Home
Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Klassenkampf mit dem Golfschläger

| 62 Lesermeinungen

Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“
Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte

Sie kennen das vermutlich von der Werbung, die Ihnen im Netz aufgezwungen wird: Sie haben Interesse an einem Sachverhalt, und irgendein Programm sucht dazu eine Botschaft aus, die zum Kaufe anregen soll. Das nennt man normalerweise kontextsensitiv oder auch kontextidiotisch, so wie mir heute Messer aus Solingen empfohlen wurden, als ich wegen einer Messerstecherei recherchierte: Einserseits habe ich schon Besteck aus drei Jahrhunderten im Übefluss, andererseits pflege ich damit auch nicht lebende Wesen zu malträtieren – ich bin Vegetarier, und um am Ufer des Tegernsees Bärlauch zu zupfen, reichen meine Hände aus.

Solche absurden Momente jedoch bietet die Werbung, die gemeinhin auf Massengeschmäcker zugeschnitten ist, auch im realen Leben, wenn sie auf nicht alltägliche Situationen trifft, und man kann das ja offen zugeben, dass eine Region wie der Tegernsee nur dann normal ist, wenn man dort lebt. Gemessen an den durchschnittlichen Zuständen in diesem Land sind die hiesigen Umstände ein gelebter Ausnahmezustand. Wir hatten gestern etwa Hausbesitzerverammlung, und dort wurde wegen einiger Zigarettenkippen debattiert. Lesen Sie bitte zum Realitätsabgleich Katrin Rönicke, dann verstehen Sie die Unterschiede. Aber wie es nun mal so ist: Unsere eigene Vorstellung der hiesigen Zustände und derjenigen, die man sich dank Werbung imaginiert, ist nochmal weitaus grösser als der Abstand von Berlin zum Leeberg. Nämlich so:

chancb

Die meisten Plakatwände haben wir im Tal ausgerottet und ich vermute, dass auch diese Tafel dereinst fallen wird, denn sie ist einer famosen Aussicht im Weg. Was wir darauf sehen, scheint bei der grossen Allgemeinheit zu wirken, denn tatsächlich versenken viele wider Wissenschaft und besseren Wissens ihre Groschen im Glücksspiel. Mit System. Nun. Was wir hier sehen, ist vermutlich eine Photomontage eines barocken Prunksaales mit Kronleuchtern, in dem jemand Golf spielt. Wer selbst mit Denkmalschutz zu tun hat, lernt mitunter die Leute kennen, die wirklich mit solchen Immobilien geschlagen sind. Aus dieser Erfahrung heraus weiss ich, dass sie schlichtweg nur froh sind, wenn dann erst mal alles sauber restauriert und frisch vergoldet ist, und sie ihren Besitz wegen geplünderter Konten nicht an die Chinesen und Russen verkaufen müssen. So etwas baute man früher, als die Mehrheit des Volkes noch tributpflichtig war und ein Zimmermädchen weniger als eine Tasse Schokolade kostete. Heute sind schon weitaus kleinere Objekte so teuer, dass sich die Besitzer mit Hochzeiten, Hotelflügeln und Restaurants herumschlagen müssen.

Und niemand – ich sage das aus der Erfahrung eines Menschen, der schon einige Kronleuchter gerettet und zu neuem Glanz gebracht hat – würde in so einem Raum einen Golfschläger in die Hand nehmen. Man bekommt bei kleineren venezianischen Lüstern schon einen Herzkaschperl, wenn Kinder sich darunter Stoffpuppen zuwerfen. Kein Mensch tut so etwas mit einem Golfschläger. Kein Mensch könnte sich so etwas bei uns leisten, ohne den Respekt seiner Mitmenschen zu verlieren. Man lernt im gehobenen Wohnumfeld sehr schnell, wie man sich zu verhalten hat, und zwar schon als Kind. Ich könnte nun in eine Debatte abdriften, warum zum Teufel Eltern heute meinen, dass eine Wohnung kindgerecht zu sein hat, wo wir doch an unseren Platz an der Sonne kamen, indem wir jedes Kind zur Schadensvermeidung wohnungsgerecht gezüchtet haben und zum Spielen halt in den Schlossgraben zu den anderen Schweinen schickten – Ludwig XIV. hat das ja auch nicht geschadet. Aber das heben wir uns für den Tag auf, da wir mal wieder über androkozotische – schreibt man das so? – Kindergärten und Eltern reden. Ich würde nun gern auf den Kontext zu sprechen kommen, in dem solche Phantasien gezeigt werden.

chanca

Das ist eines der teuersten Fleckerl dieses Landes, der Leeberg am Malerwinkel zwischen Tegernsee und Rottach. Die Menschen, die sich eventuell so ein Verhalten leisten könnten: Die leben hier. Manchmal. Die meisten leben nicht dauernd hier, das ist nur ein möglicher Wohnsitz unter mehreren. Man mag das vielleicht ungerecht finden, dass wenigen so Vieles und vielen gar nichts ausser eben Lotto vorbehalten ist, aber ich denke, dass der Vergleich zwischen der gelebten Realität und der Werbung doch einiges aussagt: Darüber, wie sich Reichtum äussert, und was die Gewinner im Lotto bestenfalls erwarten würde. Die Werbung lügt, das ist nicht neu, aber in diesem Fall diffamiert sie auch. Es gibt auch hier am See krasse Formen von Verschwendung, es gibt Fettabsauger und Kurpfuscher und ganzheitliche Medizin, es gibt Leute, die Falten hintertackern und andere, die das Elend dann teuer einkleiden. Aber das alles spielt sich letztlich hinter holzverkleideten Wänden und kleinen Fenstern mit grünen Läden ab, die Decken sind oft niedrig und für die Grandezza trifft man sich im Barocksaal des Schlosses, das nebenan steht. Ohne Golfschläger.

Nun wissen wir natürlich, dass die anderen niemals, egal wie viel sie im Lotto gewinnen, aus praktischen Erwägungen nie mit einem Schläger in den Saal kommen, sondern sich bestenfalls von einem Makler in Dubai leimen lassen könnten. Wir wissen, dass Luxus bedeutet, gesund genau hier zu sein und keinen Zwang zu empfinden, etwas tun zu müssen, Herr über die eigene Zeit zu sein und die Aussicht zu haben, dass es genau so bleiben wird. Sol lucet omnibus, sofern sie da sind und das geniessen können. Aber was mich hier in dieser ansonsten elysischen Empfindsamkeit durchaus stört, ist der Gedanke, dass andere wirklich solche schlägerschwingenden Vorstellungen haben könnten: „Wenn ich mal genug Kohle habe, dresche ich Bälle durchs barocke Anwesen, dass es nur so kracht.“ Es könnte doch sein, dass die wirklich so denken und nicht mit dem bescheidenen Ausblick zufrieden sind, den man an dieser Stelle still und demütig geniessen darf.

chancc

Ob deren Frauen dann, wenn man sie einlädt, auch aufpassen, dass sie ihre Pfennigabsätze nicht rücksichtslos in den Seidenteppich treiben, sondern bitte daneben stehen und dann bewegungslos auch die Abnutzung des Parketts verzichten? Weiss man, ob das Nymphenburger Porzellan, das man ihnen serviert, nicht schleunigst entsorgt werden würde, um mit spülmaschinenfester Gebrauchskeramik ersetzt zu werden? Wir haben es hier mit einer Gesellschaft zu tun, die das alte Herkommen und die Verantwortung vor der Geschichte nicht zu würdigen weiss: Über was redet man mit denen? Die eigene Familiengeschichte wird man ihnen wohl kaum anvertrauen wollen.

Früher unter Metternich hätte man den Armen schlichtweg keine derartigen Hoffnungen gemacht. Wer konnte schon wissen, ob er den nächsten Winter mit Typhus überlebt? Da hatten die Armen noch ganz andere Sorgen. Heute kommen sie hierher. Sie sehen in alten Villen ein Konzept von Reichtum, das es gibt und das sich als nachhaltig erwiesen hat, und eines, das einen auch mit Lottomillionen von Federn auf Stroh bringen wird. Das eine ist die Realität, in der sie keinen Platz haben, und das andere das, was sie finanzieren. Man muss sich das auch mal so vorstellen: Auf diesem Plakat wird der Nichtvermögende als Parvenü präsentiert. Es gäbe vermutlich einen Aufschrei, wenn unsereins diese Leute hier so diffamieren würde, es gäbe einen Brennpunkt, würden wir Geld für eine Plakataktion sammeln, die solche Vorurteile bundesweit perpetuiert.

Die Lottogesellschaft macht das einfach so mit dem Geld der Nichtbesitzenden, denen doch klar sein müsste, dass ihr Geld an vielen Orten landet – sie aber ganz sicher nicht als Kulturschädling mit Golfschläger in der Barockgalerie. So sind sie nur in unseren Vorurteilen, und kommen auch selbst dafür auf, dass sie darin genau so bleiben. Wir wollten hier nur brav und still in der Sonne liegen, und gar nicht an sie denken. Die haben angefangen. Wir sollten mal über Sondersteuern für Lottospieler reden.

24

62 Lesermeinungen

  1. Ein langer und amüsanter Artikel,
    um eine dumme Werbung dümmlich zu nennen.
    Das war ein angenehmer Zeitverdreib den Artikel zu lesen.

  2. Rennwett- und Lotteriegesetz
    Werter Don,

    nach der Rennwett- und Lottersteuer führt der brave Lottospieler bei einer inländischen Ausspielung 20% des Lospreises (netto) indirekt an den Staatssäckel ab. Das ist zwar nur Kleinvieh, aber das macht bekanntlich auch Mist. Insgesamt beläuft sich das ganze Aufkommen so an die 1,4 Mrd. €, das den Länderhaushalten zugute kommt.
    Auch wenn ich Ihnen recht gebe, dass Lotto und seine sonstigen Spielarten eher die ärmeren noch ärmer macht, tragen diese somit mehr zur Finanzierung des Gemeinwohls bei, als viele Ihrer Standesgenossen am Tegernsee. Insoweit müssen wir den Lottospielern dankbar sein und Sie könnten großzügig über die Werbetafel hinweg sehen.

    • Lieber Bladnoch 1971,

      das ist natürlich richtig, aber man wird sich doch wohl auch als Profiteur von der Dummheit der Leute auch über ihre Geschmacklosigkeit erregen dürfen.

  3. Die Sondersteuer für Lottospieler ...
    … ist doch gelebte Realität. Dazu muss man nur die Summe der Einzahlungen mit der Summe der Gewinne vergleichen. Dagegen verblasst der Spitzensteuersatz. Roulette zu spielen ist wahrscheinlich wesentlich profitabler; die Ausschüttungsquote liegt da näher an 1.

    • Ich komme in der Hinsicht aus einer biederen Familie, die i9n spielcasinos nicht zu finden ist. Nur in monte Carlo habe ich einmal gegessen. Einer der bayerischen Casinos liegt in Sichtweite, aber da war ich noch nie drin, obwohl ich schon so lange hier lebe.

  4. Lotto ist Hoffnung
    Lotto ist wie Religion: Ein kleines Fünkchen Hoffnung. 0,0000007% für den Volltreffer in den Kronleuchter. Natürlich tritt die erhoffte Besserung nie ein, aber bis zur Ziehung der Zahlen ermöglicht Lotto ein wenig zu träumen. Danach einfach den nächsten Tipp bezahlen und weiter träumen. Das gleiche Konzept wie der allsonntägliche Kirchgang.
    Lotto spielen nur alte Leute, eine Hoffnungsblase von gestern.
    Eine Lottofee, die ritualisierte Ziehung der Gewinnzahlen nach der Samstagsshow im Langeweiler-TV, Schnee von gestern. Abgeschafft.
    Ab ins Internet damit. Das diese Generation („Ich kann jetzt G**gle“) nicht versteht. Also sieht’s niemand, aber die Lottogesellschaft darf behaupten, klar gibt es das!
    Die Jungen haben sowieso kapiert, dass es beim Lotto nichts zu gewinnen gibt. Ein Opfer in der U-Bahn abziehen bringt mehr. Oder sich quasi-religiösen Ideologien mit Hoffnungspotential anschliessen. G**derstudi*s, Radi*alök*logie, Castingshows. Es ist für alle was zu finden. Oder „irgenwas mit Medien“ machen, vielleicht (Hoffnung!) wird daraus ja eine Riesenkarriere beim sogenannten Privatfernsehen, bei einem Internetvermarkter oder bei einer Hamburger Werbeagentur. Wenigstens machen die nicht Schrottwerbung fürs Lotto.
    Wer kassiert eigentlich die Standmiete für die Plakatwand auf diesem teuren Stück Deutschland? Die betagteren Ausflügler hoffen noch auf ein Leben in Seenähe. Wenn Lottowerbung, dann NUR an diesem Ort.

    • Die Jüngeren verprassen ihr Geld mit den mobilen Endgeräten, aber ich höre auch immer wieder von Spielsüchten, also sportwetten, oder aber auch Währungsspekulationen. Lotto hat demgegenüber den Vorteil, ass die Verluste begrenzt sind.

  5. Wie meine Oma selig immer sagte..
    Bua spui koa Lotto, des is nur Zusatzsteia für de bleden.

  6. Steuer?
    Die Staatliche Lotterieverwaltung in Bayern, die dieses Plakat hat ankleben lassen, ist eine Behörde, die dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen direkt unterstellt ist. Neben Zahlenlotto, Sportwetten und Rubbellosen betreibt Lotto Bayern auch die neun Spielbanken im Freistaat, in denen Spielfreudigen die Gelegenheit geboten wird, ihr Vermögen stilvoll per Roulette, Black Jack, Poker oder Spielautomat dem Finanzministerium zu übereignen. Wer nach Möglichkeiten sucht, sein Erspartes oder Geerbtes an die die öffentliche Hand zu transferieren, der ist also bei Lotto Bayern ohnehin gut aufgehoben.

    • Meine Meinung zu Herrn söder war noch nie eine gute, das möchte ich hier ausdrücklich festgehalten wissen.

    • Titel eingeben
      …und denken Sie nur an die Posten und Pöstchen, die so eine Lotterieverwaltung zu vergeben hat. Aufsichtsräte, Geschäftsführer, Direktoren, was da alles für verdiente (sic!) Parteikameraden – „Genossen“ nennen sich ja die anderen – abfällt. Und so kontrollfrei, weil man weiß, dass nur mit mildem Auge gewacht wird. Jedenfalls solange, wie es keine höherne Posten und Pöstchen zu verteilen gibt und der Dreck, der am Stecken klebt, keinen interessiert.

    • Und wenn die Lottoverwaltung...
      …dann doch einmal etwas schönes kauft, schließt sie es weg. Es sei denn, sie kommt in wirtschaftliche Enge. Oder war das eine Spielbank?

    • Mögen Sie Warhol / spricht er zu ihnen?
      Beim Blick in manche Gemäldesammlung der herrschenden Klasse frage ich mich, ob diese Bilder eigentlich zu den über den Ankauf oder Auftrag entscheidenden Angehörigen gesprochen haben, oder warum „man“ sie dann gekauft hat; die Frage stelle ich mir allerdings bei den Sammlungen der ehemals herrschenden Klasse seltener als bei der aktuellen.

      Ich stelle mir gerade einen duodezimalen absolutistischen Fürsten vor, der dem letzten Trend hinterherläuft. Es müsste ein zeitgenößischer Spaß gewesen sein, eine Satire dazu genau unter der Zensurschwelle durchzuschubsen.

  7. Kann man sich Bismark beim Golfspielen vorstellen? Niemals -
    ein Bismark machte Politik – und zwar nötigenfalls auch die gegen die Golfspieler.

    Und die obige Bildsprache mit dem Golfschwinger am Berg scheint eher nicht der Realität entnommen zu sein, unser alter Gastgeber verwechselte da was?, sondern sich in der Tat an den gehabten Möglichkeiten digitaler Jugenzimmerwelten zu orientieren.

    Und die gäbe es inwischen auch schon so lange, dass aus den Jugenzimmerspielern inzwischen Mitdreissiger – vierziger geworden wären. Und dann passte es ja wieder. Schließlich stünde die Gegend, die Mr. Don da anpreist, jetzt offensichtlich sehr stark zur generationen- und kapitalmässigen Verwertung an, nicht wahr?

    Wie auch schon das übersehen trockene Balkonverkleidungsholz zeigte, welches ganz allgm. nach seiner Frühjahrslasur schriee. Und nicht erst seid letztem Jahr. „Uns aber im Süden, im Zeit- u. Drittwohnsitz und so kurz vor dem persönlichen Heim, uns wäre das inzwischen sowieso alles längst egal.“

    Kann man sich Bismark beim Golfspielen vorstellen? Niemals – aber auch der überließ irgendwann die Verantwortung solchen, denen man geburtlich zu sehr am Arme gezerrt hatte – auf das sie weder reiten, noch schießen, noch golfen noch Frieden halten konnten.

    Noch ein bißchen Silber? Ja, wir sollten unsere PC-Spiele demnächst auch noch in Echtsilber-Folien verkaufen. Mit Warnung vor dem Kronleuchter.

    „Der Kauf und die fortdauernde Benutzung dieses edlen und überlegenen Computerspiels kann zu neureichem Besitz in Oberbayern führen. Darum heben Sie diese Einwickelfolie gut auf. Sie kann in 20 Jahren ggfls. gegen ein Stück Golfschläger getauscht werden. Ein kleines, silbernes Stück Golfschläger natürlich nur, mit zwei klitzekleinen Schräubchen einzulassen in die gravierte Schlagfläche.“

    Und wie so häufig in letzter Zeit steckt auch diesmal ein klitzekleines bißchen Trakl in unserem Bloggerdichter, Marx & Trakl passten ja schließlich „als Vor-Weltkrieger“ noch recht gut zusammen?

    „Über den weißen Weiher
    Sind die wilden Vögel fortgezogen.
    Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
    Und immer klingen die weißen Mauern der Stadt.“

    Und nur ganz ohne Plakate würde alles sehr schnell eben nur noch morbider? Also in der Tat wirklichkeitsnäher?

    Mit Stumpf und Stil ausreißen.

  8. Lotto ist - Spiel!
    „Lotto ist Hoffnung, Lotto ist wie Religion, Lotto ist Unsinn, Lotto ist für die Armen“

    Das aber alles richtig – und endlich doch auch nur „Anfängermeinung“? Nein, wer erwachsen wäre, „bei sich selbst angekommen und bildungsreich-kenntnisvoll anhand des eigenen, inzwischen auch erwachsenen, Nachwuches auch den erzieherischen Aufgaben und Anwandlungen des häuslichen Speisezimmers während gemeinsamer Mahlzeiten nicht abgeneigt gewesen wäre“, der wüsste – und hätte schon vermittelt: Lotto ist Spiel.

    Und alle, die es noch ernst nähmen, sollten üben, also sich sich selbst üben. So die gemeinsame Mahlzeit. Z.B. in dem sie, ganz im Sinnen des Begriffs „kognitive Verhaltenstherapie“, simpel und einfach gleich morgen früh gingen und „Lotto spielten“. Schon um den eigenen, ggfls. widersprüchlichen Gefühlen, nicht auch weiterhin vollständig auszuweichen.

    Kein Mensch von Format oder Stil oder Herkunft nähme soetwas ernst. Grad so wie Küssen vorm Schulhof oder hinter der Disco nicht. Aber mitspielen immerhin dürfte man auch schon mal gesollt haben … ?

    • Mag ja sein, dass es eim Spiel ist und als solches auch schon beim Adel Tradition hatte. Aber es geht ja auch speziell um das Bild, das da transportiert wird.

    • Titel eingeben
      Dessen schäme ich mich auch nicht.

      Sehr schön zum Thema ‚Zocken und Scheitern‘ ist übrigens immer noch ‚Barry Lyndon‘.

  9. Titel eingeben
    Danke für dieses Bonbon am Sonntag.
    Es ist schon eine grosse Leistung, sich den Ekel vor soviel dreister Reklamer-Dummbatzigkeit zu verkneifen, herzlichen Glückwunsch. Aber diese Aussichtverschmutzung ist nur Metapher für das traditionelle Verhältnis des Massendeutschen zu seiner eigenen Kultur, vom infernalischen Monetarismus der letzten Jahre noch zusätzlich legitimiert. Karl Kraus würde sicher zustimmen.
    Ich tippe auf Schönbrunn, denn der glückliche Gewinner-Preppie zielt auf eine Vase und weiter hinten auf die Musenstatuen.

    • Gut. für die Schluchtenossis könnte man mildende Umstände anerkennen.

      Warum sollte sich Lotto auch dem Stil der Bankster und Neoliberalalas verschliessen?

    • Titel eingeben
      Ja, warum nicht? Ich hab noch Ihre Bilder vom Bananenfresser beim WEF im Kopf, sowas spielt sicher auch Golf.
      Die Musen sind in der Albertina und nicht in Schönbrunn, sorry.

    • WEF ist nochmal ein anderes Kapitel, da war ja sogar die Frau des Massenmörders Assad, wir erinnern uns.

    • Titel eingeben
      Ach, was ist schon so ein bisschen Gattinnen-Charity gegen „Young Leader“ Saif al Islam Gadaffi?

  10. Titel eingeben
    Ein ehemaliger österreichischer Finanzminister hat ein Mal bei einer Casino Feier festgestellt: „Spieleinsätze sind jene öffentlichen Abgaben mit dem geringsten Steuerwiderstand“.

    • Und minimaler Steuervermeidungsquote. solange es legal ist-

    • Perfekt
      Besser und prägnanter als es ein Österreicher macht, kann es oft nicht formuliert werden. Da ist uns der „Schurli“ eindeutig voraus;)

  11. die feinde der offenen gesellschaft
    finden sich am besten im marx-zitat wieder…………..ja wenn wir alle an die macht der geschichte glauben, dieser anonymen, schicksalhaften geschichte, die ja auch helmut kohl heimsuchte, als ihr mantel durch den raum wehte……………….das vereint ja auch metternich, den blutigen reaktionär der „heiligen“ allianz mit hegel, marx und den ganzen noch blutigeren nachfolgern von metternich und von der „geschichte“ berufenen wie lenin, stalin, mao und hitler ……………..
    ja seltsam diese deutsche blut-und-boden- und geschichtsfügungsgläubkeit, wie konnte ein mann wie hegel vom blutmonster napoleon als dem „weltgeist zu pferde“ sprechen ?
    ja, der klassenkampf kann herbeigeredet werden, wenn die verelendungsthese von marx faktisch schon nicht eintrat, dann kann der deutsche neidkomplex sicher für die entsprechenden surrogate sorgen und mit dem abfackeln von pkw der oberen mittelklasse ist es ja erst der beginn oder dass es nicht opportun ist, mit einem anzug und krawatte durch bestimmte viertel zu laufen weil sich das gewaltmonopol auf die seite der pseudo-proletarier geschlagen hat. wer weiss, wann es golfplätze trifft, nach dem motto „friede den hüttten, krieg den palästen“ ???

  12. Titel eingeben
    Die zur Schau gestellte Dummheit ist nicht die des gewöhnlichen werktätigen Volkes, sondern die Dummheit derer, die sich Eurolotto ausgedacht haben und daran glänzend verdienen (u. a. unsere 16 Landeslottogesellschaften, geführt von überbezahlten, korrigiere: leistungsgerecht bezahlten und abgehalfterte, korrigiere: verdienstvollen Ex-Politikern). Und in den Köpfen dieser dumpfen Emporkömmlinge ist Golf „exclusiv“ und ein Abschlag gar in Adligengemächern sicher der Inbegriff des „Heute gönne ich mir mal ‚was“. So ungefähr das Niveau der Budapest-Puffgänger von der ERGO.

  13. You know what capitalism is? Getting f.cked!
    Ja, womit sollen die den sonst werben? Mit Don’s Millionärs-Lifestyle?
    Altbau in schlechter Lage, kein Automobil, nur uralte Fahrräder, nicht mal moderne Möbel kann er sich leisten. Kein Fleisch und jeden Tag 100 km auf einem Drahtesel durch die Berge. Die einzigen Frau die es bei ihm aushält, das ist eine „Despina“ aus dem Milieu.
    Gottchen, dafür würde doch kein Mensch jeden Samstag an der Tanke anstehen um seinen Schein auszufüllen. Man will es fett, man will es krachen lassen, man will Ferrari, Modells, Jacht, Jet, Party, Drogen, das volle Programm. Man will einmal auf dem Gipfel stehen.
    Nur diese Hoffnung bringt uns durch unsere Routine von Chefgeschrei, Frauengejammere, Kindergekreische, Kreditzahlung, Tatortglotzen, Stau, Stau, Stau, Chefg…
    Keiner will reich sein. Alle wollen frei sein. Und Freiheit kann man sich kaufen. Für einen Moment.
    Und dann ist man wieder arm und Sklave der Arbeit.
    So wie die Dons mit ihren Immobilien und Traditionen und langfristigen Anlagestrategien: Sklaven des Geldes.

    • ....
      Wollen Sie etwa behaupten, die vom Don eingeforderten Verhaltensweisen
      in hochherrschaftlichen Ballsälen sei das Gegenteil von Freiheit.

    • Natürlich gibt es ein Diktat des Benehmens.

    • Nunja,
      man muss schon zugeben, dass eine Gesellschaftsvorstellung,
      die sich über ihre Feinde definiert, gut ins Internetzeitalter zu Twitter&Co.
      passt.

      Ansonsten ist die Anmutung eher orientalisch.
      Hier die Gläubigen, dort die rechtlosen Ungläubigen.

    • Eigentlich ist das hier gar nicht so -es drängt sich hier halt auf diese Art hinein. Es gibt im Tal ja durchaus sowas wie einen Anpassugsdruck, und sei es nur das wetter, das einem ganz schnell erklärt, warum man besser Tracht trögt.

    • Ah, the good life
      Vielen Dank fuer ihren schoenen Kommentar Meister „Goodnight.“ Hat mir gefallen, Aeusserst passend. Auch ich liebe das Ferrri Grollen und all die andere kapitalistische Akoustics. Leider scheint es immer schwieriger „Kapitalist“ zu werden. Die laestigen Steuersammler schauen immer ueber die Schulter. Dazu hoer ich oft die grobe Bezeichung und Frage wenn man ueber Kapitalisten spricht „Wer ist nun der Fuckkor, und wer ist der Fuckee?“ Das soll einen Unterschied machen. Life has its moments !
      Pax vobiscum

  14. Titel eingeben
    Die Holzbohlen an den Balkonen müssen dringend gestrichen werden. Das wäre doch eine Aufgabe für Lotto spielendes Prekariat. Und das Plakat wirkt motivierend.

  15. Wehe, wenn sie losgelassen!
    Lieber Don,
    Sind Sie da doch nicht so sicher, dass „niemand die Absicht hat, im Spiegelsaal von Versailles Golf zu spielen!“ Den Barbaren hat die Pluenderung und Zerstoerung vieler Kulturschaetze Roms unter Alarich 410 sicher viel Spass gemacht! Die haben auch so etwas wie die Lotterie gewonnen :).
    Naeher an unserer Zeit haben die Bolschewiken in Moskau Kirchen zu Schwimmbaedern gemacht, und die DDR-ler das Berliner Stadtschloss, was zugegebenermassen schon in Truemmern lag, gesprengt. Und Mao’s Rote Garden waren mit sprichwoertlichem Feuereifer dabei, ueberall die alten Kulturschaetze Chinas zu zerstoeren. Nur dank Zhou Enlai, der die „Verbotene Stadt“ kurzerhand zuschliessen liess, ist sie der Zerstoerung in diesen dunklen Tagen entgangen. Und nach den Taliban ist heute die ISIS daran, jahrtausendealte Kulturschaetze mit grosser Zerstoerungswut zu vernichten.
    Auch Blockupy traue ich voll zu, mal so ein bayerisches Barockschluss in Schutt und Asche zu legen, es muss ja nicht immer nur eine Polizeiwache sein.

    • Ich bin ja schon länger für einen ordentlichen Graben und dahinter eine Mauer vor dem Tegernseer Tal, Ob wir die aber bei Waakirchen bauen oder bei Leipzig, muss ich mir noch überlegen.

      Aber natürlich würden die Mobs das hier nicht hegen und pflegen, sondern bestenfalls so runterkommen lassen, wie die DDR ihre Zeugnisse des Feudalismus.

  16. Titel eingeben
    Beruhigend zu wissen, daß Don Alphonso tatsächlich den nicht unerheblichen Zeitauwand für diese Bagatelle aufbringen kann.
    Als Begleitmusik sei empfohlen:
    „Wuth über den verlornen Groschen ausgetobt in einer Kaprize“

  17. Titel eingeben
    Schön hässlich. Irgendeiner verdient mit der Vermietung der Stellfläche aber auch ein paar Silberlinge; vermutlich ein nachhaltig Reicher.

    Die Zahlen für Eurolotto kenne ich nicht, die Rendite beim Lotto 6 aus 49 soll aber ähnlich sein, wie die der gesetzlichen Rentenversicherung: Leicht negativ. Der arme Normalspieler betreibt somit streng genommen eigentlich nur zusätzliche Altersvorsorge und hat über die Sondersteuern noch ein gutes Gefühl selbstbestimmt anderswo Gutes zu tun. Und gewinnen kann er ja auch noch.

    • Gutes, naja. Ich wüsste schon gerne, wer wie an diesen Gestaltungsauftrag gekommen ist und wen der kennen muss, um so etwas verkaufen zu können.

    • Agentur Serviceplan MUC
      Vermutlich war die verantwortliche Agentur Serviceplan, München.
      Zumindest war sie das noch noch 2012.

      Also vermutlich die Hassliebe der Münchner Gschpusieria, um den spießigen Tegernsee zu verschönern. Der Werberkindergarten unter Florian Haller.
      Bekokst auf Papas Kronleuchter ballern ist um Einiges lustiger als das billige Kickern am “ Restnachmittach“ nach 21:00 Uhr in der Agentur. Verständlich.


  18. Die Tafelmiete wird sicher zum Kauf der Farbe gebraucht, nachdem die aktuelle Generation das Farbgeld (ist schwarz eine Farbe?) mit ’sicheren‘ Anlagen des erwuerdigen Bankberaters verblasen hat.

  19. ...
    Sollte man das Wüten der globalen Mobs nicht auch unter
    ‚ schöpferischer Zerstörung‘ verbuchen um den Hautgout
    wegzubekommen?

  20. Kompliment!
    „Das eine ist die Realität, in der sie keinen Platz haben, und das andere das, was sie finanzieren.“ Ein schöner Satz; treffender könnte man die Entfremdung, die Marx mit dem oben Zitierten auch beschreiben hat wollen, nicht formulieren. Kompliment!

  21. Lieber Herr Binsack, es gibt kein zivilisiertes Leben ohne "Entfremdung",
    es gibt keine Einheit von Gedanken und Tat und es gibt so viele andere Dinge nicht, von denen Marx nichts schrieb (wie die heute gern beschworene, realiter nichtexistente, „Authentizität“). Und an der Diskrepanz zwischen Realität, der Wahrnehmung von Realität und der Distanz zu den eigenen Träumen von Realität arbeitet sich die Menschheit ab, seit es schriftliche Zeugnisse gibt :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  22. Pingback: Kompliment!

  23. HaHaHa
    Das Plakat ht m.E. schon subversive Qualität. Was Texter und Grafiker hier dem Auftraggeber untergejubelt haben, ist prinzipiell nichts anderes als eine 1.Mai Straßenschlacht vom schwarzen Block.

    • Kann man ...
      … so sehen. Ja.
      Obwohl dieses Plakat sicherlich eher unfreiwillig subversiv geraten ist.

      Das ist sogar noch lustiger, wenn die, die normalerweise den beflissenen Erfüllungsgehilfen geben, ihrem Auftraggeber ausversehen ein friendly fire basteln. Und der merkt es nicht einmal.
      Es ist alles eitel. Man sage jetzt nichts …, Sternstunden der Werbung …

  24. "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert..."
    Danke, Herr Haupts, für diese Belehrung. Ich wusste noch nicht, dass Sie ein Fachmann für marxistische Dialektik, bzw.des dialektischen und historischen Materialismus‘ sind. Da ich mich selber nur als Schüler der marxistischen Philosophie verstehe, verweise ich auf die beste und zugleich kürzeste Darstellung, diesbezüglich, und kopiere Sie hierher:
    Karl Marx

    Thesen über Feuerbach
    Dies ist der ursprüngliche 1845 von Marx geschriebene Text
    Hier findet sich die von Engels 1888 als Anhang zu „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der deutschen Philosophie“ publizierte Fassung

    ——————————————————————————–

    1

    Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus vom dem Idealismus – der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt – entwickelt. Feuerbach will sinnliche – von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im „Wesen des Christenthums“ nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig-jüdischen Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der „revolutionären“, der „praktisch-kritischen“ Tätigkeit.

    2

    Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, i.e. die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens – das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage.

    3

    Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren.

    Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

    4

    Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse und eine weltliche Welt. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Aber daß die weltliche Grundlage sich von sich selbst abhebt und sich ein selbständiges Reich in den Wolken fixiert, ist nur aus der Selbstzerrissenheit und Sichselbstwidersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären. Diese selbst muß also in isch selbst sowohl in ihrem Widerspruch verstanden als praktisch revolutioniert werden. Also nachdem z.B. die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch und praktisch vernichtet werden.

    5

    Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, will die Anschauung; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.

    6

    Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.

    Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht eingeht, ist daher gezwungen:

    1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das religiöse Gemüt für sich zu fixieren, und ein abstrakt – isoliert – menschliches Individuum vorauszusetzen;

    2. Das Wesen kann daher nur als „Gattung“, als innere, stumme, die vielen Individuen natürlich verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.

    7

    Feuerbach sieht daher nicht, daß das „religiöse Gemüt“ selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.

    8

    Alles gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizism[us] veranlassen, finden ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im Begreifen dieser Praxis.

    9

    Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt, d.h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft.

    10

    Der Standpunkt des alten Materialismus ist die bürgerliche Gesellschaft; der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft, oder die gesellschaftliche Menschheit.

    11

    Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.

    ——————————————————————————–

    Geschrieben im Frühjahr 1845.
    Nach der Veröffentlichung des
    Marx-Engels-Lenin-Instituts,
    Moskau, 1932.
    http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_005.htm, letzter Zugriff: 24.0.2015

  25. Pingback: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert …“

  26. Der Don
    wie er leibt und lebt, danke für diesen Artikel.

  27. Nee, Don
    Ich halte es für etwas unglücklich, eine überdrehte Idee eines womöglich zugekoksten Werbers ausgerechnet zur Wunschvorstellung prekärer bzw. „nichtbesitzender“ Massen zu imaginieren.

    Aus einer vereinzelten, besonders drastisch geratenen Werbung ausgerechnet auf den „Massengeschmack“ zu schließen, halte ich doch für ausgesprochen gewagt. Genauso gut könnte man aus einer besonderes misratenen politischen Hetzkampagne der BILD-Zeitung auf die „Massenmeinung“ schließen.

    Ganz ehrlich? Ich kenne ganz sicher niemanden, der gerne mal mit dem Golfball durch Barocksäle heizen wollte – und kann mir, ganz unabhängig von der sozialen Herkunft, auch keinen derartigen Menschen denken.

    Mit Ausnahme sehr weniger zugekokster Werber. Das sei zugegeben.
    ;-)

  28. Lotto ist...
    Lotto ist das Casino der kleinen Leute. Bzw. der Ersatz für umfassende Börsen-, Rohstoff,-, Silber- oder Immobilienspekulationen.

    Man mag das sehr für geschmacklos halten. Wenn es einen dazu drängt.

  29. Schöne Beobachtung
    Lieber Don Alfonso,

    leider fehlte mir das Hintergrundwissen als Rentier oder als Restaurator oder als Lottogewinner/-spieler, um die Dämlichkeit dieses Plakats zu erkennen. Umso dankbarer bin ich als Banause für diese feine und zutreffende Entlarvung.
    Allerdings gebe ich meine Zugehörigkeit zum Banausentum nur deshalb so umunwunden zu, weil ich meine, in meiner Heimatstadt heute ein Werbeplakat entdeckt zu haben, das dem in ihrer Region vorzufindenden an Dämlichkeit und Geschichtsvandalismus keineswegs nachsteht. Ich würde es Ihnen gerne zukommen lassen, weil mich zu sehr interessieren würde, was Ihnen dazu einfällt.

    Herzliche Grüße aus Darmstadt

  30. Titel eingeben
    Wenn ich diese golfspielende Wurst so sehe, fällt mir nur ein:

    Nie fühlt sich das Schwein so fremd, wie in des Bauern Oberhemd.

  31. Zensur?
    Hallo Don Alphonso, warum wird mein Beitrag von gestern nicht freigeschaltet? – Stichwort: Marxens Thesen zu Feuerbach.

  32. Pingback: Aussterben gehört dazu, aber reich sollte man dabei sein | Stützen der Gesellschaft

Kommentare sind deaktiviert.