Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Deschner, de Sade und Mutzenbacher im Lateinunterricht

| 39 Lesermeinungen

Früher war mehr Höllenfeuer: Nicht an Wollust oder Aufklärung durch Deschner geht die Kirche letztlich zugrunde, sondern an Desinteresse, Doppelmoral und alternativer Freizeitgestaltung.

Wenn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt.
Gregor der Grosse über Heiden wie mich

Die Kirche hat nicht nur einen guten Magen, wie einmal jener kluge Kopf bemerkte, der in des Pudels Kern steckte – sie hat auch gute und dauerhafte Kreide. Denn wenn ich in meiner Heimatstadt zum Bäcker gehe, komme ich an Häusern und Türen vobei, und auf fast allen Türen steht 20 C + M + B 08. Das haben die Sternsinger vor 6 Jahren an die Türen gemalt. Und danach nicht mehr. Aus mir nicht näher bekannten Gründen kommen Caspar, Melchior und Balthasar nämlich nicht mehr, selbst wenn noch vor einer Dekade versucht wurde, die Reihe der Weisen aus dem Morgenland mit Weisinnen zu schliessen. Ich bin – wie jener kluge Kopf in des Pudels Kern – allergisch gegen Weihrauch, und obendrein auch noch Agnostiker, insofern ist das für mich kein Besuch, den ich sonderlich vermissen würde.

Würde ich den Namen meiner kleinen, dummen, aber manchmal auch sehr robusten Heimatstadt an der Donau nennen, so würde die Leserschaft heute damit einen Hersteller deutscher Automobile verbinden, und vielleicht noch das Reinheitsgebot, das hier 1516 erlassen wurde. Dabei liegt die historisch entscheidende Bedeutung darin, dass hier über Jahrhunderte alle Bräuche des Katholizismus nicht nur eingehalten, sondern von hier aus auch mit allen Mitteln durchgesetzt wurden: Über all die Epochen war diese Stadt das wichtigste Zentrum der Gegenreformation in Deutschland, und das hat sie geprägt. Das Haus, in dem ich schreibe und das sich meine Familie angeeignet hat, war früher ein Jesuitenkolleg, und das Zimmer, in dem ich sitze, beherbergte die Bibliothek mit all den Geisteswaffen, die man zum Niedermachen Andersgläubiger für notwendig erachtete. Ich habe ein paar der Bücher gelesen, die hier noch im 18. Jahrhundert verfasst wurden, und von Aufklärung ist da keine Spur. Schwarz, rabenschwarz war diese Stadt, und auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches dominierte hier die Kirche alles.

Aus der Einheit von Thron und Altar wurde die Einigkeit des Konkordats und letztlich dann die formelle Trennung von Staat und Kirche, die einem Schüler hier auch nicht weiterhalf, wenn er zwar Ethik besuchte, aber in Latein der Religionslehrer ohne Rücksicht sein Weltbild diktierte. Grosso Modo gibt es ja zwei Arten von Lateinlehrern: Die Freunde der Antike mit ihren teilweise doch sehr losen Sitten. Und dann jene, die für Theologie das spätantike Kirchenlatein erlernten, und in Latein die Sprache des Glaubens sahen, auch wenn der aramäischsprachige Religionsgründer selbst Latein als Fremdsprache erlernt haben dürfte. So etwas durfte man im Unterricht natürlich nicht erwähnen, und wer dennoch meinte, ein kluger Kopf sein zu müssen, dem wurde derselbe eingedellt, so wie es im Moment die Bauarbeiter mit den Schädeln jener Gläubigen tun, deren sterbliche Überreste bei den Umbauarbeiten am Münster den modernen Notwendigkeiten im Weg liegen.

Um so begieriger haben wir damals – 80er Jahre, 20. Jahrhundert, unter Strauss und Kohl – den Deschner gelesen. Der Bezug desselben war nicht so einfach, den musste man nämlich im Buchgeschäft bestellen, wo er natürlich nicht vorrätig war – das Buchgeschäft war mit der Lokalzeitung verquickt und die Lokalzeitung wiederum war so gestaltet, dass sie jederzeit das Privileg der hiesigen Jesuiten des 17. Jahrhunderts bekommen hätte. Der Deschner wurde dann heimlich vor dem Beginn des Unterrichts von einem klugen Kopf zum nächsten gegeben, was von da an zuverlässig für allergrösste Nöte in Religion und Latein führte. Zwar war dem armen Mann das Kirchenlatein im Kopf geblieben, aber nicht all die schönen Stellen, die Deschner zusammengetragen hatte: Die spitzen Pfeile trugen die Namen von Ambrosius von Mailand, Johannes Chrysostomus und Augustinus von Hippo, und generell hatte das Christentum in 1900 Jahren viel Zeit, all das Unerbauliche und Aberwitzige anzuordnen, was so ein Religion- und Lateinlehrer seinerzeit sicher auch nicht im Original gelesen hatte, oder vielleicht auch nur vom Hörensagen kannte.

Es ist nun mal nicht leicht, die Botschaft der Liebe in die Gymnasiastenwelt zu tragen, wenn dieselbe gereizt, auf eine gebildete Art pubertär und obendrein verärgert ist, weil Herr Deschner einem die Augen nach all den Jahren der historischen Unkorrektheit, der „frommen Lügen“ geöffnet hat. Jede Diktatur erschafft sich ihre gegnerischen Bestien selbst, genauso verschlagen und zynisch wie sie. Es genügte, nur einmal siebengescheit das häretische Wort „Apokatastase“ einfliessen zu lassen, und die Stunde war gelaufen. Hochgefährlich war das Spiel, das wir spielten, denn hätte man bei einem von uns in der Schule den Deschner gefunden, es hätte mehr Ärger gegeben als damals, als der heutige Chefarzt H. sein frühes Interesse an der menschlichen Anatomie durch das Vorzeigen des „Puer Ludens“, des Playboy in der Umkleidekabine bewies, als der Sportlehrer F. unvermutet eintrat. Da hätte man uns, wie es bei uns im Wissen um den real existierenden Glauben so schön heisst, katholisch gemacht im Sinne von „Kopf abgerissen“. So hart wurde damals die Freiheit erkämpft, und neben der schlechten mündlichen Noten nahm man die Gewissheit mit, dass man sich von denen nicht mehr für dumm verkaufen lässt – man hat ja seinen Deschner gelesen, und auch, sobald man seiner habhaft wurde, seinen de Sade. Die Josefine Mutzenbacher wurde ja leider schon 1982 auf den staatlichen Index Librorum Prohibitorum gesetzt, da nahm man eben, was man kriegen konnte, wenn man es nicht zufälligerweise irgendwo bekam.

Weltenfern sind solche Lustbarkeiten von jenen Gerippen, die nun schon erheblich vor dem jüngsten Gericht und der Auferstehung beim Chor des Münsters an das Tageslicht kommen. Billig waren diese Grabstätten damals nicht, das waren mithin die besten Plätze, nahe am Altar, bei den Gebeten und den Reliquien. Man musste den frommen Werken viel geben, um dort begraben zu werden und auf die letzten Tage zu warten. Ich selbst habe übrigens nach dem Abitur Archäologie studiert, dazu dann auch Kirchenväter und Klosterarchivalien im Original gelesen, und monatelang solche Körper aus der Erde befreit – am Ende steht für jene die Inventarisierung im blauen Müllsack. So ist das mit dieser Welt. Am Abend sitzt man am Bauwagen und grillt, und niemand denkt sich etwas dabei, dass hinten in den Holzkisten ein paar Dutzend Gerippe liegen, oder von fern die Kirchenglocken läuten. Es werden nicht die Böcke von den Schafen getrennt, Diakon und Prasser, sie alle bekommen den gleichen blauen Sack. Als Ausgräber ist man nicht respektlos wie gegenüber dem Lateinlehrer, man betrachtet den Befund, der einmal ein Mensch war, durchaus mit fachlichem Interesse. Aber die Erwartung eines besseren Jenseits spielt dabei keine Rolle mehr.

Von meinem Zimmer, der ehemaligen Bibliothek des religösen Wahns, aus der heraus die Schlächtereien des 30-jährigen Krieges gelobt wurden, blicke ich auf den Chor der Kirche, und dazwischen ist die ehemalige Klosterschule für Mädchen. Ein Kloster ist vorne immer noch, aber es stirbt aus, und hinten tragen die Mächen enge Leggins und iPhones, auf denen sie sich die Zuschriften ihrer Freunde zeigen, die oft an der gleichen Schule sind. Früher galt hier noch Zucht, Ordnung und Hausarbeit als einziges Programm, heute ist das eine Schule wie jede andere. Damals war ich im Ethikunterricht ein Exot, heute ist das überall eine ganz normale Einrichtung. Ich mache mir wenig Illusionen über das, was die Kinder im Netz herunterladen; es dürfte wohl das sein, was heute als „jugendgefährdend“ gilt. Niemand hat es heute noch nötig, im Krieg gegen einen Lehrer die gemeinsten Stellen von Gregor dem Grossen vorzutragen, um sich der ideologischen Vereinnahmung zu erwehren. Verloren hat die Kirche nicht gegen Deschner, Voltaire und Bismarck – verloren hat sie gegen die Gleichgültigkeit und den Umstand, dass angesichts mancher unschöner Hirten das Sparen der Kirchensteuer moralisch gut erklärbar ist.

Das ist eben der Gang der Zeit, und es sieht nicht so aus, als würde sich daran im Zeichen eines angeblichen Jugendschutzes und in die Debatte geworfener Pornofilter im Internet noch etwas ändern. Früher hatte die Kirche da wohl noch eine gewisse Strahlkraft, da konnte man den Kindern Ängste und Schuldgefühle einreden, weil die Informationsquellen beschränkt und kontrolliert waren. Der Playboy hat den H. aber nicht zu einem schlechten Menschen werden lassen, und obwohl ich meinen Deschner kenne, hängt links über meinem Sekretär, über zwei lasziven Rokokoamen und neben einem künstlerischen Hallodri auch ein nicht gerade schöner Würzburger Bischof aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Beinahe hätte ich wegen all der Frechheiten und der mündlichen Einträge das Latinum nicht bekommen, aber rückblickend muss man wohl sagen: Solange man sich streitet und bis aufs Blut quält, hat man sich wenigstens noch etwas zu sagen. Sobald da aber nur noch die Gleichgültigkeit ist, der Kirchenaustritt ein Steuersparmodell wird, und man den Deschner nicht kennen muss, weil der Augustinus mit seiner Erbsünde nicht mehr von dieser Welt ist, muss man sich auch nicht wundern, wen die Kreide an den Türen langsam verbleicht, vergessen und nie mehr erneuert wird.

HINWEIS:

Stets auf’s Neue erneuert sich dagegen das Kommentarblog, so auch für diesen  Beitrag.

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39 Lesermeinungen

  1. De Sade hatte wenigstens noch ein Einsehen mit den Frauenzimmern
    er wußte um ihre Natur.
    Das soll uns allen ja heutzutage gründlich aberzogen werden.

  2. Vielen Dank für den diesen Text!
    Sehr geehrter Don,

    danke sehr, und doch sitzen wir am heiligen Abend in der Kirche und denken, wie gut dass uns noch jemand davon wirksam davon redet, wie wichtig wir uns einander sein sollten. Erinnert, dass es mehr gibt, als wir wahrnehmen können…
    Tja, vielleicht müssen wir auch damit erst unbefangen leben lernen. Wer weiß…
    Reinhard Mey drängend auf Sei wachsam! „Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen: Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, – ich halt‘ sie arm!“ (live bei YT).
    Apropos: Grandiose Fundgrube für exquisite Barockmusik: Oedipus Coloneus: http://www.youtube.com/channel/UCnYrBCF_QIPD2SIkjwmi8Pg
    Selbst höre ich derzeit begeistert: Medelssohns 3. – „Die Schottische“ – wunderschön.
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/3._Sinfonie_%28Mendelssohn%29 – den jungen Mendelssohn, der mit 11 zu komponieren begann, hatte u. a. Goethe schon zu sich geladen)
    Haben Sie einen angenehmen Sonntag mit Ausschlafen. Viele freundliche Grüße – azur

  3. Bruder in Christo !
    Satan hat deine Sinne vernebelt
    um deiner Seele willen flehen wir dich an:
    lass ab von deinem sündigem schreiben !
    noch ist Zeit zum widerrufen
    willst du dereinst ohne Sakramente dahin scheiden ?
    du hast jetzt die Möglichkeit zur online-Beichte
    kehr um und tue Buße
    wir beten für dich
    Amen

    gez. Prälat Bruckbacher

  4. schon früh entsorgte
    sich der Autor seines Glaubens und Verstandes, wie er jetzt menschliche „Gerippe“ in blauen Müllsäcken entsorgt – und offenbar noch stolz darauf ist. „So ist das mit dieser Welt“ allerdings nur für einen, für den es -so oder so- nur diese eine gibt.

  5. Sinnentleerte Bräuche haben immer nur dazu geführt,
    daß die Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens verzweifelt, gleichgültig oder gewalttätig geworden sind.
    Die erfolgreichsten Varianten im menschlichen Zusammenleben waren und sind, egal für welche Glaubensrichtungen, immer Zwang, Unterdrückung und Gewalt.
    Leider hat die Häresie bisher auch kein vorzeigbares, friedliches Miteinander hervorgebracht.
    Die meisten Menschen glauben lieber irgendwas, bevor sie selber denken und erkennen wollen „….was die Welt im Innersten zusammenhält.“
    Vielleicht nützt der „Zauber“ von Caspar, Melchior und Balthasar auch länger als ein Jahr.
    Wer weiß?

  6. Jesus und Latein
    Lieber Don Alphonso!

    Der „aramäischsprachige Religionsgründer“ konnte sicherlich kein Latein und hat es auch nicht erlernt, denn dafür gab es für einen Sohn des ländlichen Galiläa keinen Bedarf. Eher schon Griechisch, denn der Osten des römischen Reiches war hauptsächlich griechisch-sprachig. Ich bezweifle aber auch, daß er das konnte, denn er besucht z.B. keine einzige der griechischen Städtegründungen in Palästina (wie z.B. Cäsarea). Wohl deshalb, weil sie ihn dort nicht verstanden hätten, denn außer Aramäisch sprach er wohl nichts. Deshalb war er ja auch predigend nur im ländlichen Galiläa unterwegs.

    • Wenn er der war, für den man ihn landläufig hält, sollte Latein kein Problem gewesen sein.

    • In jener seltsamen
      Gegend kam einem doch schon damals alles spanisch vor…

    • Gruender?
      Waere der Gruender nicht eher Paulus, welcher wohl neben aramaeisch auch vor allem griechisch kommuniziert haette? Petrus hat wahrscheinlich Latein lernen muessen bevor er nach Rom ging, da der Tripsonst wenig Sinn gemacht haette.
      Es ist unklar wie Jesus mit Pontius gesprochen hat, und es gibt meines Wissens sonst keine Indiz dafuer dass er Latein konnte, oder?

  7. hans
    Die Kometenjäger sind durch die men in black abgelöst worden, schließlich ist nicht alles gut, was von oben kommt. Und Halloween ist für die lieben Kleinen viel flexibler zu handhaben als das CMB-Gekritzel. Zumal man auch bei Agnostikern Süsses und Saures einfordern kann und keiner Mütze tributpflichtig ist

  8. Dreikönigsspendenkreidenbeweistüraufmalerei
    O.g. wird heute – zumindest in den Großstädten – durch Aufkleber ersetzt. Diese werden dann nicht an die Tür geklebt, sondern dem/der Spender/in übergeben, meist sinnt man dann auf Schonung des Eigentums und sammelt diese quasi als imaginäre Eintrittskarte für den jüngsten Tag, denn alles Eigentum, also auch Haus und Tür muss man bei der leiblichen Trennung von Körper und Geist zurücklassen („alea iacta est“). Vielleicht werfen einem ja die lieben Anverwandten oder wer auch immer hinter dem Sarg meditierend folgt, die gesammelten Belege („penitentiam agere“) mit in die offene Grube, und man hat dann bei Petrus an der Pforte zum Himmelreich („porta coeli“) ein paar beweiskräftige Argumente mit dabei, wenn’s mit dem geforderten Lebenswandel dann doch nicht so geklappt hat, wie erhofft („…sic transit gloriam mundi“).
    Meist nimmt der Glaube zu, wenn man sich dem Lebensende oder einer niemandem zu wünschenden existentiell bedrohlichen Situation nähert, „Not lehrt beten“. Dann besinnt man sich auf die Wurzeln und das rudimentäre gesellschaftliche Gefüge, dass schon seit tausenden von Jahren funktioniert und Absolution verspricht und verlässt sogar als Beamter seinen schönen Staat. Nicht umsonst wurde der Umbruch in der ehem. DDR von Kirchen vorangetrieben und auch das dritte Reich brachte nach seinem Ende eine Nation gläubiger Christen hervor, die all die Jahre nichts als Toleranz und Nächstenliebe gepredigt haben. Das Sie noch in der Kirche sind, ist also nicht irrational, sondern schützt Sie lediglich vor vielleicht noch kommenden schlechten Zeiten, oder politischen Veränderungen, man weis ja nie, was noch so passiert. Zum Austritt haben Sie einfach nicht den nötigen Charakter, wie auch schon der Zusammenhang von frivolen Damen und dem Abbild des Bischofs in Ihrer Wohnung zeigt. Aber keine Angst, wir sind uns wohl fast alle einig mit unserem ungeteilten „Selbst“. Sonst wär‘ das Leben viel zu schwer. Und: „Denken strengt an“, wie meine inzwischen selige Lateinlehrerin immer sagte, „manchmal so sehr, dass man Kopfschmerzen davon bekommt, also lassen es viele lieber gleich ganz bleiben.“ Also noch einen geruhsamen Sonntag.

  9. Titel eingeben
    So ganz egal dürfte Deschner aber nicht gewesen sein, denn er versetzt all denen einen ultimativen Stoß zur Abkehr, die – bisher schwankend – noch Einfluß haben. Das verleiht dem Christlichen Siechtum den binären Kick ins Jenseits. Na ja, die Kirche und ihre taumelnden Gewandträger tun das ihre auch noch dazu. Sie machen wohltuend Platz für neue Illusionen, die der ewig Suchende braucht. Schön zu lesen, danke !

  10. "Die Josefine Mutzenbacher wurde ja leider schon 1982 auf den staatlichen Index ... gesetzt"
    Nicht nur das. 1990 entschied der NRW-Oberverwaltungsgericht sogar, dass es sich um „Kinderpornografie“ handele! Strafrechtlich ist das laut wikipedia aber nicht relevant, weil es sich um reine Prosa handelt, die nicht mit Abbildungen illustriert sei. Zensur gibt es also auch nördlich von Ingolstadt!

  11. Erde: Darunter steckt immer ein hohler Kopf...
    Wer nach Rosenkranzbeten nun endlich Zeit für die Lektüre findet, fragt sich: Wer ist dieser Herr Deschner, und was hat er mit Sade und dem männlichen ‚alter ego‘ der Mutzenbacherin zu tun ? Mutmaßlich ist es die Freude an der Provokation, wie sich nach kurzer Recherche zeigt.
    .
    Falls ‚die Kirche‘, wie postuliert, trotz allem Reformbedarf wirklich an ‚Desinteresse‘, ‚Doppelmoral‘ oder ‚alternativer Freizeitgestaltung‘ zugrunde gehen sollte, gibt es halt blöderweise so einige Institutionen die aus derlei Gründen lange vorher in die ewigen Jagdgründe eingehen dürften: Nicht überall wo Aufklärung draufsteht, ist auch wirklich Aufklärung drin !
    .
    Wo der Fürst sich nicht mehr mit der Kirche einlassen will, greift er zunehmend auf Berater, Redakteure, Gremien und Interessengruppen zurück. Das muß zunächst nichts Schlechtes sein, das ist es aber -insbesondere wenn der Fürst sich vorgebliches Seelenheil erkaufen möchte- in vielen Fällen aber leider dann oftmals eben doch.
    .
    Augenscheinlich harrt Herr Deschner seit Freitag seiner Wiederauferstehung, daher Beileid den Hinterbliebenen. Möglicherweise war dieser Umstand und das anstehende Osterfest der Anlaß für den Beitrag hier.

  12. Mediziner
    Reibung erzeugt Wärme – nicht nur physikalisch!

  13. Untergang einer Institution
    Sicher stirbt die ‚Kirche‘ auch am Desinteresse der Mehrzahl der Menschen in den Industrieländern.
    Wenn allerdings das Führungspersonal außer korrupt auch noch atheistisch oder, wie der Autor des obigen Artikels, agnostisch ist, was für eine Daseinsberechtigung für eine derartige Institution ist denn noch vorhanden?
    Wären sie gläubig, könnten sie nicht korrupt sein weil es ja der sichere Weg in die Hölle bedeuten würde.

    MfG: M.B.

  14. weitere Gründe für den Niedergang der Kirche
    könnten sein: daß sie in der Moderne nicht mehr gebraucht wird,
    daß ihre überkommenen Glaubenssätze keine überzeugende Welterklärung mehr darstellen,
    daß eine stetig wachsende Zahl von Menschen, sich ihre Lebens- und Denkweisen nicht mehr von einer weltfremden Theokratie diktieren lassen will,
    daß die ungeheuren Verbrechen der Kirche, nicht zuletzt dank Karl-Heinz Deschner bekannt, von vielen Menschen als abstoßend erlebt werden.

    Eine Institution, die selbst im 21. Jahrhundert noch dogmatisch an Überlieferungen festhält, die einer antiken Hirtenkultur entstammen, wird unweigerlich zu einer anachronistischen Sekte schrumpfen.

  15. Ich sehe für Don Alphonso ein Problem
    Leider war die intakte religiöse Fundamentierung seiner „kleinen dummen Standt“ an der Donau die Ursache, warum Don Alphonso diesen Ort zu seinem Wohnort erkoren hat. Ich fürchte, wenn diese Fundamentierung abhanden kommt, wird es dort nach einiger Zeit so wie im vom Don so verabscheuten Berlin aussehen. Insofern sehe ich den Don in einer langen Reihe von aristokratischen Vorgängern, die nichts besseres zu tun hatten, die Fundamente zu zerstören. Den blutigen Preis Preis haben die aristokratischen Standesgenossen von Voltaire, De Sade et alii nur 15 Jahre nach dem Ableben von Voltaire bezahlt.

    • Ich gebe gern zu, dass ich Opfer einer „lokalen Prägung“ bin, und ich merke beim Umgang mit Protestanten durchaus, dass die oft eine andere Lebenseinstellung haben, selbst wenn sie nicht gläubig sind. Manches besteht einfach kulturell fort, selbst wenn die Ideologie verschwunden ist. Amüsanterweise haben Norddeutsche bei mir oft den Eindruck, ich würde nicht schreiben, sondern predigen wie ein Jesuit.

    • Mag sein
      Auch ich bin Opfer einer lokalen Prägung. Schon meine Eltern waren wie ich treue Katholiken und gleichzeitig Agnostiker. Aber ich habe mich in meinem Posting nicht speziell auf die katholische Kirche bezogen. Die evangelische Kirche Deutschlands ist im noch weitaus stärkerem Ausmaß ein toter Hund. Ich wollte vielmehr die Frage stellen, ob es klug ist, am Ast zu sägen, auf dem man sitzt.

  16. Lustiger orthographischer Lapsus
    Den „…zwei lasziven Rokokoamen …“ scheint ein D zu fehlen. Falls nicht hätten Sie meine Neugier geweckt, wie genau die Bilder das denn darstellen.

    • Ups… danke für den Hinweis, irgendwo habe ich auch ein Bild davon…

    • Rokoko-Amen sind
      etwas verspielt, wie das hier (und in der italienischen Nachbarschaft) halt so üblich ist – nur sehr mühevoll mit dem überaus kraftvollen, lautstarken, amerikanischen „EEY-MENN“ zu vergleichen…

    • So, noch schell eine Aufnahme meine Arbeitsplatzes gemacht. mit Rokokodamen:

      http://rebellmarkt.blogger.de/static/antville/rebellmarkt/images/arbeitsplatz.jpg

    • Und der Rechenknecht ist tatsächlich nicht ß-fähig?
      (Am schönsten ist natürlich das überaus gelungene Silberkannenspiegeloberflächenselbstbildnis)

    • Ich habe einfach keine Lust auf das ß. ss oder gar nicht. So ist das.

    • ßoso
      ein verkappter Schweiz(bankkontoinhab)er also…

    • Dafür winseln Leute wie ich nicht andere wegen der eigenen überzogenen Moralvorstellungen voll: Was wir habem, benutzen wir nur zur Distinktion und was andere erreichen wollen, ist uns egal. Ich glaube einfach, wir sind unterhaltsamer.

    • Titel eingeben
      Text eingeben

    • Und wenn jemand versuchen wollte
      Ihnen und Ihresgleichen die Distinktion zu nehmen – das wäre Ihnen mitnichten egal, nicht wahr, Sie würden vielmehr solche am Erreichen zu hindern versuchen, unterhaltsam selbstverständlich.

  17. OT
    Die Streithähne in Washington und Moskau sind nicht zu beneiden.

    Was dem einen sein Janukowitsch in Kiew, ist dem anderen seine EU in Brüssel.

  18. The 150-year-old church tax should be lifted
    At least for this reader, christened in the German Protestant church, the existence of a church tax and a sudden demand for thousands of Euros after moving to Germany was the reason for leaving people in the English-speaking world it’s just bizarre, and a terrible imposition on freedom — why should the state tax citizens on behalf of a church? It speaks to an insufficient separation of Church and State. My belief is private, and I don’t want the government interfering. Martin Luther may have understood this so it’s ironic that things turned out this way. One of the ways in which Germany is just really conservative, and probably doesn’t even realize it.

    • Better not
      „lifted“ is understood here as a proposal to hike this tax (which is the tip of our „churchstate“-iceberg only!) but what you really mean is to abolish it altogether, don’t you?

  19. Pingback: Kirche heute, 24. April 2014 | Christliche Leidkultur

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