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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Ihr Profit aus der Wohlstandsverwahrlosung

| 55 Lesermeinungen

Wenn die Not am grössten ist, ist Gott am nächsten

sagt man bei uns in Bayern am Berg so, und das heisst auch, dass einem dann die besten Ideen zur eigenen Rettung kommen. So musste ich vorgestern beim Wegräumen meines 94. Rades an den italienischen Radrennfahrer Tullio Campagnolo denken. Den musste einer gern kolportierten Legende zufolge auf einem verschneiten Pass das Hinterrad drehen, aber seine kalten Hände versagten beim Versuch, die Flügelschrauben am Rad zu lösen. So musste er das Rennen aufgeben, aber es kam ihm in der Not die Idee zu einem einfach zu bedienenden Schnellspanner. Den baute er dann, und begründete mit dem Patent seine berühmte Firma Campagnolo, die noch heute für feinste Radkomponenten bekannt ist. An Rad Nummer 94 jedoch habe ich noch die alten Flügelschrauben, und daran habe ich mir beim Hochschleppen in den Speicher einen blauen Fleck gestossen.

messia

Es war, das muss ich hier leider zugeben, nicht das einzige historische Rad, das ich in den Speicher verbrachte. So ein blauer Fleck kann schon mal passieren, wenn man zehn Räder eine enge Speichertreppe hinaufträgt, zwischen 2 und 4 Uhr am Morgen, wohl im Wissen, dass man den Mietern als Besitzer den Krach zumuten darf – isoliert betrachtet. In einem größeren Kontext ist das natürlich weniger erbaulich, denn das hastige Aufräumen hatte einen Grund in Form des A., der hier vorbeikommen wollte und es am nächsten Tag auch so spät tat, dass ich fast beinahe ganz fertig mit dem Aufräumen wurde. Speicher voll, Wohnung leer, so kann man andere Menschen immer empfangen, selbst wenn der A. genau weiß, dass es hier leider, zu meiner Schande, nicht immer so sauber aussieht. Er weiß auch, dass ich nicht immer so müde und so erschlagen bin. Aber wenigstens habe ich aufgeräumt.

Nachdem das hier vertraulich ist und ich darauf rechne, dass Sie das auf keinen Fall weiter erzählen, kann ich auch noch hinzufügen, dass es nicht anders wäre, würde der A. oder so ziemlich jeder Single in meinem Umfeld Besuch daheim empfangen. Früher hatte man die Vorzeigewohnung und die Rumpelkammer, heute hat man die Rumpelwohnung und Pfade, die zum Vorzeigezimmer führen. Man rutscht da so rein, das ist keine Absicht: Man verdient nicht schlecht, sieht hier ein Gemälde und da eine Silberkanne, bietet nur zum Spass mit und ist überrascht, wie billig man manches bekommt. Und dann hat man es und es steht rum. Kommt dann jemand, muss man es wegräumen. Man öffnet den Küchenschrank und merkt, dass da schon 20 andere Silberkannen eng gedrängt stehen und wäre nun froh um einen Ausweg.

messib

Auswege lassen sich immer finden. Der einfachste Ausweg wäre es theoretisch, sich einen Partner zuzulegen, der für derartige Leidenschaften kein Verständnis hat. So ein Partner würde dann schnell anfangen, das Überflüssige zu Geld zu machen, wie jeder weiß, der schon mal bei Ebay Herrenräder erstand, und als Verkäufer genervte Terrorregimes vorfand, die ihre männlichen Untergebenen vor die Wahl gestellt hatten: Das Viertrad oder ich. Das ist hilfreich, aber dazu braucht man erst einmal ein begehbares Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, das zumindest in der Nacht erträglich aussieht. Und hier wiederum beisst sich die Katze in den Schwanz, und ausserdem, wo soll man Nachts um 2 noch eine Partnerin herbekommen, die einem auf die Schnelle zehn Räder verkauft? Es ist also alles nicht so einfach, egal ob beim Radsport, den 244 Damenhandtaschen, allen Macbookgenerationen oder – für den Fall, dass Sie ein Berliner Hipster sind – den 2.479 Plastiktüten, die Sie im feuchten Sumpf unter ihrer Spüle horten. Und die 72 Fertigapfelkompottgläser unter dem Küchenschrank.

Genauso wenig ist es möglich, um diese Uhrzeit eine schlecht gelaunte Putzfrau zu bekommen, die einem Druck macht und gehörig anmault, als sei sie der Chef und Sie selbst ein missratener Sohn aus besserem Hause, der mit 200 Quadratmeter Gesamtwohnfläche, Einkommen, Dividende und Apanage nicht auskommt. So etwas wirkt, aber damit sie überhaupt reinigen kann, müsste man erst mal aufräumen und gerade läuft doch diese Ebayauktion aus, da kann man nicht einfach weg. Und deshalb steht man dann in der Nacht vor dem Küchenschrank und wundert sich über all das Zeug, das sich hier abgelagert hat, als hätte es eine Überschwemmung mit Silber gegeben. Oder mit Pradaschuhen. Oder Verpackungen vom Inder – ich hoffe, die Berliner unter Ihnen verstehen jetzt, was ich meine. A. meinte übrigens, ich sollte nicht immer so auf Berlinern herumhacken, aber denen kann man nicht mit Besteck kommen, das muss man können, die verletzen sich damit nur.

messic

Jedenfalls, ich glaube, es war, als ich das La Perle – oder war es das Woodrup oder das Colnago? – in den Speicher trug, als mir eingefallen ist, was man da tun könnte. Also nicht ich natürlich, ich will eigentlich nur eine vorzeigbare Wohnung, wenn Besuch kommt. Aber Sie haben vielleicht Zeit oder sind mit ihrem Job unzufrieden, und da kam mir auf der Stiege eine famose Geschäftsidee. Denn wenn eine gute Fee gesagt hätte: Gib mir 400 Euro und ich mache Deine Wohnung sauber – ich hätte das bezahlt. Das Schreckliche an derartigen Aktionen ist ja, dass man erst mal alles wegräumen muss, um überhaupt putzen zu können, und man würde, durchgeschwitzt und übernächtigt, wirklich viel zahlen. Auf der anderen Seite müsste das Zeug gar nicht dauerhaft weg – ganz im Gegenteil, wir kennen uns zu gut und wissen natürlich, dass wir prompt wieder rückfällig werden und denken: Oh, so viel Platz, dieses eine Barockgemälde da, das nächste Woche in Salzburg zur Versteigerung kommt, hat ebenso viel Platz wie die Nymphenburg-Plastik. Kurz, mit dem Wegräumen ist es nicht getan, nach 2 Monaten wäre alles so wie früher. Es gibt nur eines, was die weitere Versumpfung stoppen kann: Die totale Versumpfung.

Und das ist meine Geschäftsidee für Sie und alle besitzgeplagten Zeitgenossen. Wir rufen Sie an, Sie kommen mit einem Transporter und drei starken Männern, und werfen alles unsortiert hinein. Das geht Ruckzuck, danach putzen Sie schnell noch die Wohnung, überziehen die Betten frisch oder bekämpfen bei den Berlinern die Pilzzucht in den nicht abgespülten Tellern. Es reicht, wenn es so aussieht, als habe sich unsereins echt bemüht. Eine Spinnwebe können Sie auch hängen lassen, damit wir uns angemessen über unsere Schlamperei aufregen und entschuldigen können. Sobald der Besuch weg ist, kommen Sie wieder und kippen das ganze Zeug in die Wohnung, die dann wieder so gemütlich und verlottert wirkt, wie wir Männer uns nun mal gerne nach aussen darstellen. Ironisch natürlich. Das haben wir bei unseren Müttern gelernt, die jammern auch immer, wie verlottert ihre perfekt gepflegten Parkanlagen aussehen und dass der Gärtner seit einer Woche nicht mehr da war. Bei uns ist es wirklich schlimm, aber mit Ihrer freundlichen Hilfe merkt das niemand, und hält es für Koketterie.

messid

Was Sie also erschaffen sollen, ist nicht wie Partner oder Putzfrau die beste aller möglichen sauberen Welten, sondern beide ideale Welten: Das saubere Heim, wenn man es braucht, und die übervolle Lotterbude, die einem mangels Platz die überflüssigen Käufe austreibt. Den Job könnten theoretisch sogar Berliner Hipster und Germanistinnen machen, die sonst nur Strickkurse bei den Saudis geben, und wenn da ein paar Schrammen entstehen, macht das gar nichts – das ist dann Patina. Unser Leben ist damit im Lot, auch wenn es nicht wirklich das Lot unserer Vorfahren ist. Aber die waren ja auch treu und .liessen sich nicht scheiden, während heute Traumhochzeiten und Sex mit Tennislehrer und Golfpartnerin Hand in Hand gehen.

„Real Estate Wealth Management“ wäre da auch ein netter Firmenname, mehrdeutig und nicht indiskret, und es schadet nicht dem Ansehen, wenn so ein Lieferwagen in der Nacht vor dem Besuch eines neuen Partners vorfährt. Vielleicht klappt es ja, und dann sorgt das neue Regime schon dafür, dass es keine alten Zustände mehr gibt.

Obwohl. Vorletzte Woche kam ich unangemeldet bei der U. vorbei und… ich will ja nicht indiskret sein, aber ich denke, die Geschlechter haben sich angeglichen und sagen wir mal so, es ist ein weites Feld und eine Arbeit mit Beschäftigungsgarantie, solange die Herren Dolce und Gabbana werkeln. Denken Sie einfach an die kaufgeilen Reaktionen wegen der neuen iWatch und satteln sie um und machen Sie mir ein Vorzugsangebot – ich vermittle Sie dann weiter an fast alle einige Freunde.

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55 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Oh weh. Meine Geschäftsidee hier im Blog aller Welt vorgeschlagen, ich habe auch nur Ideen auf die andere auch schon gekommen sind. Daran erkennt man das Münchner Beamtenkind und erkennt sofort, aus einem Unternehmerhaushalt kommt die nie.
    Aber der Grund der Idee ist gar nicht so schlecht: wie bei Don, ebay ebay ebay, hier noch ein Spiegel aus der Bretagne, da ein Biedermeiertischchen, ach ja und die Silberkannen…nur hier gepaart mit einer stringenten ( oder schon pathologisch zwanghaften?) Sucht aufzuräumen. Kannen 1 bis sechs erst mal auf den Dachboden, Kannen 7 bis 10 präsentieren. Aber oh weh schon wieder kommt morgen was von EBay. Aber neuer Lüster an die Decke, der ganz alte aus Frankreich wird erst mal gebunkert. Und jetzt sagen alle, du solltes professionelles Aufräumen anbieten.
    Aber ein wenig Neid auf Dons Lässigkeit ist auch dabei, den meine Variante ist manchmal zu anstrengend.

    • Ich denke, für so einen Dienst gibt es in jedergrösseren Stadt viel Kundschaft – man muss sich also nicht ins Gehege kommen. Ausserdem kann man da ja auch psycologisch nett agieren und vornehm Verständnis heucheln – für 20 Prozent Aufschlag.

  2. Lösung
    Also, ich hab‘ ’ne Gattin. Es hat zwar lange gedauert, aber nun macht sie doch ab & zu ein wenig sauber; …so etwa viermal im Jahr.

    .

    .
    (und ich mach‘ den Rest)

    • Das ist wie bei mir mit dem kochen – ich stehe meistens in der Küche und bin auch der, der abspült.

  3. .
    hübsch parliert und ganz meine rede, eine kette von stossseufzern…

    immerhin räumt man in freudloser permanenz, ganz ohne sondergäste – es lassen sich ohnedies viele blicken, und nur die entfernte famille ist gefürchtet, da sie die patina und den ältlichen charme nicht wirklich zu schätzen weiss – in der burg wenigstens von dem einem gästezimmer am südpark in jenes mit weitblick im westflügel. und von dort in den blauen salon, in dem bereits die zahlreichen koffer ruhen.

    ab und zu wird auch der staub erneuert, schliesslich hält man auf sich.

    • Ich habe ja den schnellen stauraum unter Betten sehr zu schätzen gelernt. Man sollte hohe Betten haben, da kann man viel wegräumen.

    • .
      so viele betten kann man gar nicht haben. und wir haben notgedrungen viele. zudem könnte man dann aus jedem bett die decke streichen, was auch mal wieder notwendig wäre.

  4. Sehr amüsiert
    Sehr verehrter Don!

    Göttlich, dieser Beitrag! Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass ich nicht ins Detail gehe, warum ich so gelacht habe. Mein Mann würde das nicht sehr nett finden.
    .
    Außerdem freut es mich, dass sie wieder zu Silberkannen und alten Fahrrädern zurückgefunden haben. Das ist so viel konkreter als Beschreibungen von Twitterleute, die Tretbilder ins Netz stellen.
    Ihre alte Verehrerin
    D.T.

    • Ihr Mann und ich, wir würden uns vermutlich gut verstehen. Silberkannen wird es jetzt wieder öfters geben, nehme ich an.

  5. Titel eingeben
    @Helena: ich nehme das Beste aus zwei Welten und hätte gerne jemanden, der mir für überschaubares Geld alle paar Monate das Fahrrad so richtig putzt. Weil ich da bequem bin und das in der Wohnung mitten in der Stadt auch nicht so richtig Spass macht.

  6. Titel eingeben
    …und auch sonst sehr aufschlussreich. Diese Angst, die zwischen den Zeilen über das (sic!) Terroregime hervorschimmert. „Kaufe ein Gebrauchtrad von Privat, kaufe viele, sieh hin, und lerne was fürs Leben, Bube“, will uns der Autor wohl sagen.

    • Man kann das auch umsonst haben, wenn man sich in Radfahrerforen herumtreibt. Da erfährt man viel über gestörte Kommunikation und unverstandene Leidenschaften. Da heisst es dann eben „Finanzministerium“, „meine Schäuble“, „die Regierung“ oder „das Terrorregime“. Und keine versteht, warum Männer mehr als zehn räder brauchen.

    • .
      meiner bescheidenen ansicht nach sollte man als halbwegs gewitzte dame die situation weidlich und nach kräften und gerne mit einem breiten grinsen verständnisvollen lächeln ausnutzen – und sich eine handtaschensammlung oder eine elaboriertere mineraliensammlung oder welche auch immer zulegen, ist sie doch erstens deutlich kleiner und, zumindest hier, stets günstiger sowohl in der anschaffung wie den unterhaltungskosten als das funktionelle freizeitgestaltungsäquivalent des herren.

  7. Bei Rad 100 dann ein kleines Fest im Fahrradkeller?
    Bei uns ein geflügeltes Wort:
    „Der konnte mit Messer UND Gabel essen“
    Der richtige Gebrauch von Saucenlöffel,
    Schneckenzange, Hummerbesteck und Stoffserviette
    ist da mit drin.
    .
    „Wir sollten die Oma einsumpfen“
    sagte der Nachwuchs mit 10.
    .
    Ist schon lange her.
    .
    Hatte er bei den Dinos gelernt.
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    „Warum“ fragten wir.
    .
    _
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    .
    „Dann kann man erben“
    .
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    .
    Auf das es hier wieder amüsanter werde.

    • Ich bin schon länger versucht, einmal einen Beitrag darüber zu schreiben, wie man Messer un Gabel richtig hält, denn heutzutage bleiben die Menschen vom Kindesbeinen bis zum Billiggrab in Berlin Essenvonobenabstecher und Maulinsessenhalter. Und dann wundern sie sich, wenn sie keine Arbeit bekommen. Denen fehlt die bayerische Klosterschule.

    • .
      persönlich bekannt sind mir nun zum meinem grössten bedauern doch so einige, die einerseits nicht in der lage sind, auch nur annähernd formvollendet weder gabel (man beachte die mistgabelvariante) noch messer (man beachte die piratenhaltung) noch löffel (man beachte die fliegenpatschenhaltung nach dem ausgiebigen abschlecken) zu halten, und es dabei andererseits dennoch in höhere und einflussreiche kreise, wohlgemerkt nicht wirklich aber in bessere geschafft haben. dies betrifft so manchen bauernschlauen und erfolgreichen unternehmer oder politiker, nicht aber die feineren geister und auch nicht die diplomaten und nicht diejenigen, die wissen, dass es schon ein wenig auf die bella figura in jeder situation ankommt, gilt doch folgendes: so wie es hereinkommt, kommt es auch heraus.

  8. Nicht allein!
    Besten Dank für diese Einblicke. Wenn ich Freunde besuche, bewundere ich immer deren perfekt aufgeräumte Wohnung und schäme mich in Grund und Boden. Beim Lesen Ihres Artikels habe ich dieselben Gefühle wie ein armer alter Perverser, der im Internet über eine Website mit dem Titel „Sockenphantasien“ stolpert: ich bin nicht allein.

    • Besuchen Sie ihre Freunde mal ohne 24 Stunden Vorwarnzeit, dann sieht das auch sicher anders aus. Es geht doch eigentlich den meisten so. Das legt sich erst, wenn man in einer Villa allein lebt und problemlos ein Stockwerk frei halten kann. Oder man ist eben ein notorischer Wegschmeisser. solche Leut gibt es natürlich auch, jedes Jahr ein neues Sofa und zu Ikea. Aber das ist nich teurer und man hat deutlich weniger von Wert.

    • .
      man könnte den verdacht haben, dass da jemand eine villenfantasie hegt – dies jedoch, lieber don, ist mitnichten dergestalt, wie vorgestellt, leider:

      hat man viel platz, sieht man keine notwendigkeit zum wegwerfen, höchstens und insbesondere im falle meines holden angetrauten zum häufchenmachen an allen möglichen und unmöglichen stellen, und gerne dies auch – und zwar ganz besonders – in bereichen, die man tatsächlich nutzt, denn sonst müsste man ja weit laufen, und was man nicht im auge hat, ist aus dem sinn. immer dafür in den ungenutzten und kalten ostflügel zu laufen (den man längst schon hatte renovieren wollen, was einem jedesmal einfällt, wenn man dort alle schaltjahre einmal nach verschollenem fahndet).

      das hat seine nachteile, da man in manchen bereichen kaum geradeaus laufen kann, sondern eher wie barkin in switch und dies ganz ohne geschlechtsumwandlung, aber auch seine vorteile, wenn man aus den tiefen der burg ein hoch erfreutes triumpfgeheul vernimmt, dass sich auf diese eine, seltene und mit reisen nicht unter einem tag zu besorgende unterlegscheibe bezieht.

  9. Frühjahrsputz
    Ja, manchmal drückt das Gewissen, man ist halt so erzogen. Außerdem, im Gegensatz zu früheren Wohnungen im Westen habe ich im wilden Osten keine Putzfrau, es gibt für Geld und gute Worte keine, die wenigen Ausnahmen sind in festen Händen.
    Ich sollte mal die Jahrgänge alter Oldtimer-Zeitschriften entsorgen, fällt mir gerad ein.
    Wie meinte ein alter Freund neulich, Männer räumen nie so schnell und effektiv auf wie wenn die neue Freundin zum ersten Mal kommt.

    • Daa Problem an der neuen Freundin ist, dass sie sich schnell abnutzt, wenn sie nicht ein sauberkeitsteufel ist – und das sind auch nur noch wenige. Was trotzdem hilft, sind unterschiedliche Interessen und im Westen die hohen kosten für Häuser und Villen. Besser wäre es, sich einfach selbst unter Kontrolle zu haben. aber gerade bei Zeitschriften weiss man nie, ob man die Informationen nicht doch wieder braucht. Meine alten Radkataloge habe bei meinen Eltern überlebt und jetzt brauche ich die dauernd.

    • .
      lieber prince Matecki, bitte werfen die zeitschriften nicht fort. gary hat sicher noch ein plätzchen für sie… und die leidenschaft dazu.

  10. nur rumstehen-Sammler und Jäger
    ..wenn irgendjemand noch ein Chorus o. Record-10f. Schaltwerk loswerden möchte, soll er sich bei mir melden.
    Das wäre die einige Ersatzinvestition, die mich, wenn günstig, aus der Passivität lockt.
    Gut gepflegt halten die nämlich ewig.
    O. einen Cannondale Kurbelsatz, zum testen.
    Ansonsten- es ist zu wenig Platz für übertriebene Eitelkeiten.
    Ein Rennrad wurde vor Jahren teuer gebraucht erstanden. Mit edelstem Equipment aber schlecht abgestimmt. Nach jahrelangem probieren, gewechseltem Freilauf, Laufradaustausch steht da jetzt eine Augenweide. Sie funktioniert und hat auch einige Alpenpass-km problemlos bewältigt .
    Und man hängt dran , als wenn´s neu gekauft gewesen wäre.
    Auf den Foren wird viel unwahres geschrieben und wichtiges verschwiegen.
    Sinnvoller sind Dialage mit Fachleuten, Ausprobieren.

    • Ganz ehrlich, die beste jemals gebaute Gruppe war die 9fach Record Titanium aus Alu und titan ohne Carbon. Bombensichere funktion und perfektes Gefühl und vor allem mit Shimanokasetten kombinierbar. wenn es in die Berge geht, kann man einen specialites-TA-Adapter hinbauen, mit einem kleinen Kettenblatt. Das geht nur noch bei dieser Gruppe, danach nicht mehr.

      Dass ich fast alle meiner Kisten selbst in Schiss gebracht habe, macht auch mir das Verkaufen so schwerr. am schwersten ist es mit rädern, mit denen ich in Italien war.

    • .
      „Dass ich fast alle meiner Kisten selbst in Schiss gebracht habe“

      unbezahlbar. danke!

    • Oopsie.

  11. kämpft wöchentlich gegen die Wohlstandsverwahrlosung
    @prince Matecki – Im wilden Osten gibt es keine Putzfrauen? Da würde ich nie hinziehen! Was nützt einem das schickste Haus oder Wohnung, wenn man alles selbst saubermachen muss? Wir haben einen Putzmann und bevor der montags kommt, wird aufgeräumt damit er putzen kann (das heißt, ich räume auf und frage gegebenenfalls meinen Mann, wo wir dies oder das von ihm verstauen sollen).
    .
    Daß Männer aufräumen, wenn die neuste Freundin zum ersten Mal kommt, stimmt nur mit Einschränkungen. Als ich meinen Mann zum ersten Mal besuchte, stand sein Motorrad und sein Sportsrad in der Küche, im Gästezimmer hinge ein Zelt zum Trocknen von der Decke und sein Schlafsack zum Lüften und das Prachtmöbel im Wohnzimmer war ein oscilloscope eingerahmt von Schachteln mit diverser Elektronik. Für seine Verhältnisse war ich zu pünktlich, denn er war gerade noch dabei, den Küchenboden zu putzen. Jetzt haben wir ein großes Haus mit einer ganzen Etage für oscilloscopes, Fahrradwerkstatt und zum Auslüften der Sportskleidung. Und, wie gesagt, einen Putzmann für den Kuchenboden.

    • .
      liebe Der Tiger, ich fürchte, da könnten wir eine fröhliche konferenz einberufen, ihr gatte und mein gary wären sicherlich beste freunde und sich unglaublich einig in einigen angelegenheiten.

      ich darf ihnen gar nicht sagen, was da in seiner, äh, nennen wir es küche herumstand, als ich ihn das erste mal in seiner höhle – wir kennen uns ja aus dem internat -, besuchte. diese höhle war im übrigen eine gegenwehr seiner famille. ich hätte es demnach wissen müssen, was auf mich zukommen sollte. in der höhle übrigens lebte eine ganze chincillakolonie, umzingelt von, äh, nennen wir es staubweben.

      allerdings muss ich sagen, auf meine zarten, weiblichen anspielungen zum zustand der behausung betonte gary, dass er tagelang aufgeräumt habe…

      vermutlich wäre auch der geschätzte gastgeber bei der konferenz dabei. hust.

      dreckig kann ja auch ganz schön sein, in mancher hinsicht.

      – los, sag mir etwas schmutziges.
      – küche. bad.

  12. Der Trend geht zum Siebtauto!
    So schön – und so vertraut, wenn Sie andere Gegenstände als Fahrräder und Silberkannen einsetzen – Sie das geschildert haben, so bitter ist der Beigeschmack, wenn man sich bewusst macht, wie wenig andere wegräumen können ( und das ist dann alles noch eher geliebter Müll in Plastiktüten) und doch eigentlich zur gleichen Gesellschaft, zur gleichen Kultur gehören.
    Natürlich werde ich jetzt hier keine multiplen Sägetechniken erwägen, um den unter meinem Allerwertesten befindlichen Ast von seinem Stamm zu trennen, und so die arme Schildkröte, die ich bald wieder selbst( bedauerlicherweise trennt mich das Nichtvorhandensein von geneigtem Personal noch ein wenig von der wahren Wohlhabenheit) auf der Seepromenade Gassi führen muss, ihrer Nahrungsgrundlage zu berauben – aber ich kann zu meinem, und des Gastgebers Gunsten anführen, dass eine radikale Meritokratie, nach eigenhändig geschaffenem Bruttosozialprodukt und mindesten drei selbst ausgebrüteten wittgensteintanzenden Heuschreck-Frischlingen, eine wahrscheinlich noch brutalere Gesellschaft wäre, eine 24stündige Abiturprüfung tagein, tagaus.

    Man könnte einmal spekulieren, dass der „wahre Kommunismus“ , das „Paradies der Arbeiterklasse“ eigentlich das Ziel der Ideale der französischen Revolution hätte sein müssen: Liberte, Egalite, Fraternite. Wir alle wissen, dass es so nicht funktioniert.

    Und die Frage nach dem „Lebensglück“ einmal gegen den Strich bürsten: Warum scheint es, dass es das einzigste Streben des Menschen nach dem Platz ganz oben zwischen den Kirschen auf der Sahnetorte, auf die höchste Sprosse der Hühnerleiter ist? (Kurz und beschissen)
    Weil das Sinnen und Trachten der Frauen instinktiv weniger nach einem liebevollen Partner als nach einem Siegertyp-Vater ist, der ihr ein oder mehrere genetisch grandiose Kinder beschert?
    Und die Männer auf der Gralssuche nach dem besten Trophy-Wife sowieso alle paar Jahre die Pferde wechseln?

    Freundschaft, Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen, Gesprächsfähigkeit, Humor und Phantasie sind absolut unterbewertete Charakterqualitäten, die meines Erachtens die Basis jedes menschlichen Kontakts ausmachen müssen, wenn er den schnellen Kick, den gepinselten Bauchnabel oder die Weihnachtsfeierglühweinlaune überdauern soll. Und wohl der einzige Ansatz, menschliche Beziehungen geniessen zu können, ohne sie ständig nach ihren Nutzen und Kosten evaluieren zu müssen.

    Ein entspanntes Abendessen mit Freunden schildert auch Hoeullebecq als das Ideal, dass sowohl der Protagonist seines letzten Romans, noch dessen literarisches Forschungsobjekt Huysmans in ihrem Leben als Realität hinbekommen haben. Huysmans suchte „Erlösung“ im Kloster, Houllebecqs Protagonist erwägt sehr naheliegend den Übertritt zum Islam.
    Und weil –wie kürzlich von „di“ im letzten Thread erwähnte, die Pufferzonen zwischen Siegern und Verlierern im grossen Rattenrennen immer weniger werden, suchen wohl einige, denen das Leben nicht viel mehr als Elektronik-Müll und Plastiktüten verspricht, ihr Heil in simplizistischen Heilsversprechen, Frauenverachtung und Köpfe abschneiden.
    Was sich zu der biblischen Verheissung der Jakobsleiter eher so verhält wie der US Horrorfilm“ Jacobs Ladder“ von 1990.

    Da verstauen wir viel lieber unsere Silberkannen, Fahrräder, Oldtimer und Fachzeitschriften, um von dem ganzen Elend etwas weniger angesprungen zu werden.

    • .
      lieber TGA, das klingt so, als ob auch sie sich vor dem aufräumen wortreich, charmant und erfolgreich zu drücken beabsichtigten…

  13. Titel eingeben
    Nein, also wirklich! Man kann ja doch bitte niemals genug sündteures, steinaltes Gerümpel im Hause haben! Es ist doch auch wirklich schön, an jedem Tag des Monats ein anderes Silberservice benutzen zu können, ein anderes Silbertablett und anderes Silberbesteck. Vom Porzellan gar nicht erst zu reden! Alles andere wäre ja auch grauenvoll langweilig. Und wer irgendein Problem mit einer gewissen, entspannten Art der Privatverlotterung Delüx oder einer gehobenen Variante von Sammelwahn hat, ist ohnedies schon deklassiert, zumal die Meinung irgendwelcher Leute, also beispielsweise von Müttern, Tanten, Freunden oder potentiellen Amours in Hinsicht auf etwaig eigenwillige Vorlieben hinsichtlich der Gestaltung und Handhabe von Räumlichkeiten ohnehin vollkommen irrelevant ist. Es muß ja nicht gar soweit gehen, daß tragische Zombiesessel jedem Gast freimütig und ohne jede Scham ihr jahrhundertealtes Innenleben präsentierten, das Silber problemlos als Zinn durchginge und der Weg zum Tee durch schmale, finstere Schluchten aus aufgestapelten Büchern führte, wobei sowas ja auch seinen ganz eigenen Charme besitzt.

    Grundlegend gilt: Nach sieben Jahren vermehrt sich der Staub nicht mehr. Brokat an den Fenstern schützt vor nutzlosem Tageslicht. „Zuviel“ und „weniger“ sind böse, gemeine Worte. Ebay ist großartig. Ansonsten: „Après nous, le déluge“.

    Interessantes Geschäftsmodell, übrigens, was Sie da unterbreiten. Aber wäre die Option der Drittvilla nicht sehr viel aparter?

    ps. Keller und Dachböden gelten als Vorhöfe der Müllhölle, man sollte da niemals etwas hinbringen und lagern, womit man anderswo im Haus noch Gäste in die Verzweiflung aus Neid oder in eine hübsche Phobie treiben kann.

  14. Sammlungen
    Sammlungen sind ja was schönes, nur sollte man auch dafür den entsprechenden Platz haben. Schon ein kleines Palais wertet jede Silberkannensamlung auf. Und im Foyer kann man seine 94 Stahlrösser der gespannten Gemeinde präsentieren.
    Aber auf dem Dachboden? Und wenn beim öfnen der Schränke einem Silberkannen entgegenfallen sollte man sich eventuell ein neues kostspieliges Sammelobjekt suchen. Historische Münzen sind teuer und nehmen in Ordnern nicht besonders viel Platz weg. Nebenbei kann man sie in die Packtaschen des Reiserades werfen und ins benachbarte befreundete Ausland fliehen. Mit Silberkannen stell ich mir sowas recht sperrig vor.

  15. Darjeeling,..Lingia, Nepal Gold und .Nepal Flugtee..Guranese
    Titanium?!
    ..meine beiden sind 9 fach Alu-Schaltwerke, wobei der Rekordhebel auf 10 fach erweitert werden kann.
    ..und über den Schaltcharakter könnte ich Bücher schreiben. Die Chorus butterweich und die Record fast unmöglich hart, aber beide sehr genau.
    Ketten,warum von Shimano, wenn es die 9fach k. günstig gibt und diese sehr!!lange halten-record-.
    ..irgendwie beruhigt die Küchenbeschreibung von Tiger;..man ist nicht der einzige.
    ..Das Zeug steht zwar nicht in der Küche rum, nimmt aber in anderen Wohnbereichen nicht wenig Platz weg.
    Und im Winter wurde auch schon im Schlafzimmer geschraubt o. geschmiert.
    ..ich besitze neben Porzellan- geschmiedete Teekannen .
    Ist das was schlechtes?

  16. Das Leben mit dem besten aller Räder
    @Radfreund – In den Kreisen, denen ich zugehören sollte, hat man einen repräsentativen Eingang mit Garderobe, wo nur das hängt, was repräsentativ ist, mit eleganter Ablage für diverse Hüte, eingerammten Edelspiegel usw.
    .
    In unserem Foyer stand seit langem das Sportrad meines Mannes. Wir haben zwar auch einen Schuppen, aber da ist es nicht unter den Augen seines Besitzers und die zweite Etage mit der Werkstatt war als täglichen Abstellplatz zu mühsam. Nur wenn Besuch kam oder der Putzmann, trug mein Mann sein Edelroß auf den Speicher. — Bis ich mir dann auch ein sportliches Edelroß zulegte, und es auch unter meinen Augen haben wollte. Jetzt stehen unsere zwei Räder immer auf dem besten Platz am Eingang und auf der Hutablage aus Marmor liegen mehrere Fahrradhelme – wahlweise farblich passend zur Kleidung. Wenn Besuch kommt, schaffen wir nicht mehr unsere Räder auf den Speicher, und auch der Putzmann putzt um sie herum. Damit gehöre ich offensichtlich nicht mehr zu den repräsentativen Kreisen, in die ich geboren wurde.

  17. Outfit
    ..pardon, die Kannen waren aus Guss()

  18. Nein, nein nein!
    Nein, ich kann nicht verstehen, wenn ein Mann mehr als zehn Räder hat. Ich habe nämlich nur acht…

    (ähem – und im Gegensatz zu Don, der seine Räder liebevoll aufbaut und hochrüstet, quäle ich meine billigst erworbenen Räder ausgiebigst, und zwar solange, bis sie nahezu einen Totalschaden darstellen)

    Mit anderen Worten: Rund 75 Prozent meiner Räder sind Fahrradleichen, die in diesem Frühling auf ihre Zerfledderung (aus zwei defekten Rädern je ein intaktes basteln) oder ihre Überführung zum Schrotthändler warten. Irgendwie mag ich mich aber so ungern trennen von Rädern, die mich lange Zeit tapfer beförderten und die ich eigenfüßig in den Schrottzustand befördert habe.

    Da hängen Erinnerungen dran…

  19. Ich habe im letzten Jahr auch eine Stronglight kaputtgetreten ...
    … auf dem mittleren Blatt rutscht die Kette immer wieder durch.
    .
    Kettenblatt futsch = mein Bauch 10kg weniger und damit auch fast wieder „stronglight“.
    .
    Billiger als das Absaugen vermute ich, zumindest wenn man die vielen Tretstunden nicht in Arbeitsäquivalente hochrechnet.

  20. Gefasel
    Alles krankes Wohlstandsgefasel hier. Macht euch nützlich, anstatt rumzusalbadern.
    Beste Grüße, Jürgen Zoschke

  21. Commercial Storage
    Ich wundere mich ein wenig dass es das in Deutschland noch nicht geben soll? Man ruft bei einer Spedition an, laesst die Wohnungsinhalte in Kisten verpacken und zur Lagerung abtransportieren. Dann wird sauber gemacht und wenn genehm ruft man an und die Kisten werden vorbeigebracht.

    In jungen Jahren habe ich das mehrfach machen lassen und Kisten im Buero eingelagert, zuhause renoviert, oder die Bude vermietet waehrend ich im Urlaub war. Und im Herbst dann die Spedition wieder angerufen…

    In Asien ist es noch einfacher. Man kauft einfach ne neue Wohnung wenn die Alte (Wohnung bittschoen) voll ist.

    • Doh, das gibt es sehr wohl – nur muss man sich selbst darum kümmern. wichtig wäre es, wenn jemand das Zeug abholt bringt und vor allem keine peinlichen Fragen stellt.

  22. Sisyphos
    wurde sicherlich von einger griechischen Hausfrau erfunden als sie die Amphorensammlung ihres Mannes af dem Dorfmarkt versteigert hat. Wir machen das zuhause ähnlich. Wenn uns das Caos über den Kopf wächst sagt meine Frau: „Lass uns mal wieder Freunde einladen!“ Wirkt Wunder. Bei uns sind das grad ehe Duplosteine und Kinderklamotten. Aber die Zeiten für Barockgemälde und Silberkannen kommen wieder.

  23. Lieber Herr Zoschke,
    ich gehe jetzt bei bestem Sonnenschein Ski fahren. Das empfinde ich als durchaus nützlich.

  24. Krankes Wohlstandsgefasel?
    @Jürgen: Was heisst nützlich?

    Sein Leben aufopfern für andere, denen es vermeintlich oder tatsächlich viel schlechter geht?

    Oder sein Leben so geniessen, dass man den Tag mit einem Lächeln beginnt – und dem Gedanken, eigentlich ist das verdammt schön hier? Und keine gesteigerte Motivation besitzt, mauschelmeierlich neue Geschäftsmodelle auszubrüten, mit denen man noch mehr Leute über den Tisch ziehen kann.

    Wenn man z.B. die „hochkarätige“ Diskussionsrunde bei Anne Will gestern verfolgte, warum kam selbst bei „den Linken“ nie der Gedanke auf, dass eine gewisse Reform der Möglichkeiten von Eigentumsverschleierung durch Verfügungsgewalt“ über „juristische Personen“ wohl eine der effizientesten Massnahmen wäre, „Firmengelder“ dem öffentlichen Zugriff zuzuführen.

    Wie weit das sinnvoll wäre, steht auf einem anderen Blatt (die Gefahr der Abwanderung in steuerlich weniger problematische Regionen wäre naheliegend, und die Ineffektivität von staatlicher Planwirtschaft ist unbestritten) – aber es wäre für Staaten weit wirkungsvoller, als am Ende die letzten Privatvermögen aufzusaugen und die vollendete Lobbykratie aus Managern und Aufsichtsräten zu realisieren.

    Natürlich plädiere ich nicht nur uneigennützig für die Existenz des abgesicherten Privatmann, der sich aus dem ganzen Wirtschaftswachstumszwang ein Stück zurücknehmen kann, und Wohlstandsgefasel absondern – aber ich denke, dass die Möglichkeit in unserer Gesellschaft, auch Musse leben zu können, eine Säule einer humanen Gesellschaft ist, in der man die Freiheit hat, sich nicht dauernd für seine Existenz rechtfertigen zu müssen.

    Es muss nicht jeder zum Hochfrequenztrader, Sangeskünstler oder Fussballstar die Karriereleiter hochächzen – und damit jede Menge falsche Anreize setzen.

    Freundschaft, gute Gespräche und liebevolle Lebenspartnerschaften, und schöne Erlebnisse haben eine weit höhere Qualität als Statussymbolbesitz.

    Fahrräder und Silberkannen sind für extrem viele erschwinglich, und wenn man das Autohobby ansieht, kann man mit einem 7000€ Chrysler PT Cruiser Cabrio ein vielfaches an individuellen Spass haben wie mit einem 15 Mio. Ferrari aus den 60ern, wenn man den Lustgewinn pro Euro
    indexiert….

    Aber ihre Frage war sehr berechtigt – was ist nützlich?

    Und jetzt muss ich die Schildkröte füttern…

  25. Titel eingeben
    Eben.
    Lieber reich und gesund als arm und krank. (Volksmund)

  26. Sublim
    Häkelborte mit Reißzwecke: low life.

    • Das war schon bei meiner Grosstante so, umd die Borte hat meine Ururgrossmutter gemacht-

    • Reißzwecken sind aus Eisen - also auf Deutsch "Iron", dahinter noch
      ein „ie“ gedacht und fertig ist der neuerlich notwendig werdende Hinweis des Erfinders der Kunstfigur, dass es sich bei seinen hübschen Gute-Nacht-Geschichten um etwas (bei den Stützen mehr, bei Deus geringfügig weniger) Ironisches handelt…

  27. Freud
    Dieses Blog verbildet.
    Ich las schon Häkeltorte!

  28. Als Hipst..äh Student hatte ich diesen Job in Berlin:

    Der alte Herr hat ein kleines Millionenimperium aufgebaut, Kinder und Ehepartner bespielen mehr oder eher weniger erfolgreiche Firmen. Ständig müssen Dinge (nicht ganz so ärmlich wie bei Don) zwischen Standorten, Lagern und den Privatanwesen hin und hergefahren werden, teilweise endet die Reise auch bei der BSR.

    Die Pausenregelungen und Arbeitszeiten sind großzügig genug, dass diese niemand ausnutzen muss. Das Geld kommt so pünktlich, dass niemand fragt, warum die Rechnung an die aktuelle Insolvenz gestellt werden soll.

  29. bitte kein "decluttering" !
    (davon liest man immer in amerikanischen blogs)
    .
    Als ich an der Dissertation arbeitend zeitweilig ein Haus für mich alleine hatte wanderte ich mit den Unterlagen (und den Zerstreuungs-Unterlagen: Romane, Kataloge, Modezeitschriften und Manuskripte von Freunden)

  30. bitte kein "decluttering"!
    (davon liest man immer in amerikanischen blogs)
    .
    Als ich vor vielen Jahren an der Dissertation werkte und zeitweilig ein Haus für mich alleine hatte, wanderte ich mit meinen Unterlagen (und dem Ablenkungsmaterial in Form von Romanen, Bildbänden, Zeitschritfen, dem „Journal der Dame“ vom Dachboden und Gedichten eines lieben Freundes) und meiner Hermes Baby von Raum zu Raum,
    wenn ein Kapitel nicht gedieh, ein neues beginnend und in einen anderen Raum wechselnd.
    .
    Aber nun, als Mieter, ist alles anders. Da gibt’s Begehungen durch Anwälte (eine Anwältin, genaugenommen, anorektisch, mit weißem I-Dings mit dem sie unerlaubt fotographierte und mit Pradatasche –
    als ich dann ihre Kanzlei sah, gabs dort gerahmte IKEA-Drucke!) um nicht widmungsgerechte Nutzung und Messiesyndrome wegen zu vieler Bücher argumentieren zu wollen… Und bei einer Freundin, ebenfalls Mieterin, die eine mittelalterliche Wohnung wunderschön restaurierte, wurden unlackierte historische Türen gerichtlich ins Treffen zu führen versucht. Ach, ja.

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