Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Was ist das, Miete? – Ein Hoch auf die Helikoptereltern

| 31 Lesermeinungen

Sie verwöhnen ihre Kinder, schippern sie durch alle Gefahren und halten sie unmündig: Fürsorgliche Eltern mit Vermögen sind ein beliebtes Opfer der Medien. Ganz so, als wäre einsames Waten im Sumpf des Daseins ein Vergnügen.

Schrbbschrbbschrbbschrbbschrbbschrbbschrbbschrbb

Was darf ich Ihnen bringen?

Ja, also, die Muscheln für die Tochter. Als Vorspeise. Auf die Muscheln haben sie sich geeinigt, als die Tochter zuerst nur Fisch wollte, aber auf der Tageskarte standen so schöne andere Speisen. Kindchen, haben sie gesagt, das musst du probieren. Nicht gesagt haben sie „denn leider muss unser Schatz morgen wieder mit den Keimen und Bakterien der Unikantine kämpfen“, aber gedacht haben sie es, und sie deshalb genötigt, auch eine Vorspeise zu nehmen. Und bei den Dolce sind sie sich noch nicht sicher, je nach Lust und Laune, erst einmal den Wein. Einen guten Wein zu einem schönen Wochenende am See, das sich unter einer dramatischen Wolkenformation dem Ende zuneigt. Morgen wird die Tochter wieder allein über dem Bachelor leiden, die Eltern werden einsam die S-Klasse aus der Hotelgarage steuern, aber heute wird noch einmal richtig gefeiert.

Und geredet. Über die Probleme, die so anstehen. Zum Beispiel ist sich die Tochter nicht sicher, wie das alles weitergehen soll. Für die ersten Jahre hat die Wohnung wohl ausgereicht, aber inzwischen merkt sie die Nachteile, die lange Fahrerei mit der U-Bahn, die Lage weit draussen, und ausserdem steigen Mieten und Nebenkosten, besonders in München. Das sei alles sehr trist. Für die Eltern, die dem Aussehen nach in einem der besseren Häuser in Tegernsee logieren, ist das ein schmerzensreicher Dolch im Herz. Natürlich kann die Tochter, das steht ausser Frage, daheim allen Platz der Welt haben, aber die Zustände in München sind nun einmal eng, und ausserdem wollen Eltern immer, dass ihre Kinder es besser haben. Diese Tochter hat es nicht besser und auch, als die Muscheln kommen, bessert sich ihre Lage kaum: Die Aussicht auf ein dunkles Loch im Münchner Westen während des Winters ist nicht wirklich schön. „Es einmal besser haben“ sieht anders aus, und schon der Start ins eigene Leben ist schwierig.

Es könnte schlimmer sein, denn wenn sie etwas braucht, kommen die Eltern und finanzieren ein Wochenende an einem der oberbayerischen Seen. Sie werden immer da sein, wenn die Tochter in Bedrängnis ist und, so wie sie Anteil nehmen, auch dann, wenn es vielleicht gar nicht nötig wäre. Allgemein wird das, was sich am Nebentisch zwischen Muschelbergen und Schwertfisch in Hilfsangeboten ergeht, in den Medien als „Helikoptereltern“ geschmäht – die bittere Folge der Ein-Kind-Familie mit verwöhntem Nachwuchs und Eltern, die vom elitären Kindergarten bis zum Auslandsaufenthalt in Oxford immer auf des Beste für das Kind achten. Mit dem Ergebnis, dass die Kinder vollkommen verhätschelt und nie wirklich selbstständig werden, weil immer jemand da ist, der für einen das Leben in den Griff bekommt.

Denn das Fahrrad wird geklaut, da muss ein neues her. Ver der Prüfung wird die Ernährung auf Rockstar und Snickers umgestellt, das ist ein Alarmsignal und so wird das Kind zum Essen ausgeführt, damit es auch mal wieder auf andere Gedanken kommt. Papierkram macht der Vater und die Mutter beschäftigt sich mit der Fauna und Flora in Bad und Küche. Es gibt tausende von Anekdoten über lebensunfähige Kinder, die schon am Glascontainer scheitern und deren Kühlschrank randvoll mit verwesten Dingen ist, deren Beseitigung einen HAZMAT-Anzug empfehlenswert macht. Unter den vom Schreibtisch gewischten Ordnern findet sich auf dem korrekten stratigraphischen Niveau auch die zu Weihnachten so sehr gewünschte, dann aber verschwundene Straussenledertasche wieder. Und sollte sie doch verborgen bleiben, wird das Umzugsunternehmen Papa sie am Ende finden – es sei denn, man beschliesst, dass man die ganze Einrichtung einfach an den nächsten Mieter verschenkt, weil man keine Probleme haben will, und das Kind ohnehin alles neu bekommt.

So macht man sich lustig und verweist darauf, dass es früher ganz anders war und Kinder natürlich allein klar kommen mussten, ohne dass die Eltern jede Woche Kriseninterventionseinsätze durchführten. Das ist richtig. Ich kenne das von mir selbst und von meiner Alterskohorte. Unsere Eltern waren Helikoptereltern mehr im Sinne des Vietnamkriegs, sie flogen uns ein, warfen uns an der Landezone hinaus und schrbbschrbbschrbbten weiter in die Toskana. Ein Mobiltelephon, um sie dort zu erreichen und zu einem Sondereinsatz aufzufordern, gab es auch nicht, geschweige denn Internet. Das muss man sich mal vorstellen, wir waren wirklich mutterseelenallein ganz auf uns gestellt, drei Wochen lang und wirklich niemand war da, uns zu helfen – in unseren schicken Eigentumswohnungen exakt zwischen der Universität und der Feiermeile in jeweils 200 Meter Entfernung. Schliesslich warfen unsere Eltern niemanden einfach im Dschungel des Studiums aus dem Hubschrauber. Es gab eine sorgsam geplante, gekaufte, voll selbstfinanzierte und ausgestattete Basis, und dort lernte man im Umgang mit anderen schnell den skrupellosen Einsatz von Klassismus, wenn sie fragten, wieviel Miete man hier in dieser Traumlage bezahlte – Miete? Was ist das, Miete?

Ich habe diese Wohnung auch heute noch, und heute wird sie vermietet. Dadurch lerne ich diese viel geschmähten Helikoptereltern – „Arzt sucht für seine Tochter“ – kennen, die eigentlich, dem Gefühl nach, auch gern kaufen würden. Bei uns war das noch eine einfache Entscheidung: Das Studium dauerte minimal sechs Jahre, man blieb, wo man angefangen hatte, und dass es wirklich so sein würde, dafür sorgte auch die Annehmlichkeit der gekauften Wohnung. Es waren klare, geordnete Verhältnisse vom ersten Tag an. Das machten alle so. Es gab höchstens ein Erasmussemester, die meisten gingen nach München und kamen dann wieder, um die Praxis, Firma oder Karriere der Eltern zu übernehmen, oder wenigstens zu heiraten und eine Familie zu gründen. Schon damals wirkten solche Wohnungen abnorm teuer, und sie lohnten sich nur, wenn man sich dadurch jahrelang die Miete sparte. Im ersten Moment begrenzen solche Anschaffungen auch bei Vermögenden deutlich die finanziellen Spielräume, und würden heutige Eltern exakt jene Wohnungen kaufen, die meine Eltern erworben hätten, müssten sie mehr als eine halbe Million auf den Tisch legen. In einem Land, in dem der Reichtum bei eher bescheidenen 220.000 Euro Vermögen pro Person beginnen soll. Das rechnet sich langfristig, denn das Kind hat danach, wenn es bleibt, einen soliden Grundstock und einen sicheren Hafen – aber kurzfristig bleibt da nur selten Spielraum für weitere, üppige Zuwendungen, die per Helikopter eingeflogen werden.

Das war die Welt vor der Bolognareform, und unsere Kreise zogen wir zwischen Donau und Tegernsee. Heute sind längere Aufenthalte im Ausland üblich, dazu Studienortswechsel, Praktika bei globalen Firmen, und das alles in einem enorm verkürzten Studium und nach einem achtstufigen Gymnasium. Bevor unsereins nach – im schlimmsten Fall – Bund oder Zivildienst und all den Feiern übernächtigt nach den Hörsälen für seine Studienpremiere suchte und sie nicht fand, dafür aber ein hübsches Cafe, sind die Studenten heute schon fertig, im Sinne von „haben ihren Nachweis eines Bachelor-Halbstudienganges erworben“. Und gearbeitet wird dort, wo einen der Markt und die Karriereversuche hinwerfen. Da ist so eine Eigentumswohnung nur ein Klotz am Bein, das lohnt sich nicht, da wird dann lieber gemietet, und so bleibt einem dann auch eine grosse Ausgabe erspart. Effektiv ist das immer noch teuer, gerade in München, aber die Kosten engen das Dasein der Vermögenden nicht spürbar ein. Es ist ohne den Kauf einer Wohnung mehr Geld verfügbar, und das wird dann über Jahre verteilt in die Zukunft des Kindes gesteckt, angefangen beim der Zuppa Inglese am Nebentisch bis zur Finanzierung des MBA an der amerikanischen Ostküste. Bei meinen Eltern war der Kauf einer Wohnung noch ein Akt der selbstgewählten Grosszügigkeit, die modernen Eltern dagegen sind Getriebene der Gezwungene der Globalisierung, und müssen sich zudem in Titelgeschichten vorwerfen lassen, sie würden versagen. Ausgerechnet von Leuten übrigens, die Journalisten oder Soziologen, und noch dazu an einer Berliner Universität geworden sind. Oh the irony.

Es ist so wie überall: Die alten, patriarchalen Strukturen werden durch neue Wettbewerbe in Frage gestellt. Ständig kommt jemand mit neuen, laut geplärrten Forderungen an, für die das bisher gewohnte Leben keine adäquate Antwort hat. Wer nicht spurt, sagen sie, riskiert die Zukunft seiner Kinder. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, und weil damit weder Eltern noch Kinder wirklich klar kommen, entsteht dadurch eine Art fortdauernde Schicksalsgemeinschaft der Modernisierungsgegner. Es gibt – gerade in München – Anzeichen dafür, dass es den Mensche reicht, und sie deshalb den Transrapid, die dritte Startbahn, Hochhäuser und Olympia ablehnen. Draussen fährt dafür eine Gondel vorbei. Wir haben jetzt wieder Gondeln am See. Und Gondoliere. Das ist fein. Aber das ändert noch nichts an den komplexen Rahmenbedingungen, mit denen Kinder und Eltern in der Phase zwischen Schule und Beruf konfrontiert sind. Würden sich die Eltern anders verhalten, gäbe es sicher eine Titelgeschichte über die herzlosen Alten, die in der Toskana fast schon das Blut ihrer von Studium und Beruf überlasteten Kinder saufen. Das gehobene Bürgertum definiert nicht mehr die geltende Moral in diesem Land, es wird von den neuen Ideologien vor sich her getrieben. Das mag denen gefallen, die vor 20 Jahren nur ungern meine Gegenfrage – was ist das, Miete? – hörten, aber derartig bedrängt hält man sich eben, so gut es geht, nach Möglichkeit an die natürlichen Verbündeten.

Was so toll daran sein soll, keine Helikoptereltern und dafür gnadenlose, ungeduldige Vermieter zu haben, habe ich übrigens nie verstanden. Man gewöhnt sich schnell an die Vorteile, es tut nicht weh, und hier in Bayern sagt man, dass man lieber von der lebenden als von der toten Hand nimmt.

HINWEIS:

Als lebendige Hand nimmt das Kommentarblog gern Kommentare entgegen.

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31 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    (Nur) solche Sorgen zu haben, da träum‘ ich nicht mal von: das ist alles so weit weg von meiner Realität und derer, die vor mir kamen…

  2. Lebendige Hand im Kommentarblog?
    Funktioniert irgendwie nicht dort drüben: Es wird zwar in der Adresszeile „…helikoptereltern/comment-page-1/#comment-40338“ angezeigt, aber der Kommentar erscheint nicht.

  3. Tote Hand im Kommentarblog
    Funktioniert nicht drüben: Es wird zwar „…helikoptereltern/comment-page-1/#comment-40338“ angezeigt, der Kommentar erscheint aber nicht.

  4. Schön
    Lieber Don, so ist es mir mit vier Töchtern ergangen, ja bei der ersten hätte ich wirklich in London eine Wohnung kaufen sollen, die zweite relaxte dann in meinem Mietshaus in Hamburg und die zwei letzten müssen zur Miete wohnen..

    Wie immer köstlich Ihr Blog, ich habe heute morgen sehr gelacht. Vielen Dank.

  5. das Letzte Hemd
    …hat keine Taschen, geehrter Don. Und ne Wohnung paßt da ohnehin nich rein. Man muß weg vom Besitzdenken. Eigentum nur zum Vermieten, mit erträglichen Mieten weit unterhalb des Mietspiegels; zum Selbstbewohnen, oh ne. Man kennt genug Leute mit Eigentumswohnung, die kaufen nur beim Discounter. Und wenn sie essen gehen: all you can eat 8€.

  6. Resourcenverteilung zum eigenen und gesellschaftlichen Nutzen
    ..entweder man hat‘ s richtig dick, dann lacht man ohnehin über alles, oder es ist so , wie zuvor beschrieben, Essen und trinken per flat, Aldi as Usual .
    Und richtig dick ist keine gesamtwirtschaftliche Lösung, bzw. wäre im großen reine Fanthasie.
    Lebenskunst wird wohl irgendwo in der Mitte angesiedelt sein.
    Mit einem großzügigen Restbudget darf auch mal was Ausgefallenes passieren.
    Ist die Miete erträglich; wird mich die Hotelrechnung im Urlaub nicht umhauen(sollte sein].
    Fehlt das Auto, ist ein feines Fahrrad erreichbarer State of the Art.
    Und der geleaste Flügel für den Schatz nicht der Tod.
    Und der Musikstudent als Lehrer verkraftbar.
    Habe ich keine Muse mehr zum wohnen, sind mir Lage und Wohnfläche gleichgültig. Hat man aber trotzdem das alles inclusive. Schnörkel,…
    Ist man wohlmöglich eine arme Sau und irgendjemand in der nahen Umgebung blutet dafür…..,
    Opfer ….und so..

  7. Die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung ....
    … cool dass die FAZ immer wieder die gleiche Geschichte erwirbt („Mama-und-Papa-haben-mir-mal-eine-Wohnung-in-Muenchen-gekauft“). Winken die das einfach so durch? Na gut – die vierzig Euro fuer den Ankauf werden sicher aus der Feuilltonkaffekasse entwendet (nach „Dienstschluss“) … so ich gehe jetzt weiterschlafen.

    • Tja, wenn jemand im Schnitt und über Jahre das Fünf- bis Zehnfache der Zugriffs- und Kommentar-
      Zahlen im Vergleich zu allen anderen FAZ Blogs einfährt, dann beantwortet das doch schon Ihre Frage?

      Was mir im Gegenzug nicht einleuchtet – warum eigentlich schlagen Leuchten der Gesellschaft auf, die dem Don mitteilen müssen, wie sehr sie doch der neue Blogeintrag gelangweilt oder geärgert hat? Ich wüsste wirklich mehr mit meiner knappen Lebenszeit anzufangen, als ausgerechnet immer wieder da mitzulesen, wo ich mich langweile?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  8. Schrbbschrbbschrbb
    Mein Vierjähriger kann Müll trennen. Schaun mer mal, was aus ihm wird.

  9. Titel eingeben
    Don, wieder ein schoener artikel. Man kann die jungen kueken nicht genug behueten, pardon, helikoptern. Unsere drei wohnen alle noch zu hause, voller genuss fuer alle beteiligten, vor allem fuer unsere aelteste, die schon arbeiten „muss“. Ihre sparquote: 100prozent, da noch taschengeldbezug.

  10. nun ja,
    ich habe diesen autor bisher ja immer gemieden. denn einerseits ist dieses heile-welt-in-group-verhalten bei gleichsamer kritik der in-group schwer erträglich. andererseits gibts kaum – außer einem kochrezept hier und dort – etwas zu bieten.
    was diese merkwürdige rechtfertigungsanklage soll, versteht wohl der aphons nur selbst: ein noch nicht mal in die jahre gekommener sinniert um das taschengeld, das er mal – vor der deutschen immobilienblase – in den rachen geschoben bekam und vergleicht es mit fantasien der heutigen arroganz.
    einfach nur weltfremd. naja, was könnte man sagen: poste einfach ein rezept deines lieblingsgerichts and shut up!

  11. spätrömische dekadenz?
    Text eingeben

  12. Unterbelichtete Fotos passen zum Artikel
    Zeitverschwendung

  13. Der Mix machst
    Klar versuche ich mein Kind zu schützen und dorthin zu lenken wo es im Alter mit 16 noch nicht meine Lebenserfahrung mit Banken und Immobilien haben kann. Selbstverständlich baue ich meinem Kind eine Basis in Form von Mietobjekten auf, die Leistung die er dann sofern er will, in meinem Business erbringen muss um alles im Sinne eines ordentlichen Kaufmannes zu erhalten, die muss er erbringen. Falls er das nicht will bleibt es meinem Sohn selbstverständlich überlassen etwas zu studieren was er will. Die Zeiten jedoch wo man mit einem guten Hauptschulabschluss eine Banklehre machen könnte ist vorbei. Mittlerweile geht in großen Firmen ohne BWL Studium nichts mehr. Wer will sehen das sein Kind in Hartz IV später seine Familie ernähren muss?

  14. Sonnenuntergangsgedanken
    Sonnenuntergangsgedanken einer degenerierenden Bürgerlichkeit. Wer während Ausbildung und Studium nicht zur Wirtschaftlichkeit gezwungen ist, wird auch später nicht wirtschaftlich handeln.
    Zumindest die gelungenen Bilder aber lassen einen Gestaltungswillen erkennen, den man im verbauten Tegernseer Tal ansonsten schmerzlich vermisst.

  15. Helikoptereltern gab es schon früher...
    Der Artikel zeigt eines deutlich: Helikoptereltern gab es schon früher. Das der Autor seine ei-genen von den modernen Helikoptereltern abgrenzen möchte grenzt an Zynismus. Das Helikoptereltern erst da anfangen, wo sie auch nach dem Kauf einer Eigentumswohnung „weitere, üppige Zuwendungen, die per Helikopter eingeflogen“ bereitstellen können, trifft wohl kaum die Lebenswirklichkeit der meisten Studenten.
    Auch nur den Hauch eines Unterschieds zu sehen, zwischen den Eltern die die Wohnung ihrem Sohn kauften und jenen die sie heute von ihm für ihre Töchter mieten, fällt wenn überhaupt zu Lasten des Autors aus.
    Wenn man sich selbst also nicht für privilegiert hält aber gleichzeitig die Maßstäbe der Gesellschaft verlassen hat, ist es nur Konsequent die Maßstäbe selbst zu relativieren. Ich habe auch schon davon gehört, dass „der Reichtum bei eher bescheidenen 220.000 Euro Vermögen pro Person beginnen“ soll. Schrecklich. Da halten sich womöglich Leute mit 250.000 Eu-ro oder Paare mit einem Vermögen von einer halben Mio. Euro schon für Reich.
    Lieber Autor, der sie dem Herr Don Alphonso nicht vollkommen unähnlich sind, es hat wohl guten Grund, dass sie ihren Namen nicht nennen. Vielleicht ist ihnen ja sogar bewusst, dass der Kauf einer Eigentumswohnung schon damals nicht Durchschnitt war. „Das machten [nicht] alle so“. Und diese Situation mit dem Vietnamkrieg zu vergleichen, ich bitte sie!
    Vielleicht war der Artikel ja so nicht gemeint, aber mehr Selbstreflektion hätte dem Autoren gut gestanden. Wen wundert es, dass er die Helikoptereltern letztendlich für gut befindet.
    Der Spaß endet wenn die eigene Lebenserfahrung auf andere implizit übertragen wird. Wenn man hoch tönt, dass alle die gleichen Chancen haben in unserer Gesellschaft.
    Ich hoffe innerlich, dass es sich um einen reinen Satireaufsatz gehandelt hat. In diesem Sinne, auf ein Leben in dem die Eltern die Zukunft der Kinder bestimmen. Wie gut, das die Hochwohlgeborenen selbst so viele Kinder bekommen. So erreichen wir bald eine wunderbare Gesellschaft!

  16. Was so toll daran sein soll,
    mit nervigen Vermietern zu kabbeln? Na, das Erfolgserlebnis, sowas durchgestanden zu haben, die Erfahrung halt. Das formt die Persönlichkeit mehr als in Watte gepackt zum Anspruchsmonster, Nervbeutel oder Weichei heranzu… reifen kann man ja nicht sagen. Wie soll das gehen, Erwachsenwerden mit einem Helikopter im Luftraum über (sic) sich, der allen Mist aus dem Weg räumt? Lässt sich eine Gesellschaft, die zwischen Überheblichkeit und Larmoyanz pendelt, am Ende so erklären?

  17. Titel eingeben
    Am 29.11.2005 hat die GroKo unter dem „Übel aus Der Uckermark“ die Streichung der Eigenheimzulage beschlossen und damit allen Leuten, die sich oder ihre Kinder so grade den hohen Mieten entziehen konnten, den Erwerb von Wohneigentum erschwert. Mit der Folge, daß diese zahlungskräftigere Schicht Preissteigerungen bei Mieten nicht mehr ausweichen kann. Also steigt seitdem das Mietniveau auf breiter Front. Jetzt wird zusätzlich bei der Grunderwebssteuer „Kraft“voll zugelangt. Über 6 % Abzocke. Bei Nichtbeamten ein fürchterlicher Verlust falls berufsbedingter Ortswechsel nötig wird. So langsam merken das die „Bürgerlichen“ und , wir finden eine Alternative zur Murkelion.

  18. Titel eingeben
    Eine Eigentumswohnung für’s Studium? Das machte jeder so? *HUST*

    Ich bekam Unterhalt gemäß Düsseldorfer Tabelle und ansonsten: Viel Glück! Habe jahrelang in WG’s ohne Zentralheizung oder vergammelten Studentwnwohnheimen gehaust. Aber das hat immerhin dafür gesorgt, dass ich mich ein wenig in die Situation derer hineinversetzen kann, die nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden sind. Und daher ist aus mir auch kein abgehobenes und arrogantes A****loch geworden, von denen sich an unserer Fakultät (BWL) mehr als genug rumtrieben

  19. was machen die Kinder dann mit dem ganzen "Wissen"
    Sind das zufällig die gleichen, welche sich für nichts interessieren sollen ausser der eigenen Karriere?

    Sind das dann zwangsläufig, wegen der Ausbildung und den geerbten Rahmenbedingungen und Ansprüchen jene, welche in der ganzen Welt über die Lebensgrundlagen der Sesshaften, Einheimischen entscheiden?! Welche diese dann wiederum z.B. nach München in die ehemaligen Kasernen treiben???

    Apropo, gibt es am See eigentlich schon ein Containerdorf?!

  20. "Miete? Wo ist das? Hier?"
    Ein Hoch auf die Helikoptersprache.

    https://www.youtube.com/watch?v=yzdyEX1zFkc

  21. Weshalb geht es hier eigentlich immer nur ums Geld?
    Weshalb geht es hier eigentlich immer nur ums Geld? Haben Sie bald keines mehr? Das ist doch langweilig! Auf Zahlen und Strukturengedöns stützten sich einst nur Materialismus und Sozialismus. Von Moskau, London und der DDR ist dieses Denken nun flächendeckend auf Deutschland und die EU hinübergeschwappt – schön traurig!

  22. Tee
    Eigentum? Was ist das?

    Grunderwerbssteuer, Notargebühr? Was ist das? Wohngeld? Erschließungs- und Ausbaubeiträge? Was ist das? Ideell geteiltes Eigentum, also eine nervige, verbohrte Eigentümergemeinschaft? Was ist das?

    Ja, ich weiß, was das alles ist und deshalb binde ich es mir nicht ans Bein.
    Wer meint, sein Leben lang an einem Ort (in München oder sonstwo) glücklich zu werden. Bitte sehr. Immobilien machen immobil. Und wenn man nicht gerade mehrere Immobilien und sonstige Werte sein eigen nennt, muss wissen, dass eine Immobilie, in der 80-90 % aller meiner heutigen und ggf. zukünftigen (Kredit) Werte gebunden sind, ein erhebliches Risiko darstellen (auch Klumpenrisiko genannt). Kleine Wohnungen zu einem guten Preis (das 10-15-fache der jährlichen Kaltmiete) kann man sich kaufen. Das Risiko ist überschaubar – wenn es Probleme gibt, ist’s nicht so wild.

    Mit einem Vorurteil möchte ich noch aufräumen: Wer eine Immobilie kauft, glaubt, sie würde immer wertvoller. Das ist Quatsch. Eine Immobilie ist wie ein Kleidungstück – es verbraucht sich. Ein Haus verliert ca. 1-2% an Wert pro Jahr (manche nenne es lieber Rückstellung für Modernisierungen). Nach 50-100 Jahren ist es also weg. Nur mit viel Glück, gewinnt das Grundstück 1-2% an Wert pro Jahr. Im besten Fall reden wir von einem Nullsummenspiel. Wer da noch ernsthaft von „Sparen“ spricht, soll es gern tun. Glauben muss es ihm aber niemand!

    Die spanische Diktatur übrigens hat Immobilien-Eigentum stark propagiert. Warum? Alle gehen brav arbeiten und mucken nicht auf, weil sie verschuldet sind und eine Mauer à la DDR kann man sich auch „sparen“.

    Kauft ruhig weiter Wohnungen – ich lach‘ mich derweil kaputt.

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