tranken am ende offensichtlich mehr, als sie wohl wollten. ich müsste mal im keller nach der flasche suchen lassen…

  11. Herr Raffelt, wer hätte das...
    Herr Raffelt, wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht, Tempranillo aus deutschen Landen, vielen Dank für ihren kundigen Einblick. Wenn wir den Terroir-Aspekt wieder aufgreifen, wie lässt sich denn sein spezifischer Geschmack in Worten beschreiben? Interessant ist auch das “Visum auf Zeit”, wird die Zulassung dann nach festgelegten Kriterien erteilt?

  12. @salonsurfer, Bei den...
    @salonsurfer, Bei den Zulassungskriterien muss ich passen, da weiss ich nicht, wie das genau von statten geht. Beim Tempranillo kann ich Sie vielleicht auf heut eAbend vertrösten, dann werde ich in meinem Blog die beiden gehörnten Tempranillos vergleichen.

  13. "pflegeintensive Rebsorten,...
    “pflegeintensive Rebsorten, die schnell beleidigt sind, wenn man sich nicht intensiv um sie kümmert.”
    .
    Die Katzen unter den Rebsorten. :-)
    .
    Interessanter Artikel, wie immer. Großes Lob.

  14. lieber Christoph Raffelt, das...
    lieber Christoph Raffelt, das kommt davon, wenn doch ordentlicher ist, als die altvorderen vermuten: die flasche ist entsorgt. man vermutet einen beringer syrah oder, noch wahrscheinlicher, ein zinfandel?
    was halten sie eigentlich vom penfolds rwt (shiraz)? wächst er zwar nicht in patalinatischen landen, scheint er doch meinem ungeübten gaumen nicht schlecht zu gefallen.
    der grange 2007 aus demselben gut ist nun tatsächlich die inkarnation des weines, was nicht sonderlich überraschen mag, übertrifft er doch den zwei jahre jüngeren bin 707.
    wächst vergleichbares in deutschen landen?

  15. <p>@Vroni,...
    @Vroni, Danke!
    .
    @donna laura, liebe donna laura, Zinfandel ist bei Beringer wahrscheinlicher als Syrah (machen die überhaupt Syrah?) Ich habe großen Respekt vor Penfolds, auch wenn mir der Stil der meisten Weine nicht (mehr) gefällt, aber das ist eine persönliche Vorliebe, kein Qualitätsurteil. Respekt, weil dieses Unternehmen es trotz der Größe eines Konzern, der mehrere Millionen Flaschen Wein pro Jahr abfüllt, es schafft, durch alle Qualitätsstufen hinweg saubere und ordentliche Weine zu produzieren. Ich wüsste nicht, wer das sonst schafft. Penfolds gehörten zu den ersten Weinen, die ich mir eingelagert habe, Anfang der Neunziger. Damals bekam man den Bin 389 noch für 22 DM, heut zahlt man wohl 40 bis 50 Euro. Verrückt, nicht wahr? Den rwt kenne ich leider nicht, BIN 707 und St. Henris sind immer wieder beeindruckend, mein größter Grange war ein 1986er. Was für ein Wein. 2007 jetz zu trinken oder 2009er BIN 707 erscheint mir allerdings etwas früh…

  16. Da ich die gewünschte...
    Da ich die gewünschte Textmenge bei weitem überschreiten würde, wenn ich die Weine auch noch beschriebe, werde ich dies nach und nach in meinem Blog nachholen. Was Knipsers Syrah angeht, empfehle ich die ausgezeichnete Beschreibung meines Freundes Torsten Goffin, die dem Wein den notwendigen Respekt erweist: http://glasklare-gefuehle.de/2012/06/ein-cool-climate-syrah-–-aus-der-pfalz/

  17. lieber Christoph Raffelt, ich...
    lieber Christoph Raffelt, ich denke auch, dass es eher ein zinfandel gewesen sein dürfte.
    die skala nach oben ist in fast allen kategorien recht offen, distinktion ist da nicht schwer –
    was mich nun wirklich einmal interessieren würde, ist die eigentlich naive frage, welcher wein nun im unteren preissegment für den alltag angesiedelt ist und der, oje, anmutungen an den grange weckt, mithin also ein simpler, beinahe (im wirklich positiven sinne) charakterloser wein ist, der nach wein schmeckt, wie man sich das wort wein vorstellt, ohne, schlicht formuliert, bitternis, ohne aufdringlichkeiten, sei es von schokolade, sei es von frucht, sei es von lieblichkeit, sei es von holz, leder, rauch und was sonst so bemüht wird. immerhin, die suche allein schon macht viel freude, gestaltet sich aber auch aufwendig und voller verluste.
    sind sie diesem gral voller trauben, dem wein der weine für alle tage schon nahe gekommen?

  18. Sehr geehrter Herr Raffelt

    ...
    Sehr geehrter Herr Raffelt
    Als Liebhaber möglichst durchgegorener Deutscher Weissweine frage ich voller Unruhe:
    Wird uns die Klimaerwärmung ein Ende des so erfreulichen Trends der letzten Jahrzehnte bescheren, dass auch ausserhalb der traditionell “trockenen” Regionen, wie Franken, man nicht mehr hilflos der Restsüsse ausgesetzt sein muss? Wenn Sie schreiben, dass auch die Frankenweine nicht mehr “fränkisch trocken” ausgebaut werden können, force majeure, dann werde ich traurig.Muss ich bald wieder auf Diabetikerweine ausweichen?

  19. Ich will hier auf dieser...
    Ich will hier auf dieser schönen Weinreise nur zu den Franken einflechten, dass sich dort die traditionell trockenen Weißen sowohl in der rustikalen bis gehoben Variante bis hin zu den Weinen vom Stein, der Inneren Leiste, dem Kallmuth, ja, bis an den Iphofener Gispskeuper hinan meines Wissens sehr gut gehalten haben. Man blickt dann allerdings zwar mal nur auf knapp 12 Grad beim Qualitätssilvaner, aber ohne weiteres auch auf dreizehnkommafünf Umdrehungen beim Riesling oder Weißburgunder, ohne dass ein Promille davon von Säure und Mineralik nicht hinreichend unterstützt wäre.

  20. Danke für den tröstlichen...
    Danke für den tröstlichen Hinweis. – Stein, Innere Leiste, Kallmuth und andere- das sind mythische Namen, verbunden mit Genüssen meditativer Art.
    Wenn es nur in Würzburg ein Restaurant gäbe, wo man die Weine auch entsprechend begleiten lassen könnte.
    Im Uebrigen: Ein niederöstereichischer Winzer, der ausschliesslich Weissen anbaut, Langenlois, meinte, er wäre in Deutschland ziemlich entsetzt gewesen, nur in Franken..
    Aber die Smaragde der Wachau und die entsprechenden Qualitäten der Nebentäler werden doch auch immer üppiger, oder täusche ich mich?
    Ich erinnere mich an die Zeit nach dem Glykol-Skandal dort, (86?) – es war ein Eldorado für Leute wie mich.Es konnte nicht durchgegoren genug sein.

  21. Als ein ehemaliger Wachenheim,...
    Als ein ehemaliger Wachenheim, der jetzt auf den kapverdischen Inseln lebt, ist es mit unerklärlich warum die berühmte Weinstadt Wachenheim in keinster Weise erwähnt ist. Hier sind das Weingut Dr. Bürklin Wolf und die Sektkellerei Schloss Wachenheim zuhause. Abgesehen von den berühmten Weinlagen Mandelgarten und Königswingert.

  22. Verehrte Donna Laura, ich muss...
    Verehrte Donna Laura, ich muss gestehen, nein. Ich habe noch nie nach dem wein für jeden Tag gesucht. Ich suche immer nach dem neuen Wein, den ich noch nicht kenne. Immer wieder den gleichen Wein zu trinken, wäre mir zu langweilig. Doch für solche Zwecke würde ich persönlich eher den weißen dem roten Wein bevorzugen. Beim Roten, nun ja, ich glaube, ich würde in Italien suchen, in der T.oskana vielleicht, in den Abruzzen oder in Kampagnien.
    .
    @Joal, wie Magnus Göller schon sagt, so weit ist es noch nicht. Vieles, was heute trocken verkauft wird hat bis zu 7 Gramm Restzucker und das ist nicht mehr trocken. Aber viele sagen “ich trinke trocken” aber “fruchtig” darf es schon sein. Tja. Franken ist wohl der Landstrich, wo man noch am ehesten auf längere Sicht trockenen Wein bekommt.
    die Wachauer Weine sind ziemlich üppig, ja. Sie haben viel Alkohol. Aber auch dort versucht man, dem Ganzen Herr zu werden. Die Tendenz geht gerade allgemein wieder weg vom Üppigen.

  23. @Ralf Ellenberger, das ist...
    @Ralf Ellenberger, das ist schnell erklärt. In Wachenheim gibt es meines Wissens keinen Tempranillo oder Pinotage. Und um solche Exoten ging es in diesem Artikel, nicht um Riesling aus dem Gerümpel.

  24. In Franken versteht man unter...
    In Franken versteht man unter “trocken” ohnehin unter 4 Gramm Restzucker. Die üblichen guten Kreszenzen pflegen aber bei 2 bis 2,5 Gramm zu liegen.
    Die jährlichen Wettbewerbe um den besten Silvaner und den besten Riesling vom Würzburger Stein, ausgetragen unter vier Anbietern, gleichen einer Krönungsmesse.
    Der erwähnte Kallmuth, von einem kleinen steilen Mainprallhang mit fast westlicher Exposition, weist tatsächlich einen Mandelton auf, der wundersam.
    Von der Inneren Leiste, einem kleinen Südhang zur Würzburger Feste hin maineinwärts, geht die Kunde, man mag auch sagen, das Gerücht, dass der ganze Kehricht und Spülicht, der jahrhundertelang über die Mauer ging, den Boden so einzigartig gedünget habe, dass solch wundersamer Tropfen daselbst wachse.

  25. Vielleicht sollten Sie auch...
    Vielleicht sollten Sie auch mal den Tempranillo des Weinguts Jürgen Leiner verkosten? Den gibt es m.W. schon seit 2004.

  26. Das ist ja alles sehr schön...
    Das ist ja alles sehr schön und gut, nur mit Klimawandel hat die Neuorientierung pfälzischer (und anderer) Winzer nichts zu tun. Eher mit einem Einstellungswandel, der vor etwa dreißig Jahren einzusetzen begann.
    Gleichwohl halte ich nicht viel von Tempranillo- und sonstigen Experimenten. Das wird aber auch wieder vergehen.

  27. Werter Christoph Raffelt,
    da...

    Werter Christoph Raffelt,
    da zunehmende Restsuesse offenbar fuer viele hier ein Problem darstellt, waere ich ueber eine Erlaeuterung dankbar, wie diese zu umgehen waere. Ganz naiv wuerde ich denken, man koennte doch einfach den Zucker nahezu komplett in Alkohol umwandeln und den ueberschuessigen Alkohol dann osmotisch aus dem Wein herausnehmen. Wenn die Hefe die hohen Alkoholgehalte nicht ueberlebt, muesste man eben schon fruehzeitig einen Osmoseschritt einbauen.
    Ich habe gerade mal kurz gegoogled, aber eine Membran, mit der man gezielt Glucose und Fructose entziehen kann, habe ich keine gefunden. Gibt es sowas?

  28. Ich habe uebrigens gerade ein...
    Ich habe uebrigens gerade ein Glas “Blue Fish Riesling” aus der Pfalz vor mir – danke fuer den Tipp in einer Ihrer letzten Beitraege! Ich habe ja wirklich versucht, den “domestic Rieslings” hier eine Chance zu geben, aber offenbar fuehren die Pennsylvania liquor stores hier keine guten, obwohl es die ja durchaus geben soll. (fun fact: Das Pennsylvania Liquor Control Board ist der zweitgroesste Kaeufer von Wein weltweit [nach dem Pendant in Ontario])
    Washington und Nordkalifornien muessten eigentlich ein ziemlich gutes Rieslingklima haben. Auch hab ich von einigen guten (und trotzdem bezahlbaren) amerikanischen Rieslingen in der NYT gelesen, aber leider keine der Flaschen im Laden gefunden.
    Nun denn, der blaue Fisch schmeckt wie ich mir einen Riesling vorstelle (die Amis bevorzugen offenbar die suesse Variante) und ist sogar guenstig (fuer PA-Verhaeltnisse). Prosit

  29. Beim Thema Trocken ist...
    Beim Thema Trocken ist selbstverständlich auch Württemberg zu nennen. Wir waren schon trocken als das Wort noch nicht mißbraucht wurde. Ich werfe mal das Weingut Beurer aus Stetten in die Runde ein, überaus ehrliche Weine. Neben der Nordpfalz gibt es übrigens auch eine Südpfalz in der es sich gut essen, trinken und leben lässt. Spontaner Einfall hierzu: Weingut Gnägy in Schweigen-Rechtenbach, neuerdings Nauerth-Gnägy.

  30. <p>@Avantgarde, Ja, sehr...
    @Avantgarde, Ja, sehr gerne. danke für den Tipp.
    .
    @Magnus Göller, die Geschichte zutr inneren Leiste ist amüsant!
    .
    @bettelbaron, müssen Sie ja auch nicht. Kaum eine der Sorten wird sich großflächig durchsetzen, denke ich, aber als Spielart zum Experimentieren finde ich es klasse. Es hat aber insofern was mit dem Klimawandel zu tun, als dass der Anbau bestimmte Sorten früher nicht möglich gewesen wäre. In den genannten Fällen ist ja eigentlich eher die Lust am Experiment. Die wirklichen Probleme mit der Erderwärmung sind andere und die sind durchaus konkret.
    .
    Ja, es wird immer noch viel süßer Riesling konsumiert. Wenn Sie was anderes haben wollen können Sie zu Michael Skurnik gehen, der hat mit Terry Theise einen versierten und Fachmann für deutsche und österreichische Weine angeheuert: http://www.skurnikwines.com
    .
    Die besten Rieslinge der USA kommen wohl aus dem Fingerlake-District. Ich habe allerdings kürzlich gelesen, dass in Seattle (sic!) eine sehr lebendige Weinmacherszene entsteht mit teilweise exzellenten Rieslingen. Ob die es bis nach New York schaffen, weiß ich nicht.
    .
    @Solaris, Ja, Beurers Rieslinge mag ich auch besonders gerne. Ob das jetzt allerdings “Ersatz-Rieslinge” für Mosel-Trinker sind, weiss ich nicht. Ist ja schon ein ganz anderer Stil. Der Pulvermächer gehört für mich zu meinen Standard-Rieslingempfehlungen und den Gutswein habe ich gestern noch weiter empfohlen.
    .
    Ja, in der Südpfalz habe ich allerdings keine Exoten gefunden. Wohl aber in Württemberg bei Ellwanger, der hat nämlich Zweigelt im Prgramm, aber ich musste es bei der Pfalz belassen (der Beitrag war ursprünglich doppelt so lange).

  31. Wen es interessiert: Ich habe...
    Wen es interessiert: Ich habe drüben in meinem Blog mal die beiden Bullen-Tempranillos auf dem Foto, also Pfalz und Ribera del Duero miteinander verglichen. http://www.originalverkorkt.de/2012/12/ein-ungleiches-paar-ausgewachsener-bullen-tempranillo-pfalz-vs-tempranillo-ribera-del-duero/

  32. @solaris: Selbstverständlich...
    @solaris: Selbstverständlich wünsche ich Schwäbischen Stolz nicht zu verletzen, wenn ich als Region für trockene Weisse Franken zuerst nenne. Als Student in Tübingen allerdings war ich von den offenen Viertele so angeödet, dass ich im Supermarkt Diabetikerweine erstand, die mir sehr gut schmeckten und gut taten. – Eingeladene Freunde aber griffen zum Bier.
    Schwäbische Weine sind im nahen Ausland noch schwieriger zu bekommen als fränkische, deshalb habe ich sie fast vergessen.

  33. <p>Nun wird der Württemberger...
    Nun wird der Württemberger aber auch zugeben, dass der Riesling, oder überhaupt der Weißwein nicht unbedingt zu den Kerngebieten des Winzers dort gehört. Ich selber kenne nur einige Wenige, die wirklich besondere Weißweine keltern. Neben Beurer ist das sicherlich Schnaitmann. Kistenmacher-Hengerer macht nen schönen Gelben Muskateller und überhaupt sind die Winzer aus der Gruppe Junges Schwaben sehr gut. Lemberger, Spätburgunder, Frühburgunder, Zweigelt oder was auch immer… auch die Trollinger kann man sich bei denen gefallen lassen. Mich würde interessieren, wenn es dort sonst noch zu entdecken gibt.

  34. Herr Raffelt, besten Dank für...
    Herr Raffelt, besten Dank für den interessanten Beitrag.
    Auch ich kann mich mit den Rotweinen aus Deutschland nicht so recht anfreunden.
    Mit Dornfelder kann man mich jagen.
    Die rheinhessische Winzerin, wo ich gerne Sylvaner oder Chardonney hole, macht auch einen wirklich Guten Pinot Noir. Allein, er trifft meinen Geschmack nicht so, wie ein Franzos’
    —–
    In der Toskana gibt es noch manchen Winzer zu entdecken; es müssen ja nicht immer die Super Tuscans, der allfällige Brunello oder die großen Chiantis sein.
    Gerne würde ich hierzu mal was aus Ihrer Feder lesen!
    Nun werde ich erst mal Ihren Tempranillo vergleich lesen!

  35. Danke fürs Verlinken meiner...
    Danke fürs Verlinken meiner kleinen Knipser-Elegie. Das hat mir noch einmal 3 sehr schöne Wein-Abende in Erinnerung gerufen. Weil oben die Fragen nach dem Versuchsanbau kam, erlaube ich mir, die Bayrische Landesanstalt (das sollte dem Hausherrn hier gefallen!) für Weinbau und Gartenbau zu zitieren:

    Ertragsrebsorten, die nicht in der Liste des Bundessortenamtes eingetragen und nicht für die Herstellung von Wein für Bayern klassifziert sind, dürfen nur im Rahmen eines Anbaueignungsversuches angepflanzt werden. Nach der verwaltungsmäßigen Kontrolle des Antrages und Überprüfen des Grundstückes vor Ort auf Erfüllung der Lageansprüche für die beantragte Sorte wird der Versuch mit bestimmten Auflagen genehmigt.
    Durch den Versuchsanbau soll die Eignung der Rebsorte für ein Anbaugebiet und für verschiedene Standorte getestet werden.
    Der Antragsteller muss jährlich für die Dauer des Versuches die Ernteergebnisse melden. Diese werden mit einem Zeugnis durch die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau bestätigt. Das Zeugnis ermöglicht dem Winzer, den Versuchswein zur Qualitätsweinprüfung anzustellen und als Qualitätswein zu vermarkten.
    Voraussetzungen
    Das Grundstück muss im Rebflächenverzeichnis enthalten sein. Die Stockzahlen der Versuchs- und Vergleichssorte müssen so bemessen sein, dass jeweils mindestens 300 l Wein erzeugt werden können.

    Das sollte so oder ähnlich auf für alle anderen Bundesländer gelten. Wenn ich mich recht erinnere, war es darüber hinaus zum Teil auch so, dass man für die jeweilige Versuchsfläche eine gleich große Kontrollfläche mit einer Alternative (also einer zugelassenen Rebsorte) aus- bzw. nachweisen muss.

  36. @Don Ferrando, Dornfelder ist...
    @Don Ferrando, Dornfelder ist ja auch zu 99,9% dazu geeignet, jeden zu verjagen, der eigentlich gerne einen Wein trinken mag. Einzig der Dornfelder des Weinguts Bäder in der Pfalz ist mir in Erinnerung geblieben, der hat mir gefallen und die haben auch just je einen schönen Früh- und Spätburgunder im Programm. Das Problem ist häufig, so finde ich, die fast dickflüssig wirkende Fruchtigkeit (zumindest bei Dornfelder, Cabernet Mito etc.), gepaart mit einer Würze, die ich häufig zu konzentriert finde. Beim Pinot ist es dann häufig die zu vordergründige Himbeer- und Erdbeerfruchtigkeit, die mich ratlos lässt. Aber das ist natürlich alles eigentlich zu verallgemeinernd. De facto tut sich was im ehemaligen Rotweinland Deutschland. Und der Tempranillo ist ein Teil dessen, den finde ich sehr angenehm in seinem Stil und gar nicht plump fruchtig.

  37. Ihr Bullen-Vergleich ist gut...
    Ihr Bullen-Vergleich ist gut nachvollziebar, Herr Raffelt, und beispielhaft für eine informative, sachliche eMail/Web-Einkaufsberatung! Oh, la la – im Jagdrevier mit Dornfelder-Fans wird es hier hoffentlich keinen Zoff geben, Volltreffer ;)
    .
    Danke, Marqueee, für ihre “amtliche” Auskunft, so wird das also bei uns praktiziert.

  38. @marqueee, Danke!...
    @marqueee, Danke!

  39. Man kann es ja auch einmal...
    Man kann es ja auch einmal andersherum formulieren: Dank der Erwärmung (unter anderem) gibt es jetzt wieder einen Anreiz, etwas Neues zu probieren. Aus den 80ern, als ich in der Südpfalz meinen obligatorischen Staatsdienst absolviert habe, kann ich mich nicht daran erinnern, dort Wein nach meinem Geschmack gefunden zu haben: entweder “negative” Restsüße oder süße Plörre und sehr wenig dazwischen.
    Mein “persönlicher” Winzer an der Mittelmosel (Henn-Schwaab) macht schon seit mittlerweile fast zehn Jahren einen schönen Spätburgunder – das war damals (dort…) auch ein Exot.
    Trocken im Sonne von weniger als 4g hat er aber auch nur noch einen Kabinett, vom Jahrgang 2010 gibt es einen mit 9 g(!) und 14% – da mag er auch über Osmose nachgedacht haben…

  40. Es muss nicht immer Saumagen...
    Es muss nicht immer Saumagen sein. Danke für diesen erfrischenden Exkurs!
    .
    Aus der Pfalz hatte ich schon zauberhafte Merlots, die jeden (gut, fast jeden) Franzosen mit offenem Hosenstall hätten stehen lassen.
    .
    Man verzeihe mir den Kalauer, aber in diesem Zusammenhang sollten wir das Weingut “Zelt” mit seinen wunderbaren Roten auch nicht unerwähnt lassen.

  41. Als weiterer Tipp für...
    Als weiterer Tipp für wirklich trockene Weine – Sylvaner, Riesling et.al findet sich im Markgräflerland eine erstklassige Adresse. Restzuckergehalte zwischen 0,9 und max 1,6 % und dabei lecker!! Mein inzwischen Lieblingswinzer dort heißt Hermann Dörflinger aus Müllheim.
    Wohl bekomms.

  42. Kairo: Kann ich bestätigen,...
    Kairo: Kann ich bestätigen, mit Dörflinger sind auch andere zu nennen, aber ich möchte als Laie keine Tipps geben. – Was mich irritiert: Durchgegorene Weisse nach wie vor und wohl vermehrt, aber die Gegend wird ebenso immer heisser wie etwa der Kaiserstuhl! Wie ist das zu verstehen?

  43. Ich bin ja auch eher wie donna...
    Ich bin ja auch eher wie donna laura auf der Suche nach “dem Wein für alle Tage, der vor allem nach Wein schmeckt”, neulich hatte ich aber einen Ausreißer und erstand einen Württemberger Schwarzriesling, einfach wegen Namensseltsamkeit. In der Bratensoße machte er sich recht angenehm; wie er sich “so” trinkt, kann ich noch nicht sagen. – Im 19.Jdht. soll ja auch “Grenzacher Roter” ein Begriff gewesen sein, also wurde wohl an so manchen Stellen auch Rotwein angebaut. Von daher ist es eher das “Zurückschwingen des Pendels vom Extrem”, wenn jetzt einige es auch mit Rotem versuchen. An die Erderwärmung kann ich nicht glauben, dazu ist es schlicht zu kalt!!

  44. @Herr Göller: das läßt ja...
    @Herr Göller: das läßt ja hoffen für die Rieselfelder, vielleicht kann man da in 100 Jahren auch Versuchsweinbau betreiben…

  45. Die Weinwelt ist in...
    Die Weinwelt ist in Bewegung..Britischer “Champagner” aus Kent, Riesling aus Australien, Sauvignon Blanc’s deutscher Herkunft galten vor 10 Jahren auch noch als Exoten – heute sind Sie anerkannt und sehr geschätzt. Der Syrah ist schon auf dem selben Weg und der Tempranillo wird Ihm wohl bald folgen.

  46. @astroklaus, Ja, auch der...
    @astroklaus, Ja, auch der berühmte Herr Molitor macht dort ziemlich guten Spätburgunder. Das ist also auch möglich.
    .
    @Kairo @joal, mein Lieblingswinzer dort ist Hanspeter Ziereisen. Das fängt schon mit seinem Heugumber für 5.90 an. Toller Zech- und Spargelwein. Auch Ziereisens Syrah kann großartig sein, wenn die Jahre nicht so gut sind, vermischt er den Syrah mit Pinot und macht einen Zunderobsi. Auch wenn seine Spätburgunder immer besser geworden sind und vor allem immer weniger spürbares Holz vor sich her tragen, gefallen mir doch auch die großen Weiß-, Grau- und Chardonnay-Burgunder. Selten so was gutes in Deutschland getrunken.
    .
    colorcraze. Der Schwarzriesling, auch Müllerrebe genannt gelangt ja gerade in der Champagne zu neuen Ehren. Für die übliche Cuvée wird er dort schon lange verwendet, mittlerweile gibt es immer mehr namhafte Winzer, die den Pinot Meunier, so heißt der Schwarzriesling dort, auch reinsortig ausbauen. Hier allerdings, gibt es kaum einen guten Wein aus der Sorte, fürchte ich. Der Montepulciano d’Abruzzo von Sensi ist für mich einer der Weine, die auch Alltagswein werden könnten.
    .
    @Peer Dörpinghaus, ja, das kann ich mir auch gut vorstellen. Ich trinke den Tempranillo jetzt den vierten Abend und ich finde ihn begeisternd. Riesling in Australien gibt es ja schon lang. Wobei sie langsam diesen penetranten Petrolton verlieren. Riesling aus Neuseeland ist spannend, und wohl auch der aus Seattle. Grüner Veltliner soll jetzt auch in Neuseeland angebaut werden, und auch das kann ich mir gut vorstellen.

  47. @Herr Raffelt: ah danke für...
    @Herr Raffelt: ah danke für die Informationen. Ich hatte von “Schwarzriesling” bis dato noch nie was gehört. Warum Müllerrebe? Ist die mit dem Müller-Thurgau verwandt? Ich merke schon, ich muß das Zeugs morgen mal pur probieren. – Montepulciano, Montepulciano, jetzt wo Sie’s sagen, erinnere ich mich, daß ich solchen schonmal vor vielen Jahren getrunken habe. Aber er hinterließ kein dauerhaft eingeprägtes Bild. Von daher kann schon sein, daß er eben “ziemlich normal” ist.

  48. @colorcraze, Nein,...
    @colorcraze, Nein, Müller-thurgau heißt so, weil sie von einem Herrn Müller gezüchtet wurde. Sie ist eine gewollte Kreuzung. Der Herr Müller kam aus Thurgau. Müllerrebe heißt sie, weil die französische Bezeichnung Meunier übersetzt Müller heißt, was darauf zurückzuführen ist, dass ihre Blätter von unten weiß aussehen, wie mit Mehl bestäubt. Schwarzriesling heißt sie, weil ihre Blätter denen des Rieslings ähneln, jedoch dunkel anlaufen. Eigentlich aber ist die Sorte eine wilde Mutation des Pinot Noir. Dieser neigt zu Wildmutationen. Es gibt davon eine ganze Menge. Frühburgunder ist die vielleicht bekannteste andere. Wobei nur wir in Deutschland Früh- und Spätburgunder unterscheiden. Man munkelt, dass in Weinbergen im Burgund relativ viel Frühburgunder steht, der dort immer Pinot Noir heißt.

  49. Lieber Don, hat der...
    Lieber Don, hat der Kaltschmied Ihres Rahmens das i kaltschnäuzig weggespengelt oder ist “Aluminum” Absicht?

  50. @Herr Raffelt: Das Leben der...
    @Herr Raffelt: Das Leben der Reben scheint ja doch ein recht eigensinniges zu sein, wenn die manchmal wie wild mutieren. Also “ist es eigentlich kein Riesling, die Blätter sehen nur so aus”, wenn ich Sie richtig verstehe? – Man eine blöde Frage, aber sie kommt mir gerade in den Sinn: kann man aus roten oder dunklen Trauben eigentlich auch Weißwein machen? Wenn man die Schalen ganz schnell rausnimmt? Oder bekommt das dann keinen richtigen Geschmack?

  51. Der Schwarzriesling, pinot...
    Der Schwarzriesling, pinot meunier, ist übrigens in der Kante Saarland / Luxemburg lange traditionell gewesen und wird (wieder, noch?) zum Beispiel in Palzem und Remich angebaut….
    Eine versierte Händlerin aus München, die viel importiert empfahl mir schon vor über 10 Jahren die ersten Rieslinge aus Orgeon und Umland, wiewohl mich damals die Roten aus Kalifornien mehr interessierten. Ich hatte sie bei meinem Austausch in USA Anfang der 80er kennengelernt. In Chevy Chase Md, knapp an der District Grenze zu D.C., gab es einen Laden mit dem sinnigen Namen “Mannah and Ambrosia”, der eine wunderschöne Auswahl kalifornische Rotweine hatte…

  52. @prince Matecki: auf dem...
    @prince Matecki: auf dem Etikett steht, daß die Sorte auch in Württemberg schon lange angebaut würde. Wenn ich das, was Sie sagen, und das, was Herr Raffelt sagt, zusammenreime, war das vielleicht vor 150 Jahren eine auch in D recht verbreitete Sorte, mutmaßlich “für den Hausgebrauch”. (Ich hab ihn jetzt probiert. Naja. Vielleicht würde es leicht gekühlt, so bei 16°, ein wenig gewinnen. Aber bei Zimmertemperatur ist es etwas arg schlabbrig.)

  53. @colocraze, Ja, man kann aus...
    @colocraze, Ja, man kann aus dunklen Trauben auch Weißwein machen. Und es ist exakt so, dass die Trauben gepresst werden und der Saft direkt abläuft, während er beim Rotwein auf den Schalen bleibt, da diese die Farbe geben. Weißwein aus Rotweintrauben nennt man Blanc de Noir. Viele Schaumweine, vor allem Champagner bestehen ja zu großen Teilen aus Pinot Noir und Pinot Meunier und sind trotzdem weiß.
    .
    Ich glaube auch, dass Schwarzriesling eher was für den Hausgebrauch ist. Sie ist übrigens die fünfthäufigste rote Rebsorte in deutschland (!) und seit ca. 400 Jahren bekannt. (Habe ich gerade mal nachgeschaut.

  54. @Prince Matecki, Oregon ist...
    @Prince Matecki, Oregon ist ein gutes Pflaster, vor allem auch für Pinot Noir. Es gibt dort einen sehr guten deutschen Moselwinzer namens Ernie Loosen, der auch in Oregon unter dem Label J.Christopher Weine macht. Meinten Sie übrigens Margot Schmitt? Die hat ein sehr gutes Kalifornien-Programm, und ja, dort gibt es schon sehr viel guten Stoff. Der gute ist allerdings auch verhältnismäßig teuer. Der billige meist zu süß.

  55. @Herr Raffelt: aha, also etwas...
    @Herr Raffelt: aha, also etwas “recht gängiges”… dann werden diese etwas blassen Rotweine aus BaWü, die meine Mutter Weihnachten zu Glühwein verarbeitete, wohl auch das gewesen sein… der Pfälzer Temperanillo, den Sie vorgestellt haben, wird aber wohl tiefrot sein, oder doch nicht? – Und was ist eigentlich aus den “Portugiesertrauben” geworden, die es im 19. Jhdt. an jedem Bauernhaus gab, als Hauswein? Die waren sehr kleinbeerig und, wenn ich mich richtig erinnere, hell. Hatten die auch einen Sortennamen? Irgendwo werden es wohl doch auch die zu einer Verkaufssorte geschafft haben, vielleicht in Österreich?

  56. Ja, Herr Raffelt, wir meinen...
    Ja, Herr Raffelt, wir meinen die Dame und ich würde Ihrer Einschätzung durchaus zustimmen, wobei das vor 15 – 10 Jahren noch anders war, da war Wein aus den USA ja hier noch nicht so am Markt etabliert. Unterhalb einer gewissen Preisgrenze kann man ja inzwischen durchaus auch im örtlichen Handel vernüftige Kompromisse aus Preis und Qualität erwerben, Zinfandel ist eher nicht meins (obwohl, zum Bratapfel mit Zimt in der Advents- und Weihnachtszeit, vielleicht sogar zur Gans…) dafür Pinots und Merlots oder “blends”, die Verschnitte bzw Mixturen, aus denen ein Teil der großen Weine – wie ja auch im Bordeaux – dort gemacht werden. Seitdem ich jetzt dienstlich in Berlin bin ist das kaufen ohnehin einfacher geworden. Und Internet und Versand haben auch dazu beigetragen, die Frage “Wo kaufe ich guten Wein” einfacher zu beantworten.
    Ein Tip bei den Versendern ist sicher auch, sich die Rosinen bei Sonderangeboten heraus zu picken, oder auch Restkontingente die vom Lager sollen. Das relativiert dann etwas das teils hohe Preisniveau. Bei den berühmten Franzosen habe ich zeitweilig die Zweitweine gekauft, besonders aus den sehr guten Jahrgängen, da ist der Unterschied zum Renommier- Chateau wenngleich bei guter Nase, Zunge und Gaumen schmeckbar, doch so gering dass er den immensen Preisunterschied nicht wirklich lohnt.

  57. Portugieser, bzw. "blauer...
    Portugieser, bzw. “blauer Portugieser” ist eine durchaus auch in Süddeutschland (und bis nach Österreich / Südtirol) übliche Rebsorte, ich habe schon solche Weine getrunken. Allerdings nach meiner Einschätzung auch eher im Sinne des oben von Donna Laura erwähnten Weins für den Tag….

  58. bei weisswein bin ich neulich...
    bei weisswein bin ich neulich doch tatsächlich fündig geworden, ein beyerskloof chenin blanc und pinotage 2012.
    .
    liebe colorcraze/14.13 u, bei diesem wein wurde der pinotage weiss ausgebaut.

  59. allerdings, ein petite arvine...
    allerdings, ein petite arvine ist im frühjahr ganz angenehm, wenn man von einer sachten brise umweht die aussicht und ein spargelgericht auf der terrasse geniesst, wobei es wie bei allen trauben darauf ankommt, was der winzer damit veranstaltet; m.e. sollte er von joseph gattlen sein; 2011 war ganz ansprechend. einen anderen, durchaus hochpreisigen versuchte ich einmal und war ein wenig enttäuscht. ganz erstaunlich ist diese rebsorte für mich eigentlich, sie gilt zwar als trocken, doch üblicherweise präferiere ich kräftige, sehr trockene weine. man sollte sich dennoch nicht die feinheiten anderer weine entgehen lassen.
    .
    ob sich jeder jeden tag diesen petite arvine leisten mag, steht in den sternen.

  60. Jetzt habe ich gestern...
    Jetzt habe ich gestern zufälligerweise einen Schwarzriesling*** 2007 vom Herrn Schnaitmann aus Fellbach probiert. Das ist dann schon ein schöner Wein, der in Richtung Frühburgunder geht. Fruchtiger Pinot mit feiner Würze. Das, was Schnaitmann damit macht, dürfte dann auch das Äußerste sein, was man aus der Sorte herausholen kann. Kostet dann so um die 15€.
    .
    @colorcraze, Portugieser ist auch eine Traubensorte. Ich habe schon ewig keinen Wein mehr aus dieser Sorte probiert, habe aber eine Flasche zuhause liegen – von Metzger. Da die Rebstöcke sehr alt sind, hat er den Wein “Urbulle” genannt.
    .
    @Prince Matecki, ja, oder die weniger renommierten Gebiete im Bordelais ausprobieren, Côtes de Bourg odr Fronsac. Da gibt es auch schöne Weine für’s Geld.

  61. @Herr Raffelt: daß sich ein...
    @Herr Raffelt: daß sich ein offenbar fähiger Winzer daran versucht, läßt ja hoffen. – Oh, da hab ich ja was angerichtet mit dieser erratischen Flasche Schwarzriesling aus dem Supermarkt, in dem ich immer einkaufe. Jetzt greifen Sie schon zu dieser Sorte. Die Kreszenzen, die donna laura anspricht, sind mir allesamt völlig unbekannt, was wohl an der italienisch dominierten Weinlokal-Umgebung in meiner Nähe liegen mag.

  62. Irgendjemand fragte nach...
    Irgendjemand fragte nach trockenen Weinen. Z.B. Weingut Karl Schäfer, Pfalz (Slogan: “Trocken aus Tradition”).

Kommentare sind deaktiviert.