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Von der Urkatastrophe zur Urpeinlichkeit hohenzollern’scher Fassaden

15.06.2013, 21:00 Uhr  ·  Auferstanden aus den Sümpfen, trotz enger Gürtel für das Volk: Preussen Blut- und Flittergloria darf sichi n Form einer Fassade in Berlin wieder breit machen. Es bleibt zu hoffen, dass man rechtzeitig an einen leichten Rückbau denkt.

Von

Keiner der 30 Entwürfe in der Endrunde des Architektenwettbewerbes zum Neubau des Humboldtforums blieb im festgelegten Kostenrahmen.

Sehr geehrte Stadtpalastfassadenbauer,

heute ist im schönen Gmund am Tegernsee eine Adelshochzeit, mit allem, was dazu gehört: Die Tölzer Knaben singen, die Braut fährt im Adenauer vor, die Herren tragen Cut und die Damen üppige Hüte und es ist nicht nur, wie beglückt ich bin, dass mich dieses Schicksal nie ereilen wird, nein: Diese Veranstaltung könnte Ihnen auch zwei Lektionen auf Ihren weiteren Lebensweg mitgeben: Der Adel hat gar keine Lust mehr auf allzu auffällige Repräsentanz, denn die Medien sind da nicht geladen. Und die meisten von Ihnen hätten vor 100 Jahren vielleicht jubeln dürfen, oder den Fussboden schrubben, oder die Säue hüten, deren Filet man an der Tafel gereicht hätte. Und ein Jahr später hätten Sie sich zur angeblichen Ehre des Hauses Hohenzollern in Flandern abschlachten lassen müssen.

Ich weiss natürlich, Ihnen steht mehr so der Sinn nach Grösse und einem wichtigen Denkmal im Zentrum der Operettendemokratur, die wir als Berliner Republik zu bezeichnen belieben (Wer im Stadtschloss bildet, hört auch Musik in der Elbphilhrmonie und urlaubt wie ein deutscher Kaiser und Immobilienfondspleitier in Heiligendamm), aber hier oben, gleich oberhalb der Kirche, stellte vor ebenso 103 Jahren August Macke seine Stafflei auf und malte schöne Landschaften. Unten in Tegernsee an der Schlosspromenade malte er zufriedene Menschen, nachdem 1908 sein Wehrdienst für den preussischen Staat sein Schaffen ein volles Jahr brutal unterbrochen hatte. Und 1914 war er dann, um im Stile der von Ihnen so gewürdigten Zeit zu bleiben – früh vollendet. In der Champagne ist er unter den preussischen Farben gefallen, könnte man sagen, wenn man seine Briefe nicht kennen würde und wüsste, wie er unter dem Schrecken des Krieges, der ein preussenköniglicher war, gelitten hat. Das Schicksal teilte er, würden vielleicht Schlächter und Massenmordverharmloser bemerken, mit Millionen Untertanen der Preussen vor und nach ihm. Ich dagegen komme aus Bayern und würde meinen, dass er von einem verbrecherischen Regime in den Tod getrieben wurde. Das war kein Schicksal, das wäre heute für die Schuldigen Anlass für ein Restleben in Den Haag bei anderen Kriegsverbrechern. Hohenzollern, eine deutsche Urkatastrophe.

Und Sie möchten also die Fassade des Stadtschlosses wieder errichten. Immerhin, es ist Ihnen beim Nachbau nicht mehr existierender Substanz auch nicht daran gelegen, in bester Tradition, nicht aber in schlechter Realität wieder zurück zu den Schweinen zu gehen, oder in einen Schützengraben, oder in eine Kaserne, oder in eine Dachstube mit Typhusgefahr und wechselnder Bettbelegung. Es geht ja nur um eine Fassade, für die Sie selbst zahlen möchten, wenn denn genug Spenden von anderen Leuten kommen, oder vom Staat, also von uns allen, wenn dem nicht so ist. Denn so obrigkeitsartig ist dieser Staat dann immer noch, dass er mich dafür mitzahlen lässt, auch wenn meine Meinung zur Wiedererfindung der gebauten Glorie Preussens so ist, dass unter den vielen Gebäuden, die in den letzten hundert Jahren verschwanden, dieses Konglomerat im Sumpf nicht sonderlich bedauernswert ist. Da gäbe es anderes, was die Neuschöpfung mehr verdiente.

Ach so, und den ein oder anderen historischen Raum innerhalb des Schlosses hätten Sie gern auch wieder rekonstruiert, so einen Rittersaal etwa, wo man auch repräsentieren kann, damit hier nicht nur die Völkerkunde einen Ort hat, die, im Gegensatz zu Ihnen durchaus schockiert von der eigenen Vergangenheit, heutigentags ja vorsichtig mit der Ausstellung von Schrumpfköpfen ist. Ja, so ist das, das eine wird einem peinlich und aufgearbeitet und das andere gilt als Tradition und muss wieder auferstehen aus gesprengten Ruinen. Gespenstisch mag das vor allem anderen Europäern erscheinen, denn Deutschland diktiert wieder Sparpläne und Ziele und ist reich genug, Schlösser zu bauen – wenn ich mich nicht irre, sogar den grössten Schlosskomplex in Europa. Seit Ceauescus Haus des Volkes in Rumänien.

Nun hatte Ceaucescu einen Sohn und designierten Nachfolger, der mit wahrhaft prinzlichen Eigenschaften aufwartet und sich in bester alteuropäischer Tradition auch in den Tod gefeiert hat; die Staatstheorien ändern sich, aber das schamlose Verhalten der absoluten Machthaber bleibt. Es ist genau diese Attitüde, diese Haltung, die derartige Fassaden früher gebraucht hat, eine gebaute Panegyrik auf eine Familie, deren Steinglanz kaschiert, dass es dahinter drüber und sehr oft auch drunter geht. Diese neue Fassade in Berlin kaschiert nur jede Menge Beton, überzogene Kostenrahmen und vielleicht später auch den ein oder anderen Skandal BER’schen Ausmasses. Es ist kein Feudalismus, der da mit keiner bürgerlichen Attitüde errichtet wird, es ist, mit Verlaub, eigenartig. Ausser ein paar handelsüblichen Subventionsmissbräuchen werden wir nichts dahinter verbergen zu verbergen haben, was nicht ohnehin schon laufend öffentlich geschieht. Und den Mut, die einzige Euro Hawk Drohne in den Ehrenhof zu stellen, statt sie in Manching verrotten zu lassen, werden Sie vermutlich auch nicht haben, selbst wenn die noch weniger Sinn als die Fassade machte, und so als Entschuldigung herhalten könnte.

Kurz, es fehlt diesem Land einfach an der lustvollen Prúnkentfaltung, für die man so eine Fassade bräuchte. Man sah das ja heute hier in Gmund, wie dort eine ganze Reihe von Bussen am Osterberg warteten: Das ist kein Auftritt der Kutschen und Pagen mehr, die Frisuren sind normal und bei den Juwelen hält man sich auch zurück. Nett, aber Gottesgnadentum geht anders, das ist heute Kontrolle in den Rechenzentren und beizeiten eine Stingerrakele aus einer Drohne. Die mickrigen Reste des Höfischen nochmal ein paar Nummern kleiner, auf den Berliner Politikbetrieb mit schlecht sitzenden Anzügen übertragen, mit der Einladung von Oberstaatsdirektoren, langwierigen Reden und musikalischer Begleitung durch Quartette, bis es dann zu den bis auf den letzten Cent durchgerechneten Buffets geht: Sie kriegen Ihre passende Fassade, vor der das alles in etwa wie der kleinliche Klimbim wirkt, der es auch ist. Vielleicht bekommen Sie auch eine Panegyriker, wie Ceaucescu sie hatte, ein paar Provinzpolitiker als Claquere, die daheim als erstes den Schlips abreissen und den Gürtel öffnen, und eine Installation eines Medienkünstlers, der Geld braucht.

Immerhin, ein Solitär der deutschen Baugeschichte wird es zweifellos sein. Die Kunstgeschichte wird später natürlich rätseln, wie man das bezeichnen soll: Gesunkenes, niedergebombtes und auf niedrigem Niveau wiederaufgebautes Kulturgut vielleicht? Zweite Wilhelminische Epoche? Oder einfach nur die Architektur des Traumas? La Serva Padrona im gebauten “Der Schweinehirt als Schlossherr”-Extempore? Inverses Schäferspiel für Niedrigwohlgeboren?

Ich weiss es nicht. Aber ganz ehrlich, lieber wäre ich heute an einem Altar gestanden und hätte zu einer dummen Lebensplanung Ja gesagt, als dass man in dreissig Jahren fragt, wer eigentlich für diese vom Abgas angefressene Disneyfassade verantwortlich ist, und man unter anderem meinen Namen damit in Verbindung brächte. So eine Ehe lässt sich heute zum Glück – wir haben die Epoche der Hohenzollern ja entsprechend weggeputzt – schnell scheiden, aber schon der Abbruch des Palastes der Republik war eine schwierige Sache. Mein Tip: Seien Sie wenigstens hier modern, gehen Sie mit den Zeiten und denken Sie an die leichte Rückbaubarkeit. Spätere Generationen werden es Ihnen danken.

Wenn Sie erst mal mit dem Lachen über den Irrsinn alter Zeiten aufgehört haben, um eigene Fehler zu begehen.

Ihr

Don Alphonso

Hinweis und Begleitmusik:

Die bessere Version zum Kommentieren (mit Schlossansicht!1!!elf!) ist hier, und die italienische Mezzosopranistin Marina de Liso singt auf der Pan-Classics-CD Aminta ganz vorzügliche Schäferidyllen von Nicola Porpora, die ich jeder Berliner Installation vorziehen würde.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (96)
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38 Alexander Dill 15.06.2013, 21:07 Uhr

bauhausgeschädigt

Ich bin in letzter Zeit bauhausgeschädigt und freue mich daher über jede noch so unecht restaurierte Fassade. Und sicher auch über das Stadtschloss, in dem mich dereinst Katrin Göring-Eckardt zur Audienz laden wird.

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vierzehnachtzehn

7/1914 gab es in Bayern Stimmen, die es für absurd hielten, gegen die franz. Glaubensbrüder zu ziehen, zumal unter Ägide der preuss. Protestanten.

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12 Der Tiger 15.06.2013, 21:28 Uhr

Berliner Disneyland

Sehr geehrter Don!
Erlauben Sie mir, dass ich Ihren Brief mitunterschreibe? Besser hätte ich nicht ausdrücken können, was ich derzeit über die Preußisch-Berliner Politik und dessen Stadtschloß-Disneylandaufbau denke.
Hochachtungsvoll
Der Tiger

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Einer der schwächsten Artikel in diesem...

Einer der schwächsten Artikel in diesem Blog.
Die deutsche Urkatastrophe, drunter tun Sie es wohl nicht? Abgeschnittene Kinderhände in Belgien müssten Sie noch erwähnen.
Der Hohenzollernstaat war nicht mehr oder weniger Kind seiner Zeit als die anderen Mächte, leider alles keine Friedensengel.

Das Stadtschloss ist Unfug aber auch nicht schlimmer als irgendein Bankneubau oder eben die Elbphilharmonie.
Macke hat sich übrigens freiwillig gemeldet.

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Auch diese neue Fassade ist ganz die alte - Herrschaftsarchitektur - und ganz sicher undemokratisc

Immerhin hat Bayern noch den BR - z.B. auch so: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspielpool128.html
.
Und manch einer könnte auf die Idee kommen, mit der Einweihung des Stadtschlosses demnächst träte man in die zweite Hälfte einer Bewegung zum Kreis ein, befände sich alsbald schon wieder zwischen Urpeinlichkeit und nächster Kathastrophe.
.
Und dabei wollten wir doch in Zukunft immer ein paar Künstler, als Seismographen kommender Ereignisse, mit in die Fundamente mit eingebaut haben. Wenn schon die Gehirne nicht erreichbar waren.

Und womöglich schlimmer noch: Auch das Höhere Vergessen wird jetzt gespeichert. Wir sollten also womöglich bei nur einem "Schaulager" in Deutschland nicht stehen bleiben:
.
"In der zeitgenössischen Architekturgestaltung taucht vermehrt das Phänomen der camouflierten Ecke als sublimer ästhetischer Formalismus auf. Dabei wird die formale geometrische Identität des Baukörpers trotz der großflächigen asymmetrischen Übereck-Öffnung in ihrer unmittelbaren Gestalt beibehalten. Durch die Öffnung der Gebäude-Ecke kann sich der Raum über die ihn umschließende Membrane optisch ausdehnen und den Außenraum annektieren. Gleichzeitig wird der voyeuristische Einblick in das Gebäude ermöglicht und damit die Referenz-Frage nach der Funktion des Gebäudes beantwortet. Obendrein wird das Pathos der architektonischen Erscheinung gemildert." http://herrmanns.wordpress.com/tag/schaulager-brauweiler/
.
"Gemeint ist damit ein begehbares Depot" - http://www.kunstfonds.de/kuenstlernachlaesse-schaumagazin.html
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Erst wenn wir also überall soviele "Schauläger" hätten wie Autobahnkreuze, könnten wir vollkommen unbewegt drüber hinweggehen: "Ach, noch so ein Schaulager, jaja, aber man kann sich nun wirklich nicht noch mehr für gestern interessieren, die gibt es ja inzwischen überall."
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Und Schaulager Deutschland - wer wird Kanzler des Eingangs?
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Man entnahm all dem also, dass Herr Don Alphonoso nicht zur Eröffnung des Stadschlosses kommen wollte, selbst wenn er seine Einladung ganz altmodisch von einem beamteten Staatssekretär erhielte - statt eines bloß billigeren Freiberuflichen.
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Womit einmal mehr bewiesen wäre, Blogger sind der überflüssige Mißton in der gegenwärtigen Wahrheitswelt - oder umgekehrt.
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Und was dachte der Ganz-aus-Wasser-Planet heute? (Hoffentlich heute nicht schon wieder eine neue U-Boot-Forschungsmission zu meinem Mittelpunkt.)
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Und man könnte auch erwägen, das Neue Stadtschloss recht bald doch an Amazon unterzuvermieten, dann hätten die "Brüder und Schwestern Amazon" auch regelmässig ein Schloß von innen für sich, so wie es sich gehört. Und das Gebäude würde täglich kraftvolle Demonstrationen der Lebendigkeit erleben - von außen und von innen. Und vermutlich im rechten Geiste.
.
In der Frühe zu Fuße zum Berge des Mehltau wir ziehn!
.
Nachtrag: Im übertragenen Sinne redet diese Zeit womöglich immer noch von so etwas wie "Parzifals kognitiver Verhaltenstherapie - trotz Feuilleton". (Er soll das "Erlösen" sein lassen, ja.)

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36 bossy bob 16.06.2013, 00:10 Uhr

"in den Tod getrieben"

Naja, Macke hatte sich, sofern ich richtig informiert bin, freiwillig gemeldet. (Ob mich diese Bemerkung jetzt wohl auch zum "Massenmordverharmloser " macht?)

& die Hohenzollern eine deutsche Urkatastrophe? Scheint mir auch eine reichlich bayrische Sicht der Dinge. Ich bezweifle jedenfalls, daß die Wittelsbacher in ähnlicher Situation bzw. unter ähnlichen Voraussetzungen wesentlich besser gewesen wären.

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20 E.R.Binvonhier 16.06.2013, 00:34 Uhr

Man soll auch gönnen

können: den Bayern ihre Adelshochzeiten mit Tölzer Knabenchor;
den Berlinern eine Schlossfasade.

Wer verteidigt die eigenen Privilegien vehementer:
Die Altfeudalen, oder das Fasaden-Schau-Bürgertum?

Und wenn's ums Zahlen geht, immer die gleiche Adresse.

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8 E.R.Binvonhier 16.06.2013, 00:50 Uhr

Schlimm

Wird es erst, wenn die Privilegierten im Wahn leben, sie schöpfen den Rahm ab,
wenn schon längst die Substanz verbraucht ist.

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Zu den Hohenzollern zaehlt auch jener, dessen...

Zu den Hohenzollern zaehlt auch jener, dessen Ausspruch ' Jeder soll nach seiner facon selig werden' in die Geschichte einging. Abschaffung der Folter, Gruendung von Landschulen waren seine hellen Seiten, auf der dunklen stehen verschiedene Kriege.
Die Abschaffung der Leibeigenschaft scheiterte am Widerstand der adligen Grundbesitzer (sind deren Nachfahren in den wirren verschiedener Kriege nach Sueden gewandert und heiraten heutiger Tage am Tegernsee?).

Die Welt ist nicht weis/blau. Moderne Friedensnobelpreistraeger haben in AFG Truppen aufgestockt und sahen / sehen dem Gemetzel in Lybien, Syrien und und und und ratlos zu. Yes, we can (not)

By the way, mein Grossvater ist mit den bayrischen Truppen gegen den Franzos gezogen. Man erzaehlte er war begeistert. Das hat sich dann, wie bei manchen anderem, im Lazarett gelegt.

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19 Adel verplichtet 16.06.2013, 08:29 Uhr

Denkt keiner an die Opfer von 1705 ?

Gut gebrüllt Löwe ! - Ich habe derzeit die zweifelhafte Ehre, das alles live und in Farbe mitansehen zu müssen. Berlin mit seinen degenerierten Bezirksverwaltungen wird sich als Bundesland aber bedauerlichweise ebensowenig selbst abschaffen wie -sagen 'mer mal- die EZB. Ein weiteres Beispiel: Auf dem bis dato eigentlich recht idyllischen Invalidenfriedhof im Bezirk 'Mitte', auf dem einige der 'zur angeblichen Ehre' abgeschlachteten Offiziersränge ihre letzte Ruhe gefunden haben, wurde jetzt am Freitag eine Art postmoderner 'Invalidendom' errichtet. Das Ding sieht allerdings aus als stammte es aus dem Sortiment von Baumarkt XY - Mit Ehre hat das also bedauerlicherweise immer noch eher wenig zu tun. Hintergrund ist scheinbar die Entscheidung, die 'Auguste-Viktoria-Glocke' auf dem Invalidenfriedhof aufzustellen. Nun, die Glocke selbst passte ja durchaus dorthin, nicht aber dieses nun übergestülpte siloartige "Aluminium-Monstrum", welches übrigens fast ZEHNmal so hoch wie die Glocke ist. Dazu faselt die vom Feind längst unterwanderte hiesige Lokalpresse ständig etwas von der Notwendigkeit einer 'internationalen Bauausstellung', während der verfügbare Beton schon nach kaum 10 Jahren bröckelt - etwa an den Holocaust Klötzen, oder am Kanzleramt. Ich befürchte also, es wäre kostengünstiger und insbesondere auch ästhetisch ansprechender, einige der Beteiligten einfach einzumauern. Rumänischer Spätbarock hat derzeit leider Konjunktur.

10 Ephemeridenzeit 16.06.2013, 09:58 Uhr

Stein gewordene Essenz

Tja, schon Wilhelm der Erste wollte die Kaiserkrone nicht aus den dreckigen Händen seiner kriegerisch geeinten, bürgerlichen Untertanen annehmen. Er hatte nur Verachtung übrig beispielsweise für Arbeiter, die sich unkadavergehorsamst organisierten - und hätte sie gerne mit Stumpf und Stiel vernichtet. So etwas zog sich durch die Generationen der 'Hochwohlgeborenen', es wurde gewissermaßen vererbt.

Erstaunlich jedoch, dass noch heute das Helotentum so weit verbreitet ist: Dass man flächendeckend mit vor Aufregung angefeuchteten Höschen im Angesicht einer Adelshochzeit rechnen muss und die Fähnchenschwenker am liebsten in einen heilig durchschauerten Kniefall verfallen würden beim Anblick einer bonbonfarbenen Prinzessin (und dieser Kniefall, also die Unterwerfung unter einen wildfremden Menschen, der nichts geleistet hat außer geboren zu werden, wäre dann lebenslange, s t o l z erzählte Anekdote bei Kaffeekränzen und Familienfeiern).

In diesem Sinne wäre das Stadtschlosskriegsverbrecherdenkmal nichts anderes als steingewordene Essenz aus feuchten Höschen und Kniefall. Von Geist wird es nicht durchhaucht, allenfalls von liebedienerischen Instinkten.

12 Klaus v.Geiso 16.06.2013, 14:02 Uhr

Amüsant...

Immer wieder amüsant zu beobachten, wenn der bayrische Urzorn über die Saupreussen wieder zum Vorschein kommt. Don Alphonsos Peitschenhieb ist wohlgezielt und seine Kritik an den berliner Fassadenbaumeistern ist wohlbegründet. Trotzdem kann ich es verstehen, dass den Berlinern die Erinnerung an ihre Geschichte am Herzen liegt, auch wenn es denn nur noch eine Fassade ist, und das Schloss gehört einfach dazu um den Gesamtkomplex der Museumsinsel abzurunden. Wie man es auch dreht und wendet, die Geschichte Preussens unter der Herrschaft der Hohenzollern ist ein einmaliges Kapitel unserer aller Geschichte mit Licht und Schatten, auch wenn der Ausgang so entsetzlich und verheerend war.

3 Thorsten Krach 16.06.2013, 16:21 Uhr

Apropos "Hohenzollern"

Hohenzollern: Von Celine in "Von einem Schloss zum anderen" rücksichtslos demaskiert.

Nach vorne blicken und nicht zurueck

Leider leben wir in der Vergangenheit und haben nicht das Talent, nach vorne zu schauen und etwas Neues zu machen das besser ist als was wir jetzt haben. Unsere Grossprojekte wie Dronen, Flughafen, Bahnhoefe, Schloesser, etc laufen bei aller Planung schief und am Ende ist keiner verantwortlich. Keine Nation oder Volksstamm ist frei davon.
So gehts!!

14 max stirner 16.06.2013, 16:49 Uhr

im freistaat der bewegung

aber das ist wirklich putzig!

wie einfach ist doch die welt, hier das pöse preussen von dem alle grundübel dieser welt kommen - auch heut noch - und dort das land der freien, rechtgläubigen und schlauen - der freistaat halt. dort wo menschen noch wohlgesonnen und sparsam sind.
glauben sie diesen quatsch eigentlich wirklich mit den freimütigen bajuvaren die 1914 gegen ihre überzeugung an die front getrieben wurden?, dann hätte ja 1918 eigentlich schluß sein müssen mit dem marschieren...
wenn da nicht die hauptstadt der bewegung gewesen wären und die einwohnerwehr bayern und der bund oberland und das alles war so fest verankert im katholischen bayernland. es ist immer besonders herzerfrischend zu sehen wie sich menschen die geschichte des letzten jahrhunderts zurechtlegen also noch mal langsam zum mitmeißeln: atze und leute waren bairische geschöpfe.
der erste weltkrieg war sicherlich kein ponyhof aber am ende hat er vor allem nur menschen vernichtet. als er zu ende war kam die spanische grippe und die hat vermutlich sogar mehr menschen umgebracht. wenn man der sichtweise eines dandy's folgt vermutlich auch die schuld der pösen, pösen hohenzollern.
so recht umgepfügt hat europa erst der zwote krieg, geboren im hofbräuhaus zu münchen!

zu dieser sache fällt mir noch ein grabstein auf dem friedhof von bad tölz ein mit einem spruch sinngemäß das sterben wohl immer eine harte sache sei aber nun doch leichter falle da den franzosen elsaß -lothringen wieder entrissen sei.
in preussen hab ich so etwas nie gefunden wage aber außerdem hier zu behaupten das der anteil hochrangiger nazis in bayern und besonders südlich von münchen auch nach 45 überdurchschnittlich hoch war.

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Das Schloss passt!

Und zwar gerade weil es derartig geschmack- und phantasielos ist. Wie soll ein wahrhaft zeitgemäßes Gebäude im Land von Dieter Bohlen, FreiWild, Andrea Berg, Markus Lanz, Mario Barth, Thilo Sarrazin und der Bildzeitung den sonst aussehen? Würde es aussehen wie der Millenium dome in London - die Leute würden schimpfen. Würde es aussehen wie das Guggenheim Museum in Bilbao, die Leute würden schimpfen, würde es aussehen wie die Sagrada Familia in Barcelona...

Zu spät

Anlässlich der Langweiligkeit und der zu vermutenden Kosten des Projektes kann ich Inhalt und Intonation des Artikels nur zu gut verstehen. Ich habe die DDR gehasst, nicht die Bürger, aber das System. Gerade auch deshalb hätte ich den Palast der Republik erhalten. Das wäre ein interessanter Ort für ernste und ironische Spektakel gewesen, vielleicht ein DDR-Dungeon, in dem man einmal an einer gespielten Sitzung des Zentralkommitees hätte teilnehmen können. Und daneben eine harmlose Ausstellung zu Werbeplakaten und Neonreklamen aus der DDR. Touristen lassen sich in Alcatraz einbuchten und würden bestimmt lieber authentische Reste der DDR sehen und erfahren als ein Fassade nach dem Motte so vieler neugotischer Kirchen im Lande. Andererseits, wenn ich an Disneyland denke...

4 Joachim Mindoch 16.06.2013, 18:21 Uhr

Ein perfekter Artikel, dem höchstens noch...

Ein perfekter Artikel, dem höchstens noch der Hinweis auf die konkreten Protagonisten der Schlosswelle fehlt, zuvorderst der ehemalige Treckerverkäufer von (und zu) Boddin. Ich denke: Eigentlich möchten doch die meisten von uns ein "von" sein, oder? Etwas besseres als die Anderen.

6 Jörn Günther 16.06.2013, 18:23 Uhr

Copyright & Andreas Schlüter

Lieber Don, diese ganze Artikel mit seinen Konstruktionen; wie soll man so etwas nachvollziehen.
Wenn die Deutschen schon ein Copyright auf zwei Weltkriege haben, was hat das mit der Architektur von Andreas Schlüter zu tun. Wenn schon eine Diskussion, dann darum, was Denkmalpflege heute bedeutet.

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17 Wintermüller 16.06.2013, 18:34 Uhr

Aus dem Zusammenhang gerissen und falsch kommentiert

Sehr geehrter Don Alphonso,

dass die Wiederherstellung / Herrichtung eines Schlosses recht wenig mit seinen alten Besitzern zu tun haben muss, dass kann ein jeder in der romantischen Verherrlichung mittelalterlicher Burgen sehnen. Schon damals waren es Bürger, die sich für die Bauten eines Adels, dessen gesellschaftliche Stellung schon damals am schwinden war. Wenn Sie den Preußenbau also in den Kontext der Adelsherrlichkeit stellen wollen, dann bitte nicht durch den Verweis auf das Verhalten des Adels (denn der gegenwärtige Adel war nie Teil der Diskussion), sondern bitte in einem Verweis auf die allzu bürgerliche Verherrlichung des Adels, die nun einmal weit verbreitet ist (s. Königshochzeiten).

Aber viel bürgerlicher, als diese Verkehrung der Subjekte des Wiederaufbaus sind die selbstgefälligen Betrachtungen über das Projekt, nun da es über Jahre hinweg in sämtlichen demokratisch legitimierten Instanzen diskutiert worden ist.

Ich kann mir nicht helfen. Bei einem solchen Kommentar muss ich unwillkürlich an Stuttgart 21 denken. Zwischen 1995 und 2000 demokratisch beschlossen, regte sich der Protest zehn Jahre später nach der Beschlussfassung, als die empörten Bürger plötzlich merkten, was es da mit dem Entschluss, den sie duldig ertragen oder gar bejaht hatten, auf sich hatte. Und ebenso wie die Stuttgarter, die sich mit zehn Jahren Verzögerung empörten, schmollen nun auch Sie nachdem alles beschlossen wurde - schließlich war ja doch Ihre Meinung wahrscheinlich nicht gehört worden, oder hatten Sie einfach nichts gesagt?

Tut mir Leid, aber das erscheint mir eine Reaktion, die für ein Kind vielleicht angemessen ist, aber nicht für einen Erwachsenen.

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"Schinkel trifft 21 JH" - Auf diese architektonische Herausforderung hätte ich mich gefreut

Aber so eine aufgepappte Fassade von wo der Wilhelm 2 mal seine Pupse gelassen hat?!
Neee ...

2 ch.weichberger 16.06.2013, 19:24 Uhr

von schloss zu schloss und riegel

wir sehen wieder deutlich in welchem scheissland wir leben.....hitler honecher merkel hinterlassen ihren scheiss....lest lieber mal wieder kafka ...das schloss ihr kulturbanausen

1 Karl-Heinz Andresen 16.06.2013, 19:24 Uhr

Einen großen Geist

vermag das doch nicht zu stören.
Er nimmt es als Teil des Großen und Ganzen. Dazu gehört eben auch Preussens Gloria und Hohenzollerns Burgen - übrigens hübsch anzusehen etwa in Sigmaringen innen und außen während einstiger Bauarbeiten.

Das tut nichts - ganz im Gegensatz zur krampfigen Darstellung aktuellen Politpersonals in Berlin oder etwa neuerdings auch in Stuttgart.
Schaden wird nur angerichtet von letzteren - dafür um so nachhaltiger.

Was mir auffällt ist, dass niemand (auch in...

Was mir auffällt ist, dass niemand (auch in den Gazetten nicht) sich erinnert, was von den Ideengebern und Befürwortern solche eines "Wiederaufbaus" des Schlosses anfangs hoch & heilig versprochen wurde: Es wird den Steuerzahler keinen Pfennig kosten, es wird ALLES aus Spenden finanziert.
Und jetzt?

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2 Rolf P. Lacher 16.06.2013, 21:17 Uhr

Die Zeit läuft - ab

Immer wenn die in Berlin, ob im Bund oder in der Stadt, etwas planen und sogar beginnen, muß ich an den Aufsatz von Di Fabio, damals noch BVG-Richter, denken, den die FAZ vor 15 Jahren veröffentlichte mit dem Titel: Vor dem demographischen Abgrund. Vieles von dem, was nun geplant und begonnen wird, wird nicht verwirklicht, weil sich nur allzu bald die gesellschaftlichen Bedingungen ändern. Ich vermute, S21 oder BER oder das Berliner Stadtschloß werden nicht vollendet werden, weil bald die Rentenfinanzierung, die Pflegefinanzierung, die Bürgschaften, die sogen. Energiewende usw. die knappen Mittel belasten dürften.

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3 Heinrich Schönemann 16.06.2013, 21:26 Uhr

preußen-bashing

ist ja so was von out und bei aller launigkeit ihrer lektüre auch recht langweilig, don alphons. mittlerweile hat selbst ein australier in einem vielfach gefeierten buch darauf hingewiesen, wie facettenreich die geschichte preußens ist, ein staatsgebilde, in dem wissenschaft, bildung, aufklärung und religiöse toleranz (kultur und ggeist) genauso kennzeichnend waren wie schwadronierende soldaten! ewiggestrig ist es somit, immer noch ausschließlich von einem militär- und obrigkeitsstaat zu sprechen, den man bloß nicht wieder aus der versenkung ziehen sollte

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Ohne

Gut gebrüllt Löwe! Wer keinen König braucht braucht auch kein Schloss. Ein hohes Haus für Berlin ist genug. Und für den Präsidenten gibt es auch schon eine Residenz. Preussens Gloria braucht kein Mensch.

2 Herr Taschenbier 16.06.2013, 22:52 Uhr

Park

Ach ja, die geplante osmanische Kaserne in Berlin. Wäre es nicht schöner, dort einen, hm, Park zu errichten? Da könnte man rumschlendern, picknicken, sich treffen... mt so einer osmanischen Kaserne kann ich persönlich gar nicht viel anfangen und wüsste gar nicht, was ich da sollte. Ein Park käme m. E. auch viel günstiger. Aber die da oben machen ja doch nur was sie wollen.

hans

So, wie die Italiener Autos bauen, ist es mir um einen möglichen Rückbau nicht angst. Höchstens, dass die Bude (oder Budike) von alleine zusammenkracht. Am besten sprengt die Bundeswehr schonmal vorsorglich ein paar Lastkähne, damit kein Spreewasser in die Baugrube schwappt.

2 waskostetdiewelt 17.06.2013, 01:35 Uhr

Keine Sorge, in Berlin muß Beton nicht...

Keine Sorge, in Berlin muß Beton nicht unbedingt auch noch für Dauerhaftigkeit stehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kongresshalle_(Berlin)#Einsturz_der_Dachkonstruktion
Zeit und spezielle Berliner Bedingungen werden es schon richten.
Mal sehen ob die Berliner bis zur Fertigstellung schon den neuen Fluglärm geniessen dürfen.

7 holofernes 17.06.2013, 10:16 Uhr

denkmalpflege?

so heilig wie hier bayern dargestellt wird, isses ja nu nich. auch die münchner residenz wurde wieder aufgebaut. das hätt`s nicht unbedingt gebraucht, mangels könig. die war nicht weniger kaputt, wie das berliner schloss, welches dann die ddr gesprengt hat.
dagegen ist nicht viel zu sagen, der wiederaufbau wurde unmittelbar anch der zerstörung begonnen, und die residenz stellte zunächst wieder die residenz vor, auch innen, und sonst nichts.
recht seltsam wirds dann mit dem "kaisersaal". der war nämlich nicht etwa 1944, sondern schon 1799 verschwunden und wurde in den 1980er jahren "rekonstruiert." diese tatsache verschweigt die Schlösserverwaltung auf ihrer homepage. hat sich der "wiederaufbau" verselbstständigt?
"der Kaiser- und der Vierschimmelsaal sind grundsätzlich repräsentativen Veranstaltungen der Bayerischen Staatsregierung vorbehalten." regierte da in den 80ern ein bayerischer potentat mit rumänischen anwandlungen? auch in bayern hat der wahnsinn in der regierung durchaus (nicht nur feudale) tradition, irrenanstalten werden für kritiker vorgehalten. bezahlt wird wei üblich mit dem geld der steuerzahler. der berliner schlossverein hat den fall kaisersaal in seine dokumentation aufgenommen.
Im übrigen halte ich den schlüterbau architekturhistorisch für nicht so marginal, wie er hier abgetan wird, und missgriffe der hohenzollern sind kein argument dagegen. historische bauten stammen meist aus verhältnissen, die wir uns nicht zurück wünschen. trotzdem gibt es gute gründe, sie zu bewahren und für die denkmalpflege, die nichts mit dem auch hier zu findenden unbehagen an moderner architektur zu tun haben.
die städtebauliche leerstelle in berlin ist gravierend, das schloss könnte hier eine "heilung" sein. die diskrepanz zwischen form und inhalt der geplanten nutzung ist jedoch sehr unbefriedigend.
ein denkmalpflegerisches projekt m.e. ist es jedoch auf keinen fall, die denkmalpflege hat sich um die reichlich vorhandene substanz u kümmern, und nicht um neubauten, auch wenn diese einmal zu einem denkmal werden können.

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Danke für das Aussprechen

Noch einen unnötigen und nutzlosen (Nutzen) Repräsentationsbau in Berlin hätte es wirklich nicht gebraucht.
Der palast der Republik war nicht schöner und nicht schlechter als dieses Projekt. Die damaligen Bonzen versuchten aber, ihn mit Leben zu füllen.
Schade ums Geld
Wir sollten die Abdankung der Könige regelmäßig feiern und uns über die Demokratie freuen. Trotz Merkel, Schröder, Wulff bin ich sehr froh, nicht von Wilhelm Zwo regiert zu werden.
Und OT aber ganz deutlich: Die Proklamation eines Kaiserreiches 1871 in Versailles war ein törichtes und billiges Nachäffen der ebenso verblendeten Ösis. Deutschland hatte EINEN König. Der Kaiser war zuständig für das heilige Römische Reich deutscher Nation. Den Job gab es nach 1806 nicht mehr.

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4 E.R.Binvonhier 17.06.2013, 11:14 Uhr

OT

Zum Freihandelsabkommen mit den USA

Nun wird es also wahr, was US-Fondsmanager schon lange ankündigten:
Europa wird für uns die Weide des 21.Jhdt.

0 Don Alphonso 17.06.2013, 11:18 Uhr

BTW. ich glaube, das letzte Mal. dass ich so...

BTW. ich glaube, das letzte Mal. dass ich so viel löschte war, als aus einem anderen Loch die Freunde gewalttätiger Videospiele gekrochen sind, die hatten ähnliche Beschimpfungen wie die Statdschlossfassadenfreunde drauf.

Hm.

1 Peter Lohauß 17.06.2013, 12:48 Uhr

Chapeau

der lächerlichen Berliner Großmannsucht mit einigen zugespitzen Wahrheiten über Kaiser und Krieg zu Leibe rücken... rauschender Beifall!!

5 Gerhart Manteuffel 17.06.2013, 14:26 Uhr

Ohne Rekonstruktionen würde „Unter den Linden" heute grauenvoll aussehen.

Man sollte nicht vergessen, dass es die DDR war, die das Opernpalais, die jurisitsche Fakultät, die Staatsbibliothek, die Hetwigskathedrale und viele andere Bauwerke aus der Historie wiederaufgebaut hat - und die Menschen lieben es. Zuletzt wurde die Stadtkommandantur rekonstruiert - von Bertelsmann. Das alte Berlin ist auch durch das neue Adlon wiederauferstanden. Es ist ein Heilungsprozess von den blutigen Wunden des Bombenterrors - und das ist sehr zu begrüssen. Berlin ist ein Touristenmagnet und alle wollen das alte Berlin sehen. In Warschau hat man es genauso gemacht - in Danzig auch. München und Nürnberg haben ihre Redidenzen und Schlösser wiederaufgebaut. Das war richtig, die Städte sind sehr viel schöner als etwa diejenigen, wo man die hässliche Architektur der 50iger oder 60iger Jahre findet. Ich denke da an Essen oder auch Frankfurt am Main - dort hat man eiskalte Hochhäuser gebaut, die riesige Schatten auf die ganze Stadt werfen. Die skyline erinnert an eine mittlere amerikanische Stadt wie etwa Cleveland, Ohio. Das ist nicht originell. Das ist nicht schön. Touristen kommen nicht nach Frankfurt, sie wollen das autentische, alte Deutschland sehen. Berlin hat das geschafft. Allerdings will man auch dort, am Alex, hässliche Hochhäuser hochziehen, die dann die Innenstadt beschatten werden und eine düstere Ausstrahlung haben. Die Hochhaus-Architektur ist das menschenfeindlichste, was je entwickelt wurde. Sie schüchtert ein, sie wirft Schafften, sie ist kalt und materialistisch. Sie ist ohne Geschichte und passt nicht ins liebevolle Europa. Man kann nur hoffen, dass das Stadtschloss wiedererichtet wird, man darf dem Krieg nicht nachträglich Recht geben, indem man Zerstörungen als Vorwand für unsere zeitgenössische, hässliche Architektur der Nach-Moderne benutzt. Denken Sie an das Kanzleramt und alle diese modernen Gebäude - seelenlos, phantasielos, glatt, einschüchternd, undemokratisch. Das hat schon Hundertwasser völlig zurecht moniert - und entwarf als Antwort Schlösser. In diesem Sinne - Stadtschloss ja. Rekonstruktion von Historie - ja. Und zwar auch in Frankfurt und anderen Städten, die brutalen Hochhäuser könnte man dafür ruhig einreissen und vernichten, niemand würde ihnen eine Träne nachweinen.

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0 E.R.Langen 17.06.2013, 15:32 Uhr

Wo die Schlösser stehen

Mein lieber Don, was sollen die Berliner aufbauen statt des Berliner Schlosses? Die Hofburg? Steht schon. Neuschwanstein? steht auch. Hm. Nymphenburg? Ist schon da. Tja, mein Lieber, Ihre Region ist so dermaßen mit Schlössern zugekleistert, dass da wenig zu machen sein wird. Der Berlinern blaibt also nichts anderes übrig als in Berlin zu bauen... - etwas spät, aber die Bayern sind eben weit tüchtiger voran gegangen - und schon fertig.
.
Übrigens: Übers Berliner Schloss maulen ist ok, wenn man lange und genauso intensiv vor der eigenen Tür gekehrt hat. Fangen Sie an, das will ich lesen :-)

Deutsche Urkatastrophe?

Die Hohenzollern als die deutsche Urkatastrophe anzusehen, scheint doch ein bisschen dick aufgetragen. Dass Wilhelm II. den 1. WK angezettelt hat - wer wollte es bestreiten? Aber dafür gleich alle Hohenzollern in die Mithaftung nehmen - und ihre Bauwerke dazu, diese Logik erschließt sich mir nicht. Wenn man alle Gebäude, bei denen ein entfernter Zusammenhang ihrer Erbauer/Besitzer/Zeitgenossen zu Untaten nachweisbar ist, abreißen wollte, welches Gebäude dürfte dann überhaupt noch stehenbleiben? Nur so als Beispiel sei erwähnt, dass die wunderbarsten romanischen Kathedralen zur Zeit der Kreuzzüge begonnen wurden; und da gab's auch Greueltaten die Masse. Alles einreißen, weil hinter beidem die Kirche stand? Wieviel würde da wohl von Siena übrig bleiben?

1 Tyler Durden Volland 18.06.2013, 07:08 Uhr

@Max Stirner

Stirner selber wäre nie auf die Idee verfallen den kurzen Versuch der 1918 Räterepublik zu verschweigen, warum tun sie es? Es waren die Bayern die das versuchten und es waren die Preussen unter dem üblichen typischen Sozialdemokraten Noske, die dann alle massakrierten.

Ich glaube kaum, dass sich bayrische von berliner Politikern in auch einem wesentlichen Detail unterscheiden und geh mal davon aus, dass diese Kritik im Blog halt ein weiteres, derzeit aktuelles, kostspieliges Desaster beschreibt, das ja schon ein wenig arg zeitnah zum Berliner Fast-Flughafen stattfindet, finden sie nicht? Kultur und Zivilisation bestehen für mich weniger aus Fassaden, dafür um so mehr in der kleiner werdenden Anzahl von Kindern die in einem Land in Armut aufwachsen müssen. Ich sage das als jemand der das ganze Deutschland, gemessen an seinen materiellen Möglichkeiten, für einen weltweiten Höhepunkt an Widerlichkeit hält. Gemessen an der Konkurrenz worldwide eine nicht zu verachtende Leistung, wenn man natürlich auch, Innen- und Aussenpolitik zusammen gerechnet, an die Perversionen der USA und Israels nicht herankommen wird.
Dass es sich hierbei nicht um irgendeine Entwicklung neueren Datums handelt belegt mein eigens Motto, diese Worte Hermann Hesses:

„Ein grosses, bedeutendes Volk, die Deutschen, wer leugnet es? Das Salz der Erde vielleicht. Aber als politische Nation – unmöglich! Ich will ein für allemal, mit ihnen als solcher nichts mehr zu tun haben.“

Der Schlossbau ist natürlich eine Nebensache verglichen mit einem Aspekt der Realit der allen in den letzte Tagen mit dem Holzhammer eingebleut worden ist, der Snowdon Sache und deren bedeutung die Schirrmacher mal wieder lobend, als allerletzter linker Journalist der Republik, der er nun mal ist, beschrieben hat. Die beste Quelle für das Thema ist nach wie vor Glen Greenwalds Web-Seite beim Guardian:

"http://www.guardian.co.uk/world/2013/jun/17/edward-snowden-nsa-files-whistleblower"

PS: Was Rokokodamen Gemälde angeht, so habe ich vor ein paar Tagen auf der BBC einen Film gesehen, der deren Liebhaber gefallen dürfte:

The Best Offer (2013) "La migliore offerta", Geoffey Rush in Hochform
http://www.imdb.com/title/tt1924396/?ref_=fn_al_tt_1

1 ehemaligerBerlinerBeamteraufZeitoderWiderrufodersonstwie 19.06.2013, 07:50 Uhr

knappe Mittel

In Zeiten knappster Mittel, tw. auch dem Wiederaufbau des Umfelds der Akropolis zu Hellas geschuldet, sollten wir in preußischer Manier Sparsamkeit üben und keine sinnlosen Projekte anleiern.

0 Don Alphonso 22.06.2013, 22:19 Uhr

Generell

Es ist bei Wordpress so, dass hier Spamfilter laufen. Wer hier Nicks wählt, die dem eines anderen gleichen, um Ärger zu machen, landet dann eben händisch im Spam mit der Folge, dass alles weitere ebenfalls in den Spam geht und ich es nicht mal mehr zu Gesicht bekomme. Dauerhaft. Man nervt nur noch soich selbst.

Man sollte das also besser nicht tun. Ich lösche nicht nur, ich bestrafe auch.

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ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.