Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Auf der Suche nach der verlorenen Gesprächskultur

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1934 durfte Karl Radek, Pseudonym “Parabellum”, richtiger Name eigentlich Karol Sobelsohn und aus einer jüdischen Familie im damaligen Österreich-Ungarn stammend, als sowjetischer Kulturfunktionär eine Rede halten. Erlaubt hatte ihm das ein gewisser Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, der sich damals aber schon Josef Stalin nannte, und das Amt des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bekleidete. 1929 hatte sich der frühere Trotzki-Anhänger Radek Stalin unterworfen und ihm die Treue geschworen, weshalb er als bei der Ersten Konferenz der sowjetischen Schriftsteller seine Meinung vortragen durfte. Über Valentin Louis Georges Eugène Marcel Proust – der nur Pseudonyme verwandte, wenn er selbst Kritiken über seine eigenen Bücher schrieb – sagte Radek also 1934:

In Prousts Seiten liegt die alte Welt wie ein alter, nutzloser Köter sonnenbadend herum und leckt endlos ihre Wunden.

Das war gegenüber Proust und seinen elfenzarten, elquenten Romanfiguren sehr unhöflich.

So also urteilte also Radek im Sinne Stalins über Marcel Proust, den Schriftsteller und Beobachter der Großbourgeoisie, über den asthmatischen Sprössling einer katholisch-jüdischen Familie, der die Erstveröffentlichung seines Romanwerks “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” selbst bezahlte, und über einen verzweifelten Sucher, der nach einem wenigstens finanziell abgesicherten Leben mit unglücklichen Beziehungen zu Männern, Depressionen und chronischen Krankheiten 1922 gestorben war.

1937 ließ dann Stalin seinen Untertan Radek in einem Schauprozess wegen seiner alten Beziehungen zu Trotzki anklagen, ihn einfach so – es war schließlich die Zeit des Stalinismus – von seinem privilegierten Posten absetzen, zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilen und nach Sibirien verbannen, wo Radek 1939 ums Leben kam – bis heute ist nicht geklärt, ob der Kommunist von anderen Opfern seiner eigenen Politik im Sinne Stalins oder von Stalins Schergen umgebracht wurde.

Was ich daraus gelernt habe, ist zweierlei: Sozialismus ist noch ungesünder als Asthma. Und es ist gar nicht so schlecht, nach der Meinung Dritter wie ein alter, nutzloser Köter sonnenbadend herum zu liegen und endlos seine Wunden zu lecken, denn man kann auch in Sibirien in einem Arbeitslager jahrelang schuften, bevor man ermordet wird. Langfristig hat sich übrigens auch nicht die Beurteilung durch Radek für Prousts Werk durchsetzen können, Radeks Bücher wie “Die Entwicklung der Weltrevolution und die Taktik der kommunistischen Parteien im Kampfe um die Diktatur des Proletariats” sind heute, um es großbürgerlich höflich zu sagen, allenfalls noch einem kleinen Publikum eingeweihter Kenner ein fester Begriff. Und auch dort ist man, zumindest im sozialistischen Deutschland, vielleicht nicht mehr ganz so gut auf Radek zu sprechen, der zwischenzeitlich auch einmal mit einem Schulterschluss mit völkischen Kreisen gegen das Bürgertum liebäugelte – während man Proust höchsten vorwerfen kann, er habe sich in seinen Chauffeur nicht klassengerecht verliebt.

Ach so, und sein Duell mit einem Kritiker. Und seinen Umgang mit damals ziemlich verrufenen Leuten wie Andre Gide, der später sehr kritisch über die Sowjetunion schreiben sollte. Außerdem, das muss man wohl so sagen; war Proust nicht wirklich an einem sozialen Ausgleich zwischen den Klassen interessiert, und gewisse Aspekte der Dekadenz finden sich tatsächlich in seinem Werk. Also, wenn man ganz ehrlich ist, würde man jetzt nicht zwingend im bürgerlichen Kontext einen Sohn haben wollen, der vollumfänglich und selbstzerstörerisch wie Proust lebt – besser als ein berufsrevolutionärer und menschenverachtend mörderischer Radek ist ein Proust schon, aber die Frage würde sich natürlich stellen, ob ein Sohn seine Extravaganzen nicht ein wenig eingrenzen könnte. Trotzdem, in durchaus bürgerkritischer Buchform ist Proust im Bürgerhaushalt immer willkommen, und einem Schriftsteller verzeiht man in einem Akt kultureller Großzügigkeit vieles, was andernorts für gehobene Augenbrauen sorgen möchte.

Man könnte die Liste derer, die das Bürgertum letztlich mit all ihren Gehässigkeiten freudig übernommen hat, fast grenzenlos erweitern. Norman Mailer. Friedrich Hollaender. Pitigrilli. Stefan Heym. Evelyn Waugh. Lion Feuchtwanger, übrigens trotz seines stalinfreundlichen Werks über Russland. Andre Gide. Heinrich Heine. Kurt Tucholsky. Ludwig Börne. M. G. Lewis. Byron. Diderot. Die Berüchtigten von einst, sofern sie sich wuschen, Villen und Paläste nicht niederbrannten, sondern friedlich bewohnten, und ihre mörderischen Adern soweit im Zaum hielten, als dass sie ihre bösen Instinkte in zitierbare Sätze umleiteten, sie alle waren willkommen. Manche hatten es nicht mit Frauen und Familien, und manche konvertierten später zum Katholizismus. Mit literarischer Verehrung der Germanisten eingespeichelt und später als Schullektüre zerkaut, hat das Bürgertum noch die meisten Kritiker als neue Würze für den jeweils alten Kanon gefressen. Und letztlich nur die Radekknochen den Geiern überlassen, auch wenn Radek im Kontext mit seinem eigenen Schicksal unfreiwillig etwas bürgerlich Zitierbares mit dem Satz über Proust geschrieben hat. Grosso modo aber: Vorne kommen die Fortschrittlichen hinein, hinten fallen die Veralteten und Peinlichen heraus.

Man kann diesen bürgerlichen Geschmacksopportunismus, gepaart mit politisch angemessener Verdrängung früherer Fehler, mit Inbrunst hassen, und auch heute noch sagen, dass diese Welt veraltet ist, zu wenig von der Zukunft annehmen will, und melancholisch-sinnlos auf Vergangenes zurückblickt, während die Insekten sterben und Themen wie Sexismus kaum beachtet werden. Momentan bekommt unsereins das wieder vermehrt ab, weil wir in Verdacht stehen, in den düsteren Ecken des bürgerlichen Kanon habe noch zu viel “Völkisch-Nationalistisches” überlebt, ja das Unerwünschte würde sogar in Form neuer Bücher von der radikalisierten Mitte dazu gebestsellert, was uns dazu triebe, falsche Wahlentscheidungen zu treffen, so wie es der in Deutschland gescheiterte Revolutionär Radek nach den linken Putschversuchen der Weimarer Republik auch gesehen hat. Wir würdigten den Einsatz der tapferen Verteidiger der richtigen Meinungen auf der Buchmesse nicht, und sollten uns so verhalten, dass man wieder mit uns redet, damit wir die richtige Meinung erfahren, übernehmen und dann selbst verkünden. Wir räudige Hunde, die wir am Tegernsee in der Sonne sitzen und nicht damit klarkommen, dass unsere Zeit abgelaufen ist.

Gern übersehen wird natürlich, dass Proust seine Suche der verlorenen Zeit aufnahm, als die beschriebene Epoche schon in den Schützengräben des 1. Weltkriegs untergegangen war, und seine Leser wussten, dass diese Epoche nicht mehr wiederkehren würde. Sie haben, das hat Radek nicht begriffen, in der nichtkommunistischen Welt einfach andere Schlussfolgerungen gezogen, um zu überleben. Der Komintern übernahm Radeks Linie und begnügte sich damit, diese Weltsicht den immer gleichen Anhängern einzureden. Mit den anderen nicht reden, die Sozialdemokraten als Sozialfaschisten zu bezeichnen, den eigenen Willen mit Gewalt durchsetzen, das alles waren keine erfolgreichen Strategien, aber immerhin haben sie dazu geführt, dass man sich auf Seiten der Kommunisten betreffs der Anderen einig war. Wer doch diskutieren wollte, oder nur verdächtigt wurde, andere Meinungen zu hören, wurde gesäubert. Aber, Ironie des Schicksals, dadurch wurden die Verfolgten auch verdaulich für den bürgerlichen Kanon, wie etwa Ilja Ehrenburg. Denn das Bürgertum lächelt nicht nur den eigenen Dissidenten hold zu, sondern auch den Dissidenten der anderen – nie aber deren Linientreuen.

Das Mittel der gesellschaftlichen Säuberung – auch das lernt jeder, der einmal die gesammelten Werke Radeks, das Neue Deutschland und die hamburgisch-antibürgerlich-schlechtgelaunten Publikationen beiseite lässt und Proust oder Gide liest – ist in diesen dominierenden Kreisen immer noch die Nichteinladung anstelle der Ausmerzung. Auch das ist wirksam, und nichts befördert diese Haltung so sehr wie die Verweigerung eines Gesprächs, denn was soll man mit unhöflichen und schlecht erzogenen Leuten reden, die nicht reden wollen. Da entstehen dekadente Salons ohne Überschneidungen, ohne Austausch, ohne Bereitschaft, dem anderen eine geistreiche Bemerkung oder einen funkelnden Gedanken zu gönnen. Zum Ausschluss muss man gar nicht mehr die Tochter der Gastgebers verführen, es genügt, wie im Frankreich der Dreyfus-Affaire, dass man in Verdacht gerät, die falsche Seite nicht falsch genug ´zu finden. Radek hat nicht verstanden, dass der Kommunismus die schlechtesten Seiten der Alten Welt, die Proust beschrieb, auf einer anderen Ebene fortführte. Und 80 Jahre nach der Verurteilung von Radek gibt es immer noch welche, die denken, eine möglichst intensive Beschallung mit der einzigen Wahrheit, an die man präzise zu glauben habe, würde etwas helfen.

So funktioniert Proust nicht, und das Bürgertum auch nicht, zumindest nicht so lange, als man es nicht in einen Gulag sperren kann. Natürlich sieht die Bourgeoise aus wie ein alter Hund in der Sonne, aber der Eindruck täuscht – im Inneren gibt es Bewegungen, Debatten, widerstreitende Ansichten und manchmal auch eine gewisse Bissigkeit, die man solchen Leuten gar nicht zutrauen würde. Dafür weiß der alte Hund augrund seines langen Lebens, was verdaulich ist, und was nicht. Manchmal möchte er gestreichelt werden, manchmal will er seine Ruhe, und manchmal ist er brennend eifersüchtig – etwa, wenn darüber nachgedacht wird, wie man den nächsten Hund gut behandeln will, der da bald aus südlichen Regionen kommen wird. Oder wenn man gar zur Entscheidung kommt, solche alten Hunde seien nicht mehr stubenrein, die könnten weg.

Radek wurde verurteilt und umgebracht, die Schriftsteller, an die er sich wandte, nahmen sich sein Urteil zu Herzen und schrieben für schlechte Privilegien und Hungerlöhne Zeug auf gilbendes Papier, das nach Stalins Tod gesäubert wurde, oder bei uns nach 1989 erhältlich blieb, aber nun mal kaum mehr gelesen wird. Die Dogmatiker verschwinden, aber die Plauderer, die sich seitenweise über ein Kleid an einer schönen Frau freuen können – sie bleiben.

Also, bitte, natürlich muss niemand reden. Ich kann auch schweigend meine Biedermeierdamen bewundern und Proust lesen, und zuschauen, wie das Europa, das wir einmal kannten, wie die alte Sowjetunion zerbricht, weil man öfters mal denkt, man müsste nicht reden, und könnte andere ausgrenzen, entmachten und wegsperren.

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583 Lesermeinungen

  1. Was für glückliche Zeiten, heute regiert die Angst viel stärker:
    https://www.welt.de/vermischtes/article170157320/Angreifer-schlagen-und-wuergen-Polizisten-in-Gelsenkirchen.html
    .
    „Männer“ gerieten in Streit. Andere „Männer“ kamen dazu.
    .
    Das ist, das was vom Journalismus übrig bleibt, wenn Panik herrscht.

    • dabei...
      Dabei würde mich doch brennend interessieren, ob es sich um 17-, 29- oder 31-jährige handelt.

    • An Rabe -Artikel in Welt.de- Schlaegerei in Gelsenkirchen
      Habe den Artikel gerade vor mir.
      Der sehr kurze Artikel umfasst mit Überschrift und Überschriftzeile
      genau 11 Sätze.
      Darin kommen die Tatverdächtigen 5 mal als „Mann“ oder „Männer“, 1 mal als „Angreifer“, und 1 mal als „Personen“ vor.
      Kein einziges Wort zu Hintergrund des Vorganges, Herkunft, Alter oder Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen.

      Der letzte Satz lautet: Verletzt wurde niemand.

      Im Text steht, Polizisten seien geschlagen und gewürgt worden. Ich wüsste gerne wie man einen Menschen schlagen oder würgen kann, ohne ihn zu verletzten. Das heißt dann wohl die Beamten können gar keine Strafverfolgung der Verdächtigen erwarten da sie ja nicht verletzt worden sind.

      Ehrlich gesagt, diese Art von so gennanter Berichterstattung an mündige Bürger, Steuerzahler und Wähler ödet und ekelt mich langsam so an, dass ich es in zivilisierten Worten nicht mehr beschreiben kann.

    • @ Rabe - Was für glückliche Zeiten...
      Ist „Männer“ eigentlich schon das offizielle Synonym für „junge männliche sexuell frustrierte Muslime auf Aggrotrip“ oder handelt es sich derzeit bei diesem Gerücht noch um von AAS und staatlich subventionierten privaten Zensurunternehmen correktivierend zu verfolgende Fake-News?

    • ...aaaaaaaber.....
      …immerhin muss man anerkennen, dass die WELT noch bei jedem Artikel eine Kommentierfunktion anbietet, die sich bei der FAZ auf Artikel, die Dosenravioli geschmacklich bewerten beschränkt (ja, das ist kein Witz)

    • Werter Herr Bernard,
      zumindest läßt WON eine sehr breite Kommentarmeinung zu, anders als faz.net oder meta.tagesschau. Da nehme ich schon mal dümmliche Artikel in Kauf.
      MfG Alfred Haas

    • Dichte Information ...
      … konzentriert auf das wesentliche!

      Dessen Weglassung wäre ein journalistisches Verbrechen…

      Difficile, satiram non scribere.

    • Personen...
      Personen haben Personen
      in einem Raum
      (an einem Ort, bzw. ähnlich vage)
      verletzt
      (möglichst ohne Nennung der Tatwaffe oder ähnlich unnötigen Zeugs).

      Damit tut man niemanden weh!

    • @ Dieter Rose
      Verehrter Herr Rose,
      ich muss ehrlich zugeben dass ich mir nicht sicher bin ob Ihr Beitrag ironisch oder ernst gemeint war.
      Wäre es ernsthaft, dann wären Sie damit zufrieden wenn statt zahlreicher detaillierter Presseberichte nur zu lesen wäre:

      „Aus einer amerikanischen Film-Metropole wird dass ein Film-Produzent zwischen den 1970ern und jetzt eine Person oder mehrere Personen sexuell belästigt, bedrängt gar vergewaltigt haben soll.

      Ein ähnlicher Vorfall betrifft eine Person die eine Person in einer Ostküsten-Metropole belästigt haben soll.“

    • @Herr Berth: Dosenravioli für Fast-Food-Junkies
      Der „kluge Kopf dahinter“ und Gourmet sorgt für kommende Notzeiten mit einer Überlebensration ausgelesener Delikatessen vor. Ausgewählt und bewertet von den Leckermäulchen der FAZ.

    • Interessant aber, dass die Kommentatoren des Artikels unisono von noch nicht so lange hier Lebenden
      Lebenden ausgehen und die Moderation dem nicht widerspricht. Ich frage mich, wie die Verfasser dieser Artikel noch sich oder ihren Beruf ernst nehmen können. Oder werden diese Artikel bereits NHnd von Polizeimeldungen durch KI erstellt?

    • Ich sehe mich hier nicht im Amt des Uensors oder auch notorischen Widersprechers. Bei einem derartigen Kommentaraufkommen muss man sich entscheiden. Das ist nicht immer einfach und vieles würde ich auch nicht unterschreiben. Ich vertraue aber auf die Intelligenz der Leser.

    • Ah, der Platzverweis
      Die ultima ratio! Napoleon konnte nur niederkartätschen … so unzivilisiert.

    • He looked like a man
      Wer in bezug auf „Mann“ nicht nur Angst haben, sondern auch mal lachen will, der mag googeln nach | Ms. Swan Eyewitness Report | (gespielt von Alex Borstein) nach einem Raub in ihrem Nagelstudio, die das heutige Phänomen schon vor 20 Jahren sehr hellsichtig auf MAD-TV inszeniert hat.

    • Polizei unbewaffnet?
      Also ich finde ja, in solchen Fällen kann doch die Polizei mal die Stabilität ihrer formschönen Schlagstöcke ausprobieren.
      Da wäre doch auch kulturgerecht für die „Männer“, da in den Herkunftsländern ebensolche Sitten herrschen.

  2. Russischer Sprichwort zu Zeiten von Stalins Säuberungen.
    Ein ehrliches Geständnis verhindert die Strafe nicht, sondern erhöht sie nur.

    • Titel eingeben
      Das kann auch hier und heute im Strassenverkehr so sein.
      Oder in der Ehe.
      Beichten zur Erleichterung des schlechten Gewissens kann manche Situation verschlechtern.
      In dieser Zeitung stand ein prima Artikel: Schweigen Schweigen Schweigen

    • Noch einmal Leonhard
      „Selbstkritik“ war das Zauberwort.

    • Säuberungen ...
      Ein alter kleiner Witz aus dem realsozialistischen Gulag:

      3 Sklavenarbeiter unterhalten sich.
      – Warum bist du hier?
      – Hatte russische Uhr. Ging immer nach. 5 Jahre wegen Sabotage.
      – Du?
      – Auch russische Uhr. Ging immer vor. 10 Jahre wegen Spionage.
      – Und du?
      – Meine Uhr ging richtig. Da wussten sie dass die von der CIA ist…

      Wer Analogien zu rot-grünen Heißluftproduzenten die zu Klimakonferenzen düsen und ihre Sklavenarbeiter in Styropor-Sondermüll ersticken wollen findet, darf darüber nachdenken.

    • Dennoch wäre es logisch unzulässig, hieraus zu schließen, daß der Sozialismus zwangsläufig...
      …an seinen inneren Widersprüchen scheitern müsse und gar nicht funktionieren könne. Denn es bleiben ja immer noch drei Möglichkeiten, die noch nicht probiert wurden: 1. die Uhr, die systematisch mal vor, mal nach, mal genau geht (Sozialismus mit 5-Jahresplan); 2. die Uhr, die absolut zufällig geht (Anarchismus); 3. die Uhr, die überhaupt nicht geht (Nihilismus). Ergo: Der wahre Sozialismus ist nur noch nicht probiert worden. Und jeder kann im Sozialismus glücklich werden.

    • Sprichwort oder politischer Witz?
      Großväterchen, sag mir, was ist ein Unglück und was eine Katastrophe?
      Also, liebes Enkelchen, schau: Wenn ein Zicklein von einer Brücke fällt, ist es kein Unglück, sondern eine Katastrophe. Wenn ein Flugzeug mit der ganzen Regierung vom Himmel fällt, ist das ein Unglück, keine Katastrophe!

    • Alles was sie sagen kann gegen sie verwendet werden oder wer redet, hat schon verloren.
      Der Ehrliche ist der Dumme etc.
      Die Erde ist perfekt aber der Mensch und die Gesellschaft hat noch Luft nach oben.

      Nicht vergessen: wir leben im Jahre des Herrn 1722.

  3. Vor 1970 dachten Reaktionäre, mit kommunistischen Umstürzlern müsse man
    nicht einmal reden. Jetzt denken die linken und linksliberalen Sieger von damals das gleiche über Leute, die was gegen Massenzuwanderung haben. Oder traditionelle Familien nicht scheisse finden.

    Wie das wohl ausgehen wird :-)?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Ich habe das ja noch in Ausläufern miterlebt, und es erfüllt mich mit Trauer, dass meine Ideale jetzt mit den Methoden der Gegner vereinigt werden.

    • @ Thorsten Haupts - Vor 1970 dachten Reaktionäre...
      Wer sagt „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.“ kann nur mein Gegner sein, denn ich kann niemals mit ihm sein.

      Wirklich traurig wie sich die Welt gerade entwickelt… Zu viele drehen voll am Zeiger.

    • So ist das, wenn man sich für besser hält als den Gegner...
      Was der fundamentale Irrtum der ansonsten durchaus in vielem richtigen 68ziger Ideale war und ist. Eben die Arroganz ihrer Verfechter, die bis heute nicht wahrhaben wollen, das sie selbst ebenso Täter gewesen wären wie ihre Eltern und nur die „Gnade der späten Geburt“, wie Helmut Kohl das so Weise aussprach sie davor geschützt hat.
      Es fehlt bis heute bei vielen in den Eliten die Einsicht, das ihre Eltern eben nicht schlechter waren als sie selbst. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf und wie schmal der Steg der Humanität werden kann, wenn einmal die falschen Weichen gestellt wurden. Sicher ist, es ist keine Frage von Intelligenz, im Gegenteil macht sie anfälliger.
      Wenn heute so manche Massnahme der Regierung (Maas Zensurgesetz, Überwachungsstaat) nicht als das erkannt wird, als Einfallstor für totalitären Missbrauch, so ist das das eigentliche Versagen vor der Geschichte.
      Denn es ist nicht möglich zu verhindern, das ungeeignete Personen irgendwann mal eine Machtpostion gewinnen, entscheidend sind die legalen Möglichkeiten, die ihnen in diesem Falle zur Verfügung stehen.

    • Sie irren, Herr Rabe.
      Die 68er wissen, dass sie genau wie ihre Eltern gewesen wären. Gerade deshalb sind die ja so besessen davon, zu beweisen, dass sie die Guten sind. Die stramme Haltung und den Absolutheitsanspruch haben sie von den Eltern übernommen. Deren PC ist exakt die Gleichschaltung während der 1000 Jahre. Ebenso wie von ihren Eltern und Großeltern werden von ihnen Defätisten (Das sind die, die nicht an den Endsieg im Kampf um Integration glauben) gnadenlos verfolgt.

    • Daß die Proklamierung der sog. gerechten Sache geradewegs in den totalen Krieg führt,...
      …hat Carl Schmitt weitsichtig im „Nomos der Erde“ erkannt und beschrieben. Die Eskalation erscheint zwingend und gerechtfertigt, wenn der politische Gegner als Verbrecher kriminalisiert wird, als Feind der ganzen Menschheit apostrophiert wird. Der am meisten entfesselte Krieg ist der Krieg zur Beendigung aller Kriege.

  4. Statt geschlafen mit der Liebsten geplaudert.
    Allein dieser eine Satz ist die Wuerdigung in einem Literaturlexikon wert:

    „Die Berüchtigten von einst, sofern sie sich wuschen, Villen und Paläste nicht niederbrannten, sondern friedlich bewohnten, und ihre mörderischen Adern soweit im Zaum hielten, als dass sie ihre bösen Instinkte in zitierbare Sätze umleiteten, sie alle waren willkommen.“

    Koennen auch ungewaschene Autoren Buecher schreiben, sofern sie mit Messer und Gabel speisen koennen?

    Ansonsten: Eine wunderbare Betrachtung, die den wesentlichen Unterschied zwischen Proust, buergerlichem Wohlbefinden und stalinistisch-bissigen „Agit-Prop“ aufzeigt, in der sich die Antifa von heute wieder finden darf, die weder Friedlichkeit noch Genuss kennt.

    Eine Wohltat in die Sphaere guter Literatur, buergerlicher Bildung und Anstand einzutauchen. Erinnert mich auch an G.Marquez.
    Tut gut. Danke fuer den schoenen Text.

    • Gern geschehen -der Satz sollte zeigen, dass vernichtende Kritik auch mit Ironie und Heiterkeit vorgetragen werden kann.

    • Messer und Gabel
      Angeblich soll Helmut​ Kohl einen entsprechenden Satz über ulF geäußert haben.

    • Schauen Sie mal aus dem Fenster nach so Drohnen.

    • Proust, Marquez …
      auch Bulgakow, der auf eine ganz eigene Art auf den Stalinismus reagierte, tut gut. Da der Don, wie er selber schrieb, bereits gut ausgelastet ist und keinen richtig langen Text verfassen möchte (schade), kann man vielleicht auf M. Klonovsky hoffen, der bereits einen fulminanten Deutschlandroman präsentiert hat.

    • Ich wüsste gerade nicht, was man aus dieser traurigen Pampe destillieren sollte.

    • traurige Pampe
      etwas in der Art von Bulgakows „Das hündische Herz“ vielleicht? Der neue Mensch und seine jammervolle Regression. Wimmern und Gelächter. Difficile est saturam distillere.

  5. Don Alphonso, ein Sucher nach der verlorenen Zeit
    Einst galten Bemühungen, das ererbte Kulturgut zu erhalten und zu pflegen, einfach als ‚Tradition‘. Das ist freilich ein heute verpöntes lateinisches Wort, das sich im Grunde nur auf das ‚Weiterreichen‘ der Kultur bezieht. In England ist man zweifellos noch heute traditionsbewusster als wir. Doch auch dort reagiert die Jugend jetzt kritisch. Neulich begegnete ich einem jungverheiraten Londoner Ehepaar, das im Begriff ist, nach Deutschland auszuwandern. Auf meine Frage weshalb erwiderten sie: „Wir können einfach nicht länger in einem Antiquitätenladen leben.“

    • Nun, man muss das natürlich mögen. speziell die britischen Klassengrenzen. Es ist immer eine Frage, welchen Preis man zu zahlen bereit ist, aber das lernt Marcel ja auch schon sehr früh an seiner Geliebten.

    • Umseitig - um es nett zu sagen -
      stand heute *nicht* die Meinung von Gérard Depardieu über ‚die Franzosen haben fertig‘ wegen Multi-Kulti.
      Dafür hatte der Wochenblick sich des Themas angenommen.
      Amüsiert-frustriert durfte ich dort zur Kenntnis nehmen, dass Depardieu vor allem mit dem Asterix-Film bekannt wurde.

      Vielleicht war es gut, dass die FAZ sich da nicht engagiert hat.
      Weil wir bei der Literatur sind: in dem Originalinterview – von dem natürlich nichts über Asterix stand – hatte Depardieu Handke zitiert, als ‚vraie littérature‘.
      „Quand je suis en France, je reste ici, chez moi, avec mes livres : je ne veux pas sortir voir le désastre“.
      Gibt es eigentlich Deutsche, prominente Deutsche, die sich gegen Multikulti ausgesprochen und deshalb ausgewandert sind?
      Würde man überhaupt mit denen sprechen?

    • siehe unter Sieferle. Wenn man Geld hat, kann man die unbewölrigten Probleme an andere delegieren, das ist der Unterschied zu Frankreich und Belgien.

  6. Sehr gut Herr Alphonso
    endlich keine Fahrräder mehr („nach oben buckeln, nach unten treten“) und an ihrer Stelle Bilder von Büchern: weiter so! Buchbilder, noch mehr Buchbilder bitte, danke …

    • Sie werden lachen, eigentlich sollte noch ein Radbeitrag kommen, nur fehlt da ein Photo…

    • Eein erfrischender Beitrag
      Gestatten Sie den Hinweis, dass auch ich dachte, dass in letzter Zeit Ihre Beiträge ziemlich ähnlich wurden.
      Da kommt dieser Beitrag, erfrischend!

    • Danke. Wissen Sie, ich mache das schon so lange, ich schmiere einfach was runter und mal ist es so und mal ist es anders.

    • Keine falsche Bescheidenheit Señor,
      sie schmieren nicht „einfach was runter“; wäre es so würde ich, und wohl auch Herr „Gastarbeiter“, ihren Blog nicht lesen. Sehr wahrscheinlich haben sie ja auch diese herrlichen Buchbilder ganz absichtsvoll gewählt; hab die Buchrücken jetzt näher angeschaut: Villon, Heine, Arthur Schnitzler, Tucholsky, Bert Brecht: Gedichte 1. bis 4. Band. Man müßte das halt wieder einmal lesen, und ernstnehmen: am Tegernsee! Das wär recht gut für die Gesprächskultur.

    • Gut, ich habe eine gewisse Vorbildung, aber überschätzen Sie bitte nicht die Schreiberei hier.

    • Titel eingeben
      Sie haben ja recht, verglichen mit den Produktionen Heinrich Heines ist das hier wirklich die pure „Schreiberei“.

  7. OT
    ist zwar OT – bitte um Nachsicht, aber es stehen 1, 2 oder 3 ruhige Tage an und etwas Zeit zu lesen:

    http://ta z.de/Theologe-Klaus-Berger-ueber-Luther/!5456497/

  8. Fortschritt
    Zunächst herzlichen Dank für das erneute Lesevergnügen.

    Immerhin bleiben jene, die servile Klaas von Dingenskirchen und Nobel-Pseudorebellen mit Punkhistorie gegen sich dem „genug-dagegen-seinenden-Testat- verweigernden Schlagersängerinnen vorschicken, immerhin beim alten Namen (denke ich mir jedenfalls).

    Kann man das schon als zivilisatorischen Fortschritt betrachten?

  9. Oh, nein...
    Don, das mit dem Zuschauen wird nichts. Wenn es in der Geschwindigkeit weitergeht, können Sie in spätestens zehn Jahren Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ als praktisches Handbuch zur Bewältigung Ihres Alltags verwenden.

    • Ich fahre nicht in die toten Zonen. Sie haben hier noch keinen bayerischen Kleinstadtpolizeieinsatz gegen Drogenhandel in der Grünanlage gesehen, mit 5 Gramm Haschisch und danach keine Freilassung.

    • @Don Alphonso
      Ist dieses Beharren auf Ausübung der Staatsgewalt, was, verglichen mit dem Görlitzer Park in Berlin u. ä. ja nicht schlecht ist, nicht auch eine Folge von F. J. Strauss?

      Den ich seinerzeit auch verabscheuungswürdig fand, aber dessen extreme Ablehnung der z. B. Grünen, mir heute gradezu prophetisch vorkommt.

  10. Guter Text...
    müsste man ausdrucken und jeden Spiegel, Stern, Focus, TAZ, Zeit und anderen linken Meinungsführermedien als Beilage beifügen.

    Ich bin ja auch nicht immun dagegen – wenn jemand/etwas genug Stuss verzapft mach ich mir auch nicht mehr die Mühe deren neueste Ergüsse zu lesen, meine Zeit is kostbar, mein Blutdruck und Leben ist zu kurz um von SPON nen Bann zu kassieren – aber ich hab bisher noch immer jeden Eintrag auf meiner „Verschwend keine Zeit damit“-Liste nach eigener Beurteilungen dahin gesetzt.

  11. Wundervoll
    Übrigens, ein Zitat (es war, wenn ich mich recht erinnere, aus „Jean Santeuil“), möchte ich beisteuern:
    „Der Revolutionär leidet an einer unglücklichen Liebe zum Adel“.
    Es erklärt Neid, Habsucht und Gehabe der Politkaste recht gut. Die Art wie man sich leistungslose Einkommen zuschanzt (auch auf dem Umweg GEZ) und dafür auch noch gegenseitig Orden umhängt ist nichts als der Versuch, das zu imitieren was man gern hätte: Geist und Erfolg. Nur, dass die begehrte schöne Zahnarzttochter von nebenan den Unterschied bemerkt und lieber über Proust redet als über Marx, Frauen in Vorständen und Genderforschung. Zu letzterem hatte Proust ohnehin mehr zu sagen als all die Schwätzer.

    Daß Sie Proust so zu würdigen wussten, rührt mich sehr. Vielen Dank.

  12. Titel eingeben
    „Nichteinladung anstelle Ausmerzung.“
    Wunderbarer Vorschlag.
    Nur leider werden Antifa & Co weiter so reagieren wie sie nun mal (offenbar) nur können.

  13. Bemerkenswert ist doch, dass am Ende, wenn die Nebel, die den angeblichen neuen Menschen
    umhüllen, sich verziehen, sichtbar wird, dass er in Wahrheit die ganze Zeit über der alte Bourgeois geblieben ist. Am Ende stellte sich der neue Zar immer nur als eine schlechtere Version des alten heraus.

    Die Suche nach der verlorenen Zeit, die ja auch immer eine Suche nach den verlorenen Menschen ist, ist vollkommen unnötig, weil die Menschen immer die alten geblieben sind. Vielleicht gelingt ja irgendwann ein Versuch mithilfe der Gentechnik. Aber bis dahin sollten wir unsere Suche nach der neuen Zeit besser unterlassen und uns mit uns, so wie wir sind, zufrieden sein lassen.

    • Also ich persönlich mag ja Fehler, Marotten und vor allem die Leibeigenschaft für andere.

    • Neu vs. alt
      Brecht hat seine schöne Szene 4 in seinem Galileo mit dem Motto überschrieben:
      ‚Das Alte sagt, so wie ich bin, bin ich seit je.
      Das Neue sagt, bist Du nicht gut, dann geh.‘
      Die ultimative Antwort darauf hat unser grosser Dichter Reinhard Mey gegeben:
      ‚Denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt,
      stimmt schon heut‘ oder morgen nicht mehr.‘

    • @ Frau Guarini
      War das nicht eher Hannes Wader („Heute hier, morgen dort“)?

    • Ohh, die Gentechnik macht Fortschritte - in Richtung Juden-Gen, ausgerechnet - sagen Juden - -
      – – in Israel: http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/New-law-says-genetic-test-valid-for-determining-Jewish-status-in-some-cases-506584

      Vielleicht kann man bald auch auf prospektive Leibeigenschaft testen, hehe.

      -Weil nichts bleibt, weil nichts bleibt, wie es war….
      (gesungen von Reinhard Mey und Hannes Wader…(geschrieben von Hannes Wader)

      Oder mit Brescht -/ ah net schlescht, ne – -Stes was Neues muss her/
      Das ist doch nicht schwer!

  14. Kompliment Don Alphonso
    ein sehr feiner Artikel, very sophisticated mit einem grossartigen Spannungsbogen.
    Über 100 Jahre Neiddebatte in Form des deutschen Sozialdemokratismus hat uns solche „Typen“ beschert: …“Sie kommen aus dem kulturellen Nichts und man sieht es ihnen auch an“…(Sieferle)
    Herzliche Grüsse
    HGE

    • Aber wie man an Radek sieht: Dauerhaft zufrieden wird man damit nicht, und ich denke, seine Nachfolger werden auch wenig zu lachen haben. Gern geschehen!

  15. Titel eingeben
    Wie immer wunderbar geschrieben, Sie haben dafür wirklich eine Gabe und egal welches Thema, es ist immer eine Freude Ihre Kolumnen zu lesen.

    Es war ja schon oft so, dass der Kapitalismus seine Gegner am Ende einfach kauft und integriert. Gerade Intersektionalität passt da ja wunderbar ins Bild wenn man mal einen Blick zu Google & co. wirft. Der Trend wird sich wohl eher noch weiter verstärken tippe ich, da hat es dann gar kein gigantomanisches Projekt Marke Soviet Union mehr nötig wenn man sich die Unternehmen dieser Welt freiwillig den Stokowskis, Schrammms und Wizoreks unterwerfen.

    • Lustig finfe ich ja, dass die derbsten Texte zu dem Thema ausgerechnet in einem zur Clickgosse für weisse Untermittelschuchtler mutierten Ex-Nachricnhtenmagazin zu finden sind. Nackte Brüste und Fett in Leggins, pakistanische Rassenkundige und Neoliberalalas, und und alle sind dankbar um das Geld,

    • @ Don Alphonso - Lustig...
      Ist es nicht ein wenig grausam und unkollegial so über die prekär Beschäftigten bei Spon herzuziehen? Oder bin ich jetzt völlig auf dem Holzweg?

    • Kollegialität passt leider nicht zur Leibeigenschaft.

  16. Zukunft in Europa und Deutschland
    Verehrter Don, Ihrer letzter Satz vom zerbrechenden Europa beunruhigt mich etwas.
    Ich lese gerne die Bücher von Penny McLean, die zwar sehr esoterisch aber keineswegs so leicht von der Hand zu weisen sind.

    Unter Anderem gibt es da die Schicksalsrhythmen, die alle sieben Jahre oder ein mehrfaches oder Zehnfaches davon wirken und Veränderungen herbeiführen sollen.
    Wie wir wissen wurde die Sowjetunion 1918/19 und folgende Jahre gegründet und ziemlich genau 70 Jahre später, 1989 begann das Imperium unterzugehen.

    Da die Bundesrepublik im Mai 1949 begründet wurde und 2019 dann 70 später sein wird, habe ich jetzt ein bisschen ein blödes Gefühl.

    Einzig beruhigend ist bei dieser Betrachtung das es im Falle der DDR genau 41 Jahre (Okt. 1949 bis Okt. 1990) waren, soll heißen das Schicksal schlägt nicht immer präzise zu.

    • Dass Reiche zerfallen, ist völlig normal. Die kunst ist es, den Zerfall klug zu gestalten, daran scheitern die meisten. Aber warum sollte Deutschland mit einer Wohlstandszone im Süden und einen internationalsozialistischen Stasislum gleichzeitig existieren? Irgendwann überwiegen die kulturellen Unterschiede alle Gemeinsamkeiten.

    • Die Zyklentheorie ist zwar bekannt und manche ergeben auch Sinn
      Aber dieser spezielle Zyklus erscheint mir sinnlos (Naziherrschaft: gut 12 Jahre, selbst wenn man nur den Krieg rechnet, das waren 5,5 Jahre, Deutsches Kaiserreich: 1871-1918: knapp 48 Jahre)
      Mir scheint da recht viel Curvefitting bei zu sein. Außerdem liegen die Vielfachen von 7 recht nah bei einander, sodass man fast immer irgendwie richtig liegt.

    • Titel eingeben
      „Aber warum sollte Deutschland mit einer Wohlstandszone im Süden und einen internationalsozialistischen Stasislum gleichzeitig existieren?“ Das wird schon verhindert werden, durch den Laenderfinanzausgleich, und ausserdem passt sich der Sueden ja schon an, siehe Baden-Wuerttemberg.

    • Ich gehe bei BaWü trotz allem von einer verhärteten AfD aus.

    • @Maschi, 30. Oktober 2017 um 13:45 Uhr
      Wenn man mit einem Zyklus nicht hinkommt, dann muß man halt Epizyklen einführen, am besten mit Zykluslängen in Jahren, die relativ prim zueinander sind. Nehmen wir also am besten 7 (biblischer Appell), 13 (superstitiöser Appell), 31 (Remineszenz an einen anderen Zyklus) und 101 (Nähe zu anderer mystischer Zahl), und schon hat man 284921 jeweils einzigartige Jahr allein im ersten Zyklus. Das dürfte für die gesamte erwartbare Historie der Menschheit ausreichend „Erklärungspotential“ bieten.

    • Die SüdwestCDU scheint durchaus...
      …kapiert zu haben, dass Merkel und ihr Politzirkel nicht alternativlos sind. Gab ja sogar schon entsprechendes Vorpreschen. Nur traut sich bisher keine kritische Masse gestandener MdBs, die Kaiserin nackt zu nennen und zusammen mit ihren Schranzinnen und Schranzen zu entmachten. Warum eigentlich? Müssen wohl noch erst noch ein paar Prozente an die AfD gehen, wie? Welcher Wähler wünscht sich im Ernst Merkelnachfolger, die man zT auch vom Politsprech her kaum voneinander unterscheiden kann? Beziehungsweise die brav die Verkündigungspolitik nachbeten,also Merkels Sonderweg selber für alternativlos zu halten scheinen?

    • Wohlstandszone ... und ... Stasislum
      Don,
      Ihr Wort in Gottes Ohr!

      Realistischer ist aber dass die groß erscheinenden Unterschiede zwischen Alpenrand und Waterkant soo groß nicht sind – sondern eher so:

      https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/der-westen-wird-den-globalen-kampf-ums-technische-wissen-verlieren-ld.1324618

      Zwischen 2014 und 2015 hat Japan die Aufnahme von Asylbewerbern um 145 Prozent gesteigert … von 11 auf 27 Personen.

      Deutschland steht 40 000 Mal großmütiger da.

      … im grossen China (1,388 Milliarden E – rund 17 mal Deutschland oder 3 mal EU ohne Briten) lebten 2015 … 583 anerkannte Flüchtlinge.

      Unter 1000 zehnjährigen Schülern erreichten bei TIMSS 2015 in Hongkong 450 und in Singapur sogar 500 die höchste mathematische Leistungsstufe. In Gesamt-Ostasien liegen die Japaner mit 320 Assen / 1000 Schülern am Schluss.

      Erst im globalen Vergleich zeigt sich die Aussagekraft dieser Werte. So hat Frankreich unter 1000 Kindern lediglich 20 solcher Könner. Deutschland steht mit 53 auf 1000 etwas besser da.

      Würde man Einwanderer aus unteren Rängen (in Ostasien) akzeptieren, triebe das den eigenen Leistungsdurchschnitt nach unten. Nur die Allerbesten aus schlechter abschneidenden Nationen kämen infrage.

      Man lernt dabei auch von Deutschland, wo die Zahl der Ausländer, die von Sozialhilfe leben, von 130 000 im Jahr 2010 auf 979 000 im Jahr 2015 hochschnellte und 41,5 bis 78,1 Prozent der Zuzüger aus dem arabischen Raum vom Staat bzw. vom Steuerzahler finanziert werden müssen.

      Ostasiaten also können ihre Lage nur dadurch nicht verschlechtern, indem sie ostasiatische Migranten aufnehmen. Deshalb gibt es in Hongkong, Singapur, Südkorea und Japan 4,15 Millionen chinesische Einwanderer. Die angelsächsischen Länder (Australien, Neuseeland, Kanada, Grossbritannien und USA) folgen mit 3,3 Millionen. Deutschland begnügt sich mit 100 000 Chinesen.

      Rassismus also verrät die Bevorzugung «seinesgleichen» keineswegs.

      Was den Ausschlag gibt, ist die Kompetenz der im Übrigen durchaus ungeliebten Nachbarn. Wer ökonomisch an der Weltspitze bleiben will, darf einen Hochqualifizierten nicht aufgrund seiner Hautpigmentierung zurückweisen. Das wäre nicht nur moralisch verwerflich, sondern ein Schaden für das Land. Würde ein Schulabbrecher hereingelassen, weil seine Haare oder seine Religion gefielen, wäre der Nachteil gross.

      Wer seine Schularbeiten macht, überwindet Grenzen. Wer sich dagegen um sie herumdrückt, kann sich nicht auf Diskriminierung herausreden.

      Weil das so ist, errichtet Apple für 500 Millionen Dollar zwei Forschungszentren an chinesischen Eliteuniversitäten in Peking und Suzhou. Dies unterstreicht, dass die USA mit ihrem eigenen Nachwuchs kaum noch mithalten können, ein (unter Trump mittlerweile illusionär gewordenes) Umsteuern der Einwanderungspolitik also viel zu spät kommt. Während noch vor kurzem China als der ewige Nachahmer galt, fragt sich jetzt sogar der «Economist», ob das Silicon Valley den «Rückstand wieder aufholen kann».

      Immerhin hat Amerika unter 1000 Zehnjährigen noch 140 Mathe-Asse, gegenüber 53 in Deutschland. Chinas Wert ist zwar unbekannt, sollte aber nicht allzu weit unter jenem von 350 der Verwandten in Taiwan liegen. Dazu schlägt die wuchtige Differenz zwischen 22 Millionen Amerikanern und 130 Millionen Chinesen im «Innovationsalter» von 25 bis 30 Jahren zu Buche. Gegenüber Deutschland allerdings bleiben die USA konkurrenzfähig.

      Das liegt vor allem daran, dass die aschkenasischen, indischen und auch ostasiatischen Überflieger vorrangig immer noch das «land of the free» bevorzugen. Dazu gehören die «Spitzeningenieure», von denen Googles Personalchef Bock weiss, dass sie dreihundertmal so wertvoll sind wie «Standardingenieure».

      Solche Genies wandern nicht nach Deutschland ab. Dafür ist von den Millionen Neuankömmlingen aus der Dritten Welt immer noch nur jeder Siebte auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar.

      Unter den Fortune Global 500 von 2017 halten Chinesen 115 Positionen (nach 9 im Jahr 1997), darunter die Plätze 2, 3 und 4. Singapur verzeichnet einen Anstieg von null auf drei Weltfirmen, Taiwan einen von einer auf sechs. Japan fällt kräftig zurück, Südkorea hält sich.

      Deutschland verschlechtert sich von 47 auf 29 Unternehmen. Die prozentual mit viel mehr, aber auch viel besser qualifizierten Migranten gesegnete Schweiz schlägt sich mit einem Rückgang von 20 auf 14 ungleich besser.

      Deutschlands Abstieg korreliert bei der globalen Wettbewerbsfähigkeit mit dem Wechsel von Platz 6 auf Platz 13 zwischen 2012 und 2016. Bei der erstmals gemessenen digitalen Kompetenz reicht es global sogar nur für Platz 17. Parallel dazu fallen die Viertklässler bei Timss vom 12. Platz im Jahr 2007 auf den 24. Platz im Jahr 2015 (nach dem 16. Platz im Jahr 2011).

      In Ostasien mögen die Plätze wechseln, der Aufwärtstrend jedoch setzt sich fort. Zuerst sind es die Japaner, die innovieren, dann die Südkoreaner, die beim Tempo zulegen, bis schließlich die Chinesen die Branche dominieren.

      Das spiegelt sich auch bei den Patenten pro 100 Milliarden Dollar Inlandsprodukt, wo Südkorea noch führt, China mit Bronze dem Zweiten, Japan, aber schon dicht auf den Fersen ist.

      Da die Kompetenzen mehr oder weniger gleich sind, in der Kreativ-Kohorte der 25- bis 30-Jährigen aber 130 Millionen Chinesen gegen nicht einmal 12 Millionen Japaner und Koreaner antreten, kann es anders nicht sein.

      … gibt es aber auch für Ostasien keine Garantie, dass ausbleibende Neugeborene wirklich durch Roboter und künstliche Intelligenz ersetzt werden können.

      Am deutschen Konkurrenten können die ostasiatischen Länder sehen, wie solche Kräfte für Unkosten und Unruhen gut sind, dafür aber einheimische Talente, die für die Mühen der Integration mit bluten müssen, über den Wegzug in Kompetenzfestungen nachdenken, in denen noch Zukunft winkt.

    • Ich sage es nur ungern, aber solche 6000Zeichen.Coreferate sollten wenigstens ansatzweise etwas mit dme Thema zu tun haben.

    • @Adeo Bernard: Entspannung! Ein Jahr später!
      Der US-Geheimdienst CIA kommt in einer Studie zu dem Schluss das es erst im Jahr 2020 zu einem Bürgerkrieg in Europa kommt.

    • 6000 Zeichen Coreferate sollten wenigstens ansatzweise etwas mit dem Thema zu tun haben!
      Asche über mein Haupt, Don!

      Selber könnte ich es eh nicht so lang, aber beim deutschen Professor reichten meine Schnellkürzungskenntnisse kaum aus, um unter das Limit zu kommen.

      Es wird nicht oft passieren…

      Danke fürs Freischalten.

      In der Substanz halte ich die Aussage für eine sehr gelungene Ergänzung von Sarrazin!

      Man könnte auch sagen:

      Europa hat sich schon abgeschafft.
      Die überlebenden Inselchen der Begabtenförderung und Hochleistung(sbereitschaft) reichen auf dem Weltmarkt sicher nicht zur Erfüllung der gutgläubig erworbenen Versorgungsansprüche der Noch-nicht-aber-schon-bald-Rentner…

      (Das wärs in etwa mit meinen Worten – aber ich zolle eben auch dem deutschen Professor Respekt der mit vielen Worten und mühsam zusammengeklaubten Zahlen Ihre Tegernsee-Überlegenheitsfantasien im Weltmaßstab relativiert.)

  17. Hoffentlich lesen das die richtigen Adressaten
    Mit sehr schönem Anschauungsmaterial aus der Geschichte auf den Punkt gebracht. Ob die neuen Stalinisten das wohl verstehen? Ich lese aus Dons Beitrag das Hohelied auf den bürgerlichen Pluralismus. Schön, daß Sie auch Danisch zitieren und es keine Eifersucht zwischen den Bloggern gibt.

    • Nein, natürlich nicht, die sehen da nur den schönen Platz, auf dem man auch 10 Aufschreie machen könnte.

      Danisch geht wenigstens noch raus und macht solche Themen.

  18. Parabellum ohne Alias;
    Wikipedia fächert das Metier der Schußwaffenerzeugung auf.
    Jede Gattung hat ursprüngliche Erzeuger und Geschichte.
    Hunde wälzen sich auf der Weide in Aas,um mit dem Duft zu renommieren.Einen Stalin im Zenit beeindruckt man so nicht.
    Proust als Hund misstzuverstehen und das Bild zu mißbrauchen,zeigt, daß Radek seinen Witz verzehrt hatte.
    Das Verzehrte,die Leerstelle, erlebt ihren Aufschwung?
    Was schert den Machtversessenen die Gesprächskultur?
    Die Macht der „Allwissenden“ zum Wohle aller Ohnmächtigen.

  19. Gelassenheit
    „…um es großbürgerlich höflich zu sagen, allenfalls noch einem kleinen Publikum eingeweihter Kenner ein fester Begriff.“

    Sehr schön gesagt, vielen Dank.

    Genauso gelassen sollte man auch aktuelle Texte von verschiedenen Textern und Texterinnen sehen, oder, wie ich mir das als Rezipient leisten kann, sie einfach ignorieren.

    • Sie wissen ja nicht, was da früher stand und dann wieder gelöscht wurde. Ernsthaft, Radek war eine der übelsten Figuren des 20. Jahrhunderts.

    • Meine Rede
      Ignorieren ist das beste. Vor allem weil vieles ja inhaltlich so unter aller Kanone ist, daß man es durch Kritik nur aufwertet.

      @ Don
      Üble Figuren gab es so viele, ich denke da nur an Curzio Malaparte. Der hat sich im Laufe seines Lebens ja fast überall rangewanzt.

    • Ja, aber er hat sich wenigstens selbst abschreckendes Beispiel vorgeführt, während Radek dachte, er sei ein Guter.

  20. Es gibt wohl unterschiedliche Arten von Bürgerlichkeit
    und die müssen keineswegs alle verschnarcht sein. Eine Facette wäre das, was Thomas Mann in seinen Romanen und Novellen (vor allem „Buddenbrooks“ und „Tonio Kröger“) beschreibt. Mann idealisierte das Lübecker Bürgertum, das der Holms und Hageströms. Und während seine eigene Familie schon dekadent geworden war und das „Verfallsdatum“ zu überschritten haben schien (sein großes Trauma) war diese andere Bürgerlichkeit äußerst vital, keineswegs etwa spießig oder unterdurchschnittlich.

    Thomas Mann gehörte nicht dazu und schlich letzten Endes davon wie ein geprügelter Hund, seiner Mutter (die er gleichermaßen als phänotypische Ausprägung der Misere, aber auch als ursächlich für sie ansah) hinterher. Das hielt ihn nicht davon ab voller Neid das Loblied auf die Ingeborg Holms und Hans Hansens zu singen. Nur so nebenbei: anscheinend lebte damals zumindest in Lübeck eine andere Art Nordlicht, eine Synthese aus dänischer und etwas südländischer (aber nicht zu südländischer!) Finesse.

    Alles in allem war die beschriebene Form des Bürgertums beneidenswert dynamisch, lebenslustig, lebte aber keineswegs eine Bohème (die hat Mann selbst eigentlich immer verabscheut, auch wenn er selbst sich dazu „verdammt“ sah), sondern in sehr geordneten, aber dennoch nicht langweiligen Bahnen. Thomas Mann, der unter seiner eigenen Dekadenz und der Nichtzugehörigkeit zur Lübecker Bürgerschaft zu leiden hatte, wurde auch von linken Literaten bewundert. Das ist erstaunlich wenn man bedenkt, dass er immer nur das Bürgertum als Ideal sah, niemals die Bohème oder gar sozialistisch orientierte Bewegungen.

    Er hat die Dumpfhirne der G20-Krawallmacher (zu rein quantitativ-bolschewistischem Denken in der Lage) schon damals antizipiert, in folgender Figur etwa: ein proletarisch-sozialistischer Aktivist beklagt sich „Wir wollen eine Republik“. Als ihm daraufhin von bürgerlicher Seite erwidert wird „Du Dösbattel, wir haben doch schon längst eine“ antwortet er „Nu, denn wollen wir noch eine“.

    Ich selbst bin kein Bewunderer von Thomas Mann, eher eine Art von Antipode zu ihm. Aber ich goutiere in hohem Maße die von ihm idealisierte Form von Bürgerlichkeit, sie ist auch für mich das Non-Plus Ultra. Es wäre ein Traum hierzulande einmal eine bürgerliche Partei zu haben, die das repräsentiert. Unsere etablierte Bourgeoisie (und da zählt eben auch die ganze devitalisierte und abgehalfterte Linke dazu) ist aber bestenfalls im Zerfallsstadium, vergleichbar mit dem Zustand der Verrottung in Manns Familie.

    Bourgeoisie (im Unterschied zur dynamischen Bürgerlichkeit) ist immer leblos, dekadent, auf dem absteigenden Ast, geht nur noch in die Breite statt nach vorn und verheddert sich in blutleeren Manierismen wovon es gerade heute eine ganze Menge gibt: politische Korrektheit, Feminismus und Genderdurchgeknalltheit, etc.

    Bourgeoisie kann links oder rechts sein (der Totalitarismus ist nur ihre militanteste Form, der Versuch die Leblosigkeit, Blutleere und Dekadenz mittels übersteigertem Aktivismus zu kaschieren), ungenießbar ist sie so oder so.
    Linksextreme Dünnbrettbohrer und Schwachmaten meinen zwar sich durch entsprechend lautes Geschrei gegen bourgeoise Dekadenz (aus der sie bezeichnenderweise oft hervorgehen-ein Umstand, der nur dem unterdurchschnittlich intelligenten Betrachter Erstaunen abringt) abzugrenzen, in Wirklichkeit sind sie viel unerträglicher und noch weiter vom eigentlichen Leben entfernt.

    Das linke Krawallmachertum ist lediglich die Blaupause der dekadenten Bourgeoisie-aber keine Alternative dazu.

    Das eigentliche Paradies ist da wo man die lebenslustige Ingeborg Holm (eine Stewardessentype, bürgerlich im besten Sinne des Wortes) und ihren sportlichen, feschen Lover Hans Hansen findet.

    Der Kosmos lächelt dazu und sagt: genau so wie es sein soll, so will ich es haben.

    • Thomas Manns Mutter,
      Julia da Silva-Bruhns, wurde in Brasilien geboren und war von der damaligen brasilianischen Kultur geprägt. Insofern scheint mir der Hinweis hier auf ihre Rolle im Lübecker Bürgertum bzw. auf die Sicht Thomas Manns bez. des Bürgertums unverständlich.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_da_Silva-Bruhns

    • @Goldmann
      Auch wenn ich kein Fan von Thomas Mann bin, die Fakten waren mir bekannt (bringt der ganze Bildungsbetrieb so mit sich). Ich verstehe aber meinerseits nicht ganz was Sie mir damit sagen wollen. Mann nimmt in einigen seiner Schriften zum Teil explizit Bezug auf sie (vor allem in „Tonio Kröger“) und ihre Rolle. Am besten Sie lesen dort nach und machen sich selbst ein Bild davon.

    • Spurenelemente
      „… ich goutiere in hohem Maße die von ihm idealisierte Form von Bürgerlichkeit“ Ich bezweifle, dass Thomas Mann in seinen Romanen irgendetwas idealisiert. Was aber die von ihm ausgiebig beschriebene Bürgerlichkeit angeht, so ist sie wohl in unserer Gesellschaft allenfalls noch in Spuren enthalten.
      „Das eigentliche Paradies ist da wo man die lebenslustige Ingeborg Holm (eine Stewardessentype, bürgerlich im besten Sinne des Wortes) und ihren sportlichen, feschen Lover Hans Hansen findet.“ Oder anders gesagt: Dumm sein und Arbeit haben: das ist das Glück
      :-)

    • @Jens Kinshofer
      Dumm sein und Arbeit haben: das ist das Glück.

      Aber im Ernst, ist es nicht so? Dumme haben es besser. Vor allem als Mann sollte man dumm, unsensibel und primitiv sein. Warum denken Sie rollt man Angehörigen von Kulturen, in denen es weder geregelte Schulbildung noch die vielfältigen Moralzwänge unserer politisch-korrekt überregulierten Käfighaltungsgesellschaft gibt hier den roten Teppich aus?

      Während man die eigenen Leute wie Dreck behandelt und ihre Bedürfnisse missachtet, bzw. davon ausgeht, dass sie keine haben?

      Man macht die Intelligenten verantwortlich für alles was einem nicht passt (statt ihr Potenzial zu nutzen bereitet man ihnen die Hölle auf Erden) und ersetzt sie durch Primitivlinge, Analphabeten, Schläger, etc. Glück hat man wenn man dumm ist oder Schaumschläger. Wer nichts drauf hat, aber das Talent sich wichtig zu machen und sich popanzmäßig aufzublähen, der genießt Respekt und wird gratifiziert.
      Der andere guckt in die Röhre.

      Man will keine Leute, die ECHT intelligent oder sensibel sind, man will nur die, die es VORTÄUSCHEN können. Schaumschläger eben, ein typischer Grünenwähler beispielsweise. Hält sich für intelligent weil er eine Partei wählt, die aus lauter Typen besteht, die sich selbst einen urbanen Bildungsheiligenschein aufsetzen. In Wirklichkeit ist die Masse dort dumm wie Brot.

      Wenn jemand als Schüler aufgrund seiner Intelligenz Bestnoten hat wird er in die Streberecke gestellt und ausgegrenzt. Studiert er dann später und bemüht sich redlich, keine Einsen mehr zu haben und alles nur noch mit drei zu machen, so passt es auch wieder nicht.

      Es scheint wohl so zu sein, dass manche Leute es dem Leben eben nicht recht machen können, was auch immer sie tun.

      Und dann wundert man sich wenn manche Leute Wut haben?

    • @"Harry Charles"
      „Warum denken Sie rollt man Angehörigen von Kulturen, in denen es weder geregelte Schulbildung noch die vielfältigen Moralzwänge unserer politisch-korrekt überregulierten Käfighaltungsgesellschaft gibt hier den roten Teppich aus?“ Weil man unglaublich dumm ist?

  21. alter köter
    Schön geschildert, der alte Köter…
    Betreff Radek: Es könnte schon sein, dass sich die AfD-Intelligenzia mit seinem Querfront-Konzept befasst. Dort wird ja vieles aus dem linken Fundus hervorgeholt.

    • Eadeks Fehler war, dass er glaubte, er könnte Leute nach links schaufeln. Das Gegenteil war der Fall, als nach 1933 ganze Spielmannszüge der Roten einfach braune Hemden anzogen. Die KPD st ja nicht zufällig so schnell zusammengebrochen.

    • Fundus
      Wer mit offenen Augen durch die Welt geht findet an den unerwartetsten Stellen Interessantes und Schönes. Wer sich Scheuklappen anlegt, endet womöglich als Intersektionalist oder in einer anderen Art von geistig verarmter Sackgasse.

      Im Übrigen wäre es vielleicht endlich an der Zeit, die überholten Kategorien „links“ und „rechts“ durch passendere wie z. B. „Utopisten“ und „Realisten“ (alternativ „Idealisten“ und „Pragmatijker“) zu ersetzen. Das könnte eventuell dazu beitragen, uns vor weiteren Eskalationen der Nicht-Gesprächskultur (wie in den beiden Podiums“diskussionen“, von denen die von DA verlinkten Berichte handeln) zu bewahren.

      Vernünftige Beiträge aller Seiten anschauen, sie bis zu einem möglichen Konsens diskutieren, kann man „Querfront“ nennen oder auch: Sich in der Mitte treffen.

    • Es gibt da den schönen Begriff „regressive Left“, aber meines Erachtens sollte man totalitäre Rassisten und Sexisten auch so nennen. Nur so kriegt man den Unterschied zu echten Linken hin.

    • @madmud
      die Gefahr mag bestehen. In erster Linie, weil sich die vornehmeren Herrschaften zu fein für die Drecksarbeit sind und nur zugucken. Ja, aber auch nicht gut, manchmal müssen sie auch an die Familie denken. Werden hoffentlich nicht alle zu feige sein.

      P.s. Der Don ist hier ausdrücklich nicht gemeint.

    • Das ist sehr freundlich, danke.

    • Spielmannszuege
      Die „Linksfaschismus“-Strategie der Komintern und der KPD in ihrem Gefolge war ebenso verbrecherisch wie desastroes. Soweit d’accord.
      Die Entschluesse von ein oder zwei roter Spielmannskapellen, ihre eingespielten Ensembles durch Wechsel in ein andersfarbiges Outfit zusammenzuhalten (Quellen, bitte!), sind fuer den rapiden Zusammenbruch der KPD nach dem 27. Februar 1933 ff. nicht ursaechlich.

      Zur rapiden Dezimierung der Partei nach ’33 die trug die leichte Nachvollziehbarkeit ihrer stur hierarchischen Struktur und die Unterwanderung ihrer Organisation wesentlich bei. Hinzu kamen Denuziation und Diffamierung: in der Folge der Reichskristallnacht wurden viele alte Rechnungen in dieser kerndeutsche Manier beglichen.

      Bis Ende 1934 wurden geschaetzte 60000 Kommunisten inhaftiert und 2000 ermordet, 1935 dann nochmal 15 000 als Widerstandskämpfer festgenommen. Bis zum Jahresende 1935 wurden dann fast 3.000 Hochverratsprozesse gegen mindestens 18000 Kommunisten wegen des „Wiederaufbaus der illegalen KPD“ durchgezogen.

      Mit den Inhaftierten und Verurteilten dieser Jahre haette man in der Tat so manches Marschorchester fuellen koennen. Doch vereintes Musizieren war in aller Regel nicht das Schicksal, das sie erwartete.

      Vom „Zusammenbruch“ der KPD zu lallen und diesen dann auch noch einer vermeintlichen Wendehalsigkeit ihrer Basis zuzuschreiben, ist vor diesem Hintergrund schlicht infam.

      Nun ist es ein Merkmal gerade der hier beklagten „verlorenen buergerlichen Gespraechskultur“, so ziemlich jede Art von Bodenlosigkeit zu entschuldigen, wird dabei nur ein eindrucksvolles stilistisches Feuerwerk abgebrannt. Humor ist schliesslich, wenn man trotzdem lacht. Wir plaudern wir hier ja nur. Und schmieren gegebenenfalls einfach was runter.

      Heine, Boerne, Tucholsky und Heym rotieren derweil im Grabe.

    • Beschaffen Sie sich mal „Nationalsozialismus und Arbeitermilieus“ von Detlef Schmiechen-Ackermann. Das ist keine schöne, aber erhellende Lektüre, speziell zu den Nebenorganisationen der Linken nach 1933.

    • Arbeitermilieus
      Das Buch ist bekannt. Leider derzeit vergriffen, doch Ihre Leser koennen sich anhand der damaligen Rezension im Mutterkutter —

      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik/rezension-sachbuch-trommler-in-den-strassen-11315834.html

      einen Eindruck davon verschaffen, ob Schmiechen-Ackermann in der Gesamtschau eher Ihrer oder meiner Darstellung zuneigen wuerde.

      Ich persoenlich habe wenig Zweifel daran, dass er sich gegen Ihre mit dem breiten Pinsel gemalte Untergangshypothese ebenso verwahren wuerde wie dagegen, sein Buch hierfuer als Beleg anzufuehren.

    • Sie können ihn ja fragen. Dann ist es nachher keine Unterstellung, wenn er Sie bestätigt. Sie wollten eine Quelle, ich habe Sie geliefert. Was sie jetzt machen, nennt man Derailing. Damit kommen Sie hier aber nur bis zu diesem Punkt ->.

    • gemeinsamer sport
      Der Autor Walter Wippersberg hat in den 80er Jahren das “Überlaufen” weiter Teile der Arbeiterschaft in Steyr (in den Steyrwerken wurden auch die “Singenden Steyrwägen” hergestellt) zu den Nationalsozialisten recherchiert. Einer der Gründe war, dass die Sozialdemokratie vor Ort sich stark über die Körperkultur, sprich den Sport definiert hat und die parteinahen Sportvereine wesentliches Element der Organisation waren. Über diese “Schnittstelle” des organisierten Sports hat man sich dann arrangiert. Dass in Österreich die Nazis und die Sozialdemokraten in den Austrofaschisten einen gemeinsamen, innig gehassten Feind hatten, war sicher auch hilfreich.

  22. Titel eingeben
    Werter Don Alphonso,
    ich beobachte immer wieder,dass sich in Deutschland überwiegend Diejenigen zu
    Wort melden,die unbedingt die Meinungshoheit behalten wollen.Andersdenkende
    werden verunglimpft oder anderweitig schlecht geredet,damit der Eindruck ent-
    steht,nur was Minderheiten mitteilen,sei überzeugend und richtig.Jede Minderheit
    hat ihre Lobbyisten,während die große Mehrheit immer noch schweigt.Sie brechen
    solche Meinungskartelle häufig noch auf,müssen leider dafür aber einiges an
    Verleumdungen einstecken.Ich bedauere diese Entwicklung der letzten Jahrzehnte,
    kann daran jedoch leider nichts mehr verändern.
    Vielen Dank für Ihre vielen Kommentare und Berichte.
    MfG O.C.

    • Ja, aber es sind Meinungskartelle ohne Meinungsmehrheit. Das ist das Kernproblem, wie in der russischen Revolution. Wenn die Leute folgten, gab es Brot. Wenn sie nicht folgten. Kugel oder Gulag. Und heute gibt es Stokowski, Kiyak, Berg, Diez, Meisner, Kahane, Maas.

    • Echte Linke
      …sind in der Regel Leute, mit denen man reden kann (gehörte früher auch dazu ;-)). – Intersektionalisten und andere Totalitäre sind, wenn überhaupt, nur in Anführungszeichen „links“.

      Das Traurige ist, daß die verbliebenen, wirklichen Linken sich kaum noch zu Wort melden, während die Pseudo-„Linken“ die Vernünftigen aller Richtungen (zumindest in Medien und einigen Milieus) vom „Podium“ gejagt haben.

    • Mich wundert immer, wie viele antideutsche Rassisten in Deutschland Platz bekommen,. Das kenne ich aus keinem anderen Land.

    • @DonAlphonso
      „Das kenne ich aus keinem anderen Land.“

      Das finden Sie genauso (oder noch krasser) auch in den USA oder Großbritannien, und vermutlich auch in anderen westlichen Ländern mit viel Einwanderung (nur kenne ich deren Medien nicht so). Es gibt einfach einen nicht so ganz seltenen gewissen Typus Einwanderer, der von Hass auf die (noch-)Mehrheitsgesellschaft geradezu zerfressen ist, diese im Grunde zerstören will und das auch ganz offen artikuliert; das ist im Grunde eine unvermeidbare Folge der Einwanderungspolitk der letzten 30-40 Jahre. Und die heutige Linke im Westen mit ihrem ganzen postkolonialistischen white privilege-Geseiere etc. hofiert diese Menschen und gibt ihren „Anliegen“ breiten Raum.

    • Gut, es gibt den Guardian und Buzzfeed, aber das sind nicht so fominantre Medien.

    • Es sind ja nicht allein die Medien, Don ,
      .
      .
      ..

      sondern es ist vor allem die Politik, in England primär Labour, aber auch der von der Textilindustrie gewünschte Massenzuzug von Menschen aus Pakistan hat das Land nachhaltig verändert.

      Sie haben schon recht, im Prinzip könnten komische Medien zetern, wa sie wollen, aber wenn so etwas in der Politik Niederschlag findet, wird die Stammbevölkerung niedergeschlagen.

      In einer endlosen Serie von Einzelfällen .

  23. Paschukanis kam auch unter die Kugel!
    Während meines Studiums habe ich nicht nur Hans Kelsen oder Gustav Radbruch gelesen, sondern auch Paschukanis. Mein Schluss daraus war, außer dass ich bis heute nicht verstehe was ein sozialistisches Eigentum sein soll, dass man als Kelsen oder Radbruch besser davon kam, als ein Paschukanis. Auch das Staatsverständnis eines Hans Kelsen und eines G. Radbruch bleiben zeitlos gültig. Nach den von Paschukanis abgeleiteten, hoch abstrakten Staatstheorien kräht kein Hahn mehr. An der Idee der Gerechtigkeit als zumindest anzustrebenden Ideal und dem (bürgerlichen) Eigentum als Basis persönlicher Freiheit, sexueller Selbstbestimmung und Lebensgestaltung dagegen kann eine freie Gesellschaft nie genug haben. Gleich verhält es sich mit den Gesichten eines Marcel Proust und seinem Partner Alfred Agostinelli. Auch er soll nicht verschwiegen werden.

  24. Keine erfolgreichen Strategien
    Für mehr als 70 Jahre hat es gereicht.

    Und wie sagte Sahra Wagenknecht:

    „Nicht zu leugnen ist, daß Stalins Politik – in ihrer Ausrichtung, ihren Zielen und wohl auch in ihrer Herangehensweise – als prinzipientreue Fortführung der Leninschen gelten kann. … Eine solche Analyse wird vermutlich zu dem Schluß gelangen, daß weder in Bucharins Lösungsansatz noch in dem Trotzkis … eine realisierbare Alternative zur Stalinschen Linie vorlag.“

  25. Staatsform
    der rechthaberischen Linken: die Proktatur des Diletariats (Mehring).

  26. Ach ja, Tucholsky ,Gripsholm
    .
    . habe ich erstmals auf der Abi-Reise 1979 in Sizilien, im Club- Med gelesen.

    Zu Proust habe ich mich noch nicht durchringen können, möchte aber schon.

    Was die Radeks, Heydrichs, Trotzkis, Lenins, Stalins, etc., dieser Welt angeht :

    Eine gute Anzahl dieser Menschen sind psychopathische Sadisten, die Machtphantasien realisieren, wie weiland

    Kramer Institoris mit seinem Malleus Maleficarum.

    Die romantische Verklärung der sowjetischen Realität in der Zwischenkriegszeit, in Frankreich dauerte das sogar länger, und in England brachte es Spionageringe hervor,

    erinnert ein wenig an salonlinkes ,,Gedanken“ -Gut von heute.

    Und wieder sind persönlich durchaus widerliche Leute dabei,

    die fernab von Inhalten ihrer Krankheit frönen, zum gewollten Schaden ihrer Mitmenschen.

    Manche sind kleinwüchsige Männer, die mit Verbotsgesetzen etwas kompensieren.

    Viele sind verhärmte Frauen , die in völliger Bösartigkeit gelandet sind.

    Und während gute Literaten überleben,
    werden radikale Politrukniki, ob parlamentarisch oder in Stiftungen,
    in absehbarer Zeit wieder von ihrer eigenen Revolution
    gefressen werden.

    Und Platz machen für die nächsten,
    wer oder was immer die sein werden.

    • Was ich besonders unbegreiflich finde,
      ist, dass Medien wie die Zeit oder die SZ diesen „in völliger Bösartigkeit gelandeten“ Frauen wie Mely K. oder Carolin E. ein regelmäßiges Forum bieten.

    • Das ist halt heute Feuilleton-Mainstream. so eine gewisswe Art KKässmann-moralpredigt von Leuten die weder schreiben noch freundlich sein können. Jeder Revolution ihre Charmebehinderten.

      Emcke ist so lesbar wie Radek.

    • Marcel Proust
      Herr Moser, lesen Sie das Taschenbuch „Combray“ (it 2878) an, den ersten Teil der Recherche. Wenn Sie die ersten paar Seiten mögen, sitzen Sie fest.

      Und noch ein TB: „Proust-ABC“ von Ulrike Sprenger. Der Schlüssel zum Schloß, für 1,96 €, antiquarisch, praktisch, sehr gut.

      Viel Vergnügen,
      L.

    • Danke , Herr Lichtenberg ,
      ..
      für die beiden Lesetips .

  27. Gnihihi
    „Was ich daraus gelernt habe, ist zweierlei: Sozialismus ist noch ungesünder als Asthma“
    :D
    Eine spontane Erheiterung bemächtigte sich meiner, sehr zum Befremden meiner Arbeitskollegen. Danke Dafür!

  28. Bravo! Bravo! Bravo!
    Text eingeben

    • Gern geschehen (ich wusste nicht, ob der Text funktioniert).

    • sehr gelungen! (echt!)
      (ich ärgre mich ja auch manchmal über Sie, aber diesmal haben Sie mir „aus der Seele gesprochen“ – wie Kommentarverfasserinnen in der „Presse“ das ausdrücken würden. Die publizistischen Lager allerdings sind bei uns vielleicht noch segregierter und feindseliger als bei Ihnen, da hilft nur nonchalence, wenn von Umstürzen geträumt wird)

    • Ich fene, man darf sich auch gern mal über einen Autor ärgern. Warum nicht? Das gehört dazu.

  29. Die weiße Dame und der farbige ...
    … Federfächer, und dazu eine Wunde (? oder ein Kuss?) auf der Wange. Was will uns dieses Bild sagen – lasziv oder käuflich? Wie farbig ist der Fächer „in Wirklichkeit“ (oder bei welchem Bild lag der automatische Weißabgleich richtig)?

  30. Alles gut ...
    … aber trotzdem muss es im Abschnitt unter dem Seefoto „die“ Komintern und nicht „der“ Komintern heißen … ;-).

  31. Die Nase ist das Sinnesorgan für Erinnerungen
    À la bonne heure, wie so oft, vielen Dank!

    Reden, aber bloß: mit wem? Vor langer Zeit hat einmal eine Gesprächspartnerin amüsiert aufgelacht, als ich davon erzählte, daß mir der erinnernd-erzählerische Irrgarten von Proust gefallen hat. Das war schon zuviel geredet. Karl Radek und Lew Bronstein aka Trozkij ist das Reden gar nicht gut bekommen.

    Schon seit geraumer Weile verspüre ich keine Lust mehr, mich gesprächsweise an Behauptungen abzuarbeiten, während mein Gegenüber schon die nächste erfindet und raushaut. Ehe ich mich ärgere, ist es mir inzwischen doch lieber egal. Oder frei nach Schopenhauer: Da geht jemand auf einen Ball und trifft nur auf Einbeinige – mit wem soll er tanzen? Und: Bloße Meinungen soll man einfach auf sich beruhen lassen.

    • Ach, ich komme auch gut ohne Reden aus, es ist ein Angebot, aber wenn da nur Anschuldigungen kommen oder Voruerteile, mei, dann halt nicht. Es ist nicht so wichtig, ich gehöre so oder so zu den Gewinnern.

    • Dahergesagtes ....
      ist in der Tat eine Unsitte, die sich seit ein paar Jahren ausbreitet. Leute, mit denen man früher noch gepflegt kommunizieren konnte hauen auch meiner Erfahrung nach nur noch irgendwelche Tatsachenbehauptungen raus und ja, widerlegt man die oder möchte auch nur Details erfahren, kommt einfach die nächste.
      Regierungstreue Gesinnung kommt heute vor der Wahrheit oder, wie in einem wundervollen italienischen Film der Chefredakteur einer kommunistichen Zeitung sagte : „Die Wahrheit, Genosse, ist nicht immer revolutionär“.
      Mit so einer Denke kann man natürlich keinen Krieg gewinnen, und auch der Frieden hält da nicht mehr was er verspricht. Es ist traurig, weil ohne echten Diskurs einfach keiner mehr weiter kommt.

    • Nun, momentan sind die Fronten noch räumlich getrennt, das hat durchaus etwas Beruhigendes.

  32. 100 Jahre Oktober-Revolutions-Feier,
    die Putin nicht so recht feiern mag aus Angst vor Gegenmeinungen/ Demonstrationen.

    In China nicht anders. Buchhändler aus Hongkong werden einfach verschleppt, weil sie Bücher mit Meinungen verkauft haben, die den Oberen nicht genehm sind. Aber es sitzen mehr als 30 Milliardäre in deren Parlament der „kommunistischen Partei“. Ein Hohn.

    Wenn wir auch dauernd meckern, lohnt es sich doch,das Unsere zu verteidigen.Von allem Schlechten scheint es noch das zu reformierende Bessere zu sein.Wachsamkeit, die ich bei Entscheidungsträgern in mancher Hinsicht unter ihrer Glocke vermisse, kann kein Fehler sein.

    Übrigens kommt mein Kartoffel-Lauch-Auflauf mit überbackenem Bergkäse immer gut an.Wer mag, kann Kochschinkenstreifen unterheben.

    • Was macht eigentlich Anetta Kahane heute?

    • Parade
      Zitat:
      „Was macht eigentlich Anetta Kahane heute?“

      Die wird wohl eine anarchistische und pazifistische Militärparade von ihren Antifa Truppen abnehmen.
      Muss beeindruckend aussehen, wie die schwarzen Verbände unter ihrem Balkon herziehen und Kahane und ihr Ehrengast Maas jovial von dort herabgrüssen.
      Aber bitte nicht mit Fackeln, das machen nur Nazis, ausser es sind sozialitische Fackeln.

      Ich hoffe, ich bin nicht zu zynisch, aber als ich heute hören musste, dass es in der Wohnstadt meiner betagten Eltern, im beschaulichen Unna, bei der letzten Kirmes zu Schlägereien zwischen Männergruppen kam, wird mir ganz flau im Magen.
      Es breitet sich aus und verläst die Zentren.

    • Wenig. Das Problem bleibt in den Städten, schon seit 2 Jahren.

    • Name vergessen
      Der Gast heisst Thomas Meyer

    • "Männer" ist in den Qualitätsmedien
      das Codewort für (muslimische) Migranten. Mit „Männergruppe“ meint der angstvolle Durchschnittsjournalist in der Regel Araber/Nordafrikaner.

    • -wenn es Deutsche sind, steht oft Deutsche dabei. „Münchner“ bedeutet Münchner, „mit Wohnsitz in München“ bedeutet meist Migration.

    • Zum Glück ist der ÖPNV hier auf dem Lande ziemlich mau.
      Wird zwar immer wieder von den wenigen Neubürgern, die hier verblieben sind, als Integrationshindernis angeführt, aber auf solcherart Integration können wir hier gut und gerne verzichten.

    • Übrigens haben bei uns in Bayern Käffer ohne jede Migration AfD-Anteile von übrr 20%, aber das nur am Rande.

    • Was macht eigentlich Anetta Kahane heute?
      Vielleicht telefoniert sie herum, wer denn so mitmacht beim Sturm auf den Reichstag, am 7. November? Ich gehe davon aus, dass sie eingeladen wurde und sich diesen Traum aller Träume nicht entgehen lassen wird.

      Wer es nicht glaubt (und bis heute früh ich auch nicht), kann ja Milo Rau und seine neueste Unternehmung googeln. Es ist ein Trauerspiel, dass der Mann sich nicht entscheiden kann, ob er nun den Sturm auf die Bastille nachspielen möchte oder den Sturm aufs Winterpalais – angesichts des Datums wohl eher letzteres. Andererseits heißt das Event „Reenactment – General Assembly“. Darunter ist scheinbar nichts mehr zu machen.

      Das allertraurigste Trauerspiel oder vielleicht doch eher Aristophanes reloaded ist es, dass lt. dem ÖR-beglaubigt intellektuellsten Theatermann unserer Tage ungefähr 70 Bundestagsabgeordnete – mit Ausnahme derer von der AfD – sich zur Teilnahme an der Versammlung der Generalstände gemeldet haben, Madame Kipping unter anderem.

      Man erwartet ja nicht mehr viel. Aber wer bringt den Leuten nur ein bisschen Geschichte bei?

    • Es gibt so Leute in Berlin…


    • Übrigens haben bei uns in Bayern Käffer ohne jede Migration AfD-Anteile von übrr 20%,
      Naja… muß man die Cholera erst selbst erlebt haben, bevor man sie furchtbar findet?

    • Ich muss mal was über unseren Rathausplatz schreiben, der erklärt vieles.

    • @AD, 30. Oktober 2017 um 14:50 Uhr [Kahane]
      Diese Oberpriesterin ihrer ganz besonderen Toleranz wahrt bei Belltowers die bereichernde Vielfalt wenigstens in typographischer Hinsicht, denn mit der Meinungsvielfalt hat sie es ja weniger.

      Man findet in den Artikeln dort nichttypographische Anführungszeichen, typographisch englische, typographisch italienische, Mischmasch aus nichttypographischen und typographisch deutschen usw., nur anscheinend keine paarigen typographisch deutschen (99 unten, 66 oben). Das wäre ja wohl auch Nazi. Man sieht, die richtige Herzensbildung ist da, die andere weniger, die ist ja auch nicht so sehr nötig bei zureichender Überzeugung.

      Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre. Die lokale Studentenorganisation des KBW marschiert mit Transparenten in eine Vorlesung ein, der Anführer hält Volksreden über die Einheit von Arbeiterklasse und Studentenschaft. Der Dozent lässt angesichts der schon erlebten Kräfteverhältnisse am Ort und des Eskalationswillens der Menschheitsbefreier alles ergeben geschehen. Wie die Herren und Damen sich endlich entschließen, den Hörsaal wieder zu verlassen, bemerkt er: „Sie haben da übrigens einen Schreibfehler auf ihrem Transparent.“ Antwort der zweiten Charge: „Nö, was soll denn da falsch sein?“ Der Dozent weist es ihm nach. „Naja, das ist ja auch nicht so wichtig, denn was auf dem Transparent inhaltlich steht, das stimmt so.“ Anwort: „Mitnichten.“

    • Wenn "bunt" zu bunt wird...
      Vodoo-Anhänger vs hedonistische „Zombiewalk“-Teilnehmer am Essener Hauptbahnhof und/oder Warmlaufen für Silvester am Kölner… Das ist alles nicht mehr feierlich.

    • In Bayern war es wasserwerferruhig.

    • Migration so schlimm wie Cholera?
      Der Farbirre hat keine Cholera erlebt.

  33. Einer Ihrer besten Texte,
    sehr geehrter Don. Die Heranführung und Darstellung der Parallelen ist Ihnen messerscharf gelungen. Der wundenleckende Hund in der Sonne ist die bessere Entscheidung. Danke dafür.

  34. Zunächst dürfen wir etwas Realsozialismus im existenzialistischen
    Jameikaländle erfahren. Bis zum dreifachen Horido ala Genossen Honecker ist es noch Zeit.

  35. Titel eingeben
    Den ehemaligen Spiegel und die Post-Dönhoff/Schmidt-Zeit so schön zu bezeichnen ist eine Perle dieses Beitrags: „hamburgisch-antibürgerlich-schlechtgelaunten Publikationen“

    Fein

    • Die schlechte Laune hätte ich da oben am Polarmeer allerdimngs auch.

    • Dönhoff
      Ein leitender Kulturredakteur ihres Blattes bezeichnete seine Chefin in seinen Memoiren als „die dusslige Gräfin“.

    • @kdm: Die Bürgerin Marion Dönhoff
      Fritz J. Raddatz über Gräfin Dönhoff („Zeit“-Chefredakteurin):
      „Die ganz verlogene Dönhoff in einem TV-Gespräch … ekelhaft, wie die Leute ihre eigenen Lügen im Bleyle-Kleid mit Perlenkette glauben und man sie ihnen, sind sie Gräfin, glaubt.“

  36. Wohl und Wehe
    Wohl denjenigen, die sich ein Exil, wo auch immer, leisten können.

    Einer unserer Ex-Außenminister hat ja letztens schon angemerkt, daß das alte Europa vor unseren Augen verfallen wird.

    Ach ja, und es war für mich heute eine harte Kost. Komme nicht aus dem gehobenen Bürgertum. Mir hatte man immer gesagt, daß Glück und Erfüllung in Arbeit und Fleiß läge. Da war keine Zeit für Salons und den sich dort tummelnden Bolschewisten und deren Albträumen oder Versprechungen. Dumm gelaufen.

    Wehe den alten Hunden. Die Tierheime sind jetzt schon von anderen belegt. Wer sind eigentlich diejenigen, die kaufen, wenn das Blut auf den Straßen fließt? Frei nach einem Vorurteil über Kriegsgewinnler!?

    • Ich schreibe ja auch nicht aus dem ehrlichen Leistungsbürgertum, sondern aus dem niedergehenden Dekadenzvolk.

    • Um Gottes Willen
      Da war jetzt kein Schuh dabei, den Sie sich hätten anziehen sollen. Da stehen eher meine Eigenen. Die ich nicht oder zu spät gesehen habe. Oder auch nicht gemerkt, daß die für mich sind. Oder auch noch zu spät zu naiv, als das ich mir vorstellen konnte, daß da jemand Schuhe für mich hinstellt.

      Nein, alles bestens. Auch ohne Rennräder. Mir fehlen nur die Berührungsflächen zu Radek oder Proust. Deshalb heute etwas schwer. Und zum Glück ohne „schwieriges“ Nebenthema wie neulich. Bis jetzt.

  37. Auf den Hund gekommen...
    „Dafür weiß der alte Hund aufgrund seines langen Lebens, was verdaulich ist, und was nicht. Manchmal möchte er gestreichelt werden, manchmal will er seine Ruhe, und manchmal ist er brennend eifersüchtig – etwa, wenn darüber nachgedacht wird, wie man den nächsten Hund gut behandeln will, der da bald aus südlichen Regionen kommen wird. Oder wenn man gar zur Entscheidung kommt, solche alten Hunde seien nicht mehr stubenrein, die könnten weg.“

    Vielen Dank für den schönen Text und den treffenden Vergleich.
    Ja, ich muss zugeben: Der alte Hund wird wohl langsam nicht nur eifersüchtig, sondern richtiggehend sauer, wenn Leute, die in ihrem Leben effektiv noch nichts geleistet haben (noch nicht mal hinsichtlich der eigenen Bildung) ständig nur den Umbau von Staat und Gesellschaft auf allen Ebenen fordern und betreiben, gleichzeitig jeden politischen Gegner am liebsten ganz in der Tradition von Radek/Stalin liquidieren – oder zumindest medial und gesellschaftlich mundtot machen würden.
    Das Problem mit dieser Couleur ist in den heutigen Tagen im Gegensatz zu den letzten knapp 70 Jahren ja dieses, dass diese Leute und deren Ansichten nicht nur in Hinterzimmern, vereinzelten Jugendzentren und einzelnen Extrem-Ausrastern wie Rote Flora/Rigaer Straße zu finden sind, sondern dass sich diese Denkweise und zahlreiche Anhänger hiervon in Medien und Politik – also „ganz oben“, wo eigentlich staats- und gesellschaftstragend und somit vereinend gedacht und gehandelt werden müsste, etabliert hat.
    Die Frage ist nur: wie damit umgehen – und wie bereinigen?
    Laufen lassen oder nachgeben – so wie in den letzten Jahrzehnten und speziell Jahren ist keine Lösung, denn dann wird das „Programm“ umgesetzt das diese Couleur bestellt hat – und da wären wir dann wieder bei Radek.
    Also bleibt meines Erachtens nur die Gegenbewegung und damit einhergehend die Konfrontation. Und ich befürchte, dass, da der Hund ja eher bequem und auch ein bischen träge ist, die Speerspitze der Gegenbewegung sich aus anderen, extremeren Kräften, die vom trägen Hund aber als das geringere Übel angesehen werden, gebildet wird.
    Oder wie sehen Sie die Lage?
    VG ins Oberland

    • Manchmal glaube ich, die Radek verwechseln die Pudel und die Wölfe. Nach langer Zeit sieht das alles für sie gleich aus.

  38. es geht heute nicht mehr um den Duft von Madeleines,
    statt dessen ist „die Säuberung“ in vollem Gange. Gestern mal wieder seit langem Tagesthemen geschaut. Beitrag Jamaika: Einziger O-Ton von Claudia Roth, das Übliche. Keine weiteren Protagonisten. Danach dann gleich ein Beitrag über die hungernden Kinder in Syrien. Danach Fußball. Mir war richtig schlecht. Es ist schon einmalig, wie gerade ein europäisches Kulturvolk erweiterten intellektuellen und politischen Suizid begeht.

    • Ich glaube, claudia Roth wird bei Jamaika auch nicht mehr zu sagen haben als Radek 1934.

    • Akosia @ 30. Oktober 2017 um 14:34 Uhr
      Akosia sagt:
      „Mir war richtig schlecht.“

      So gehts mir auch immer bei den ÖffRechtlchen, nachdem ich die Fassung wiedergefunden habe.

    • Hamburger Tagesthemen
      Ach, jetzt nicht so ungnädig über ARD-Tagesthemen und Hamburger Presselandschaft herziehen, bitte!

      Das investigative Recherche-Netzwerk von NDR-WDR-SZ und SPD-Medienholding mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung arbeiten gerade eine Reportage aus über die Unterfinanzierung von Familiensozialarbeit als Mittel der Prävention für Kindermorde aufgrund von Übersprunghandlung nach Gerichtsentscheid auf Basis der Sozialprognose für Geflüchtete und deren Kleinkinder.

      Die Zeit-Stiftung sammelt bereits mit medialer Unterstützung des Spiegel-Verlags und etlicher ortsansässiger Internet-Dating-Portale für einen Hilfsfonds der Hinterbliebenen deutscher Familiengerichte, die das Bleiberecht und den subsidiären Kinderschutz auf Basis der Familienzusammenführung entscheiden.

      Hamburger Medien sind engagiert – nicht immer nur so verächtlich darüber herziehen, bitte.

      Ich glaube, Claudia Roth wird wie ein Radek bis zum Ende nichts zum Mord an einer Zweijährigen zu sagen haben. Ist ja nicht ihr Thema, sie ist jetzt zum erneuten Male Vize-Bundestagspräsidentin, die Grüne, die immer lacht.

      So herzlich.
      Mich zerreisst es fast im Herzen, wenn ich das noch weitere vier Jahre ertragen muss. Diesen Zynismus.

    • @Akosia
      Schön auf den Punkt gebracht. Ich habe mir hier zu dem Thema auch schon die Finger wund geschrieben, bin da allerdings meist sehr viel weitschweifiger. Auch wenn das die Intelligenzler hier im Forum immer nervt, ich tue es in der Hoffnung, dass einer der vielen Doofen von außerhalb hier mal reinliest und meine Argumente wenn schon nicht bewusst dann doch irgendwie unterschwellig bei denen wirken.

      Aber da es sportlich ist versuche ich mich hier auch mal an einer Kurzform: 68-er Laus im Pelz versaut Pädagogik, produziert Rot-Grün-Pauker am Fließband. Doofe Masse kriegt nix mehr mit, lässt sich in die Irre führen. Hinzu kommt ein Gebräu aus typisch protestantischem Ehrgeizler- und Eiferertum.

      „Virtue signalling“=nur eine Abart des Streberpiefketums wie es vor allem bei den geistig etwas tiefer gehängten Nordlichtern (die geben keine Ruhe bis sie jemand gefunden haben, der sie in den Arsch tritt, protestantischer Masochismus+Flagellantentum=sie wollen betrogen werden), siehe ARD-Tagesschau, zu finden ist.

      Ein Forist hat hier mal einen (echt sehr klugen!) Napoleon-Spruch zitiert: „Die Deutschen (gemeint sind wohl die o.a. protestantischen Streberpiefkes) sind leicht hinters Licht zu führen und behandeln ihre eigenen Leute schlimmer als ihre eigentlichen Feinde.“

      Und Brot und Spiele suggeriert Friede, Freude, Eierkuchen.

      Mehr muss man dazu eigentlich nicht mehr sagen.

    • Harry Charles, natürlich. Sonntagsfrage?
      Letzte Woche. Alles wie am 24. September. Bis auf CDU minus 1 Prozent, SPD plus 1 Prozent.

      Die Deutschen sind wirklich Weltmeister …. vielleicht nicht im Export, vielleicht nicht in falscher Moralität …. vielleicht Im Durchhalten. Was sie sich einmal in den Kopf gesetzt haben, bleibt. 1945 ist ein trauriges Beispiel. Da war schon alles lange vorbei. Sogar wenn man nur dem Reichsrundfunk lauschte: Westlich des Rheins wurden den Amerikanern vernichtende Niederlagen zugefügt, ebenso wie den Russen östlich der Oder. Und dennoch, die meisten Augenzeugen die ich persönlich kenne, bestätigen dass man unwankelbar an den totalen Endsieg geglaubt hat.

      „Wir schaffen das“ passt gut dazu, auch die vielen ‚Männer‘ mit und von denen ständig etwas passiert stehen in dieser Tradition.
      D. K. Dent beschreibt es schön, hier und heute, als „[…] selbst ihren [eigenen] Untergang mit unbeteiligter Neugierde und nüchternem Interesse verfolgt.“
      Und Don Alphonso konkretisiert „Mich wundert immer, wie viele antideutsche Rassisten in Deutschland Platz bekommen.“
      Wobei dieser letzte Satz doch auch eine anständige Portion Blauäugigkeit aufzeigt. Denn, bitte, genau das gehört zu den Biedermännern dazu: Dass sie neugierig-nüchtern dem Brandstifter zusehen. Bis das Haus lichterloh in Flammen steht.

      „Er will kein Haarwasser – Sondern? – Menschlichkeit … [Biedermann riecht am Korken] – Sagen Sie ihm, ich werde ihn eigenhändig vor die Tür werfen, wenn er nicht sofort verschwindet. [Er füllt sorgsam sein Burgunderglas] Menschlichkeit!… [Er kostet den Wein] […] Ich komme sofort. […] ich bin kein Unmensch, aber – ich bin kein Unmensch, Anna, das wissen Sie ganz genau!“

    • Warten sie ab, wenn man in Berlin über die Rechte derer spricht, die erst noch kommen werden, dann verschiebt sich das wieder mit den Stimmen.

    • @Dippel
      Noch etwas zum Thema Protestantismus: Heute ist ja Reformationstag. Es dreht einem den Magen um wenn man sieht wie Luther auf rot-grün, auf undifferenziert dümmlich tolerant gebürstet wird. Wenn Luther etwas nicht war, dann religionstolerant nach allen Seiten. Seine Haltung gegenüber dem Islam ist soweit ich weiß: ablehnend. Einige seiner Äußerungen belegen das eindeutig. Die sind viel extremer als das was Glaser von sich gibt.

      Der wird allerdings als Bundestagspräsident abgelehnt, wohingegen Luther weltweit gefeiert wird. Fehlt nur noch, dass Letzterer als Vorreiter des € hingestellt wird. Er muss wohl im Grab wie ein Spinnrad rotieren wenn er sich ansieht wie seine Vita verfälscht und der politischen Opportunität angepasst wird.

      Übrigens war Luther eine Art von Befreier. Und er war eine Art Nationalist. Auch das belegen zahlreiche seiner Äußerungen. Man kann sich leicht vorstellen wie er zum „virtue signalling“ und zu Refutschi Wällkamm gestanden hätte. Befreier vom Joch der Papstherrschaft. Der Nordlichter-Protestantismus von heute ist eine Art Versklavung. Man missbraucht und knutet die eigenen Leute im Rahmen einer überdrehten Leistungsmoral, sie dürfen für den Rest der Welt Werte schaffen, die ihnen selbst nicht zugute kommen.

      Es geht hier weder darum, einen auf islamophob noch einen auf aggressiv-nationalistisch zu machen. Aber einerseits ist der radikale Islam nun mal eines der Hauptprobleme, die die Welt zur Zeit hat.

      Und andererseits: es kotzt einen im Großmaßstab an wenn man sieht wie harmlose, um Heimat bemühte Haltungen (wie sie überall auf der Welt legitim sind und kultiviert werden) sofort mit der Nazi-Keule niedergeknüppelt werden, vor allem von den total nach links verrutschten Medien. Und das auf dem Hintergrund der Tatsache, dass es in der Endphase der Weimarer Republik etliche deutschnationale Parteien gab, die von den Nazis dann unterdrückt oder gleichgeschaltet wurden.

      Der Reformationstag und die wissenschaftliche (oder zumindest ehrliche) Beschäftigung mit der Vita von Luther wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich ein paar Fragen zu stellen und sich neu zu positionieren. Stattdessen lügt man sich ihn zurecht, dass sich die Balken biegen, man missbraucht und instrumentalisiert ihn dazu, sich immer weiter selbst zu belügen. Pfui Teufel. Der Protestantismus wie er von Luther angedacht war ist fast das Gegenteil von dem was heute daraus gemacht wurde. Luther hätte sich sicher eher vierteilen lassen als grün zu wählen. Man kann sich auch leicht vorstellen wie er über Dinge wie Feminismus oder Gender gedacht hätte.

      Und wenn man bedenkt, dass Trittin (dessen Vater in der Waffen-SS war) jetzt vielleicht Minister und seinem Land damit immer weiter schaden wird:

      Naja, was soll man noch groß zu all dem sagen?

    • @Harry Charles
      Natürlich wird immer jeder – insbesondere Verblichene – dafür ‚ausgeschlachtet‘, Munition zu liefern.
      Ihr Beispiel ‚Luther‘ ist da ein wunderbares. Ihm kann man ziemlich alles unterschieben, er kann sich auch nicht mehr wehren. Anti-Semit, Refugees Welcome, Befreier, Zerstörer, Religionsfreiheitskämpfer, Frauenunterdrücker, was immer man will.

      Aber auch Lebende werden ausgeschlachtet. Lesen Sie mal, was der Mainstream über Gauland und H.C. Strache verzapft. Übelster reaktionärer nationalistischer Konservativismus (lassen wir die Nazi-Keule mal weg). Weil sich beide für ein grösseres Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung einsetzen (lassen wir mal ‚Volk‘ weg).
      Ein staunch nationalist wie Puigdemont, der dem katalonischen … Volk / Bevölkerung (?) ein nationales Selbstbestimmungsrecht aus Spanien herausoperieren will, wird hingegen mit einem blinzelnden Auge goutiert; als quasi-moderner Freiheitskämpfer.

      Während die hamburgisch-antibürgerlich-schlechtgelaunten Publikationen (Danke, Don Alphonso) und die im Gleisdreieck von Prantlhausen morgens mit grimmigem Gesicht an die Arbeit gehen, die europäischen Nationalstaaten wenigstens – the pen *is* mightier than the sword – literal zu zerschlagen, füllen sie unbesetzte Spalten mit Sympathiebekundungen für einen katalanischen Nationalstaat.
      Haltung ist alles, journalistische Objektivität nur für weisse alte Männer.

  39. Wenn ich mir das Verhalten des Radek..
    …so anschaue-der war ja schon ganz schön hardcore, könnte ich mir eine KGE, sogar eine Wagenknecht, eines Tages bei der Weiterweggesetzten vorstellen.
    .
    Don, da Sie die alte Eule, den Helmut Flieg, aka Stefan Heym von der Ritchie-Boygroup erwähnen. Der war ein ähnlich unsteter Geselle wie der Radek, ein Alternierender, gewiss mit scharfem Verstand aber dennoch ein Blatt im Wind. Immerhin Mitunterzeichner der Erfurter Erklärung, also der Tolerierung eines rot-grünen Bündnisses durch die damalige Vorgängerpartei der heutigen Linken, unter deren schädlichen Auswirkungen sich unsere Nation heute immer noch befindet-und dem wir nicht zuletzt die derzeitige Situation verdanken.
    Als er sich dann, zuletzt ein SED-Kritiker plötzlich gemein machte mit den Wendehälsen, verbrannte ich das einzige Buch, dass ich je dem Feuer übereignete. Dennoch, alte Eule, RIP.
    (DdH)

    • Ich habe Heym noch direkt erlebt und fand ihn eindrucksvoll. Radek war einer, der Geschichte machte, aber Heym nur jemand, der von ihr zerrieben wurde.

    • @Macaron le glouton, 30. Oktober 2017 um 14:42 Uhr [Heym]
      Lesen Sie „Der König David Bericht“ von ihm, der bleibt.

  40. The only arithmetic he ever got was hearing the referee count up to ten.
    Alte Personalleiterregel:

    Willst Du, dass der Laden läuft, dann hol Dir einen einen aus dem Bürgertum.
    Willst Du den Laden zerlegen, nimm nen Parvenü aus der Arbeitsschicht.

    Daran hat sich nichts geändert.

    Menschen sind immer nur das, was ihre Sozialisation aus ihnen gemacht hat.

    • @Goodnight
      „Menschen sind immer nur das, was ihre Sozialisation aus ihnen gemacht hat.“ – Damit liegen Sie dann gar nicht so weit weg von den deterministischen Intersektionalisten.
      Im wahren Leben gibt´s m. E. noch einiges mehr: Charakter und Schicksal beispielsweise. Letzteres oft kompliziert durch heimtückische Einschläge plötzlicher Erleuchtung.

    • und das mit dem alten Hund
      ist sehr fein gesehen, aber wenn er sonnenbadend liegt, schlummert der Wolf halt.
      Und noch eine alte Regel halt, weils zum Bild passt:
      …mach den besten Wilderer zum Förster….

      Beste Grüsse zu Ihnen Allen

  41. Goldener Herbst
    Radek sagt:
    „… wie ein alter, nutzloser Köter sonnenbadend herum und leckt endlos seine (ihre) Wunden“

    Ich mach seit Jahren nichts anderes.
    Das Herbstwetter ist herrlich in diesem Jahr.

  42. Chauffeur
    Don Alphonso sagt:
    „…während man Proust höchsten vorwerfen kann, er habe sich in seinen Chauffeur nicht klassengerecht verliebt.“

    Vielleicht könnte man ihn als begeisterten Mechaniker in den damaligen Anfängen des Automobilzeitalter heute vergleichen mit ähnlichen Vorreitern im Digitalzeitalter.
    Dann wär die Beziehung vielleicht gar nicht so langweilig. Außerdem haben Männer andere Maßstäbe bei einer Beziehung.

  43. Googeln hilft
    Man googele z.B. nach: Die Liste der grünen-Politiker mit radikal-kommunistischer Vergangenheit

    Dann weiß man, dass der Gang durch die Institutionen gewonnen wurde.

    • @Alfred_E
      „Dann weiß man, dass der Gang durch die Institutionen gewonnen wurde.“
      Es gab ja gar keinen echten Kampf.
      Die konservativen Trottel & Opportunisten kapierten gar nicht, wie ihnen geschah.
      Erinnert an die jetzige Landnahme durch muslimische und sonstige Kolonisten. Nicht die geringste Gegenwehr.
      Naja, die Evolution wird’s regeln. Eine gründlichere Müllabfuhr gibt es nicht.

    • Die grünen Kommunisten
      Die wußten genau, dass sie als Kommunisten keinen Blumentopf gewinnen konnten, also,wird der Umweltschutz aufs Schild gehoben. Da ist die Zustimmung interessierter Jugendlicher und vieler anderer Menschen sicher, dann wird versucht, mal,verdeckt, mal offensichtlich, diemGesellschaft umzubauen, damit sind se schon weit gekommen, aber gewonnen haben se noch nicht.

    • Spiegel Artikel von 1991
      Stasi – Fürst von Kreuzberg

      „Agenten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit steuerten Grüne und westdeutsche Friedensfreunde.“

      Ich denke, da müsste man mal die Stasi-Stiftung fragen, ob die sich noch an Details erinnern kann …..

  44. Verlorene Gesprächskultur
    Ehrlich gesagt, hab ich nicht alles verstanden. Doch ja, im Inneren gibt es Bewegungen, Debatten, widerstreitende Ansichten. Doch die werden bekämpft.
    Jetzt wird ja sogar ein bereits abgedrehter Tatort bearbeitet, weil da eine Szene ist, die den Linken nicht in ihr Weltbild passt.
    Ich wünschte, ich hätte auch ein paar Biedermeierdamen zum Bewundern. Bitte weiter so, werter Don!

  45. Immer die große Keule?
    Sie haben das schön historisch hergeleitet mit Proust und Radek. Menschlichkeit vs. Fundamentalismus oder eher noch Zerbrechlichkeit vs. Brutalität. Aber warum kommt dann so ein übersteigerter Gegenwartsbezug dabei heraus, wie „weil man öfters mal denkt, man müsste nicht reden, und könnte andere ausgrenzen, entmachten und wegsperren“. Muss es denn immer die ganz große Keule sein (Meinungsdiktatur etc.)?

    • Titel eingeben
      Weil es – zumindest auf rhetorischer Ebene – schon „die ganz große Keule“ IST, die da geschwungen wird (inklusive Gewaltaufrufe im Feuilleton, Netzwerkdurchsetzungsgesetz und „Nazi“-Titulierungen für alle, die Selbstaufgabe für keine rationale Option halten).

      In wie weit die reale „Keule“ (über Brandanschläge auf Autos unliebsamer Politiker u. a. hinaus) noch geschwungen wird bleibt abzuwarten (bzw. für die einen: zu erhoffen, und für die anderen: zu befürchten). Eine Vorstufe der „Säuberung“ ist leider schon erreicht.

    • Nun, es wird sicher noch einiges passieren. Gewisse Schläger laufen sich jetzt erst warm, und niemand wird Frau Berg, Frau Stokowski und SPON als Brandstifter bezeichnen. es ist alles ohne risiko.

    • "Warmlaufen" und "BrandstifterInnen"
      „Schwerer Anschlag auf „EinProzent-Haus“ in Halle“ auf „jouwatch“

      „Gewisse Schläger“ laufen schon heiß, und Frau Berg wird als Brandstifterin benannt. Da von den falschen, noch ohne Risisko für sie.

  46. Progressiver Umgang mit Proust ...
    sah eigentlich so aus, dass er im linken Buchladen am liebsten unter „Schwulenliteratur“ wegsortiert wurde. Ich glaube, denen ist sein klarer Blick nicht geheuer und außerdem sind das ja so viele Seiten ….

    • Proust als Schwulenliteratur?
      Da tut Ihr, verehrlicher (Herr) Dauergast, der linken Buchhändlerszene
      aber schwer Unrecht. Auf dem „Schwulenaltar“, wie wir das entsprechende
      Regalteil nannten, lagen die Sachen, welche hineingehörten und natürlich
      nie große Literatur. Ich arbeitete dort und wir waren weit weniger
      linksverschwurbelt als der übliche Verdacht vermuten wollte. Unser
      Ladenzeichen war die grätige schwarze Katze aus Tomi Ungerers
      „Kein Kuß für Mutter“.

    • Nu ja
      das war zu Zeiten, als es bei Linken noch Diskurs gab und im hiesigen Buchladen war die Standortwahl tatsächlich nicht unumstritten. Was ich erfuhr als ich ganz schöngeistig protestierte, dass man ja dann auch Musil zu den Bordellführern stellen solle, wo er doch Hetero gewesen sei.

  47. @Gast (15:11 Uhr): Unna, Schlägereien zwischen Männergruppen
    Hinsichtlich der Prognose zur Entwicklung von „Schlägereien zwischen Männergruppen“ (ein schönes Formulierungsbeispiel für verlogene Presse) schwanke ich zwischen Hoffen (Dons Einschätzung) und Bangen: Es gibt Systeme mit der Eigenschaft, Änderungen bis zu einem Grenzwert scheinbar gut zu verkraften, dann aber unversehens zu kippen.
    Wir lesen mit zunehmender Selbstverständlichkeit von bis 2015 fast undenkbaren Geschehnissen, bei denen oft der Einsatz von Messern und das Gegen-den-Kopf-eines-am-Boden-Liegenden vorkommt. Gewiß braucht man für einen Streit zwischen Männergruppen zunächst einmal ausreichend Männer.
    Aber mein flaues Gefühl – und ich vermute, das Ihrige –erstreckt sich auch auf Gewalttaten im kleineren Rahmen: die Vergewaltigung durch einen einzelnen (obwohl die Rudeljagd anscheinend besonders beliebt ist), der ertappte Einbrecher, der den Hausherren gleich ermordet (wie bei Seefeld in Bayern geschehen), der Straßenbahngast, der sich unsäglichem Verhalten ausgesetzt sieht usf.
    Geht man heute noch unbefangen auf eine Kirmes, vom Schützenfest im Dunkeln nach Hause? Wer weiß, wie sich das weiter entwickelt. Jedenfalls hätte ich vor September vieles für abwegig gehalten, was heute selbst verständlich geworden ist. Extrapoliert man die bisherige Entwicklung, muß es im Magen mehr als flau werden, nicht nur für Leute im Alter Ihrer Eltern. Übrigens ist Unna nah an Dortmund und Teil einer eventuellen zukünftigen „Ruhrmetropole“.

    Don: Wieder ein lesenswerter, wunderbarer Artikel.

    • Weshalb gibt es keinen Aufschrei, wenn über gewürgte, bespuckte und
      schlimmer angegriffene Polizisten berichtet wird?
      Ich kann das nicht fassen.
      Wird ein Kopftuch nur berührt, kommt der Staatsschutz?


    • Wer weiß, wie sich das weiter entwickelt.
      Naja, im Prinzip so, daß man jederzeit „giftig“ wird. Gegenüber Spuckern hinlangt und es nicht mehr nur beim Spotten beläßt.

  48. Er beschwert sich noch -
    schon längst ein Fehler?

  49. Titel eingeben
    Danke Don,

    Das ist mal wieder eine Perle.

    Sie sollten öfter mal solch historische Zusammenhänge ins Bild bringen.

  50. Sehe ich auch so...
    … wobei die Wunden, die man sich lecken müsste, doch eher gering gehalten werden sollten…

    BTW: ich mag es ja eigentlich nicht, Leute nach ihrem Äußeren zu beurteilen oder mich gar darüber lustig zu machen. Gerade als Frau, wenn es um andere Frauen geht. Aber, schaue ich mir die Fotos zu Frau Hengameh Yaghoobifarah an… I’m so sorry. Und wenn ich dann noch lese „gender-fluid“ oder so ähnlich. Okay, ich habe mich als kleines Mädchen ja mehr für „Fischer-Technik“ interessiert als für Puppen. Insofern hoffe ich, in diesem Milieu doch etwas Gnade zu finden … ;-)

    • Hengameh ist eigentlich wirklich hübsch,
      mit ihren dunklen Kirschaugen, der Schneewittchenhaut und dem dichten Haar. Die unglückliche Selbststilisierung und der ostentative Trotz bringen in ihrem Milieu halt mehr Beifall.

    • +HUST+

    • +HUST+
      Herrlich

      Etwa das Gegenteil von jeune fille en fleurs (Odette, Botticellis Zippora)

    • Danke für diesen Namen,
      ich musste zwar erst einen dazugehörigen Artikel suchen, freue mich aber, dass sie beim googeln ihres Namens auf ein breiteres Vokabular stößt und mit dem feinen Stilmittel der Ironie vertraut gemacht wird. Deshalb noch einmal: Hengameh Yaghoobifarah

    • Es ist halt so.
      Würde mal sagen, Frau Özoguz ist auch eine elegante Schönheit.

    • @Hengameh ist eigentlich wirklich hübsch
      Basedowsche Kirschenaugen über Pfirsichwangen

  51. Hund und Haltung
    Neuerdings wird ja immer „Haltung“ gefordert. Heißt das für mich als Angehörige der Körperrasse, dass ich Männchen machen soll?

    • Männchen machen
      …nur vor den jeweils richtigen Autoritäten (aus Politik, Medien und religiösen Umfeldern) sind Mitglied_X der/die/das Köterrasse dazu gehalten.

      „Körperrasse“ ist eine schöne, freudsche Vorbedingung: Der/die/das Frage-X hat offensichtlich schon verinnerlicht, daß Mitglied_X bestimmter Ethnien keinen Geist und keine Kultur haben und daher auf ihre (weißen) Körper reduziert werden können: Brav und Sitz! ;-)

  52. Deutschland 2017
    und die Erinnerungskultur.
    Aua, das tut weh!
    Ein neuer ICE wurde nach Anne Frank benannt.
    Die DB sagte: Anne Frank steht für Toleranz und für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen.
    „Sie war neugierig auf die Welt,“ sagte das Jury-Mitglied Prof. Gisela Mettele, Professorin für Geschlechtergeschichte an der Uni Jena.
    EIN ZUG! In Zügen wurden die Juden deportiert. Wie peinlich ist das denn?

    • So gesehen
      finden Sie immer etwas, was dagegen spricht.

    • Es ist entsetzlich
      Es ist entsetzlich. Anne Frank wurde in einem deutschen Zug in den Osten verbracht. Sie stand auch nicht für Toleranz. Sondern für den Versuch, seelisch zu überleben und zu wachsen, als eingesperrtes Kind. Das schaffte sie eindrucksvoll, ehe die Häscher sie doch noch bekamen. Was wird im Bistro serviert? Der „Eintopf Hinterhaus“?

    • Ein anderer ICE
      heißt Karl Marx

    • Anne Frank
      Anfang Oktober erschien hier im Blogbereich der FAZ die Rezension eines neuen Comics über ebendiese. Die Headline „Diese Anne Frank ist lebendig wie nie“ stieß wohl nicht nur mir unangenehm auf und wurde nachträglich anscheinend geändert (findet sich jedoch immer noch in dem URL).

    • @Rabe Es kommt aber auf die Kraft
      der Argumente an.
      Und das Anne Frank ihre letzte “ Reise „mit der Reichsbahn gemacht hat,
      ist für mich schon ein ziemlich starkes Argument gegen die Namensgebung.
      Das mit Karl Marx wusste ich nicht, vielleicht würden sich Kahane und Maas über einen ICE Hilde Benjamin freuen.
      Pofalla bitte übernehmen Sie.

      Beste Grüße aus der Hauptstadt

    • Ich würde Züge des Bahn generell nur nach Planwirtschaftsheroen benennen.

    • Namensgebung
      Oder Namensgebung gleich nach wahren Begebenheiten im Bahnalltag:

      „Fällt aus“
      „Verspätung“
      „Betriebsstörung“
      „Notarzteinsatz“ *hüstel*
      „Weichenstörung“
      „Signalstörung“
      „Stellwerksausfall“

    • „Zu warm“
      „Zu kalt“
      „Zu nass“
      „Zu trocken“
      „Zu einfach so“

    • Solche Stillosigkeiten haben auch ihr Gutes...
      sie profanisieren die Geschichte und das ist manchmal eher besser als schlechter.
      Der deutsche Erinnerungskultur wird so ihr (Über-) Gewicht genommen das eher verdrängend statt heilend wirkt. Der Kult ersetzt die Auseinandersetzung, da ist es nicht verkehrt, das der offizielle Kult (Erinnerungskultur) sich lächerlich macht.
      Niemand ist scharf darauf sich mit den Abgründen staatlich organisierten menschlichen Versagens zu beschäftigen, es sei denn man lebt davon.
      Schon gar nicht in Form der offiziellen Erinnerungskultur.
      Jeder Motivationstrainer weiß, das man so keine Zukunft gewinnt, in dem man sich im Versagen suhlt, gerade wenn es um das „nie wieder“ geht.

    • ...
      @Akosia

      Extrem daneben, finde ich auch.

  53. Wicked sweet
    ….in Kontroversen ziehe ich der Schweigespirale (Noelle-Neumann schon ca. 1970 oder so) vor. In der aktuellen Politik geradezu bedrohlich.
    Immer nur likes und -ich weiß nicht wieviele Follower- lassen in der echo chamber kaum noch gedankliche Fortschritte zu.

    Auf diesen Beitrag des Don hatte ich gewartet und mich heute spitzbübisch gefreut. Enormes Tempo und schöne Bilder.

  54. Schöner Text
    Radek ist eines von vielen traurigen Beispielen gebildeter, intelligenter Menschen, die dem brutalen, paranoiden Diktator Stalin in aufrichtiger Unterwürfigkeit begegneten und später feststellen mussten, dass dies für die Beurteilung der eigenen Person durch diesen Erzschurken überhaupt keine Rolle spielte.

    Letztlich hatte die konkrete Ausprägung des Großen Terrors zwar viel mit der Persönlichkeit Stalins zu tun, aber die gedanklichen und teilweise auch organisatorischen Voraussetzungen hatte Lenin persönlich in der Zeit des Roten Terrors geschaffen. Auf ihn als Legitimation konnte sich seither jedes kommunistische Regime beziehen. Radek hätte das wissen können, er war mit Lenin 1917 sogar im Sonderzug durch Deutschland gefahren.

    Wer den Kapitalismus überwinden will, braucht für die Leistungsanreize durch Profitaussichten einen Ersatz, und dieser Ersatz kann nur Repression sein. Der Gulag ist daher in der Idee des Kommunismus bereits angelegt und nicht etwa ein bedauerlicher Irrweg bei der Verwirklichung der klassenlosen Gesellschaft.

    Mich wundert die grenzenlose Intoleranz in heutigen linken Kreisen, die der Don so treffend beschreibt, daher auch wenig. Zuerst macht man den Gegner publizistisch tot. Dann sind auch keine Hemmungen mehr da, wenn es endlich wieder eine richtige Tscheka gibt und man den Worten Taten folgen lassen kann.

    • Danke. mich wundert vor allem die Arroganz, mit so einer Geschichte der Fehlleistungen zu glauben, man könnte anderen den Weg ohne Argumentation einfach aufzwingen, indem man sie als Konterrervolutionäre vorführt. Heute heisst das natürlich „Modernisierungsskeptiker“.

    • Arroganz der linken Meinungsträger
      Für mich klingt es so einfach, das Vorführen „konterrevolutionärer Täter“. Ich wundere mich nicht und ich mag es nicht, dass ich mich nicht wundere. Entschulden Sie bitte, das soll nicht larmoyant sein. Mit Radekscher Intelligenz jedenfalls hat es, meines Erachtens, leider nur selten zu tun, aber kann sein, ich irre mich, weil es nach fast dreißig Jahren mir wieder so unnatürlich natürlich, quasi, erscheint.

      Geistige Auseinandersetzung ist das eine. Schneller ist dann das pragmatische bereue, büße, ja oder nein. Grad noch nicht, aber ich finde es äußerst beunruhigend abschätzen zu müssen, wie kurz die Zeitspanne ist. Ob das dann Tscheka heißt oder nicht, ist ja gleichgültig.

      Als ich das erste Mal den Film Fahrenheit 451 nach Ray Bradbury sah, habe ich mich nur heimlich gewundert, für wie dystopisch das angesehen wurde. Als Kind und Jugendliche habe ich (verbotene) Bücher in kürzester Zeit gelesen oder abgeschrieben, das kommt mir heute wieder komisch vor, es war aber so. Wenn ich das hier sagen darf: Ich habe gewisse Westverwandte gehasst, die da maoistisch gestählt dem Kind gegenüber raunend argumentierten und mir mein letztes bisschen Dreigroschenoper-Brechtvertrauen in den Sand gekloppt haben. Das bisschen Achmatova und Pasternak, was in der DDR erschienen war, kannten die gar nicht. Wir haben uns dann eher über den alten Fritz und Potsdam unterhalten.

      Ich weiß, dass ist jetzt ein bisschen OT, aber der „Beitritt“ war für mich vor allem lesen, was ich früher nicht haben konnte. Und das war auch Gulag und 1953 und 1956 und


    • indem man sie als Konterrervolutionäre vorführt.
      Das wird nicht verfangen.
      Genausowenig wie „Nazi“ hier und „Nazi“ da.
      Das läuft sich tot, das interessiert die Leute nicht mehr.
      Es gibt genug, die das Berufsrevolutionärpathos für einfach blöde halten.

    • Tscheka und wie alles doch so ohne Hemmungen gehen kann
      Nachdem mich hier die Schnellschreib-Tscheka das erste Mal am Wickel hatte, versuch ich es nochmal. Nur wegen der Dshershinski-Mafia und dem „bedauerlichen Irrweg bei der Verwirklichung der klassenlosen Gesellschaft“.

      Vielleicht auch nur, weil es für mich anders unerträglich ist als vermutlich Ihnen, was da auf uns zukommt. Ich habe nicht geglaubt noch einmal da zu landen, von wo ich herkam, das war mir ganz und gar denkend unmöglich. Es tut mir leid, wenn das jetzt komisch klingt.

      Der „Beitritt“ ’89 vollzog sich mir aus bestimmten Gründen, die erste Tochter, eher lesend, das war ganz wunderbar: die Bücher endlich zur Verfügung habend, die ich immer wollte. Es hätte die aktuelle Zeit verdoppelt oder -trippelt gebraucht, aber immerhin stand da niemand, der einteilte in Apologetik von was auch immer, also pfui. Und dem Rest, den man nicht wollte oder brauchte, der aber bedauerlicherweise und Auswirkung habend gut tschekistisch war, quasi. Manchmal hieß das auch nur Bitterfelder Weg. Oder Hermann Kant. Das war ja dann von vornherein, ähem, nicht wirklich erfreulich lesbar. Sagen Sie jetzt bitte nix.

      Als ich ’89 überraschend ins Wunderland fahren durfte, las ich, offensichtlich sehr schwanger, in der Sternbuchhandlung in D’dorf zwei Stunden lang Justine und irritierte darob die Buchhändlerin sehr. Ich konnte und wollte das nicht recht erklären, ich glaube, sie hätte es nicht verstanden, ich auch nur halb. Es war ein bisschen so wie als Student in Budapest, im einzigen deutschsprachigen Antiquariat, auf einer wackeligen Leiter Weininger zu lesen, den ich vom Namen her kannte, von dem ich aber nichts gelesen hatte, weil ein Giftschrankiger. Man konnte nicht entscheiden, ob man es mochte oder nicht – es war außerhalb der Reichweite, es war nicht erlaubt. Wie blöd, dass es dann eine halbe Zeitverschwendung war.

      Dass man nicht wissen durfte, was man wollte, das hat nicht nur mich verrückt gemacht. Kein Internet, man muss das ja immer mal wiederholen. Fahrenheit 451 kam mir nie komisch vor, man wird unter solchen Umständen zum Schnellleser, ob man will oder nicht, zum Schnellabschreiber sowieso – in Zeiten von Bildschirmfoto klingt das nur noch peinlich, nicht? Jedenfalls doch sehr altertümlich. Ich habe meinen Kindern meinen abgeschriebenen, eselsohrigen Reiner Kunze gezeigt – sie waren sehr lieb, aber man kann diese (Sehn)Sucht schwer vermitteln. Dass ich dann Petronius besser kannte als Salinger, war eher komisch.

      Das partei-common-sensische Anordnen, dies Ausführen der Befehle durch Subalterne hat nichts mit Intelligenz oder Begreifen zu tun. Es ist wirklich nur das gerade Ausführen von Anordnungen, man braucht dazu nicht viel. Entscheidender ist eher die Position des Anordnenden, nicht? Wichtiger, dass man das weiß, auch als Kind. Wie unfruchtbar eine Beschulung unter diesen Umständen sein kann, wird man sich vielleicht vorstellen können. Es ist auch kurios, dass ich erst hernach Babel und Mandelstam lesen konnte, Celan sowieso. Ein Freund, der wegen eines Medizinstudiums drei Jahre NVA auf sich nahm, hat mich mit Bückwaren-Literatur versorgt, Dürrenmatt, Frisch, Bachmann – das bekamen die in einem Literatur-NVA-(Ersatz-Inter-)Shop. Im richtigen ging es dann mehr um Wrangler oder irgendwas gut Riechendes. Es ist schon so lange her, wer weiß das noch? Aber lesen Sie Bulgakow und das waren die Endzwanziger. Lesen Sie unbedingt Meister und Margarita, in der Reschke-Übersetzung, die neue ist völlig unmöglich. Aber es entgeht Ihnen etwas, wenn nicht.

      Arroganz der Macht? Auf der normalen Ebene nicht mehr, da war das doch normal. Man kann sich, auf einer sehr verdrehten Basis, mit arroganten Radeks noch eine Diskussion liefern, wenn sie denn mögen, ja. Vermutlich wird das nur selten passieren und man steht doch sehr auf dem Balkon. Ein Fenstersturz ist zumindest nicht unerwartbar. Und kein Voland in Sicht.

      Verzeihen Sie den Sermon, ich finde alles halt nur furchtbar unerträglich. Vielleicht ist es auch Quatsch und es kommt nicht so schlimm und gegen ein bisschen arabisch habe ich auch nichts, wenn ich mir die Autoren aussuchen kann. Wovor ich aber wirklich Angst habe, ist das Unterpflügen von Wissen, von Literatur und Poesie, von allem, was es gibt und wovon man eigentlich wissen muss und darf, dann aber nicht mehr. Ich glaube, was das wirklich heißt, wissen Sie alle zum Glück maximal nur halb. Man muss das nicht haben, natürlich. Deswegen denke ich meist auch nicht an 1984, sondern eher an Brave New World und Mustafa Mond. Der hatte die Literatur im Tresor.

      Wenn ich OT noch eine Leseempfehlung geben darf, das virtuelle k.u.k. betreffend bzw. einfach nur, weil ich die Autoren gut finde?
      Juri Andruchowytsch, Andrzej Stasiuk: Mein Europa. Es ist nicht ganz frisch. Aber es gibt dem Kontinent kulturell-geographisch ein Narrativ und eine Sehnsucht, von Osten, die man – glaube ich, hoffe ich – nicht ausschlagen kann. Es sei denn, man hat es ohnehin lieber tot.

    • @Cleofide
      Danke für die Tipps.

    • .
      liebe Cleofide, herzlichen dank für die erinnerung. mikhaïl boulgakov zeigt auf recht abgefahrene weise, wie man auch im atheismus zum teufel gehen kann.

    • mich wundert vor allem die Arroganz, ...
      … mit so einer Geschichte der Fehlleistungen zu glauben, man könnte anderen den Weg ohne Argumentation einfach aufzwingen.

      Manche Leute wurden früher auf dem Dorf mit „bleed af d’wöd ‚kema und nix dazua g’lernd“ abschätzig qualifiziert, hier wäre das aber wohl ganz treffend…

  55. Jede Zeit gebiert ihre Parasiten
    So war es schon immer und so wird es auch immer sein…
    Es ist nun einmal so, dass diejenigen die gerade Oberwasser haben, es natürlich auch auskosten, nur erkennen sie dabei nicht, dass sie maßlos übertreiben.
    Sie reiten auf einer Welle und bekommen gar nicht mit, dass sie von der nächsten Welle nach unten gezogen werden.

    Danke Don, für mal etwas anderes, als Fahrradkettedingsbums und alles was uns noch so zur Zeit auf den Nägeln brennt.
    Ich lese um meinen Horizont zu erweitern, und es ist das erste Mal, seitdem ich ihre Blogs lese, dass ich bei Wiki vorbeigeschaut habe, um ihren Text folgen zu können.
    Den Proust habe ich noch nicht gelesen, vielleicht tue ich es, vielleicht auch nicht.

  56. Titel eingeben
    Oh Don,

    nach dem Wintermärchen des restaurierten Winterrades (auch in Wien gibt es ein feines Geschäft in der Porzellangasse (sic!) wo sich allerlei Harttail, Hartdfront, Altes aber Gutes, mit wenig Aufwand (neue Kette, neuer 7er Zahnkranz) als Winterrad aufrüsten lässt. Im eigenen Fall ein 1994er Nakita mit Deore XT (Verkäufer: XT ist XT!) um, um 60 Euro ein neues Leben zu beginnen.), kommt jetzt dieses Meisterwerk, um nach 7 Stunden Unterricht in einer Neuen Mittelschule = Realschule in D. mit 96% Mihigru mein Leben zu erfreuen und mir sprachlich neuen Input zu geben, denn ich ertappe mich bereits, meine Schüler in Neusprech zu fragen: „Wo der Özkan?“ Doch siehe die deutsche Sprache, geschliffen und poliert, kann ja doch etwas, ja hat erhebende Präzision.

    „Denn das Bürgertum lächelt nicht nur den eigenen Dissidenten hold zu, sondern auch den Dissidenten der anderen – nie aber deren Linientreuen.“

    Das ist wahrscheinlich die kürzeste und genaueste Subsumierung des Pilz’schen Wahlerfolges auf Kosten der österreichischen Grünen, die möglich ist.

    Aber sind die kleinen Fehler z.B. „augrund“ beabsichtigt? Etwa wie bei Catull, der einige seiner Gedichte so beginnt: Ich werfe dir gewissermaßen zwischen Tür und Angel, im Fortgehen quasi, schnell ein paar flüchtige Zeilen hin…. um dann zu einem 4fach in sich gefalteten, doppelt parallelen Meisterwerk anzuheben, dem offensichtlich jahrelanges Ringen um jedes Wort und jede Phrase vorangegangen ist (obschon mit obszönem Vokabular, das dem alten Stowasser rote Ohren verursachte, wenn man es dort finden würde). Habe ich Sie hier ertappt, oder sind es doch nur profane Tippfehler? Wie auch immer: Danke, Danke, Danke, Sie haben meinen Abend gerettet!

    • Gern geschehen, es war mir ein Vergnügen, mal was anderes zu schreiben. Und XT ist wirklich XT.

    • Catull in der Wiener NMS?
      Sachen gibts – für die findet man gar keine Wörter!
      Deplaziert reicht auf keinen Fall aus…

      Mein herzliches Beileid!

  57. Titel eingeben
    Vor vielen Jahren gab es einen Themenabend auf Arte über Proust. Vor der Kamera sprachen Menschen – alte und junge – darüber, wie Proust ihr Leben verändert habe.
    Das machte mich neugierig, und ich habe angefangen Proust zu lesen.

    Danke für ihren Blog.

  58. Stalinisten, Dogmatiker, Menschenverächter
    Interessant, was Sie so über Proust referieren. Ich hatte ja keine Ahnung. Leider nicht ganz so bildungsbürgerlich, wie ich vielleicht gern sein wollen sollte.
    Nicht neu für mich, wie ekelhaft es bei den Revolutionären zugeht. Aber nach wie vor erstaunlich, dass der Abscheu in politischen Kreisen nicht annähernd so selbstverständlich ist, wie er es müsste. Dass die Ypsilantis und Stegners – eigentlich sogar die endlich abgewählte Frau Hannelore in NRW – schamlos mit den SED-Nasen paktieren wollen/würden/haben. Die Sozialdemokratie hatte schon mal mehr Gewissen, früher, und ein besseres Gedächtnis. Da kommen die neueren Wahlergebnisse mir doch ganz gerecht vor.

    Ihre Hinweise auf die stalinistischen Verbrechen ließen mich spontan den Begriff „menschenverachtend“ denken.
    Woraufhin ich mir selbst widersprach insofern, als ich dringend vermute, dass diesen Begriff die moralisierenden „linken“ WeltverbesserInnen fleißig usurpieren / monopolisieren.
    M.a.W. diejenigen, die ihre antibürgerliche Klientel- und Selbstbedienungspolitik besonders schamlos propagieren, agitieren mit einer Vokabel, die eigentlich auf sie selbst und ihre politischen Freunde und Bekannte gemünzt zu werden verdient.

    Nun ja, das sind halt Propagandisten und keine Gesprächsführer, wie Sie zu Recht schreiben. Und zur Propaganda gehört eben auch die schamlose Verdrehung der Begriffe bzw. Wahrheit wird relativ. (Wie leider auch bei Trump, das muss ich schon sagen, aber das ist nun wieder eine andere Baustelle.)
    Woran ich mich aber zunehmend weniger gewöhne, sozusagen.

    „looking forward to“ wenn Sie gelegentlich auch wieder derlei Begriffsverwirrungen sezieren, immer eine Freude.
    btw Glückwunsch zu Ihrer Unberechenbarkeit in der Themensetzung. Schöner können Hinterhalte nicht sein, würde ich sagen.
    Daher weiter so!

    • Danke, wobei Stegner ein anderes Kaliber als Ypsilanti ist. Prinzipiell würde ich nicht über jeden bei der Linken den Stab brechen, das war sicher auch nicht richtig. Das Ergebnis der undifferenzierten Debatte ist halt, dass jetzt auch Stasi-IMs wieder nach vorne kommen.

  59. Geschichte der Bücherbusse/ bookmobiles...
    … zum Lesen braucht es ja erstmal Stoff..
    …gab ja nicht immer Internet.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Bookmobile

    Bild: Kanada 1951 … alles hungrige Mäuse, die auf das bookmobile gewartet haben.
    https://i.pinimg.com/736x/10/50/d5/1050d5b9f01e6af50c01ee4d3946827a–mobile-library-library-boards.jpg

    • Der Bücherbus...
      … war bei uns im provinziellen Mittelgebirge die einzige Möglichkeit, an Bücher zu kommen. Bibliotheken waren Weltreisen entfernt, und die elterliche Bibliothek mit ihren Museumsführern, deutschen Klassikern und „Luftwaffen des Warschauer Pakts“-Bänden intellektuell zu hoch. Naja, die Vogelbestimmungsbücher waren schön, und die Streitkräfte des Warschauer Pakts waren wirklich interessant anzuschauen. Den „Schwarzen Hai“ und das „Kaspische Seemonster“ liebe ich noch heute. Die bürgerliche Erdung hat mich trotzdem nicht zum Kommunisten werden lassen. Vielleicht war es aber auch das Buch „Der Weltkrieg“, dass aufgrund seiner Frakturschrift von meinem kindlichen Ich als mittelalterlicher Schatz eingestuft wurde. Die Bibliothek war bunt, genauso wie es heute das Internet ist. Aber wer hat heutzutage noch Bibliotheken, und wer stürzt sich noch abseits von amazon und SpOn in die wilden Weiten des urtümlichen Weltnetz‘?

    • Für mich war das " Doktorbuch"..,
      … erstmal spannend. Da konnte man Seiten aufklappen, wo ein Mensch im Bauch der Mutter heranwuchs.Man bekam auch eine Vorstellung davon, wo die Organe sitzen.Dann kam “ Deutschland im Bild“ und “ Brehm’s Tierleben“, bevor ich mich an die Anderen heranmachte. Solch schöne, alte Büchrücken, wie auf Dons Fotos,stehen auch bei mir, von meinem Vater übernommen.

    • Doktorbuch
      Föten und Embryonen haben mich als Kind immer schockiert und abgestoßen. Keine zwanzig Jahre später assistierte ich bei Geburten, und noch ein paar Jahre später fand ich Babys auf einmal süß. Wie das Leben halt so spielt, es ist nicht planbar.

  60. Gesprächskultur? In den Medien. Wo gibt´s die noch?
    Vielleicht noch sonntags um 11 Uhr Helmut Markwort vom Focus, dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch und Wolfgang M. Heckl, dem Direktor des Deutschen Museums mit ihren zwei Gästen am Stammtisch beim Bayerischen Fernsehen – und allenfalls in der Phönix-Runde.
    .
    Die Laberrunden der 3 hysterischen und attitüdenbehafteten Talkzicken der Öffentlichen und bei Plasberg mit seiner ausgelesenen Publikumsmeute dagegen sind zum Großteil eine Zumutung. Die meisten schalte ich frühzeitig weg. Wenn schon die Gäste sich nicht selbst dauernd das Wort abschneiden, dann unterbricht die Gesprächsleiterin spätestens nach drei Sätzen.
    (DdH)

    • Gegenanzeige: Einfach gar nicht mehr einschalten...
      …da kann man sich auch zufällig nicht mehr infizieren.

    • Schwerer Denkfehler!
      Wer Gesprächskultur und Niveau in den genannten Talk-Runden vermißt, hat das Konzept leider nicht verstanden. Wer ernsthaft sein eigenes Niveau nicht in Gefahr bringen will, darf diese Sendungen nicht sehen – niemals! Das erspart einem dann auch den steten Ärger, daß die Sendung wieder die Erwartungen nicht erfüllt hat.
      Polit-Talk-Shows sind Fensehmüll, schlimmer als jede Kochsendung und sogar als der Schrott mi Heidi Klum. Warum? Weil sie im Deckmantel der Ernsthaftigkeit daherkommen – was man den beiden anderen Konzepten ja nicht vorwerfen kann….

    • Miteinander sprechen
      …Kann man nur, wenn man nicht schon die Reihen fest geschlossen hat oder schließen will.

      Deshalb kann ein Gespräch zwischen „Anständigen“ und „Den-im-Dunkeln“ nicht stattfinden; ist so ein wenig wie zwischen Israelis und Palästinensern und das geht schon Jahrzehnte so …

      Radek wollte ebenfalls nicht miteinander sprechen, sondern abschießen, und wurde von einem Stärkeren abgeschossen.

    • Wäre es ein Zeichen mangelnder Bildung, DdH,
      darauf hinzuweisen, welchen Hintergrund die 3 Talk-Damen haben?
      Dass sie es wirklich nicht verdient haben dort zu sitzen wo sie sitzen, ist unzweideutig.

      Maybrit Illner jedenfalls kommt – so wie ihre Kanzlerin – aus dem Osten, und war SED-Mitglied. Ausserdem ist sie aktiv im Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.“. Und damit im Grunde genommen nicht mehr glaubhaft als Moderatorin. Von wegen Interessenskonflikt.

      Anne Will hat sich spätestens zu ihrer Rückführung auf den Sonntag Abend vollkommen auf den Mainstream eingeschworen. Oder einschwören müssen. Man denke nur an die peinlichen Solo-Auftritte der Kanzlerin, zu denen diese sich selbst eingeladen hatte.

      Maischberger? Nun, ein wenig Recherche würde da sicher auch helfen. Mir hat es jeweils gereicht, mitzubekommen, dass sie voll in die Diskussion eingreift, statt zu moderieren. Wenn sie meint, sie müsse das tun. Und zu einigen Gelegenheiten – die ich glücklicherweise vergessen habe – dann gegen objektive Aussagen anrief „Aber das stimmt doch gar nicht!“. Wahrscheinlich hat auch sie Druck, politisch den Mainstream vertreten zu müssen.

      Alle drei sind, mit Verlaub, lausig. Gesprächskultur kann keine.
      Selbst habe ich manche gute Erinnerung an ‚Unter den Linden‘.

    • @ lieber DdH,
      dann doch lieber die neue Staffel der Landfrauenküche im BR, die gestern begann.

    • Die Frage ist doch inzwischen, ob die nicht alle der nudger Abteilung
      im Kanzleramt unterstehen? Oder wenigstens willig zuarbeiten?

    • Titel eingeben
      In einer der früheren „Talkshows“ (Menge?) wurde einmal ehrlich darauf hingewiesen, dass diese „Talkshows“ im Sender zur Abteilung „Unterhaltung“ gehören, nicht zu „Politik“.
      „gar nicht mehr einschalten“
      Mach ich auch, d.h, ich schalte beim Radio ab, wenn „Nachrichten“ oder ähnliches kommen; TV gibt’s bei mir überhaupt nicht mehr.

    • Wolfgang Menge, kdm, kann schon sein
      Man hat halt übersehen, dass mit ihm ein enttäuschter, vielleicht verbitterter Mann gestorben ist, der seine Projekte (Millionenspiel, Tetzlaff, u.s.w.) eigentlich als Erziehungsauftrag verstanden und ausgeführt hatte.
      Der verzweifelte Versuch, durch Ironie und Zynismus dem Zuschauer auch einen Spiegel vorzuhalten, in dem er sich selbst auf dem Sofa sitzend sieht, und hoffentlich erkennt als das was er ist. Und – warum nicht? – die Glotze abschaltet. Oder gar aus dem Fenster wirft.
      Stattdessen – egal wie pervers das Dargebotene war – gab es Einschalt- und Zustimmungsrekorde. Und Kandidaten, die freiwillig (heute würde man sagen ‚geil darauf waren‘) am Millionenspiel mitwirken zu wollen erklärten.
      Den Spiegel hat man nicht sehen können, und sich nicht darin erkennen können.

      Natürlich sind TalkShows keine Politik. Sie tun nur so.
      Derzeit höre ich bei meinen Renovierungsarbeiten mir alte Talkshows in Youtube an. Sehen geht ja nicht, beim Arbeiten. Aber hören.
      Da kann ich schon etwas lernen; zum Beispiel wie sich Perspektiven ändern. Oder eben auch nicht ändern. Wie Vorhersagen, mittlerweile laaaange überholt, nicht die Atemluft wert waren, mit denen sie gesagt wurden, oder sich doch als realistisch herausstellen.
      Manchmal ist das richtig interessant und gar lehrreich. Und sagt viel über Charaktere aus.
      Gestern hatte ich zufällig eine aus der Zeit der Amtsübernahme von Hollande, also vor etwa 5 Jahren. Und dann zu hören, was dort über Griechenland und Eurobonds gesagt wurde, da fragt man sich schon warum man sich diesen Dreck vor 5 Jahren hätte ansehen sollen. Was man da hätte mitnehmen können. Doch: Peter Altmaier und Kramp-Karrenbauer sind unwählbar. So wie AM HKs ‚Mein Mädchen‘ war, sind diese beiden totally spineless.
      (Eigentlich war mir nach dem Anhören eher danach, etwas von Rektum und Kopf und Speichel zu schreiben, aber die Contenance schlug mir auf die Finger.)

      Manchmal sind ein paar Jahre Wasser den Rhein runter gut. Denn es gibt auch andere Politiker: welche deren Fähnchen deutlich schwerer drehbar scheint, und bei denen man eine Absicht, Bürgerinteressen zu vertreten, durchaus erahnen kann.

  61. Das Bürgertum bleibt unter sich
    Sehr geehrter Don Alphonso – leider ist Ihr schöner und aufwändig konstruierter Text gleich wieder ein gutes Beispiel für das, was Sie darin beschreiben. Er bleibt im gleichen Kreis von Empfängern, von Ihren Lesern, die verstehen, was gemeint ist, kommt kein Widerspruch. Alle sind sich einig und die eigentlich Betroffenen – die lesen den Text nicht. Und würden sie ihn lesen, sie würden ihn nicht verstehen, weil sie grundsätzlich nicht gewöhnt sind, sich kritisch selbst zu reflektieren – immerhin ist der Feind in ihrer Welt klar definiert und wenn in früheren Jahren tatsächlich intellektuelle linke Größen wie Brecht aufgefallen sind. So sind jene heutigen Extremlinken oft Kleingeister, Uneinsichtige, die das Scheitern einer Idee nicht als solche wahrgenommen haben. Oder junge Menschen, die bereits in einer linken Blase aufgewachsen sind und nicht begreifen, dass ihr behütetes Dasein einen Ausnahmezustand und keinen Regelfall in der heutigen Welt darstellt. Und die sich oft nicht trauen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen, weil dieser sie vom sozialen Ausschluss aus ihrer heimeligen Gemeinschaft bedrohen würde. Also sind mit diesem Text nicht eben Perlen vor die Säue geworfen – sondern weitere Perlen auf einen riesigen Perlenhaufen. Wie man auf der anderen Seite diesen oft schon fanatisch verirrten jungen Menschen eine andere Weltsicht nahebringen kann, ist mir jedoch auch ein Rätsel. Schon als junger Mensch mit klar linkem Herzen, war mir klar, dass die Linken die Konservativen zum Verwirklichen ihrer Ideen brauchen, wie ein Schuh den anderen. Aber ich war damals auch gewohnt, allen Seiten zuzuhören, schon die Vorstellung, jemanden wegen seiner Meinung anzugreifen oder niederzubrüllen war mir wie den meisten einfach fremd.

    • Doch, ich werde auch von anderen gelesen, zwecks Feindbeobachtung. Man ist immer erstaunlich gut über mein Treiben informiert. Es gibt auch den ein oder anderen privaten Radek, der jetzt der ÖR-Tscheka hilft. UUnd etwas anderes als weitermachen fällt mir auch nicht ein.

    • Es ist auch hier nicht so anders
      „Er bleibt im gleichen Kreis von Empfängern, von Ihren Lesern, die verstehen, was gemeint ist, kommt kein Widerspruch.“

      Und gelegentlich würde auch ein unzerstörter Link zu TAZ, Spiegel oder Zeit diesem Blog bzw. seinem Forum gut tun.

    • Ich mag halt keine Hotlinks. Das ist eine Unsitte.

    • ... man muss bescheiden sein...
      … die Fanatiker und die Linksgrünindustrie à la Cem, Mely K, Anne W, Julia S erreicht man sowieso nicht. Die sind hermetisch oder auf das Geld angewiesen oder beides.

      Aber es gibt den einen oder anderen Zweifelnden und für den schreibe ich jedenfalls und tue so ein gutes Werk. Außerdem: Die Zuwanderungskatastrophe wird unweigerlich schlimm enden, und wenn die Trümmer einmal abgeräumt sind, wird von den Überlebenden keiner bei den Bahnhofsklatschern dabei gewesen sein, niemand bei der Merkelei mitgemacht haben und jeder ein heimlicher Widerständler gewesen sein, mit heimlich im Bücherregel verborgenen Goethe-Ausgaben, Wagner-Aufnahmen oder sogar einem Sarrazin im neutralen Schutzumschlag. Dann werden die Log-Files dieses Blogs so wertvoll sein, wie die Stasi-Akten, und gestützt auf sie werden Restitutionsansprüche durchsetzbar sein. Der Don wird einen Kenotaph im Liebfrauenmünster bekommen, neben Dr. Eck, und beschämt wird man an trüben Sonntagen so manche alte verschleierte Dame herumschleichen sehen. Es wird einen Feiertag geben und Höhepunkte dieses Blogs werden in griechischen Stelen ausgemeißelt am Tegernsee stehen.

    • Ach, so muss das gar nicht sein, es würde mir schon reichen, dass man wieder etwas weniger Belästigung hätte.

    • nicht "Perlen vor die Säue geworfen – sondern weitere Perlen auf einen riesigen Perlenhaufen"
      Liebe Frau Schönfeld,

      ihre Botschaft ist klar und die Meinung wohlbegründet aber was ist eigentlich die Alternative?

      Haben wir denn die Möglichkeit, vor der, ich bezeichne es hier einmal als Unwissenheit, andere werden das sicherlich anders sehen, zu kapitulieren? Würden Sie als Perlenproduzent lieber Glaskugeln herstellen, bloß weil sich der Markt gerade in diesem Segment besser entwickelt? Oder vielleicht doch an eine Zukunft der Perlen glauben, weil Sie von der Qualität ihres Produkts überzeugt sind? Entschuldigen Sie bitte den schnöden Vergleich.

      Ich habe in meinem Beruf mit vielen jungen, intelligenten und weniger Begabten zu tun. Einige, nein sogar viele sind auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Und tatsächlich driften auch einige der Besseren temporär, so hoffe ich, leicht nach links ab. Freilich ohne aufgrund ihres Statushintergrunds zu den ganz hoffnungslosen Fällen zu gehören.

      Sollte man sich nicht um diese bemühen? Das menschliche Potential einfach verkommen lassen, was in ihnen steckt? Mit Verlaub, nein.

      In diesem Blog wurde oft über Vorbilder geschrieben und hier liegt, so glaube ich, vielleicht die passende Antwort. Nicht locker dabei lassen, stetig die Aufgaben zu erfüllen für die man berufen wurde. Auch wenn die Bedingungen dafür manchmal nicht einfach sind.

      Ich glaube, daß der Don seine Aufgabe auf seine Weise recht gut erfüllt. Und „Erfüllung“ kommt semantisch ja von erfüllen.

  62. Insekten
    „… während die Insekten sterben.“

    Insekten sind die ersten Opfer der Chemtrails.

    • Insekten
      Das Insektensterben ist wirklich eine ernste Angelegenheit und nicht der übliche Clickbait-Alarmismus. Ich beobachte es seit über 20 Jahren, es ist allgegenwärtig und artenübergreifend. Insekten, denen man angesichts ihrer Reproduktionsraten und Anpassungsfähigkeit damals noch nachsagte, dass sie in den letzten menschlichen Knochen ihre Häuser bauen würden, sterben einfach rasant schnell weg. Das ist nicht einmal mehr furchterregend. Es ist nur noch düster.

    • Insekten sind nicht die ersten Opfer
      der Chemtrails. Vorher hat es den Yeti erwischt. Ehrlich.

    • @FritzSTR
      Hmm. Ich habe jetzt tatsächlich 30 Sekunden gegrübelt, aber konnte Ihrem Beitrag ums Verplatzen keinen Sinn entlocken. Könnten Sie konkreter werden ?
      Gehören Sie möglicherweise zur Bewegung derer, die alles was sie nicht verstehen oder mögen mit dem Stichwort „Aluhut“ abtun (aber selbst die große rechte Verschwörung wittern, sobald im Netz der Islam oder gar die Kanzlerin kritisiert wird) ?
      Arno Schmidts Insektenkritiken sind jedenfalls ziemlich retro. Mir ist eine Welt nicht geheuer, in der Käfer in der Pampa nicht überleben können.

    • Chemtrails als Ursache für...
      @Dauergast: das war ironisch zu „NvW“. Chemtrails sind einfach Blödsinn, reine Verschwörungstheorie. Kondensstreifen von Flugzeugen entstehen in der sehr kalten Höhenluft aus dem Wasserdampf in den Verbrennungsgasen. Die vernichten keine Insekten. Da genügen riesige Monokulturen von Energiepflanzen (Mais, Raps) für die „Energiewende“ um den Insekten das Dasein zu vergraulen.

  63. Aus dem aktuellen Pfarrbrief der katholischen Propstei Werl:
    Ohne Kommentar! Einer unserer Gemeindepriester schreibt ein Erlebnis in Werl vom Oktober 2017 auf: „Ich stelle mich Samstag am
    frühen Nachmittag nach erfolgtem Einkauf an die Kasse im Lidl/Werl, um zu bezahlen. Bekleidet war ich mit der üblichen priesterlichen
    Alltagsdienstkleidung, also als Priester erkennbar. Der Supermarkt war recht gut gefüllt und wenn ich richtig gesehen habe, waren alle Kassen
    geöffnet. Vor mir waren noch 3 Kunden und hinter mir noch ein weiterer Kunde. Direkt vor mir war eine Dame, vermutlich (?) Herkunft, mit
    einem langen beige-braunen Mantel bekleidet und einem dunkelbraunen Kopftuch. Sie legte gerade die Ware auf das Kassenband. Plötzlich
    kam (offensichtlich) der Ehemann dieser Frau dazu. Als er mich sah, begann er mich in seiner Muttersprache zu beschimpfen. Dass es eine
    Beschimpfung war, war eindeutig! Ich habe darauf in keiner Weise reagiert. Dann aber fasste der besagte Mann an meinen Einkaufswagen
    und schüttelte/schob selbigen hin und her, während er weiter schimpfte. Daraufhin fühlte ich mich aufgefordert, zu reagieren und sagte dem
    Herrn mit normal höflichem Ton, dass er ruhig in deutscher Sprache mit mir sprechen könne, da ich die durchaus verstünde. Er schaltete direkt
    um und schimpfte wie folgt: „Du Ungläubiger!“, „Du Schwein!“ Sofort wählte ich ohne Kommentar mit dem Handy die Nummer der Polizei,
    die sich nicht zuständig sah. Von den Umstehenden hat niemand etwas dazu gesagt.“

    http://www.propstei-werl.de/medium/Pfarrbrief%2022.10.17.pdf?m=175552

    Vielleicht ist Deutschland und ein Teil Europas ja die Tschechoslowakei von heute und unser Untergang – ob im dekadenten Ertragen („Soumission“) oder im erstickten Widerstand – rüttelt wenigstens den Rest der Welt auf und beendet das unwürdige Appeasement gegenüber der dritten großen totalitären Ideologie nach Kommunismus und Faschismus/Nationalsozialismus.

    In den Asterix-Heften fällt ab jetzt der bekannte Einleitungstext weg:

    „Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…“

    https://www.valeursactuelles.com/culture/pourquoi-la-page-douverture-dasterix-t-elle-ete-supprimee-du-nouvel-album-90059

    • Oha. Naja. Nennen wir es Lernkurve.

    • Asterix ist schon lange tot
      Genauer gesagt, seit dem Tod Goscinnys 1977 ist sprachlich nichts Sinnvolles mehr herausgekommen. Die von Uderzo+Co hernach verfassten Hefte wirken fade, schal, plakativ und haben nichts von der feinsinnigen Ironie und den subversiven Anspielungen der früheren Texte.

      Wie darüberhinaus Uderzo alles in Grund und Boden geklagt hat, wo auch nur ein …ix drauf stand, kann man hier nachlesen:

      https://www.heise.de/tp/features/50-Jahre-Asterix-3383094.html

      Zutiefst unsympathisch.

    • ... das war ...
      … ein – Einzelfall und dürfte kaum dazu führen, dass man realisiert, wen man da in Massen ins Land geklatscht hat, geschweigedenn dass man alles daran setzt, diese Leute schnellstmöglich wieder loszuwerden (Was aus bekannten Gründen ohnehin kaum gelingen dürfte).

    • Das mit dem Intoleranten Einkaufswagenschüttler finde ich
      beachtlich. Und dass ihn nicht einer wenigstens auf „Religionsfreiheit“ in diesem Lande, wenn nicht schon darauf, dass alle Menschen laut GG gleich sind, angesprochen hat.
      Und die Reaktion der Polizei. Aber was sollen selbst gewürgte und geschlagene auch da schon machen.
      Übrigens haben sich auch die „Schändungen von Kirchen“ erhöht. Kommt nicht oft in die Medien, aber es geht um zerstörte Reliquien, abgeschlagene Gliedmaßen von Heiligenfiguren, Farbschmierereien auf Altären, Brände und geplünderte Opferstöcke.

    • Warum sollten die Umstehenden etwas zu dem Vorfall sagen?
      Der Priester ist doch Teil des Problems. Der Papst höchstselbst,
      als auch seine deutschen Kardinäle, findet doch diese Soumission
      völlig in Ordnung.

      Es sind schlechte Hirten. Und vermutlich grün vor Neid, wenn
      sie sehen welche Macht die islam. Religionführer über ihre
      Gläubigen haben.

    • ...
      Dass der Einleitungstext wegen dem Bezug auf Christus („50 v. Chr.“) gestrichen wurde, scheint tatsächlich eine Möglichkeit zu sein!

      „Babaorum“ bezieht sich als Wortspiel wohl auf „baba au rhum“.

      „Ce gâteau aurait officiellement été inventé pendant la première moitié du xviiie siècle, quand le roi de Pologne Stanislas Leszczynski, beau-père de Louis XV alors duc de Lorraine et installé à Nancy, trouvant le kougelhopf trop sec demanda à ce qu’il soit arrosé de vin Tokay, remplacé ensuite par le rhum[1].“ (Wikipedia)

      So wurde aus einem deutschen Guglhupf durch einen polnischen König ein französischer baba au rhum.

      Wobei Wein und Brot an die Kommunion denken lässt.

      Dem Werler Gemeindepriester mein Mitgefühl.

    • @Gost: 31. Oktober 2017 um 11:56 Uhr
      Wunderbar gegostet Ihr Text. Sauber.
      Ja, stimmt schon ,der arme Pfarrer.

    • Polizei, die sich nicht zuständig sah ...
      Vielleicht hat der Herr Pfarrer bis zu diesem Zeitpunkt auch an die Bereicherung und Sicherheit geglaubt.

      So konnte er was dazulernen!
      (Man lernt ja bekanntlich nie aus…*)

      * … sagte mein elsässischer Kollege in Albanien. Er hatte dort als Wasserwerksdirektor mit Bürgermeistern zu tun die mehrere Leibwächter beschäftigten. Jeder von denen kostete mehr als das offizielle Gehalt.

      PS:
      Vielleicht wird es Pfarrern zukünftig ähnlich gehen wie albanischen Bürgermeistern.

  64. Radeks Schicksal im real existierenden Sozialismus
    Eine so typische Biographie, aus eines Zeit, die in Wolfgang Leonhardts autobiographischem Werk ueber die ihre Kinder entlassende Revolution so anschaulich beschrieben wird, und von der man hoffte, dass sie eine vergangene Zeit bleiben wuerde. Aber sehr fruchtbar fuer politische Witze wie den:

    Sibirien – drei politische Gefangene unterhalten sich im Arbeitslager. Fragt der erste den zweiten: „Warum bist Du hier?“ Antwortet der: „Ich war gegen Popow.“ und fragt zurueck: „Und Du?“ Antwortet der erste: „Ich war fuer Popow.“ Dann fragen sie natuerlich auch noch den dritten, und der antwortet: „Ich bins. Popow.“

    • Raten Sie mal, wie es heute denen geht, die es in den entsprechenden Kreisen wagen, Probleme am Alex anzusprechen.

  65. Alles ist schon gesagt
    nur noch nicht von allen. Also flüstere ich ein kleines „Dankeschön“ ins Forum. Was für eine Lesefreude. Danke!

  66. Hintersinnig
    Im Prinzip ist das so dezent gegenübergestellt, dass es ein richtig scharfes Schwert ist. Ich glaube, so was kann wirklich nur ein Kunsthistoriker.

    Das Problem mancher Individuen ist, dass sie nicht sein können wie ein Hund (als Bild gefiele mir die Katze besser, weil Hunde nicht in der Sonne liegen) in der Sonne. Sie verstehen schon einen modernen Ausdruck wie „Seele baumeln lassen“. Gleichzeitig muss der wohl erlernt werden, am besten unter finanziellem Einsatz. Aber erlernt wurde der immer schon, siehe Prousts Protagonist, der dafür sieben Bände braucht.

    Das Problem diverser Gestalten ist, dass sie ständig „gestalten“ wollen, zur Not auch verunstalten. Es ist, legt man die recherche zugrunde, in etwa das Gegenteil von Kunst, weshalb sich auch Klonovsky am besten gewundert hat, wie eine Romanautorin….usw.

    Kompliment für die Gegenüberstellung, großartig.
    Botticellis Sephora/Zippora allerdings gefällt mir etwas besser als die Biedermeierin mit dem Knutschfleck. Das möge man mir nachsehen.

    • Odette au Chat noir
      Geht cat content an Halloween durch?
      White idiots and fraudulent food in “ Henri 4, L’Haunting“.

    • Hunde in der Sonne...
      Gerade habe ich mal rausgesehen 🏡, sechs von unseren acht Hunden liegen in der Sonne und die vier Katzen schlafen auf der überdachten Ost-Veranda in den Sesseln. – Aber es sind halt italienische Tiere…

    • Im Sommer immer auf Fliesen im Schatten
      Dachte wohl mehr an den Sommer. Ist aber auch der unwichtigste Satz.

  67. petites madeleines
    Proust habe ich (immer noch) nicht gelesen aber es gibt ein wunderbares Kochbuch mit Rezepten aus der großbürgerlichen Küche seiner Familie. Die meisten dieser Rezepte sind mir zu aufwändig aber die berühmten Madeleines backe ich regelmäßig. Köstlich – nur auf den Lindenblütentee verzichte ich gern.

    Auch wenn es jetzt nach dieser bildungsbürgerlichen Untugend klingt, aus Literatur zu zitieren, die man nicht gelesen hat aber

    vielleicht sollte ich besagtes Gebäck doch mal in meinen Tee stippen, um Erinnerungen an die verlorene Gesprächskultur wieder zu finden. Es gab sie mal in der SPD – deren Mitglied ich immer noch bin. Und es gibt sie vereinzelt und etwas zaghaft wieder in den Ortsvereinen, wo manchmal ganz andere Leute sitzen als die großen Marktschreier und Vereinfacher in Bund, Land und den Talkshows.

    Danke jedenfalls für diesen wunderbaren Text.

    • Gern geschehen. Bei der SPD habe ich längst alle Hoffnung aufgegeben, bei dieser Funktionärskaste.

  68. Ausnahmsweise nur empört
    über die Nichterwähnung Nabokovs in Ihrer Aufzählung!

  69. Wieder einmal ein wunderbarer Text aus Ihrer Feder,
    der leider eine beklemmende Realität beschreibt, die eine noch weit schlimmere Zukunft befürchten lässt …
    zu dem Thema des Niederbrüllens unerwünschter Meinungen, das leider in linken Kreisen (und auch in manchen rechtsextremen) zunehmend als Debattenkultur aufgefasst wird, habe ich vor kurzem folgenden Link gefunden, den ich seitdem in meinen Favoriten gespeichert habe, weil ich den Artikel und die darin zum Ausdruck gebrachten Gedanken und Folgerungen für sehr wichtig halte. Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn evtl. hier im Blog gefunden habe.
    https://nyti.ms/2ylQi0p

    • Js, das setzt sich nach Jahren anderer Ansichten auch wieder zumindest als Teilmeinung in der NYT durch.

    • Empörter Gast @ 30. Oktober 2017 um 23:22 Uhr
      Empörter Gast weist hin auf:
      „https://nyti.ms/2ylQi0p“

      Also jetzt mal unter uns – dieser schwache Text bringt nichts Neues und weist nur darauf hin, was jeder Publizist am Anfang seiner Laufbahn und danach immer wieder beherzigen sollte, denn das sollte seine Kernkompetenz sein, was ihn von anderen abhebt.

      Das die NYT diesen Text bringt, ist eher ein Zukreuzekriechen, nachdem die Journaille dort jahrelang die meisten Ehr-/Berufsgesetze missachtet hat.

  70. Um es mit Diderot zu sagen
    Wenn es keine Tugend ist, Geist zu haben, dann ist es kein Laster, ihn zu entbehren. Wieder einmal ein hervorragender Artikel, lieber Don, ich fürchte langsam das ist kaum noch steigerungsfähig.

    Früher gab es hervorragende Schreiber, die mit ihren Büchern und ihrem Lebenswandel Tabus brachen. Da wurde vieles verziehen, wenn man nicht zu sehr gegen die Konventionen verstieß. Einige Negativbeispiele gab es, und gerade an der Fallhöhe kann man noch heute sehen, wie viel man diesen Leuten nachgesehen hatte, bevor man zur Bestrafung schritt.

    Inzwischen gibt es weniger Tabus, sogar wirres Geschreibsel über Kartoffeln aus Dreckskultur regen kaum jemanden auf, also mich zumindest nicht. Da müsste schon jemand von Ihrem Kaliber vom Leder ziehen, eine Person die mit viel Wissen im Hintergrund gut kultivierte Boshaftigkeiten austeilen kann. Ich meine das sehr nett mit den Boshaftigkeiten, bitte nicht mißverstehen!

    Hier im Blog finde ich die Gesprächstultur, die ich vielerorts vermisse. Interessante Artikel, und viele Kommentare, die das gesamte Spektrum von erheiternd bis zum Nachdenken anregend abdecken.

    In einem bin ich mir ziemlich sicher, wenn es irgendwann knallt in der Gesellschaft, dann kommt kein Sozialismus, dann wird eher Ihr (und mein) Traum wahr: die Soziale Feudalwirtschaft.

    http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/feudalwirtschaft106.html

  71. Ob es nicht eine Unfähigkeit im Verstehen des Selbst und der Welt ist, die immerzu nach Neuem
    verlangt? „noch sagen, dass diese Welt veraltet ist“

    Was ist denn das wirklich Neue? Wieviel wirklich Neues sieht denn ein Neugieriger und Wacher in seinem Leben?
    Das Allermeiste ist doch – gelinde gesagt- alter Wein in neuen Schläuchen, Camouflage und Aufhüschung.

    Ja, in gewissem Sinn ist ja auch die Zusammenarbeit der Linken mit dem IS nicht neu…http://www.danisch.de/blog/2017/10/30/antifa-ddr-raf-stasi-spd-usa-is/

    • Das ist eine ziemlich wüste CT in meinen Augen. Wieso sollte man sich das Knowhow im Nahen Osten beschaffen? Amerika hat doch genug irre Gruppen, die einem das beibringen können.

    • Was ist "CT"?
      Es geht nicht um allgem. knowhow, sondern ,wie ich es verstehe, um militär. Training und Bewaffnung wie bspw. damals für die RAF. Dh.: diese Koalition zwischen Islamismus und den Linken wäre ja nicht neu. Neu wäre, daß das SO bisher in der Öffentlichkeit nicht besprochen wurde.
      Ich finde das, was u.a. Danisch da beschreibt auch absurd!

      Und wie bei allen abstrusen Dingen gilt- : man kann eigentl. gar nicht mehr rational entscheiden, ob es „wahr“ ist.
      Ich habe es hier nur gebracht, weil es möglich erscheint und in der Linie der Ereignisse liegt.

      PS.: Vor ca 1 A wurde es auch noch als absurd (und antisemit.!) bezeichnet, wenn man darauf hinwes, daß Israel den IS unterstützt. Nun gibt es u.a. israel. Offiziere in IS Bunkern, Medizin.Versorgung des IS, Rückzugsgebiete für den IS in den Golanhöhen… . Klar ist das absurd, aber inzwischen approbiert.
      Da ich niemand bin, der mit doppelten Böden spielt, ist für mich das real Absurde vermutlich noch um ein Vielfaches absurder als für viele Zeitgenossen!

    • Titel eingeben
      „Was ist „CT““

      conspiracy theory?

  72. Alte Hunde ...
    … die nicht irgendwelches Ungeziefer, Zecken, Flöhe, Wurmeier etc., in ihren Hautfalten bergen, gibt es nur in klinisch reinen (totalitären) Anstalten grausamer Tierversuche. Hunde leiden außerdem an Räude, Fuchsbandwürmern, Tollwut usw. usf.
    Kurz, der Hund lebt mit Parasiten.

    600/700 Jahre benötigte die Bourgeoisie, um dem Adel und der Feudalherrschaft ein Ende zu bereiten, sie aus ihrem Pelz zu schütteln. Der Adel überlebte in Nischen.

    Ein paar Generationen nur dauerte es, der Bourgeoisie das Sterbeglöcklein zu läuten. Sie vegetiert heute in Nischen.
    An ihre Stelle hat sich überraschenderweise nicht das unter dem schief genagelten Kreuz von Hammer, Sichel und Eispickel marschierende Proletariat gesetzt, sondern eine wüste Mélange von Konsumismus, Mobilismus und diskursunfähigem Mitteilungswahn.

    Proust kommt da kaum zu Wort, so wenig wie Mann, Thackeray, Heine oder Schnitzler. Schiller schon gar nicht.
    Dennoch aufrichtigen Dank für den Einblick in eine interessante Bibliothek und den wunderbaren Beitrag.

    Um zu ergründen, wohin die gesellschaftliche Reise führen wird, bieten sich heute statt soziologischer Studien und bestellter Meinungsumfragen wieder die Auspizien des Vogelflugs an. Die Beobachtung eines großen Schwarms von Staren z. B. Die unerwarteten Volten, die da geschlagen werden, indem einzelne Vögel alle anderen mal in die eine und dann in die andere Richtung ziehen, einander gegenseitig an Tollheiten überbietend.

    Tierisch und schön zu betrachten. Ein Privileg der Bourgeoisie, die sich der Beschäftigung mit den Lebensnotwendigkeiten entledigt weiß und die selbst ihren Untergang mit unbeteiligter Neugierde und nüchternem Interesse verfolgt.

    • Proust müsste sich hslt seine Ecken suchen, was er zur aktuellen Homosexualirät sagen würde, kamm man nur vermuten.

  73. .....
    Es ist halt schon so nur weil man bei der Süddeutschen ist ist man halt noch nicht Elite auch wenns manche glauben.
    Die Avantgarde, sowohl des Kommunismus wie auch dessen was auch immer das heute ist, hat bis heute etwas nicht kapiert, es geht am Ende darum wer noch steht, nicht darum wer am meisten geschrieen und geschrieben hat.
    Die Schlösser und alten Häuser stehen in Deutschland noch, manche Familien gibts nicht mehr aber viele gibts noch, wo aber ist die Avantgarde, die treuen Kämpfer der Zukunft ? Ins Grab gesunken und ausser ein paar Statuen ist nichts geblieben.
    Deswegen finde ich die Freilassung der alten RAF-Terroristen auch gar nicht so schlecht, die sollen ruhig sehen das alles umsonst war wofür sie kämpften, das tut ihnen vllt. mehr weh als der Knast.

    Als Patriot muss ich zwar eine Träne vergiessen wenn ich mir ansehe was sie aus meinem Vaterland machen aber meine Familie wird wie das Vaterland überdauern und die „Avantgarde“ und ihre Ideen nicht…..und das ist doch schön. Wir haben die Nazis und die Kommunisten überlebt, zwei Weltkriege und Pest und Cholera, da brauchts schon mehr als ein paar Hashtags damits ungemütlich wird.

  74. Lieber Don!
    Allein die letzen beiden Sätze Ihres (wieder einmal!) mit standesgemäß zurückhaltender Contenance formulierten, aber gerade deswegen fulminanten Essays machen mir deutlich, was gedanklich und sprachlich möglich ist, aber allmähliich im Praktikanten-Lingo des zeitgenössischen Journalismus untergeht. Bildung halt, nicht Ausbildung.

    Und Gelassenheit im täglichen Jahrmarkt, den auszublenden schon immer hohe Kunst war. Die von Ihnen anfangs erwähnten Klassiker (Radek, eine quantité négligeable, zählt nicht dazu) haben diese Kunst zu beherrschen gelernt. Allmählich glaube ich, dass auch Sie auf diesem Weg zahllose Meilen zurückgelegt haben — und nicht nur auf dem Drahtesel.

    • Danke, auch hier zählt: Übung macht den Mitfahrer im geistigen Mittelfeld.

    • diese Bescheidenheit
      Steht Ihnen gut und gibt einen Hinweis darauf, wo Sie auf den Dunning-Kruger Kurven stehen.
      Es ist diese Zurückhaltung, eben nicht den Besitz der endgültigen Wahrheit für sich zu reklamieren, die das Lesen so angenehm macht.

    • Danke, aber ich habe das wirklich nur so runtergeschrieben. Für echten Geist fehlen noch 40 Fremdworte und ein paar Bezüge auf Luhmann sowie Zitate von Spinoza, und ein Bezug auf einen zurecht vergessenen DDR-Autoren, erst dann wäre es auf der Höhe, die heute Akademiker einfordern – und es bekäme zum Beleg auch maximal 2000 Leser und 0 Kommentare, womit bewiesen wäre, dass die 2000 Richtigen überzeugt wären.

    • .
      nun ja, luhmann ist nicht mehr unbedingt le dernier cri, wie man so sagt, nur haben alle, die dozenten hatten, die etwas auf sich hielten, gelernt. rein didaktisch ist das befassen mit diesem denker auch sinnvoll (die systematik/ein system verstehen, auf ‚alles‘ anwenden, dann feststellen, wo die decke zu kurz ist, dies benennen, gründe finden und dann eigenständig und argumentativ die blössen bedecken).

      deleuze und guattari sind einigen wohl zu schwierig, wie man auf recht mäandernden diskussionen mit recht mäandernden beiträgen erfahren durfte.

      nur meine paar centimes.

    • 2000 Leser...
      tja, bei den ganzen genderbewegten Sozial“wissenschaften“ ginbt es in den USA eine Quote: 85% werden niemals, nicht ein einziges Mal zitiert. Nada, Nitschewo, Nihil, Zit.

      Und das aus gutem Grund: das hat entgegen Ihrer werten Annahme nämlich nichts, aber auch gar nichts mit Geist zu tun: das ist vielmez, entschuldigen Sie meine Offenheit, geistig bettlägerige theoretische Masturbation.

      (Eines Tages gründe ich eine NGO: PIG political insulting group, es geht dabei gar nicht um Meisterschaft: eine gut gefüllte Datenbank mit Beleidigungen. Metadaten dazu, fertig ist die Dienstleistung für Regierung und Opposition)

  75. Kein
    So interessant das Thema ist, der Text ist furchtbar schlecht geschrieben.

  76. Bester D.K.Dent
    Wir leben halt in einer Zeit, wo Tausende von überflüssigen Sozialwissenschaftlern, Juristen, Ökonomen und Parteiearnies dem gewöhnlichen Steuerzahler erzählen wollen, wo seine Zahlungen zu verwenden sind. Es sind nicht 670 kaputte Autobahnbrücken, es sind nicht 1200 kaputte Eisenbahnbrücken, es sind nicht die heruntergekommenen Kindergarten-, Schul- und Universitätsgebäude, es ist nicht das Zernieten des Normalarbeitsverhältnisses zugunsten von Zeit- und Werkarbeitsverträgen, die unsere Polit-Elite zu Maßnahmen veranlasst.
    Es ist die Frage des Zuzugs. Wer hätte das gedacht?

    • 303.991.860,96 Jubeleuronen...
      …kostet der Bundestag. Herzlichen Glückwunsch zur Aufstockung!

      ht tps://deutsch.rt.com/kurzclips/59749-soviel-kostet-neue-bundestag/

      Ihr sollt den Schlund halten und malochen, gängeliges Pack!

      https://pbs.twimg.com/media/C_iDPy6XoAEj1-o.jpg

    • Gesprächskultur
      Das, lieber Folkher Braun,
      hätten wir in unserer Jugend wohl beide nicht geträumt … dass wir eines Tages als Reaktionäre am Pranger stehen könnten. Nicht etwa, weil wir altershalber nicht mehr raffen, was um uns vorgeht – es wäre eine Gnade! Im Gegenteil, ich sehe Menschen wie Sie mit einer schmerzhaften Klarsichtigkeit bestraft, von der die vielen Blinden keine Vorstellung haben.
      Die Gesprächskultur tut sich ja schon mit der Definition von Begriffen wie liberal, links oder bürgerlich in einer Weise schwer, die eine Verständigung nicht erwarten lässt.

      Na dann, auf ein „reaktionäres Greisentum“!
      Bleiben Sie kämpferisch, hellsichtig und bissig und treten Sie den gewählten Ignoranten weiterhin kräftig in den Allerwertesten.

  77. AuSaBeTu-Planung
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    Sie haben wieder einmal sehr gut ins Herz getroffen ! Zu diesem, mehr aber noch zu Ihrem vorherigen Blog passt sehr gut die Neuigkeit, die ich gerade gehoert habe und das koennte Sie vielleicht auch interessieren…
    Die DDA (Deutsche Drucke Agentur) berichtet:
    „Seitens der Plage AuSaBeTu (Planungsgesellschaft Augstein-Sargnagel-Berg-Tunnel) liegt nun die erste Nachtragskalkulation fuer den Tunnel auf dem Tisch. Demnach wird das Vorhaben um 40 % gegenueber der Erstkalkulation teurer. Der Grund dafuer ist nach Aussage der Entwurfsplaner, dass festgestellt wurde, dass der Tunnel zur Verhinderung des Eindringens unerwuenschter Meinungen auf einer Laenge von ueber 130 km im Zuge der Unterquerung Sachsens doppelwandig, mit verstaerkter Armierung als Farraday’scher Kaefig und mit zwischenliegender absolut schallschluckender Isolierung auszufuehren ist. Zusatzlich zu der massiven Kostensteigerung wird sich dadurch auch die Bauzedit um ca. 27 Jahre verlaengern. Eine veraenderte Linienfuehrung zur Umgehung Sachsens weiter westlich unter Thueringen und Ostbayern hindurch wurde als Alternative untersucht aber aus nichtgenannten Gruenden verworfen. Wie aus wohl informierten Kreisen verlautete, haben die Auftraggeber des Tunnels diese Aenderung auf Grund Ihres unerschuetterlichen Glaubens an die ewige Zukunftsbestaendigkeit ihrer Meinungsdominanz unverzueglich und ohne jegliche Bedenken genehmigt.“
    Mit freundlichen Gruessen

  78. "Salonspechte"
    Würde es am Zeitgeist und deren Denker liegen, würde sich die so genannte Kulturrevolution nicht nur von rechts gestalten, sondern „aufteilend“ der Mitte zuwenden(wenn). Der Interessenkonflikt ist per se das Angebot der Diskussion, aber Links nicht die Güte besitzt sich zu stellen, um einen Austausch überhaupt zuzulassen(ich beziehe das nur auf die heutige zeit, weil sie noch prägender ist, als anfang der neun´zger). Und auch hier zeigt sich, dass Gewalt „nur dann“ zum tragen kommt, wenn die eigene Diskussionsebene nicht mehr vorhanden ist, weil der Brückenjosef fehlt. Siehe Halle(Saale).

    Nun gäbe es die Möglichkeit für eine kontroverse Diskussion – die vllt. zu einem beiderseitigen weiterdenken führte –, die der Allgemeinheit viel besser täte, als die Bourgeoisie es sich jemals ausmalen könnte.

    Anbei sei bemerkt, dass der Linke Apparat sowohl als auch, innerlich wie äußerlich Ziele verfolgt, die einem jetzigen Diskurs mit andersdenkenden unerwünscht erscheinen; wissend ihrer derzeitigen Situation.

    Die „Rosa Stilikone“ (aka S.W.) wird wohl ihrer geistigen Vorschreiber auch kein – „Dein ist mein ganzes Herz“ – mehr trällern.
    [editiert. HÖREN SIE BITTE MIT DIESEM YOUTUBESCHMARRN AUF!!!!! Don]

    PS: […]gewisse Bissigkeit, die man solchen Leuten gar nicht zutrauen würde.

    Es gibt hier nur Einen, der seine Bissfestigkeit gerne unter Beweis stellen würde! ^^

    PPS: https://pbs.twimg.com/media/DLE-_GgXkAEO3Ra.jpg

  79. Sozialismus ist noch ungesünder als Asthma.
    Das ist richtig, Don!

    Ich würde sogar sagen, (staatlich verordneter) Sozialismus ist
    Sklaverei, die Möglichkeit freiwillig Sozialismus zu praktizieren finde ich super (egal ob im Kloster oder im Kibutz).

  80. Auf der Suche nach einer verlorenen Gesprächskultur ...
    baut man eben seine eigene, als ideal empfundene Gesprächskultur, so wie Sie es tun, mit Ihren wunderbar geistreichen Beiträgen, den interessanten Kommentaren, die dazu beitragen und mit der Art, wie Sie die Kommentare moderieren. Ich bin und bleibe ein Fan von Ihnen, auch wenn ich es nicht schaffe jeden Beitrag zu kommentieren, lese ich sie doch jedesmal mit großer Freude. Auch diesmal, trotz des Bildes einer Kopftuchträgerin 😀, vermutlich eine Italienerin, aus den ländlichen Teilen im Süden, bspw. Sizilien, wegen den den Rosen am Haar, das schwarze, leicht nach hinten gerückte Kopftuch könnte auf das Ende einer Trauerzeit hindeuten. Sie hat eine kindlich naive Ausstrahlung, welche doch sehr im Konrast steht zu dem lassiv ‚ dekadenten‘ gefederten Fächer in ihrer Hand. Bitte verzeichen Sie mir, wenn ich sage, zu dem Bild könnte ich keine innere Verbindung herstellen. Und werde gleich erklären warum, auch in Bezug auf türkische Verhältnisse.

    Es scheint erhebliche Unterschiede zu geben, zwischen dem jetzigen Bürgertum in HH und Bayern ❤️. Hamburger, so nett sie auch sind, sind ein anderer Menschenschlag. Die Gründe, warum sie so steiff, reserviert und auf Äußerlichkeiten bedacht agieren, immer darauf achtend, dass man einen Guten Eindruck hinterlässt, ist mir schleierhaft. Schlimmer in Anführungsstrichen sind die, die aus dem ländlichen Umland aus beruflichen Gründen nach HH kommen, und die Insignien des hamburgischen Bürgertums auf eine robust rabiate Art in Einsatz bringen. Wobei, im Vergleich zu früher, doch eine Besserung zu sehen ist. Ich bin bloß eine Beobachterin, jedem das Seine und man möge mir bitte meinen Weg gönnen.

    Im diesem Sinne, liebe Grüße an Sie, lieber Don und allen hier im Forum …

    • Danke, gern geschenen – ich las halt dieses Radekzitat und dachte, da mache ich was draus.

    • Schleier
      Das mit dem schleierhaft läßt sich relativ einfach lösen. Lebe ja selbst im Umland in einer „Pendelstadt“ und bin Zugereister. Hinter der Fassade ist nicht viel. Außer Geld. Die Pfeffersäcke haben ihrer Stadt ja auch relativ spät so etwas wie eine Universität gegönnt.

      Und früher, in den braunen Zeiten, waren sie wohl auch recht eifrig bei der Arisierung. Und in diesem rot-braunen Sumpf wachsen scheinbar auch heute noch Schlingpflanzen, die eher für eine Meinungseinengung sorgen. Hier gibt’s ja auch in fast jedem Kaff einen Antifa e.V..

    • Hamburger ... sind ein anderer Menschenschlag.
      Ich dachte immer, sie sind halt einfach Krypto-Engländer.

      Mir sind auch die Franzosen (privat) immer wesentlich lieber, weil ehrlicher …

    • Hamburger sind zum Essen da
      @El.Pe – Laurentius – Wassermann
      Das Hamburger-Bashing finde ich jetzt aber doch etwas banal und oberflächlich. Denn… wer hier lebt, erlebt Hamburger, Niedersachsen und Schleswig-Holsteiner (man denke nur mal an die Dithmarscher!) als überaus ehrlich und geradeheraus. Das muss man dann aber auch aushalten können!

      Regen wird hier eben etwas stoischer und ohne Worte als Luftfeuchtigkeit angesehen und so auch mal auf dem Weg zum Mittag durch den Regen im Anzug so lapidar bezeichnet. Was gibt es auch mehr zu sagen, wenn man sich falsch gekleidet hat? Weinen? Schimpfen? Lange reden?

      Was hier über Geld und die Äußerlichkeiten der arrivierten Gesellschaft getippt wurde – mit Verlaub, da ich nun bereits in mehreren Großstädten nebst dem grazil-skurrilen Wien leben und arbeiten durfte:

      Was hier über die Hamburger Bürgschaft geschrieben wurde, das kann man auch über die Königsteiner bei Frankfurt oder Starnberger bei München schreiben. Düsseldorf und Neusser, Essen-Süd und Bremen-Schwachhausen.

      Diese Hamburger finden sich wie bei McDo weltweit.
      Sie leben eben für Status und Äußerlichkeit – die wenigsten aus dieser Schicht, die leider fälschlicherweise als Bürgertum bezeichnet wird mangels Verantwortlichkeit, pflegen sie als äußeren Rahmen, den es der inneren Freiheit wegen zu kultivieren gilt.

    • @vonmicha
      Sie haben ja recht, jeder Jeck ist anders. Mit geradeheraus und aufrichtig habe ich als Ruhrpottler etwas andere Maßstäbe, aber nun gut. Auch in Hamburg und Umgebung gibt es unterschiedliche Soziotope. Und wir hatten es in einem anderen Beitrag hier schon einmal, menschliche Eigenschaften sind ja über eine Gruppe nie binär verteilt. Und manchmal drückt man über seinen Kommentar auch nur seine Übellaunigkeit aus, ich bin auch nicht nur das Gelbe vom Ei. Oh ja, und Düsseldorf war früher wirklich sehr „speziell“.

    • Lieber vonmicha
      Wo Sie Recht haben, haben Sie Recht und ich würde noch mit Verlaub hinzufügend sagen, ‚ ja lieber Vonmicha, wo glauben Sie, dass ich die absolut Flecken- und Regenabweisende dicke Haut denn her habe ? 😀 …
      Etwas mehr Lockerheit wäre schön und wie der liebe Wasserman, sehe ich auch eine gewisse anglophile Neigung in kulturellen Dingen.

      Liebe Grüße an Sie …

      und Ein-Hut-ab für den Herrn Oberländer, für die wunderschöne Erklärung des Blogartikels …

  81. trek!
    Fabelhaft.

  82. Süffisanter Sülzer
    Allerverehrtester Supremissimus des hoch(nieder?)bourgeoisen Jargons verfestigter Selbstgewissheit, wir stimmen darin überein dass am Leben lassen unzweifelhaft um einiges besser ist als ein Gulag, doch darüber wegsülzen wie diese Welt unrund läuft hilft nur bedingt, meine ich – wie steht es denn um Ihre seelische Gesundheit? Klingt im warmen Moll-Ton des Starnberger Herbstes nicht auch immer mal ein Stimmchen durch dieses Sattsein und spricht von den Schrecken, die der Welt nicht so sehr von Bauer, Maurer, Zimmermann und anderen dienstbaren Geister bereitet werden sondern gerade vom Tun Ihrer kommod marodierenden Klasse? Ich wünschte mir, Ihnen und uns allen wenn schon keine richtige Revolution so doch wenigstens ein Grossbürgertum das sich mit seinem Herrschaftswissen in Pflicht und Aufgabe sieht am eigenen Volk etwas von dem Gut zu tun was es den verdummten, billig abgefütterten getriebenen Massen zuvor genommen hat. Darin läge ein Quentchen Anstand.

    • Ach - gehen Sie doch woanders hin -
      die Welt retten.
      Oder fragen Sie mich wenigstens, bevor Sie beginnen, ob ich „gerettet“ werden will.

    • Da ist was wahres d ´ ran
      und mich wundert, dass Don nicht verschnupft dagegenhält.
      .
      Ich muß Ihnen aber gewiss nicht erklären, dass Don das Bürgerlich-aristokratische als Stilmittel provokativ überhöht. An was sollte man sich den sonst bei seinen Texten accrochieren oder echauffieren? Etwa an die/den Kahanes oder den nicht einmal mediokren Schreibknechten/SchreibknechtInnen dies-und jenseits des Atlantiks. Ständig über Stahlfahrräder, 13%-Anstiege und Höllenabfahrten mit der „Neuen Freiheit“ als Windschutz unter dem Maillot bringt auch nicht sicher die nötige Rauhtiefe um sich daran zu reiben.
      .
      Immerhin, so glaube ich zu ahnen, kam die Masse unserer Geistesgrößen, auf die wir Deutsche immer stolz zu sein vorgeben aus Adel und Großbürgertum. Aber heute behaupte ich, die Mischung macht´s. Nein nicht die Mischung, die linksgrünen vorschwebt, sondern eine Mischung vom gut ausgebildeten (ehrbaren) Handwerkern, Facharbeitern, Ingenieuren, nicht ideologisierten Pädagogen/Beamten, Bänkern und Industriellen, die das Wohl ihrer Nation im Auge behalten und sich nicht dem Wahn vom einer noch nicht bewiesenen Fortschrittsglauben durch Multikulti hingeben.
      .
      Die „kommod marodierenden Klasse“ scheint mir inzwischen eher unter den „Geburt-Schulzeitungsredaktionprotestschreiberling-weiternixdazugelerntundabgebrochen-Politik-Protagonisten“ (Jessas Anton, du bist ne Ausnahme) der Linksgrünnixwieandietrögesondierer zu finden zu sein.
      (DdH)

    • Ich muss nicht auf alles reagieren, so einfach, eigentlich.

    • Titel eingeben
      @ Trojaner
      Köstlich, Ihre Demonstration verlorener Gesprächskultur, welche der Don so beflissen sucht (warum in der Ferne schweifen, sieh, das Schlechte liegt so nah…)

      – immerhin wurde so in zwei Jahren die alte Stammmannschaft der SDG wie z.B. TDV, TGA, donna laura etc. vertrieben

    • georgf. @ 31. Oktober 2017 um 07:09 Uhr
      georgf. sagt:
      „…und spricht von den Schrecken, die der Welt nicht so sehr von Bauer, Maurer, Zimmermann und anderen dienstbaren Geister bereitet werden sondern gerade vom Tun Ihrer kommod marodierenden Klasse?“

      Bauer, Maurer, Zimmermann leben nicht von H4 wie der gewöhnliche Eckkneipenrevoluzzer in Berlin, sondern verdienen ihr Familieneinkommen am Markt, dazu braucht es Fleiß und Intelligenz.

      Bauer, Maurer, Zimmermann sind intelligent und haben längst begriffen, wer ihnen und ihren Kindern die Zukunft gefährdet und was zu tun ist.

      Und sie versuchen das mit Anstand umzusetzen.

    • .
      lieber Bluebeardy, ah, das waren noch zeiten! man dankt bescheiden, dass sie sich an meine lockenbewehrte wenigkeit doch noch erinnern mögen, merci.

    • Nein, Bluebeardy, kann ich so nicht akzeptieren
      Von wem denn vertrieben?
      Von anderen *Meinungen*? Sicher nicht. TDV war niemand, der sich durch eine andere Meinung vertreiben liess. Als Beispiel.
      Die Kommentatoren hier sind auch keine Fussballmannschaft, sondern eher eine Zusammenwürfelung von Menschen, aus den verschiedensten Bereichen und Hintergründen, die sich wohl hauptsächlich freuen, in einen lebhaften Meinungsaustausch eintreten zu können.
      Manchmal gibt das Leben einem Zeit dazu, manchmal tageweise, manchmal lebensabschnittsweise.
      Und was wäre dagegen zu sagen, wenn die Motivationen sich ändern, Vorlieben sich ändern, vielleicht auch ein Druck, sich mitteilen zu wollen ändert, oder woanders ausgelebt werden kann?
      Manchmal mögen auch Themen vorbeikommen bei denen man sich fragt, ob man zum wiederholten Male seine Meinung und nochmal dazugeben sollte?

      Nein, ‚vertrieben‘ kann ich so nicht akzeptieren. Wenn Sie da akute Beispiele haben, würde mich das interessieren. Wenn jemand – mehr als einer – sich von mir vertrieben fühlte, würde ich gerne wieder auf die Seite der lesenden Nichtkommentierer zurückfallen.
      Mir scheint eher, dass sich der eine oder andere, auch themenweise – zurückzieht. Und diese Freiheit muss bestehen bleiben.


    • Mir scheint eher, dass sich der eine oder andere, auch themenweise – zurückzieht.
      Ja, richtig, so nehme ich das auch wahr.
      Und jeweils aus ganz unterschiedlichen Gründen, die man vielleicht erahnen, aber nicht ermessen kann, denn man kennt sich gegenseitig nicht privat.
      Außerdem gibt es keinerlei „Pflicht“ hier mitzuschreiben. Man tut es, wenn man Lust und Zeit hat – niemand wird dafür bezahlt (nichtmal Don + seine Helfer fürs Kommentarefreischalten). Und je nach Thema, Gesprächsverlauf und Anwesenden juckt es halt den einen oder die andere was dazuzugeben oder eben auch nicht.

  83. Alter Hund
    Ja, die Bolshies hat es nicht zum zum gedeckten Tisch gelassen, das deutsche Bürgertum. Für die Nazis hingegen wurde das Silberbesteck aufgelegt und der eventuell vorhandene Proust weit hinten in den Regalen versteckt. Wäre es doch wählerischer gewesen oder hätte es sich wenigstens wie ein alter Hund in die Sonne Gelegt, aber nein, es hat brav apportiert.

    • Dafür bekamen sie dann ja auch noch die Radeks. bis 1989.

      Aber ernsthaft, es gibt auch einen Beitrag der KPD am Untergang der Weimarer Republik.

    • Ja, Don, Thälmanns Horden haben am Strassenterror der Zwanziger
      ..
      .
      feste mitgewirkt, und für viele, überhaupt nach den Erfahrungen mit den diversen ,,Räten“ ,

      ein glaubwürdiges Schreckgespenst von Stalins Herrschaft über Deutschland erzeugt.

      Das half den unsäglichen Nazis nicht zu einem geringen Teil.

      Vorstellungen der sog. Junkerregierung , Hitler an die Wand zu drücken, bis er quietsche, verkannten die Realität .

      Die Aufführung der SA als Hilfspolizei nach der Machtergreifung hätte da noch lehrreich sein können, und spätestens nach der Nacht der Langen Messer im Frühsommer 1934 hätte jeder erkennen können, dass die Nazis keine Bremse haben.

      Da war es aber schon zu spät. Da konnte man wohl nur mehr auswandern, mit Ersparnissen in einer praktisch nicht konvertiblen Währung , denn wer hatte schon namhafte Konten in der Schweiz.

      Sagt sich auch leichter, als es getan werden kann, überhaupt mit Familie, oder in fortgeschrittenem Alter.

      Hätte die KPD in Wahlen gesiegt, dann kann man sich in der Sowjetunion der Dreißiger anschaun, wie es in Deutschland zugegangen wäre.

      Der Weimarar Republik gehörte, wohl auch wegen Versailles und den Folgen,
      die Liebe eines zu geringen Teils der Deutschen.

      Und dann nahm die serielle Katastrophe ihren Lauf.

      Der Waffenstillstand 1918 war noch nicht unterschrieben, da planten bereits deutsche Generalstäbler, die später im OC tätig waren,
      das Rückspiel.
      Und Kriegstreiber wie Winston Churchill hätten am liebsten gleich weitergekämpft, bis zur Vernichtung Deutschlands, von den Franzosen ganz abzusehen.

      Hitler ist keine zwingende Folge dieser Dinge, oder der Weltwirtschaftskrise, die aus der unkontrollierten Börse der Wall Street resultierte .

      Aber ohne Versailles und die Depression kein Hitler.

      Und der Thälmann , als Marionette Stalins , trug auch sein Scherflein bei.

    • zu pauschal
      Machen Sie doch lieber einen Unterschied zwischen Bildungsbürgertum mit gelesenen Büchern à la Scholl/Probst/Schmorell/Huber/Mayer und Geldbürgertum à la diverse Firmeninhaber mit ungelesenen Büchern zur Show in der vorhandenen Bibliothek.
      Es gibt doch immer zwei Sorten Bürgertum, das industrielle und das kleine der Ärzte und sonstigen Dorfhonoratioren.

      Ein einziges Bürgertum, das Nazis unterstützte, wobei man Winifred Wagner nicht als ungebildet bezeichnen sollte, aber auch nicht als repräsentativ, gab es nicht.
      Und Hitler hatte doch wohl die meisten Anhänger unter Arbeitern, die plötzlich Autobahnen bauten oder Gase bei Höchst herstellten.

      Linke schieben Hitler nur zu gern auf die Mitte.
      Die kleinere Mitte spies nicht mit Nationalsozialisten, sondern war passiv. Das könnte man ihr sicherlich vorhalten. Aber es war schwierig mit Familie und drohender Sippenhaft.

    • 2. WK wohl auch ohne Hitler
      @ Otto Moser

      Ich stimme zu, ohne Versailles und den Polnischen Korridor vermutlich kein

      Zweiter Weltkrieg.

      Aber auch ohne Hitler wäre der Zweite WK unter solchen Konditionen gekommen. Man wollte Deutschland demütigen oder in einen weiteren Krieg treiben. Heute, da D wieder recht stark ist und gepolt auf Europa, wurde erst versucht, über die Ukraine einen neuen Krieg zu entfesseln, dann wurde versucht, D über stärkere junge Männer zu destabilisieren und in einen Bürgerkrieg zu treiben. Immer die gleichen Interessengruppen. Orban hat sie umschrieben. Investoren von jenseits des Atlantiks. Es lebe die Atlantikbrücke, die kritische Stimmen abhält, irony off.

    • Tja, dieses verdammte Karma....
      Köstlich, wie man doch ganze Bereiche ausblenden kann, hinsichtlich Verantwortung….

      „….- endete mit dem Abbruch der Beziehungen auch das wohl eigenartigste politische Zweckbündnis des 20. Jahrhunderts: zwischen den russischen Revolutionären um Lenin und den deutschen Imperialisten um Wilhelm aus dem Hause Hohenzollern.
      Es war die Komplizenschaft ideologischer Todfeinde, betrieben voller Hinterlist und intriganter Raffinesse. Mit Folgen von welthistorischer Bedeutung: Ohne die Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das erste Jahr an der Macht wohl kaum überstanden.
      Vermutlich wäre keine Sowjetunion entstanden, den Aufstieg des Kommunismus hätte es dann nicht gegeben, keine Millionen Gulag-Tote.
      Zusammengehalten wurde die unheilige deutschrussische Allianz von gemeinsamen Gegnern, gemäß der uralten Devise der Realpolitik, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist. Eine bequeme Logik, die meist eigene Versäumnisse verschleiern soll, so auch im Ersten Weltkrieg: Hätten die Deutschen ihre größenwahnsinnigen Kriegsziele im Osten revidiert, wären Lenins Dienste nicht nötig gewesen….Vier Jahre lang unterstützte Berlin die Bolschewiki und andere Revolutionäre in Russland mit Mark, Munition, Waffen und trug damit zum Ende der Zarenmonarchie bei. Mindestens 26 Millionen Mark, nach heutigem Wert rund 75 Millionen Euro, hat allein das Auswärtige Amt bis Ende 1917 dafür ausgegeben. “
      http://w ww.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-54841257.html

    • Ursache allen übels
      Zitat:
      „Aber ohne Versailles und die Depression kein Hitler.“

      Versailles war doch auch nur die Revanche für den 70iger Krieg.
      Da wurde meiner Meinung nach der entscheidende Fehler begangen, der den Teufelskreis der unerbittlichen „Erbfeindschaft“ gestartet hat.
      Kaiserausrufung und Gründung der deutschen Nation auf fremden, besetzten Boden!
      Mehr hätte man die Franzosen nicht demütigen können.
      Und dann im ersten Revanchekrieg wieder Besetzung und Verwüstung des eigenen Teritoriums…

    • [ahem] @Oberländer 31.10. 2017, 12:31 "2. WK wohl auch ohne Hitler @ Otto Moser"
      und wieder mal eine Verschwörungstheorie mit den bekannten Verdächtigen … (kopfschüttel)

    • Otto Moser, ...
      … wieder einmal liefern Sie einen der intelligentesten Kommentare weit und breit! Man dankt ergebenst.

  84. Proust
    …ist wirklich das Größte an Literatur. Wohl dem, der noch die Muße findet, ihn einfach zu lesen. Aber mal was ganz anderes: All die Verweise aufs Fernsehen, die Diezens usw. und wie sie alle heißen: Ich bekomme von diesen keinen Brocken mehr runter und sobald ein/e Plasberg/Slomka auf dem Bildschirm erscheint, schalte ich innert Bruchteilen von Sekunden weg. In Berlin “bin ich nun mal da”. Hätte ich das Jobangebot aus der Schweiz letztens doch annehmen sollen? Bzw. warum bin ich in God ol Berlin geblieben?

    • Hätte ich das Jobangebot aus der Schweiz letztens doch annehmen sollen?
      Ganz sicher!

      Auch wenn mindestens ein Jahr weh tut, sich mit den ungemütlichen und wenig fehlertoleranten Eidgenossen einzulassen. Sie lassen sich durch Leistung von ihren Vorurteilen abbringen, Schiiss Uslandr …

  85. Titel eingeben
    Wer übrigens denkt, bei den Radekschen Verirrungen der schreibenden Zunft in unseren Qualitäts-Gazetten handele es sich um ein typisch deutsches Phänomen, dem sei dieses Werk hier anempfohlen: The Strange Death of Europe, Douglas Murray. Es weitet den Blick auf unsere europäischen Nachbarn und erlaubt einen Einblick, warum unsere Nachbarn so seltsam verschnupft reagieren, auf die Belehrungen deutscher Geistesgrößen a la Radek, dort hat man diese Verirrungen bereits hinter sich und zahlt seit geraumer Zeit teuer dafür.

    • Man kann auch die FAZ lesen - das schreibt ein Mann, der immer noch viel von Lenin hält,
      ja, von Stalin sogar. Sehr sehr schräge Nummer nach dem Motto: Was man den Doofen verwehrt/ Wird dem Erwählten gewährt! (Quod licet Jovi / Non licet bovi…).

  86. Biedermeier?
    Die schwarzgelockte Damsel it oh, oh, ganz bestimmt kein Biedermeier.
    Das zuckersüße Wesen hat sicher Don Calogero fürs Raucherzimmer
    in seiner Stadtvilla in Palermo, malen lassen.

  87. Philomena sage am 31. Oktober 2017 um 07:44 Uhr
    „@ lieber DdH,
    dann doch lieber die neue Staffel der Landfrauenküche im BR, die gestern begann.“
    .
    Sie werden lachen, ich habe das beim Zappen gesehen (Programmzeitung vergessen)- aber meine Frau (die Lutherverrückte)mochte nicht mehr (nach dreifacher Durchnudelung der Südwest-Landfrauen und denen von aus NRW-und dann auch noch von Stettens und Zitzewitzens, die in der Spitzenbluse und altem Familienschmuck den Blätterteig legen.)
    .
    Für mich sind diese Art Sendungen ohne leeres Geseiere dennoch so eine Art Strohhalm an die ich mich im Glauben an eine Art Restkultur versuche zu klammern. Man möge mich für einen alten Trottel halten aber wir picken uns die sehenswerten Sendungen aus allen Dritten heraus, mit Vorliebe BR. Oder Phönix.
    .
    Was kann bei den Prekis und schon mithalten mit Mare TV oder der der Sendung über einen Dachdeckermeisters aus dem Westerwald, der ein Schieferdach in altdeutscher Deckung hinlegt? Oder den „Maître pâtissier“ bei der Herstellung einer fünfstöckigen Hochzeitstorte, oder den Kunstglaser bei der Fertigung eines Kirchenfensters……
    .
    In Anlehnung an die polnische Nationalhymne sage ich leise in mich hinein – noch ist Deutschland nicht verloren.

    • Ich kam gestern auch zufällig drauf, werter DdH
      Die anderen Kochsendungen sehe ich nicht, irgendwann langt’s dann. ABER: Mare-TV natürlich immer gern, wenn es mir gerade vor die Linse kommt.Was gibt es doch immer noch einsame Orte mit skurilen, liebenswerten Menschen, oft beneidenswert.
      St. Helena hat jetzt einen Flugplatz.Mal sehen, ob es ein Segen für die Bewohner ist.Die Kapverden sind touristisch im Kommen. Wenn ich deren Seite besuche, bin ich begeistert.

      Vieles Andere natürlich auch, wie: der Letzte seines Standes etc. Es sind halt durchweg kreative MacherInnen.Wir scheinen da auf einer Linie zu liegen.Grüßle.

  88. Danisch Dynamite
    Guten Morgen Don, an diesem freien Reformationstag unter der Woche!

    Ich möchte meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass Sie demnächst den (hier zumindest schon von Ihnen verlinkten) Beitrag „Schales Kartoffelpüree“ des wackeren Hadmut Danisch zu einem eigenen Blog – Eintrag erweitern. Die Diskussion zwischen den Figuren von ZEIT, taz und SPIEGEL liest sich für mich wie eine öffentliche Redaktions-Konferenz, und da könnten Sie doch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.

    Die schönsten Beobachtungen von Danisch :

    „es war einheitliche Selbstverständlichkeit, Deutsche als ‚Kartoffeln‘ zu titulieren.“

    „Es zog sich ebenfalls wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, dass man grundsätzlich niemandem ein Recht einräumt, den Islam irgendwie zu kritisieren.“

    „Dieser ständige, permanente Ausdruck herablassender demonstrativer Respektlosigkeit, der pausenlosen Darstellung, Deutsche als minderwertig und überflüssig anzusehen, die sich doch bitte gleich selbst auflösen und entfernen mögen.“

    „weil ja alle derselben Meinung waren“

    „wenn eine Moderatorin die Gäste als ‚drei der klügsten Menschen des Universums‘ (wörtlich!) begrüßt, dann ist das ein selbstgewählter Maßstab.“

    „Wenn dann noch dazu kommt, dass zumindest zwei bis drei der vier auf mich noch äußerst unsympathisch wirkten, nämlich wegen auffällig affektiertem Gehabes, Gehampel, Gestik und Mimik, die auch dazu verwendet wurde, Defizite des sprachlichen Ausdrucksvermögens auszufüllen, dann wirkt das auf mich grotesk. “

    „Yaghoobifarah sagte einmal explizit ‚Ich hasse Deutschland'“

    „In ihrem Weltbild gibt es nur eine einzige andere Geisteshaltung als die eigene, Rassismus.“

    „Das war alles so seicht und flach, so ein extrem flaches, plattes, eindimensionales Weltbild, in dem es überhaupt nichts mehr zu diskutieren gibt“

    „Dieses ganze selbstherrliche, arrogante, herablassende, überhebliche, selbstüberhöhende, selbstgerechte, eingebildete, schnöselhafte Gehabe“

    „Das heißt nicht nur, dass die selbst rapide schrumpfende Redaktionen nicht mehr intellektuell besetzt bekommen. Es heißt auch, dass da Hetzer, Rassisten, Hasspriester, anscheinend Islamisten, jedenfalls Leute mit einer Erwartungshaltung, dass man ihnen das Land quasi besenrein übergibt, in den Redaktionen sitzen, und diese für ihren persönlichen Krieg missbrauchen“

    Wie gesagt, das las sich für mich wie der Bericht über eine öffentliche Redaktions-Konferenz.

    Und Don : Das wär doch genau Ihr Ding!

  89. The dying art of disagreemnent
    In der NYT gibt es einen feinen Artikel von Bret Stephens unter dem og. Titel. Auf einen Hotlink wird aus bekannten Gründen verzichtet

    • Wuwei @ 31. Oktober 2017 um 09:44 Uhr
      Wuwei sagt:
      „In der NYT gibt es einen feinen Artikel von Bret Stephens unter dem og. Titel. Auf einen Hotlink wird aus bekannten Gründen verzichtet“

      Der Text ist schwach und bringt für einen Publizisten nur Selbstverständlichkeiten – was die Mitarbeiter bei der NYT allerdings vergessen/verdrängt hatten. Immerhin, hört man, haben sie sich ja irgendwanneinmal dafür entschuldigt.

      Deshalb muss ein Schreiberling von dort wohl den Kollegen das wieder ins Gedächtnis rufen.

  90. Don Alphonso sehr gut - aber hat Radek nicht in einem Punkt recht?
    Sehr weltweiser Text vom Autor.

    Vernünftiger „Anarchismus“ setzt sich im Zweifel für eine – vernünftige – bürgerliche, sozialstaatliche Gesellschaft ein, die individuelle Spielräume offen hält.

    Im Zweifel für den seit Karl Marx ewigen Angeklagten, den Kapitalismus.

    Sie erläuterten die Eingemeindung individueller Revoluzzer in die – von diesen mehr oder minder abgelehnte – bürgerliche Gesellschaft. Sehr elegant und tiefgründig beschrieben. Wie ein sehr gutes Gespräch. Einzig wahre 1a-Lage.

    Nebenbei:
    Robert Kurz warnt in diesem Sinne sogar vor der Eingemeindungskraft des Kapitalismus an sich.

    Die Gesprächsverweigerer und Bücher- und Autorenverbrenner (ins Feuer mit den Büchern von dem und dem, runter von der Messe mit dem und dem….hoch lebe Anetta, die Frau Radek des nun Richtigen und hoch lebe der ganze Zeitgeist-Panoptikums-Stadel, der überall Adolf wittert und dagegen die Welt verpampert).

    Die Buchmesse in Frankfurt, rings um die Truppe von Anetta Kahane, dem Börsenverein, dem offenen Brief von Ellen Kositza, den Demonstranten mit Plakaten gegen rechte Meinungen, der Titanic-Partei und den Visagen der wie von Antifanten-Visagisten erstellten (so was sah ich zuletzt in der FDJ-Ordnungsgruppe anno xy)… was für eine Realsatire.

    Eine sächsich-dresdner Frau und Buchhändlerin wird dabei zu Robert Blum und ich blume mit (Charta 2017).

    – Dank der Realsatire, dem stalinistischen Beitrag von Sibylle Berg zur Meinungsfreiheit (der eben nicht die Wanderung einer Klobürste im Körper illustriert, die ständig um sich kreist und nicht zur Ruhe kommt) und eines Psychogramm-Darstellers in der Taz (er ist das Kind einer durcheinandergerüttelten Familie und verarbeitet sich als Roman) ging mir erst jetzt das Unverständnis und Gegenanrennen von Karl Marx gegen die Arbeitsteilung auf.

    Die Arbeitsteilung
    unter Menschen macht uns nicht zu Göttern, denen die Welt zu Füßen – eigentlich – zu liegen hätte. Die Prinzen und Prinzessinnen, die den Stachel dieser Erbse fühlen…sehen am Ende nicht vernünftige Arbeitsteilung, sondern überall nur Prostitution, der Sonderform des Marktes und des Triebbündels Mensch.

    Aber, jetzt wird ja alles janz anders. Statt Ausbeutung organisiert der Kapitalismus noch das „Grundeinkommen“.
    Zwar nicht für Fischer und Jäger, sondern für Shopper (und ihrer Gender-Derivate).

    Allerdings
    und da folge ich Ihnen, für diesen Text mal wieder besonders geschätzter Don Alphonso, nicht von vornherein.
    Möglicherweise hat Radek doch Recht und Proust ist ein Langweiler.

  91. Putsch mit Massenmord in der Folge
    Revolution klingt mir für das was damals
    in Gang gesetzt wurde zu freundlich.

    Revolutionen feiert man gerne,
    in Frankreich tut man das auch,
    einen blutigen Putsch eher weniger.

    Man sollte den Leuten nicht die
    Deutungshoheit für ihr treiben
    überlassen.

    Die Deutungshoheit über die Begriffe
    ist wichtiger Teil der Debatte,
    wie man immer wieder sehen kann.

    ps Da heute ein „arbeitsfreier“ Feiertag ist
    könnten wir diesen Begriff verwenden
    um die Situation zu verdeutlichen.

    Feiertage können etwas sehr individuelles sein.
    Wenn eine bestimmte Gruppe gemeinsam
    feiern will sollte sie das tun können.
    Die Frage wäre ob dafür eine staatliche
    Erlaubnis nötig ist.

    Wenn man an seinem Feiertag nicht arbeiten will
    und ist anhängig beschäftigter, kann man sich
    einen Tag Urlaub nehmen.

    Wem das zu viel ist, wird der Feiertag wohl
    doch nicht so wichtig sein.

    pps
    Am heutigen Feiertag feiere ich persönlich gar nichts.
    Als ich noch als Krankenpfleger tätig war,
    habe ich an solchen Tagen gerne gearbeitet.
    Es gab mehr Geld, Freizeitausgleich und
    idR weniger zu tun als sonst.

    ppps Ich sollte natürlich auch noch den
    Text von Don Alphonso lesen.
    Das werde ich auch bald tun,
    ich bin hier aber nicht auf der Arbeit,
    kann mir also sehr viel Zeit dafür nehmen.

  92. dass sie ihre bösen Instinkte in zitierbare Sätze umleiteten
    Literatur ist wohl doch nützlicher als
    ich dachte.

    ps ein schöner Text zum arbeitsfreien Dienstag.
    Auch zu Luthers Zeiten gab es (gewaltbereite) Dogmatiker.

    pps ich halte die Ereignisse von 1917 für die Urkatastrophe
    des zwanzigsten Jahrhunderts und nicht den WWI an sich.
    Der hat die Veränderungsprozesse wohl nur extrem
    beschleunigt.
    (der spanische Faschismus lässt sich mit dem WWI kaum
    begründen, als extreme Gegenbewegung zum Kommunismus
    m.e. schon eher)

    ppps
    Da ich niemals als Teil einer Oberschicht oder Mittelschicht
    sein werde, begnüge ich mich damit ein Spießbürgerdasein
    anzustreben. Ich habe keinerlei Interesse an einem Putsch
    oder einer blutigen Revolution. Ich denke die Mehrheit
    in diesem Land hat eher etwas zu verlieren,
    deshalb verstehe ich die Wahlergebnisse und die Regierungspolitik
    so wenig. Man tut von der Seite der Regierung recht viel
    um die Stimmung anzuheizen.

    pppps (es kommt keines mehr)
    Die Familie Özdemir ist wohl ganz zufrieden
    das ihre Sohn doch noch eine eher Bürgerliche
    Karriere gewählt hat und vielleicht sogar Minister in
    Berlin wird.

    Ich bin mir nicht so sicher ob das gut ist.
    Wäre er Revoluzzer geworden, würde er heute
    vielleicht seine Wunden in einem türkischen
    Gefängnis lecken und keinen Schaden
    mehr anrichten können.

  93. Das Ende der Geschichte wollten sie ausrufen nach dem Mauerfall
    Aber der Kommunismus lebt. Sie bauen jetzt sogar eine neue Seidenstraße, um die Welt damit zu beglücken. Zuerst mit Gütern, vielleicht irgendwann auch mit Ideologie. Das Sein. Das Bewusstsein. Sie wissen schon.

    • Der Nationalismus lebt auch. Was die Chinesen machen, ist mir egal, ich habe ein Problem mit Extremhaltungen in Deutschland.

    • Seidenstraße
      Elisa Schneider sagt:
      „Das Ende der Geschichte wollten sie ausrufen nach dem Mauerfall
      Aber der Kommunismus lebt. Sie bauen jetzt sogar eine neue Seidenstraße, um die Welt damit zu beglücken. „

      Die neue Seidenstraße war zuallererst ein Projekt des Deutschen Reiches.
      Es hat nichts mit Nationalismus zu tun, sondern mit Warenhandel.
      Daran ist nichts auszusetzen. Was soll das mit Nationalismus zu tun haben?


    • Die neue Seidenstraße war zuallererst ein Projekt des Deutschen Reiches.
      – v, plz, das wäre mir neu. Bagdadbahn ist mir als Projekt um die Jahrhundertwende bekannt, aber „Seidenstraße“? Aus jüngerer Zeit – den 90ern? Nullern? erinnere ich mich noch an Mehdorns „Bahn Berlin-Moskau-Peking“, d.h., es gibt Leute, die in D sowas denken; allerdings ist es mir als spezielle Seidenstraßen-Route (also durch Taschkent, Samarkand u.ä.) nicht bekannt.

  94. Sozialismus ist noch ungesünder als Asthma
    Lieber Don,
    „Sozialismus ist noch ungesünder … “ -> einfach wunderbar, kompliment!
    Deine Gedanken sind wieder ein Highlight in den Untiefen des Internet.
    Weiter so, ich freue mich ungemein auf kommende interessante Bloggs (jo ist denn schon Weihnachten)
    Beste Grüße vom Jup

  95. "Komplimente heute? Das ist doch fast schon so, wie wenn man Schmerzen wegnimmt, nicht?"
    „Frau Chebli ist weg? Sehr gut, wenigstens ein Schmerz weniger.“

    Oder, sozusagen ein gefühltes Interesse ausgedrückt: Nationalstaaten interessieren die vermutlich überwiegenden Teile der Generation@ in und aus Europa doch inzwischen längst „einen Dreck“. Darin ist sie weltweit absolut führend, und das muß unbedingt weiter ausgebaut werden, nicht zu vergessen!

    Denn wo läge der Unterschied, ob Spanier auf Spanier einknüppelten oder Deutsche auf Deutsche, oder Deutsche auf Spanier – oder umgekehrt?

    LÄNGST IST ALLES GLEICH WIDERLICH! Die Knüppelei an sich muß aufhören, auch dazu ist das Netz da, zur Verbreitung und Durchsetzung auch dessen. Eben weit jenseits aller Nationalstaaten!

    Und was Amerika macht, zur Aufrechterhaltung eines engen Selbst vom eigenen Nationalstaat, das zählt in Europa für die Zukunft genaugenommen eben schon längst nicht mehr – zu eng, zu gestrig, also irgendwie ‚zu dumm‘!

    Wir wollen uns alle daran halten.

    • Denn wo läge der Unterschied, ob Spanier auf Spanier einknüppelten oder ...
      … oder Deutsche auf Deutsche, oder Deutsche auf Spanier – oder umgekehrt?

      Machen Sie doch einmal die Probe aufs Exempel und lassen Sie z.B. in der Türkei auf sich einprügeln. Ich bin mir fast sicher Sie wünschten in Hamburg zu sein!

  96. Titel eingeben
    „Das Bedürfnis zu sprechen hindert nicht nur am Hören,sondern auch am Sehen.“ Marcel Proust

    Vielleicht interessiert ja der Kontext des Radekzitats über Proust:
    „….The literature of dying capitalism has become stunted in ideas. It is unable to portray those mighty forces which are shaking the world – the death agonies of the old, the birth pangs of the new. And this triviality of content is fully matched by the triviality of form displayed by bourgeois world literature. All the styles which were evolved by past bourgeois art, and in which great masterpieces were created – realism, naturalism, romanticism – all this has suffered attrition and disintegration; all this exists only in fragments, and is powerless to produce a single convincing picture.

    It does not lie within the power of bourgeois art to imitate the realism of Balzac, who endeavoured to paint a picture commensurate with the epoch in which he lived. For a full picture of life as it is would be a condemnation of moribund capitalism, Naturalism, in its younger days, and in its best productions, gave vent to the protest of petty-bourgeois art against the ulcers of capitalism. But the bourgeois artist is now forbidden to lay his fingers on the ulcers of capitalism. Romantic flights, such as those taken by the intelligentsia, disappointed in the outcome of the French revolution, are impossible now; for there is nowhere to fly – except into the abyss.

    Searches for a new form have begun. There are two names which best express the new ways by which bourgeois artists are attempting to create major works of art. One of these is Proust. He wants to present the psychology of his heroes – heroes of the French drawing-rooms – by delicately stretching out their souls under the microscope, subtly dissecting their cells, probing into each one of their movements. The scalpel of analysis is to lay bare the soul of the human being, no matter what he is, or what he aspires to be. In the pages of Proust, the old world, like a mangy dog, no longer capable of any action whatever, lies basking in the sun and endlessly licks its sores….“
    https://www.marxistsfr.org/archive/radek/1934/sovietwritercongress.htm

    • Radek hat sich verrannt, man muss es so sagen. Während draussen vor den Toren die Weissrussen verhungerten. Der Mann war wirklich verblendet.

    • Titel eingeben
      Sagen wir es, mit den Worten des Meisters geplaudert, mal so:

      „Klar nennt man Ideen, die dasselbe Maß an Verwirrung haben wie unser eigener Geist.“
      Marcel Proust

    • Sehr schön!

    • Don Alphonso @ 31. Oktober 2017 um 12:28 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „Radek hat sich verrannt, man muss es so sagen.“

      Eine nette Umschreibung für jemanden, der zu Mord und Mordschlag aufruft.

  97. Marcel Proust
    Vielen Dank, lieber Don, dass Sie es so charmant und gewitzt verstehen, Ihren kleinen, cybertechnisierten Literatursalon mit so schönen Themen wie Marcel Proust und wenig sinnreichen kommunistischen Expressionen anzureichern.

    Das macht herrlich schöne Freude dies zu Lesen und ist bestimmt eine Ihrer besseren thematischen Setzungen, wenngleich ich auch immer gerne etwas über Fahrräder und die damit verbundenen Reisebeschreibungen lese, oder gar über Kunst und deren Geschichte(n), oder gar das liebe Bayernland und die nahen und fernen Nachbarn.

    Ihre bösen Verunglimpfungen des Feminismus werden von mir nicht mehr -oder nur noch im Notfall- goutiert, wie Sie wahrscheinlich schon schmerzlich gemerkt haben dürften.
    In Bezug zum Feminismus sind Sie in meinen Augen ein kleiner Radek, ereifern sich zu sehr für eine scheinbar gute und richtige Sichtweise und driften dann leicht in politische Felder ab, in denen Berufenere leichter die Ernte einfahren können.
    Aber jedem wie er mag.
    Es ist Ihr Blog, und Sie können schreiben was Sie wollen, wundern Sie sich aber bitte nicht, wenn es dann mit progressiven Literaturehrungen und den damit einhergehenden Preisverleihungen nicht klappt.

    Zur ungewollten Ehrenrettung des mir bisher gänzlich unbekannten Politikers Radek möchte ich anführen, dass ein Zitat nicht ausreicht, um die ganze Bandbreite seiner geistigen Möglichkeiten auch nur annähernd darzustellen.
    Ich gestehe allerdings, dass auch mir eine Unterordnung unter stalinsche Doktrin unheimlich und wenig sympathisch ist. Letztlich frisst hier die Revolution mal wieder ihre Kinder, und das waren unter Stalin nicht gerade wenige.
    Aber steht es mir zu, den heute noch in Russland vielgeschätzten eisernen Staatslenker zu kritisieren? Da bette ich mich lieber etwas tiefer in mein warmes Fauteuil und lasse die sozialistische Revolution und ihre Auswüchse Geschichte sein!

    Wie oft haben heute berühmte Autoren in einer schlechten Stunde schon aus Spaß oder Langeweile Sätze geschrieben, die sie hinterher so niemals veröffentlicht hätten, wenn sie auch nur im entferntesten geahnt hätten, wie häufig und gerne diese von der Nachwelt zitiert werden? Die Reue kommt oft zu spät!

    Der halbe Literaturhimmel schämt sich zu Tode, ob der Leichtigkeiten, die man kühn und waghalsig in vollster Überzeugung glänzender Richtigkeit von seinem Olymp aus preisgab.
    Würde Radek heute nochmals die Möglichkeit haben, über sein Sätzchen über Prousts „Recherche…“ nachzudenken, so würde er vermutlich freiwillig in Leuterungsgebirge wandern gehen, um endlich den Pfad des Guten, Wahren und Schönen zu finden.

    Als bekennender Proust-Leser und Bewunderer freue ich mich natürlich über Ihre Einlassungen und Forschungen. Dennoch sollten Sie Proust nicht als Prediger seines sozialen, gesellschaftlichen Standes lesen, der er natürlich auch war, doch ich vermute ohne literarische Intention. Er hat die Feinheiten und Grotesken seines Standes beobachtet und treffend zu beschreiben gewußt. Dies dürfte eher Therapie oder autobiographisches Interesse gewesen sein, hatte aber mit einem erkennbaren Dünkel nichts zu schaffen. Er darf uns gerade heute eher als Reformator des französischen Gesellschaftsromans gelten.
    Die Ausnahmeerscheinung, die er in der französischen -und Weltliteratur- ist, wurde er gerade aufgrund seiner Fähigkeiten, sich von der Gegenwart abzuwenden und die schönere Zeit, die „belle Epoque“ ansehnlich und eloquent mit köstlichen Maniriertheiten sprachlich wiederzubeleben.

    Allerdings konnten dies auch andere, wenngleich natürlich nicht so ausführlich und literarisch kokett, dennoch will ich hier an Stefan Zweig und seine Autobiographie „Die Welt von gestern“ erinnern. Aber die „Recherche…“ und die Bücher von Stefan Zweig lassen sich wahrlich nicht vergleichen, da beide Autoren von völlig unterschiedlichen Intentionen beseelt waren und auch in gänzlich verschiedenen Sprachen und Zeitkostümen unterwegs waren.

    Ihrem Resümee, dass es fraglich ist, dass man mit schlecht erzogenen Menschen überhaupt reden soll, muss ich leider traurigerweise zustimmen. Selbst wenn man mit pädagogischem Interesse nur mal seine bescheidene Meinung äußert, so muss dies wahrlich nicht auf Gegenliebe oder gar Verständnis treffen. Meist fühlt sich der/die Angesproche ertappt und schaltet dann erst recht auf stur, sodass die freundlich gemeinte Erziehungshilfe bestenfalls auf taube Ohren trifft, aber manchmal sogar die Abneigung gegen die Vernunft bei der angesprochenen Person steigert und man sich unversehens im Lager der Bösen wiederfindet, egal mit welchen Engelszungen man dann noch versucht, seine eigene Unschuld und die Harmlosigkeit des Versuchs gesellschaftliches Einvernehmen herzustellen, beteuert, jedoch ohne jeden sicht- oder spürbaren Erfolg.

    Bevor ich mich hier aber weiter um Kopf und Kragen schreibe, äußere ich lediglich flehend den bescheidenen Wunsch: Schreiben Sie mehr über Literatur und deren Bewertungen. Seien Sie mutig und veröffentlichen Sie ein Buch über Marcel Proust.
    Es gibt so viele schlechte und mäßige Bücher über Proust, da kann das Ihre nur eine Freude werden.

    Wegen dem eben besprochenen Blog lese ich Sie so gerne. Bleiben Sie den Literaturthemen geneigt. Es liest sich wunderbar.

    • Was die Feministinnen angeht – da habe ich auch nur etwas gegen den Radekflügel, generell sind die Anliegen ja durchaus ehrbar.

    • Der Feminismus ist inzwischen nicht mehr nötig, denn
      Der Verteidigungsminister einer Atommacht tritt zurück, weil er vor 15 Jahren die Hand auf das Knie einer Journalistin gelegt hat, die das nach eigener Aussage nicht sonderlich störte.
      Die Bundeskanzlerin, der ihr eigener Koalitionspartner „Herrschaft des Unrechts“ vorgeworfen hat, regiert fröhlich weiter.

  98. Titel eingeben
    Man muss sich ja nicht einmal auf Prousts einzigartiges Meisterwerk einlassen, eine gewisse Basisintelligenz und etwas Mut zur Wahrheit genügen doch auch für die Einsicht in die kosmische Sinnlosigkeit unseres Daseins und zweitens dann für die einzig praktikable Konsequenz, die sich daraus ergibt: sich und den Mitmenschen das Leben möglichst lebenswert zu machen. Das wäre dann, mit einem unbeschwerten Kant 2.0 gesprochen, die Summe der reinen und der praktischen Vernunft.

    Herzlichen Dank für Ihren Text! Es ist immer eine Freude hier vorbeizuschauen.

    • Danke – das Problem an Radek ist, dass er immer nur an das Extrem dachte, nie aber an einen Ausgleich. Wer sich so verrennt, legt einfach keinen Wert auf Manieren mehr.

  99. Rassistinnen
    Herr Alphonso, Sie finden ja immer wieder schreckliche Sachen. Wie halten Sie das aus…? Ich lese die taz schon seit Jahren nicht mehr, aber das dort Rassistinnen Kolumnen schreiben hätte ich nicht gedacht….

    • Wer, wie Kiyak, Lügen über die Erfolge anderer Völker zur Herabwürdigung eines anderen Volkes verbreitet, oder schreibt wie Hengameh oder Stokowski und pauschal Herkunft mit Fehlverhalten verbindet – wie soll man das denn sonst bezeichen? Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es braunes Gedankengut nur im Skinhead gibt.

      Und ja, ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn Kiyak ihr Zeug in der Türkei machen würde, Stokowski ihre Vorstellungen bei den echten Rechtspopulisten in Polen umsetzte, und Hengameh den Iran mit ihrem Islam erfreute. Ich möchte jedenfalls kein Deutschland haben, in dem sich solche Leute allzu wohl fühlen. Das mag hart klingen, aber die wollen Deutschland ja auch in einen Ort verwandeln, an dem es mir nicht mehr gefällt.

    • taz
      Auch ich habe die taz in meinen Westberliner Zeiten jahrelang gelesen.

      Fazit:

      Die taz ist im Kern rüpelhaft, aggressiv, zerstörerisch.

      Sie wird geschrieben für Frustrierte, als Feigenblatt dient eine elitäre-aufgesetzte Intellektualität für das Klientel „untere Mittelschicht“, die gleiche publizistische Marketingstrategie, die jetzt auch SPON übernommen hat.

    • Das Lustige ist: In Süddeutschland bekommt man sie kaum.

    • Oi! Oi! Oi!
      Das sollten Sie doch aus der Jugend wissen, dass braun nicht im Skinhead steckt.

    • Zumal Rassismus eben kein "braunes" Gedankengut ist, sondern ubiquitär in der Menschheitsgeschich
      Und sogen. „Skinheads“ sind ganz sicher dabei die kleinste Gruppierung…

      Tut mir leid, daß ich jetzt schon wieder Danisch anführe, das erscheint so als hielte ich ihn für einen Guru (dem ist nicht so, als Katholik bin ich sehr konservativ und exklusiv mit Heilsfiguren!), aber er hat gerade zu den besagten Figuren eine sehr plastische Beschreibung einer sogen.Podiumsdiskussion im Blog, die gut illustriert, was Don meint!

      http://www.danisch.de/blog/2017/10/28/schales-kartoffelpueree/

    • Das habe ich oben im Text verlinkt.

    • "verlinkt"
      Tut mir leid, das habe ich dann wohl überlesen.

  100. Proust und Radek...
    sind das nicht zwei Seiten ein und derselben Medaille?
    Die Radeks entstehen ob der Ignoranz gegenüber und durch Andere bzw. dem Phlegma der bürgerlichen Gesellschaft die sich beleidigen und beschimpfen lässt, aber ansonstne genauso tumb bleibt, wie die Massen, solange ihre Stellung nicht bedroht wird oder von ihnen ernsthaft etwas verlangt wird, was natürlich eben jene Bedrohung erst herbeiprovoziert.
    Die Prousts sind dagegen die mit sich selbst hadernden an der Gesellschaft Verzweifelnden und es ist eine offene Frage ob sie ohne die Drohung der Radeks überhaupt je ernst genommen worden wären.

    Das erleben wir ja gerade wieder,nur das wir noch nicht so weit sind, das Autoren sich daran abarbeiten und Radeks die Geduld verlieren.

    • Nun, es gibt auch einen Wandel ohne die Radeks, und Proust beschreibt genau diese Veränderung und den Untergang eines von ihm geschätzten Adelsgeschlechts. Kann man ihm die Ignoranz vorwerfen? Ich bin mir da nicht so´sicher, es ist ja auch mehrfach übel ausgegangen, wenn sich die Oberklasse mit der Unterklasse beschäftigte. Das kann man dann bei Louis Aragon nachlesen. Ich glaube weder an die Unmoral des Geldes noch an die Moral der Armut. Meine Erfahrungen zeigen aber, dass es wirklich hicht leicht ist, solche Unterschiede auch mit gutem Willen zu überbrücken. Jemand, der mir nach dem Beruf trachtet, wird in diesem Bemühen von jemand verlinkt, der ich zwei, dreimal durchaus geholfen habe. Da macht man sich schon so seine Gedanken, ob es nicht schlauer gewesen wäre, sich standesgemäss abzugeben.

    • Don Alphonso @ 31. Oktober 2017 um 12:53 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „… es ist ja auch mehrfach übel ausgegangen, wenn sich die Oberklasse mit der Unterklasse beschäftigte.“

      … oder aber voreilig Konzessionen gewährt, anstatt Niveau zu fordern.

    • Ja, das auch, daher bin ich ja für Leibeigenschaft.

    • Don Alphonso @ 31. Oktober 2017 um 12:53 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „Da macht man sich schon so seine Gedanken, ob es nicht schlauer gewesen wäre, sich standesgemäss abzugeben.“

      Ich glaube nicht, dass gieriges, futterleidiges Verhalten Standesgrenzen kennt.

      Es ist eher die subjektive weil selektive Wahrnehmung, dass man es von unteren Schichten eher erwartet, wohingegen man von anderen Schichten erstaunt ist, dass der oder die das nötig hat.
      So entstehen Vorurteile.

    • Es ist leider nicht so banal, in der Hinsicht habe ich wirklich viel dazu gelernt und frage mich schon, ob ich nicht blond war, oder die andere Seite halt einfach keinerlei Loyalität im bürgerlichen Sinne kennt. Denn die ist bei uns natürlich so wichtig, wie sie in volatilen Beziehungen verzichtbar ist.

    • Stimmt,aber war dieser Wandel von besserer Qualität?
      Den es war der Wandel der Industrialisierung, in der das Bürgertum sich erst so richtig konstituierte, und dies mit brutalsten Methoden.
      Beschreibt Proust nicht am Ende nur dessen Ergebnis, als Teil der Siegerklasse?
      An die Moral der Armut glaube ich auch nicht, es ist die Moral derer, die nichts zu verlieren haben und somit relativ simpel und ohne größere Herausforderungen bleibt.
      Die Unmoral des Geldes sehe ich da zwiespältiger, ich sehe diese Unmoral, darin das Geld zum Selbstzweck wird, wie in unserer neoliberalen Gesellschaft, wo Profitmaximierung mit Wohlfahrt gleich gesetzt wird und den Menschen als Individuum übersieht.
      Ich stimme Ihnen zu, es ist schwierig Schicht Unterschiede zu überbrücken, weil man in der Vorstellungswelt und bezogen auf Sprache in den semantischen Feldern der eigenen sozialen Gruppe verfangen bleibt.
      Und ggf. lernen muss, zum Teil völlig andere Sichtweisen nachzuvollziehen.
      Ich habe dies das eine oder andere mal auf die harte Tour lernen müssen und gehe davon aus, das dies auch wieder passieren könnte. Dabei konnte ich auch beobachten, wie andere „klüger“ waren und dem auswichen, in dem sie sich auf ihre Sozialisation zurückzogen.
      Und wiederum andere, die dabei völlig schmerzfrei blieben in ihrer Ignoranz und Machtpostion.
      Ich sehe im Meistern dieser Schwierigkeiten eine Voraussetzung für echte Führungsfähigkeit.

    • Nun, das eigentliche Ergebnis ist der Untergang der Epoche, aus der Proust stammt: Das Vorkriegsbürgertum der sog. „guten alten Zeit“, das letztlich von Nationalismen gefressen wurde. Es ist aber bezeichnend, dass der Kommunismus nur in Ländern als Herrschaftsform selbst entstand, in denen es einen harten Übergang von Monarchie zu Sozialismus gab: Russland und China. Das macht vieles, das aus dem Bürgertum wurde – 3. Reich, austrofaschismus, PPfeilkreuzler etc. – nicht besser, aber letztlich waren es doch wieder bürgerliche Demokratien, die sich durchgesetzt haben.

    • China
      „in denen es einen harten Übergang von Monarchie zu Sozialismus gab: Russland und China“

      Stimmt so für China m.E. nicht so recht, das chinesische Kaisertum endete 1911, die Kommunisten kamen 1949 an die Macht – dazwischen lagen fast 40 Jahre Republik. Die war zwar unter Chiang Kai Shek auch ziemlich autoritär, aber hatte wohl durchaus das Potential sich zu einem bürgerlich-demokratischen System weiterzuentwickeln (wie es in Taiwan ja auch geschehen ist). Ohne die Verheerungen des Kriegs mit Japan wären die Kommunisten auch nicht erfolgreich gewesen.

    • Don Alphonso @ 31. Oktober 2017 um 14:09 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „… oder die andere Seite halt einfach keinerlei Loyalität im bürgerlichen Sinne kennt.“

      Der Bürgerliche, der sich illoyal verhält, verliert seinen Ruf und damit alles. Wem es egal ist, seine Reputation zu verlieren, oder wer gar keinen Ruf zu verteidigen hat, wird bei entsprechender Disposition auch andere verraten.
      Deshalb würde ich eher mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten – auf einen Bürgerlichen ist mehr Verlass, weil er mehr zu verlieren hat.

    • Der Bürgerliche kann halt nicht wegziehen oder hoffen, dass andere wegziehen. Dableiben diszipliniert.

    • Don Alphonso @ 31. Oktober 2017 um 14:06 Uhr
      Don Alphonso sagt:
      „Nun, das eigentliche Ergebnis ist der Untergang der Epoche, aus der Proust stammt: Das Vorkriegsbürgertum der sog. „guten alten Zeit“, das letztlich von Nationalismen gefressen wurde.“

      Volkswirtschaftliches Detail:
      In der langen Friedenszeit (1871-1914) konnte das Deutsche Reich einen individuellen Lebensstandard erarbeiten, der erst in den 60er, für manche erst in den 70ern wieder erreicht wurde.

    • Ja, 1914 bis 1955 war eine enorme Durststrecke.

    • Es ist eine Frage des totalitären Anspruchs
      zwar war der zur Zeit Prousts noch nicht im Bürgertum angekommen, aber der Nationalsozialismus war schon das bürgerliche Äquivalent zum Sozialismus. wahrscheinlich aus dem selben Grunde, warum ausgerechnet in Russland und China die Revolution fruchtete.
      Es waren beides Staaten die sich zwischen Konservatismus und moderne Herausforderung zerrieben, hier arme rückständige Bauern, dort eine nur kleine moderne Oberschicht
      Verarmte einfache Leute sind offen für einfache Moralvorstellungen.
      Mit der Verarmung in der Wirtschaftskrise weiter vor allem (klein-)bürgerlicher Kreise in Deutschland waren die ebenso anfällig für einfache Parolen, nur durften die nicht von Klassenkampf geprägt sein und mussten eher ihrer Prägung entsprechen.
      Und sowohl im Sozialismus wie im Faschismus gab es Schreiber Proustscher Provenienz.

  101. @ colorcraze sagte am 30. Oktober 2017 um 22:35 Uhr
    „@DdH: äh wah, das ist eine Dame, und da ist nichts mit „Schmiß“, die hat sich etwas zu sehr (für heutige Verhältnisse) bemalt.“
    .
    Schön hingemalt, die Wunde kurz vor der Schwäre. Früher wurde gelegentlich mit dem Schürhaken gearbeitet.
    Aber wer sagt mir Künstler oder Künstlerin? Ich bleibe bei der Schwarzenbergerin aus Sant´Andrea delle Fratte.

  102. Jede echte Revolution frisst früher oder später ihre Kinder...
    … und das war bei Herrn Radek offenkundig nicht anders.

    Infrage stellen möchte ich aber Ihre Aussage, Radek habe „nicht verstanden, dass der Kommunismus die schlechtesten Seiten der Alten Welt, die Proust beschrieb, auf einer anderen Ebene fortführte.“

    Zum einen würde ich fast wetten, dass diese Erkenntnis auch Herrn Radek spätestens irgenwann zwischen ’37 und ’39 sehr wohl noch gekommen sein dürfte. Zum anderen lässt sein Handeln auch die Deutung zu, dass er diese Erkenntnis schon ’34 hatte, aber gerade deswegen sich so äußern zu müssen glaubte.

    Oder anders gewandet: vielleicht hätte er schon früher die Reise nach Osten antreten dürfen, wenn er sich ’34 nicht so geäußert hätte. Letztlich ist das wie mit dem Surfer auf der 20-Meter Welle: wenn man einmal drauf steht, relativiert sich die Frage, wie vernünftig es denn war, da überhaupt hinzugelangen, und das längstmögliche Reiten der Welle tritt in den Vordergrund, koste es was es wolle.

    Bolschewistische Ränkespiele sind nun zwar nicht mein Spezialgebiet, aber ich wäre zumindest vorsichtig, Äußerungen der damaligen Zeit als echten Ausdruck persönlicher Überzeugungen zu deuten. In totalitären Systemen wird früher oder später auch die Bereitschaft zur Preisgabe eigener Überzeugungen total. Was natürlich die Beurteilung der persönlichen Integrität des Herrn Radek kaum besser macht, aber Brecht hatte halt auch hier recht: erst kommt das Fressen, dann die Moral.

    Ich sage das ganz wertfrei, gehöre ich als Jurist doch der vermutlich drittkäuflichsten aller Berufsgruppen an und bin es daher gewohnt, mein Fähnlein in den argumentativen Wind zu hängen, solange nur die gefragten Stundensätze auch bezahlt werden. In der gehobenen Sphäre Ihrer großbürgerlichen Kunstfigur mag man etwas länger an seinen persönlichen Überzeugungen festhalten können; auch das bestätigt dann letztlich nur die Aussage Brechts, dass man sich Moral erst mal leisten können muss.

    Bezogen auf unseren wunderbare alimentierten ÖR-Rundfunk bedeutet dies, dass ich ihm zugute halten möchte, dass auch dort so mancher schon recht frühzeitig in den Jahren 2015/2016 verstanden haben dürfte, dass nicht alles gut läuft in diesem, unserem Lande.

    Aber wer schon für „Dienst nach Vorschrift“ ohne unternehmerisches Risiko oder gar überstunden ein sechsstelliges Grundgehalt mit üppiger Altersvorsorge erhält, der überlegt es sich gut, aus welchem Anlass er die Aufmerksamkeit der Außerordentlichen Allparteilichen* Kommission zur Bekämpfung von Konterberichterstattung, Spekulation und Sabotage (neudeutsch: „Rundfunkrat“) auf sich zieht [*außer SieWissenSchonWelche]. Und er wird seinerseits darauf hinwirken, dass sein eigenes Fußvolk nicht aus der Reihe tanzt. Der Ausdruck „Kadavergehorsam“ kommt ja semantisch nicht von Ungefähr.

    Machen wir uns also nichts vor: Auch dieser Beitrag von Ihnen ist wieder eine weitere wunderschöne Fußnote in dem Großen Buch des „IchHabsEuchDochDamalsSchonGesagt“, das Sie irgendwann in zehn oder zwanzig Jahren einmal veröffentlichen werden. Und dafür mein Dank! Und währenddessen plaudern wir hier im Forum weiter, damit wir unseren Kindern dann später sagen können: „Also, wißt Ihr, wir waren ja eigentlich im Widerstand…“

    Mit bestem Gruß aus der Westprovinz
    SchallundRauch

    • Da ist was dran
      Das ist einfach ein System das solche Leute hervorbringt, Ihr Beispiel mit dem Surfer trifft es gut. Die Biographie Wehners kann man auch lesen, ohne ihn für einen schlechteren Menschen als z.B. Adenauer zu halten.
      Wichtig ist eher dass man die Zwangsläufigkeit der Säuberung mit ihren Begleiterscheinungen begreift. Die Säuberung ist nie beendet, der Spitzel wird immer Staatsfeinde finden, weil er nun mal halt der Spitzel ist und eine Quote zu erfüllen hat. So was verstößt gegen alles was den Menschen zum Menschen macht, was wieder für Nachschub an Zweiflern für den Gulag sorgt.

      Wird Solschenizyn eigentlich heute in der Schule vermittelt ? Im Mutterschiff wird er ja als „Putinversteher“ abqualifiziert, das dürfte rotrotgrünen Bildungspolitikern gefallen.

  103. Weimar
    @DA, korrigieren Sie mich bitte, weil ein linker Putsch während der Weimarer Republik ist mir nicht bekannt. Die kommunistische Partei hatte keine Gelegenheit zu Gewalt und Randale ausgelassen. Deren Machtergreifung hätte, wenn die Kraft dafür da gewesen wäre, auch nicht erfreulicher als die der Nazis ausgesehen. Es gab aber m.W. nur einen echten Putschversuch, 1920, und der kam von „rechts“. Anführungszeichen nur deswegen, weil ich die Unterscheidung zwischen Rassisten und Klassisten ermüdend finde. Denkstrukturen und Umgangsformen sind bei beiden praktisch identisch.

    • Ich meine den Hamburger Aufstand von 1923, wo im Komintern die Lage in Deutschland völlig falsch eingeschätzt wurde:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Aufstand

    • Machen Sie sich nichts daraus,
      das mußte ja kommen bei dieser Art die Historie aufzuarbeiten. Als wenn deutsche Geschichte erst 1933 beginnt….
      .
      Da weiß der Volksschüler von 1954 mehr. Schon aus der eigenen Familie, im Guten und im Bösen.

    • @DA danke
      für die Nachhilfe. Es gab offenbar noch mehr gewaltsame Machtübernahmeversuche der KPD: Ruhraufstand, Märzkämpfe etc.

    • "linken Putsch" im engeren Sinn gab es nicht, wohl aber Kämpfe und Aufstände
      „ein linker Putsch während der Weimarer Republik ist mir nicht bekannt“.

      Das kommt darauf an, ob man Versuche,die Macht mit Waffengewalt zu erobern, als „Putschversuch“ bezeichnet, oder ob man den Begriff „Putsch“ nur den Angehörigen der herrschenden Klasse zuordnet – in diesem Fall schließt der Begriff eine Aktion von „Links“ per definitionem aus.
      Nach der Kapitulation 1918 im 1. Weltkrieg und in den folgenden Jahren brachen an vielen Orten im deutschen Reich Kämpfe aus. Wenn wir nationale Konflikte in Oberschlesien beiseite lassen, sind jedenfalls als gewalttätige Kämpfe (ohne wertende Parteinahme) zu nennen:

      die Matrosenaufstände (links) 1918 in Kiel und Wilhelmshaven welche die Kapitulation und die Novemberrevolution auslösten.

      nach der Ermordung (von rechts) Eisners die Münchner Räterepublik (links) und ihre militärische Niederschlagung (rechts)

      nach dem Kapp-Putsch (rechts) der Aufstand an der Ruhr (links) – siehe „Rote Ruhrarmee“ – und seine Niederschlagung (rechts + Reichsregierung)

      der erfolglose Hitler+Ludendorff-Putschversuch in München(rechts)

      und der Hamburger/Barmbeker Aufstand (links)

      die Straßenkämpfe Anfang der 30er Jahre (rechts und links)

      Der „Preußenschlag“ der Regierung v. Papen unter Präsident Hindenburg (rechts)

      Die Ereignisse bei und nach der „Machtergreifung“ der Nazis 1933.

      Vermutlich gibt es noch weitere Beispiele.

      Man könnte annehmen, daß zwischen 1. Weltkriegsende 1918 und Nazi-Machtergreifung 1933, im Deutschen Reich d.h. in der Weimarer Republik ein „unterirdischer
      Bürgerkrieg“ schwelte, der in Krisenzeiten an verschiedenen Orten zu Ausbrüchen führte, und in dem sich „rechts“ schließlich leider als stärker erwies. Ein kurzer wirtschaftlicher Aufschwung 1923-1929 führte zur zeitweiligen Beruhigung bis zum Untergang infolge von Weltwirtschaftskrise und unfähiger autoritärer Präsidialregierung.

      Bei der Beschäftigung mit der Weimarer Republik kann man nur staunen über das in Deutschland vorhandene revolutionäre und reaktionäre Gewaltpotential.
      Erst die totale Erschöpfung gegen Ende des zweiten Weltkriegs, die nach der Niederlage folgende Teilung des Landes zwischen „links“ und „rechts“ durch die Alliierten, der moralische Schock nach den Naziverbrechen, und schließlich die mehr oder weniger erfolgreichen Anstrengungen des Wiederaufbaus scheinen die auf Gewalt gerichteten emotionalen Energien der deutschen Bevölkerung absorbiert und in eine sinnvolle und friedliche Rechtung gelenkt zu haben.

      Mir scheinen Versuche, diese Konfrontation im kleinen Maßstab durch Provokationen (rechts) und „breite Bündnisse“ im „Kampf gegen rechts“ wiederzubeleben, als unsinnig und möglicherweise gefährlich.

    • Antesde, ...
      … der 1. u. 2. WK sind eigentlich ein Kontinuum.
      In der weniger heißen Phase von 1919 – 33 (bzw. 38 in Ö) gab es meist irgendwo einen kleinen Bürgerkrieg zwischen Russland und Rhein.

      Stefan Zweig hat dazu geschrieben. Der Titel fällt mir gerade nicht ein.

  104. Herr Alphonso
    Ich finde, was Frau Hengameh schreibt, genauso bedenklich wie Herrn Höckes Reden…kann Ihnen da nur Recht geben.
    Und irgendwie fehlt heute die Ästhetik bei allem. Niemand hat mehr Zeit dafür, deshalb zurück zu Proust…

    • Sie werden von mir auch kein nettes Wort über Herrn Höcke hören.

    • Ästhetik ist out
      Ästhetik wird, ebenso wie jede Form von Erfolg oder Bildung, als diskriminierend empfunden. Es gibt nichts mehr, was man nicht zugunsten irgend jemand anderes runter machen könnte.
      Vielleicht hat Nietzsche das ja geahnt als er schrieb: „Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.“

  105. Nach gut zwei Jahrhunderten -ismen habe ich die Schnauze
    ..
    .
    .
    so unglaublich voll davon !

    Marxismus, Sozialismus, Nationalsozialismus, Stalinismus, Maoismus , Feminismus, Kommunismus, Internationalismus……

    Ein herzhaftes KOTZ auf alle diese mörderischen, menschenfeindlichen , -ismen !

  106. @Patrick.Feldmann sagte 31. Oktober 2017 um 09:27 Uhr
    „..So noch nicht besprochen“. Was erlaube? Inexprimable, aber relativ logisch. Zur Destabilisierung der feindlich gesinnten Umgebung.- und so billig dazu-mit der Option bei Bedarf ferngeflüchtet Kollateralschäden anrichten zu können, bei den „Ahnungslosen“.
    .
    Erklärt auch die neu konstruierte Feindschaft Trumpens gegenüber Teheran. Aber, psst, gefährdet Spezialwerft-Arbeitsplätze!
    .
    Dennoch schön, dass es mal erwähnt wird. Im großen Giftschrank.
    .
    Und wieder schließt sich der Kreis zu allen Radeks dieser Welt.
    (DdH)

    • Ah, DdH, Anti-Trump, um mal so populistisch nachzufragen ...
      Denn es gibt meines Erachtens ein paar Dinge, die Trump durchaus richtig macht. Wo es, was erlauben, gut ist, einen Geschäftsmann, einen Pragmatiker, zu haben.
      Auch, wenn es die Linke(n) und Grünen auf die Palme bringt.

      Zwei Beispiele:
      Klimaschutzabkommen. Hat wahrscheinlich der Umwelt mehr geschadet durch das Papier auf das es gedruckt wurde, zum Beispiel um in Akten abgeheftet zu werden, als was es einbringt.
      Weil es nichts, wirklich null und nichts, festschreibt.
      Dass man nun so tut, als gefährde Donny T. damit die Zukunft der Menschheit, ist, mit Verlaub, widerlich && eine einzige Lüge.

      Vertrag mit Iran. Wird landauf landab verkauft als ‚Iran hatte sich verpflichtet auf Atombomben zu verzichten‘. Was null und nichts und eine einzige Lüge war. Weil man in den nicht-so-informierten Menschen einen Hass auf Donny T. evozieren wollte. Sonst nichts. (Sooo schlecht können auch sogenannte Journalisten jüngeren Datums nicht sein, um Dr. Google nicht zu kennen.)
      Ein reines Ammenmärchen. Immerhin hat Tarek Leitner meinen Protest akzeptiert. Keine Notwendigkeit hier zu erwähnen, was die deutschen Leitmedien taten … .

      Bei aller meiner Sympathie für den Iran, den ich hege, und eine ganze Anzahl Iraner, die mir sympathisch waren und sind: die Politik des Iran ist derzeit leider eine aggressive Hegemonialpolitik. Schauen Sie sich den zerrissenen Orient an. Iran ist aktiv im (vergessenen) Bürgerkrieg in Jemen, stänkert mit Oman, hält Assad die Stange, beliefert ihn mit Waffen und Soldaten, lässt im Libanon und Gaza töten, versucht weiterhin, den Irak als Generalgouvernement aufzubauen.

      Da funktioniert kein Chamberlain, verehrter DdH.
      Ob Trump das Mittel der Wahl ist, weiss ich natürlich nicht. Allerdings halte ich seine Reaktionen für durchaus begründet.

    • @Uwe Dippel, klingt fast so
      als ob im Nahen Osten der Iran der einzige sei, der sich danebenbenimmt. Dass das nicht stimmt, dürfte seit der Irakinvasion 2003 aber auch in der hintersten Reihe klargeworden sein – die im übrigen Anlass der aktuellen iranischen Ausbreitung ist. Die USA haben in der Region ein riesiges Glaubwürdigkeitsproblem und davon ausgehend, in der ganzen Welt. Dass das unter Trump besser geworden sein soll, erschließt sich nicht. Trump stört es nicht einmal, dass die IAEA sagt, dass Iran sehr wohl seine Verpflichtungen erfüllt. G.W. Bush hat die Yellow Cake-Lieferungen erfunden. So what, noch mehr Lügen benötigt?

    • Titel eingeben
      „die Politik des Iran ist derzeit leider eine aggressive Hegemonialpolitik.“

      Völliger Schwachsinn; und wenn Sie schon den Krieg im Jemen erwähnen: Da gibt’s mittlerweile eine Cholera-Epidemie. Als Folge des von Saudi-Arabien geführten Kriegs. Der von den USA unterstützt wird. Bei aller berechtigten Abscheu vor dem politischen System des Iran, aber es ist grotesk so zu tun, als ob alles in der Region in Ordnung wäre ohne eine angebliche iranische Expansion, die es in dieser Form nicht gibt.
      Und was Trump und seine neokonservativen Anheizer bzgl. des Atomabkommens treiben, ist schlichtweg verantwortungslos. Endergebnis wird sein, dass der Iran dann erst recht Atomwaffen entwickelt, oder es zu einem Krieg mit den USA kommt (genau das ist im Grunde auch das Ziel der Gruppierungen, die in den USA gegen das Atomabkommen agitieren…Leute wie Tom Cotton sagen auch ganz offen, dass es ihnen um regime change geht).
      Kein Verständnis dafür, dass Leute diese irrsinnige Politik noch gutheißen, nur weil das vermeintlich politisch inkorrekt ist und „Linke und Grüne“ ärgert (bei den Grünen wär ich mir nicht mal sicher, die sind spätestens seit Kosovo ja eher zur Kriegspartei geworden). Das wird völlig absehbar in einer Katastrophe enden.

    • Keine Vermutungen, bitte, Antesde, und keine Pauschalierungen
      Einfach mal auf das eingehen, bitte, was ich schrieb.
      Den grössten Kriegstreiber der Region, die USA, habe ich nicht versucht zu verteidigen. Genauso wenig habe ich über den Iran als ‚only bad boy on the block‘ geschrieben.

      Face value, please!
      Es ging mir lediglich um die derzeitige Hegemonial-Struktur-Politik des Iran; und die ist offensichtlich, und im Moment offensiver als irgendwer sonst, neben den Saudis.
      Plus, niemand bestreitet dass der Iran offensichtlich seinen Vertragsteil erfüllt hat. Nur, die Medien in unseren Kategorien versuchen Trumps Aktionen einen anderen touch zu geben, als was sie sind: nämlich keine Versuche an dem fiktiven Vertragswerk das nur in den Schubladen der Redaktionen zu bestehen scheint, zu rütteln.

      Der Iran ist in einen Kampf verwickelt, die Hegemonie im Islam zwischen Sunni und Shia auszuloten, bzw. zugunsten der Shia umkippen zu lassen. Deshalb die Unterstützung der Huthi im Jemen, der Kampf gegen die Sunni-Milizen im Libanon und Gaza, der unbedingte support für Assad; der als Alawi prinzipiell dichter bei den Shia steht. Und natürlich im Irak, das über Generationen von einem Sunni gegen die Shia regiert wurde. Auch da hatte der Iran für eine voll-korrupte Shia-Regierung gesorgt, auf deren Rockschössen sich ISIS als Rächer der Enterbten gerierte.

      Nach dem Niedergang Ägyptens ist die Führungsrolle der Islamischen, aber wenigstens der arabischen Welt derzeit unbesetzt. Die Sunni sind von Marokko bis Irak in den Hintergrund geschoben worden was Wltpolitik betrifft. Iran ist am dichtesten an der Bombe, wenigstens westlich von Pakistan. Zwar wird Iran aus religiösen und ethnischen Gründen misstraut, das hindert es aber nicht, den Saudis die Oberhoheit über den Islam streitig machen zu wollen. Wobei es sicher nicht hilft, dass die iranischen Muslime nicht zur Hadj durften. Wobei das letztere zeigt, wie nervös die Saudis mittlerweile sind. Und als andere Seite im Stellvertreterkrieg den Jemen bombardieren. Und die Sunni-Kämpfer in Syrien ausrüsten.

      Damit, bitte, gibt es von meiner Seite keine Lobhudeleien für Trump; aber das klare Zugeständnis, dass es gute Gründe gibt, dem Iran die gelbe Karte zu zeigen.
      Und das hat auch nichts damit zu tun, dass die USA den Saudis schon seit eh und je die rote Karte zu zeigen hätten. Auch schon unter dem Publikumsliebling Obama.

    • Mutig, tommy,
      „„die Politik des Iran ist derzeit leider eine aggressive Hegemonialpolitik.“
      Völliger Schwachsinn […]“

      Sehr mutig, tommy, Ihre Charakterisierung des Satzes. Nur für den Fall, dass Sie das Wort ‚Hegemonialpolitik‘ verstehen: Was haben iranische Söldner / Soldaten im Jemen, in Syrien, im Gaza-Streifen, u.s.w. verloren? Suchen sie vielleicht verlorene Zeiten oder Gesprächskulturen?
      Wird der Iran aus diesen Regionen angegriffen?
      Lassen Sie sich helfen: Der Iran will dort seinen Einfluss verstärken, zementieren, ihm genehme Diktatoren wie Assad stützen, und die dort ansässigen Shia aufproppen.

      Natürlich dürfen Sie das alles anders sehen, zum Beispiel als anti-imperialistischen Kampf gegen den selbsternannten Weltpolizisten USA.
      Aber bitte lassen Sie mir auch meine Meinung, dass es sich um iranische Hegemonialpolitik handelt.

    • Titel eingeben
      „Was haben iranische Söldner / Soldaten im Jemen, in Syrien, im Gaza-Streifen, u.s.w. verloren?“

      Ja und? Was meinen sie denn, was Saudi-Arabien, andere Golfstaaten und die Türkei in der Region treiben? Die unterstützen ihre eigenen, sunnitischen Extremisten, die keinen Deut besser (teils eher noch schlimmer) als die schiitischen Freunde des Iran sind. Ich sehe da absolut keine Veranlassung, da Partei zu ergreifen oder auf die Idee zu verfallen, es würde im Nahen Osten alles wunderbar werden, wenn nur das böse Mullah-Regime endlich durch regime change beseitigt würde. Ein Krieg gegen den Iran (und das wollen die Neokonservativen und republikanische Hardliner in den USA, man soll sich da keinen Illusionen hingeben) würde jedenfalls ganz sicher in einer Katastrophe enden, im Vergleich zu der das Irak-Desaster noch harmlos erscheinen würde.

    • Jetzt, tommy, sind wir uns ziemlich einig
      Es scheint, Sie hatten mehr in meine Worte interpretiert als beabsichtigt war. Mir war gar nicht nach Interpretationen gewesen. Ich wollte lediglich darauf hingewiesen haben, dass Iran sehr deutlich versucht, eine Vormachtsstellung im Nahen Osten aufzubauen. Gegen andere, ähnlich schlimme, Staaten; versteht sich.

    • Titel eingeben
      „Ich wollte lediglich darauf hingewiesen haben, dass Iran sehr deutlich versucht, eine Vormachtsstellung im Nahen Osten aufzubauen“

      Das halte ich persönlich für abwegig, der Iran als Zentrum der Schiiten wird niemals den Nahen Osten dominieren, mehr als ein gewisser Einfluss bei den Glaubensbrüdern im Irak und Libanon ist da m.E. nicht drin. Und da sind schon die sunnitischen Staaten in der Region ein hinreichendes Gegengewicht.
      Tut mir leid, dass ich Ihnen gegenüber etwas unfreundlich war, das war wohl unangemessen. Ich halte die gegenwärtige Entwicklung bzgl. des Atomabkommens und der allgemeinen Stimmung im US-Establishment aber für ziemlich gefährlich, das fühlt sich teils schon wieder wie im Vorfeld des Irak-Kriegs 2002 an.

  107. wiedergefundene Gesprächskultur
    Ein Antiquariat. in einem AlvarAaltoGebäude. in einer Stadtwüste: .mit einem Wumm-s wird die Eingangstür aufgeschlagen und zwei muntere Mädels spazieren etwas lauter herein:

    Brünett: … ja, gestern war ich bei einer Nachlaßauflösung
    von nem Kunstgeschichtler, ich hab soviel rausgeschleppt wie ich nur konnte, hi hi.
    Schwarz: Ach, echt jetzt?
    Brünett: Yep! die nächste Klausur kommt bestimmt und dann will ich die andern japsen sehen, wenn ich, jaha ich, die Themen auffülle.
    Haha haha, hihihi.

    Die beiden waren zielstrebig vorm Regal mit Kunst und Design zum stehen gekommen, hinter dem ich in einer alten Très-Riches-Heures-Ausgabe blätterte und mir gerade Struktur und Textur von Blaser gezogen hatte.

    Brünett: Ah! hier, schau dir diesen Text an, ist es zu fassen, – so dermaßen einfach geschrieben,
    da lies mal!,
    also echt für Vollidioten, wie kann man nur solche Sätze schreiben die jeder Blödi versteht,
    und hier, — total. speziell. für’s. Deppenvolk!
    Schwarz: Oh, das sowas gedruckt wird, haha.

    Die beiden beamten mich augenblicklich in eine Eisdiele der 80’er, in der ich mich häufig mit einer Freundin traf, die sich ebenso lebhaft über Schwachtexte ergehen konnte.
    Zufälle gibt’s!

  108. Gesprächskultur
    Das Wort selbst ist ja schon Anarchie der Moderne. Wer den anderen übertönt, hat Recht.
    Daher werden sich die gesellschaftlichen Kreise weiter auseinanderdividieren, weil keiner Lust auf Gesprächskultur hat, sondern seinen Ego durchsetzen will.

    Ich frage mich wirklich, warum der deutsche Pass in aller Welt so begehrt sein soll :)

    • Ich frage mich wirklich, warum der deutsche Pass in aller Welt so begehrt sein soll
      Ich erlaube mir dazu ein par zusammenhanglose Meditationswörter zu liefern.

      Für Mossad-Agenten: man braucht weniger Visa, ist als Michel weniger verdächtig und kann Palästinenser in Dubai abmurxen.

      Für Haschaschin: detto.

      Für Reisende: siehe oben. Bis die mitkriegen, wer mittlerweile aller so einen Pass hat. (Nahe am anderen Extrem schauts so aus: https://www.1843magazine.com/dispatches/the-daily/the-benefits-of-a-lousy-passport )

  109. Schluss mit dem Quatsch
    „… und auch heute noch sagen, dass diese Welt veraltet ist, zu wenig von der Zukunft annehmen will, und melancholisch-sinnlos auf Vergangenes zurückblickt, während die Insekten sterben“ Nein! Bei der sich immer weiter steigernden Geschwindigkeit des „Fortschritts“ in allen Bereichen, bleibt für den Menschen im engeren Sinn kein Raum mehr. Und die Insekten sind ja auch schon veraltet…

  110. Proust vs. Radek
    Da haben sie den Brecht im Regal stehen und pfeifen trotzdem auf jede Dialektik. In der Gemengelage Bürgertum und Proletarier sitzt das Bürgertum naturgemäß erstmal am längeren Hebel und erst wenn deren Maßlosigkeit überhand nimmt und für das Proletariat nicht mal mehr ein kleiner Teil vom Kuchen übrig bleibt, rummst es.

    Dass dann beide Seiten beim Handeln nicht zimperlich sind, steht außer Frage. Bei der Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz 1933 hatten die bürgerlichen Parteien geschloßen dafür gestimmt und das Bürgertum hat auch noch laut Applaus geklatscht, als die ersten Zehntausend Kommunisten ermordert wurden.
    Harald Schmidt hat das mal sinngemäß so ausgedrückt: „Die kannten alle ihren Faust auswendig, und haben trotzdem bei den Nazis mitgemacht.“ Insofern kann ich dem Vergleich vom guten bürgerlichen Proust und bösen kommunistischen Radek nicht viel abgewinnen.

    Dass sie das Schreiben von Pamphlets gegen die Linke scheinbar zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, sei ihnen gegönnt. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, oder jeder nach seinen Möglichkeiten. Aber sie vergessen dabei, dass Deutschland eine bürgerliche Republik ist. Merkel ist die Kandidatin des Großbürgertums, so wie vor ihr schon Schröder und Kohl. Ohne die Unterstützung der Quandts, Springer und wie sie alle heißen, wären diese Personen nicht solange an der Macht geblieben; hinter den vielen Problemen, die Deutschland mit sich herumträgt, stecken aber genau die Entscheidungen oder auch Nichtentscheidungen eben jener Regierungen, sie sind also direkte Folge einer Politik fürs Großbürgertum. Insofern betrügen sie, lieber Don, gewollt oder ungewollt, ihre beifallklatschenden Leser, denn die paar Hanseln der Antifa oder die arg gebeutelte Linke haben nicht viel mit der kaputten Infrastruktur, Massenverarmung und ausufernder Kriminalität zu tun. Deren Existenz ist eigentlich nur Symptom für die gescheiterte Politik eines in Teilen zu gierigen Bürgertums. Und in dem sie das Ausblenden, tragen sie zu diesem Problem bei. Da hilft dann leider auch keine Schöngeisterei.

  111. Warum überprüft die FAZ Meldungen nicht?
    Lieber Don,
    hat jetzt mit diesem Blog gar nichts zu tun, läuft wohl eher unter „fake news“: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/seglerinnen-nach-monatelanger-irrfahrt-auf-pazifik-gerettet-15265589.html
    „Sie wollten mit dem Segelboot von Hawaii nach Tahiti. Dann fiel der Motor aus, monatelang trieben sie auf dem Pazifik. Nun wurden die beiden Amerikanerinnen gerettet – samt ihrer tierischen Begleiter.“
    Wieso kommt in der FAZ so ein Unsinn? Wenn ein Segler die Geschichte liest, merkt er sofort, daß das ganze hahnebüchen ist. Der Unterschied zwischen einer Meldung aus einer Internetquelle und einer renommierten? Zeitung sollte doch sein, daß dort Meldungen gecheckt werden. Das ist hier überhaupt nicht passiert. So allmählich berichten amerikanische Sites über den Unsinn, den die beiden Frauen gesagt haben. z.B. hier: http://abcnews.go.com/International/wireStory/apnewsbreak-lost-sailors-activate-emergency-beacon-50823502
    In einem amerikanischen Seglerforum hat man sich schon ausgiebig darüber lustig gemacht:http://forums.sailinganarchy.com/index.php?/topic/194198-two-sailors-and-dogs-rescued-after-5-months/&
    In Foren zu recherchiern ist sicher für Redaktionen nicht immer machbar, aber wenn man von etwas keine Ahnung hat, sollte man jemanden Fragen, der sich damit auskennt.
    In http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/warum-konnte-die-glory-amsterdam-nicht-gerettet-werden-15270307.html maßt sich ein Redakteur, der schon mal im Main geschwommen ist, an, wie man ein 220m Schiff abschleppt. Peinlich. Informativ sind nur die Leserkommentare.
    Hat in diesem Blog nichts zu suchen, aber ich mußte es einfach mal loswerden.

  112. Berlin ist nicht zu toppen
    Immerhin verdient sich RHS seine Meriten

    http://www.tagessp iegel.de/berlin/post-probleme-in-berlin-brieftraeger-stellte-wochenlang-briefe-falsch-zu/20503694.html

    • Und im Keller summt die Bartwickelmaschine zu diesem Hauptstadtwitz…
      Ach ja, die Post… Auch im Odenwald, dort brauchte es kein „Berlin“.

      Schon vor über zehn Jahren standen bei schönem Wetter am höhergelegenen Dorfausgang zu den Feldern morgens die gelben Kästen mit Brief- und Päckchenpost offen an einer Straßenecke, nicht in dem dafür vorgesehenen abschließbaren Plastikschrank; insofern schon gut angedacht, damit der Zusteller mit seiner abnehmenden Last später ins Dorf hinunter radeln und rollen konnte. – Gesehen von mir bei der Vorbeifahrt zum Milchholen beim Bauern. Auf dem Rückweg immer noch da. Ich hätte auch anhalten können und einladen, und ich hätte danach sicher meine Nachbarn noch besser kennengelernt und einzuordnen gewußt…

  113. Feingefühl, nicht nur beim Gespräch,
    sondern auch beim Tun, tja, das ist so eine Sache.

    Da wird also ein deutscher ICE-Zug nach Anne Frank benannt? – So betrachtet lag das PARTEI-Organ neulich gar nicht völlig daneben, als es für den angedachten muslimischen Feiertag in Deutschland den 11. September oder den 20. April vorschlug. Fährt der ICE wenigstens zum Teil auf der „historischen Route“ Richtung A.?

    • Banalisierung allerorten
      Das ist so wie mit Mozart 40ster oder Beethovens 6ter im Supermarkt, Schuberts Ave Maria gehört auch dazu:
      Das wird so lange gedehnt, bis es banal ist. Die Banalisierung der armen Anne.

    • @Oberländer
      Da haben Sie absolut recht. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Gestern Abend kam das Luther-Musical im Fernsehen. Schablonenhafte Musik, standardiesierte Comictexte, die üblichen Musicalchoreographien, grauenhaft! Die ganze Welt ist ein einziger Kindergeburtstag. Ein zeitgemäßes Opium für das Volk.

      Ohne Eventcharakter geht’s nicht mehr, und das Volk jubelt nach dem Motto: Leute fresst Sch…, Millionen fliegen können nicht irren!

    • Mein Kommentar zum Thema:

      50ß0 Jahre zuviel Luther.

  114. Da stand der H. Radek wohl in der Tradition des preussischen Kulturprotestantismus,
    d.h. erfunden hat er das nicht, diese Liberalität, diese Toleranz mit allen, denen erlaubt ist, der eigenen Meinung sind. Klar, wurden auch in anderen Staatsformen, zu anderen Zeiten, andere Meinungen unterdrückt aber dort und dann nicht mit dem Impetus der Aufgeklärtheit des moralisch Höherstehenden.
    Und angesichts dieser Methoden der Berliner Protestantenbourgeoisie, von Luther über Bismark bis Hitler und anderen Sozialisten und deren Apologeten, greift es da etwas zu kurz diese protestantische Methodik als sozialistisch zu verorten.

    • Berliner Protestantenbourgeoisie, von Luther über Bismark bis Hitler
      Also letzterer war mehr Clochard (Sandler) als Bourgois, und auch mehr Katholik als Protestant.

  115. Redefreiheit
    In Historie zu greifen, um die Gegenwart zu erklären ist nie ein Fehler. Aber warum erwähnen sie Personen, die eben nur noch Randgruppen interessant finden? Schlummert da doch ein kleiner Kommunist? Seit Weinstein weiss man ja nie!

    Ich bin gerade in Barcelona, im schönen gotischen Viertel. Man sieht Menschen die demonstrieren, aber sie streiten recht leise und niemand ist, oder wirkt aggressiv.

    Das ist unglaublich angenehm und sowohl eine gute Redefreiheit, Redekultur und auch Streitkultur.

    Ich es kann so bleiben. Vielleicht finden sich Nachahmer.

    Gute Nacht aus einer friedlichen Stadt.

    • Oh, danke für den Bericht!
      Gutes kommt so selten in den Nachrichten. Gutes ist ja auch kaum eine Nachricht. Schlechtes schon, marodierende Autos, zum Beispiel.

      Mich hat bislang sehr positiv überrascht, wie zivilisiert sich beide Seiten verhalten haben. „Nur keine Gewalt“ sagt Puigdemont, und dass er die Wahlen am 21. Dezember akzeptiert.
      Ich kann nur hoffen dass alles so bleibt, es wäre ein sehr positives Beispiel, und würde mir Hoffnung geben, dass Europa doch ein ziviles Vorzeigeprodukt sein kann.

  116. Revolution?
    „Jede echte Revolution frisst früher oder später ihre Kinder…“ Revolution ist keine Göttin, sondern eine Hure.

  117. Aufklärer
    Lieber Don, meine Frau meinte nach Lektüre dieses Artikel, sie glaube, Sie seien auch ein Aufklärer. Sind Sie das? ;)

  118. TAZ
    „Das Lustige ist: In Süddeutschland bekommt man sie kaum.“

    Gibt doch die Süddeutsche.
    Vielleicht sollte man dafür lieber dankbar sein.

  119. Du coté de chez Donn
    Assoziationen:

    Offen gestanden, wenn Sie so manches mal sprachlich und gedanklich mäandern, ist das gar nicht so weit entfernt von Proust. Einen Proust in Deutschland hätte ich nicht für möglich gehalten. Es sind oft Betrachtungen, die manchmal auf weißen mit dem Rennrad gefahrenen Wegen entstehen, eine erfreuliche Mischung zwischen Sinnieren und scharfer Beobachtung, die immer gut zu lesen ist, einen – je nach Thema – entspannt machen kann und einem manchen Lacher entlockt. Der Lacher entwickelt sich langsam in der Tiefe wie der, den Mann von Tadzio beschreibt, und bitte, Lucchino Viscontis Film kann man hier gedanklich ohne weiteres einflechten wie auch Mahlers Adagietto.

    • schrieb wohl doch nicht zu schnell
      Ich dachte, ich schriebe zu schnell. Manchmal kommt es doch, dann aber hat man es ähnlich zweimal formuliert.

  120. Titel eingeben
    Wieviele Gesprächssymposien mit linken Politikern finden eigentlich in Schnellroda statt?

  121. Oh Don,
    für jemanden wie mich, ein sehr schwerer Text…

    Jetzt nach 3mal lesen und unzähligem Guugeln, begreife ich den Artikel endlich…

    Also Danke für die literarische und historische Bewusstseinserweiterung, ganz ohne den Einsatz von Drogen und/oder Alkohol.

    Was insofern ein Verdienst Ihrerseits ist, denn mit einem anderen Autor hätte ich diese Geduld nicht :-)

  122. Du coté de chez Donn
    Mit Proust geht mir hier ein Licht auf über das, was mancher Text bei mir auslöst und warum einige Texte über die Zeit gelassener machen, vielleicht genießerischer.

    Mahlers Adagietto aus der Fünften, wir nähern uns der Stadt im Wasser auf der schimmernden Lagune in Viscontis Film. In Gedanken kann ich so bei manchen Betrachtungen hier über die Zeit und gleichzeitig bei Proust sein.

    Ob diese Assoziation für andere Leser passt, erschließt sich mir nicht.

  123. OT: Wo steckt Renate Simon?
    Lieber Don, danke für Ihren zum Nachdenken anregenden Text. Leider schaffe ich es momentan gerade so, die Texte und Kommentare zu lesen. Zum selbst kommentieren fehlt die Zeit. Trotzdem ein Lesetip für Interessierte zum Thema Stalinismus und Gulag: Wolfgang Ruge „Gelobtes Land“ (und natürlich immer wieder Solschenizyns Archipel Gulag).

    Außerdem noch eine OT-Frage in die Kommentatorenrunde: Renate Simon hat schon länger nicht,mehr geschrieben. Geht’s Ihnen gut Frau Simon oder sollen wir Apfelkuchen schicken?


    • An diesem Tage, Allerheiligen, an dem die Kinder meiner Oma immer noch Omas Geburtstag gedenken (sie wäre inzwischen 122) – ist es wohl Zeit, die schon angekündigte Gedenkminute für Renate Simon einzulegen. Denn sie hat sich schon länger nicht mehr gemeldet und so hat sie sich wohl verabschiedet, wie sie schon seit längerem ausführlich beschrieben hatte.

    • Ja, @ liebe colorcraze,
      man kann es auch noch gut in Frau Pukkes WG- Gastbeitrag lesen. Seit dem 03.Okt. kam nichts mehr von ihr. Sie hat es wohl vollendet. An dem Abend kam auch noch der TV-Film “ die letzte Reise“ mit Christiane Hörburger, in dem es um dieses Thema ging.

      Liebes Simönchen, ich habe jetzt den Schneid, mich von Ihnen zu verabschieden.Für mich ist es unvorstellbar, dass Sie nur virtuell hier gehen, weil Sie es angekündigt hatten, sich nicht trauten und nur deswegen verstummen. Sollte es so sein, auch nicht schlecht; denn Totgesagte leben länger, sagt man.Dann aber bitte wieder an die Tastatur!

      Sie werden nicht nur von mir vermisst. Ich mochte Ihre ungekünstelte und ehrliche Art, zu schreiben.Von Ihren Bildern, die wohl nun verschüttgehen, wie Sie meinten, einmal abgesehen.Vielen Dank für alle Ihre Beiträge und Antworten hier.Ich hoffe, mit dem Schwimmen hat es nun endlich geklappt und Sie sind nicht gerade in einen der letzten Herbststürme geraten…

      Ihre Philomena, die noch öfter an Sie denken wird.

    • vom Blog verabschiedet
      oder von Gesundheit oder Leben?
      Das wäre traurig. Sehr vital, die Dame.


    • @Oberländer: ich gehe von letztgenanntem aus, denn sie hatte ihren Haushalt nach eigener Aussage ja schon mehr oder weniger aufgelöst. Es klang nicht nach Geschwätz, denn bei aller sonstigen Zurückhaltung diesbezüglich ließ sie in letzter Zeit öfters durchblicken, daß ihr gar nicht wohl war.
      @Philomena: Das haben Sie sehr lieb gesagt, und, ja, ich vermisse sie auch – aber wir sind nunmal alles Menschen und leben nicht ewig. Wir sollten sie so lebhaft und farbig in Erinnerung behalten, wie sie war, ich denke, das wäre am meisten in ihrem Sinn.

    • Sie werden vermisst, Frau Simon!
      Ich habe mir auch schon wegen ihrer schlechter werdenden Gesundheit Sorgen gemacht. (Nahe) Familie scheint sie nicht zu haben. Vielleicht könnte der polnische Bekannte uns einen Tipp geben. Falls er hier mitliest…

    • @standyourground,colorcraze,oberländer&philomena
      Es ist merkwürdig, wie eine so geschätzte und geachtete Foristin, einfach in den Untiefen des Netzes oder doch,des Weltalls verschwinden kann. Eine solch erfahrene, weibliche Stimme, sollte nicht verstummen.
      Wir weissen Männer, egal wie alt, ziehen den Hut und verneigen uns vor solchen Frauen, wie Frau Simon.
      Diese alte Frauengarde wird Deutschland fehlen, angesichts des Grobmülls, den D.A., in einer Antwort aufgezählt hat.
      @uwe dippel, viel weiter oben, genialer Kommentar zum Blog, hinsichtlcih Lesen und Kommentieren, Zeit, Lust,Thema etc.
      Vllt. kommt sie zurück und unsere Sorgen sind unbegründet, doch würde ich sie als Alterpräsidentin dieses Blogs vorschlagen wollen und im negativen Fall ,die Umbennenung in Renate-Simon-Gedächtnisblog, oder D.A.?

    • Ein Gedanke
      an Tamarisque wäre vielleicht auch angebracht.

      Danke.

    • Was schrieb ich denn da?
      Christiane Hörbiger war’s natürlich.


    • @Schumi: Menschenleben sind endlich, damit muß man sich nunmal abfinden. Ansonsten gibt es viele Gründe, warum manchmal zeitweilige Dauerschreiber irgendwann mal aufhören, meist geben die dann aber später noch ein Lebenszeichen von sich (wie hier die formidable donna laura).
      Bei Frau Simon aber sehe ich keinen Grund, an ihren Ausführungen zu zweifeln, denn sie schrieb sehr oft.

    • Werter Thomas Cgn,
      immer gern; aber unsere Zeilen hier für Frau Simon sind ein Nachruf.

    • Ich fürchte ...
      … solches auch bei Tamarisque.

    • Philomena, wissen Sie
      mehr? Es klingt so. ‚Nachruf‘.
      Das klingt so entschieden, und in diesem Falle so wissend.

      Falls ja, klären Sie uns bitte auf!


    • @Thomas Cgn: nein, bei Tamarisque denke ich das nicht. Die ist mE aus anderen Gründen hier weg.

    • Oh Philomena - jetzt wird mir bewußt, was mit Frau Simon vor sich gegangen sein mag -
      eine tapfere und mich oft berührende Frau. Blickte ziemlich durch und wußte sich auszudrücken und hatte Humor und erhebliche Geistesgegenwart und Lebensart – ja sogar eine Leidenschaft für unser Gemeinwesen, wie ich finde.

      Ich hab‘ sie nie getroffen, aber ich habe mich oft über die Dinge, die sie schrieb, gefreut; ich vermisse sie.

    • Ich kann die Ursache nicht beurteilen.
      Mir ist nur aufgefallen, dass Tamarisque als rege Schreiberin ebenfalls von heut auf morgen ruhig blieb.

  124. 500JahreReformationFeiernbiszumAubwinken
    Heute wird gefeiert bis zum Abwinken! 500 Jahre Reformation.Luther.Mit Pauken und Tompeten.J.S.Bach machts möglich. Und natürlich auch mit Wein und gutem Essen.
    Bin langjähriger Leser beim Don.Schätze den Don.Aber sein Atheismus? NEIN DANKE!
    Und dann beim Don immer wieder über die Sexfeindlichkeit des großen Reformators zu lesen geht mir auf den Nerv und zwar dolle.
    Der Mann hatte 5 ! Kinder und dass ab 42 Jahren, gebot seiner Frau, einer entlaufenen Nonne das Bierbrauen , schätzte den Rheinwein und das gute und viele Essen in guter Gesellschaft, und bzl. Sex gabs den Spruch: In der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr. (Den Spruch bekam unsereins schon im Konfirmatdenunterricht mit.)
    Und Luther zu Eunuuchen: Lieber wollt ich mir zwei Paar anlegen, statt eins abnehmen lassen. Lasdgraf Ph. v. Hessen gestattete er die Zweitehe, weil dessen Frau angeblich nicht zum Sex in der Lage war.
    So das wars und jetzt bitte ein bißchen mehr BILDUNG beim Luthertum.
    Biographien gibts genug. Gern auch kritische.
    Und seine Fehler ? Abfällige Reden über Juden usw.: Wir leben 500 Jahre später. Jeder möge nach dem Horizont seiner Zeit beurteilt werden.
    Luther: Am tröstlichsten an den Heiligen sind mit ihre Fehler.
    Das gilt auch für ihn.
    Und Luther auf dem seinem Sterbebett : Wir sind Bettler, verum est.
    Und zum Katholizismus: Ich bin mit einer Frau verheiratet, die bei Nonnen gelernt hat und dann zur lutherischen Konfession konvertiert hat.
    Ihr Opa war Ritter des päpstl. Gregorius Ordens. Diese stockkkonservativen Katholiken akzeptieren das voll.
    Unsere gemeinsame Hoffnung ist Christus und nicht die Politik.
    Auch wenns nicht erwünscht ist von Herrn Don A. so doch heute zum festlichen Anlaß:.Eine feste Burg ist unser Gott:
    https://www.you tube.com/watch?v=x0zBmcckFoM

    • "Wir leben 500 Jahre später"
      Tatsächlich, tun „wir“ das?

      So viel – pardon – Chuzpe und Flapsigkeit bei der beiläufigen Exkulpation Luthers und der Kirche in Sachen Antisemitismus muss man sich erst mal leisten können oder wollen. Wie’s ausschaut, kein Problem in stockkonservativen Kreisen, außerdem ist Jubeljahr.

      Bei weitem keine 500 Jahre her sind das christliche Israel-Bashing, christliche Boykottaufrufe und christliche Schulterschlüsse mit israelfeindlichen Organisationen. Die auch in christlichen Kreisen weit verbreiteten antikapitalistischen Weltverschwörungstheorien verbunden mit antisemitischen Reflexen und die klammheimliche Pflege uralter Ressentiments gehen extra. Man soll als Atheist in solchen Dingen nicht kleinlich sein.

      Nebenbei, die Zeit der Burgen ist auch schon eine Weile abgelaufen.

    • ausgeluthert
      … jetzt wird’s aber auch langsam Zeit, dass der Eventzirkus der Käsmännin sich ausluthert.

      Ich habe in den vergangenen zwölf Monaten nichts mitbekommen darüber, wie der heutige Mensch einen gnädigen Gott findet.

      Stattdessen nur Werkgerechtigkeit: ethisch korrekt Fleisch konsumieren, für Interkontinentalflüge CO2-Ablassbriefe kaufen, unbeschränkte Immigration von Glaubensfeinden begrüßen, bloß nicht Antichrist für Deutschland wählen uswusf.

      Theologische Verbraucherberatung für Grünwählerinnen.

      edSE

    • Man sollte nicht ganz seine Rolle in den Bauernkriegen unterschlagen,
      d.h. erst war er Rebell, dann eröffnete er dem Adel sich die örtlichen Kirchenbesitztümer anzueignen und prompt wurden die protestantisch? „Von der Freiheit des Christenmenschen“ bis zu „Wider die aufständischen Bauernhorden“ war es nur eine kleine Karrierekurve. Und angesichts seiner Apologeten, u.a. dem wahnsinnigen Frauenschlächter Heinrich VIII, u.a., waren die Borgias small change und mit dem Ablass, dem Peterpfennig wurde wenigstens der Petersdom gebaut. Das ganze NOt und Elend, in das das spätere Deutschland über Jahrhunderte durch die „Reformation“ gestürzt wurde, als Spielball auswärtiger MÄchte, die Auswirkungen auf die deutsche Ausprägung des Nationalismus, ja überhaupt der ganze protestantische Kulturprotestantismus … diese ganze kritik- und geschichtsfreie Lobhudelei?
      Nein, danke!

    • Gemeinsamkeit
      Wie schmeckt einen Lutherfanboy das: ;)

      Was haben Luther und Merkel gemeinsam?

      Beide sorgen für langanhaltende, zerstörerische Religionskriege auf deutschen Boden.

    • Propaganda
      Na, da sind Sie ja der lutherischen Propaganda ja voll auf den Leim gegangen. Oder wie Billy Clinton mal anmerkte: „It’s the economy, stupid!“

      Über die gesellschaftlichen und ökonomischen Verwüstungen in Folge gehen wir mal generös hinweg, gell? Und wieviele Scheiterhaufen wurden noch einmal unter der Herrschaft der protestantischen Landesfürsten errichtet? Calvin war ja auch ein ganz netter. Die Nachfahren in Übersee sollen ja noch im späten 18. Jh. den einen oder anderen Mitbürger verbrannt haben. Die Reformatoren waren ja alle so fortschrittlich. Wie Sie schon schrieben, wenn`s ums Vögeln und Saufen ging.

      Aber einige von Ihren Spezis scheinen ja gerne mal Reformation mit Aufklärung zu verwechseln. Der Mönch hat sich doch auch über Kopernikus lustig gemacht und der Lächerlichkeit preisgegeben. Und ja nicht an der gesellschaftlichen Ordnung rütteln. Der dritte Stand sollte mal schön da bleiben, wo er ist (im Dreck).

    • @edSE
      „Theologische Verbraucherberatung für Grünwählerinnen“

      Genau!
      Der spirituelle Arm/Flügel von Grünen und SPD

    • Dünnschiss ist grünlich
      Heute ist Allerheiligen. Da werden die Gräber gesegnet, eine gute Sitte.

      Luther ist kein Heiliger. Wie kann man den Mann bloß als Heiligen bezeichnen?

      Es ist ausgesprochen schade, dass nicht Erasmus der Hauptreformator wurde, ein Humanist, wie schon Stefan Zweig bemerkte und belegte. Auch Cusanus wäre eine prima Option gewesen.

      Luther war ein belesener Lebemann mit Verdiensten für die deutsche Sprache und Vor- und Nachteilen, aber heilig ist etwas anderes. Damit nimmt sich der Vatikan lange Zeit, und vorher kommt selig.

      Letztlich war er der Begründer einer größeren Sekte. Der geistige Inhalt ist dünn, der politische grün.

    • Luther - nicht lustig
      Stockkonservativ sind sie tatsächlich diese Lutheraner. Auch was den Sex angeht. Als ich vor Jahrzehnten, Anfang 20, einmal im locker flockigen Jugendblättchen unserer SELK blätterte und dann dort sinngemäß lesen musste, dass das heilige Sakrament der Ehe unabdingbare Voraussetzung für den Sex sei, ging mir das so dolle auf den Nerv, dass ich am nächsten Tag amtlich „adios“ gesagt habe. Never looked back.

  125. Proust gegen die Kälte
    Kurz nach meinem 20. Geburtstag war ich in den 70ern nach Genf gezogen und hatte dort ein Studium begonnen.

    Es war ein elendes Leben. Ich hatte kein Geld, kannte kaum jemanden und bewohnte ein kleines dunkles Loch von Appartement in einem heruntergekommenen Gebäude im Bahnhofquartier. Lauter Säufer, Nutten, Zuhälter und Kleinganoven in der Nachbarschaft.
    Heizen oder Essen stellte sich oft als Frage in den bitterkalten und langen Wintern. Genf ist ein Eisloch.

    Die Tage verbrachte ich an der Uni oder in der Bibliothek, beide bestens geheizt. Nachts spielte ich für wenig Geld Gitarre in einer der Bars, wenn man mich ließ.

    In der Bibliothek las ich „A la recherche du temps perdu“ in der Edition Gallimard.
    Ich hatte mir vorgenommen, die Bücher neben dem Studium zu lesen.
    Am Ende dauerte die Lektüre fast zwei Jahre … links und rechts auf dem Lesepult stets zwei oder drei dictionnaires.

    Frauen, die Männer in Karohemden bevorzugen, fanden sich übrigens in den Lesesälen eher selten.

    Seltsamerweise und wenn ich den Namen Proust nur höre, beginnt’s mich bis heute augenblicklich zu frösteln. Dabei saß ich wenigstens während der Öffnungszeiten der Librairie an der Wärme.
    (Physische) Erinnerungen sind oft von merkwürdiger Eigenwilligkeit … verloren aber nicht vergessen.

    • Interessant
      .
      Wenn man als Mann diese(!) Art von Frauen also nicht mag,
      dann braucht man sich lediglich ein Karohemd zu kaufen.

      Das ist ja einfach.

    • Plejaden
      In der Bibliothek lasen Sie den Siebenteiler von Proust in der Ausgabe der Bibliothèque de la Pléiade. Einem Gesamtkunstwerk in künstlerischer, typographischer und handwerklicher Hinsicht. Wen schert Genf? Schon der berühmteste Citoyen des „Eislochs“, Rousseau, hat daselbst gebibbert.

      In Ihrem Bericht klingt etwas an von dem Durchhaltevermögen, das auch Proust auszeichnete.

  126. Danke
    … so in den Reformationstag hinein, so brillant und elegant gewandt, Don.
    .
    Ihnen alles Gute und bitte etwas langsamer; man kommt kaum hinterher; oben sprach man von Zügen und Sie rasen wie der Harmony Express ;) mit Ihren Texten an die Blogger/Leser, so dass man

  127. Gesprächskultur
    sucht man im linken Milieu tatsächlich mit der Lupe oder besser noch mit einem Elektronenmikroskop. Lieber Don, vielen Dank für diesen wohlgestellten Beitrag!

    Umso erstaunlicher, daß sich offensichtlich immer wieder solche Ewiggestrigen oder sollte man besser formulieren: Ewigmorgigen? finden lassen.

    Ein Beispiel für die mangelnde Gesprächskultur findet sich gerade an der Uni Frankfurt, ja die mit dem Goethe als ornamentale Verzierung im Namen. Ausgerechnet an dieser hohen Stätte wurde eine Veranstaltung mit dem Polizeigewerkschafter Wendt abgesagt, mittlerweile sind auch Gewerkschafter nicht mehr links genug, weil sich dort der ideologische Klüngel mit den extremistischen Grobmotorikern zu einer handfesten Gegenaktion verabredete. Hamburg, war da nicht irgendetwas vor Kurzem …?

    Aktives Handeln als Reaktion der Universitätsleitung? Fehlanzeige. Im Land der Dichter und Denker…

    Wahrscheinlich hätten die den späteren Geheimrat Goethe auch als rechten Halunken zum Fenster rausgeworfen, was dann nicht nur als Fenstersturz von Frankfurt in die Geschichte eingegangen wäre, sondern en passant die noch nicht begonnene deutsche Romantik im Keim abgewürgt hätte. Aber der studierte Gott sei Dank nicht in Frankfurt (das ging mangels einer Universität auch nicht) sondern gleich in Leipzig, was ihm wohl recht gut bekommen sein soll. Die Szene aus Auerbachs Keller kommt wohl nicht von ganz ungefähr. Heute sieht das wohl ein wenig anders aus…

    Fazit: Eine Gewaltandrohung ist eine ziemlich schlechte Einladung zum Diskurs, welche man entweder gern ignoriert oder vorher die Grenzen besser zieht.

    • Googlen Sie mal „Adalbertstrasse“ (auxh bei Indymedia), da finden Sie den neuesten „Streich“.

  128. Auf Augenhöhe
    Ich habe keine Lust, auf jemanden herabzuschauen, ebensowenig, auf jemanden nur aufzuschauen. Augenhöhe ist die einzig sinnvolle Gesprächsbasis. Alles andere ist lächerlich. Sind doch alle voneinander abhängig. Wirklich andere Meinungen auszuhalten ist eine hohe Kunst. Im Grunde lassen sich Menschen nur selten rein argumentativ überzeugen. Weil meist nicht der ganze Mensch angesprochen wird. Die vielen herausragenden, aber auch abgründigen Facetten eines Lebens sind nicht auf ein paar Sätze reduzierbar. Morgen ist Allerheiligen. Da kann man sich auf Wesentliches besinnen.

  129. Sub rosa a sick rose
    Bei der Dame mit Fächer würde ich sub rosa an eine Sick Rose denken und auf Syphilis tippen. Auch die andere Wange sieht nach einem syphilitischen Rash aus.

  130. Immer wieder
    Vielen Dank für das Aufgreifen des Themas und die illustrierenden Gedanken!

    Das Totschweigen und Ausgrenzen beherrscht übrigens auch das Bürgertum – in meinen Augen allerdings nur das kleinliche: 1976 wurde nach seiner mangelnden Solidarisierung mit Biermann der bis dahin meistgespielte deutschsprachige Gegenwartsdramatiker Peter Hacks auf den westdeutschen Bühnen abrupt abgesetzt. Dass Hacks die Solidarisierung aufgrund seiner handwerklich begründeten Ablehnung Biermann verweigerte, wollte schon damals die – fast wäre mir „politisch verblendete“ herausgerutscht – vermeintliche intellektuelle Elite nicht anerkennen. Gottseidank habe ich einen technischen Beruf gelernt und komme schon deswegen nicht in Gefahr, mich nur wegen des akademischen Abschlusses als Intellektueller zu verstehen. „Sinn für alles Schöne“ reicht mir. Meist. Dass man damit immer gemeinsame Gesprächsthemen findet, ist zwangsläufig.

    • Intellektueller
      „… und komme schon deswegen nicht in Gefahr, mich nur wegen des akademischen Abschlusses als Intellektueller zu verstehen. „Sinn für alles Schöne“ reicht mir.“ Seit es das Wort „Intellektueller“ gibt, geht es mit dem Geist abwärts, ebenso wie die Welt erst richtig hässlich wurde, seit man von „Design“ redet.

  131. maciste grüßt euch
    karl radek (bezeichnenderweise journalist), den ich durchaus schätze, kann ohne zweifel für die gesellschaftspolitische figur eines „tragischen“ intellektuellen, wie man ihn besonders im linken spektrum des öfteren verorten kann, beispielhaft stehen. er war in sämtlichen werken des deutschen generalstabes belesen, aber ohne wirklich brauchbare praktische kampf- und kriegserfahrung – da hatten ihm viele rechtsintellektuelle und auch die alten chargen der bolshewiki einfach einiges voraus. selbst einen stalin sollte man in diesem punkt nicht unterschätzen, er kam aus dem milieu halbkrimineller georgischer clanstrukturen und reüssierte letztlich als reiner praktiker.

    wie viele linke vollblutideologen war radek zeitlebens auf der suche nach dem revolutionären subjekt, derweil andere ihre bataillone weniger nach couleur denn nach kampfkraft sammelten und einsetzten. in der beurteilung der revolutionären möglichkeiten einer kommunistischen bewegung in deutschland irrten die linken deutschen und russischen ideologen übrigens allesamt und mehrfach, da war radek keine ausnahme.

    heute suchen (halb)linke ideologen (oder was sich dafür hält) – die es intellektuell und auch in der politischen praxis mit einem radek niemals aufnehmen könnten – das ersehnte revolutionäre subjekt zwecks projektion ihrer ärmlichen ressentiments und wirren idealismen in den ungebildeten massen eines proletarisierten islam und werden, wenn sich unausweichlich die machtfrage stellt, wahrscheinlich und nicht unverdient wie radek enden.
    battle on.

  132. Antesde sagte am 31. Oktober 2017 um 20:28 Uhr
    „@DA danke
    für die Nachhilfe. Es gab offenbar noch mehr gewaltsame Machtübernahmeversuche der KPD: Ruhraufstand, Märzkämpfe etc….“
    .
    „Ruhraufstand“, wobei wir unter dem Stichwort Albert Leo Schlageter * wieder bei Karl Radek angekommen wären.
    Radeks Verweise auf das „Märtyrertum“ der Freikorps-Mitglieds (Schlageter wurde von den französischen Ruhr-Besetzern wg. Anschlägen auf das Militär angeklagt und hingerichtet) kam bei Teilen der KPD nicht gut an und wurde als Anbiederung an das deutsch-national gesinnte Bürgertum betrachtet. Man könnte sagen, es kam zum Verlust der bis dahin geübten Gesprächskultur unter den Linken. Wie aktuell unter den heutigen Linken, die sich auch nicht mehr „grün“ zu sein scheinen.
    .
    * Verzeihung, btw etwas für „Marinierte“ unter uns: Unter den Nationalsozialisten hatte man bei der Reichsmarine ein Segelschulschiff nach Albert Leo Schlageter benannt. Heute ist der Dreimaster Segelschulschiff der portugiesischen Marine und heißt „Sagres II“.
    (DdH)

    • Ruhrkampf, etwas o.t.
      In unserem Treppenhaus befand sich ein Loch in der „dritten Treppe von oben, angeblich verursacht durch einen Querschläger aus dem Ruhrkampf. Wir Kinder schmissen unsere Milchzähne dort hinein, da liegen sie wohl noch immer.

  133. Don Alphonso sehr gut, aber nicht alles ist Stalin
    Sie, Don Alphonso, beschreiben sehr schön, wie das „Bürgertum“ alles verdaut, wenn es nicht zu sehr intersektional werden wird und halten dagegen, das man in kommunistischen Gesellschaften im Zweifel wie Radek endet.

    Nun Stalin ist tot.
    Aber auch nach 1945 war er so richtig stalinistisch, sieht man von den „Befreiungsorgien“ ab, nicht mehr (im Vergleich zum heiligen Massenmord-Sturm, der blutigen letzten Schlacht, den die Bolschewiken über das geprügelte Rußland jagten) .

    Stalin ließ sogar Kleingewerbe und Junkerland in Bauernhand im sozialistischen Lager …in „nationalen Farben“ zu.

    B. Brecht bekam soviel Land, das er nicht in den Westen umziehen brauchte, dann hätte er es als „Republikfllüchtiger“ wieder verloren (Reisen konnte er sowieso).

    Zu Stefan Heym sagte zur „Wendezeit“ Monika Maron das Nötige. Ein Leckerbissen ähnlicher Art, die hohe Schule der moralischen Dekadenz, ist erlebbar, wenn man sich eine alte Deutschlandfunk-Konserve anhört: Der Ehemann von Christa Wolf erzählt, wie er was Leckeres in Ostberlin kocht, da die Ingredenzien ja von den eigenen Westreisen mitgebracht wurden….
    Die Mangelgesellschaft der DDR muß man dabei mitdenken.

    Und, Peter Hacks, den Ost-Groß-Kotz gegen Wolf Biermann, rettet man auch nicht mit Davila, falls es Klonovsky versucht hätte – dazu gibt es einfach zu viel Bücher.

    Lenin wußte, wie man Multiplikatoren (Schriftsteller) einwickelt. Stalin meinte wohl, es sich zwischendurch nicht leisten zu können. Oder gestatte sich Launen – auch an seinen Speichelleckern.

    – Vielleicht stände mal wieder Solschenizyn an, statt den „Bündnispolitiker“ Radek der für Bürgerliche die – nationale – Leimrute auslegte.

    Und gern auch weiter Don Alphonso statt Proust.

    • Wir können alle nicht sagen, wie wir uns unter dem Stalinismus verhalten hätte. Proust war zwar Bürgerlicher, aber ein Indivifualist, Radek dagegen Sozialist, aber ein Unterdrücker. Das ist der Gegensatz, um den es mir geht.

    • Titel eingeben
      Jemand, der M. Maron lobt und Peter Hacks nicht versteht, hat von Lyrik und Wahrhaftigkeit nix verstanden.
      Ich erinnere die Maron’schen Peinlichkeiten im Briefwechsel mit von Westphalen.. und dagegen die vielen Hacks-Gedichte… nehmen wir mal die Zeile aus dem Kinderbuch(!) „Der Bär auf dem Försterball“:
      … sein Bass war so tief wie die Schlucht am Weg, in die die Omnibusse fallen.
      Sowas kann Frau Maron schlicht nicht.

    • @Don - 1. November 2017 um 09:26 Uhr
      Das sehe ich genauso.; allein darum geht’s. Das ist das Entscheidende.
      Und vor allem das Bedrückende, das überall diesen Schleier des Schweigens und Verschweigens über alle und alles legen möchte.

  134. Neusprech ist schlecht für den Tourismus- nicht nur in Oberbayern...
    Dort nennt man die Flüchtigen delinquentösen jetzt „Tourist“

    „Ein 23-jähriger „Tourist“ verlor daraufhin die Beherrschung…“

    Im zweiten Teil des Artikels: http://www.journa listenwatch.com/2017/11/01/fuerstenfeldbruck-massenschlaegerei-und-toetungsdelikt-haelt-polizei-auf-trab/

  135. @ Bluebeardy sagte am 31. Oktober 2017 um 14:22 Uhr
    „@ Trojaner
    Köstlich, Ihre Demonstration verlorener Gesprächskultur, welche der Don so beflissen sucht (warum in der Ferne schweifen, sieh, das Schlechte liegt so nah…)– immerhin wurde so in zwei Jahren die alte Stammmannschaft der SDG wie z.B. TDV, TGA, donna laura etc. vertrieben“
    .
    Man kann gehen oder bleiben. Vertrieben wird niemand. Nicht einmal wenn man in der Gosse ausrutscht. Ihre Beanstandung soll wohl heißen, dass es ist doch sehr bedauerlich sei, dass inzwischen Maschinenbauer mit karierten Flanellhemden hier mitlesen und schreiben dürfen. Die Sprache ist inzwischen, so mM. von „abgehoben“ auf „meist verständlich“ gebracht.
    .
    Vielleicht sollten Sie bei Don den Vorschlag für einen Exklusivblog für die Genannten und noch Ungenannte einreichen. Ma Donna Laura c´è ancora. Harry Ch. z.B. ersetzt m E. dafür die drei anderen locker.

    • Ich betrachte mein Blog als Angebot und nicht als Verpflichtung. Bei Exzessen gehe ich dazwischen. Ich kann aber nicht alles umfassend betreuen.

    • @Don; Angesichts der Tatsache, daß in Ihrem Blog noch ein offenes Forum herrscht,
      tun Sie mehr als genug! Und das in einer Taktung, die fast schon schwindelig macht…

      Im Übrigen ist nicht jeder, der nicht sichtbar in die Diskussion per Kommentar einsteigt, „weg“.
      Häufig lese ich auch nur. Und das hat dann eher nicht damit zu tun, daß mir Dinge nicht aufstoßen und ich nichts dazu zu sagen hätte, sondern eher damit, daß manche Diskussionen einfach in so einem Forum nicht befriedigend geführt werden können.
      Ich hätte bspw. des Öfteren zu Ihrer Apologie des A-Theismus* einiges anzumerken, aber das würde einen langen Gesprächsfaden verlangen.

      *Meines Wissens trat der A-Theismus als Glaubenswendung zuerst bei Thomas v.Aquin in Form einer theologischen Argumentation ins Feld.

      Dennoch: Wenn es etwas gibt, daß mit dem internet als Positivum hinzukam, dann sind es diese blogs. Und wenn sie dann noch so gut betreut werden, wie hier durch Sie, dann ist das eine Steigerung der freien Rede, die das hier deutlich heraushebt!

    • Die schlichte Wahrheit ist: Nach 300 kommentaren am Tag ist man einfach platt. Da gehen machen Feinheiten über Bord. die Alternative, es der Redaktion zu überlassen, würde aber auch keinem gefallen.


    • Nach 300 kommentaren am Tag ist man einfach platt.
      Ja, das ist eine „ordentliche“ Menge, die man nicht so ganz verdauen kann an einem Tag. – Redaktion mit mehreren verteilten Leuten wäre mit Sicherheit schlechter. Aber es ist halt schon eine Menge, für die man eine gute Konstitution braucht, um das dauerhaft durchsehen zu können.
      Kann schon sein, daß Sie bei noch mehr Kommentaren dann irgendwann etwas erratisch dazwischenhauen müssen – weils einfach zuviel zum Sichten wird, und man dann einfach erratisch wird.
      Vielleicht bleibts ja auch im handlebaren Bereich. Aber wenns immer mehr wird, bricht vielleicht irgendwann der Umgriff doch zusammen.

  136. Die Ismen des Don Alphonso
    Der Don tut seinem sehr berechtigten Abscheu vor allen Ismen kund.
    Außer vor Hedonismus, dem Egoismus und dem Atheismus.
    Mir dagegen sind sämtliche Ismen in der Seele zuwider und teils
    sogar lästig wie Sackratten:
    Sind Ismen doch nichts als hysterische Übertreibungen von nützlichen
    menschlichen Anlagen ins Idealistische (Idealismus!) und dazu noch ins ganz
    und gar vermuffte Ideologische hinein. Dies Letzteres ist nicht anderes
    als das schiere Notzüchtigen einer Idee durch die Logik.
    „And that’s where the pain comes in…..“
    Atheimus gar ist krass unintelligent.
    Die überaus lebenstüchtigen Römer, als Mütter und Väter Europas,
    ahnten neben ihrem reichbevölkerten Götterhimmel noch einen
    unbekannten Gott. Pragmatisch gläubig wie sie waren, bauten sie Ihm
    einen Altar und opferten vorsichtshalber auch Ihm.
    Als Lebenskünstler, für den ich wohl gehalten werden kann, gilt für mich
    die reichlich schlitzohrige “ Pascalsche Wette „.
    Die ist von lebenskluger Pragmatik und kommt leichtfüßig daher,
    im Gegenatz zu plumpem, unfundiertem A-Theismus.

  137. Lieber Don A
    Dass Radek auftaucht ist schon originell, sein Lob von Albert Leo Schlageter, wegen seines Kampfes in der Ruhrbesetzung 1923 von der Französischen Verwaltung hingerichtet, ist wohl die Anknüpfung an seine völkischen Kontakte. Kürzlich lobte ein Forist die Rote Hilfe jener Zeit unter Aufzählung der prominenten Mitglieder aus Literatur und Kunst, schloss darauf auf einen „honorigen Verein“, vergaß aber die Vorsitzende zu erwähnen. Clara Zetkin…, die Stalin-hörig, darauf achtete, dass in der Vorfeldorganisation der KPD nichts aus dem Ruder lief.
    Aber eigentlich habe ich eine technische Frage: Kann ich über das Erscheinen des jeweils neuen Beitrags per Mail informiert werden, so wie beim „Reinheitsgebot“? Ich komme immer etwas zu spät mit der Lektüre.
    Wegen des technischen Aspekts muss das nicht zwingend veröffentlicht werden.
    Gruß vom Stadtrand nahe BER der failed City.
    BM

    • Herr Müller, wären Sie in Zeiten tempörer Untertechnisierung ersatzweise auch mit
      einer Information mittels Brieftauben einverstanden?
      Bitte wenden Sie sich an Ihre zuständige Brieftaubenvereinsdirektion!

  138. Teller aus der Yung-cheng-Epoche mit kapuzinerfarbenen Tönungen am Rande
    Vielen Dank für die Anregung, wiedereinmal das Buch „Farben und Wörter“ von Jacques Le Rider in die Hand zu nehmen, das ein Kapitel über Hofmannsthal und Van Gogh, Rilke und Cézanne, Proust und Vermeer: Wie die Dichtung von der Farbe lernt, enthält.
    Herr Le Rider vertrat 2001 übrigens auch eine eigenwillige Ansicht zum Anschluss Österreichs: http://derstandard.at/495142/Jacques-Le-Rider-veroeffentlicht-Das-Oesterreich-des-Herrn-Haider

    • Blümchen
      Die Damen sehen aus wie geschenkverpackt mit Dessous und Blümchen. Nicht der Blümchen, sondern die Blümchen.Sexistisch eben.

  139. Der frische Teint
    ….der porträtierten Dame erinnert ganz entfernt an Natale Schiavoni. Eine seiner Fantasie-Odalisken (1840) mit Turban zeigt ein ebenso gewollt künstliches Blush.
    Egal, ich kann mich irren. Wem es gefällt…..

  140. Was will uns Don sagen?
    Es kommt mir vor, als spiele da einer in seinem MaennerKinderzimmer mit den beiden KEN-Puppen Radek und Proust und schaeumt dabei ein wenig PrezioesenSaft aus sich heraus. Aber was will er uns damit sagen? Was hat das mit Gespraechskultur zu tun? Was hat das ueberhaupt mit Etwas zu tun?

    • Man muss sich drauf einlassen, um es zu verstehen
      Tja, ob ich das erklären kann?

      Es beginnt mit der Headline. Auf der Suche nach der verlorenen Gesprächskultur wird in Beziehung gesetzt zur Suche nach der verlorenen Zeit (A la Recherche du Temps perdu, Marcel Proust). Da letzteres siebenbändige Werk ein jahrelanger Spaziergang in Beobachtungen mit begleitenden Figuren ist, der letztlich in die Erkenntnis der Wichtigkeit von Kunst und Literatur mündet, kann man den Schluss ziehen, dass unser Autor hier (Don) davon ausgeht, dass es lang und mühevoll werden wird, wieder zu einer Debatte zwischen verschiedenen Lagern zurückzufinden.

      Monsieur Macron mag dabei hilfreich sein, weil er ein gebildeter Mann ist und ein Franzose. Setzt man das Französische in Kunst und Literatur vergleichend gegen das Deutsche, bemerkt man, dass es vor dem Blauen Reiter farbiger, genießerischer war. Das Deutsche war geradezu solitär in seinem Mangel an Farbe, Blau vor allem. Man vergleiche Liebermann und Renoir. Natürlich verwendete CDF (Caspar David Friedrich Blautöne, aber sehr melancholische, und Dichter wie Lasker-Schüler oder Trakl setzten das Blau für Sehnsüchte in der Dichtung ein.

      In Frankreich knallt das Blau ein Jahrhundert lang mindestens fröhlich von der Leinwand (Monet, Renoir, Cézanne, van Gogh, Signac, Seurat, Chagall, ja selbst die Armut bei Picasso kommt nicht als politischer Vorwurf mit aufgerissenen Mündern, sondern in edelstem Blau, hier aber melancholisch). Der oben erwähnte Rider (glückliche Einlassung) vergleicht das und sieht in diesem farbigen romanischen Zusammenhang, den man schon Jahrhunderte vorher bei Giotto, Botticelli, Leonardo und Zeitgenossen beobachtet, Proust angesiedelt.

      Man muss sich darauf einlassen. Es mäandert wie ein Fluss. Man/frau kann auch den Jakobsweg vollständig gehen und zurückkommen und seins für das Ultimative halten und alles andere niederschreien, vom Benziner oder Diesel über Kritik an alttestamentarischen Zuständen bis hin zur sorglosen, unbeschwerten Existenz des männlichen Wesens, aber nichts hat man/frau dann verstanden.
      Milan Kundera fällt auch ein: Die Entdeckung der Langsamkeit.

      Das Stück erweckt multiple Assoziationen über Proust. Nichts Böses steckt in diesen Zusammenhängen, Vergeudung manchmal oder Fehler, aber nicht das Böse der Bestimmung über den Nächsten, das unseren Grünen eingebrannt ist, oder das Anpassungsgenie eines Radek.

      Man kann sich darauf einlassen, dann versteht man’s. Inzwischen verstehe ich sogar das Radfahren, so wie es beschrieben ist, obwohl ich es gar nicht betreibe.


    • Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?
      Da dürfen Sie jetzt in Ihrem Schülerzimmer in sich gehen und grübeln.

    • @Oberländer - 1. November 2017 um 16:40 Uhr
      .
      /-Du coté de chez Oberländer –
      >>> Tja, ob ich das erklären kann?
      Sehr gut, um nicht zu sagen: Vraiment phantastique. Excellent.

      Herzlichen Dank

    • Fragen über Fragen
      Weshalb muss überhaupt etwas mit etwas zu tun haben? Weshalb sollte man eigentlich mit einander reden? Und dann auch noch so etwas wie Gesprächskultur entwickeln oder die gar vermissen?
      Besser gleich den Nahles machen.

      Nur interessehalber – ich will Sie keinesfalls in ein Gespräch verwickeln -verraten Sie bitte, wie man „PrezioesenSaft“ auf- oder „ausschaeumt“ und was darunter zu verstehen ist.

      @Oberländer …
      Sten Nadolny hat „Die Entdeckung der Langsamkeit“ geschrieben. Sie dachten an Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“.
      Aber das sind auch nur zwei Ken-Puppen Ihrer unnützen Belesenheit, die Sie hier ohne Not vorführen.
      Wozu lesen? schreiben?
      ;)

    • Thx
      Monsieur de H’eilbronn, ich danke für das Lob. Auch das Gewerbe ist geradezu liebevoll dargestellt, wenn man an Degas oder Toulouse-Lautrec denkt. Dieses Paris hielt sich lange, Georg Stefan Troller hat es noch beschrieben.

      Ohne zu Radeln beim Radfahren mitempfinden zu können, spricht sehr für das Talent unseres Autors, der auch mäandert, aber bayerisch, also oft hinterfotzig.

      Eine sehr gefährliche Entwicklung ist die Unterwanderung der amerikanischen Universitäten während Obamas Regierungszeit, die, wie alles Amerikanische, leider unverdünnt zu uns herüberschwappt. Der Antisemitismus jener Studenten ist geradezu beängstigend.

      Für die Verwechslung mit Kundera bitte ich um Entschuldigung.

  141. Die Originale
    Ich würde empfehlen, bevor ich mir die Original-Prozessprotokolle der Moskauer „Show-Trials“ anschaue, in denen gestandene Kommunisten, aber angebliche „Deutsche Agenten“, „gestanden“, seit 1932 im Auftrag der Gestapo unterwegs zu sein (die es erst ab 1933 gab), oder sich in Oslo zu konspirativen Besprechungen getroffen zu haben, und zwar in Hotels, die zum Zeitpunkt der angeblichen Treffen bereits seit Jahren abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden waren, die Rezension des völlig unverdächtigen amerikanischen Marxisten Max Shachtman von 1936 zu lesen (Link 1).
    Danach Originalprotokolle der Prozesse 1936, 1937 und 1938 (Link 2-4), einschliesslich der „Geständnisse“ Karl Radeks, der in der zweiten Prozesswelle 1937 „dran war“ und wie er im Schlußwort darum bittet, keine Gnade zu finden (Link 3).
    Damit bekommt man einen Eindruck, was ein Regime wie der Stalinismus anrichten kann.
    Man kann das natürlich vergleichen mit Adolf Hitler, der wie 26 Andere vor ihm vom gewählten Reichspräsidenten zum Reichskanzler ernannt wurde, von diesem jederzeit wieder abgesetzt werden konnte und deshalb vielleicht nicht als DIE grosse Gefahr betrachtet wurde.
    (Gefährlich wurde es, als Adolf Hitler durch Artikel 51 der Weimarer Verfassung durch Tod des Präsidenten zum Präsident und Kanzler in einem und dadurch faktisch nicht mehr absetzbar wurde*).

    Muss man aber nicht.

    https://is.gd/VHqTTU
    https://is.gd/LxjAu4
    https://is.gd/ZqjZBo
    https://is.gd/lIWTzG

    *:Artikel 51. Der Reichspräsident wird im Falle seiner Verhinderung zunächst durch den Reichskanzler vertreten. Dauert die Verhinderung voraussichtlich längere Zeit, so ist die Vertretung durch ein Reichsgesetz zu regeln.

    Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der neuen Wahl.

    • @ Thomas Marx, Stalinismus, Aufarbeitung, die ausdifferenzierte Gesellschaft von Proust bis Musil
      An ihre verlinkte Textsammlung wagt man sich kaum heran, irgendwie ist das auch alles bekannt.

      Vergleichen kann man – und sollte man – durchaus.
      Heute hält die Öffentlichkeit keinen „Nazivergleich“ aus (vgl. Erdogan über D ).

      Schon wegen der Unaushaltbarkeit der „Nazivergleiche“ verbietet sich eine dt. Führungsrolle in Europa.

      „Früher“ hielt bereits die akademische Linke kaum – im Sinne der Totalitarismustheorie – Vergleiche von Bolschewismus Faschismus aus.

      Im Westen hörte man die gut gemeinten Ratschläge…über Bücher die man liest und Bücher die man zitiert.
      Ja, die Aufklärung verschwand mehr oder minder lebensklug hinter der bürgerlich-üblichen Fassaden-Zimmerei.

      Die „Opfer des Stalinismus“ hatten sich abzuhärten vor der und in der ganzen linken, herrschenden „Dauer-Triggerei“.

      Nebenbei,
      die aktionistischen Anfänge von Götz Kubitschek waren Flugblätter gegen diese bräsige, moralische, kecklinke „Vorherrschaft“. Dieser Stachel ehrt ihn.
      Genauso, wie die Trotzkisten, die ich auf meiner ersten Demo in Hamburg verwundert kennen lernte (1000 Jahre her, gemeinsam gegen die Militärherrschaft in Polen).

      Später traf man noch spätintelligente, ehemalige Maoisten oder ehrbare, volksfromme Linke und bekam die Ausdifferenziertheit der bürgerlichen Gesellschaft vermittelt….auch die der Proust-Leserinnen, die gescheit in den Kunsthallen wandelten und deren Männer zumeist das Geld verdienten.

      Da las ich dann doch lieber und auf Dauer den Mann ohne Eigenschaften zu Ende, der nicht sicher wahr, was gerade in Wien angesagt war, ob er Deutscher oder gar Österreicher sei.
      Heute ist statt des Weltbürgers mehr der Europäer angesagt.

      Trotzdem, Kommunismus & Co waren, bei allen Bemühen um „akademische“ Distanz (wie hier in meinem eigenen Stalinvergleich vor und nach 1945 im Blog), keine Alternative.

      – Die „Notration“ Marx gegen die – eventuelle – Plutokratie als gesellschaftlichen Fallrückzieher hier nicht ausgepackt.

      „Aufarbeitung“ des Kommunismus fand nach 1990 im vergleichbaren antitotalitären Sinne wie zum NS nicht statt.

      „Fragebögen“ dazu hätte man sich, statt der Lerngruppe „Gysi“, schon vorstellen können.

      Inzwischen, man kennt sich und die Menschen und die Gnade/Ungnade der späten/zu frühen Geburt ein wenig, weiß man, Aufarbeitung ist Konservation, ist Plaudern, wenn man Glück hat.

      Meistens wird eh aneinander vorbei geredet.

      Aufarbeitung funktioniert womöglich nur medizinisch-individuell. Ansonsten ist es wohl die Auswechselung von Geschichtsbildern unter viel Psycho-Nebel.

      Aber, auch das kann dem friedlichen Zusammenleben dienen. Wenn es nicht in sein Gegenteil umschlägt.

      Dann müßte man Bolschewisten wieder Boschewisten nennen. Mit Sibylle Berg ist ein notwendiger Anfang gemacht. Geistige Bücherverbrenner sollten auch mit spätpubertären Salonbolschewismus samt befreiter Sexualität nicht durchkommen.

      Herr Thomas Marx Dank für die Rechtsstaatsbeispiele unter Stalin incl. des Falles Radek.

    • Gesprächskultur der besonderen Art
      Baldur Jahn: „An ihre verlinkte Textsammlung wagt man sich kaum heran, irgendwie ist das auch alles bekannt“

      Ne ne, lassen Sie mal stehen. So bekannt ist das keineswegs

    • Gute Quelle
      Gute Empfehlung. Das Schlußwort von Radek in seinem Prozess habe ich gelesen und diesen Text verglichen mit seinem „Schlageder-Artikel“. Vom Stil und der Denkbeweglichkeit her betrachtet, ist durchaus vorstellbar, dass er seine Selbstanklage tatsächlich auch selbst verfasst hat. Alles schwungvoll geradezu ironisch geschrieben. Überhaupt ist bei den Schilderungen der russischen Säuberungen (auch bei „Archipel Gulag“ von AS) ihr grimmiger Humor auffallend. Das bürokratische Setting, das dieses Protokoll hervorgebracht hat, ist sehr seltsam und macht verständlich, dass ein Hauptargument Trotzkis gegen den Stalinismus dessen Bürokratismus gewesen ist.

  142. @kdm Lyrik, Lenin und Wahrhaftigkeit und Proust
    Nix gegen Lyrik.
    Im Zweifel auch mit den Liebesgedichten von Brecht.

    Wegen der Wahrhaftigkeit sollte man aber schon ein wenig darauf achten, ob die Lyriker nicht auch Lenin entsichert im Wort-Halfter tragen.

    – dann schon lieber gegen Hacks und Brecht : Proust!

  143. Wenn nun Emil Jellinek seinem Töchterchen statt ....
    …Mercédès Adrienne Manuela Ramona Jellinek, den Namen
    Erna Adrienne Manuela Ramona Jellinek
    gegeben hätte, dann hätte Karl Kling 1952 die Carrera Panamericana auf einer Erna 300 SL gewonnen
    und Don wäre ebenfalls auf einer Erna unterwegs… auch hübsch.
    http://www.racing-history.de/blog/wp-content/uploads/2012/11/52147-23.jpg

    http://www.racing-history.de/blog/?p=5831

  144. a paradise for whom?
    Fanatics have their dreams, wherewith they weave
    A paradise for a sect; …

    (John Keats. «The Fall of Hyperion – A Dream», Canto I; 1819)

  145. sub rosa
    Keine Frage!

  146. Allerheiligenbeitrag
    Zu Allerheiligen habe ich zufällig in meiner Plattensammlung nach gefühlten Jahrzehnten die 4 Non Blondes „Bigger, Better , Faster, More“ wiedergefunden. Eine kaum gealterte Platte, auch nach den vielen Jahren. Ich habe wohl erst jetzt mitbekommen, daß die richtig guten Rock’n Roll machen… Damals, also 1992 als wir die Kassette auf einem Trip durch den Mittleren Westen als Dauerbeschallung im Auto hatten, schien man schon viel weiter zu sein als heute. Kommt das jemandem vielleicht bekannt vor?? Wem das ebenso scheint wird dann vielleicht auch der Meinung sein, daß man sich viele gegenwärtige Diskussionen eigentlich schenken könnte.

    Also falls das Wetter, Nachrichten oder sonstiges zu sehr auf die Stimmung schlägt mein Ratschlag: Titel 8 „Calling all the people“ bei voller Lautstärke kräftig mitsingen!

  147. Kritiker
    Don Alphonso ist oft Herrn Radek ähnlich.

  148. Es ist furchtbar
    Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland hat sich verdoppelt

    30.000 abgelehnte Asylbewerber sind nicht aufzufinden

    Jung, unbegleitet und im Visier von Islamisten

    Frau Merkel, Grüne, Rote, danke vielmals. Wir freuen uns auf eine schaffende Zukunft.

    • Schutzsuchende oder Olympioniken?
      Für Schutzsuchende, Migranten, Flüchtlinge wie für
      Rassisten und Sexisten gilt nur das Eine:

      Hauptsache man ist dabei. Man sollte die Veranstaltung
      dem IOC übertragen.

    • 30.000 abgelehnte Asylbewerber nicht auffindbar
      das kann bei ein paar Millionen Flüchtlingen schon einmal vorkommen. Das liegt so ungefähr im 1%-Bereich (nein, nicht dem der HA-Rocker & Co, die nehmen nur richtige Männer temporär bis zu ihrer Endstation Friedhof auf). Einfach statistisch sind die wohl unter die Meßbarkeitsgrenze gefallen. Und bei eine großzügigen Auslegung der deutschen Promillegrenzen sind dieselbigen ja sowieso offen.

      Nein, Scherz beiseite und im Ernst. Die sind nicht abgetaucht, sondern stärken ökonomisch betrachtet die Schattenseite der Volkswirtschaft. Im besten Fall putzen sie vielleicht bei unserer Berliner Dekadenz. Ja, die Nähe zur Macht …

  149. Ein Daimler names Adolph
    hätte man dann doch nicht gewollt.

    Aber der Adam aus Eisenach fährt hier häufiger herum, warum sollte es keine Erna (vielleicht eher Michelle) geben, gendergerecht gefertigt von weiblichen Werker~innen und konstruiert von Ingeneurinnen.

    Gruss
    M

  150. ARD ZDF und Geprächskultur
    Jetzt ist sogar schon Döpfner vom Springer Verlag fast ein rechtspopulist, wenn man der „Frankfurter Erklärung „“ glauben schenkt.

    Ich bin fest davon überzeugt, die lesen hier nicht mit.

    Ich weis nur noch nicht ,ob ich die bemitleiden oder verachten soll.

    Beste Grüße aus der Haupstadt.

    Leider habe ich die Erklärung nicht im Wortlaut finden können und muss mich auf das veröffentlichte Zitat beziehen.

  151. auf der Suche nach der verloren gegangenen Gesprächskultur
    war schon Hans Fallada und er hat mich

    • Kultivierung des Gesprächs
      Oder auch Gesprächskultur.Das setzt ein sich Zeit nehmen voraus.
      Und die sich genommene Zeit auch seinem Nächsten zu gönnen.
      Wie soll das denn statthaben? Wo doch Alle andauernd vor einander
      automobil fort fahren, aeromobil auseinander fliegen und auf
      seegängigen Supermärkten auf den Weltmeeren herumschwimmen?

      Was sollen denn die Teinehmer dieser gigantischen Mobilitätsindustrie
      gesprächsweise miteinander anderes austauschen als das allerbanalste
      „hier und jetzt“, welches grausam beschränkt ist, durch den drögen
      Rahmen, innerhalb dem das „Vergnügen“stattfindet.
      Mit Reisen, wie es den Leuten früher noch vergönnt war, hat die
      hochorganisierte Reise/Beherbergungsindustrie nichts mehr zu tun.

      Sie ist auch der Tod jeder Gesprächskultur. Mehr als in gehetztem
      Ton symbolische Codes austauschen ist nicht mehr drin.

      Sorry, das geht an des Dons eigentlichem Anliegen, literarisch-politische
      Gesprächskultur betreffend, etwas vorbei;
      So sieht es aber im praktischen Leben aus.

    • @ Rudi Meergans
      War das eine Antwort?

      Ich hab vor ein paar Tagen rauchend in einem Café in – istegal – gesessen und einen „eastern coffee“ sprich: einen türkischen Mokka, der dort bloß nicht so genannt wird, getrunken. Es war zu laut und also schlecht ausgesucht; aber ansonsten war es genau das, was es brauchen würde – so zum über-eine-Verlegenheit-hinweg-Plaudern. Was ich zu erzählen hätte, während ich an einem ordentlich nach Desinfektionsspray riechenden Tisch sitze und mich an einer Apfelschorle festhalte und von Neonleuchten angestrahlt fühle, weiß ich nicht – wenn man sich nicht mal in Gesprächspausen beschäftigen kann. In so einer Situation gibts dann halt maximal Sonjas Rapport und damit basta. Es sei denn, man hat sich ohnehin nichts zu erzählen, was den anderen in Verlegenheit setzen könnte!

      Aber – Fortschritt sei Dank – gibts ja nun keine verrauchten, dunklen Cafés mehr, der Likör zum türkischen Mokka (den es auch nicht mehr gibt, es gibt bloß noch Espresso und einen billigen Keks dazu) würde scheel beäugt und vom Tortenstück glatt noch die Kalorien gezählt. Statt eines Schirms hinge nämlich ein Fahrradhelm von der Garderobe!

      Handschriftlich wird auch nichts mehr erzählt. Was soll man machen; ich hab das nicht zu verantworten.

  152. von vorne, sorry, zu früh abgeschickt
    Auf der Suche nach der verloren gegangenen bürgerlichen Gesprächskultur war schon Hans Fallada und zu meinem Entsetzen hat er sie gefunden (besser: er hat gefunden, dass es sie nie gab):

    Er lässt seinen Protagonisten Pinneberg, einen ehrlichen und guten Verkäufer von Herrenmode, als Typen von einem guten Schauspieler porträtieren. Dieser stellt also regelmäßig „einfache Menschen“ dar; und zwar mit Herz und Verstand. Pinneberg meint in seiner Einfalt, das sei auf das Einfühlungsvermögen – und nicht etwa auf das Nachäffertalent – des Künstlers zurückzuführen. Im übrigen steht er (Pinneberg) unter absurdem Erfolgsdruck, der wiederum nur aufgebaut wird, weil sich sein jüdischer Arbeitgeber durch antisemitische Sprüche an der Klotür angefeindet sieht und deshalb eine Möglichkeit sucht, seine Angestellten jederzeit unter einem anderen, einem „objektiven“ Vorwand entlassen zu können.

    In dieser Situation kommt der Nachäffer-Schauspieler zu Pinneberg und erwägt den Kauf eines teuren Anzugs. Er lässt sich mehrere zeigen, bis Pinneberg schließlich die Nerven verliert und sich erniedrigt den vermeintlich mitfühlenden Künstler anzuflehen, doch einen Anzug zu kaufen, damit er gegenüber seinem Arbeitgeber sein Verkaufssoll erfüllt. In dem Moment lässt der Nachäffer natürlich seine Maske fallen, die er ja nur aufsetzt, um damit Geld zu verdienen und sich zu spreizen.

    Pinneberg ist demoralisiert. Und da er auch noch denunziert wird, entlässt ihn sein jüdischer Arbeitgeber (ohne sein eigentliches Problem zu lösen; denn die Klotürenschmierer sind einfach Neider von Pinnebergs Talent, trotz der Wirtschaftskrise immer noch respektable – wenn auch natürlich nicht die „vorgeschriebenen“ Verkaufszahlen zu bringen).

    Am Ende wird der arbeitslose Pinneberg – weil kragenlos – vom Polizisten vom „BÜRGER-steig“ gejagt; er möge auf der Straße gehen.

    Mithin: Der Bürger will die Realität der anderen bloß nicht zu nahe an sich herankommen lassen; er WILL NICHT REDEN. Die virtuelle Realität ist geradezu perfekt für ihn; da können Nachäffer anderer Menschen Sorgen simulieren und der Bürger simuliert dann seinerseits recht preisgünstig etwas Mitleid; und damit erkauft er sich sein gutes Gewissen, Ende der Geschichte! Der Ablasshandel!! Denn eines kann er nicht, der Bürger: Dazu stehen, dass er die Pinnebergs und Lämmchens im Grunde seines Herzens überhaupt nicht leiden mag und sich in Wirklichkeit gar nicht mit ihnen abgeben, gar menschliche Verantwortung für sie übernehmen möchte. – Da ist mir offene Ablehnung schon lieber …

    Ich hab das Buch mit Anfang 20 gelesen und mir wurde schlagartig klar, dass Fallada, depressiv und drogensüchtig wie er war, recht hatte. Und ich hab danach immer weniger gelesen; jedenfalls von Leuten, von denen ich sofort merkte, dass sie womöglich auch recht haben könnten.

  153. auf der Suche nach verschwundenen Bildern
    Nur 2 Sätze aus der heutigen Papier-SZ ließen mich
    an Sie, Don Alphonso denken.
    Es geht um Gurlitt und seine Bildersammel-Leidenschaft.

    Der eine (Halb-)Satz lautet:
    “Nur kehrte er eben abends außer* zu Frau und Kinder
    > auch zu Werken von Renoir oder Monet heim“,
    (*streiche „außer“ und denke „anstatt“)
    Der zweite Satz:
    „Wie die deutschen Behörden übernimmt auch die
    Ausstellung reflexartig die Täterperspektive.“

    In Anbetracht Ihrer Neigung zum Bildersammeln
    und ihrer Gabe hinter die Kulissen zu schauen,
    kam mir der Gedanke, dass aus ihrem Kopf (+Herz)
    eine Geschichte für den Nicht-Nazi Gurlitt
    vielleicht etwas werden könnte.

    (Vielleicht gab es ja früher einen ebensolchen Sammler)

  154. Literaturempfehlung
    Unbedingt lesen
    Wer es nicht kennt und dem diese äußerst anregende Radek-Gesprächsrunde auch so angenehm ist, sollte unbedingt von Platonow „Die Baugrube“ lesen, aber nicht die Ausgabe von Suhrkamp, sondern die Ausgabe von Volk und Welt 1988. Geniales Buch und für jeden Leser mit Sprachempfinden ein ganz außergewöhnlicher Leckerbissen!. Leider ist das Buch nur gering aufgelegt und schwer zu haben. Ich hatte es aus der Bibliothek.

  155. Sirisee sagte am 31. Oktober 2017 um 13:58 Uhr...
    …u.a.: „Die Zuwanderungskatastrophe wird unweigerlich schlimm enden, und wenn die Trümmer einmal abgeräumt sind, wird von den Überlebenden keiner bei den Bahnhofsklatschern dabei gewesen sein, niemand bei der Merkelei mitgemacht haben…“

    Aus mündlichen Überlieferungen wird glaubhaft berichtet daß bei einer von den Briten und Amerikanern am 9. Mai 1945 initiierten und durchgeführten Blitzumfrage mit eintausendzweihundertfünf zufällig ausgewählten Restdeutschen eintausendzweihundertzwei angaben, im März 1933 bei den letzten offenen Reichstagswahlen NICHT die NSDAP gewählt zu haben. Zwei Befragte konnten sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern und einer verstand die Frage nicht (*Augenzwinkern*).

    • Sie werden lachen:
      die hatten auch alles Recht der Welt, im März 1933 NSDAP zu wählen. Soetwas nennt man nämlich „Demokratie“. Was hinterher daraus wurde und zwar unter tatkräftiger Mithilfe der Alliierten, konnten dieses Volk von 1933 schliesslich vorher nicht wissen.

      Sie hinterher dafür im Sinne einer retroaktiven Justiz zu kriminalisieren, das verstösst gegen das Völkerrecht und gegen die Europäische Charta der Menschenrechte (abgesehen davon, dass es auch heute noch kein Gesetz gibt, das einem Volk verbietet, sein Wahlrecht auszuüben):
      “ No one shall be held guilty of any criminal offence on account of any act or omission which did not constitute a criminal offence under national or international law at the time when it was committed.
      Nor shall a heavier penalty be imposed than the one that was
      applicable at the time the criminal offence was committed“.

    • Eintausend Daumen nach oben !
      Einfach herrlich und brilliant!!!
      Der hässliche, unehrliche Deutsche, alias Gutmensch !
      Immer dabei, im Hauptstrom und dann,flugs die Fahne gewendet, wenn der Wind sich dreht.

  156. Gesprächskultur braucht Gesprächsstoff
    Für eine Gesprächskultur braucht es auch etwas, worüber man sprechen könnte. Da böte sich derzeit ja so einiges an, etwa, dass Allerheiligen das neue Silvester zu werden droht. Aber über die kleineren Vorkommnisse der letzten „Feier“tage in Essen (Hbf geräumt, so etwas gab es meines Wissens noch nicht mal bei Fußballfan-Krawallen), Köln, Hamburg und Berlin sollte man keinesfalls – gar im Zusammenhang (!) unter Nennung von „Roß & Reiter“ – in einer großen überregionalen Zeitung oder im Radio oder Fernsehen berichten, das geht gar nicht und versaut die Festtagsstimmung, immerhin sind Herbstferien. Einbeziehen in die Nicht-Berichterstattung muss man auch Unna, denn da war es das ganz normale Neubürger-Gehabe auf einer Kirmes, so ist das halt heute im bunten Herbst. Auch den Überfall am Münchener Ost-Bhf. (da kann man den Täterkreis allerdings nur böswillig unterstellen, könnten auch Neonazis oder Antifanten gewesen sein, klingt aber irgendwie nicht so) und die Schlägerei unter Eritreern am Münchener Hbf. (die Dealer dort kenne als Pendler mittlerweile sogar ich zT vom Sehen…) oder gar die Vorfälle in der Berliner Polizeiakademie sind eindeutig nicht relevant für die großen Zeitungen mit rühmlicher Ausnahme der Welt. (links erspare ich mir, für das Ruhrgebiet ist die rp-online immer wieder hilfreich). Da reden wir doch lieber mit der Bild-Zeitung darüber, dass in Köln ein Mann vor einen einfahrenden Zug gepinkelt hat, da ist beim Nachmittagstee einfach entspannender. Oder mit der ARD über die homeless people aus ganz Europa, die Berlin bevölkern und auch versorgt sein wollen – ausgewogen wird der Bericht über das tatsächliche (!) Problem natürlich nur durch ein Interview mit einer Dame von den Linken.
    Lieber Goodnight, Ihr Pessimismus steckt mich langsam an. Der Zug scheint mir führerlos durch die Nacht zu fahren und irgendwann sind die Gleise halt zu Ende…
    Der Rest ist Schweigen.

  157. @BlackBlacky: Blitzumfrage am 9. Mai 1945?
    O du liabs Herrgöttle von Biberach! Hilf! (*Augenzwinkern*).
    Am 9. Mai 1945 war die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
    Eintausendzweihundertfünf ausgewählte Restdeutsche wollten nicht ins Internierungslager!
    Na sowas!

    • Blitzumfragen
      führen tatsächlich mitunter zu erstaunlichen Ergebnissen. Hätte man Ende 1989 eine Blitzumfrage unter den Noch-DDR-Bürgern gemacht wären wahrscheinlich knapp 17 Millionen Widerstandskämpfer die Folge der urplötzlich läuternden Befragung gewesen. Oder umgekehrt nach einem hypothetischen Durchmarsch der Russen im Kalten Krieg wohl ca. 80 Millionen Sympathisanten sozialistischer Konzeptionen auf der anderen Seite der dann ebenfalls offenen Grenze.

    • Im Januar 1945
      wurde der Treck mit dem meine Schwiegermutter aus Schlesien fliehen musste von den Russen überrollt. Sie verschonten weder die 8jährigen Mädchen noch die 80jährigen Großmütter. Besonders grausam aber waren sie zu denjenigen welche sich als Kommunisten zu erkennen gaben…

  158. Linke, mangelnde , Gesprächskultur läßt Jamaika wackeln .
    .
    .
    .
    Je nachdem, welche ÖR-Hofberichterstattung man bevorzugt , ARD oder ZDF , (man nennt das Meinungsvielfalt ) ,

    kommt die Sondierung langsam voran,
    oder ,

    es gibt Knatsch unter den versammelten linken Parteien,
    vornehmlich die lieben Kleinen,

    Keine-Obergrenze-FDP und Zerstört-Deutschland-GrünInnen , werfen sich herbe Worte an den respektiven , hohlen Kopf.

    Horstl hat ja schon alle Hosen runtergelassen, DAS wird ein Schlachtfest bei der Landtagswahl in Bayern ,

    Ochsenbraterei, und der Ochs ist die CSU .

    Ein im Prinzip recht passendes Bild.

    Aber jetzt spielt die FDP auf einmal Ideologie , sonst nur der Heiligung der warmen Sessel verschrieben,

    streiten sie mit den Grünlingen.
    Es wird wohl um das Ende des Verbrennungsmotors in D gehen , das muß man sich vorstellen,

    wieder treibt diese Randpartei aus K-Grüpplern die Bürgerlichen und das Land vor sich her.

    Mit Merkel kann man’s machen.

    Mit Merkel kann man alles machen, wußte schon ihr Führungsoffizier, weiß Soros, weiß jeder, der zuhört.

    Nach allen, von mir als Verschwörungstheoretiker bezweifelten, Studien wollen die Deutschen in der Mehrheit Jamaika.

    Habt ihr eine Ahnung, was das heißt ?

    Habt ihr überhaupt eine Ahnung, armes Schlachtvieh ?

    Naja, noch wird gestritten , und DIE Einheitspampe, die da herauskommt,

    ist auch als Produkt ganz anderer Öffnungen bekannt .

    Ich habe es vor der BTW vorausgesagt, Merkel wird ,,alle demokratischen Kräfte“,

    also den ganzen Misthaufen, als Steigbügel einladen,

    und sie werden ,

    sich ihrer Verantwortung für das Staatsganze bewußt , dem Ruf zum

    Trog sich nicht entziehen.

    Und wir haben den Salat .

    Wahrlich, ich DANKE für mangelnde linke Gesprächskultur ,

    damit dauert die eitrige Wunde ein bissl länger,
    und die

    Blutvergiftung kommt noch nicht gleich.

    • Klartext mit barocker Wortgewalt.
      In IhremText, Herr Moser, kommt die Beschreibung der real existierenden
      Sachlage in der wuchtigen Sprache von Abraham a Sancta Clara daher.
      Dafür meinen herzlichen Dank, denn es macht mir Mut zu wissen, daß
      die misogyne Bigotterie der Muslimisten am barocken bairischen
      Lebensgefühl zerschellen muß.
      Die verzweifelten usbekischenBauernsöhne, die sich nur noch mit wildem,
      mörderischen Haß zu helfen wissen, teilen eine gewisse mentale Schnittmenge mit den gefaketen „Ökopolitikern“ im Regierungsslum B
      und mit uns, welche die reale ökologische Sachlage umtreibt.

  159. Lieber Dauergast, 1.11.1 UhrX
    Nostalgieren malt gern schön.
    So ganz idyllisch war es um die Diskursfähigkeit „damals“nicht bestellt.
    Die fand immer schon in einer Art präislamischem Mentalklima statt.
    Religion halt, dieses hirnverschwurbelnde Opiat.
    Sogar der Expapst Benedetto redet mal von „Pathologischen Formen,
    welche Religiosität annehmen kann.“

    • @Rudi Meergans
      Ja, ich seh es heute nur noch von außen, da wirkt das homogener und dümmer.
      Es war eine breite Palette von Leuten, die größten Unsympathen waren die Israelkritiker aka Antiimps. Antifa war durchwachsen. War teilweise einfach eine eigene Hooligankultur, die Jugendzentren verteidigt hat gegen waschechte Nazis. Welche halt den unschönen Teil der Subkultur verkörperten und häufiger mal von sich reden machten, indem sie irgendwelche Parties von harmlosen Zivilisten terrorisierten. Umsonst Alkohol tanken und dann irgendwelche Teenager zusammenschlagen weil die Haare zu lang sind und all so was. Solchen Leuten Lokalverbote zu vermitteln ist dann auch was anderes als der Nachbaroma die Gartenzwerge zu zertrümmern weil alte Leute ja so rechts sind. Oder was auch immer die kleinen Arschgeigen heute für Antifaschismus halten .

  160. Pathologische Formen ...
    welche Religiosität annehmen kann …
    @Rudi Meergans
    Einmal in Istanbul, während der Ramadan-Zeit, besuchte ich traditionsgemäß eine Moschee, wo die wollene Jacke von Muhammed ausgestellt wird. Die Aufbewahrung der Jacke ist in der Verantwortung einer Familie, die in Istanbul lebt, aber deren Vorfahren arabischer Herkunft sind. Veysel Karani hat Muhammed seine Jacke geschenkt, als Zeichen für seine Anerkennung für die Gläubigkeit von Karani. So besucht man jedes Jahr zum Ramadan die Moschee, wo diese Jacke von Muhammed von der Karani Familie ausgestellt wird.

    Männer und Frauen haben getrennt Einlass. So warteten wir mehr als eine Stunde, bis die vom Islam als Gipfel der Schöpfung betrachtete Männer ihre Aufwartung gegenüber der Jacke Muhammeds absolviert hatten. Dann wurden wir Frauen reingelassen. Es gab einen riesigen Gedränge. The crowd wurde unruhig. Plötzlich bemerkte ich einen Druck von der Menschenmenge von hinten. Eine ältere Frau neben mir wäre fast auf den Boden gedrückt, hätte ich sie nicht vor mich gerissen und kräftig und sportlich wie ich bin, den Druck von hinten gegen gewirkt. Dabei dachte ich mir schon während der Wartezeit, was zum Teufel ist diese ganze Hysterie nur um ein Jäckchen von Muhammed zu sehen. Die Frauen schrien, weinten, waren zum Teil ganz außer sich und rannten rum …

    • Lieber Herr Meergans
      Ich habe es auch nicht so interpretiert oder interpretieren wollen, hatte auch keinerlei Absicht es so zum Verstehen zu geben, dass dazwischen einen Zusammenhang gäbe. Ich war bloß überrascht von der Stärke des Bebens hoch oben auf den Bergen …
      Ansonsten, bin ich natürlich Ihrer Meinung bzgl. der Allmächtigkeit.

      Aber die Jacke ist insofern echt als an der Echtheit nicht gezweifelt wird, soviel ich weiß, wurde ob der Echtheit wissenschaftlich geprüft. Vor ein paar Jahren haben sogar eine Gruppe von deutschen Experten, die Jacke gründlich bearbeitet.
      Noch eine Sache möchte ich erwähnen, mit der Bitte an Sie, es mit innerer Gelassenheit zu lesen …
      Als Islamkritikerin bin ich nicht immer mit Ihrem Stil des Kritisierens einverstanden, da ich hier und da, bei Ihnen eine pauschale, alles pauschal stigmatisierende Haltung der generellen Respektlosigkeit gegenüber Islam sehe. Klar ist die Religion enorm reformbedürftig, dies zu sagen ist eine Sache, Ihr Ton ist aber ein anderer.
      Wie auch immer, wir verstehen uns und verbleiben im Donschen Sinne im Gesprächskultur 😀 und mfG …

  161. Als ich das vorherige ...
    Kommentar schrieb, ist ein Erdbeben in Tirol passiert …

    • liebeEl.Pe.
      Seien Sie, um Gottes Willen vorsichtig mit Ihren Gedanken.
      Eine etwas unfromme Bemerkung über eine,allerhöchstwahrscheinlich
      Fakejacke,des Propheten— und ein darob ergrimmter Allah läßt
      im Tirol die Erde wackeln, daß es
      ein Graus ist.
      Mich hat es schon immer maßlos gewundert, daß der allmächtige
      Gott ständig allzumenschlichen und damit hormonell gesteuerten
      Reaktionen unterliegen soll.
      Wo bleibt da die Allmacht? Wo die göttliche Souveränität?
      Ein Gott mit geschwollener Zornesader, der kein Verständnis
      für Fehlverhalten von Ihm geschaffener Kreaturen aufbringen
      kann, der ist keiner.
      Statt andauernd leeres Stroh zu dreschen(islamische Theologen
      gehen mit leerem Stroh besonders „kreativ“um), sollte sich
      die Theologie mal mit diesen Fragen beschäftigen.
      Mit herzlichen Grüßen!

  162. sub tilia
    Schon wieder tat il cuore weh
    diesmal im Park von Lednice

    REDEN WORÜBER?

    über
    romantische Paradiesvorstellungen bei den alten Uiguren über britische Dichter div. Jahrhunderte bis zu H.N.(Like Lovers Do) und Carmel-by-the-Sea?
    (vegetarische) Rezepte für gefüllte Paprika mit Paradeissoß?
    die größte Krise des weltweiten Journalismus seit Erfindung der Tontafeln?
    Selbstmitleid und allerlei Arten von Vergeudung?
    böse Bürger?

    Fragen über Fragen!

    Die Große Viktorianische Sammlung von Brian Moore fällt mir noch ein und der Sammlersammler.

    Er ward begraben und verdarb,
    die Burg zerfiel, doch wo er starb,
    steht heute eine Linde.
    Da raunen noch die Winde.

  163. Butt und Grimbart
    Dem ist doch nichts hinzuzufügen.Die haben nicht mal 10% und wollen uns allen ihre Meinung aufdrücken…

    ht tp://www.focus.de/politik/deutschland/tagebuch-von-helmut-markwort-die-gruenen-haben-das-fluechtlingsproblem-nicht-begriffen_id_7801077.html

    Ich habe es hauptsächlich wegen des Fotos verlinkt und bin nicht eingeschnappt, wenn Sie es nicht möchten, Don.

    • Wer cheisse wählt kriegt cheisse!
      Auch wenn es nicht mal 10% sind. Normiert auf alle Wahlberechtigten sind es gar nur 6,7%, die aufdrücken. Unter Zuhilfenahme des ÖR-TV und aller angeschlossenen Funkhäuser, für die die Flüchtlingsproblematik und unbegrenzte [sic!] Aufnahme von „Schutzsuchenden“ immer noch reine Folklore ist. Namentanzen nach Trommelschlag im Kreis, zusammen mit den Ankommenden, incl. Tropenhut und Lendenschurz (so stelle ich mir das halt bildlich vor, Kopfkino, kann nix für…).

  164. Etwas off topic aber
    welche Meinungen man hat wird schon arg davon bestimmt, was man zu lesen bekommt, so dass evt.doch ein Zusammenhang ist. Jetzt las ich erstmalig anlässlich der Publikation von Bin Ladens tagebüchern durch die USA davon, dass der Iran Al Qaida in etwa ähnlicher Weise zumindest indirekt (als Rückzugrsraum zB) unterstützt hat wie die DDR seinerzeit die RAF.
    Was also unberechtigt Saddam Hussein vorgeworfen wurde, hätte in Bezug auf den Iran sogar seine Berechtigung gehabt.

  165. Es ist noch kein Goethe vom Himmel gefallen
    Gesprächskultur gibt es wohl nur noch in kleinen Zirkeln und Debattierclubs.

    Was der Danisch da beschreibt, ist das Ergebnis einer sehr begrenzten Weltsicht und daraus folgender Vereinfachung, die regelmäßig diktatorische Züge annimmt. Man geht den Dingen nicht mehr auf den Grund, man fängt mittendrin an und verliert mangels Grundlagen sehr schnell jegliche Bodenhaftung. Und damit das nicht jedem und sofort auffällt, flüchtet man sich nur zu gerne in die Floskel von der Komplexität, die ja schließlich nur deshalb existiert, damit man nicht wirklich argumentieren und begründen muß, was man so vor sich hin plappert.

    Allerdings und leider ist das aber nicht nur ein Problem der Medien, sondern auch der Politik und letztlich der gesamten Gesellschaft. Die Wurzel des Übels ist eben, daß den Wurzeln kaum noch Beachtung geschenkt wird.

    Bei Dogmatikern weiß man wenigstens, was da auf einen zu kommt. Bei Dampfplauderern ist man dagegen nie vor Überraschungen sicher. Wissen allein ist eben nicht gleich Bildung, aber so ganz ohne Wissen wird es mit der Bildung dann doch recht schwierig.

    Ob der Niedergang der Printmedien allerdings hauptsächlich auf eine Veränderung ihres Niveaus, in erster Linie wohl durch Sparen am falschen Ende verursacht, zurückzuführen ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. Denn mir scheint das generelle Niveau der Gesellschaft doch arg gelitten zu haben, so daß diese Entwicklung nicht ausschlaggebend sein dürfte. Vielmehr sehe ich den Grund im überbordenden kostenlosen Angebot für jeden Geschmack im Netz. Den Printmedien geht es da wie dem stationären Handel und sie sollten sich auf qualitativ hohem Niveau gesundschrumpfen. Die Wiese für Massenmedien a la BILD ist doch längst abgegrast. Die Zeiten, als Qualitätsmedien von vielen auch bzw. nur als Statussymbol gehalten wurden, sind Geschichte.

  166. OT: Anmerkung zu "Worauf können die Europäer stolz sein?" http://www.faz.net/-gqz-93h0j
    „Dagegen weckt der Kommunismus, eine verbrecherische Idee, die Dutzende Millionen Menschen das Leben gekostet hat, bei den Ausstellungsmachern deutliche Sympathien.“

    Auch wenn der Beitrag von einem Polen stammt und angesichts der polnisch-russischen Geschichte, das kommt einer Disqualifikation gleich. Sicherlich kann man über die Idee des Kommunismus geteilter Meinung sein, aber wenn man russische und sowjetische Realitäten mit Kommunismus gleichsetzt, dann paßt das einfach nicht. Darüberhinaus muß man sich dann wohl die Frage gefallen lassen, wieviel Menschenleben der Kapitalismus gekostet hat und weiter kostet – Sekunde für Sekunde.

    Ansonsten, ich war noch nicht dort, scheint es sich um eine Ausstellung auf dem heute üblichen Niveau zu handeln, mit heißer Nadel von völlig überforderten Menschen am Thema vorbei gestrickt. Und überhaupt, sollte Werbung für Europa nicht eher positiv sein?

    • Stellen Sie sich lieber die Frage....
      … wievielen Menschen der Kapitalismus geholfen hat.
      Erwähnen nur den Rückgang der Kindersterblichkeit weltweit und Rückgang des Hungers, auch im Umweltbereich kommt es im Kapitalismus voran, im Gegensatz zu Sozialismus jeglicher Spiellart.
      Aber ja, das ist ja die Position von Linken, Kommunisten, alles was wir bisher in diesem Bereich erlebt haben, war halt kein richtiger Sozailismus, lasst es uns nochmal versuchen.
      Mensch, wie bescheuert muss man eigentlchi sein, man muss ja nur kurz nach Venezuele schauen, aber das ist ja wohl zuviel verlangt !

      So, jetzt dürfen Sie sich noch die Frage stellen,wieviele Menschenleben die Religionen auf dem Gewissen haben, durch Verhinderung von Geburtenkontrollen.


    • Sorry, FJ45, daß ich so bescheuert bin. Daher mache ich es kurz und freundlich. Wir haben einen total unterschiedlichen Blick auf die Realität und bevor wir uns da näher kämen …

      Dies ist einfach nicht der richtige Ort dafür.

  167. Mit wem wollen Sie sich denn nun vergleichen?
    Mit Marcel Proust oder mit den Opfern Stalins? Beides wäre gleichermaßen unangemessen.

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