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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

So gehen Deutsche ein

| 37 Lesermeinungen

Nicht schön, aber für eine ordentliche Oligarchie leider unverzichtbar: Was für viele die kollektive Wir-Weltmeisterschaft ist, ist für die anderen die erfolgreich ruhiggestellte Unterschicht.

Little amuses the Simple.

Generell ist es halt ein Klassenproblem. Mein Leben wird durch die glücklichen Kühe auf der grandios in den Voralpen gelegenen Alm gegenüber meiner Terrasse aufgewertet. Ich kann mir schon irgendwie vorstellen, dass es Menschen gibt, deren Leben schöner wird, wenn schmutzige Leute Bälle auf dem Gras herumtreten. Aber das sagt dann auch einiges über die Qualität des Lebens aus, das davon aufgewertet wird.

Na, wie auch immer:

Das Schild steht jetzt am Eingang des Tegernseer Tales an genau der Stelle, wo im Winter auch die Skicracks, die erfolgreichen Rodler und die unbezwingbaren Langläufer der Region gefeiert werden. Die sind wirklich von hier, die sind unsere Natalie und unser Markus, und wenn man weiter nach Tirol fährt, kommen die Schilder für ihre ebenfalls siegreichen österreichischen Gegner. Jetzt also grüssen die „Dägansäa“, bayerisch für Tegernseer, ihre Weltmeister, denn anderthalb von diesen Söldnern des Sportkapitals leben hier – der eine ist schon da und der andere will bauen, so hat er es beantragt, wenn er denn bei seinem Verein bleibt.

Lustigerweise steht das Schild an so einer Art Himmelspforte, die den typischen Fan den Eintritt untersagt: Nördlich davon ist das Fegefeuer, beginnend mit Dürnbach und Moosrain und dann immer tiefer bis zur Küste für die Normalsterblichen, und erst ab dem Ortsschild von Gmund beginnt der liebreizende Tegernsee, die Immobilienpreise steigen stark an und die Beschäftigungsquote dürfte ähnlich schlecht wie in Berlin sein, mit dem kleinen Unterschied, dass man hier nicht auf HartzIV ist, sondern so vermögend, dass einem andere Freizeitaktivitäten als irgendwelche Fanmeilen zur Verfügung stehen. Die Weltmeister und andere Fussballer, die es hierher verschlägt, suchen nicht den Kontakt mit Fans, sondern üppige Immobilien, Ruhe, Nähe zum Wasser und zum Golfplatz und besonders gute ärztliche Infrastruktur. Ganz normale, gebrechliche Tegernseer also mit dem kleinen Unterschied, dass sie ihre nationalistischen Hänseleien, wenn es verlangt wird, vor den TV-Kameras der Welt austragen. Das wollen die Fans, weil, siehe oben, man sich besser fühlt, wenn man davon ausgeht, dass es anderen schlechter geht.

Da steht also dieses Schild vor dem Tal, in dem die einen leben und die anderen nur zu Besuch sind, und feiert die neuen Weltmeister. In gewisser Weise ist das eine neue Notwendigkeit, denn der alte Weltmeister in der gleichen Sportart ist hier nicht mehr anwesend: Beim Titelgewinn 1974 war ein gewisser Herr Hoeness mit dabei, der mit seiner Steuergeschichte in letzter Zeit ähnlich simplen Leuten ebenfalls zum selbstzufriedenen Wohlbefinden verhalf. Damals delektierte man sich am Fall, damals höhnte es auch schon böse, Gerechtigkeit wurde gefordert und zwar am besten auch sauber gebeugt, nämlich lebenslänglich, wie jeder, der darüber schrieb, von ausrastenden Lesern erfahren durfte. Das gesunde Volksempfinden nämlich möchte nicht nur gebückte Gauchos, sondern unter dem zivilisatorischen Lack auch gebückte deutsche Weltmeister, wenn sie die Sache mit dem Devisenhandel weder der Kanzlerin noch dem Gericht erklären können. So gehen die weniger bemittelten Deutschen, wenn sie sich überlegen fühlen, mit ihren alten Idolen um.

Und das erklärt in der Folge so vieles über unsere Oligarchie. Die extrem prohibitiven Preise im Tal etwa, die man gern zahlt, denn sie garantieren, dass bestimmte Leute eben nicht kommen – selbst wenn hin und wieder so ein umgehauener Fussballtyp hier auf seine Beine gebracht wird, und während der Behandlung mit seinem Lamborghini in Seeglas auf dem Behindertenparkplatz steht. Es erklärt diese gefährliche Mischung aus bitterem Neid und dem Gefühl, selbst mehr zu verdienen, als man hat – sie ist auch der Stoff, der Ehen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Klassen spalten kann. Und es erklärt dieses extrem kurzfristige Mangeldenken, das an jener Stelle einen Helden sieht, da es eigentlich nur einen billigen Marketingtrick der Sportkonzerne erkennen solllte, wie die Angebote für billige Würste, Fahnen und Gesichtsbemalung bei den Gossenmedien. Das ist nun mal kein Fundament für jene Beständigkeit, auf die man bei uns durchaus Wert legt. Sonst wohnte man nämlich nicht hier, sondern zusammen mit Neureichen und anderen Skorpionarten in Dubai.

Auf der anderen Seite vom See und vom Plakat ist der Hirschberg. Da war ich am Montag. Oben steht ein Gipfelkreuz, und darauf ganz schlicht: Gott schütze unsere Heimat. Von dort aus sieht man hinüber zur Neureuth, und wer genau hinschaut, sieht dort auch die kleine Kapelle, die jenen gewidmet ist, die aus den Kriegen nicht zurück kamen. Da steht nirgendwo, dass Gott Deutschland über alles stellen soll, oder die Gauchos gebückt laufen müssen, und die letzten Anstiege sind so steil, dass die meisten ein wenig ausser Atem und mitunter auch gebückt ankommen. Dort oben auf den Bergen wird so demütig um Schutz, um das Überleben und um Gnade für die Toten gebeten, weil der Berg einem diese Demut beibringt. Ich persönlich bin Agnostiker so, wie ich Fussball leidenschaftslos nicht achte, aber ich finde, das hier hat das richtige Mass. Man muss sich nicht Sünden fürchten wie jene, die von sich sagen, sie wüssten den Standort des Autos des Schiedsrichters, und könnten entscheiden, wessen Eigentum sie abfackeln und wessen berufliche Existenz sie vernichten möchten, aufgepeitscht von den Hasspredigern des sog. Sportjournalismus.

Letztlich, denke ich, schützen die uns schon vor sich selbst. Wer den Einpeitschern ihre volkstümlichen Parolen abnimmt, der glaubt auch ihren Anlagestrategien und daran, dass deren Werbepartner nur ihr Bestes wollen, mehr als die Kuh dem Gaucho glaubt, dass der Weg zum Schlachthof gut enden wird. Für die Unzufriedenheit gibt es Ventile, da werden Stars, Politiker und Sportler ruiniert, und für den Überschwang gibt es die Kooperierenden des Massengeschmacks. Es reicht ihnen völlig aus, wenn ihre Masse zu den Gewinnern zählt, und während in Berlin gesungen wurde, habe ich mir gerade die Mietpreisentwicklung angeschaut, die im Jubel keiner mehr bremsen will: Mag sein, dass Gott unsere Heimat schützt, aber ganz sicher nicht deren soziales Weiterkommen.

Bedaure also – pardon, nein, natürlich bedaure ich das nicht, das ist eine reine Höflichkeitsfloskel, das ist nicht so gemeint, das sagt man nur so bei uns, pro forma – ich bedaure also, auch hier kein Teil des Wir-Gefühls zu sein, das andere offensichtlich brauchen. Ich werde ganz ohne diesen #Gauchogate-Mob noch hier sein, wenn diese Fussballer längst weltweit von ihren Sportfirmen verschachert wurden, und es geht mir hier gut, solange die Sonne scheint, ich noch auf die Berge komme und diese Weltmeister da nicht ihre Fans einschleppen. Leute, die sich jetzt selbst für Weltmeister halten.

Samstag, heisst es, wird das Schild bei Gmund wieder entfernt. Gott schütze unsere Heimat.

HINWEIS:

Es gibt dazu auch noch ein spezielles Kommentarblog. Wer meint, hier seinen Blick allzu frech heben zu dürfen, wird  nur die Innenwände des Spamordners erblicken.

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37 Lesermeinungen

  1. Warum denn gegeneinander?
    In dem Bewusstsein, dass Sie, lieber Verfasser, sich vermutlich schon auf die ersten „frechen“ Kommentare freuen, tue ich Ihnen zumindest den Gefallen, überhaupt einen Kommentar zu schreiben.

    Sie haben ganz bestimmt nicht Unrecht, wenn Sie von Sportfirmen sprechen, die die Fußballer inszenieren und Fußball-Fans, die genau nach dem Kalkül dieser Firmen reagieren – oder wenn Sie vom Neid der großen Masse auf die besser Betuchten reden.

    Was ich schade finde (nicht nur in diesem arroganten „von oben nach unten“ Artikel, sondern natürlich auch in den anderen, ebenfalls arroganten „von unten gegen oben“ Artikeln) ist, dass es scheinbar nicht gut MITeinander geht. Was ist denn so schlimm daran, wenn sich Menschen mit profanen Dingen beschäftigen, sich für Sport begeistern, vielleicht auch naiv begeistern, die außerhalb des Alltags nicht nur politische, kritische oder intellektuelle Berichte schauen?

    Ich finde das genauso wenig beleidigenswert, wie ich die Golf-, Alpen- Villaidylle anderer Menschen sehe – soll doch jeder so glücklich werden, wie er will?!

    Es gibt Idioten in jeder Schicht – biertrinkende, grölende / pseudointellektuelle / Prolls… genauso gibt es aber auch die anderen, die man in den Gegeneinander-Debatten, die es so häufig heute gibt, nicht vergessen sollte.

  2. Das "Prioritäten-Setzen", das Unterscheiden von wichtig und unwichtig ist der Knackpunkt.
    Wenn am Herd die Milch überlauft, hebt man den Topfvon der Herdplatte – absolut egal was in der Glotze passiert.

    In Deutschland ist es aber so: Wenn Millionen der Fußball-WM folgen, macht die Politik Weichenstellungen. Weil es zu diesem Zeitpunkt den Bürger nicht interessiert.
    Die Suppe muss der dumme Bürger aber hinterher auslöffeln.

    Das ist zwar heimtükisch – aber leider Fakt.

  3. Fußballheilige
    Aus meiner subjektiven Sicht war unsere Mannschaft bei der WM ein Bringer für das Land, und der Jogi Löw mit seinem adretten Auftreten und Unterstatement einfach nur sympathisch.

    Um so mehr hat mich das prollmäßige Schauspiel am Brandenburger Tor mit all den fetten Sponsoren-Insignien und der dürftigen Schlagerbeschallung wieder auf den Boden der deutschen Tatsachen gebracht. Die Gaucho-Nummer empfand ich besonders in der Wiederholung geschmacklos, auch wenn da persönlicher Rempelfrust mit im Spiel war.

    Den Don kann ich allerdings gut verstehen, nach der Lektüre von „So gehen Gauchos“, der Fernsehkritik von Frank Lübberding. Was da so an Kommentaren abgesondert wird, erinnert einen doch sehr an den unseligen Mief aus vergangenen Zeiten. Schade drum, denn Lübberding hat etwas überspitzt, auch mein Unbehagen an dieser Tor-Inszenierung zum Ausdruck gebracht. Kritik an den Fußballheiligen wird sofort als Nestbeschmutzung empfunden und die angebliche Gelassenheit ist dann auch wieder futsch.

    • Der verniedlichte deutsche Nationalismus
      Genauso sehe ich das auch. Hab mich daher dort ziemlich unbeliebt gemacht. Doch wichtiger finde ich eigentlich diesen Zusammenhang, zitiere da einen anderen Beitrag von mir (vgl.: http://blog.herold-binsack.eu/2014/07/ein-faules-spiel/):
      „Ein faules Spiel
      Was sich hier zeigt, ist der ideologische Kampf um die Deutungshoheit/die Interpretation bzgl. dessen, inwieweit wir „alle Weltmeister sind“, wie uns ja immer wieder versichert wird, von Seiten der National-Elf. Also ich persönlich bin kein Weltmeister geworden, obwohl ich Deutscher bin und mit der deutschen Mannschaft gezittert habe. Gezittert nicht, weil sie die National-Elf ist, sondern weil mich ihre Spiele überzeugt haben, und ich der Meinung war, und immer noch bin, dass sie diesen Titel sich verdient haben. Die Bescheidenheit Müllers hatte mich besonders beeindruckt. Doch dann das Erschrecken. Derselbe Müller spielt unterm Brandenburger Tor (!) plötzlich ein ganz anderes Spiel. Für seine Überheblichkeit bekommt er von mir, stellvertretend für die ganze Mannschaft, jetzt die gelbe Karte. Und auch der Versuch der Deutschen Nationalismus als Patriotismus zu verniedlichen, scheint ein faules Spiel zu sein. Bleiben wir wachsam.“

    • Mücek zum Elefanten
      Eine Rose ist eine Rose… und Fußball ist Fußball… Ein herrliches Drama, das etliche schätzen, was sich wiederum anderen verschließt.

      Ja, man kann mitfiebern, das ist sogar schön. Und man kann seine Heimat und die Mannschaft der Heimat lieben.

      Aber man kann sich auch alle kompliziert machen, und seinem Unverständnis viele Argumente finden. Nur zu, das schöne Fußballspiel, das Laufstärke, Mannschaftsgeist, Strategie und Können am Ball kombiniert, wird das nicht stören. Und die Freunde des Fußballs auch nicht.

      Und ich finde es keineswegs gering zu schätzen, sich mit seinem Favoriten zu freuen.

      Sich über die Gauchonummer zu ärgern, ist das eine; sich genauer zu fragen warum, das andere.

      Übrigens kann man gute Literatur, Oper, Klassik und Fußball lieben. Und zwar zugleich. Oder auch nicht. Was ist daran so besonders?

      Geschätzter Don, dies ist ebenfalls Antwort auf Ihren Artikel, der mich leider – und das ist keine Floskel – nur mäßig anregte.

  4. Man muss relativieren.
    Ich glaube, dass es sich hier zu einfach gemacht wird, die scheinbar zügellose Hand der bestimmenden Politik als schamlosen Nutzer des neuen Prinzips von „Brot und Spiele für das Volk“ darzustellen.
    Es ist doch so, dass ein Mensch, nur weil er Fußballfan ist und sich für eine Weltmeisterschaft interessiert, die – am Rande erwähnt – nur alle 4 Jahre stattfindet, nicht auch automatisch unpolitisch oder gar ignorant ist.
    Das unbestreitbar fehlende Interesse der Bürger in die Politik liegt nicht an irgendeiner Sportveranstaltung.
    Es liegt daran, dass den Menschen schlicht und ergreifend die Politik, durch die Undurchsichtigkeit ihrer selbst und durch die fehlende Notwendigkeit sich mit ihr auseinanderzusetzen „denn uns geht es ja noch vergleichsweise gut und egal, was ich wähle, es ändert sich ja sowieso nichts“, immer fremder und entfernter erscheint.

    • Hmja, diesen Mangel an Attraktivität und diese Borniertheit der Politik sehe ich auch. Dagegen sieht sogar ein Fussballer gut aus, und das Treiben versteht auch jeder.

    • Einspruch!
      „Es ist doch so, dass ein Mensch, nur weil er Fußballfan ist und sich für eine Weltmeisterschaft interessiert, die – am Rande erwähnt – nur alle 4 Jahre stattfindet, nicht auch automatisch unpolitisch oder gar ignorant ist.“
      .
      Ist es tatsächlich so?
      Ich meine, diese Fans haben tatsächlich nicht viel in der Birne, außer Fußball, Grillen, ihr Auto, Mallorca-Urlaub, die Blödzeitung und Fernseh schauen, meist die Deppensender (also die meisten)…
      Disclosure: ich komme ursprünglich aus der Welt dieser Leute, bin darin geboren und aufgewachsen… und froh, dass ich diese Deppenwelt hinter mir habe (war schwer genug).

  5. unten im Tal steht auch ein Kreuz
    und da steht drauf:
    Gott schütze uns vor Don Alphonso und seinem Hass

  6. Bitte Artiiel in Zukunf nur noch in Italienisch. Gilt dann auch fuer Kommentare
    Beim gut gemachten Kommentarblog war ich ob der Sprachmischung enttaeuscht. Ich bitte um Abaenderung im Sinne drr Uberschrift.

    • Das ist einfach eine gaudi, bitte nicht ernst nehmen. Ich bin halt oft in Italien, deshalb.

  7. We are the Champignons
    Was der Autor übersieht: Die Leuchten des Fußballs haben eine so kurze Brenndauer, dass sie ausgezeichnet zu unserer Wegwerfgesellschaft passen. 95-jährige kettenrauchende Stürmer, auf deren Weisheit man heute noch hört, sind eher selten anzutreffen. Auch wenn Mario Basler sich alle Mühe gibt, dahin zu kommen. Und man gönne uns bitte jedes auch noch so falsche Glücksgefühl. Schließlich sind wir Deutschen das Volk mit den vollsten Hosen der Welt. „German Angst“ ist ein weltweit bekannter Begriff, Panik et Circensis unser Lebensmotto. Wenn gewisse temporäre Ikonen in einer Art landschaftlichem Wechselrahmen geparkt werden, so ist dagegen nicht das geringste einzuwenden. Auch des Kaisers neue Kleider brauchen eine standesgemäße Garderobe. Warum sollte man sie also nicht dort ansiedeln, wo sie den Blicken des Pöbels entzogen sind und wachsame Eingeborene die Abreisshelden vor zudringlichen Projektionsweltmeistern beschützen. Und dazu noch Gott als Security. Oder zumindest einer seiner Stellvertreter. Lieber Don Alfonso, sehen Sie doch bitte daher nicht alles so negativ. Denken Sie an die nachhaltige Wirkung. Früher hatte ein benachbartes Gewässer Ludwig II. als Visionär, seine Schlösser besuchen wir heute noch. Und wenn in 5000 Jahren Archäologen einen Rollstuhl unter einem Lamborghini ausgraben, wird auch der schöne Tegernsee Berühmtheit erlangen.

    • Naja, ich glaube, wir leben wieder in so einer Umbruchzeit. Die Schlösser von Ludwig II waren jenseits der realen Epoche der Industrialisierung angesiedelt, und wir spielen bergsee und Kurfreuden in der Epoche der Digitalisierung. Wir glauben an die besseren Kreise, werden aber links von Tattooträgern und rechts von Internetunternehmern überholt. Das hier ist eine art Rückzugsraum, um angenehm zu verschwuinden, und ich erzähle die Geschichten, so lange wir noch da sind.

    • "Angenehm verschwinden"
      „Das hier ist eine art Rückzugsraum, um angenehm zu verschwinden, und ich erzähle die Geschichten, so lange wir noch da sind.“ Also doch mehr romantisch als revolutionär?!

    • "Angenehm verschwinden" - 2. Versuch!
      „Das hier ist eine Art Rückzugsraum, um angenehm zu verschwinden, und ich erzähle die Geschichten, so lange wir noch da sind.” Also doch mehr romantisch als revolutionär?!

  8. Vorsatz?
    Vielleicht ein Zufall, aber während der WM konnte Israel relativ unbehelligt gegen Gaza vorgehen. Vielleicht einfach ein „glücklich gewählter“ Zeitpunkt? In allen Medien (TV und Printmedien) war das wichtigste in den Nachrichten die WM. Dann irgendwo unter „ferner liefen“ musste noch über den lästigen Nahost-Konflikt berichtet werden, der einem dann ein bisschen die Stimmung verdarb. Jetzt nach der WM können sich alle aber wieder moralisch korrekt über den Konflikt echauffieren.

  9. Korrupt vs. korrumpierbar
    Wer es schafft mit seiner Leistung über
    30 Mio. Zuschauer vor die Bildschirme
    zu bannen, hat zumindest Respekt verdient.

    Übler ist es, wenn täglich Tausende aufstehen
    um bisher positiv belegte Begriffe wie Gleichberechting,
    Chancengleichheit, Rechtssicherheit, Asyl gewähren,
    Flüchtlingen helfen mit ihren Forderungen,in ihr Gegenteil verkehren.

    • 1. sehe ich da Überschneidungen in beiden Gruppen und zweitens sagte mal ein kluger Mann

      „Freedom is a road seldom traveled by the multitude“

      Auf dem Rasen sind Unternehmer, die sich sehr gut massentauglich vermarkten, im Rahmen einer Unterhaltungsindustrie. Das machen Pornostars, Rechtspopulisten und Schlagersänger auch. Trotzdem habe ich keine Achtung vor Heino oder haider. Aber Sasha grey schreibt jetzt immerhin Bücher. Da empfinde ich schon eine gewisse Achtung.

    • Freiheit
      …ist ein schweres Geschäft.

      Im Alltäglichen ist man schon damit ausgelastet
      sein eigener Anwalt zu sein.

    • wg. bedrucktem und eingebundenem Papier?
      Andere schreiben auch Bücher (Schramm, ex-Frau-Wulff, Herr Wulff, Bohlen und zig andere Nichtige); davor muss man keine Achtung haben. … Es sei denn das Buch ist wirklich gut.
      (PS: nach „Sasha grey“ musst ich erst im Netz suchen).

    • Wo ist die logische Gegenprobe?
      Aber bitte Do,

      das ist alles schon seit Jahrzehnten so sattsam diskutiert, dass das Ihrige leider enttäuscht. Ja, auch auf Bühnen sind teure Könner, die sich vermarkten lassen. Das stört Sie dort nicht. Und es stört leider – wider keine Floskel, dass Sie dieses Sie Nichtstören nicht sehen. Aber das Unternehmertum rankt sich auch dort schlicht um Können, das attraktiv ist.

      Es gibt sehr Vieles, dass an diesem Spiel (es ist eben nicht nur eine Schau) attraktiv ist. Sehr Vieles.

      Zum Glück ist die Welt bunt und hat Verschiedenes zu bieten. All jenen die das Fußballspiel lieben nur zu unterstellen, sie seien von simplem Gemüt und würden dumpf Millionären bei der Arbeit zuschauen, ist eben nicht überzeugend. Es zeigt eher, dass man seine Vorurteil gern mit vielen Mitteln bestätigt sehen will. Das nennt sich wissenschaftlich Bias (was Sie natürlich vermutlich wissen).

      Am Ende kommt dann immer die Argumentation von Brot und Spielen, mit denen Dumme still gehalten würden; die bösen Hintertanen, die den Schatten des Spektakels ausnutzen (solche Ereignisse werden tatsäächlich gern genutzt – ein kluger Ratgeber muss das sogar in Kalkühl ziehen) usw. usf.

      Zu einem möchte ich Ihnen gern genau widersprechen: Fußballfreunde unterschreiben nicht durchweg jeden Unfug. Es sind in der Masse so Viele, dass allein die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass sich darunter nicht nur Dumme befinden. Und man kann sich sogar fragen, ob sich wirklich alle simplen Gemüter für Fußball interessieren würden. Aber das würde einen ja auf ganz entsetzlich dumme Ideen bringen. Etwa der, dass man der Sache so nicht beikommen kann.

      Hochachtungsvoll – azur

    • ...und hier die Antwort:
      „Und man kann sich sogar fragen, ob sich wirklich alle simplen Gemüter für Fußball interessieren würden.“

      Antwort: ja.

  10. Die Sicht eines Alm-Öhi
    „Aber das sagt dann auch einiges über die Qualität des Lebens aus, das davon aufgewertet wird.“

    Da sitzt aber einer auf einem verdammt hohen Ross oder ist die Luft da oben schon so dünn, dass dies zwangsläufig zu einem peinlichen Überlegenheitsgefühl führt bzw. nur die Innenwände des eigenen Schädels noch relevant sind?

    Wie war das mit „Wer sich selbst erhöht…… ach vergessen man ist ja Agnostiker.

    Als Satire geht es ja durch aber falls es wirklich ernst gemeint sein sollte.

    Habe früher gerne Urlaub in den Bergen gemacht, bin mir da jetzt nicht mehr so sicher.

    • Die Tegernseer Tal touristik wird es überleben.

      Ja. Das ist nun mal so. jeder setzt seine Prioritäten anders, der einen feiert oder verbringt Tage vor der Glotze, der andere wundert sich, dass sowas schon als Basis der Freude reicht.

      Was ist eigentlich an einem niedrigen Ross so gut, wenn man da genauso übel fallen kann, wenn daneben gleich der Abgrund ist?

    • Einzelfallbetrachtung
      Und wenn Sie (Touristik) es nicht überlebt, umso schöner man ist ja lieber unter sich.
      Des einen Freude ist des anderen Hass, oder etwas kleiner, emotionale Ablehnung
      einer in Summe maximal schönen Nebensache.
      Aber genau diese Wertigkeit die Sie dem ganzen Absprechen, lassen Sie Ihm mit Ihre vollen
      „abgrundtiefen“ Häme an Aufmerksamkeit zukommen.
      Das niedrige Ross vermittelt Bodenhaftung, die man auch beim geistigen levitieren nie ganz verlieren sollte.
      Ja und wenn dann dort ein Abgrund ist, hat man sich vorher wenigstens nochmal richtig gefreut.

    • Hier spricht ein Nicht-Almöhi:
      Werter Peter Fischer,
      hohes Ross, das kann man so sehen, muss man aber nicht. Halte das von Ihnen für ein nicht ganz überzeugendes argumenum ad personam. Weil man den Don halt für einen Snob hält. Wer Holz hackt, Germknödel futtert und sich über Wassersommeliers lustig, ist ein meinen Augen keiner, sondern sogar verdammt bodenständig und hat meine Zustimmung als Bildungsbauer.

      Habe selbst früher Fußball gespielt, saß als Kind gebannt am Radio und verfolgte begeistert die Spiele. Man kann also nicht behaupten, dass ich ein generischer Fußballfeind bin. Was heute jedoch an Marketing-Gedöns, 3-Farbschminke und künstlichem Wir-Gefühl transportiert wird, das ist ebenfalls nicht mehr mein Fußball. Und ich sitze nicht am Tegernsee, sondern lebe bescheidener.

      Das Goucho-Ding, ja mei, die Fangesänge beim Eishockey sind auch nicht ohne. Das zu sagen klingt nach nervigem Relativieren. Doch wer nie Mannschaftssport trieb wie der Don oder nie im Stadion war, der ist da wohl nicht sonderlich abgehärtet^^. Der ist da halt sensibel.

      Und diese Sensibilität ist richtig. Diese Mediengschaftlhuber samt ihrer Gaudi- oder Krawallfans, die sich bereitswillig vom Marketing ein dreifarbiges Deppengesicht aufmalen lassen, brauchen schon auch mal eine saubere Rückmeldung, wie ihr Treiben so wirkt. Nämlich dämlich bis reichlich unangenehm, die Schiebe-Skala ist weit.

      Gruß
      Der Kater

      Disclaimer:
      Anders als der Don bin ich ein ausgesprochner Nicht-Almöhi und komme auch nicht aus sogenannten besseren Kreisen – sondern bin dem Fußball schon auch zugetan. Zugetan aber eher in dem Sinn, dass man ihn selbst spielt und Spaß dabei hat. Nicht als Sofa- und Public-Viewing-Sportler, der sich im Wir-Wahn seinen Wanst mit Biligbier zukippt, fett wird und damit seiner Krankenkasse auf die seidenen Senkel geht.

  11. Danke!
    Danke für diesen Artikel!
    Sicher ist es schön, wenn Sportler erfolgreich sind, aber was im Fußball abgeliefert wird ist eine öffentliche Leichenschau.
    Da werden die Spieler nochmal und nochmal vor die sog. Weltmeisterfans gezerrt, hauptsache die Einschaltquote stimmt! Der Sport ist doch nebensächlich geworden, gewinnen müssen sie, damit die Fans was zum kreischen haben und die Sponsoren und Merchandisingfirmen noch mehr Geld umsetzen können.
    Und sobald hier wieder alle aus dem Fußballkoma erwacht sind, geht wieder das Geleier los, was die Politik in der Zwischenzeit alles durchgewunken hat, denn es hat ja keiner hingeschaut. Dafür war man beim Public Viewing, hat sich toll gefühlt und diversen Anwohnern die Nachtruhe versaut.
    Wehe dem der die heilige Fußballkuh schlachtet!

  12. keiner
    Entschuldigung das ist mein erster Netzkommentar aus folgenden Grund.
    Ich finde es eigenartig sich über Menschen zu ärgern die sich sehr einfach eben über eine nebensache wie Fußball freuen.Als einer der eine andere Sportart liebt habe ich Achtung vor dem Willen und der Leistung die erbracht werden muß um Weltmeister zu werden.Wem Fußball nicht interessiert der darf sich eben andere Erfolge freuen.
    An die Leute die im Bereich Tegernsee leben die Bitte nicht zu vergessen das die Leute die dort Immobilien erwerben das Geld sehr oft über Werbegelder verdienen(siehe Profisportler)da gehören auch Skiläufer dazu .Es gibt auch den Spruch :Fußball kann jeder (Wunschsportart einfügen)nur die Elite. Lieber Verfassen ich gönne Ihnen Ihre Heimatliebe ,ich habe bewusst meinem Erzgebirge die treue gehalten ,habe einen kleineren See direkt am Haus ,habe genug Platz für 3 Generationen ,bin nicht so auffällig wie ein Bayer und freue mich täglich das ich gesund und munter seit Jahren hier sein darf.
    Ich wünsche Ihnen möglichst viel dieses Gefühls um zur Ruhe ,zu Toleranzfähigkeit und später dann zu einen Miteinandergefühl ohne chronische Überheblichkeit zurückzukehren .Ein wirklicher Gebirgsmensch zeigt Größe mit Verständnis und Hilfsbereitschaft.Ein schönes Wochenende allen Lesern

  13. Glück allein
    Allein der Götzes Kick in der 113. Minute hat den ganzen Aufwand gelohnt. Als Rennradfahrer sollte man etwas nachsichtig sein.

  14. Würden Sie es als bedauerlich empfinden?
    Sehr geehrter Don,

    würden Sie es als bedauerlich empfinden, wenn Ihre Antwort nicht erscheint? Es ist mir nicht recht erklärlich.

    Freundliche Grüße – azur

  15. Ein sachlicher Bericht, dem viele ganz einfach nur rückhaltlos zustimmen werden, bremsfrei.
    Wobei da – und sicher nicht zu Unrecht – auch dieses Wort von der „Entwicklung“ fiel. In der Tat eine ebenfalls weithin und vielfach beachtete Tatsache.

    Die ggfls. dem ein- oder anderen in letzter Zeit auch schon einmal wieder Gelegenheit gegeben hätte, bei sich selbst über die teils auch ganz unterschiedlichen Dimensionen und Vorstellungen „von Glück und Zufall“ zu räsoieren.

    Glück hätte dann, nach einer ggfls. legitimer Weise auch möglichen Definition, z.B. diejenigen Eigentümer gehabt, welche in den letzten sechs oder neun Monaten zufällig überdurchschnittlich häufige Mieterwechsel bei ihren vermieteten Wohnungen zu beklagen gehabt hätten – sicherlich viel Arbeit auch für die damit Beschäftigten, aber gerade in der heutigen Zeit noch besonders lohnend in dem ein- oder anderen Fall.

    Nicht, dass hier Un- oder Übermenschliches verlangt wäre der würde – aber der Markt erwartete ja nun einmal konkurrenzfähige Preise auf dem allgm. Niveau, schon als Ausweis von Qualität.

    Der Tegernsee, unser Tegernsee – neuerdings bremsfrei bergauf. Und mit wohlfeilem Fotoapparat für all die schönen Bilder, wie wunderbar!

  16. Oder blühen auf - endlich den, im Grunde bekannten, Westvierteltext über Schopenhauer wiedergefund
    wobei, so ganz „reinrassig Westviertel“ war der S. auch nicht, zu selbstbewussst und unangepasst teils auch.

    Aber, wie dem auch sei: Es war ja inzwischen sicher auch noch dem Letzten aufgefallen, dass die Texte der Kunstperson don A. wohl vor allem deshalb auch so anziehend und überzeugend wirken, da sie – auf teils wunderbar-vorbildlich unbewusste weise eben auch – mit den beiden Lebensparadigmen von „Bourgois“ und „Bohemien“ spielten.

    Und im einen Augenblick wäre die Kunstfigur „Bohemien“, lebte ihren Launen und Marotten – und im nächsten wiederum wäre sie „Bourgois“ – also macht-, status-, klassen- u. finanzsicherheitsbewusst.

    Und dass und wie beide miteinander konkurrierten, korrespondierten, konferierten – oder eben nicht – wäre eben das eigentlich attraktive.

    Eben auch, weil mancher womöglich imer noch meinte, die Kunstfigur würde ihm auch schon einmal raten in eine gewisse, hüstel „Nachfolge“ einzutreten – was natürlich überhaupt nicht der Fall wäre – und solcherart über das Leben, sich selbst und überhaupt noch Un- oder Weniger-Unterrichtete, Auskunft geben wollen oder Vorbild sein. Und solche dann ganz klassisch auch schon mal Anzeichen leichter Verwirrung zeigten, wie es denn nun für Sie gemeint sein könnte – dabei war natürlich überhaupt nichts „für Sie“ gemeint.

    Denn „ich spreche immer nur von mir und für mich“, so wüsste es jeder große Autor irgendwann öffentlich festzulegen – den anderen die Last der Arbeit an sich selbst und am Text gefälligst auch weiterhin zuzumuten -ohne dass die Aussage desshalb tatsächlich zur Gänze der Wahrheit entsprechen müsste.

    Schopenhauer über „finanzielle Unabhängigkeit“ also – genau genommen war dessen ganzes Leben also dafür Beispiel – und die Texte nur „das drauf aufgesetzte“, das „dem drüber hinaus abgerungene“.

    „Seinen höchsten Wert aber erlangt das Vermögen, wenn es dem zugefallen ist, der mit geistigen Kräften höherer Art ausgestattet, Bestrebungen verfolgt, die sich mit dem Erwerbe nicht wohl vertragen.“ Bei dieser Beschreibung hatte Schopenhauer den einzigen Menschen vor Augen, der ihm wirklich nahe stand, nämlich Schopenhauer. Er tat etwas für sein Geld, fand er; sein Leben diente der allgemeinen Wertschöpfung, ja glich einem „Monodrama“ …“

    Wobei S.’s Vorbild eben auch ein Beispiel ist für das unauflösliche In- u. Durcheinander, welches Markt- u. Menschentum heißt: Derjenige, der hartnäckigst sein Vermögen gegen andere verteidigte, wäre dann, wie bekannt, ggfls. auch schon mal der Asoziale im Verhältnis zu allen anderen, die mit einem pleitierenden Bankhause (vorschnell billige) Vergleiche schließen wollten oder würden.

    Wobei S. noch weiterging. Aktiv auf das durchschnittliche Massenverhalten der anderen spekulierend – eigentlich: mit Sicherheit darauf setzend – verweigerte er dem Bankier Muhl, Danzig, überhaupt jeden Vergleich – kalkulierend, dass der auch durch die Verzichte der anderen alleine wieder solvent werden würde – und er, S., zu 100% im Besitz seines Vermögens bleibend. Und so geschah es.

    Und so erzählt es in Europa heute der Vater dem Sohne.

    Nichts neues unter der Sonne also. Schon im alten Ägypten meißelten schließlich überall freischaffenden Künstler, die vom Hypothekenzins auf Mietpyramiden für andere lebten, wie wir seid neuestem wissen.

    http://tinyurl.com/mn2b745

    Seine Vermögen erst hätten den Schopenhauer „zum Einzelgänger“ gemacht – wahrscheinlich war der von Natur aus gar nicht so – nur die anderen waren so anders, im Vergleich. „Dessen Berg war halt in Frankfurt/Main“ – dürfte, könnte man hier und heute so sagen? (http://tinyurl.com/ln7g84r)

    • "S."
      Sie wissen ganz toll viel über S.
      Nur, was hat das mit dem Fußballdeppen-Beitrag zu tun?

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