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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Helikoptereltern zwischen Fahrradhelm und Bruchlandung

| 113 Lesermeinungen

Hier kommt Kurt, ohne Helm und ohne Gurt
Frank Zander – für B. aus B.,  seinen Sohn und den Singer

Uno, dos, tres, natürlich fragt sich das ganze Land, wie man Kinder so erzieht, dass es ihnen später einmal besser geht. Fraglos ist “besser“ ein Lebensumfeld, in dem Zwänge wie Arbeit und Erwerbsleben für viele nur optional sind – bereichernd, sicher, aber das wäre doch nicht nötig. Ich zum Beispiel schreibe nichtswürdige Texte über sozial Fragwürdige am Tegernsee und damit in einem Landkreis, dessen Millionärsdichte höher als die Hartz-IV-Dichte woanders ist. Es geht uns besser und wenn das Kind anderer Leute ebenfalls besser leben soll, so kann man sich hier einiges bei der Erziehung abschauen. Zum Beispiel beim sonntäglichen Sport.

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Dieser Hügel hier heisst “Osterberg“ und findet sich gleich links hinter der Mangfall, am Beginn des Tegernseer Tales. Vom See bis zum Gipfel sind es rund 90 Meter, und derer 40 verteilen sich auf eine Alm, die abzulichten mir vom Arbeitoderwasmanhaltsonenntsplatz aus möglich ist. Im Sommer stehen hier die Kühe, im Winter dagegen lernen die Kinder hier die allerersten Grundlagen des Umgangs mit Schnee: Andere einseifen, Schneemann bauen, den Berg hinunterrutschen, rodeln und sogar Stürze mit den Skiern. Egal ob Wochenende oder werktags, hier herrscht bei Schnee immer buntes Treiben, Kinder jauchzen, gottverdammte Schadmünchner parken mit ihren dreckigen Leasing-SUVs die Strasse zu, dass kein Bentley mehr durchpasst und Grosseltern freuen sich, dass alles wie früher ist.

Wichtig ist es natürlich, dass dem Nachwuchs nichts passiert. Und passieren kann hier viel, denn schon der nächste Berg ist dann voller Wald und engen Schneisen, die erste Skipiste beherbergt schon Skicross-WM-Läufe, und die Krankenhäuser wissen, dass mit dem Schnee auch Menschen fallen und sich alle nur möglichen Knochen brechen, wenn sie ungebremst in den Bergwald abfliegen. Das ist hier am Osterberg natürlich anders. Niemand könnte einen Rodelhang für Kinder besser erfinden. Er ist fast komplett baumfrei, bietet oben ein schönes Panorama über den ganzen Tegernsee, und das Geländeprofil ist absolut kindersicher. Vom Plateau aus geht es erst sacht bergab, dann wird es steil und schnell, aber bevor zu schnell wird, wird der Berg in einer langezogenen Kurve flacher.

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Das heisst, die Kinder auf den Rodeln und Schlitten und Bobs erreichen eine relativ hohe Geschwindigkeit, die sie jauchzen lässt. Aber es wird nie zu schnell. Es ist wie das Leben der Vermögenden: Gut, aber auch kontrolliert, absehbar und sicher. Sorglos. Es ist ein wirklich sorgloses Vergnügen. Kinder bekommen hier einen Vorgeschmack auf das, was ihnen das Leben zu Füssen legen wird: Viel Spass, der sich lange hinziehen wird. Und Eltern, die ihnen jetzt den Rodel hoch schleppen und in einigen Jahren auch das Auto und die Wohnung kaufen. Alles ist sicher, alles ist gut, und wenn Sie nun denken, das sind aber Helikoptereltern – dann haben Sie recht. Aber anders, als Sie glauben. Denn dieser schöne, lange, gerade Hang hat durch ebensolche Helikoptereltern vom Tegernsee aufgeschüttet an der Stelle, wo es besonders steil und schnell ist, eine Rampe, die steil in den Himmel zeigt.

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Was Sie hier sehen, sind die Eltern eines gerade abhebenden Helikopters. Dieses Luftgefährt, das im übrigen keinerlei Helm oder sonstige Schutzkleidung trägt, hat es auf einem schwer steuerbaren und harten Plastikrutscherl also hierher geschafft und überwindet unter Ausnutzung der Physik bis in etwa ein Meter Höhe die Schwerkraft, bevor es sich dann mit aller Wucht in den Boden rammt. So einen Aufschlag höre ich bis zu mir auf die Terrasse, selbst wenn die Eltern nicht johlen würden. Aufgrund der systemimmanenten Instabilität – etwa wie bei einem modernen Kampfflugzeug oder einem Hubschrauber – erfolgt der weitere Bewegungsablauf in einer Wolke aus Schnee mit einem Überschlag, noch einem Überschlag und noch einem Überschlag.

Und die Eltern sitzen daneben und machen Bilder.

So ist das in besseren Kreisen; Als mein Vater das Skifahren lernte, hat er ein ganzes Cafe abgeräumt, mir hat mein Onkel einen Schubs in den Bergwald gegeben, und es erfüllt mein Herz mit Wärme zu sehen, dass es neben der Genration Fahrradhelm auch noch eine Generation Bruchlandung gibt. Und zwar nicht nur dann, wenn die Eltern ihre Kinder eine Sekunde allein lassen, sondern mit Billigung und extra steiler Rampe in den blauen Winterhimmel hinein. Ich wohne hier seit einigen Jahren, immer sind hier Rampen, dauernd kracht etwas zu Boden – und noch nie sah ich einen Sanitäter. Ich selbst mache da übrigens nur nicht mit, weil mir auch im höheren Alter schmale, vereiste Rennpisten mit engen Kurven im Bergwald mehr Lebensfreude als nur so eine Rampe geben. Man wird nie zu alt, um harten Sex Spass mit der Schwerkraft zu haben.

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Aber ich denke, dass Kinder dort drüben etwas Wichtiges lernen: Dass man sich selbst in Gefahr bringen kann, dass man öfters mal die Kontrolle verliert – aber dass es danach weiter geht. Man wird aufstehen, den Schnee abschütteln, und es nochmal versuchen. Das ist so eine Haltung, die ich von Kindern aus meinem Umfeld oft kenne: Eine gewisse Sorglosigkeit dem Leben gegenüber. Das weitgehende Fehlen der Zukunftsangst. Ich lese, während es draussen kracht und schreit, Europa 1925 des britischen und vermögenden Reiseschriftstellers Robert Byron, der sich mit seinen Freunden, ohne zu wissen, worauf er sich einlässt, auf eine Reise nach Athen über Deutschland und Italien begibt. Dauernd geht etwas schief, die Technik versagt, Zöllner werden rabiat und es könnte immer schlimm enden – aber die Protagonisten haben eine unerschütterliche Zuversicht in das Kommende. Und ich denke, diese Zuversicht können Kinder erwerben, wenn sie ganz fest anschieben, damit sie später möglichst hoch fliegen.

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Was aus der umsorgten, watteverpackten Generation Fahrradhelm wird? Vielleicht voll aware Menschenfreunde, die für alles und jeden Safe Spaces fordern. Kontrollfreaks wie ihre Eltern. Schwanzeinzieher, wenn dann jemand kommt, der sich einen Dreck um ihre Regeln kümmert, und dann lieber kulturelles Verständnis fordern, auch wenn es längst um alles geht. Die Leute, die immer die neueste Alarmanlage haben und trotzdem schlecht schlafen. Reichtum ist vererbbar, aber Ängste sind es auch.

Und falls sich da drüben doch mal ein Kind etwas brechen sollte, ist es halt Bekanntschaft mit Herrn Darwin. Individuell tragisch. Aber angesichts der biologischen Prädestination der Eltern unter Verzicht auf Pille und Kondom genetisch ersetzbar. Wir haben ohnehin eine historisch einzigartige Überlebensquote bei minimalen Risiken und weltweit führender medizinischer Versorgung. Ein paar blaue Flecken, die ich selbst auch überlebt habe und jedes Jahr überlebe, erscheinen mir ein geringer Preis für das richtige Bewusstsein dem Leben gegenüber zu sein. Der Zeitgeist sieht das anders und fordert natürlich Radhelme und Vermögenssteuern und Empathie für Leute, die uns nicht vorgestellt wurden. Auch so kann man schon bei den Kleinsten Klassen erzeugen. Die einen wissen, wie man fliegt und purzelt. Die anderen wissen, dass man immer aufpassen muss. Die einen sehen die Sonne und die anderen den Lichtschutzfaktor. Die einen sehen die Berge und die anderen, wie man in Bayern so schön sagt, mit dem Ofenrohr ins Gebirg.

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Also, wenn da eine Rampe ist. Drüber. Mit Gebrüll.

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113 Lesermeinungen

  1. Ich verspüre eine gewisse Erleichterung, denn nach dem letzten Text
    … und den Reaktionen darauf hatte ich schon befürchtet, dass das hier ein Forum für Susis und Cologne-Spray (vulgo CS-Gas)-Käufer wird.

    Lieber zurück zum Juuu-Äässss-Peee:
    Nur die Harten kommen in den Garten.

    • Ich muss um Nachsicht bitten, wenn ich noch zwei andere Beiträge zu der leidigen Thematik bringe – es ist einfach wichtig und es macht sonst keiner. Aber ich verschiebe den Schwerpunkt wieder auf altbekannte Themen, keine Sorge.

  2. Schön war die Zeit
    Joa verreck, dr Don.
    En recht aldr Kiddel hosch ah.
    Guad siasch aus!

    Ja, Wehmut alter Zeit überfällt mich auch der Tage.

  3. Meister der immer anderen Provokation! Ja Sie, Don!
    Fein gebellt.
    Gerade erst vorm EC-Schalter-Kabüffchen gewest und vor 4 hohläugigen Breitbeinern geschlottert und nu das hier … ?
    ;-) Ein Schelm.

    Und nebenan bei Ihrem Arbeitgeber (auf Feuilleton/Debatten) wird gerade von Ihren Kollegen räsoniert und Zukunfstangst erzeugt:

    Die neuen Roboter
    Wir schaffen uns ab

    Schön, gell.

    Und da wundert man sich hier beim kinderlosen Don sein Blog (Dialekt-Genitiv), dass Eltern immer ängstlicher werden, ob ihr Nachwuchs das Leben meistern wird? Und dass sie ihre Kleinen mit einem Übermaß an physischer Ängstlichkeit und auch mit Übermaß an Bildungsangeboten (Nachhilfe auch bei guten Noten, dreisprachiger Kindergarten etc.) traktieren und überfordern?

    Ja, basht sie bis ans Ende ihrer Tage, dass sie doofe, überkandidelte Helikoptereltern sind!

    (Schön aber die Bezeichnung ‚Helikopter‘ für das Kind, hab sehr gelacht, fein.)

    Wohl wahr, man wird in Zukunft Schmerzlose und Tapfere brauchen.

    Denn uns geht die Arbeit aus und auch Bildung wird es nicht mehr richten, dass es viele geben wird, die keine Stellung mehr finden.

    Auch wahr:
    Da hilft für das Kind nur noch ein Elternhaus, das wohlhabend genug ist, seine überstudierten ähm überqualifizierten Nachkommen über 30+ zu ernähren und ihnen spätestens ab 50 ein Erbe zu hinterlassen.

    Immer tapfer vorwärts
    Der andere Gast

    Der sich wie andere unerschrockene Kinder auch damals seine Sprungschanzen für die Kumpelchen der gleichen Straße selbst gebaut hat.

    Üble Prellungen und Platzwunden hatten wir Rotznasen jedoch nicht zu knapp. Aber kein großes Gejammer gemacht, den Eltern wurde möglichst wenig gesagt, wenn es sich verheimlichen ließ; und nächsten Tag wieder rauf. Hach, waren wir unerschrocken.

    Der heutige Arbeitsmarkt hingegen (wir sind jetzt alle mindestens 40ü) jagt uns TAPFEREN VON DAMALS ALS WIR JUNG WAREN dennoch Schrecken ein, was ist wenn man mit 50 aussortiert wird? Stichwort Jugendwahn der Arbeitgeber. Und sorgen uns für unsere Kinder/zukünftigen Enkel noch mehr.

    • Grosso Modo: Man wir Reiche immer brauchen, denn wer sollte sonst die Gewinne kassieren, Mieten verbraten und andere ausbeuten? Das sollte man nie vergessen, man hat eine historische Bedeutung. Und das wiederum kann einem keine Maschine abnehmen.

    • ;-)
      Ja, die historische Bedeutung der Reichen …
      Ohne sie keine Kunstwerke, keine nackerten Statuen, keine Gemälde. Was würden wir tun in unserer Freizeit zur Erbauung, wenn sie nicht wären, die Reichen.

      Ob das so bleiben wird?
      Oder ob sich die historische Bedeutung der Reichen nicht doch wandeln wird?

      „Autos kaufen keine Autos“, das ist ein alter Spruch und wird Ford zugeschrieben. Ob die Zuschreibung zu Ford stimmt, wissen wir nicht. Dass der Satz eine gewisse spiralige Wahrheit birgt, ist ziemlich gewiss. Zmindest ahnt man es seit langem.

      Heute jedoch am Tag 28 eines nixnutzigen Jänner im nixnutzigen 3. Jahrtausend dichtet Ihr linker Umtriebe völlig unverdächtiges Organ auf der bereits erwähnten Feuilleton-Debatte folgenden hochverdächtigen Satz:

      HDWF! (Holla die Waldfee!)

      „Doch je weniger Menschen an der Wertschöpfung finanziell beteiligt sind, desto weniger können sie noch die Waren kaufen, welche die Maschinen produzieren.“

      Frage an den Meister aller provokativen Wirk-Texte:
      ;-)

      Wie lange werden die Reichen noch reich sein, wenn ihre Produkte niemand mehr kaufen kann?

      Und:
      Werden sie dereinst ihren Zinsfuß fressen, wenn man schon Geld nicht essen kann?

      Nix zu danken.

    • Wenn die Produkte niemand mehr kaufen kann...
      Es wird an alles gedacht.
      Man ( ich glaube die Versicherungswirtschaft) ist dabei, sich den
      Marktpreis von Produkten auszudenken, für die es keinen Markt gibt.

      Jetzt kommscht Du.

    • @anderer Gast
      So gern ich ihnen ja zustimmen würde, aber ich befürchte da ist mal wieder der Wunsch der Vater des Gedanke.
      Sowas passiert, wenn einem in jungen Jahren die Idee, es gäbe da sowas wie eine Gerechtigkeit auf dieser Welt. einkonditioniert worden ist, und man aus irgendwelchen Gründen nie dazu kommt, dies mal zu hinterfragen….

      Wann hat Henry Ford den Satz gesagt? Und was hat sich seitdem geändert?

      Man kauft Autos ja auch schon lange nicht mehr. Im Blog können sie doch lesen, dass die einen auf Steuerzahler Kosten leasen, und die anderen ihre Bentleys, wie alle wirklichen Wertgegenstände sorgsam behandeln.

      Das Thema des Blogs ist ja auch ein ganz anderes, es ist das Thema, das mit beim Lesen am frühen Morgen, um 5:00, stets ein fröhliches Grinsen ins Gesicht schiebt.

      Ich liebe Fahrrad Helme… auf den Köpfen anderer. Man erkennt sofort an wen man seine Zeit nicht verschwenden sollte.

      Draussen beginnt es zu dämmern, der Hund wird unruhig, die Welt ist schön. Gestern Nabokov zugehört… „Die alten Bücher haben unrecht! Die Welt wurde an einem Sonntag erschaffen!“

      Schauen sie sich das Bild von Don und Schlitten an… er geniesst das Leben und hat Recht damit.
      Wenn Ihnen, anderer Gast, so ein Erbe zugestanden worden wäre, hätte sie es abgelehnt?

  4. Darwin
    Lieber Don,

    sind Sie das, in natura, auf Bild 4? Aber: „Ein paar blaue Flecken, die ich selbst auch überlebt habe und jedes Jahr überlebe, erscheinen mir ein geringer Preis für das richtige Bewusstsein dem Leben gegenüber zu sein“ – warum nicht in der Sparkasse, siehe vorhergehender blog? Bzgl. Darwin: empfehle Lektuere der Darwinpreise (http://www.darwinawards.com/), obwohl Risikonahme in Folge von Abenteurn, Sport u.a. von der Praemierung ausgenommen sind. Eingeschlossen sind hingegen „idiotische“ Risiken, definiert als solche Situationen, wo es keinen offentsichtlichen Nutzen gibt, und der Endeffekt hauefig sehr toedlich ist. Maenner scheinen diese Kategorie klar zu dominieren (>90% der Preise gehen an die Testosterongemeinde), Frauen bevorzugen vielleicht abstraktere Risikomodelle, die nur langsam toeten, und dann bevorzugt andere. Womit wir wieder beim anderen blog waeren…

    Cheers,
    Der Onkel

    • Ja, das bin ich.

      Man darf bei den Darwinawards nicht übersehen, dass die meisten Tode keine guten Geschichten liefern. Bevor ich klug an der Maschine krepiere, mache ich das lieber dumm mit einer Maschine bei zu hoher Geschwindigkeit.

    • Titel eingeben
      Quack der Bruchpilot aus Drucktales!
      (Das konnte ich mir nicht verkneifen)

    • Von Fahrrad oder Schlitten fallen ist m.E. die reine Koketterie.
      „Bevor ich klug an der Maschine krepiere, mache ich das lieber dumm mit einer Maschine bei zu hoher Geschwindigkeit.“
      Und wer räumt den Matsch dann auf? Eben. Bisschen stillos so ein Abgang. Oder?

      Ich vermute, Don, Sie wurden noch NIE aus der (Lebens)Kurve getragen. Sie haben also das wahre Abenteuer wohl noch vor sich. Sturzhelm hin oder her. Sie würden, so sehe ich das zumindest, völlig anders schreiben. Denke ich mal.

    • Die Wölfe, hoffe ich. Die wölfe und keine Pudel,

      Sie wissen wenig über mich und das ist auch gut so.

    • Gott sei Dank - gilt öfter, als man gelegentlich selbst glauben mag.
      Ein solides, akzeptiertes Maß an Unwissen, so ließ sich mal jemand zitieren, ist die Voraussetzung fürs Glücklichsein. Dieser Hinweis kann gar nicht ernst genug genommen werden. Aber schon für ein ganz normales äußerst durchschnittliches Menschenleben ist ja dieses Unwissen außerordentlich wichtig.
      Mein Mitgefühl ist, weiß Gott, kein ausuferndes. Aber „Reich-sein“ (trotz sicher der einen oder anderen Freude) scheint mir doch eine ziemlich anstrengende Angelegenheit zu sein. Aber man sucht es sich ja nicht wirklich selbst aus. Wie auch nicht diese Plastemützeneltern. Irgendwann kommt, so oder so, die Rechnung.

  5. Kinder
    Schön beobachtet.
    Und mal ein anderer Ton betreffend Nachwuchs; so kann es nämlich allen Beteiligten Spaß machen.

    • Naja, das ist theoretisch aber auch schon die Kirsche auf dem restlichen kuchen. Und den Rest würde ich persönlich nicht runterbringen.

  6. Ein herzhaftes und befreites Lachen
    schoss mir am Ende dieses zauberhaften Textes ins Gesicht – als wäre ich selbst über die Rampe geflogen. Danke, dass Sie mich fliegen liessen.

  7. no risk no fun
    Drüber, mit Gebrüll (früher bekannt als „Hurrah“)…
    Oder um einen bekannten ehemals regierenden Bürgermeister zu zitieren: „…. und das ist auch gut so!“.
    Wir haben früher auch ohne elterliche Überwachung gerodelt, ohne Mobiltelefon und Streckenposten, und haben es überstanden.
    Eine gewisse Lebenslust gehört auch dazu, die lernt man auf solche Weise, damit kommt dann die Gewissheit dass es mindestens gut ausgehen kann. Die anderen werden mausgraue Bürokraten mit Absicherungsdenken wie sie mir hier arbeitstäglich auf den Korridoren begegnen.
    Nur mit Missmut und „latches and belt“ Denken führt man keinen Staat aus keiner Krise. Letzter Halbsatz zwar nicht grammatikalisch korrekt, aber annähernd boarischer Sprachduktus.
    Danke für den schönen Beitrag und die Bilder.

    • Ich bin als Teenager mit dem Rad an die Cote dAzur und keinen hat es gestört, das galt als völlig normal. Nur mit Bargeld, ohne Karte. Und als das Hinterrad zusammenbrach, war es halt so.

      Es gibt natürlich Mentalitätsunterschiede. Nur bekommt man am Ende keinen Orden für besonders risikoarmes Leben ohne Spass. Daraus speist sich dann die Midlife Crisis.

  8. Titel eingeben
    Stimmt im Prinzip, hab leider in meinem Beruf schon zuviel gesehen, um angstlos durchs Leben zu gehen. Ich gäbe alles dafür, sogar mein Rennrad!

    • Ich glaube, dass ein Bewusstsein für Risiken etwas anderes als Angst ist. Und ersteres muss man sich halt erlernen.

    • Sein oder nicht sein? - Denk nicht mal dran. Keine Frage
      Lieber Gast,

      sind wir doch dankbar für ein bischen (sehr, sehr, sehr) viel Rückrat.

      Mein Gott!
      Früher war es selten – heute ist es rar.

      Ich habe gelernt aufmerksam zu sein.
      Vor allen für Menschen die ich auf meinen Weg treffe.
      In denen ich den MENSCH erkenne.
      Deshalb:

      SEI STARK – DU BIST NICHT ALLEIN!

      Wir brauchen jeden. Hab keine Angst.
      Gib nicht auf.
      Weil du Freunde hast-
      Gib nicht auf-
      Du bist noch nicht geschlagen.
      Gib nicht auf-
      Ich weiß du machst es.*

      * Mr. Peter Gabriel (1986)

      Sei Du selbst – mehr kannst Du nicht sein!

      Vertrauensvoll
      Dr. Seltsam

  9. Sie sind ein Optimist
    „Was aus der umsorgten, watteverpackten Generation Fahrradhelm wird? Vielleicht voll aware Menschenfreunde, die für alles und jeden Safe Spaces fordern. „

    Nach ein paar Ski- und Schlittschuh-Erfahrungen mit meinem fahhradbehelmten Patenkind steht für mich fest: aus denen werden rücksichtslose Egomanen, die Safe Spaces nur für sich und ihre Interessen fordern und sich um ihre Mitmenschen überhaupt nicht scheren. Dazu kommt, dass sie potentielle Gefahren überhaupt nicht einschätzen lernen.

    Mit sechs Jahren bepackt wie ein Eishockeyprofi auf dem Eis – bremsen lernen? Für wen? Ihm passiert ja nichts. Und wenn das eigene Kind dann ein paar Mal über den Haufen gefahren wurde, kommt es das nächste Mal auch in Vollausstattung Funktionskleidung und Helm auf die Piste/ das Eis.

    Meine nostalgischen Erinnerungen an Armbrüche vom Schlittschhfahren und Waldabfahrten vor Grunschulalter erspare ich Ihnen…

    • Das ist ein Problem mit den Sicherheitsreserven – wenn die da sind, werden sie auch in Anspruch genommen. Das sieht man bei den durchaus hässlichen Unfällen mit Carvingski – die gleiten schneller durch die Kurve, man muss wenig können, nicht so wie früher, aber wenn nur eine Kleinigkeit passiert, geht es gleich heftig ab. Dazu dann die vereisten Kunstschneepisten – so schnell schwindet die Sicherheit.

    • Ganz richtig, liebe Babs!
      Eine verblüffend ähnliche Art der Erziehung „genießt“ auch die männliche
      Brut muslimischer Familien. Von Mammi, Papa, unzähligen Tanten, Nichten,
      Onkels und dergleichen gnadenlos gepämpert, dann auch noch im zarten
      Alter (gekleidet wie ein Generalgroßadmiral) mit dem Blutsiegel beschnitten, wird der Wicht zum bedingungslosen Anhänger seiner
      rücksichtslosen machistischen Gemeinde. Grandios subventioniert wird das
      durch die totalitär aufrechterhaltene Unterwürfigkeit der Frauen.
      Bei meinen Aufenthalten in muslim. Ländern wurde ich als Mann IMMER
      nur gefragt wieviel Söhne ich habe. Und zwar vom Pazifik bis zum Atlantik
      läuft das in koranistischen Kreisen. So wird die breitbeinige Unverschämtheit gezüchtet, welche uns täglich auf allen Straßen und Plätzen im Weg ist.

    • @D.A., Mail vom 28.1 um 18:27
      Jede dem Nutzer verständliche und bekannte Sicherheitsfunktion wird mittelfristig kompensiert. Dazu gibt es den schönen Begriff der Radarkollision, z.B. im Spiegel, als der noch lesenswert war:
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46209464.html
      Die Darwinsche Sammlung wurde ja schon erwähnt; immer wieder einen Blick wert. Und natürlich der Schutzheilige der Ingenieure, Murphy: http://www.murphys-laws.com/murphy/murphy-true.html/
      Zusammen mit dem Peter-Prinzip die Erklärung für das Kanzleramtsbesetzungssymptom.

      Vielleicht sollten auf Fahrersitzen PS-starker Boliden die Sicherheitsgurte und für hochrangige Politiker die Staatspensionen abgeschafft werden?

      Schöner Gruß
      M. A.Titz

  10. Osterberg: Safe space
    Mir scheint, die grössere Herausforderung ist es heutzutage, die Kinder ohne Elternbegleitung mit dem Schlitten alleine zu einem Abenteuerspielplatz wie dem Osterberg laufen zu lassen. Darwin kommt doch eher im Strassenverkehr zu seiner Geltung angesichts der SUVs, Motorräder und (OK, im Winter weniger) Rennradler, die durchs schöne Tegernseer Tal rasen.

    Das Vertrauen und den Mut aufzubringen, die Kinder diesem Risiko auszusetzen wäre ein echter Disktinktionsgewinn der Tegernseer Elternschaft gegenüber dem Münchner SUV-Gschwerl: „Meine Kinder laufen noch selbst zum Osterberg“.

    Ansonsten ein schöner Text, danke.

    • Gern geschehen, bitte. Ih glaube, das sind einfach so Moden. Das ändert sich vermutlich auch irgendwann wieder. Diese hysterischen Mütter erträgt auf Dauer keiner.

  11. Titel eingeben
    europe in the looking glass.
    sehr schoen.
    ein geschenk?
    wir erwarten die besprechung.

    • Eine Besprechung wird es sicher geben, ich weiss nur noch nicht wo.

    • Titel eingeben
      „Road to Oxiana“ von Byron ist auch sehr zu empfehlen. Sowohl als Lektüre als auch zur Inspiration für eigene Fahrten. Meine Ausgabe enthält Fototafeln, und seither beneide ich die Generation meiner Eltern, die noch relativ gefahrlos auf dem Hippie Trail bis Kabul fahren konnte, so wie Byron in den 1920ern es tat.
      Wenn ich mich recht erinnere, geschah das damals auch unter finanziellen und sonstigen Umständen, die eine Unbefangenheit erforderten, wie sie die Kinder auf dem abgebildeten Hügel zeigen.

  12. Titel eingeben
    Nur zu Kommunikation mit Stalkerin freigeschaltet, bitte ignorieren. Don

    • Ich habe nicht die geringste Ahnung, was Sie hier wollen, aber ich weiss ganz genau, das ich weder Ihre Kommentare – deswegen werden sie auch gelöscnt – noch einen Besuch will. AUF. GAR. KEINEN. FALL,

  13. Risiken und Buchteln mit Vanillesauce
    Ein Risiko bestand für mich und meine Geschwister darin, bei unserem konkreten Tun von unserer Großmutter (die Mutter war arbeitsbedingt nicht so präsent wie die Großmutter) erwischt und zur Verantwortung gezogen zu werden. Es galt stets den (Lust-)Gewinn gegen das Risiko das man erwischt wird oder es anders ausgeht abzuwägen (nennt sich heute Risikoanalyse). Und wenn es mal anders ausging, sprich das Risiko einen traf; die Buchteln mit Vanillesauce meiner Mutter/Großmutter trösteten über so manches Rendezvous mit dem Risiko!

    • Das Schöne ist hier ja, dass die Eltern das genauso gemacht haben und wissen, wie es läuft. Die Auswilderung ist bei uns im dorf sehr wichtig.

  14. Lebensfreude
    …vermitteln und lernen lassen, wie mit Risiken umzugehen ist – vermutlich die beste (einzige?) Moeglichkeit, Kinder gesund heranwachsen zu lassen – zu selbstbewussten und selbststaendigen Individuen.

    Was hat die Generation der Babyboomer als Eltern falsch gemacht, dass die jetzige Generation der 20-40-jaehrigen ist wie sie ist? Gibt es eine Chance fuer die jetzigen Grosseltern, bei der Enkelgeneration Schlimm(er)es zu verhindern?

  15. Angstlust
    und Vergnügen am Fliegen, behende und geschickte Kinder – aber
    von Volksschullehrerinnen höre ich, daß Kinder keinen Purzelbaum mehr kennen! Die migrantischen Kleinkinder der Vorstadt kommen nur bei Excursionen mit dem Kindergarten in Berührung mit Schnee. Aber im nahen kleinen Park mit kleinem Mugel rutschen dann doch die Buben auf Kartons aus dem Altpapiercontainer – Improvisation ist alles!

  16. Das Vorrecht der Kinder auf Freiheit
    Dank für diese Hommage für die Freiheit, als Vorrecht der Kinder, welche den Kindern heute nicht immer vergönnt wird, selbst wenn die Eltern durchaus die Voraussetzungen besitzen.

    Die Helikopter-Eltern stellen sich für meine Begriffe vor allem dadurch dar, wie sie mit einem möglichst vollen Zeitplan die Kinder managen, um sie von klein an für die Welt der freien Märkte fit zu machen. Selbst die Wahl des Kindergartens ist heute eine besondere Entscheidung: klassisches Beispiel ein Kindergarten mit Chinesisch- und Englisch-Unterricht.

    Unsere Töchter besuchten in Hongkong einen Kindergarten, welcher in den Mid-Levels nur zwei Treppen unterhalb unserer Straße lag. Der Kindergarten war familiär und sehr freundlich. Niemand wäre auf die Idee gekommen, darüber nachzudenken, ob das ein „besonderer“ Kindergarten sei, er wurde halt von den Kindern aus der näheren Umgebung besucht. Auch wurden dort keine besonderen „skills“ erlernt, sondern gebastelt, gesungen und gespielt. Heute residiert der gleiche Kindergarten in einem luxuriösen Komplex, als Preschool für 3-5 Jahre, berechnet vermutlich astronomisch hohe Monatsgebühren. Die Website sieht aus wie die einer Elite-Uni, auf der Home Page rühmt sie sich mit Attributen wie „Excellence – Community – Tradition“;
    ein Auszug aus dem „Preschool Mainpage“ (für 3-5 Jahre):
    „Significant focus is placed on developing the whole child (physically, socially, emotionally, spiritually and cognitively). […]Families are encouraged to be involved in their children’s educational journey and play an active part in the school community.“
    Unter „Preschool Learning Approach“ heißt es: we aim to develop in each child, his or her maximum potential for lifelong learning. […]We implement a dual curriculum…..

    Der Kindergarten unserer Töchter ist inzwischen helikopterisiert. Die heutigen Kindergartenkinder werden später in ihre Vita die Kindergarten-Zeit eingeben, etwa: 2016 – 2019 Preschool XY, und schon weiß man, dass ihnen der angemessene Start ins Leben zuteilwurde, von klein an. Das macht sich gut in der marktkonformen Bewerbung zwecks optimaler Entfaltung des Leistungspotenzials.

    Die Kinder der Helikopter-Eltern sind auch kaum noch unter sich, ohne Aufsicht. Während ich und auch unsere Töchter noch in einer Gruppe mit anderen Kindern zum Schwimmen, Skilaufen und Schlittschuhlaufen gingen, durch die Wälder stromerten, kutschiert die Helikopter-Mom die Kinderchen von einem Ort zum anderen, und die Moms sitzen dann zusammen und quatschen und achten immerzu auf die Kleinen, damit diese bloß kein Ungemach erleiden.

    Welch ein Glück, frei aufgewachsen zu sein und dies auch den Kindern [noch] ermöglicht zu haben! Als Kontrastprogramm zu Hong Kong zogen wir in Deutschland in eine Kleinstadt, wo wir mitten im Landschaftsschutzgebiet in einem Reetdachhaus am See leben durften, wo jeder jeden kannte und die Kinder noch ähnlich frei aufwachsen konnten wie ihre Mutter (dort, wo die Kinder so früh Skilaufen lernen, dass sie später – so wie beim Laufenlernen – sich nicht mehr daran erinnern, dass sie das extra üben mussten.)

  17. Schönes Foto
    Sehr schönes Foto, das mit dem Schlitten. Der Schlitten im Mittelpunkt und dieser mittelalte Herr dürfte sich daneben stellen.

  18. Göttlich amüsiert
    Sehr verehrter Don! Vielleicht wird das ja nicht freigeschaltet, aber ich möchte Ihnen doch gerne melden, wie göttlich ich mich über Ihren Risk-analysis Artikel amüsiert habe. Mit herzlichen Grüssen aus dem schneefreien Niederlande
    L.H.

  19. Schade, dass der Schnee schon wieder geschmolzen ist
    …zumindest hier an einem anderen bayerischen See, wo man sich gerne ähnlichen Vergnügungen hingibt.
    Sie scheinen mir als Familienvater nicht ungeeignet. Sie müssten sich ja nicht mit einer dieser Feministinnen zusammentun, denen ohnehin zu viel Beachtung geschenkt wird.
    Es wäre doch schade, wenn Sie dieses Feld den SPON Redakteuren überlassen….wobei der mir noch aus Schulzeiten bekannte, bei den Mitkommentatoren hier eher unbeliebte Schorsch Diez auch sehr nette Kinder hat.
    Danke für den schönen Text!

  20. Was sehen da meine Augen?
    …einen wunderschönen Torggler? Das sind wenigstens noch Rodel… (wobei den wenigsten der Unterschied zum Schlitten bekannt sein dürfte) ;-)

  21. Tja, auch richtige Kunstfigurjungs werden nie erwachsen, bloß
    deren Spielzeuge werden teurer.

    Immerhin ist die Radfahrer- ähem-Schneevelopest dort offenbar non grata, welch ein Segen, deswegen viel Vergnügen auch weiterhin.

    • Erwachsen!
      Gott behüte!
      Ich bin bald achtzig und zum Vergügen von Umwelt, Weib und Kindern
      nicht erwachsen. Bei dem Wort wird schamhaft oft das „v“, das Fau,
      meine ich, vergessen. Was leider allzuoft der Präzision halber nötig
      sein möchte. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…….wirds nix mit
      dem Himmel“. So ähnlich hat mal einer gesagt, dessen göttliches Wissen
      heute noch weltweit Furore macht.

  22. ???
    Angst = Schutzgefühl vor Selbstzerstörung(Selbstverwundung)?
    Selbstgestellte/gemachte (Aufgaben-)Bedrohung?
    Furcht(Flucht?)= Schutzgefühl vor Fremdzerstörung(Fremdverwundung)?
    Fremdgestellte/gemachte (Aufgaben-)Bedrohung?
    Panik…Gefühl(s)chaos…direkte Lebenbedrohung?
    Bewußtsein-(bewußte Sein)-Angst;(-Sein)-Furcht;(-Sein-)
    Panik…(Bewußtsein-Wahrnehmung-)Situationen?

    Ich habe keine Angst…ohne Helm…aber Furcht…vor 4…um Leib und Leben?
    Bewußtsein, Wahrnehmung…Selbsteinschätzung…A.F.P.-Überwindung
    Mut-Maß…Gefahr-Maß…Kalkül-Tat…Chaos-Tat…Erinnerung?

    Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.
    Benjamin Franklin

    bedeutet, offene Grenzen und kämpfen…Furchtüberwindung?
    geschlossene Grenzen…Furchtgesteuert…Panikgesteuert?
    Angstgelenkte „Durchlässigkeit-Grenzen“…Aufgaben-Angst, weil innerer Stärkemangel?

    Wer die Vernunftbildung Bescheidenheit aufgibt um der
    (Erfolg-Macht-)Gier nachzugeben, der wird am Ende alles verlieren?

    …gilt weltweit?

  23. Auswilderung findet heute nicht mehr statt
    zumindest sehe ich keine in meinem Umfeld und mein schlesischer Bekannter, Vater einer Tochter, berichtet, dass sein Kind sehr selbständig sei, nicht überbehütet, es aber mehr als genügend Kinder in der Klasse gibt, denen die Eltern den Ar… nachtragen. Die Eltern sind, wie die Kinder mit Verschlimmerungspotenz dann einmal werden.
    Wir werden’s nicht ändern und ich bin zum Glück zu alt, die mal erwachsen werdenden Kinder noch zu erleben.

    Ich schwelge grad in Erinnerungen an meine Auswilderung, Froschlaich im Bach, Äpfel auf Bäumen, die Bauern gehörten, Möhren und Kohlrabi vom Feld des Gärtners und und und. Schulverordnetes Kartoffelkäfersammeln war igitt, aber abends dann die im offenen Feuer gebrutzelten Kartoffeln entlohnten jede Mühe. Den Winter lasse ich außen vor, mir war immer zu kalt und das Schlittenziehen zu mühsam. Nur allein im Schneemannbauen war ich richtig gut, die waren immer viel größer als ich und ich war ein langes Elend. Meine Güte, ist das lange her…

    • Kalte Füsse
      Hallo Reni,

      nie so kalte Füsse gehabt, dass Du sie nicht mehr gespürt hast.
      Nie vom Kumpel von deinem großem Bruder (Sptizname „Boxe“) 3 Kilometer auf dem Schlitten heim gezogen worden weil DU nicht mehr laufen konntest.

      Ich schon.

      Und wenn ich IHN treffe … geb ich ihm die Hand.
      Und ich weiß – er kennt mich noch!

      Reni:
      Aber jetzt bist Du groß – nicht mehr elend. Stimmt`s?

      MfG
      Dr. Seltsam

    • Hallo Dr. Seltsam
      mein Pech war, einen kleinen Bruder zu haben, den zu ziehen ich mich weigerte. Und dabei hätte ich so gern einen großen Bruder gehabt, war aber irgendwie nicht einzurichten.

      Aber sonst war’s schön, im Sommer in der Weser gespielt, die dann nur aus einem dünnen Rinnsal bestand, Stichlinge gefangen, Sauerampfer gegessen, abends dann mit Fieber im Bett, den Eimer daneben, die Mutter ausnahmsweise mal besorgt, bis sie raus hatte, warum ich wie ein Reiher spuckte… oh ja, das waren ganz andere Zeiten.

      Heute ist das Elend ein anderes, aber was soll’s, man kann’s eh nicht ändern, also muss man da eben durch. Wie ging das, davon geht die Welt nicht unter?

    • Genau, liebe Frauke,
      das hatte ich bei meinem Post im Ohr und es ist immer wieder schön ;-) Danke.

  24. Mal so halb O.T.
    Der Beitrag „Vier unhöfliche Männer haben nichts mit dem Islam zu tun“ ist aus der FAZ-Liste der Blog-Beiträge verschwunden… während sehr viel aufregendere, zB zum Thema „Machen Hunde beim Tierarzt Katzen krank?“, der aus dem November 2015 stammt und in dem vier Kommentare hängen, weiter aufgelistet wird…

    ???

    • Neue Verschwörungstheorie?
      Wenn sich manche Gewissheiten „auflösen“, darf auch mal ein Blogbeitrag verschwinden :-))
      Tatsächlich ist es wie mit Ihrem (oder meinem) Geld: Der Beitrag ist nicht weg, nur woanders:
      http://blogs.faz.net/stuetzen/2016/01/26/vier-unhoefliche-maenner-haben-nichts-mit-dem-islam-zu-tun-5965/

    • Wenn ich einen neuen schreibe, rutscht der alte eis runter. Das ist alles.

    • Schock!
      Mann! Haben Sie mich erschreckt! Doch wirklich, mein Blutdruck
      schoß spontan in die Höhe. Sofort habe ich nachgesehen und das
      geniale Essay vom Don „Vier Männer“, gleich gefunden.
      Fehlalarm, großes Aufatmen, Blutdruck wieder normal.
      Bitte, tun Sie das nicht wieder.

    • Zwar stehen jetzt schon Hinweise hier darüber , lieber TDV,
      aber eine kleine Zusatzerläuterung kann nichts schaden:

      http://blogs.faz.net/

      zeigt rechts neben dem Avatar:

      ~~~~~~~~~~~~~~~~
      Stützen der Gesellschaft

      Helikoptereltern zwischen
      Fahrradhelm und
      Bruchlandung
      ~~~~~~~~~~~~~~~~

      „Stützen der Gesellschaft“

      enthält die Verknüpfung zur neuesten Geschichte UND zu denen davor:

      http://blogs.faz.net/stuetzen/ ,

      „Helikoptereltern zwischen
      Fahrradhelm und
      Bruchlandung“

      lediglich die zur jüngsten UND deren Kommentaren:

      http://blogs.faz.net/stuetzen/2016/01/28/helikoptereltern-zwischen-fahrradhelm-und-bruchlandung-5973/ ;

      bei Deus ist es ebenso:

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~
      Deus ex Machina ( http://blogs.faz.net/deus/ )

      99 Gründe, warum Sextips
      Trottelplattformen auch
      nicht retten ( http://blogs.faz.net/deus/2016/01/24/99-gruende-warum-sextips-trottelplattformen-auch-nicht-retten-3101/ )
      ~~~~~~~~~~~~~~~~~

      Bei Tierleben geht es halt ruhiger zu – seit 16.12.2015 – sonst wird denen noch der Hund (lecker, lecker!) in der Pfanne verrückt…

    • @Walter Claassen
      Bei mir müssen sie genau mitlesen… Ich habe nicht gesagt, dass der Beitrag verschwunden ist, ich habe völlig zu Recht festgestellt, dass der Link auf Homepage verschwunden ist.

      Wie sagt man so schön? Nur weil Sie paranoid sind, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht verfolgt, bzw. heute sagt man: überwacht werden… ;-)

      Don hat es ja hinreichend erklärt, warum meine Beobachtung korrekt war.

      @Frauke Amgelin
      Der Link zu dem Beitrag von dem ich sprach ist WIRKLICH verschwunden, wenn auch ohne Zensur.

    • Es gab einmal einen Fall, da hat ein übereifriger Typ was gelöscht. Der Beitrag kam aber wieder, und der Knall war danach wirklich laut. Ansonsten gibt es hier keine Eingriffe.

    • Titel eingeben
      Ich werd mir angewöhnen den direkten Link zu versenden, und nicht emppfehlen auf der Blog Seite der FAZ nachzusehen, denn da ist er nun mal weg. Hab mich halt gewundert weil ein Bekannter nachgefragt hat.

      Ich werd mich schon nicht überarbeiten dabei… ;-)

  25. Rätsel
    Also wie wollen sie es jetzt, schnell, aber nicht zu schnell, Risiko und doch Absicherung durch Vermögen, Robert Byron oder Patrick Leigh Fermor, Fitzgerald oder Bertie Wooster?

    • Ich will vor allem Privilegien, den Umgang damit entscheide ich ad hoc.

    • Aha
      Und wenn das andere auch wollen, diese ad-hoc-Privilegien, dann ist das aber wieder böse von denen.

      Verstehe einer wer will.

  26. Sehr schön...
    Vom Fahrradhelmträger zum Wilkommensjodler…wirklich eine erstrebenswerte Zukunftsperspektive.
    Aber sich selbst moralisch zu erhöhen und dabei nichts zu riskieren ist halt doch ein bisschen wenig für ein ganzes Leben.

  27. scho besser so...
    Lieber Herr Alphons,

    nach der Sparkassenfoyernummer wähnte ich Sie, den unerschrockenen Bezwinger der Alpen, schon auf dem Weg ins Sanatorium… das klingt heute schon besser. Weiter so;-)

  28. En vain-ummesunschd
    hat sich Don in überstürzter Eile, so finde ich, ein neues Thema ausgedacht um von den vielen bohrenden Fragen des aktuellen Alltags abzulenken? Mir schien das vorrangehende noch nicht in Gänze abgearbeitet. Vergebens wie, wie die ersten Blogreaktionen es zeigen. Die raspailschen Visionen mit „den Menschen vom Ganges“, aus dem Jahre 1973 manifestieren sich von Tag zu Tag deutlicher. Wobei sich der gute Jean mit der geographischen Verortung der ersten Welle der Wohlstandssuchenden um mindestens 11 nördliche Breitengrade geirrt hatte. Das alte Assur mit Damaskus liegt auf ungef. 33,5 Grad Nord, das alte Kalkātā liegt auf ungef. 22,4 Grad Nord. Aber dass sich Raspail mit dem lostreten der ersten Welle vertan hat, wird für die Zukunft allenfalls für diejenigen von Bedeutung sein, die unsere „Kultur“ so zwischen 2016 und ca. 2040, also im Jahre 24 n.M. übernommen hatten.
    .
    Bevor zum Thema, kurzer Zwischeneinwurf: „Ich zum Beispiel schreibe nichtswürdige Texte über sozial Fragwürdige am Tegernsee und damit in einem Landkreis, dessen Millionärsdichte höher als die Hartz-IV-Dichte woanders ist“. Weit gefehlt Don, ihr Blick ist allzu sehr auf Ihr Bayernland fokussiert. Nehmen Sie sich einmal das „sowohl als auch“-Beispiel Pforzheim (bei uns kurz „Pforze“) zur Brust. Diese Stadt, haarscharf auf der Rasierklinge schwäbisch-badischer Befindlichkeiten, der einst die Römer wegen der Durchgangsmöglichkeit ins Land der Barbaren den Namen „Portus/Porta“ gaben, steht mit knapp 40% Migrantenanteil und (Statistik von 2005 total überholt) einer falschen Hartz4-Empfängerquote von vierzig auf tausend sowie der höchsten Arbeitslosenquote in B.-W.–eine der höchsten Millionärsdichten (nicht Einkommensmillionäre!) Deutschland entgegen.
    .
    Zum Thema: Sinnierend stehe ich morgens vor dem Frühstück an meinem priviligierten Hanglagenfenster und betrachte die Kolonne der wummernden mindestenssechszylindrigen (leasing?) SUV´s auf der Rollbahn zur Gesamtschule mit denen die autochthonen lieben Kleinen, befreit von jeglicher Witterungsunbill und der Gefahr in tierische Hinterlassenschaften zu treten in ihre Bildungsstätte verbracht werden. Zur Mittagszeit das gleiche, aller et retour („Waisch, Jonas-Alexander, d´Mamma hods eylig, se hed en Termin beym Friseer“). Wirklich spassig wird es dann, wenn der Papa, auf dem Kunstrasensportplatz da unten, sollte denn wirklich die Schneedecke einmal 5 cm erreicht haben, beim ungeschickt ausgeführten Rollen einer Schneewalze für den Schneemann mit Sicherheitshinweisen derart zur Hand geht, dass bei der Gesamterstellung des Werkes für den Nachkömmling nur noch die Handreichung der finalen Karotte übrig bleibt. Viel spassiger, je nach Sichtweise, ist es dann den nach der Schule vom Balkon herab den gemischtherkömmlichen Jugendlichen beim Ballspiel zuzuschauen-und vor allem zuzuhören. Hier kann man noch was lernen. Zum Beispiel die freimütige Zuweisung von Nachkommenschaften im Gefolge von bisher randständig betrachteten Professionen, Professionen denen man eine der ältesten Ausübungshistorie nachsagt. Aber, sind Sie mir bitte nicht böse, wenn ich in diesen Jugendlichen diejenigen sehe, die später, wenn die vom Ganges auch noch kommen, die stärkeren Ellenbogen ausfahren werden als diejenigen, die den Faust auswendig lernen und von der Mamma stets per SUV zur Schule und zum Reitstall speditiert wurden.
    .
    Ach, da gäbe es bei der Betrachtung der Schneemannbauenden noch vieles aus der Kiste der Fünfzigerjahreerinnerungen heraus zu kramen, als Kind, im Wesentlichen tagsüber oma-edukiert, die Eltern hatten ja zu dieser Zeit in Zwölfstundentagen die Grundlage dafür zu schaffen, dass heute dieses Potentialunterschiede zwischen dem Minus auf der anderen Seite der mediterranen See und dem Plus diesseits besteht. Kaum die Hausaufgaben auf dem eben geräumten Mittagstisch hingeferkelt, aber immerhin dem Nachmittag ein gutes Gewissen mitgegeben, stießen wir um mindestens eine Stunde zu spät auf diejenigen, die damals noch unbegendert und nicht omabehüteten „Schulkameraden“ hießen. Sie hatten uns eine Stunde voraus, also mindesten einmal die sprungschanzenverursachte Fahrt in den noch nicht ganz zugefrorenen Bach und eine blutige Unterlippe voraus. Und das alles in einer Bekleidung, selbstgestrickt, aufzutragen in der Reihenfolge der Schwestern, kurze „Affenjäckchen“ ohne Tatzensymbole, über den Laibchen erste Gendervorzeichen in Form von „Turnhosen“ à la Ali-Baba, am späten Nachmittag steifgefroren wie Bretter.
    .
    Und ja, Bekleidung. Verehrter Don, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht ihr Schlittenfahr-„Aufzügle“ (neckarfränkisch für Gwand) copyrighten zu lassen? Mein erster Gedanke (sollte Ihnen nicht peinlich sein): Like Jagdtfliegergöringalsernochschlankwar. Damals im ersten, also „La Grand Guerre.“ Hat die Via Montenapoleone schon Kontakt aufgenommen? Mein Gott, jetzt fehlt nur noch, im Frühjahr bei der „offenen“ Ausfahrt nach Friaul, der Kleppermantel, der mit den Düsen am Rücken. Allsdann.

    • Danke für diese schöne Vorlage
      “ … [der Vater, d. S.] mit Sicherheitshinweisen derart zur Hand geht, dass bei der Gesamterstellung des Werkes für den Nachkömmling nur noch die Handreichung der finalen Karotte übrig bleibt.“

      Sehr schöne Vorlage von Ihnen: der bauseits Architektur-optimierte Schneemann-Bau, wie er nicht sein soll. Das arme derart frustrierte Kind!

      Wo die Ursache suchen

      Sind das nicht auch die Auswirkungen der beruflichen Daueroptimierung, der der Vater, die Mutter ausgesetzt sind? Er/sie merken gar nimmer, wie durch hochoptimierten Perfektionismus, den man aus dem Beruf nach Hause schleppt, die Kleinen dauerfrustriert werden und fremdbestimmt werden. So wie sie selbst trotz äußeren Wohlstands fremdbestimmt sind.

      Weiter oben hat jemand gefragt, was denn genau die Babyboomer-Generation falsch gemacht habe.

      Ich denke, gegenüber den Kindern nicht so arg viel, wie oft herumgehöhnt wird.

      Sie sind meist deutlich netter zu ihren Kindern als ihre eigenen, oft autoritären oder gar abwesenden oder stumpfen Väter nach dem Krieg es je waren. Aber zu sehr. Vielleicht sind sie in ihrer Gegenreaktion auf die beleierne Stumpfheit, die selbst z.T. erfuhren, wegen ihrer eigene oft rüde, teils lieblose, wenig aufmerksamen Erziehung ihren eigenen Kindern gegenüber zu aufmerksam, zu nachgiebig und zu perfekt. Das ist so mit Gegenreaktionen, die verbessern wollen. Pendelausschläge gegen immer bis ans Limit.
      (Werden aber schwächer im Laufe der Zeit)

      Den Rest erledigte die berufliche Sozialisation des Babyboomers und seiner Nachfolgekohorten, wo die Anforderungen an Perfektion oder an geglaubter Perfektion immer mehr nach oben geschraubt wurden und werden. Ohne diese üble, oft unfreiwillige, Dauer-Selbstoptimierung und ohne fast unmenschliche Perfektion (muss oft in vielen Firmen, dass man weder mental noch fachlich irgendwelche Angriffspunkte bietet, sonst gibt man Konkurrenz-optimierten Mobbern Steilvorlagen) haben viele oft keine Überlebenschance im Berufsleben mehr, oder denken es sei so.

      (Schön, wenn es noch Firmen gibt, wo man das nicht muss, sondern freier arbeiten kann, wo sind die? Bitte melden!)

      Das macht was mit einem. Eine/n, der überall auch zuhause perfekt sein will. Da bleibt es halt privat nicht aus, dass man so eine übergestülpte, einem fremde Mentalität innerlich mit nach Hause nimmt wie unfreiwillige Überstunden oder Akten.

      Brainwash.

      Mir tun daher diese sogenannten Helikoptereltern eher leid.
      Sind sie nicht eher dauergestresst und gebrainwasht?
      Und daher nicht entspannt?

      Wo die geschmähten Helikopter-Eltern aber Recht haben

      ndustrie 4.0

      Sie wissen im Umkehrschluss nur zu genau, dass, wenn sie ihr armes Früchtchen nicht daueroptimieren, es im Berufsleben des Industrie 4.0 noch mehr ins Rattenrennen geschubst wird wie sie selbst schon sind. 50% der zur zeit noch vorhandenen Arbeitsplätze werden in den nächsten 20-50 Jahren weiter entfallen.

      Ich bin ja gegen Industrie 4.0 ;-), aber was hilfts, wenn interessiert’s dass ich es nicht mag, es ist schon im Anmarsch.

      Nur sollten sie dann ihre Kleinen nicht überaufmerksam körperlich und mental verzärteln.

      Sondern ihnen den Sprung über die Klippe, die Abhärtung gönnen. Sie werden als zukünftige Arbeits-Lemminge Klippen-Abhärtung brauchen für ein Selbstbewusstsein weit jenseits dem, das man heute schon braucht.

      Ab und an eine Schramme oder eine Prellung sind noch gar nichts, Rippenbrüche müssen es eigentlich sein.

      Viele Kinder können nicht mal einen Purzelbaum in der Schule, weil sie von zuhause gar nicht wissen, dass man einen machen kann, ohne die gestylte Bodenvase gleich mit zu erwischen.

      Dazu braucht man für einen zukünftigen knallharten Überleber-Typen (transl.: survivor) einen semi-gefährlichen oder XXL-gefährlichen Garten mit Teich zum potenziellen Ersaufen, mit viel Löcher-Wiese und alten Bäumen, bei denen schon mal ein morscher Ast mitsamt Kind runterkracht in die Brennesseln (so etwas hatte ich noch). Oder halb so gut: einen guten Abenteuer-Kinderspielpaltz in der Nähe, auf dem nicht gleich die Hundekacke liegt.

      Und jetzt bin ich bei den von Don gelobten Tegernseer Eltern.

      Die können es dem Anschein nach also erlauben, ihre Kinder ‚auszuwildern‘ (= einfach mal alleine ins andere Viertel oder über die eine mäßig befahrene Bundesstraße zum Rodelhügel oder zum Kinderspielplatz zu gehen zu lassen und sich das Schnäuzchen auf dem Rodel aufhauen zu lassen. Wie wir damals, der Schmerz lässt immer schön nach und alles wird gut.)

      Woanders ist die Gegend leider deutlich unschöner, unsicherer für Kinder.

      Im Bochumer Arbeiterviertel (gibt es das noch?) oder auch schon im Auto-bessenen Audi-Ingolstadt würde ich mir als Elter sehr gut überlegen, das Kind alleine zum Rodelhügel oder zur Schule laufen zu lassen. Im Zweifel dagegen entscheiden.

      Ist schon fies argumentiert, pauschal ohne genau hinzusehen gegen Helikopter-Eltern zu lästern, weil sie einen schon mit ihren komischen Kindernamensgebungen nerven.

      Ich will mal eine Lanze für sie brechen:
      Ihre Kinder haben zwar komische nervige Namen. Aber: Sie sind zu Recht vorsichtig.

      Sie beschützen heute ihre Kinder zu Recht, wenn sie nicht gerade auf dem autolosen flachen Land wohnen (wobei: wo gibt es das noch, auf dem flachen Land wird mehr gerast als in der dicht befahrenen Stadt). Zu Unrecht sind sie allerdings auch oft zu tüddelig zu ihren Kindern.
      Gratwanderungen.
      Sind nicht leicht, sondern anstrengend. Wer wollte es ihnen verdenken, sich im Zweifel zu sehr beschützend zu geben, dauernd schauen andere zu und geben Kommentare, ob sie als Eltern genügten. (Das nervt auch.)

      Ich bin für mehr Empathie, Umsicht und Nachsicht, auch Helikoptereltern und ihren nervenden Paul-Alexanders gegenüber.
      Moderne Kinder müssen für Indsutrie 4.0 sehr früh lernen zu nerven! Wie sollen sie denn sich später im Beruf durchsetzen? Das schafft nur der, der am meisten nervt. (Modell

    • Titel eingeben
      …ich hab keine Ahnung, wie Industrie 4.0 aussehen wird. Oder gar die Welt um uns herum in ein paar Jahren.
      Ich denke nur, wer einmal im Käfig sitzt, hat es verdammt schwer, da wieder raus zu kommen und über die anerzogene Angst hinweg Freiheit genießen zu lernen.
      Oder gar kreativ zu werden, sich selber was auszudenken, eigene Wünsche groß werden lassen und zu verfolgen – egal ob das notwendige Geld dafür da ist oder nicht.
      Und ich glaube, die werden gewinnen, die noch gelernt haben Kaninchen das Fell über die Ohren zu ziehen und bei der Oma das Glück erfahren haben, wie man aus ein paar Samen ein Pflänzlein wachsen lassen kann oder aus Äpfeln einen so wunderbaren Apfelkuchen macht.
      Wir hingegen, wir tanzen doch jetzt schon abgehoben ums goldene Kalb – das wirklich Sinnvolle am Leben ist doch irgendwie vielerorts schon lange verloren gegangen.

  29. Titel eingeben
    Habe gerade gelesen,dass Jürgen Dollase bei der FAZ aufhört Was ist da nur los? Geht der Aderlass nach Schirrmacher immer weiter?Bei allem Respekt vor dem sehr guten Strobel y Serra!

  30. Für Laura Dekker im Jahr 2011
    „Wer sein Kind liebt, setzt es dem Strum aus“

  31. Mein lieber Don,
    Das war ja Safe Space Klassismus. Aber es stimmt, wenn man Herrn Darwin arbeitslos macht, muß die Solidargemeinschaft die Folgen tragen.

  32. Titel eingeben
    B. fangen wird zurück gegrüßt und sich nach einer Rampe umgesehen.

  33. girly stuff
    Es gibt unter den HelikopterEltern (wer ist Quentin Tarantino, ein Italiener?) doch tatsächlich einige viele, die eine nicht wirklich smarte polizeitechnikemanzipierte SpyApp auf ihrem phone/ Pad nutzen, um ihren, bereits jugendlichen, doch satisfaktionsunfähigen Nachwuchs, hinterherzuspionieren, statt I Need a Dollar von Aloe Blacc, Album: Good Things zuhören.
    Getrieben von jeweils situativ variable 98% Neugier, 1% Sorge, 1% Vorstellungskraft und 0% Selbstreflexion. Ohne derart ethischmoralisch indifferente, überwiegend fremdimpulsierte BSP-Teilnehmer, würden sich zahlreiche, teils inkriminierte, Arbeitsplätze nebst vieler Marge, auf einem anderen Gebiet umsehen müssen um nicht ungeneriert zu bleiben.

    • Titel eingeben
      dann biste wirklich schon gut an Vollüberwachung gewöhnt und musst dich eben nicht erst umstellen, wenn du weiter hier leben willst.

  34. Was´n Text
    Richtig guter Text. Auf meine alten Tage bekomme ich wieder richtig Lust auf meinen ollen Holzschlitten mit Eisenblech belegten Kufen. Das Gute hat noch einen Ort, auch wenn Plastik zu dominieren scheint.

  35. Plädoyer für die 'besorgten Eltern'
    Möchte angesichts der hier gepflegten freischwebend abgehobenen Elternkulturkritik versuchen, ein paar fehlende Tassen in den Schrank zurückzustellen, in dem sie manche Schreiber scheinbar nicht mehr haben:
    Tasse 1: Stellen Sie sich mal vor Unterrichtsbeginn oder zu Unterrichtsende vor eine Schule außerhalb der städtischen Zentren und Sie können beobachten, dass die weit überwiegende Zahl der Schüler zu Fuß, mit Bus oder Straßenbahn unterwegs ist und nicht mit dem ‚Helikopter‘ gebracht oder abgeholt wird.
    Tasse 2: Besonders im ländlichen Raum sind die meisten kleineren Schulen vor Ort, die es früher gab, geschlossen und stehen nur noch -wie hier im Odenwald- als solide und recht kunstvoll gebaute Zeugen einer Zeit da, in der Bildung auch finanziell noch ernst genommen wurde. Die Kinder verbringen zum Teil sogar Stunden, um mit Bus oder Bahn zu den Schulzentren zu gelangen. Also nichts mit dem Fußweg aus goldenen Zeiten. Bzw. den haben sie dann auch noch von der Haltestelle nachhause.
    Tasse 3: Der Verkehr hat im Vergleich zum goldenen Zeitalter der elterlichen Risikobereitschaft unglaublich zugenommen, was mir Tasse 4 in die Hand gibt: Tatsächlich bringen viele Eltern von Kindergartenkindern selbige auch oft mit dem Auto’kopter‘,(durchaus sind da auch SUVs darunter). Und das kann man ihnen, wie ich meine, unter Berücksichtigung von Tasse 2 und 3 wirklich nicht verdenken. Auch die Entfernungen zu den vorhandenen Kindergärten sind nämlich größer geworden, die Kinder sind noch viel unerfahrener, die Wege viel unübersichtlicher und nebenbei: auch die Generation ‚hart wie Kruppstahl‘ wurde nicht selten noch von den Eltern oder Geschwistern zum Kindergarten geleitet.
    Tasse 5: Die Mütter sind heutzutage -jedenfalls außerhalb spezieller gesellschaftlicher Bereiche- sehr oft berufstätig. Das steht grundsätzlich im Widerspruch zu ihrem normalerweise angeborenen (!) Brutpflegeinstinkt, insbesondere bei Inanspruchnahme der heutzutage so modischen Kinderkrippen. Resultat: permanentes schlechtes Gewissen. Lösung: Überprotektion.
    Tasse 6: Verstärkend: das mobilitätsbedingte räumliche Auseinanderdriften des Familienverbandes, so dass im Unterschied zu früher das Betreuungskorrektiv der Großeltern oft nicht mehr vor Ort zur Verfügung steht.
    Tasse 7: Die Ein- oder Zweikindfamilie. Je weniger Kinder, desto natürlicher ist die Tendenz zur Überprotektion aus Verlustangst.
    Tasse 8: Wo können heute Kinder noch so frei und ‚riskant‘ spielen wie wir es konnten ? Der Nachkriegsidealspielplatz Ruine ist längst verschwunden (und in anderen Gegenden der Welt neu angelegt worden), die Straßen sind nicht mehr bespielbar, die Schlittenhänge,die wir uns mitten in unserer Stadt hinunterkatapultierten, gehören jetzt zu umzäunten Parkanlagen, usw. Also bringen die Eltern ihre Kinder mit dem SUV zum Schlittenfahren in den Odenwald.
    Und: Helme hätten wir damals sicher mit Begeisterung freiwillig getragen, wenn es sie gegeben hätte.
    Bitte um Entschuldigung für diesen humorlosen Spaßverderber-Beitrag in einem Blog, den ich für seine bittere Heiterkeit schätze.

    • Wo steht bitte, dass ich mich auf die Normalität beziehe?

    • Titel eingeben
      Na ja, Rutschbuckel für nach der Schule gibt es ja auch im Odenwald.

    • Hat es da auch Schnee?

    • Verlustangst
      hatten Eltern schon immer und auch der Verlust von Kleinkindern war stets ausgesprochen schmerzhaft. Als sich in der römischen Kaiserzeit relativ viele Menschen Grabsteine leisten konnten, stellten auch weniger betuchte Bürger Monumente für ihren früh verstorbenen Nachwuchs auf, oft mit sehr bewegenden Epigrammen.

      Der Unterschied zwischen Helikoptereltern und dem oberbayrischen Honoratioren-milieu besteht darin, daß an den Rodelhängen des Tegernsees das Leben abenteuerlich bleiben darf, ohne lebensgefährlich zu werden. Das scheint mir die Pointe dieses Blogs zu sein.

    • Und abgesehen von der Pointe gibt es auch noch eine
      Lehre, die da lautet: Besser die Eltern schütten rechtzeitig eine Rampe auf, als dass die Kinder niemals fliegen lernen.

    • Ja, so in etwa. Und halten ihre Kinder frei von ihrer Ieologie, das ist auch ganz wichtig. Sah man bei uns in der Schule mehrfach.

    • Als ich Kind war, schon.
      Und zumeist auch genügend, um so eine Schanze zu bauen. Stacheldrähte damit abgegrenzter Wiesen waren manchmal im Weg…
      Wie es jetzt aussieht? Und ob die Kiddis heute neben allen selbstverbessern-sollenden-Vermarktungsmaßnahmen noch Zeit haben?

      Irgend einen Film mit Schubeck gibt es, wo er sagt: Reichtum ist, wenn Du mit Dir selbst etwas anzufangen weißt (sinngemäß).

      Ich finde, das wird heute schon Säuglingen ausgetrieben. Die werden oftmals sich selbst von Anfang an so entfremdet, dass die ein Leben lang nur ihre Energie brauchen, um sich aufrecht zu halten und ein wenig wieder zu finden.
      Die haben dann halt auch kein Gespür mehr dafür, was sich gut oder schlecht anfühlt – und sind entsprechend leicht beeindruck- und beeinflussbar. Und wenn das bespielen, in welcher Organisation auch immer, endet, stehen sie orientierungslos rum.
      Ja mei. ich freu mich immer, wenn ich Leute finde, die noch sie selbst sind. Vielleicht ein wenig schräg oder knorrig. Nie perfekt, Originale halt. Die ihren Weg gehen. Ihr Ding machen. Und oftmals so ein Leuchten in den Augen haben. Und Lebendigkeit. Eine stille Heiterkeit. Das ist was, was mich bereichert und mir die Tage versüßt.

    • Re. Plädoyer für besorgte Eltern
      Die Freiheit der Kinder, die freilich nur unter bestimmten, günstigen Bedingungen realisiert werden kann, bedeutet nicht, dass diese Kinder unstrukturiert in den Tag hinein leben bzw. kommen und gehen können, wie es ihnen behagt

      Die Zeit, wenn Kinder allmählich selbstständig werden und sich ohne Aufsicht untereinander verabreden, um etwas unternehmen, ist immer auch mit elterlichen Sorgen und Ängsten um das Kind verbunden. Das ist ganz normal.

      Sie nennen Ihren Post Plädoyer für besorgte Eltern. Eltern, welche ihren Kindern mehr Freiheit zulassen, sind nicht weniger besorgt, aber sie müssen lernen, damit umzugehen, sie müssen es aushalten. Daher geht der Prozess nur mit kleinen Schritten vonstatten, muss mit Eltern abgestimmt werden. Es gibt immer Grenzen, die dabei zu beachten sind, und Kinder müssen lernen, diese Grenzen einzuhalten. Mit heranwachsenden Kindern ist das noch wesentlich einfach als mit Teenagern.

      Nur weil hier vielleicht einzelne Geschichten über die positiven Seiten einer sorgenfreien Kindheit erzählt werden, bedeutet das nicht, dass andere, von Ihnen beschriebene Aspekte von den Eltern ausgeblendet werden. Die meisten Punkte sind Selbstverständlichkeiten.

      Überbehütung gab es schon immer. Überbehütung hat meistens etwas mit den eigenen übertriebenen Ängsten und Defiziten der Eltern zu tun bzw. mit der Angst, das Kind Schritt für Schritt loszulassen, damit es den nötigen Raum hat, sich zu entwickeln. Oder es ist, wie Sie das beschreiben, Kompensation, als Versuch, den Mangel an Zuwendung wieder auszugleichen.

    • @Tam.
      Sie haben ihren Lebensstil ja weiter oben geschildert, da kann man relativ leicht reden.
      So lebt aber nun mal nur einen Minderheit und die Politik kümmert sich einen Dreck, wie um alles das die grosse Mehrheit betrifft….

      Bitte nicht missverstehen, ich freue mich für ihre Kinder, dass sie offensichtlich in einer Familie(?) aufwachsen in der man selber denkt. Leider trifft das offensichtlich auf die Mehrheit der Kinder, also der künftigen Staatsbürger, nicht zu. Perfect angepasste und funkltionierende Menschen haben wir ja schon genug….

    • Das mit der Ideologie
      stimmt in Bayern aber nicht so nicht, mein Lieber Don. Als Absolvent eines ebenso bayrischen wie altehrwürdigen humanistischen Gymnasiums musste ich schon in meinen späten Zwanzigern feststellen, daß sich meine ehemaligen Mitschüler langsam aber sicher in Abziehbilder ihrer Eltern verwandelten. Die haben zwar meistens brav Jura studiert und sich nicht in der Meise-, Verzeihung, Katharina-von-Bora-Straße herumgetrieben, aber das mit der Weitergabe der elterlichen Ideologie hat zumindest in meiner Lebenswelt erschreckend gut geklappt.

    • Ja, bei uns auch und so sonderlich toll finde ich das auch nicht – aber man kann den Leuten ja keine Vorschriften machen.

    • ?!
      „Und halten ihre Kinder frei von ihrer Ieologie, das ist auch ganz wichtig.“

      Von meiner … Ideologie! Also – es steht Ihnen selbstredend frei, mich für völlig verblendet zu halten, mein lieber Don. Und bevor ich mit gleicher Münze heimzahle, erinnere ich höflich an das Recht auf Selbstbornierung – verteidigt von Katholiken (von wem auch sonst). Mein Kind hat das tief verinnerlicht, wie ich Ihnen versichern darf und wenn ich auch gelegentlich Einfluss auf seine Handlungen nehme, so bilde ich mir doch nicht ein, seine innersten Überzeugungen steuern zu können (denn es ist ja eben – mein Kind). So kommt es wohl, dass aller „Ideologie“ zum Trotz (es soll nämlich tatsächlich lesen und schreiben und rechnen und noch ein bißchen mehr können – also Dinge, die in der tollen, nunmehr ganz und gar „unideologischen“ Schule des Westens als autoritär aufgeladen, wenn nicht gar preußisch-protestantisch verachtet werden) eine Neigung zum Katholizismus entwickelt hat (es gibt da Verwandte). In Anbetracht der Tatsache, dass ich mich nun regelmäßig beim Frühstück einen Heiden schmähen lassen muss, gibt es da wirklich niemanden, um dessen Seelenheil Sie sich sorgen müssten. Aber Danke für die freundliche Nachfrage.

    • Ideologie zum Zweiten
      In unserem Milieu ist es halt wichtig, die Kinder an der langen Leine zu halten. Denn wer in Bayern zu den Stützen der Gesellschaft gehören will, muss sich seiner eigenen kulturellen und sozialen Überlegenheit sicher sein und dazu braucht es einen gewissen Schneid, den man nur dann entwickeln kann, wenn man auch mal was riskiert. Sonst muss man als Hipster in Berlin oder als PR Fachfrau in Hamburg ein Leben der Angst führen, dass man es den Anderen nicht recht macht, während man als großbürgerlicher Bayer sagen darf, was man sich so denkt, wohlwissend, dass man dabei auch mal aneckt. Das ist in vielen anderen Oberschicht-Milieus ähnlich, z.B. in Großbritannien, wo man im Bullingdon Club mal so richtig die Sau rauslassen darf und gerne auf gewagte Reisen geht. Natürlich wird man dafür dann von weiten Teilen der Bevölkerung gehasst, aber das macht ja nichts.

      So sieht das ganze jedenfalls für mich aus der Ferne aus.

    • Schneid trifft es ganz gut. Wer den nicht hat, hat hier ein Problem.

    • @Altbayer
      „Sonst muss man als Hipster in Berlin oder als PR Fachfrau in Hamburg ein Leben der Angst führen, dass man es den Anderen nicht recht macht, während man als großbürgerlicher Bayer sagen darf, was man sich so denkt, wohlwissend, dass man dabei auch mal aneckt. Das ist in vielen anderen Oberschicht-Milieus ähnlich, z.B. in Großbritannien, wo man im Bullingdon Club mal so richtig die Sau rauslassen darf und gerne auf gewagte Reisen geht. Natürlich wird man dafür dann von weiten Teilen der Bevölkerung gehasst, aber das macht ja nichts.“

      Aber nicht doch, wer wird denn gleich von „hassen“ sprechen, so ein böses Wort!

      The very rich can afford to give offence wherever they go; we need not care for their good opinion. – Jane Austen irgendwo in den gesammelten Werken (habe aus dem Gedächtnis zitiert; Sie müssen Ihre Praktikantin bitten, die Stelle rauszusuchen, falls es Sie interessiert). Habe die Ehre.

    • Googeln kann ich auch
      Und siehe da, Ihr Zitat stammt aus der Filmfassung von 1995. Pride and Prejudice ist im Fernsehen natürlich viel einprägsamer als im Buch. Aber das verstehe ich gut. Mit Jane Austin hab ich’s selbst nicht so. Britische Gesellschaftsromane finde ich generell eher fad – vielleicht mit der Ausnahme von Thomas Hardy – weil das System an sich nie in Gefahr ist und auch fast nie in Frage gestellt wird. Mit dem impoverished gentle folk der Insel konnte ich nie so recht sympathisieren, nicht weil es verarmt sondern weil es apathisch ist.

    • @Altbayer
      „Und siehe da, Ihr Zitat stammt aus der Filmfassung von 1995. Pride and Prejudice ist im Fernsehen natürlich viel einprägsamer als im Buch. Aber das verstehe ich gut. Mit Jane Austin hab ich’s selbst nicht so. Britische Gesellschaftsromane finde ich generell eher fad – vielleicht mit der Ausnahme von Thomas Hardy – weil das System an sich nie in Gefahr ist und auch fast nie in Frage gestellt wird.“

      Googlen nutzt nichts, wenn man nicht weiß, wonach man sucht. Meine Ausgabe Jane Austen – Complete Novels hat ein copyright von 1981 by Crown Publishers, Inc. Der letzte Satz in P&P lautet: „Darcy, as well as Elizabeth, really loved them; an the were both ever sensible of the warmest gratitude towards the persons who, by bringing her into Derbyshire, had been the means of uniting them.“ Andrew Davies (der Drehbuchautor der von Ihnen angesprochenen Verfilmung), hat es sich zur Aufgabe gemacht, die eleganten Sätze und Aussagen von Jane Austen originalgetreu zu bewahren; er weicht nur im Notfall davon ab. Weshalb man seine Filme tatsächlich mit Genuss sehen kann! Im übrigen zeigt er sogar Charles Dickens von seiner erträglichen Seite; und das muss man erstmal schaffen. Wie Sie auf den Gedanken kommen, das „System“ würde in britischen Gesellschaftsromanen nicht in Frage gestellt, ist mir ein echtes Rätsel. Jane Austens Heldinnen wissen regelmäßig, was auf dem Spiel steht, die Romantik ist nur ein sehr dünner Kleister darüber, die von den Brontes auch, und die von Dickens und Scott kriegen kriegen ohnehin die volle Packung … um nur mal die populärsten zu nennen. Vielleicht lesen Sie zuviel Thomas Hardy? Den kriege ich nur im Fernsehen runter, lesen werde ich den nicht. Aber ich nehme an, wenn man sich seiner Sache und seines Systems so sicher ist, wie Sie das zu sein vorgeben, dann braucht man wohl etwas härteren Stoff für den sozialen Nervenkitzel. Ich sage voraus – Sie werden ihn kriegen … nicht nur im Roman …

  36. Lieber Don,
    würde gerne mal mit Ihnen Schlitten fahren, lässt sich das vielleicht einrichten? Alternativ auch einen Jagertee trinken.

  37. Selbst ist der Helikopter
    Die älteren Kinder standen unterhalb der Rampe und knipsten Abflug über die Rampe, knischend brechendes Holz, Überschläge in aufwirbelndem Weiß und zwei sich erhebende Schneemänner. Einer groß und alt, der andere klein und jung.
    Ein herrlicher Artikel, mir aus dem Herzen geschrieben.

  38. Mit dem Rad an die Cote d'Azur als Jugendlicher
    Das kann ich bestätigen. Wir waren da. Normal war das damals jedoch nicht ( wegen des Rades) sonst schon ( —> Interrail ), heute undenkbar. Don ist jedoch nicht mehr zurückgefahren, weil wir ihm zu langsam waren. Hat deshalb die Alpenüberwuerung verpasst. Aber dies dürfte er wohl mehrfach nachgeholt haben.

  39. Titel eingeben
    Ach, Meister,
    die Kinder (Maennlein wie Weinblein) derer, die Ihnen nicht vorgestellt wurden lernen hier im Boxverein austeilen, einstecken, weitermachen.
    Fuer die Leut dazwischen wird es eng.

  40. frueher
    Schoener Text. Frueher haben wir die Schanzen selbst gebaut. Die Eltern wussten gar nicht wo wir waren. Damals kannten sich die Leute im Ort und Fremde wurden sofort laut gemeldet bei Sichtung. Heute geht das gar nicht mehr. Das Ueberwachen der Kinder ist die direkte Folge aus der fehlenden Ueberwachung der Fremden. Kontrolliert Risiken simulieren wie diese Schanze sind ja ganz gut, aber so wie frueher wird es nicht mehr.

    • Es liegt wohl auh an den technischen Möglichkeiten. Überwachung ist heute sehr leicht und wird auch von Kindern gegen Eltern betrieben.

  41. Titel eingeben
    Wir leben in einer Gesellschaft, die (so berichten uns die Medien täglich) immer mehr Risiken bereithält. Natürlich wollen wir uns vor Gefahren schützen, erwarten auch vom Staat, von unserem Arbeitgeber, von der Schule und so weiter, dass sie alle uns vor Gefahren schützen. Das führt zu einer Art Vollkasko-Mentalität, die sich überall breitmacht.

    Neulich beim Camping wollten meine beiden vorpubertären Jungs mit mir in einem Leih-Kajak paddeln gehen. Diese Aufsitz-Kajaks sind eine einfache Konstruktion und für Anfänger wie uns idiodensicher. Also habe ich mich breitschlagen lassen, und weil unser Jüngster mit seinen 10 Jahren zwar gerne angibt wie ’ne offene Selter, aber in Wirklichkeit weit weniger mutig ist, sind wir zu Dritt in einem solchen Kajak losgezogen – ausgestattet mit obligatorischen Rettungswesten.

    Der Plan war, vom Verleih aus eine etwa 600 Meter weite Bucht zu überqueren und dann in einem Bogen nahe am Strand zurück zum Ausgangspunkt zu paddeln. Nachdem wir die Bucht fast überquert hatten, bekam unser Jüngster Muffensausen und wollte partout zurück. Er hatte panische Angst, das Kajak könnte untergehen. Es war ein munteres Gezeter, aber ich habe nicht nachgegeben, sondern ihm gut zugeredet: „Diese Kajaks sind unsinkbar, und wir haben doch die Rettungswesten“. Keine fünf Minuten später drehte sich das Ding und wir lagen im Wasser…

    Und, oh Wunder, vorbei war das Gezeter, schlagartig. Wir haben das Kajak umgedreht und sind hinein, aber drei Sekunden später lagen wir wieder im Bach. Also haben sich nur beide Jungs hineingesetzt und mich mit dem Kajak an den Strand gezogen. Der Große hat das Kajak zum Verleih zurückgebracht, und wir beiden anderen sind gelaufen.

    Ich war überrascht und stolz, wie der Jüngste da reagiert hat. Ich habe ihn auch sehr gelobt dafür.

    Beim Verleih stellte sich spaeter heraus, dass das verflixte Sportgerät ein paar kleine Löcher hatte und Wasser zog.

    Ich finde es wichtig, dass Kinder lernen, Gefahren einzuschätzen und zu meistern. Das lernen sie aber nur, wenn man sie (moderaten) Gefahren aussetzt und auch mal auf die Nase fallen lässt.

  42. Münchner
    Vor einer Zeit hörte ich eine Mutter fröhlich zu ihrem sich am Fahrradfahren versuchenden Kind sagen: Du machst das schon.
    Da ging mir das Herz auch auf.

    Ich bin gerade sprachlich nicht ganz sattelfest..
    Schadmüchner ist im Prinzip ein Synonym zu Problemmüchner, richtig? Edmund hat damals, wie so häufig nach Worten ringend, zwar eine Definition für Normalverhalten geliefert (lebt im Wald, geht niemals raus, reißt vielleicht ein zwei Schafe im Jahr), es aber versäumt, das dem gegenüber stehende Problem- bzw. Schadverhalten zu präzisieren. Ich gehe selbstverständlich mit der Meinung konform, dass es sich bei diesen Münchnern nicht um normal sich verhaltene Müchner handelt.

  43. Rollenchaos
    @Tamarisque
    Auf was ich hinauswill: Es ist eine ganz natürliche Reaktion auf unsere unnatürliche Geburtenrate (deren Berechtigung ich hier nicht in Frage stellen möchte), wenn Eltern um ihren vergleichsweise spärlichen Nachwuchs entsprechend besorgter sind; um so mehr als Umwelt und Lebensumstände in vielen Bereichen vergleichsweise sehr unkindgemäß geworden sind.
    Ich plädiere doch nicht für die Einschränkung der für die kindliche Entwicklung nötigen Bewegungs- und Handlungsfreiheiten, sondern dafür, Verständnis für die veränderte Grundsituation und die daraus resultierenden Verhaltensänderungen der neueren Elterngenerationen zu entwickeln.

    Was mir viel schwerwiegender erscheint, ist die verbreitete verkehrte Rollenwelt in vielen Familien: Bei vielen Eltern wirkt immer noch das Mantra der antiautoritären Erziehungsideologie nach, Kindern (?und Einwanderern, die ja auch infantilisiert werden?) keine deutlichen Grenzen zeigen und auch keine elterliche Führungsrolle einnehmen zu dürfen. Ergebnis ist eine totale Überforderung der Kinder durch Rollenchaos in der Familie und das in einem Alter, in dem ihr evolutionäres Verhaltensprogramm auf Hierarchie und Anleitung ausgerichtet ist. Das Ergebnis ist übrigens auch beim liebsten Ersatzobjekt des Neudeutschen, dem Hund, zu beobachten: Schwache Herrchen suggerieren ihrem Hund, er müsse die Rudelführung übernehmen, mit den in diversen Hundeflüsterer-Sendungen zu beobachtenden Ergebnis eines total verwirrten Tieres. (Bitte, es geht hier nicht um ’schwarze Erziehung‘. Natürlich brauchen Kinder auch in dieser Phase Freiräume und Eigenverantwortung – aber die müssen experimentell im festen Rahmen zugebilligt sein.)
    Diese Kinder treffen dann absurderweise in der Pubertät, also einem Lebensabschnitt, dessen ganzer Sinn die Emanzipation von den Bindungen der Familie ist, auf ein total verändertes Erziehungsverhalten der Eltern: Die versuchen jetzt plötzlich, ihre Kinder zu überwachen und zu kontrollieren aus Angst vor dem, was ihnen in der neuen pubertären Lebenswelt passieren könnte. Da wo die Kinder jetzt selbst Verantwortung übernehmen wollen und müssen, beanspruchen die rollenunsicheren Eltern plötzlich aus Angst um die Folgen der Selbständigkeit ihrer Kinder Führung und Kontrolle, statt den Ablösungsprozess hilfreich zu begleiten. Übertreibe ich, wenn ich sage: Ein Ergebnis ist die Antifa ?

    • Veralte
      Ihre Theorie des „precious child“ hat mittlerweile einen ziemlich langen Bart. Wenn Sie unter Fachleuten mit sowas oder Philippe Aries daherkommen werden Sie nur Augenrollen ernten. Kinder waren schon immer wertvoll, insbesondere zu Zeiten hoher Kindersterblichkeit – und sogar im Hochadel, der ja angeblich seine Kinder nie lieb hatte:

      http://www.fof-ohlsdorf.de/files/foffotos/2004/85s09_carolina.jpg

      Anstatt in einen – Verzeihung – Vulgärmaterialismus zu verfallen, wäre es, glaube ich, sinnvoller sich den Selbstoptimierungswahn der heutigen Elterngeneration vorzunehmen. Wer meint, nachholen zu müssen, was in der Kinderheit angeblich verpasst worden sei, lässt nicht nur sich sondern auch den Nachwuchs nicht in Ruhe. Wer dagegen mit seinen Fehlern und auch denen der eigenen Eltern gut leben kann, gibt auch seinen Kindern mehr Freiraum.

    • Ergebnis Antifa?
      Einzelkinder wurden schon immer verhätschelt.
      Die antiautoritäre Erziehung ist das Gegenpol der strengen Erziehung, welche durch Statements wie „der Poklaps hat ‚uns‘ auch nicht geschadet“ heute noch recht oft rechtfertigt wird. Eltern, die selbst aus ihrer Kindheit nur den autoritären Erziehungsstil kennen und unter Androhung von Prügel aufgewachsen sind, haben große Probleme, sich auf ihre Instinkte zu verlassen, den Entwicklungsprozess der Kinder mit positivem Vertrauen zu begleiten – natürlich, genauso, wie Sie das beschreiben Schritt für Schritt und mit Grenzen und Regeln.

      Ich glaube an keine „Hierarchie“, was de facto bedeutet, dass die Eltern, nach ebenjenem autoritären Muster, gegenüber den Kindern in einer Hierarchie stehen, quasi in einer übergeordneten Position. Ich glaube an die Gleichberechtigung der Kinder, als kleine Individuen, deren Persönlichkeit gestärkt werden sollte, durch liebevolle Begleitung. Das hört sich naiv und idealistisch an, ist aber der weitaus schwierigerer Weg, weil ein dauernder Lern- und Entwicklungsprozess, auch für die Eltern, damit einhergeht.

      Nun hatten wir Jahre lang Hunde, manchmal auch zwei, und auch Hunde kann man nur mit Liebe und Belohnung erziehen, nicht mit Druck und Härte oder bewusst ausgedrückte Autorität. Am Folgsamsten sind Hunde, die aus Freude gehorchen, nicht aus Angst vor einem autoritären Menschen bzw. Strafen. Dass sie den Hundehalter als „ihren Menschen“ und „Rudelführer“ akzeptieren, ist ein wunderbarer Prozess und eine große Freude, keine Leistung. Viele Menschen schaffen sich Tiere an, obwohl sie von denen keine Ahnung haben. Auch hier gibt es, parallel zur Kindererziehung, das alte Bild des Hundeführers, der seinen Schäferhund in einem Zwinger isoliert und mir großer Härte abrichtet. Die Menschen sind seit einigen Jahrzehnten schon dabei, sich aus diesen beiden alten Rollenbildern zu verabschieden und müssen das durch Geduld und durch viele Fehler, die sie machen, erst lernen.

  44. Es gibt sie noch...
    … Reste der richtigen Moral: :-)
    „Der Zeitgeist sieht das anders und fordert natürlich Radhelme und Vermögenssteuern und Empathie FÜR LEUTE, DIE UNS NICHT VORGESTELLT WURDEN.“ Oder, schon mal anders formuliert:
    „Am meisten ist aber eine Moral der Herrschenden dem gegenwärtigen Geschmacke fremd und peinlich in der Strenge ihres Grundsatzes, daß man nur gegen seinesgleichen Pflichten habe; …“

  45. Nur mal so nebenbei: Von den Kindern
    Deine Kinder sind nicht deine Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht
    des Lebens nach sich selbst.
    Sie kommen durch dich, aber nicht von dir,
    und obwohl sie mit dir sind, gehören sie dir doch nicht.
    Du kannst ihnen deine Liebe geben,
    aber nicht deine Gedanken,
    denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
    Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
    aber nicht ihrer Seele,
    denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
    das du nicht besuchen kannst,
    nicht einmal in deinen Träumen.

    Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
    aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.
    Denn das Leben geht nicht rückwärts
    und verweilt nicht beim Gestern.
    Du bist der Bogen, von dem deine Kinder
    als lebende Pfeile ausgeschickt werden!

    Der Schütze sieht das Ziel
    auf dem Pfad der Unendlichkeit,
    und er spannt euch mit seiner Macht,
    damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
    Lasst euren Bogen von der Hand
    des Schützen auf Freude gerichtet sein.

    Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt,
    so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
    Khalil Gibran, arabischer Dichter
    (1883-1931)

  46. deutsche Famiienpolitik
    Es gab hier einige Äußerungen, dass die von Don Alphonso skizzierten Bedingungen den Kindern eher bzw. nur in den oberen Gesellschaftsschichten geboten werden könnten.

    Gerade beim gehobenen Lebensstil gibt es die Qual der Wahl: Überlasse ich meine Kinder einer Nanny/Au pair oder möchte ich mich selbst um meine Kinder kümmern. Es gibt auch Wohlstandsverwahrlosung. Den Kindern fehlt an nichts, außer psychischem Halt: Die Eltern sind abwesend, sie sind im Stress. In manchen Berufen sehen beide Eltern ihre Kinder genau so selten wie die ärmeren, die sich in zwei oder drei Jobs abrackern müssen. Einsame Kinder sind nicht glücklicher, nur weil sie materiell auf Luxus-Niveau leben.

    Die Art der Erziehung und der Familienzusammenhalt haben mit der Höhe des Einkommens und der gesellschaftlichen Stellung nicht unbedingt viel zu tun, es ist „a state of mind“. Leider geraten die unteren Schichten, sowie die untere Mittelschicht und zum Teil auch die Mittelschicht durch die zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnisse unter so viel Druck, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt als möglichst gut zu funktionieren. Der Zustand ist politisch gewollt, eine Besserung nicht abzusehen. Die deutsche Bevölkerung wählt nun mal eine Politik, die das Wohlergehen der Wirtschaft über dem Wohlergehen der Familien mit Kindern stellt. Das ist in anderen Ländern anders. Die Menschen bekommen das, was sie wählen.

  47. @ Tamarisque vom 1. Februar 14:33
    Die beiden letzten Sätze stehen m.E. in einer unglücklichen und missverständlichen Konstellation.

    Der letzte Satz wird dem Herrn @ TDV gefallen. Stimmt ja auch. In Treue fest.

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