Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Security ist eine Meisterleistung aus Deutschland

| 44 Lesermeinungen

Unter den Wolken ist die Freiheit von der Sicherheit begrenzt, und Flughäfen sind längst Zonen der Sondergesetze und Zwangsvorführung. Wären es Hotels oder Restaurants, kein Gast käme jemals wieder.

Der Krieg ernährt sich selbst.
Cato d. Ä.

So wie Goethe seinem Schuster Meidling und Seume seinem Heerdegen Elogen verfassten, weil ihre Lederwaren vortreffliche Dienste bei den italienischen Reisen leisteten, so sollte ich auch meinen Schuhmacher aus Verona loben – selbst wenn ich nicht mehr nach Syrakus wandere, sondern lediglich auf den äussert unbequemen Sesseln eines Airbus sitze, für die ich besser den bürokratischen Wahnsinn eines teuren, europäischen Luftfahrtkonsortiums geisseln sollte. Vier Stunden sitze ich im Flugzeug, trotz angeblicher Allianz von sog. „Chefs“ vor einem Essen, das sicher auch Seume besonders, aber nicht lobend erwähnt hätte, und da wäre einer der weichen, geflochtenen Ochsenledergürtel meines Schusters angenehm, die sich im Sitzen weiten. Aber leider sind sie nicht leicht durch die Schlaufen der Hose zu würgen, und bevor ich mich ankleide, denke ich an die Sicherheitsschleuse und wie ich danach gezwungen bin, mich neu zu sortieren und anzukleiden.

In der Öffentlichkeit.

Man stelle sich einmal vor, man wäre gezwungen, sich in einem Park, auf einer Promenade oder an einem anderen Ort, einfach nur, um Zugang zu erlangen, komplett metallisch entleeren müsste, ohne Frage, ohne Klage, ohne einen Anwalt, einfach so, auf Zuruf oder gar nur ein Winken mit der Hand. Das Winken ist ja auch so eine Meisterarbeit aus Deutschland, wie, das spüre ich im Rücken, das peinlich betretene Gaffen der anderen in einer Mischung aus Übelkeit und dem Wunsch, das alles gar nicht ansehen zu müssen. Da will ich natürlich nicht minutenlang mit einem dicken Ochsenledergürtel kämpfen, also nehme ich einen anderen, weniger bequemen Lederriemen, und frage mich, in was für einer Welt wir eigentlich leben, wenn ich mich nicht mehr so anziehe, wie ich will, sondern so, wie es sicherheitstauglich ist und mir möglichst wenig Scherereien macht.

Und wieso man sich so etwas gemeinhin überhaupt gefallen lässt: Diese Normierung durch das Verlangen der Sicherheit. Letzthin etwa flog ich von Berlin nach Frankfurt, und weil ich dank Taxiversagen spät dran war, musste mein gesamtes Gepäck als Handgepäck in das Flugzeug. Ich hatte für eine Freundin bayerische Marillenmarmelade dabei, und musste in diesen wenigen verbleibenden Minuten vor dem Start viel Beredsamkeit aufbringen, dass diese auf den heimischen Jurahängen handgefertigte Kostbarkeit nicht in einer Mülltonne verschwindet. Die Sicherheit und mein Charme entscheiden, ob ich Gastgeschenke dabei habe oder nicht, ob ich ein Mensch bin oder normierte Transportkapazität. Und es bedeutet, dass ich zu Bütteln, die ich bezahle, auch noch überaus freundlich bin, damit ich menschenwürdig reisen kann. So ist das im Flugzeug. Es ist die verkehrte Welt.

Und es geht weiter. Vor ein paar Jahren bin ich mit El Al nach Israel geflogen, da wurden meine Schuhe auch genauestens durchleuchtet und ich fand es absurd – das ist inzwischen Stand der allgemeinen Paranoia. Ich warte nur darauf, dass man sich das Recht herausnimmt, die Absätze abzusägen oder Richtlinien zu veröffentlichen, dass der, der da ein unpassendes Schuhwerk trägt, keinen Anspruch auf Schadensersatz hat, wenn das Sicherheitspersonal die Schuhe zerstört. Vielleicht sollten wir alle in Badebekleidung an Bord gehen und dabei Badeschlappen tragen, dann wäre das alles einfacher, und all die Beschäftigten der Sicherheitsbranche könnten sich allein mit dem Zerlegen des Gepäcks beschäftigen – ich muss hier nicht gesondert erwähnen, dass mein 90 Jahre alter Koffer von Brachers in Teneriffa geöffnet und dann mit Tape verklebt ankam, weil diese Leute nicht in der Lage waren, ihn nach dem Durchwühlen wieder zu verschliessen. Vermutlich macht man sich ohnehin verdächtig, wenn man nicht die üblichen, lauten, scheusslichen Rollkoffer verwendet.

Der Mensch hatte angeblich schon immer den Traum vom Fliegen, aber vermutlich nicht den Alptraum, der mich erwartet, als mich der Airbus dann in München ausspuckt. Die Halle ist voll mit Russen, deren Flieger wohl ein Problem hatte, und die nun desorientiert hier herumstehen. Ab und zu blafft eine Frau, die ihre Ausbildung vermutlich in einem Gefangenenlager in Tschetschenien gemacht hat, die Horde auf russisch an, was zusammen mit der Architektur und Beleuchtung fast so angenehm wie der Virus ist, der auf Teneriffa die Runde machte. Dann rattert das Transportband los, mit einem Rumps krachen Gepäckstücke auf Gummi und ganz ehrlich: Ich wurde nicht dafür geboren, um mich unter russischen Anordnungen um einen schönen, alten Lederkoffer zu sorgen.

Das alles ist, man muss es so deutlich sagen, nicht standesgemäss.

Und es hat sicher keine Konsequenzen. Schriebe ich das hier über ein Hotel, ein Restaurant oder einen Park, wäre dort die Hölle los, man würde den Verantwortlichen zusammenstauchen und die Pressedame losschicken, um mit mir darüber noch einmal zu reden. Dort weiss man um die Probleme, die drohen, wenn man an Akzeptanz bei der erhofften Zielgruppe verliert. Dort sind Menschen, die aus Eigeninteresse überlegen, wie es erst gar nicht so weit kommt, und wie man solche Probleme schon verhindert, bevor sie auch nur entstehen oder gar ein leicht unwilliges Zucken der Mundwinkel verursachen. Aber die sogenannte Sicherheit interessiert sich dafür überhaupt nicht, die macht das wie die NSA: Sie tun das für die nationale, hören Sie die NATIONALE Sicherheit, wer Fragen oder Klagen hat oder sich beschweren will, kann das gerne machen, auf diesem einschüchternden Territorium mit Sonderrechten für die Behörden, die hier den Ton angeben.

Ich werde meinem Brachers vorerst so etwas nicht mehr zumuten und mich wieder wie auf dem Weg in die Schweiz auf der Erde bewegen, aber irgendwann werden die Sicherheitsbehörden und ihre privaten Subunternehmer den Flughafen durchgespielt haben, und neue Orte für ihr Treiben suchen. Wir haben das vor ein paar Wochen erlebt, im besseren Viertel der dummen, kleinen Stadt an der Donau: Dort fuhr ein privates Unternehmen unaufgefordert Streife, fuchtelte mit Ausweisen herum und machte sich anheischig, für mehr Sicherheit zu sorgen. Man hört ja so viel über Einbrecher, mindestens so viel wie über Schuhabsatzbomber, und da möchten sie helfen. Man könnte ja so einiges tun, würde man ihnen nur das Recht geben, durch Gärten und Vorplätze zu gehen, sie hätten detaillierte Sicherheitspläne und ich habe keinen Zweifel, dass die Blaupausen der Überwachung von den Flughäfen kommen.

Allein – es ist vielleicht keine so gute Idee, ausgerechnet im Januar und Februar mit solchen Ideen vorstellig zu werden, da haben hier die meisten gerade bei den Fluchten in südliche Länder wieder ihre unschönen Erfahrungen mit Kontrolle und Überwachung zwischen Metalldetektoren und „Bitte umdrehen“ gemacht. Da erinnert man sich nur zu gut an den überzogenen Preis der Sicherheit, und ausserdem ist das hier Bayern: Da schaut man noch aufeinander und passt selbst auf. Aber unzweifelhaft werden sie sich dann neue Möglichkeiten suchen, Schulen etwa und Universitäten voller labiler Personen, für die Sicherheit der Kinder, hören Sie, NATIONALE Kinder. Das ist einfach zu machen und irgendwo müssen auch die Leute hin, die man in der Produktion und im wirtschaftlichen Debakel Resteuropas nicht mehr braucht: Die einen machen den Besitzenden Angst und die anderen bieten an, etwas dagegen zu tun. Sicherheit geht immer und auf einen, der dann lieber mit seinem klapprigen Cabrio nach Italien fährt, kommen zehn, die sich so lange misshandeln lassen, bis sie dann über ihre Senatorcard jubeln dürfen.

Senatoren, das waren übrigens diejenigen, die im alten Rom von der Sicherheitsgarde der Prätorianer abgeschlachtet wurden, wenn sie einem Cäsar nicht mehr passten.

Hinweis:

Sehr gut passen Kommentare jedoch ins spezielle Kommentarblog ohne Freischaltstau.

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44 Lesermeinungen

  1. Fußbekleidung, die ihren Namen ausspricht: Flip-Flops
    „alle in Badebekleidung an Bord gehen und dabei Badeschlappen tragen“
    .
    Für Harry Rowohlt bekanntlich kein Problem. Doch wir anderen?
    Sie haben Recht.
    Aber: was tun?

    • Also, bei meiner Methode der Anreise – im Flughafenbus bei 2 Grad – wäre das vermutlich wenig erbaulich.

  2. Lieber Don Alpohnso,
    ich reise seltener und weniger luxuriös ausgestattet wie Sie, aber über die herabwürdigenden Prozeduren an den Sicherheitskontrollen ärgere ich mich auch jedesmal schwarz. Das Einzige, was mich davon abhält, die Kontrolleure unfreundlich zu behandeln, ist die Vorstellung, daß durch die Kontrollen vielleicht ja doch der eine oder andere Anschlag verhindert wird.
    Vielleicht hilft es Ihnen, die vergleichsweise kurzen innerdeutschen Strecken in einem gut ausgestatteten Auto, ggf mit Chauffeur, zurückzulegen. Dann werden Sie höchstens noch zur Alkoholkontrolle oder wegen Rasens angehalten und gefilzt. Und bei der DB müssen Sie nur die Fahrkarte vorzeigen. Beide Reisemöglichkeiten sind auch durchaus gepäckfreundlich.

    • Eigenes Auto. Nicht anders.

      Die Kontrolleure sind auch nur Opfer des Systems, sie brauchen halt einen Job – wenn, dann muss man das halt öffentlich beklagen und im Zweifelsfall anders reisen – diese Sprache verstehen sie, wenn überhaupt, als einzige.

    • Glauben Sie wirklich, dass Anschläge verhindert werden,
      indem man alten Omis ihre Nagefeilen wegnimmt? Jeder halbwegs ausgebildete Terrorist und eigentlich auch jeder Zuschauer von „Der Pate III“ weiß, dass man fast alles als Waffe verwenden kann.
      Die Sicherheitsmaßnahmen nutzen nur der Gefrierbeutelindustrie, während die Hersteller von Kulturtaschen vermutlich Einbußen zu verzeichnen haben ;-)
      Also was soll das Ganze?

  3. Nicht teuer genug
    Werter Don,

    hätten Sie einen First Class Flug mit der Lufthansa und wären über Frankfurt abgeflogen, dann hätten Sie dort die First Class Lounge A nutzen können. Dort werden Sie nicht wie Vieh behandelt. So haben Sie sich – ganz unstandesgemäß – zum Pöbel begeben und sind wie Pöbel behandelt worden. Warum machen Sie auch sowas?

    • Das war kein Pöbel, sondern eine durchorgansiserte reise, die sich meinst erst Ü60er leisten können, aber das muss man dann eben in Kauf nehmen…

    • Titel eingeben
      Das mag schon alles sein. Trotzdem gibt es darüber noch das gewisse Extra:

      http://www.vielflieger-lounges.de/first-class-lounges-lufthansa/

    • ...die sich erst Ü 60er leisten können.
      Prächtig!
      Das scheint sich bis in die Ukraine rumgesprochen zu haben.
      Wie nennt man das?
      Blutzufuhr aus einer überalternden Gesellschaft in eine andere.

      Das hat viele Vorteile!
      Niemand muss seine Zukunftsszenarien für Deutschland überdenken.
      Die Investitutionen sind gesichert; der Pflegenotstand ist gerettet.

    • ...
      Jetzt muss man nur das Fremdrentengesetz wieder einführen.

  4. Also irgendwie kriege ich
    die Kurve nicht:

    „Willkommen im Blog der besseren Gesellschaft oder dem, was heute davon übrig ist, in der finanziellen Sorglosigkeit und beim Klassenkampf von oben gegen Neureiche und andere Zumutungen.“

    Zugegeben, es ist nicht die beste Gesellschaft mit Lear-Jet, aber auch (den Resten und Domestiken) der besseren Gesellschaft sollte mittlerweile doch der Begriff netjets geläufig sein…

    • Sesseln?
      Sie sitzen auf SesselN? War die Verpflegung auf Teneriffa denn tatsächlich dermaßen üppig, dass trotz Virus auf der Rückreise immer noch mehr als ein Platz benötigt wird?

    • … ich muss mich Frau Amgelin anschliessen, lieber Don. Ich bin erstaunt dass Stützen wie Sie sich auf Reisen in die gängelnden Niederungen des gemeinen Volkes herblassen. Für den Pöbel ist es tatsächlich entwürdigend sich den Auswüchsen der Paranoia eines Volkes nördlich der mexikanischen Grenze zu unterwerfen. Ich hätte schon erwartet dass Ihnen eine Gulfstream oder adäquates zur Verfügung steht. Naja, am See müsste es halt ein Wasserflugzeug sein. Oder ein Privathubschrauber. Oder zu allerletzter Not, eine Membercard bei Netjets. Ich bin enttäuscht. Stützen müssen, das darf ich Ihnen aus den Niederungen sagen, auch einer gewissen, noblen Erwartungshaltung seitens der Massen genügen. Ich bin ernüchtert … :)

    • War das jetzt ernüchternde Satire?
      War das jetzt ernüchternde Satire, oder wie darf ich ihre Ausführungen verstehen?

  5. Man sollte einfach einmal nachfragen...
    …wem wir diese Bereicherung unseres Lebens zu verdanken haben.

    MfG

    C. B. Haas

  6. Was soll dieser unsinninge Artikel?
    Zugegeben, wir alle aergern uns jedesmal wenn wir fliegen wollen und durch die Sicherheitskontrolle muessen nur weil ein paar Extremisten uns bedrohen. Es gibt aber keine andere Alternative. Daher was solls?

  7. Wie der Schuhabsatzbomber bewiesen hat, reagiert die Security Industrie stets auf neue Bedrohungen..
    Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich denn wohl als auf’s Paradies mit all seinen Jungfrauen gerichteter Fundamentalist die Security Lane überlisten könnte.

    Immer wieder fallen mir dabei muslime Eunuchen ein, die zwei gefährliche Flüssigkeiten in entsprechenden Körperteilprothesen mit sich führen könnten. Ein Griff in den Schritt – ein Knacks, ein Vermischen und BOUMM!!!

    Lassen Sie uns die Zeit genießen, solange das noch nicht vorgekommen ist. Dann nämlich wird die Reaktion der Security Industrie hoffentlich endlich auf einen etwas größeren Widerstand stoßen.

  8. der Trend geht zum
    Es geht eben nichts ueber den eigenen Jet und Personal. Alles andere ist Viehtransport.
    Aber kann einen das noch shocken nach Teneriffas tercera edad?

  9. Eszett
    Lieber Schreiber,
    beim Überfliegen Ihres Textes fiel mir auf, dass Ihr Artikel ohne Eszett auszukommen scheint. Das ist für einen deutschen Schreiber nicht standesgemäß. Selbst falls Sie das scharfe S (ß) scheußlich fänden, sollten Sie Ihre Augen vor einer korrekten Rechtschreibung nicht verschließen. Danke! Und Gruß…

  10. Premium-Poebel
    Geehrte Don, die Ue60-mit-Geld-Generation ist doch die der Schnaeppchenjaeger, die mit dem bezahlten Golfv oder der C-Klasse die Discounter Montagsmorgen saeumen: Kilo Nacken zu 3,98€! Insofern kann man die schon als Premiumpoebel bezeichnen, meine auch ich.

    • Seit wann gibt es eigentlich den Reisepass?
      Meines Wissens seit den Mongolen.
      Zwegens der Security.

      Das mit dem Rechtsanspruch nach Lust und Laune auf dem Globus rumturnen zu dürfen,
      sind so
      Moderne Märchen.

    • passport, wie das wort schon sagt...
      ist die Genehmigung den Port, also den Hafen zu verlassen. Die ersten Passporte wurden in englisch-besetzten nord-franzoesischen Haefen waehrend des 100-jaehrigen Kriegs ausgestellt, als der englische Adel auf dem jaehrlichen Raubzug unterwegs war.
      Spaeter benoetigten nicht-Briten eine Genehmigung Haefen in britischen Kolonien zu verlassen.
      Mehr generisch wurden Passports dann in den napoleonischen Kriegen.

      Aber selbst die alten Perser und Karthager hatten bereits ‚Geleitscheine‘, welche unbeschwerte Reisen erleichtern sollten.

  11. Verweigerung ist möglich
    Ich habe aus den entwürdigenden Prozeduren, die uns zugemutet werden, wenn wir uns auf dieser Welt bewegen, meine Konsequenzen gezogen:

    1. Ich reise nicht mehr nach Amerika. Im vergangenen Jahrhundert war ich dreimal in USA, danach nicht wieder. Überhaupt war ich im vergangenen Jahrhundert viel in der Welt unterwegs, habe die letzten Ausläufer menschenwürdigen Reisens noch kennenlernen dürfen. Auch nach Israel muß ich nicht. Nicht, daß es mich nicht interessieren würde, aber da ich die arabische Welt am exemplarisch zu nennenden Ort Riad doch etwas kennenlernen durfte, nehme ich dies fürs Ganze und bescheide mich.

    Ja, die 90er Jahre waren definitiv anders.

    2. Ich reise überhaupt nicht mehr irgendwohin, wo ich einen Paß brauche, denn einen Paß habe ich nicht mehr. Mein zweiter und gleichzeitig letzter ist vor vier Jahren abgelaufen. Für einen neuen müßte ich einen Fingerabdruck abliefern, was ich kategorisch ablehne. Ich stelle mir vor, ich hätte noch einen gültigen Paß, was gerade noch denkbar ist, hätte ich mich noch 2005 um einen neuen gekümmert, und ich komme in Singapur oder einem anderen verrückten Land an und sollte anläßlich meiner Einreise in einen Iris-Scanner blicken… Keine Chance, außer in der Transitlounge einen Schnaps zu nehmen und dann gleich zurückzufliegen.

    Ich frage mich auch, wie lange ich noch einen Ausweis oder Führerschein haben werde, ohne dafür Körpermaterial hinterlegen zu müssen. Verweigerung tendiert dazu, im Selbstlauf immer radikaler zu werden, wenn man sich nicht eines Tages ultimativ demütigen will oder die Welt einen (äußerst unwahrscheinlichen) Paradigmenwechsel erlebt.

    3. Zu meiner auf den Schengen-Raum (einschließlich oder ohne England? Ich weiß das nicht so genau, will da aber auch lieber nicht mehr hin.) eingeschränkten Bewegungsfreiheit paßt, daß ich aus den von Ihnen, Don, geschilderten Gründen auch kein Flugzeug mehr besteigen will. Unser Kontinent ist groß, und es gibt so viele Orte auf der Welt, wo man mit Automobil, Eisenbahn und Fähre hinreisen kann. Bis nach Wladiwostok könnte ich so kommen, ohne mich entblößen zu müssen.

    Den wahrhaftigen Traum vom Fliegen konnte ich zweimal erleben: auf einem Propellerflug von Tempelhof nach Bern und bei einem lokalen Flug in Dänemark. Beides waren höchst zivile Veranstaltungen, menschenwürdig, kultiviert. Zweimal, das muß genügen.

    Und sowieso habe ich erkannt, daß die Uckermark als Ziel der Sehnsucht viel besser taugt als Bali oder Dubai. Vor allem, weil nicht so viel lärmendes Volk dort ist. Misanthropen haben es in mancher Hinsicht leichter.

  12. Senatorklasse internazional
    „Unter Industriekonzernen ist es derzeit in Mode, sich eigene Banken zu halten, um unabhängiger von den etablierten Kreditinstituten zu werden. Der Luftfahrtkonzern Airbus kauft sich eine Bank und macht sich damit unabhängiger von den großen Geldhäusern. Das Unternehmen übernehme die kleine Salzburg München Bank vom österreichischen Raiffeisenverband, teilte Airbus am Freitag mit, ohne einen Kaufpreis zu nennen. Nach der Transaktion soll das Kreditinstitut, das bislang vor allem kleinere Firmen und Privatkunden bedient, in Airbus Group Bank umbenannt.“ (google)

    die mitmenschen, die da kontrollieren, sind womöglich auch opfer. ein bestimmtes mass an aggressivität, gefördert aus frust und enttäuschung, forcierte aber auch schon mal wachheit und unüberwindliche professionelle distanz.

    „Bundestagsabgeordnete haben zu jeder Tages- und Nachtzeit Zugriff auf ein Auto mit Fahrer – bisher jedenfalls. Der Fahrbereitschaft des Bundestags droht laut „Saarbrücker Zeitung“ die Pleite. Möglicherweise müssen die Parlamentarier auf Taxis ausweichen.

    Der Millionenauftrag für die Fahrbereitschaft war erst kurz vor der Bundestagswahl, im August, neu vergeben worden. Angeblich hatten sich auf die Ausschreibung nur zwei Unternehmen beworben, unter anderem Rocvin, das seit 1999 für den Bundestag fährt. Die Anforderungen sind hoch: Mehr als 155.000 Fahrten mit rund 1,5 Millionen Kilometern pro Jahr müssen die Dienstleister anbieten können.

    Rocvin ist nicht unumstritten, viele Fahrer verdienen durch wenige Einsätze und Niedriglöhne Berichten zufolge nur knapp 950 Euro im Monat oder kommen ausschließlich mit Zweitjobs oder Sozialleistungen über die Runden.“ (google)

    und das system flughafen gewinnt, der staat will wenigstens irgendetwas noch sicher haben, wo schon alles andere und die zukunft national so vollkommen unsicher sind.

    „alle warten anscheinend auf den welthitler weiter, psychologisch-unterbewusste anteile zumindest“, wie der letzte absatz vielleicht sagen soll, „sobald die globalisierung diesbezüglich auch vollendet ist – eine welt, ein führer!“

  13. seid
    „seid vier uhr früh heute morgen wird zurück-durchgegriffen.“

  14. Sicherheit der Gesellschaft vor Würde des Einzelnen?!
    Gutes Beispiel, Ihr Beitrag.
    Erweitert könnte ich auch sagen, ein 10 Minuten dauerndes Beispiel.
    Was ist mit unserem Leben, wieviel von Ihrem Beispiel gilt auch im Alltag.
    Wie oft stellen wir unsere „standesgemäße“ (als Mensch angeborene) Würde
    hinter Sicherheitsinterresse, oder andere „Interressen“ der Gesellschaft?
    Ist es immer die Würde der Gesellschaft oder oft viel banaleres?
    Bemerken wir es nicht weil wir hineingeboren werden in diese „Zumutung“?
    Wird uns die notwendige Zeit durch den Alltagsrhytmus „gestohlen“,
    tief genug darüber nachzudenken und dagegen zu protestierten, so wie Sie?

    Guter Denkanstoß, Ihr Beitrag Don.

    • Oh, bitte, gern geschehen. Das Pendeln ist ja wirklich auch so eine Sache, die den Menschen von sich selbst befremdet, nur liegen bei mir zwischen Bett und Arbeitsplatz nicht mehr als 3 Räume.

    • Titel eingeben
      Bitte mehr solcher Geschichten! Vielen Dank!

  15. Genau
    Ich bin etwas irritiert, daß sich Don A. mit solch profanen Problemen beschäftigen muß;)
    Aber ich kann ihm 100% beipflichten. Ich bin wegen diesem Schwachsinn der Pseudosicherheit 16 Jahre nicht mehr geflogen. Denn um nichts anderes als Pseudoabschreckung handelt es sich bei den „Schuhausziehkontrollen“. Viel Primborium schafft Arbeitsplätze und wiegt die Fliegenden in Pseudo-Sicherheit. Aber die Geschichte lehrt, daß das im Ernstfall gar nichts nützt. Da wären m.E. gründliche „Zufallskontrollen“ erheblich zielführender. Hat ja auch sein Gutes, mein „Carbon Footprint“ ist völlig korrekt :)

    • Profanität ist ja nicht immer schlecht, und ausserdem wurde das Thema mal gewünscht.

    • a propos "Arbeitsplätze, Pseudosicherheit, Brimborium, nichts nützt..."
      ich bring‘ meine liebe Gattin ein, zwei Mal im Jahr zum Flughafen (Berlin Tegel) und schau dann durch die Scheibe zu, wie sie durch die Kontrollen geht…
      Beim vorletzten Mal:
      Das Handgepäck etc. der wartenden kleinen Schlange Reisender wird auf ein Band durch ein X-Ray-Tunnel geschleust und auf einem Monitor erscheint dann das „Röntgenbild“ der Bagage. Davor sitzt eine Person und schaut sich das an, wg. Pistolen, Sprengstoff und so…
      Man kennt das.
      Ich denk‘ ich seh nicht richtig: Die Person, die da sitzt und ganz offensichtlich für den Blick auf den Monitor zuständig ist, schaut nicht etwa auf den Monitor, nee, sie unterhält sich launig mit einem Kollegen, der neben ihr steht – beide würdigen dem Monitor keinen einzigen Blick. Und zwar die ganze Zeit, in der ich da hingucke und das Gepäck ein iger Herrschaften da gerönt wird,. …bis meine Gattin dann irgendwo Richtung Warteraum verschwunden ist. Ich ging dann auch, kopfschüttelnd und nicht wissend: ist das nun komisch oder traurig?

    • Flughafen Ezeiza, Buenos Aires 2010, Abflug.
      Aeusserst ruppige SicherheitsbeamtInnen, bis mir die Pferde durchgingen.
      Das vergessene Allzwecksmesser im Handgepaeck rollte aber froehlich unter dem scharfen Blick der Roentgentante vorbei. Gott sei Dank, hatte fast 100 Euro gekostet.
      Vorher durfte eine AELTERE Dame – die mit dem grossen D – ihre persoenlichen Papiere hinter dem Scanner vom Boden auflesen.

      Flughafen Franz-Josef Strauss, 1995, Ankunft:
      Lautstark und scharf: „WAS IST IN DIESEM KOFFER?“
      „Mach ihn doch auf.“

      Flughafen Ezeiza, Buenos Aires, 2010, Abflug:
      Steward knallte schliesslich wutentbrannt eine Weinflasche auf den Boden.
      Bedepperte Gesichter.

      Flughafen Frankfurt-Main, 2007, Ankunft:
      Herrisch: „Heben sie die Arme!“
      „Ich vermisse das Wort BITTE .“

      Fluhaefen in Brasilien: Eigentlich immer freundlich und hilfsbereit. Das ist der Unterschied.
      Nur in Guarulhos, São Paulo, muessen US-Amerikaner oefter strafstehen, in einer Extrareihe ;)

  16. Eisenbahn
    Flugreisekontrolle: Ziemlich lästig aber ungefährlicher als:
    Zwei Passagiere in einem Eisenbahnabteil. :-)
    Wir wissen nichts über ihre Vorgeschichte, ihre Herkunft oder ihr Ziel. Sie haben sich häuslich eingerichtet, Tischchen, Kleiderhaken, Gepäckablagen in Beschlag genommen. Auf den freien Sitzen liegen Zeitungen, Mäntel, Handtaschen herum. Die Tür öffnet sich, und zwei neue Reisende treten ein. Ihre Ankunft wird nicht begrüßt. Ein deutlicher Widerwille macht sich bemerkbar, zusammenzurücken, die freien Plätze zu räumen, den Stauraum über den Sitzen zu teilen. Dabei verhalten sich die ursprünglichen Fahrgäste, auch wenn sie einander gar nicht kennen, eigentümlich solidarisch. Sie treten, den neu Hinzukommenden gegenüber, als Gruppe auf. Es ist ihr Territorium, das zur Disposition steht. Jeden, der neu zusteigt, betrachten sie als Eindringling. Ihr Selbstverständnis ist das von Eingeborenen, die den ganzen Raum für sich in Anspruch nehmen. Diese Auffassung läßt sich rational nicht begründen. Um so tiefer scheint sie verwurzelt zu sein. –
    H. M. Enzensberger, Die Große Wanderung. 33 Markierungen. Frankfurt am Main 1993

    • Diese Beobachtung
      …kann man auch im Fahrstuhl machen und vermutlich noch in anderen Situationen.

      Diese Feststellung von Herrn Enzensberger hielt ich immer für wenig gelungen.

    • Sicherheits-Gefühl
      In Enzenbergers Text wird dargestellt,
      wie SUBJEKTIV das Gefühl von Sicherheit ist.
      Lockerbie und 9/11 haben die Gesetze verschärft.
      Doch wie sind die Gefahren real einzuschätzen?
      .
      Ein wenig seltsam erscheinen mir z.B. diese unterschiedlichen Begriffe:
      „Luftsicherheit“ betrifft Personen/Gepäck
      (Unter diesem Begriff wollte das Innenministerium eine Abschusserlaubnis für entführte Passagierflugzeuge erlangen.)
      „Flugsicherung“ dagegen betrifft den Luftverkehr.
      Allein in Deutschland gibt es 6 zugelassene Flugsicherungsorganisationen.
      > http://de.wikipedia.org/wiki/Flugsicherung
      .
      Wenn man z.B. auf die Kanarischen Inseln fliegt, so wäre die AENA zuständig.
      Die AENA ist nach eigenen Angaben weltweit der größte Flughafenbetreiber nach Anzahl der abgefertigten Passagiere.
      Um Betriebskosten zu senken wurde die Flugsicherung teilweise an private Betreiber vergeben.
      Nur so als Laie: Was benutzen die eigentlich für eine Software?
      Sowas kann einem doch auch Angst einjagen …
      aber nur wenn man dafür eine Affinität besitzt.

    • Natürlich ist das Sicherheitsgefühl subjektiv
      …was sonst soll ein „Gefühl“ sein.

      In einem erkennbar eng begrenzten Raum ohne Ausweichmöglichkeit wird durch
      Hinzukommende nicht nur der Raum immer enger, auch die Luft wird knapper.

      Das Vertrauen in elektronisch gesteuerte Belüftung, wäre ‚vernünftig‘?

  17. Berlin nach Frankfurt
    im Flieger? Selbst schuld. Da laesst man sich doch eher standesgemaess fahren, oder?
    Oder man chartert eben einen Chopper.
    Sie koennen doch nicht erwarten, dass Sie im Viehtransport standesgemaess behandelt warden, werter Don. Ich selbst habe mir seit Jahren keine Fliegerei mehr angetan. Und wenn ich wirklich mal wieder nach Europa muss, dann bitte mit Gulf Air oder Singapore Airlines hin, und auf dem Rueckweg per Schiff den Rhein und die Donau hinunter, bevor wir in einem zivilisierten Laendchen wieder einen Aluminiumvogel besteigen.

  18. Ganz und gar OT
    Auf FAZ.net sehe ich Bilder von Frau Timoschenko und Uschi Glas;
    das sind
    aber echte Backfische!

  19. Noch mehr OT
    Diese grottenschlechte Berichterstattung in den deutschen Medien über die
    Vorgänge in der Ukraine, ist die gewollt?

    Soll das auffallen?

    Will man auf die eigene Zwangslage hinweisen?

  20. In Malaysia ....
    … flog vor etwa 10 Jahren noch extra eine Security Officerin mit mir (und meinem Leatherman-Tool, das ich dusseligerweise ins Handgepäck gestopft hatte), damit ich es behalten konnte. Nun ja, sie wollte „eh nach Hause“ zu unserem nächsten Zielflughafen und zeigte sich somit sehr sehr kulant.
    .
    In LA hingegen nahm man mir die kleine „Spare Air“ Tauchflasche (die es noch durch die deutsche Security geschafft hatte) … auf dem Weg nach Hawaii mit freundlichem Lächeln ab, weil man bei der Flasche „… nicht den Boden sehen könne“.
    .
    Ich meinte zu den freundlichen Security Guys, es sei keine Bombe und wenn sie sie ordentlich wieder zusammen bauen, dann könnten sie damit auch getrost tauchen gehen.
    .
    „Always keep the airways open…“ sagte ich noch, dann musste ich los.

  21. Abwaegig
    Letztens hatte ich die gleiche Diskussion mit der Polizei (also ich hatte mich mit meiner Beschwerde als ehemaliger „Airliner“ schon hochgearbeitet) Schuhe-Ausziehen am Flughafen.

    Die Plastikbombe im Schuh fiel dort als Schlagwort von der Gegenseite. Als ich Ihn darauf hinwies, dass Plastikbomben auch in Innenschenkel anklebbar sind und je nach Geschlecht sogar an anderen Orten ebenfalls, wenn es denn jemand wirklich darauf anlegen will, kam die gewöhnliche Antwort mit der Verordnung.

    In Deutschland hatte dochmal jemand von der Unmündigkeit geschrieben vor 250 Jahren, ist anscheinend noch nicht so ganz angekommen.

    Desweiteren Herr Alphonso, um auf Ihren Vergleich mit Pate III zurückzukommen; die alten ringenden Griechen kamen in der Antike auf wohl 27 Arten, wie man eine Person mit blossen Haenden über den Jordan jagd. Ein paar davon kenne ich auch, muss ich demnaechst in Handschellen ins Flugzeug einsteigen, zusammen mit all den Chuck-Norris-Van-Damme Filme Fans?

  22. up in the air
    ein Film: am besten sei man vertraut mit den Schlangen und mit den Erfordernissen an heutige Flugzeugpassagiere.
    Die Security ist btw keine Meisterleistung aus Deutschland, sondern eine sublime Erfindung der Homeland Security und die hat ihren Sitz bekanntermaßen in den USA wo man mit verspäteten wie anspruchsvoll wirkenden Fluggästen einen zusehends konziser wirkenden Ton „pflegt“.

    Gut ist es, sich mit den derzeitigen Anforderungen an zahlendes Flugpassagierpersonal auseinandergesetzt zu haben, besser noch ( in Übersee zb) sich in die Schlange zu den (asiatisch geschulten) Geschäftsreisenden zu stellen, die (up in the air zeigt das) „professionell“ mit solchen Anforderungen umzugehen wissen.

    Ein Marmeladenglas (mit glibbrig wirkendem Marillengelee befüllt-sry) kann allerdings auch an Sprengstoff erinnern.

    Ansonsten bliebe die Fahrt im Landauer für die Freunde commoden Reisens.

  23. Nicht direkt zum Thema, aber doch
    amüsant und in den Formenkreis „Security“ gehörig: Mein Arbeitgeber ließ jüngst das Institutsnetzwerk neu machen und dabei den Herren von der IT-Abteilung freie Hand. Die sperrten ohne Sinn und Verstand weite Teile des Internets, die bekanntlich eh nur zum Filesharing, Zeit vertrödeln und Virenschleudern gut sind. Pikanterweise auch das Hausblog. Begründung – die das Programm freundlicherweise mitliefert: „Pornography“.

    Wussten wir ja schon immer, oder?

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