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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Das Jubiläum der Kriegstreiber

| 41 Lesermeinungen

Warm, sonnig, leicht bewölkt bei 29 Grad
Das aktuelle Wetter in Valeggio

Es gibt in italienischen Städten keine Via Valeggio, selbst wenn der Name schön klingt. Valeggio steht für einen peinlichen Moment der italienischen Geschichte. Der Ort am Mincio, dem Ausfluss des Gardasees, und an der Grenze zwischen Venetien und der Lombardei gelegen, wechselte früher oft den Besitzer. Mal gehörte er zu Verona, mal zu Mantua, mal begehrten ihn die Visconti in Mailand und dann, bis zur Abschaffung ihrer Republik unter Napoleon, die Venezianer. Danach kam er zu Österreich. Im dritten sardischen Krieg des Jahres 1866 überquerten hier italienische Truppen den Mincio, um dann gleich bei Costazza vernichtend geschlagen und über den Fluss zurück getrieben zu werden. Gleichwohl kam Valeggio nach dem Krieg auf dem Verhandlungsweg zu Italien. Das war nicht ruhmreich, und kein Grund für eine Via Valeggio.

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Nur eine Tagesreise weiter nördlich verblieb dann auch die Grenze zu Österreich bis zum ersten Weltkrieg. Aber fast fünfzig Jahre herrschte hier Frieden, und man lebte nicht schlecht am Rand des Königreichs Italien. Das Land ist fruchtbar, hier gedeiht der beste Risottoreis, das Klima ist besser als in der Po-Ebene, der Handel mit den Ländern des Nordens führte oft hier vorbei, und bei klarem Wetter sieht man hier die Berge rund um Trient, in denen Österreich und Italien in der Friedenszeit unüberwindlich wirkende Sperrwerke erbauten. Si vis pacem, para bellum. Am 23. Mai 1915 erklärte der italienische König dem österreichischen Kaiser den Krieg. Die Bevölkerung in Italien war daran eher desinteressiert, und die Truppen aus den Südtiroler Bergen standen damals im Ersten Weltkrieg auf dem Balkan, wo sie entgegen ihrer eigentlichen Qualitäten als Infanterie verheizt wurden.

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Nachdenklich will man den Tag hundert Jahre später begehen, sagen italienische Politiker, aber trotzdem ist es hier eine hoch emotionale Sache. Die Gemeinde begeht justament an diesem Tag den grossen und weit über die Grenzen der Region bekannten Antikmarkt, und neben den Ständen sind überall Lautsprecher angebracht, aus denen patriotisches Liedgut der Zeit ertönt. Darunter gehen Touristen ihren Geschäften und Einheimische dem Herumschauen nach: Auch heute herrscht Krise in Italien. Nicht militärisch wie beim reichlich misslungenen Kriegsbeginn, als wenige Südtiroler Milizen die Italiener aufhielten. Die Krise ist finanziell, die Banken sind marode und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Valeggio lebt eigentlich ganz gut vom Tourismus, gerade an Tagen wie diesem, aber auch hier haben Geschäfte zu gemacht. Und davor stehen Lautsprecher, und Chöre singen, wie fein doch das Leben als Alpini sei.

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Valeggio ist heute nicht gross und war es früher erst recht nicht, und trotzdem hat es einhundertsiebzig Kriegstote zu beklagen. Militärhistoriker sagen das so einfach: Das Gelände, das sich weiter nördlich erhebt, begünstigte die Verteidiger. Was sie unerwähnt lassen, was vermutlich zum Beruf des Militärhistorikers gehört, und dazu, dass Männerchöre patriotische Lieder singen, ist der Umstand, dass das Gelände die Angreifer benachteiligte. Etwa, weil die Ausrüstung mit Stahlhelmen höchst unzureichend war, im Gestein der Berge die Errichtung von schützenden Stellungen nur schlecht gelingen will, und weil jeder Einschlag einer Granate das Gestein in tödliche oder schwerst verletzende Splitter verwandelte. Einige italienische Futuristen wie Gabriele d´Annunzio schätzten die Überlegenheit der Maschinen über den Menschen, aber Valeggio gedenkt an diesem Tag der Opfer.

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Neben der Kirche steht das Denkmal der Ragazzi del ’99. Dieses Denkmal erzählt viel über Italien, denn es ist bei aller heldenhaften Pose des vorwärts stürmenden Soldaten, in einer Hand die Granate und in der anderen das Gewehr, stümperhaft und plump ausgeführt. Heute hängt dort ein frischer Kranz, aber mit diesen Ragazzi hat es eine besondere Bewandtnis: Das ist der Jahrgang, der gerade 18 Jahre alt geworden war, als er von der Schulbank weg eingezogen und ohne ausreichende Ausbildung an die Front geschickt wurde. Es war die italienische Version von „Im Westen nichts Neues“, und es waren diese Jungen, die dann bei der Schlacht von Karfreit, als die Mittelmächte in die Offensive gingen, besonders schwere Verluste hinnehmen mussten, was eine verharmlosende Umschreibung für vergast, zerfetzt und aufgerieben ist. Es gehört irgendwie dazu, dass man besonders schlimmen Ereignissen besonderen Heldenmut zuspricht, und so steht eben etwas abseits vom Trubel dieses bröckelnde Denkmal. Seit ich es kenne – und die Region ist für mich fast so etwas wie eine dritte Heimat, ich kenne es also schon etwas länger – ist vorne am Gewehr mit einem rostigen Draht ein Küchenmesser als Bajonett befestigt.

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Es gibt eine Geschichte von Don Camillo und Peppone, die nicht in den Filmen auftaucht. Da geht es um den Feiertag von Vittoro Veneto, zum Ende des Krieges. Dann verschwindet Peppone immer aus dem kleinen Ort am Po. Die Geschichte ist der Schlüssel zu seinem gewalttätigen Charakter: Peppone gehört zu diesem Jahrgang und wurde durch den Krieg um seine Jugend betrogen. Er ist, so würde man das heute sagen, von den Ereignissen traumatisiert, wie es auch Don Camillo ist, der den grossen Krieg als Sanitäter erlebte. Das haben beide erkennbar nicht überwunden, wie es das ganze Land nicht überwunden hat, und in Folge des katastrophalen Krieges dann gleich in die Mussolini-Diktatur rutschte. Für die Antifaschisten Don Camillo und Peppone ist das das nächste Unglück, das bis zum Ende des nächsten Krieges andauern wird. Die beiden prügeln sich nicht, weil sie gewalttätig sind. Sie sind Ragazzi del ’99, sie müssen beide ganz langsam, wie sie es dann auch tun, mit ihrem Trauma zurück in ein normales Leben finden. Und das erklärt vielleicht auch, warum das Andenken an diese betrogene Generation nicht so leicht ist, selbst wenn heute viele Männer mit den Alpinihüten durch den Ort laufen.

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Das ist eine andere Generation, die zwar formal noch in der Tradition der alten Truppe steht, aber so gut wie keiner von denen hat noch in einem Krieg gekämpft. Irgendwann hat dann vermutlich auch der Verantwortliche für die Beschallung seine Aufgabe vergessen und die CD nicht mehr neu gestartet. Nur die Fahnen weisen dann noch auf den besonderen Tag hin, und nicht einmal das tun sie weiter nördlich in Südtirol: Dort werden die Fahnen Italiens erst gar nicht ausgepackt. Man weigert sich dort, diesen Tag festlich zu begehen, und weil hier gerade Wahlkampf ist, dürfen sich die Südtiroler deshalb dumme Sprüche der rechten Parteien anhören. Wegen so einem Fetzen Stoff. Manche haben so etwas wirklich an den Ständen ausgelegt, und wer will, kann auch etwas Mordgerät kaufen. Oder aber einen Degen der Zeit, der zu einem Aschenbecher umgeformt wurde.

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Es ist nicht so leicht mit dem Patriotismus, wenn die heldenhafte Musik aus Boxen und Geräten kommt, die in China gefertigt wurden, und grosse Firmen in Mantua und Vicenza die Produktion nach Rumänien verlagern. Es ist nicht so leicht mit einem Krieg, der von militärischen Hassardeuren unter absurd hohen Verlusten knapp gewonnen wurde, und um den späteren Preis einer neuen Diktatur. Es bleiben hundertsiebzig Tote zurück, die zu betrauern sind, gestorben da drüben in den Bergen beim Schiessen auf andere arme Teufel, die sie vielleicht sogar kannten: Das hier ist eine Grenzregion, das Castello steht auf der ersten kleinen Erhebung der Alpen, das verbindet die Menschen öfters, als es trennt.

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Das ist, wie gesagt, meine dritte Heimat und wenn hier das Ende des zweitem Weltkriegs gefeiert wird, ist mehr los. Das ist dann wirklich ein Freudenfest, da muss keiner Boxen aufstellen und den Antikmarkt seltsam beschallen. Da wird dann gefeiert, dass von da an Frieden herrschte, Verständigung, und vor ein paar Jahren auch noch Europäische Einheit, die vor dem Beginn der Sparzwänge ganz gut klang. Dieser Jahrestag dagegen gehört dem Gedenken. Nächstes Wochenende ist Kommunalwahl, da wird man dann sehen, wie viele hier für die Lega Nord stimmen, die Europa und seinen Zwängen den neuen Krieg erklärt hat.

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Ich kaufe ein Rennrad von Grandis, einer feinen Edelschmiede aus Verona, die es noch gibt, während so viele andere Marken längst dem Importdruck aus Fernost zum Opfer gefallen sind. Ob das etwas bedeutet, weiss ich nicht. Es ist ein schönes Stück einer dritten Heimat, die ich mag, und als der Händler sagt, der Preis sei non trattabile, zahle ich ihn halt. Nachgeben ist manchmal gar nicht so schlecht und wohin das Beharren auf den eigenen, einzig richtigen Standpunkt führt, sieht man ja nicht nur bei alten, sondern auch bei neuen Kriegstreibern und ihren Ideologien. Der Kriegstreiber d´Annunzio schimmelt in seiner Gruft drüben am Gardasee, die hundertsiebzig liegen in Kriegsgräbern zwischen dem Ortler und dem Isonzo, und ich fände es fein, wenn Europa wieder etwas weniger Streit und Ausverkauf und den Eindruck einer Zwangsverwaltung bedeuten würde.

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41 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Sehr schön.

    Anrührend.

    Das Rennrad – Grandis –

    nachgeben ist manchmal gar

    nicht

    so schlecht.

    ich weiss, ich bin zu früh dran

    & sollte das wasser halten –

    es ist einfach gut. Alles.

    • Danke.

      Das Rennrad war vom Preis her fair, da sehe ich nicht ein, dass ich noch drücken soll. Ausserdem hilft es der italienischen Wirtschaft.

  2. Titel eingeben
    nachdenklich
    Vielen Dank für die diversen Einblicke in die Bedeutung der Italianita

  3. Erinnerungen und Gedenken...
    Das ist wohl auch auf den anderen Seite zuweilen noch gegenwärtig. Die Abschlussklassen der Offizierschule des Bundesheeres in Wiener Neustadt geben sich Namen nach bedeutenden Ereignissen der österreichischen Militärgeschichte, ein Kamerad den ich vor vielen Jahren kennen lernte gehörte also dem Jahrgang „Tolmein“ an, eine Durchbruchsschlacht der Mittelmächte gegen die Italiener.
    Traumatisiert war neben Guareschi (Peppone und Don Camillo) vielleicht auch der junge kriegsfreiwillige Sanitätshelfer Hemingway. Seinen Abschied von den Waffen („A farewell to arms“, der deutsche Titel lautet anders, warum wohl?) war ihm nicht wirklich vergönnt, bis er im Alter eine gegen sich selbst richtete.
    Hoffen wir dass uns Europa in der Tat weiter friedlich erhalten bleibt.

    • Ich glaube, dass Don Camillo da ein wenig nach Hemingway gezeichnet ist. Überhaupt sind DDon Camillo und Peppoe ziemlich hemingwayartige figuren, wenn man mal die italienische Volkskommödie weglässt.

      Ich fand die Musik ausgesprochen befremdlich und war froh, als man sie nicht mehr spielte.

  4. ein Hinweis
    Es wundert mich zwar nicht wirklich, aber Sie verwechseln und vermischen den Ersten Weltkrieg und den Zweiten. Ist aber wurscht. Italien war immer Sieger.

    • Nein, das tue ich nicht – für viele Italiener begannen nach fünf Jahrzehnten des Friedens drei Jahrzehnte dauernder Konflikte und Unterdrückung. Mit dem ersten Weltkrieg beginnt da die schlechte Zeit, zumindest für die Linken.

    • Titel eingeben
      Der Janustempel wurde übrigens vor einer Weile an einen US-amerikanischen Hedgefonds vertickt; insofern dürften militärische Erfolge Italiens auch die nächsten Jahrhunderte auf sich warten lassen. Pardon, ich vergass die Eroberungen in Libyen und Athiopien.

    • Den Ersten und den Zweiten WK braucht man nicht zu verwechseln!
      Italien hat jedesmal raffgierig oder hinterlistig Bündnisse gebrochen und die Fronten gewechselt. So wurde man jedesmal zum Kriegsgewinnler. Ich empfehle dazu unbedingt die hier auf FAZ.NET nachzulesende Ausgabe der Frankfurter Zeitung vom 25.05.1915: „Italien greift in den Krieg ein“. Unübertrefflich, der damalige Kommentar!

    • Wenn ich mich richtig erinnere, war der zweite Weltkrieg nicht wirklich erfolgreich für Italien.

      Manches, wie das Streben nach Kolonien und Einflussbereichen, waren damals nicht unübliche Verhaltensweisen, egal wie wir das heute verdammen. Ansonsten muss man dem Land damals in seiner Führung einen Hang zum Militarismus und Nationalismus unterstellen, aber das macht auch keinen mehr von denen lebendig, um die es hier geht, und wer mir zeigen kann, wo ich hier angeblich Weltkriege verwechsle, dem kaufe ich eine Flasche Wodka.

      Wer nationalistisches Geschrei und Kriegsschuldfragen sucht, wird sich hier schwer tun. Mit Absicht.

  5. Es gibt in italienischen Städten keine Via Valeggio
    Das stimmt nicht !

    • keine, die an den Flussübergang im sardischen Krieg erinnert. so wie eine Via solferino.

  6. Titel eingeben
    Sehr geehrter Don,

    unser geliebtes Italien ist bündnisbrüchig 1915 auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten um sich Österreichisches Gebiet einzuverleiben. Militärisch so wenig erfolgreich wie auch im 2. Weltkrieg. Aber die neuen Verbündeten hielten Wort und Italien bekam für den Verrat u.a. Südtirol, Friaul etc..
    Ich gehe aber mal davon aus, das Ihnen das sicher alles bekannt ist.

  7. Toll!
    Wieder einmal richtig Klasse!

  8. Titel eingeben
    Danke für diesen nachdenklichen Beitrag. Kriegsgedenken ist mancherots befremdlich. Ob das monumentale Ruhmeshallen sind oder diese Kriegerfigur, die aussieht wie wenn sie der Dorfschmied mit der Kettensäge selbst gemacht hätte. Ich finde, die Figur von Käthe Kollwitz in der Neuen Wache drückt alle aus, was es zu dem Thema zu sagen gibt.
    Wenn Sie auf dem Rückweg nach Norden sind und Sie Bergstiefel dabei haben gibt es einige interessante Bergtouren auf denen man Spuren dieses Irrsinns begegnet. Selten habe ich den Krieg so beklemmend nah empfunden. Man wandert durch diese Postkartenidylle und plötzlich bröckelt ein alter Bunker vor sich hin…

  9. Schöne (dritte) Heimat.

    Eine schöne (dritte) Heimat hat der Autor hier beschrieben und bei aller Grausamkeit, die die Kriege mit sich brachten ist Zeit vergangen und eigenartigerweise heilt Zeit Wunden, so daß heute auch Deutsche und Österreicher an den Gedenkfeiern in Norditalien (man spricht deutsch) teilnehmen können. Und falls der eine oder andere Kriegsteilnehmer noch hinter seinem Rollator steht, könnten sich die Gegner von einst auch heute wieder die Hände reichen und gemeinsam einen Rotwein trinken.

    Früher waren die Anlässe für Kriege ja vielfältiger. Dem einen ist die Frau abgehauen (Ilias), Andere wollten ihren Nachbarn ihren Glauben aufdrängen, oder waren scharf auf des Nachbarn Bürger (Sklaven) oder Rohstoffe und schlussendlich noch ein paar, der guten alten Zeit Nachhängende, welche wieder von einem großen Reich träumen.(Putin)

    Heute gibt es eigentlich nur noch zwei Arten von Krieg und den führen überwiegend die „Guten“ aus den ehemaligen westlichen Kolonien Britanniens.

    Zum einen der Krieg gegen die, die uns Ungläubige nicht mögen und uns im Namen Allahs den Hals durchschneiden wollen; das kann man gut mit Drohnen von Ramstein aus regeln und man muß da garnicht hin, um sich dort die Finger schmutzig zu machen.(Herr Bush von dort drüben nannte das die „Axis of Evil“)

    Der andere, mir viel gefährlicher erscheinende Krieg, führen auch die „Guten“ in den ehemaligen Kolonien gegen uns im alten verstaubten, traditionsbehafteten und von „überkommener“ Ethik und Moral besetzten Europa.

    Ein stiller und „demokratischer“ (weil uns noch keiner so direkt zwingt ihn mitzuspielen) Krieg. Es geht um unsere Identitäten, um möglichst viele Informationen über uns, denn diese sind bares Geld und Geld ist das Einzige was für so einen Amerikaner zählt. Und all die Kiiiiiinder mit ihren kleinen schicken Handys geben die Kriegsbeute gleich freiwillig bei Twitter und Facebook ab, so quasi als Kapitulationsabgabe der eigenen Persönlichkeit.

    Sie haben in ihrem Krieg auch schon Verbündete mitten unter uns.

    Frau Merkel z.B., die Informationen über uns einfach so an ihre „Freunde“ und „Weltdemokraten“ weitergibt. Was sie halt so über uns erfährt beim beiläufigen Lauschen. Na ja, das kannte sie schon aus ihrer Jugend und alten Heimat.

    Oder Herr Dragi. Der ist ist zwar Italiener, doch irgendetwas werden sie ihm schon dafür versprochen haben, daß er das Geld der europäischen Sparer vernichten läßt.

    Der „Feind“ muß heute nicht mehr in schwerem Feuer Europa erobern – er hat es schon fast.

    Doch leider wird es, nach diesem neuen Krieg, keine Feste und Erinnerungs- und Gedenkfeiern mehr geben von denen der Autor in seinem Artikel schreibt und welche bei aller Grausamkeit uns eine oder zwei Generationen später doch wieder erkennen ließ, daß, sei es ehemaliger Freund oder Feind, wir uns in unserer Menschlichkeit wieder begegnen können.

    Die neuen Kriege der „Guten“ dort auf der anderen Seite des Atlantiks lassen auch dies nicht mehr zu, da sie uns unserer Menschlichkeit berauben wollen.

    Mit freundlichem Gruß
    B.Klingenberger

    • Bisschen arg schräg, die Ineinssetzung von körperlicher Vernichtung mit
      Datenweitergabe. Aber wer sich bekriegt fühlen möchte, dem will ich das Vergnügen nicht nehmen – ein bisschen Nervenkitzel brauchen einige halt.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Nachdenken über Geschichte tut ja keinem weh und Wagemut in der Sache auch nicht.

  10. Campari ist bitter genug
    Wer den militärischen Idioptahien des ersten Weltkrieges, in dem die scheinbar hochprofessionelle Zunft der ‚Militärs‘ komplett versagte, noch etwas Glamour abgewinnen wollte, möge sich das Szenario der 12 (!) Isonzo-Schlachten zu Gemüte führen. Und die grotesken Befestigungslinien in den Dolomiten betrachten.

    In jedem Beruf gibt es eine anerkannte Quote von Vollidioten. Ist nun mal leider so. Anwälte, Mediziner, Offiziers. Alle davon nicht ausgenommen.

    Auf dem Stuhl dazwischen die Südtiroler, die eigentlich weder noch sein wollen, sondern nur sie Selbst. Wie die Elsässer einmal …

    Schön, Ew. Liebden, wenn man da heutzutage einfach nur mit seinem schönen neuen Fahrrad durchradeln kann.

  11. bescheidener friedensfortschritt
    hatten wir diese aussöhnung von nördlich und südlich der alpen nicht schon mal ?
    im römischen reich südlich des limes und nördlich der alpen kam die kultur mit den römern, der hopfen, die birne, der wein, das bad…..
    der limes war eher nahtstelle denn schnittstelle bis um die 400 n.chr. die barbaren das römische reich sprichwörtlich abrissen und war der norden mit dem süden und der alpenraum in sich nicht eher versöhnt um 1100 mit dem sizilianischen staufer friedrich II. ?????
    die po-ebene bis in die alpentäler war durch alle jahrhunderte ein aufmarschgebiet für blutigste schlachten, inneritalienisch, zwischen kirche und staat, zwischen nord und süd und zwischen ost und west.
    dies sollte beachtet werden und die vorgänge 1915 reihen sich da in eine lange kette des allseitigen versagens ein.
    ja, umso schöner, wenn man da heuzutage mit dem neuen fahrrad durchradeln kann.
    aber frage:woher kommt der rahmen und woher die komponenten ?
    alles made in italy ?
    zugegeben, das land bräuchte unterstützung, aber geht es italien und den italienern wirklich schlecht ?
    die bauern, gastwirte und hoteliers in der toskana haben immer die neusten autos und schon steht da wieder ein neuer olivenöl- oder weintank. und die preise sind schon wieder gestiegen.
    glauben wir den offiziellen statistiken oder den annahmen über den umfang und die dynamik der schattenwirtschaft ?

    • Geschichte wird zu gern unter dem Gesichtspunkt des Militärischen betrachtet, die Friedens- und austauschzeiten gelten als uninteressant.

      Wenn ich mir anschaue, was in Mantua gerade passiert, muss ich schon sagen, dass es den normalen Leuten ganz erheblich schlechter als vor zehn Jahren geht. Haufenweise geschlossene Geschäfte, die Leute müssen Billigwaren kaufen, hohe Arbeitslosigkeit und gerade hier verlieren viele ihre Wohnung, weil sie die Zinsen nicht mehr zahlen können, gehen nicht zum Arzt, geben Versicherungen auf – das alles ist icht sichtbar, aber es ist die Realität.

      Bis auf die Reifen ist das Rad komplett in Italien gebaut worden.

    • Titel eingeben
      ich darf die Kirsche ergänzen. Ein zumindest für Franken unschätzbares Geschenk des ((auchGenerals) Lukull an seine Mitmenschen. Soweit ich weiß, gab er auch reiser weiter.
      Von der italienischen Schattenwirtschaft sollten wir lernen. Verteidigen wir das Bargeld oder zahlen mit Silberkannen.

    • Don, was den Italienern gerade passiert, ist nicht das Ergebnis eines Krieges,
      sondern das von vielen, vielen Jahren politischer Misswirtschaft durch Politiker, die die Italiener selbst gewählt haben. Der Preis dafür konnte lange, sehr lange, in die Zukunft verschoben werden, jetzt ist er eben fällig.

      Deutschland ist da auch nur sehr knapp dran vorbeigeschrammt (vielleicht) – als ich vor knapp 30 Jahren das erste Mal halböffentlich äusserte, dass man die jährliche Schuldenerhöhung öffentlicher Haushalte nicht ad ultimo fortsetzen kann, wurde ich noch ausgelacht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  12. Krieg gegen Österreich
    Was soll der Bayer daran schlecht finden?

    • Das ist eine legitime Frage, aber der Wunsch der Bayern ist nicht „Italien bis zum Alpenhauptkamm“, sondern „Bayern bis zur Adria wie im zehnten Jahrhundert und Österreich als unterworfene Sklaven“.

  13. Schade
    Schade, dass die Italiener auch nur Schönwetter-Europäer sind. Sie wissen, was in ihrem Land alles nicht klappt, aber wenn das in Brüssel (auch von den an den Entscheidungen der EU teilhabenden Italienern) formuliert wird, ist es sofort eine Unverschämtheit. Das Geld der EU nimmt man gerne, deren gute Ratschläge nicht.

    Dieser nationale Infantilismus zeigt, dass die Weltkriege eben doch auch ihre Ursache im Denken der „einfachen“ Leute hatten und eben nicht nur ein Plan idiotischer Eliten waren.

    Trotzdem wieder einmal ein schöner Artikel.

    • Ich denke, man macht es sich da zu einfahc, und ich schreibe da auch bald dazu etwas. Jedenfalls, „sie Italiener“ würde ich auf keinen Fall gleichsetzen mit jenen, die von Europa profitieren. ein Kernproblem ist in diesem Land die Bürokratie, die wiederum bestens mit der Bürokratie in Brüssel kann. Der normale Mensch hat davon aber gar nichts. Und was passiert, wenn der infantile Nationalismus in einen radikalen umschlägt, hat man ja schon gesehen. Und davon ist man weitgehend geheilt.

  14. Jubiläum
    Die Schlacht, die Sie vermutlich meinten, war bei Custozza. Was die Kriegstreiber betrifft, so mag D’Anunzio freischaffend einer gewesen sein; den Krieg wollte Salandra, der Crispi und die seinen überstimmte. Mit den bösen Militärs war es ausnahmsweise nicht so weit her: conte Cadorna wollte keinen Krieg, zumindest nicht 1915, weil er den Zustand der Armee kannte. In der Folge der 12. Isonzo Schlacht, von der Sie erzählen, wenn ich es recht lese, war er es, der, allerdings arg brutal verhinderte, daß die italienische Armee nicht völlig zu Grunde ging; schließlich hat sie ja den Krieg „gewonnen“. Trotzdem – für jemanden mit begrenztem Wissen ein recht netter Aufsatz.

    • Der liebe Gabriele hat sich da nun mal feuiletonistisch massiv in den Vordergrund gedrägt, und ich finde schon, dass er sich den Anteil von Blut und Dreck holen kann, den er verdient. Für anderes war kein Platz, und es ist ja keine Abhandlung. Daraus begrenztes wissen abzuleiten , ist zumindest unhöflich.

  15. Krieg und die Stimme der Vernunft
    Man muss d’Annunzio nun allerdings zugute halten, dass er unter den Literaten jener Zeit wahrhaftig nícht der einzige gewaltbesoffene Kriegshetzer war. Die Betrachtungen eines Unpolitischen oder Gedanken im Kriege sind auch nicht gerade ein Ruhmesblatt im Werk Thomas Manns, und selbst dieses Gesudel wird von den Ergüssen Barres‘ noch mühelos getoppt.
    Demgegenüber wurden die wenigen, die sich dem allgemeinen Gewalttaumel verschlossen, in nahezu jedem beteiligten Land angefeindet oder ignoriert: der grosse Anatole France ist aus Paris in sein Landhaus geflüchtet, weil ihm der patriotische Pöbel seinen zarten Hinweis darauf, dass man es mit dem Hass doch nicht übertreiben solle und man mit den Deutschen auch nach dem Krieg noch werde zusammenleben müssen, als Vaterlandsverrat auslegte. Romain Rolland konnte seine pazifistischen Aufrufe nur von der Schweiz aus publizieren, und Heinrich Mann hatte in Deutschland praktisch Publikationsverbot.
    In kriegerischen Zeiten ist die Stimme der Vernunft für gewöhnlich das erste Opfer.

  16. Titel eingeben
    Ich war erstaunt, wie sehr in den Familien noch gegenwärtig ist, wessen Vater, Opa oder Uropa bei den Partisanen war oder eben bis zum Schluß den Faschisten anhing. Einschließlich getrennter Kriegerdenkmäler.

  17. Kaufe nie ein Produkt, dessen Inhalt du nicht kennst
    Geehrter Don, das ist schön zu lesen. Kriegstreiber gab es aber überall, wobei man in Kriegen auch kaum gewinnen kann. Letztlich aber ist das alles Geschichte. Und wenn Sie sich wünschen „wenn Europa wieder etwas weniger Streit und Ausverkauf und den Eindruck einer Zwangsverwaltung bedeuten würde“, dann ist das ja vielleicht noch verständlich – die Briten sind da ja schon weiter -, doch wie soll es denn gehen, wenn man nicht wie Griechenland enden will? Bei den bevorstehenden Wahlen wird es wohl ähnlich wie in Spanien einen starken Linksruck geben. Die entsprechenden Parteiprogramme dort lesen sich löblich und üblich, wenn etablierte Parteien im eigenen Sumpf feststecken, allerdings auch wie eine weitere Schuldenaufnahmekampagne mit Gerechtigkeitsanspruch. Das ist alles verständlich nach den zahllosen Korruptionsskandalen der Etablierten, nur nach fundamentaler, wirtschaftlich ausgerichteter Strategie indes sieht es nicht aus. Kommen jetzt Reparationsforderungen auch von Italien und Spanien, weil man nicht weiß, wie man ein Bruttosozialprodukt nach oben puschen soll? Vielleicht kommen dann noch die Iberoamerikanischen Länder auf die Idee, Reparationen für die Raubzüge der Spanier des 15. und 16. Jahrhunderts zu postulieren; und mit Ihnen die Afrikaner für die nach Amerika verschifften Sklaven.
    Sparzwänge sind eben auch das Resultat aus durch die Parteien zuvor gelebtem Verschwendertum – das zumeist in der Konsequenz vom Volk getragen wird. Und wenn der Tourismus da in Südtirol nicht mehr so läuft, hat das manchmal ganz banale Ursachen wie der, daß man vielleicht weniger Kronleuchter vom Flohmarkt will als früher noch.
    Wir wollen nicht wieder die Fehler bei Einführung des Euro auflisten, ob wir den überhaupt brauchten, oder daß das von Anfang an Mist war. Es ist so wie es ist. Wenn man Schuldenschnitt als Lösung sieht, dann aber auch Guthabenschnitt. Ich fürchte, da wird man auch vor Grundvermögen nicht haltmachen können (Steinbrück läßt grüßen). Alte Währungen wieder her, die Schlagbäume runter und wir starten neu. Ansonsten den Fado anstimmen.

  18. Col di Lana
    „Berge in Flammen“. Das war mein erster Gedanke.

    In Österreich hat’s keinen Kaiser und in Italien keinen König mehr.

    Schon lieber strampelnde Waderln über die Berge.

  19. si vis pacis para bellum
    Die Sache mit der Heldenverehrung und dem Kriegsgedenken. Die ist ja überwiegend Sache des Siegers, das wussten schon die alten Römer kurz und prägnant mit ihrem vae victis auszudrücken. Deshalb haben dann halt auch die Italiener als politische Sieger (weil ja seit Clausewitz nicht mehr Krieg als Krieg gespielt werden darf, sondern immer auch einen politischen Hintergrund zu haben hat) und im Felde eher ungesiegt das Recht, ihre Musik plärren zu lassen und ihre Heldengedenktotems allerorten aufzubauen.
    Was mir hier in den amüsiert zu lesenden Kommentaren zu einem noch amüsanteren ursprünglichen Bericht ein wenig arg durchzuscheinen scheint ist die wiederum recht arge politische Korrektheit, dass man Krieg per se, also die ganze Bandbreite (diesmal nicht die vom Internet) vom Scharmützel über die Bataille bis hin zur Schlacht, dem Feldzug und dem Krieg als a priori schlecht darstellt. Das finde ich mit Verlaub ein wenig zu deutsch, zu stutzerhaft. In Clubs im Vereinigten Königreich oder in dem einen oder anderen Salon in der Grande Nation wird das durchaus etwas differenzierter betrachtet. Nicht dass Krieg was Schönes ist, doch war selbiger oft und gern eine gute Gelegenheit, den biedermeierlichen Krempel zuhause hinter sich zu lassen und ein wenig Abenteuer zu suchen. Dass das nicht immer ganz freiwillig war, ist nicht von der Hand zu weisen, doch wenn ich wie heute durch den einen oder anderen Flur eile, sehe ich links und rechts nur Altvordere in Waffenröcken an der Wand hängen. Mehr ist von ihnen nicht übrig geblieben, aber die Uniform sollte es dann doch bitte sein, und ich muss gestehen, zum überwiegenden Teil hat das Kriegshandwerk meine Sippschaft (sehr gut) ernährt und ihr ein gerüttelt Maß an Vermögen (das wird hier ja auch immer gern betont) und Daseinsberechtigung (das wird hier nicht so gern betont) gegeben. Selbst ich stehe da noch in derselben Tradition (ohne dass ich mich in Öl konservieren liesse, diese Zeiten sind perdue) und empfinde durchaus große Lust am ganz konkreten Kriegshandwerk, an dem sich kaum noch jemand die Hände schmutzig machen will heutzutage. Das wird outgesourct an die Herren Kollegen von academi und Co. Selbst in so gelungenen Ausstellungen wie derzeit auf der Schanz über Napoleon und Bayern wird das Leid der Schlacht und des einzelnen Soldaten herausgekehrt. Das auch diese den Krieg in Form diverser Kriegsgötter wie Ares und Mars verehrten, Nike den Kranz hielten und die leid- und todgeschwängerten Schlachten ihrer Jugend bis ins hohe Alter hinein verherrlichten, das tritt nur ganz am Rande und zum Schluss zutage. Oft war und ist der Krieg die einzige Gelegenheit, mal aus dem häuslichen Mief herauszukommen. Und ich mag das überhaupt nicht verurteilen. Wer damit nicht klarkommt, mag sich auf ein von der Krankenkasse anerkanntes Kriegstrauma berufen und den Psychologen seiner Wahl konsultieren. In meiner Sippe gibt es auch leidlich genug Zeugnisse, die weit, wirklich sehr weit zurückreichen, und alle diese Briefe sind eher in Jüngerscher Stahlgewittermanier nach Hause geschrieben (selbst wenn man etwas Renommieren in Abzug bringt) denn als entschiedene Philippika gegen den Krieg an sich (s.o.). Dass die Jungs in meiner Sippe damals oft einen Hau weg hatten, ist nicht von der Hand zu weisen, man mag mir das auch unterstellen, aber im Sinne der Erbfolge waren Kriege früher doch gern auch erfrischend klärend. Auch marktwirtschaftlich führte die Verknappung im Angebot der männlichen Spezies in Relation zu einem Überangebot weiblicher Interessentinnen zu durchaus interessanteren deals auf dem Heiratsmarkt. Man möge mir den Ausflug Richtung Stammtischniveau verzeihen.
    Dass die Kaiserjäger die Karabinieri in Schach halten konnten, lag zu einem Gutteil am asymmetrischen Krieg, den man schon damals gut zu führen verstand. Die Reichswehr hat davon strategisch und taktisch ihre Lehren gezogen, und auch heute hätte man vielleicht eher eine der Nachweltkriegsanalysen lesen sollen, bevor man Panzer gegen Fanatiker wo auch immer in der Welt schickt. Zurück zu Südtirol. Man mag versichert sein, dass keiner der Standschützen bei allem Leid, bei aller Not einfach sein Gewehr hingeworfen hätte und heimgegangen wäre. Alle haben sie ausgehalten, im grossen Krieg in der Heimat genau so wie in der Grande Armée Napoleons in Russland, in den Jahrhunderten davor oder am Golf oder am Horn von Afrika oder, oder, oder
    Und immer lockt die Erotik der bewaffneten Macht… Sonst gäbe es heute mehrere mehrbändige Ausgaben und Enzyklopädien zur Desertion oder zum Wegwerfen der Waffen. Aber nein, selbst die Enzyklopädie zum Ersten Weltkrieg, zumeist aus der Hand stark reflektierender Historiker geflossen (ich bin einer davon), suhlt sich verhalten in des Kaisers schimmernder Wehr und süchtelt hier und da in der Tat danach, den Krieg posthum doch noch rein theoretisch, insgeheim aber dann doch zu gewinnen.
    Dass nun Käthes Skulptur in Berlin steht, mag dem unbekannten Soldaten Referenz erweisen, mir ist das Siegestor in München ungleich sympathischer und auch eine Nation, die ihre erfolgreichen Feldherren ehrt und beim Namen nennt, lieber, als unser weichgespülter Föderalismus, der unentwegt dem Thermomix-Weichspüler politischer Korrektheit das Wort redet.

    Aber vielleicht bin ich auch nur a bisserl ewiggestrig, weil ich meine Haut gern für dieses Land zu Markte trage und es liebe, Krieg nicht nur zu spielen .

  20. Glaube ich nicht
    Beruflich habe ich viel mit Maschinenbau in Italien zu tun. Da gibt es Firmen, die sind praktisch unzerstörbar, weil sie seit Jahrzehnten eine exzellente Qualität liefern. Ich nenne nur wenige: Pastore&Lombardi bei den Türverschlüssen oder Benelligru, Cormagh, Fassi und PM-Group bei Ladekranen. Die sind aber vom italienischen Fahrzeugmarkt völlig unabhängig, der ist übrigens um 75 % zusammengeschrumpelt, die verkaufen schon länger einmal rund um die Welt. Dass Campagnolo die Produktion ausgelagert hat, halte ich für einen Fehler. Ich kenne die Marke seit 50 Jahren. Die war immer die absolute Qualität. Unsere Rennradfraktion musste vor 50 Jahren immer nach Enschede fahren, um bei Jurrie Dokter die Teile kaufen zu können. In D-Land gab es keinen Händler.
    Der Lohnanteil in Maschinenbau-Buden ist heute so +/- fünf Prozent. Bis die Kasper in Rumänien einen finden, der eine Fünfachsen-CNC-Fräsmaschine an´s Laufen bekommt, gibt es bestimmt einige Fehlversuche. Die werden dann bei uns billig angeboten. Nur das Radl läuft dann nicht mehr so richtig.

  21. und hier?
    Wieviele deutschsprachige Literaten waren denn im ersten Weltkrieg klüger als d’Annunzio; mir fällt spontan nur einer ein. Gegen eine gewaltige Übermacht von Jublern.

  22. Sorry
    das ist deplaziert. bitte weiter gehen.

  23. "Wo ham se gedient ?"
    @pseudoisidor

    Als Katholik sage ich immer wieder gerne, „das ist würdig und recht“, aber auch derzeit vermag ich kein Vergnügen im fröhlichen Waffenspiel finden. Territoriale Veränderungen herbei zu führen, gehört ohnehin der Vergangenheit an, auch wenn man Herrn Putins fragwürdige Eroberungen betrachtet. In ein paar Jahrzehnten haben sich diese ökonomisch erledigt oder – um es noch deutlicher zu sagen – als betriebswirtschaftliche Fiasken erwiesen. „Blut und Boden“, das hatten wir doch schon.

    Ich habe mich als junger Mensch durchaus für militärische Ambitionen interessiert gehört. In einer gut geführten und professionell begleiteten Armee mag dies durchaus auch ‚dulce et decorum‘ sein – nicht aber in der Bundeswehr. Zu meiner Zeit galt die Häme, „die Bundeswehr ist dazu da, den Feind an der Grenze aufzuhalten, bis richtiges Militär zur Stelle ist.“ Sie kennen das sicher.

    Beim Thema ‚Auslandseinsätze‘ zeigt sich dies.

    Ich war immer der Ansicht, dass der Soldat, sofern er in das berufsbedingte Risiko entsandt wird, die beste Unterstützung – nicht nur in materieller Hinsicht – verdient. Beim Thema „Ausrüstung“ flippen hier allerdings die meisten Teilnehmer dieser Exkursionen schon regelmäßig aus. Siehe „Karfreitags-Gefecht 2010“ in Isa Khel (womit sich der Bogen zur Schlacht von Karfreit nur verbal wieder schliesst). da regt dich jeder Reserve-Offz in meinem Umfeld zu Recht auf.

    Nicht nur, dass unsere Truppe mit einer nicht optimalen Ausrüstung in diese Konflikte geht. Es wäre auch im Übrigen unangemessen, Soldaten, die unter traumatischen Erlebnissen leiden, als „Psychos“ ab zu tun.

    Zur Geschichte: Wenn die Reichswehr irgend etwas aus dem WKI gelernt hätte, würde sie sich aus den innenpolitischen Wirkungen der Weimarer Republik heraus gehalten haben und nicht mit einem Kandelaberobristen nach dem anderen Politik gemacht haben.

    Nur selten gelang es hohen Militärs, vernünftige Politik zu machen. In den letzten 70 Jahren der Geschichte unseres Landes war zum Glück keiner dabei.

  24. 231 Gründe, nicht den Bus zu nehmen
    Es ist übrigens nicht erwiesen, dass ein italienischer Panzer 2 Vorwärts- und einen Rückwärtsgang hat. Letzterer ist als Kriechgang ausgelegt und zum Einparken gedacht.

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