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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Untergang der Literatur zwischen Stuck und Parkett

| 137 Lesermeinungen

CYNIC, n. A blackguard whose faulty vision sees things as they are, not as they ought to be. Hence the custom among the Scythians of plucking out a cynic’s eyes to improve his vision.
Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary

Der Realitätsschock im Literaturhaus Graz ist – zumindest für mich – nicht so hart wie in einem Baumarkt. Ich sitze auf einem Ledersofa, trage eine Cashmerejacke und massgefertigte Schuhe aus Verona, und sage dumme Sachen wie: „Ach wissen Sie, Schriftstellerei war von Anfang an eine Privatvergnügen der Vermögenden, das ging Jahrtausende so, bis vor gut zwei Jahrhunderten – da kamen die ersten Berufsschriftsteller auf, die davon leben konnten. Aber Aussterben gehört nun mal zum Leben und es gibt angesichts des Internets keinen Grund, warum wir nicht wieder in diese alte Phase zurückfallen sollen. Die war übrigens gar nicht schlecht, bei der Anfahrt habe ich Musik von Benedetto Marcello gehört – der hat nur zu seinem Vergnügen geschrieben, und das hört man der Musik auch an.“ Meine Sicht der Dinge des Lebens und Verschwindens wird hier naturgemäss nicht geteilt: Andere berichten hier über ihre Mischkalkulation, die es ihnen erlaubt, den Traum des Schriftstellers zu leben. Bücher, Lesungen, Kongresse, Nebenberufe, Förderung.

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Schräg über uns residiert, man kann es nicht anders sagen, das veranstaltende Literaturinstitut in grossbürgerlicher Atmosphäre. Sehr schönes, altes Parkett, Stuck, Kronleuchter, ich fühle mich fast wie daheim, und im Hotel, das mich liebevoll umsorgt, haben sie Besteck, das den Namen verdient: Augsburger Faden, gross, schwer, silberglänzend, bedeutungsvoll. Überall sind Anspielungen auf gut situiertes Dasein, Geschichte, Tradition, und nach dem Frühstück, bei dem wir uns verratschen, kommt das neue Grazer Bürgertum: Junge Mädchen mit teuren Taschen, junge Familien mit erstaunlich vielen Kindern und Haarschnitten wie aus „Mad Men“. Coco Chanel hätte hier ihre reine Freude, und wenn die Kinder einmal erwachsen sind, werden sie Erinnerungen in sich tragen, die nicht schlechter als meine sind. Erinnerungen von Sicherheit und an ein verlässliches Leben, das am Wochenende in einem leicht ironisch restaurierten Grand Hotel seinen Höhepunkt findet. Dort logieren die Schichten der Gesellschaft, die sich noch Bücher, echte Literatur und auch den ein oder anderen Literaten halten, und durch ihre Neigungen hinab zur Kunst dazu beitragen, dass man dem, was Autoren sagen, Bedeutung beimisst.

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Ihre Kinder fahren, wie die Kinder früher auch, gegenüber am Ufer der Mur mit dem Karussell und dem Riesenrad, bekommen Zuckerwatte und heisse Marone. Zu Weihnachten erhalten sie jedoch ein Smartphone, und ob sie das zum Lesen und zum Erwerb von Büchern nutzen werden, ist hier Gegenstand einer nicht ganz netten Debatte, um nicht zu sagen, eines Streits unter Literaten. Ich habe keine Kinder und betrachte sie ohne falsche Sentimentalitäten: Noch keines hat sich je bei mir auf die Bibliothek gestürzt, alle fragten sie entsetzt, wo denn der Fernseher sei. Andere haben Kinder, und ihre seien da ganz anders. Betonen sie im Literaturhaus, und privat mag ich ja den unerschütterlichen Optimismus. Den braucht man vermutlich auch, wenn man, wie so viele Bürgerkinder, sein Leben im Rahmen der Kultur gestalten will. Reich geboren sein ist da sehr hilfreich, werfe ich in die Runde, und um sie aufzustacheln, sage ich auch, dass ich den Tank meines Autos nicht mit Luft füllen kann. Ich bin gleichzeitig in die Verlässlichkeit und in die Kultur hineingeboren, es gab Sicherheit und alle Bücher, die ich wollte, und sie haben mich für eine normale Karriere untauglich gemacht: Jetzt sitze ich hier und höre mir Lebensentwürfe anderer Menschen an. Es ist wohl unter anderen Bedingungen nicht ganz so einfach, dieses Schriftstellerdasein. Sagen sie.

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Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man darauf schauen will. Aus Sicht der Syrer, die in Spielfeld , 40 Kilometer weiter südlich mit ihren Plastiktüten in staubige Busse verladen werden, um den letzten Teil der Reise nach Deutschland anzutreten, sind das reine Luxussorgen. Wie das aus Sicht der Menschen aus Sri Lanka sein mag, die nochmal hundert Kilometer weiter südlich vor der slowenischen Grenze auf unüberwindlichen Stacheldraht treffen, mag man sich gar nicht vorstellen. Es ist ein kleiner geographischer Raum, in dem wir uns alle befinden, die einen in ihrer gewohnten Umgebung unter Kronleuchtern und die anderen ausgeleuchtet vom Militär, aber die meisten denken nur daran, wie sie wohl weiter kommen: Die Fliehenden, der Hoffnungsgetriebenen, die Bedeutungsvollen, sie wollen voran, und nur ich sitze unbeweglich da, denn ich fühle mich gerade wohl unter dem Stuck und den Kronleuchtern und die einzige gerade entscheidende Frage ist die Öffnungszeit von Kloster Admont: Macht es wirklich am Sonntag um 2 Uhr schon zu, lohnt sich die Fahrt dorthin nicht, zumal im Norden Schnee liegt. Wäre Italien nicht schöner?

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Das ist ehrlich. Ehrlich und verwerflich wie die Aussage, dass man sich gern an die Leser prostituiert, und die Ähnlichkeiten zwischen den Berufen ohnehin frappierend sind: Man muss unterhalten, man darf nicht langweilig sein, man muss den Kontakt suchen und sich einfühlen, besonders im Netz, und ich fühle, während ich das ausspreche, dass sich andere davon überhaupt nicht unterhalten fühlen. So eine unheilige Vita in gerader Linie mehrerer Generationen gut lebender Menschen, mit kleinen Sorgen und grossen Privilegien – das ist ein Affront, das gibt es allenfalls in der banalen Unterhaltungsliteratur. Um mich herum, in den Köpfen der Autoren, herrschen Zweifel und Hinterfragen, die diktatorische Suche nach dem wunden Punkt, und so sie ihn nicht finden – gar kein Problem: Das grosse Privileg des Autors ist es, jedem nach Belieben Syphilis, Furunkel, einen Naziopa, Vorfahren aus dem Balkan oder wenigstens eine anständige psychische Störung andichten zu können. Das war nicht immer so, bei Schnitzler etwa sieht man, wie man grossbürgerliches Bewusstsein mit leiser, aber kluger Kritik verknüpft. Heute muss man als Literat, speziell im deutschsprachigen Raum, schon deutlicher den anderen den Privilegiencheck machen, wenn sie es in ihren goldglänzenden Speisesälen schon selbst nicht tun wollen.Für eine gesunde Härte im Umgang mit dem Publikum. Das soll es ja nicht zu bequem haben. Für Nettigkeiten wird man nicht Stadtschreiber von Leberheim an der Alk.

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Und ich sitze dabei und frage mich, wie man das auf Dauer aushalten kann. Diese ständig zu übende Kritik, diesen Zwang zur Verunsicherung anderer Leute in der Erwartung, dass die Gesellschaft sagt: Ja, genau, diese Infragestellung brauchen wir. Die Frage wird drüben in Spielfeld viel eindringlicher gestellt, die Frage entzündet sich an den offenen Feuern, die die Grenze markieren und flackert auf in den Signalen, mit denen die Polizei die dreckigen Busse mit ihrer erschöpften Fracht nach Graz leitet. Wir rühren Zucker in den Tee und denken nicht daran, dass die Weltenläufe noch immer jede Vergangenheit in Geschichte aufgerieben hat, wie vor dem Fenster die Mur den Granit der Alpen zu Staub zermahlt. Das kommt ganz von allein und niemand muss nachhelfen: Die einen verlieren schon, während die Geschichte passiert, und die anderen, wenn die Geschichte nach ihrem Sieg weiter geht und durch den Wandel dennoch alles zerstört, was sie als sicher angenommen haben. Egal ob sie Kerzen zogen, den Zehnten eintrieben oder der kaiserlichen Hoheit zujubelten: Genauso gibt eine enorme, alte europäische Kultur des Buches, und jemand auf dem Podium hofft, dass die Menschen aus Spielfeld die Sprache nun verändern werden, und das sei doch spannend. Ich bin Historiker. Ich sehe da zuerst einmal einen unschönen Kausalzusammenhang von spannende Zeiten und grossen Gräberfeldern für jene, die diese Spannungen nicht überlebten.

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Das habe ich nicht gesagt. Ich war ohnehin schon bissig genug. Ich bin, auch wenn man das nicht laut sagen sollte, nur jemand, der seine Privilegien mag und sie nicht abgeben möchte, mit der gleichen selbstgerechten Grundüberzeugung, wie Autoren ihren Platz im Katalog des Verlags nicht anderen überlassen und auf ihren Vorschüssen bestehen, um weiterhin das Spiel der prekären Existenz spielen zu können. Manchmal scheint es mir fast, als wollte man damit kokettieren: Wer nicht dauernd auf der Suche nach Mitteln für sein Überleben ist, kann auch nicht fühlen, was die Erde in ihrem Innersten auseinander treibt. Der Autor als Kanarienvogel im Bergwerk der digitalen Globalisierung, als erster Mann vorn am Chlorgas des internetbasierten Kulturkampfes: Diese gefährliche Rolle mag dem saturierten Publikum wichtig erscheinen. An ihr entscheiden sich die wirklich grossen Fragen. Aber mir persönlich ist die Frage wichtig, ob an einem Kronleuchter geschliffene oder nur gepresste Gläser hängen. Damit bin ich, fürchte ich, untauglich für die bewährte Form der literarischen Weltbewertung.

Alle Lager für Flüchtlinge, sagt der Landeshauptmann der Steiermark an diesem Tag, seien nun überfüllt. Ich bekomme mit meiner höchst angenehmen Begleiterin mit Müh und Not noch einen Platz beim Restaurant „der Steirer“. Das Cafe daneben hat Mehlspeisen und internationale Zeitungen, darunter auch meine, und dort wird entschieden, welches Buch relevant wird, und welche wichtige Krise gerade den Kontinent bestürmt. Im goldenen Saal spielen die Kinder mal mit sich und mal mit ihren Endgeräten, die Eltern passen auf, damit keines ins Buffet fällt und alles umreisst. Das sind die wahren Katastrophen der bürgerlichen Welt, und so waren sie schon immer: Was sollen die Leute denken. Die Leute von der Balkanroute, die gestern Abend nach Graz gebracht wurden, sind jetzt schon auf dem Weg in die verschneite Grenzregion zu Deutschland, Literaten müssen zum Flughafen, und ich entscheide mich, ein paar Tage in Italien zu bleiben. Denn über soziale Verwerfungen kann man vielleicht schreiben, aber echten Klassenkampf muss man leben.

Aber Graz ist wirklich schön und das Literaturhaus befriedigt wirklich alle Wünsche, die man haben kann – nicht nur für Freunde des Stucks wie mich. Da ist demnächst der Austrofred – schade, dass ich nicht dort bin.

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137 Lesermeinungen

  1. GRAZ : stadt der bewegung
    wie jedes idyll hat auch graz seine vergangenheit………..politisch gesehen………..geologisch gesehen „zermahlt die Mur“ dort keinen granit mehr, sie fliesst im schotter, den granit gibt es nur da, wo die Mur herkommt……..

    und das mit den berufsliteraten: ist denn das dauerempfangen öffentlicher subventionen ein beruf ?…………Rilke, der lag vielleicht auf ihrer wegstrecke nach italien, verdiente sich seinen unterhalt ja noch mit grandiosen liebesdiensten bei den Thurn&Taxis und heraus kamen deshalb (oder gerade trotzdem) so schöne elegien, zwar unlesbar, man muss gleich die exegesen bemühen, aber so romantisch klingend…………aber er war ja so verwirrt ob seiner freuden, das werk konnte er erst bei der sublimation in london fertigstellen.

    ich kann dem autor nur zu diesem grandiosen escaspismus-scheibstück gratulieren ! innere emmigration ????? oder nur luftholen für die M-götterdämmerung ? oder für einen beitrag über die kommende syrische exilbefreiungsarmee der jungen männer ?

    • Das hat sich da einfach so in den letzten Tagen angesammelt. Im realen Leben bin ich ja nur eine gesicherte Existenz mit einem ausreichenden Einkommen, vielleicht nicht voll bürgerlich, aber doch bürgerlich lebend. Unter Literaturmenschen bin ich dagegen trotz Artverwandtheit deutlich anders, und das macht es mir auch so schwer, mich dort einzufühlen. Speziell die Vorstellung, in irgend ein Kaff zu gehen und dort den Stadtschreiber zu machen, finde ich grauslig, obwohl ich für Gmund eigentlich nichts anderes mache.

    • Titel eingeben
      It goes without saying, dass das Leben in Österreich an sich natürlich eine besondere Form des Eskapismus darstellen kann. Es ist die wahre, mentale Alpenfestung, in der sich vor allem auf dem Land noch trefflich vor sich hin leben lässt, ohne sich mit Veränderungen oder gar Fremdem auseinandersetzen zu müssen. Vielleicht noch Wien ausgenommen.

      Und es im Rest des Landes, aber sicherlich auch in Wien, völlig normal ist, wenn die – freilich aussterbende – Generation mit aktiver Weltkriegsbeteiligung ganz offen darüber sprechen kann, wie schon die letzten 70 Jahre lang, dass nicht alles schlecht und einiges ganz gut gewesen sei. Das mit den Ausländern etwa habe damals nicht passieren können, die hätte man abgeschoben oder erschossen. Und gemeint werden damit so ziemlich alle, die sich seit 1945 in den Grenzen Österreichs angesiedelt haben, aber außerhalb geboren wurden, und auch deren Nachkommen. Und während alle am Tisch bedächtig ob der weisen Worte nicken, bestellt man beim Wirt noch ein Bier – dem Wirt, dessen Nachname wie auch der seines Vaters seit über 45 Jahren bewusst falsch ausgesprochen wird, weil die im Nachgang des Prager Frühlings „rübergemacht“ haben, also keine Einheimischen sind. Man hat nicht gegen Fremde, aber diese Fremden, die sind nicht von hier.

      Und fremd ist, wohlgemerkt, auch der Piefke, den man duldet, weil er das Geld bringt, welches man braucht, um weiter so leben zu können wie bisher. Dafür darf der sich dann auch im Literaturhaus hinfläzen…

      (ein Manspreading-Foto auf dem Sofa wäre übrigens die Kirsche auf der Sahnehaube gewesen)

    • Das nächste mal lege ich mich in Position.

      Die WKII-Generation ist ja schon deutlich der Nachkriegsgeneration gewichen – Leute mit aktiver Erinnerung an den Ständestaat gibt es eh kaum mehr. Man arf halt nicht mit deutschem Bewusstsein und entsprechender Empfindlichkeit rangehen. Man muss aber auch sagen, dass die Gegenseite vor allem aus Deutschen bestand, da war ich mehr das bayerische Bindeglied.

  2. Titel eingeben
    Ein Sonntagstext ohne
    Sentimentalität. Ohne Weltrettungsdruck auf der Verbalblase. Ohne parolenrufendes Dazugehörenwollen. Vielen Dank dafür.

    • Gern geschehen. Ich habe den noch in Graz geschrieben – mit der Aussicht auf dem zweiten Bild, aber am Ende fehlte noch eine Stunde Zeit, und ich musste weiter nach Padua. Es ist also eine Art 2-Länder-Text.

  3. Vorsicht, scharfe Schwerter
    Schönes Spielfeld: Der eine schreibt, nur weil er es sich leisten kann (also aus Liebhaberei), der andere schreibt, weil er sich sonst leider gar nichts leisten kann (seinen Lebensunterhalt verdienen muss).

    Ja, wie der Titel konstatiert, ist beides eben einigermaßen unsinnig – vom Standpunkt der Kunst aus betrachtet. Irgendwer – ich glaube, es war Brezan, aber es ist auch egal, der war sicher auch nicht der erste – hat mal sinngemäß formuliert, dass eben derjenige Schriftsteller ist, der es nunmal unter allen Umständen sein muss, um selber ein Mensch zu sein. Das ist keine mystische Erhöhung desselben; das klingt eher nach Therapie für den individuellen Dachschaden, der – wenn es sich um einen wahren Künstler handelt – punktgenau auf die Dachschäden anderer Leute abzielt; der Mensch ist gemein! Freundlicher betrachtet: Es gibt halt Leute, die sind empfindlich und die leiden Schmerzen im Miteinander.

    Und womöglich ist es ja wirklich falsch, Kinder an so etwas heranzuführen; die Kleinen kennen ja noch keine Sorgen, warum sollte man sie ihnen dann also aufbürden? Nachher sind sie bloß ungeeignet für bürgerliche Berufe, aber sie können es sich ja nicht alle leisten! Also: Weg damit! Und immer hereinspaziert, liebes Disneyland, für die upper-class aber bitte pseudo-zurückhaltend und nichtsdestotrotz.

    • Das Schöne an der Sache ist ja, dass der Autor, wie das Brennholz, ein nachwachsender Rohstoff von vernachlässigbarer Luftverschmutzung ist, wenn man nur die richtigen Filter verwendet. Stänig gibt es neue, und wenn einer in die PR wechselt, spucken die Institute zwei Neue aus. Man müsste wirklich fragen, ob sie das vielleicht genau so wollen – weil, sost täten es ja nicht so viele. Und dank Self Publishing auch noch viel mehr.

      Das jedoch dringt dann gar nicht mehr zu den Leuten durch, um die es wirklich geht.

    • hm?
      Ja, sicher tun das die Autoren, weil sie es irgendwie wollen/müssen/können … es ist ihnen halt eingeblasen worden … jede unreife Göre publiziert heute, um als Mensch zu gelten. Früher gab es die Erfindung des Tagebuchs, das man nutzte, um die unvermeidlichen, pubertären Ergüsse vor den übelwollender Freundinnen zu verbergen. Heute ist die seichtgefühlige Selbstdarstellung eben zum Modeaccessoire geworden; also ungefähr das Gegenteil von dem, wovon Brezan sprach! Der musste auf eine ganz andere Art. Aber übrigens auch nicht immer und das hört man dann sofort. Doch manche Sachen verursachen mir einfach Herzrasen; z. B. wie er vergeblich versucht, gegen die unentrinnbare, alljährliche Veröffentlichung der dümmlich schnatternden Weihnachtsgans Auguste in einer Literaturzeitschrift anzuschreiben; ich könnte mich über seinen listenreichen Kampf gegen die gnadenlos glattgeschmirgelte Redakteurin totlachen. Bis mir wieder einfällt, dass ich mich heute schon wieder mit der dummen Gans zufrieden gäbe, und dann bleibt es mir sehr gründlich im Halse stecken, das Lachen. Dann habe ich den Eindruck, dass eben kein Holz mehr nachwächst; aber ich weiß es nicht und will es auch lieber nicht wissen.

      Wie dem auch sei – bestimmte Thesen kann man ohnehin nicht sinnvoll verifizieren (dabei kommt dann bloß Folklore raus), man kann sie eben nur falsizifizieren: Wäre unsere Welt denn dieselbe ohne wahre Künstler? Den Stuck hätte bestimmt keiner erfunden. Aber seit dem? Vielleicht hat es sich einfach.

      Aber ich bin nicht in diesem Literaturbetrieb drinnen; vermutlich wissen Sie das besser. Ich weiß ja noch nicht einmal, um wen es dabei „eigentlich geht“.

    • Ih habe da Leute wie Julia Schrqamm, Sascha Lobo und den Zensurbach als Eempla gebracht, wie die Kombination von Netzbekanntheit und Autor wenig gut laufen kann.

    • Beim Barte des Propheten, lieber Don,
      das Problem von Leuten wie Julia Schramm und Sascha Lobo soll die Verquickung sein? Ich dachte da an ganz andere Dinge, wenn ich an die beiden denke. Aber, offen gestanden, denke ich lieber nicht in diese Richtung. Assoziieren reicht schon und ist auch viel fortschrittlicher und schneller. Also … lieber morbider Charme und dahinter schönes, nein, wundervolles Italien … die besten dolcis der Welt … ja, damit kann man sich schon eher anfreunden. Grau ist draußen wirklich genug.

    • Es hatte bei den besagten Leuten wohl mehrere Ursachen, aber am Ende zählt das Ergebnis und sonst nichts.

  4. Ich kann mir nicht helfen...
    … aber Ihr Bild vor einem SLK geht mir leider nicht mehr aus dem Kopf. Immer dachte ich, ja er schreibt viel schlechtes, ab und an auch sehr gutes – aber er kann kein schlechter Mensch sein, er fährt eine Barchetta.

    Und jetzt dies – ein Mercedes SLK. Und Bequemschuhe.

    Ich bin ein bisserl enttäuscht.

    • Man muss nehmen, was die Familie übrig läst. ausserdem, was soll an diesen Half Brogues Bequemschuh sein?

  5. Korrigiere.
    Stimmt – bei den Schuhen habe ich mich versehen. Mea Culpa. Lenkte der Wagen mich ab? Sie würden mir einen grossen Gefallen tun, diesen zu veräussern.

    Ich bevorzuge Schuhe aus Ungarn. Aber nicht die aus Stuttgart.

    • Wie gesagt, meine sind fast immer aus Verona, ausser denen für das Ausgehen, wenn das Leder sehr fein sein muss.

      Sie müssen den Wagen wie ein altes Möbelstück betrachten. Das suchen Sie sich nicht aus, as kommt über Sie, und da fragt man auch nicht gross. Ich fand es allerdings lustig, mit so einer Rapperschleuder und Traum aller Somalier nach Spielfeld zu fahren. Als Sinnbild einer Erwartung, die selbst im Niedergang begriffen ist.

    • Titel eingeben
      Ach, die Schuhe aus Stuttgart – technisch eher Bietigheim-Bissingen – sind so schlecht nicht, ein bisserl dicksohlig vielleicht. Aber ich glaube, Monsieur würden die prinzipiell auch gefallen.

      Aber immer dann, wenn es den passenden Leisten nicht einfach von der Stange gibt, ist Maßanfertigung natürlich unschlagbar. Ich weiss, wovon ich rede, „Kindersärge“ und „angepinselte Basketballstiefel“ waren noch die freundlicheren Begriffe, für die Schuhe die ich in meiner Jugend tragen musste, weil es eben nichts gab. Wir hatten ja nichts.

  6. schön
    daß es Ihnen im Palais Mayr-Melnhof (in der Elisabethstraße reiht sich ein behäbig-bescheidenes Palais ans andre) und im Wiesler gut gefallen hat.
    Der bürgerliche Romancier ist halt out (war er als Typus jemals häufig? waren es nicht immer schon die Prekären?) ; die Erben beträchtlicher Vermögen gründen eher Sozialforschungsinstitute, Waldorfschulen etc… Das Grazer Stadtschreiberhäuschen allerdings ist allerliebst …

    • Ich berichtige mich: Stadtschreiber zu Mantua oder Siena würde ich jederzeit machen, und Graz werde ich mir im Sommer sicher nochmal anschauen, wie auch Slowenien.

      Verfallene Grand Hotels kenne ich leider zu viele, und dass man beim Wiesler – das eigentlich einen extra Beitrag verdient hätte – die Sache wieder so gut hinbekommen hat, ist wirklich erfreulich. Überhaupt sieht da alles so aus, als könnte man noch wahre, verkannte Schätze aus den Häusern bergen.

  7. Literaturnobelpreis von EON
    Auf dem Weg zwischen meinem Haus und dem Laden, wo ich jeden Morgen meine Papier FAZ kaufe ist ein Reklamekasten. Vor ein paar Jahren habe ich mich göttlich über diese Reklame amüsiert:

    Ali B krijgt en Nobelprijs voor de Literatuur

    Die Reklame war von EON, der Firma mit den Kernkraftwerken. Aber die Reklame hielt sich nicht lange. Nach drei Tagen wurde sie von einer nicht literarischen ersetzt.

    • Die Frage, wie man Mäzene auftut und ihnen Lobeshymnen schreibt, wurde dort allerdings noch nicht diskutiert. Allerdings fällt mir schon ins Auge, dass die Komiker Stermann und Grissemann ihre Gesichter für Werbung hergeben.

  8. "wahre, verkannte Schätze"
    das dürfte abgegrast sein, in den Palais logieren öffentlich finanzierte Institutionen, Schönheitschirurgen etc…die Grazerinnen allerdings, dank friulanisch-triestinisch-kroatischer Beimischungen und der, über Generationen gehenden, Gewohnheit in Italien einzukaufen sind m.M. viel ansehnlicher als z.B. die Wienerinnen https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/ueber-uns/sammlung/gemaelde/friedrich-von-amerling

    • Ja, das fällt schon auf, während die Wienerin mehr einen slawischen-blonden einschlag hat – man sagt ja auch „Wien, das Berlin Osteuropas“ sind Grazer mehr so dunkel und mediterran.

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      Ich fürchte, das sind nicht bloß „Einschläge“. die Gegend rund um die Kärntner Straße und den Kohlmarkt sind nach meiner – zugegeben zuletzt vor ca. 1 Jahr gemachten – Beobachtung fest in russischer bzw. ukrainischer Hand. Was immer dann schmerzhaft bewusst wird, wenn man selber mit herkömmlichen Ansprüchen an Sozialverhalten und Benimm daherkommt.

    • ie Frage ist: Färben dann wir auf sie ab oder sie auf uns? Oder sind wir alle unbelehrbar? Das wäre vielleicht auch nicht schlecht.

    • Titel eingeben
      Man beobachtet, wie sie Warteschlangen schneiden, und sich vordrängeln. Personal in Geschäften segieren und schlicht anpöbeln. Müll wird trotz unmittelbar daneben stehendem Mülleimer auf die Straße geworfen. Unterhaltungen sind stets extrem laut und raumgreifend, ohne jedes Distanzverhalten. Am Ohr ist das Telefon festgewachsen Telefon, manchmal wird es auch nur wie die heilige Oblate vor sich hergetragen, während man die Passanten anflucht, in die man unweigerlich stolpert, wenn man nicht auf die Umgebung achtet.

      Wait, das deckt sich mit Ihren Beschreibungen aus der anderen Bundeshauptstadt…

      Kann alles im Einzelfall mal passieren, aber so geballt wie ich das während eines Urlaubs – also nicht lediglich sporadisch – beobachten durfte, war das extrem nervig. Nicht akzeptabel. Und ich hab Nachwuchs und meine Geschwister auch, bin also mit Lärm und Durcheinander durchaus vertraut.

      Daher bin ich in diesen Fällen überzeugter Trotzist. Wie in „trotzig“ oder „Recht-trotz-haber“. Und stelle mich auch mal in den Weg oder nörgele. Dank einer gewissen Statur, die großen Füße kommen nichtvon ungefähr, geht das trotz der meist aggressiven, aber eben vergleichsweise kleinwüchsigen Begleiter auch – bislang – gut.
      Wen Sie das mit „Abfärben“ meinen, dann bin ich gerne Färber.

    • seit den Sanktionen
      hat die russische Klientele in der Innenstadt (zum Leidwesen der Anbieter globaler Luxusmarken) etwas abgenommen. Wien bietet – noch! – sozialen Frieden, Sicherheit und einen Immobilienmarkt der Schwarzgeld gerne resorbiert, so daß eine russische Kolonie mit diskreten Dienstleistern (Ballettschulen für die Töchter, Anwälte, Investberater und Blondinen für die Papas, Kosmetikinstitute, für die Mamas und die Babuschkas und securities für allesamt) entstand.
      .
      Unvergeßlich ist uns allen noch die Dame mit den himmelblauen Augen, die vor 20 Jahren die Gerichte beschäftigte – sie war sozusagen die Pionierin. Seither wird energisch für Visa-Erleichterungen lobbiiert.
      .
      Selbstverständlich geschieht Akkulturationen nach beiden Seiten, wobei sich Korruption eben leichter und schneller erlernt als Benimm.
      Seien Sie also geduldig, lieber greenbowlerhat, wenn Sie uns wieder beehren und seien Sie auch ein wenig vorsichtig und machen Sie um manches lieber den berühmten Bogen.

  9. Titel eingeben
    Könnten Sie mir einen Gefallen tun? Schreiben Sie ab jetzt nur noch „Reklame“, wenn Sie Werbung, P.R. und ähnlich buntes und überflüssiges beschreiben.
    Und wenn jemand – ein Schriftsteller zudem! – irgend einen Pups „spannend“ findet, lachen Sie ihn aus oder an: dies Wort ist inzwischen so abgelutscht wie das ehemals so schnieke „geil“, „dufte“, „knorke“ oder „cool“.
    .
    Das Motto oben könnte auch lauten: „Werd‘ nicht langweilig!“
    .
    Danke.

    Danke.

  10. Untergänge...Übergänge...Aufgänge...Abenddämmerung...Morgendämmerung...Götterdämmerung?
    Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling.
    Laozi

    • Ach, um uns ist es nicht schade, ich habe mit dem Aussterben kein Problem, und wenn nichts bleibt, ist es auch recht.

  11. Titel eingeben
    Die Aufregung wegen dem SLK zeigt, welche Probleme die Intellektuellen bzw. die, die sich dafür halten, hinter der Fassade wirklich beschäftigen.
    Deprimierend!
    Don, veröffentlichen sie doch spaßeshalber noch einige Photos dieser Art, am besten z.B. mit irgend etwas tiefer gelegtem mit entkerntem Auspuff. Damit werden Sie garantiert ein paar echte Kracher landen, und das ohne die geringste intellektuelle Anstrengung, ist jedenfalls viel einfacher als Schreiben – und dann ab nach Italien.

  12. Sogar Mozart hatte keinen Mäzen
    Zum Thema Mäzen fällt mir Mozart ein. So jemand hat sogar ihm gefehlt. Gestern war ich in einer ausgezeichneten Requiem Aufführung. Das Opus soll er anonym für jemanden geschrieben haben, der es als seine eigene Komposition ausgeben wollte. Bevor Mozart mit seinem Requiem fertig wurde, starb er allerdings bekanntermaßen. Möglicherweise durch Mord – allerdings nicht durch den anonymen Auftragsgeber, denn der hätte gewartet, bis das Opus fertig ist, sondern durch einen Rivalen.

    • Life fast, party hard, die young.

    • Titel eingeben
      Beethoven hatte schon den Erzherzog Rudolph als Mäzen, den jüngsten Sohn des letzten Kaisers, aber auch Prinz Lichnowski und etliche andere, wie es sich gehörte und noch gehören sollte! Aber vielleicht sind die heutigen Habsburger nicht so aufgeklärt wie um 1800. Wahrscheinlich möchten sie heute lieber zwischen Fernsehern und Facebooks-accounts pendeln.

    • as würde ich ihnen agesichts der zur Verfügung an den Trögen stehenden Autoren auch nicht verdenken.

    • Mozart und seine Mäzene
      Mozart war bekanntlich Bruder in der Loge „Zur Wohltätigkeit“ in Wien und wurde schnell Hauskomponist seiner Loge. Es entstehen mehrere maurische Lieder, so die „Maurerische Trauermusik“, KV
      477 (in c-moll) zu Ehren des Todes zweier Logenbrüder (Herzog Georg August von Mecklenburg-Strelitz und Graf Franz Esterhazy von Galantha). Diese wunderbare Trauermusik erklingt bei Trauerarbeiten noch heute.

      In Folge der Zauberflöte komponiert Mozart dann noch die „Kleine Freimaurerkantate“,KV 623, Dies war die letzte Komposition, die Mozart selbst in sein Werkverzeichnis eintrug. Das Lied welches diese Kantate abschließt ist seit 1945 die Melodie der österr. Bundeshymne.
      Mozart komponiert diese Kantate zur Einweihung eines neuen Logentempels für die Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“ und dirigiert sie selbst. Dies war sein letzter öffentlicher Auftritt. Zwei Wochen später starb er.

      Mozart wurde von seinen Brüdern aktiv durch Auftragsarbeiten oder verdeckt unterstützt. Bis heute kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei seinem Requiem (eine „zum Sterben schöne Musik“!) um eine verdeckte Auftragsarbeit seiner Brüder handelt.

      Die Aufführungen im Salzburger Dom und Stephansdom am Todestag von Mozart kann ich nur empfehlen.

    • Unterstützung für einen im Übrigen recht opulenten Lebensstil mit Billardtisch. Bedürftig war er nicht.

    • @Pfarrer Hirn
      „Aufführungen“ sind leider für das Requiem überhaupt nicht geeignet. Wenn man viel Glück hat, erlebt man es zu Allerseelen in einer der großen Münchner Kirchen als Teil der Allerseelen-Messe. Und dann weiß man, wofür es komponiert wurde. Das ist einfach zum Heulen schön.
      Da fehlt halt den konzertanten Aufführungen das wesentliche …. Ich habe es mehrfach „ganz“ erlebt und ich will es dann auch nicht mehr anders.
      Sind das im Salzburger Dom oder im Stephansdom „Aufführungen“ oder Totenmessen?

  13. Sippen in anderen Teilen der Welt
    „So eine unheilige Vita in gerader Linie mehrerer Generationen gut lebender Menschen, mit kleinen Sorgen und grossen Privilegien – das ist ein Affront, das gibt es allenfalls in der banalen Unterhaltungsliteratur.“

    Lieber Don, haben Sie eigentlich Nichten ode Neffen? Hier in Mumbai bauen Menschen mit kleinen Sorgen und grossen Privilegien Hochhäuser für die Familie:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Antilia_(Geb%C3%A4ude)

  14. nicht verstanden
    Werter Don,
    ich lese Sie gerne,
    aber den Blog habe ich jetzt nicht verstanden;
    irgendwie zu verschrubelt!?

  15. Die Literatur und ihre Jünger
    Welch‘ grausames Schicksal haben Sie erlitten, werter Don, dass Sie zum Besuch von Literaturfestivals gezwungen werden? Ja, uns Jüngern des Buches und Buchstaben, die keine anderen Götter neben sich dulden, wurde schon oft arg übel mitgespielt. Da intellektualisiert man sich sein ganzes Leben lang hinfort, und letztlich bleibt die Merkel dann Kanzlerin, allen Bitten und Petitionen und persönlichen Einsichten zum Trotze.

    Echt Bravourstücke sind auch diesmal wieder – neben Ihrem heiteren Text – Ihre beigegebenen Fotos (ach wie gerne hätte ich „Photographien“ geschrieben, aber die neue Ordnung, wie die deutsche Sprache zu schreiben sei, verbietet mir das schöne Wort…). Diese sind durchaus von inhaltlicher Qualität, das erste gut fürs Familienalbum und für die FAZ, das zweite ein übliches Urlaubsfoto, in Ihrem Fall ein Arbeitsfoto, das dritte ist aufgrund des Zaunes faszinierend, er sieht so ein bisschen wie der Zaun aus, den ich mir seit Monaten zum Schutze unseres Staates wünsche, wenngleich mir der abgebildete deutlich zu klein erscheint, ich denke so etwa neun Meter Höhe, so wie an der Grenze der USA zu Mexiko sollten es schon sein. Wichtig wäre eben auch der Einsatz von nicht-tötendem Strom, damit der illegale Grenzübertreter in spe ein deutliches Signal der Abwehr seines gesetzlosen Willens erfährt und keinen weiteren illegalen Versuch unternimmt.

    „…Ein Begriff in Europa“ und dann sind herrlich unsortierte, nutzlose Sitzgelegenheiten sichtbar, ja, es erinnert an das EU-Parlament, geschlossen und verabschiedet, wahrhaft ein Fanal, dieses Foto.

    Am schönsten ist aber das Bild, auf dem eine junge Dame zum Kampf gegen den Klimawandel einlädt. Selten habe ich geglaubt, dass der Kampf gegen den Klimawandel sich mit einem Gläschen Federweißer in der einen Hand und der Fernbedienung in der anderen Hand so leicht gewinnen lässt. Ich werde mir die großäugige, beinahe verführerisch guckende Schönheit zum Vorbild nehmen, ein Hoch auf die Sofakissen!

    Das KanzlerInnenthema ist übrigens noch nicht durch! Ich plädiere in aller Einsamkeit und ohne Unterstützung durch irgendwelche Institutionen dafür, auch bei uns die Bundeskanzlerschaftsjahre einzelner Personen auf acht Jahre maximal zu begrenzen. Das hätte uns schon bei Helmut Kohl viel Leid und Elend erspart, und sogar letztlich ihm selbst auch sehr geholfen. Sein Ansehen ist durch die unsägliche Spendenaffäre in meinen wertenden, strengen Augen für immer dahin, auch wenn er jetzt noch im Rollstuhl ein, zwei Kinder- oder Asylantenheime eröffnen sollte.

    Auch Frau Dr. Merkel hätte nach zwei Legislaturperioden vielleicht ähnliche Huldigungen wie der heute mit einem Staatsakt geehrte Helmut Schmidt erfahren, aber…, es hat eben nicht sollen sein.

    Interessant übrigens, wie der Herr Seehofer eingeknickt ist und dann auch noch – nach allgemeiner Meinung – seine schlechte Erziehung auf offener Bühne grausam auslebte. Statt zum vor Wochen verstrichenen Ultimatum endlich Bagger für den Zaum und zu erbauende Sammellager an die bayrischen Grenzen zu ordern und klare Fakten zu schaffen, wird kleinbürgerliche Rache auf einem CSU-Parteitag geübt, wo man die Kanzlerin – ohne Ihr einen Stuhl anzubieten – einfach auf der Bühne stehen lässt, damit sie sich einiges anhöre, was ihr sicher nicht gefiel. Natürlich hätte sie einfach gehen können, doch wo hätte sie hingesollt? In den Europarat, um dort die Polen zu bitten, doch noch die versprochenen 3000 Flüchtlinge in den nächsten zwei Jahren aufzunehmen, statt die Anzahl, wie jetzt durch die neue polnische Regierung geschehen, auf null zu reduzieren?

    Hätte sie Monsieur Präsident Hollande bitten sollen, die Grenzen Frankreichs weiter offen zu halten, damit sich die Menschenmasse weiterhin schön selbst verteilen kann? Das wäre in der derzeitigen Situation sicher nicht angemessen gewesen, das sehe ich ein.

    Nun gut, genießen Sie weiterhin Ihren Berufsstand und bleiben Sie thematisch durchaus bei den politischen Unzulänglichkeiten am Ball. Was Ihre schon kritisierten Schuhe anbelangt, so seien Sie versichert, dass jeder das Schuwerk tragen sollte, dass ihm bekommt. Bequemlichkeit geht – in wahrstem Sinne des Wortes – vor Schönheit, das merke ich immer, wie ich schon betagter Wanderer auf dieser schönen Erde an Zwanzigjährigen, höchst sportlich wirkenden Gestalten vorbeiziehe, weil diese in schlechtem Schuwerk unterwegs sind.

    Übrigens noch ein Nachsatz für die Freunde der Realität: Da mein Hauspersonal seit mindestens 30 Jahren Urlaub hat, musste ich mal wieder den Müll runtertragen. Auf den Treppenabsätzen befanden sich zuletzt vier Kinder der im Haus lebenden Familien, je in zwei Zweiergruppen verteilt. Die Älteren, so um die zehn bis zwölf Jahre alt, schauten gebannt auf ihr Smartphone, und die beiden Kleinen, noch nicht in der Schule, die kleinere trug letztes Jahr noch Windeln, vergnügten sich ebenfalls mit einem Smartphone. Mindestens eines der Kinder unter zehn Jahren stammt von muslimischen Eltern ab. Es ist schön zu sehen, das schon die Jüngsten alle Freiheiten des Internets ohne Elternaufsicht genießen können. Hoffentlich landen diese Kinderseelen nicht auf den falschen Seiten, (z.B. des IS) der dann die Erziehung per Smartphone-Bildschirm übernehmen kann.

    Wenn es Probleme gibt: Fragen Sie Frau Merkel. Die schafft das schon.

    • Danke. Im Noveber einen Vorwand haben, in den Süden zu reisen – ich bitte Sie, wer kann da schon Nein sagen. Der Zaun ist tatsächlich an der Grenze, nämlich in Spielfeld, wo es jetzt keinen Verkehr mehr gibt und alles vor die Hunde geht.

    • Titel eingeben
      ´Ich plädiere in aller Einsamkeit und ohne Unterstützung durch irgendwelche Institutionen dafür, auch bei uns die Bundeskanzlerschaftsjahre einzelner Personen auf acht Jahre maximal zu begrenzen. Das hätte uns schon bei Helmut Kohl viel Leid und Elend erspart, und sogar letztlich ihm selbst auch sehr geholfen. ´
      ich unterstütze das sehr und würde noch eine altersbegrenzung hinzufügen wollen, sagen wir bei 65 jahren. dann wären wir gauck auch wieder los, ebenso junker, würden wir das auch auf die eu anwenden.
      in einem britischen forum betitelte jemand unsere bk kürzlich als mad merkel.
      sehr passend. es scheint als setzten bei staatenlenkern nach einer gewissen anzahl an regierungsjahren zwangsläufig diese kaiserallüren ein.
      ich hoffe noch immer, sie verschwindet bald.

    • Das ist wirklich keine schlechte Idee, siehe Amerika.

  16. Mehr zu Spielfeld?
    Zunächst einmal: Wieder ein sehr schöner Beitrag und einen angenehmen Aufenthalt in Italien. Aber: Gibt es demnächst noch etwas Längeres zu Spielfeld? Weitere Eindrücke von dort wären ja schon interessant.

    • Ja, gibt es, in der gedruckten Zeitung, wurde heute entschieden.

    • (@Don Alphonso)
      (Hmm, jetzt weiß ich gerade nicht, ob ca. zwei Kommentare, die ich heute nachmittag noch postete, durchgekommen sind. Ich glaube, ich gab die noch vor Ihren jüngsten Kommentaren ab. Da gab es aber einmal so eine komische Blog-Rückmeldung mit dem Wortlaut „Mach mal langsam“ oder so.)

    • Sind sie, ich habe sie freigeschaltet.

  17. Luxurierender Antihumanismus
    Lieber Don Alphonso,

    ach, wieder einmal so schön geschrieben. Es rührt einen doch an…. und das Bild von dem smarten, jungen Mann auf dem Sofa in dem wunderschönen Raum. Ja, so muß muß es bei Ihnen am Tegernsee sein.

    Ich hatte ja gerade einen Text von Andrea Polaschegg in der Hand und wie es sich so traf, trägt er die Überschrift:

    „Warum Literatur nicht fetischisierbar ist“

    Das würde ich auch auf Ihre geschriebenen Gedanken so sehen. Das ist es ja, weshalb Literatur nicht untergehen wird, sofern wir uns als Libertins über Wasser halten können. Vielleicht ist es notwendiger denn je einen luxurierenden Antihumanismus zu leben, was natürlich viele empören wird, aber man muß ja schauen wo man in diesen Zeiten bleibt.

    Diese herrschende Person in Berlin scheint sich ja noch immer in einem rauschartigen Zustand ihrer vermeintlichen Überzeugungsgewalt zu sehen, um dem Land ein neues Gesicht zu geben. Ich muß mich doch einmal genauer damit auseinandersetzen wieweit hier nicht schon der Begriff der Pathokratie zutreffen mag.

    Ein zärtlicher Freund sagte mir heute Nacht das erinnere ihn sehr an Dostojewskis «Böse Geister» – wir konnten jedoch in Anbetracht des lustvollen Schaffens den Gedanken nicht weiter vertiefen.

    So wird unsere Literatur zu einem sinnvollen, bewahrenswerten Luxus.

    Wie ja all die Scheußlichkeiten der hier schon befindlichen, wie noch einreisenden Islamjünger zeigen, ob sie nun in ihren komfortablen Unterkünften über ihresgleichen herfallen oder in Paris zivilisierte Menschen ermorden, sie leisten einen zunehmenden Beitrag an der Verarmung unserer Kultur. Das ist tragisch.

    Seien Sie herzlich gegrüßt
    ObjectBe (http://objectbe.blogspot.ch/)

    • Man wure erst geschimpft, wenn man die Wege der Terroristen mit den Fluchtrouten in Verbindung brachte, und jetzt wird das Thema enorm beschweigen, obwohl klar ist, dass eine ganze Gruppe über diesen Weg kam.

  18. Titel eingeben
    Ich finde, es ist ein Glücksfall, wenn man von der Kunst gut leben kann, aber man sollte es nicht darauf anlegen.
    Mischkalkulation und Kunst vertragen sich nicht.
    Und, gute Kunst und Erfolg vertragen sich sowieso naturgemäß auch eher selten, ist ein Widerspruch in sich selbst, da brauch man sich nur mal die Spiegel-Bestseller-Liste ansehen.
    Letztendlich zeigt sich die viel zitierte Überflußgesellschaft eben auch darin, daß eine Menge Leute in die Kunst streben, die da nicht wirklich hingehören, und die dann auch noch ihre prekäre Lage der Gesellschaft zum Vorwurf machen.
    Was Mozart angeht, es gab da auf jeden Fall den Freiherren van Swieten, der ihn gefördert hat, aber Mozarts Probleme waren sowieso andere, er fand einerseits kaum Orchester, die willens oder überhaupt in der Lage waren, seine Musik adäquat zu spielen, und andererseits war das Publikum weit entfernt von der Begeisterung, die viele heute für Mozart angeblich empfinden, war es nicht Friedrich Wilhelm II., der meinte, Mozarts Musik enthalte zu viele Noten, womit wir wieder beim Thema wären.

    • Je mehr Leute in die Kunst hineingehen, desto weniger bleibt für den einzelnen übrig, und das ganze System sorgt dann auch für eine ziemlich unerfreuliche Unkultur der Konkurrenz und mitunter auch des direkten Anblaffens. Aber wer keine Bücher mit Nittigkeit verkauft, versucht es halt bei der Villa Massimo.

  19. Bücher
    Ein früherer, verehrter Lehrer, der mir Deutsch und Geschichte näherbrachte, hatte am Ende jedes Halbjahres ein Quiz veranstaltet, bei dem wir Schüler je ein Buch gewinnen konnten, dass er ausgelesen hatte, um damit – in meinem Falle – die Ferien überstehen zu können. Wichtig war eine hohe Punktzahl zu bekommen, um als Erster auswählen zu können. Auf diese Art habe ich z. B. Golo Manns Wallenstein, Paul Guths Mazarin oder De rerum natura von Lukretz lesen können. Bei mir gab es jedes Buch, das ich wollte, nicht von Anfang an. Darum bin ich heute vielleicht Autoren etwas dankbarer und suche nicht nach den charakterlichen Haken der Produktion. Und die Konkurrenz der Leser war damals und auch heute stark, also muss man sich auch um neue Leser wohl keine Sorgen machen. Ein empfängliches Nachbarskind jedenfalls schleppt ab und zu einen „Schatz“ in sein frömmlerisches Zuhause. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Schriftsteller aller Arten weiter etwas zu sagen getrauen. Deswegen lese ich ja auch die Texte dieses Blogs.

    • Lesen war in meiner Kindheit auch eher etwas Spezielles und nichts, was Prestige versprochen hätte. Nur hatten meine Eltern Sorge, die Glotze könnte mich verderben, und bemühten sich um Alternativen. Ich denke, auch heute wären Eltern erfreut, wenn Kinder sagten: Ach neee, kein neues iPhpone, ich will lieber eine auswahl der Klassiker der Aufklärung und die gesammelten Werke von Ptigrilli.

  20. Nun ja, "tiberiat"...
    …ich versteh Sie schon, so ganz klar war mir auch nicht alles.

    Aber im wesentlichen geht es ja hier immer wieder ums Kokettieren und Provozieren mit einem bestimmten Hintergrund und Lebensstil.

    Und in diesem Blogartikel wird das halt mit ein, zwei anderen Milieus kontrastiert. Darunter offenbar dem eines austrodeutschen Literaturbetriebs-Prekariats.

    Was Herr Meyer im Literhaus Graz trieb, erschließt sich mir freilich nicht.

    • Ich sass da auf dem Podium.

      Und der Text hier ist so unstrukturiert, wie es manche machen, die Kunst erstellen wollen. Unverständlichkeit sagen die einen, verschränkt un hermetisch die anderen.

  21. Back to the Roots
    Am 23. November anno 2015 Don Alphonso schrieb:

    „Aber Aussterben gehört nun mal zum Leben und es gibt angesichts des Internets keinen Grund, warum wir nicht wieder in diese alte Phase zurückfallen sollen.“

    Zumindest läßt sich im Sinne des derzeit vorherrschenden Hangs zum Suizidalen vornehmlich bei der Deutsch-/Österreichischen Eliten mit Hilfe des Internets und einer guten Portion „Mischkalkulation“ ein Integrations-freundlicher, wenn auch unanständig klassenfeindlicher Bogen „Zurück in die Zukunft“ schlagen. Ein integrativer Bogen zwischen Alt und Neu, Arm und Reich, Groß- und Kleinbürgertum, Spielfeld und Tegernsee, Graz und Toscana, zwischen den vielen an Schwindsucht in armseligen Dachstuben verreckten alten Meistern der Literatur bis hin zum heutigen grandiosen Potential naturbelassener Schloßgemäuer für Tuberkel-Bazillen mangels brauchbarer Energieeffizienz-Klasse … er, also die Grundlage für diesen Integrationsfreundlichen Bogen, findet sich vermutlich nicht nur in altehrwürdigen, heimischen Bibliotheken, sondern für Literaten im Dauerüberlebenskampf dann eben hier …

    https://ebooks.adelaide.edu.au/h/hippocrates//epidemics/index.html

    … und hier:
    http://www.focus.de/ gesundheit/ videos/ so-schlimm-wie-hiv-vor-40-jahren-an-dieser-krankheit-koennen-bis-2050 -75-millionen-menschen-sterben_id_5062533.html

    Bis denn dann also.

    Back to the roots:

    One World

    • Ich habe da so eine alteuropäische Idee, wie wir die Probleme zu aller Zufriedenheit lösen können. Es muss nicht immer Selbstmord und Selbstaufgabe sein.

    • Ich bitte um etwas mehr Deutlichkeit
      Lieber Don,

      könnten Sie bitte etwas konkreter werden?
      Wie sieht die alteuropäische Idee aus?

  22. und übrigens
    ist das nicht wahr: „So eine unheilige Vita in gerader Linie mehrerer Generationen gut lebender Menschen, mit kleinen Sorgen und grossen Privilegien – das ist ein Affront, das gibt es allenfalls in der banalen Unterhaltungsliteratur.“

    Im Gegenteil ist dergleichen Kontinuität ja der Grundstock der Märchen, also der lieben Mama der ungezogenen Utopie. Und Tolkien (ein ausgewiesener Monarchist) schwärmt geradezu davon; na also bitte, ist der Mann vielleicht banal? Das ist der Motor hinter all den Abwehrschlachten, die er so grandios inszeniert! Die Sehnsucht nach dem, wie es sein sollte! Ich selber lese längst nicht so viel wie andere, aber im Zweifel ziehe ich den milden Ganghofer dem mürrischen Fontane vor. Von letzter Sorte habe ich selber eine ausreichend scharfe Brille auf der Nase.

  23. Titel eingeben
    Lieber Don Alphonso,

    ich finde, Sie treffen die Dinge genau am Punkt. Jedenfalls an dem Punkt, an dem ich mich entschieden habe. Als mein Unbewusstes – ich bin Hypnotherapeut in Rente – mich wissen ließ, ich solle schreiben – standen genau die Fragen und Themen vor mir, die sie aufwerfen und skizzieren. Nun, ich habe mich entschieden, denn die zentrale Frage ist doch die, was mache ich mit diesem Medium zu welchem Zweck und welchem Ziel. Da ich schon zwei Berufe habe – Hypnotherapeut und Rentner – bin ich zwei Jahrhunderte regrediert und schreibe zum Vergnügen sowohl im Internet – http://www.derhypnotist.de – als auch für den Büchermarkt. Und das schöne daran: Kein Stress, nur Vergnügen und anscheinend doch zufriedene Leser. Eine Hobbyschriftsteller eben, der anscheinend doch etwas zu sagen hat.

    Vielen Dank für Ihren Artikel, den ich im Internet fand!

    Götz Renartz

  24. Von allen Seiten verehrt
    @Knut Gnadenbrotler – “letztlich bleibt die Merkel dann Kanzlerin, allen Bitten und Petitionen und persönlichen Einsichten zum Trotze” stimmt nicht ganz. Frau Merkel wird auch von Literaten verehrt, zum Beispiel in:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zehn-jahre-mit-angela-merkel-und-jetzt-13922623.html

    Martin Walser: “Frau Merkel ist ein Lichtblick. Eine von Routine geschützte Unverbrauchbarkeit. Ich wage zu hoffen, dass ihre Regierungszeit einmal epochal ihren Namen tragen wird. Und ich kann aus Erfahrung sagen: dass es Angela Merkel gibt, ist in der deutschen Geschichte ein Glücksfall.”
    .
    Wolf Wondratschek: “Diese Frau macht nun aber Ernst. Sie wächst. Sie erhebt sich. Sie wird zur Gastgeberin. Sie bittet Fremde zu Tisch. Sie tischt Hoffnung auf, Zukunft für alle, die keine haben. Rettung durch Verwandlung.
    Ich bin fasziniert.
    Sie schreibt Geschichte, vermutlich Weltgeschichte. …….
    Sie ist die richtige Besetzung. Europa war schließlich eine Frau.”
    .
    Doris Dörrie: “Ich bin stolz auf Angela Merkel! Hätte ich nie gedacht. Statt greinen und weinen, sich beklagen und fürchten: „Wir schaffen das!“ Finde ich großartig. Das fehlt uns doch so oft: Yes, we can.”
    .
    Joachim Lottmann: “Und die Kanzlerin besser als Kohl. Um Lichtjahre besser. Unbemerkt von uns allen hat sie sich zum Darling gemausert. Ja, sie besitzt heute mehr Charme als jeder ihrer Vorgänger. Etwas Unbegreifliches ist geschehen. Als hätte Kohl plötzlich tanzen können wie Michael Jackson. Und was soll ich sagen, mir gefällt’s.”

    • Frau Merkel ist möglicherweise bald schlechte Geschichte. Darüber sollten wir uns freuen.

      Don Alphonso.

    • Sprachlos
      Frau Heuse, was soll man von deutschen Schriftstellern halten, die eine BK deren
      sprachliche Ausdrucksfähigkeit so begrenzt ist, dass es sogar mir auffällt, mit ‚Wir
      schaffen das‘ bejubeln.
      Dies allein für das Verdienst, Massen von weiteren Sprachlosen nach D zu lotsen.

    • Man passt sich eben dem Lauf der Zeiten ab.

    • Was für eine gräßliche Speichelleckerei!
      Frau Merkels Hofschranzen.
      Armselig.

    • Die "Yes we can"-Jünger
      sind ja auch in USA ziemlich zusammengeschrumpft, weil das „We cannot“ dann irgendwann doch nicht mehr zu übersehen war. Deutschland hinkt da ja immer etwas hinterher. Und die Künstler fühlen sich halt immer noch als Avantgarde, weil sie spießig-links sind.

    • Frau Heuse, haben Sie das wirklich alles gelesen?
      Ich habe den ersten „Künstler“ geschafft und dann entsetzt abgebrochen, denn das war eine Lobeshymne, die so völlig konträr zu meinem Empfinden stand. Den Rest habe ich mir dann erlassen und oh weh FAZ gedacht.

  25. Titel eingeben
    Literatur ist wohl tatsächlich eine schrumpfende Branche durch die Konkurrenz der elektronischen Medien. Aber ist das wirklich ein Verlust ?
    Wenn ich mal so gelangweilt bin, dass ich mir eine „Zeit“ kaufe, und dann noch das Feuilleton lese, hab ich eigentlich nie das Gefühl, etwas wichtiges zu verpassen, wenn ich keines der besprochenen Bücher lese.

    Ich weiss auch nicht, ob zb Serien per se besser oder schlechter, mehr oder weniger Kunst sind als Bücher. Ist Downton Abbey weniger wertvoll als Buddenbroks, Breaking Bad weniger anspruchsvoll als Schuld und Sühne?
    Spontan würd ich das bejahen, aber das könnte auch daran liegen, dass ich mit 3 schwarzweissen Fernsehprogrammen aufgewachsen bin und eine andere Art der Medienrezeption gewohnt bin.

    Mit der Literatur entwickelt es sich vielleicht wie mit anderen überholten Gewerben. So wie Tischler heute handwerksmässig keine Möbel mehr machen, sondern Gewerbe wie Ladenausbau u.ä. betreiben und Uhrmacher Zeitmesser nicht für das allgemeine Publikum, sondern als Schmuck- und Luxusgegenstand herstellen, wird die Literatur vielleicht ihre Nische in Blogs wie diesen finden.

    • Es gibt halt eine sehr spezielle Art der Feuilletonliteratur, die speziell für diese Zielgruppe verfasst wird, und deren Autoren dann die Spitzenverdiener bei der staatlichen Unterstützung sind. Das grosse Problem beim Buch ist, dass es ein letztlich ersetzbarer Masseartikel un lediglich Informationsträger ist. Da hat es der Tischler natürlich sehr viel leichter. Daher würde ich auch eher ins Handwerk als in die Literatur gehen, selbst wenn ich de facto davon lebe.

  26. Ist das noch Kritik?
    Auf Ihren Schnitzler-Satz können Sie stolz sein – sehr fein gesehen. Für die Literatur sieht es sehr, sehr bitter aus. Zeitmangel und Totalverlust der Lesekompetenz würden allein für das Ende schon ausreichen. Als tiefster Grund für das Abwenden der letzten Leser und überhaupt Kunstinteressierten scheint mir aber der Umschwung der Kulturproduzenten von Kritik in blanken Hass zu sein.
    Es ist das völlige Wegbrechen jeglicher Kulturübereinkunft. Ich habe z.B. begonnen Sendungen wie „Aspekte“ oder die 3sat Kulturzeit, die ich immer gesehen habe, regelrecht zu meiden, da ich nach den täglichen Schreckensnachrichten nicht auch noch von Autoren, Regisseuren (auch das Sprechtheater verliert massiv sein Publikum) und allen anderen beschimpft, ja regelrecht bedroht werden möchte. Diese Veränderung war mir bis vor kurzem völlig unvorstellbar.
    Bleiben wird vermutlich nur Musik in jeglicher Form und eventuell noch die bildende Kunst als Wertanlage. Das Zeitungssterben wird aus meiner Sicht freilich ausbleiben. Ich rechne sehr mit einer gemeinsamen Medienabgabe. Für Don Alphonso bleibt also alles wie es ist.

    • „Das ist doch bürgerlich“ war auf dem Podium ein ausruf von jemandem, der unter dem Anzug ein T-Shirt trug. Muss man sich mal vorstellen. Sowas habe ich seit dem Abitur nicht ehr erlebt, da gab es so Leute, die das trugen. Und ja, dieses betont liksradikale Getue geht mir auch sehr auf die Nerven. weil es nur Getue ist und sich allenfalls in der Kunst manifestiert. Aber Staatskohle wollen sie am ende doch alle, weil die Kundschaft nicht zum Leben ausreicht. Und dann wundern sie sich, wenn sie nicht ernst genommen werden.

      Also ich bin jedenfalls sehr bürgerlich.

    • Zum Thema "Umschwung der Kulturproduzenten"
      empfehle ich den sehr amüsanten satirischen Roman
      „Fantoma und der Vampirbuddha“ von Bernd Zeller.
      Ich habe bei einer Lesung des Autors sehr gelacht.

    • "Ich jedenfalls bin sehr bürgerlich"...
      …erinnert mich an einen grossen Auftritt den ich an der Uni im Rahmen eines Doktorandenseminars in den Neunzigerjahren hatte. Der Alt-68 Professor wollte eine Diskussion mit mir beenden, mit dem (vermeintlichen) Totschlag-Satz: „Mein Gott, sind sie konservativ“. Worauf ich antwortete: „Nein, ich bin nicht konservativ … ich bin reaktionär. Begriffe sind wichtig: ich will nicht, dass es bleibt, wie es ist. Ich will, dass es wieder wird, wie es einmal war“. Grosse, betretene Stille. Ein Genuss. Natürlich stimmt die Aussage nicht ganz (ich bin ja nicht Thorsten Haupts, nur fast). Aber manchmal muss man das Juste Milieu in seiner Borniertheit einfach auch einmal ein wenig zum Köcheln bringen.

  27. Kalbslederschuhe, maßgefertigt
    Ich gebe zu, allzugerne erliegt man der säuselnden Geschliffenheit wohlformulierter Sagbarkeiten, die -wie hier zu lesen- auch sehr adrett daherkommen, doch im Letzten stellt sich immer die Frage der Notwendigkeit.
    Ist Kunst Luxus- oder Notwendigkeit?
    Wie weltfremd ein Leben aus innerer Notwendigkeit dem Bürgerlichen erscheinen mag, darüber will ich gar nicht reden, aber dass es Leuchtkraft hat- und dass es eigentlich „Leben mit großer Münze“ ist, wohingegen all jene Sicherheiten und Maßschuhe eben als das wirken, was sie sind: ein Leben in kleiner Münze – davon sollte man doch reden!

    • Die Frage ist einfach. Ich bin gestern gut zehn Kilometer durch Padua marschiert, mit Schuhen aus Verona. Ohne Probleme, sehr bequem.

      Versuchen Sie das mal mit Büchern.

  28. Das war doch zu romantisiert, um wahr zu sein!
    Also, Don Alphonso,
    wieso kann ich nicht aufhören, an „Cosi fan tutte“ zu denken, wenn ich Ihren Namen lese? Ich bin mir sicher, dass Sie viel seriösere Vorbilder haben als den dortigen Don Alphonso. Aber mein lieber, der Untergang der Literatur ist leider noch nicht so nah, wie Sie es sich so gern und keck ausmalen. Literaturhäuser sind ja nur da, um irgendwann zu bröckeln. Aber die Literatur selbst ist ein Virus und man kommt nicht so leicht davon, auch deswegen, weil es immer einen Großbürgertum geben wird, mit oder ohne Internet. Ich weiß, das ist nicht so politisch korrekt gedacht, aber das gehört vielleicht in eine andere Debatte. Den einzigen Untergang der Literatur, den ich sehe, ist der Untergang so vieler Literaten, die einen Drang nach „quick fame“ haben und eben nur für „coole Internetnutzer“ schreiben, denn diese coolen Leser möchten sich ja lieber am Fernsehen laben, und das sei ihnen gegönnt, um Gottes Willen, das will ich nicht verbieten.
    Nur, es ist selbstverständlich viel eleganter und vielleicht auch stoischer, wenn man (und frau) weiterhin so schreibt, als ob es kein Internet und kein Publikum gäbe. Und da wir hier ganz entre nous sind darf ich bestimmt „mit gutem Fug“ sagen, dass der coole bestseller, der so sehr auf das Publikum achtet, na ja, wie soll ich es sagen, vielleicht ist er mehr „impresario“ als Schriftsteller. Ich kann nicht ganz sehen, wie Thomas Mann einen facebook-account mit wöchentlichen updates unterhalten sollte und mit Paulo Coelho wetteifern sollte, nur um sehen, wer mehr Likes bekommt, hmm, das passt irgendwie nicht.
    Life is shit, das wissen wir, „nobody said it was easy“, und umso mehr sollten wir genug realitisch sein um zu erkennen, dass Leute, die sich erstmal überlegen müssen, ob ihre Schreiberei verkauft oder nicht, lieber die Hand davon lassen sollten, denn sie können nicht frei schreiben, sie müssen dem Agenten, dem Verlag, dem Netz, dem Publikum und allerlei gefallen und gucken, dass das Zeug Geld bringt. Aber nein, das ist nicht schön, zur Schriftstellerei gehört schon ein bisschen platonische Härte und Kompromisslosigkeit. Ein Beruf sollte die Kunst nicht sein, tut mir leid. Vielleicht wäre das bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung.
    Es behagt mir nicht, an Autoren aus dem Großbürgertum zu denken, die sich als die letzten parvenus und Selbst-Impresari gebärden, als ob sie Ihr Vermögen noch weiter zu vermehren bräuchten. Die sind nicht zu entschuldigen! Aber auch die armen Menschenkinder aus dem Kleinbürgertum und aus „weiter unten“ in der Gesellschaft sollten bedenken, dass Kunst und Schmeichelei nicht zusammen passen, auch wenn Schmeichelei als „gesellschaftliche Kritik“ getarnt ist.
    Ja, Don Alpholso, nachdem Sie so sehr romantisiert haben, gestatten Sie mir bitte auch den Gedanken, dass gute Literatur mehr ein Opfer abseiten des Dichters als eine Geschäftsinvestition sein sollte. Man muss schon schreiben, was man will, um gut und schön und wahr zu schreiben. Wenn der Preis dafür der Tod unter der Brücke ist, umso besser, man wird das Leben komplett erlebt haben, und jener, der so viel opferte, dass er sich erlaubt, unter der Brücke zu sterben, muss tatsächlich so viel geopfert und geschrieben haben, dass er schon mit gutem Gewissen sterben kann, im Bewusstsein, dass er seinen Lebensbeitrag schon geleistet hat und der frühere Tod ihn noch besser vor einer schlechten Rente schützt (denn pfui, das Rentensystem wird bald kollabieren, es ist nur noch eine Frage der Zeit).
    Aber ich muss hier aufhören, mein lieber, ich wollte nur eine schnelle Anmerkung über Ihren Namen machen, der mir so schöne, wenn auch nicht immer redliche Erinnerungen bringt. Ich zitiere gern den alten Dichter und gestehe es: Ich hätte weniger geschrieben, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte.
    Nur noch eine kleine Coda, ok? Ein seriörer Schriftsteller sollte keinen Blog unterhalten, das habe ich immer gewusst. Dass ich einst dem Paradoxon verfallen sollte, mich an einen Blog-Unterhalter zu wenden, hatte ich mir nie vorgestellt, aber dafür waren Ihr Name und Ihr Artikel zu reizend: Ein Zeichen dafür, dass Ihr Blog irgend die Gefahr läuft, interessant zu sein, auch dann, wenn Sie nur schreiben, um das alte Auto zu füttern.
    Viele Grüße aus dem stink-elitären England,
    Ferrando von Cosi fan Tutte

    • Nun, man kann natütlich die Kultur mit Staatskünstlern und Stiftungsschmierern eine Weile am Leben erhalten. Nur ist das bei den Verlagen anders: Die sind tatsächlich voll wirtschaftlich abhängig vom Kundenerfolg, und das ist das eigentliche Rückgrat. Ohne Verlage wird es für die meisten enorm schwierig. Und da setzt der Wandel zuerst an. Metrolit ist dafür leider ein gutes und aktuelles Beispiel.

  29. der literat als subventionsempfänger und landwirt
    mein lieblingsautor thomas bernhard (slg.), ein österreicher und erzogener salzburger, mit sprachrhythmen, die selbst der sprachfabulierer vom überlinger see nicht ganz erreichen kann, optimierte seine materielle profane existenz wie kaum ein anderer:

    die literaturpreise, zuerkannt meist von der republik österreich – deren institutionen und personen er so sprachgewaltig und hässig verriss – legte er in insgesamt drei immobilien an, die er simultan auch bewohnte, je nach anliegenden literaturprojekt.

    eng liieirt mit seiner „tante“ in wien, eher einem tarnwort für nicht immer platonisches, war gut zu leben, sie war eine sehr reiche witwe.

    um der steuer für seine anwesen und empfangenen preise weitgehend zu entgehen war es nützlich, als „landwirt“ eingetragen und fiskalisch eingeschätzt zu werden…………dies gelang nach einiger mühe und ausdauer durch fürsprecher und eine entscheidung darüber direkt beim landeshauptmann (vergleichbar ministerpräsident) von oberösterreich.

    kosten und ausgaben wurden kleingehalten: zeitungen, seine hauptinformationsquellen, wurden nicht gekauft, die gab es im kaffeehaus in Gmunden umsonst. war etwas wichtiges und verwertbares gefunden, wurde ein vom wirt genehmigter aussriss mit auf den bauerhof genommen.

    und der VW käfer wurde zum optimalen ersatzzeitpunkt nach 4 jahren in einen neuen getauscht.

    einen fernseher besass er nicht, die samstagabendsshow von ARD oder ORF wurde beim nachbarn angeschaut.

    so lebt der berufsliterat ! ich gönne es ihm !

  30. Luft im Tank
    „Um sie aufzustacheln, sage ich auch, dass ich den Tank meines Autos nicht mit Luft füllen kann“. Doch, das können Sie: https://www.youtube.com/watch?v=0RBl1LFUQ4c

  31. Als Nachtisch zum Text
    Sozusagen als Sachertorte oder Mehlspeise für die Fahrt nach Italien passt vielleicht, dass – wie ich heute verwundert im Deutschlandfunk (Dunkelfunk) vernahm – niemand Geringeres als die nicht nur in ihrem derangierten Schreibstil unsterbliche Schriftstellerin Julia Schramm, offenbar mittlerweile 30 Jahre als, sich derzeit an einer Biographie der Kanzlerin versucht und zu diesem hochkulturellen Ereignis vom Chefredakteur des Dunkelfunks (Detjen) persönlich interviewt wurde, wobei sie im wesentlichen mit sicherem Diversityblick bekundete, dass die Stärke der M. darin liege, sich schnöden Männerbündnissen zu verweigern. Ist das nicht schön? Haben wir das nicht als Strafe unserer Dekadenz und Lässigkeit verdient? Herder, Lessing, Schiller, Goethe, Heine, Börne — alles Ausdruck ihrer Zeit und wir haben die entsetzliche Schramm, „Feuchtgebiete“ oder Twittergören;- und die Somalis, die den SLK suchen, werden enttäuscht sein, weil wir wegen Abgastricksereien alle bald nur noch Japaner fahren.

    • Zwischen Julia Schramm und Herrn Detjen gibt es eine private, berlinfeministische Verbindung über dessen Frau Marion Detjen, die auch bei Twitter dokumentiert ist. Ausserdem hat Detjen in seinem Team netzbekannte Leute wie Falk Lueke, da sollte einen gar nichts wundern.

      Erinnert also nicht gaz grundlos an den Literaturbetrieb. Aber wer sollte so eine Biographie lesen? Die Agentin von der Schramm arbeitet übrigens mit Marion Detjen am gleichen Frauenblogprojekt.

    • Ach so, hier: http://juliasc hramm.de/2015/10/31/chancen/

      die Frau Ruge arbeitete mit Marion Detjen hier bei dem inzwischen weggegangenen Blog Zehn vor Acht – da sollte es keinen überraschen, wenn der Staatsfunk da sofort den Schleichwerbebrenner zündet. Es gab da ja auch genug andere Betriebsfiguren, die ihre Kollegen und Freunde bevorzugten. Femiismus halt.

    • ein Beispielzitat aus tw
      so dachte die angesprochene Dame vor zwei Wochen, so denken wohl viele noch heute:
      Marion Detjen ‏@MarionDetjen 12. Nov.

      Marion Detjen hat Patrick Bahners retweetet

      Eine verquere Metapher, die der Skifahrerin Merkel anlastet, was Kriege, Armut und Klimawandel verursachen.

      Der Tweet desDonaldisten war auch gefühlt näher an merkerl als an schäuble

  32. Schade Admont haben Sie versäumt
    Die wunderbare Bibliothek, die Stammel Skulpturen…als Kind haben mich die Todsünden am meisten fasziniert. Lustig auch das Darwin Porträt in der Naturwissenschaftlichen Sammlung.
    Fahren Sie doch am Rückweg vorbei.

    Gruß aus Lüneburg

    • Ja, leider, aber es macht im winter wirklich schon um 2 zu, und das wäre viel Raserei den Phyrnpass hinauf für viel Hektik an einem Ort der Ruhe gewesen. Ich will dort mehr Zeit haben. Also bin ich über St. Paul im Lavanttal nach Padua gefahren, wo ich mir heute den Palazzo Bo anschaue.

  33. Vergangenheit statt Zukunft...
    “Ich bin, auch wenn man das nicht laut sagen sollte, nur jemand, der seine Privilegien mag und sie nicht abgeben möchte….“
    „….. das sind die wahren Katastrophen der bürgerlichen Welt, und so waren sie schon immer: Was sollen die Leute denken.“

    Sie sind wahrlich Historiker, schreiben über die Vergangenheit und höchstes noch über die Gegenwart, nie über die Zukunft.
    Die Entwicklung zu Letzterer wird mittlerweile in Europa von zwei Faktoren gesteuert. Da ist einerseits die Staatsform der Demokratie. Schon im Politik (Neben-neben-Fach) Studium habe ich damals Sontheimer gefragt, warum man denn um Gottes Willen nicht wenigstens einen Versuch macht etwas Besseres statt dieser, bekanntermassen ja nur am wenigsten schlechten Staatsform zu finden. Der glotzte wie immer wie ein Schaf durch seine Brillengläser, ratlos wie bei jeder Frage, die in seiner Welt nie gestellt wurde.
    Heute sind wir ja endlich soweit, dass wohl jedes Volk der Welt durch die Medien so sehr verblödet ist, dass es völlig unfähig ist kompetente Politiker vom Rest zu unterscheiden und dann solche zu wählen, die das seine eigenen Interessen vertreten würde. Die derzeitige Entwicklung ist also zumindest eines, gerecht, es geht den Richtigen an den Geldbeutel. Nur, wie lange ist da noch weas drin?
    Der zweite zerstörerische Faktor ist das Internet, was staatlicherseits die Totalüberwachung nach sich ziehen wird. Dies wird kommen und Diskussionen darüber, oder gar Widerstand sind Zeitverschwendung und zwar auch hier wegen der Entscheidungen des Urnenpöbels.
    Im Internet findet jeder noch so dumme seine Brüder im Geiste, die ihm noch bei der dümmsten Gehirn Wichserei mit geistiger Inzucht unterstützen. Niemand MUSS seine Überzeugungen oder Werte, bzw, deren Mangel, jemals der Überprüfung durch andere stellen und mit Widerspruch oder Argumenten umgehen….
    Mit einer den Atem verschlagenden Chuzpe strotzen auch noch die dümmsten Nazis, Feministen, Verganer und sonstige Einäugige vor selbstbewusster Überzeugung der eigenen Überlegenheit und leiten daraus alle möglichen Rechte ab…. Selbstverständlich nur für sich selber!

    Was mir bei der Stützen fehlt, sind Überlegungen zu den Konsequenzen die diese Entwicklung haben wird. Ich habe dies schon mal gefragt…. Wird die Bundeswehr, entgegen derzeit noch bestehendem Recht, nicht nur an Grenzen sondern auch im Innneren eingesetzt werden? Welche Konsequenzen wird das haben? Werden kulturelle Ghettos anderer „Kulturen“, also Parallel-Gesellschaften, in Grosstädten entstehen? Nicht wie in Haidhausen, wo ein paar tausend Türken friedlich integriert leben. Sondern wie in London, wo es tatsächlich Stadtviertel gibt, in denen die Scharia auch heute schon das letzte Wort hat. Es kommen nach wie vor (derzeit) täglich 6000 Flüchtlinge nach DE, was wird in der Realität geschehen, wenn der Winter zuschlägt?
    Oder International? Gestern wurden vom Steuerzahler wieder zwei Milliarden „nach Griechenland“ überwiesen, die sofort an deutsche und französische Grossbanken weitergeleitet wurden? Werden die USA mit ihrer Erfahrungen vom Golf von Tonkin, oder den Massenvernichtungs Waffen im Iraq, in Syrien einen Zwischenfall mit den Russen einleiten? Wird die EU zerfallen, weil die vier „Grossen“ Mitglieder, die Sanktionen gegen Russland auf US Order verschärfen, aber gegen den Willen der Ost-Europäischen Mitglieder?
    Überall Entwicklungen, deren Konsequenzen nicht abzusehen sind?
    Und statt dsessen ein Fortschritt, bestehend aus einer „bewährten Form der literarischen Weltbewertung“, die sich um die Frage kümmert, „ob an einem Kronleuchter geschliffene oder nur gepresste Gläser hängen“?

    „…die Vorstellung, in irgend ein Kaff zu gehen und dort den Stadtschreiber zu machen, finde ich grauslig, obwohl ich für Gmund eigentlich nichts anderes mache.“

    Es gibt ja DEN wesentlichen Unterschied zwischen Menschen, und Sie sind dafür das Muster Exemplar: Freiheit ist für Menschen, die gezwungen sind ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nicht möglich.
    Das freut Politik und Wirtschaft natürlich und deshalb werden sie niemals etwas zulassen das daran rütteln könnte, wie das bGE. Es wäre das Ende des neo-liberalen Status Quo.

    Wie sehen Sie Deutschland, Europa und den Rest in drei Monaten und in drei Jahren?
    Welcher ihrer Privilegien sind sie sich denn sicher? Sie gehören zu den Beitzenden, also haben sie einiges zu verlieren…

    • Zukunft ist unvermeidlich, das ist aber auch schon alles, was man dazu sagen kann. Mehr als die Hoffnung, andere zu überleben, habe ich dort nicht.

    • Titel eingeben
      Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass der Don eigentlich viel nachsichtiger und gnädiger gegenüber jenen ist, die er hier im Blog gerne verlacht und insgeheim schon weiß, was für bemitleidenswerte arme Säue das alles sind. Seine früheren Texte haben mir deswegen besser gefallen, weil neben der offenen Verachtung gegenüber selbstgefälligen Prekariern, die ihre Arroganz ja doch nur vorschieben, um ihre berechtigten Existenzängste zu verdrängen, immer auch die Verzweiflung darüber durchschien, dass sich diese Leute nicht auf vernünftige Weise gegen unzumutbare Zustände zur Wehr setzen. Die Spannung des Blogs wurde dadurch erzeugt, dass der Don als privilegierter und schreibfähiger Mitbürger relativ schonungslos über gesellschaftliche Phänomene reflektierte, dabei aber eben gerade nicht wie der durchschnittliche FAZ-Wirtschaftskorrespondent vom Schlage eines Herrn Hank wirkte. Ein bisschen macht er mittlerweile auf mich den Eindruck wie einer, der einfach keine Lust mehr hat und sich auf zugegebenermaßen unangenehme, aber bei weitem nicht sehr relevante Problemgruppen einschießt (Feminstinnen, etc.). Auch die Kommentarfraktion hat doch sehr stark abgenommen und nichtmal mehr HansMeier555 schreibt hier. Immerhin gibt es noch den Tyler.

      @Tyler, Können Sie sich wirklich nicht vorstellen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die die Massentierhaltung ablehnen und daher kein Fleisch essen und nicht, weil Sie sich durch Sätze wie „ich bin Veganer!“ interessant machen wollen?

    • Herr Kohl,
      ich hab sie schon mal darauf hingewiesen, dass sie dasselbe Problem wie ihr Namensvetter haben. Sie haben Probleme bei Lesen Zusammenhänge mit-zu-bedenken.
      Ich habe das Wort Veganer als Beispiel genommen, nicht um anderen zu ermöglichen daraus Schlüsse zu meiner persönlichen Einstellung zu dem Thema abzuleiten…. Ich bin seit einigen Jahrzehnten Vegetarier, lehne es aber auch bei diesem Thema ab, fanatisch einen Standpunkt zu einem Glaubensbekenntnis zu machen und ich so lehne es tatsächlich ab vegetarisch und vegan gleichzusetzen.
      Ich esse sogar ein oder zweimal im Jahr ein Filetsteak aus Kobe, wo man die Rinder artgerecht hält, tatsächlich massiert und ihnen nahrhaftes Bier verabreicht. (Ob diese anschliessend Parties feiern ist mir nicht bekannt).
      Ich gestehe sogar gerne, dass ich für Leute die allen Ernstes Schweinefleisch aus perverser Massentierhaltung konsumieren, eine hinreichende Prise Verachtung habe, denn ein nicht verblödeter Mensch würde sowas weder den Schweinen noch dem eigenen Körper antun. Zufrieden?

      Was die Prekarier angeht, so stehen sie in meinem Weltbild auf derselben Stufe der gier- und geiz-geilen Konsumenten nur dann, WENN sie ihr Schicksal bejammern. Festkosten abgezogen, geb ich sogar im angeblich so teuren Japan jeden Monat weniger als den HartzIV Satz aus. Ich lebe ganz hervorragend und besitze ausnahmslos alles, was ich besitzen will….

      Seien also ein wenig vorsichtiger mit ihren Schlüssen… wenn sie was wissen wollen, dann können sie einfach fragen. Aber wie ihrem Vorbild liegt auch ihnen der Gedanke fern sie könnten irgendwas nicht wissen oder bei irgendwas Unrecht haben….

  34. Kronleuchter
    Mit hat der folgende Satz gefallen in Ihrem Blog: „Aber mir persönlich ist die Frage wichtig, ob an einem Kronleuchter geschliffene oder nur gepresste Gläser hängen. Damit bin ich, fürchte ich, untauglich für die bewährte Form der literarischen Weltbewertung.“ Ja, ich finde, dass dieser Unterschied wichtig ist – auch wenn die Lager für Syrer überfüllt sind. Es hat etwas mit Kultur zu tun, genauso wie rahmengenähte Schuhe und Tafelsilber mit Augsburger Faden.

    Als ich letzte Woche in München war, habe ich viele augenscheinlich wohlhabende Araber gesehen, die in der Lobby des Hotels Vierjahreszeiten unter Kronleuchtern sitzen – und das können sie gerne tun, dagegen habe ich gar nichts, damit mich hier niemand falsch versteht -, aber sie scheinen sich die implizite Frage dieses Blogs – ist es noch erlaubt, diese Art von Kultur angesichts all des Elends der Flüchtlinge zu leben – gar nicht zu stellen, sondern genießen ganz offensichtlich ihre Privilegien und stellen sie nicht in Frage. Aber sie sind ja auch keine deutschen Gutmenschen.

    • Geschliffene Gläser funkeln schöner. Wenn man genau hinschaut, sieht man das. Und wenn ich Pressglas nehme, kommt auch kein Mensch aus Sri Lanka weniger, das muss man ganz ehrlich sagen.

  35. So auf dem Sofa… Grandios, besser hätte ich es nicht gemacht. Man sollte Elegant zu sich selbst s
    So auf dem Sofa… Grandios, besser hätte ich es nicht gemacht. Man sollte Elegant zu sich selbst sein, um sich so zu zeigen; eine bessere Präsenz zum Thema Literatur, denke schon, wie gehe ich mit dem Menschen um; ich kann schreiben wie geht der Mensch mit sich selbst um, und trachte um Meinung.

    Ich hätte ohne der Provokateur zu sein, Champagner der früheren Zeiten, in Schalen gehalten; naja Sekt, nicht des Neides nur der Idee wegen; um auf den Plan des Lebens anzustoßen, erachten dafür einzustehen, sonst in sitzen.

    Ich ziehe bis heute keine tägliche Reklame an. Einer Abstammung noch Mitgliedschaft als Beweis dass ich Wäsche- Werbe- Edikten lesen kann; Werbe-Literatur oder Lockmittel-Philosophie, integer rezitieren vermag.

    Wenn ich übermütig bin, dann sage ich mir: Nehm dich zu Meinung. Wenn du, kannst, du helfen!? Denke daran! Wem nütz es wenn ich jemand was von mein Hunger oder meiner Erkältung abgebe? Kein!
    „Helfe wenn du helfen will’s. Flieh wenn du fliehen musst, und lebe, wenn du ein Leben führst“!

    Am Anfang war das Wort und das verstehe ich nicht.

    Danke

  36. Der "Betrieb"
    Erste Beobachtung: Vor einigen Jahren gewann eine junge Dame den in der Stadt Klagenfurt regelmäßig ausgetragenen Literaturwettbewerb. Der Wettbewerb trägt den Namen einer Autorin, die zu meinen Säulenheiligen der Literatur gehört und deren Name ich hier nicht im Zusammenhang mit diesem Wettbewerb sehen möchte. Warum? Zum Beispiel wegen eben jener Dame, die damals den Wettbewerb mit einem Text gewann, den sie extra für den Wettbewerb schrieb und ihn so dermaßen in Hinblick auf die Jury zurichtete, dass der Text eben – siehe oben – gewann. Die junge Dame gab es anschließend ganz offen zu. Von der jungen Dame habe ich seitdem nicht mehr viel gehört, sie scheint aber ihr Auskommen im Literaturbetrieb gefunden zu haben.
    Eine weitere Beobachtung: Vor mehreren Jahren berichtete mir eine damalige Kollegin von einem Literaturwettbewerb. Sie wies darauf hin, wer in der Jury war. Das schien ihr ganz wichtig zu sein. Da mir Literaturwettbewerbe sowieso nie wichtig waren, war mir das herzlich egal, wer in der Jury war.
    Ich verstand die ehemalige Kollegin Jahre später aber, als ich mit einem Verleger sprach und er mir ganz offen mitteilte, wie so ein Wettbewerb abläuft.
    Ich möchte jetzt nicht alles und jeden über einen Kopf scheren, aber schaut man sich an, wie der „Betrieb“ organisiert ist und wer momentan den „Betrieb“ dominiert und welche Leute dort das Sagen haben, dann sollte es einen nicht wundern, dass es ist, wie es ist. (Man denke bspw. auch nur an die Filmförderung oder an den ö-rR oder an die DFG oder oder oder…)
    Keine Ingeborg Bachmann, kein Paul Celan, kein Jean Améry. Nirgends.

    • Die Autorin, die diesmal gewann, war auch in Graz und sagte auch offen. dass sie diesen Text nur für Klagenfurt verfasst hatte. Das ist heute wohl vollkommen normal und sagt dann auch vieles über diesen Preis. Zum Glück verschwinden viele der Autoren danach bald wieder in der Versenkung.

  37. Kopf oder Kamm?
    Nicht über einen Kamm scheren.

  38. Literatur?-Ja ist den schon wieder Weihnachten,
    denke ich, „meinen“ Buchladen betretend mit dem rechten Auge an die Biographien streife. Gleichzeitig frage ich mich wer das lesen möchte und dass es doch wohl schade um die dem Recyclingpapier beigemengte und benötigte Holzfasern sei – und kämen sie meinetwegen aus dem unwirtlichen Karelien. Fast könnte man vermuten der Don sei dazu aufgefordert worden von der Alltagspolitik zu lassen. Aber das ist wohl nur meine persönliche Empfindung, dennoch die schleppende Kommentierung lässt auf fehlende Zündfähigkeit schließen. Nach diesem literarischen Intermezzo können wir hoffen dass Don sich wieder auf andere Territorien begibt. Stoff gibt’s genügend.

    • Jaja, wir schon wieder und ausserdem liegt die schleppende Kommentierung an der unterlassenen Freischaltung gestern Abend.

    • Themen
      Also ich bin ganz froh, daß auch mal wieder ein anderes Thema gewählt wurde.
      Gerne noch mehr Literatur, Musik, Oper.
      Was macht die K., z.B.
      Hat der Besuch des heiligen Antonius etwas mit dem zweiten Heiratsmarkt an der Donau zu tun.

    • Nein, das lag halt auf dem Weg. Schreckliche Kirche übrigens, innen gar nicht schön.

  39. @ Don Alphonso sagt: 24. November 2015 um 08:08 Uhr
    Solange Sie das Eine nicht für das Andere nehmen und versuchen, sich die Bücher unter die Füsse zu binden,- geht es auch mit Büchern.

  40. Titel eingeben
    Ich muss der Grundthese „Ach wissen Sie, Schriftstellerei war von Anfang an eine Privatvergnügen der Vermögenden“ leider widersprechen.

    Bereits im Hochmittelalter haben Schriftsteller ihren kärglichen Lebensunterhalt mit der Schriftstellerei verdient. Es gibt sogar eine urkundliche Erwähnung, dass der fahrende und arme Ritter Walther von der Vogelweide einen wärmenden Mantel von einem Erzbischof geschenkt bekam, weil seine Lieder das Herz des Herz des Bischofs berührten. Weiterhin gilt das Lied vom Kreuzzug als Auftragswerk der Kirche, um weitere Kreuzfahrer anzuwerben.

    Wolfram von Eschenbach hätte den Parzifal nicht schreiben können, hätte er nicht Obdach auf der Wildenburg gefunden, wo er sein Werk niederschreiben konnte. Zum Dank dafür beschreibt er den Kamin in der Gralsburg so, wie er heute noch in der Ruine der Wildenburg zu finden ist.

    Es gab eine ganze Generation, armer, fahrender Ritter, die uns an Schönheit kaum wieder erreichte Werke hinterlassen haben, die eben nicht reich waren, sondern in bitterster Armut von Burg zu Burg durchs Land zogen und versuchten, so gut es ging, von ihren Werken zu leben.

    • Gut, das mittalalterliche Gunstwesen ist nochmal eine ganz andere Sache, zumal Vogelweide und andere zwar durchaus arme Ritter, aber nicht arm in Sinne von „am Verhungern“ waren. Der Mantel eines Bischofs war damals sicher mehr wert, als ein Bauer in einem Jahr verdiente – die Kosten hochmittelalterlicher Kleidung kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Ungeachtet dessen war es fraglos möglich, als Dichter über das Land zu ziehen, aber der grösste Teil der Literatur kommt von Leuten ohne grössere maerielle Sorgen. Echter Literaturverkauf beginnt erst nach dem Mittelalter. Der erste, der wirklich gut davon leben konnte, war wohl Pietro Aretino.

    • Immer über das eine
      Dessen Beruf würde ich anders bezeichnen.

  41. Vor hundert Jahren schon
    Ich bin gerade beim „Fackel“-Jahrgang 1911 und fand, dass es schon vor hundert Jahren nicht anders zuging:

    „Ich kann mir aber nicht helfen, mir erscheint Graz für dichterische Keime noch ungeeigneter als Linz, von Wien nicht zu reden und ganz abgesehen davon, daß ich neuestens sogar gegen Innsbruck mißtrauisch bin. Um aber auf besagten Bartsch zurückzukommen, so glaube ich, daß er zu jenen österreichischen Autoren gehört, die ihren Ruhm der Notwendigkeit verdanken, daß Österreich wieder einen Dichter hat, und die entweder an ihrer Geburt sterben oder ihren Tod nicht überleben.“
    (Die Fackel: Nr. 324-325, 02.06.1911)

  42. nochmal von vorne
    Irgendwas hat da gerade nicht funktioniert. Sei´s drum. Canetti ist ja auch zum Fürchten, nach dem, was ich kurz über ihn ergockeln konnte. Jawohl, das muss ein guter Autor leisten! Aber mir wurde von genug Angst eingejagt. Am besten wird es wohl sein, man kehrt der gefährlichen Tagespolitik den Rücken und verschanzt sich hinter Büchern, bis jemand mit dem Streichholz kommt. So!

  43. Verwirren Autoren die ausgehaltene Islam "Klientel" mit ihren Worten?
    Es wäre schön gewesen etwas mehr vom Podiumsgespräch: „Orte der Literatur“ in Graz, vom Autoren zu erfahren.

    Wie z.B. sehen sich Autoren, aber auch Blogger in ihrer Freiheit beschränkt unter dem politischen Druck sich gegenüber den Millionen Islamisten „freundlich“ und wohl auch selbstverleugnend in ihrer Wortwahl zu zeigen?

    Nun gut, ein Großteil der Araber kann gegenwärtig weder lesen noch schreiben, doch einige Zeitungshäuser passen sich ja schon an im „Schönreden“.

    Die Modebrache zeigt wie es aussehen könnte. Wie gerade in der FAZ zu lesen ist, bemüht sich das Modehaus „Mytheresa“ in München, der Verleugnung des christlichen Weihnachtsfestes im Anbiedern um die neue Klientel, wenn man lesen kann:

    „Ohnehin beginnt gerade die festive season, die bei Mytheresa so heißt, damit man die shoppingfreudige Klientel aus dem Mittleren Osten nicht mit Wörtern wie „Christmas“ verwirrt“

    „Was wird Literatur?“ wurde in diesem Podiumsgespräch gefragt.

    Ich befürchte die Autoren werden sich anpassen wie „Mytheresa“ in München.

    Der Person in Berlin, den Handykindern der deutschen Jungmütter, wie den arabischen Analphabeten wird es gleichgültig sein.

    Das Wort „Neger“ ist ja schon aus den Büchern gestrichen; ist zu erwarten, daß in Zukunft das Wort „Weihnachten“ denselben Weg der Unworte gehen wird ?

    Hochachtungsvoll
    B.Klingenberger

    • Alles schon da...
      Nun, auch hier sind uns wieder einmal die „Angelsachsen“ voraus: Wenn sie dort Weihnachtskarten kaufen wollen, bekommen sie entweder gnadenlosen religionsneutralen Kitsch wie „Rudolf, das Rentier mit dem Coca-Cola-Klaus“ oder aber „neutrale“ Karten mit der dezenten Beschriftung „Seasons Greetings“…

  44. Literarische Preiskartelle
    Als erstes Beispiel fiel mir Goethe ein. Der hatte nicht einen M.A. in literarischem Schreiben von Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, sondern war – meines Wissens – Jurist. Damit wurde er Minister in Weimar. Nebenher hat er hauptamtlich schöne Gedichte und Stücke geschrieben. Ich kenne den Leiter des Leipziger Literaturinstitutes persönlich, denn wir waren zusammen in einem philosophischen Privatissimum in Wien. Ich hab das als Hobby gemacht, er als Hauptstudium. Gerade darum ist mir schleierhaft, was man in so einem Institut Verwertbares und Lesbares erlernen kann – außer dem Aufbau eines Netzwerk, in dem man sich gegenseitig bepreist.

  45. Literaturhipster
    Ich muss mich glaube ich mal als absoluter Ignorant outen. Ich will von moderner, zeitgenössischer Kunst nichts wissen. Weder bei der Musik, noch beim Theater oder der Literatur gefällt mir da etwas. Ab und an mache ich mich einmal schlau nur um dann wieder meine Vorurteile bestätigt zu bekommen. Ich mag in der Regel alles was alt ist. Ich lese auch sehr viele englische und amerikanische Kassiker. Ich fühle mich bei alten Büchern und alter Musik viel eher zuhause als bei jüngeren Werken. Mich stößt an modernerer Kunst am meißten ab, dass der Künstler so angestrengt intellektuell oder tiefgründig, neuerdings auch politisch sein will. Was ist denn so schlimm daran ein Werk dem Lieben Gott zu widmen, oder Tafelmusik zu komponieren? Auch einfach mal die Geschichten von Menschen oder Ereignissen wie sie eben sind aufzuschreiben und dabei so manche präzise Beobachtung anzubringen erfreut mich mehr als all das Geschreibsel der Literaturhipster und ihrer Fanboys. Mag sein, dass mir da der Zugang fehlt, aber ich fühle mich immer noch am wohlsten mit Telemann und Oscar Wilde oder Gabrieli und Thukydides.

    • Lieber ExExpat,
      Ihr Statement ist mir in seiner Ehrlichkeit sehr sympathisch. Mir geht es teilweise ähnlich, vor allem was die zeitgenössische Literatur betrifft; die deutsche, wie die englischsprachige. Mein persönlicher „Zeithorizont“ endet mit Max Frisch, dessen „Mein Name sei Gantenbein“ mMn völlig unterschätzt wird. Aber an unsere beiden größten (Thomas und Robert) reicht auch der tapfere mit den Befindlichkeiten seines Egos auf höchstem Niveau ringende Helvetiker nicht ran, finde ich. Immerhin hat letzterer mich dazu veranlasst, mal nach Montauk zu fahren. (M. Walser ist im Vergleich mit Frisch ein Zwerg.)

      Mein musikalischer Horizont endet mit der zweiten Wiener Schule – nach Berg, Schönberg und Webern kam im Großen und Ganzen nichts mehr Wesentliches. Ich habe noch lange versucht, der zeitgenössischen Tonsetzerei etwas abzugewinnen, habe aber vor ein paar Jahren aufgegeben.

      Bildende Kunst – war noch auf der Documenta 1997 und 2002, hatte den Eindruck überwiegend „bemühtes Gebastel“ gesehen zu haben. Danach nicht mehr nach Kassel gefahren, wozu auch. Überwiegend fehlt in der bildenden Kunst das „Sublime“, innerlich und intellektuell gleichermaßen berührende „Bedeutungsüberschüsse“, die über die ästhetischen Defizite des immer tristeren Alltagslebens in der politisch verrotteten und intellektuell bankrotten Bananenrepublik hinweghülfen. Auch hier: Nach dem „Bauhaus“ eigentlich Endstation.
      Also lieber ExExpat – Sie sind nicht alleine. Andere mögen Positione wie die unsrigen „banausisch“ finden – „Was sind das denn für Spießer, wie kann man nur“. Aber da stehen Sie mit Thukydides und ich mit den Metamorphosen lässig drüber. Es ist künstlerisch durchaus späteste Spätzeit, vielleicht sogar Endzeit in jeglicher Hinsicht.

  46. Literaturmarkt
    Wo gibt es eigentlich Zahlen zum Literaturmarkt?

    Ich würde ja gern glauben, dass die Literatur bzw. die Literaten untergegangen sind, wenn die Umsätze einbrechen, während die Anzahl der Produzenten stetig wächst und wir hätten dafür ja auch schon die passende Erklärung. Aber stimmt das auch?

    Selbst die untergegangene Musikindustrie scheint noch zu existieren, zumindest kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, wenn ich beim Friseur sitze, wo ordentlich produzierte Musikvideos abgenudelt werden. Klassik scheint auch gut zu laufen und jedesmal wenn ein Konzert angekündigt wird, sind die großformatig abgebildeten Star-Musiker noch jünger und noch schöner. Der Fundus scheint unerschöpflich.

    Offenbar kann man es sich auch im Untergang bequem machen und den Kulturverfall unbeschadet überstehen, wenn man davon absieht die Marktübertreibung für den Normalfall zu halten.

  47. ''Mein Gott, jetzt hat er's ...!''
    Sir, zum leichten Schweren zu erst:

    Daß ich erkenne, was die Welt
    Im Innersten zusammen hält.
    …(Goethe, Faust I, Nacht).
    Noch ist es ein Ahnen nur, das den Meister in den Quecksilberdämpfen seiner Alchimistenküche ergriffen hat. Aber im Laufe der Jahre wurde es gesichertes Wissen:
    Die Erde wird nicht explodieren, durch nichts auseinander getrieben. Sie wird bei der Verarbeitung der Sekundärrohstoffe des Alls mit aller Materie der Milchstraße unausweichlich vom schwarzen Loch im Zentrum unseres Milchstraßensystems aufgesogen … Bis dieses Ereignis eintritt, ist bereits seit vielen Millionen Jahren alles Leben auf der Erde erloschen, jedoch wieder nicht durch die Explosion des Erdballs.

    „Nein, es wird nicht geschehen. Der Mensch beherrscht nicht die Natur, sondern er ist ein Teil der Materie, die den Prozessen und Kräften, den ständigen Veränderungen des Universums unterworfen ist, wie jedes andere Element, wie jede Zustandsform in Raum und Zeit.“
    „Eben jene Veränderungen des Universums könnten die Erde mit einer kosmischen Katastrophe treffen und die Menschheit mit Vernichtung heimsuchen!“
    Hinnerk ließ nicht locker.
    „Diese Wahrscheinlichkeit ist in euren Kolonien auf anderen Himmelskörpern gleich groß. Es gibt kein wohlbehütetes Paradies.
    Und die Menschen werden keines erschaffen.“
    „Dann sind auch die Werke des Menschen, seine herrliche Kunst und Literatur, nutzlos?“
    „Nach dem Menschen ist nichts mehr, was das braucht oder damit etwas anfangen wird.“
    „Aber es könnten doch Besucher aus dem Weltraum Interesse an den Hinterlassenschaften haben!“
    „Da war nie irgend wer gewesen, und es wird auch kein anderer kommen.“
    „Trotz der vielen Anzeichen Außerirdischer, die zunehmend gefunden werden?“
    Die „Wilde Horde“ schien sich zu aktivieren.
    „Anzeichen? Es sind die Wünsche der Menschen nach Nachbarschaft und ihre Suche nach Erklärungen für scheinbar unmögliche Dinge. Besucher aus anderen Welten würden ihre Intelligenz weder verstecken noch verschlüsseln. Es gibt sie nicht.“
    (Aus Bernard del Monaco: Die abenteuerliche Reise zu den schwarzen Löchern).

    Die Literatur wird jetzt erst untergehen, vernichtet werden, und nicht zwischen Stuck und Edelparkett im Bücherstübchen zu Graz. Bedauerlich, dass die Veranstaltung Sie so traumatisiert hat. Ein paar Kilometer weiter behauptet sich ein Wettbewerb jedes Jahr aufs Neue mit den Literaturversuchen von Neulingen.
    Literatur gab und gibt es, solange es die Sprache und das geschriebene Wort gibt. Genau hier sehe ich das Problem, denn die Geschichte kann noch ganz anders ablaufen.
    Es könnte dem himmlischen Vater arg missfallen, dass ein Teil seiner Erdenkinder sich so viel Macht und Gewaltpotenz angemaßt hat, dass sie andere große Gruppen, ja Völker, in seinem Namen vernichten können. Im Fall der Islamisten haben sie nicht nur die Achtung vor dem Leben anders Denkender verloren, sondern auch den Respekt vor ihrem eigenen. Unausweichlich droht ihnen ihre Vernichtung durch die Familie der Völker. Werden sie dann, statt den Sprengstoffgürtel, alles vernichtende Atombomben zünden? (Bernard del Monaco: Droht ein neuer Atomkrieg?)
    Erfüllt sich diese Version der Menschheitsgeschichte, könnte das Strafgericht Gottes über das frevelhafte Treiben seiner Erdenkinder schon mit dem Verlust der Sprache einhergehen. Etwas Derartiges soll es wohl schon einmal gegeben haben.
    Und tatsächlich, Sir, erkennen Sie so Zwang und Notwendigkeit des Klassenkampfes.

    Mit fielen Grüssen,

    Bernard del Monacos

  48. Literarische Einkehr
    „Doch nicht genug damit. Selbst die gesuchte Nähe der Götter reichte dir nicht. Du wolltest wissen, was v o r i h n e n war. Du, Mensch Hinnerk und Wissenschaftler, wolltest das Universum zu deinem Labor machen: Du wolltest s e h e n, wie sich alles aus dem Punkt entfaltet, die Energie dahinströmt, die Materie sich in neuem Dasein Raum und Zeit erobert. Selbst die Freisetzung des Es wolltest du beobachten. Nun existiert es, es ist da, und es hat dich die Wahrheit wissen lassen. Was willst du mit der Wahrheit machen?“
    Es fiel ihm bereits schwer, dem Sinn der Worte aus dem Es zu folgen, doch bemerkte er, dass der große Sonnenball über ihm kleiner und dunkler geworden war.
    Er war am Verglimmen.
    Hinnerk fühlte sich schlecht. Ein letztes Mal vermochte er unter Aufbietung aller seiner Energie der Dunkelheit einer Ohnmacht zu widerstehen. Der anstrengende Disput mit dem Es zehrte an seinen Kräften. Sein Organismus war bereits so geschwächt, dass er Mühe hatte, seine elementaren Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Doch stimmgewaltig, hart und niederschmetternd, einem stürzenden Wasserfall gleich, strömten die Worte, die Sätze, aus dem wogenden wallenden Es auf ihn nieder:
    „Nun weißt du es – wie es war und was wurde.
    In elementaren Zügen hat dich das Es erkennen lassen, was sein wird.“
    „Was wirst du mit deinem Wissen machen?
    Wirst du nun mit der Wahrheit brutal den Menschen Angst machen?
    Soll die Liebe angesichts des Unausweichlichen erlöschen, sollen die Kinder ihre harmlosen Spiele einstellen?
    Sollen die Wissenschaftler aufhören zu suchen, die Philosophen das Leben nicht mehr erklären, die Weisheit zu leben, nicht mehr lehren?
    Soll der Glaube an das Gute durch dumpfe Banalität ersetzt werden, die Frömmigkeit auf dem Weg in das ersehnte Paradies im Jenseits, durch Kulturlosigkeit, Gewalt und Gesetzlosigkeit im Diesseits, die Menschen auszeichnen?“
    Was sich Hinnerk als Aufgabe der Forschung annahm, ihn stolz und stark machte, die Kraft seiner Gedankenarbeit forderte, drohte ihn jetzt als überdimensionale Verantwortung des Wissenden zu erdrücken.
    „Die Menschen wollen das geheimnisvolle Dunkel ihrer Herkunft, wollen den Glauben an eine göttliche Schöpfung ihrer selbst.
    Ihr Bild vom Sein soll eine Ordnung haben, wie alles in ihrer erkennbaren Wirklichkeit und ihren Vorstellungen geordnet scheint. Es nimmt ihnen den Schauer vor einer unwillig zu erkennenden Vergangenheit, gibt ihnen die Hoffnung und den Optimismus für den Erhalt ihrer Einzigartigkeit.
    Die Menschen wollen nach den Geboten der steinernen Gesetzestafel leben, wollen die Philosphie religiösen Glaubens, die Anleitung zum Leben aus der uralten Erfahrung der Kirchenväter, der Propheten, der Weisen mit ihrer Götterwelt.
    In deiner kompromisslosen Suche nach der Wahrheit, nach Wissen, bist du selbst hartherzig geworden.
    Willst du nun mit der absoluten Wahrheit die Menschen erschrecken, sie mutlos verzagen lassen? Sollen sie die Achtung vor dem Leben verlieren, die Liebe erlöschen? Soll ihre fundierte Wissenschaft sinnlos erscheinen, ihre Philosophie in Bedeutungslosigkeit versinken? Verstummen nun ihre schönen Lieder, ihre Musik? Wird ihre Literatur durch Missachtung verfallen, das Menschheitsbewusstsein nicht mehr pflegen? Werden sie mit ihrer kunstvollen Sprache, die sie selbst geschaffen haben, nicht mehr den Göttern huldigen und um Vergebung, Erbarmen und Befreiung bitten?“
    Doch Hinnerk reagiete nicht. Bedurfte er nun selbst der Vergebung und Erbarmung?
    Der Klang der Stimme blieb fest, nahm jedoch wieder versöhnliche, verständnisvolle Töne an. Das drohende urgewaltige Hin und Her der wogenden Wolkenmassen hatte mit gelben Farbtönen beruhigende Konstanz erreicht.
    Weder Vorwurf noch Vernichtung strömten nun auf Hinnerk nieder.
    „Der Mensch ist gut und kostbar in seiner Einmaligkeit im Universum. Doch im Brodeln der Materie in Raum und Zeit, im Zusammenwirken der Kräfte und der Energie, ihrer Auseinandersetzung mit der Zeit und den Dimensionen ist er schwach und zerbrechlich.
    ‚Über uns muss ein guter Vater wohnen‘.
    Der Mensch will, dass ein allesvermögender Geist über ihm steht, ihn behütet und beschützt, ihn liebt.
    Und er will ihn lieben und ihm Tempel bauen, in denen er Opfer darreichen kann.
    Ihm zur Ehre soll das Hohelied des Dankes und des Lobes erklingen.
    Die Menschen wollen ihre Liebe segnen lassen und die Vergebung des Geistes erbitten, wenn sie schuldig wurden und gefehlt haben.
    Er soll ihre Last tragen, damit dem Menschen der Weg in das Paradies leicht werde.“

    „Mensch sein, in Würde und Achtung vor allem Seienden leben.“

    Hinnerks Atem ging wieder ruhig.
    Es bedarf keiner komplizierten Formel für den Menschen, die Suche nach ihr ist sinnlos.
    Aber die Wahrheit ist da, wo sie ist, nicht nur in den schwarzen Löchern, und kennen sollte man sie schon.

    (Aus Bernard del Monaco: Die abenteuerliche Reise zu den schwarzen Löchern).

    Mit fielen Grüßen,

    Bernard del Monaco

    • BdM (sic!)
      Unterhaltsam, aber es fehlt eine Prise beabsichtigten Humors… Ich befürchte, dem Leser beim Lesem zuzuhören und festzustellen, an welchen Stellen er lacht, würde sie nicht erfreuen.
      Das haben ihre Gedanken übrigens übrigens mit dem gemeinsam, was man heutzutage allzuoft als „Wissen“schaft verkauft, wwober man verkauft durchaus wörtlich nehmen darf.

      Haben sie sich nie die Frage gestellt, ob es die diese Dinge, von denen sie so breit und überzeugend reden, überhaupt gibt?
      Ich meine ausserhalb der Köpfe der Menschen?

  49. Titel eingeben
    Don, was haben Sie eigentlich gegen Canetti, mal abgesehen davon, daß der wohl einen recht zwiespältigen Charakter hatte?

  50. F.U.D. – da bin ich wieder!
    Literatur ist ein Präservativ für leidenschaftliche Ergüsse zelebraler Erektionen, -( stimmt, wir bräuchten mal wieder ein neues Thema – auch ich kanns schreiben nicht ganz lassen..) – und wirkt auf den Mann und die Frau von Welt, gründlich asexualisiert mit abgespreiztem kleinen Finger feinsten weissen Tee vom Dallmaier goutierend, so vollendet eskapistisch wie der FC St. Pauli auf all die vielen Kommissar Thiel Sympathisanten im Land der Currywurst-Buden.

    Wo wird der neoliberale Corporate Capitalism in drei Monaten, in drei Jahren sein? Tyler, Sie stellen mal wieder die zentrale Frage.

    Wie es „die Möve“ schrieb – bei den allermeisten Büchern hat man nicht das Gefühl, man hätte etwas verpasst. Die letzten Highlights für mich waren „Super Sad True Love Story“ von Shteyngart und „Unterwerfung“ von Houellebecq.

    Die Kernfrage der Bedrohung unserer durchaus geschätzten Lebensweise wird dort kaum i.A. verhandelt, wie wir sie retten könnten, noch viel weniger.
    Auffällig im Mediennebel ist die aus der PR-Strategie bekannte Taktik: Fear Uncertainty and Doubt.

    Wer gründlich verunsichert ist, denkt mehr über den richtigen Bundesligatrainer oder das beste Spaghetti-Pesto nördlich der Alpen nach, als über z.B die lächerlichen 1,8 Mia zur Stabilisierung Afrikas und die selbstverständlichen Hunderte von Milliarden zur Stabilisierung unserer Finanzmärkte.

    Der radikale Islamismus ist so etwas wie der „böse Wolf“ – sehr nebulös, sehr psychopathologisch definiert – in erster Linie militärisch zu attackieren, ohne dass man merkt, dass das genau die Strategie ist, die sich dessen Strategen wünschen – eben am Ende als letzter Hort von Menschlichkeit und Gerechtigkeit dazustehen; man muss halt nur ein paar Regeln einhalten, und dann hat man sogar ein ewiges Leben.

    Gerade diese Regeln sind das, was Erlösung von der explodierenden Entropie des kapitalistischen Konsumzwangs bietet, zu der man wenig Zugang hat.

    In dem äusserst informativen FAZ-Artikel von Karen Krüger (Generation Dschihad, 22.11.15) wird klar gezeigt, dass es weniger die religiöse Erleuchtung ist, die den IS attraktiv macht, sondern der gegenkulturelle Entwurf zu unserer immer mehr Verlierer im Rattenrennen produzierenden Gesellschaft.

    1989 ff. hat den Kommunismus ad absurdum geführt, bis auf wenige kleine „gallische Dörfer“ und die Weltherschaft des oligarchischen Corporate Kapitalismus verankert – aber in einer extremen Fragilität, wenn man alles ins Auge fasst, was an finanzpolitischen Hasardismus unterwegs ist, und wie gering die Zahl der Gewinner zur Zahl der Verlierer ausfällt.

    Islamismus ist die letzte Bastion einer Gegenrevolution, die sich nicht wie RAF und Sympatisantenszene auf die marxistisch legitimierte Befreiung der Arbeiterklasse berufen, sondern auf ein transzendentes Reich jenseits von dieser Welt, das –anders als alle radikal kommunistischen Ansätze- schon über ein leidlich funktionierendes Territorium verfügt, und eine hoch aktive Sozialarbeit, die den einstigen Loosern ihre Wirkmächtigkeit und Stolz zurück gibt.

    Wenn wenig kluge Frauen im Kapitalismus davon träumen, von einem stinkreichen Schönling zu ihrer sexuellen Lust moderat hart gezwungen zu werden, und dann die Familie zu kriegen, und Männer ihre Phantasien im Flatrate-FKK-Paradies mit osteuropäischen Dumpingprostituierten ausleben, dann ist es kein weiter Weg zur neuen Biedermeierlichkeit, sexuelle Lust und Befriedigung als rein paarweise Privatsache zu etikettieren, die so notwendig und fast halb so unappetitlich ist wie der Toillettengang.

    Die 68er Gleichsetzung von sexueller Vielfältigkeit und sozialer Gerechtigkeit war nicht unbegründet; wer sich sexuell ausleben darf, muss viel weniger durch Status und Konsum kompensieren, ist selbstbewusster und fragt sich genauer, was er denn selbst will vom Leben – statt nur auf Tweets und Likes Männchen oder Weibchen zu machen.

    Das von mir öfter zitierte Bild aus einem RAF-Film, wo sich deutsche Terroristinnen nackt in einem linken palästinensischen Camp sonnten, zeigt, wie sich die Gegenkulturen weiter entwickelt haben.

    Komplette Verhüllung in der Öffentlichkeit ist auch ein Ausweg aus dem Diktat von Mode und Silikon und Verzweiflung, das die Frauen dabei die schwarze Petra übergestülpt bekommen, ist seit Evas Apfel nichts Neues.

    Wir sollten die Probleme beim Namen nennen, die Gerechtigkeitslücke des Corporate Capitalism in Angriff nehmen, und eine offene Sexualität durchaus medial, durchaus humorvoll, sicher menschlich, ausleben.

    Ich sehe es allerdings als unwahrscheinlich an.

    Ich halte Parallelgesellschaften und asymetrische militärische Konfontationen in naher Zukunft für plausibler; ein lustloses 1984, bis unser System an seiner zunehmenden Komplexität implodiert.

    Was danach kommt?

    Eine Mischung aus China und Iran?

    • Schön zusammengefasst...
      „Wir sollten die Probleme beim Namen nennen, die Gerechtigkeitslücke des Corporate Capitalism in Angriff nehmen, und eine offene Sexualität durchaus medial, durchaus humorvoll, sicher menschlich, ausleben. “

      Und auch gleich die richtige Antwort darauf gegeben:

      „Ich sehe es allerdings als unwahrscheinlich an.“

      Ich befürchte was die „Gerechtigkeitslücke des Corporate Capitalism “ angeht, dann haben die NDS mal wieder die korrekte Antwort

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=29103#more-29103

      Die Moderatorin der Kulturzeit des ZDF fragt Herrn Kühl, was seine Wissenschaft zu den Vorwürfen gegen den DFB und gegen den Volkswagenkonzern, die Weltmeisterschaft im eigenen Land gekauft beziehungsweise die Abgaswerte manipuliert zu haben, zu sagen habe. Regelverstöße, sagt Herr Kühl seien in Firmen und Organisationen normal und nötig, „um flexibel auf Marktanforderungen reagieren zu können“. Unternehmen seien so gesehen „professionelle Heuchler“. Kühl nennt diese Verhaltensweisen im Anschluss an seinen Lehrmeister Niklas Luhmann „brauchbare Illegalität“. Diese garantiere wirtschaftlichen Erfolg, und keine Firma oder Organisation könne auf solche Praktiken verzichten.

      Kühl macht seinem Namen alle Ehre und spricht darüber nüchtern, ohne jede ironische Brechung und ohne einen Hauch moralischer Empörung. Wenn er sagen würde: Man könnte das, was Volkswagen da macht, „brauchbare Illegalität“ nennen, so ist halt der Umgang mit Normen und Regeln im Kapitalismus. So sagt er es aber nicht. Kühl liefert ein Bespiel für das, was man mit dem frühen Sloterdijk Wissenschaftszynismus nennen könnte. Er ist eben Systemtheoretiker, den nur das Funktionieren und das möglichst reibungslose Zusammenspiel der diversen Subsysteme, aus denen eine Gesellschaft zusammengesetzt ist, interessieren. Wie heruntergekommen ist diese Soziologie!? Hegemonial scheint inzwischen eine amoralische, gefühllose Psychopathen-Soziologie zu sein! usw usw

      Um einen der sogar von Don geschätzten morderneren Autoren zu zitieren: “ Alliance – in international politics, the union of two thieves who have their hands so deeply inserted in each other’s pockets that they cannot separately plunder a third. Ambrose Bierce“

      Perfekt passend zu unserem derzeitigen besten Verbündeten Erdogan:

      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/27/merkels-pakt-mit-den-komplizen-deutschlands-dunkle-stunde/?comments=1

      (Ich weiss eine zweifelhafte Quele, die aber immer öfter Recht hat….)

      Und dazu ein Detail

      http://www.heise.de/newsticker/meldung/Tuerkische-Journalisten-wegen-Bericht-ueber-Waffenlieferungen-in-Haft-3025015.html

      Jemand, der wie ich weit weg wohnt, findet auch solche Meldung interessant: vdL und das Merkel haben beschlossen die Bundeswehr in Syrien mit-bombardieren zu lassen? Ihr meint also in DE tatsächlich, man müsse den IS Leuten noch ein Motiv mehr geben um deutsche U-Bahnen auf ihre Ziel-Liste zu setzen?

  51. die Dame mit den himmelblauen Augen
    http://www.zeit.de/1996/34/A_blede_G'schicht_aus_Wien

  52. Admont gesehen haben ...
    und Kremsmünster ebenbürtig finden.

  53. Cool
    Lässiges Photo, Ew. Liebden.

    In rahmengenähten Tretern. Und hoffentlich weit der illustren Gedanken eines Ambrose Bierce (von dem hatte ich noch nie gehört – gracias) entfernt. Aber, wer mit Hunden einschläft, darf sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht. Tragisch. Ich denke, sie haben ihn einfach abgeknallt, diese Plebejer. Ein unwürdiges Ende für einen Gentleman, der er sicherlich war.

    Wir kennen sein Grab leider nicht. Das von Saint-Exupéry befand sich ja auch neben dem eines Deutschen Prinzen.

    Aber, das war wieder ein schöner Beitrag, der uns an Gegenwart und Vergangenheit in gewohnt nachdenklicher Weise gemahnt hat. Kompliment.

    • Sie haben nie von Ambrose Bierce gehört?
      Das ist ja tragisch :-). Das Wörterbuch des Teufels ist unverzichtbares Handwerkszeug jedes politisch oder/und historisch Interessierten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  54. Ihre Folgedefizite!
    Hallo, TDV!

    Wirr geschrieben,
    unverstanden gelesen,
    Kindergartendaumenlutscherdefizite.

    Wen nimmt es wunder, dass D froh ist, Sie weit weg zu wissen?

    Mit fielen Grüßen,

    Bernard del Monaco

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