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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Bundesjugendspiele gewinnen und abschaffen

| 67 Lesermeinungen

Leid fressds ois zwam, mia lebm nimma lang
Bayerische Volksweise

Alt ist er geworden, noch etwas älter als die meisten. Deutlich älter. Alt wurden wir schliesslich alle, aber beim P. fällt es wirklich auf, wenn man ihn von früher kennt. Ich kann den Gedanken nicht unterdrücken, jetzt, wo der P. vor mir steht. Alt und behäbig, in der Schlange beim Käsewagen auf dem Wochenmarkt steht also, leutselig, gealtert und freundlich, der schlanke, ranke P. von damals in einem Gefängnis aus reichlich Fleisch, und sieht gar nicht mehr so aus, als würde er um mich herum dribbeln und mit Leichtigkeit aufs Tor schiessen können. So wie früher. Damals, in der achten Klasse. In Bayern. Wo die Fähigkeit, unsportliche Leute umdribbeln zu können, sehr viel mit dem Prestige in der Klasse zu tun hat.

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Schulsport habe ich gehasst. Sport ist immer so eine Neigungssache, und die Kinder vom Dorf, deren Eltern sie selbstverständlich im Dreck spielen liessen, standen erst als Ministranten in der Kirche und traten danach die Dorfjugend des Nachbarkaffs beim Fussschienbeinkicken ins Krankenhaus. Meine Eltern achteten bei ihrem Nachwuchs, den damaligen Vorgaben entsprechend, auf grösste Reinlichkeit, mit dem Ergebnis, dass ich seit dem vierten Lebensjahr Heuschnupfen in seiner schlimmsten Form habe. Wenn es dann nach den Wintern warm genug für Fussball in der Schule war, stürmte die Dorfjugend mit dem ganzen Ungestüm der erlittenen Demütigungen im Deutschunterricht heran, und sich ihnen in den Weg stellen, zumal man selbst allenfalls japsen konnte, war keine so gute Idee. Ein Bekannter, der im Tor stehen musste, meinte einmal, seine Hände heben zu müssen, als ein anderer einen Meter vor ihm abzog. Dem sind dann vier Finger gebrochen.

Ich kann mich beim besten Willen nicht an rücksichtsvolles Verhalten beim Schulsport erinnern. Auch von meiner Seite aus nicht. Denn Skifahren konnte ich wie eine Wildsau, das war mein Element, und da gab es dann endlich die Gelegenheit, es denen heimzuzahlen. Mit all der Erfahrung eines Jungen, den sein Leistungsskilehreronkel durch jede Waldschneise von Pertisau bis Chamonix getrieben hat, wusste ich genau, wie man die Dorfjugend von der Buckelpiste in die Botanik abgehen lässt. Ausbremsen, reinwedeln, schneiden, wegstossen, sich freuen, wenn es einen von denen im Wald derbröselt – es war Bayern in den frühen Achtziger Jahren. Helme gab es damals nicht. Alles unter einem Knochenbruch galt da nicht erwähnenswert. Dafür schlug mir dann einer im Sommer den Hockeyschläger über den Kopf. Und aus diesem Geiste heraus waren auch die Bundesjugendspiele bei uns geboren.

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Ich habe mir gerade mal die Website der Spiele, die jetzt per Petition abgeschafft werden sollen, angeschaut und kann sagen: Ganz ehrlich, bei uns war das wirklich keine inklusive Mimimi-Veranstaltung, wo jeder noch so Lahme und Kaputte irgendwie mitgenommen wurde. Die Dorfjugend gewann erwartungsgemäss. Ein paar fürsorgende Eltern hatten ihre Kinder ohnehin gleich lieber krank geschrieben. Leute wie ich hechelten hinterher, übertraten beim Weitsprung dreimal, schmissen irgendwas irgendwohin, und der Direktor, der unsere Schule als eine bayern- und damit deutschlandweit führende Kaderschmiede der technischen Berufe positionierte, räumte dem Klimbim auch nur so wenig Zeit wie irgend möglich ein. Wichtiger war, dass wir wussten, wie sicher die Kernkraft ist und welche Wunderwelt sich hinter Zahlen verbirgt. Das waren für mich auch so Mysterien wie der Schulsport.

Offen gesagt habe ich allenfalls sehr schemenhafte Erinnerungen an diese Spiele, und sie stechen keinesfalls besonders traumatisch aus dem restlichen Sportunterricht heraus, den ich halt mitmachte, weil das Motto bei uns generell „Marschier oder stirb“ war. Ausserdem bekam ich trotzdem eine Ehrenurkunde – leicht gefälscht, aber bestens gemacht von meinem Waldschneisen- und Botanikschubsonkel, und da lernte ich auch die Bedeutung des Clans kennen. Ansonsten galt: Wer nicht mitkommt, ist draussen. Besondere Programme zur Kindsrettung gab es in keinem Fach, statt dessen Lehrer, die schon am Anfang des Schuljahres verkündeten, wer am Ende durchfallen würde. Noch so ein richtiges Bayerisches Abitur, auf das sich ältere Politiker so viel einbilden. Nach meiner Meinung war die Plackerei mit all den Psychopathen nichts, worauf man stolz sein konnte. Im Altbau jedoch gab es im Treppenhaus eine grosse, schwarze Tafel, und auf der waren all die Namen und Todesdaten der Schüler und Lehrer verzeichnet, die im Ersten Weltkrieg gestorben sind. Das waren sehr viele. Und immer nach dem Sport dachte ich mir dann: Da sieht man, wie es endet, wenn man zu den Schnellsten und körperlich Überlegenen gehört.

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Um mir den Abiturschnitt nicht zu ruinieren, habe ich dann Sport in rechtzeitig per grossfamiliär-ärztlicher Verfügung abgelegt, und bin lieber meinen wahren Neigungen zu Büchern nachgegangen. Mit dem Abitur begannen die meisten Sportler mit dem Rauchen und danach, beim Bund, auch mit dem Saufen. Ich war untauglich. Zivilist ist ein Sport, den ich immer gern betrieben habe. Woran ich mich sehr genau erinnere, war der Sommer nach dem Abitur, und meine morgendlichen Rennradfahrten ins Altmühltal, durch das jene Flugzeuge rasten, die mancher meiner Klassenkameraden beim Bund gern geflogen wäre. Ich war damals sehr frei. Die anderen marschierten mit Rucksäcken in Uniformen und erzählten am Wochenende Schreckliches. Selbst für die immerhin zum Abitur gelangte Dorfjugend war so ein Spiess mit Hauptschulabschluss eine traumatische Erfahrung. Rücksichten hat angesichts des drohenden Russen keiner genommen. Was ich damit sagen will: Auch für einen Kreismeister der A-Jugend kann körperliche Betätigung traumatisch werden. Es gab Fahnenfluchten und Einweisungen in die Psychiatrie, einige wirklich schwere Unfälle und noch mehr Alkohol: Habt Euch nicht so, möchte ich fast den Müttern der Aktion Bundesjugendspieleweg zurufen. Es gibt Schlimmeres.

Der P. und ich, wir haben uns lange nicht gesehen, aber wir wissen grob, was der andere macht. Er ist bei der grossen Firma und beschäftigt sich mit Hinterradaufhängung, und ich war in Italien. Beruflich, kein Vergnügen natürlich, so schön habe ich es auch nicht, im Gegenteil. Da war so ein Radrennen über Geröll in der Toskana, auf alten Rädern, aus der Zeit unseres Abiturs oder älter, 2000 Höhenmeter, da fuhr ich mit.

Er könnte so etwas ja nicht, er hat es im Rücken.

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Er war einer von den Sportlichen, aber keiner von den Hinterfotzigen – ich gebe es zu, das ist eine eher seltene Kombination gewesen. Ein feiner Kerl, und sicher auch ein guter Vater seiner Kinder. Übergewichtig, zu lange nichts mehr gemacht, aber was soll man mit Rücken auch tun, zumal die Arbeit auch ihren Tribut fordert

Alle Männer müssen sterben.

Es gibt da einen netten Spruch, den sage ich dann immer: „Sportler leben nicht länger, sie sterben nur gesünder“. Es ist keine Frage, P. hat ein erhöhtes Todesrisiko durch zivilisationsbedingte Verhaltensmuster der Unbeweglichkeit. Und bei mir darf, wenn ich auf dem Rad mit Tempo 90 das Penser Joch hinunter rase, keine Speiche brechen, sonst ist es aus. Seit einigen Jahren greift auch nach meiner Generation unbarmherzig die kalte Hand des Todes, aber niemand kennt Ort und Stunde. Heute mache ich das, was all die Cracks von damals nicht mehr könnten. Die Bundesjugendspiele bringen einem nur bei, in festgelegten Sportarten besser als andere zu sein. Sie erzählen einem nichts über den guten Umgang mit sich selbst und der Balance, die das gute Leben ausmacht. Sie halten vermutlich ein paar Apparatschiks in Lohn und Brot und kommen wie die Grippewelle. Sie schicken Leute auf die Aschenbahn, machen eine Momentaufnahme mit Sieg und Niederlage, und fragen seit all den Jahrzehnten nicht, wie man das Leben langfristig besser macht. Aber das tun Germanys next Top Model und all die anderen Leistungsfetischveranstaltungen auch nicht. Wie man am besten durch das Dasein marschiert, mit einem frohen Lied auf den Lippen und ohne zu sterben, muss jeder selbst lernen. Ein Onkel, der einem eine Urkunde fälscht und ein Arzt in der Verwandtschaft, der das Attest schreibt, sind natürlich hilfreich und individuell eine sehr elegante Art der Abschaffung von Bundesjugendspielen.

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67 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Danke

  2. m
    Ich habe es auch immer gehasst. Aber anders als die Mädchen, die heute Frauen sind und sich dauerempört im Tastaturkrieg üben, habe ich keine Posttraumatische Belastungsstörung davongetragen und muss das nun unbedingt allen anderen mit versauen. Im Gegenteil, ich wünschte, ich hätte damals Wettbewerbsgeist entwickeln können. Selbstüberwindung.

    Ich mache das heute, mit bald vierzig Jahren. Es macht Spass. Und bildet Charakter. Soweit das noch eben geht.

  3. Siegerurkunde
    Don, gäbe es Sie nicht, wohl niemals hätte ich von DIESER Mutti-Petition erfahren…!

    Das wäre schade gewesen, ebenso schade, wie dass ohne sie nicht dieser nostalgisch-gelassen-ehrliche Text geschrieben worden wäre.

    Denn natürlich! Die Bundesjugendspiele waren so selbstverständlicher Teil der Teenager-Reifezeit, so unvermeidbares Ertragen des Unvermeidlichen, dass es eine prägende und zugleich gerne verdrängte Erinnerung ist!

    Wie gerne hätte ich mich nur einmal gut und bestätigt gefühlt, einmal doch die Ehrenurkunde zu schaffen – und zwar einfach aus Natur oder Talent, ohne Selbstdrill der Überehrgeizigen…

    Nun, so blieb es jedes Jahr dabei, die Einsicht zu verdauen, eben Teil der normalen Masse zu sein…

    Und so kam es, dass ich eines Jahres merkte – ich reife! Ja, ich lief eben mit Spass, so schnell ich konnte und war gespannt, wie das Ergebnis dieses Jahr war. Einfach aus Neugier)

    Ich merkte, dass ich mich 364 Tage sehr gut und wohl, oder eben unglücklich (verliebt) etc. fühlen konnte, auch als unentrinnbares Mittelmass. Ja, es war sogar befreiend, dass ich merkte, dass ich eben nicht das toll machen muss, was zählt (Sport!), sondern besser das mache, was mir Freude macht… Kino!

    Und eine spätere Lehre zog ich daraus… erst später bewusst, als mir klar wurde, warum ich es hasste jedes Jahr, eine „Siegerurkunde“ zu erhalten, wo die Sieger doch gerade die Anderen waren!!! Es war demütigend, diese Schönfärberei!

    Später merkte ich: seitdem bin ich auf Euphemismen 100% allergisch!

    Nun, all das soll jetzt abgeschafft werden? Ach, Muttis, raubt Euren Kindern nicht noch eine der wenigen letzten Erfahrungen im „echten Leben“ ausserhalb des Internet, um selbst zu erfahren, was das gute Leben ausmacht…)

    Und für einige ist es sogar der Sport. Vielleicht später. Frei auf dem Rad oder beim Wandern… ganz ohne Schriftkram, Stempel, Diskussionen oder Petitionen…

    Danke Don, und weiter gute Fahrt))

  4. Those were the days
    „Bundesjugendspiele“ ein merkwürdig altertümlicher Begriff. Gibt es das wirklich noch? Der Bund, die Jugend, die Spiele. Sind das nicht Konzepte des 20ten Jahrhunderts?

    Komisch allemal, eine Zeit in der es Proteste gegen „den grossen Lauschangriff“ und die „Volkszählung“ gab, hat die körperliche Ertüchtigung der nachwachsenden Generation als Aufgabe der Gemeinschaft angesehen.

    Heutzutage sind Proteste gegen Vorratsdatenspeicherung eher auf Randgruppen beschränkt. Statt dessen protestiert „arbeitende Mamma“ gegen die fiese Wettbewerbssituation beim Rennen auf der Aschebahn.

  5. possessive mütter
    vielleicht sollten wir alles abschaffen, was irgendwie kompetitiven charakter hat, bundesjugendspiele sind ja nur ein winziger teil im kompetitiven kapitalistischen kosmos der wettbewerbssysteme. wir werden alle gleich auf unterstem niveau, DON darf mich mit dem fahrrad nicht mehr überholen, wenn ich im pkw das penser joch hinunterfahre, es könnte mich für ein leben lang traumatisieren und zum aggressor gegenüber fahrradständern und fahrradampeln machen oder ich werde zum fahrradreifenaufschlitzer. oder spritze radfahrer mit der scheibenwaschanlage nass.
    warum stellen wir – nachdem der religionsunterricht schon abgeschafft wurde – nicht auch mathe in frage, ich war da immer nur der zweitbeste in der klasse und da wir die beste klasse waren immer nur der zweitbeste in der gesamten schule………..der beste war immer – drei jahre lang – immer die gleiche frau. trotzdem wurde ich erwachsen und ein anständiger mensch.
    overcare possessiver mütter ist die grösste gefahr für kinder und heranwachsende, die gehören auf die coach, die mütter, nicht die kinder.

    • agree/+1/like
      Sehe ich ähnlich. Erst am Wochenende wieder mit einer Mutti gesprochen, deren Tochter ganz schlau ist und super musikalisch. Nur bei den BJS am Freitag war sie nicht die Beste. Auch gleich abschaffen! So what? Hab ich gesagt. So lernt die Tochter ihre eigenen Grenzen kennen und bildet sich nicht ein, in allem die Beste zu sein. Wäre doch schlimm, wenn das Kind erst mit 20 merkt, dass es unterdurchschnittlich begabt im Weitsprung ist und sich ihre ganze Kindheit für die Weitsprungmeisterin hielt. Realitätsnahe Selbstwahrnehmung ftw!

      Auf der anderen Seite sind die BJS für die körperlich begabten Kinder die Bestätigung. Fünfer in Mathe und Latein, dafür immer eine eins in Sport und Ehrenurkunde, na klar. Auch für den Klassenbully ist diese Art von Bestätigung wichtig. Mit einem Blick über den Atlantik sieht man das Extrem. Harvard MBA, nur weil man gut Basketball spielt, muss m.M.n. zwar nicht sein, aber es schadet nicht, wenn nicht jeder Profibasketballer sich für ein Physikgenie hält.

      Also, alles Teil der Selbstfindung und der Selbsteinschätzung. Im besten Fall spornt es einen selbst an, mehr in dem Bereich zu tun.

  6. Bundesjugendspielefan
    Ich fand Bundesjugendspiel Klasse. Ein unterrichtsfreier Tag an dem man nur ein bisschen herumlaufen und springen brauchte. Allerdings bin ich mir reichlich sicher, dass die unsportlichen Damen in der Klasse das auch so sahen. Die hatten immer ihre Periode, saßen auf der Bank, quatschten über Knaben und guckten auf jemanden runter, der immer eine Urkunde bekam.
    .
    Die Mütter, die diesen unterrichtsfreien Tag abschaffen wollen, erstaunen mich. Mit der gleichen Logik könnte man die gesamte Schule abschaffen und das böse Leben sowieso.

  7. Der SPIEGEL hat eher recht
    Editiert. Hier wird gefälligst nicht auf Hajo-Schumacher-Gosse verlinkt. Don

  8. Titel eingeben
    Frühe Achtziger. Aha ! In der ersten Hälfte Siebziger haben wir das nicht so richtig ernst genommen. Einer hat den Ball in einer Art Propellerbewegung nach hinten statt nach vorne geschmissen. War unser Held.

    Schöner Text.

  9. Titel eingeben
    Ich verstehe es nicht mehr. Da werden im – nennen wir es mal so – wirklichen Leben immer mehr Schutzrechte abgebaut oder schlichtweg missachtet und die Schule soll mehr und mehr zu einem – sagen wir mal – Ponyhof werden? Ich kann ja verstehen, wenn die Leute, denen Schule damals der reine Horror war, ihren Kindern das, was ihnen zugemutet wurde, nicht auch zumuten wollen. Ich kann mich noch an ein rororo-Bändchen erinnern: „Fehler übersehen sie nicht, nur Menschen“, so glaube ich war der Titel. Und das Buch traf es ziemlich gut, aber das tat Thomas Mann in seinen Buddenbrooks (ich hoffe, ich habe den Namen richtig geschrieben) auch. Es war eben die Zeit, in denen ältere Menschen einem gesagt haben, dass man sich nicht so haben solle, was sie schließlich alles vor Stalingrad durchgemacht hätten. Und die etwas jüngeren sagten, man solle sich nicht so haben, weil es einem ja besser gehe als den Menschen in Afrika. Was bedeutete das alles? Man leidet nur, wenn man vor Stalingrad an Kälte krepiert oder in Afrika an Hunger? Man lebte aber leider nicht in Stalingrad oder in Afrika. Man daher muss eben schauen, dass man in Deutschland zu irgendeiner Gruppe gehört, die aus welchen Gründen auch immer, ein Anrecht auf Mitleid hat. Ansonsten, so scheints, ist man einfach nur der Loser.
    Aber was da jetzt alles veranstaltet wird? Was nützt Inklusion, wenn die Inkludierten später nie eine Chance auf einen Arbeitsmarkt haben werden, auf dem allein das Recht des Stärkeren gilt? Ja, und was bedeutet es, wenn eben die gleichen Leute bereit sind für ihr Kind bis vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen, aber NSA ihnen nicht einmal einen müden Seufzer entlocken kann? Dass sie eben den jetzigen Zustand der Welt akzeptiert haben und eben versuchen, dass ihr Kind die besten Chancen im rat race hat?
    Aber was kommt dabei raus? Eine Mischung aus Waldorf und Ayn Rand. So wie Frau Leidenfrost mit ihrem blauen Pony.

    • *grgrgr*
      „Aber was kommt dabei raus? Eine Mischung aus Waldorf und Ayn Rand.“

      Danke, sehr treffende Zusammenfassung…

  10. Nur eine Frage
    Soll der Flüchtigkeitsfehler im Titel so bleiben?

  11. Ich als weißer, heterosexueller, cisgender Mann ...
    … möchte hier klar differenzieren. Sie Sommerbundesjugendspiele haben mir gefallen, die Winterbundesjugendspiele habe ich gehasst. Merkwürdig schlechte Luft in der Turnhalle, der Schweiß der Klassenkameraden und ohnehin war Geräteturnen nur was für Schwule. Der einzige, damals offen Schwule in unserer Klasse hat dann später eine Sondergenehmigung bekommen und mit den Mädchen Gymnastik gemacht.

    Im Übrigen ist das Ganze ohnehin schizophren. Da will man die Bundesjugendspiele abschaffen, obwohl die Begeisterung und die Ausgaben für den kommerziellen Sport immer neue Höhen erreichen. Zumal dieser moralisch und finanziell von oben bis unten korrumpiert ist. Über die Korruption an der Spitze braucht man derzeit ja nicht weiter zu reden.

    Die Lehren, die viele im Amateurbereich daraus ziehen, sind jedoch vielleicht umso schlimmer. Gewinne mit allen Mitteln, sei gewissenlos, betrüge falls erforderlich, nimm Pillen, die dich stärker machen, und so weiter. Der Sport erweckt primitive, oft auch gewalttätige Emotionen. Nur es wird immer schlimmer. Ich war 10 Jahre land Fußballschiedsrichter. Meine Brüder sind es immer noch. Und wir wissen wovon wir sprechen. Im Vergleich dazu sind Bundesjugendspiele geradezu ein Hort der Kultiviertheit und des Anstandes.

  12. Wieder mal ein Klassetext
    Sie sind gerade in Hoechstform und hauen einen guten Beitrag nach dem anderen raus.
    Der Heuschnupfen scheint bei Ihnen ja Gott-sei-Dank ueberwunden.

    Hatte in den letzten Jahre genau die Erfahrung wie der Don, mit meinen 50 Jahren und halbwegs gesunder und sportlicher Lebensweise stecke ich die alten Ex-@Cracks in den Sack!

    Danke Don Alphonso!

  13. Times have changed...
    Die BJS der 70/80er habe ich auch selbst erlitten, das gehörte dazu und war nicht mehr oder weniger traumatisierend als viele andere Erlebnisse einer damaligen Jugend. Keiner Mutter wäre damals eingefallen, die Abschaffung zu fordern.
    Gut geschrieben, Don! Ich lese immer gerne mit…

    • Danke.

      Ich bin da auch der Ansicht, dass die BJS nicht besonders negativ herausragten – jetzt, als Überbleibsel der Wehrertüchtigung scheinen sie aber seltsam und man kann schon mal frage, ob man die wirklich braucht.

  14. Genauso war es
    Bei uns hat der Deutschlehrer für die Sabotage der Bundesjugendspiele gesorgt, indem er beim Stoppen unbekümmert an der Uhr gedreht hat, so dass jeder eine Urkunde bekommen konnte. Trotz meiner kindlichen Einfalt kam mir schnell die ernüchternde Erkenntnis, warum ich nur an diesem Tag so schnell gerannt bin.
    Ansonsten gab es in Bayern noch „differenzierten Sportunterricht“, d.h. Spezialunterweisung zu einem bestimmten Thema. Das hieß konkret, dass ich jahrelang infolge Ermangelung von Alternativen Basketball spielen musste. Natürlich wollte die Dorfjugend nur Fußball spielen, was aber nicht vorkam, weil man im Winter die Sporthalle kaputt geschossen hätte. Selbstverständlich zucke ich heute noch zusammen, wenn ich nur an einem Basketballkorb vorbei gehe.

    • Ich denke, das Problem fängt schon bei der Teambildung an – das ist so ein Selektionsprozess, da kommt mir immer noch das Speiben hoch. Letztloich geht es doch immer nur darum, dass sich die Skrupellosen durchsetzen. Viele gingen da einfach mit einem schlechten Gefühl hinaus.

      Naja. Heute ist es ja eher Vieospielsport, wo die Kämpfe ausgetragen werden.

  15. Titel eingeben
    Es gibt Dinge, die hat man tatsächlich fast völlig verdrängt. Die BJS gehören bei mir dazu. Um es in einfachen Worten zu sagen: Wenn man die schiere Niedertracht, Heimtücke, Bosheit und Gewalttätigkeit der lieben Mitmenschen ein für allemal und zutiefst prägend fürs restliche Leben kennenlernen wollte, mußte man als Schüler in den 1970ern nur schwul und unsportlich sein.

    Es hat damals das Ekelhafteste aus den lieben Mitschülern herausgeholt. Mir wird heute noch schlecht beim Gedanken an diese widerwärtige Veranstaltung und sowieso den Schulsport an sich und alles, was man da (als ungeouteter schwuler Jugendlicher) zu erleben gezwungen war.

    Keine Ahnung, wie es heute da und generell im Schulsport zugeht, sollte es aber auch nur ansatzweise noch so sein wie zu jener Zeit, dann können die diese Veranstaltung mitsamt dem Zwang zum Schulsport von mir aus gerne abschaffen, und sei es nur, um sicherzustellen, daß schwule Jungs heute nicht mehr erdulden müssen was mir und vielen anderen meiner Sorte damals von Mitschülern und Lehrern aufgezwungen wurde.

    Ich verabscheue jegliche sportliche Betätigung übrigens bis heute zutiefst, und die Gründe dafür liegen eindeutig in den bitteren Erfahrungen aus erzwungenem Schulsport und all dem, was damals geschehen ist.

    • Das war bei uns auch so – im sport wurden die schulischen und sozialen Rechnungen beglichen.

      Ich habe mich damals nicht unterkriegen lassen und trotz der diversen Handicaps gelernt, mich so zu betätigen, dass es mir Spass macht. Geblieben ist aber die Unlust auf jede Form von Team- und Massensport. Das erste Mal überhaupt, dass ich da einen anderen Eindruck hatte was bei der L Eroibca. Das ist aber eine ganz andere Stimmung und die Leute sind älter, erfahrener und jeder weiss auch, dass niemand sonst das Hobby mit alten Rädern versteht.

    • randgruppenproblematik
      bitten den text von meinem ruderkameraden boris palmer vom ruderverein tübingen lesen, steht in der faz. nicht soviel klagen und am ICH arbeiten und nicht für alles die böse umwelt verantwortlich machen.
      only excuses !

    • Mit einem gewissen Mass an fiesheit kann ich schon leben und es auch selbst praktizieren, aber Bayern unter Strauss wäre heute ein Fall für die Jugendfürsorge und massenhaft Klagen gegen das, was damals völlig normal war. Die Veränderung der letzten 27 Jahre kann man nur verstehen, wenn man damals dabei sein musste.

    • Allerdings!
      “ …aber Bayern unter Strauss wäre heute ein Fall für die Jugendfürsorge und massenhaft Klagen gegen das, was damals völlig normal war.“

      Nicht nur bei Schulen unter Strauß.
      Sondern auch bei Eltern. Darf man nicht vergessen.
      Dauerkopfnüsse, Prügel, Schikanen samt Alkoholismus des Ernährers waren früher „ganz normale Kindheit und Erziehung“. Heute ebenfalls ein Fall fürs Jugendamt.

      Der Don kann wengistens von Glück reden, dass er nicht solche Eltern hatte. Waren angeblich damals die Ausnahme im saufseligen Bayern, wo mental schlichte bis kampfesfreudige Eltern daheim noch die Hosen anhatten.

      Da ist, ein einzigen schikanösen Tag im Jahr naziöse-Bundesjugendspiele aushalten müssen, ein Klacks.

      Aber das ist alles relativ.

      Man sollte vielleicht technisch orientierte Gymnasien voller „Leistungs“-Lehrer im Bayern der 80er meiden, das kann ich sagen.

      Ein neusprachliches Gmynasium oder ein humanistisches gar ticken da – auch in Bayern – völlig anders (Motto: gelten und gelten lassen, auch in Bayern …) , auch das kann ich sagen. Weil ich in solch einem war.

    • Das Humanistische war die andare Kaderschmiede der Stadt und kein Jota besser im Drill. etwas anderes wäre aber aus Gründen der Tradition auch nicht in Frage gekommen.

      Abgesehen davon: Man muss in Bayern schon auch die Klassen anschauen – Alkoholismus war durchaus verpönt, bei den besseren Kreisen. Und auch bei uns in der Schule gab es so etwas nicht. Komasaufen wäre uns damals nicht eingefallen.

  16. Kein Kugelstoßen mit Blume im Haar
    Danke, sehr verehrter Don, dass Sie die BJS wiederbelebt haben. Heute Morgen beim joggen fiel mir eine Kleinigkeit meiner letzten BJS ein über die ich dann doch lachen musste. Ich kam mit dem Fahrrad, was damals (1967) in meiner Mädchenschule völlig out war. Unterwegs habe ich mir eine Margarite abgepflückt und in den Pferdeschwanz gesteckt. Beim Kugelstoßen saß Mater Rhabana (Dr. Münkel), die Direktorin höchst selbst und trug die schwachen Leistungen ihrer Schülerinnen in ein großes Buch ein. Als sie die Margarite in meinem Haar sah, sagte sie, ich solle die Veranstaltung ein bisschen ernster nehmen und nicht wie ein Hippie herumlaufen. Ich tat ihr den Gefallen und als sie mir meine Ehrenurkunde gab, lächelte sie amüsiert.

  17. Der Junge der den Ball weit werfen konnte
    Die Bundesjugendspiele mochte ich während meiner Grundschulzeit sehr gerne. Ich war damals auch sportlich weit vorne in der Klasse und fiel erst später zurück, um schließlich als Dauerkandidat für eine 2- durch die Oberstufe zu schlendern. Ich war allerdings zu nervös, um wirklich jemals gut bei irgendwelchen Turnieren abzuschneiden.

    Zu einem Schlüsselerlebnis kam es in der 3-ten Klasse. Ein Klassenkamerad und ich waren sportliche Rivalen. Er war jünger, risikobereiter, technisch geschickter und schlicht besser als ich, aber er brauchte mich auch, weil der Abstand zu mir kleiner war, als der zu den anderen. In mir hatte er einen passablen Sparringspartner, wenn man so will und ich kam ja manchmal auch sehr nahe heran oder übertraf ihn sogar gelegentlich, was er damit quittierte, dass er gerade nicht in Form sei. Sehr ärgerlich und aufreizend diese Bemerkungen, aber natürlich hatte er recht. Bei den Spielen in der 3-ten schnitten wir beide schlecht im Weitwurf ab. Ich erinnere mich noch heute, wie ich die 3 Würfe verzog. Vermutlich werde ich mich noch als 80-jähriger daran erinnern.

    Es war ein großer, hagerer, uns unbekannter Junge, der eine Klasse über uns war, der mir auf diesem Sportfest die Augen über das wahre Leben öffnete. Er nahm den Schlagball und beförderte ihn mit Leichtigkeit über den ganzen Sportplatz. Das ist alles, was ich über ihn weiß. Der Junge war nicht einfach nur besser als wir, er war um ganze Größenordnungen besser. So einer kam in meiner Welt bislang nicht vor. Sportliches Talent war eine normalverteilte Sache und ich war nicht unglücklich darüber ziemlich weit rechts in der Glockenkurve aufzutauchen. Rivalität schien beherrschbar. Der hagere Junge, der den Ball mind. doppelt so weit werfen konnte, änderte das alles. Er ließ die Provinz zerplatzen, in der mein Klassenkamerad so richtig gut war und ich dahinter die Nr.2.

    Sportfeste und Turniere aller Art sind passende Orte für die Begegnung mit einem schwarzen Schwan und ich verstehe besorgte Eltern, die gerade ihren leistungswilligen Kindern dies alles ersparen wollen. Es ist eine problematische Sache, aber nicht wegen der Leistungsschau oder wegen der geringen Bandbreite der geforderten Leistungen, sondern weil man demjenigen begegnet, der die eigene Leistung relativiert, sie in den eigenen Augen auslöscht. Wie kann man danach noch seinen Narzismus pflegen? Was ist die eigene kleine Welt noch Wert? Ich konnte meinen Narzismus trotzdem pflegen, aber das ist nur meiner Natur geschuldet, nicht meinem Weltbild.

    • Wenn ich relativiert werden möchte, gehe ich auf einen Berg. Der bringt mir das bei, ohne dass er es böse meint oder versucht, mich auszustechen. Da ist die Lektion zwar auch umfassend und erschöpfend, aber nicht bösartig.

    • Olympus Mons
      Irgendwann hört der Vergleich auf, auch wenn keine logische Bedingung dafür angebbar ist. Mir ist jedenfalls noch nicht zu Ohren gekommen, dass jemand sich Illusionen darüber gemacht hätte, fast so groß wie ein Berg zu sein und dann erstaunt darüber war, wie groß die wirklich sind. Eher schon, dass man seine Berge für groß hielt, bis man andere, viel größere gesehen hatte. Ich wusste aber schon als Kind aus Büchern über den Olympus Mons auf dem Mars. Größenverhältnisse hatten mich fasziniert und ich glaube, dass ich darin durchaus typisch war.

  18. Titel eingeben
    Statistiken aus vielen wahren Einzelfällen KÖNNEN danebenliegen. Gesundheit & Erfolg einer Handvoll Leben zu generalisieren, ist allerdings Lotto. Hauptgewinne gibts, aber selten, sagt ein notorischer Ehrenurkundler.

    Dass Sie, lieber D.A., die launigsten Bonmots schreiben, ist meine und weniger waghalsige Mutmaßung. Ich kann mir intensives Schnorrerlesen leisten: Selbstbestimmung für Unreiche heißt frühe Dienstunfähigkeit und trägt auch sehr zur Fitness bis ins hohe Alter bei.

    Leider wird mir nicht die Nachsicht zuteil, die geerbtes Wohlleben genießt. Das liegt an der Moral, die Ihre Klasse verbreitet, um sich Trittbrettfahrer vom Leib zu halten (ohne Fleiß…). Über diese Moral [sic] belustigen Sie sich regelmäßig und artfremd öffentlich. Danke für die Inklusion. Das würde betuchten Hanseaten nie einfallen. Die demütigen mit Charity.

    p.s. Bitte lassen Sie Ihre Erwerbsliebhaberin bei ihren Leisten. Jedesmal ein lost weekend mit Entzugsschmerzen. I wanna have fun.

    @ candide
    20. Jh. ist nicht Altertum. Die Jugendspiele sind ne sozialistische Idee der Nazis, wie so Vieles, was ich am bundesdeutschen Sozialismus schätze: von der AWO bis zum Müttergenesungswerk Brosamen der Nomenklatura.

    • Ja, ich weiss natürlich, dass unser Benehmen kein allzu Nettes ist, aber wenigstens bin ich da ehrlich und finde nicht, dass man da einen mottenzerfressenen Teppich des sozialen Ausgleichs darüber legen sollte, wo keiner passt Wer keine solche Familie hatte, der musste sich krankschreiben lassen-

  19. Titel eingeben
    „Die anderen marschierten mit Rucksäcken in Uniformen“
    .
    Das scheint so eine generelle deutsche Sehnsucht zu sein…
    In Berlin jedenfalls, da läuft jeder zweite heutzutage so rum, und auf der Uniform steht sogar der Name; seltsamerweise immer der gleiche: Jack Wolfskin.

    • Und das, wo es doch in Berlin praktisch kein Outdoor gibt. Bei uns auf den Bergen steht ja meistens ein Gasthof mit Biergarten, da muss man nichts mitschleppen.

  20. Berlin
    Gab’s den Quatsch auch in West-Berlin. früher? Ich kann mich nicht daran erinnern, sowas je mitmachen zu müssen oder gar mitgemacht zu haben, in meiner Berliner Schulzeit von 1951 bis 1960. Es heißt ja auch „Bundes…“ und das war in W.-Berlin damals so eine Sache, ebenso wie die Wehr… sorry die Bundeswehr.

    • Ich könnte mir vorstellen, dass Westberlin davon verschont war. Im Osten hate man noch ganz andere Methoden, die Leute zum Tanzen zu bringen.

  21. Bundesjugendspiele klang für mich immer nach DDR oder nach Bund Deutscher Hmhm...[irgendwas einsetz
    Zwar hatte ich mich halbwegs tapfer geschlagen, sogar mit Ehrenurkunden und den Kram. Gemocht hatte ich sie jedoch nie: Irgendetwas an den Bundesjugendspielen empfand ich immer als peinlich und falsch.

    Als einmal bei heißestem Wetter, welches jeden normal denkenden Menschen in den Schatten zwingt, wegen diesem Scheiß in der brüllenden Sonne herumgeturnt werden musste und die ganze Klasse mitsamt ihrer harten GSG9-Kämpfer sich beschwerte … und der Lehrer dann behauptete, was wir denn hätten, das wäre Kaiserwetter … da wusste ich Bescheid:
    Wir sollten als Futter für den industriell-militärischen Komplex fit gemacht werden^^.

    Doch es war nur ein Tag im Sommer, nur ein Tag im Winter, was solls. Und wir überstanden das alles halbwegs in Würde. Ohne uns gegenseitig zu diskriminieren. Obwohl …, lustig wars scho, wenn bestimmte Mädls Luftraum anmieteten beim Schlagballwurf. Welcher entweder nach 5 m endete oder gar hinten, um einen Lehrer damit zu erschlagen, gn.
    1 m 50 beim Weitsprung und sich dann auch noch nach hinten legen waren auch nicht schlecht …

    Ich hatte meinen Spaß …, o.k. ich bin böse, das war Lästern über Schwache …

    Hatte aber auch nie das Bedürfnis, mich an denen, die entscheidend besser waren als ich, später indirekt zu rächen. Mei, war mir das wurscht. Wenn ich die traf (meist Klassentreffen) standen früh andere Dinge als solche Ego-Trips im Mittelpunkt. Zum Beispiel die junge Frau, die genau in den Sommerferien nach ihrem Abi erschossen wurde. Sie hatte lediglich in einer Tankstelle gejobbt und wurde überfallen. Das waren die wahren Tragödien, die stumm werden lassen. Für so etwas kann einen niemand vorbereiten. (Nein, ich bin nicht für Schusswaffen-Unterricht!)

  22. .
    welche leistungen schüler erbringen können, liegt auch ein wenig liegt bei den lehrern, und ob diese den johlenden mob durch vernünftiges massregeln in zaum halten oder gar nicht erst entstehen lassen können. da die meisten flachwurzler auf dem platz doch etwas robuster unterwegs sind und recht viele ihrer früchtchen nicht minder, kommen diese offentlich damit ein wenig besser zurecht und finden einander schlichtweg grossartig.
    an den durch die famille vorgeschlagenen sportarten hatte man durchaus rechte freude, sowohl als kleine ballettratte (die kleidchen! die musik!) wie auch beim fechten (le fleuret!), beim reiten (der langbe-, äh, -wimperte stallknecht!) wie beim schwimmen (die wohlgestalten burschen am rande des beckens!) oder diesem sport, bei dem man zu zweit im regen und im stechenden sonnenschein ein armes, hellgrünes bällchen über das weit entfernt stehende netz scheucht – doch im schulsport sah es nicht wirklich sonderlich sonnig aus. der reine schrecken, bis man – ausgerechnet beim fussball! – herausfinden musste (was durchaus zweifel an der eigenen persönlichkeit nach sich ziehen musste), dass man zunehmend in das tor gestellt wurde, gleichwohl weder zum quälen, weder als letzte, gar im gegenteil. wobei viele der teamsportarten tatsächlich geeignet sind, dann doch recht schnell das godwinsche gesetz anzuführen, also recht ähnlich wie das gemetzel beim gemeindefestchen unter dem kirchturm am wein-, quiche- und mousse au chocolatbuffet.

    bis schliesslich die lehrerin wechselte – zuzeiten selbst eine recht ordentliche sportlerin gewesen, förderte sie doch ein jedes einzeln – und sie lehrte auch intellektuell herausforderndere fächer: seither war weder hoch- und insbesondere das dann doch ziemlich befriedigt stimmende weitspringen (solange man keine ungezogenen witze über weitspringende erbfeinde macht) kein negatives besetztes thema mit lizenz zum grämen mehr, und auch diese langweiligen langläufe um diese immer atemberaubend staubige bahn da waren in zunehmend angemessenerer zeit zu bewältigen, und es blieben endlich mal ein paar andere auf der strecke. wie im richtigen leben.

  23. Dipl.-Ing.
    Eigentlich ist man nicht verwundert, dass eine Mutter sich für arme, kleine Jungs stark macht: um Gotteswillen keine körperlich Belastung der weichgespülten Jungs abfordern. Sollten doch besser Stricken, Hägeln und mit Puppen spielen. Die Welt ist total verdreht. Was soll aus den Waschlappen werden. Die Frauenwelt hat die jetzige jungen Männer völlig im Griff. Kaum ein junger Mann wagt sich seine eigene Meinung zu bilden. Alles Auswirkungen, dass Mütter und nicht Väter die Kinder erziehen. Ob Kindergarten, Schule . . . überall haben die Frauen das Sagen. Ein rein feminines Umfeld. Macht weiter so. Irgendwann wird es eine junge männliche Generation kommen und mit diesem Hokuspokus ein Ende bereitet: ein männliche Alice Schwarzer wird kommen!!!

    Die Bundesjugendspiele als veraltet zu betiteln ist ein absolut billiges Argument diese Einrichtung abzuwürgen. Ist es denn so schlimm, wenn junge Menschen zur Beweglichkeit ihres Körpers gereizt werden. Es müssen Millionen EURs verschleudert werden, damit die Kinder nicht als Klopse rum laufen. Es hat noch niemanden geschadet wenn er sich sportlich bewegt. Ärzte, Krankenkassen kennen die Folgen von Übergewichtigen. Mögen doch die „Gutmenschen“, deren Motto gewiß heißt: Sport ist Mord, nur aufschreien und jeden Tag zum Doktor rennen . . . Die Spiele sollten weiter erhalten bleiben. Und wenn es hilft, kann man einen anderen Namen finden. Zum Beispiel: Körper fit machen, ohne Fleisch zu Essen. Dann hätten auch die Veganer, Veggis vielleicht auch Spaß dabei. Statt eine Urkunde gibt es dann zehn Kilo Gemüse, allerdings gestaffelt nach Alter bis zu einem Zentner.

    • Ein einziger Tag
      Was hat ein einziger Tag mit Stählung der „Waschlappen“ zu tun.
      Es ist Demütigung!

      Außer man denkt, es ist Murmeltiertag.
      Da sei Donald Duck vor.

      Über Mütter und Übermaß der Weiblichkeiten im Erziehungsgeschäft kann ich ebenfalls keine paranoiden Verschwörungstheorien ableisten. Es verhält sich eher so (Korrelation nicht Kausalität), dass schlecht bezahlte Stellen tendenziell eher von Frauen besetzt werden. Fragen Sie mich um Gotteswillen nicht warum. Und was in Frauenhirnen vorgeht. Keine Ahnung.

      Würden diese Stellen denn deutlich besser bezahlt und als stahlharte Manager- und Brainie-Angelegenheit ausgeschrieben (was sie de facto
      sind), könnten theoretisch gewisse Männlichkeiten dort einziehen. Aber auch da bitte mich nicht in Haftung nehmen. Was weiß ich, wie heute Jungs reagieren, wenn man ihnen zu ostentativ die Trauben süß und schmackhaft machen wollte. Klappt ja schon bei der Bundeswehr nicht mehr. Wer will da schon freiwillig mitspielen seit es keinen Zwang mehr gibt, dort mitspielen zu müssen.

  24. Das ist natürlich auch wieder wahr:
    „If you don’t move, you get fat.“
    http://graphics8.nytimes.com/images/blogs/laughlines/davidtoday.jpg

    Wobei es dann wieder schade ist, dass das ausgerechnet das Olympische Kommittee sagt. Typisch.

    Was sollen ein Tag Bundesjugendspeien gut sein, was soll es gut sein, Olympia am Fernseher mit Flaschbier zu gucken. 15-30 Minuten Bewegung am Tag, das ist es.

  25. Weicheier
    Dass Weicheier unsere Republik regieren, ist ja keine besondere Erkenntnis.
    Dass man aber diese Spassveranstalltung „Bundesjugendspiele“, bei der im Grunde jeder Lahme eine Ehrenurkunde bekommen kann, abgeschafft werden soll, bestätigt den Trend, dass unsere Nation diejenige ist, die die meisten Artzbesuche verzeichnet; Fazit: eine kranke Nation!

    • Titel eingeben
      Das mit den vergleichbar meisten, echten Arztbesuchen würde ich gerne mal für mich, idiotengerecht, belegt haben.
      Was in diesen Statistiken als Zahl genannt wird, klingt so, als würde jeder Deutsche kein anderes Hobby haben, als zum Arzt zu rennen. Ich weiß nur von Leuten, die Ärzte am liebsten bloß von weitem sehen, und dann möglichst von hinten.
      Was wird in diesen Statistiken, jedenfalls in Deutschland, eigentlich mitgezählt, was in der Summe krasse Zahlen abwirft? Als halbwegs gesunder Mensch in mittlerem Alter gehe ich zwei bis drei mal im Jahr zum Zahnarzt zum Zahnstein wegbeten.
      3
      Wäre ich eine Frau, hätte ich wahrscheinlich ein, zwei mal im Jahr einen weiteren Facharzt besucht.
      +2=5
      Den Hausarzt einmal im Jahr zum Grippeimpfen.
      +1=6
      Vielleicht zwei im Jahr hat man Fieber, wenn man Atteste für die Arbeit braucht, sind damit zwei, drei oder vier weitere Besuche beim Hausarzt verbunden.
      +4=10
      War einer der aufgesuchten Ärzte der Ansicht, dass bei zwei Gelegenheiten ein Blutbild oder sonst eine Laboruntersuchung fällig ist, wird der Befund von Laborärzten in 1000 km Entfernung abgezeichnet.
      +2=12
      Wir reden nach wie vor von einem Menschen, der altersgemäß pumperlgsund ist.
      Jetzt verrenkst du dir den Fuß: Hausarzt.
      +1=13.
      Röntgenarzt.
      +1=14.
      Chirurg für Eingipsen, Gips abnehmen, Kontrolle und Rezepte
      +1+1+1+1=18.
      Bist du zufällig jemand, der ein Tablettchen für Blutdruck braucht, von dem du morgens und abends eine einwirfst, kommst du mit einer Packung deines Medikaments 50 Tage hin, du gehst also völlig systemgerecht zirka weitere sieben mal im Jahr wegen eines Rezepts zum Hausarzt.
      +8=26.
      Obwohl dir nichts Akutes fehlt, du beileibe kein Hypochonder bist, und du Ärzte von Herzen hasst, hast du schon 26 Arztkontakte auf dem Kerbholz.
      Das ist unheimlich, nicht wahr?

  26. Titel eingeben
    Danke

  27. Mein Kind muss immer gewinnen, ist schließlich mein Kind.
    Ich habe in der Schule an der Tafel Integralrechnungen machen müssen, vor aller Augen und Ohren Latein übersetzen und eben auch an den Bundesjugendspielen teilnehmen. Manches hat mehr, manches weniger Freude und Leichtigkeit bedeutet. Wohl den Kindern, denen in ihrer Kindheit nichts Schlimmeres als Vorbereitung auf das Leben widerfährt. Die unerträgliche und wichtigtuerische Larmoyanz von Müttern, die mit zur Schau getragener und öffentlich gemachter Fürsorge davon ablenken wollen, dass ihre Kinder für sie Projekte darstellen, die möglichst gut laufen sollen. widert mich an.

  28. Ich würde gerne solche Mütter verbieten
    Mein persönliches Trauma war der Kunstunterricht und die Schönschreibnote.
    Beim Sport war ich immer dabei, obwohl nie ganz vorne. Ich habe durch den Sport Menschen kennen und schätzen gelernt, die ich bei ausschließlicher Fokussierung auf Mathe, Physik und Fremdsprachen wohl nicht kennen gelernt hätte.
    Natürlich sind die BJS nicht für jeden, aber muss denn alles immer für jeden sein oder es wird verboten?
    Sie kann ihr Kind an dem Tag zum Kieferorthopäden schicken. Der freut sich, wenn mal jemand freiwillig am Vormittag kommt.

  29. BJS
    Bundesjugendspiele .. passt tatsächlich irgendwie nicht mehr in dieses Land der Dauerbeleidigten und Luschen ….

  30. Titel eingeben
    Egal wir haben es durchgezogen, bei 30 Grad in der Sonne, und ich lebe noch. Es gab Gute und Schlechte, aber jeder war dabei.
    Es geht nicht um die Bundesjugendspiele, es geht darum mal was durch zu ziehen, ohne Diskussion……
    Und ich fühle mich nicht traumatisiert….

    Leben ist kein Ponyhof…..aber die Streber haben gute Noten in Mathe und wir hatten Ehrenurkunden, so ist das nun mal. Jeder hatte was in der Schule was ihn gequält hat, ob mental oder körperlich.
    Aber ist das nicht auch SCHULE, zu lernen mit so was um zu gehen „??

    Vielleicht kann man das System Bundesjugendspiele mal überdenken und nur die relativ Besten da hin schicken. Aber Jugendliche müssen Sport machen, das ist wichtig. Kinder brauchen Bewegung, Teamgeist und Ziele die Sie erreichen sollen, und wenn das nur ein 100 Meterlauf wo Sie die Ziellinie erreichen müssen.
    Damit lernt man sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen, und wenn es die Entscheidung ist, es zu hassen und nie wieder zu machen.

    Wer es macht, kann dann davon reden und es auch dann nie wieder machen. Aber Sie haben Teilgenommen, sonst könnten Sie so nicht reden bzw darüber schreiben. Hatte doch was Gutes, Sie haben gelernt. Das ist was Schule vermitteln soll oder ??

    • Streber
      „…aber die Streber haben gute Noten in Mathe und wir hatten Ehrenurkunden, so ist das nun mal.“

      Streben ging gar nicht, zumindest bei keinem von den Jungs. Alles musste lässig wirken, so als wenn man eine Frisbee fängt, nicht als wenn man übt, um Leistung zu bringen und Punkte zu machen. Viel zu riskant, wenn man dann was in den Sand setzte, was ja auch mal vorkam und die ehrgeizlosen Typen bzw. jene, die so wirkten, die besseren Noten hatten. Es war schon wichtig für das Prestige, cool zu sein, man durfte es nur nicht übertreiben und deswegen auch noch schlecht abschneiden. Ich denke auch neute noch, dass es nicht schlecht ist, Eigenschaft und Gegeneigenschaft gleichzeitig zu besitzen. Als ich während der Schulzeit damit anfing, den Intellektuellen raushängen zu lassen, organisierte ich auch das Glückspiel. Eigentlich habe ich es immer für undenkbar gehalten, dass es unter uns „Gutmenschen“ gegeben hätte. Das war etwas für merkwürdige Existenzen unter den Lehrern. Ich lebe auch jetzt noch in dem Glauben, dass keiner von uns einer geworden ist. Umso bemerkenswerter für mich, dass das dann in der Gesellschaft explodiert ist.

  31. Sport fuer Sportler
    Etwas off topic:
    Ich habe die erwaehnten „Bundejugendspiele“ in meiner Jugend verpasst da meine Eltern mich in die Diaspora schleppten wo Sport mehr etwas mit Combat/Kampf und Krieg zu tun hatte. Also „winner takes all.“ Ich hab das ohne allzu grossem Schaden ueberlebt, habe aber gelernt dass da doch immer einer ist — und manchmal sogar eine — der staerker ist, schneller lauft, rennt, schwimmt oder eine Ball wirft. Deshalb habe ich mich fuer motorisierten Sport interessier um mein Ego nicht allzu schlimm zu beschaedigen. Ist ja einfacher den Motorad Gasgriff zu drehen, um die Konkurrenz abzuhaengen. Nur bein Radrennen ist es schwierig, da ist auch immer einer der schneller und fester reintretet und dann sind da die unendlichen Huegel und sogar Berge die Mann und Bub, Maedel und Frau, ueberpruefen. Mancher Berg hat gewonnen. Es ist eine traurige Ansicht wenn mancher muede Radler sein Titaniumvelo in der Sommerhitze hochschieben muss … ohne Biergarten oder Bergbahn fuer Meilen herum. Das kann selbst den Tapfersten zu Traenen bringen. Ob Bundesjugendspiele jemanden fuer sowas haetten vorbereiten koennen?
    I digress, schoener Kommentar werter Don Alphonso, much appreciated, as well as all the fine observation from your readers. Ich wuensche „Happy Trails“ … a tailwind for all Veloriders and a downhill slope to give life on your bike a little extra speed.
    Pax vobiscum

  32. Titel eingeben
    A la bonne heure ! 90 mit dieser historischen Gazelle . Angstgene noch nicht einmal im fortgeschrittenen Alter ? Dann lieber Bundesjugendspiele für Senioren !

    • Mit meinem Mittendorf auf den frühen 70ern habe ich schon mal einen Fahrer auf einem Scott CR1 eingefangen, überholt und zurückgelassen – die Spitzingseestrecke hinunter. Mit meinem noch älteren Woodrup den Jaufenpass hinauf und hinunter… die Kisten halten schon etwas aus. a mache ich mir weniger Sorgen als bei dem Carbonzeugs.

  33. Mittelmaß
    Es gab noch eine Steigerung zur Ehrenurkunde : Mitglied der “ Bannerkampfschaft “ ! Welche Diskreditierung der Schwachen . Heute hätte dieser Begriff Chancen Unwort des Jahres zu werden .
    Anfang der 60er war ich als Schulbester im Schwimmen Mitglied der Mannschaft . Wir fuhren in die Normandie zum Wettkampf mit “ den “ Franzosen . Siege und Niederlagen ( nicht im Schwimmen ) hielten sich die Waage. In nachhaltiger Erinnerung blieb mir der Besuch des Küstenabschnitts , in der die Invasion stattfand und der Besuch eines Museums , das dieses Thema zum Inhalt hatte . Es ist über 50 Jahre in bleibender Erinnerung . Der Wettkampf hat mich als Europäer mehr geprägt als die Sonntagsreden von Schulz und Co.
    Ein JA für die Bundesjugendspiele .
    PS : Vielleicht sollten wir auch Bundestagsjugendspiele einführen .

  34. @Don Alphonso
    Das lag wohl weniger am CR1 als am Fahrer . Auf der Geradeausabfahrt am Spitzingsee gilt für Siegfahrer : Hände weg von der Bremse , frei nach dem Motto : Lieber tot als Bronze !

  35. Was bisher überhaupt nicht erwähnt wurde - die Ausgleichsnote!
    Wir hatten eine allseits beliebte Mittelfeldmitschülerin, deren Leistungen in einem Schuljahr plötzlich so stark nachließen, dass sie die Versetzung gerade man so eben mit Ach und Krach noch geschafft hatte – im neuen Schuljahr würde das wohl nicht mehr reichen, sie brauchte eine Ausgleichsnote. Direkt helfen konnten wir ihr alle nicht – sie lebte damals zum großen Teil in einer anderen Welt. Also entschlossen wir übrigen Schülerinnen uns zu einer indirekten, für uns unschädlichen Maßnahme – wir fuhren unsere Leistungen im Sportunterricht auch mithilfe des Bundesjugendspielversagens dramatisch um zwei Notenstufen in den Keller. Unser Sportlehrer konnte das allenfalls unter dem Rubrum Pubertät subsumieren. Er wollte aber auch nicht fast die ganze Klasse um zwei Punkte hinabstufen, das wäre wohl zu erklärungsbedürftig gewesen. Also erhielten wir die Vorjahresnoten. Unser Sorgenkind jedoch stand unverändert gut da, wurde dementsprechend zwei Noten höher bewertet als wir, hatte damit den notwendigen Ausgleich. (Sowas war nur einmal nötig – im Folgejahr hatte sie sich wieder gefangen.)

  36. Siegerurkunde
    Ich muss mal sehen, ob meine Siegerurkunde noch irgendwo konserviert ist. Wenn ich irgendwann mal sesshaft werde, rahme ich sie mir ein und integriere sie in eine Galerie mit (unter)durchschnittlichen Zeugnissen und Urkunden für das erfolgreiche Bestehen von Onlinekursen über das Bedienen von Feuerlöschern.

  37. STOP WHINING
    you lousy wimp.

    Ich gebe zu: Ich bin nicht in Bayern groß geworden. Bei uns war das immer recht entspannt. Man (sic!) ist gelaufen und hat hinterher irgend einen Wisch bekommen. Fertig. Da hat sich keiner groß drum gekümmert oder ein Trauma davon getragen.

    Entweder meinem Balg ist der Wisch wichtig… dann soll es sich anstrengen. Oder es ist ihm nicht wichtig. Dann soll es aufhören zu jammern.

    Sind wir doch mal ehrlich: Es ist wie am FKK-Strand: Man braucht keine Hemmungen zu haben: Es gibt immer noch welche, die schlimmer sind.

  38. es wurde über weicheier gekagt
    die die republik regieren, und jetzt möglicherweise auch noch BJS abschaffen. da wünscht sich jemand echt harte jungs als führungspersonal, mit opferbereitschaft und echtem sportsgeist
    wenigstens im motorsport hat`s die noch:

    https://www.youtube.com/watch?v=7M9_nHaAyMs&list=RDrY3sXZWCXMo&index=10

    aber lasst die bitte auf der isle of man, und nicht an die regierung. wenn was früher besser war, dann plädiere ich doch mehr für das erlernen der handschrift.

    ich teile dem don seine eingang der betrachtung gemachte beobachtung über den gesundheitszustand der älter gewordenen siegertypen und lesenden verlierer, seine erfahrungen und seine abneigung gegen die BJS im bayern der siebziger. gefällt mir.
    unser grundschullehrer hatte übrigens seinen spass daran, uns aufspringen und hinwerfen üben zu lassen, in erinnerung an seine tausendjährige jugend. manchmal grausige geschichten vom nahkampf mit dem spaten und tieffliegerbeschuss im kartoffelacker. als kriegsverherrlichung war das nicht gemeint, sondern noch sehr präsente lebenserfahrung dieser generation. ob sehr reflektiert, eine andere frage. heute erfährt man genaueres über den lauf der welt auf youtube.
    die waffen sollen besser geworden sein.

  39. alte Zeiten
    Ach, an unserem alt-ehrwürdigen Gymnasium, dass dann Versuchsschule für Oberstufenreform wurde und dessen Direx es noch zu einer Professur in Bochum an der RUB schaffte, waren Bundesjugendspiele kein im Focus stehendes Event. Man sagte damals natürlich anders. In einigen Jahren fanden sie selektiv statt, will heißen wir (Direx inklusive) hatten alle wichtigeres vor.
    Immerhin erinnere ich mich (Abi 72) an den langhaarigen, Hippie gestylten weil Austauschschüler in California gewesenen Klassenkamerad, der lang und hager in der Mittelstrecke zur Hochform auflief und den Jugend- Landesrekord knackte. Was er nach dem Duschen (und ausgiebigem Föhnen der langen Haare, der Föhn war von zu Hause mitgebracht) mit der Bemerkung toppte, auf den Schreck brauche er nun aber wirklich erst mal nen Joint.
    Einen etwas stabiler gebauten Mitschüler zog ich auf der Langstrecke (5000 wenn ich mich recht erinnere) knapp unter das Limit, mit zusammengebissenen Zähnen.
    Ich war auch kein guter Sportler, merkwürdiger weise aber mehrere Jahre mit dem Klassencrack, Horst S., befreundet. Horst spielte auch Klavier und mochte Musik, was uns bei gemeinsamen Heimwegen unerschöpflichen Gesprächsstoff bot – bis seine wackligen Leistungen in den nicht- Sportfächern ihn eine Klasse wiederholen ließen und damit unsere Stundenpläne nicht mehr synchron waren.
    Ansonsten waren diese Jahre weniger von Disziplin gekennzeichnet (der Direx, wiewohl selbst noch Leutnant in WK II gewesen, was er mir aber erst Jahre nach dem Abi gestand, hatte es geschafft die alten Hardliner rechtzeitig pensioniert zu bekommen und eine reihe guter junger Lehrer anzuheuern). Dafür hatten wir, vor allem in den Stufen ab Untersecunda, durchaus Spaß am Lernen.
    Übrigens waren wir damals ein reines Jungen – Gymnasium, erst später wurde es „koedukativ“.
    Bei der Kriegsgräberfürsorge in Nordfrankreich in der Nähe von Soissons haben wir dann neben der Arbeit auf dem Soldatenfriedhof noch ein improvisiertes kleines Sportfest mit französischen gleichaltrigen Schülern gemacht. Dabei waren die Ergebnisse nicht so wichtig.
    Interessanter waren die Gespräche vorher, zwischendurch und danach.

  40. BJS in West-Berlin
    zur Frage weiter oben – gab es mindestens ab Mitte der 70er in West-Berlin – die Siegerurkunden aus der Grundschule habe ich noch – auch wenn es nicht für mehr gereicht hat. Ansonsten schöner Artikel!

  41. Felix Germania inferior
    Welch beneidenswertes Volk, das dergleichen Probleme diskutiert !

  42. Dem Vergessen entrissen
    Dieser schöne Beitrag hat mir die BJS wieder in Erinnerung gerufen,
    und die darauf folgenden Kommentare haben so mach weiteres Türchen wieder geöffnet. Ich halte es mehr so wie der Don: eher nicht der Teamplayer und beim Fussball im Tor ( letzte Station vor dem Linienrichter).
    Dann der Rückblick auf meine Sportlerkariere: Schwimmen, Voltigieren, Tischtennis und Judo, alles in der Schulzeit und meistens nebenher, das man noch diverse Besuche mit dem Rad erledigt hat, war auch kein Hinderniss. All dies, und die Handwerkslehre haben wohl dazu beigetragen, das ich heute den Arzt nur gelegentlich sehe und meistens nur wenn etwas kaputt gegangen ist.
    Wenn ich etwas zu sagen hätte ( hab ich aber nicht) könnte der Schulsport wieder ausgeweitet werden. Es täte den Couchpotatoes ganz gut.

  43. Titel eingeben
    Ein einziger großer Schmarrn von einem der mit dem Leben nicht zurecht kommt !

  44. Den Schulsport ausweiten ...
    … das wäre in der Tat sinnvoll.
    .
    Während meiner Schulzeit in den USA hatten wir in den ersten beiden Stunden meist Sport oder Werkunterricht, erst danach ging die Lernzeit – bis 15:00 Uhr los.
    .
    Hierzulande quält sich die Jugend um 7:30 gähnend in die Klassenzimmer und schläft dort gleich weiter, nur damit der Leerkörper am frühen Nachmittag seiner Freizeitbeschäftigung nachgehen kann.
    .
    Es ist nicht alles TTIP, was aus USA kommt.

  45. Wie schön!
    Sehr schöner Text von Don, sehr flüssig geschrieben, wie aus einem Guss. Lässt sich sehr schön lesen, ja, man bedauert es, wenn man das Ende erreicht hat.

    Möglicherweise würde hier sogar Erich Kästner aus seinem Grab bzw. seiner himmlischen Lagerstätte herüber zwinkern bzw. auf sein Gedicht „Bürger, schont eure Anlagen“ verweisen – wo ebenfalls das Thema der Balance zur Sprache kommt.

    Was meine Erfahrungen der „Bundesjugendspiele“ angeht: Ich fand schon damals als Knirps den Namen hochgestapelt und gemessen daran, dass wir auf staubigen, schmucklosen (und damals noch giftigen…) Aschebahnen unsere Runden und Sprünge drehten, gänzlich übertrieben.

    Ich gehörte nicht zu den „sportlichen Kindern“, und wetteiferte mit anderen Kindern eher darum, nicht Letzter oder Vorletzter zu werden, was mir im Regelfall so einigermaßen gelang. Außerdem beneidete ich die anderen Kinder, die von ihren Eltern in die Sportvereine geschickt wurden, während dergleichen für mich halt nicht vorgesehen war. Irgendwann in der 8.ten Klasse, auch anlässlich derartiger Bundesjugendspiele, wo ein Klassenkamerad in atemberaubenden „weniger als 4 Minuten pro Kilometer“ seinen 3-Km-Lauf vortrabte (verbunden mit peinlich überschwenglichen Lob der Sportlehrer), da erwachte in mir und unserer Außenseiter-Clique dann der Wunsch, es diesem Knaben gleich zu tun.

    Wir jagten also zwei Mal wöchentlich um die örtlichen Seen, dabei immer neue Bestzeiten anstrebend, und entwickelten uns im Laufe eines halben Jahres zu durchaus flotten Läufern. Ach, und über den Kilometerschnitt des vormaligen Wunderknaben lachten wir nur noch. Wir waren flotter.

    Das Beste aber war: Auf den nächsten Bundesjugendspielen schlichen wir mit voller Absicht so langsam, wie wir nur irgend konnten, über die 3-Kilometer-Strecke. Wir waren zu stolz dafür, von unseren beknackten Sportlehrern für unsere Leistungen gelobt zu werden.

    Und wir wussten ja: Wir sind die schnellsten. Beweisen mussten wir das niemanden mehr – das fanden wir albern.

  46. Pingback: Sommerhitze, Peps Gedichte und die 17 Hippies - die Links der Woche vom 26.6. bis 2.7. | Männer unter sich

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