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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Sex, Macht, Gewalt und Moral

| 201 Lesermeinungen

Vorbemerkung: Beim letzten Beitrag der Gastautorin Despina Castiglione ging es auch um die delikate Frage, ob Männer neben sexuellen Dienstleistungen auch Macht über Frauen erwerben, und ob nicht gerade diese Macht ihr eigentliches Interesse ist. Daher habe ich, Don Alphonso, sie gebeten, doch einmal etwas zu dieser Machtkonstellation im Speziellen und im Allgemeinen der zwischenmenschlichen Beziehungen zu schreiben. Bitteschön:

Mit der gesellschaftlichen Anerkennung meiner Arbeit ist es zwar noch nicht so weit her, aber wenn ich in ein freudestrahlendes Gesicht schaue, nachdem ich meinen Job gemacht habe, bin ich stolz. Ich erlaube mir an dieser Stelle, meinen Maßstab anzulegen, und mich in meiner Betrachtungsweise nicht dem Weltbild derer, die meinen, das Verbot oder die Ächtung der Darstellung oder Ausübung gewisser Sexpraktiken würde auch nur ein einziges Problem lösen, zu unterwerfen. Sexualität an sich ist eine reichlich komplizierte Angelegenheit. Das Spannungsfeld zwischen den eigenen Phantasien, Wünschen, Bedürfnissen und der „allgemeinen Moral“, die zwar jeder irgendwie im Gefühl hat, aber niemand wirklich greifen kann, bietet reichlich Stolpersteine und einen unerschöpflichen Vorrat an zweischneidigen Schwertern, an denen man sich egal, wie man sie anpackt, blutige Finger holen kann.

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Addiert man noch die Frage des Gelderwerbs hinzu, so findet man sich nach dem Aderlass auch noch unversehens in einem moralischen Minenfeld wieder, und kann kaum einen Schritt mehr tun, ohne einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Ich bin es gewohnt, in diesem Minenfeld zu arbeiten, deshalb will ich es wagen, davon zu berichten, wie sich die Sache in meinen Augen darstellt.

Wenn es um Macht und Sex geht, ist es mit der Ratio meist nicht mehr so weit her. Bei den Konservativen und Altvorderen wird die Toleranz überreizt, weil sie Angst vor sexueller und gesamtgesellschaftlicher Entgleisung und Anarchie haben. Und die neopietistischen Aufgeklärten empören sich, weil sie generell ein Problem mit der Macht des Patriarchats, dem Geld sowieso, und dem Kapitalismus, der Sex erst zur Ware gemacht hat, jawoll !!11!!!1!! erst recht haben. Als wäre es völlig unvorstellbar, dass schon manch kluge Frau des geldfreien Paläolithikums für manch überspannten Steinzeitmann gegen Überlassung einer hübschen Blattspitze mal schmutzig grinsend den Lendenschurz gelüpft hat.

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Das vertrackte an der ganzen Sache ist aber leider, dass von den Niederungen der Praxis im Ehebett oder auf dem Strich bis zur abgehobensten Metadiskussion unter geschlechtsbezogen teilzölibatär lebenden Akademikerinnen sich einfach nicht in Abrede stellen lässt, dass beide Aspekte, Macht und Sex, eine –mal mehr, mal weniger glückliche Liaison- eingehen. Gelegentlich spielen Erwerbs- und Existenzsicherungsdruck auch noch fröhlich mit, da wird es dann so richtig unschön. Und zwar im Privaten, wie im Geschäft.

Die Huren sind deswegen als Diskussionsteilnehmer nicht sonderlich geschätzt, weil sie genau diesem Spannungsfeld ihre Existenz verdanken, und damit symbolisch für gewisse Widersprüchlichkeiten stehen, vor denen manch eine/r lieber die Augen verschließen möchte. Im Privaten kann man das ganze Elend nämlich so schön verdrängen, und wenn es wirklich ätzend wird, geht man zur Paartherapie, sucht sich endlich den Partner fürs Leben oder schleicht dann doch heimlich in irgend ein zwielichtiges Etablissement, in dem die Huren verständnisvoll lächelnd schon warten.

Ich meine, dass einem also in diesen Fragen die Moral nicht weiter hilft. Das Problem ist universell, als dass es sich durch ein so simples Konstrukt lösen ließe, und zeigt sich im privaten Bereich nur in einem anderen Gewand als beim Bezahlsex. Und um ehrlich zu sein, ich möchte nicht diejenige sein, die abzuschätzen hat, wo mehr schmutzige Wäsche zu waschen ist. Ich glaube, dass viel von dem, was wir ganz praktisch an Missständen in der Prostitution sehen, aus persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen gespeist wird. Macht, Abhängigkeit, Liebe, Geld. Keine gute Mischung, weder im Rotlicht, noch auf dem Standesamt.

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Meiner Kundschaft ist ausnahmslos bewusst, dass sie nach den Maßstäben der gefühlten „allgemeinen Moral“ verwerflich handelt, wenn sie meine Dienste in Anspruch nimmt. Und sie tut es deswegen, sie tut es trotzdem, und sie tut es mit Genuss. Anders ist auch nicht erklärbar, warum erwachsene und meist einigermaßen erfolgreiche Männer hunderte von Euro hinblättern für etwas, das sie im Grunde auch diskret alleine zuhause können. Ob sie nun moralisch einwandfrei die Ehefrau zu beglücken versuchen, oder sich, moralisch schon eher fragwürdig, zu einem Internetporno ihrer Wahl selbst befriedigen, beides ist in jedem Fall kostengünstiger, als ein Termin mit mir. Und risikoärmer sind die meisten Ersatzhandlungen auch. Verheiratete Kundschaft riskiert ja oft Kopf und Kragen plus Haus und Hof und jedwedes gesellschaftliches Ansehen, wenn sie sich zu mir ins Boudoir schleicht. Es muss also um mehr gehen, als um den körperlichen Höhepunkt.

Um was geht es also, wenn die Herren der Schöpfung bei mir anklopfen? Meine bescheidene Erfahrung zeigt, dass der Antrieb, mein Angebot in Anspruch zu nehmen, zwar auf dem körperlichen Bedürfnis nach sexueller Interaktion beruht, aber auch, dass dieses Bedürfnis in den allermeisten Fällen weit elaborierter daher kommt, als „Ficken, hä?!“ Natürlich, es gibt diese Anfragen, und natürlich, es gibt Idioten. Aber so, wie jeder Freiberufler, der es sich halbwegs leisten kann, nicht mit Idioten zusammenarbeitet, handhabe ich das eben auch. Ich habe sozusagen die Macht, einen Kerl einfach abzulehnen, wenn mir der Ton nicht passt. Ich blockiere bei respektlosen Zeitgenossen schon mal die Nummer und weise den entsprechenden Emailadressen das Merkmal Spam zu. Da versuche ich nicht mal mehr, freundlich zu sein.

Es kann, und ich glaube, in der Richtung sind die Beweggründe der Männer, die mich anrufen zu suchen, so erleichternd sein, sich aus dem Spiel um persönliche Abhängigkeiten mal heraus zu nehmen, und Sex einfach mal als eine Spielwiese zu betrachten, auf der alles, was Konsens ist und gefällt, einfach mal erlaubt ist.

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Stellen Sie sich vor, wie gelassen Sie sich in ihrer Sexualität bewegen könnten, wenn sie keine Angst vor moralischer Entrüstung ihres Gegenübers haben müssten. Oder davor, sich der Lächerlichkeit preiszugeben.
Meine Kundschaft vertraut mir, dass ich all das intime, ehrenrührige, menschliche, das ich erfahre nicht preisgebe, dass ich es annehmen und gedeihlich damit umgehen kann. Dafür werde ich angemessen entlohnt und in aller Regel äußerst respektvoll behandelt. Man verspielt es sich ungern mit mir, weil ich ein Verständnis zu bieten habe, das es woanders nicht so ohne weiteres zu geben scheint. Von daher sehe ich mich schon in einer gewissen Machtposition.

Ich muss mich meiner Kundschaft nicht andienen, freundliche Zuwendung mit sexueller Komponente verkauft sich wie geschnitten Brot. Lehne ich einen Idioten ab, kommen drei, die sich zu benehmen wissen, nach. Das ist eine wichtige Erkenntnis, um selbstbestimmt arbeiten zu können: Ich muss nicht jeden Affront mitmachen.

Das hat etwas damit zu tun, in der Überzeugung zu handeln, dass der eigenen Leistung eine gewisse Wertschätzung entgegengebracht werden muss. Deswegen finde ich auch das mickrige und durchaus verbesserungswürdige Prostitutionsgesetz, und die Diskussion, die wir darüber haben, so wichtig. Ich wünsche mir eine Gesetzgebung, die alle Menschen, inklusive den Sexarbeitenden dazu ermächtigt, sich gegen Ausbeutung, Missbrauch und Missachtung zu wehren. Nicht mehr, und nicht weniger. Deshalb hätte ich gerne ein Bekenntnis von Seiten der Gesellschaft, von Seiten des Gesetzgebers: „Ja, Sexarbeitende haben wie alle anderen Menschen in unserem Land auch ein Recht auf körperliche und emotionale Unversehrtheit und sind vollwertige Mitglieder des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.“

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Es ist eine wichtige Nachricht, sowohl an die Kunden als auch an die Sexarbeitenden, dass sich der Gesetzgeber dahingehend positioniert, dass die Entgelte für sexuelle Dienstleistungen auch eingeklagt werden können. Es ermächtigt die Huren, einem Kunden, der die Wertschätzung im Gewand der Zahlung vermissen lässt, einen Mahnbescheid nachhause zu schicken. Und das, mit Verlaub, ist durchaus ein wichtiges Argument und sorgt für ein Machtgleichgewicht, auf dessen Basis sich Anbieterin und Kunde auf Augenhöhe und im Konsens begegnen können. Denn natürlich ist die Dienstleisterin um so schwächer, je dringender sie das Geld braucht.

Wussten Sie eigentlich, dass der Vertrag über sexuelle Dienstleistungen nicht wegen Schlechtleistung angefochten werden kann? Es gibt kein Recht auf sexuelle Befriedigung durch mich oder meine Kolleginnen. Ich habe die Entscheidungshoheit darüber, ob ich noch ein Viertelstündchen dranhänge, um die Sache zu einem guten Abschluss zu bringen. Ich muss nicht. Ich kann. Das ist ein wichtiger Unterschied. Nach meiner Meinung sollte das mit dem „Können, nicht Müssen“ für jeden sexuellen Kontakt gelten. Wenn ich mir vergegenwärtige, was ich selbst schon an emotionalen Erpressungsversuchen von sexuell ausgehungerten Privatkontakten erlebt habe, und dazu addiere, was ich hie und da so aus Beziehungen in meinem Umfeld mitbekomme… ja, da kann sich das Konzept der Freiwilligkeit von und Eigenverantwortung für das eigene sexuelle Wohlbefinden ruhig noch etwas flächendeckender durchsetzen.

Ich glaube, wer von Sexualität redet, egal in welchem Kontext, kommt um den Punkt nicht herum, dass es für eine gedeihliche Sexualität Wertschätzung braucht. Sex ohne Wertschätzung wird zum Machtinstrument, und da wird es dann sehr schnell kritisch. Da sind wir dann schnell bei Begriffen wie dem „Kampf der Geschlechter“, mit denen zwar einzelne auch heute noch gut Kasse machen, aber in der Sache bringt so eine Debatte doch niemanden weiter. Ich will jetzt nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, aber in Beziehungen, in denen Sexualität als Machtinstrument gebraucht wird, wird der Kampf der Geschlechter gerne mal zum privaten Kleinkrieg, und ich persönlich habe da noch keine Gewinner gesehen.

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Was die Frage nach der Wertschätzung im Kontext von entgeltlicher Sexualität so knifflig macht, ist in meinen Augen der Umstand, dass in diesem Feld alle Beteiligten zwischen emotionaler Abgrenzung zur Wahrung der eigenen Integrität und Unabhängigkeit einerseits, und der zwangsläufig mit dieser sehr speziellen Dienstleistung einhergehenden Nähe und Abhängigkeit andererseits balancieren müssen. Das ist schwierig, und darüber wird zu wenig gesprochen. Weil man dann auch von Beziehungen sprechen muss, von Exklusivitätsansprüchen, und weil man dann in den Graben schauen muss, der sich zwischen Utopie und Realität auftut. Weil man dann anerkennen muss, dass Sexualität ein Punkt ist, in dem viele Persönlichkeitsaspekte zusammenfallen, und dass das nicht konfliktfrei zu lösen ist. Das macht Sexualität so störanfällig, so wunderschön, und so unglaublich vielschichtig. Und ihre Verdrängung, ob im privaten oder gesellschaftlichen Miteinander, ist sehr ungesund. Deshalb verbieten sich hier Machtkämpfe. Das Problem liegt nicht in der Macht als solcher, es gibt immer irgend jemanden, der am längeren Hebel sitzt.

Das Problem liegt im Missbrauch von Macht, da entsteht Leid, und mir ganz persönlich würde es sehr gefallen, wenn sich die Damen und Herren Deutungsmachtinhaber mal ein bisschen am Riemen rissen, und aufhörten, ihre Macht zu missbrauchen, um Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr Sexualleben im Rahmen des gesetzlich Erlaubten auszugestalten haben. Für mich hat es nichts mit Verantwortung zu tun, etwas schlicht zu verbieten oder zu ächten, nur weil es einem selbst nicht gefällt, sei es jetzt außerehelicher Geschlechtsverkehr gegen Entgelt oder Facesitting und weibliche Ejakulation im Internet. Das ist Deutungsmachtgehabe einer Moralelite, mit der ich nichts zu tun haben will

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201 Lesermeinungen

  1. Ich bestreite, dass der Tabubruch der Hauptanreiz ist
    Mit Verlaub, aber zwischen der „diskreten Selbstbefriedigung zum Internetporno“ und echtem Sex mit einem echten Menschen besteht für die meisten Leute doch wohl ein himmelweiter Unterschied auch und gerade jenseits der gesellschaftlichen Tabuisierung. Ich will mal sagen, auf der „Erlebnis-Ebene“. Und ich behaupte, eben dieser Unterschied gibt bei vielen, wenn nicht den meisten Freiern primär den Ausschlag für die Entscheidung, ihr Geld zu Huren zu tragen. Und nicht das Bewusstsein, ein gesellschaftliches Tabu zu brechen. Das ist doch mehr so ein zusätzliches „nice to have“. Oder worauf fußt diese Einschätzung?

    • Titel eingeben
      Oh, dann haben Sie mich auch gründlich missverstanden, lieber Herr Grimmig. Natürlich ist der Tabubruch nicht der Hauptanreiz. Das wäre auf Dauer ja auch fürchterlich langweilig.

  2. Na, da wird sich der Herr Edathy
    aber freuen:“…aufhörten, ihre Macht zu missbrauchen, um Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr Sexualleben auszugestalten haben. Für mich hat es nichts mit Verantwortung zu tun, etwas schlicht zu verbieten oder zu ächten, nur weil es einem selbst nicht gefällt, sei es jetzt außerehelicher Geschlechtsverkehr gegen Entgelt oder Facesitting und weibliche Ejakulation im Internet.“ Nebenbei schaffen wir auch gleich gewisse Verbote für Träger von meldepflichtigen Geschlechtskrankheitskleinlebewesen ab. Und wenn demnächst wieder mal ein Handwerker aus einer anderen Branche schludert, klagen wir nicht, sondern trösten uns damit, dass sowieso kein Anspruch auf Erfüllung des Dienstleistungsvertrages bestanden hat.

    Haben Sie vor, nach Ihren aktiven Jahren so eine Art Gewerkschaftsvorsitzende zu werden? Das Zeug dazu hätten Sie, immerhin.

    (Addieren heißt dazuzählen, hinzuzählen, wird also ohne dazu, hinzu benutzt.)

    • also, wenn es hier um missbrauch geht, steht hier Missbrauch. Das tut es aber nicht, also geht es um Sex im legal akzeptierten Rahmen.

    • entsprechende Bemerkung, die eigentlich selbstverständlich ist, eingefügt.

    • Klar, aber wer legt den legalen Rahmen fest? Eben: die Deutungsmachtinhaber.
      Und da wissen wir ja nur zu gut, dass vor gar nicht allzu langer Zeit diverse Lobbyisten es durchaus geschafft haben, im Dunstkreis einer neuen Partei gewisse Vorstellungen und Wünsche unterzubringen, worüber man sich heute empört. Es gab damals sogar einige Firmen, die passende Produkte herstellen (lassen) und verkaufen durften, Besitz und Weitergabe waren auch hier gestattet – wer allerdings sowas immer noch im eigenen Keller in irgendeiner Kiste aufbewahrt, macht sich mittlerweile strafbar.

      Gut ist hier nur, dass Sie ihr hier eine Bühne zur Verfügung stellen. Wunschzettelzeit ist’s obendrein, darauf darf durchaus auch Sonderbares stehen.

    • Nochmal – es geht hier weder um Kinderporno noch um Missbrauch, sondern einfach nur um den KONSENS zwischen ERWACHSENEN und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte befindlichen Menschen. Über kinderpornographie und den Fal Edathy habe ich auch mehrfach geschrieben, aber das ist hier NICHT das Thema und auch nicht intendiert. Der Beitrag war seit Tagen fertig und hätte eigentlich schon gestern kommen sollen, aber da war ich familiät leider verhindert.

      Ich biete hier vielerlei Ansichten eine bphne, es gab auch schon harte Feminisitinnen, Feudalismusfreunde und einfach nette Texte, die ich als interessanten Ansatz empfunden habe, Beim letzten beitrag gab es einen geharnischten Protest, den ich mir durchaus zu Herzen genommen habe, nämlich die aussage, dass es Männern ausschlieslich um die Macht über die Frau ging, und das hat mich eben dazu begracht, da einmal nachzufragen – auch vor dem Hintergrund, dass ich selbst dutrchaus weiss, dass Beziehungen zwischen finanziell sehr unterschiedlichen Partnern sehr schnell in eine üble Machtposition abgleiten können.

      Dass die Antwort nicht jedem gefällt, war mir bewusst, aber darum geht es bei einer Debatte ja nicht. Und deshalb lese ich ebenso aufmerksam auch Ihre Kommentare.

  3. Dass ich mit der Autorin in Sachen gesellschaftlicher Anerkennung
    von Prostitution keine Gemeinschaft bilden werde, ist den Lesern dieses Blogs bereits bekannt.

    Was nicht an gemeinsamen Schnittstellen hindert:

    Ich unterstütze den Ruf nach legaler Gleichstellung der Prostitution mit jeder anderen beruflichen Tätigkeit aus Gründen des Menschenschutzes in der Prostitution. Weil die Autorin Recht hat – nur möglichste geringe Machtgefälle (ausser den unvermeidbaren im Kundenwettbewerb) machen die Ablehnung von Unzumutbarem problemlos möglich.

    Und ich begrüsse ausdrücklich die absolut selbstverständliche Forderung nach nichteinmischung der Öffentlichkeit in private und konsensuelle Sexualbeziehungen. Es geht absolut niemanden ausser den Beteiligten etwas an, ob sich zwei Erwachsene gegenseitig auspeitschen wollen, in Babywindeln einwickeln oder nur zu den Klängen eines Trompetenappells zum Höhepunkt kommen können.

    Es gibt keine (o, zero, nada) Erkenntnisse, die man „wissenschaftlich“ nennen könnte, die es irgend jemandem erlauben, z.B. alle Beteiligten von BDSM Beziehungen seelisch gestört zu nennen. Wer das tut, projiziert seine Vorstellung von normalität auf alle anderen und ist der tatsächliche und sprichwörtliche Spiessbürger, der erst dann glücklich ist, wenn es allen anderen so schlecht geht, wie ihm selbst. Wer sich ungefragt in das Privatleben von Erwachsenen einzumischen wünscht, verrät mit diesem Wunsch schon, wohin er einsortiert gehört: Pöbel.

    Zurück zum Thema der Einleitung des Don: Ich erlaube mir aus eigener Erfahrung die Ergänzung, dass für guten Sex das Spiel mit Machtphantasien durchaus ein belebendes Element sein kann.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Titel eingeben
      Ich mein, wenn man eine Sach so umfangreich verteidigen muss wie die Thread-Inhaberin, dann ist es nicht recht weit mit der Sach.

      Diese Faustregel passt auf alles. Alle Geschäftsmodelle.

      Und hat mit der angriffenen Spießer-Moral recht wenig zu tun.
      Die ist immer nur der Überschmäh.

      Auch die Thread-Inhaberin hat eine, ihr eigene, derzeitige Moral. Und die muss man ihr lassen. Klar.

      Ihr Fehler ist nur, ihre Argumente als pars pro toto zu beanspruchen für alle Huren, den bezahlten Sex an sich. Dafür kämpft sie anscheinend.

      Doch: Wer sagt denn, dass alle anderen Huren so denken.

      Wer sagt denn, dass die anderen Huren dieses altruistische Helfen-Wollen so anpeilen und umsetzen.

      Wer sagt denn, dass ein ausgeprägtes Helfersyndrom, wie es in ihren Einlassungen scheint, ein wirtschaftlich akzeptables, nachhaltiges Geschäftsmodell sein können.

      Ein Geschäftsmodell, das seine Jahre von der Initiation an gezählt haben mag. Denn älter als 40+ , das funktioniert nicht, wenn man dem Gros der Freier zuhören will. Man will en gros knackig und jung bis mitteljung, für alles bereit, maximal MILF.

      Die Thread-Inhaberin ist vermutlich jung und hat hoffentlich einen Plan B.

      Den sollte man immer haben. Egal welcher Selbständiger man ist.

      Und es nicht versäumen, diesen Sachverhalt ihren KollegInnen zu erzählen. Sonst halte ich die Einlassungen der Thread-Inhaberin für nicht sehr integer. (Ich halte sie zwar für engagiert, aber leider nicht durchdacht und daher nicht für sehr integer … trotz aller ihrer werthaltigen Argumentation, die sie derzeit für stichhaltig und integer hält.)

      Jetzt kann man zu Recht einwenden, welcher Beruf/“Beruf“ ist nicht vom Wandel geprägt, und was das soll: Tja, Plan B ist immer nötig, egal ob Journalist oder Fliesenleger, der mit 40+ dank kaputter Knie sich umschauen muss.

      Welcome in the age of Youth Gloryfication! Welcome in the age of Self-Burning. Sustainable Geschäftsmodelle gehen anders, sorry.

      Wie soll eine Hure, wenn ihre Zeit gekommen ist, auf einen anderen Gelderwerb außer den der Domina umschwenken. Da haben wir ein Problem, wenn sie nichts anderes gelernt hat und keine andere Berufserfahrung in nichts anderem vorweisen kann. Da geht dann nur noch ein Weg wie Domenica oder Beratung für Sozialarbeiter. Hoffen wir das Beste.

      Sorry for that.

      Ja, und klar würde ich das nicht wollen, dass ich eine solche Tochter oder oder einen solche Enkelin hätte. Jeden Tag würde ich bei ihr persönlich vorsprechen und ihr unermüdlich andere, tauglichere Geschäftsmodelle vortragen. Damit sie noch ein Leben hat, wenn es mich nicht mehr gibt. Darum.

    • Aaaaach, also. was Beziehungsgestaltung in der Moderne und in der Realität angeht, da kann ich schon ganz seltsame Sachen erzählen, die man vielleicht so nicht vermuten würde – nach meiner bescheidenen ansicht gibt es eigentlich nichts, wofür jemand nicht verlangen empfindet. Das ist das eine.

      Das andere ist, dass jede Beschäftigung bei Freiberuflern im Laufe der Jahre mutiert, man rutscht halt von der einen Sache in die nächste und befor ich zur FAZ kam, habe ich etwas ganz anderes gemacht, was jetzt wirklich nicht mehr ginge. Da hoilft einfach ein gesunder Zynismus und eine gewisse Abenteuerlust weiter.

      Ansonsten sei die zustimmung oder ablehnung jedem von Herzen gegönnt. auf mich reden auch immer wieder Leute ein, ich sollte doch aus meinem Leben mehr machen und sie meinen es nur gut, aber ich bin halt, wie ich bin.

    • Titel eingeben
      Mei. Oder Huch. Da hab ich wohl einen Punkt erwischt.

      Die gealterte Hure bleibt leider in unserer Gesellschaft eine Hure. Alt eben und daher relativ „unbrauchbar“.

      Eine alte DOB-Schneiderin hat vielleicht noch elementare Skills. Sie kann noch immer Röcke säumen oder Hosen enger nähen. Weiters wird ihr das geneigte Job-Center nahelegen. Doch was macht die Hure mit 55? Wenn sie sich nicht bis dahin ein Domina-Studio zusammengespart hat?

    • Ich meine mich an eine Untersuchung erinnern zu können, dass Prostitution meist nur ein Zweitberuf ist und serh viele derer, die ihn betreiben, durchaus eine ausbildung bzw Praxis in anderen Bereichen haben. Irgendwie scheint es mir wirklich, dass noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Sie glauben nicht wirklich, dass man wie da oben mit Hauptschulabschuss schreiben kann, nicht wahr?

    • Theorie, Praxis und der Sinn des frtanzösischen Menus
      @thorha und @despina möchte ich aus Überlegung und reiner Theorie zustimmen und widersprechen.
      thorhas Peitsche sollte vielleicht mit der erfahrenen Professionellen gekostet werden. Und bei Gefallen sehr überlegt in chez Thorsten eingebracht werden.
      Despinas „facestting“ gibt es in Varianten „vorne“ und „hinten/beides“. Auch da würde ich die Professionelle der Partnerin vorziehen.
      Geht der Gedanke jemals wieder aus dem Kopf einer Frau daß diese Lippen am cullus waren?
      Ja, cunnus und cullus wurden schon bei den vordekadenten alten Römer geküßt. Ja und damit der Widerspruch. So etwas gehört zumindest auf das lateinisch oder französisch gehaltene menu. Nicht in die Auslage.
      Es ist bestimmt der Entwicklung eines Twens nicht förderlich, zur Domina zu gehen. Dies sollte denen vorbehalten sein, deren Vergnügen ohnehin auf Wein und Zusehen reduziert ist.
      Und denen, die sich wie ich vorher Gedanken machen und es bleiben lassen. Welche Beziehung wird es aushalten, wenn Frau erfährt, Mann hat an Schuhsohle geleckt. An der einer anderen Frau noch dazu. Rituelle Verunreinigung plus Ekel plus Zorn, Wut Enttäuschung.
      Da bleibt mir nur noch, mit Skakespeare zu warnen:
      Hell hath no fury than a woman spurned

      Wer es trotzdem riskiert, sollte auf Gnade hoffen, nicht auf Verständnis.

      Und Willkommen zurück Frau Castiglione

    • Titel eingeben
      Absolut nicht!

      Ich glaube gern bei ihrer Intellektualität, dass diese Dame mehr hat als einen Hauptschulabschluss.
      (Wobei ich Hauptschulabschlüssler kenne, die behaupten, Sarte und Baudelaire gelesen zu haben … . O. k. gelesen haben heißt nicht verstanden zu haben, usw. …)

      Das Problem ist ein anderes:
      Ein Mann kann immer noch etwas anderes machen – wenn er geerbt hat, noch mehr.

      Er bleibt, egal, ein Teufelskerl.

      Einer solchen Frau eher nicht. Was hat sie denn gelernt?
      Ihr bleibt im Alter maximal ein Platz in einer Talkshow bei Typen wie Marius Lanz.

      (Wobei – gestern – bei ihm ein ehemaliger Straßenjunge keine verkehrte Figur abgegeben hat, Respekt. Bella figura. Es hat mich nur arg gewürgt, gleichzeitig mit ihm Heino angucken zu müssen. Das war wirklich übel. Aber so ist die gewollte mediale Mischung eben. Man will Extreme, Provokation. Doch dem Jungen halt ich die Daumen, toller, gudster Kerl)

      Da muss man alles wissen, wenn man – mit was auch immer – in dieser patriarchalen und somit moralischen Gesellschaft unterwegs ist. Sine moralitas. Suum cuique.

  4. Intelligenz lärmt, hu"R"t...Vernunft genießt und "R"uht?!
    Sie vergeuden Ihre Energie. Warum genießen Sie nicht die nur von
    Ihnen erreichbare, nicht kopierbare oder „übertragbare“ Lebensrealität?
    Sie ist Ergebnis komplexer Geist-Zerrissenheiten, großer Geistpegeldifferenzen und deshalb komplexen Gesellschaftsrealität.
    Ihre persönliche Wahrnehmung von „Klarheit“ wird nicht ausreichen
    um diese Komplexität aufzulösen in Ihrem Sinne. Warum wollen
    Sie einen Gesellschaftszustand ändern, der Basis Ihres persönlichen Glücks ist? Vielleicht ist Schluß mit Glück wenn Ihr Wunsch in Erfüllung geht. Nehmen Sie es als „persönliches Geschenk“, lärmen Sie doch nicht genau so, wie diejenigen der Gesellschaft, denen Sie intelligenzmäßig paroli bieten können. Sie könnten verschwiegen in Ihrer Vernunft Ihr Glück genießen.
    Natürlich ist es Ihre Entscheidung…intelligent, hu“R“ig lärmend extrovertiert oder vernünftig, „R“uhig introvertiert zu
    leben.

    Gruß
    W.H.

    • Ähm – das ist ein Medium. Würde ich ruhen, würde ich hier nicjts verdienen und müsste meine Miter weiter auspressen, um meine Gemälde und andere Leidenschaften zu finanzieren. deshalb alo keine Ruhe.

    • Ich meinte die Dame Despina...
      Ich meinte die Dame, nicht Sie Don, also ehrlich…Sie
      wollen mich mißverstehen…oder!?

    • Doch, mir war das schon klar – nur, als freiberufler, der ich nun mal wurde, fühle ich mich da natürlich auch angesprochen. Es ist mitunter erstaunlich – das habe ich übrigens auch aus den Vorbereitungsinterviews mitgenommen, die diesen Beiträgen zugrunde lagen – wie ähnlich sich gewisse wirtschaftliche Konstellationen sind. Zumal, wenn man es dabei mit Menschen zu tun hat. Deshalb fand ich auch den Kommentar interessant und habe es mir erlaubt, darauf einzugehen. Keine böse absicht. nur lust am Plaudern.

    • Titel eingeben
      Mir ist natürlich klar, dass mein Betätigungsfeld sich mit meinem Alter verändern wird, und wahrscheinlich auch meine persönlichen Vorlieben, was die Ausgestaltung meiner Tätigkeit angeht. Das liegt in der Natur der Sache, und ich muss sagen, dass ich die Vorstellung eines eigenen Studios jetzt nicht so verlockend finde. Aber vielleicht sehe ich das mit 50 anders, da ist zwar nicht mehr ewig, aber ein Weilchen noch hin.

      Und ich lärme ja nicht. Ich schreibe halt, man hat mich gefragt, und es macht mir Spaß. Ab davon freue ich mich, wenn ich den ein oder anderen Denkanstoß geben und vielleicht manches Vorurteil abbauen kann.

      Auch wenn es bei Ihnen anders sein mag, werden Angehörige meines Berufsstandes oft sehr schematisiert wahrgenommen.
      Klar kann ich nicht für alle sprechen, das ist auch gar nicht mein Ansinnen. Aber ich kann ein bisschen an dem Bild ruckeln, das man gemeinhin vom Rotlich hat, und das mache ich natürlich gerne.

    • wie ähnlich sich gewisse wirtschaftliche Konstellationen sind
      Don, Sie können meinen Beitrag selbstverständlich komplett
      auf unsere Gesellschaften beziehen. Konsequentes „übernehmen“
      meiner Erkenntnis von der Gesellschaft wäre mit „Gesellschaft-Wechsel-Chaos“ verbunden.
      Vom Einzelnen wegen Geld verdienen müssen, nur eingeschränkt machbar, das ist klar…aber immerhin ein Änderungsanfang für eine
      „ruhigere Gesellschaft…denke ich.

    • Es würde mich offen gesagt überraschen, wenn es so käme – vielmehr ist es doch so, dass der ständige Wandel und all die Moden verlangen, dass Menschen immer berit sind, alles zu leisten, um sich das leisten zu können. Die alten sicherheiten brechen weg und neue sehe ich kaum, ausser eben in bevorzugten Regionen. Flexibilität und anpassungsfähigkeit sind dann enorm wichtig und wer das kann, bleibt oben und wer nicht, der hat dann eben ein Problem.

    • Titel eingeben
      „Es ist mitunter erstaunlich – das habe ich übrigens auch aus den Vorbereitungsinterviews mitgenommen, die diesen Beiträgen zugrunde lagen – wie ähnlich sich gewisse wirtschaftliche Konstellationen sind.“

      Oh ja!

      Zwischen Freiberuflern und der Profession von Despina ist der Unterschied der Konstellationen nicht so groß, wie man meinen könnte, mit Verlaub.

      Heute erst wieder eine saftige Replik zu einer vorgeblichen Mängelrüge schreiben müssen. Die in Wirklichkeit ein deutlicher Erpressungsversuch des Kunden war („Wir bezahlen dir deine famose Rechnung für deine „mangelhaften“ Lieferungen nur, wenn du das und das zusätzlich für uns machst …“)

      Da sei eine Hure sogar vor, sie kriegt Bares auf die Hand, und gut ist. Da gibt es kein Gemecker und keine Zahlungsminderungen, welch ein Glück …

      Doch ist es Glück nur in der Jugend …

      Ein „normaler“ Freiberufler weiß, von was ich red. Die Zahlungsmoral der sogenannten moralischen und „ehrlichen“ Mittelstands-Kundschaft an sich ist bekanntlich eher noch unter der der Freier. Ob im Ingolstadt der B2B-Zulieferer-Herrschaften (hatte da auch schon mehrfach das zweifelhafte Vergnügen …) oder anderswo. Die Zahlungsmoral der „tollen“ Öffentlichen Hand ist zudem noch ein paar Kilo unter dem des angeblich fetten bairischen Mittelstands. Trau schau wem.

      Von daher wundert es mich nicht, dass Berufe mit Sofortzahlung anscheinend Auftrieb haben. Nix für ungut.

    • Hallo Fr. Despina...
      Auch kenne das Millieu, wenn auch nur ca. fünf Jahre lang…vor
      langer, langer Zeit…als noch „verschnitten“ und andere Vokabeln von
      „Luden“, „Wirtschaftern“…benutzt wurden…auch ich habe „meine Wahrheit“, meine Erkenntnis vom Millieu…die Bandbreiten sind groß…jetzt bin ich rüstiger
      Rentner:=)
      …die Vokabel „lärmen“…bedeutet bei mir „lärmende Gesellschaft“ in
      all ihren Variationen…besonders auf Basis Geld, denn Geld ist der „Lärmmotor“…der ureigentliche Grund allen Elends auf der Welt…
      Auch mit meinem Beitrag hier „lärme“, „hure“ ich, nach meiner Definition.
      Außerhalb von Blogs bin „introvertiert, genießerisch ruhig“:=)
      „Huren“:=) Sie, so lange es Spaß macht Despina…aber hören Sie auch auf Ihre Seele.
      Gruß
      W.H.

    • Titel eingeben
      @ Despina

      Wenn du 36 bist, dann macht es bumm! und du bist 50.
      Glaubs einfach.

    • Als ex-36er und noch nicht 50er nehme ich das fast persönlich :)

    • Titel eingeben
      ;-)
      Sag ich doch.
      Bumm! Zeit ist relativ.

      Wenn dazwischen nur Graues Rauschen war, Pech.

      Man muss versuchen, ein Katsushika Hokusai zu sein. Eigensinnig, stur. (Bin ein großer Verehrer)
      Alles andere zählt nicht. Ich arbeite noch dran.
      Cheers.

    • an 'Gast'
      Gast sagt:
      18. Dezember 2014 um 19:11 Uhr
      @ Despina
      Wenn du 36 bist, dann macht es bumm! und du bist 50.
      Glaubs einfach.

      Hatte „Gast“ nicht zuvor geschrieben, dass die Autorin nicht für ihre Kolleginnen sprechen sollte, dürfte?
      Und nun bringt er eine ihm ganz allein gehörende Erfahrung als „Glaubens“-Credo für andere?

  5. Ach so :=)
    na, denn mal weiter so.

  6. KlareTja, so ist es in der Konsumorientierten Gesellschaftsordnung.
    Sex gegen Entgelt ist leider nur Dienstleistung mit der man den einvernehmlichen, zwischen sich gegenseitig anziehnenden oder gar liebenden Menschen Sex zu ersetzen versucht. Nur so haben beide nicht nur etwas vom Akt selbst, sondern auch voneinander. Die Lebensenergie, die man sich dabei gegenseitig schenkt, ist nicht mit der Befriedigung eines nicht wirklich verstandenen Bedürfnises gegen Bezahlung zu vergleichen. Dazu braucht es keiner gesellschaftlichen Akzeptanz, denn es scheint eine eher natürliche, genetisch vorprogrammierte Abneigung gegen die gegenseitige Ausbeutung in der Prostitution zu sein. Die wertschätzende Dienstleistung stellt ausschließlich auf merkantiele Befriedigung einerseits und nie stillender Gefühls- und Energiehunger andererseits ab.

  7. Die Macht im Flatratepuff
    Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie sich die Machtverhältnisse erotischer Dienstleistungen z.B. in Flatratepuffs oder auf dem Straßenstrich darstellen. Vielleicht liegt es an fehlendem Wissen, oder auch an meiner fehlenden Bereitschaft, mir den Glanz des Berufes in diesen Bereichen auszumalen, jedenfall:

    Ich kann hier nur mit Mühe etwas entdecken, was einer „normalen und halbwegs zufrieden machenden Berufsausübung“ gleich kommt – und habe hier deutlich häufiger Verhältnisse von Machtassymetrie und Machtmissbrauch vor Augen. Ist es hier nun der eher zweifelhafte Betreiber entsprechender Etablissments, der Zuhälter des jeweiligen Straßenabschnitts oder eine aktive Kriminellengang, beispielsweise die Hells Angels:

    Man wünscht der Verfassering beim Durchdenken unweigerlich, dass sie diesen Niederungen fern ist. Die allemal spannende Frage ist, wie derartigen, und imho nicht gerade seltenen Formen von übermäßiger Machtausübung ( bis hin zum Machtmissbrauch) gesellschaftlich entgegen wirken kann. Betroffen hiervon scheinen mir jedenfalls vorwiegend jene Frauen zu sein, die hier im Blog eher selten die Stimme erheben, sei es, dass sie der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig sind, sei es, dass ihre Lebensverhältnisse nicht sehr viel dafür hergeben, in einem Blog der FAZ ihre Meinung kund zu tun.

    Die mich aber sehr interessieren würde. Und es sind hier vermutlich auch weniger die „Deutungsmachtinhaber“, welche diesen Wissenstransfer blockieren. Ob die „Deutungsmachtinhaber“, trotz aller Behauptung von „Intersektionalität“ etc., für diesen Wissenstransfer etwas geleistet haben, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis. Skeptisch bin ich an diesem Punkt dennoch.

    Vielleicht wäre es, vor allzu großen gesetzgeberischen Handlungen jedenfalls, zunächst eine gute Idee, dass hier der Staat mit aller Macht die organisierte Kriminalität und das Zuhältertum bekämpft. Ich hätte zudem nichts dagegen, wenn der Staat bzw. die Kommunen Bordelle oder Stundenhotels betreiben würden, und zwar mit der Zielsetzung, die Verhältnisse in diesen Millieus zu bessern.

    • Titel eingeben
      Lieber John Dean,
      ich finde es an der Stelle ganz wichtig zu unterscheiden zwischen Berufsausübung und Ausbeutung. Von der Möglichkeit einer geregelten und ordentlichen Berufsausübung profitieren eben diejenigen, die arbeiten, und nicht die, die ausbeuten, zumindest soll das so sein und das ist das, was ich mir wünsche. Und an der Stelle scheinen Sie und ich meinungsmäßig nicht so weit auseinander zu sein. Was die Bekämpfung von Zuhälterei und angeht, stimme ich Ihnen vollumfänglich zu, die Kriminalität ist teilweise aber hausgemacht, weil die Politik so repressiv ist, zum Beispiel in Sachen Sperrbezirke. Ab von der Kriminalisierung der Sexarbeitenden durch moralinsaure Verordnungen,also da, wo Ausbeutung und Benachteiligung herrscht, bin ich wieder bei Ihnen. Ich hätte nicht mal was gegen Bordelle in Hand der Kommunen, wenn dort anständige Arbeitsbedingungen herrschen…warum nicht?

  8. Also wenn ich mir die Bilder so anschaue
    fällt mir nur die Überschrift eines FAZNet-Artikels ein:

    „Zieht Euch an!“….:-)

    • Das ist in der Münchner Abgusssammlung, und darunter sind einige echte Meisterwerke der antike.

    • Titel eingeben
      The socalled Glyptothek.
      Lustigste Ausstellung ever.

      Man möcht ihnen mitleidig was häkeln.

    • .
      O.T. eine Frage an den Fachmann zu den Statuen auf den Fotos:
      Ist es wahr, dass die (manche? alle?) Originale in ihrer Zeit farbig waren?

    • Da muss ich antworten, denn die Bilder sind von mir. Vielleicht dazu auch etwas Allgemeines:

      Es gibt bei diesem Thema so eine Art Ikonographie. Die nimmt dann bilder schäbiger Zimmer mit halbnackten, abgewendeten Frauen oder Szenen auf der Strasse, bei denen sich Frauen zu autos beugen. Nun hätte man in Frankfurt auch die ganze Bandbreite gehabt und ablichten können, von der Bahnhofsregion bis zu den verschwiegenen Räumlichkeiten in besseren Vierteln, die nun nicht jeder kennt, zu denen die Autorin aber Zugang hat. Wir haben uns dagegen entschieden, weil das gleich so gewisse Bilder im kopf erzeugt, um die dies hier nicht geht, und das würde der Debatte wohl auch kaum bekommen.

      ausserdem rede ich zwar gern über delikate Themen, aber bei den bildern bevorzuge ich alte Kunst.

      Die Statuen waren in der griechischen Antike oft ziemlich bunt gefasst, ud es gibt auch hinweise aus der frühen klassik, dass die Maler besser als die Steinmetze bezahlt wurden. Das ändert sich dann deutlich im Hellenismus, da gibt es dann ildhauerstars wie Praxiteles. die römischen Kopien weiderum, deren Abgüsse man hier sieht, sind dann wieder miese Sklavenarbeit, waren aber meist nicht gefasst. Andererseits weiss man etwa über die Reliefs des kontantinbogens, dass es dort eine fargliche Fassung auch in er Spätantoike gab. Das thema ist reichlich komplex, aber generell kann man sich die Statuen auch gern but vorstellen. Bronze war allerdings damals schon goldlänzend.

    • Titel eingeben
      Die Glyptothek ist nicht das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke.

  9. Sex und Macht
    Ich bin mit 23 Jahren vielleicht zu Jung für den klassichen Besucher von Prostituierten und Escorts, doch lernt man relativ früh die Zusammenhäge von Sex und Macht als Mann:
    In meinen bisherigen Beziehungen wie auch den sehr langen Beziehungen in meinem Umfeld, durfte ich immer wieder erlernen, wie Sex und Macht zusammenhängen: Macht hat derjenige mit dem geringeren sexuellen Trieb. Ob das nun der Mann oder die Frau ist, ist sekundär. Sobald aber einer von beiden Partnern and deutlich weniger sexuellen Kontakten interessiert ist als der andere, fängt ein Machtspiel an, dass seines Gleichen sucht: Derjenige, der mehr Sex möchte, wünscht oder gar verlangt, wird auf Dauer vom anderen Partner kontrolliert, da dieser den Sex benutzt um Ziele zu erreichen. Will der weniger sexuell aktive Partner Sex haben, ist der aktivere immer bereit, will der weniger aktive Partner ein Ziel erreichen, kann er dafür Sex einsetzten, der aktivere wird viel für Sex tun. Und wenn der weniger aktive Partner keine Lust hat, muss sich der Partner dem Beugen, denn alles andere wäre Missbrauch oder Schlimmeres.

    Dieses Spiel ist auf Dauer unerträglich, spielt sich aber praktisch in jeder Beziehung ab, die ich kenne. Die drei Alternativen sind die Trennung, das Anpassen oder der Betrug ( ob mit Prostiutieren oder anderen Frauen spielt dabei überhaupt keine Rolle ).
    Das ist die Macht, die ich mit Sex verbinde und diese Macht ist widerlich, weil sie jede Beziehung extremst belastet. Prostituierte werden deshalb so gehasst, weil sie das Machtgefüge umdrehen. Sie ermöglichen es dem Mann außerhalb einer Beziehung und damit außerhalb der normalen Machtsituation Sex zu haben ( und manchen Frauen eben auch ). Und wenn man moralisch noch einigermaßen intakt ist, macht man soetwas nicht während einer Beziehung, die sich einmal auf monogamen Grundsätzen gebildet hat, sondern nach oder vor diesen. Und die Folge davon ist, dass Männer wie ich sich dem Heirats- und Beziehungsmarkt entziehen, Gutverdiende Akademiker hören auf mit dem ewigen Tanz zwischen Männern und Frauen oder sie sind in ihren Wünschen so Flexibel, dass sie „unterhalb ihres Standes“ sich arrangieren. Übrig bleiben Akademikerinnen, die alles unterhalb der Akademiker für unwürdig halten und auf ihren „Niveau“ keine Männer mehr finden und dann gegen die Prostituierten wettern. Schließlich sind sie es ja Schuld, dass Männer plötzlich Sex haben, wann sie wollen und wo sie wollen, und nicht mehr wann die Frauen wollen.

    Und am Ende des Tages ist verbringt unsereins die Nacht mit einem „Overnightbesuch“, während auf der anderen Seite Kongresse gegen Prostitution abgehalten werden. Sex und Macht eben.

    PS: Und in einer Gesellschaft, in der immer mehr die Neoprüderie hereinbricht, ist es für so manchen auch angenehm, seine geheimsten Wünsche und Phantasien mit jemanden auszusprechen und auszuleben, dessen Berufsstand und Berufsansehen absolute Diskretion verspricht, während man überall anders Gefahr läuft einen oder gar mehrere Fetische zu besitzen.

    • Auch wenn Sie erst 23 Jahre jung sind
      …darf ich Sie klug nenen?

    • Titel eingeben
      Geht es nicht eher um Zuwendung?
      Wird nicht eher Zuwendung mit Sex impiliziert?

      Frag nur mal so.

      Ich haben den Eindruck, Despina bietet Zuwendung.

    • Zuwendung
      Ich glaube, dass beglückende Sexualität ohne Zuwendung nicht auskommt.

      Ob das Vorenthalten von Sexuellem Kontakt als Machtinstrument tatsächlich so weit verbreitet ist, lieber Clone, kann ich schlecht beurteilen. Mit dieser Thematik werde ich wohl regelmäßig konfrontiert, aber das verwundert natürlich nicht.
      Es ist in meinen Augen alles andere als respektvoll dem Partner gegenüber, ihn mit seinen sexuellen Bedürfnissen dauerhaft und absichtlich auflaufen zu lassen. Weder, indem man vorenthält, noch indem man betrügt. Ideal wäre sicher eine ehrliche und von Machtspielen freie Kommunikation, aber da muss man monogame Beziehungskonstrukte grundsätzlich in Frage zu stellen bereit sein, und das möchten wohl nicht so viele Leute offen diskutieren.

    • Titel eingeben
      Nunja, die Erkenntnis, dass in einer sozialen Beziehung derjenige der Mächtigere ist, der den anderen weniger braucht, ist banal. Da muss man gar nicht mit Sex ankommen, das haben Sie schon in der Wirtschaft.
      Interessant wird es erst, wenn der Mächtigere, berauscht von seiner Macht, die zweite banale Erkenntnis ignoriert: es ist nur eines sicher, nämlich dass nichts auf Dauer so bleibt, wie es heute ist. Wer heute Macht hat, ist morgen schwach, wer heute den Kunden wegschickt oder schlecht behandelt, der hat morgen keine.

      Das geht „In-Restaurants“ mit ihren Türstehern so, das passiert grad A&F/Holister, das wird Apple demnächst so gehen, und es würde mich sehr wundern, wenn diese Mechanismen im Markt für käuflichen Sex nicht gelten sollten. Wegschicken muss man sich leisten können.

    • Wenn es Apple so gehen würde, wäre ich nicht traurig. Umgekehrt ist es schon so, dass eine gewisse Einlasskontrolle Menschen auch diszipliniert.

    • verrueckte, ego-besessene Welt ...
      …und deswegen machen die, die dieser Unsinnigkeit einsichtig werden, befreiende Sprünge, wie sie z.B. EKIW anbieten! :-)

  10. Marx, immer wieder Marx!
    Mit Verlaub, aber ich bin die marxistische Optik, nach der sich die gesellschaftlichen Verhältnisse auf dieser Welt einzig und alleine über die (bestehenden) Machstrukturen erklären lassen, allmählich etwas leid! Die Machtperspektive ist ein ein typisch marxistischer Fetisch, eine Art, an die Dinge heranzugehen, die alle anderen Faktoren, die eine irgendwie geartete, gesellschaftliche, ökonomische oder politische Entwicklung per se auszuschliessen scheint. Gibt es in unserer materiellen Welt eigentlich keine anderen Erklärungsansätze mehr? Woher kommt dieser Machtfetisch? Das Stück Leinwand als Angelpunkt war ja zu seiner Zeit gut und recht: Schliesslich befanden sich geschätzte 75 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in England zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den Händen des Adels. Aber reicht die „ursprüngliche Akkumulation“ alleine wirklich noch aus, um die gesellschaftlichen Zusammenhänge im 21. Jahrhundert abschliessend zu erklären? Ich glaube nicht. Ansonsten verweise ich auf meine Domina: Die weiss zumindest, was ich, äh, will. Oder sie. Oder beide. Oder die Mächtigen. Oder alle. Oder.. ach, hol’s doch der Deibel: Wer oder was auch immer!

    • M(itte)-ACHT
      Wenn Sie die Zahl „8“ anschauen, dann Sie das Zeichen für „dualen“
      Aufbau aller Dinge. Wer die Mitte der Acht „besitzt“ hat die Macht
      über den entsprechenden dualen Raum.
      Schach 8 X 8 Felder, wer die Mitte „beherrscht“, beherrscht das Spiel…heißt es.

      Gruß
      Macht:=)

    • @Macht
      Ja, eben: Für Machtfragen ist meine Domina zuständig. Und die ist nicht käuflich! Das einzige, was mich an meinem ersten Satz in dieser Antwort stört, ist das Possesivpronomen. Sie stört es übrigens auch. Aber dagegen sind wir beide gleichermassen machtlos…

    • Es festgelegt, wie ein physikalisches Gesetz.
      Wenn Sie Macht „8“ als Zeichen für Ihr Bewußtsein und Gegenbewußtsein…umgangssprachlich „Unbewußtsein)“…
      dann ist die Mitte, die Kreuzung, das „Unterbewußtsein“,
      das Interpreter, Übersetzer fungiert. Wenn Sie also
      Ihr Unterbewußtsein kontrollieren können, egal unter
      welchen Umständen, dann haben nur Sie Macht über sich…ansonsten,
      wie gehabt…meistens hat Geldbeschaffungszwang die Macht und damit
      alle Randerscheinungen, je nach Einfluß.
      Geld beherrscht den Mensch heute..oder körperliche, physikalische Gewalt, Macht…da kommen wir nicht raus:=)

  11. Titel eingeben
    Herr Marcel (Z),
    ich bitte Sie!

    Erstens, nicht jedesmal, wenn nach den Machtverhältnissen gefragt wird, ist das unnütz. Zweitens, auch wenn nicht nach ihnen gefragt ist, existieren sie. Drittens gibt es, da gebe ich Ihnen gerne recht, auch andere wesentliche Dinge, die Einfluss haben auf die Geschehnisse in dieser Welt, z.B. die Liebe!. Und viertens, ist die Frage nach der Machtfrage keineswegs eine exklusive marxistische Marotte, sondern in etwa so alt wie wie die Menschheit. Machtverhältnisse zu analysieren, gleich welcher Form, geziemt sich beispielsweise auch einem eher links gerichteten (aus Anstand) Ordoliberalen.

    Der ja nun wirklich kein Marxist ist. So, und bitte antworten Sie mir jetzt bitte nicht: „Macht nichts!“, sondern eher in Bezug zum Thema Macht und Prostitution. Und sei es für ein lauwarmes: „Macht macht sexy….“

    • Titel eingeben
      Die Frage nach den Machtverhätnissen ist sicherlich keine exklusiv marxistische Marotte, zugegeben. Aber dank Marx hat diese Frage bis heute eine ungeheure (und für mich bisweilen un-er-trä-gliche) Beschleunigung erfahren! Es gibt auch noch andere Erklärungsansätze, die gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar machen können: Da wäre zum einen die bestechende Theorie von Taxis und Kosmos, die August von Hayek (1899- 1992) vor mehr als einem halben Jahrhundert zum Besten gegeben hat. Oder der „Prozess der schöpferischen Zerstörung“, eine eigentliche Konjunkturtheorie, die von Joseph A. Schumpeter- ebenfalls in der Mitte des letzten Jahrhunderts- verfasst worden ist. Wenn wir schon bei käuflichen Körperöffnungen sind, deren Verkauf ja- wie jedes andere Gut (oder jede andere Dienstleistung) übrigens auch- dem klassischen Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen ist. Ökonomie also, politische, um genau zu sein. Marx schimmert heute auch deshalb immer wieder so penetrant durch, weil er ja seinerzeit gesagt hat, in einer Welt der Waren würde der Mensch selber eines Tages ebenfalls zur Ware werden. Und genau darauf stützt sich der gesamte, vorliegende Text ja ab. Darum Marx undso: Schwer verdauliche Kost. Für mich zumindest. Wirkt irgendwie vermottet. Und starr.

  12. Paradoxe Überlegung
    Bei der Domina scheint der Sex Appeal vor allem von der dort käuflich zu erwerbenden Machtlosigkeit herzurühren.

  13. Nochn Blog
    „Praktikantinnengespräche“

  14. 6 vor 9
    Kein Tag ohne Pinselstrich —

  15. despina castiglione
    ja ich finde es sehr interessant diese ganze thematik auch einmal von ihrer seite aus betrachtet zu sehen

    meinen respekt davor

    sie sind ja im grunde genommen ein seelenklempner auf einer anderen ebene und ja wie da die altersvorsoge behandelt werden kann sollte eigentlich von staatlicher seite geregelt werden um von der kriminellen energie wegzukommen

    • Sehr blauäugig...typisch "Solider"...würde die kriminelle Energie sagen, Sternschnuppe.
      Egal wie „geschützt“ in Häusern gehurt werden kann…zu Hause, außerhalb, im Hintergrund nach der „Arbeit“
      ist der Schutz weg. Vielleicht wissen Sie wieviel Aufwand notwendig
      ist um „Zeugen“ zu schützen. Jede Hure ist demnach als „Zeuge“
      zu betrachten. Der notwendige „Schutzaufwand“ rund um die Uhr ist nie zu leisten. Für die kriminelle Energie aber schon…ihr „Schutzgeld“
      zu bekommen. Sorry…Traumtänzer alle „Soliden“.
      Denken Sie ernsthaft, das Milieu verzichtet auf Milieusichere Einnahmen?!
      Gruß,
      Solider

  16. Zu Weihnachten -- Glücksmomente schenken!
    Passend für Sie: die Bannerwerbung von der, o ja, Rentenlotterie.

  17. Was der andere Gast sagt
    dankenswerterweise notwendig, wahr und klar. Notwendiger Bezug auch. Ansonsten scheint hier – aus individueller Notwendigkeit geboren – der Versuch vorzuliegen, sich in Form eines persönlich neu gezimmerten Weltbildes das Rad neu zu erfinden – schon weil evtl. zu wenig Kenntnis der Historie vorläge. Und im Dienste des Weltbildes auch gar nicht wünschenswert gewesen wäre. Evtl. auch weil narzistisch getönte Verachtungswünsche als persönliche Vorbindung dafür ggfls. auch mit im Raume stünden.

    Finge schon damit an „die anderen“ als eher mehr oder minder sozial defizitär oder zu einem selbst als vergleichsweise mindervollkomen entwickelt sehen zu müssen, wie es womöglich aus Aussagen wie

    „Sexualität an sich ist eine reichlich komplizierte Angelegenheit. Das Spannungsfeld zwischen den eigenen Phantasien, Wünschen, Bedürfnissen und der „allgemeinen Moral“, die zwar jeder irgendwie im Gefühl hat, aber niemand wirklich greifen kann, bietet reichlich Stolpersteine und einen unerschöpflichen Vorrat an zweischneidigen Schwertern, an denen man sich egal, wie man sie anpackt, blutige Finger holen kann.“ oder

    „von den Niederungen der Praxis im Ehebett“

    sind doch reinster Bullshit, entsprechen nicht der gelebten realität, zumal nicht in vielen klassischen Ehehen.

    Da wären Sexualität, Liebe und Fruchtbarkeit in beiderseits gewollter Gemeinsamkeit häufig nicht von einander zu trennen – und zwar so, wie es sich wohl der Schöpfer der Sache eigentlich gedacht hat, muss und kann man wohl sagen. Und aus welchem grunde auch die monogame Ehe nebst Vertrag und öffentlich gemeinsam getragen Ringen erfunden wurde. Die die zwei gehören sich gegenseitig nur alleine, wollen es auch, als versprechen und mehr – und das ist gut so.

    Und dass es darüber hinaus zu „Abweichungen“ davon kommen könnte, keine Paarbeziehung als Funktion der Jahrzehnte ggfls. vollkomen ohne Abweichung von der Norm, würde der Sache an sich keinen Abbruch tun.

    Und auch die Andersartigkeit des immer selben Partners, unterschiedliche Alterungs- u. Reifungsgeschwindigkeiten eher als Regel denn als Ausnahme über die Jahrzehnte einer Ehe gesehen, böten vor alem Entfaltungsraum und Erkenntnisgewinn – stünden alerdings zu zeiten auch schon mal hedonistisch-schnellem, individuellem Lustgewinn im Wege.

    Und klar gälte womöglich auch der Satz des Tonio Kröger „wer mehr liebt, der muss leiden“ – aber deswegen die billige Triebabfuhr sich parallel dazu ggfls. schnell erkaufen? Zeugte sicherlich eher nicht von Reife und erwachsenen Umgang – zumal auch mit sich selbst nicht.

    Also egal ob 50 oder 500 Euro – billig ist es immer. Zumal ganz sicher im Vergleich zum Geschenk wechselseitiger sozialer Exklusivität in Liebe.

    Und in der tat, ja, für manches bräuchte es wohl eine Herkunftsfamilie. Also von sich sagen zu können, eine solche gehabt zu haben. Was das ist, eine familie? nun ja, wer eine herkunftsfamilie hatte, der müsste vermutlich in der tat nicht fragen.

    Und wüsste dass innen tendenziell eher mit „heilig“ gleichzusetzen wäre, und „außen“ – nun ja … . „Für die anderen eben.“

    So wahr die FAZ noch druckt. Und kein Don Alphonso oder wer noch änderte das. Egal mit wieviel „clicks“.

    So wohl eher die Meinung.

    P.S.: Mancher der ganz altmodisch katholisch wäre, wüsste um die Weisheit und Lebenserfahrung der ganz praktischen Erfahrung aus menschenleben durch die Jahrtausende, wie sie z.b. auch im alten Testament sich schon mal wiederfände, es ist in diesem Kulturkreis damit, wie in den meisten anderen:

    „Frau Torheit ist ein unbändiges Weib, verführerisch, und weiß nichts von Scham. Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt, einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln: «Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!», und zum Toren spricht sie: «Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.»Er weiß aber nicht, daß dort nur die Schatten wohnen, daß ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen. Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich, daß du den Weg des Lebens nicht wahrnimmst; haltlos sind ihre Tritte, und du merkst es nicht. “

    Der spirituelle Tod ist gemeint, zuerst, sicherlich. Aber beziehungslose „Hurengänger“ stürben am Ende meist auch deutlich früher, als spießig-treue Ehemänner, das könnte ggfls. auch ein Gesichtspunkt sein und ein Preis. Und die Treuen hätten von ihrer Treue und „Beschränkung“ keinen Schaden gehabt, nichts vermisst oder verpasst, soviel ist gewiß.

    http://www.susannealbers.de/20.sprueche.html – und in jeder Bibel.
    .

    • also, wenn ich schon angesprochen werde – ich bin klarer verfechter eines äusserst traditionellen Familienbildes und finde auch Scheidungen eigentlich unverzeihlich. Das liegt an meiner Herkunft, die komplett intakt und gut war.

      Aber ich habe, wie kann es sein, auch ganz andeere Beziehungen erlebt. Bei Freunden und Freundinnen. Und das hat mich umdenken lassen. Ich mag die Ursache nicht sonderlich, die Beliebigkeit und den fehlenden Willen, aufeinander einzugehen. aber ich sehe da auch keine kurzfristige, sinnvolle Lösung und ja, ich glaube auch, dass gerade die Ehebetten ein Grund für unsere abnorm hohe scheidungsrate sind. das passiert ja nicht wegen nichts, das erwischt auch wirklich gesittete Menschen und insofern ist das zu hinterfragen.

      Auch in der bürgerlichen Klasse.

    • Scheidungsrate Deutschland heute:
      Knapp unter 40% aller Ehen werden geschieden. Was heisst, mehr als 60% der Ehen schaffen es, zusammenzubleiben. Was angesichts aller Versuchungen und Verwünschungen einem mittleren Wunder gleichkommt. Folgte man den Skeptikern, Hedonisten und Authentikern, dürfte es das gar nicht geben.

      Zwei Menschen stehen freiwillig füreinander ein. Eine Perversion der Menschheit.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Unter den verbleibenden sind aber auch genug Zweckpartnerschafzen und jene, die zwangsweise zusammen bleiben, weil es so einfach praktischer ist, sei es wegen Auskommen, kinder oder Immobilien – oder wie bei mir im umfeld, einfach wege des guten Rufs. Statistik ist da leider nicht alles, Ich finde das, wie gesagt, auch nicht gut.

    • @Gast:
      Nachdem sich hier anscheinend keiner der anwesenden Herren traut, mal anders als aus dem Theoretiker-Baumarkt heraus zu argumentieren: Ich hatte Ende der Neunziger mal eine kurze und stürmische Affäre mit einer Escort-Service-Dame (nein, ich hatte sie nicht als Kunde kennengelernt). Details würden jetzt auch zu weit weg führen. Jedenfalls hat mich das ein paar Monate später dann zu dem Versuch ermutigt, eine einschlägige bezahlte Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Um es kurz zu machen: Es ging für mich in Ordnung, ich habe das auch einmal noch wiederholt bei der gleichen Anbieterin, aber damit hat es auch gereicht, um zu sagen, been there, done that. Tief drin bin ich vielleicht doch zu romantisch und gleichzeitig auch realistisch genug, um mir nicht allzugroße Illusionen darüber zu machen, dass ihr Spaß bei der Sache zu einem gewissen Grad auch professionelle (und gute) Show war. Ich glaube aber nicht, dass ich mit dieser Transaktion mein Seelenheil verwirkt habe oder für die ernsthafte monogame Zweierbeziehung verloren gegangen bin. Meiner Frau, die damals noch nicht meine Frau war, sondern „nur“ eine sehr vertraute Kollegin, habe ich das damals übrigens erzählt, und sie war nicht sonderlich geschockt oder gar entrüstet, sondern durchaus neugierig auf ein paar Details. Jedenfalls hat sie diese Episode nicht davon abgehalten, mir fünf Jahre später das Jawort zu geben. Wir sind jetzt zehn Jahre verheiratet, und wir haben uns noch jeden Tag beglückwünscht, an dem wir zusammen aufgewacht sind.

      Ich finde auch aus heutiger Sicht keinen Grund, irgendetwas an dieser Vorgeschichte zu bereuen, ich würde die Erfahrung mit der Gunstgewerblerin nicht missen wollen. Und die Dame vom Begleitservice hatte mir damals in schwerer Zeit der Himmel geschickt und nicht der Teufel, davon bin ich überzeugt. Ich hoffe, dass sie nicht unter die Räder gekommen ist in der Zwischenzeit.

    • Es ist an der Ehe nichts auszusetzen,
      grundsätzlich ist sie sicher eine gute Idee, und das Miteinander, füreinander einzustehen und sich gewogen zu sein und zu bleiben sind hohe Werte, für die ich jederzeit bereit bin, eine Lanze zu brechen.

      Einzig, die Realität sieht oft anders aus.

      Und ich bin eben der Auffassung, dass sexuelle Treue nicht zwingend etwas mit ideeller oder partnerschaftlicher Treue zu tun hat. Eifersucht ist nach meiner Auffassung eine äußerst destruktive Regung, die durch Treuegebote, die auf körperliche Exklusivität abzielen, erst so richtig schön befeuert wird.
      Sich davon zu lösen halte ich für klug, da kann man sich wahrscheinlich viel Leid ersparen. Aber das soll jeder bitte für sich entscheiden, ich käme nie auf die Idee, einem Menschen, der sich für ein Beziehungskonstrukt mit körperlicher Exklusivität entscheidet, dreinzureden.

      Zu Bedenken geben möchte ich aber, dass es ja mitnichten so ist, dass körperliche Treue und Exklusivität etwas ist, das erst in der modernen zeit verlustig gegangen ist. Mit sexuellen Begierden jenseits der auf Ausschließlichkeit gebauten Zweierbeziehung scheint die Menschheit sich schon länger herumzuschlagen, und deshalb bin ich dafür, alternative Lösungen auch gelten zu lassen.

      Was letztlich zählt, ist die Verbundenheit und Solidarität, die Wertschätzung für den Partner und das gemeinsame Wachsen in und mit der Beziehung. Für mich schliesst eine freizügige Gestaltung des Liebeslebens eben das gerade nicht aus, im Gegenteil, ich halte das für sehr förderlich.

    • Titel eingeben
      @Despina: Ich sehe das weitgehend ähnlich. Ich habe aber leider nicht allzu viele positive Beispiele vor Augen, in denen die Partnerschaft die Herausforderungen, die mit einer freizügigeren Gestaltung des Liebeslebens (offene Ehe oder vergleichbares) einhergehen, unbeschadet überstanden hätte. Im Übrigen habe ich in den zehn Jahren meiner Ehe noch keine ernsthafte Verlockung verspürt, mich außerehelich zu betätigen. Meine Frau nach eigenem Bekunden bislang auch nicht. Sollte sich das mal ändern, müsste man sehen, wie man damit umgeht, aber zwingend zum Anwalt rennen würden wir deswegen wahrscheinlich nicht.

      Ob die Eifersucht erst durch die Treuegebote befeuert wird oder ob diese Forderungen erst aufgebracht wurden, um das Eifersuchtsproblem bei ungeordneteren Verhältnissen in den Griff zu bekommen – wer weiß das schon zu sagen? Glaubt man Matriarchatsforscherinnen, kam die Forderung nach Exklusivität erst mit dem Patriarchat auf, und völlig haltlos scheint mir diese Hypothese auch nicht zu sein.

      Dass wir heute den gesellschaftlichen Freiraum haben, auch andere Partnerschafts- und Rollenmodelle auszuleben als noch unsere Großeltern, sehe ich jedenfalls als Riesenchance.

    • Mark, schau´n wir mal, wie weit sich die neuen Modelle verbreiten.
      Nicht sehr weit und nie sehr weit, wäre meine Prognose. Mir scheint der gegenseitige Exklusivitätsanspruch eine anthropologische Konstante zu sein. Und dessen Aufgabe nicht per se ein echter Fortschritt – nicht alles, was nur wenigen Menschen gelingt, ist damit auch gleichzeitig wertvoller. Aber das würde hier zu weit führen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  18. Das gegängelte Individumum, oder: Freiraum Glückssache
    Psychosomatik scheint eine äußerst moderne Disziplin zu sein. Dabei weiß man schon seit Jahrhunderten um die Verkettung von psychischen und körperlichen Zuständen: Ärger führt zu einem vermehrten Ausstoß von Magensäure, die dann die Magenschleimhaut angreift und dort zunächst Magengeschwüre und letztendlich auch Krebs verursachen kann. In unserer Gesellschaft gilt es allerdings als gelungene Konfliktlösungsstrategie, Ärger „runterzuschlucken“ oder sich zumindest nicht Luft zu machen, nach dem Motto: man muss sich halt im Griff haben. Dass niemand sich gern (noch dazu ohne Grund ärgert), wird dabei nicht bedacht. Der sich ärgernde wird, wenn er sich denn Luft macht, geächtet. Es wird erwartet, dass man in der Lage ist, Ärger zu „schlucken“ um ihn nach „angemessener“ Zeit produktiv zu nutzen, d.h. Frust kompensiert man durch eine besondere Leistung, die dann irgendwo auch Fortschritte für andere mit sich bringt, nach dem Muster: Leidensdruck=Fortschritt. Das ist an sich so falsch gar nicht, gerät aber in Schieflage, wenn einem die Kompensationsmöglichkeiten auch immer mehr weggenommen werden, oder wenn der zeitliche Abstand zwischen der den Ärger auslösenden Ursache und der Kompensationsmöglichkeit zu groß wird. Einfaches Beispiel: ein Kollege macht mich am Arbeitsplatz aus purem Mutwillen über mich lustig und mich damit vor anderen lächerlich (was unter Umständen in empfindlicher Weise nicht nur das momentane eigene Empfinden, sondern auch die Reputation langfristig in Mitleidenschaft ziehen kann, und damit in ein Vielzahl weiterer Probleme mündet.). Statt mich sofort für diese Ungerechtigkeit zu revanchieren, soll ich es runterschlucken und auf eine Gelegenheit warten, wo ich es ihm in sozial akzeptabler Weise heimzahlen kann, beispielsweise im Rahmen einer sportlichen Leistung. Wenn man mich dann aber gar nicht „auf den Fußballplatz lässt“, bekomme ich keine Gelegenheit mehr, mich „zu reparieren“. Der Körper wird in der Zwischenzeit munter Magensäure und Adrenalinschübe produzieren, die der organischen (und selbstverständlich auch seelischen Gesundheit) des Betreffenden unter Umstände irreversiblen Schaden zufügen.
    Beim sogenannten „Gratifikationsaufschub“ ist es ähnlich. Es wird erwartet, dass man seine Wünsche, beispielsweise sexueller Art, immer hintenan stellt, um „sich aufzusparen“ und dann irgendwann „zu ernten“. Auch das ist an sich sinnvoll. Nur was ist, wenn die Zeit bis zur Ernte ad infinitum aufgeschoben wird, aus Gründen gesellschaftlicher Schicklichkeit? Darf man sich dann wundern, wenn der Betreffende aggressiv wird? Unsere ganze Kultur scheint auf diesem Prinzip des Gratifikationsaufschubs aufgebaut. Rational betrachtet macht das, wie gesagt, Sinn. Wenn allerdings der Gratifikationsaufschub zu lange dauert (und auch hier gibt es eine angemessene Zeit, wie bei der Milch, die sauer wird, wenn man sie zu lange stehen lässt), dann funktioniert das Prinzip nicht mehr. Hermann Hesse hat dieser Problematik in seinem Werk ein besonderes Augenmerk gewidmet. Auch in DEM Buch unseres literarischen Übervaters, Goethes Faust, ist es DAS Thema. Faust, ein herzensgebildeter Mittfünfziger, hat auf Grund seiner Bildungsbemühungen am Leben vorbei gelebt. Als er es merkt und sich dann in Gretchen verliebt, gilt auch das wiederum als unschicklich und stürzt ihn in neue Probleme. In Hesses Steppenwolf wird der Protagonist Harry Haller, wie Faust Anfang fünfzig, krank, weil er zu sehr unter der Unterdrückung seiner sexuellen Regungen durch eine übermoraliserende Gesellschaft leidet. Weder bei ihm noch bei Faust liegt es dabei an mangelnder Intelligenz und damit auch nicht an defizitärer Konfliktlösungskompetenz. Wenn man sich unsere heutige Gesellschaft ansieht, so findet man deutliche Parallelen zu der gesellschaftlichen Realität, in deren Rahmen Hesse seinen „Steppenwolf“ verfasste. Wir haben dabei die aberwitzige Situation, dass unsere Gesellschaft einerseits vollkommen promiskuitiv ist (noch vor nicht allzu langer Zeit geächtete sexuelle Praktiken wie Homosexualität sind plötzlich gesellschaftlicher Trend, sie bauen sogar neue Zwänge auf, weil Kritik daran tabuisiert wird), in anderer Hinsicht ist sie noch wesentlich spießiger als zu Goethes Zeit: Faust, wie gesagt Mitte fünfzig, würde heute als Kinderschänder verhaftet werden, weil er eine sexuelle Beziehung zu dem (sexuell reifen!) 14-15 Jahre alten Gretchen hatte. Die Zwangskultur in unsere heutigen Gesellschaft ist so weit entwickelt, dass selbst die geringste Regung schon als Affront oder Eklat gilt und der Betreffende dann mit vernichtenden Reaktionen seiner „Mitbürger“ zu rechnen hat (shitstorm, etc.). Wenn wir diese Zwangskultur nicht aufbrechen, steht uns eine gesellschaftliche Katastrophe bevor. Zur Erinnerung: auch auf Hesses „Steppenwolf“ (verfasst in den 20-er Jahren) folgte erst die Nazizeit, dann der zweite Weltkrieg. Unsere gegenwärtige Gesellschaft ist voll von unnötigen, überzogenen Zwängen, die erst das Individuum und dann die ganze Sozietät krank machen. Ein Beispiel (und das Folgende jetzt bitte nicht in irgendeiner Weise als chauvinistisch/nationalistisch deuten): wenn ein Deutscher Temperament hat gilt es als unschicklich. Von ihm wird erwartet, dass er sich in jeder Situation zu beherrschen weiß. Bei einem Südländer hingegen gilt es als normal, interessant und erwünscht, wenn er temperamentvoll und gegebenenfalls sogar unbeherrscht ist.
    Ich fasse zusammen: wir haben eine Zwangskultur aufgebaut.
    Ich jedenfalls sage ihr den Kampf an und werde sie mit (sozial akzeptierten!) Mitteln wie guter Argumentation attackieren. Ich fordere alle Mitleidenden und Gleichgesinnten (und nach meiner Einschätzung müssten das mittlerweile hierzulande ganze Heerscharen sein!) auf, meinem Bespiel zu folgen und mit zu streiten. Kämpft um eure Freiräume! Lasst es euch nicht länger gefallen! Geht auf die Barrikaden und verteidigt eure Rechte und Grundbedürfnisse

    • Na, dann viel Glück...
      Man kann das alles unterschreiben, bis man ans Ende ihres Beitrages kommt.

      „Kämpft um eure Freiräume! Lasst es euch nicht länger gefallen! Geht auf die Barrikaden und verteidigt eure Rechte und Grundbedürfnisse“

      Wenn Sie gestern Abend Panorama gesehen haben und den Zirkus der um Edhaty gemacht wird, sollten Sie die Mehrheitsverhältnisse kennen, denen Sie sich gegenüber sehen. Es kann also kaum ums „auf die Barrikaden klettern gehen“. (Sollte sie Masochist sein, so ist das eine andere Sache.)

      http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Panorama-die-ganze-Sendung,panorama5354.html

      Sie fordern so eine Art von Akzeptanz für Ihre Individualität von dieser Gesellschaft? Warum um alles in der Welt?

      Sexualität ist eine Frage des Mutes, sonst nichts. Man erforscht die eigene Sexualität, so weit es geht, bis in die hintersten, oder dunkelsten Ecken, und akzeptiert Sie.
      Man wird die Grenze finden wo sich Sexualität und Liebe trennen, eine Grenze die so weit weg vom Normalo ist, dass es absurd wäre, dessen/deren Billigung zu erwarten. Ob der Rest der Welt Ihre Form der Sexualität für akzeptabel hält oder nicht, ist völlig uninteressant.
      Sie finden Gleichgesinnte, warum nicht bei den Despinas der Welt, falls Ihnen das Talent fehlt andere zu finden?
      Sexualität, wenn sie sich von dem durch Kirchen definierten Ziele endgültig entfernt hat, ist ein wunderbares Spiel. Es ist schwer bei ihr an eine Grenze zu kommen, und es gibt jene Einmündung an der man es gewagt hat für sich selber zu erkennen, dass die zwei bis dorthin getrennten Wege von Macht und Sexualität, in vielen positiven und negativen Variationen, zusammenkommen.

      Man kann vom Rest der Welt nicht erwarten hier noch Verständnis oder gar Zustimmung zu finden, das ist reine Zeitverschwendung. Selbst in diesem, möglicherweise freiesten Blog des Landes, habe ich es zweimal erlebt, dass einer meiner Beiträge zensiert worden ist. Beide Male ging es um dasselbe Thema. Der für ein Blog Verantwortliche muss bestimmte Rücksichten auf den Verlag nehmen und darf keine zu grossen Risiken eingehen, wenn es um grenzenlose Meinungs Freiheit geht. Der Widerspruch ist offensichtlich, denn entweder ist es frei, oder nicht.
      Der Terror der Mehrheit hat die öffentliche Macht. Gegen diese „auf die Barrikaden (zu gehen) und eure Rechte und Grundbedürfnisse“ einzufordern ist sinnlos.

  19. Ereignishorizont erweitern
    Vielen Dank für den wertgeschätzen Gastbeitrag von Despina Castiglione!
    Endlich werden reale Fakten benannt (Macht, Freiheit, Wertschätzung, ersprießliche Arbeitsbedingungen), statt der heuchlerischen Argumente von selbstberufenen Fürsprechern, die die individuelle Freiheit (hier die gelebte und professionalisierte Sexualität) auf dem dem Altar der Bevormundung und Reglementierung opfern. Mit Gruß ObjectBe

  20. Liebe Fr. Despina...
    Zum Thema „St(r)ich“-Geld einklagen können…
    Sehen Sie das dann legalisierte Erpressungspotential?
    Alle nicht unter Milieu-Zwang stehenden Huren würden es vielleicht!
    korrekt nutzen, das Einklagegesetz.
    Das Milieu freut sich, denn nicht die Huren bestimmen wann geklagt wird, sondern das Milieu. Und die Chance auf außergerichtliche Einigung ist in Anbetracht eines zu erwartenden Geld-Klage-Briefes nach Hause, oder wohin auch immer, sehr sehr hoch…
    noch höher. Auf so ein Gesetz freut sich das ganze Milieu.
    Endlich keine Erpressung mehr nötig. Geld kommt legal.
    Nicht die Hure bestimmt, das Milieu bestimmt.
    Die wenigen freien Huren, die frei arbeiten können, sind frei gelassen, nicht selbstbestimmt frei. Wenn das Milieu „Bock“ auf die Hure hat
    stirbt sie im schlimmsten Fall, oder sie gehört dem Milieu, so ist das.
    Frei…im Milieu…nur solange das Milieu „nickt“.
    Gruß
    W.H.

    • Titel eingeben
      Das ist der Punkt.
      Wegen Schlechtleistung kein Mindergeld zu bekommen, ist einzigartig unter allen Selbständigen. Das sollte reichen.

    • An dem Punkt habe ich mir als stets von Mietminderung bedrohter Vermieter auch gedacht: Hmmm, habe ich mir gedacht. Hmmmmm. Das sollte ich mal unserer Lobby sagen.

    • Einklagbarkeit
      Verehrter W. H.,
      was die Einklagbarkeit des Dirnenlohns und ihre Folgen angeht, fürchte ich, ihrer Argumentation nicht folgen zu können.

      Seit Einführung des ProstG haben wir ja genau diese Einklagbarkeit, es ist also nicht so, dass ich sie mir wünsche, sondern sie existiert. Soweit ich das überblicke, sind auch sämtliche mir bekannten Kolleginnen mit dieser Regelung sehr glücklich, da sie, wie oben beschrieben, ein Machtgleichgewicht schafft. So, wie ich das lese, hat auch das Familienministerium ganz ähnliche Rückmeldungen erhalten, vielleicht möchten Sie mal nachsehen, ab Seite 12 geht es hier

      http://www.bmfsfj.de/blaetterkatalog/97392/blaetterkatalog/index.html

      um diese Frage.
      Ein weiteres interessantes Detail ist, dass die Abtretung einer Forderung, die sich auf Erbringung einer sexuellen Dienstleistung begründet, nicht abgetreten werden kann.
      Hier scheint mir der Gesetzgeber bewusst eine Hürde für die von Ihnen befürchtete Ausbeutung eingebaut zu haben, in dem Sinne, dass Forderungen eben gerade nicht an Profiteure abgetreten werden können. Man kann diese Regelung sicher diskutieren, weil sie auch verunmöglicht, dass Forderungen über ein Inkassobüro geltend gemacht werden können. Aber aus meiner Sicht ist sie dennoch sinnvoll, auch weil es ja sehr selten notwendig zu sein scheint, seinem Geld hinterher zu laufen, weil auch heute noch Vorkasse in dieser Branche zum guten Ton gehört.

  21. Na,Na...
    dachte das ist in jedem Milieu so, nicht nur in diesem.

    Wäre schön, wenn ich mich irrte.

  22. Geht es nicht ohne Geld?
    Angenommen in Deutschland würde sich der Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild durchsetzen um hunderttausende ausgebeutete Kolleginnen von Ihnen die leiden und unter Zwang arbeiten zu entlasten – könnten Sie sich vorstellen Frau Despina (vorausgesetzt Ihre Existenz wäre gesichert), Ihre Leidenschaft Männer glücklich zu machen als Hobby, sprich der Sache wegen auszuleben und nicht für Geld?
    Würden Sie in Ihrer Würde verletzt werden wenn kein Geld im Spiel ist und Sie sich auf Augenhöhe mit dem Partner (den Partnern) sexuell austauschen würden?

    PS – Sie können wunderbar schreiben!

    • Das schwedische Modell
      ist ein in manchen Kreisen heiss diskutiertes Thema, zu dem ich aber eine eigene Meinung habe. Ich halte es nicht für zielführend, ohne da allzu tief ins Detail gehen zu wollen.

      Letztlich zielt es ja darauf ab, die Nachfrage zu verringern bzw. abzuschaffen, und um ehrlich zu sein, ich kann mir vieles vorstellen, aber nicht, dass das funktioniert.

      Ab davon bewege ich mich üblicherweise auf Augenhöhe mit meiner Kundschaft, wenn ich nicht sogar manches Mal das Gefühl habe, dass ich auf ein Podest gestellt werde, aber eben mit professionellem Abstand.
      Das unterscheidet eben auch das Hobby vom Beruf.

      Dass das nordische Modell hier in Deutschland Gesetz wird, kann ich mir innert meiner Zeit kaum vorstellen, deshalb mache ich mir auch keine Gedanken darum, was ich dann tun würde. Mir ist eher an einer wirklich stimmigen, realistischen Lösung gelegen. Es ist ja niemandem geholfen, wenn man so tut, als sei alles prima, und in Wirklichkeit ist es das dann eben doch nicht.

    • Lieb und teuer
      Im dritten Programm des NDR gibt es die Sendung „lieb und teuer“ in der Besitzer von (vermeintlichen) Kunstwerken diese schätzen lassen können. Es wurde eine weisse Porzellankatze vorgestellt, die schon lange im Familienbesitz sei.
      Die Beurteilung der Sachverständigen war interessant.
      Als in manchen Ländern die Prostitution verboten waren, haben es die Damen kostenlos gemacht und dafür eine ebensolche Katze zum vorher vereinbarten Preis verkauft.

    • Das ist ja witzig – zumal, ich mag Porzellan wirklich gerne.

  23. Neuschwanstein
    Nicht überall, wo viele Leute sind, ist auch Versailles.

  24. Noch'n Blog: Freiergespräche
    Wann ist eigentlich wieder mal Buchmesse?

    • Gute Frage!
      Allerdings werden Sie auch dort eine Überflutung an Proprostitution und Freier-„literatur“ vorfinden. Die Lobby ist stark, wir sin hier im Bordell Europas Nr.1!

    • Ich denke, Sie sollten mal nach Neapel, Bulgarien oder nach Tschechien. Es kann sein, dass die Bedingungen in deutschland besser als anderswo sind, aber was bei uns diskret abläuft, ist dort teil des alltags.

    • War das mit der Lobby ein Scherz?
      Wen kennen Sie in der deutschen Medien- und Politikerlandschaft noch, der sich offen wie der Don für anerkannte und legalisierte Prostitution ausspricht?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Da können Sie mal sehen, ThorHa
      Egal welchem Gewerbe man nachgeht, man träumt sich die Welt schön…

  25. So billig wie willig
    „Worauf beruht die gegenwärtige, die bürgerliche Familie? Auf dem Kapital, auf dem Privaterwerb. Vollständig entwickelt existiert sie nur für die Bourgeoisie; aber sie findet ihre Ergänzung in der erzwungenen Familienlosigkeit der Proletarier und der öffentlichen Prostitution.“ (Manifest der Kommunistischen Partei, Proletarier und Kommunisten, MEW, Bd. 4, S. 478)
    Ich empfehle wieder mal die Lektüre, bei Gelegenheit, und dies hier von mir, ganz bescheiden: http://blog.herold-binsack.eu/2013/11/so-bleibt-das-fleisch-so-billig-wie-willig/.

  26. Intellektuelles Wichsen auf hohem Niveau, d.h. das ist nicht von einer Prostitutierten
    geschrieben, sondern von einem kranken Hirn.
    Denn bei dem, was ich die letzten Jahre an Prostituierten gesehen habe, ohne deren Dienste in Anspruch zu nehmen, vom Straßenstrich über das Restaurant im Sportfllughafen, im Urlaub, in Presse, Kino und erst recht im Fernsehen und hier meine ich eher die Damen, welche die Prostitution auf solchem Niveau betreiben, dass sie im Goldenen Blatt abgelichtet werden, sprechen die Spuren im Gesicht eine ganz andere Sprache.
    Da muss man schon sehr abestumpft und vertiert sein, sich mit sowas einzulassen. Und wenn man dann noch an die Zwangsprostituierten denkt und was die hier mitten unter uns für ein … Schicksal haben … Na ja, den FAZ-Schreiberlingen läuft ja schon der Sabber bei dem Gedanken, dass Kuba bald wieder in großem Maßstab verhurt wird.

    • Tja.Dann sollten sie mich vielleicht einmal zu den vorgesprächen in ein Museum begleiten, das würde vielleicht Ihren horizont erweitern.

      Und weil ich das nöchste Argument schin erahne: Natürlich sucht man sich diejenigen vertreter aus, die sich gewählt ausdrücken können. Das machen Banken so, hilfsorganisationen, Parteien und die FAZ auch nit meiner Person als wortgeandter Vertreter des schlechteren Söhne aus besserem Haus. mir ist voll bewusst, dass meine Gastautorin nicht Durchschnitt ist. Das ist aber so üblich.

      Ausser bei der CSU und im Feminismus. Da dürfen auch andere.

    • An Gast Wolf
      Dito! 100% Zustimmung meinerseits.

    • Martha-JuliaK. – eine Bitte. entweder bleiben Sie bei einem Namen oder Sie beide suchen sich unterschiedliche Rechner mit unterschiedlicher IP. WordPress hasst es nämlich, wenn unter ein und derselben IP Kommentare von verschiedenen Nutzern abgegegen werden und wertet das gern als Spam.

    • Mhm.
      Lieber Gast Wolf,

      ich kann mich nicht entsinnen, auch nur ein Wort darüber verloren zu haben, dass denen, die in schlechten Verhältnissen arbeiten, oder gar gezwungen werden, was natürlich absolut verwerflich und übrigens auch verboten ist, nicht geholfen werden sollte. Im Gegenteil.

      Allein, ich glaube nicht, dass Bissigkeit und Verbote helfen, sondern wertschätzender Umgang und sachliche Auseinandersetzung.

    • Auf ewig die Jungfrau
      Schon auffallend, Herr Wolf, wie Sie angeben Prostituierte zu kennen, sich aber beeilen, zu erklären, dass sie deren „Dienste nicht in Anspruch“ nähmen. Ich glaube, das Problem, das Sie quält (als verdrängtes erotisches Thema womöglich), verraten Sie im letzten Satz; in der dort nämlich geäußerten Verachtung gegenüber dem „sowas“. Wie steht es eigentlich mit Ihrer Selbstachtung? Bzw.: sehen Sie sich dazu in der Lage, den zu vermutenden Mangel daran, auf erotische Weise zu kompensieren? Ich denke, dass die gesellschaftlich notwendige Aufgabe der Prostitution (ohne dass die Gesellschaft, bzw. die Akteure sich diesbezüglich bewusst sein müssen!) eben genau darin liegt, solche, im bürgerlichen Leben leider all oft unterlassenen Kompensationen, zu ermöglichen. So betrachtet, wäre die Prostitution ein unverzichtbarer Bestandteil der Psychohygiene in unserer doppelmoralischen Welt. Für nicht wenige müsste der Gang zur Prostituierten auf Krankenschein ermöglicht werden. Die Prostitution zu verbieten, käme daher dem Selbstmord solcher Gesellschaften gleich.
      Ein „verlebtes Gesicht“, Herr Wolf, haben u. U. auch Frauen, die sich nicht explizit prostituieren. Aber aufopfern. Zum Beispiel in der Familie, u.a. ob der kostenlos zu erbringenden Liebesdienste dort. Sie bemerken gar nicht, wie Sie die bürgerliche Ästhetik aufs Glatteis führt. Schön soll es sein, das Weib, unverbraucht, trotz der Überbelastung. Strahlend, auch dann, wenn es in Wirklichkeit unendlich leidet. Auf ewig die Jungfrau, trotz ihrer fortgesetzten Schändung.

    • Mein Gott, Binsack....
      So kenn ich sie ja gar nicht…
      Wie kann man auf sowas antworten…

  27. Titel eingeben
    ja ich habe diesbezüglich viele schlimmen seiten in europa gesehen und was sich da auf den straßen für ein elend abspielt ist grausam

    waren auch einige bsp. bei aktenzeichen letzthin und das zeigt dann schon die ganze problematik

  28. und Martha S.
    Es ist aber erlaubt dass eine Kollegin ihre Meinung vom gleichen Medium wie ich mitteilt? Oder sollen wir vorab ein Selfie an die Redaktion senden? Oder P-Ausweise? Das müssen Sie nun nicht veröffentlichen, geehrter Herr Donalphonso.

    • In aller Regel und mit fast 20 Jahre Erfahrung im Internet ist sowas eine einzige Person, die versucht, sich als weiter verbeitete Meinung darzustellen. Da kann man dann sogar am Geschlecht der Person ins Zweifeln kommen, und möchte nicht für blöd verkauft werden. Bitte da um Nachsicht – entweder eigene IPS oder ein Name.

  29. Pingback: So billig wie willig

  30. Wsa für eine intellektuelle Finesse, H. Binsack, mir in ihrer Hilflosigkeit zu unterbreiten,
    dass ich ein verdrängtes Problem hätte, weil mich der Menschheit ganzer Jammer anfasst, wenn ich solches menschliches Elend sehe; auch das auf hohem finanziellen Niveau; wenn ein Mensch tiefer steigt als ein Tier.
    Und wenn ich gegen Krieg und Folter bin, obwohl die Menschheit dies auch schon zehntausende von Jahren tat und tut, habe ich da auch ein verdrängtes Problem und Sie verkörpern den Normalzustand?
    Zurück zur Natur, zurück zum Tier? Das wär´s dann?
    Wobei ich für den triebgesteuertern Täter, der meint sein Geschäftchen dringend verrichten zu müssen, noch mehr Verständnis entgegenbringe als diesem wahrhaft pornographischem, weil pseudo-intellektuellen Überbau, den ich unter Ersatzhandlung für vorhandenen Triebstau also „Sex gone sour“ einordnen würde.

    • "triebgesteuertern Täter ... Verständnis"
      Die armen Kerle. Alle triebgesteuert und damit kopflos. Es spricht für Sie, dass Sie dafür mehr Verständnis haben, als für die Verteidigung einer Prostituierten für ihre selbstgewählte Entscheidung. Mir geht dieses Verständnis für triebgesteuertes Verhalten übrigens ab, eine der Definitionskategorien für erwachsene Menschen in meinen Büchern lautet „Selbstdisziplin“.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Das erotische Thema finden!
      Vielleicht sollten Sie das – http://blog.herold-binsack.eu/2012/10/das-erotische-thema-finden/ – von mir nochmal lesen, Herr Wolf, um zu verstehen, was ich überhaupt gesagt habe. Finden Sie Ihr erotisches Thema!

  31. ... verlebtes Gesicht?
    Schrieb ich verlebtes Gesicht?
    Nein, ich meine ausdruckslose Gesichter, leere Augen.

    • "Spuren im Gesicht"
      liest sich für mich wie „verlebt“! „Ausdruckslos“, sagten Sie nicht nur nicht, sondern, es ergäbe aus Ihrem Text auch keinen Sinn!

  32. OT
    Sorry, kann nicht widerstehen.

    „Warum es Terroristen so oft auf Kinder absehen“

    Der Artikel ist ein feines Beispiel wie man als Medienschaffender
    sich und anderen die Welt erklärt, indem um sich selbst kreist.

    Ein Blick auf die Bevölkerungsstatistik würde genügen um zu erkennen,
    warum das gerade in Pakistan und Nigeria so ist.
    Den Rest könnten Soziologen erklären.

  33. Was mich interessieren würde ist:
    Wie ist denn das tatsächliche Mengengerüst zwischen Selbstbestimmt / Freiwillig einerseits und ausgebeutet andererseits (ich denke, dass nicht jede Ausbeutung gleich Sklaverei ist…).
    Die Zahlen, die dieses Jahr im Economist genannt wurden (hier: http://www.economist.com/news/briefing/21611074-how-new-technology-shaking-up-oldest-business-more-bang-your-buck ) lassen im Schnitt auf sinkende Tagessätze schließen. Das kann ja zweierlei bedeuten a) Alle verdienen weniger oder b) der Anteil wenig verdienender wird größer.

    • Das würde mich auch
      sehr interessieren, aber für Deutschland kann ich da leider nicht mit handfesten Zahlen dienen, es hat sich schlicht noch niemand die Mühe gemacht, Zahlen zu erheben.

      Und dann müsste, Sie sagen es ja selbst, auch definiert werden, was denn Freiwilligkeit und Notwendigkeit und Ausbeutung und Zwang jeweils genau sind.
      Nicht, dass ich Ausbeutung und Zwang relativieren wollte, aber es wird in der Debatte ja oft nicht klar gesagt, welche Merkmale für die Einordnung in welche Kategorie zutreffen müssen, und die reine Notwendigkeit des Gelderwerbs als Indikator für Zwang zu betrachten, halte ich für mindestens fragwürdig.

      Die sinkenden Preise haben sicher etwas damit zu tun, dass der Zugang heutzutage ein anderer ist. Es ist nicht mehr nötig, in den Puff zu gehen oder sich an die Straße zu stellen. Das erleichtert, ob man das nun gut oder schlecht findet, den Einstieg und führt zu einem größeren Angebot.
      Ob die Not heutzutage größer ist als zu einem Zeitpunkt x, und welche und wessen Not, sprich: Wer macht denn aktuell Sexarbeit und warum?, das kann ich Ihnen nicht abschliessend beantworten.

      Ich kenne keine Hure, die sich einfach gern daheim hin setzt und das Geld zählt, mit dem sie sonst nichts anzufangen wüsste, weil sie schon zu viel hat. Aber ich kenne auch niemanden, der sich nicht unter Abwägung von Alternativen bewusst für diese Form des Gelderwerbs entschieden hat.

    • Titel eingeben
      Das ist fein herausgearbeitet, beste Despina. Sie hatten ja in Ihrem ersten Beitrag auf die Antwort der Bundesregierung (köstlich, köstlich… komplette Unwissenheit) Bezug genommen.
      Moral und Meinung statt Fakten ist einfach der falsche Ansatz. Das ging vielleicht noch bei Queen Victoria, aber heute ist das einfach nicht gangbar. Und wenn man keine Fakten hat, dann sollte man sich welche beschaffen.

      Aber, und da kommen wir im Zirkel zu den ganzen Moralinsauren: In den Steinbruch der Wissenschaft zu gehen und dort hart zu arbeiten ist dem einen oder der anderen offenbar zuviel.

      Und das ist der für mich eigentlich Skandal. Das ist natürlich hier in der Debatte kein Aufreger, vermutlich kommt es Ihrer und des Hausherren Ansicht sogar recht nahe. Aber egal, die Konversation mit Ihnen macht Spaß. Und daher ein kleines, unmaßgebliches Dankeschön, dass Sie uns hier als Gast beehren. Es ist erfrischend und erheiternd. Danke.

    • Da haben Sie,
      lieber Booooster, genau den Punkt gefunden, auf den ich hinaus wollte. In der Debatte um die Sexarbeiterei gilt ja momentan: Viel Meinung, wenig Ahnung, aber fröhlich Reden schwingen.
      Deswegen freue ich mich ja, dass ich hier ein bisschen erzählen darf, ich habe zumindest etwas Praxis.
      Und wenn Sie es obendrein unterhaltsam finden, dann freue ich mich gleich noch mehr.

  34. Sex & Feiertage
    Zu Weihnachten eine Spiegel freie Reflexionstherapie verschenken (laut Professor Sloterdijk befinden wir uns ja in einer Ära der Therapiekultur) mithilfe eines Buches, aus dem man etwas über die Anfänge der neuzeitlichen Demokratiebewegung im Frankreich des 19. Jahrhunderts erfährt, Sainte-Beuve – Auf der Schwelle zur Moderne von Wolf Lepenies -ist nicht schwer, wäre vom Erscheinungsprägecharakter sogar kein übelster Blickfang unterm drapierten Weihnachtsgrün.

    Der, auch vom Schwips zum Schwups inspirierte, Blogthemengerechte, nettdiskrete Gutschein für den Besuch liebedienerischer AttraktorInnen, erfordert dagegen immerhin einigen, sicherlich nicht geringer interessanten (VorherNachherEffekt), Aufwand, welcher wohl auch nur bei hinreichend vertrauten Geschenkadressaten unverfänglich wirken kann, als die weniger kostenintensive, schlichtere alternativ- TherapieGeste gemeinte DVD-Kombi Luis Bunel’s Belle de Jour – Die Schöne des Tages// Jean Eustache’s La Maman et la Putain.

  35. Zynischer Zufall,
    ist es wohl, den Spruch des Genossen Stalin aus dem vorhergehenden Beitrag auf „Fensterhennen“ (altdeutsch für „Sexarbeiterinnen“) zu übertragen.

  36. Despina = Don???
    Warum bloss kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, Despina sei ein weiteres Pseudonym des geschätzen und begabten Schreibers Don?

    • Weil sie sehr gut schreibt. Ganz einfach. Aber ich könnte hier auch einen Screenshot der IPs bringen um zu zeugen, dass ich mit M-net untrwegs bin und Despina mit einer anderen Nummer,

      abgesheen davon hätte ich hier längst ein paar Leute erwürgt, mit denen die immer noch freundlich parliert. Das sollte eigentlich als Beweis reichen.

  37. So ein spannendes Thema im Weihnachtsstress?
    Allen Diskutanten schöne Feiertage, das gute an Weihnachten ist zumindest die Idee eines Waffenstillstands in allen ungelösten Konflikten der Familie, an dem man mal durchatmen kann, und sich Fragen stellen kann, ob denn wirklich alles so ist, wie es erscheint.

    Die Zeit fürs Internet, für eine kluge Diskussion fehlt kommplett – ich möchte nur zu bedenken geben, dass etwas nur teuer ist, wenn es geächtet ist. Wäre sexuelle Lust auch nur eine Art von tanzen wie im Club, könnte man damit auch nicht viel verdienen; heute sind es nur Minderheiten ( z.B. Berghain Berlin, Homosexuelle) die keinen moralischen Knoten in der Palme haben.

    Das Sex hochdramatisch und frustrierend oder zumindest fast unerschwinglich bleibt, ist vielleicht die goldene Mohrrübe vor der Nase des Brunnen-Esels, der seine Kreise ziehen soll und nicht nachdenken darüber, dass heute nur noch ca. 20 Prozent des Kreditvolumens der Banken für Unternehmen UND Privatleute gedacht sind, und 80% fürs Casino; genauso wenig, wie Top CEOs von Hedgefonds das 15000fache des amerikanischen Durchschnittsverdiensts kassieren, wo bis in die 70er ein S&P Chef vielleicht das 40 fache davon verdiente.

    DAS sind wirkliche Machtverschiebungen – und da ist der Umstand, das sexuelle Phantasie höchstens noch etwas für Berlusconis und DSKs ist, statt für Hippies oder Ostsee-DDRler, nur eine Folge.

    So klug Sie argumentieren, Despina, sind sie längst ein Teil der zuarbeitenden gehobenen Freiberuflerschicht, wie Innenarchitekten, Oldtimerrestaurateure und Yachtbauer.
    Dagegen ist nichts zu sagen, auch Sie widersprechen nicht, dass es den „Drogenstrich etc.“ gibt, und ich bin bei Ihnen, dass ich für anständige Bedingungen bin, in denen Sie respektvoll und rechtssicher Ihre gewählte Dienstleistung in der Dienstleistungsgewerkschaft ausüben können.

    Und ich würde einen Riester-Berater für Mauschelmeier und Konsorten als einen 15000 mal verachtenswürdigeren Beruf als Ihren ansehen.

    Wo ich denke, dass wir das grösste Defizit haben, dass wir keine öffentliche Plattform, keine öffentliche Sprache für erotische Gedanken haben – und so manche Formen der Sexualität in diesem Fall einfach verschwinden würden.

    Leider ist die Verklemmtheit allerdings auch ihre Berufsgrundlage – wenn alles heute schiefgeht, muss man zum Spezialisten, und ich könnte mir gut vorstellen, dass Sie recht zufriedene Kunden ( wenn sie 500 zweimal die Woche entbehren können) haben.

    Alles Gute und viel Glück im Neuen Jahr!

  38. Vertippt
    500 Zweimal im Monat, wollte ich schreiben, nicht in der Woche – das sollte wirklich nicht zynisch klingen!

  39. Hallo, werte Dispina...
    Mhm…humane Wertschätzung, wertschätzender, humaner Umgang,
    eher auch humane Auseinanderstzung…als „sachliche“(Emot.-kalt?)

    Die Realität dieses Wunsches ist abhängig von Bildung…Humanbildung.
    Gezielte Humanbildung erzeugt Vernunftpegel(bewegung, Änderung).
    Der für Ihre und auch meine Gesellschaftsvision notwendige
    Gesellschafts-Vernunftpegel, G.-Humanpegel, G.-Vernunftreife,
    dauert wohl noch.
    Bezogen auf’s Thema sehe ich 2 Gesellschaften, die Solide, die Sie
    hier human beeinflussen möchten, zur Änderung bewegen möchten…auch mittels der „Soliden-Macht“ Gesetze u.s.w.
    zwecks wertschätzender Umgang in „bindenden“ Rahmen.
    Aber es gibt als 2. Gesellschaft das Milieu, diejenigen, die
    erheblichen Einfluß haben. Auch diese Menschen müßten auf
    unser wünschenswerte Vernunftniveau gebracht werden, der
    wesentlich schwerere Teil der „Visionsaufgabe“, wobei schon
    Gesellschaft 1 schwierig genug ist, deswegen ja Ihr Beitrag.
    Ich wünsche Ihnen und mir gutes gelingen zur Visionsrealisierung.
    Außerdem Ihnen frohe weihnachten und guten Rutsch.

    Gruß
    W.H.

  40. Heute ist nicht mein Tag
    „Dienstleistungsgesellschaft“, statt Dienstleistungsgewerkschaft. Der Stress des Schnellschreibens hinterlässt Spuren, schade dass man nicht hinterher verbessern kann….
    Entschuldigung, Don Alphonso, aber da ich manchmal ironisch schreibe, möchte ich schlimme Missverständnisfehler lieber so weit wie möglich korrigieren.

  41. vertiertes Leben?
    Sehr geehrter Herr Wolf,

    was ich an Ihrem Beitrag schätze ist Ihre klare Sprache. Ich verstehe nur nicht, weshalb Sie die „Stützen der Gesellschaft“ lesen.

    Don Alfonso findet seine Silberkannen ja auch nicht auf dem Straßenstrich oder in der Werbesendung des bildungsfernen TV-Programms; wo Sie Ihren Urlaub verbringen will ich an dieser öffentlichen Stelle nicht erst fragen.
    Es gibt uns in Stil und Würde mit Verstand.

    Mit den Besten Wünschen für Sie in einer weniger destruktiven Zukunft.

    ObjectBe

  42. Achtung- Augenhöhe!
    Hochverehrte Julia K.

    gerne will ich, nachdem ich gerade meinen Gast verabschiedet habe, einen Augenblick Ihrer Phantasie nachgehen.
    Vorab: ich bin nicht verantwortlich für alles Leid auf dieser Welt, und wenn man nicht in dem Umfang wie Don Alfonso geerbt hat, ist das Leben doch von einer gewissen, wenn auch lustvollen, Anstrengung getragen, dieses in selbstzugewandtem Respekt, Würde und Stil zu leben. Und das kostet, wie Don Alfonso Ihnen sicher bestätigen wird.
    Meinen Geschäftspartnern begegne ich in Augenhöhe und es gibt, wie Despina schon schreibt, klare Regeln.
    Das gibt es auch in jeder Ehe, in welcher auch nichts umsonst ist.

    Ich glaube, Sie sprechen von Romantik und Liebe, was wunderschön und erstrebenswert ist. Doch hierfür muß die darunterliegende Basis erst einmal stimmen.

    Mit bestem Gruß
    ObjectBe

  43. Titel eingeben
    Despina Castigliones Worte bedürfen weder der Unterstützung, noch der Verteidigung, doch werte Kritiker, mit der teilweise fatalen Wortwahl, ist es vielleicht gar nicht Eure Sorge und damit ihre Verdammnis, die Sie treibt?

    Bernard Mandevilles schreibt unter anderem in seiner Bienenfabel:
    Die Tugend, die von Politik
Gelernt gar manchen schlauen Trick,
    Auf der so vorgeschriebenen Bahn
    Ward nun des Lasters Freund; fortan
    Der Allerschlechteste sogar
Fürs Allgemeinwohl tätig war.
So herrscht im ganzen Einigkeit,
Wenn auch im einzelnen oft Streit,
Wie der Musik harmon’sche Schöne
    Entsprießet aus dem Streit der Töne.

    Und wenn Sie nun noch wollen können wir gerne weiter diskutieren.
    (Obwohl ich davon nicht abbeißen kann und von Don Alfonso habe ich keine Einladung zu einem Stück Baklava erhalten.)
    Mit geschätztem Gruß
    ObjectBe

  44. Sex, Crime, Macht und Moral
    Wo bleiben da Silberkannen und Kronleuchter?
    .
    Und die Begleitmusik?

  45. .
    lieber don, so stupend wie witzig, dass man beim klicken des weiterlesenlinks automatisch ein abbild einer doch recht bedauernswerten skultur sieht.

    entschuldigen sie bitte den reflex, die position, die unweigerlich aus jedem text herausscheint, zu bemerken und dazu vielleicht etwas anzumerken. auffällig scheint, wenn mal vom angenehmen stil des schreibens absieht, zu sein, dass die verfasserin durchaus sich die perspektiven von männern, und zwar derer, die zu ihr kommen, zu eigen zu machen scheint. sicherlich sind davon viele verheiratet; ergeben sich aus deren ausführungen nun valide annahmen über deren frauen, die die unbekannten dritten sein werden (in der regel), und dito der jeweiligen ehen?

    nicht ganz so leicht wiegen m.e., aber vielleicht nur meiner wirklich unmassgeblichen meinung nach, in gleicher weise schematisierte bemerkungen über irgendwelche akademikerinnen, denen eben das zugestossen ist, was hoffentlich jedem hier, akademisch oder nicht, weiblich oder nicht, noch zustossen wird, nämlich: älter zu werden.

    wie in den – wohlgemerkt! – kommentaren des letzten artikels m.e. deutlich wurde, muss es, wirklich ganz grob fahrlässig verkürzt, offensichtlich zwei pole geben: hier die älteren männer, die hungrig sich nach etwas jungem und anschmiegsamem sehnten, dort die älteren frauen, die sich sexophob schlichtweg gehen liessen und xanthippen seien, die die männer betaisierten (lieber Don Alphonso: wollten sie nicht wie angedeutet einen text über puas veröffentlichen?). alles eine frage der ausgestaltung der komplexität, mit der man operiert. die perspektive geht auch andersherum, und mitnichten wird sie dadurch elaborierter: hier die älteren männer, die vor sich hinwelkten, grantelten und nicht sehr verträglich sein dürften – damit wäre wenigstens über alle beteiligten etwas unschönes gesagt, nicht unverdient gleichwohl, denn es seien ja auch unschöne beteiligte.

    vermutlich haben sie da recht einschlägige erfahrungen, liebe Despina Castiglione, und nichts zeigt die bedauernswerte gesellschaft, die sich selbst gebiert, auf hässlichere weise.
    man diskutiert hier auf vergleichsweise hohem niveau, und missachtet automatisch das elend derer nicht weniger gestalten, die unrefektiert durch ihr leben und leider auch durch das anderer wanken.

    diejenigen damen und herren jedoch, denen ihr ältester berufzweig nichts ausmacht und die zugleich auch recht indifferent i.s.v. interesse(n)befreit sind, die werden sich kaum mit dem thema auseinandersetzen – und daher sind diese auch nicht zu hören.

    letztlich dürfte es wie so oft um ausgestaltung und verteidigung von freiheit und freiheiten gehen – unter den derzeitigen vorzeichen eines bedenkenswürdigen gefühls der gleichzeitigen ungleichzeitigkeit gleichwohl, dass zum einen alles erlaubt sei und zum anderen die gesellschaft tendenziell verboten zunehmend nicht abgeneigt scheint.

    dafür kann man jeden gebrauchen, und man sollte da niemanden vergrämen; es wäre wohl nicht zuviel versprochen, wenn ich äussere, dass meine etwas älteren freundinnen es ihnen freundlich dankten, wenn auch sie wertgeschätzt werden.

    • @Donna Laura
      Ich bin unsicher, ob ich genau Ihren Punkt treffe, aber ich will es versuchen.

      Um mich nicht ein wenig in die Perspektive anderer Menschen und damit auch meiner Kunden einfühlen zu wollen, bin ich viel zu neugierig, also haben Sie teilweise recht, wenn sie den Eindruck gewinnen, ich machte mir die Perspektive wenigstens ansatzweise mal zu eigen.
      Ich versuche eben, durch diese Brille auch mal zu schauen, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass der Versuch der Perspektivübernahme nicht zwingend Erfolge in dem Sinn, dass man erkennt, was der Andere sieht, zeitigt.

      Altersdiskriminierung liegt mir aber dabei fern, aber man muss ja in der Sprache schon auch irgendwo mit Bildern arbeiten, und glauben Sie mir, die Dame, die ich beim Verfassen der von Ihnen erwähnten Textstelle vor meinem geistigen Auge hatte, war ganz sicher keine Partnerin eines Kunden.

      Um ehrlich zu sein: Ich stelle mir die Frauen meiner Kunden nicht vor. Ich frage auch in aller Regel nicht danach. Es geht mich erst mal nichts an, und wenn einer das anders sieht, dann erzählt er es mir. Es gibt auch Partnerinnen, die schöne Grüße ausrichten lassen. Es ist wirklich so trivial.

      Weniger trivial ist es, wenn man betrachtet, worum es denn bei der ganzen (Sex-/arbeits-)Geschichte im Kern geht, und da stimme ich Ihnen zu: um Freiheit und Freiheiten, darum, sie zu verteidigen.

      Und in der Tat, da ist mir jede und jeder willkommen, da streite ich mich zwar gerne hart in der Sache, versuche aber trotzdem weich zu den Menschen zu bleiben. Weil mir die Sache wichtig ist, und die geht nicht ohne die Leute. Sonst würde ich mir die Mühe nicht machen, und still in meiner Nische vor mich hinexistieren und mir meinen Teil denken.
      Stressfreier wäre das.

      Mir ist sehr klar, dass Generation, Geschlecht, soziale Schicht und weiss-der-Henker-was-alles für Kategorien heikel sind, weil man dann doch wieder Leute mit über einen Kamm schert, der ihnen nicht gerecht wird.
      Aber ich kann nicht jede Person einzeln ansprechen, ich nehme mir das gar nicht erst vor, und ich arbeite mit Bildern, hie wie da.

      Sie dürfen mir glauben, dass ich im Grunde ein warmes Herz habe, das selbst der Inkarnation meiner Vorurteile gegen abolitionistische Radikalfeministinnen offen steht. Und ich bin da schwer belastet.

      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihre werten Freundinnen mir auch nur im Ansatz so viel Langmut und Toleranz abfordern könnten, wie manche Vertreterin der Verbotsbefürworterzunft.

      Und wie gesagt, selbst wenn: ich habe da kein Feindbild und keine Berührungsängste.

    • Sie haben recht, Donna Laura...
      bedauernswerte „Kreaturen“ ihres Lebens, die „Anderen“…
      im Gegensatz zu den, ebenso B/bedauernswerten?-, „Karikaturen“
      ihres Lebens; – weil sie ausschließlich die Anderen bedauern, anstatt
      sich selbst ebenso.

      Gruß
      W.H.

    • Verehrte Despina...
      sehen Sie wohin das „Lärmen“ führt?
      Sie fangen an sich (Ihr Leben) zu erklären, wenn Sie nicht aufpassen, weil Sie die Gesellschaft ändern möchten; wenn auch verständnisvoll.
      Kein Mensch muß sich erklären. Das gilt auch für Sie.
      Auch nicht beim Versuch die Gesellschaft zu ändern, aufzuklären.
      Achten Sie auf Ihren Seelenfrieden.

      Gruß
      W.H.

    • @Wolfgang
      Was Sie schreiben ist sehr freundlich, aber ich möchte doch drauf hinweisen, dass auf sich uns deinen Seelenfrieden zu achten eine der Grundkompetenzen meiner Profession ist.
      Das passt alles schon noch so.

  46. Bei manch einem Umfeld entwickelt die Perspektive der Islamisierung des Abend
    einen gewissen Charme, und angesichts mancher Beiträge, eine fatale Zwangsläufigkeit.

    • Ach, so schnell geht das Abendland auch nicht unter und Voltaires Candide findet am Ende seine Ruhe ja in Istanbul.

    • Das Abendland
      Da sollten mal die Künstler von der Dekonstruktivismus-Front
      drüber gehen. So dass es für Alle passt.

  47. Sex, Macht, Gewalt und Moral
    Well, do you remember Christine Keeler? Her companion Mandy Rice-Davies is dead at the age of 70.

    • Titel eingeben
      „Well, he would, wouldn’t he?“

      Wievielen callgirls war es vergönnt, mit dem englischen und dem russischen Verteidigungsminister ins Bett gehen zu können- und danach dennoch von Sozialhilfe leben zu müssen…

  48. Dekadenter Bock
    Der Alte Bock würde auch mal gern wegen Dekadenz angefeindet werden.

  49. Zu viele "man"-Sager
    zu wenig „Ich“-Sager.
    Das „-innen“ spar ich mir.
    .
    Weil ich ja alternder Weißschwanzträger bin.
    .
    Wie das geht,
    mit dem „ICH“
    erzählte ich öfter in dem anderen,
    freundlicheren und ehrlicherem Blog.
    .
    Hier ist es mir zu „akademisch“
    und zu ge“BILD“et.
    .
    Bei dem noch anderen Blog
    muss man jetzt Vulva, Vagina und Klitoris zeichnen.
    .
    Finde ich lustig.
    .
    Wie sich hier
    die Journaille
    prostituiert.

    • Ich habe den wettbewerb auch gesehen und sehr gelacht, denn ich gehöre zu den fünf Prozent und manchmal frage ich mich, wo die solche Einschätzungen her haben.

    • Vulva und Co
      Lieber Mediensegler!

      Niemand zwingt SIE, eine Vulva zu zeichnen!

      Dass viele Frauen das nicht könnten, eine Vagina zu zeichnen, ist noch keine unangemessene akademische Annäherung an das ‚Tor zur Welt‘.

      Eine Ausstellung über die Vulva als Pubis hat noch nichts mit der Darstellung der Clitoris zu tun.

      Und das Thema ‚klitoraler und/oder vaginaler Orgasmus‘ ist auch noch lange nicht erledigt.

      Bitte machen Sie sich nicht über diesen vorzüglichen Artikel lustig !

      Es ist ein Jammer, dass wir in dieser dissoziativ-divergierenden Diaspora kaum noch zueinander finden, bedauert niemand mehr als Medi und Pascha !!!

      Manchmal kommt es mir vor, als ob Sie links und ich rechts des Rheines stünden und verzweifelt versuchten, Kontakt aufzunehmen.

      Wünsch Ihnen und dem ganzen ehemaligen Stammpublikum frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr !

    • OH,
      oh, oh.
      .
      .

      .
      ICH,
      äh, ich meinte,
      ….
      .
      sorry,
      äh,
      .
      auch HIER.

    • Titel eingeben
      Lieber Pascha,
      Sie machen sich rar.
      .
      a) habe ich das schon gemacht, mit lebendem Modell
      und b)
      fand ich den Artikel … nee … sage ich jetzt besser nicht.
      .
      Aber,
      ich schätze Sie und vermisse Sie.
      .
      Auch, wenn da nicht nur der Rhein dazwischen ist.

    • Titel eingeben
      @pascha: wünsche Ihnen ebenfalls frohe Weihnachten.
      – Thema:
      hmpf, zeichnen ist was anders als fühlen ist was anderes als sehen.
      Bin nicht dafür, die Jugendlichen mit allzuviel Vorwissen zu befrachten. Man muß die Entdeckungsfreude erhalten. Hat bei mir auch geklappt.
      Zuviel Wissen macht verkrampft – erlebe gerade wieder den Fall, daß ein Bekannter krampfhaft eine Frau sucht. Dat wird so nüscht. Die nötige Entspanntheit, erstmal plaudern zu können, bis sich das weitere ergibt (bzw. so, daß man sich die Chancen nicht vergibt), hat man erst, wenn man nicht mehr ständig „auf der Suche“ ist.

    • Frage mich
      wenn frau hofft mit dieser Kindergartenpädagogik beieindrucken zu
      können.
      Muslime, die sich ihrer Kultur sicher sind?
      Der Koran soll seine Faszination
      auch aus seinem poetischen Teil beziehen.
      Dem haben die westl. Feministinnen nichts entgegenzusetzen.

    • naja....
      Also Vulva, Vagina und Klitoris sollte man eigentlich zeichnen können, jene Autorin da drüben meinte allerdings „Mann“ könnte sicher niemals auch die ganzen dazu gehörigen Nervenstränge miteinzeichnen. Ein ihr genehmer Mann müsse also mehr von Anatomie verstehen als ein Arzt, versichert Sie.

      Meine Gegenfrage ob Sie denn aus dem Stehgreif anatomisch korrekt den nervlichen Zusammenbau von Hoden, Prostata und Samenleitern aufzeichnen könne, ist mal wieder im Zensureimer verschwunden.
      Das Damenkränzchen, dem die FAZ diesen Blog übereignet hat benutzt ihn wohl um endlich mal Macht ausüben zu können. Auf meine Anfrage warum man einen früheren Kommentar von mir zensiert habe, erhielt ich zur Antwort im Prinzip: Weil man kann und niemandem dafür einen Grund schuldig sei.

      Da lob ich mir doch die Intelligenz einer Despina.

    • @Tyler: Sie haben es geschafft, von den 10 vor 8 er Blogherrinnen nicht freigeschaltet
      Zu werden? Ooops, dann muss Ihr Kommentar wirklich richtig boesartig ausgefallen sein, normalerweise sind die ziemlich liberal in der Kommentarpolitik. Den Rat mit der Nichtbegruendung von Kommentarloeschungen allerdings habe auch ich den Damen schon mal gegeben, wenn man loescht, dann ohne Begruendung. Soviel Zeit, sich mit den zuverlaessig eintreffenden Einwaenden dagegen abzugeben, gibts auf der Welt einfach nicht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • @ThorHa
      Ich habs doch geschrieben….

      Die Damen haben behauptet Männer könnten die weiblichen Geschlechtsteile nicht (komplett) zeichnen und ich hab béhauptet, dass das mit Sicherheit auch umgekehrt gilt….
      Die Zensur ist auf demselben Level wie ich sie in dem Blog auch vorher bereits einmal erlebt habe… FAZ Niveau halt.

    • @Tyler:
      Da ist dann wohl nur spaet freigeschaltet worden – Ihr Beitrag ist da.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Werter Pascha,
      zu
      „das Thema ‘klitoraler und/oder vaginaler Orgasmus’ ist auch noch lange nicht erledigt.“
      .
      Ich glaube,
      bei dem Thema sind Frauen die kompetenteren Gesprächspartner.
      Leider gibt es hier wenig davon.
      .
      Versteh einer die Frauen.
      .
      Der Kater hat nach Türzuknallen
      hier schon kommentiert.
      Als Gast.
      .
      Kommen Sie doch mal rüber.
      Das Trinkbüdchen ist nach 12
      oft geöffnet.
      ;-)

  50. An donalphonso
    Mit der Freiheit der Meinungsäusserung scheinen Sie es nicht besonders genau zu nehmen, meinen letzten Kommentar haben Sie zensiert. Kritik dulden Sie nicht, -edit – Rest gelöscht. Don

    Hinweis: ich schalte das hier nur frei, um noch einmal auf die Richtlinien hinzuweisen: Es kann natürlich sein, dass zwei Nutzer die gleiche IP haben. Das ist gemeinhin kein Prpblem, ich bekomme es nur mit und sorgen dafür, dass WordPress das nicht als Spam markiert. sowas kann auch immer mal wegen des Systems und des fehlenden Namens unter „Gast“ passieren – kein Problem, ich trage das auch gern nach.

    Aber was ich hier nicht dulden werde, sind Attacken einer Person unter verschiedenen Namen und genau das ist hier meines Erachtens passiert. Wer so etwas tut, kann sich entweder dafür entschuldigen und weiter mitreden – oder eben versuchen, mich anzulügen und dann weiter zu stänkern. Das endet aber bei der Freischaltung und ist keine Zensur, sondern einfach das Sauberhalten dieses Blogs von destruktiven Strategien. Und wenn sowas dauernd bei einem Thema oder einer Autorin wie dieser hier passiert, kann es sogar sein, dass ich mal wirklich grantig werde und das ist für die Betroffenen dann keine Freude.

    Ich hoffe, wir verstehen uns. weiterhin viel spass auf diesem Blog und dafür, dass der nicht kaputt gemacht wird, sorge ich.

    Don Alphonso

  51. Unglaubwürdig
    Ich glaube „Despina Castiglione“ nicht. Wahrscheinlich ist sie eine Kunstfigur, wie Don Alphonso. Ich glaube keiner Prostituierten, die behauptet, dass ihr der Sex mit Freiern dauerhaft Spaß oder Erfüllung bringe und dass ihr „Beruf“ nur mehr Anerkennung benötige, damit es den Prostituierten besser gehe. Nein, die Gefahr in der Prostitution liegt an der Konstellation: Fremder, sexuell erregter Mann, der zur Prostituierten geht, weil er „besondere“ Wünsche an ihr ausleben will. Und mit diesem wildfremden Mann ist die Prostituierte, die als Frau die körperlich Schwächere ist, dann allein im Zimmer. Es ist ein Unding, dass der Staat so etwas erlaubt – denn wie soll sich die Prostituierte wehren, wenn der Freier gewalttätig oder abartig wird? Und Gewalterlebnisse hat beinahe jede Prostituierte, der vorgebliche „Spaß“ und das „Feedback“ gehen schnell verloren. Es braucht nur EIN traumatisierendes Erlebnis, um der Prostituierten die letzten Illusionen zu nehmen. Freiersex ist schlechter Sex für eine Frau. Ich bin selbst eine Frau und weiß, was guter Sex ist. Das Selbstwertgefühl einer Prostituierten muss schon angeschlagen sein, um diesen „Beruf“ überhaupta ausüben zu können – und oft ist dieses mangelnde Selbstwertgefühl auf Vernachlässigung, Gewalterfahrung und Missbrauch zurückzuführen, den eine Prostituierte in irgendeinder Form in der Kindheit und Jugend durchmachen musste. Das sehe ich an der tiefen Traurigkeit, die sich in den tieferen Schichten ihrer Augen verbirgt: Die Verzweiflung, das Sehnen nach Liebe und Anerkennung, das nie erfüllt wird. Jedenfalls nie, solange sie im Bereich Prostitution tätig ist.
    Die Prostituierte muss lügen in ihrem Job. Sie muss dem Freier vormachen, dass ihr seine perversen Forderungen „Spaß“ machen. Das ist demütigend. Wenn man tagtäglich lügen muss, um zu überleben – das hat Auswirkungen auf das Innere. Ich habe Mitleid mit den Prostituierten. Guten Sex hat eine lebenserfahrene Frau, die schon mehrere echte Liebesbeziehungen hatte, denn sie hat den Vergleich und kann ihren jeweiligen Liebhaber dahin führen, das zu tun, was ihr gefällt. Und sie gibt ihm dann wiederum das, was ihm gefällt, solange es den sittlichen Rahmen nicht sprengt und human bleibt. Nur in der Liebe ist es möglich, dass zwei sich gegenseitig schenken und trotzdem autonom bleiben. Wir reiferen Frauen, die wir geliebt wurden und werden, wissen, was guter Sex ist, haben auch weibliche Körper und viel sexuelle Erfahrung und wissen, was schön ist und was uns gut tut und was nicht. Gerade deshalb können Prostituierte uns auch nichts vormachen – und Freier, die behaupten, dass sie Prostituierten „auf Augenhöhe begegnen, auch nicht. Wir glauben ihnen nicht, dass Freiersex guter Sex ist, denn der Freiersex ist allein auf (problematische )Wünsche von Männern ausgerichtet.

    • Liebe Fragestellerin,
      es steht Ihnen selbstverständlich vollkommen frei, mir zu glauben, oder es zu lassen, und um ehrlich zu sein, ich habe keinerlei Ehrgeiz, Sie von irgend etwas zu überzeugen. Es ist nur vielleicht für den ein oder anderen Mitlesenden interessant, zu erfahren, wie ich zu Ihren Ausführungen stehe.

      Allein im Zimmer mit einem Mann sind, das möchte ich zu Bedenken geben, nach meinem Kenntnisstand die meisten Frauen, die auf Beziehungsbasis Sex haben, ebenfalls.

      Ich persönlich kenne jetzt keine Privatschlafzimmer mit diskret angebrachten Notfallknöpfen für den Fall, dass der Gatte sich nicht zu benehmen weiss, wenngleich mir durchaus schon mehrfach zu Ohren gekommen ist, dass nicht jeder Mann in jeder privaten Beziehung sich grundsätzlich gewaltfrei und zuvorkommend verhält.

      Ob Sex gut oder schlecht ist, das sollten in meinen Augen die Beteiligten beurteilen, da hat sicher jeder eine andere Vorstellung, was dem einen die Eule, ist bekanntlich dem anderen die Nachtigall.

      Sexarbeitenden per se zu unterstellen, sie könnten nicht beurteilen, ob das, was sie tun ihnen nun schadet oder nicht, ist nicht nur entmündigend, sondern auch schlicht und ergreifend eine Frechheit.
      Auch wenn die Argumentation wie in Ihrem Fall im Gewand von Fürsorge und Wohlwollen daherkommt, das macht es leider nicht besser.

      Sexarbeit ist eine Dienstleistung, und nach meiner Auffassung kommt kein einigermaßen vernünftiger Dienstleister ernstlich auf die Idee, von seiner Kundschaft Liebe und Romantik zu erwarten.
      Ein vernünftiger, respektvoller Umgang unter Beachtung der Spielregeln ist im geschäftlichen Verkehr gefragt, nicht unangebracht-übergriffige Privatheit.
      Ich würde einer Kundschaft, die mich nach meinem tiefsten Seelenleben fragt aber gründlich was husten, und ich glaube, ihr Steuerberater oder wegen mir die Bäckereifachverkäuferin ums Eck reagiert da ganz ähnlich, vielleicht probieren Sie das ja mal aus.

      Mir ist eingängig, wenn jemand Liebesbeziehung und Sexualität in Einklang bringen, und nicht das eine vom anderen trennen möchte, sondern lebenslang in einer monogamen Partnerschaft bleibt. Ich finde das sogar gut, nämlich dann, wenn es die Beteiligten zufrieden macht.

      Tut es das nicht, kann wegen mir jeder sich seinen eigenen Weg zur Glückseligkeit suchen, ich finde die Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie es einem beliebt (ja natürlich, im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versteht sich) ist ein hohes Gut, aber sie gilt eben auch für Andersdenkende.

      Die Art, wie Sie ihre Frage an eventuelle Kunden von Sexdienstleistenden stellen, erweckt bei mir ganz persönlich den Eindruck, dass Sie sich einfach nicht vorstellen können, dass jemand an beruflichem Sex Freude hat.

      Das ist so weit okay, ich kann mir ja auch nicht vorstellen, dass jemandem Sushi wirklich schmeckt.
      Aber ich sehe, dass Menschen Sushi essen, und mir glaubhaft versichern, das freiwillig zu tun.
      Und ich lasse die Leute damit in Frieden, ich erdreiste mich nicht, Ihnen beispielsweise frühkindliche gustatorische Traumatisierung zu unterstellen, weil das wäre grob beleidigend und unangemessen.

    • Titel eingeben
      Es ist huebsch, wenn jemand dieselben Verdraengungsmechanismen benutzt, die er an anderen entlarvt. Um mit „gutem“ Gewissen gegen Prostitution vorgehen zu koennen, muessen alle Prostituierten, alle Freier und alle Nicht-Prostitutionsgegner pathologisiert werden. Man selbst wendet den Mechanismus an, den man anderen unterstellt. Diese Art von kuechenpsychologischer Selbstreinigung schliesst jemanden als ernsthaften Gespraechspartner regelmaessig aus.

      Genau deswegen und genau dabei mag ich nicht mitspielen. Jenseits von allen Debatten ueber Wuerde und Verzweiflung gibt es Menschen, die in dem Bereich taetig sind, es gab sie vor 5000 Jahren und es wird sie auch in 5000 Jahren noch geben. Und das einzige, was mich angesichts einer solchen Konstellation noch interessiert, ist die Frage, wie man diese Menschen angemessen schuetzt. Staatliche Verfolgung und Verdraengung sind es nicht, das beweisen alle historischen Erfahrungen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  52. Frage an eventuelle Freier hier im Blog
    Ich möchte die Männer hier, die Freier sind und bloggen, etwas fragen: Fällt Ihnen nicht die Traurigkeit auf, die in den Augen einer Prostituierten hinter der vordergründigen „Coolness“ hervorschimmert? Mir ist unverständlich, wie Sie einer Prostituierten körperlich so nahe und zum sexuellen Höhepunkt kommen können, ohne diese verborgene Verzweiflung wahrzunehmen – die doch eigentlich „abturnend“ wirken müsste. Körperlich nah – seelisch fern sind Sie einer Prostituierten. Wie ist das möglich? Warum wirkt die Traurigkeit nicht abturnend und was sagt das über Ihren Charakter aus? Aber vielleicht nehmen Sie die Traurigkeit ja sogar wahr, aber blenden sie aus, was genauso schlimm ist, denn das bedeutet, dass bei Ihnen Herz und Lenden nicht zusammenwirken und Sie einseitig auf die Befriedigung ihres Triebes aus sind. Das ist eine Art Dissoziation, die aus Egoismus geboren ist. In diesem Fall begehen Sie die Ursünde des Mannes gegenüber der Frau: Die Durchsetzung des männlichen Willens ohne Rücksicht auf das seelische Empfinden der Frau.
    Als Mann, wenn Sie Mensch werden wollen, ist es Ihre Pflicht, Herz, Kopf und Lenden harmonisch miteinander zu verbinden und nicht den Unterleib zum Herrscher über Kopf und Herz zu machen. Anders ausgedrückt: Ein Mensch besteht aus Körper (Willen), Seele (Herz) und Geist (Moralität, Gewissen, Denken, Individualität). Das unterscheidet den Menschen vom Tier und wenn wir, als sich entwickelnde Wesen, ganz Mensch werden wollen, müssen wir Seele und Geist zum gütigen Herrscher machen und nicht dem rein biologischen Willen die Oberhand lassen, den auch das Tier hat. Andernfalls bleiben Sie unter ihren menschlichen Entwicklungsmöglichkeiten zurück.
    Abschließend noch ein Wort zu „Don Alfonso“: Ich finde schon, dass die Faz tief gesunken ist, wenn sie einen solchen Blog ausrichtet. Ich sage Ihnen etwas anderes: Es wird nirgends so viel gelogen, wie in der deutschen Prostitutionsindustrie – denn es ist ein Milliardenmarkt, den sich die Herren Investoren von der organisierten Kriminalität nicht kaputt machen lassen wollen. Aber dass große Zeitungen sich dafür hergeben, sich zum Sprachrohr der Zuhälter-und Bordell-Lobby zu machen ist eine moralische Verfehlung, die ihresgleichen sucht. – Schirrmacher wird sich im Grab umdrehen.

    • Diese Geschichte hier hat eine Vorgeschichte. Ich wollte dazu etwas seit vier Jahren machen, hatte aber schwierigkeiten, eine entsprechende Autorin zu finden. Wie man sich vorstellen kann, ist es nicht so leicht, einfach mal in ein bordell zu gehen und zu fragen, ob da jemand mal für die FAZ schreiben könnte, as ist das eine.

      Das andere ist, dass es aber durchaus auch Sexdienstleisterinnen gibt, die sich im Internet äussern. Und neben denen, die das bei den Lobbyorganisationen tun, gibt es auch welche, die das aus den gleichen Hobbygründen wie ich tun. Hier ist mal ein älteres, sehr beliebtes und verifiziertes Beispiel:

      http://streetgirl.twoday.net/

      Sie werde da übrigens auch die Schattenseiten finden. Das streetgirl habe ich schon vor langer Zeit gefragt, und zwar mit dem Segen der Oberen – die FAZ ist nun mal interessiert an Meinungen und Debatten, ohne deshalb zwingend die Standpunkte zu teilen. es gab im Frühjahr dieses Jahres einen sehr guten Beitrag von antonia Baum zum gleichen Thema, und nachdem es hier auch öfters um Libertinage ging, lag es nah, das Thema zu machen. Sie werden übrigens im blog Zehn vor Acht auch autorinnen finden, die zum öffentlichen Diskriminieren von Kunden auffordern.

      Wenn Sie sich umfassend mit dem Thema beschäftigen. werden sie sehen, dass es durchaus vielschichtig und komplex ist, und nicht nur die Platte sicht der Dinge verkörpert, die Emma und Skanalblätter bringen. Die möchte ich darstellen. Darüber kann man auch zivilisiert debattieren. Aber bitte unterlassen sie in Zukunft Unterstellungen zu uinternen Vorgängen, von denen Sie keine Ahnung haben. Schirrmacher war ein toleranter Mensch und wollte nie seine Meiunung lesen, sondern interessante Meinungen. Und in diese Sinne werde ich auch weiter handeln.

    • Das Andere mit dem Kauf von Sex. Ich bin da in gewisser Weise der komplett falsche Ansprechpartner, weil meine Präferenzen, oder Perversionen, wenn man so will, gesellschaftlich vollkommen akzeptiert und sogar staatlicherseits gefördert werden. Ich mag klassische Musik und Opern und Museen und besuche sie gern mit frauen, die gut gekleidet sind. Das macht mir Freude und dazu stehe ich. Und wenn jemand sich das nicht leisten kann, lade ich sie da auch gerne ein.

      Und da fangen auch schon die Probleme an. Tatsächlich muss ich mir von Feministinnen hier schon vorwerfen lassen, ich würde Frauen kaufen und eine Machtposition erringen. Das wird mir auch vorgeworfen, wenn ich hier Gastautorinnen Raum gebe. Ich würde sie bewusst benutzen. Das heisst, as eigentliche Problem beginnt nicht erst im Bordell, es beginnt bei keder Ungleichheit, beim daraus entstehenden Machtgefälle, und bei der Frage, wie man damit umgeht.

      Beantworten Sie mir doch: Es gibt da also zwei Frauen, eine kann sich den Opernbesuch leisten und eine nicht. Ich könnte mit beiden ausgehen. Die eine würde selbst zahlen,. die andere würde sich bezahlen lassen, auch das abholen, das Essen, die Bar danach, das Heimbringen. Ist es eine grössere Diskriminierung, das alles zu bezahlen oder sie am Abend vor dem Fernseher zu lassen, und die Oper mit einer Frau anzuschauen, die es sich leisten kann?

      Wenn man diese Frage formschön beantworten kann, kann man auch weiter denken. Vor allem aber denke ich, dass das Entscheidende das Bewusstsein ist und dass man mit all den Situationen so umgeht, dass die andere Person sich um dieses Gefälle keine Gedanken machen muss.

      Aber es würde mich durchaus mal interessieren, warum man solche Fragen nicht zugunsten der bulgarischen Akademikerinnen stellt, die hierzulande in der Altenpflege ausgebautet werden.

    • @Fragestellerin
      Das ist ja meine alte Leier, dass auch der Sex viel besser gewesen sein muss unterm Ancien régime. (Siehe Oper + Museum).
      .
      Ludwig XIV. und Peter der Große haben ihre Mätressen am Ende geheiratet und deren Kinder legitimiert und wollten sie in die Thronfolge mit aufnehmen, was ja im Grunde auf die Einführung der Polygamie hinausgelaufen wäre.
      .
      Aber er war ja nicht der Staat und die übrigen Obertanen haben das dann verhindert. Aus vielen Gründen, aber nicht um die Würde der Kurtisanen zu schützen oder aus Sorge um deren Augenringe.

    • Titel eingeben
      @ Fragestellerin

      Ich möchte Ihnen Ihre Frage beantworten (spät – das sei zugegeben), obwohl ich nicht der von Ihnen gewünschte Freier bin. Voraus schicken möchte ich allerdings zunächst einen Ratschlag an Sie, mit dem ich mich Ihnen vermutlich sehr unsympathisch mache:

      Ratschlag: Gehen Sie besser von der Vielgestaltigkeit der Lebensverhältnisse, Motivationen und Empfindungen aus, und zwar auch dann, wenn Sie sich über Menschen äußern, deren Handlungsweisen Sie nicht verstehen. Auch im Fall der Prostitution.

      Zurück zu Ihrer Frage: „Fällt Ihnen nicht die Traurigkeit auf, die in den Augen einer Prostituierten hinter der vordergründigen „Coolness“ hervorschimmert?“

      Offen gesagt, das ist eigentlich gar keine Frage, sondern Sie präsentieren hier einfach Ihre etwas schlicht geratene Ansicht, dass allen Prostitutierten „traurige Augen“ (etc.) anzusehen seien. Aber nun, Sie wollen vielleicht wissen, ob Ihre Ansicht vernünftig bzw. realistisch ist, bzw., ob sie geteilt wird.

      Dieses Gewerbe würde nicht so gut funktionieren, schon gar nicht im Premiumsegment, wenn es so wäre, wie Sie es sich denken. Würden allen Prostituierten (oder auch nur der Mehrheit) deutlich Ekel und Traurigkeit anzusehen sein, dann ginge das deutlich zu Lasten der Bereitschaft der Freier, sich darauf einzulassen. Dies mag zwar Ihrem Männerbild fundamental widersprechen (das, pardon, ziemlich traurige Züge hat), aber es gehört zu den Grundzügen des Gewerbes, dass beim „Freier“ möglichst den Eindruck erweckt wird: Die Prostituierte findet den Umgang mit ihm erfreulich, und gleichfalls die mit ihm gemeinsam gestaltete Dienstleistung.

      Es mag so sein, dass Sie – wenn Sie ein Mann wären – sich davon nicht täuschen ließen, deshalb, weil Sie Menschen in Sekundenbruchteilen zu durchschauen pflegen, aber der gewöhnliche Mann lässt sich durchaus täuschen, was diese Dinge betrifft.

      Dazu kommt, dass es durchaus Damen gibt (mit zweien hatte ich immerhin mal eine Beziehung – u.a. daraus schöpfe ich meine Erfahrungen diesbezüglich), die sich tatsächlich freiwillig in dieses Gewerbe begeben. Nehmen Sie es einfach hin, so sehr es Ihren eigenen Empfindungen zuwider läuft: Es gibt Damen, denen diese Dienstleistung nicht unangenehmer ist als beispielsweise das Verabreichen einer (nichtsexuellen) Massage.

      Nun teile ich allerdings auch nicht so ganz die Ansichten von Frau Despina Castiglione – genauer gesagt, ich glaube nicht so ganz daran, dass ihr Standpunkt verallgemeinerbar ist.

      (das ist übrigens ziemlich anmaßend von mir – da meine Kenntnisse vom Gewerbe mit Sicherheit deutlich kleiner sind als die Kenntnisse von Frau Castiglione)

      Und zwar darum: Mehr als 50 Prozent aller Prostituierten sind alkoholsüchtig oder anderweitig drogenabhängig. Nur so ertragen sie ihren Job. Grundsätzlich glaube ich daran, dass das Ausmaß von Drogenabhängigkeiten in einer Branche bzw. einen Job einen guten Fingerzeig gibt, ob dieser Job besonders stressig oder belastend ist.

      Mit diesem Maßstab vor Augen lässt sich übrigens auch herausfinden, dass „die Politiker“ keineswegs bequem und frei von Anstrengungen ihren Tag verbringen – sondern überwiegend ganz im Gegenteil besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Passt vielleicht nicht zur allgemein verbreiteten Politikerschelte – stimmt aber dennoch.

      Aber verbieten wir darum die Politik? Verbieten wie die Tätigkeit eines Leichenwäschers? Allgemein ist es doch so, in der groben Grundtendenz, dass besonders anstrengende, belastende Tätigkeiten besser bezahlt werden. Und mancher Mensch kommt mit bestimmten Belastungen leichter klar als andere.

      So ist es eben auch in der Prostitution.

      Einen nach meiner Meinung sehr offenen und realistischen Einblick in das Premiumsegment bietet übrigens dieses Interview mit der ehemaligen Escortdame Natalie McLennan:

      http://www.welt.de/lifestyle/article6659473/Ich-war-bloss-die-bekannteste-Nutte-Amerikas.html

      (wirklich, ein sehr lesenswertes Interview)

      Was mich betrifft, bei mir passen weder die Finanzen, noch mein männlicher Stolz dazu, noch meine Vorurteile, dass ich Frauen für Sex bezahlen würde. Aber im Fall, dass ich zu viel Geld hätte, den entsprechenden persönlichen Umgang (z.B. mit Top Managern oder gut bezahlte Lobbyisten), bei dem das zum Live Style gehört, und, dass die sich die Prostituierte auf meine Wünsche (das wäre dann familiärer Umgang und quasi Prostitutionsferne) einstellt:

      Möglicherweise wäre ich dann ein „Freier“. Insofern möchte ich nicht den Stab brechen über jene, welche derartige Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Noch über jene, die als Frauen dort ihr Geld verdienen. Und auch, wenn ich eher Romantiker bin, für den Sexualität und Zuneigung zusammen gehören, es steht mir nicht zu, anderen Menschen meine Empfindungsweise vorzuschreiben.

  53. Angebliche "Freiheit" zur Prostitution
    Die Einwände von Despina „pathologisieren“ keineswegs alle anderen: Gegner der Prostitution oder Freier. Nehmen wir zur Kenntnis, dass die Autorin im Luxussegment arbeitet und sogar therapeutisch. Das sind die obersten 10% Yin der Branche, maximal, genau wie in der Piketty-Vermögensklassifikation. Die anderen 90% sind der Gewalt ausgesetzt und „verarbeiten“ Traumata. D.h. wiederholen sie. Das sind die simplen empirischen Fakten, die sogar TH zur Kenntnis nehmen muss. Dass alles noch in 5000 Jahren so sein wird, ist Quatsch, Gesellschaftstypen ändern sich. Nur das Bedürfnis nach Liebe und Intimität gab es IMMER. Dass Sex heute oft aus der Intimbeziehung ausgelagert wird, hat auch viele externe, vulgo: ökonomische Gründe. Armut auf der Seite der Sex-Arbeitsmigration, seelische Armut auf der Seite der Kunden.

    • Fakten gibt es in diesem Bereich praktisch keine,
      mangels empirisch valider Studien. Wenn Sie welche kennen, her damit, ansonsten argumentieren Sie auf derselben anekdotischen Basis wie alle anderen hier.

      Dass sich Gesellschaftstypen aendern stimmt. Bis heute gibt es nicht eine einzige Gesellschaft, die Prostitution jemals in den Griff bekommen, geschweige denn, praktisch ausgerottet hat. Also werde ich mich nicht an dem naechsten daemlichen Versuch beteiligen, das zu erreichen, auf dem Ruecken der Prostituierten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  54. Interessante Meinungen statt nur einer eigenen Meinnung!
    Die Essenz eines spannenden Blogs ist die Existenz echter Fragen und Antworten – ich glaube, ein reiner Torten-, Fahrrad- oder Modelleisenbahn wäre entweder längst eingeschlafen oder – wenn länger lebend- von Kreaturen bevölkert, vor denen jeder halbwegs intelligente Teilnehmer blitzartig reissaus nehmen würde.

    Die ganze Zeit dem Umstand opfern, dass es eine Sauerei ist, dass das neue Modell der Baureihe 44 mit einem konkaven oder konvexen Stirnscheinwerfer …. gähn, die Pizzadienst-Pizza ist eh schon lange kalt.

    Warum gibt es dieses älteste Gewerbe der Welt? Und warum -eigentlich- nur für Männer?

    Jetzt, wo jeder zugeschüttet ist mit Aufgaben, wie die Hundedecke für Tante Gertrud in ein einigermassen repräsentativ verziertes Päckchen zu verschnüren, ist das nicht unbedingt die prime time, über unser reales Sexualverhalten gründlich nachzudenken.

    Warum unterstellt man Frauen immer, meist auf der Flucht vor sexueller Belästigung zu sein? Warum widersprechen andere, dass sie sexuell gerne viel viel mehr erleben würden?

    Um einen Gedanken kurz zu überreissen, eventuell ist aus der Fremdheit der Geschlechter, was männliches oder weibliches sexuelles Begehren bedeutet, die Quintessenz, dass Frauen nicht auf der Flucht sind, sondern nur resigniert haben im zur Verfügung stehenden Männerbestand einen zu finden, der IHRE Wünsche erfüllen könnte.

    De facto ist die männliche Ausdauer jenseits der vierzig auch nicht mehr so wie mit 29, und die meisten männlichen Mitredner werden den Umstand kennen, dass in der Pubertät immer nur das gleiche Heftchen auch nicht mehr wirkte, um den hormonellen Überdruck loszuwerden, ein Umstand, auf dem die ganze Pr%noindustrie baut, während ich vermute, dass das geringe Interesse von Frauen an einschlägigen Erzeugnissen nicht nur an kultureller Diskriminierung liegt, sondern sie der blosse Anblick nackter Tatsachen überhaupt nicht reizt, und der Anblick hässlicher Nacktheit stärker graust als der von hübscher erfreut.

    So munter selbstbewusst und aufgeklärt unsere Jugend ist, hätte sie sonst das Faible der Kinder der 50er und 60Jahre für FKK sicher fortgeführt – aber das ist ein als von ganz vielen alten Männern und wenigen alten Frauen bevölkertes „Bähh“ am Aussterben.

    Wer schon lange Saunen in Fitnesszentren zu besuchen gewöhnt ist, wird bemerkt haben, wie nur ganz wenige Frauen noch die gemischten Saunen besuchen – wegen mehr unangenehmen, als angenehmen Männern.

    So gesehen, vielleicht ist das Honorar der Prostitution eine Art Schmerzensgeld für männliche Hormonabfuhr, ohne selbst etwas davon zu haben, sexuell, aber ganz spannend, einen Teil der männlichen Gesellschaft zu erleben, den sonst niemand sieht.
    „Grosse Persönlichkeiten“ auf das Niveau von gemsigen Dackeln reduziert zu sehen, glaube ich, kann einem schon eine gewisse Überlegenheit vermitteln.
    Als Prostituierte mit einem Vorstandsmitglied von XYZ-Daxkonzern, nackt bis auf die Ledermaske, an der Hundeleine durchs Eroscenter zu spazieren, und Beinchen heben tzu lassen – ich glaube, das kann Spass machen, stolz machen.

    Mir war Prostitution immer zu mechanisch, aber in meinen Singlezeiten habe ich gerne Swingerclubs besucht, wo man keine Balztänze aufführen musste, um einfach nur Sex zu haben, und das schöne war zu einem guten Teil, dass man niemand weh getan hatte, weil falsche Hoffnungen zerstört wurden.
    In der freien Wildbahn habe ich sehr oft erlebt, dass Frauen vor allem von einem Alphamännchen begehrt werden wollten, das sich nach ihnen verzehrte – 50 Shades etc- während aus blossem Nettsein eigentlich nie erotische Spannung enstand.
    Das vorzutäuschen, kam mir immer sehr übel vor. Und irgendwie wollte ich auch gewollt sein, das ganze „Schatzi, Du bist der Grösste“ Gesäusel professioneller Damen ging mir tierisch auf die Nüsse.
    Etwas älter, nicht bildhübsch, aber ok, ein bisschen doof, alles kein Problem, weil man ja nicht über die Relativitätstheorie reden musste, aber ganz nett wie bei einem gesellschaftlichen Abendessen Konversation gepflegt hat.
    Es waren auffallend viele Frauen aus medizinischen Berufen da, und es fiel mir auf, dass ich trotz regelmässiger Besuche so gut wie keine sonderbaren Spielarten erlebt hatte, die heute das sensationswitternde mediale Umfeld bevölkern.

    Ein grosses Problem liegt sicher darin, dass es nur wenigen Männern vergönnt ist, den Appetit ihrer Partnerinnen vollumfassend zu befriedigen, vor allem in längeren Beziehungen, und wenn man sich nicht in den Zwanzigern kennenlernt. Daraus kann eine komplette Frustration entstehen, die das Männchen dann in die Arme von Despina und ihren Kolleginnen treiben, die halt die Hand aufhalten, aber nicht böse oder traurig gucken, wenn es wieder mal nichts war.
    Ich glaube, viele Paare kennen das phasenweise und jedes hat seine eigene Strategie, aus diesem Problem heraus zu kommen.

    Ehrlichkeit, Offenheit, und Bewusstsein, dass Liebe etwas grösseres ist, als zeitliche sexuelle Schwierigkeiten, sollte helfen, dass Problem auf seine Dimension zusammen zu stutzen, statt wie in unserer dem Selbstoptimierungswahrn verfallenen Gesellschaft nur in das nächste Lebensabschnittspartner-Kapitel zu stürzen, und die ganze Schrei&&e von vorne zu erleben.

    Reden hilft, und gerade vielleicht auf medialer Ebene, und da ist dieses Forum und Don Alphonsos und Despinas Beiträge ein ganz spannender Ort.
    Schöne Feiertage an alle!

  55. Neue Mode?
    Hier schreiben mir zu viele unter ‚Gast‘, die man meint zu kennen.
    Ist das die Internet-Burka?

    • Zu frueh auf senden geklickt
      sorrz

    • Dr. Dr. hc. mult.
      Nö, es geht einfach so leicht. Text schreiben, abschicken – wump, drin.
      Kein Mecker wegen fehlendem Namen+fehlender Mail.
      Deswegen auch kein Nachtragen derselben.
      [Und der Titel nervt immer noch. Als optionale Überschrift wäre er i.O., aber so – bäh.]

  56. Titel eingeben
    In einer leidlich unperfekten Welt ist die in der Altenpflege erfolgende Ausbeutung bulgarischer Akademikerinnen vermutlich noch die bessere Alternative verglichen mit einer aus Pegida-Denke herrührenden Abschottung unserer Arbeitsmärkte, zumal dann, wenn Staat und Gesellschaft wachsam bleiben – und somit unzumutbare Arbeitsbedingungen in der Altenpflege aktiv bekämpfen.

    Ähnliches gilt vermutlich auch für die Prostitution, vermutlich auch dann, wenn man das von Frau Despina Castiglione vertretene Premiumsegment außer Betracht lässt.

    Das mag nicht die perfekte Lösung sein, aber selbst diese unperfekte Lösung ist anspruchsvoll, zumal dann, wenn sich in der jeweiligen Branche Missbrauch, Ausbeutung und andere beklagenswerte Umgangsformen zu häufen pflegen, ja schlimmer noch, fast zur gebräuchlichen Regel gehören.

    Insofern ist die staatlich (und gesellschaftlich!) erfolgende Missbrauchsbekämpfung um so notwendiger, und sollte mit besonderen Aufwand erfolgen. Da das Verbot bzw. Verdrängung von Prostitution nach allen bekannten geschichtlichen Erfahrungen erfolglos ist oder mit gravierenden Nachteilen verbunden, scheint mir das der realistisch betrachtet beste Weg zu sein. Das bedeutet aber längst noch nicht, dass ich Prostitution für „einen Beruf wie jeder andere“ oder für prinzipiell unproblematisch halte. Das wäre naiv und wirklichkeitsfremd.

    Im Premiumsegment mag das so sein – aber das ist eben nicht der Maßstab. Der relevante Maßstab wird von den realen Verhältnissen gebildet, unter besonderer Berücksichtigung jener Frauen, deren Lage im Gewerbe bescheiden oder sogar katastrophal ist.

    Das betrifft nicht wenige. Ich würde diesen Anteil sehr grob (und zugegeben: leider ziemlich frei von fundierten Kenntnissen) auf 30 bis 60 Prozent schätzen, sei es, dass sie „Höllenengeln“ etc. jede Woche einige hundert Euro abdrücken müssen, dafür, dass sie von diesen Kriminellen in Ruhe gelassen werden, oder sei es, dass in anderer Form Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind.

    Die Prostitution als normalen Beruf zu behandeln, hilft hier nur bedingt. Die Rotlichtviertel werden davon nicht verschwinden. Rotlichtviertel haben – leider – auf der ganzen Welt die Tendenz, außergesetzliche Strukturen zu bilden (Zuhälter, Frauenhandel, organisierte Kriminalität, Betrugsdelikte, Erpressungen von Prostituierten und Freiern etc.).

    Das Verbot der Prostitution ist keine gute Idee. Das entbindet uns als Gesellschaft aber noch nicht von der Aufgabe, die oben genannten Probleme (und viele weitere…) im Auge zu behalten und diese zu reduzieren.

    • Ich möchte nicht nerven
      Nur, ich bin nunmal vorhier und möchte gerne hier bleiben;da fände
      Ich es hilfreich, wenn die christl. Kirchen und jüdische Gemeinde, als
      Garanten des Abendlandes,
      sich darauf einigen könnten, welche islamische Glaubensrichtung sie
      bevorzugen.
      Etwas Orientierungshilfe muss schon sein.

  57. Titel eingeben
    Sind das eigentlich 2 oder sogar 3 Blocker, die sich hier im spuckegleichen Duktus die Wattebäusch´chen zuwerfen, oder doch nur einer? Denn die vorgebliche Finesse mit den 2 IP-Adressen, welche sich da angeblich 2 Blockerinnen teilen, scheint wohl nur ein plumpes Ablenkungsmanöver, von jemand, der mit einigen IP-Adressen unterwegs ist.

    • scnr
      Das sind keine Blocker, denn sonst würde man hier nichts mehr sehen, es sind auch keine Blogger, denn sonst würden sie ein eigenes Blog betreiben, nein, es sind Kommentator/innen.

  58. Nachtrag zu meinem Blog vom 18.12.
    kurzer Nachtrag zu meinem Blog vom 18.12., nur um etwaige Missverständnisse zu vermeiden (vielleicht hat R. Dorn da etwas in den falschen Hals gekriegt), denn ich möchte da nicht in irgendeine falsche Nähe gerückt werden:
    1. Ich würde nie etwas Ungesetzliches tun. Ich bin zwar kein Spießer, aber meine juristische Unbescholtenheit und meine bürgerlichen Ehrenrechte liegen mir sehr am Herzen.
    2. Wenn ich Goethes Faust erwähnt habe, so möchte ich damit nicht irgendwelche Andeutungen in Bezug auf mich selbst machen. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir in einer Gesellschaft leben, die einerseits völlig enthemmt ist und die andererseits noch wesentlich spießiger ist als vor 200-300 Jahren (zu Goethes Zeiten). Ich sehe mich als sexuellen Normalo der in einer höchst unnormalen Zeit lebt.

  59. Zusatz
    habe eben gesehen, dass ich in Zusammenhang mit dem Nachtrag zum Blog vom 18.12. meinen Nachnamen falsch (klein) geschrieben habe: er lautet korrekt „Harry Herrmann“

  60. Unverständlich
    Wie es Pegida schafft so zum Buhmann zu werden, dass selbst
    kath. und evangel. Bischöfe nebst Zentralrat der Juden auf die Knie
    Fallen vor dem Islam, ist mir ein Rätsel.
    Verspricht der Islam die Erlösung? Wenn ja, was wird dann aus der
    kunterbunten Wellnesswelt unserer Geistesarbeiter.

    Sind sie schon sosehr von sich selbst angeödet?

    Frage nur, weil ich nicht gerne auf der falschen Seite, der Geschichte
    landen möchte.

  61. feldforschung
    fragestellerin ich glaube sie haben diesen beitrag gar nicht richtig verstanden

    ich habe gerade in der zeit den bericht über serbiens verschwundene kinder gelesen und beide artikel passen zusammen sie müssen beides lesen und dann das focusieren dann kommen sie vielleicht drauf

    ja das ist einfach feldforschung aufs feinste und der faz bricht da kein stein aus der krone im gegenteil so kommt es in eine seriöse zeitung und kann offen diskutiert werden

  62. Wer übt mittels Sex mehr Macht aus- Frauen oder Männer?
    in Zusammenhang mit den sehr interessanten Ausführungen von Despina Castiglione wurde (wenn ich das richtig verstanden habe) der Aspekt der Machtausübung erörtert. Die etwas stereotype Meinung geht dahin, dass ausschließlich Männer Macht ausüben. Ich behaupte mal, dass dies eine sehr atavistische Haltung ist, die vielleicht in dem begründet liegt, was Freud als Penisneid bezeichnet. Die Frau, die sich selbst als schwaches Wesen empfindet, dem keinerlei Machtmittel zur Verfügung stehen. Frauen sind sich ihrer ungeheuren Macht nur nicht bewusst. Vielleicht kann man in diesem Zusammenhang ja mal etwas Aufklärungsarbeit leisten. Los geht’s:
    Ein Mann, der eine bestimmte Frau begehrt (und die muss ein bestimmtes Niveau haben, in der Regel orientiert man sich dabei am Aussehen), will (evolutionsbiologisch gesehen) seine Gene weitergeben und sich dabei so teuer wie möglich verkaufen. Für ihn kommt üblicherweise keine Frau in Frage, die unter dem Niveau seiner Mutter liegt (weniger hübsch oder weniger gut gebaut). Im Falle einer Zurückweisung und der Bevorzugung eines anderen empfindet der Mann dies nicht nur als emotionale Enttäuschung, sondern als eine massive Beeinträchtigung seines Selbstwertes, denn die Frau gibt ihm zu verstehen „deine Gene sind nicht wert, weitergegeben zu werden“ bzw. „der andere hat bessere Gene“. Die Frau hat also die Macht, einen Mann ab- und einen anderen aufzubauen. Nicht selten führt die Enttäuschung den Mann dabei in die Katastrophe-er kann vernichtet werden indem er sich beispielsweise das Leben nimmt, auf der Straße landet, von anderen Frauen auch verschmäht wird (nach dem Motto „wenn die andere ihn nicht will, warum soll ich ihn dann wollen?“) oder beruflich abstürzt weil er sein Selbstvertrauen verliert. In jedem Fall ist die Gefahr einer Abwärtsspirale gegeben. Gesellschaftlich gesehen ist das dann fatal, wenn dieser Mann eigentlich gute Gene gehabt hat, die die Gesellschaft hätten bereichern können, ihr so aber verloren gehen. So weit klingt das alles ganz natürlich und logisch – in Wirklichkeit ist es aber sehr viel verzwickter und komplexer. Mit der Wahl, die sie trifft, hat die Frau also unter Umständen erheblichen Einfluss, hier entstehen zum Teil Schieflagen mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Welche Auswahlkriterien haben Frauen üblicherweise? Im Wesentlichen in zwei Bereichen: sie wollen einerseits genetisch gutes Material weitergeben (aus diesem Grund bevorzugen sie den Alphamann, der die besten Gene verspricht) und sie wollen andererseits, dass der Mann auch in der Lage ist, diesen Nachwuchs zu schützen, d.h. sie wollen den „Versorger“. Schieflagen entstehen dann, wenn der Mann Stärke nur vortäuscht, platt gesagt, die Frau fällt auf einen Angeber herein, der in Wirklichkeit nichts drauf hat, wohingegen der stillere, zurückhaltendere Mann, der aber in Wirklichkeit viel fähiger ist (Vorsicht Klischee: nicht jeder Zurückhaltende, Bescheidene ist auch automatisch fähig), unberücksichtigt bleibt. Oft genug kommt es auch vor (bei der breiten Masse), dass die Frau nur auf den Versorgeraspekt sieht, d.h. sie will einen angepassten Langweiler, der ihr zwar „ein Nest bauen“ kann, aber nicht viel an hochwertigen Genen mitzugeben hat. Auch dies bringt die menschliche Evolution nicht sehr viel weiter. Ein anderes Problem besteht darin, dass „frau“ Stärke oft mit Masse assoziiert. Wer angepasst ist gilt als stark, wer sich gegen die Masse stellt als schwach. Die Geschichte ist nun aber voll von Beispielen, wo Angepasstheit fatale Auswirkungen hatte. Man darf also unterstellen, dass die Frau oft sehr oberflächlich bzw. leicht beeinflussbar ist bei der Auswahl ihrer Männer. Wenn es wenigstens noch so wäre, dass sie sich dabei am Aussehen orientieren würde. Man würde es als natürlich empfinden, wenn sie bei einem schwach wird, der aussieht wie Brad Pitt, ganz gleich welche sonstigen Fähigkeiten er mitbringt. Gelegentlich kann man sich allerdings nur wundern.
    Auch wenn diese Ausführungen etwas darwinistisch anmuten mögen, so liegt in ihnen doch sehr viel Wahrheit. Es geht mir nur darum, zu beweisen, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen über erhebliche Macht in Zusammenhang mit Sexualität verfügen. Frauen haben über ihr Wahlverhalten erheblichen Einfluss auf die Gestaltung einer Gesellschaft, denn sie bestimmen mit darüber, wer aufgebaut (und damit wer „oben“ ist) und wer abgebaut wird. Kulturkreisbedingt gibt es hier allerdings auch z.T. erhebliche Unterschiede. Während deutsche Frauen sehr obrigkeitshörig und statusorientiert sind (sie sehen nicht auf die Fähigkeiten eines Mannes, also nicht darauf, was er gegebenenfalls leisten KANN [beispielsweise wenn sie ihn unterstützt], sondern nur auf den jeweils vorhandenen STATUS, unabhängig davon wie er ihn erlangt hat, ob mit eigener Leistung, Protektion, kriminellen Machenschaften, langfristig gesellschaftsschädlicher Überangepasstheit, etc.), sieht man in angloamerikanischen Ländern eher auf die Fähigkeiten: wie vielversprechend wirkt ein Mann, wirkt er intelligent, beseelt, ist er hübsch (nicht nur: sieht er durchsetzungsfähig aber krottenhässlich aus, wie beispielsweise Till Schweiger), hat er gute Zeugnisse oder Diplome (auch wenn er sie noch nicht zu Geld gemacht hat), wie sieht es mit seinen Manieren aus, etc. Also mein Appell an Frauen: seid euch eurer ungeheuren Macht bewusst und gebraucht sie mit Verstand (ihr habt doch welchen, oder?), denn von euch hängt es in hohem Maße ab, welche Männer auf- und welche abgebaut werden, und da auch in Zukunft Chefposten nicht nur an Frauen, sondern auch an Männer vergeben werden, entscheidet ihr mit darüber wer hochkommt und wer nicht. Vielleicht lasst ihr euch ja überzeugen, etwas sorgfältiger bei der Auswahl eurer Männer zu sein. Seht einfach etwas genauer hin und habt etwas mehr Mut, das langt ja vielleicht oft schon.

    • Da saust es der Grau!
      Es geht doch nicht erst ums Fortpflanzen, wenn man sich bei einem anderen Menschen wohlfühlt – darwinistisch könnte man sogar Gewalt rechtfertigen.
      Hilfe – was sind gute Gene! Talent zum in die Fresse hauen oder Pizza-Nerd Verträumtheit, die dann aber mal locker You Tube ( oder irgendeinen anderen hoch rentablen App-Blödsinn erfindet) für ein paar Milliarden verkauft?

      Mehr undramatischer, leichter verfügbarer realer Sex und das ganze Geschäft damit ( und die Hebelwirkung der damit verbundenen Macht) verschwindet von selbst.
      Wenn Männchen oder Weibchen für ein paar amüsante Streicheleinheiten nur in ein „normales“ Wellnessambiente mit Extra-Möglichekiten gehen müssten, würde auch das Premium-Segment schrumpfen.
      Nur- so wie die sexuelllen Präferenzen wirklich sind, so wie alle in der Gesellschaft gepolt sind, ihren Ego-Status zu erhöhen, indem sie sich etwas seltenes, teures kaufen können, wirds wohl so weiter bleiben.

      Was John Dean geschrieben hat, sehe ich ziemlich ähnlich. In der Welt, wie sie ist, sollte man wirklich Übles reglementieren.

      Wie in einer Diskussion zur Finanzkrise, sollte der Akzent dabei auf angepassteren, effektiveren Regeln liegen, statt auf Pauschalverboten oder einfach noch mehr Regeln.

    • Nicht mehr allein ums fortpflanzen...würde ich sagen...Great Artiste
      Es hat wohl mal zum Teil darwinistisch angefangen, aber deswegen heißt
      die Evolution ja auch Evolution; weil sie evolutioniert, „Zeit-Geit-Reife(nd)“
      be/wirkt…Vernunftlevel bildend…Bildung…denke ich.

      Gruß
      W.H.

    • Titel eingeben
      Das war jetzt ein Besinnungsaufsatz, der nicht weit führte.
      Reichern Sie es doch mal ein wenig mit Anekdoten an, vielleicht wirds dann flüssiger.
      So wie jetzt ist es nur ein Kreisen um sich selbst.

  63. Antwort an Despina Castiglione:
    „Allein im Zimmer mit einem Mann…“ Werte Despina Castiglione, hier begehen Sie, indem Sie mich zitieren, eine kleine Sinnverdrehung, indem Sie einen bedeutungsverändernden Begriff unter den Tisch fallen lassen, nämlich den Begriff des „wildfremden“ Mannes. Wenn eine Frau mit einem wildfremden Mann alleine in einem Raum ist, dann birgt das ein unkalkulierbares Risiko. Und hier kann ich überleiten zu Ihrem Vorwurf der „Entmündigung“, die ich angeblich betreibe, wenn ich den Kauf von Sex kritisiere. Ich weise den Vorwurf zurück und mache Ihnen den Vowurf, dass Sie die Prostitution verniedlichen und dadurch das Leid, die Gefahren und die verheerende Ausbeutung von hunderttausenden anderen Prostituierten, meist osteuropäischen Frauen, verharmlosen.
    Während die echte Liebe eher das Gute in einem Manne hervorruft, scheint die Prostitution eher die dunklen Seiten herauszukitzeln: Gerade weil in der Prostitution alles so anonym ist, trauen sich die Männer eher, ihre verhängnisvollen sexuellen Neigungen, wie Machtrausch, sadistische Anlagen, Lust an der Demütigung usw. an den Prostituierten auszulassen. Wenn sie diese Neigungen an anderen Frauen ausleben würden, gäbe es Eltern, Brüder, Ehemänner, Kollegen, Lehrer, Polizisten und Staatsanwälte, die sie zur Rechenschaft zögen und die Öffentlichkeit würde einen solchen Mann als sexuellen Gewalttäter oder als Perversen ächten. Er wäre sozial erledigt, seine Kinder würden sich vor ihm ekeln, seine Freunde und Kollegen ihn meiden und seine Frau ihn wahrscheinlich verlassen. In der Prostitution hingegen ist ein rechtsfreier Raum entstanden, in dem der größte Teil der Prostituierten diesen Risiken der Demütigungen und Menschenrechts- und Menschenwürdeverletzungen ausgesetzt sind – und man erzähle mir nicht, dass nicht ein Großteil der Freier das nicht zumindest ahnt. Auch Sie, Despina, kennen sicherlich die Risiken, spielen sie aber herunter – und das ist gegenüber Ihren bitterarmen Kolleginnen vom Straßenstrich nicht fair, für die extra „Verrichtungsboxen“ aufgebaut wurden, die es nur der Beifahrertüre erlauben, sich öffnen zu lassen, damit die Frauen, bei Gefahr (die offenbar allgegenwärtig ist, sonst hätte man sie nicht baulich schon einkalkuliert) blitzschnell davonspringen können.
    Mag sein, dass es – im Verhältnis zu den viel, viel zahlreicheren Armutsprostituierten, ein paar hochbezahlte Escort-Damen gibt. Aber auch sie sind alleine mit dem wildfremden Mann im Zimmer. Ich kenne Abhörprotokolle, die beweisen, dass auch Eskort-Mädchen Gewalt und Demütigungen ausgesetzt waren. Googeln Sie, geehrte Leser, „Ich speib mich an“ von der Wiener Zeitschrift „Falter“. Oder googeln Sie „Olgas Buchführung“ im Spiegel.
    Ich habe das Buch von Vanessa Eden: „Warum Männer 2000 € für eine Nacht bezahlen“ gelesen – aber selbst sie hat in ihrem „Abschiedsbrief“ geschrieben, wer als Frau einmal Einblicke in diese Welt hatte, der wolle das nicht sein Leben lang. Sie fand Foren, in welchen Männer über Frauen, „die sie getroffen haben, wie über ein Stück Vieh auf dem Jahrmarkt – und noch schlimmer“ geschrieben hätten. „Es ist pervers, es geht unter die Gürtellinie, es ist menschenverachtend und abscheulich!“ (Zitatende). Da zeigt sich, dass es auch ihr, als hochbezahlter Escort-Dame, nicht gleichgültig war, wenn Männer abfällig über Frauen schrieben. Es ist und bleibt verletzend. Prostitution schadet dem Bild des Menschen, das, nach religiöser Auffassung, Abbild des Göttlichen ist. Da sie dem Bild des Menschen Schaden zufügt, tangiert sie auch die Moral. Für mich ist Moral ein positiv besetztes, umfassendes Wort, im Sinne von Moralität. Es ist legitim, hier über Moral zu schreiben, da sich das Wort in der Überschrift findet.

    • Eine kleine anmerkung von meiner Seite aus: Die meisten Vergewaltigunger stammen, so schlimm das ist, im persönlichen Umfeld der Opfer – nicht umsonst gibt es mittlerweile den Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe.

    • Okay, dann wildfremde Männer.
      Unter dem Aspekt, dass die meisten Fälle sexualisierter Gewalt im näheren sozialen Umfeld der Betroffenen zu verzeichnen sind, soll es mir recht sein, liebe Fragestellerin, wenn Sie auf diesem Detail bestehen.

      Ich verharmlose gar nichts, ich dramatisiere aber auch nicht. Wissen Sie, mir hat noch keine Abolitionistin schlüssig darlegen können, wie die armen südosteuropäischen Sexarbeiterinnen ihre Kinder durchbringen sollen, wenn sie nicht mehr anschaffen können. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit: „Das schwedische Modell verbietet nur den Kauf von Sexdiensteistungen!“, denn schliesslich soll es die Nachfrage abschaffen und wenn eine Dienstleistung nicht nachgefragt wird, muss ihr Erbringer ja von etwas anderem leben.
      Haben Sie da vielleicht einen konstruktiven Vorschlag?

      Mir sind Verrichtungsboxen, die den schwächsten und stigmatisiertesten unter den Sexarbeitenden ein Mindestmaß an Schutz und Infrastruktur bieten lieber, als ein illegaler Strich im Wald, wo kein Mensch sie hört, wenn sie um Hilfe rufen, weil der Kunde gewalttätig wird.

      Und ohne respektlos sein zu wollen: Sie scheinen mir von Sexarbeit in all ihren Erscheinungsformen nur theoretische Kenntnisse zu haben.

      Es ist schön, wenn sie das Buch einer ausgestiegenen Escortdame gelesen haben, die ehrlicherweise schreibt, dass es unter Kunden auch Idioten und Widerlinge gibt. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen, sowohl im Rotlicht als auch anderswo.

      Wenn aber eine Frau entscheidet, dass sie Idioten für einen Stundenlohn der irgendwo zwischen dem Doppelten und Vierzigfachen ihres Verdienstes in einem bürgerlichen Job, wo es nach meiner Erfahrung nicht mehr und nicht weniger unangenehme Menschen gibt, besser ertragen kann, dann finde ich das sehr nachvollziehbar.

    • Wie meinen Sie das, Sternschnuppe?
      Meinen Sie, dass die organisierte Kriminalität inzwischen schon so mächtig ist, dass Journalisten nicht mehr offen schreiben können, dass sie Prostitution für böse halten, sondern einen solchen Blog, wie diesen hier bringen müssen, in der Hoffnung, dass wir Leser dann die Wahrheit schreiben?
      Das hieße, dass man wieder zwischen den Zeilen lesen müsste, wie am Ende der DDR-Zeiten.
      Ich glaube, da interpretieren Sie zu viel Edles in den Journalismus hinein.

      Ich wünsche mir einen mutigen, wahrhaftigen Journalismus, der Klartext schreibt und sich anzuecken traut, kein pseudointellektuelles Herumgeschwurbel.

    • Also pardon, aber das wird jetzt wirklich verschwörungstheoretisch. Was kommt als nächstes? Chemtrails?

    • Verschwörungstheorie: Chemtrails?
      Pah, wenn schon, dann auch was Richtiges: I.N.R.I.!

  64. eine Antwort zu "da saust es der grau"
    Ich wollte eben nicht darwinistisch sein, sondern nur auf die evolutionsbiologischen Hintergründe hinweisen (und die lassen sich ja wissenschaftlich belegen). Ich gehe voll d’accord wenn Sie sagen, man solle sich nicht von einem Pickelfritzen blenden lassen, der mit einer Schwachsinnsidee viel Geld macht, nur weil er es versteht, oberflächliche Bedürfnisse wie Klatsch- und Tratschsucht anzusprechen – ohne dabei viel Hirn oder andere annehmliche Qualitäten zu haben.

  65. Offenlegung von Nebenverdiensten?
    Sehen Sie ? Trotz Hungergagen waren die Augen nicht immer nur traurig.
    .
    http://www.wikiart.org/en/konstantin-somov/russian-ballet

    • Traurige Augen?
      Der Hinweis aufs Ballett ist so übel nicht, finde ich. Wie viel Qualen durchlebt ein Balletttänzer (bzw. eine Balletttänzerin) in seiner Ausbildung, wie viele jugendliche Rücken sind aufgrund obskurer Sprungfiguren und Überlastung für immer ruiniert worden, noch bevor eine Anstellung in einem Ensemble gefunden wurde! Immer hungern müssen, um ballettgerecht auszusehen. Training, bis die Füße bluten. Was für eine Härte in der Lebensführung!

      Die Besucher eines Ballets sehen ganz offenkundig weder das Leid, noch die „traurigen Augen“ der Balletttänzer. Schlimmer noch, (imho absurder Weise) fördert der Staat diesen anachronistischen, Gesundheit ruinierenden Kram sogar.

      Sehr zur Freude der gesellschaftlichen Elite übrigens. Und auch von Frau Schwarzer habe ich gerade keinen Text erinnerlich, in der sie die Gepflogenheiten in der Ballettausbildung anprangert.

      Ganz ehrlich? Ballett halte ich für deutlich problematischer als Prostitution…

  66. Alice Schwarzer
    hat einen sehr lesenswerten Artikel über Sexualität, Machtausübung, Mißbrauch und die Rolle der Grünen und der Medien dabei geschrieben.
    „Die Grünen und die Paedophilie“.
    Erst sind sie an die Kinder gegangen und jetzt versuchen sie die Prostitution salonfähig zu machen.
    Eine fundierte Ablehnung des widerwärtigen politisch-medialen Gesellschaftsdesigns.

  67. Titel eingeben
    @E.R.Binvonhier 13:12 die jüd. sowie die christl. kirche bevorzugt jene islamische richtung die sich von terroranschlägen und unterwerfung durch den islam **radikal verabschieden**

    es besteht kein grund mit islamischen mitbürgern zu leben solange sie sich den gepflogenheiten des gastlandes anpassen und nicht unruhe stiften

    eigentlich nicht zu viel verlangt

    • @sternschnuppe
      M.E. Ist die Zeit vorbei, als wünschen noch geholfen hat.

      Hirten die ihre Lämmer zur Schlachtbank führen haben ihre
      Autorität verspielt.
      Wie das mit der jüdische. Gemeinde aussieht, weiß ich nicht.

    • ...
      …und für die Deutschen, die sich nach einer starken Führung
      sehnen, kann das nur ein Islamist bieten.

  68. Titel eingeben
    zu meinem vorigen kommentar muß es richtigerweise heißen „es besteht kein grund n i c h t mit islamischen mitbürgern zu leben…

    aber ja das kann passieren im vorweihnachtlichen stress bleibt schon irgendwo ein wort im tannengeäst hängen

    solange ich nicht wie beim mdr figaro heute morgen den hr. hoeness als für tot erkläre anstatt udo jürgens ist ja noch alles ok

    aber dort gibts wahrscheinlich auch zuviel weihnachtsstress oder es pfeifft der wind so um die ohren dass alle sterne gleich wieder gen himmel abheben in diesem sinne allen hier beteiligten friedvolle festtage und ein erfreuliches neues jahr 2015

  69. fragestellerin 8:02
    was sträuben sie sich so gegen diesen artikel?

    es ist doch gut wenn diese thematik auch einmal in einer seriösen zeitung erscheint oder soll es immer im schmuddelbereich bleiben? zumal doch auch eben viele aus den höheren etagen diese etablissements besuchen

  70. Der deutsche Adel
    sollte mit gutem Beispiel vorangehen und dafür sorgen, dass mal
    eine Muslima einheiratet.
    Sonst wird es mit der Refeudalisierung nix.

  71. E.R.Binvonhier 11:34
    ja aber wenn die deutschen einem islamisten hinterherlaufen dann müssen sie sich fragen warum?

    aber ich bin gerne bereit DonAlphonso Rede und Antwort zu stehen und alle ungereimtheiten in diesem zusammenhang zu erklären für mich ist schon lange alles klar ich wußte nur nicht wem ich das alles zumuten kann

    • das alles zumuten - nur zu
      (inge?) sternschnuppe, lassen Sie uns bitte nicht dumm sterben!

    • Warum sollten die Deutschen einem Islamisten
      hinterherlaufen? Das ist gute Nazi-Tradition.

      In Nazi-Deutschland müssten Hackenkreuze an Moscheen als
      Schutzsymbol gewertet werden und die Türkei war ihr treuester
      Verbündeter.
      Die hatten viele Phobien, aber garantiert keine Islamophobie,
      Darin den Grünen nicht gänzlich unähnlich.

    • Mit Islam scheine ich hier richtig sein....
      Sollte sich trotz Weihnachten noch jemand für die Realität da draussen interessieren, dann hab ich hier was wirklich Ausserordentliches..

      Das ja nicht für seine Amerika-Feindlichkeit und Linkslastigkeit berüchtigte CNN brachte gestern Abend in seiner “Amanapour” Sendung ein Interview, das Fred Pleitgen mit Jürgen Todenhöfer geführt hat, beide ebenfalls nicht für “Amerika-Feindlichkeit und Linkslastigkeit” berühmt.

      Todenhöfer war gerade eine Zeit lang in Syrien mit einer Art Sicherheitsgarantie der ISIS Führung, und er brachte (für die meisten hier) Erstaunliches mit.
      Da ich in den deutschen Medien (nicht gerade überraschenderweise) nicht einen einzigen Hinweis dazu finde, hier ist der Link zum Interview

      http://amanpour.blogs.cnn.com

      Es lohnt sich….

  72. Wer die Prostitution nicht will, muss den Kapitalismus bekämpfen
    @Ross Dorn: Entschuldigen Sie, dass ich jetzt erst auf Ihre Frage eingehe (das war doch eine Frage?). Aber auch als Atheist kann man sich der Weihnachtsgeschäftigkeit nicht ganz entziehen. Obwohl ich gestehe, dass ich an solchen Tagen, nicht nur wegen des schlechten Wetters, lieber in die Sauna ginge (ich meine jetzt wirklich Sauna, nicht FFK-Club oder dgl., obwohl ich da keine Berührungsängste zu habe!)
    .
    Nun zu Ihrer Frage: wie sollen Sie mich sehen? Ich weiß nicht, wie Sie mich überhaupt sehen. Ich selbst sehe mich da völlig bei mir. Wenn Sie da mal in meinem Blog etwas schmökern, sagen wir mal unter den Stichworten: Eros, Sex, Liebe, aber auch unter: Borderliner, Schwarzer, Brüderle, Pädophilie, Lolita…, werden Sie sehen, dass ich nicht nur viel zu dem „Schmuddelsandwich zwischen Prüderie und Pornographie“ (auch so Schlagworte) zu sagen habe, sondern irgendwie immer dasselbe. Aber ich sag’s mal ganz deutlich: Ich verurteile die Machtausübung gegenüber Dritten, ganz generell, ganz besonders gegenüber Schwächeren. Dennoch ist die Macht ein unverkennbarer Ausdruck unserer Gesellschaftlichkeit, und somit auch Teil des sog. erotischen Spiels (welche ja diese Gesellschaftlichkeit, wenn auch paradox zuweilen, abbildet). Doch schlimmer noch als Machtausübung, ist die Unterdrückung der Lust/der Machtgelüste u.U. Ich denke, dass leider allzu wenige sich ihres erotischen Themas bewusst sind/bewusst sein wollen, welches nämlich mit der Ambivalenz zwischen Macht und Ohnmacht spielt (im Idealfall!)
    .
    Wäre das Bewusstsein in diesem Bereich ausgedrückter, gäbe es nicht nur weniger Verbrechen, sondern auch besseren Sex. Denn gerade weil der Übergang zwischen harmlosen und weniger harmlosen sexuellen Orientierungen und Wünschen oft so fließend ist, wäre ein (selbst)bewusster Umgang damit wünschenswert.
    .
    Nehmen wir den Fall Edathy, weil’s so schön passt (ich hab mehrfach dazu was geschrieben: http://blog.herold-binsack.eu/2014/12/der-nobody-und-die-dienste/). Nicht, dass seine sexuellen Wünsche auf legale Weise nicht erfüllbar sind/nicht erfüllbar sein sollten, ist das eigentliche Problem, ja nicht einmal, dass er solche Wünsche hat, denn diese führen jeden Psychotherapeuten schnell dorthin, wo dieser Mensch unendlich leidet, also in seine eigentlich lustlose Hölle, sondern, die Doppelmoral im Umgang damit. Die Instrumentalisierung, genau genommen. Während die Geheimdienste solche Gelüste benutzen, um diese Politiker erpressbar zu machen, ja die ganze Politik zu missbrauchen, also während das in der Politik ganz schmerzfrei behandelt wird, wird auf der offen rechten Seite dieses Thema aus denselbigen schmutzigen Absichten instrumentalisiert. Und ganz nebenbei läuft’s wie gehabt. Es wird medial skandalisiert, und so schnell wie möglich unter den Tisch gekehrt. Im Bett sind sie alle wieder zusammen – die Moralischen wie die Unmoralischen. Das England dieser Tage lässt grüßen.
    .
    Eine solche Gesellschaft vorausgesetzt, und nicht eben diese, die ich bevorzugen würde, erfordert einen klugen Umgang mit dem Thema Prostitution. Solange wir diese Gesellschaft haben – und für meinen Geschmack haben wir sie schon viel zu lange -, werden wir ohne die Huren nicht auskommen. Wer die Prostitution nicht will, muss den Kapitalismus bekämpfen. Doch wer die Prostitution bekämpft (heißt auch: die Prostituierten abfällig behandelt, oder sich über die Freier erhebt), statt den Kapitalismus zu kritisieren, macht sich in meinen Augen verdächtig.

  73. Wer die Prostitution nicht will, muss den Kapitalismus bekämpfen, 2. Versuch
    @Ross Dorn: Entschuldigen Sie, dass ich jetzt erst auf Ihre Frage eingehe (das war doch eine Frage?). Aber auch als Atheist kann man sich der Weihnachtsgeschäftigkeit nicht ganz entziehen. Obwohl ich gestehe, dass ich an solchen Tagen, nicht nur wegen des schlechten Wetters, lieber in die Sauna ginge (ich meine jetzt wirklich Sauna, nicht FFK-Club oder dgl., obwohl ich da keine Berührungsängste zu habe!)

    Nun zu Ihrer Frage: wie sollen Sie mich sehen? Ich weiß nicht, wie Sie mich überhaupt sehen. Ich selbst sehe mich da völlig bei mir. Wenn Sie da mal in meinem Blog etwas schmökern, sagen wir mal unter den Stichworten: Eros, Sex, Liebe, aber auch unter: Borderliner, Schwarzer, Brüderle, Pädophilie, Lolita…, werden Sie sehen, dass ich nicht nur viel zu dem „Schmuddelsandwich zwischen Prüderie und Pornographie“ (auch so Schlagworte) zu sagen habe, sondern irgendwie immer dasselbe. Aber ich sag’s mal ganz deutlich: Ich verurteile die Machtausübung gegenüber Dritten, ganz generell, ganz besonders gegenüber Schwächeren. Dennoch ist die Macht ein unverkennbarer Ausdruck unserer Gesellschaftlichkeit, und somit auch Teil des sog. erotischen Spiels (welche ja diese Gesellschaftlichkeit, wenn auch paradox zuweilen, abbildet). Doch schlimmer noch als Machtausübung, ist die Unterdrückung der Lust/der Machtgelüste u.U. Ich denke, dass leider allzu wenige sich ihres erotischen Themas bewusst sind/bewusst sein wollen, welches nämlich mit der Ambivalenz zwischen Macht und Ohnmacht spielt (im Idealfall!)

    Wäre das Bewusstsein in diesem Bereich ausgedrückter, gäbe es nicht nur weniger Verbrechen, sondern auch besseren Sex. Denn gerade weil der Übergang zwischen harmlosen und weniger harmlosen sexuellen Orientierungen und Wünschen oft so fließend ist, wäre ein (selbst)bewusster Umgang damit wünschenswert.

    Nehmen wir den Fall Edathy, weil’s so schön passt (ich hab mehrfach dazu was geschrieben: http://blog.herold-binsack.eu/2014/12/der-nobody-und-die-dienste/). Nicht, dass seine sexuellen Wünsche auf legale Weise nicht erfüllbar sind/nicht erfüllbar sein sollten, ist das eigentliche Problem, ja nicht einmal, dass er solche Wünsche hat, denn diese führen jeden Psychotherapeuten schnell dorthin, wo dieser Mensch unendlich leidet, also in seine eigentlich lustlose Hölle, sondern, die Doppelmoral im Umgang damit. Die Instrumentalisierung, genau genommen. Während die Geheimdienste solche Gelüste benutzen, um diese Politiker erpressbar zu machen, ja die ganze Politik zu missbrauchen, also während das in der Politik ganz schmerzfrei behandelt wird, wird auf der offen rechten Seite dieses Thema aus denselbigen schmutzigen Absichten instrumentalisiert. Und ganz nebenbei läuft’s wie gehabt. Es wird medial skandalisiert, und so schnell wie möglich unter den Tisch gekehrt. Im Bett sind sie alle wieder zusammen – die Moralischen wie die Unmoralischen. Das England dieser Tage lässt grüßen.

    Eine solche Gesellschaft vorausgesetzt, und nicht eben diese, die ich bevorzugen würde, erfordert einen klugen Umgang mit dem Thema Prostitution. Solange wir diese Gesellschaft haben – und für meinen Geschmack haben wir sie schon viel zu lange -, werden wir ohne die Huren nicht auskommen. Wer die Prostitution nicht will, muss den Kapitalismus bekämpfen. Doch wer die Prostitution bekämpft (heißt auch: die Prostituierten abfällig behandelt, oder sich über die Freier erhebt), statt den Kapitalismus zu kritisieren, macht sich in meinen Augen verdächtig.

  74. Glückliches Siam
    Glückliches Siam
    Zu Ihrer Diskussion würde ich gern mit einer Shortstory beitragen, die leider keine Weihnachtsgeschichte ist.

    Als er zurückkam, hatte sie zwar ihre Kleidung abgelegt, sich aber bis unter das Kinn in ihr Badetuch eingewickelt. Und so kam sie auch aus dem shower-room wieder.
    Hinnerk nahm sie in die Arme, küsste sie, langsam über ihren schönen Halsansatz, abwärts zu ihren kleinen festen Brüsten wandernd. Das Handtuch fiel zu Boden: horror reality.
    An der rechten Seite ihres wohlgeformten Körpers hatte sie eine flächige, mehrere Handteller große Brandnarbe, in gleicher Höhe am Ellenbogen, sich weiter flächenhaft zum Handgelenk hinziehend. Ein schmaler Narbenring verlief um ihr linkes Handwurzelgelenk. Sie gab sich gleichmütig, aber das war bei jeder Männerbekanntschaft sicherlich der kritische Moment. Beim Anblick dieser Male wird sie so mancher kraftlos verlassen haben. Aber auch ohne tiefe Brandnarben gibt es nicht nur schöne Menschen, die sich lieben.
    ‚‚Ein Motorradunfall, als ich zehn Jahre alt war‘‘, meinte sie erklären zu müssen.
    Das war es mit Sicherheit nicht. Auch in dem ärmsten Dorf Indochinas laufen zehnjährige Mädchen mit Hemdchen und Höschen bekleidet herum. Ein direkter Körperkontakt mit heißen Motorradteilen in diesem Ausmaß schien undenkbar. Er kannte Brandwunden, Unfälle mit siedendem Wasser oder Fett, vor allem im Kleinkindalter, im ländlichen Bereich, im Himalaja. Europäische Ärzte halfen in langwieriger Transplantationschirurgie in Nepal, in Pokhara und Kathmandu.
    Sein Ungeschick mit dem Kondom rief bei ihr ein Lächeln hervor. Sie nahm die Sache in die Hand und mit gekonntem Griff half sie ihm das Ding über.
    Er besuchte ein derartiges Etablissement zum ersten Mal. Alles war blitzsauber und gepflegt, aber das Ding mit dem glibberigen Ding war nicht sein Ding. Der Spiegel an der Decke, zu dem sie gern einmal emporschaute, irritierte ihn. Und immer wieder berührte er irgendwo ihre Narben. Sie ließen seine Gedanken abirren.
    Was mag in solch einem Mädchen vor sich gehen, das im Spiegelbild einen Mann beobachtete, der in sie eindrang, den sie nicht kannte, wahrscheinlich nicht mochte? Die Fragen stellten sich so bei einer Hure nicht, aber sie war keine ‚‚Kaulquappe‘‘ und wurde bei ihnen mit Sicherheit nicht einmal geduldet. Sie sagte zwar, dass sie aus Liebe mit ihm mitging und kein Geld wolle. Hinnerk spürte jedoch immer deutlicher, wie mechanisch, zwanghaft sie alles tat, was ein Mann in diesem Augenblick von ihr erwartete.
    Nein, er gab auf.
    „Why?“, fragte sie befremdet. „Why?“
    Er tat schuldhaft und zuckte die Schultern. Wie sollte er ihr vermitteln, dass Lieben für ihn auch in solch einer Situation mehr bedeutete, als das Herumlümmeln auf einer schönen jungen Frau?
    Auf dem Weg in das Hotel hatte sie ihm auf seine Frage erklärt, sie arbeite von morgens bis Mittag als Büglerin. Das war gut möglich und vertrug sich mit ihrer eigenen Kleidung. Viele der Mädchen wurden so ausgenutzt, arbeiteten schwer, um am Monatsende kaum die Miete ihres Apartments bezahlen zu können oder sich ein paar schicke Schuhe zu leisten. Dafür war die zweite Schicht erforderlich. In den Restaurants kleideten sich die Serviermädchen im Laufe des Abends um und griffen sich ihre Handtaschen. Nur passte sie nicht in das Schema, konnte sich nicht zu den ‚‚Kaulquappen‘‘ einreihen. Unter ihrer Kleidung wartete nicht die Verlockung begieriger Männerblicke.
    Sie wünschte sich von ihm kein Geld, nur ein bisschen Hilfe. Erst waren es die Schuhe, dann die Miete. Das wollte Hinnerk nicht. Es sollte ihr nicht noch schlechter gehen, als den anderen Mädchen. Er reagierte wohl männertypisch, wie vor ihm schon viele. Was durfte sie von dem Geld behalten? Wer war der Security-Bruder wirklich?
    Die Brandmarken zeigten eindeutig, dass man sie in gefesseltem Zustand malträtiert hat. Nicht die Füße, nicht die Hände, nicht das Gesicht, der Halsansatz, die Brüste. Was hatte sie für Schuld auf sich geladen, dass vertierte Menschen sie so zurichteten? Widersetzte sie sich fremdem Willen, solange sie die Kraft dafür besaß? Um nicht lebendigen Leibes geröstet zu werden, gab sie auf und fügte sich. Die Armfesseln wurden ihr nicht abgelöst, sondern abgebrannt. Ihre Peiniger richteten sie so zu, dass sie genau noch diese Nische bedienen konnte, wie sie es jetzt tat. Und aus Mitleid gaben ihr die Freier mehr, als es üblich war.
    Sie musste Geld verdienen. Männer, die wirklich allein waren, oder bei Macklops auf ihre shoppende Frau, Partnerin, Gefährtin warteten. Dann sollte es schnell gehen, sie brauchte sich nicht einmal völlig zu entkleiden. Offenbar war die Nummer, bei der der Security-Mann und das Hotel mitwirkten, nicht erfolglos. Sie verschwand im Menschengewühl der Sukhim Road und nahm ihr Geheimnis mit sich.
    Oh, glückliches Thailand, Siam, deine goldfarbenen Mäntel und T-Shirts! Doch das Glück ist real, es wirft Schatten.
    Aber in den heißen Mittagsstunden folgt man nicht verführerisch lächelnden hübschen Mädchen, um die Glut noch anzuheizen.

    Schöne Weihnachten!

    Bernard del Monaco

  75. weihnachtliche grüße an alle
    nach dem hier schon alles eingeschlafen ist noch ein witzchen zum wiedermunterwerden:

    wer angst vor der immobilienblase hat, sollte sich zunächst ein lebkuchenhäuschen zulegen, und das paßt doch grad eben zum morgigen feste bestens

    in diesem sinne ihnen allen beteiligten des angenehmen blogs besinnliche feiertage und viel energie fürs kommende jahr

  76. Werde ich von Ihnen zensiert, werter Don?
    Was ist denn mit meinem Beitrag: „Wer die Prostitution nicht will, muss den Kapitalismus bekämpfen“? Warum bekomme ich den nicht freigeschaltet?

  77. Einmal hätte genügt
    Na toll, danke, doch einmal hätte genügt!

  78. @externet
    nein ich lasse schon niemanden im dunkeln stehen habe gerade meine rechnung als weihnachtsrätsel im blog davor abgegeben

    wenn ich alle zutaten beisammen habe, dann gehts los mit der produktion und plötzlich geht ihnen ein licht auf das sie so nicht erwartet haben (dann erklärt sich auch warum soviele moslems hierher wollen)

  79. faith intellect wisdom
    faith believes that which it is told, because it wants to believe.

    intellect believes that which it understands, because it wants to attain understanding.

    wisdom believes that which is true, because it is true.

    wisdom doesn’t have to fit that which faith wishes to believe.
    neither does it await the approval of intellect to say: „this can be understood“.

    wisdom is a power of vision, the power to see „that which is“ without attempting to fit it into any mold. wisdom, therefore is“ the only channel by which one infinite G-d may enter.

    Tanya, chap. 35

  80. Titel eingeben
    Ich will soooooooooooooooooooogerna gerne mal im Bett oder in der dusche Sex haben nur ohne Kinder kriegen

  81. Pingback: Sex, Macht, Gewalt und Moral | Unrasiert.

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