Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Verwünschung stirbt zuletzt

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Glücklich ist, wer vergisst, was doch zu ändern ist
Johann Strauss, Die Fledermaus

Ich mag Kinder nicht.

Ich mochte sie noch nie. Es ist nicht so, dass ich sie verachte oder gar schlecht behandle, ich halte es durchaus eine Weile mit ihnen aus, und ihre Anwesenheit schädigt meistens nicht mein Dasein, weil ich die Gemälde vorher verstecke. Selbstverständlich lade ich Freunde mit ihren Kindern ein und sorge für kindgerechte Würste, auch wenn ich Vegetarier bin. Ich erachte Kinder als notwendiges Kleinübel zur Erhalt der Menschheit, die ich als Grossübel durchaus nicht als erhaltenswert erachte, aber ich verurteile auch keinen, der das anders sieht. Man kann es ohnehin nicht ändern. Allerdings war meine Haltung vor einem Viertel Jahrhundert noch allgemein stark ausgeprägt. Entsprechend höhnisch wurde von der Singlefraktion meiner Generation das Scheitern von Familienwünschen bei anderen kommentiert.

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Der Hohn ist unsereins nicht vergangen, er findet nur stetig weniger Nahrung. Dafür mag es viele Gründe geben, aber Kinder und Familie gelten heute nicht mehr als sonderlich dramatisch und risikobehaftet, die Scheidungszahlen sinken, die Geburtenrate steigt, und ich beobachte auch eine gewisse Lässigkeit im Umgang mit Lebensentscheidungen, die mir immer noch fremd sind: Kinderkriegen und Familiengründen sind heute wieder geprägt von Demut gegenüber dem Lauf der Welt, während das Schielen nach besseren Optionen und die Suche nach dem absolut perfekt passenden Partner unmodern werden. Meine These ist, dass die Jagd nach der besten aller möglichen Welten bei Beruf, Wohnung, Partnerschaft und Vermögen früher noch leichter und vor allem nicht verpflichtend war: In meiner Generation konnten jene, die das wollten, sich wirklich noch beweisen, während wir feiern gingen und Orchideenfächer studierten. Heute ist diese wilde Jagd nach Qualifikation so verpflichtend und so hart, dass keine psychischen Reserven da sind, den gleichen Druck auch noch in der Beziehung zu erdulden. Da richtet man sich eben mit einem guten Zustand ein, neidet dem anderen nicht sein Weib und seine Babysitter-Sklaven, sondern errichtet ein harmonisches, dauerhaftes und Rückhalt bietendes Gegenmodell. So wie die Grosseltern.

Ich bin schon zu alt, um hier Schaden davonzutragen. Meine Generation hatte immer genug kinderhassende Singles zur Auswahl, und an ausgehungerten Geschiedenen gab es nie einen Mangel. Wir Harpyen des Scheidungsrechts bekamen die Optionen frei Haus serviert. Und wer in unserem Alter jetzt noch die Kurve und doch Kinder kriegt – und das sind erstaunlich viele – ist ohnehin nicht mehr unbedingt Teil des Beuteschemas. Wir waren bei dieser Entwicklung weg vom Kind früh genug dran, um alle Vorteile mitzunehmen. Jüngere Singles werden jetzt eiskalt von der Familienmode erwischt. Sie gelten nicht mehr als frei und glücklich, sondern als untaugliche Reste, die nicht in der Lage sind, das jetzt geltende Ideal umzusetzen.

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Kurz, junge Familen schauen auf Singles heute so sorgenvoll, wie es unsere Grosstanten taten. Mit Rückblick auf ein gutes Leben am Tegernsee muss ich solche Mäkeleien nicht auf mich beziehen. Generös vermag ich es, mich als Relikt einer grossen, aber vergangenen Epoche zu sehen, und im der Geriatrie treffen wir uns dann ohnehin alle kinderlos wieder: Ich, weil ich keine habe und sie, weil ihre Kinder nur an Ostern, Weihnachten und zum Testamentunterschreiben sogar mit Enkeln kommen. Das ist jetzt gemein, und vielleicht stimmt es nicht, aber nur, weil ich meine Niederlage unumwunden zugebe, höre ich noch lange nicht auf, das Salz des Zweifels in die Wunden der Unsicherheit zu streuen. Allerdings muss man auch den nachfolgenden Singles ganz klar sagen, dass die hohen Kosten und der Leisungsdruck für sie am Ende selten mehr als eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern in einer deutschen Metropole bereit halten werden, in der sie dann Vorruhestand und das lange Elend des Siechtums erdulden müssen, so sie nicht erben.

Denn natürlich bleibt die Klassengesellschaft bestehen und für jeden, der wie ich leben kann, muss es eben andere geben, die das nicht tun – und es sieht sehr danach aus, dass all die emsigen Arbeitsbienen und Drohnen rund um die Königin des Kapitals diese Rolle formschön, aber individuell wenig glücklich einnehmen. Eine Lösung des Problems weiss ich nicht; ganz im Gegenteil, ich halte sie sogar für unmöglich, denn ich will auf keinen Fall lügen. Andere sehen das jedoch anders und sprechen diese Zielgruppe auch punktgenau an: Ich war mal auf der Buchmesse bei einer Lesung von Charlotte  Roche. Zwangsweise, ich wartete am FAZ-Stand auf jemanden, als sie dort auftrat, und auf der anderen Seite war eine Horde von meist sehr schlanken, penibel sauberen und nicht mehr ganz jungen Frauen. Weil ich Vorurteile nicht nur gegen lutheranische Ketzer, slawische Preussen, Balkanbewohner aus Österreich, britische Küche, skandinavische Sexualprüderie und amerikanische Wilde, sondern gegen Jedermann fürsorglich hege, sage ich hier einfach mal: Das waren Singles. Weibliche, mitteljunge Singles aus einem von Verdrängung und Kostendruck geprägten Markt. Gerade die Buchbranche ist voll davon, denn sie ist eines der Traumziele für Frauen und gleichzeitig die Garantie für sich nie einstellende Zukunftserwartungen. Sie müssen so penibel reinlich sein, um Leistungsbereitschaft für die falsche Seite der sich unausweichlich öffnenden Gender Pay Gap zu signalisieren.

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Und sie mögen diese Autorin, die Schmuddel macht. Ihre Bücher sind voll von kaputten Frauen, die überhaupt nicht richtig funktionieren, und deren Dasein wenig erbaulich ist. Noch jede Protagonistin würde man mit Mitte Vierzig bei der Psychotherapie und zum Glück nicht am Tegernsee erwarten. Wie die Autorin selbst sind das Charaktere, bei denen in mir alle Alarmsirenen schrillen: Wer als Single seinen Spass will, will auf keinen Fall die in solchen Unzufriedenen randalierenden Probleme. Die Autorin beschreibt genau das Elend, dessen Vermeidung dem Single möglich ist. Als Single verzichtet man egoistisch auf Familie für den Spass und nicht für das Ertragen des Dachschadens anderer Leute – gewiss, es ist nicht nett, aber es lohnt sich. Im jüngsten Buch wandert die Rochesche Ikone der „Frau mit dem Dachschaden“ nun also ins Familiendasein. Und entwirft ein wie immer und nach dem dritten Schmuddelbuch reichlich gewöhnliches Bild von Verzweiflung und Unzufriedenheit in den neuen Strukturen mit Kindern.

Wer jetzt während der Herbstferien auf den Promenaden des Tegernsees spaziert und die Kinderernte der letzten Jahre sieht, der ahnt, dass dieses Buch keinesfalls junge Eltern ansprechen soll. Es ist ein Buch für uneinsichtige Sklaven des Kapitals, die mehr Karrierewünsche denn Familienträume hatten, aber gerade von steigenden Nebenkosten, Mieten und Preisen abgehängt werden, sich nicht mehr an das neue Ideal heran machen können, und nicht wie Gewinner aussehen. Die freuen sich natürlich, ein Buch zu lesen, in dem eine Frau neben einem Psychoknacks auch frustrierte Gewaltphantasien und schlechten Sex hat. Das ist so wie das Betrachten von Unterschichtenserien im TV: Das Gefühl, dass man zwar noch immer nicht am Tegernsee nebenher sein Geld verdient, aber immerhin geht es einem besser als denen da. In meiner Jugend hätte mir so ein Buch mit dem Scheitern der Familienerwartungen durchaus gefallen. Heute lese ich im Netz die lässigen Sprüche bei sich aufreizend gebenden Mütter, während die Rochesche Kernzielgruppe einsam und verlassen Twitter als kostenlose Alternative zur Therapie begreift. Aber wenigstens steht im Buch, dass es den anderen auch dreckig geht: Sicher sind diese freudestrahlenden Eltern der Realität, die in der Erziehung aufgehen, innerlich von derben Depressionen und finsteren Abgründen zerfressen.

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So ein Buch kann Linderung verschaffen – ich lese ja auch die World of Interiors als Gegenentwurf, wenn mal eine der Gefrusteten bei Twitter erzählt, wie sie unter der Nebenkostenabrechnung leidet. Man flüchtet sich gern in Träume und Phantasien, seien sie für einen selbst schön, oder für andere schlecht. Man sollte alten Frauen keine Vorwürfe machen, wenn sie versuchen, das zu kapitalisieren, denn auch Hedwig Courths-Mahler lebte und dichtete ihre Schmonzetten – wenngleich mit weitaus gesünderem Personal – finanziell gesichert am Tegernsee. Ich habe keinen Zweifel, dass mit den Veränderungen der Gesellschaft auch andere Autoren auf die Idee verfallen, den in die Krise gekommenen Rebellen düstere Schilderungen jener Spiesser zu vermitteln, die weder ein Genderseminar besuchen noch all die Beiträge der Medien über das spannende Leben der Transsexuellen lesen, weil sie vor lauter Ehegattensplitting Urlaube planen müssen. Das Wandern im Laub unter blauem Himmel, das kann es doch nicht gewesen sein, da muss irgendwo ein abgeschnittenes Ohr im raschelnden Laub vom sicher kommenden Unheil künden.

Denn nicht die Hoffnung, die Verwünschung stirbt zuletzt.

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109 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    irgendwann

    irgendwann kummt ane und ramt eahna af.

  2. Titel eingeben
    werter DON, so bin ich den auch hin und her gerissen zwischen dem „düsteren leben“ wo urlaube geplant werden und sich grauhaarige am gardasee zum mittag den ersten prosecco gönnen müssen…..und den alten „wilden“…..

    fakt ist doch insgesamt, dass es keiner grauhaar-generation materiell, gesundheitlich, lebenserwartungsbezogen und vom öffentlichen unterhaltungswert her besser ging als der derzeitigen, ob mit oder ohne ehe (-gattensplitting).

    die einen leben in trauter zweisamkeit und geniessen rosamunde pilcher, schwärmen in ihren jackwolfskin-jacken aus und beklagen sich, dass der schwiegersohn auf der bergtappe bei grenoble nicht mithält und „noch trainiert“ werden muss (orginalzitat einer 74-jährigen).

    und die anderen, ob single oder mit offiziellem trauschein der zuhause bleibt, rotten sich nach dem joggen oder bike-ride kommunenhaft zum austausch von verbalen und erotischen nettigkeiten in kolonien zusammen und sind die wahrhaften profiteure ihrer 68-anstrengungen, die sich nun auszahlen.

    oder eine kombination beider lager trifft sich zu einer ruderpartie im achter und lässt es ganz flott laufen. nur die konventionellen und traditionalisten sind nicht da, deren ego verpflichtet sie zum enkel-sitting.

  3. Ein bisschen Girls, ein bisschen Geschichte der O
    Auch dieser Beitrag fiel der moralischen Instanz FAZ zum Opfer!
    Sähe ihn gerne hier freigeschaltet!

    „Ein bisschen „Girls“, ein bisschen „Geschichte der O“
    Ob es sich um autobiografisches Material handelt, oder nicht, lässt sie bewusst offen, damit geschickt die pornografische Fantasie ihrer Leser stimulierend. Die wenig (selbst-)reflektierten erotischen Erfahrungen einer vorwiegend jugendlichen Lesergemeinde aufspießend, doch auf die Gelüste derer zielend, die sich an ihre sexuellen Abenteuer immer weniger zu erinnern vermögen. Ein bisschen „Girls“, ein bisschen „Geschichte der O“. Die aufklärerischen Elemente erscheinen innerhalb eines solchen Genres mehr als aufgesetzt, wenn auch instinktsicher aufgegriffen und marktgerecht verarbeitet. „Nimm dir das Weib, wenn es gerade nicht will“, so Marquis de Sades Überzeugung vom Weib das benutzt sein möchte, hört sich bei Charlotte Roche dann so an: Nimm dir so viele Weiber wie du kannst, denn der Muskel will benutzt sein. Vielleicht meint das eine wie das andere etwas von erotischer Intelligenz preiszugeben: doch der Kopf scheint hier nicht als das aktive Organ angesprochen.“

  4. Pingback: Ein bisschen „Girls“, ein bisschen „Geschichte der O“_02

  5. nicht
    ich sind!

  6. Hallo Don,
    Was immer Sie auch zum Thema Mensch-Natur schreiben und
    tun, es dient auf jeden Fall alles der Selbsterkenntnis und Einsicht
    der Evolution auf ihrem Weg zur Klarheit; auch wenn nicht alles,
    was Sie ausmacht, Sie selbst Ihrer Klarheit zu nutze machen…
    nicht können, wollen, bemühen, …, selbsterkennend einsehen.
    Nicht aufgeben klar zu werden, zu reifen…Ihre Wahrnehmung
    ist doch gut…Zynismus ist kein guter Berater, ebensowenig wie
    alle Eitelkeiten der Sonnenseite, besser des Sonnenraumes, Ihres Lebens in einem „Gesellschaftsonnenraumteil“…oder „Sonnenraumgesellschaftsteil“:=)

  7. Das ist eine der schönsten Kurzbeschreibungen einer von Neid, Hass, Frustration
    und Uneinsicht in die eigene Unfähigkeit zusammengehaltenen twitter-Szene, deren Leben und die Berichte darüber so absolut überhaupt nichts mit dem von 90% der Menschen zu tun hat, die ich auch nur von ferne kenne.

    Was den Drive dieser Szene, ihr Unglück allen anderen überzustülpen, nur umso stärker werden lässt. Nichts hasst frau schliesslich mehr, als Menschen, denen es nicht mindestens genauso schlecht geht, wie einem selbst. Wenn man psychisch gestört ist – auch Roche hat ja nach eigenen Angaben einen gewaltigen Knacks.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Nichts hasst frau schliesslich mehr...
      Wahre Worte, Herr Haupts. Ich halte mich von Frauen fern, grundsätzlich. Die Gesprächsthemen der Damen sind sehr begrenzt, ähneln sich durchweg und interessieren mich absolut nicht. Kinder habe ich nicht in die Welt gesetzt, so dass mich auch Enkel verschonen. Mir reicht der Lärm, der zu mir aus dem Garten heraufdringt. Der Geriatrie werde ich letztlich aus dem Weg zu gehen wissen.

    • Titel eingeben
      Das mit dem Knacks ist schon eine verführerische These. Ich bin auch sicher, dass die absolute Zahl der nach außen hin Auffälligen in den letzten Jahren zugenommen hat, wo einerseits gesellschaftliche und moralische Zwänge als omnipräsente Zwänge fehlen, andererseits das Internet Ventile verspricht für den inneren Druck. Vielleicht leben wir auch in Umständen, die die Menschen generell schneller krank macht – denn bemerkenswerterweise haben überaus viele dieser Störungen ja biologische bzw. biochemische Ursachen, sind also eher Symptome.

      Vielleicht erliegen Sie aber auch nur Ihrem, als „typisch männlich“, beschriebenen Drang, systematisch-logisch an Dinger heranzugehen und Gleiches auch von Ihrer Umwelt zu erwarten. Während Sie aber gleichzeitig mit Kommunikaton und Verhalten konfrontiert werden, welches vor allem das Gefühl oder vielmehr den Reiz an, die Sucht nach immer neuen und immer stärkeren Emotionen im Vordergrund hat.
      Da ist es oft ist es besser, einfach nicht zuzuhören und zu machen, was man selber für richtig hält. Denn um das Argument, um das Sie sich ja andernorts oft liebevoll bemühen, um das geht es nicht. Interessiert nicht, oder nur als Kristallisationspunkt für einen Aufreger. Damit die Chemiefabrik im Kopf wieder feuert.

    • Ich muss gestehen, ich bekomme das eigentlich nur mit, wenn ich von so einer Psychofrau negativ erwähnt werde. Dann schaue ich erst mal, was das für eine ist bzw. wer sie sonst noch so verbreitet, und das ist dann schon ernüchternd. Aber dann versteht man eben auch, warum Roche Bücher verkauft. Privat habe ich damit nichts zu schaffen, da habe ich meine Erfahrungen vor langer Zeit gemacht und halte mich lieber an diejenigen, die man nicht erbründen muss, um dann die Minen aus vergangenen Kriegen zu finden.

      Aber es wirkt durchaus so, als gäbe es recht viele Problemfälle, die sich im Internet mitsamt ihren Problemen sehr nackig machen. Manche machen das sogar richtig gut und andere geben semiprofessionell die Opfer – aber ich weiss nicht, was das bringen soll. Da vestehe ich die Mütter, die sexuelle Attraktivität verbreiten, weitaus besser. Da geht es um den Marktwert.

    • Das geht mir genau so, wie dem Don -
      auf meinen Ausflügen in die Feuchtgebiete der Denkmangelbegabten auf twitter stosse ich auch nur zufällig auf die eine oder andere. Genauso zufällig stelle ich beim Vertiefen einer solchen Grundwasserbohrung in die Gesteinsschichten feministischer Selbstverzwergung dann fast immer auf das Selbstattestat eines psychischen Defektes. Wo es fehlt, kann es mit einiger Zuverlässigkeit durch ein Fremdattestat ersetzt werden.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • No Psychoknacks, no ultimative Beweis der Rape Culture, die einen dorthin gebracht hat.

    • Das sind dann allerdings auch die, die dann Blocklisten und Seminare für Hate Speech anbieten.

  8. Prima Text.
    Habe mich gekringelt beim Lesen. Auf „Apokalypse now“ transformiert: Oberst Kurtz reflektiert über die Lage von Femen am Strand. Der Geruch von Napalm liegt über Feuchtgebieten. The Horror, The Horror. Ich freue mich schon auf die Geriatrie oder fahre ich doch besser mit einer Hanse 675 in einen pazifischen Müllstrudel. Hauptsache Kuchen.

  9. neue Strukturen?
    Lieber Don,

    Sie schreiben: „Im jüngsten Buch wandert die Rochesche Ikone der „Frau mit dem Dachschaden“ nun also ins Familiendasein. Und entwirft ein wie immer und nach dem dritten Schmuddelbuch reichlich gewöhnliches Bild von Verzweiflung und Unzufriedenheit in den neuen Strukturen mit Kindern.“

    Wer das zweite Buch von C. Roche „Schoßgebete“ nicht – oder nur auf Stellen hin – gelesen hat, könnte jetzt vermuten, es sei eine Neuerung gerade des dritten Roche-Romans, die Protagonistin „nun“ in „neuen“, nämlich familiären Strukturen zu zeigen.

    Das ist aber nicht so. Bereits Elizabeth Kiehl, die Heldin des Romans „Schoßgebete“ ist verheiratet und hat eine Tochter. Wenn ich mich richtig erinnere, interagiert sie auch mit dem Sohn ihres Mannes.

  10. Die Abwandlung des...
    …Glücklich ist-Zitates hat etwas ganz feines – eine subtile Korrektur ins Richtige des Lebens.

  11. summt leise...
    …. blue velvet.

  12. Frankensteins Monster
    Lieber Don Alphonso,

    Ihre Einstellung zu Kinder teile ich ohne Einschränkung.

    Genf ist ein Dorf. Immer und überall wird man beobachtet. Nicht nur die Geheimdienste beobachten hier alles, sondern Jeder beobachtet Jeden.

    Die Voraussetzungen für ein privates Treffen mit einer liebenswerten Person, die hier bei einer der vielen internationalen Organisationen tätig ist, sind voller Risiken und so haben wir vereinbart uns ein wenig außerhalb, in Cologny zu treffen, wo es etwas ruhiger ist. Es ist einer jener grauen Tage im Herbst, der jeglicher positiver Grundstimmung zusetzt.

    Monsieur G. führte mich zur Villa Diodati und erzählte mir von Mary Shelley, ich hätte mich gut mit ihr verstanden setzte er hinzu, und hier im Ort schrieb sie 1818 ihren Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“. Im Roman studiert der Schweizer Viktor Frankenstein an der berühmten Universität in Ingolstadt.

    Womit sich, auf die Schnelle der Kreis schließt zu Ihrer Heimatstadt und den Schöpfung von Viktor Frankenstein, was ja auch so etwas wie sein Kind war. Und auch heute erscheinen mir manche Kinder als wahre Monster.

    Zur Erhaltung der Art wie der Gesellschaften bleiben sie wohl eine Notwendigkeit. Die Motive Kinder zu zeugen scheinen ja mit dem jeweiligen geistigen und zivilisatorischen Entwicklungsstand der Gesellschaften zusammenzuhängen. In Regionen, in welchen der primitive Gedanke der männlichen Überlegenheit dominiert, vielleicht noch religiös untermauert, geht es ja zu wie im Kaninchenstall, während wie z.B. in Deutschland selbst finanzielle Anreize oft nicht ausreichen sich das anzutun, da die Vernunft etwas weiter entwickelt scheint.

    „Kinder kosten ein Vermögen – 230.000 Euro sollten Eltern je Kind rechnen.“
    konnte man am 26.7.2015 in der FAZ lesen. Hierfür kann man sich ja selber schon ein ganze Menge leisten und lebt ohne Kind entspannter und freier.

    Wenn es nicht gerade die Gewalt des Mannes ist, die zur gesellschaftlichen Vermehrung führt, so gibt Frau im Allgemeinen die wohlüberlegte Zustimmung, daß aus einem, na, sagen wir einmal 30 minütigen naturhaften Genuß, sich ihr ganzes weiteres Leben verändern wird, etwa so wie dies gegenwärtig im Gesamtgesellschaftlichen mit der BRD geschieht.

    Man sollte meinen, daß solchen Entscheidungen kluge Überlegungen vorausgegangen sind.
    Heute habe ich die Gedanken von Frau Prof. Naika Foroutan in der FAZ lesen können, zu der vielversprechenden Überschrift:“Wir brauchen eine Debatte über uns selbst“, der resümierend im letzten Absatz mit dem Satz endet:

    „Es ist banal, denn das, was gerade passiert, birgt sehr viel mehr Chancen in sich. Es katapultiert Deutschland in eine andere Zeit, in der man ganz viel richtig machen könnte.“

    Ich weiß ja nicht, ob die Dame schon Kinder hat oder welche bekommen möchte, doch mit diesem Gedanken der Frau Professor, ich weiß ja nicht…

    Wenn Frau der Zeugung eines Kindes mit dem Gedanken „Es katapultiert mich in eine andere Zeit, in der ich ganz viel richtig machen könnte“ zustimmt, so scheint ihr ein Kind so bedeutsam zu sein wie ihr Kuschelbär aus Kinderzeiten.

    Auf der anderen Seite würde dieselbe Frau wohl keinem Handyvertrag, den sie abschließen will, unterschreiben in dem der Telefonanbieter in seinen Vertragsbedingungen schreiben würde: „Dieser Vertrag katapultiert sie in eine andere Zeit, in der sie ganz viel richtig machen können.“ Da möchte man doch schon etwas mehr wissen, wie es sich mit dem Vertrag verhält.

    Es gibt ja auch Frauen, die offenbar Vergnügen daran gefunden haben ihr Bild von der unterdrückten, als Sexobject dienende Frau zu pflegen.

    Bevor ich nach Genf abreiste hatte ich noch Gelegenheit die Ausstellung „Splendeurs et misères – Images de la prostitution“ im Musée d’Orsay anzuschauen.

    Zwischenzeitlich schrieb Lena Bopp in der FAZ ja auch hierzu und deren persönliches Resümee endet in ihrer Erkenntnis, daß es:“ (sich um) eine Gelegenheit, (handelt) nackte Frauen zu zeigen.“ (Wer hat so ein armes Mädchen nur beim Feuilleton der FAZ eingestellt?).

    Ja, so unterschiedlich sind die Ansichten. Ich komme da ein wenig ins Träumen und denke an Herodot.
    Nach dem 1. Buch der Historien musste sich angeblich jede babylonische Jungfrau der Mylitta zu Ehren einmal im Leben mit einem Kranz von Schnüren auf dem Haupt in den Heiligen Hain der Aphrodite setzen und sich dem ersten, der ihr ein Stück Silber in den Schoß wirft mit den Worten „Fürwahr, ich rufe die Göttin Mylitta an“, preisgeben.

    Manche Frauen – so Herodot – mussten drei oder vier Jahre warten, bis sie dieses Gebot der Göttin erfüllen konnten, da sich kein Freier fand.

    Das kann ich gut verstehen, wenn ich an die Äußerungen und Gedanken mancher Frauen denke.

    So erschreckend erscheint nun Viktor Frankensteins Monster gar nicht mehr, wenn ich bei diesen Gedanken an der Kasse eines Geschäftes anstehe und vor mir eine jener Mütter mit ihrem kleinen Monster steht, die sich sagten: „Es katapultierte mich in eine andere Zeit, in der ich ganz viel richtig machen könnte – aber ich schaffe das….. Nicht.“
    oder eine jener der Alternativbewegung entsprungen Frauen, die in ihrem selbstgestrickten Schlabberlook, am besten mit Crocks an den Füßen alles tun, um nur ja nicht als Sexobject gesehen zu werden und ihr monsterhafter, nach Süßigkeiten schreiender Nachwuchs nur als Beiwerk erscheint ihre persönliche Anschauung zu unterstreichen.

    Mit herzlichem Gruß

    ObjectBe

  13. Blutiges Biedermeier
    heißt ein Buch tief in meinem Schrank. Wenn ich Ihre interessierte Schilderung so lese, vermute ich, Charlotte Roche kennt das auch und hat die Idee auf ihre ganz spezielle Weise umgesetzt. Übrigens hat niemand, ich betone: niemand!! was gegen eine Klassengesellschaft; Lügen nehme ich nicht zur Kenntnis. Bloß gegen … gar keine Gesellschaft (und Geld alleine klebt halt nicht genug) … könnte man schon etwas einwenden, wenn man kann. Na ja, Frau Roche kann das vielleicht nicht. Sie sollte mal die Singlefrau Sybille fragen, die gruselt sich nämlich schon lange vorm Pflegeroboter. Wenigstens dann könnten beide Schwestern im Geiste den Roboter dann nach Herzenslust verwünschen, das würde nämlich keinen Schaden anrichten.

  14. .
    danke für diesen neuen artikel!

    ungern nur bittet man sie um korrektur. heissen müsste es:

    „in dem eine Frau wegen schlechtem sex neben einem Psychoknacks auch frustrierte Gewaltphantasien hat“.

    • Könnte man auch machen, wäre stilistisch besser aber für mich passt es. Vielen Dank.

    • Grammatikalisch
      korrekturbedürftig ist allein die Version donna lauras. Denn es müsste dann heißen: „… wegen schlechten Sex(es) …“

    • Geneitiv ist auch nicht des Bajuwaren seins.

    • Ganz genau ...
      … müßte es heißen: … wegen schlechten Sexes …, jedenfalls, wenn man den 86er-Duden zu Rate zieht.
      Gruß K

    • .
      ah, man sieht, der Tarfkenner kennt sich mit schlechtem sex aus.

      (natürlich haben sie grammatikalisch besehen recht, aber man passt sich eben den bergvölkern an.)

    • Könnten die reaktionären Grammatikexperten...
      …die hier herumkorrigieren, im Gegensatz zu Sprachwissenschaftlern „grammatikalisch“ statt „grammatisch“ sagen und oberlehrerhaft-pedantisch längst vollzogenen grammatischen Verschiebungen hinterherhecheln, bitte nicht anderswo weitermäkeln.

      Das Ganze ist auch absurd, weil praktisch jeder Text vom Don ließe sich vielfach auf Tipp- und Ausdrucksfehler hin korrigieren ließe. Man liest diese Texte, obwohl sie nie redigiert werden – und zwar des Inhaltes, der Eindrücke, der Brückenschläge wegen.

  15. Titel eingeben
    Nach dem Lesen bemerkt: Das „nicht“ im Motto ist absichtlich weggelassen. Oder?

    • Vermutlich ja,
      ich habe die Weglassung als stilistische Vergeistigung gelobt. Ohne das „nicht“ ist das Zitat passender, v.a. auf die derzeitige politische Situation.

  16. Nische für Literatur
    „Als Single verzichtet man egoistisch auf Familie für den Spass und nicht für das Ertragen des Dachschadens anderer Leute – gewiss, es ist nicht nett, aber es lohnt sich.“

    Schwierig, wenn man von zwei Dämonen belauert wird: dem Dämon der Langeweile mit sich allein und dem Dämon der Meinungen der anderen über sich. Wenn die anderen einem schnell überdrüssig sind, nicht weil er sie nicht mag, sondern weil sein Gehirn sich mit Kommunikation nicht so recht ausgelastet fühlt, der wird noch die geringsten Probleme haben, aber der stellt sich auch nicht ständig Fragen nach dem eigenen Glück. Ich verstehe freilich, dass das eine dankbare Nische für Literatur ist, diese ständige Ich-Befragung zwischen zwei instabilen Zuständen, mit der Depression als möglicherweise stabilem drittem.

  17. Ist, Single zu sein, eine bewußte Entscheidung?
    Das denke ich nicht. Die Mehrheit der Singles verdankt diesen Zustand wohl eher den Lebensumständen als der bewußten Entscheidung zum Singledasein. Wenn das aber so ist, dann sind die vorgetragenen Überlegungen wohl wenig belastbar, grenzen vielleicht sogar an Selbstbetrug.

    Was die Geriatrie betrifft, das ist wohl so. Allerdings stellt sich mir da eher die Frage der gesellschaftlichen Entwicklung von der Großfamilie über die Kernfamilie hin zu den Singles und Alleinerziehenden. Am Ende scheint mir der Autor doch noch etwas zu jung. Was er wohl in zwanzig Jahren über das Thema denken mag?

    • Dann denkt er:
      ,,Ich bin privilegiert.,,
      Und das andere lässt er von seinen Leuten besorgen.

      Mit fielen Grüssen,

      Bernard del Monaco

  18. komisch ...
    als Kind mochte ich keine Erwachsenen
    und irgendwie hat sich daran bis heute nix geändert …

  19. Frag Mama
    Muss man die bescheuerten Gören von bescheuerten Leuten mögen? Nee.
    Sollten bescheuerte Gören von bescheuerten Leuten der Grund sein, selber keine Kinder zu bekommen? Nee, auch nicht.
    Jede(r) hat die Wahl; er/sie muss nur ehrlich zu sich selbst sein – und: sich selbst mögen. Dann wird es auch die richtige Wahl sein.

    • Ich bin zufrieden, aber ich sehe halt viele frustrierte Frauen, die keine Kiner wollen – und auch nicht das Dasein als Packesel von Agentur un Kanzlei. Jede Option ist schlecht.

    • @ D. A.
      Sie meinen, Sie sehen viele Frauen, die unter diesen Umständen und mit den verfügbaren Männern derzeit keine Kinder wollen und das Ablaufen der Uhr in Kauf nehmen! Denn es ist m. E. eher selten, dass Frauen grundsätzlich keine Kinder wollen. So etwas ist zwar unbedingt zu akzeptieren, aber bestimmt nicht „normal“ für Frauen (damit ist keine Wertung verbunden.) Dass jede Option schlecht ist, liegt daran, dass jede Option in einem mittlerweile unfassbaren Maße fremdbestimmt ist. Sie sehen das bestimmt anders und das ist sehr gut so. Aber allein wie Bootsmann auf der Scholle macht einen auch nicht glücklich – drum herum wird es kalt und dunkel … Dann doch lieber nach Siena ziehen und sich dort eine frohnaturige und kurvige Italienerin anlachen. Da haben Sie eine Mauer, hinter die Sie sich zurückziehen und die Dinge aussitzen können; haben die Chinesen auch ziemlich lange gemacht, das war nicht das Dümmste. Nur wenn man sich einmal gegen eine Mauer entschieden hat, wird das Leben plötzlich … unerträglich spannend.

  20. Lebensentscheidungen treffen
    Statt sich mühselig Gedanken zum Thema zu machen, konsultiere man einfacher das passende Wörterbuch: (Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary, Lemma DECIDE)

    DECIDE, v.i. To succumb to the preponderance of one set of influences over another set.

    A leaf was riven from a tree,
    “I mean to fall to earth,” said he.

    The west wind, rising, made him veer.
    “Eastward,” said he, “I now shall steer.”

    The east wind rose with greater force.
    Said he: “’Twere wise to change my course.”

    With equal power they contend.
    He said: “My judgment I suspend.”

    Down died the winds; the leaf, elate,
    Cried: “I’ve decided to fall straight.”

    “First thoughts are best?” That’s not the moral;
    Just choose your own and we’ll not quarrel.

    Howe’er your choice may chance to fall,
    You’ll have no hand in it at all.

  21. Single? - Chacun à son goût!
    Sehr geehrter Don Alphonso,

    die Graf Orlowsky bietet an Ort und Stelle gleich die Lösung für Ihre Fragen:

    „Ich lade gern mir Gäste ein,
    Man lebt bei mir recht fein,
    Man unterhält sich, wie man mag,
    Oft bis zum hellen Tag.
    Zwar langweil ich mich stets dabei,
    Was man auch treibt und spricht,
    Indes, was mir als Wirt steht frei,
    Duld ich bei Gästen nicht.
    Und sehe ich, es ennuyiert
    Sich jemand hier bei mir,
    So pack ich ihn ganz ungeniert,
    Werf ihn hinaus zur Tür.
    Und fragen Sie, ich bitte,
    Warum ich das denn tu?
    ’s ist mal bei mir so Sitte:
    Chacun à son goût!“

  22. endlich mal wieder ein anderes Thema
    Guten Abend,
    ich fürchtete schon, es gäbe außer der merklich erhöhten Einwanderung kein anderes Thema mehr von oder ohne Belang. Aber Don Alfonso weiß offenbar: es gibt auch noch andere Themen. Gott sei Dank!

    • Doch, es gibt auch noch jede Menge andere, auch wenn die Zeit gerade um eine Schmerzbehandlung bettelt.

  23. Chacun à son goût!
    Gibt es eine Fassung der Fledermaus, die das Eingangszitat so wiedergibt? In der Operette ist es doch stimmig, gerade weil es just das Gegenteil ausdrückt:

    ALFRED.
    Trinke, Liebchen, trinke schnell,
    Trinken macht die Augen hell.
    Sind die schönen Äuglein klar,
    Siehst du alles licht und wahr.
    Siehst, wie heiße Lieb‘ ein Traum,
    Der uns äffet sehr,
    Siehst, wie ew’ge Treue Schaum –
    So was gibt’s nicht mehr!
    Flieht auch manche Illusion,
    Die dir einst dein Herz erfreut,
    Gibt der Wein dir Tröstung schon
    Durch Vergessenheit.
    Glücklich ist, wer vergißt,
    Was doch nicht zu ändern ist!
    Sing, sing, sing, trink mit mir,
    Sing mit mir – Lalalala!

    Auch in weiteren Couplets der Operette ist übrigens das Leben des selbstzufriedenen Gastgebers in Reimen schön formuliert.

    ORLOFSKY.
    Ich lade gern mir Gäste ein,
    Man lebt bei mir recht fein,
    Man unterhält sich, wie man mag,
    Oft bis zum hellen Tag.
    Zwar langweil ich mich stets dabei,
    Was man auch treibt und spricht,
    Indes, was mir als Wirt steht frei,
    Duld ich bei Gästen nicht.
    Und sehe ich, es ennuyiert
    Sich jemand hier bei mir,
    So pack ich ihn ganz ungeniert,
    Werf ihn hinaus zur Tür.
    Und fragen Sie, ich bitte,
    Warum ich das denn tu?
    ’s ist mal bei mir so Sitte:
    Chacun à son goût!

    Quelle:
    http://www.operone.de/libretto/straflde.html

  24. ja mei
    Als Problembär sehe ich eher die Tatsache, daß Deutschland „ohne“ Kinder den „Zuwanderern „, die eine drei-vierfache Geburtenzahl aufweisen nichts entgegenzusetzen hat. Was in wenigen Jahrzehnten dazu führt, daß die Mehrheit in diesem Lande eine tausende Jahre währende Geschichte ihres „Wohnlandes“ nur noch vom Hörensagen kennt. Und was mich persönlich umtreibt ist doch, wieso sollte ich mir in irgendeiner Form Arbeit machen und irgendwas aufbauen, wenn ich das nicht meinen Kindern weitergeben kann. Ganz egal ob Wissen oder Materielles, d.h. mich würde es als Don wahnsinnig machen meine Radlsammlung nach mir bei der Caritas zu wissen oder so…

    • Nun, das hängt dann natürlich ganz vom Wohnort ab. Das Problem rollt von den Turnhallen am Tegernsee weg in die grossen Städte.

    • @Don
      Eine genauere Formulierung wäre wohl „Das Problem wird weggerollt.“, und noch besser wäre „wird wegzurollen versucht“, denn es wird – rebus sic stantibus – zurückehren an den See, nicht sofort, aber irgendwann. Den Durchschnittspreußen kann man über hohe Preise vergrämen, weil er ja kaufen möchte, den russischen Oligarchen wird man so schon nicht los, und einen Squatter natürlich erst recht nicht. Die Goten haben meines Wissens ihre Grundstücke in Italien nicht gekauft. Unsere Zuwanderer kommen genau wie unsere Kanzlerin aus Ländern, in denen es keine Katasterämter gibt.
      LG K

    • Gegen Squatter gibt es hier Gebirgsschützen und die Oligarchen finden bessere Orte. eigentlich ist der Tegernsee ja recht unscheinbar und viel zu klein.

  25. Titel eingeben
    Täusche ich mich jetzt, oder haben Sie diesen Beitrag nicht schon mal vor einiger Zeit geschrieben?
    Kann aber auch sein, dass ich inhaltgleiches aus anderer Feder las und das jetzt verwechsle. Ina Müller, die seit einiger Zeit auch dieses Klagelied alternder Kinderloser über 40 singt, war es jedenfalls nicht, obwohl meine Frau ihre neuste CD dauernd im Auto hört.
    Denn in der Tat. Ich lebe in der Stadt, in der die FAZ gemacht wird und es gibt das so eine Straße (Berger Straße, für Ortskundige) da gibt es jede Menge Gastonomie. Besonders im Sommer ist das eindrucksvoll, die Bürgersteige werden verschmalt, die Terrorzeit für die Anwohner beginnt, weil: Jeder Gastwirt stellt nun Gartenmöbel und/oder Biertische auf, weil der Deutsche bei jeder Temperatur über 10 Grad ja nur draußen sitzen will. Und dann ist da diese Parade: Lauter kinderlose Menschen. Die Begrüßung seit dem 12. Lebensjahr: Kreisch, umarm, bussi links, bussi rechts. Ich laufe diese Straße nun schon viele Jahre runter, ich sehe immer wieder die gleichen Leute, nur ein Jahr älter. Mit jedem Jahr versuchen sie mehr, dieses Jahr zu kaschieren, das gelingt vor allem den Männern, schlecht, schlimm, Männer über 30 in Flipflops, aber was will man machen.
    Ich gehöre nicht zu ihnen, aber das war nur Zufall, es hätte auch bei mir bei Kind 0 bleiben können. Zum Glück ist es das nicht. Ich frage mich, was wird in zehn Jahren sein? Ihre Beobachtung ist richtg: Die Generation danach hat ein anderes Lebensbild. Und das gefällt mir.
    Ich wünsche Ihnen dennoch, das Altern der Kinderlosen passiert am Tegernsee mit mehr Stil und Würde als in Frankfurt am Main.

    • Ich habe vor einiger Zeit mal über as Phänomen angesichts der Firmbäume geschrieben.

      In FFM ist das alles nicht so einfach, in Berlin dagegen kann jede/r Unbeschlafene so tun, als wäre alles prima. Das sind dann auch die Refugeewelcomers mit Vorliebe für BGE und sozialen Wohnungsbau. Sozialisten, die die Nation gern ausnehmen.

    • Titel eingeben
      Hmmm. Zu meinen Zeiten galt das Nordend, insbesondere rund um die Berger Straße, als das Viertel mit den meisten Kindern, und Mlle Tochter konnte alle Freundinnen und Freunde fussläufig erreichen.
      Aber vermutlich sind die jetzt alle ausgezogen, man ist ja schon eine Weile weg.

      Kreisch-Bussikultur finden Sie freilich auch in München, die haben das vermutlich sogar erfunden. Und die müssen dafür nicht mal Singles sein, im Gegenteil: SUV, Kindermädchen und Familienvilla in Grünwald sieht man da förmlich um diese Leute herumholographiert.

    • ach, so ausgeprägt ist das in München auch nicht, nur in manchen Ecken.

  26. Aaah, schööön, Ironie, ick hör Dir trapsen (endlich mal wieder!) -
    da andilettironisiere ich auch a weng:

    http://blogs.faz.net/stuetzen/2011/10/28/menschlicher-muell-und-seine-beseitigung-2213/#comment-61985

  27. suum quique
    Och Meister, es braucht halt Eltern und es braucht den Oheim…
    Mir sind meine Kinder Freude, Sinn und Sorge, Alles zu seiner Zeit. Aber Alles kann man nicht haben, Andere haben andere Sorgen, Sinn und Zeit. Nur die, deren einzige Freude, Sorge und Sinn sie selbst sind, scheinen mir doch sehr beschraenkt.
    Auch kann man sich mit etwas gutem Willen fuer fast Alles interessieren, aber nicht fuer ichselberzentrumdesuniversums.

  28. Titel eingeben
    Den Balkan-Österreich-Topos erdulde ich ja schon viele Jahre, lieber Herr Don. Aber was um Himmels willen sind slawische Preussen? Eine feinsinnige Bezeichnung für nervende Ösis in Berlin? Will´s besser nicht wissen. Wie immer: toll geschrieben.

    • Naja, Berlin ist halt slawisches Kernland, wenn man es aus Sicht der Franken des 9. Jahrhunderts betrachtet.

    • Berlin ist - ?
      Und wer trampelte so alles durch Bayern, hm? Da bin ich lieber ein „Saupreiß“ oder wie auch immer ihr uns nennt … ich meinte: schmäht.

  29. Alles scheisse (?)
    Jaja, Glück ist im Lebensplan nicht enthalten, wie der gute, alte Freud einst richtig bemerkt hat. Sein Unbehagen in der Kultur teilen wir heute offenbar wieder- mit Genuss, wie mir scheint: Den anderen geht es ja zum Glück auch scheisse… Wir sind also nicht alleine!

    • Ach, mir geht es prima – ich brauche dazu auch andere nicht, ich sehe nur, dass es woanders nicht so glatt läuft.

  30. Bleib er bei seinen Leisten!
    Don Alphonsos Kernkompetenz habe ich bislang bei dem
    Spezialthema „Vermieter sind Arschlöcher, weil sie unfairer Weise eine
    Gegenleistung fürs Vermieten erwarten“ gesehen. Die „Kinder-warum
    überhaupt-Problematik“ ist jetzt neu, wird aber nach meiner Erinnerung so
    alle 7 Jahre neu aufgewärmt. Ja Herrschaftszeiten, lasst doch die Leute
    in Ruhe entscheiden , ob die 230 TEUR eine gute Wahl sind!

    • Sie müssen hier mehr lesen, dann merken Sie, dass ich zu allem eine unqualifizierte, haltlose, aber nett formulierte Meinung habe.

  31. "... am Tegernsee "
    Jetzt bin ich aber enttäuscht. Denn das (dritte) Foto hier im Beitrag sieht mir ganz danach aus, als ob es sich um fast dieselbe Perspektive handelt, die in „Zensur als kleine Schwester der Lügenpresse“ noch als „Achensee in Tirol“ feilgeboten wurde. Muss die FAZ etwa sparen, dass hier in den Beiträgen dieselben Lokalitäten mehrfach vermarktet werden, nur um den Eindruck von „weit gereist“ zu erwecken!? Ich hatte die Blogs immer so mit generösem Traumjob assoziiert. Findet aber wohl alles bloß im Studio statt??? Schade (auch für den Autor).

    • Achensee und Tegernsee liegen nicht nur nah beieinander, sie sehen sich auch ähnlich. Das Bild bei Deus Ex Machina ist der Blick vom Ostufer des Achensees beim Cafe Bergkritall nach Pertisau, während man hier den Tegernsee vom Yachtclub Kaltenbrunn aus sieht. Rechts hinten ist der Hirschberg, links der Wallberg.

  32. Icke hat recht!
    Sehr schöne Kurzfassung dessen, was ich selbst so nicht ausdrücken könnte!

  33. Allein in den ersten beiden Sätzen...
    …befinden sich schon zwei Fehler. Ich bitte um mehr Sorgfältigkeit in der Zukunft.

    Ansonsten ein lesenswerter Artikel.

  34. Zweimal lesen
    Ganz persönlich: Ihre feinsinnig, süffisant geschliffenen Texte sind nicht schlecht, ein Vergnügen könnte man auch sagen. Aber was hindert sie daran, sie auch mal Korrektur zu lesen (äh, aufzuheben, korrekturzulesen, was würde Mannheim dazu sagen? Aber die spinnen ja eh!), also, die Tippfehler zu korrigieren? Geld statt Gel zum Beispiel sollte man schon hinkriegen! Etwas mehr Tegernseewürde bitte!

  35. Von Zeit zu Zeit
    Von Zeit zu Zeit les ich den Spötter gern,
    werd über ihn den Stab nicht brechen.
    Ist’s doch vergnüglich, wenn versnobte Herrn
    So sachverständig von Plebejern sprechen.

    • Mich treibt das ehrliche Verlangen
      sozialen Ausgleich hier zu treiben.
      Es mühen sich gar viele Wangen
      um sich am Watschenbaum zu reiben.

  36. Am Ende heiraten sie dann doch alle noch - die Männer nämlich.
    Und pflanzen sich fort. Allerdings sollen die Kinder älterer Väter unhübsch sein, hab ich irgendwo gelesen. Und ja, meine kleine Empirie bestätigt dies. Übriggebliebene (also nie verheiratet gewesene) Frauen
    waren die Hübschen&Gescheiten, die zu viele Optionen hatten, um sich zeitgerecht zu arrangieren. Aber sie langweilen sich im Alter nicht, denn Frauen können viel besser alleine leben als Männer.
    Wie das mit den Nudelhipstern ist, weiß ich nicht, vermute aber ein Verbleiben im Ungefähren; die Gruppe als Familie (das dachten die 68er ja auch – aber die Familie war stärker).

    • Naja, die alte, unverheiratete Erbtante ist dann eben auch wieder im Kommen. Zu den Kinern kann ich nichts sagen, ich finde die alle missgestaltet.

      Nudelhipster werden in Berlin alt, grau und Alkoholiker.

    • Allerdings sollen die Kinder älterer Väter unhübsch sein
      Ich protestiere energisch.

    • Energisch
      abgelehnt!

  37. Der Gedanke der Überschrift war zuerst -
    und dann wurde der Text dazuerfunden? Und anscheinend verschiedentlich als widersprüchlich empfunden. Wobei der Gedanke auch schon wirkt, wie irgendwo erlesen oder zugehört, aber nicht zuerst selbstgedacht … .

    • Nein, ich schreibe immer erst die Beiträge und dann quäle ich mir noch eine Überschrift ab. Das ist das unschönste Treiben bei dieser Arbeit.

  38. um kinder zu mögen...
    …muss man erstmal menschen mögen. und weil menschen sich so gerne gegenseitig mögen, ist die welt auch so ein schöner ort.

    aber selbst die religion ist auch wieder voll auf dem vormarsch, bei der gegenwärtigen rückverdummung wundert es einfach nicht mehr, dass der weisheit:

    „clever people don´t breed“

    eben denen vorbehalten bleibt, die es wirklich auch sind. der schwindend kleinen minderheit, die aus geistesgegenwart von dem gedanken absieht, noch mehr parasiten zu produzieren.

    • Kinder sind, wie Religion und Fleischkonsum. ungesund und Privatsache.

    • Privatsache?
      Ich stimme mit der Privatsache in punkto Kinder durchaus zu, aber unser lieber Staat hat uns alle in die „Zwangsjacke“ gesteckt! Was nichts anderes heißt, als daß meine Kinder für die Alters- und Gesundheitskosten der Kinderlosen aufkommen müssen. Schon hört es sich nämlich mit der Privatsache auf! Uns wird das System um die Ohren fliegen, denn auch die klugen Neubürger werden 60% und mehr Abzüge nicht hinnehmen.

  39. Wunderschöner Satz
    „Ich erachte Kinder als notwendiges Kleinübel zur Erhalt der Menschheit, die ich als Grossübel durchaus nicht als erhaltenswert erachte, aber ich verurteile auch keinen, der das anders sieht.“

    Gefällt mir unglaublich gut und entspricht auch meinem Lebensgefühl und dem vieler anderer Menschen aus meiner Generation (zehn Jahre älter als der Verfasser dieses Blogs). Wobei ich mich selbst anders eingeordnet habe und mit einer Frau verheiratet bin, die Kinder und Enkelkinder hat. Ich schätze das und mag das sehr. Aber da kommt dennoch kein Neid auf und auch keine Verwünschung. Die Lebensentwürfe heute sind eben anders, lieber Don Alphonso, wie ich an den Kindern meiner Frau sehe. Aber ich befürchte, sie sind ebenso wenig tragfähig wie unsere es waren. Warum auch? Und die Unvollkommenheiten dieses Lebens richten das schon. „Life doesn’t run on railway tracks. It twists and turns. It’s not white or black.“ Das ist von John Illsley, dem besseren Überbleibsel der Dire Straits. Ich würde sagen, nicht die Verwünschungen bleibt übrig, sondern ein mildes, spöttisches, aber sehr freundliches Lächeln.

    Dies ist mein erster Beitrag in ihrem Blog, obwohl ich noch die alten Zeiten von dotcomtod kenne und liebe, weil ich selbst ein winziges bisschen Teil dieser Gesellschaft war und immer wieder ihre amüsanten, lesenswerten, ärgerlichen und einfach nicht dem Zeitgeist entsprechend Beiträge gerne lese.

    Machen Sie in jeder Hinsicht weiter so!
    Verzeihen Sie mir diese Lobhudelei nach dem zweiten Glas Wein.
    docarpad

    • Aber sicher, hier wird hoffentlich noch lang geschrieben.

      Die neuen Kiner müssen eben ihre Fehler selbst machen, davor kann man sie nicht bewahren und täte man es, wären sie auch unglücklich. Man kann aber nicht ganz ausschliessen, dass sie auch einfach nur die Roche sehen, sie für eine alte, ruinierte Tante halten un beschliessen, dass sie auf gar keinen Fall als Schmuddelfrau enden wollen. Schliesslich ist ja auch das Musikansage aus der Mode gekommen.

  40. Rebus
    Der Schwof war nur Show; den Anfang könnte ich weglassen, aber dann flog ich rüber, hatte gelesen, war ohne Gedanken dabei; ein Wort kam auf, und meine mir selbst nur; Gemälde? Nur kucken nicht anfassen? Hängen kaschieren Tapeten; so hebe man Zeit auf und betrachtet Dinge die kaltzustellen, wegen der Geschichte übellaunig wäre; darauf Frauen und Landschaften, was beides gemein haben,
    den Anblick vertrauen. Das man beim Betrachten sich verbindet, und der Blick, auf einen zurück fällt.

    Mit Schoßgebete endlich Moral wo sich das Aufregen nur noch schämt.
    Spät geht das Ende, doch mit Gehhilfen oder Rollstuhl ist man ein Paar.

    Danke

  41. Die Roche
    ist natürlich indiskutabel. Aber mich stört hier die Verabsolutierung der Extrempunkte: Hier die frustrierten Ende 30, Anfang 40 jährigen Frauen und da die Spießer mit den unerträglichen Kindern. Keine Vorstellung mehr davon, dass Familie nicht nur aus Zwang zur Anpassung gegründet wird, sondern duchaus auch, weil sie in unserer Gesellschaft immer noch ein einzigartiges Gefühl von Geborgenheit, Zugehörigkeit und Umsorgtheit bieten kann? Ich betone „kann“, natürlich setzt das von den Beteiligten einiges voraus. Vor allem, dass sie, ist die Familie einmal gegründet, bitte damit aufhören ständig ihr eigenes Leben zu hinterfragen und damit sich und andere unglücklich zu machen.

    • Ja, die Familie nordet schon ziemlich viele Leute ein, und existenzielle Fragen verdrängen die Luxussorgen. as ist ja das Lustige daran, für eine gscheide Psyhose zwengs der Psychose ist da oft gar keine Zeit mehr. Und die anderen kommen hoffentlich nie so weit, Kinder mit ihrem Ego zu belasten.

    • Familienfrömmigkeit
      „… sondern duchaus auch, weil sie in unserer Gesellschaft immer noch ein einzigartiges Gefühl von Geborgenheit, Zugehörigkeit und Umsorgtheit bieten kann?“

      Klar, als Kind fand ich das auch schön und es sind halt Familienwerte, solche des Nests und seiner Pflege, die auf den Umgang mit Kindern zielen. Ich glaube, es hat wenig Sinn Familienfrömmigkeit an Erwachsene heranzutragen ohne diesen Hintergrund.

      „… bitte damit aufhören ständig ihr eigenes Leben zu hinterfragen und damit sich und andere unglücklich zu machen.“

      Das passiert ganz unwillkürlich und dann kann man es ebenso wenig abstellen wie „sündhafte“ Gedanken.

    • @Dreamtimer
      Mir sind genug Beispiele von Familien bekannt, bei denen ich es einzelnen Angehörigen wirklich gewünscht hätte, dass sie es geschafft hätten, sich früher von diesen zu emanzipieren. Aber ich sehe momentan keine Gemeinschaften, die die positiven Aspekte mancher Familien kompensieren könnte. Auch der Don ist auch ohne Kinder unzweifelhaft Familienmensch.

      „Das passiert ganz unwillkürlich…“ So ist nunmal das Leben, was wollen Sie machen?

  42. Genesen
    Da ist er wieder, der deutsche Basil Seal, genesen von der kurzen Schwermut. Put out more flags!

  43. ... Nudelhopster (?) verüben Brandanschläge
    gegen die BRD-Version der Manif pour Tous.
    .
    Aber hier noch was ganz Vergnügliches :
    .
    http://unknownhipster.com/

  44. Ikea
    So, dann als naechstes bitte mal wieder einen Ikea Beitrag (wie frueher), dann wieder Tegernsee, dann wieder Berlin, dann Kinder, dann Rad fahren, Ikea, Tegernsee, Berlin,Kinder,Ikea,Tegernsee,Kinder,Rad,Berlin, Kinder,Tegernbaer,Inder,Isea …. ich werd‘ noch ganz irre!

  45. Lebensgefährlich
    Ach Don, Sie werden nie erleben, welch beglückendes Gefühl es ist eine wohlgeratene Tochter, Schwiegersohn und Enkel zu haben. Außer Sie machen es wie manche einsamen Wüteriche und ehelichen mit 48 um mit 49 dann Vater zu werden. Wobei einen schon der Gedanke beschleicht, was daraus wird in diesen unruhigen Zeiten. Aber da kann man sich dann an Paulchen Panther halten: Und seien wir ehrlich, das Leben war schon immer lebensgefährlich.

  46. "Eure Kinder werden Allah anbeten oder sterben"
    Plakat an der A 46 zwischen Wuppertal und Düsseldorf.

  47. Ob mit oder ohne Kinder.....
    immer am Leben vorbei.

    So kann man wohl das beschriebene Szenario derjenigen beschreiben, die immer einem Trend folgen.
    Im Leben kommt es darauf eben nicht an, obwohl für die meisten, wenn sie das tun worauf es ankommt, Kinder wahrscheinlich dazugehören.
    Denn was wir brauchen ist Gemeinschaft und nicht Wichtigkeit oder Befriedigung von Eitelkeit. Manche meinen Wichtigkeit, Karriere schaffe Ihnen die Anerkennung und Gemeinschaft. Sie sind nur die Sklaven der handvoll Psychpathen, die es geschafft haben, mit oder ohne Kinder.

  48. Glückliche Mutter zweier Töchter
    Weltherrschaft des Neoliberalismus gefällt mir besser als diese Anti-Kinder-Single-Geschichte. Ich finde Kinder fabelhaft. Vom ersten Moment an bis heute habe ich nie bereut, zwei Töchter zu haben. Jetzt sind sie erwachsen und in vieler Beziehung klüger als ich. Ich freue mich immer auf und während unserer gemeinsamen Unternehmungen.

  49. Haben oder Sein
    Werter Don,

    erstaunlich weit verbreitet scheint im generellen bei Frauen die Vorliebe für Roche und E L James zu sein. Film wie Buch.

    Wissbegierig wie ich nun einmal bin, habe ich schon öfters nachgehakt wieso Frau liest bzw. den Film schaut. Richtig plausible Antworten erhielt ich nie.

    Nicht mal ansatzweise reichte meine Nachfrage dafür mir Informationen zugänglich zu machen. Darin scheint der Kern der Sache zu sein. Wo nichts ist – darüber kann man sich nicht wirklich austauschen. So stellt sich die Frage: zieht es sich durch alle Bereiche unserer (deutschen) Gesellschaft wie ein roter Faden.

    Machen Kleider Leute. Ist das Siegelbild man selbst. Muss ich mich ständig mit anderen vergleichen um zu wissen wer ich bin. Ist es schlussendlich doch fade sich alles anzueignen, zu konsumieren und nicht selbst zu sein?

    Ja, ich denke damit muss diese ganz bestimmte Teilmenge dieser Generation leben.
    Eine späte Rache von Erich Fromm.

    Darüber kann ich jetzt wieder schmunzeln. :-)

  50. Weltherrschaft des Neoliberalismus
    Au ja, das wird lustig.

  51. "Alle unsere Irrtümer übertragen wir auf unsere Kinder,...
    Text eingeben

  52. Demut
    ist wohl ein Kernbegriff des hier beschriebenen Gegensatzes.
    Dafür hilft es, noch zu wissen – oder zu spüren – vor welcher höheren Autorität man Demut zu verspüren habe.
    Wenn da nur noch der eigene, einsame Nutzen ist, wird’s für die Mehrheit halt eng.

    Bin auf den nächsten Beitrag gespannt.

  53. "Alle unsere Irrtümer übertragen wir auf unsere Kinder,...
    …in denen sie untilgbare Spuren hinterlassen.“
    Dieser Satz von Maria Montessori fiel mir zu Ihrem wieder gelungenen
    Artikel ein, werter kinderloser „Egomane“ Don.

    Auch ich bin so ein kinderloser „Egomane“, der keine untilgbaren Spuren
    hinterlassen will. Mein Lebensmotto ist: „Lieber allein, als zu zweit, zu dritt etc. einsam.“ Über die „VIVA-Generation“ alá Charlotte Roche kann ich da nur schmunzeln. Für die heutigen, jungen „Konsumsklaveninnen“ gehört ein Kind wieder zum guten „Ton“, wie mir meine Großnichte nach ihrem ersten Kind erklärte. Das gehört heute zum „guten Lebensgefühl“.
    Um das „Wunschkind“ wird dann ein Balahu gemacht und alles auf Optimierung eingestellt, für die schöne, neue Konsumfamilienkinderwelt.

    Da wird so ein „einsamer, grauer Wolf“, wie ich nun einer bin, abseits des Familienrudels als ein bedauernswertes Wesen und in die „asoziale“ Ecke
    gestellt. So ist sie nun, die schöne optimierte Konsumgesellschaftswelt die solch´ triviale Bücher von C. Roche und Co. auch noch für Literatur hält.

  54. Der Abstand zwischen Erfolg und Niederlage ist einfach gewaltig geworden.
    Wenn früher ein Fusballer erfolgreich war, konnte er sich nach seiner Karriere ein Taxiunternehmen kaufen oder ein grosses Sportgeschäft.

    Das „Gehalt“ eines erfolgreichen, grossen Unternehmers lag bis in die 80er Jahre vielleicht beim 30fachen eines Durchschnittslohns. Für 1 Million steht heute kaum ein Dax-Vorstand mehr auf, bestimmt nicht in der Finanzbranche.

    Ähnlich ist verzerrt ist das Wohlstandsgefälle zwischen „entwickelten“ und anderen Ländern, im zeitlichen Vergleich. Im Portugal der späten 80er Jahre konnte man für 2,50 € gut Mittagessen mit Nachtisch und Bier…

    Die Massstäbe sind alle schleichend zerbrochen.

    Darum finden sich so wenig jung genug zusammen, um einfach mal so Kinder zu kriegen.
    Darum sehen so viele keine andere Chance, als unter Mutti Merkels Schürze zu kriechen..

    • Tjaja, die Maßstäbe (nix sss, die Wiesn ist vorbei!) waren im Falle
      Portugals ganz besondere, lieber Artiste: Man aß dort gut und reichlich, übte sich vor allem aber in der Kunst als Wechselgeld Zwokommafünnefescudomünzen zu verlangen, schaufelte die Dinger in den Autokofferraum und karrte das Übergewicht heimwärts. Hier angekommen mutierte das Blech stante pede zu Futter für Parkuhren und diverse Münzautomaten, denn die Ronden von dortigen Zwokommafünnefescudomünzen und hiesigen Fuffzichpfennigstücken sind identisch, damit zahlte sich der Algarveurlaub quasi von alleine und für die Plagenblagen (oder waren das Blagenplagen?) blieb auch noch was über. Tempi passati – und wer hat wie immer heutezutage die Schuld daran? Richtig, der verfluchte SCHEURO…

    • Die wenigsten Säufer auf der Wiesn sind Bayern, die echten Einheimischen gehen da nicht hin. Wer dennoch echte Exzesse unter Einheimischen sehen will: Barthelmarkt in Oberstimm. Da ist noch richtig was los.

  55. Wer soll denn dann in Zukunft noch Blogs lesen ?
    Ich habe nichts gegen Kinder, es sollten nur nicht die anderer Leute sein.

    Was machen eigentlich die Bankerte Ew. misanthropischen Liebden ?

  56. @ Joh. John - Das ist der 119. Psalm, der schwebte uns auch schon vor -
    „Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln! Wohl denen, die seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen! Denn welche auf seinen Wegen wandeln, die tun kein Übel.

    Du hast geboten, fleißig zu halten deine Befehle. Oh daß mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernst hielte! Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zu Schanden.

    Ich danke dir von Herzen, daß du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Deine Rechte will ich halten; verlaß mich nimmermehr.

    Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält nach deinen Worten. Ich suche dich von ganzem Herzen; laß mich nicht abirren von deinen Geboten. Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, auf daß ich nicht wieder dich sündige. Gelobt seist du, HERR! Lehre mich deine Rechte! Ich will mit meinen Lippen und Blogs erzählen alle Rechte deines Mundes.

    Ich freue mich des Weges deiner Zeugnisse wie über allerlei Reichtum. Ich rede von dem, was du befohlen hast, und schaue auf deine Wege. Ich habe Lust zu deinen Rechten und vergesse deiner Worte nicht.

    Tue wohl deinem Knecht, daß ich lebe und dein Wort halte. Öffne mir die Augen, daß ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. Ich bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir. Meine Seele ist zermalmt vor Verlangen nach deinen Rechten allezeit.

    Du schiltst die Stolzen; verflucht sind, die von deinen Geboten abirren. Wende von mir Schmach und Verachtung; denn ich halte deine Zeugnisse. Es sitzen auch die Fürsten und reden wider mich; aber dein Knecht redet von deinen Rechten.

    Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz. Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre; sondern erquicke mich auf deinem Wege. Laß deinen Knecht dein Gebot fest für dein Wort halten, daß ich mich nicht fürchte. Wende von mir die Schmach, die ich scheue; denn deine Rechte sind lieblich. Siehe, ich begehre deiner Befehle; erquicke mich mit deiner Gerechtigkeit.

    HERR, laß mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort, daß ich antworten möge meinem Lästerer; denn ich verlasse mich auf dein Wort. Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Rechte. Ich will dein Gesetz halten allewege, immer und ewiglich. Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle.

    Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht, denn nicht die Hoffnung, aber die Verwünschung stirbt zuletzt.“

    Echt alttestamentarisch eben, Predigt, Psychologie, ewige Selbstermunerung, kluger Text in rechtlosen Zeiten, Literatur, unvergessene Erzählung und positive Affirmation in eins. Alles wird neu.

  57. Viva Don...
    sempre una spremuta mentale :-)
    Grazie mille!

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