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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Halbnackte in Stretchlimousinen und Öl

| 53 Lesermeinungen

Bauen, Brauen, Sauen.
Lion Feuchtwanger, Erfolg.

Ich müsste, sage ich meiner Gesellschaft, noch einen Moment in die Bank und eine Kleinigkeit überweisen.

Soso, meint die Gesellschaft und wartet indiskret darauf, dass ich mich dazu näher einlasse. Es könnte ausnahmsweise einmal sein, dass ich eine sinnvolle Transaktion tätige, seien es Aktien oder Verlobungsringe oder Kinderwägen oder mit was auch immer einen die nachwachsende Generation mit ihren konservativen Lebensvorstellungen unter Druck zu setzen beliebt, und das ändert auch bei uns etwas die Erwartungshaltung. Hemmungslose Lust und Egomanie des Singledaseins entsprechen nicht mehr dem Zeitgeschmack, wie auch die fülligen Körper des Barocks, um die es beim Verwendungszweck geht: Ich bezahle nämlich sieben halbnackte Frauen. In Öl auf Leinwand. Aus dem Hochbarock. Ein Händler hatte bei all dem nackten Fleisch nicht verstanden, dass es sich bei dem Motiv um die Auffindung Moses handelt. In jener Epoche hat man diese Szene so verwendet, wie man heute in meinen Kreisen Abendkleider bei Silvesterkonzerten benutzt: Zum genaueren, sozial akzeptablen Studium von Frauenkörpern nämlich. Den kleinen, im Nil schwimmenden Moses sieht man vor lauter praller Haut nicht. Hätte der Händler die Szene entschlüsselt und hätte er bei Google nach dem Motiv gesucht, wäre er vielleicht auf eine Auktion gestossen, bei der das Original aus der Hand eines gewisse Pietro Liberi – ein Spezialist für lüsternes Fleisch in Moral vortäuschender Verpackung – so viel wie eine kleine Wohnung in München gekostet hat, und dann hätte er auch eine entsprechend schlechter gemachte Kopie aus dem Umkreis nicht so wurschtig in der stillen Zeit verramscht.

mosesa

Aber so ist es nun mal im finanziellen Bodensatz der besseren Kreise: Relative Armut kann, gepaart mit etwas Sachkenntnis, auch den ein oder anderen Zahnarzt übertreffen. Entsprechend bedenkenlos gehe ich zum Überweisungsautomaten, an dem schon eine leere Wodkaflasche von den weiteren Freuden des Abends bei anderen Menschen kündet. Ich will das hier auf keinen Fall verurteilen, ich bin auch noch ganz betrunken vom schweren Parfum der Begleiterin, und dagegen, auf den Liter berechnet und verglichen, ist Wodka spottbillig und macht vermutlich auch nicht weniger süchtig. Wodka spricht andere Sinne an, aber das macht er fraglos gut und funkelt für die Konsumenten nicht weniger verführerisch als der alte Diamant auf recht anregender Haut, und jene, die ihn konsumierten, werden sicher auch heute Nacht ihr Vergnügen finden.

Nochmals andere werden mit Schwarzpulver gefüllte Gegenstände anzünden und wie man weiss, vergessen, diese zu werfen. Oder sie gegen andere werfen. Das macht die Haut dann auch prall und das weiss auch jeder, und trotzdem gilt die Ballerei als sozial akzeptabel. So akzeptabel, dass man sie ins Krankenhaus bringt und auf Kosten der Allgemeinheit hegt und pflegt und wieder herstellt, selbst wenn sie eine Flasche Wodka getrunken und sich ihre Verletzungen mit einem illegalen Polenböller zugefügt haben. Es sind diese Abende, die die ganze Spannbreite unserer formal klassenlosen und solidarischen Gesellschaft vorführen: Die einen dürfen ins Konzert und die anderen in die Notaufnahme, und jeder bekommt, was er braucht. Wollen Sie eine Quittung, fragt mich der Automat, und weil mich mein Verhalten keine Finger, sondern nur Geld kostet, drücke ich auf Ja.

mosesb

Draussen fröstelt die Begleitung und starrt hinüber auf die andere Strassenseite, wo während meines Konflikts mit BIC und IBAN ein überlanges Automobil vorgefahren ist, und ein halbes Dutzend junger Leute ausgespuckt hat. Sie sagt nichts dazu und muss es auch nicht, denn es ist offensichtlich, dass dieses Automobil mitsamt Fahrer kein Eigentum, sondern nur gemietet ist. Da gibt es also junge Leute, die an so einem Abend nicht umhin können, eine derartige Blechbüchse zu bestellen, darin Alkohol zu trinken und sich durch die nur mittelimposante Skyline meiner kleinen, dummen Heimatstadt an der Donau chauffieren zu lassen. Morgen mögen sie dann vielleicht wieder überlegen, wie man die Altersvorsorge sichert, aber diese Nacht ist anders und sie leben nur einmal, selbst wenn ich dem Blick meiner Begleiterin entnehme, dass ihr das dieses Leben entschieden zu lang ist. Die Insassen trinken aus Flaschen und sind zudem nicht ganz dezent, was ihre Lautstärke angeht. Das wirft nun einmal, auch in dieser Nacht, Fragen nach dem Erfolg ihrer Erziehung auf.

Aber es ist auch nicht anders als beim Polenböller oder beim Wodka oder bei der Endreinigung des Gefährts oder beim Wegwerfen von nur einmal, für diesen einen Zweck erworbenen Glitzerkleidern in Boutiquen, die „Hollywood“ heissen: Nur weil es uns nicht gefällt, ist es noch lange nicht inakzeptabel. Es wäre natürlich interessant, einmal die Preise zu vergleichen. Kostet ihr Alkohol mehr als unsere Konzertkarten? Sind die billigen Fetzen angesichts der begrenzten Verwendbarkeit nicht teurer als Abendkleider, die im regen Konzert- und Opernbetrieb jede Woche benötigt werden? Und sind meine sieben barocken Damen in Anschaffung und Unterhalt während meines restlichen Lebens nicht günstiger als der Versuch, auch nur eine einzige Frau in so einem Gefährt in einer bis dato zum Glück nur von Wodka geschwängerten Nacht zu verführen? Und wie verrechnet man die Videos, die davon später im Netz kursieren, in Hinblick auf kurzzeitigen Eindruck im Freundeskreis und langfristiges Sozialprestige des Clans? Die armen Eltern. Wer könnte das wohl sein und kennen wir deren Freunde, um sie zu warnen?

mosesd

Das sind nun einmal unsere gesammelten Vorurteile und Regeln, gegen die hier und besonders an solchen Tagen gern und heftig verstossen wird. Das ist nicht neu, schon Breughel malte seine tanzenden und trinkenden Bauern nur, um den höher gestellten Herrschaften im Sinne von Sozialporno vorzuführen, was man da unten tat. Was ich aber wirklich erstaunlich finde, und was sich seitdem zumindest in den vermögenden Regionen geändert hat: Das Fehlverhalten ist richtig teuer. Es ist aus unserer Sicht nicht nur so, dass man das nicht tut, sondern dass man es sich zusätzlich zum gewohnten Leben gar nicht leisten würde. Bei uns gibt es gewisse Grundbedürfnisse, die befriedigt werden, und den Wunsch nach einem massvoll, aber beständig wachsenden Vermögen. Wollte man wirklich nun auch noch zu denen in Konkurrenz treten, und zwar nicht nur auf deren von MTV und Fernsehserien vorgegebenen Niveau, das ab und zu mit Mietkomparsierie nachgespielt wird, sondern richtig – wird das ausgesprochen teuer.

Niemand weiss das übrigens besser als diejenigen in meinem Umfeld, die hochzeitstaugliche Anwesen, Güter und Schlösser besitzen und finanzieren müssen: Sollte nämlich auf der Sitzbank in diesem Gefährt wirklich etwas schief gehen und wäre dann eine Hochzeit fällig, kommen diese Leute zu ihnen, und wollen für den schönsten Tag im erst mal nüchternen Leben den vollen Service und Anschein der Gediegenheit, ohne zu ahnen, was so ein originalgetreuer Verputz nach Vorbildern der Renaissance oder ein Denkmalschutzfenster heutzutage kostet. Trotzdem, an diesem Tag möchten sie dann nicht mehr Wodka aus der Flasche trinken, sondern die besten Gläser und das feinste Porzellan und sieben Gänge, damit sie dazwischen Selfies und Videos machen können. Natürlich bekommen sie trotzdem nur Pressglas und Blechbesteck. Aber da ahnt man den sozialen Druck, der entstünde, würden sie wirklich ihren sozialen Aufstieg auf unseren Wegen und nach unseren Regeln angehen: Dann müssten wir mit ihnen konkurrieren. Und eigentlich möchte ich mich still ohne weitere Konkurrenz über meinen Liberi freuen, und dass sich diese Leute weiterhin in ihren seltsamen Gefährten selbst wegsperren.

mosesc

Es nimmt einfach den Druck aus unserem Dasein, und schon jetzt ist es nicht leicht, gute Opernkarten zu bekommen. Ich war letzte Woche in der Pinakothek, sie war ohnehin schon zu voll, und nur mit Mühe bekamen wir einen Platz im Cafe Klenze. Ich möchte mich im Antiquariat nicht um die Jesuitenliteratur des Rokoko prügeln, und wenn ich verschlafe und meine bevorzugten Händler auf dem Antikmarkt erst beim einpacken erreiche, sollen sie mir nichts von jungen Leuten erzählen, die auf die Stretchprollkutsche verzichteten und lieber die barocken Messingleuchter kauften. Eigentlich, so sind wir dann überein gekommen, ist es doch nett, wenn der Kapitalismus auf dem schmalen Weg zur Elite ein paar mit zu knappen Kleidern und Wodkaflaschen gepflasterte Autobahnabfahrten Richtung Konsumhölle einrichtet, die immer hell beleuchtet ist und stets das Neueste bereit hält.

Draussen sprengen sie sich jetzt die Finger mit Schwarzpulver ab. Jedes Schüsschen ein Todesküsschen, jedes Stösschen ein Neuröschen.

Ach so, frohen Neues, alles Gute für das kommende Jahr und immer eine Handbreit Edelmetall unter dem Bug des sinkenden Euro-.Kahnes.

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53 Lesermeinungen

  1. Frohes neues Jahr
    Don,

    jetzt bin ich doch etwas enttäuscht, denn soziale Abgrenzung bezüglich jugendlicher Limousinennutzer kenne ich bisher nur aus der gemeinen Mittelschicht. Derer ich ja zu entfliehen versuche um endlich in Ihren Kreisen frei von Identifizierung mittels Abgrenzung zu sein.
    Tja.

    Whatever, ich persönlich kann im Winter ganz gut mit den temporär auftretenden Böllerfreunden leben, denn in den langen kalten Monaten ist man befreit von älteren Herren die ihre Weisswurstkörper in farblich wenig dezente Presswurstanzüge stecken um dann auf ebenso wenig dezenten Zweirädern mit überhöhter Geschwindigkeit und lauten Gebrüll „Aus dem Weg“ meine Lauf – und Wanderwege besetzen.
    Wenn ich dann diesen Risikosportlern nicht ihren Wunsch entsprechend den Weg frei mache und sie folglich am, im oder um einen Baum herum landen, dann zahle ich mittels Krankenversicherungsbeitrag auch noch deren Genesung.
    Ergo:
    Falls Sie zwischen all ihren Gemälden auch so etwas hängen haben, was man Spiegel nennt, so können sie dort vielleicht Reflexion erkennen.
    Das wäre doch schon mal ein guter Vorsatz für das Neue Jahr.
    Vielen Dank.

    • Nun, man muss nehmen. was man bekommt, und wenn ich ein Gemälde in deren weg trage, sind die dran. Jedenfalls, ich kann es nur so erzählen, wie es gewesen ist, das war nun mal gestern seo.

      Was das Radeln angeht. so bremse ich natürlich und mache mich mit einem „Grüss Gott, entschuldigung, dürfte ich bitte kurz vorbei“ bemerkbar, und bedanke mich. Bitte aber zu bedenken, dass im Winter auch viel gerodelt wird.

      Ich bin zu alt, um mich noch zu ändern.

    • Titel eingeben
      Naja, junge Menschen sind vielleicht nicht so massvoll im Umgang mit Alkohol wie ein 50jähriger Intellektueller und haben vielleicht lieber Brüste in der Hand als an der Wand , das sollte man tolerieren, wenn man auch mal jung war.Ebenso wie die Zuhälterlimo, die Menschen sind halt verschieden, andere finden Rennradler affig.

  2. Das Gemälde versprüht
    mehr pralle Lebensfreude, als das versprengte Häufchen
    mit der Strechlimousine.
    Eher traurig.

    • Dazu muss man vielleicht sagen, das Liberi nach Caravaggio schon der schlimmste Hinger der rämischen Malerei gewesen ist, und auch sonst ein sehr bewegtes Leben hatte.

  3. Titel eingeben
    dieser artikel ist ja gespickt wie ein mit mandeln überzogener rehrücken

    köstlichst danke

  4. Den Bildungsertrag ertragen...
    Das sich bewegende „3D-Strechlimo-(Bildungsstand-)Bild“ der Realität heute
    und das als 2D „Rokokozeit-eingefrorene“ „Bildungsstand-Standbild“
    Mosesrealität?!
    „Zeit-Bildungserträge-Realitäten“ die nur mit Wodka zu ertragen sind?
    Zuviel und konstanter Alkoholkonsum verändert nachhaltig die
    „Persönlichkeit/s(-Bildung-Ge(ist)S/schichtenbildungen)“, als Vorsicht. Wenn „Böller“, „Wodka“, „Stretchlimo’s“ aus Vernunfteinsicht
    zwanglos aus der Realität eliminiert sind, dann ist das „VolksGe(ist)schichten bildende Bildungsniveau“ auf „humanem Vernunftniveau“ in Realität angekommen:=)
    Gute Silvesterwahrnehmung Don. Auch Selbsterkenntnis und Einsicht
    gut?

    Gruß
    W.H.

  5. Canaletto oder el Greco
    Werter Don, ich bin morgen bei den Pinakotheken und schwanke noch zwischen alter und neuer ( el Greco ) Pinakothek.

    Wie ist denn die Canaletto-Ausstellung? Empfehlenswert?

    Ein Unentschlossener

    • Die Canaltto-Ausstellung ist sehr empfehlenswert und angenehm leicht – ich würde sie gerade für Reisende unbedingt empfehlen. Es tut mir fast ein wenig leid, dass ich sie hier nicht besprochen habe, weil sie wirklich famos „alt-europäisch“ ist. Und die Pinakothek ist bei diesen kleineren Ausstellungen fast immer gut und erkenntnisreich.

  6. Die Reality der Unterschicht
    Leichtsinnige und feuchtfröhlich feiernde Jugend würde ich – trotz gewisser Ähnlichkeiten zu „Reality“fernsehshows – im Fall einer etwas aufgeblasenen Abendunterhaltung nicht mit Unterschicht gleich setzen, sondern eher mit Nachkommen mittelschichtiger Eltern, die sich das leisten können.

    Es gibt einen Wandel in der Gesellschaft, und ich sage es mal so: Die Unterschicht, aber das ahnten Sie eventuell schon, die sitzt draußen und feiert nicht.

    • Ich fürchte, da verschwinden die Grenzen schon etwas länger – die Wunschvorstellungen jedenfalls sind eindeutig vom TV geprägt und gehen überhaupt nicht in eine Richtung, die früher üblich gewesen wäre. Das hat sich in den letzten drei Dekaden vollkommen geändert.

      Ich weiss auch nicht, ob man von „der“ Unterschicht sprechen kann, da gibt es die wirklich Armen und dann aber auch jene, die keine Rücklagen bilden und alles einfach ausgeben. Wenn ich mir anschaue, mit was für einer Geschwindigkeit Leute, die nach eigenen Angaben auf dem Konto im Minus sind, dann wieder Urlaube, iPhones und Burger kaufen, wird mie ganz anders, an meinem fünf Jahr alten eeepc.

    • Titel eingeben
      Ich erlaube mir einfach mal, die materiell untersten 20 Prozent unserer Gesellschaft als „Unterschicht“ zu definieren. Noch so genaues Hingucken findet dort keine Besatzung von Stretchlimousinen und der anschließenden Abendunterhaltung, sondern fast ausschließlich Leute, die sich derartige Unterhaltung nicht mal im Ansatz leisten können. Überaus typisch für diese Schicht ist es vielmehr, dass sie generell nicht mehr ausgehen.

      Das in dem Medien verbreitete Bild eines typischen Lebensstils von Unterschichtlern (a´la „Berlin Tag und Nacht“ etc.) taugt nur zur Projektion, so hübsch grell, fröhlich und bunt es doch ausfällt. Damit werden dann diejenigen unterhalten, die von oben (abrutschende Mittelschicht z.B.) oder von unten (tatsächliche Unterschicht) aus derlei Produktionen betrachten. Gelegentlich in die Tat umgesetzt wird derlei buntes Treiben dann schlicht von jenen, die sich das leisten können.

      Bedauerlicher Weise zeichnet sich die Realität der Unterschicht dann doch weniger farbenfreudig und ein zuverlässiger Blick darauf lässt sich z.B. in abgewohnten einsamen Wohnstuben oder in den Warteschlangen der knapp 1.000 Tafeln in Deutschland erhaschen.

      Falls es überhaupt interessant ist, dort hin zu schauen.

  7. Ueppige Figuren
    Wenn es sie einmal nach Potsdam verschlaegt, besuchen sie doch mal das Neue Palais. Im Zimmer des Oestereichischen Gesandten finden sie eine schoene Galerie, gemalt fuer den Gemahl von Marie Theresa der soetwas liebte. Leider starb er bevor die Gemaelde fertig waren. Der Maler bot sie Maria Theresia an aber die mochte solche Bilder nicht. Daraufhin wurden sie Friedrich dem Grossen angeboten der sie zwar gar nicht mochte aber dann doch kaufte um das besagte Zimmer zu schmuecken. Er hatte keinerlei Liebe oder Respekt fuer seine Gegnerin. So kann Kunst auch zur Waffe werden.

    • Danke für den Hinweis – sollte es mich mal wieder dorthin verschlagen, mache ich das gerne. Ich glaube, das letzte Mal war ich vor 7 Jahren dort, allerdings nur im Park.

      Als Sammler muss ich feststellen, dass Österreich immer noch ein weitaus besserer Jagdgrund als der Norden ist. Möglicherweise hat das etwas mit dem Katholizismus zu tun, der einfach lustvoller malen lässt. Und wenn dann doch etwas Aufreizendes aus Berlin kommt, findet man mitunter hinten einen stempel oder eine Inschrift, die doch wieder in den katholischen Raum zeigt. Insofern würde das Verhalten von Friedrich durchaus dazu passen.

  8. In jedem Fall…
    … wünsche ich ein vorzügliches neues Jahr 2015. Mögen die Idioten fern und die Genüsse nah sein! Mögen Gesundheit, schöne Gemälde und herrliche Konzerte Ihre Wege begleiten! Dazu die richtige Dosis an Herausforderungen. Über die Alpen, durch die Toskana, wohin auch immer. Bevor ich es vergesse: Ich wünsche die möglichst vollständige Abwesenheit von Pollen! Und Rodelabfahrten. Und, und, und …
    Und mir erlaube ich mir, mir weiterhin köstliche und erhellende Beiträge zu wünschen.
    Alles Gute für das neue Jahr!

    • vielen Dank – auch das Beste, nur das Beste nach Hamburg.

      Schnee ist nunmerh genug da, und eventuell wechsle ich dieses Jahr schon im Februar nach südtirol, denn dort ist es wohl noch schneefrei. Mai dann wie immer Italien, Leroica ist auch schon geplant und ansonsten bin ich offen für alles, was da kommen mag.

  9. Peinlich
    Jesuitenliteratur des Rokoko? Das ist allenfalls etwas für Parvenüs und TV-Millionäre. Wie peinlich!

    • Ich wohne in einem Jesuitenseminar dieser Zeit, da gehört das hin, und ich bezweifle, dass Sie den Busenbaum schon mal im Original gelesen haben.

  10. stretch
    Was ist nun des Pudels Kern? Der schönen Worte viel, doch ach, zuviel ist auch zuviel. Wie der stretch das Automobil nicht mobiler macht. So ist es doch amüsant, wenn die Stretch-Limo in der Kurve stecken bleibt – wie ein zu langer Hals dazu führt, den Träger des Kopfes mit dem Lüster bekannt zu machen.
    A propos Lüsternheit – ist das noch ein Thema für einen ernsthaften Dialog? Als in Shanghai ein junges Paar nackt im Ferrari endete im Rausch der Tiefe hatte das noch Neuigkeitswert….

    • Manche mögen das lange Geblubber, andere nicht, das ist mir schon klar, aber dieses Blog lebt nun mal vom Zerfasern und Plaudern. Betrachten Sie es bitte einfach als Ablenkung von den ZackZackZack-Medien.

      Shanghai? Dazu weiss ich nichts. Das ist ein Rätsel.

  11. Frohes Neues und alles Gute, Glück und Gesundheit
    War schon lange nicht mehr hier.
    Scheint aber alles noch beim Alten.
    Schön.
    Weiter so :) .

  12. Nur mehr Neuröschen beim Alphönschen
    Schade, daß das Niveau zu sinken scheint. Gute (Gesellschafts-)Kritik ist immer gut verpackt, wenn man schon von oben nach unten kämpft. Auf dem Niveau, auf dem man anderen gerne begegnen würde, sollte man auch argumentieren.

    • Ach wissen Sie, mein Niveau sinkt angeblich seit über zehn Jahren – das ist so eine Art Standardaussage, wenn jemandem was nicht passt. Und seit genau dieser Zeit kümmere ich mich auch nicht darum. Es gibt halt eine gewisse Spannbreite, an die halte ich mich und wer meint, es besser machen zu können, ist herzlichts dazu aufgefprert, ein eigenes Blog aufzumachen.

      So schwer kann es ja bei meinem Niveau nicht sein.

  13. Titel eingeben
    Au, jau

  14. Titel eingeben
    aus jedem faltenwurf höre ich schon wieder gekrächze raus

    lassen sie doch den blog einfach so weiterlaufen er ist immer sehr aufschlußreich und sehr bildend

  15. Frohes Neues
    Sozial akzeptables Studium von Frauenkörpern, sehr treffend. Unsere Kunstlehrer haben solche Themen meist zu umgehen versucht. Man wünscht sich jedenfalls manches mal die Ungezwungenheit und Lebensfreude vergangener Zeiten zurück.
    Bei uns kreiste jedenfalls eine baugleiche Limo um die Häuser, scheint einen Markt dafür zu geben.
    Ihnen, lieber Don jedenfalls ein frohes, neues Jahr.

    • Danke, Ihnen auch.

      Bei uns in der Schule war es auch so, da hat man uns mit versteckten Bildinhalten nicht behelligt. Warum Szenen sich verändern und was die Kunst damit sagen will, habe ich erst im Studium gelernt, was sehr chade ist, aber ich habe ja aufgeholt. Es freut mich immer wieder, wenn ich sehe, wie Konventionen von Trieben durchwuchert werden.

  16. Ferrari Peking
    Hi Don,
    es war Peking, nicht Shanghai:
    http://www.bild .de/politik/ausland/china/diplomaten-sohn-stirbt-bei-sexspielen-im-ferrari-26045948.bild.html

    Viel Spass beim Blubbern und xin nian kuai le ;)

  17. Titel eingeben
    Lieber Don, du hast mir den Tag gerettet. Das ‚Nachrichten Konvulut‘ ist mal wieder, jaemmerlich. Ich brezel mich etwas auf, nehme mein +30 Jahre alt Auto, fahr zu meinem Lieblings Chinesen (Laos) mal sehen was das Tagesmenue wird. Da wird noch wirklich gekocht (Wok). Der Ruf nach diesem Land wird immer staerker in mir (China)

    • Ein Chinese namens Laos
      Ein China-Restaurant, das Laos heißt? Oder ein laotisches Restaurant, das auch chinesische Speisen anbietet? Oder wie oder was?

    • Nicht so ganz ernst nehmen. silvester -> Restalk -> lustige Kommentare.

  18. Fehlverhalten andernorts immer noch billig
    Zum gewohnten Leben gehört es im ländlichen Ostfalen zum Beispiel eine frisch erlegte Ricke, der Bayer sagt Geiß, totzutrinken. Das war meine Beschäftigung am 30. Dezember. Billig ist es, zum Fehlverhalten ist es erst in jüngerer Zeit geworden.

  19. zu 2. Januar 2015 um 03:58 Uhr
    Sicher sinkt das Niveau seit Jahren, das sehen wir ja alle, allerdings braucht man sich nicht über Leute lustig zu machen, die sich in der Silvesternacht verletzen.

    • Ich weiss nicht, wie ich ausser mit zynischem Humor darauf reagieren soll, dass man es häufig schon recht betrunkenen Menschen erlaubt, sich und andere in so einer Nacht auf diese Art und Weise zu gefährden, und die Folgen der Allgemeinheit anzulasten. Ich kann natürlich auch mal ernsthaft aufschreiben, was ich davon halte. Besonders vom Import billiger Sprengwaren aus dem Ausland und dem UUmstand, dass es ja auch noch länger so weiter geht.

      Und das Beklagen des Sinkens macht es seit jahren auch nicht besser.

    • Niveau
      Das Absinken des Niveaus wird doch, wie auch der Untergang des Abendlandes, nicht erst seit gestern bejammert, sondern schon seit Jahrhunderten. Eigentlich dürfte es uns schon lange gar nicht mehr geben.

    • Niewohsenkung
      Mit der Niewohsenkung meinte ich speziell diesen Blog, der wirklich früher teilweise inspirierend war.
      Aber wenn einem nichts mehr einfallen tut, muss man ja nicht ausfallen tun, um noch zu gefallen wollen, allen.

  20. Herzlichen Dank für die letzten Jahre Stützen, bitte weiter so!
    Als Leser möchte ich mich für die letzten fünf (?) Jahre Stützen bedanken! Dieser Beitrag ist wieder sehr gelungen. Es ist mehr als ein Blog, es ist ein Stück kollektive Entspannung und Inspiration, auch aus den Kommentaren.

  21. Stretchlimousinen
    Schön, Ihr Vergleich der Welten, einzig die Idee, eine solche Überweisung an einem Selfservice-Automaten auszuführen, irritiert mich.

    Zur unseligen Erscheinung verlängerter amerikanischer Limousinen auf deutschen Straßen fällt mir immer wieder diese wunderbare Szene aus Tom Woolfes „Bonfire of the Vanities“ ein, der Protagonist des Buches ist mit seiner Gattin zu einem Empfang geladen und mietet trotz der wenige hundert Meter messenden Entfernung ein solches Vehikel, gleichzeitig mit ihm trifft ein deutscher Baron in seinem alten Bentley ein, Sherman McCoy spürt tief in sich diesen verzweifelten Minderwertigskomplex des Amerikaners gegenüber dem alten Europa.

    Frohes neues Jahr, HS.

  22. Hübsche Übung in gepflegter Verachtung, Don.
    Die man sich leistet, wenn all die zeitgeistgebundenen Geschmacklosigkeiten der eigenen Klasse vom Zahn der Zeit verschluckt wurden und man davon ausgehen kann, dass sie heute niemand mehr kennt :-).

    Die neuen Aufsteiger in die Reichenklasse haben allerdings ein echtes Problem – sie können nicht mehr gewollt als gekonnt die Manieren und den Lebensstil ihres eigentlichen Vorbildes, des Adels, kopieren. Und auch in der Schicht von Dons Alt- und Kleinstadtoligarchen ist der Geschmack meist nur geerbt, nicht verinnerlicht.

    Das verheisst nichts Gutes für diejenigen, die heute oder morgen zum Don aufschliessen. Jede Menge Artikelstoff für gepflegte Blasiertheit, wenn es mitür auch lieber wäre, diese nöhme sich mal richtige Ziele vor und nicht das typische Mittelschichtelend von Leuten, die an einigen Tagen im jahr einfach die Sau rauslassen wollen. Wie man hört, soll es das auch bei den heute wohlhabenden Familien ehemaliger Hofbäcker, Metzgermeister und Majordomi vergangener Zeiten durchaus gegeben haben.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Das Witzige ist ja, diese früheren, zeitgeistgebundenen Geschmacklosigkeiten sind oft noch da. Das, was heute als so „stützenmäßig“ angesehen wird, galt oft zur Zeit seiner Entstehung eher als „stuzermäßig“ und wurde als neureich angesehen. Die schnörkeligen und heute so begehrten Wohnhäuser in den Innenstädten oder „Neustädten“, mit ihren Säulen in der Fassade, den aufwendigen Treppenhauseingängen, Stuckdecken, das sind eigentlich bloss die Toskanabunker der vorletzten Jahrhundertwende.

    • Gründerzeithäuser zum Beispiel, und Wagneropern. Man müsste das glatt mal sammeln und einen Beitrag draus machen.

    • Titel eingeben
      Tja, da müssen’s wohl mal wieder nach Berlin. Charlottenburg, Grunewald. Wuppertal-Elberfeld, das Ghetto der Fabrikantenvillen. Dresden, Weißer Hirsch und die Neustadt. In München: Maria-Theresia-Straße und weiteres Isarufer. Da könte man fündig werden.

  23. Schurken und Hofberichterstatter
    Don, oida Sterzdremmi,

    Bitte hör auf zum Lamentieren, konzentrier Dich auf die wahre Problematik. Nämlich die systematische Verblödung der Gesellschaft durch die korrupte Medienlandschaft. Die maßlose Hochstilisierung des Sports, insbesondere des Fußballs, mit dem einzigen Zweck dem Volk neben dem Brot auch reichlich Spiele zu bieten. Im Verbund mit der einseitigen politischen Berichterstattung sowie zahlreichen seichten Serien und Shows führte dies zu einer gezielten Verdummung der Bevölkerung. Nicht umsonst waren die C-Parteien die Wegbereiter für die Einführung des Privatfernsehens. Wohin dies im Extremfall führt, kannst Du lieber Don , im geliebten Italien sehen. Sofern nach einer anstrengenden Radtour noch genügend Kraft für die Benutzung der Fernbedienung vorhanden ist.

  24. Feuerwerksmusik
    Jedenfalls war im Barock das Feuerwerk genausowenig eine Unterschichtenangelegenheit wie Saufen, Fressen, Raufhändel und anderes, was die Breughelbauern vielleicht auch, aber nicht so offen getan hätten.

    • Ja, das ist allerdings richtog. Alleoin, wir leben in der bürgerlichen Epoche, und die Höfe waren nur vordergründig verchwenderisch – da waren genug Beamte, die aufpassten, dass das Silber im Haus blieb.

  25. Titel eingeben
    ja gegen strech-limo hilft nur zerfasern und plaudern

    das dringt so langsam und unbemerkt in die tieferen schichten ein und hat dann seinen auftrag erfüllt

    deswegen ist es immer gut wenn hier auch der ein oder andere kunsthinweis hineinfließt

  26. Nichts geht über eloquenten Standesdünkel!
    Wer hier so jammert über Niwowowo, hat wahrscheinlich zwischen Parteiortsvereinssitzung und hochlöblichem Engagement für eine Bürgerinitiative für eine nur ein klein bisschen bessere Welt seinen Humor verloren – dass protziges Feiern und Hochrisiko-Böllern nicht unbedingt einen bleibenden Glücksgewinn abwerfen müssen, darüber kann man ja schon mal ein wenig schwarzzynisch witzeln, zumal sich auch der Ausdruck der Dankbarkeit findet, dass nicht alle plötzlich Barockgemälde affenoberweitenerregend finden.

    Wenn man Reichtum mit dem Umstand gleichsetzen möchte, sich sein Frühstück nicht selbst machen zu müssen, und keine Ahnung von richtigen Staubsaugerbeuteln haben zu dürfen, dann sind wir fast alle bestenfalls oberste Mittelschicht – der eine mit Fluglizenz, der andere mit 60er Jahre Bentley, oder Rotwein&Gourmetfaible – und unser geschätzter Gastgeber erkennt sich selbst eben in sehr alten Gemälden und Oldtimer-Fahrrädern…

    Wo die Klasse nicht mehr vordefiniert ist, sind es unsere „Hobbys“ die unsere Hierarchie durchaus etwas verzahnt abbilden, auf einer wohl mehr als nur vermeintlich niveauvolleren Ebene, als es Sieg oder Elend eines Vereinsanhängers der zweiten Bundesliga abbilden.

    Aber ob der Fuchsschwanz an der Manta-Antenne nun länger ist, als der des Nachbarn – wir alle stecken ein Stück weit im Dilemma, uns „selbst“ zu erkennen in Inszenierungen, die mehr oder weniger weit weg von unserem Persönlichkeitskern sind.
    Die aber den grossen Vorteil bieten, im gesellschaftlichen Karneval eine Rolle spielen zu können, die uns in etwa entspricht, ohne gleich direkt verwundbar zu sein.

    In Zeiten, in denen das Intime und das Öffentliche (z.B. Fratzenbuch) manchmal nur noch schwer auseinanderzuhalten sind, mag dies wohl ein gewisser Segen sein, solange man sich selbst noch der Differenz zwischen eigenem gepflegten Image und seinem Selbst bewusst ist.

    Dass dies immer weiter verloren geht, dass die Schlachten zwischen Fussballvereinsmitgliedern immer gewalttätiger und die zwischen Oldtimerfans immer hämischer werden, ist sicher eine der Quellen, warum wir uns so schwer tun, an den Bedingungen etwas zu verändern, die uns alle entspannter, freundlicher und verträglicher machen würden.

    Man muss nur den weit verbreiteten, stets unzufriedenen Markt gebrauchter Lebensabschnittspartner ansehen, mit seinen illusionären Höhen und seinen giftgallegrünen Verwünschungen ( jeder hat sich fast immer die andere Kröte einmal ausgesucht) – und man versteht, wie schwer gesellschaftliche Verbesserungen zu erkämpfen sind, wenn schon unter den gleichen wirtschaftlichen Bedingungen in vielen Familien bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen.

    Auf amüsante Weise daran zu arbeiten, hier abzurüsten, ist eine der spassigen Seiten dieses Blogs, wobei es eine der wichtigsten Grundvorrausetzunge ist, nicht alles wortwörtlich zu nehmen und die leisen Zwischentöne wahrzunehmen.

    Auf dass dieses Forum uns noch lange erhalten bleiben möge! Ein gutes Neues Jahr für alle.

  27. Titel eingeben
    so geht stretchen im blog einen ganzen tag keine kommentare schalten

    aber ein glück habe ich im zerfaserten ochsenschwanzragout ein wunderbares rezept gefunden incl. neuer nudelmaschinerie die sich chitarra nennt

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