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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Klowände der Realität nach der Bolognareform

| 90 Lesermeinungen

Depression - Bachelor - Depression - Master - Depression und Arbeitslosigkeit: Psychologiestudenten haben gegenüber ihren Kollegen wenigstens den Vorteil, genau zu wissen, warum das Studentenleben mehr geschlossene Abteilung denn Freizeitpark ist.

Vorbemerkung: Als ich studierte, war kaum einer nach 12 Semestern fertig, ausser es hatte was mit Drogen zu tun, dann ging es schneller. Und die meisten Menschen im mittleren Alter verstehen daher heute gar nicht, warum die Jüngeren in Bolognazeiten sich so aufregen, wo sie doch alles haben und bekommen und nicht erst mal drei Semester staunen, weil sie nicht kapieren, was eigentlich verlangt ist. Auf der anderen Seite wird das Studium heute gern als veritable Hölle dargstellt, und wer sich denkt, das sind Luxussorgen und wir hatten damals nichts ausser einer Eigentumswohnung und Apanage und Auto und Waschservice und Kühlschrank daheim – der sollte einmal ohaimareiki folgen. Ich würde das jedem Bildungspolitiker gern auf Eichenplatten ausdrucken und mindestens auf den Tisch knallen. Aber ich habe ja auch ein Blog bei einer Zeitung, die von denen und ihrem Clippingdienst gelesen wird – und da dachte ich, ist es sicher mal schön, diese junge Studentin selbst zu Wort kommen zu lassen:

Man könnte meinen, meine Generation könne nichts außer lamentieren, wehklagen, kritisieren und zetern. Leute wie wir, das sind die, die so Anfangmitte Zwanzig sind, studieren, zur Mehrheit in Großstädten leben und für alles erst mal zu cool sind und es schlecht finden, nicht nur im Internet, wo scheinbar auch Personen mit bester Erziehung vorübergehend zu gallespuckenden Trollen mutieren.

Aber dahinter steckt gar keine Bösartigkeit, sondern Unsicherheit und paradoxerweise auch das Bedürfnis, von Anderen angenommen zu werden.

Wenn man statt Blogs mal nicht die Klowände des Internets, sondern die der eigenen Uni liest, springt einen die Vehemenz förmlich an, mit der wir darum kämpfen, uns irgendwie verorten zu können. Es ist bemerkenswert, wie sich einem hier alles Negative der Welt mit der Bestimmtheit mehrerer Quadratmeter Edding aufdrängt, die sich über alle Wände der Kabine und zum Teil noch die Decke ziehen und in denen die jeweiligen Autoren alles zum Ausdruck bringen, was und vor allem wen sie ablehnen. Pelzträger. Fleischesser. Veganer. Muslime. Rassisten. Juristen. BWL-Studenten. Andere Studenten, die BWL-Studenten doof finden oder Juristen oder Rassisten oder… Und natürlich das Studium, oh, das Studium.

Es stimmt schon, es macht müde. Auf Dauer sogar sehr, wenn man langsam weiß, wie der Laden läuft, sich die meisten Studiumsanforderungen rein aus dem Rückenmark heraus bewältigen lassen und das zwanghaft genau protokollierte Absitzen der zu vielen Semesterwochenstunden das Studium zu einem einzigen Vigilanztest macht. So wie der Frankfurter AFE-Turm, ein marodes Universitätsgebäude, welches von manchen nur als Schandfleck betrachtet wird, in den letzten Monaten ausgehöhlt wurde und nun bald in die Luft fliegt bzw. eben dies nicht tut, sondern kontrolliert in sich zusammensackt, so verhält es sich auch mit dem durchschnittlichen Studenten, aus dem über die Jahre Schritt für Schritt der Intellekt herausgeklöppelt wird.

Unsere Gehirne müssen sich vorkommen wie die Arbeitslosen von Marienthal. Das zermürbt. Das hier ist nicht wie die Pubertät, sondern dieses Mal viel schlimmer, denn wir haben keine Angst mehr vor Pickeln, sondern vor einem irgendwie nicht ideal geratenen Lebenslauf, vorm Versagen und vor der Zukunft, die wir auf einmal nicht nur selbst gestalten können, sogar müssen. Wir müssen wichtige Entscheidungen treffen, was sich jedes Mal riskant anfühlt, es womöglich auch ist, und Mut erfordert und Gelassenheit uns selbst gegenüber. Doch wie gelassen sein bei Themen, die einen so zentral berühren wie die Planung des eigenen Lebens?

Wir wissen nicht, wie die Zukunft wird und doch gestalten wir sie jetzt schon. Woher soll ich wissen, was ich in fünf Jahren möchte? Ich habe doch schon Probleme, mich heute für ein Mittagessen zu entscheiden.

Da kann man ja nur Angst bekommen, denken wir, und vergessen dabei, dass es den Leuten um uns herum genauso geht. Dass wir ja nicht allein im Hörsaal sitzen. Und so sind wir alle sehr damit beschäftigt, uns zu positionieren, unsere Geschichte selbst zu erfinden. Wer wir sind, was uns ausmacht, oder vielmehr, wer wir gerne wären und mal werden wollen. Als ob wir das wüssten. Wir sind jung, ehrgeizig, chronisch unentspannt und ängstlich und gehen mit uns selbst dabei genauso unfair um wie mit den Leuten um uns herum.

Als Alltagspsychologe versucht jeder einzelne von uns, die jeweils anderen Menschen um sich herum kennenzulernen, ihre Vorlieben und Abneigungen, Verhaltens- und Denkweisen und abstruse Eigenheiten einschätzen zu können – das hilft uns bei der Vorhersage dessen, was sie tun oder sagen werden, damit wir uns wenigstens ein bisschen auf die Zukunft gefasst fühlen. Das menschliche Gehirn liebt diese positiven, beruhigenden Illusionen. Und so wie Büchner schon in der ersten Szene des Dramas „Dantons Tod“ den Protagonisten zu seiner Frau „Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren!“ sagen lässt, machen wir uns auch Sorgen darum, die Menschen, mit denen wir unsere Zeit verbringen, vielleicht gar nicht richtig zu kennen, und je näher uns diese Menschen stehen, umso mehr kann uns das auffressen. Am liebsten würden wir aus jedem Gleichungssystem alle Unbekannten tilgen, und wir versuchen es, aber so funktioniert die Welt leider nicht.

Dabei kennen wir nicht mal uns selbst, oder vielmehr wollen wir uns nicht realistisch betrachten, sonst ginge damit die Einsicht einher, dass diese eine Person, die wir schon das gesamte Leben bei ihren zum Teil nicht besonders reflektierten Entscheidungen und ausagierten Eigenheiten beobachten können, eine gewisse Konstanz erkennen lässt. Wir neigen dazu, unsere waghalsigsten Grandiositätsphantasien auf unser zukünftiges Ich zu projizieren, ganz so als wüssten wir nicht genau, dass dieses auch keinen Bock auf Abspülen, nervige Seminararbeiten, Bügeln, Fortsetzungen des Streits mit dem Prüfungsamt oder andere vom gestrigen Ich aufgeschobene Aufgaben hat.

Aber wer nicht weiß, wer er ist, der kann ja immer noch gegen etwas sein. Das klingt gemein, ist aber so. Und fühlt sich erst mal recht gut an. Ich hier, die dort. Das ist einfach, das schafft Ordnung im Durcheinander der Welt. Ich weiß zwar immer noch nicht, wer ich bin, aber ich bin nicht Du, das hat die Gesamtmenge der Möglichkeiten schon mal um eine reduziert. Und klar und deutlich für etwas zu stehen erfordert mehr Mut, als sich gegen etwas zu positionieren. Ein Bekenntnis lässt keinen Raum für Interpretationen, eine Ablehnung hingegen legt einen noch lange nicht auf irgendetwas fest und macht einen somit nicht angreifbar. Wer Gesicht zeigt, hält den Kopf hin. Wer sagt, dass er an etwas hängt, dass ihm etwas wichtig ist, dass er etwas liebt, der macht sich verwundbar und das schürt Angst. Angst, dass man selbst von anderen abgelehnt wird, nachdem man sich geöffnet hat, und dann können wir nicht mehr sagen, das habe nichts mit uns zu tun, im Gegenteil, dann geht es um uns, und nur um uns. Nicht mehr um die Demarkationslinien, die man mal um sich gezogen hat, die sichere Distanz zu allem, was einen berühren könnte.

Wir denken, dass wir mit dieser Strategie am sichersten fahren, wir geben nichts von uns preis, nichts Wichtiges zumindest, nichts, was uns nahbar macht, und merken nicht, dass dies genau das ist, was uns bei anderen fehlt und weshalb wir nicht in Kontakt kommen. Es geht hier nicht um schlechte Laune oder Zynismus, jedenfalls nicht nur. Sondern um einen Kampf um Identität und den verzweifelten Willen, sich selbst und die Leute um einen herum wenigstens ein wenig zu verstehen, um der überwältigenden Zukunftsangst Herr zu werden. Es geht darum, dass wir nicht wissen, wer wir sind oder wer wir sein wollen. Und es kann sein, dass wir im Laufe des Erwachsenwerdens langsam eine Ahnung davon bekommen, dass wir das selbst bestimmen können und dass uns das Angst macht, aber diese Angst ist unser Wachstumsschmerz.

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90 Lesermeinungen

  1. Wände
    mit Text in Nassräumen bekommt ganz leicht wieder sauber: Einfach am Flüssigseifenspender mehrmals die hohle Hand füllen & das Zeug großflächig so verteilen, dass es nicht mehr abwärts fließt. Am nächsten Tag kann die dann ziemlich verfärbte Schmiere problemlos mit Papier abgewischt werden.

  2. Der Weg zum Ich ...
    … höret nie auf…

    Gruß
    der Mor,
    sehr alter Kater

    Viel wichtiger ist doch die Hinwendung und Zuneigung zum Du. Das eigene Ich erfüllt einen doch nie zur Gänze. Entsetz. Das ist der Ego-Irrtum der individuellen Gesellschaft.

    Kontrolle
    Bologna unterliegt ja einem übersteigerten Kontrollwahn (Verschulung) und einem übersteigerten Funktionieren. Lernhamster.

    Das und diese entsetzliche sofort funktionieren Müssen ohne gelassene zweite Chance färbt ab, macht zum grimmigen Funktionstier. Da spürt man sich freilich nicht mehr.

    Abgrenzen: „Ich Veganer, du Leichenfresser“ veschlimmert freilich nur die innere Einsamkeit. Apropos: Eine gute, sehr lehrreich und entspannende Episode darüber gibt es beim „Tatortreiniger“. Der etwas prollige, aber gut geerdete gelassene Schotty (Bjarne Mädel) erklärt einer im Ansatz leicht verbiesterten (intoleranten) Veganerin ihre Beziehung, die sie knallhart wegen eines Schnitzelessen-Rückfalls ihres Typs beenden will. (NDR-Mediathek)

    Zusätzlich macht Zukunftsangst nicht unbedingt gelassener. Verstehe das alles sehr gut. Abhilfe: keine Ahnung.

    (Der Mor studierte damals zwar etwas freier ohne diese Sauce Bolognese, aber in extrem existenziell unsicherer Situation. War also auch kein richtiger Spaß, dieses „lustige“ Studentenleben… . Der knallharte Plan war dann: Nichts wie schnellst in 9 Semestern fertig werden. Beinhart. Brauchte ständig Jobs. Immerhin: ein konkretes Ziel war da. ;- ) Mein Zitter-Feind war 4 Jahre lang meine Hausbank. Dass mir dann gerade deren Filialleiter geholfen und mein Diplom im wahrsten Sinn des Wortes finanziell gerettet hat, dafür bin ich dem Mann heute noch sehr dankbar. Der war nicht auf meinem Schirm, aber war zur rechten Zeit einfach da. )

    Geheimnisse
    Auch wenn man einen Menschen noch so gut kennt, er ist – auch oft genug sich selbst – ein Stück Geheimnis. Anerkennen und ihm lassen. Es ist sogar schön, nicht alles über andere und sich selbst zu wissen. Vorteil: Es bleibt spannend. Da kann man noch was lernen.

    Aber vielleicht schätzt man das erst, wenn man mal wirklich zuviel über jemanden weiß … Ziehe es nach gewissen Erfahrungen jedenfalls vor, nicht mehr alle Details – vor allem die über die dark sides – von engen Freunden wissen zu wollen. Dass man damit betrogen werden kann, ist natürlich drin. Doch man wird auch betrogen, wenn man ständig versucht, Kontrolle zu haben. Eher noch mehr.

    Ach ja: Bologna. Die Leut wieder studieren lassen und nicht durchpeitschen und einzwängen. Künstlich auf die Wirtschaft hin konstruierte Zweckfächer abschaffen, die draußen dann doch keiner braucht, weil sie nur ein Hype waren. Und innerlich braucht man die auch nicht.

    • .......?
      Eigenverantwortung gibts auch in der anderen Richung…

      Wer sich in Vorgegebenes, Aufgezwungenes gegen die eigene Überzeugung reinzwingen lässt, der verdient es nicht anders…

      Das galt vor 40 Jahren und es ist auch heute noch wahr.

    • ...Zuneigung zum Du. Ja, das braucht man auch: die Liebe, Freundschaften, aber das ist
      nicht der Feldgrund, auf dem man das etwas versteht von der Welt – und auch etwas von sich selbst!
      Das Ich und das Du ähneln sich ja, weil polar gegenüber. Das hilft nicht direkt beim Erwachsenwerden!

      Die Welt erfahre und begreife ich nicht über das Ich oder das Du, sondern über das Selbst, um meiner selbst willen erstmal!

      Erstmal tue ich alles für mich, der ich dieseitig bin (bei mir), gehe ins Jenseits von mir befindliche, also in die mir bislang noch eher fremde Welt !!! (wurde um 1400 n. C. kapiert!, siehe Malerei nach 1400),darüber verstehe ich diese mir halb fremde Welt jetzt darüber subjektiv bestimmt, denn deren Bilder und Symbole (dessen Objekte) sind meiner Subjektivität untergeordnet!

      MEIN Begreifen herrscht jetzt hier! Das ist neu im Sinne einer neuen Grundlage-Philosophie für den handelnden und gestaltenden Menschen!

      Ich beherrsche meine Situation und gestalte diese in einem SELBST- gewählten Ausschnitt mit (aber natürlich nicht DIE Welt damit), also ein neues Medium im Rahmen meines darüber erweiterten Selbst: Planung ist nun möglich. Dessen Basis ist immer ein Selbst- Rahmen.

      Dabei ist mir nun der Zusammenhang der Dinge notwendig wichtiger als das Ding selbst (das Ding an sich)!
      So gewinne ich Begriffe selbstentwickelter Art, also erkenne nicht nur zuvor kulturell bereits Erkanntes, kann also den Kreislauf des Bekannten als Kreativer verlassen, kann jetzt erst vom Handwerker zum Künstler/ Wissenschaftler etc. wechseln !
      Ich begreife selbst!
      Dann kann ich selbst denkend mir die Welt aneignen und muß nicht mehr nur blind da und dort sozial andocken, d.h. direkt am Denken eines anderen! Jetzt kann ich das andere denken mir als Instrument aneignen statt es zur Basis meines Selbst zu machen und damit mein Selbst darüber hilflos zu zerstören!

      Drr große Vorteil ist also:
      Das Soziale wird mir (wenigstens zeitweise) darüber sekundär, ich werde frei.

      Ich lebe nun nicht mehr im Sozial-Kokon- als Knecht der Gedanken eines anderen oder eines Kollektivs oder einer Norm.
      Genau das ist um 1400 – gut „logisch beschreibend“ -(in der neuen methodisch – systematischen Malerei) verstanden worden,
      aber noch nicht intellektuell durchgearbeitet, weil das sich nicht direkt systematsieren läßt – dieses Gestalten aus dem Selbst heraus – statt aus dem Wir-geprägten Ich.

      Das Selbst ist ja „nur“ ein in sich schlüssiger Organismus, ein Lebendiges, das seiner inneren antur nach eben nicht Konstruktion sein kann, denn dann wäre es ja nurmehr tote Architektur, nurmehr Ordnung.

      Theorien lassen sich aber nur über tot Vorgestelltes machen: So schufen die antiken griechen nur Theorien über den Geist (Form) und den Körper (geformte Materie), nicht aber über das Selbst.
      Das thematisierten nicht. Das wurde erst ein großes philosohisches Thema im 13. Jahrhundert, dann in Wissenschaft und Kunst im 15.Jh.!

      Bis heute wurde das Selbst nicht richtig verstanden, wie wir an den Unis sehen, denn es läßt sich nicht akdemisieren!

      Es läßt sich aber über Medien begreifen, wie uns die Maler des 15. Jahrhunderts lehren, denn ich muß dabei persönlich (subjektiv) angesprochen werden- objektiv geht nicht:
      Im aufkommenden Gemälde, der Erfindung um 1400, geht es primär um das Selbst oder das Gesicht des Menschen! Im Gesicht drückt sich das ganze Selbst aus.

      Also: Laßt euer Selbst aufblühen! Durchstoßt die Normen des political correctnes, spaziert in die Welt hinaus aus der Enge der Unis, lest Fr. Schillers Gedicht „Der Spaziergang“!
      Das Leben findet nicht primär im engen Kokon des Ich oder des DU statt!

    • Ja, das muss man aber erstmal haben: eine eigene Überzeugung!
      „Wer sich in Vorgegebenes, Aufgezwungenes gegen die eigene Überzeugung reinzwingen lässt, der verdient es nicht anders…“

      Ach Tyler, diese Generation HAT aber NOCH keine eigenen Überzeugungen*.
      Daher setzen sie Zumutungen auch kaum was entgegen.
      Außer ein diffuses „Dagegensein“. Was natürlich nicht reicht.

      *Außer dem diffusen Wunsch natürlich, top sein zu müssen. Egal wie.
      Da sind sie dann wieder, die Muster, mit denen man alle fernsteuern kann …

    • Titel eingeben
      Wer etwas studiert, eine Ausbildung macht oder auf eine andere Art einen Großteil seines Lebens für etwas opfert, das ihm nicht wirklich am Herzen liegt, der trägt zumindest eine Teilschuld am eigenen Unglück, da gebe ich Ihnen Recht.
      Der Problemfall, um den es mir geht, ist etwas anders gelagert: Selbst wenn man sich komplett selbstbestimmt und den eigenen Leidenschaften und Interessen folgend für ein Studienfach entschieden hat, wird man durch diesen schrecklichen Wolf des heutigen Bachelor- und Masterstudiums gedreht.
      Ich studiere (mit Blick auf die Inhalte, Berufsmöglichkeiten und das, was ich täglich so mache) mein Traumfach, dazu stehe ich. Es sind die Darreichungsform und die Art, wie die Universität ihre Studenten betrachtet, die mich kratzt.

    • Später dann...
      … wenn Ihr Lebensweg Sie vielleicht in eine größere Firma tragen sollte, dann werden Sie feststellen, dass die Darreichungsform der Arbeit und die Art, wie so mancher Gruppenleiter/der Vorstand/die Personalabteilung ihre Angestellten betrachtet, auch nicht immer so ist, wie man sich das wünscht. Wie man damit umgeht, bleibt jedem selber überlassen.

  3. Kaschmirmäntel und WC-Sprüche
    Sehr geehrter Don,

    vielen Dank für die Beobachtungen, welche ich bestätigen kann. Als angehender Jurist in den 90ern, war ich immer entsetzt von den Sprüchen in den WCs. Draußen liefen damals alle in Kaschmirmänteln wie fertige Staranwälter herum, und hier zeigte sich so etwas! Aber: Immerhin hatte ich schon mitbekommen, dass diese ersehnte Zeit, in der die ich und die um mich herum endlich erwachsen sind, wohl nicht wirklich kommt. Und, dass der Zustand zu Beginn jeden Semesters vorbeigeht, in dem man denkt: Oh Gott, alle wissen hier bescheid, außer mir selbst.
    Aber, wie Sie es ja sagen, lernen wir zum Glück dazu. Auch, dass man manches abperlen lassen muss. Mich groß verstellen konnte ich eh nicht. Das fördert jedoch auch ein gewisses Stehen zu sich selbst.
    (Damals coverten viele Ostdeutsche gern ihre Herkunft – verständlich bei all den Projektionen, die man ernten kann)
    Nun studieren meine Söhne und ich frage mich, warum man sie nicht reifen lässt, wie es uns möglich war. Als Studium noch mehr war, als ein ausgedehnter Leistungskurs (und wenn man Arnold Zweigs „Verklungene Tage“ über ein Studium vor 100 Jahren in München liest). Sie studieren in Potdam und München und haben viel Stress nach 3 Jahren diesen mehr als fragwürdigen Bätschäloar zu haben (was wäre nur eine frühere Entsprechung: Grundstudium?).
    Man könnte ja nun annehmen, die Netzkommunikation hilft beim sich finden. Selbst Erwachsene erforschen dieses Feld derzeit ausgiebig, wie jede Technologie von den Nutzern erst einmal erforscht werden wollte. Was kann sie, und was nicht.
    Sich finden, sich abgrenzen und für Wichtiges einstehen – nun das wird wohl immer so sein. Nicht nur in der Adoleszenz. Früherer, heutiger und ferner Tage.
    Aber vielleicht hört endlich dieser Schmierwahn in WCs ab. Das ist so frustrierend. Wenn der Schein so rüde gestört ist.
    Haben Sie viele Dank undich hoffe, Sie können die vielen Themen, welche in dem Artikel stecken, nooch einzeln weiter betrachten. Viele freundliche Grüße – azur

  4. Erinnert...
    … mich an Korea. Ich habe dort mehrere Jahre gearbeitet. Universität war dort sehr schulisch organisiert und es ging immer um gute Noten, wobei man aber wissen muss, dass es ein Quotennotensystem gibt. (Max. 40% A+ und A, max. 40% B+ und B, der Rest C+ usw.) Die Studenten, die ich dazu gefragt habe, sagten mir, dass es an der Schule selbst noch extremer sei. So lernen sie vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Zeit für etwas anderes bleibt da kaum. Es ist aber auch nicht das Ziel dieses Bildungssystem ‚Persönlichkeiten‘ zu bilden. Ich weiß nicht, wie das heute in Deutschland ist. Früher war das das Hauptziel (humanistisches Erbe). Schaut man sich bspw. die Seiten der GJU in Jordanien an, ist das Ziel, fit für den Arbeitsmarkt zu sein, Hauptziel. Es geht schlicht allein um Verwertbarkeit. Wieweit sich das mit Kant vereinbaren lässt – sicher gibt es irgendwo einen Philosophen mit MBA, der das vereinbaren kann.

    Eins der Hauptprobleme scheint aber Zeit zu sein. Zeit scheinen wir heute für nichts und niemanden zu haben. Ein anderes Problem mag sein, dass die, die für die heutigen Verhältnisse verantwortlich sind, nicht von ihnen betroffen sind. Dabei hätten viele von ihnen heutzutage keine Chancen mehr, die Karriereleiter emporzusteigen, müssten sie es heute noch einmal versuchen.
    Ein weiteres Problem: Die Entwertung von Abschlüssen. Wo früher ein Realschulabschluss gereicht hat, braucht man heute das Abitur. Wo früher ein M.A. gereicht hat, reicht heute in nicht wenigen Fällen nicht einmal mehr ein Dr. Dabei wäre die Abwertung von Abschlüssen gar nicht nötig. Ebenso wäre nicht nötig, in Ehrfurcht auf andere Länder zu blicken, wo die Akademiker-Raten vermeintlich so hoch sind. Sie sind in vielen Fällen deswegen so hoch, weil die Ausbildung anders organisiert ist. Was in Deutschland ein Ausbildungsberuf ist, studiert man in anderen Ländern, wie z. B. Krankenschwester in Korea.

  5. P.S. zu Erinnert...
    Als Ergänzung zu meinem ersten Kommentar.

    Meinung äußern: Wo es um richtig oder falsch geht, wie eben in schulischen Situationen, ist Meinung ein gefährliches Dingen, denn es geht ja eben darum, die richtige Antwort zu geben, um die gute Note zu bekommen. Und wie ist es bei Vorstellungsgesprächen? Wie ist es in vielen anderen Alltagssituationen? Wenn man da wirklich sagt, was man denkt, verbaut man sich Möglichkeiten und Chancen. Natürlich kann man einwenden: Was sind das denn dann für Chancen, wenn man dafür – grob gesagt – Lügen muss. Will man wirklich mit solchen Menschen zu tun haben, wo man nicht man selbst sein kann. Nur: Wo kann man das? Wer kann sich das leisten? Aber vielleicht ist das nur eine Sozialkompetenz, die man wie viele andere auch erlernen kann: In bestimmten Situationen immer genau das sagen, was der andere hören will. Aber wie war das noch einmal mit der Meinungsfreiheit in der Demokratie??

  6. Titel eingeben
    Eine sehr gute Beobachtung die ich gerne viel frueher gelesen haette.
    Aber sie ist auch jetzt noch gueltig und spaete Einsicht ist auch etwas wert.
    Wie kommen Sie zu diesem Verstaendnis?

    • Titel eingeben
      Vielleicht weil eine Gastautorin den Beitrag geschrieben hat?

    • Titel eingeben
      Ich studiere nun noch nicht SO lange, finde aber, dass man im Masterstudium deutlich fundierter nörgeln kann als im Bachelor. Und bis dahin braucht man dann doch ein wenig Zeit.

  7. Melancholia Grönland
    Behutsamer, aufrichtiger Text.
    Wäre ich zynisch, würde ich sagen, als Psychologin müssen Sie sich nicht um Ihre berufliche Zukunft sorgen. Das wäre aber nicht adäquat.
    Daher: Willkommen in der Depression. Willkommen in der einzig adäquaten Anwort auf das, was wir Welt nennen.
    Ist sie die einzige? Und warum mag ich solche Texte? Und warum gibt es nicht mehr von ihnen/Ihnen? Es gibt sie. Aber sie sind so still. Und das ist so schade.

  8. Von Kindern ist keine Revolution zu erwarten ...
    „… es kann sein, dass wir im Laufe des Erwachsenwerdens …“

    Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu vergangenen Studentengenerationen: Mit G8-Abitur, ohne Wehr- oder Zivildienst & erstem Studienabschluss nach nur 3 Jahren kommen sie in einem Alter ins Berufsleben, in welchem man vor einigen Jahrzehnten das Studium gerade erst begonnen hatte. Revolutionen sind nicht zu erwarten von diesen 20-Jährigen, zumal diese offenbar selbst glauben erst erwachsen werden zu müssen.

    • Daher zurück zum Vollabitur ...
      … und nicht zu diesem unfertigen Turbodingens G 8, das verängstigte Leistungsroboter ausspuckt.

      Ihre Studienfachwahl zumindest sollte ohaimareiki eigentlich keine Ängste und Kopfschmerzen bereiten. Sofern sie später als kassenzugelassener Seelenarzt arbeiten will: Die Klienten, jedenfalls – im angeblich ach so fröhlichen Bussibussi-Party-München – sind auf halbes Jahr, manchmal bis auf ein ganzes Jahr in Warteschlange.

      Ja, das ist zynisches Berufskalkül.
      Was bleibt einem aber schon.

    • Titel eingeben
      Ich denke nicht, dass die G8-Idee die Wurzel allen Übels ist. Aber sie passt auf jeden Fall in diese beschleunigte Zeit und zur geistigen Kurzatmigkeit der heutigen Studentenschaft (auf eine frühere kann ich mich allerdings nicht beziehen, da ich der nicht angehört habe).
      Mir ist natürlich bekannt, dass man als Therapeutin (welcher Richtung auch immer) gute Zukunftsaussichten hat, und wenn es nur die anhaltend schlechten Aussichten der eigenen Kundschaft sind, aber nicht jede Psychologin möchte Therapeutin werden. Ich zum Beispiel nicht, momentan jedenfalls. Und wie Sie sicher wissen, ist der Weg zur Kassenzulassung kein Zuckerschlecken, den muss man auch erst mal überstehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Personen, die ihn einschlagen, dies letztendlich nicht aus dem genannten Kalkül tun.

    • Da hätte ich den Film "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" für Sie:
      Da hätte ich den Film „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ für Sie:
      http://www.arte.tv/guide/de/040409-000/speed-auf-der-suche-nach-der-verlorenen-zeit

      Oder, falls der Link nicht geht: Auf Arte gehen, in deren Mediathek gehen und einfach „Zeit“ in die Suche eingeben.

      Paradoxon:
      Diese provokante Doku kann man natürlich nur dann gucken, wenn man Zeit hat.

      Haben Sie?
      Wäre schon – die haben eine interessante Thesis reingepackt, warum sich alles so beschleunigt. Soviel kann ich jetzt schon verraten: Es ist nicht die oft mantramäßig und mit schlechtem Gewissen geäußerte eigene Unfähigkeit zum Zeit- und Selbstmanagement und zur Selbstoptimierung …, ganz anders ….

    • Link Update für "Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
      Hier ist ein Link, der geht:
      http://www.youtube.com/watch?v=5oBMG9sVHrQ

      Die Arte Mediathek hält ihn schon nicht mehr vorrätig.
      Tja, .. Speed …

      Über das Berlinische wichtig-wichtig-Hipstergetue mit coffee-to-go und iPhone-geklimper möchte ich bitten, nachsichtig hinwegzusehen, es ändert dennoch nichts an der Botschaft.

    • Deutlich bessere Filmqualität:
      http://www.youtube.com/watch?v=0PQkQz-7_ls
      „Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“

  9. Sorry...
    Sorry, aber wenn ich das Wort „verorten“ lese, hör ich automatisch auf, weiterzulesen.

    • @jeeves:
      Dass bei Ihnen wegen einer Reizvokabel schon die Weiterleseperre einsetzt, finde ich irgendwie total, ähm, spannend. ;-)

      Aber wäre mal interessant zu wissen, ob der Mechanismus auch bei Texten über sagenwirmal einheimische Großmeister der elektronischen Klangerzeugung greift. Denn falls nicht, dann wäre klar, dass nicht die semantischen Sensibilitäten das eigentlich Entscheidende sind, sondern das Interesse am Thema. Und statt „aufgrund eines %&§?=Wortes im Text bin ich ausgestiegen“ könnte man dann auch ehrlicherweise sagen: „Das Thema hat mich nicht so sehr interessiert“.

  10. Titel eingeben
    Nicht jeden Scheiß per Smartphone im eignen Blog twittern, von der beknackten Selbstfindungsphase, zerbrochenen Joghurtgläsern und der Anzahl an Kapuzenpullovern. Mal wieder mit Menschen sprechen, Telefon aus, analoge Tätigkeiten ohne es der Welt auf die Nase zu binden. Wer so viel Zeit für mediale Selbstdarstellung im Internet hat ist von Stress noch weit entfernt. Aber nicht selbst verursachen und sich dann darüber beschweren. Einfach mal nur Mensch sein und leben.

    • Die Kraft des Analogen
      Ich warte nur auf Selbsthilfe-Bücher mit Titeln wie „Die Kraft des Analogen“. Das Thema ist die Entdeckung der Entfremdung: ich war mal ein Digitaler und es machte mich nicht glücklich. Dann, eines Tages, nahm ich die Demotivationsposter von der Wand, zog ich den Stecker, und das wahre Leben begann.

      Hier folgen nun 10 und noch mehr gute Ratschläge wie: wenn du Depressionen hast, unterhalte dich doch mal wieder mit einem Nachbarn oder, wenn keiner aufmacht, mit einem Hund oder wenn der in deinem Haus verboten ist, mit einem Kaktus. Es gibt ein Kapitel über handgeschriebene Briefe, das mit einem Lob der Kalligraphie beginnt und mit der Warnung endet, es nicht ausufern zu lassen, denn niemand will deine Sauklaue lesen. Es gibt was zu „Kontakte knüpfen im Supermarkt“, wie man in einer Kneipe schlank wird ( Spoiler: nur Wasser bestellen, ist voll gesund! ) und warum das laufen um den eigenen Block ein guter Ausdauersport ist. Da kann man nämlich anderen Joggern zuwinken oder Hundebesitzern oder Autofahrern. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Wenn du 10 mal am Tag runter zum Mülleimer läufst, um dort ein Taschentuch oder eine Bananenschale zu versenken, so fällt das doch auf.

      Natürlich gibt es das auch als E-Book im Kindle Store.

  11. Ohne Mimimi und Schminke
    Dies sind endlich mal Beschreibungen aus der realen, universitären Welt und keiner Filterblase, ohne Mimimi und Schminke. Und sie zeigen zugleich den herrschenden Funktionsdruck an den Ausbildungsstätten. Wer heutzutage strauchelt, hat es schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Vom Ich zum Wir ist nicht mehr das Ziel beim erwünschten Einzellauf. Und wer vertritt denn überhaupt die Interessen der Auszubildenden, etwa nur die Arbeitsagentur?

  12. Stoppworte
    Klaus Müller: Bitte weitermachen! Es gibt immer mehr Stoppzeichen in solchen Texten; ich höre schon bei „zeitgleich“ auf, weiterzulesen. „Aufschlagen“, „vor Ort“, „atemberaubend“ (meint: atemraubend)… Und dann erst die größeren Kaliber, wie „Chapeau!“, „Zwei Alternativen“ usw. usf.

    • Wie wär es mit atemlos...
      In der ‚guten alten Zeit‘ hatten junge Frauen wenigstens ein paar Jahre Zeit ihre
      Entscheidung für’s Leben zu treffen.
      Kaum mit der Schule fertig muss über die richtige Studien-bzw. Berufswahl entschieden
      werden.
      Natürlich gab es auch früher junge Frauen die wussten, dass für sie nur der Huber, Franz
      Infrage kommt und nicht Schmitzes Georg. Sie konnten ihr Ziel verfolgen ohne wenn
      Und aber.

  13. Woher soll ich wissen, was ich in fünf Jahren möchte
    – „Woher soll ich wissen, was ich in fünf Jahren möchte?“
    Wer nicht weiß, was er in fünf Jahren möchte, sollte eine kurze Pause im Studium einlegen, gründlich nachdenken, falls das scheitert, auf den „Bauch“ hören, und dann abbrechen – oder mit einem Ziel vor Augen weiterstudieren.
    – „Ich habe doch schon Probleme, mich heute für ein Mittagessen zu entscheiden“
    Ist das Ernst gemeinst, oder eine rhetorischer Gag? Ich hatte 11 Semester lang die Wahl zwischen Stammessen I und II, aber es war immer eine schnelle Entscheidung. Wenn beides ungenießbar war, blieb pragmatisch a) die kürze Schlange, oder b) die Schlange mit Beate, dann gab es zumindest nette Unterhaltung beim Essen.

    • Titel eingeben
      Wissen Sie, was sie in 5 Jahren möchten? Ich habe das eigentlich nie gewußt – das Leben hat viele interessante Überraschungen bereit, und gerade in dem (vermuteten) Alter der Autorin ist es doch viel besser, das Leben auf sich zu kommen zu lassen.

      Die Zahl der Wahlmöglichkeiten schränkt sich im Laufe der Zeit automatisch ein.

    • Was die Entscheidungsschwäche angeht…
      Vielen Dank für die Anregungen. Zunächst muss ich allerdings erst mal die Mensa in Schutz nehmen, die ist gar nicht mal so schlecht wie man denken könnte. Dieser Satz entsprach also tatsächlich der Wahrheit, wenn auch leicht überzogen formuliert. Das Mittagessen bereitet mir selten Kopfzerbrechen, da ist es nämlich nicht so folgenschwer, danebenzugreifen.
      Zum anderen Punkt: Ich wage mal zu behaupten, dass viele (nicht nur „junge“) Menschen nicht genau wissen, wie ihr Leben in 5 Jahren aussieht, wobei das ja nicht jeden mit Angst erfüllen muss, im Gegenteil.
      Wenn man etwas studiert, das eben nicht in ein einziges klares Berufsbild mündet wie z.B. Lehramt, dann kann man durchaus etwas grübeln, wie es nach dem Studium bzw. erstem Abschluss weitergeht. Das heißt nicht, dass man das aktuelle Studium damit infrage stellt. Nur, dass eine solche erste Entscheidung noch lange nicht bedeutet, dass man festgelegt oder schon irgendwo angekommen ist. Dieser Entscheidungsspielraum bietet ja Chancen, und da gebe ich Ihnen recht, dass man auch seinen Bauch befragen sollte, welche man nutzen möchte.

  14. Es könnte amüsant sein, wenn es nicht so tragisch wäre
    Junge Menschen ohne Ziel und Richtung, die grundsätzlich gegen alles sind, fallen mit Leichtigkeit Demagogen zum Opfer. Sie haben keine Ahnung, wer sich hinter Occupy, Attac oder Autonomen verbirgt oder welche Ziele diese modernen Rattenfänger verfolgen, denen sie nachlaufen.

    • Die allerwenigsten von denen haben es mit den Radikalen und vermutlich auch gar nicht so viel Zeit. Bei den Piraten hatte ich öfters den Eindruck, dass die Radikalität bzw. Idealismus sofort verschwindet, wenn Abgabetermin und Klausuren drohen, oder ein Job gebraucht wird. Ich denke auch nicht, dass das wirklich gut ist.

  15. "Du hast's gut, du bist doof !"
    sagt regelmässig nach dem fünften Bier ein guter Bekannter zu mir (nicht mal Abitur)
    und er muss es ja schliesslich wissen
    denn er ist Professor…

    • Das geht mir öfters auch so. Wer wie ich mangels Denkvermögen Probleme nicht erkennt, hat keine.

  16. Julia Engelmann reloaded
    Nicht Ursache und Wirkung vertauschen. Der Typus der Studenten hat sich verändert. Die Bolognareform reagiert lediglich auf die Massen von jungen Leuten, die zur Uni gehen, um ihr „Ich“ zu finden und von einer Identitätskrise zur nächsten zu schlittern, anstatt zu studieren.
    Früher kam der Kleinstadtdandy an die Uni, genoss ausgiebig seine Freiheit, immer im Hinterkopf, irgendwo in Papas Netzwerk ist später Platz für mich. Promotionen in den Human&Sowis hatten die Qualität einer heutigen Seminararbeit, wurden also quasi verschenkt an jeden der Zeit und Lust hatte.
    Heute kommen Legionen der Kleinbürger an die Uni, leben von Bafög und einem 400 Euro Job, hangeln sich mehr schlecht als recht durch ein Studium, welches komplett am Arbeitsmarkt vorbei geht und wissen im Hinterkopf, dass der Ärger mit dem Prüfungsamt nur ein Vorgeschmack auf das Arbeitsamt ist. In vielen Fällen ist es so, dass ein größerer Freiraum zur „Persönlichkeitsentwicklung“ nur bedeutet, die Zeit bis zur Arbeitslosigkeit und prekären Verhältnissen zu verlängern.

    Man sollte diese ganzen Nichtwissenschaften, wie Philosophie, Germanistik, BWL, Jura oder aber auch die Lehramtsausbildung, an die Fachschulen ausgliedern und den jungen Menschen frühzeitig eine große Portion Realität gönnen. Damit wären allen besser gedient, als 200 Jahre alten Bildungsidealen hinterher zu hängen, die im 21. Jhd. die gleiche Aktualität haben, wie der Hexenhammer.

    • Ich bekomme nur mannchmal Bewerbungen mit, und das ist ganz, ganz hart, was die alle in ihren Studien so leisten. Überhaupt kein Vergleich zum „alten“ Studium. Insofern ist der Ruf nach einer Verschulung schon beantwortet worden.

    • Also noch mehr der Wirtschaft geben, nach was sie verlangt?
      Also noch mehr der Wirtschaft geben, nach was sie verlangt:
      Turbogetriebene Funktionsfrettchen???

      Entschuldigung, das ist das, was sie als DIE REALITÄT bezeichnen.
      Realitäten entstehen nicht zufällig, sie werden gemacht und erzählt.

      Zuerst erzählt man der Jugend, nur wer studiere, werde weniger arbeitslos. D
      ann hat man die Massen.
      Dann erzählt man denen, dass sie nur „das Richtige“ studieren brauchten.
      Wenn sie schlau wären.
      Was denn „das Richtige“ sei, erzählt man ihnen nicht so genau. Das variiere.

      Außer: Es sei das Richtige, wenn man „sofort in den Arbeitsmarkt“ kann.
      Dann …
      … studieren alle BWL oder Jura. Damit denken die Jungen dann, seien sie zumindest offen für alle möglichen „Industrie-Anwendungsmöglichkeiten“.

      Weit gefehlt, nixda mit Job:
      Man erzählt ihnen dann, sie bräuchte noch zig Praktika, so werde das nichts. Sie könnte noch nichts.
      Und dann noch ein Volontariat. Und dann noch ein Auslandsaufenthalt.
      Dann sagt man ihnen, sie seien zu alt.

      Den Taxiführerschein hätten sie in der Zeit fünfmal erworben, die sie damit vertan haben.

      Meine Meinung über das Ganze ist:

      Es ist eine bewusste Irreführung der Industrie + Politik (eh alle im gleichen Sack), damit man auch im akademischen Bereich genügend Prekariat hat, das keinerlei Ansprüche mehr stellt und sich problemlos hiren und firen lässt. Bis dato konnte man das nur mit Arbeiters ohne Gewerkschaft halbwegs einfach machen.

      Diese angeblich vielen Selbstfinder habe ich nicht in dem von Ihnen behaupteten Maß angetroffen.

      Nur einen kleinen reichen München-Dandy letztens, der letztes Jahr von mir wollte, dass ich ihm seine 2 Uni-Abschlusszeugnisse fälsche, koste es was es wolle, weil rich Maman – misstrauisch geworden – plötzlich nach diesen Belegen schreit.

      Für einen Dandy geht der Kater Mor aber leider nichts ins Gefängnis.
      Da gibbet es keinen Kamin und keine warme Milch. Da nich für.
      Da bin ich Klassenfeind.

    • Titel eingeben
      Wenn Philosophie keine Wissenschaft ist, was dann? Die 200 Jahre alten Bildungsideale (die eigentlich noch viel Älter sind) haben durchaus ihre Berechtigung. Studenten sollen sich schließlich nicht nur Wissen aneignen, sondern viel mehr auch die Fähigkeit, Wissen zu erwerben, zu verarbeiten und anzuwenden – und dazu gehört eben auch, Neues auszuprobieren und Fehler zu machen.

      Die Verschulung ist schlimm – und sie macht aus den Studenten reine Konsumenten. Ich glaube nicht, daß man den Studenten vorwerfen kann, daß sie das System so gut wie möglich ausnutzen und mit geringstem Aufwand den größten Erfolg erzielen möchten – wir haben das auch so gemacht, und die Generationen davor auch. Aber die Verschulung ist notwendig, wenn zum einen immer mehr Studenten kommen, zum anderen aber auch immer mehr Vorgaben and Qualität, Lehrpläne etc. Ich kenne nur die Situation in England, aber bei uns liegt die Verschulung meiner Meinung nach zum einen daran, dass die Zahl der Studenten groß ist und viele einfach nicht für ein Studium geeignet sind, aber zum anderen auch an einer schon fast kafkaesken Verwaltung. Ich kämpfe z.B. seit vielen Jahren dagegen, Anwesenheitslisten zu führen – meiner Meinung nach sollen Studenten eine Vorlesung besuchen weil sie gut/interessant ist, und nicht weil sie müssen. Aber irgendwann wird sich ein Student darüber beschweren, daß ich in einer Vorlesung, für die es keine Anwesenheitspflicht gab, etwas prüfungsrelevantes gesagt habe …

      Zum Glück sind nicht alle Studenten so, und solche, wie die Autorin, sorgen dafür, daß die Lehre eben doch nicht nur lästige Pflicht ist.

    • Titel eingeben
      Mortitz, trauen Sie der Wirtschaft/Politik wirklich so viel zu? Irgendwie kann ich mir nicht Vorstellen, dass Institutionen, die selbst bei deutlich einfacheren Projekten so fürchterlich versagen, eine derartige Manipulation schaffen. Bei uns (an einer englischen Uni) spielt die „employability“ ja auch eine große Rolle, und es wird uns als Dozenten auch immer gesagt wie wichtig es ist, die Lehre entsprechend auszurichten. Vorangetrieben wird das aber komischerweise weniger von der Wirtschaft als von Verwaltungen, der Politik und sonstigen „Experten“, die von Wirtschaft kaum Ahnung haben.

      Und die meisten Menschen scheinen sich freiwillig für ein Leben als Drohne zu entscheiden – da muß man nicht viel von außen nachhelfen.

    • Titel eingeben
      Auf der einen Seite für Uni als Sozialisationsraum plädieren, auf der anderen Seite andere Menschen als Frettchen oder Drohne betiteln. Da beißt sich die These vom universitären Übermenschen schon in den Schwanz.
      Meiner Erfahrung nach sind es gerade die Selbstverwirklicher und Möchtegernrevoluzzer, die nach 20 Semestern doch mal Geld verdienen wollen und sich deshalb dem „System“ andienen. Zum Schluss leben die alle von der Kunst- und Kulturförderung, bezahlt von diesen Drohnen. Jonathan Meese hat das so schön ausgedrückt:“ Anarchie ist eine Erfindung von Ich-Mönchen. Die ganzen Anarchisten, die mit mir studiert haben, sind liebend gerne Professoren geworden, um in diesem hierarchischen Furz-System die Hämorrhoiden zu unterrichten.“

      Mir scheint, dass dieser Rückgriff auf Bildungsideale immer nur ein Kunstgriff der weichen Wissenschaften ist, um sich vor der Bedeutungslosigkeit zu retten. Keiner meiner Matheprofs käme auf die Idee den Studenten zu raten, man solle sich doch mal mit der Heidelberger Liederhandschrift beschäftigen. Das ist höchstens ein Freizeitvergnügen. Ein Studium soll erstens zum wiss. Arbeiten befähigen und zweitens eine Berufsausbildung sein, keine Herrenmenschen züchten nach den Idealen von Sozialingenieuren.

      Eine Irreführung von Politik und Wirtschaft sehe ich nicht.
      Es gab noch nie so viele Stellen für die Absolventen für der harten Wissenschaften, noch nie so einen großen und internationalen Arbeitsmarkt. Viele werden bereits während des Masters von Unternehmen angesprochen. Die Praktikas sind alle gut bezahlt und Vollzeitpromotionsstellen mit entsprechendem Lohn gibt es auch zur Genüge.

      Last, but not least, die Philosophie ist tot. Der letzte große Philosoph war Karl Popper. Aber natürlich ist die Philosophie nicht verschwunden, in fast allen Disziplinen lebt sie weiter; seien es die Neurowissenschaften, Physik, Jura selbst in den Wirtschaftswissenschaften. Nur als eigenständige Disziplin ist sie mMn. tot. Wie so viele andere Fächer auch.

    • Mittlerweile traue ich denen ALLES zu.
      @ Gu X
      Ich traue denen inzwischen alles zu.
      Genauso wie es erklärtermaßen für Regierungen und Militärs gut ist und diese es bewusst genauso seit Jahrhunderten pushen, das viele Kinder, respektive Söhne geboren werden. Um das zu erreichen, wird die Frau als Mutter bis ins Höchste gelobt.

      Genauso sind sie trotz aller Mängelbehaftung und Dummerhaftigkeit in ihren Umsetzungen, bewusst darauf aus, dass sich, wenn sie nur den immer höheren Wettbewerb und die immer höhere Zeittaktung vollmundig als Modernität und Komfortverbesserung loben und pushen, die Menschen im Zeit-Stress, Jobangst-Stress nur noch gegenseitig fertigmachen. Nur dann sind Menschen regierbar und man kann mit ihnen machen, was man will: Wenn sie Angst haben und wenn sie weiter denken als von 12 Uhr bis es schlägt nur noch materiell denken.

      Die Ohnmachtsgefühle auslösende Hochfrequenz-Börse, die ihre Millionstel-Sekunden-Spieltheorie-Algorhithmen durch die Server jagt, ist Teil diese ganzen Spiels. Man will top down, dass der Mensch der Materie dient. damit man unendlich Reibach machen kann.

      Ja, ich halte es für Absicht und glaube nicht, dass es sich einfach so ergeben hat.

      Die USA sind auch immer dann recht lustig am militärischen Rumballern außerhalb ihrer Kontinentgrenzen, wenn ihre Wirtschaft mal wieder hinkt. Zufall? Absicht! Durch gewaltige Investitionen in ihren Militärindustrie und Besetzen von Ölfeldern kriegen sie ihre dauerkränkelnde Wirtschaft immer wieder hoch. Und natürlich durch aggressives Gelddrucken. Letzteres ergibt sich auch nicht einfach so. Es ist Wirtschaftskrieg, um andere Wirtschaften, die etwas vernünftiger haushalten, kleinzuhalten.

      Säße man in den unzähligen Think Tanks der Hochfinanz oder den Konzernen, vielleicht auch den Regierungen, würde man das, was eigentlich allmählich offensichtlich ist, endlich auch bestätigt bekommen. Die denken wirklich „edgy“, bis an die Grenzen des Anständigen und bewusst darüber hinaus.

    • @Veil of ignorance
      Es ging mir nicht um den „Übermenschen“ – ich kann eigentlich auch keine Aussage bei mir finden, die in diese Richtung geht. Es ist einfach eine andere Lebenseinstellung.

      Ich sehe die Sache nur ein wenig anders als Sie: eine Universität sollte den Studenten mehr als nur Wissen vermitteln – sie sollte Bildung vermitteln, und hier sind wir eben beim humanistischen Bildungsideal. Das hat nichts mit einer Angst vor der Bedeutungslosigkeit zu tun – die gibt es meiner Meinung nach nicht. Nur braucht man für das reine Erlernen von Fakten keine Hochschule – da genügt eine Ausbildung. Eine Hochschule soll – und muß – die Studenten herausfordern, und zwar jenseits der einfachen Wissensvermittlung. Das Studienfach ist dabei sogar oft zweitrangig (ich habe mich zB sehr weit vom Thema meines Studiums entfernt).

      Natürlich wird es immer Absolventen geben, die das Studium als eine einfache Ausbildung ansehen und anschließend nur ihr Wissen, aber nicht ihre Fähigkeiten anwenden.

      Ihr Beispiel mit dem Mathematikprofessor läßt sich ganz sicher nicht verallgemeinern – ich kenne genug Gegenbeispiele, in denen Dozenten auch gerade von sehr „harten“ Naturwissenschaften Studenten nahelegen, sich mit solchen fachfremden Dingen wie Kunst, Musik oder Philosophie zu beschäftigen. Als Naturwissenschaftler neigt man oft dazu, Geisteswissenschaften eher abschätzig zu bewerten – bei Ihnen fällt mir das sehr auf. Aber auch die Naturwissenschaften bauen auf dem Fundament der Geisteswissenschaften auf, und es gibt genug Bereiche, in denen die Grenze sehr verschwommen ist (z.B. das Fachgebiet unserer Autorin).

      Was die Karriereaussichten angeht: sicher, die sind in vielen Bereichen nicht schlecht; aber ein Überangebot an Promotionsstellen kann ich nicht unbedingt sehen. Aber warum sollte jemand überhaupt promovieren, wenn er nicht wissenschaftlich arbeiten will?

      Die Philosophie lebt meiner Meinung nach fröhlich weiter – warum sollte sie auch nicht?

    • Was auch immer Sie wem zutrauen, zur Verschulung der Unis gab es keine Alternative denn
      die Rückführung auf die max. 10% der jungen Leute, die wirklich an Wissenschaft interessiert sind.

      Ist die Uni ein Ausbildungsbetrieb, was sie bei 40% Studentenquote eines Jahrganges sein muss, ist die Verschulung unausweichlich. Und hat mit weitergehenden Absichten von Politik oder gar Militär (in Deutschland???) nichts zu tun.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Herr Haupts, da haben Sie (im ersten Teil) sicherlich recht. Das macht diese Entwicklung aber dennoch nicht besser, und man sollte sich überlegen, ob man dem nicht Gegensteuern kann.

      Daß sich Hochschulen auf diese Art entwickeln, ist aber ganz sicher gewollt – die OECD und andere Einrichtungen drängen auf eine Erhöhung der Studentenzahlen (bzw. der Menschen mit Hochschulausbildung), und im Prinzip ist das sicher sinnvoll – wenn die Unis nicht einfach die Aufgabe von Berufsschulen etc übernehmen. Für die Staaten hat es auf jeden Fall einen Vorteil – die Jugendarbeitslosigkeit nimmt ab.

    • Erlauben Sie mir, GuX, erhebliche und wachsende Zweifel am Sinn des "viele Studenten"
      Wussten Sie zum Beispiel, dass Belgien auf seine gegenüber Deutschland höheren Studentenzahlen dadurch kommt, dass viele deutsche Ausbildungsberufe in Belgien schlicht Hochschulstatus haben?

      Hier werden von der OECD Äpfel mit Birnen verglichen, vermutlich auch dadurch bedingt, dass das deutsche duale Berufsbildungssystem in Europa einzigartig ist und die OECD Ignoranten sonst nur die Wahl zwischen Hochschulen oder Training on the job haben.

      Ich frage mich darüber hinaus, ob sich Intelligenz beliebig vermehren lässt. Die Biologen und Verhaltensforscher machen mir da wenig Hoffnung, also muss man für eine Studentenquote von mehr als 25% den IQ von 110 auf 100 senken, der für ein erfolgreiches Studium notwendig ist (gemessen in einem System, in dem 100 genau die 50:50 scheidet und jeder 10er Schritt danach immer der Hälfte der Verbliebenen scheidet). Bis in die 80er galt, dass man für ein Studium einen IQ von mindestens 110 brauchte …

      Und wenn ich so die Erfahrungen meines bisherigen Berufslebens passieren lasse, dann nehme und nahm ich für eine Reihe von Aufgaben lieber einen plietschen Praktiker, als einen praxisfernen Studenten. In Belgien waren die belgischen Jungingenieure in dem Schweisswerksneubau meilenweit von den deutschen entfernt (allerdings auch einige Jahre jünger).

      Mich beeindruckt die reine Hochschulquote ünerhaupt nicht. Aber genau das ist, was die OECD misst. Deutschland hat sich bei der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen wegen Ignoranz und Unfähigkeit seiner (immer akademischen) Bildungspolitiker schlicht über den Tisch ziehen lassen. Für einen Grossteil der Berufe würde eine höhere Handelsschul- bzw. Gesellenausbildung völlig ausreichen, der Bachelor ist hier die schlechtere Alternative.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • "Alternativlos" ...
      … ist in diesem Land ja bereits so einiges. …,
      geschätzter Thorsten Haupts.

      Die Frage ist doch: Muss aus den Studenten so wirklich jeder Intellekt Schritt für Schritt herausgeklöppelt werden? Bis sie wie der Uni-Turm kontrolliert in sich zusammensacken?
      (Ich verwende jetzt die beiden Sätze der Autorin, in meinen Augen sind sie eine sehr schöne und vor allem merkfähige, bildhafte Beschreibung.)

      Ich finde, nein.

      Denn „Verschulung“ ist noch ein geschmeicheltes Wort. Das ginge ja noch. Im Wort Schule steckt zumindest ein Hauch Verantwortung/Fürsorge für die „Scholaren“, die Zöglinge, mit drin. Es ist den Berichten zufolge nur noch einen Leistungsmühle.

      Nichts gegen Leistung. Das sich Erarbeiten von wissenschaftlichen Inhalten und vor allem das wissenschaftliche Arbeiten (analysieren, entdecken, hinterfragen, Schlüsse ziehen, Thesen aufstellen) hat jedoch nichts mit dem stupiden udn gewaltsamen Nürnberger Trichter zu tun: oben rein und unten raus.
      Oder doch?
      So richtig industriell?

      Fragt freundlich der Mor,
      der fast täglich mit industriell deppert-Studierten
      zu tun hat, die den Wald vor lauter Bäumen
      nicht mehr sehen.

      Sie tun einem leid. An manchen Tagen aber nicht.
      Da möchte man diese Reflektions- und Denkunfähigen –
      nach einem lauten Urschrei, das befreit –
      auf den Mond schießen.

      Es muss ja nicht so weit kommen,
      dass unsere Autorin auch so wird und ihre
      Reflektionsfähigkeit verliert.
      Finden Sie nicht?

    • Intelligenz
      wird überbewertet.
      Ein IQ 100 reicht vollkommen aus.
      Egal ob Student oder Professor .

    • ...
      Mit den IQ-Werten verhält es sich wie mit dem CO2.

      Nur nützlich in einer aseptischen Debattenkultur.

    • Für die Taxiprüfung ...
      … reichen 100 nicht.

    • @Moritz: Seit wann ist es vorrangiges Ziel einer Berufsausbildung, wissenschaftliches Arbeiten
      zu ermöglichen bzw. Zu eigenständigem Denken anzuregen?

      Sie machen für mich den klassischen Fehler vieler Hochschulkritiker – Sie wenden die Kriterien von 1970 auf 2013 an, nur weil die Anpassungsprozesse der Hochschulen an ihre neue Rolle als Aausbildungsstätten verzögert stattfanden und man sich damit zwischen 1970 und 1999 der Illusion hingeben konnte, die Uni müsste sich gar nicht verändern, auch bei 1,5 oder 2,5 Millionen Studenten nicht.

      Abgesehen davon – ich habe mir das Denken selbst beigebracht. Was ich aus der Hochschule mitnahm, ist das Wissen, wo man was nachschlagen kann und Methodenkenntnis.

      Fürs Denken – Mareike hat es selbst erwähnt – gibt’s noch immer das Masterstudium.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • ...so ein Mist!
      …auch nicht wenn ich mir eine halbe Sau aus den Rippen schneide?

    • Titel eingeben
      Herr Haupts, ich bin mit Ihnen einer Meinung was die Studentenzahlen angeht, und dass die Forderung der OECD nicht unbedingt das deutsche Ausbildungssystem berücksichtigt. Im UK geht man auch für viele Fächer an die Uni, die in Deutschland ein Lehrberuf sind. Durch die Gleichstellung der FHs mit Unis hat sich das wohl auch noch verstärkt.

      Aber das ist in meinen Augen der falsche Weg. Soll sich das Studium auf Grund von Fehlentscheidungen der Politik in die falsche Richtung entwickeln und letztendlich eine Art erweitertes Gymnasium werden?

      Eine reine Ausbildung könnte man zB an die FHs verlegen – oder andere Arten von Schulen. Gerade die Kombination von Forschung und Lehre (die gerade von Pädagogen so oft geschmäht wird) ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte der Hochschule, denn es sollte an einer Uni nicht nur um die Wissensvermittlung gehen, sondern auch darum, wie neues Wissen geschaffen wird (wenn ich das hier so vereinfacht sagen darf).

      Ein einfaches Beispiel ist das hinterfragen von Lehrmeinungen: Studenten in den ersten Jahren reagieren idR sehr verwirrt, wenn man ihnen zu einer Frage mehrere mögliche Antworten gibt und von Ihnen erwartet, die beste zu finden (die beste, weil es keine richtige gibt). In späteren Jahren klappt das bei guten Studenten sehr gut – während diejenigen, die eine Uni einfach nur als Ausbildungsstelle sehen weiter einfach die Mehrheitsmeinung rezitieren.

    • Ich bin im Prinzip hundertprozentig Ihrer Auffassung, aber eben nur im Prinzip.
      Faktisch muss man immer sehen, was in einer gegebenen Situation machbar ist. Wir hatten 1989 ca. (Aus dem Gedächtnis) 1,5 Millionen Studenten, davon nur 300.000 an den Fachhochschulen, Folge einer von „Konservativen“ wie Sozialdemokraten geteilten Bildungspanik.

      In der Situation, bei weiter wachsenden Studentenzahlen, hätte man grundsätzlich folgendes machen können (prinzipielle Alternativen):
      1) Das Studentenwachstum begrüssen und die Universitäten entsprechend ausstatten, bei Beibehaltung der universitären Ausrichtung (als Gegensatz zum Ausbildungsbetrieb)
      2) Einen Tei der Universitäten zu Fachhochschulen umwidmen, um dem auch in weiten Teilen der Studentenschaft vorhandenen Wunsch nach einer akademischen Ausbildung zu entsprechen
      3) Den Studentenanteil unter den Schulabsolventen wieder deutlich zurückfahren

      1 war und ist illusorisch, in Deutschland bekommen Sie bei allen Lippenbekenntnissen zur Bildung die notwendigen Mittel nicht frei. Und was bitte wollen Sie mit einigen hunderttausend wissenschaftlich ausgerichteten Akademikern pro Jahr. Taxifahren?
      2 war illusorisch, weil sich Unis wie Bildungsbürokratie wirklich mit Zähnen und Klauen dagegen gewehrt hätten. Selbst dem Progessorenmittelmass, das in den siebzigern eilig rekrutiert werden musste, um die Unis mit Lehrpersonal zu füllen, war ihr Uniprofessorentitel heilig.
      3 war und ist politisch nicht gewollt, nirgendwo.

      Also hat man zur denkbar schlechtesten Alternative gegriffen, nämlich 4, Deutschland macht sein erfolgreiches und einmaliges duales Ausbildungssystem kaputt und verlagert die Ausbildung an die Hochschulen, sich damit in den Staaten-Mainstream weltweit einreihend.

      Ich sehe im Rückblick einfach nicht, wie sich das politisch hätte verhindern lassen, Interessen wie Kräfteverhältnisse waren so. Und Bildungspolitiker wurden sowohl in der SPD als auch in der Union im wesentlichen die zweite Garnitur, die in den begehrten und einflussreichen Politikfeldern keinen Platz mehr fanden.

      Glauben Sie mir bitte, ich habe damals für einige Jahre die Bildungs-, besonders die Hochschulpolitik von einem Logenplatz aus begleitet, als ziemlich junger Mann. Und die Frage der steigenden Studentenzahlen hat einige sehr kluge Köpfe meines Verbandes für Jahre beschäftigt.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Herr Haupts, ich kann mich auch noch an die Zeit erinnern – auch wenn es ein wenig später war (späte 90er). Es waren damals hauptsächlich zwei Faktoren, die zu einer Erhöhung der Studienplätze (gegen den Widerstand der Hochschule) geführt haben: zum einen hat das Staatsministerium gedrängt, zum anderen haben sich abgelehnte Studienbewerber (mein Studiengang hatte einen Uni-eigenen NC) eingeklagt und zu oft recht erhalten. Das lag u.a. daran, daß von der Politik unrealistische Vorgaben hinsichtlich der Ausstattung der Uni gemacht wurden – finanzielle Hilfen gab es natürlich keine, sondern nur Stellenkürzungen. (Ich war zur damaligen Zeit sehr aktiv in einigen Gremien der Uni und habe dabei sehr interessante Erfahrungen im Bereich der Hochschulpolitik gemacht.)

      Ich denke, eine Kombination aus 2 & 3 sind eigentlich die einzigen sinnvollen Lösungen; 1 und 4 gehen von der – in meinen Augen irrigen – Annahme aus, daß es in jedem Jahr mehr studierfähige Abiturienten gibt. Wenn man die Uni als einen reinen Ausbildungsplatz ansieht, dann stimmt das sicher. Wenn aber eine Uni eine Art Speerspitze des Fortschritts ist, dann eben nicht mehr. Und meiner Meinung nach sollte eine Uni letztere sein und eben den geeignetsten Studenten die bestmögliche „Ausbildung“ bieten.

      Meine Erfahrung als Dozent zeigen mir, daß viele Studenten sich aus verschiedenen Gründen nicht für ein Studium eignen. Interessanterweise hat das nicht viel mit Noten zu tun – es ist eher die Einstellung zum Studium, die Neugier auf Neues und die Bereitschaft, sich (geistig) herausfordern zu lassen. Diese Studenten sind jedoch in der Minderheit, und der Massenbetrieb muß sich auf diejenigen einstellen die mit Studien- und Prüfungsordnung in der Hand jegliche Abweichung von Regeln verhindern.

      Dabei gibt es für uns in England noch ein zusätzliches Problem: Studenten sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Uni, d.h. wir müssen versuchen, so weit wie möglich auf sie zuzugehen. Das ist gar nicht so einfach, denn mit zu geringen Anforderungen vergräzt man die guten, mit zu hohen die schlechten Studenten.

      Das Problem mit den Bildungspolitikern sehe ich ähnlich – aber das ist ein Problem, das es in der ganzen Politik gibt. Fachwissen wird viel weniger gefragt als die richtige politische Färbung. Aber es fehlt auch das Interesse in der Bevölkerung: bei Schulen redet man vielleicht noch mit, aber Unis? Sieht das nicht die Mehrheit als eine Verwahranstalt für linke Tunichtgute (aka Studenten) und weltfremde und vertrottelte Wissenschaftler? Ich weiß nicht, wie oft mir schon die Frage gestellt wurde, wann ich denn endlich mal etwas richtiges arbeiten würde (denn als Naturwissenschaftler kann man doch nicht ewig an der Uni bleiben).

      Es ist eigentlich sehr deprimierend – und das, was Mareike schreibt, macht es eigentlich noch viel schlimmer.

  17. Ich gebe zu, ich verstehe nicht. Nicht wirklich zumindest.
    Was genau (!) hat sich eigentlich verändert? Als ich studierte, waren die Jobaussichten insbesondere für geisteswissenschaftliche Akademiker, Bwler oder Architekten längst im Keller, die Hochschlen schon damals mit 1,6 Millionen Studenten bevölkert.

    Und trotzdem haben die meisten von uns, zumindest die meisten, die ich kenne, einfach ihr Ding gemacht. Endlose Schleifen gedreht, über Hochschulpolitik, Initiativen, Kunst, Barbetrieb, Weltreisen, was auch immer.

    Die Zukunft war irgendwann, man würde dann sehen, wenn sie da war, irgendetwas geht immer. Stimmte meistens, auch wenn dem irgendetwas einige sicher frustrierende Warteschleifen vorhergingen, die sich auch über Jahre erstrecken konnten.

    Aber wer nicht weiß, wer er ist, der kann ja immer noch gegen etwas sein.
    Schöner Gedanke. Nur – warum kommt der mit Mitte 20? Ich bin sicher, wir wussten fast alle nicht, wer wir waren, aber es hat auch keinen gestört, geschweige denn, zu weiteren Selbstzweifeln veranlasst.

    Nein, ich verstehe nicht. Wirklich nicht. Was hat sich derart fundamental verändert, dass ohaimareikis Beitrag als repräsentativ für einen Teil des studentischen Lebensgefühls von heute betrachtet werden kann? Kann er? Hat sich wirklich so viel veränder?

    Mit ratlosen Grüssen,
    Thorsten Haupts

    • Könnte und wäre möglich...
      Wieviele Artikel in den überregionalen Medien , die sich mit der ‚Zukunft‘
      dem ‚Kommenden‘ beschäftigen, verzichten auf diese warnenden Wörter.

    • Wer bin ich ?
      ein heiteres Ratespiel mit Robert Lembke
      .
      Lembke: Hallo liebe Zuseher !
      der nächste Kandidat ist Bruckbacher
      Achtung Rateteam – bitte die Masken aufsetzen
      der Kandidat sagt wie immer nix
      welches Schweinderl hätten`s denn gern ?
      okay,das mit den Geheimratsecken
      ich glaube, es geht mit Guido weiter
      .
      Guido: sind Sie Akademiker ?
      Lembke: nein
      * dreht die Karte rum und steckt 5 Mark ins Schweinderl
      Anette:: sind Sie Angestellter ?
      Lembke: nein
      * dreht die Karte rum und steckt 5 Mark ins Schweinderl
      Hans: Sie sind also selbstständig, schon lange ?
      Lembke: schon sehr lange
      Hans: dann sind Sie eine Stütze der Gesellschaft ?
      Lembke: nein
      * dreht die Karte rum………
      Guido: aber Sie haben schon Denkvermögen ?
      Lembke: ja
      Guido: aber Sie brauchen es nicht beim Arbeiten
      Lembke: ja
      Guido: es wäre eventuell sogar hinderlich
      Lembke:ja
      Guido: dann sind Sie Beamter
      Lembke: nein
      *………………
      Anette: Lehrer ?
      Lembke: nein
      *…………….
      Hans: irgendwas mit Medien ?
      Lembke: nein
      *…………….
      Marianne: aber Sie haben schon einen Schulabschluss ?
      Lembke: ja
      Marianne: und auch eine Ausbildung?
      Lembke: nein
      *…………………..
      Guido: Taxifahrer,Zuhälter oder Abgeordneter der Piraten ?
      Lembke: nein
      *………………..
      Anette: Makler für Finanzen,Immobilien und Versicherungen ?
      Lemke: nein
      *………………….
      Hans: aber Sie heissen schon Bruckbacher ?
      Lembke: nein
      *……………………..
      tja, liebe Zuseher,das war`s schon wieder
      das Rateteam hat wieder mal völlig versagt
      Glückwunsch Bruckbacher, die 50 Mark gehören ihnen
      was machen Sie denn damit ?
      Bruckbacher: versaufen

    • Außerdem haben alle ...
      „Angst“ und dauernd „zittert“ irgendwer .
      Ob es die Wall Street ist, ein riesiger Konzern , ein Land, ein Kontinent,
      ein Politiker, ein Manager…
      Egal.

      Wie nennt sich das, die eigene (Medien-)Krise zu bewältigen?
      Verdrängung? Übertragung?

    • Veränderungen?
      Lieber Herr Haupts,
      gerne würde ich Ihnen eine zufriedenstellende Antwort geben, allerdings weiß ich es auch nicht, da ich die Universität nur aus heutiger Sicht kenne. Noch schlimmer: Ich kenne nur diese eine Universität, aus eigener Erfahrung zumindest, und ich stecke auch noch drin, das heißt, ich hatte nicht mal ein paar Jahre Abstand zum Reflektieren und alle Erfahrungen, die ich „draußen“ in der Arbeitswelt mache, mache ich, während ich mit mindestens einem Bein noch im Hochschulbetrieb stehe, wie es auch bei so vielen anderen der Fall ist. Ich habe jedenfalls einen Eindruck beschrieben, der auch von Freunden (mit anderen Fächern und an anderen Unis) geteilt wird und so neu nicht sein kann, zumal ich von den letzten Diplomern Ähnliches gehört habe. Aber gut, die standen auch unter dem Zugzwang, möglichst schnell fertig zu werden, waren sie doch die letzten ihrer Art. Ich finde, es beginnt schon in der Schule (kurz nach mir kamen schon die ersten G8-Absolventen) und hört dann leider nicht mehr auf, jedenfalls fühlt sich die Universität erschreckend oft wie eine nie endende Oberstufe an.
      „Wir“ sind trotzdem nicht alle immer strebsam, diszipliniert und verzweifelt damit beschäftigt, unser Leben zu optimieren, das wäre auch eine falsche Darstellung. Aber wenn man mal entspannt die Beine baumeln lässt, dann tut man das sehr bald mit schlechtem Gewissen.

    • Warteschleifen
      „Und trotzdem haben die meisten von uns, zumindest die meisten, die ich kenne, einfach ihr Ding gemacht. Endlose Schleifen gedreht, über Hochschulpolitik, Initiativen, Kunst, Barbetrieb, Weltreisen, was auch immer.“

      Und das ist der große Unterschied.
      Ihnen wurde die ZEIT gelassen sich zu entfalten, auch mal etwas auszuprobieren, jahrelang beim Kreiseln durch Warteschleifen sich selbst zu finden. Ob das Ergebnis zufriedenstellend war sei mal dahingestellt.

      Wie Mareike schon sagt – die Studenten selbst sind oft gar nicht so voller Optimierungswahn. Aber eine Wahl bleibt gar nicht. Wer einmal in der Warteschleife hängen geblieben ist fliegt raus aus dem System Uni das mit seinen Anwesenheitszwängen und beschränkten Inhalten jeglichen Wunsch nach Entfaltung effektiv unterbindet.
      Ein Beispiel aus meinem eigenen Studiengang:
      Diejenigen die noch auf Diplom studiert haben erzählen wie sehr sie sich reingehängt haben um fertig zu werden, ganze fünf Scheine gemacht in einem Semester.
      Im Bachelor sind vom 1. Semester an NEUN Scheine als Minimum vorgesehen, es wird gleich gesagt wer nicht mindestens drei weitere aus höheren Semestern vorzieht hat dann keine Chance mehr die dort verlangten 15 Scheine pro Semester zu schaffen. Seminare, Vorlesungen, überall Anwesenheitslisten. Die Anwesenheitspflicht entspricht der eines Vollzeitjobs, aber „nach Feierabend“ kommen Hausaufgaben, Pflichtlektüre, Nebenjobs. Die Option Fächer zu schieben gibt es nicht, für jedes Modul ist genau festgelegt bis zu welchem Semester es erledigt sein muss. Wer das nicht schafft fliegt.
      Wer eine Prüfung nicht schafft hat ‚eine zweite Chance‘ – eine Woche später zwischen 5 anderen regulären Prüfungen ohne jegliche Zeit sich besser vorzubereiten. Wer es da nicht schafft fliegt.
      Während der vorlesungsfreien Zeit finden Prüfungen und Seminare mit Anwesenheitspflicht statt.
      Also was ist mit den Warteschleifen?
      Wann soll denn gereist werden um den Horizont zu erweitern?
      Wann kann Lektüre über die Pflichtlektüre hinaus gelesen werden um mehr als nur einen einzigen Blickwinkel aufs eigene Studienfach zu bekommen?
      Wann überschneiden sich Seminare nicht zeitlich mit den Treffen der Gruppen für Hochschulpolitik?
      Und das geht endlos so weiter.
      Wer sich für eine Warteschleife entscheidet trifft eine Entscheidung GEGEN ein erfolgreiches Studium – und davor ist die Angst groß, fleißig geschürt aus jeder Ecke.

      Ja, wir wissen nicht wer wir sind oder was wir wollen, und es ist leicht das als Luxusproblem abzutun. Aber eine Gesellschaft in der nicht einmal die „Bildungseliten“ Zeit hatten sich zu bilden ist keine gebildete Gesellschaft, oder?

    • TH:
      Stimmt. Mit 25, ja mit 30 war ich (auch) noch ein ahnungsloser (aber gutmütiger) Trottel. Heute, fast 40 Jahre später, bemerke ich restrospektiv, dass ich alle etwa 5 Jahre zurückschaute jedesmal erschreckt erkannte, wie doof ich noch 5 Jahre zuvor war. Allerdings: ich lese viel. Und lerne. Immer noch.

    • Titel eingeben
      Es hat sich in den letzten zehn bis 15 Jahren vieles geändert, zumindest nach meinen Beobachtungen an mehreren Unis (sowohl in D als auch im UK). Der größte Unterschied – in meinen Augen – ist die Entwicklung weg von einem Studium mit Freiheiten hin zu einer Art weiterführenden Schule. Bei uns (im UK) habe ich sowohl bei den Studenten als auch bei der Organisation des Studiums oft den Eindruck, daß wir eben eine weiterführende Schule sind.

      Wahrscheinlich ist das der einzige Weg, mit einer immer größer werdenden Studentenzahl fertig zu werden, aber es ist auch politisch gewollt, denn die Unis sollen die Fehler der Schulen ausbügeln. Diese Entwicklung ist sicher gut für die Studenten die die Uni nur als eine Station auf dem Weg in den Arbeitsmarkt sehen – für diejenigen, die aus Interesse studieren ist es aber eine Entwicklung in die falsche Richtung (ich darf z.B. interessierten Studenten nicht einfach anbieten, in meiner Gruppe mitzuarbeiten, selbst wenn sie es gerne würden: damit würden nämlich die Studenten benachteiligt, die keine Initiative zeigen – schließlich ist das nicht Teil des Lehrplans).

    • @Miriam: Ist das in allen oder den meisten Studiengängen tatsächlich so, dass man FLIEGT, aka
      zwangsweise exmatrikuliert wird, wenn man bestimmte Zwischenprüfungen, Scheine, was auch immer nicht erreicht?

      DANN ist die Verschulung der Universitäten in die falsche Richtung gelaufen. Für die ich vor 20 Jahren als Vertreter eines Studentenverbandes selbst geworben habe – es war die zwangsläufige und notwendige, von vielen Studenten auch gewünschte, Reaktion darauf, dass aus den Universitäten de facto längst Ausbildungseinrichtungen geworden waren. Und darauf, dass es schlicht politisch unmöglich war, 2/3 der Hochschulen zu Fachhochschulen umzuwidmen, Standesdünkel der Professorenschaft.

      Ist das nicht oder nicht überwiegend so, ist die Verschulung kein Problem. Ich weiss noch genau, wie stark gerade die Studenten der geisteswissenschaftlichen Fakultäten darüber geklagt haben, orientierungslos auf sich selbst gestellt zu sein. Bwler, Vwler, Juristen etc. Wollten ohnehin nur eines – so schnell wie möglich fertig werden.

      Ist das so, liegt das Problem nicht in der Verschulung, sondern in der Umsetzung der Verschulung. Zeit für energische und lautstarke Studentenproteste.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      ob man rausfliegt oder nicht hängt auch a weng vom studienfach und -ort ab. 17FS im BA und MA system … auslandsaufenthalte, zeiten ohne scheinerwerb … alles „kein problem“, solange man das irgendwie finanzieren kann und an der richtigen uni das richtige fach mit der richtigen prüfungsordnung studiert.

  18. Titel eingeben
    Warum versuchen Th H. und der Schleier der Ignoranz ständig, das Problem kleinzureden, wegzuformulieren, runterzuspielen? Krise ist Krise, keine Jobs heisst keine Jobs, „die Wirtschaft“ hat nix (Bezahltes), und wenn dann auch nur auf Zeit. Natürlich trifft die Krise die Unis und die Kultur zuerst: „Weiche Fächer“, machen keinen Gewinn, können nicht rechnen und sich nicht wir Ronald P. und Ecki K. der Autoindustrie oder jedenfalls der Bundesbahn andienen. Alle auf dem freien Markt aussetzen! Und was die BWLer in China an Kultur brauchen, machen die im Crash-Kurs beim Konfuzius-Institut, gell? Die Sprenung des Uni-Hochhauses passt da gut rein: Die einen kriegen den Bailout vom Staat, die anderen den A.-tritt.
    Die jungen Bacherlor heute sind nicht politisch gefestigt und funktionieren weitgehend nach Plan. Das ist übel. Gleichzeitig spüren sie den Druck nur zu deutlich. Der alte Mechanismus: Jeder denkt an sich. Gelegentlich platzt ein Kessel, danach wieder business as usual. Das war schon 1968 so, obwohl die Sozis damals ja noch allen Jobs anbieten konnten, einigen sogar Professuren. Seitdem gehts bergab, und meine Studenten heute, viele aus China, kennen weder 1968 noch freie Presse noch den Modus der Diskussion.
    Vielleicht hat Herr Haupts negativ ein bisschen recht: Die Jungen heute leben im reichsten Land der Welt, müssen aber ihre eigene Erfahrung mit Armut 2.0 und Ausbeutung und Kapitalmechanismen erstmal selber machen. Vielleicht fällt dann der Groschen. Bis dahin schicken die Beamten ihnen fröhlich Rechnungen – und schieben es auf „die Rentner“. Und wer nix erbt und nur Abschlüsse akkumuliert, Sprachen lernt, Erfahrung sammelt und arbeitet, sich keinen Partner und keine Auszeit gönnt, der/die hat Pech gehabt. Leistungsprinzip.

    • Warum ich versuche? Ach, ich pass mich mal Ihrem Niveau an:
      Ich werde vom CIS, vom Vatikan und vom Grosskapital bezahlt!

      Und nun schalten wir zurück zu Ihrer Krise.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  19. Jeder gegen Jeden
    „Da kann man ja nur Angst bekommen, denken wir, und vergessen dabei, dass es den Leuten um uns herum genauso geht.“

    Dieser Satz gefällt mir. Denn so machen es viele, jeder für sich. Folge: Die Solidarität ist am Arsch. Die Welt ist nicht immer gut, aber es ist eben jeder gegen jeden, wenn ich es nicht mache, dann kommt schon der nächste und macht es für weniger Geld. Also mache ich es mit. Die Alternative wäre: Nee, wir lassen das nicht mit uns machen, wir stehen zusammen.

    Das fängt eben schon an der Uni an, an der sich heute die Profs schon immer öfter aufregen, dass die Studenten brav einfach alles machen. Und zugleich sich für nichts mehr richtig interessieren. Inhalte? Wozu, ist doch nur eine Station, etwas das ich eben tun muss. Bringen wir’s hinter uns.

  20. quote "Bildungsfallen (aus einem Sudelentwurf)"
    „Bologna als globales Harmonisierungsversprechen?
    Mentale Vorbereitungsvorleistungen auf alle künftigen Freihandelsabkommen?

    Immerhin haben die jungen „Leute von Heute“ keine Zeit mehr, „sich überflüssige Gedanken zu machen“, geschweige denn zu opponieren gegen eine sich abzeichnende schöne neue Welt, die uns Nachgeborenen („überkommener Bildungsideale von vor der Steinzeit“) wenigstens noch eine Art von Eindruck vermittelt von ihrer Wucht mit der sie nichtzuletzt jeden letzten Zipfel der Allverfügbarkeit beanspruchen wird.

    Machen wir uns nichts vor: mit jedem auch heute erlangten Bildungsabschluß gehört man bereits zu den Vätern/Müttern der Klamotte.

    Revolutionen, die nicht blutig verliefen verdienten den Namen Revolution nicht skandieren die Arbeitslosen von morgen, ohne ein Bild darüber entwickeln zu können was das bedeutet in Zeiten einer Revolution zu leben, die stilll in fast jede Synapse hineinsickert, die sich gerade bietet um ebendort ihre Wirkung zu entfalten: im Schrebergarten von nur geahnten Vorstädten des billigsten aller Science-Fiction Filme, der je in Angriff genommen scheint.
    Später mal, wenn ein noch etwas billigerer Science-Fiction Film (das Gesetz der Reihe) das Publikum zu begeistern hat, wird man vielleicht merken, wie sehr heutzutage mit „brainpotentials“ herumgeaast wird, um vergleichsweise mickrige Ergebnisse zu erzielen.

    Bildung früher: da galt auch, Daseinsstrategien ausprobieren zu können – einfacher noch, das Lernen erlernen zu können und Abschlüsse vermochte es – damals, weit vor den künftigen Kriegen der Neuzeit, die zwar modern aussehen mögen, indes wenig mehr transportieren als vollendete Fassungslosigkeit im Alleserfassen wollen jenes Grunds auf dem wir alle stehn – ihre Absolventen mit Zuversicht auszurüsten angesichts von Aufgaben, vor die ein junges Leben gleichwie stets gestellt sich sieht.

    Moduliert wie moderiert erzeugen die heutigen Bildungshybridstationen das, was in Zukunft gefragt zu sein scheint: Menschen, die in vollkommen am Rand ihrer Kapazität (Border) gefahrenen Systemen nicht ein Bewußtsein davon entwickeln können, wie robust Leben ist und wie wenig mit Angst darin zu tun sein wird.

    Es mag aberwitzig klingen: die Bildungsversprechen Bolognas erzeugen bislang wenig mehr als mental erscheinende Katalepsie-Idyllen, die mit Zukunftsangst nur unvollkommen umschrieben wirken.

    Wenigstens werden wir Heutigen noch wissen, wie eine Orange ursprünglich mal ausgesehen hat: Wir dürfen uns damit noch brüsten zu wissen, wie eine Orange eigentlich schmeckt.“

    Xirp

    unquote

    eof

  21. Titel eingeben
    Nochmal zur „Sauce Bolognese“:
    1) Als die zusammengerührt wurde, war kein einziger Uni-Vertreter anwesend. Eine reine BWLer/Bürokratenentscheidung.
    2) Das BA/MA kommt von den Felsen im Nordatlantik, die Adorno „angelsächsich“ nannte. Aber dessen Hochhaus jagen wir ja hoch. In England gibt es das Wort „Bologna-Prozess“ nicht. Ist alles schon so, wies bei uns gerade wird.
    3) Deutschland hat sich da einem Land unterworfen, das
    a) erstens auf dem industriellen Level von Süditalien verharrt (keine Züge, keine Wasserleitungen, Atomkraft überall, und Maul- und Klauenseuche alle 10 Jahre) und
    b) zweitens der Bildung keine Bedeutung beimisst. Es gibt nicht mal Lehrberufe, kein ordentliches Handwerk, nur verstörte Kids in zerfallenen Schulen. Jeder Oberschichtler schickt sein Kid ergo auf die Privatschule für 10.000 Pfund im Jahr.
    Das führt dazu, dass in UK nur noch die Chinesen alles bezahlen und das System (finanziell) am Laufen halten. Übrigens nicht nur in den Humanities! Da können wir unsere Bildungspolitik auch gleich in Peking abgeben, wäre ehrlicher.
    Außerdem müssen alle, deren Papi nicht bei Northern Rock Boni abgreift, einen Kredit aufnehmen. Das Volumen der Studienkredite in Amiland liegt längst über einer Billion. Wolle Studienlohn kaufe, TH? Nix Blase, Anlager sicher, ich schwör !
    Schließlich bilden die Löhne die Studien(kredit)kosten nicht ab. Die Kosten der Ausbildung landen am Ende, wie immer, beim Staat.
    Noch ein Wort zu den überflüssigen „weichen“ Fächern. Offenbar machen die Mathematiker und Chemiker diesen Weicheikram jetzt alle selbst und nebenbei. Und referieren über Comte auf Chinesisch in Peking. Ist nicht so, deswegen hat die Abschaffen der Geisteswissenschaften auch diese genuin asymptotische Struktur. Kürzen, demütigen, verweichlichen, einschüchtern, zurückstufen, ja gerne! Aber nie abschaffen, irgendwann braucht man doch wieder so einen Ethikproff wie Habermas in China.
    Natürlich muess(te) STUDIENleistung bezahlt werden, und zwar durch einen höheren Grundlohn – für Mittelstandskids, die ihren BA Job machen und qualifiziert arbeiten – und dann auch mal Nein zu einem Job bei Monsanto sagen könnten. Aber das wird die GroKo aus Reichen Leistungsträgern und armen Nichtwählern verhindern.
    Natürliche muess(te) die STUDIENleistung gemessen werden, so dass die schlechten GeWis nach dem BA aufhören. Eine ganz einfache Messmethode wären Sprachtests. Die sind auch in OxBridge die entscheidende Hürde ! Aber zu dieser Konsequenz kommt es nicht, weil dann alle guten GeWis, die ihre Fremdsprache gelernt haben, mehr verlangen könnten. Also lieber im sozialdemokratischen Massenunimodell alle durchfüttern und dann alle gleich schlecht behandeln.
    Damit sind wir wieder am Ausgangspunkt: Die Angelsachsen können überhaupt keine Fremdsprachen und geben schon bei der/die/das auf. Nur sehr wenige sparen sich die 10.000 Pfund und studieren in Deutschland.
    Also bleibt alles, wie es ist, in unseren schmucken 60er Nachkriegsbetonunis, während die Bankenversager auf Staatskosten ihre Glastempelhochhäuschen in den Himmel ziehen.

    • Titel eingeben
      Die Bologna-Reform war schon sinnvoll, zumindest als Idee. Warum soll man nicht versuchen, Abschlüsse in Europa derart zu harmonisieren, daß man ohne größere Probleme die Uni und das Land wechseln kann? Daß die Durchführung schlecht war, ist eine ganz andere Sache.

      Der Bachelor und Master ist im UK üblich, in der Tat. Man kann hier aber auch etwas mit einem Diplom und anderen Abschlüssen anfangen (oft mehr als den neuen Abschlüssen in Deutschland).

      Warum sollte Studienleistung bezahlt werden? Und von wem? Das Studium ist zunächst erst einmal etwas für sich selbst.

      Der Angriff auf das UK beinhaltet allerdings viele Wunschvorstellungen, die so nicht stimmen:
      – der Bildung wird durchaus sehr viel Gewicht gegeben; die Probleme im Bildungssystem sind bekannt und werden auch angegangen. Es gibt keine Lehrberufe im deutschen Sinn, das ist durchaus richtig (wobei sich das gerade ändert) – aber sind Lehrberufe essentiell notwendig? Geht es Deutschland besser _weil_ es zum Beispiel die Meisterpflicht gibt? Ich habe auch schon unfähige Meister erlebt. Und im Gegensatz zu Deutschland kann man hier sogar funktionierende Flughäfen bauen.

      – das System der Studiengebühren und Studentenkredite hat durchaus auch Vorteile, denn es zwingt die Hochschulen dazu, sich etwas mehr um die Studenten zu kümmern. Einen Umgang mit Studenten wie in Deutschland (wo ich oft den Eindruck hatte, in der Uni eher ein Störfaktor zu sein), ist eher selten. Dementsprechend selbstbewusst sind die Studenten auch oft.

  22. Titel eingeben
    Gu X, my dear friend, sagen Sie nicht 2x „durchaus“, dann merkt jeder, dass Sie das alles selbst nicht (so recht) glauben. „Die Bildung“ ist in der Brit-Society genauso zweitrangig wie bei uns, anders als „Die Wirtschaft“ oder einfach „The City“. Das Bildungsniveau der oeffentlichen Schulen ist niedriger als bei uns, und frei waehlen kann ich die auch nicht. Also muss jeder, ders sich leisten kann, die 10 Riesen hinlegen. University Lecturer allerdings koennen das nicht mit ihrem aermlichen Gehalt.
    Zu Bologna: Trennen Sie nicht die „Idee“ von ihrer Durchfuehrung. Die „Idee“ kam zu 100% aus der Buerokratie, die Unis sind wie immer ausfuehrende Organe. So wie ja auch die Lehrer und Forscher an der Uni selbst nicht das Sagen haben, sondern die „admin people“.
    Der Tenor von Marijke und co. ist klar: Entfaltung, Selbstfindung, Bildung, Reisen, Sprachen, zweckfreies Handeln gibts nicht mehr. Alle sind gestresst und ungluecklich. Die Gesellschaften verkalken und den Rentner ist das, wie man sieht, vollkommen egal. Lassen wirs so!

    • Titel eingeben
      My dear driver, ich werde mich bemühen! Die middle class sieht Bildung schon als etwas sehr wichtiges an, nicht umsonst geben sich Familien große Mühe, eine gute Schule für die Kinder zu finden (entweder durch Umzug in einen entsprechenden Einzugsbereich, plötzlich wiederentdeckte Religion oder natürlich Privatschule), und die Politik sieht das auch und reagiert (ich will hier nicht über die Art der Reaktion reden – da kann man sehr gut darüber streiten). In dieser Hinsicht leidet England an der Klassenfrage: Schüler der unteren Klassen (ich verwende hier Klasse statt SES, weil es einfacher ist) sollen nicht benachteiligt werden – und statt die schlechten Schulen richtig zu fördern, verringert man das Niveau …

      Zu den Admin people: ist deren Hauptwaffe nicht die Trägheit und damit das Vermeiden aller Veränderungen? Ich kenne inzwischen genug Verwaltungen, und selbst die besten Mitarbeiter kapitulieren irgendwann vor einem kafkaesken System, das Änderungen entweder unmöglich oder sinnlos macht.

      Zum Tenor von Marijke: da gebe ich Ihnen Recht, das ist eine sehr unschöne Entwicklung. Hier müssten als allerdings die Studenten aktiv werden, denn sie sind es, die betroffen sind – und da sehe ich leider ziemlich schwarz, zumindest im Moment.

    • Titel eingeben
      das problem ist tatsächlich nicht die idee – konsekutives studium haben schon die 68er gefordert, vergleichbarkeit von studienleistungen ist ein tatsächlicher gewinn – die kleinstaatlichkeit des deutschen bildungsföderalismus machte es leichter von nrw nach oslo zu wechseln als nach osnabrück. jetzt geht beides, theoretisch.
      die umsetzung ist mies, die erste generation der ba-studis vor der ziemlich flächendeckenden studiengangsakkreditierung hat in teilen irrsinniges in sachen workload erdulden müssen, wollte und will ja kein prof auf pfründe verzichten. „aktive teilnahme“ ist ein ebenfalls beknacktes instrument der anwesenheitsdisziplinierung geworden.
      die zunehmende diversifizierung von studiengängen grade im masterbereich (und die kapazitätsbegrenzung der dazugehörigen studienplätze) ist hingegen die derzeitige große geißel der durchlässigkeit…
      an der unterfinanzierung des ganzen systems haben übrigens weder bologna-prozess noch die zwischenzeitliche flächendeckende einführung von studiengebühren was geändert.

  23. Gähn
    Da haben WIR ja einen langen Text geschrieben . . .

  24. Na, wer sagt's denn...
    „Yellen, Draghi und das Zittern der Welt.“

    Deren Welt zittert trotz HöchstIQ und phantastischen Studienabschlüssen an Elite Unis,
    großartigen Karrieren.

    Sorry, an die Autorin für das OT.

  25. Die Wissenschaften
    @Thorsten Haupts:
    Soweit ich weiss ist Intelligenz (hier: was der IQ-Test misst) normalverteilt mit einem sigma=15 (in Europa, die Amis haben glaube ich ein anderes System). D.h. fuer die ueblichsten IQ-Werte ist Ihre Abschaetzung relativ akkurat, die Extremwerte ueberschaetzen Sie aber grandios. Z.b. waere nach Ihrem System jeder 128. mit einem IQ >160 gesegnet, waehrend normalverteilt nur etwa einer unter 30000 (oder so) derartige Werte erreichen duerfte (mal davon abgesehen, dass in den Bereichen die normalen Tests nicht mehr wirklich aussagekraeftig sind).

    @GuX: Schoen, dass Sie hier weiter aktiv kommentieren, ich freue mich immer, Sie zu lesen. Der Parallelblog der Stuetzen ist in den letzten Wochen uebrigens wieder ertraeglicher geworden, vielleicht kommen Sie ja doch nochmal vorbei.

    @veil of ignorance: Was Sie so ueber die „harten“ Wissenschaften erzaehlen, scheint mir am ehesten auf die Ingenieursfaecher zuzutreffen – und obschon ich Ingenieure und deren Denkweise extrem schaetze, kann man wohl nur die wenigsten als Wissenschaftler bezeichnen. Die meisten, die ich kenne, wuerden das auch selbst nicht tun. Letztlich sind Ingenieure (im deutschen Sinne) Handwerker mit beeindruckendem theoretischen Unterbau.

    Die gern zitierte Rivalitaet zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern ist meiner Meinung nach eine Chimaere. Was mich (Naturwissenschaftler) und viele meiner Kollegen haeufig stoert ist die Ignoranz vieler Geisteswissenschaftler gegenueber der „rationalistischen“ Denkweise (nicht zuletzt als Folge mangelnden Verstaendnisses) bei gleichzeitigem Welterklaeranspruch.
    Umgekehrt verstehe ich die Frustration mancher Geisteswissenschaftler ueber reines homo-faber-tum unter Naturwissenschaftlern ohne Reflektion der Natur der eigenen Erkenntnisse.
    Dennoch scheinen mir die meisten abschaetzigen Kommentare eher Neckereien zu sein, die nicht zuletzt auch die unterschiedlichen Praeferenzen bestimmter Charaktertypen fuer bestimmte Wissenschaften widerspiegeln.

    • Titel eingeben
      T.I.M. – vielen Dank, das freut mich zu lesen. Ich war in den letzten Wochen allerdings verhindert und mußte mich ein wenig rar machen. Das hatte weniger mit den anderen Kommentatoren zu tun als vielmehr mit meinen Schützlingen im wirklichen Leben (Semesterende und -beginn und Planungen für das nächste Jahr – Univerwaltungen sind nicht dafür da, das Leben leichter zu machen).

    • @T.I.M.: Danke für die Korrektur, die Verteilung
      War aus dem Gedächtnis gegriffen und offenbar nur für Werte um das Mittel eine brauchbare Näherung.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • @T.I.M. e.a.
      Steile Thesen:
      …“Popper, der letzte Philosoph“…
      und
      …“die Ignoranz vieler Geisteswissenschaftler gegenueber der „rationalistischen“ Denkweise (nicht zuletzt als Folge mangelnden Verstaendnisses) bei gleichzeitigem Welterklaeranspruch.“…
      ergo:
      der (letzte Philosoph), die (Ignoranz), das (Vermuten).

      Oder: Tick, Trick und Track am onthologischen Gottesbeweis zuwerke.

      Hei, das macht Spaß. ;:)…

    • ps: und, um den spaß au contraire weiterzuführen
      „drawing the distinctions“ (george spencer brown).

      Irgendwanneinmal wird die Generalprolette uns allen hier erklären wie das wirklich geht, das mit dem Leben.

    • einen noch: auf die Wissenschaftlichkeit
      Jede Hure hat mehr Selbstachtung als „die“ Wissenschaft.

    • @alpöhi
      Onthologischer Gottesbeweis? Trick 17 mit Selbstueberlistung der Scholastiker! Aber was hab ich damit zu schaffen? Mein vorheriger Beitrag war eigentlich eher konfliktmindernd gemeint, weil da ein gegensatz aufgebaut wurde, der nur sehr begrenzt einer ist.

      Was ich mit „Ignoranz“ meinte ist zum Beispiel wenn ein Philosoph vom freien Willen, Determinismus etc. spricht, aber nicht Willens ist, sich mit der Quantenmechanik und ihren Resultaten zu beschaeftigen. Genauso beschraenkt waere es, als Physiker eine Wellenfunktion hinzuschreiben und zu behaupten „Das ist die Realitaet!“. Und da wir schon bei dem Beispiel sind: Die Interpretation der Quantenmechanik ist doch ein exzellentes Beispiel der Philosophie in der Naturwissenschaft (bzw. traditionell der Naturwissenschaft als Teil der Philosophie).

    • alpöhlis Hurenvergleich
      Wieviele Huren kennen Sie denn, um solch‘ kecke Aussage wissenschaftlich zu untermauern?

    • Klaus Müller und "kecke Aussagen"
      Jean Baudrillard zum Golfkrieg: „ich nähre mich vom Virtuellen, egal ob der Krieg da nun stattfindet oder nicht“ (mündlich anläßlich einer PK).

      Zum vertiefenden Verständnis der Materie: „Die Philosophie im Boudoir – zur Erziehung junger Damen bestimmt“, von Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade.

      Da muss man keine Huren kennen btw.

    • Sie sehen:
      ich lasse mir Zeit wie sie es der ontolgische Gottesbeweis im Proslogion von Anselm es sich auch gelassen hatte.
      Sie reklamieren Zeit: hoffentlich nicht nur Ihre für Sie ggf verkürzt wirkende Zeit.

      Und sehen Sie: sie mögen mit der verkürzt wie verlängert wirkenden Zeit spielen – oder mit Menschenleben.

      In meinen Kreisen gehen wir das Vorankommen der Spezies an.
      Und damit wollen weder Sie noch die anderen irgendetwas zu tun haben.
      Das mag verständlich erscheinen, aufhaltbar wird es indes nicht sein können.
      Weil, sehen Sie, Sie Wurst werden bald tot sein, die Menschen werden mit Ihren kleinlichen Todesfantasien nicht zu tun haben wollen.
      Ob Ihnen das nun schmeckt oder nicht.
      Und auch ich werde bald tot sein und ich werde das hoffentlich nicht so schlimm empfinden müssen wie so viele Menschen.
      Nennen wir es Philosophie?
      Oder nicht besser doch Leben?
      Nennen wir es also Leben.

      Grüße

  26. In diesem Alter noch soviel Angst?
    oha mareiki, was ist denn los? Der Blogtext beweist, dass es sich um eine überdurchschnittlich intelligente, sensible und nette Studentin handelt. Anlass genug, als alter Jungebliebener gründlich dem angegebenen Twitterlink zu folgen…

    Dort sieht man wenig „Kampf um Identität und den verzweifelten Willen, sich selbst und die Leute um einen herum wenigstens ein wenig zu verstehen, um der überwältigenden Zukunftsangst Herr zu werden.“

    Dafür sieht man öfters einen wuschligen Hund der mit treuherzigen Augen seine Herrin anschaut, eine Herrin mit ebenso treuherzigem Blick, sehr viel leckeres zum Essen und sonst noch einige gelungene Fotos – nichts was solche Existenzängste plausibler machen würde.

    Gewundert hat mich nur ein Foto wo die Autorin (nackt?) in der Badewanne sitzt und ihre schönen Schultern zeigt ;) Da habe ich mir schon die Frage gestellt, was das bedeuten soll, ob das Foto von einem (sonst nirgends sichtbaren) Mann oder einer Frau aufgenommen worden ist und was es bedeuten könnte?

    Mareiki, tell us please – und Kopf hoch! Mit so vielen excellenten Büchern, einem interessanten Studium usw. kann dieses Leben trotz Bologna gelingen, da bin ich ganz sicher!

  27. OT
    Also SPON ist wirklich scheußlich zu A. Schwarzer.
    Wegen ähnlicher Steuer-Vergehen wird ein Mann als ‚Steuerbetrüger‘ bezeichnet.

    Frau Schwarzer gesteht man nur zu, eine Steuersünderin zu sein.

    Eine arme Frau. Soviel Lebenslanger Kampf um Gleichstellung und dann DAS.

  28. viele von denen
    die nicht so genau wissen, was sie in fünf jahren machen, werden halt von der soziologie womöglich als variable-veritable tätigkeitsreserve vorgehalten. ihre heutige unentschiedenheit ist nützlich.

    und zeigte evtl. auch ganz altmodisch und unveränderlich einen weiblichena nteil, dass dinge passierten, durch die sie sich genommen wüsste. und flexibilität und attraktivität und unentschlossenheit wären teils auch strategien von mutter natur, ds prinzip zu fördern. kommt die richtige chance, gehe ich mit.

    und ja, maschinenbau-nerds z.b. waren wahrscheinlich schon immer anders. das lebensprogramm „die rakete zu den sternenräumen“ entsteht in ihren köpfen (1) meist ganz sicher schon zwischen lebensjahr 14 und 16 – und der restliche lebensvollzug (2) bis 104 erfolgt folgerichtig. und können froh sein, wenn sich eine findet, die das alles mitmacht.

    (1 und evtl. nicht nur da)
    (2 – uniabschluss in der rsz, sicher, wobei der unibesuch nebst abschluss als solches dem selbst und als solche ja gar nicht auffielen, es ist ja alles natürliche entfaltung und selbstenfaltung von gradaus vorhandenen, nützlichen anlagen. „und essen, wer denkt denn schon über so etwas wie essen nach? essen kann man doch auch nebenbei.“)

    und in den mehr weiblichen wesen tickte evtl. auch noch eine biologische uhr ganz anderer art – die wollte auch ihr recht – und womöglich zu recht, ihre zeitspanne gäbe sich begrenzter, dringender – büro kann warten.

  29. Studentenleben?
    Ich genieße zurzeit das Studentenleben. Ich verstehe nicht, wieso man es immer so negativ darstellen muss. Viele meiner Komillitonen, und ich übrigens auch, sind sehr zufrieden mit dem Studium. Ich bin nun zum zweiten Mal im Drittversuch, also kurz davor, rausgeprüft zu werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich das schaffe, und wenn das hinter mir ist, habe ich den Bachelor und schon einiges an Masterleistungen vorgezogen. Ich finde nicht, dass zu viele Semesterwochenstunden in der Woche liegen – und das ist bei mir trotz Fachschaftsarbeit und Unipolitik, sowie Sport fünfmal in der Woche.

    Ich denke, dass man trotz der berühmten „Verschulung“ des Studiums jederzeit das machen könnte, was man wollte. Einführung in die Philosophie steht bei mir nicht im Studienverlaufsplan, aber ich könnte, wenn ich wollte, herausfinden, wo und wann die Veranstaltung stattfindet und mich einfach dazusetzen. Ich würde dafür nur keine CP’s bekommen. Im großen und Ganzen ist doch alles in Ordnung, wenn man sich auf das konzentriert, was vor einem liegt, und nicht in diffuser Zukunftsangst erstickt.

    Und was ich in fünf Jahren will, gestaltet sich recht einfach: Finanziell stabil leben, vielleicht sogar unabhängig, mit einem permanenten Lebenspartner, an einem Ort an dem ich mich wohl fühle. Alles andere ist nebensächlich.

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