Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Neue Fürsten und Hofschranzen fordern Paläste

| 30 Lesermeinungen

Höchste Ansprüche und natürliche Privilegien: Beim Bau günstiger Wohnungen sehen die Bevorzugten keinen Grund für falsche Bescheidenheit. Und ein Park darf natürlich auch nicht fehlen.

Solange Sie sich unseren Forderungen nicht stellen, behalten wir uns weitere Schritte vor.
Mieterinitiative Kotti & Co. an den Vermieter

Karl Heinrich Kasimir von Freudenleben – für seine Jagdfreunde „Kalle“ – und Anna Theresia Wallburg Freifrau auf Hohenstuhlitz sassen also in ihrem alten Schloss und waren, wie immer eigentlich, sehr unzufrieden. Die Mauern waren feucht, die Räume zu klein, die Kachelöfen stilistisch nicht mehr modern und dazu kamen all die Reparaturen, für die freche Handwerker zu viel Geld verlangten. Und dann war Schloss Freudenleben leider auch kein Privatbesitz – es sich unter den Nagel zu reissen, hatte Opa Wilhelm Otto Fürchtegott beizeiten leider versäumt – sondern nur ein Lehen, und dafür mussten sie natürlich auch an den König Pacht zahlen. Nicht viel, die Verträge waren uralt, weitaus weniger als in anderen Regionen des Reichs, aber Kalle und Anne hatten aus Prinzip zu wenig Geld, fühlten sich immer benachteiligt und waren einfach nicht zufrieden. Man kennt das, daher gibt es in Schlössern auch ein Boudoir, in dem nach Herzenslaune geschmollt werden konnte.

Ja, so ein schönes, neues Schloss im modernen Stil, das wäre jetzt nett gewesen. Und so befahl Kalle dann eines schönen Tages seinem Kammerherrn Klaus Wenzel zu Wowelöd, Wowe geheissen, doch Vorschläge zu machen, wie dieses „gar greyslicke Fatum“ zu beheben sei. Wowelöd beteuerte bei jedem Fest zu Hofe, dass er baldigst Pläne vorlegen würde, und tatsächlich, eines Tages, näherte er sich mit vielen Bücklingen dem Adelspaar und sagte: Durchlauchten, es ist schwierig. Dieses Schloss hier, das müsste saniert werden, aber dazu ist kein Geld da, wegen der Feste haben wir sogar Schulden – kurz, man müsste es abtreten an einen bürgerlichen Kreditgeber, der das bezahlen kann, und der würde dann auch Pacht verlangen oder gar selbst hier wohnen… Zum Teufel, herrschte ihn Kalle an, ich will nicht mehr zahlen, ich will mehr haben, sag er endlich, wie man uns ein neues, prächtiges Schloss in schöner Lage erbauen wird! Nun, sagte da der Wowe, Durchlaucht erinnern sich doch an die alten Salinen, die wir vor 5 Jahren wegen der untauglichen Lage haben schliessen müssen… man könnte es so machen: Wir verkaufen dort einen Teil des Grundes und mit dem Geld könnte man dort ein neues Schloss errichten.

WAS? schrien dann Kalle und Anna. Was? Dort wollen doch meine Hunde freien Auslauf, kreischte Anna. Und meine Jagdgesellschaften, empörte sich Kalle, wo soll ich die dann abhalten? Hä? Das hier ist doch ein Hof, so muss das sein, für meine Freizeit, mein Plaisier und meine Grillfeste mit Wild von Aldo Lidlius! Aber bitte, beruhigen Sie sich, sagte der Wowe, das ist nur ein ganz kleiner Teil und nebenbei könnte man auch das gräfliche Archiv, das hier im Keller schimmelt… NIEMALS! schrie der Kalle. Aber wo sollen wir das Geld, hob der Wowe betreten an, als ihn die Anna gleich niederkartätschte: In Wien geben sie 12 mal so viel für Schlösser aus als das, was hier geplant ist! Geh er und mache neue Pläne, bevor ich den Hund auf ihn hetze! Und Wowe ging und fragte sich, wie das etwas werden sollte, denn es war wirklich kein Geld da, im Gegenteil, dauernd forderten Handwerker und der üppige Hofstaat Geld, während Wege verfielen und im Park seltsames Gesindel sein Unwesen trieb – wenn das alles nicht gewollt war, dann blieb wohl nur, das Schloss ganz weit draussen, in den Einöden zu bauen, wo genug unfruchtbarer Boden war. Oder doch das alte Schloss erweitern, am besten mit noch mehr Schulden und vielleicht Hilfe vom König, der dafür andere Adlige um so mehr schröpfte. Kalle und Anna wendeten sich statt dessen der Planung des nächsten hundsmusikalischen Umzugs durch ihr kleines Reich zu.

Jeder, der hin und wieder ein Schloss besucht, weiss natürlich, wie solche Geschichten ausgehen. Sogar in Bayern, wo sich das Verhältnis zwischen Adel und Bürgertum nicht so schlecht darstellt, wie beim berüchtigten ostelbischen Junker, wird man bei Führungen stets auf die Kosten solcher Projekte hingewiesen, und wie sehr das den Adel belastete. In Pommersfelden zum Beispiel wird in der Galerie erklärt, dass hier fast alle Kunstschätze des Erbauers verkauft werden mussten, um den Koloss von seinen immensen Schulden zu befreien. Aber so war das damals eben, im Zweifelsfall gingen die Handwerker leer aus, die Landeskinder wurden geschröpft, ein paar Lehen veräussert oder Gelegenheiten gesucht, um bei Konflikten auf der Seite der Plünderer zu sein. Das ging auf Dauer nicht gut, heute sind Schlösser Museen, aus lebenslangen, gottbegnadeten Regenten wurde eine lebenslange Regentin, und der Adel hat keine Vorrechte mehr. Das Volk entscheidet.

Und oft hat sich das Volk diese Lehren auch zu Herzen genommen. Teures Personal ist weitgehend verschwunden, mehr als drei Wohnsitze sind selten, und die Wände sind meist so niedrig, dass man die Gemälde aus dem Untergang der Adelsherrschaft nicht wirklich gut hängen kann. Statt üppiger offener Kamine werden Niedrigenergiebrenner verbaut, Tafelsilber ist selten geworden, man zieht sich am Tag nicht mehr fünf mal um, und die Ergebnisse dieser Sparsamkeit liegen auf der Bank. Kaum ein Adliger hatte je so viel in seinen Truhen, wie es das Bürgertum jetzt furchtsam vorhält – man weiss ja, wie das ausgeht, wenn man mitunter kopfschüttelnd durch die Monumente des vergangenen Bauwahns schreitet, und sorgt vor. Natürlich wird auch diese Akkumulation von Vermögen kritisch gesehen: Man sagt, die Reichen seien zu reich und die Armen seien zu arm, wir lebten in einer Klassengesellschaft und der Aufstieg wäre unmöglich. Alles wendete sich zum Schlechteren, die neue Klasse der Besitzlosen, mithin die Hälfte der Bevölkerung, wäre das Äquivalent zu den Leibeigenen vergangener Jahrhunderte.

Man sehe es mir nach, wenn ich eine andere historische Parallele sehen möchte – ich habe nämlich überhaupt nicht den Eindruck, dass auf der einen Seite nur gerafft wird, was den anderen genommen wird. Die Erben von Anna und Kalle gründen heute Bürger- und Mieterinitiativen und sind sehr wohl bereit, der Politik des Staates Druck zu machen. In Berlin zum Beispiel wird stets beklagt, dass die Mieten steigen. Woanders gälte das als Zeichen einer langsamen wirtschaftlichen Gesundung, hier gilt es als Gentrifizierung und Vernichtung althergebrachter Milieus. Deshalb werden Umbauten und Aufwertungen erschwert. Neuer sozialer Wohnungsbau ist möglich, aber dafür braucht man Geld und Platz. Geld könnte man durch Verkauf von Grundstücken am Tempelhofer Feld bekommen, und dort auch selbst neue Wohnanlagen bauen – prompt gibt es eine Bürgerinitiative dagegen, die das und andere nötige Neubauten dort verhindern will, mit guten Aussichten auf Erfolg. Die Frage, wo und wie und mit welchem Geld dann die begehrten Wohnungen mit der niedrigen Nettokaltmiete entstehen sollen, kann dieser Tyrann natürlich beiseite wischen. Zumal ja mit etwas Glück demnächst auch die Mietpreisbremse kommt: Damit kann er sich mittels staatlicher Regulierung ein paar Jahre von der allgemeinen Entwicklung anderer Metropolen abkoppeln.

Und dann kommen noch solche städtevergleichenden Einwürfe, die für Druck sorgen sollen: Ja, auch im Barock war Wien Vorbild, auch im Barock waren Baumeister von den Fürsten gehalten, viel Geld ins Bauen zu stecken. Hauptsache, man kann heute gemütlich und günstig wohnen, und auch im Rokoko hat man nur selten über den Tag und die nächste Jagd hinaus gedacht. Das ist so selbstverständlich, das ist so normal, dass es schnell auch auf Neuankömmlinge abfärbt: Flüchtlinge, die am Oranienplatz kampieren, haben nicht nur eine Schule besetzt, sondern fordern jetzt im Gegenzug für die Auflösung ihres Camps ein Haus. Und wenn Migranten aus Osteuropa einsturzgefährdete Fabrikgelände verlassen müssen, fordern Aktivisten, die Stadt sollte ihnen kostenlos Wohnraum zur Verfügung stellen. Das ist – nobel. Das ist grosszügig, das kann man natürlich machen. Gesetzliche Regelungen, sozialer Ausgleich, Leistungsgerechtigkeit, Papperlapapp, hier und jetzt soll der Wohnraum für alle her und wie der Wowereit das löst, ist sein Problem. Dem Volk soll es gefallen, das will Volk in in guter Lage billig wohnen und sein Tempelhofer Feld und seine Genussmittelliederanten im Görli und wenn das nicht passiert, machen sie eben Lärmdemos: Wir bleiben alle! Und die Politik soll das so machen.

Leibeigene, das kann ich hier nach meinem Studium versichern, sind früher anders aufgetreten. Für mich hat sich bei der Beschäftigung mit diesen Initiativen der Eindruck der armen, unterdrückten Frohngebeugten schnell verflüchtigt: Im Gegenteil, wir stehen hier imperialer Grösse gegenüber. Wir lesen Befehle. Wir stehen davor wie ein Leibeigener des 18. Jahrhunderts, dessen Herrschaft jeden Tag neue Mittel und Wege findet, zu schröpfen, zu plündern und abzunehmen. Heute will die Herrschaft ihr Feld, und morgen ihr Spreeufer, und übermorgen einen  Steg, und wer nicht spurt, wird von immer neuen Initiativen und Wünschen unter Druck gesetzt, vor dem Hintergrund einer desolaten Finanzlage. Und wie so eine Jagdgesellschaft betrunken hin und wieder in ein Dorf eingefallen ist, ist es heute das gute Recht der Elite der Aktivisten, nicht genehmes Bauen, Arbeiten, Wohnen und Fortbewegen mit Farbbeuteln und Brandsätzen zu bekämpfen.

Gut, es kommen keine Paläste dabei heraus, in den Pop Up Stores ist keine Kunst, die man Jahrhunderte später noch sammeln würde, und es wird kein feines Porzellan geschaffen. Aber es geht um den Wesenskern, die innere Einstellung, den spezifischen Adel der Seele, die Nobilität der Geisteshaltung, die Verachtung für das normale Bürgertum und seine Sekundärtugend, mit der genommen, gefordert und befohlen wird. Das ist Herrschaft wie früher, sie gibt vielen Hofschranzen Sinn und Grund und Bühnen, das Leben hier und jetzt zu feiern. Wahrer Adel beschäftigt sich einfach nicht mit den Widrigkeiten von Finanzierung, solange er sieht, dass bei anderen genug zu holen ist.

HINWEIS:

Kommentare zu diesem Beitrag sind auch im Kommentarblog zu holen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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30 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    “Es kommen keine Paläste dabei heraus” ist nur eine Frage der Interpretation. Ein Bauwerk wie der BER ist eigentlich mehr als ein Palast. Darüber hinaus ist mir völlig schleierhaft, warum dieser Palast nicht fertig wird. Soll es ein moderner Turmbau von Babel sein? Ich nehme an, der NSA weiß alles genaustens und Snowden wurde nur noch nicht dazu animiert, die entsprechenden Dokumente herauszurücken.

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      Darüber hinaus ist mir völlig schleierhaft, warum dieser Palast nicht fertig wird
      Vielleicht gibt es einfach zuwenig Leute, die ihn wirklich wollen.
      Mir (und auch meiner Nachbarin) ist es recht, wenn die Flughafenanfahrt bei 30 Minuten bleibt, 1 1/2 h und 2x umsteigen machen halt unattraktiv.

    • @Der Tiger
      In Zeiten in denen nichts ist, was zu sein vorgibt, woher nehmen Sie die Gewissheit,
      dass sich beim BER um ein Flughefen handelt?

    • Ich finde ja, dass man Berlin auch ruhig im Sand vergessen kann. Der Touristennepp hört auch irgendwann auf, die Karawane zieht weiter, dann reicht ja ein Trampelpfad und vielleicht ein paar Maulpferde.

      Und was gegen Malaria.

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      Sie hab’n scho‘ a wengerl recht, was den BER angeht, der ja „eigentlich mehr als ein Palast“ werden sollte, zumindest in den dumpfdrösigen Augen seiner politischen Initiatoren, denen jedes ästhetische Empfinden ein feudales Überbleibsel ist. Sollte allso dieses unsäglich hässliche Ungetüm und Milliardengrab jemals fertig werden, wird es eine gigantomanische Shopping Mall sein — mit kilometerlangen Wegen zu den Flugsteigen, was den Zweck eines Flughafens ad absurdum führt. Unpraktischer geht’s nicht.

      Dabei hatte Berlin, von vielen (und echten) Weltstädten beneidet, mit Tempelhof und Tegel zwei zentral gelegene Flughäfen, die flinkes Ankommen und Anfliegen ermöglichten. Zumindest Tempelhofs Kapazitäten wären, zu einem Bruchteil der BER-Kosten zeitgemäß zu erweitern gewesen. Aber nein — Volksbeglücker aller Couleurs, allzeit süchtig danach, sich klobige Denkmäler zu setzen, brachten diesen schreienden Unfug durch, der (so die Berliner Schnauze) näher an Polen liegt als an Berlin; der Steuerzahler hat’s ja, gell?

      Und so wird der Dreckhaufen, der Berlin ist (Copyright: Don Alphonso), nicht schöner, sondern nur noch größer. — Und dass die NSA wie auch Mr. Snowden ihre Zeit für untergrottige Schildbürgerstreiche verschwenden, wage ich zu bezweifeln.

    • Ich muss zwei Typfäler korrigieren:
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      Tempelhof wr auch schoen wenn man die Sonne untergehen sehen wollte. Aber da war noch eine Mauer und alles GANZ anders.

      Man kann allermoeglichen Laerm und radau machen – ausser mit Flieger. Ich wohne in einem anderen Land 500m von der Startbahn, schlafe gut.

  2. Es gibt solche und ...
    … solche.
    Klar, das Prekariat stellt dreiste Ansprüche, sowohl im Hinblick auf Arbeitszeiten, Löhne, Urlaub als auch Mieten.
    Aber es gibt auch eine Gruppe hübsch unterwürfiger Vasallen, nämlich die, die gerne mal ins mittlere Management aufsteigen wollen, Partner werden wollen usw.
    Die schlucken jede Nachtschicht, lassen sich von 18jährigen Maklern peinlich nach ihrer
    Bonität befragen, zahlen Courtage zuzüglich Handgeld für dieses Geschmeiß und sind auch sonst immer sehr brav darauf bedacht, dass niemand sie mit denen verwechselt, die ihre sozialen Rechte tatsächlich in Anspruch nehmen.
    Denn das markiert ja die Sklavenschicht, man selbst ist aber als junior vice consultant, trainee oder store manager davon himmelweit entfernt.

    • Ja, aber ich denke auch, dass diese Gruppe nicht wirklich gross ist. Viele, die meisten, wollen einfach ein angenehmes und sicheres Leben, und kein Totarbeiten im System. Abgesehen davon sind die hohen Preise wirklich nur ein Phänomen kleiner Metropolregionen, sogar München wird billiger, sobald man den Ring verlässt. Das Kernproblem ist der Druck in ganz bestimmte Viertel und der Umstand, dass dort wiederum viele Wohnungen nicht auf den freien Markt kommen.

  3. Titel eingeben
    Made my day. Sehr schön. Für Einzelheiten fehlt mir das Geschichtswissen, leider.

  4. Tucholsky
    „…Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit Terrasse, vorne die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn aber abends zum Kino hast dus nicht weit. Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit… “ Schon bei Tucholsky wurden Ansprueche an Wohnungen gestellt.

    Abgesehen von jenen Anspruechen ist eine Wohnung ein Grundbeduerfniss. Die Erfahrung lehrt mich seit Jahren, das auch ein Container ein Dach ueberm Kopf ist – so als Alternative.

    Glaubt man den ‚Traumrenditen“ in Stadtlagen der Immobilienhaie, so muss diese irgendwo herkommen – vom Mieter. Mancher Vermieter vergisst das Konto: ‚Rueckstellung fuer Reparaturen‘. Und dann gehts wie beim Zahnarzt. Macht man lange nichts, wirds schmerzhaft und teuer. Aber dann stehen die ‚Leistungstraeger‘ mit offener Schatulle bereit.

    • Na gut, wer an die Traumrenditen glaubt, wird hart lernen, wenn er sich mal mit der Heitung oder dem Dach beschäftigt. Da habe ich auch kein Mitleid. Aber es gibt schon heute kein Land, in dem Mieter besser als hierzulande geschützt sind, und insofern ist das Verlangen von immer noch mehr halt auch ein wenig doppelmoralisch. Zumal durchaus viele, die jetzt schreien, kaufen könnten, wenn sie sich dafür reinhängen würden, wie es andere tun.

    • Traumrendite
      Und Mieterschutz hierzulande.
      Aha, daher haben die Freihandelsabkömmler ihre Ideen!

      Nur, wenn dann noch Mietpreisbremsen dazukommen, wird es kritisch.

      Damit bremst man die Investoren doch aus, wenn kein Staat ( versteht nichts
      von Wirtschaft) die Renditen bzw. den Geschäftserfolg garantieren kann.

      Oder muss der Staat seine Bevölkerung zwingen bestimmte Produkte zu kaufen?

    • Titel eingeben
      schon,

      ich habe mit entsetzen gesehen wie Mieter eine Wohnung in ein paar Monaten abgewohnt haben.

      Nichtdestotrotz, bei Wohnungsgesellschaften denen Stadtteile gehoeren, neigen meine Nackenhaare zum aufrichten.

  5. Unter einem Palast
    geht nun gleich garnichts.
    Und wie ein Palast auszusehen hat, das hat nicht nur Schinkel publikumswirksam formuliert.
    Umsomehr freut man sich über Vorstadtbungalows, die inzwischen über Eingangsportale und Zufahrten verfügen wie die Akropolis und das Ganze auf knapp 500qm Grund und Boden incl Garten:
    Ästhetisch eine rechte Schweinerei, für die man jede Baufirma wg Verletzung öffentlichen Anstands verklagen können sollen dürfte!

  6. Zitiert in Tom Wolfe: Mit dem Bauhaus leben
    „Maler, Architekten, Bildhauer, ihr, die ihr von der Bourgeoisie reich belohnt werdet für Euer Schaffen – hört uns an. An diesem Gelde klebt der Schweiß und das Blut von tausender erniedrigter Menschenwesen. Hört, es ist schmutziger Profit.“ aus einem Manifest der Novembergruppe

  7. Wenn bei diesem Ukraine Debakel
    Einzig China der lachende Dritte ist, dann haben sich die USA mit ihren Interessen
    im Pazifik und Ostasien auch ins Knie geschossen.

    Sorry, für das OT

  8. vorbei...
    Die Hinterlassenschaften des innovativen Silvio Benigno Crespi
    (italienischer Unternehmer um 1900) sind beispielhaft!
    Er baute die schöne Arbeitersiedlung Crespi d’Adda in der Lombardei.
    .
    Aber nicht nur das Dorf sollte ‚Weltkulturerbe‘ sein,
    nein – auch das Denken dieses Unternehmers!
    .
    http://www.villaggiocrespi.it/gallery/

  9. Titel eingeben
    @colorcraze – ich glaube eher, dass es da ein paar Leute gibt, die den BER Palast absolut nicht wollen. Ich glaube aber nicht, dass Umsteigen/längerfahren deren Grund ist. Diese Leute fahren nicht S/U Bahn. Deswegen interessiert es mich sehr, warum diese gewissen Leute den BER Palast absolut nicht wollen.

  10. Stilfragen
    Die Besitzenden mokieren sich über die hemmungslose Raffgier der Besitzlosen – der Oligarch hingegen, schweigt und lächelt!

  11. Dienstleister
    Letzte Vermieterin vor meinem Wohneigentum hielt sich auch für eine Lehnsherrin und Landlady. Und ich dachte für richtig gutes Geld eine Dienstleistung zu bekommen. Es endete für mich mit der Fragestellung, ob sich Vermieter vorm Urlaub beim Mieter abmelden müssen.

    • wir erlebten es umgekehrt:
      und ließen uns vor Gericht bestätigen daß Mieter sich nicht beim Vermieter vor einem Urlaub abmelden und ihm die Wohnungsschlüssel hinterlassen müssen.
      Unserer Tante war Folgendes passiert: der Hausmeister, der sie beim morgendlichen Verlassen des Hauses beobachtet hatte, rief unmittelbar darnach bei der Polizei an und gab an, er mache sich große Sorgen um die alte Dame, die er tagelang nicht mehr gesehen habe. Die Polizei kam, machte eine Abfrage in allen Krankenhäusern, die selbstverständlich negativ verlief, da unsre Tante lediglich Besorgungen machte. Als sie eineinhalb Stunden später heimkam, hatte die von der Polizei herbeigerufene Feuerwehr gerade die Wohnungstür aufgebrochen. Die Polizei, die mit solchen Aktionen ja auch öfter Leben rettet, hat in diesem Fall in gutem Glauben gehandelt, die Kosten mußte die Tante zahlen und die Böswilligkeit des Hausmeisters erst mal nachweisen.

      Das Mietrecht ist in Österreich noch sehr mieterfreundlich, aber mit solchen Aktionen und mit Anschuldigungen („Anzünden eines Kinderwagens“) wird versucht Wohnungen mit alten Verträgen zu entmieten. Betroffen sind davon vor allem alte, kranke, alleinstehende Personen, auch in kleinen und schlechten Wohnungen, da wegen des großen Zuzugs in Wien auch schlechte Wohnungen in schlechten Lagen gut anzubringen sind.

    • Titel eingeben
      Naja, in Deutschland müsste man da schon handfeste Beweise liefern. Und als Vermieter erlebt man schon auch öfters komische Dinge, zwar nur in einer Minderheit der Fälle, aber doch. Weniger Brand, mehr Wasserschäden.

    • unser Eindruck ist...
      daß Vandalismus und Beschädigung der Wohnung sich auf einschlägige Gruppen beschränkt; bei mittelschichtigeren Mietern gibt es eher Ausnutzen aller rechtlichen Möglichkeiten (z. B. bei der Weitergabe des Wohnrechtes innerhalb der Familie).
      In der Regel sind die Bezirksgerichte, vor denen solche Dinge in erster Instanz verhandelt werden, recht genau, es kommt zu Begehungen der Wohnung durch den Richter.
      Wir kennen den Fall der 78jährigen Kunsthistorikerin der das Abfackeln eines Kinderwagens vorgeworfen wird nur aus den Medien, sind aber geneigt ihr zu glauben, weil Foto vom brennenden Kinderwagen und Aussagen von Nachbar(n) und Hausmeister vermutlich reichen, wenn der Beschuldigte keine Zeugen hat. Der Hausmeister steht im Dienst von Hausverwaltung/inhabung und zu Solidarisierungen zwischen Nachbarn kommt es kaum je, entweder haben die Nachbarn einen neuen (und teurern Mietvertrag) und wenig Mitleid mit dem Billigwohner oder auch einen billigen alten Vertrag und Angst diesen zu verlieren.

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