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Die deutsche Armut und die reichen Italiener

24.03.2013, 21:34 Uhr  ·  Bei nur 51.400 Euro liegt das Vermögen des durchschnittlichen deutschen Haushalts, die Italiener scheinen trotz Krise viel reicher zu sein. Doch das ist nur Statistik - und eine Frage der gekonnten Umverteilung.

Von

Die Mutter der Idioten ist immer schwanger.
Italienisches Sprichwort

51.400 Euro. So viel hat laut dem Median der durchschnittliche Haushalt in Deutschland an Nettovermögen. Die eine Hälfte der Haushalte hat weniger, soweit das technisch möglich ist, und die andere Hälfte hat mehr. Mitunter auch sehr viel mehr, denn Deutschland ist nicht wirklich ein armes Land, und all das Vermögen muss ja irgendwo sein, wenn es nicht in der Schweiz, in Panama oder auf Zypern ist. Nun könnte man sagen: Naja, auch 51.4000 Euro ist eine Menge Geld, da muss man nicht verhungern, und der Staat versorgt seine Bürger ja auch mit Wohltaten, die es so in Italien nicht gibt. Hartz IV zum Beispiel ist immer noch Gold im Vergleich zu dem, was die arbeitslosen Jugendlichen südlich der Alpen mitmachen. Aber was in Deutschland natürlich ankommt und diskutiert wird, ist der Umstand, dass der Median bei den Italienern bei satten 163.900 Euro liegt, obwohl dort die Wirtschaft lahmt, und die Banken gestützt werden müssen – auch über deutsche Steuergelder.

In jedem anderen Land gäbe es an dieser Stelle einen Volksaufstand und wütende Artikel würden gen Berlin schreien, wieso zum Teufel dieses Land zu einer Oligarchie verkommen ist, in der sich Unternehmer Gesetze bestellen und Vergiftungslizenzen holen können und sich im Westviertel alle am Kopf kratzen, weil sie jetzt doch entdecken müssen, dass man mit ein paar Millionen, die hier jeder irgendwie hat, nicht mehr ganz zum Durchschnitt oder den armen Leuten zählt (und wenn ich ehrlich bin, ich bin auch von meiner Einsortierung höchst überrascht, ich bin doch allenfalls Durchschnitt, 440k für die obersten 10% OMG zwei kleine Wohnungen in München reichen…). Ja, also, man würde also eine Revolution anzetteln, die Wut über die Umverteilung würde explodieren und viele würden verstehen, dass in diesem Land die Mehrheit von einer Minderheit abgehängt wird. Es ist den Lesern dieses Blogs sicher keine Neuheit mehr, dass die sagenhaften Gewinne des Landes vür allem jenen zukommen, die dort wohnen, wo sich andere den Urlaub nicht mehr leisten können; bislang war das aber eher so ein dumpfes „Wo hänge ich mein neues Rokokoportrait hin“-Gefühl: Jetzt steht es da. Und man sollte nach dem Blick nach Italien deutsche Köpfe fordern.

Was aber passiert, ist etwas anderes: In der Süddeutschen Zeitung, einem Blatt, desssen Hauptquartier an Gleisanlagen in einer Gegend liegt, in der man noch nicht mal in Neuperlach wohnt, und das folglich proplebeisch eingestellt sein sollte, wird das Gegenteil gefordert. Wenn die Deutschen zur Hälfte so arm und die Italiener so reich sind, sollten die doch bitte selbst ihre Probleme lösen, und nicht auf die Rettung zu den Lasten der deutschen – sagen wir mal, Submedianisten, das klingt besser als Ärmere – Submedianisten hoffen. Man ziehe, so die SZ, doch bitte erst mal die Reichtümer der Italiener heran. Was die Empörung natürlich weglenkt von dem System, das für die Finanzausstattung der Submedianisten wirklich verantwortlich ist: Die Wirtschaft dieses Landes und ihre Politik und die, die mehr als 440.000 – mal im Ernst, das kann doch nicht stimmen… Aber gut; die reicheren Italiener sollen jetzt ärmer werden.

Dabei muss man aber noch den Begriff des Haushalts betrachten: Im singlelastigen deutschen Durchschnittshaushalt leben 1,8 Personen, in Italien mit der Familienehre dagegen 2,7. Das heisst, auf Menschen umgerechnet, sieht das Verhältnis schon etwas besser für die Deutschen aus. Und dann ist da noch der Umstand, dass man sich in Italien lieber auf drei Generationen für ein Eigenheim verschuldet, als zur Miete zu wohnen, was in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung tut: Auch so entsteht Vermögen, das sich nachher in der Statistik niederschlägt. Wer sich jetzt noch das Vergnügen macht und in italienischen Zeitungen die dortigen Hauspreise recherchiert, wird schnell merken: 170000 Euro für einen Wohnraum für fast drei Menschen, das wird eng. Sehr eng. Das ist nichts, was irgendwie nach Reichtum aussehen würde. Allein das drittklassige, halb verfallene Haus in Meran Obermais, mit dem ich liebäugle, würde mit Weinberg und 200 m² über eine halbe Million kosten – nackt, ohne Biedermeiermöbel und Gemäldegalerie. 170.000 Euro in italienischen Immobilien ist sehr, sehr wenig, und man kann davon auch nicht abbeissen: Das italienische Gehaltsniveau erzwingt das Wohneigentum nachgerade, denn gerade jüngere und schwächere könnten davon keine Miete zahlen. Ich kenne in Oberitalien Leute, deren Wohnung vielleicht 300.000 Euro wert ist, und sie haben einen Beruf und zwei Nebenjobs, und kommen gerade so durch.

Was diese Zahlen also eher ausdrücken, sind weniger echte Vermögen (ganz ehrlich, unter einer halben Million muss man in Italien wirklich nicht nach Häusern schauen), sondern unterschiedliche Lebensweisen und deren Notwendigkeiten. Man kann in Deutschland mit unserem Mieterschutz prima und ohne soziale Ausgrenzung mieten, damit flexibel sein und auch Gelegenheiten nutzen, die mehr Geld einbringen. Es passt gut zum ungebundenen Leben, und wenn man sich das System der Pflege in Deutschland ansieht, ist es am Ende auch vollkommen egal: Wer nichts hat, den versorgt der Staat, wer ein Haus hat, muss davon die Pflege zahlen, wer neun Häuser hat, eine oder zwei Polinnen, die dann auf dem Tengelmannparkplatz Schrammen in die S-Klasse fahren. Wenn ich über die Autobahn fahre, sehe ich in meiner 18 Jahre alten Barchetta unter all den gewienerten Kisten nicht vermögend aus (Regie? Können Sie das mit den 440k bitte nochmal prüfen? Da fehlt doch mindestens ein Nuller oder zwei), aber diese Leute im neuen A4: Das sind diese durchschnittlichen Leute. Die leisten und leasen sich eben so etwas. Alles eine Frage der Prioritäten.

Natürlich könnte man nun trotzdem sagen, dass die Italiener an ihre Ersparnisse sollen – und genau das wird mit der allseits verhassten Hausbesitzsteuer gemacht, die viele Neukäufer und ihre engen Kreditrahmen ins Unglück stürzt. Das Vermögen der Italiener ist halt von den Hauspreisen abhängig, und die werden sicher mit dem Andauern der Krise weiter sinken. Keine Sorge, das gleicht sich schon an: Haben die Kinder erst mal den Traum der eigenen Wohnung aufgegeben und wohnen sie bis 40 daheim bei den Eltern, steigt auch die Zahl der Mitglieder im Haushalt, bei gleichzeitig sinkenden Werten. Dann fährt trotzdem niemand einen geleasten A4, und mir kauft dann trotzdem ein Zahnarzt oder ein Russe das Haus in Meran vor der Nase weg: Nur weil niemand etwas gewinnt, heisst es noch lange nicht, dass nicht viele vieles verlieren könnten.

Kurz, der Umstand, dass italienische Haushalte einen höheren Buchwert haben, sagt überhaupt nichts darüber aus, warum in Deutschland schon Leute ab 440k Euro nicht mehr als bitterarm gelten, obwohl sie im 18 Jahre alten Fiats zwischen ihren drei Wohnorten pendeln müssen. Es sagt nichts über die immensen Reichtümer, die an der Spitze des Landes angehäuft und unten vorenthalten werden. Man muss sich wirklich Gedanken um Deutschland machen, und sich fragen, wer hier gewinnt, wer verliert und wer dafür die Verantwortung hat. In Zypern brennt die Luft wegen ein paar Prozent Haircut, die nichts sind im Vergleich zum Ausschluss weiter Teile der deutschen Bevölkerung am neuen Reichtum, denen man nichts nehmen kann, weil sie nichts ausser einem Niedriglohnsektor bekommen haben. Aber das wird einfach so hingenommen. Man kann ja auf die Italiener zeigen und es gemein finden, dass man deren marode Banken sichert.

Nichts läge mir natürlich ferner, als hier dazu aufzurufen, die Sache wie unter Männern zu regeln. Das wird ohnehin nicht passieren, denn solange die deutsche Einlagensicherung bis 100.000 Euro steht, ist Herr Schäuble der nette Onkel, der die deutschen Interessen gegen böse Mittelmeerländer verteidigt. Kein Mensch macht sich darüber Gedanken, dass diese Interessen bei jenen jenseits dieser ganz sicher falsch berechneten 440k – ich glaub mein Schwein pfeift – sehr viel eigendeutscher sind, als bei jenen, die wenig, nichts oder weniger als nichts besitzen. Eigentlich habe ich da gar keine Interessen, denn es ist alles so wie immer: Man liest diese Zahl, empört sich darüber, sucht Sündenböcke und dann geht alles so weiter wie bisher. Die einen leasen einen A4 und ich bin mir weiterhin sicher, dass das mit den 440k unmöglich stimmen kann, und alle sind wir uns einig, dass das trotz allem immer noch das beste Land ist, das man bewohnen oder, wenn man auf der richtigen Seite ist, kaufen kann. Und wenn es zu viel wird, fährt man eben in Urlaub. Andere haben mehr Vermögen, aber wir sind – sofern wir nicht einen Drittwohnsitz im Ausland haben – Reiseweltmeister.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (30)
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33 Köstlich 24.03.2013, 22:52 Uhr

Die könnten sich alle selbst "retten" ...

.... sie wollen die Rechnung aber lieber an Mutti abdrücken.
.
Ungezogene südeuropäische Flegel eben, die am liebsten bei Mutti wohnen.
.
Im Falle von Z sind wir scheinbar einfach nur zu doof gegen die Cleverness der Levante. Die spielen ein doppeltes Spiel EU gegen RU - warten wir mal wie das ausgeht.

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

Armut "Italian Style" ?

Bin ganz entsetzt dass die guten Italiener -- die so dick betucht sein sollen -- von einer Reduzierung ihrer Vermoegen bedroht sein koennten. Der Blick nach Zypern ist nicht allzuweit. was?
Welche Kalamitaeten da noch auf die warten? Hoehere Spritpreise?.
Was dann wenn die Armen sich weniger Ferraris, Lamborghinis, Maseraties und andere High Octane Hardware erlauben koennen?.
Was sowas der Wirtschaft der Festung EU antun koennte? Rezession? Depression? Implosion? Inflation? ... oder gibts dann Kaufschnaeppchen fuer gebrauchte Renner?
Das Leben wird immer schwieriger... selbst in bella Italia.
Ciao

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

Was vom Lohn übrigblieb

Sind denn bei den 300.000 für eine oberital. Wohnung auch die offenen Kredite abgezogen? das würde das Vermögen ja schmälern. Wenn allerdings die schon bezahlt bz. schuldenfrei sind, muß man fragen, wie man die mit so schlecht bezahlten Jobs und Nebenjobs zusammmenspart.
.
Hier in Spanien sind im übrigen die Mieterrechte weit ausgedehnter als in D, deswegen lassen ja viele ihre Immobilien leer wegen Angst vor Mieter-Problemen. Bei der "Krise" nicht ganz von der Hand zu weisen. Obwohl jeder weiß: Ne Immobilie, die nicht bewohnt wird, vergammel doch. Aber vermietet verkauft es sich eben auch schlecht.
.
Was richtig anklang: Wer kann denn noch in D Vermögen ansparen, wenn er nicht qua Geburt zur upperclass gehört? Ihr Freund, geehrter Don, der Finanzanalytiker aus Reutlingen, sorry, Bremen, hat da immer gute Analysen parat. Ja, der Niedriglohnsektor mit Hartz4: Heute ist ein guter Tag für alle Armen äh Arbeitslosen (O-Ton des verurteilten Erfinders) ist quasi die Gelddruckmaschine für die Discounter- und Handelskettenschergen, die die Erzeugerpreise bspw. hier in Spanien derart drücken...........Ach was solls. Die Sonne kommt gerade rum, wie jeden Tag, wird so 22Grad und auf die EU ist Verlass....

hans

Ob der Don noch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen kriegt?

Antworten (3) auf diese Lesermeinung

5 E.R.Binvonhier 25.03.2013, 10:47 Uhr

Aus dem Nachbarblog

" Ja ist denn heute schon Finanzkrise?
...Das riecht doch arg nach System, nur
Komme ich nicht den Grund."
.
Darf ich an Konrad Adenauer erinnern:
.
Die Lage war noch nie so ernst!!!
.
Keine Experimente!!!
.
Ansonsten kann man sich an den Finanzminister
halten:
" Nur Krisen bringen Europa voran. "

6 E.R.Binvonhier 25.03.2013, 11:08 Uhr

...

Vorausgesetzt man schiesst sich nicht
dauernd selbst ins Knie wie dieser Tage
Frau Merkel mit ihrer Forderung
" Hände weg von der Rentenkasse "
Ein eindeutiges Signal an die Märkte.
Eines Bluem würdig.
Die eigene Achillesferse so offenzulegen. Bar jeder
Raffinesse.

4 Erika Fuchs 25.03.2013, 12:43 Uhr

Kopf hoch, Don Alphonso.

Da ist er dann doch nachgerade vermögenswirksam "allenfalls Durchschnitt".
Und dies dann auch noch in einem Vergleich, der besser mit Armutsbericht betitelt worden wäre.

Denn durch die Lücken, die dank fehlender (ich bemühe mal kommunistische Propaganda) Reichensteuer in der Erfassung der Vermögen klaffen, könnte locker die eine oder andere Billion fliessen. Unbemerkt.
Zumindest könnten sie sonstwohin fliessen, jedoch sicherlich nicht in Steueraufkommen oder Armutsbericht.

Da hat er recht, der Don ("mal im Ernst, das kann doch nicht stimmen… "), so kann es auch nicht stimmen.
Und so wandert seine Position in dieser Verteilung noch weiter in Richtung Durchschnitt.

Aber wir wären nicht in Deutschland, wenn nicht vollständig verzerrt und verschludert würde.
Denn selbstverständlich wird auch am unteren Rand der Statistiken derart verzogen, getrickst und getäuscht, dass es einen Doktortitel verdient hätte (Und vermutlich auch gab. Die BWLer sind unser Unglück!).

So vermisse ich in der ganzen Debatte z.B. völlig die Trennung von Durchschnitt und Median, und das ich mir gar nicht erst die Mühe mache den Armutsbericht darauf abzuklopfen, hat viel mit Würde zu tun (Wer argumentiert denn schon mit patologischen Lügnern, anstatt sie zu meiden?).

Es braucht wirklich nicht viel um zu erkennen, dass der Median in Deutschland ganz bestimmt keine 51400€ sein Eigen nennt.
Und das selbst die vorgeblichen politischen Verteter der unteren Mitte weitaus mehr als dessen (des Medians) Vermögen für einen einzigen Monat dummschwätzen bei Vertetern jener oberen Mitte kassieren, die den Bericht über die Vermögensverteilung zu einem über die Armutsverzerrung gemacht haben, hat nicht etwa deshalb zu Verstimmungen geführt, weil in Deutschland der übliche Tugendfuror ein weiteres Ventil gefunden oder die Medien jene Verteter unfair zu behandeln sich abgesprochen hätten.

Es hat eher damit zu tun, dass rings um den Median echte, unverzerrte Armut vorherrscht (auf hohem Niveau, selbstverständlich) und die Angst davor um sich greift, dass die politische Klasse ihren eigenen Lügen Glauben schenken und trotz kommunistischer Unterwanderung der CDU Alles für in bester Ordnung halten könnte.

Sie können also aufatmen.

Zwar stehen Sie durchschnittlich noch schlechter da, als es Ihnen jüngst bescheinigt wurde.
Sie dürften jedoch realer etwas weiter oben stehen, als man dem Median gegenüber zuzugeben sich getraut.

Atmen Sie ein, atmen Sie aus.
Befreien Sie den Unterboden Ihrer Barchetta von Salz, besuchen Sie die Schweiz nicht ausserhalb der Reihe.

Lachen Sie, vornehmlich über Panikattacken wie die AfD, und freuen Sie sich, dass Sie auch weiterhin beispielsweise "der ganze Rest" sagen könnten, ohne sich dabei wirklich Sorgen zu müssen, eben genau dem vielleicht, zumindest vermögenswirksam, zugehörig zu sein.

5 Oswald Looser 25.03.2013, 13:14 Uhr

einige Zahlen zum Thema Verteilung

Sehr verehrter Don,

ich freue mich das Sie die Sicht auf die Verhältnisse zumindestens verbal wieder gerade rücken konnten.
Manch Südländer übetreibt gerne ein wenig in der Darstellung seines Vermögens. Sollte dann doch zwecks Krise und Stützung überflüssiger Geldinstitute eine Liquidation alternativlos sein können wir uns an sehr erstaunten Gesichtern erfreuen.
Nichtsdestotrotz sollten einige volkswirtschaftliche Zahlen zu deutschen finanziellen Befindlichkeiten diesen famosen Beitrag ergänzen damit der geneigte Leser seine Position findet und ggf. seine Einnahmen zu optimieren weiß. Man schaue in diesen aktuellen Blog Beitrag zum Feintuning der Verteilungsverhältnisse in deutschen Landen:
http://www.querschuesse.de/deutschland-vermogen-fur-viele-unerreichbar/
Ergänzend sollte man sich als vermögender Mitbürger schon selbst in die richtige Kategorie der Highflyer einordnen.
Hilfe dazu bietet dieser Artikel: http://pagewizz.com/klassifikation-von-millionaeren/

Ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und empfehle mich z.b.V.

440k

Das mit den 440 k Immobilien ist mir auch sofort beim Lesen des FAZ Artikels ins Auge gesprungen, und ich begann mein Immobilienvermögen im Kopf zu zu addieren. Und stellte mir auch die Frage ob das denn stimmen könne. Ich denke es stimmt sehr wohl, da nur hier in Süddeutschland (v.a.München und Oberland) die Immos derartig "über"bewertet sind.
Deutschlandweit, z.B. im Osten, brauchen sie für die gleiche Summe 5 ETWs und mindestens zwei EFHs. Und die haben nur höchstens ein paar Prozent. Im Übrigen wird sich bei stark schrumpfender Bevölkerung (Bayern verliert bis 2050 mindestens eine Million Einwohner) wegen Kindermangels der Wert auch hier im Süden nach unten anpassen. An den Randgebieten Bayerns passiert das ja bereits. Beispiel Ostbayern: EFH gekauft 1992 für 320000 DM jetzt aus Altersgründen verkauft 90000 Euro = Verlust 140000 DM. Die Region hat bereits rund 20 % der Einwohner verloren, Tendenz steigend.... Da stimmt das mit den 440k auch. Das ist auch Bayern! Wird nur von den Politikern gerne untern Teppich gekehrt.

Barchetta

sich im 18 Jahre alten Fiat arm zu fühlen , finde ich übertrieben , setzen Sie sich 'mal in
meinen fast 30-jährigen R 107 , da spürt man Armut !

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

440K

Diese 440k können unmöglich stimmen

Zahlenjongleure

es sind die hohen (Steuern + Sozialabgaben) und die "Steuerehrlichkeit", die es den Deutschen erschweren Vermögen zu bilden.
Emthalten die Zahlen über die Haushaltsvermögenn in Deutschland irgendwelchen sozialen oder politischen Sprengstoff, oder warum sind alle so fleißig damit beschäftigt, sie in die Watte der Desinformation zu packen?
Also immer schön lächeln, schließlich darf der Fiskus in Deutschland Ihre Konten einsehen. In Griechenland hat der Fiskalbeamte hingegen immer noch nicht regelmäßig einen Dienstcomputer und ist so natürlich vor Schwermut angesichts leerer griechischer Konten viel besser geschützt.

Der eigene Standpunkt ist entscheidend für die Interpretation.

Über die Hälfte aller Menschen in Deutschland wohnt zur Miete, warum scheint es da so unglaublich, dass der Median bei ~ 50.000 € liegt. Das ist für Menschen mit deutlich mehr Vermögen anscheinend immer schwer vorstellbar, man fühlt sich ja nicht Reich, dennoch ist es keine Überraschung. Und auch die mit Wohneigentum müssen nicht darüber liegen, eine 55m² Eigentumswohnung Baujahr 1960 in einem Schichthaus dürfte die verrentete Wohnungsbesitzerin in vielen Gegenden Deutschlands dennoch unterhalb des Medians liegen lassen. Wohnraumeigentum heißt nicht das freistehende Einfamilienhaus.

Gleiches gilt für die Wahrnehmung der 440k, das ist verdammt viel Geld und für 90% nicht zu erreichen, wer darüber liegt bewegt sich nur meistens in Gegenden in denen ihm sein eigener Reichtum als normal vorkommt, das ist aber nicht so.
Das Brutto 2 Durchschnittseinkommen eines sozialversicherungspflichtigen liegt bei ~30.000/Jahr, wer das auf die Lebenshaltungskosten umlegt, für den ist der obige Median, wie auch die 10% Grenze, sehr plausibel.

übrsee

haha - das hab ich mir vor jahren schon überlegt. und übrigens ist das miet-preisverhältnis nord-süd ein andres: in süd rechnet man mit zehn jahresmieten hausraushaben - im norden sinds zwanzigplus jahre. heisst: wenn ich ne Hütte mieten will, die zwei00-tausend wert ist muss ich zwanzigtausend pro jahr hinlegen. in D sinds zehntausend. tja.....

Ihre Sorgen

Sehr geehrter Don,
haben Sie geprüft, ob die Studie Schwarzgeld berücksichtigt?
Vermute, das obere Zehntel beginnt real vielleicht bei einer knappen Mio.

Weiter so

Das ist wirklich nett, fast mit italienischem Scharm geschrieben. Und die ständige Wiederholung 440k haha wirlich lustig, weil lebensnah.

Die deutsche Armut . . . ?

NEIN, die italienische Tragik. Ich habe eben einen Bericht für den mutigen l'Espresso geschrieben und ist bereits veröffentlicht worden. Böse Worte ! Und weil der Text technisch war, habe ich dann an Architekten-und Ingenieurkammern, an den unglucklichen Bersani und andere Institutione gemailt. Aber: vox clamantis in deserto. ITALIEN existiert nicht mehr und dies seit 75 Jahren. Armer Bersani ! Herr hat verpasst ein echter Sozialdemokrat zu werden als 1989 das grosse Gebäude am Boden lag. Heute ist zu späth. Die Geschiche wartet nicht. Gestern waren die Rubel der sowietischen Arbeiter süß, heute hingegen die Finanzierung von Herrn Carlo De Benedetti, der übrigens nicht mehr die italienische Staatsangehörigkeit hat, sondern die schweizerische. Damit zahlt er die Steuer an die Schweiz. Aber Herausgeber der Tageszeitung laRepubblica im Dienste der Partito Democratico ist er. Anarchie ! Totale Chaos ! Ein Streichholz, ein Kanister Benzin und dann hätten wir die "VIVA MARIA" ! Aber Streichhölzer, Kanister, auch aus Plastik, und Benzin kosten Moneta und die hat keiner. Morgen ist ein anderer Tag wie Heute, Heute wie Gestern und Übermorgen wie Morgen. Ist dies ein Leben ? Aber ich mache weiter. Die Redaktion de l'Espresso ist sehr mutig, die Redakteure anständig. Mal sehen, ist schon Etwas. NON DEMORDERE !

24 Alexander May 26.03.2013, 00:38 Uhr

Deutschland = Verlierer Nummer 1 des Euro

Eines hat der Autor unterschlagen: Nicht nur der Median liegt in Deutschland unter dem in Italien, auch der Durchschnitt. Und selbst das Pro-Kopf Vermögen (Median wie Durchschnitt) liegt laut einer Credit Suisse Studie unter dem Italiens, mit unterschiedlichen Haushaltsgrößen kann es also auch nicht zu tun haben. So mag der Autor zwar in vielen Teilen recht haben, verfehlt aber doch das eigentliche Ziel.

Auch das Argument mit den dürftigen Häusern zieht nicht wirklich, wem es nicht gefällt, der kann es schließlich verkaufen und wie der Durchschnittsdeutsche eine Mietwohnung beziehen. Dann hat er die selben Kosten aber nach wie vor ein höheres Vermögen. Oder er nimmt das Geld als Anzahlung für ein besseres Haus und zahlt den Rest in Raten ab die immer noch unter den Mietkosten liegen.

Fakt ist, dass der Süden dramatisch durch den Euro gewonnen hat, auf kosten des deutschen Otto Normalbürgers. Wären früher steigende (Immobilien-)Preise, Löhne, etc. vom sinkenden Wechselkurs der Lire ausgeglichen werden, so bleibt dies nun aus. Während die Italiener (und die Spanier, Griechen, etc.) aber weiterhin eine expansive, inflationäre Politik betrieben haben hat sich die Inflation gleichmäßig über die Eurozone verteilt. Darum sanken deutsche Reallöhne und Vermögenswerte während sie in Südeuropa explodierten.

Leider verwechselt man hierzulande Deutschland zu oft mit seiner Exportindustrie die darüber jubelt. Der normale Deutsche verliert durch den Euro aber nachhaltig an Kaufkraft und finanziert damit die Sause in Südeuropa.

Sachliche Argumente?

Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema sieht anders aus. Italienische Vermögen mit dem Argument kleinzureden, das wären Notwendigkeiten, würde eine Eigentumswohung für jeden Hartz IV-Empfänger in Deutschland rechtfertigen. Auch in Italien kann man mieten ...

Der Autor verwechselt leider gleich zu Beginn...

Der Autor verwechselt leider gleich zu Beginn schon den Median- mit dem Durchschnittswert. Hat wohl zuviel Zeit auf dem concorso d'eleganzia in der Villa d'Este verplempert.

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

1 werner weissenhofer 16.04.2013, 20:28 Uhr

vermögensverteilung

das ist ja quälend ...
wie naiv darf man sein ... unbegrenzt, klar ...
aber dass diese unreflektierte Meinung auch publiziert wird ...
subventioniert müssen Besizende sicher nicht werden ...
aus Besitz kann man- muss aber nicht- Einkommen machen... wenn man das nicht will ist das nicht schicksalshaft sondern ungeschickt .... und es darf damit im Namen der Solidarität nicht ein Anderer belastet werden!

1 Randolph von Trier 29.04.2013, 07:58 Uhr

Schaft das Geld ab

Der Gedanke an ein vereintes Europa, hatte sich bewert, da liefert das lobbytreue
Regime, den Europäer, an Rohtschild aus. Diese Administration spielt den Weltfrieden
kaputt, und treibt durch gezielte Wucherei den Welthunger auf die Spitze.
Mit der Finanzierung der Kriege, nach 1945, hätte man alle Kontinente zu tragfähigen
Wirtschaftsstandorten, hier gerade die dritte Welt, konfirmiert. Der Irrglaube an die
Gebote Rothschilds, beschert 2/3 der Weltbevölkerung Hunger und Elend.

1 Arno Keglmaier 29.04.2013, 17:26 Uhr

Aufgabe für deutsche Politiker

Wir Deutschen haben in Europa ein vergleichsweise niedriges Vermögen
Wir zahlen mit die höchsten Steuern und Abgaben; ist das die Ursache für die Volksarmut?
Missmanagement bei öffentlichen Bauvorhaben und der Verwaltung werden regelmässig vom Bundesrechnungshof gerügt.
Die Zahl der Beamten steigt von Höchststand zu Höchststand mit unabsehbaren Kostenfolgen.
Wir haben ein hoch kompliziertes und ungerechtes Steuersystem, dass nur Findige und Experten noch durchblicken. Unsinnige Umverteilung mit hohen Reibungsverlusten ist gang und gebe und trifft insbesondere die unteren Einkommensschichten, die nicht in der Lage sind Ihre Rechte wahrzunehmen.
Steuerflucht und -vermeidung ist ein weitverbreitetes Phänomen, doch es wird alles immer noch komplizierter und undurchschaubarer mit dem Ergebnis, dass die Staatsquote steigt und steigt und immer noch mehr Bürokratie notwendig ist.
In Europa schreiben wir Anderen vor wie Sie sich zu verhalten haben.
Wir schlagen Privatisierungen vor; wir empfehlen Lohn- und Rentenkürzungen und raten zum Bürokratieabbau und zum Abbau von Beamten.
Steuererhöhungen wie von weiten Teilen der Politik gefordert sind wie immer der bequemste Weg.
Nein es ist keine weitere unsinnige Umverteilung notwendig, die Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit kosten wird;
Wir benötigen gut bezahlte, kompetente Volkswirtschaftsmanager die unbestechlich einen radikalen Sanierungskurs für Deutschland einschlagen und sich ohne Nebenjobs und -verdienste ganz in den Dienst des deutschen Volkes stellen. Die Staatsquote muss gesenkt werden; Privatisierungserlöse sind zum Schuldenabbau einzusetzen und unsere Verwaltung muss effizienter gestaltet werden. Wir benötigen ein einfaches, gerechtes und effizientes Steuersystem. Gebietsreformen und eine Straffung der Verwaltung sind angesagt. Bundes- und Länderparlamente sind konsequent zu verkleinern.
Als Ergebnis wären wichtige hoheitliche Staatsaufgaben ohne Probleme bei sinkenden Steuern und Schulden, vorrangig für die Bezieher kleiner Einkommen möglich.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.