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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Warum essen sie keine Pralinen, wenn ihnen Köttbullar zu teuer ist

| 56 Lesermeinungen

Es gibt einen feinen Unterschied zwischen so unfeinen Dingen wie Ressentiments und Blasiertheit. Ressentiments kann sich jeder leisten, aber Blasiertheit überlässt man besser jenen, die damit umgehen können.

He jests at scars that never felt a wound
Shakespeare, Romeo und Julia

Da sitzen sie dann an ihren weissen Resopalschreibtischen, billig bei Ikea gekauft, und denken nach, wie sie ihren Standpunkt durchsetzen können, ohne deshalb Zeit an Argumente zu verschwenden. Es wäre schon nett, denken sie und betrachten die Tasse, wenn sie mit einem Wort die Welt scheiden könnten in Schafe wie sie und Böcke wie alle anderen. Es fällt ihnen dabei auf, dass die Tasse, auch bei Ikea erworben, weil so praktisch und robust und wer braucht schon Goldrand, nach drei Wochen auch mal wieder ausgespült werden könnte. Sie denken ein wenig nach, was jetzt unappetitlicher ist, diese braune Tasse oder die sporadisch bewässerte Pilzzucht in ihrem Waschbecken. Aber weil ihnen nichts einfällt, gehen sie schlecht gelaunt in die Küche und stolpern, so dass ihr Weihnachtsgeld in Form der vierschichtig aufgetürmten Pfandflaschensammlung umkippt. Sie sagen ungebührliche Dinge, der innere Groll schwappt ihre Kehle hinauf, weil alles so traurig ist und ihnen nicht mal ein Wort einfällt – und dann kommt es. Dieser innere Groll, dafür gibt es ein Wort. Ressentiment. Das ist es. Französisch, intellektuell und gleichzeitig den anderen als von Wut und Enttäuschung zerfressenen, kaum denkenden Ignoranten abstempelnd. Das nehmen sie.

Und weil sie, nachdem sie das Weihnachtsgeld in gelbe Säcke geräumt und noch einen weiteren dickwandigen Hafen in der Küche gefunden haben, nun wieder ihr Leben kontrollieren, setzen sie am Schreibtisch zum hochgeistigen Ressentiment noch ein abwertendes Wort, wie etwa Mob. Ressentimentgeladener Mob, das klingt doch schön. Da spürt man sofort, dass die Autorin das Problem analytisch durchdrungen hat wie der Schimmel den Frischkäse in ihrem Kühlschrank. Dessen Entdeckung wird eine halbe Stunde später noch einen Absatz nach sich ziehen, in dem sie fragen, ob sich denn jeder überhaupt all der Trigger bewusst ist, die die moderne Kultur jeden Tag den Denkenden in den Weg legt. Neben Katzenvideos und der nächsten Nebenkostenabrechnung vom Vermieter dieses Lochs.

Man merkt das vielleicht: Wenn ich so eine Figur etwas mehr ahnend denn erfindend beschreibe, amüsiere ich mich köstlich. Ich amüsiere mich, obwohl das Ergebnis wirklich in den Medien zu bestaunen ist, denn anderen „Ressentiments“ zu unterstellen, ist gerade sehr modisch. Ein Wort, zwei Stempel, hier der Grollende und dort die gekonnte Analyse. Jeder denkt an einen schmerbäuchigen, weissen Menschen, der sich irgendwie bedroht fühlt und die generelle Entwicklung nicht mag, aber weder versteht, dass es nun mal so sein muss, weil er nicht die Zukunft sein kann, noch dazu in der Lage ist, seine eigenen Defizite zu verstehen. Ganz im Gegensatz natürlich zu denen, die Ressentiments nach dem vierten Schreiben auch ohne Fehlerkorrektur beherrschen.

Und ich möchte das auch gar nicht bestreiten. Ressentiments sind tatsächlich weit verbreitet, denn sie sind eine direkte Folge der Klassengesellschaft, in der wir nach dem Ende der unüberwindlichen Mauern zwischen den Gruppen zwangsweise zusammen leben müssen. Manchmal entstehen sie einfach so, mitunter werden sie auch gezielt geschürt. Ich zum Beispiel zeige mit meinen Pralinenbildern vom Tegernsee bei Twitter nicht nur meinen Freunden, was ich demnächst schicke, ich zeige auch meinen Gegnern, dass ich dort wohne, wo sie sich den Urlaub nicht leisten können. Und dass es noch eine Parallelwelt mit nachhaltiger Herstellung und guten Löhnen unter Kronleuchtern gibt, gegen die plastikverschweisste Dominosteine vom Discounter mit der unfreundlichen, schlecht bezahlten Frau an der Kasse deutlich abfallen. Ich mache das mit besonderer Freude gegenüber genau jenen Kämpfern für Toleranz und soziale Selbstgerechtigkeit, die das Wort „Ressentiment“ so gerne nutzen, in der Hoffnung, dass sie durch Selbstbetrachtung ihres Grolls ein wenig Abstand davon nehmen, andere zu beurteilen. Das ist eben mein Beitrag zu ihrer Aufklärung, denn auch Ressentiments der grundlos okkupierten moralischen Überlegenheit, so hoffe ich doch für sie, sind heilbar, und das ist gut für das Zusammenleben.

Die Oberschicht ist natürlich meistens nicht ressentimentgeladen. Es fehlt ein wichtiger Bestandteil, das Gefühl nämlich, dauerhaft benachteiligt zu werden. Selbst Klagen über die Raffgier des Finanzamtes und den Spitzensteuersatz muss man sich erst mal leisten können in einer Welt, in der andere bei der Bewerbung um eine Mietwohnung gleich im ersten Satz ihr Nettoeinkommen erwähnen – und deshalb diskriminiert werden, weil das zu offensiv ist. Man tut das eigentlich nicht öffentlich, das wird einem in einer guten Erziehung auch abtrainiert. Aber auch an dieses abtrainieren erinnert man sich, und weiss deshalb ganz genau, wie man mit ein klein wenig unachtsamer Herablassung – oh pardon Kindchen, das meinte ich nicht so, wirklich, das ist mir so herausgerutscht und du bist nicht gemeint – genau diesen inneren Groll anheizt. Das muss, wenn man es einsetzen will, unabsichtlich wirken, damit die Distanz gewahrt bleibt. Schaut her, sagt das Verhalten, ich habe mich trotz meiner Privilegien meistens, fast immer unter Kontrolle und wenn mir so etwas passiert, beuge ich mich hinunter, ganz tief, und entschuldige mich sogar. Sie hatten ja schon immer den Verdacht, man würde in der Oberschicht so ignorant auf ihren Nöten herumtrampeln. Man passt also in der Regel besser auf. Aber manchmal überkommt es einen, diese kleine, schäbige Freude, wie eine Aristokratin, die bei einer Konkurrentin entdeckt, dass die Bilderrahmen nicht abgestaubt sind. Bitte schauen Sie bei mir die Bilderrahmen nicht zu genau an.

Die paar Euro für ein Packerl Pralinen und eine gute Kamera sind also nicht zwingend gut angelegtes Geld in einer Epoche des Klassenkampfes, die uns in vielen anderen Bereichen sehr viel gleicher gemacht hat. „Blasiertheit“ ist dafür ein altertümliches Wort, ausser in Bayern natürlich, bei uns ist das immer noch im Sprachgebrauch, und es umschreibt nicht etwa Eigenschaften wie Arroganz oder Borniertheit oder Snobismus, die dauernd auf der Suche nach Ausdruck sind. Blasiert ist erheblich netter, kein krasser Charakterfehler, sondern eine, solange man davon nicht betroffen ist, fast schon nette Schrulle. „A wengal blasiert is scho, de Zenzi, owa ned unkommod“ – so sagt man das bei uns über Heiratsmaterial von Stand. Die Blasiertheit kann jahrelang unter den liebreizendsten Charakteren ruhen, bis sie dann einen Moment nicht aufpassen, und ihnen dann ein Satz, ein einziger brutaler Satz herausrutscht, der anderen richtig weh tut. Und sie merken es mitunter noch nicht einmal, denn wie können sie wissen, dass andere darunter leiden. In der Blasiertheit liegt viel Gelassenheit und auch eine Abwendung von den unschönen Seiten der Welt – ja, das mag alles ganz schaurig sein, was man so hört, aber es ist November und die Kühe sind immer noch auf der Alm, ist es nicht schön? Magst du nicht kommen? Ah so, du musst arbeiten. Na dann. Schade.

Man kennt das, das passiert jedem einmal, und man verurteilt das besser nicht, wenn man nicht verurteilt werden möchte. Deshalb ist es auch nicht wirklich abwertend, und weil die Oberschicht sich im Werturteil so freundlich für sich selbst entschieden hat, wird es unten ähnlich betrieben: Anderen Ressentiments unterstellen kann nämlich auch so ein Akt der Blasiertheit sein. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass sich die einen solche Akte wegen ihrer Klassenzugehörigkeit leisten können, und die anderen damit in ihrer Klasse auf derartig beschimpfte Leute treffen, die das nicht schätzen und, wenn sie Pech haben, auch Macht über sie besitzen. Blasiertheit wirkt auf den ersten Blick so hübsch nutzbar, so mädchenhaft-sorglos, aber das geht wirklich nur, wenn einem die Betroffenen nicht an die Gurgel gehen und dieselbe zudrücken können, bevor man Gelegenheit hatte, sie über die Verwerflichkeit ihres ressentimentgeladenen Treibens aufzuklären.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass man mitunter auch als Angehöriger der Oberschicht mit diesem Benehmen scheitert. Aber man kann das aussitzen. Und abwarten. Und Pralinen essen und warten, dass es vergessen wird – eben, weil man wie die Zenzi eigentlich nicht unkommod ist. Nur manchmal etwas blasiert. Die anderen sitzen weiterhin an ihren Resopaltischen, in der Küche freut sich der Pilz über Nährboden, und die einen schreiben Anträge bei der Kulturförderung und die anderen müssen dem Konkurrenzangebot bedauernd absagen, zu viel Aufwand, keine schöne Stadt, dieses Hamburg und gute Pralinen gibt es da auch nicht. Manchmal kann man sich auch gar nicht so weit zurücknehmen, dass es einem die anderen nicht verübeln würden, womit wir wieder bei den Ressentiments wären, und einem langweiligen Thema. Ich bringe jetzt einer reizenden jungen Dame, die ich befragen werde wie die Contessa Maria, Pralinen ins Museumscafe mit, und werde dann hoffentlich über erfreulichere Dinge als Hackfleischbällchen berichten.

HINWEIS:

Erfreuliche Dinge kann man auch im Kommentarblog kommentieren

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56 Lesermeinungen

  1. Belgische Pralinen und anderes
    Bei uns gibt es gute Pralinen. Aber wenn ich richtig gute will, mache ich einen kleinen Ausflug nach Belgien. Schokolutschend begutachte ich dann, was ich benutze, um keine Schokokilos anzusetzen:
    .
    http://www.eddymerckx.be/EUR/nl

    • Belgische Schokolade?
      Sorry, aber es gibt nichts ekligeres als Belgische Schokolade. Widerlich.

    • Schoko-Ikea
      … also im Vergleich zu ordentlichen Godiva Pralines aus Bruxelles sind die im Beitrag abgebildeten
      Tegernseer Schokoklumpem … eher die Koettbullars der Chocolatierbranche.

      Das mal so zum Thema „Blasiertheit“ …

    • Türkische Confisserie zu Bruxelles
      Herr Schmidt, Herr Schmidt,
      Wa kriegt die Jule mit?

      Godiva Pralines aus Bruxelles

      Kennen Sie denn keinen belgischen Chocolatier und auch kein Cholatière, möglichst mit Vornamen?

      Lt. Wikipedia gehörte Godiva zu den Lebensmittelherstellern, die durch Spenden die Entscheidung zuungunsten der ‚Proposition 37‘ in Kalifornien beeinflusst haben, die die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmittel gesetzlich verankert hätte.

      Am 20. Dezember 2007 wurde bekannt gegeben, dass Godiva von Campbell für 850 Millionen Dollar an die türkische Yıldız Holding verkauft wurde und in deren Ülker-Gruppe eingegliedert wird.

      Schmeckt es noch? Ich habe da so meine fair blasierten Traderessentiments.

    • Ach Du lieber jeh ....
      … dann gehen wir halt ein paar Gaesschen weiter zu Laurent Gerbaud … oder wir lassen es sein und greifen gleich zu einer „Guten Tuete Fritten“ … vielleicht lassen wir die Fritten auch gleich weg.

      IKEA hat in Benelux btw. oft auch am Sonntag geoeffnet, aber das nur am Rande ….

    • .
      bester Tom, nur so als bescheidenster hinweis: man sollte vielleicht nicht unbedingt bückware erwerben, möchte man erlesene leckereien.

  2. Pah, Staub auf den Rahmen, den sehen wir doch überhaupt nicht, weil wir von dieser
    Steckdose abgelenkt werden – diese Steckdose, Kruzitürkennochmal!!!

  3. Nunja,
    sich der ‚westlichen Medienwelt‘ mit ihrer perfektionierten Zukunftslosigkeit
    anzuvertrauen, hat eben seinen Preis.

  4. (Können Sie den andernorts verwendeten Begriff "Freier", der ja auch noch eine
    andere Bedeutung hat, durch etwas besser Geeignetes ersetzen?)

    • so heisst das nun mal beim Journalismus, und ansonsten ist „Freier“ ja kein schlechtes wort. Es gibt den „Freier“ als soziale Zuschreibung des Mittelalters – über dem Leibeigenen -, es gibt ihn als Mann, der eine Frau heiraten möchte und es gibt ihn als Mann, der keine Vorurteile gegen das Kurtisanentum hat. Ich finde daran nichts unehrenhaftes, auch wenn, das gebe ich zu, die Sache mit dem Heiraten nichts für mich ist.

  5. Shakespeare-Zitat bitte korrigieren.
    Lieber Don,
    lassen Sie den Dichterfürsten nicht ob eines Typfälers im kühlen Grabe rotieren. Es muss heißen:
    „He jests …“ Er (gemeint ist Mercutio) macht sich lustig über Narben, die …
    Herzliche Grüße! (Freischaltung nicht erforderlich.)

  6. Blasiertheit nach Simmel
    “ Das Wesen der Blasiertheit ist die Abstumpfung gegen die Unterschiede der Dinge, nicht in dem Sinne, dass sie nicht wahrgenommen würden, wie von dem Stumpfsinnigen, sondern so, dass die Bedeutung und der Wert der Unterschiede der Dinge und damit der Dinge selbst als nichtig empfunden wird.

    Sie erscheinen dem Blasierten in einer gleichmäßig matten und grauen Tönung, keines wert, dem anderen vorgezogen zu werden.

    Diese Seelenstimmung ist der getreue subjektive Reflex der völlig durchgedrungenen Geldwirtschaft; indem das Geld alle Mannigfaltigkeiten der Dinge gleichmäßig aufwiegt, alle qualitativen Unterschiede zwischen ihnen durch Unterschiede des Wieviel ausdrückt, indem das Geld, mit seiner Farblosigkeit und Indifferenz, sich zum Generalnenner aller Werte aufwirft, wird es der fürchterlichste Nivellierer, es höhlt den Kern der Dinge, ihre Eigenart, ihren spezifischen Wert, ihre Unvergleichbarkeit rettungslos aus.“

    […]
    Im einzelnen Fall mag diese Färbung oder vielmehr Entfärbung der Dinge durch ihre Äquivalenz mit dem Gelde unmerkbar klein sein; in dem Verhältnis aber, das der Reiche zu den für Geld erwerbbaren Objekten hat, ja vielleicht schon in dem Gesamtcharakter, den der öffentliche Geist jetzt diesen Objekten allenthalben erteilt, ist er zu einer sehr merkbaren Größe angehäuft.

    Darum sind die Großstädte, die Hauptsitze des Geldverkehrs und in denen die Käuflichkeit der Dinge sich in ganz anderem Umfange aufdrängt, als in kleineren Verhältnissen, auch die eigentlichen Stätten der Blasiertheit.

    In ihr gipfelt sich gewissermaßen jener Erfolg der Zusammendrängung von Menschen und Dingen auf, die das Individuum zu seiner höchsten Nervenleistung reizt; durch die bloß quantitative Steigerung der gleichen Bedingungen schlägt dieser Erfolg in sein Gegenteil um, in diese eigentümliche Anpassungserscheinung der Blasiertheit, in der die Nerven ihre letzte Möglichkeit, sich mit den Inhalten und der Form des Großstadtlebens abzufinden, darin entdecken, dass sie sich der Reaktion auf sie versagen – die Selbsterhaltung gewisser Naturen, um den Preis, die ganze objektive Welt zu entwerten, was dann am Ende die eigene Persönlichkeit unvermeidlich in ein Gefühl gleicher Entwertung hinabzieht.“

    Georg Simmel: Die Grosstädte und das Geistesleben

    ex: Die Grossstadt. Vorträge und Aufsätze zur Städteausstellung. (Jahrbuch der Gehe-Stiftung Dresden, hrsg. von Th. Petermann, Band 9, 1903, S. 185-206, Dresden)
    http://socio.ch/sim/verschiedenes/1903/grossstaedte.htm

    • danke, wir sind über hundert Jahre weiter und da kann man schon mal neu darüber nachdenken – zumal die Blasiertheit als Wort ohnehin fast verschwunden ist. soweit ich das sehe, hält sie sich im Sprachgebrauch nur noch in Südbayern und in den westlichen Landesteilen.

  7. Bitte noch mehr Andeutung über die Orthografie von Fremdwörtern verwenden...
    … und dabei angewöhnen seine eigenen Texte Korrektur zu lesen. Laut lesen hilft übrigens auch, wenn man Schreibfehler vermeiden will. Aber das wird schon! Einfach üben, üben, üben. Das ist meine mein Beitrag zu weniger Ressentiments gegen FAZ Kolumnisten.

  8. Ich verstehe es einfach nicht.
    Was war Ihr Anliegen?

    • Ich glaube, er reibt sich an Frau Baum
      Im Übrigen nicht nur ein erstaunlich mißlungener, sondern auch (und damit zusammenhängend) einer der häßlichsten und gehässigsten Texte die des Dons Feder jemals verlassen haben – im Zusammenhang des Versuchs über Ressentiment und Blasiertheit psychologisch recht interessant. Naja, wo viel Licht ist…

    • Er ist oben viele - und
      die anderen sind unten alleine – frei nach Motiven aus dem Film ‚der mit der praline spricht‘. wobei es ein hochmoderner bergfilm waere, mit so einer gewissen bedeutungsunschaerfe, denn ganz bis zum Schluss des Filmes bliebe eigentlich unklar, ob es sich um die praline in seinem munde handelte, oder die vor den Augen. Content follows style – es kommt immer erst darauf an, wie man ist – und dann was, aeh wer. Und ein vollkommen ressentimentgeladener karrierezahnarzt aus früheren Mittelschichten käme auch immer noch vor – der wollte immer am liebsten auch noch – ganz im sinne eines postmodernen polyperspektivismus auf zelluloid – die Sichtweise des Bohrers neben der einen praline ins Bild einführen. Und man wusste nun wieder nicht, ob es sich um neben im Mund, oder neben vor dem auge handelte. Und ausgerechnet dann klingelt des handy an der Tür – wobei es sich überraschender weise dann auch noch herausstellte, es wäre ein perfekt vernetzter Haushalt westlich des rubikon gewesen, oder der Saale. Und dann Gardine. Oder Vorhang. Je nach durchblick. Oder Helligkeit. Ein Tusch dem Gebet.

    • Dann haben Sie ihn doch verstanden? Es war eine praktische Übung in Blasiertheit,
      und dazu passt ein Anliegen nun gar nicht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • who?
      Wer ist „Frau Baum“ ?

    • Man sollte ab und zu Selbstironie mit einrechnen.

    • Nein, die Formulierung ist ein amalgan aus vielem,. was ich in letzter Zeit gelesen habe, hier konkret zwei Beiträge in der Zeit, einer beim SPON, einer bei der ARD und ein schon etwas älterer blogeintrag bei der FAZ – die meisten sind tatsächlich von Atorinnen, die etwas jünger sind und auch soziale Gerechtigkeit einfordern, weshalb ich denke, dass sie sich im moment noch selbst auf Kosten anderer bereichern. Kulturprekariat halt, man kennt das.

      Zu Frau Baum, deren Arbeit ich wirklich sehr schätze, und die ausgesprochen talentiert ist – den letzten text hätte ich so nicht unterschrieben, aber das passiert mir laufend. In dem Fall des Professorx halte ich es eben für eine typische Provokation aus dem sprachfeministischen Lager. Ob es sinn macht, solche fächer anzubieten, kann ich nicht beurteilen, aber weil ich selbst orchideenfächer studiert habe, bin ich keiner, der einfach so die Abschaffung fordern würde. Im gegenteil, bei Deus Ex Mavhina gibt es seit Jahren selbst eine Autorin, die viel zu Gender geschrieben hat, aber da geht es inzwichen um die Frage, was akzeptabel ist und was nicht. Und vieles, was kleingruppen von der ihnen verhassten Mehrheit fordern, ist halt Trollerei. Zum Beispiel nicht in der Öffentlichkeit heterosexuel küssen, weil das die Norm verstärkt und Gewalt gegen andere ist, die nicht so sind.

      Aber das ist ei ganz anderes Konfliktfeld.

    • Mein anliegen war zu plaudern, wie Ressentiments entstehen, wer sie verursacht, und dass man sie besonders gut mit Blasiertheit verurachen kann – was aber die Ressentiments-Betroffenen nicht kopieren sollten.

  9. namenlos
    Natürlich kaufe ich in Belgien nicht die belgischen Pralinen, die es überall und auch in unserem Dorf auf der Freßgasse gibt. Den Namen kenne ich nicht, aber wenn ich in Antwerpen vom Parkhaus nach da, um die Ecke und nochmals um die Ecke biege, ist da mein Pralinengeschäft.

  10. ..wie bitte?
    some people like cupcakes better, eitherone care less for them ..;..oder so..:Zappa

  11. +++ NASA-breaking-news-ticker +++ NASA-breaking-news-ticker +++
    Weltraumsonde „DON ALPHONSO“ sendet Daten und Bilder vom Kometen „OBERSCHICHT“ !!!

    – keinerlei Hinweise auf intelligente Lebensformem
    – auf den Bildern lässt sich eine mysteriöse Substanz erkennen
    – Form, Farbe und Struktur sind nicht exakt definierbar
    – offenbar dient sie als Nahrung für niedere Organismen
    – Experten halten aber auch für möglich, dass es sich um Exkremente handelt
    – die Wissenschaft hat sich auf die Bezeichnung „PRALINE“ geeinigt

    • Das sagt die WWissenschaft.

      Aber sagen Sie mal „Schatz, ich sah diese Dinger und dachte mir, das taugt nicht, diese, wie heissen sie doch gleich, Pralinen, da habe ich dir lieber einen Topflappen mitgebracht.“

  12. Blasiertheit
    Sie ist auch bei südostniedersächsischen Rübenbauern sehr verbreitet, wie ich bei meiner jährlichen Drückjagd am Hainberg Anfang November wieder erleben konnte. Allerdings natürlich vollkommen gerechtfertigt. Im Gegensatz zum Beispiel bei russichen Oligarchen.

    • Blasiertheit wird einem ja auch meistens anerzogen, das heisst, man braucht ein paar Generationen davpr, und die gab es im sozialismus nicht.

    • südostniedersächsischen Rübenbauern
      „Blasiertheit […] ist auch bei südostniedersächsischen Rübenbauern sehr verbreitet, wie ich bei meiner jährlichen Drückjagd am Hainberg Anfang November wieder erleben konnte.“
      Nur dank ihrer Blasiertheit können diese im Schützenverein organisierten südostniedersächsischen Rübenbauern den Dünkel der Jagdpächter ertragen und und das Schützenfest zum Ereignis deutscher Hochkultur stilisieren.

  13. Titel eingeben
    @di – ist es so schwer zu verstehen? Die besten belgischen Pralinen, die besten Pralinen überhaupt, die ich je probiert habe, kommen aus einem kleinen Laden in Antwerpen. Ich habe keine Ahnung, wie er heißt und finde ihn nur nach Gefühl wieder.

    • Die bilder hier sind vor allem von einem ehemalig königlich bayerischen Hoflieferanten und die haben über hundert Jahre erfahrung damit – und das merkt man. Manche kommen auch von einem, der dort gelernt hat.

  14. Titel eingeben
    nun denn, das ressentiment des vornehmen menschen selbst tritt in unzähligen fällen gar nicht auf, wo es bei allen schwachen und ohnmächtigen unvermeidlich ist. ein solcher mensch schüttelt eben viel gewürm mit einem ruck von sich, das sich bei anderen eingräbt.
    .
    das ressentiment solcher wesen, denen die eigentliche reaktion, die der tat, versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre rache schadlos halten. so sagt diese moral von vornherein nein zu einem “ausserhalb”, zu einem “anders“, zu einem “nicht-selbst”:
    und dies nein ist ihre schöpferische tat. diese umkehrung des werte-setzenden blicks – diese notwendige richtung nach aussen statt zurück auf sich selber – gehört eben zum ressentiment: es bedarf, um zu entstehn, immer zuerst einer gegen- und aussenwelt, es bedarf, physiologisch gesprochen, äusserer reize, um überhaupt zu agieren – ihre aktion ist von grund aus reaktion.
    .
    man kann nur von ferne hoffen, lieber don, dass die junge dame das café nicht nur mit der schokolade, sondern auch mit dem noblen gebenden verlassen möge…

    • Die junge Dame im obigen Text nimmt Coffee2Go.

      Ja, das Ressentiment wird nun mal meistens Top-Down erzeugt. Meist aber eher durch Unachtsamkeit und wie gesagt, manchmal kann man sich gar nicht so devor verhalten, dass es der anderen Seite reichen würde.

  15. Ich bin beeindruckt....
    Respekt Don Alphonso…

    Ich hätte nicht erwartet, dass auf so einen Beitrag sofort so viele Ressentiment geladene Antworten kommen.
    Naja, sind halt FAZ Konsumenten, die sich deswegen auch bereits für etwas Besseres halten, und ab und zu von einem Hieb von der Seite völlig überrascht und impulsiv, und natürlich wie immer: Ohne Nachzudenken, reagieren.
    Überlegen tuend, aber letzlich… nur beleidigt

    Respekt kann ich da nur sagen…

    (Eine nachdenklichere Antwort an anderer Stelle)

    • Ach, das macht mir nichts aus, keine Sorge.

    • Also...
      ich glaube nicht, dass wir hier die typischen FAZ Konsumenten vor uns haben.
      Die erkennt man zuverlässig daran, dass innerhalb der ersten fünf Leserkommentare – unter allgemeiner Zustimmung – die Alt-68er als Ursache jeglicher Unbill ausgemacht werden.

      Ja, auch ich pflege meine Ressentiments.

    • ALso ich weiss nicht so recht....
      Es ist natürlich wahr… Die mit dem 68er Tick, also diejenigen, die in dem speziellen Sandkasten nicht mitspielen durften, oder die wegblieben, weil es Papi nicht gefallen und der sie enterbt hätte… die sind auf der anderen Site.
      Aber da gibts durchaus gute Leute mit denen man gut diskutieren kann.

      Und DA: Ich weiss, ich weiss, sonst wäre ich ja nicht hier…. gibts eigentlich schon irgendwelche Drohungen, pardon, ich meinte natürlich „Anregungen“ von „oben“?

      Ich merke ja täglich an der Zensur in den anderen FAZ Foren, in welche Richtung der Wind dreht…

  16. Wann wird endlich Mitte Januar
    damit Sie Ihre jährlich obligate Kündigung bei der FAZ einreichen können. Vielleicht wird es ja diesmal erhört und Meyern bleibt ganz den Bayern.

    • Und worüber würden Sie sich dann täglich ärgern? Es ist doch gar nicht so leicht, Qualitätsaufreger zu finden.

    • Und vor allem - wer würde mich anstelle des Gärtners erheitern?
      Schliesslich sind die Beispiele öffentlich praktizierter Dummheit – wie dauernd solche Autoren lesen, die mich ärgern, um danach öffentlich auf deren Aufhören zu drängen – mein dringend benötigtes Ventil zur Lösung von Heiterkeitsblockaden. Mehr Gärtner braucht das Land, also schreiben Sie bitte weiter, Don.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  17. Au jaa,
    immer feste druff aufs feministische Feuilleton. In der Provinz werden reihenweise die Geburtshilfestationen geschlossen, weil angeblich nicht zur Gesundheitsvorsorge nötig und dann wird das Geld für GenderMaulheldinnen(X) verplempert.

  18. blasiertheit
    @tom clark die kunst ist doch wie sie die blasiertheit in den städten durchbrechen können

    einfach so ganz ohne geld – so ganz ohne namen – einfach so

  19. Ich war neulich da
    … am Tacka-Tucka-See, zunächst in einer, aber schon etwas herunterkommenden Seesauna, es war freilich schwierig, wochentags einen Parkplatz zu bekommen, dann im Ort, bzw. an der Durchgangsstrasse, herumgeschlendert, für die Alm war es zu nass und steil, die Klosterkirche bewundert, erkalteter Barock, am See die entlaubten Bäume, und dann die Cafés, darin erkaltenden Barock, auch jüngere Rokoko-Gesichter, und da wurde mir klar, dass aus dieser Erkaltung und Maskenhaften vielleicht die heitere Gelassenheit kommt, die der schönen Gewissheit geschuldet ist, was auch immer noch geschieht, dereinst in einem teureren Photorahmen auf einer Kommode zu stehen; überhaupt diese Kommoden mit den Bildern, sie sind doch das getreulichste Abbild von Stand, Status und erhoffter Zukunft und kaum etwas ist so schön wie eine Rockoko-Kommode mit Silberrahmen der Lieben, dafür würde ich glatt manches Bild tauschen.

    • Es ist immer eine Frage der einstellung. Manchmal wird es auch mir zu viel, aber was sind die Alternativen? ich war gestern in München, im Regen, ich könnte stundenlang jammern.

  20. Titel eingeben
    @don alphonso nicht jammern wenn sie das bild mit der dunklen und rosa praline richtig verstanden haben dann jammern sie nie mehr

    in diesem bild liegt eine wahrheit die eigentlich niemand sehen kann und das ist auch gut so aber sie erhellt so vieles

  21. Gewissensbissangebote
    … in einem heillos übersättigtem Markt.

  22. Blasierter Hass ist ein Widerspruch in sich
    Ich weiß nicht exakt, was es ist, lieber Don, aber etwas Häßlich-Verhaßtes haftet diesem Text an, das auch nicht mehr viel mit souveräner Blasiertheit zu tun hat, eher mit dem Verlust von berechneter Balance, nicht, dass Sie sich da zuviel Hass und Hysterie bei den Gender-Popanzen aufgeladen! haben.

    Irgendwie meint man fast, sie selbst stünden dem eigenen Text wie einem Monstrum gegenüber, das Ihnen geboren wurde. Ist natürlich nur ein Gefühl. Und am Habitus des gepflogenen Pralinenkonsums macht man jetzt auch keine irgendwie besser geartete Menschenart fest, vermute ich.

    …schreibt ein Ihnen sonst durchwegs gewogener Leser und verbleibt dennoch mit bestem Gruße

  23. Pralinen oder Bilder
    die Spätfolgen könnten manchmal kaum unterschiedlicher sein. Wobei manches eben doch für die Pralinen spräche, auch schon, weil sie früher süßer mundeten.

    Denn wie wusste doch kürzlich die FAZ leider zu berichten? Dass „das Gutachten des Chamer Psychiaters und Juristen Helmut Hausner in Auftrag, nach dem Cornelius Gurlitt bei Abfassung seines Testamentes unter einer „leichtgradigen Demenz, einer Schizoiden Persönlichkeitsstörung und einer Wahnhaften Störung“ gelitten habe“?

    Echtbilderbesitz hätte also hin- u. wieder auch schon einmal schwerwiegende Nebenwirkungen und nicht unerhebliche Langfristfolgen? Also ggfls. auch in Richtung absichtsvoller Psychiater- u. Gutachtergeistesverwirrung?

    Nur mit Pralinen wäre das vermutlich nicht passiert, *g*. Pralinen wären bis auf weiteres halt ungefährlicher für die Welt als Bilder vermutlich.

    Auch weiter kaum Neues unter den Sonnen und Solarien.

  24. Blasiertheit-Selbstgefälligkeit
    Nur für meine eigene Verfeinerung vom Griff der Begriffe: Haben Blasiertheit und Selbstgefälligkeit den selben geistigen Ursprung?!

    • Mitnichten. Blasiertheit durchhalten lässt sich nur, wenn man nicht selbstgefällig ist.
      Ich muss das wissen, ich gefalle mir selbst. Also bin ich arrogant und nicht blasiert. Ich hoffe, auch wenn ich es nicht annehme, das hat zu Ihrer Verfeinerungsbildung beigetragen?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Arroganz
      Vielen Dank Herr Haupts, ich mache mir sogar die Mühe, nach einer eventuellen Antwort zu suchen.
      Die Arroganz ist ein interessanter Ansatz, welcher lt. Wikipedia sofort zum Hochmut überleitet: Weitere Synonyme sind Anmaßung, Überheblichkeit, Arroganz, Einbildung, Blasiertheit, Prätention, veraltet Hoffart oder Dünkel.

      Auch mir scheint die Arroganz gefühlsmäßig näher an der Blasiertheit als an der Selbstgefälligkeit zu liegen, womit die Selbstgefälligkeit weiterhin einer Klärung bedarf.

      Aber es heisst bei Wikipedia auch: Seit seiner Entstehung in der biblischen Zeit hat der Begriff ‒ parallel zum Wandel des Menschenbildes ‒ einen beständigen Bedeutungswandel durchlaufen…

      Wahrscheinlich ergeht es ihr damit ähnlich wie dem Begriff „Moral“. Wozu mir heute übrigens ein schöner Artikel aufgefallen ist: http://www.migrosmagazin.ch/menschen/interview/artikel/genuss-und-ekstase-gehoeren-zum-menschen

  25. Pralinen wären der einzige Ort an dem ich Fracking ....
    … zur Extraktion des darin enthaltenen Mineralöls erlauben würde.

  26. Also ..
    geehrter Martin M., ich glaube, Sie unterschätzen die FAZ-Leser erheblich.
    Und was Ihren Einwurf bezüglich der Alt-68-er angeht – wollen Sie etwa damit andeuten, daß Sie glauben, das sei falsch?

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