Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Pflegenotstand als soziologisch faire Angelegenheit

| 81 Lesermeinungen

Bete nicht um eine geringere Last, sondern um einen stärkeren Rücken.
Theresa von Avila

Machen wir ein kleines Experiment.

Gehen Sie in die Küche, öffnen Sie einen Schrank, mehmen Sie ein handelsüblich verschlossenes Glas mit Kompott oder Marmelade, und öffnen Sie es. Mit einer Hand.

Nun?

Ich liebe Marmelade, ich brauche sie als Brennstoff beim Schreiben, ich mache das dauernd. Mit zwei Händen. Weil es mit einer Hand nicht möglich ist. Noch nicht mal mein eigenes, verpfuscht eingekochtes Marillenkompott bekomme ich auf, oder eine handelslübliche Dose, oder eine Flasche Saft. Mit einer Hand ist das technisch nicht möglich. Auch Espresso kann man nicht kochen. Aber es ist ja nur ein Versuch. Vorerst.

fascha

Aber Sie wissen jetzt, wie hilflos man sich mit einer Hand fühlt. Und nun stellen Sie sich vor, Sie erleben das gleiche, wenn ihr Partner ein Pflegefall ist. Demenz, Krebs, Immobilität, was auch immer. Er ist auf Sie angewiesen, und Sie tun, weil Sie ihn lieben, natürlich alles. Sie tragen diese Last ohne Klagen, weil Sie das Beste für diesen anderen Menschen wollen, und weil man das in konservativ-besseren Kreisen halt so macht. In guten wie in schlechten Tagen. Aber dann passiert Ihnen etwas. Sie sind nicht mehr ganz jung, und der Arm bricht. Und jetzt haben sie nur noch einen Arm zur Verfügung und müssten den Menschen, den Sie lieben, mit Kompott aus dem Glas füttern. Das Sie mit einer Hand aber nicht öffnen können. Sie bekommen dieses eine Glas nicht auf, weil es eben diesen Unfall gab. Das passiert jedes Jahr ein paar tausend Mal und wirft dann pflegende Verwandte aus dem Gefecht gegen die Krankheit, aus der Sorge für den Menschen, den sie lieben und gepflegt haben.

Ich erzähle das hier nicht theoretisch, denn genau das ist in meinem Umfeld passiert. Das ist auch mit Villa und Geld keine schöne Situation, sondern im ersten Moment zum Verzweifeln – da muss eine Operation sein, jemand muss die Pflege während dieser Zeit komplett übernehmen und danach auch sehr viel tun. Es muss immer jemand da sein, denn wenn der andere stürzen sollte, kann man ihn mit dem einen Arm auch nicht aufheben. Natürlich könnte man ihn ins Heim stecken, aber bekommen Sie mal auf die Schnelle einen Platz im Heim. Und wissen Sie, ob der Partner dort gut verpflegt wird? Ob man ihn dann nicht gleich behält? Das sind alles so Fragen, die in meinem Umfeld zum Glück schnell geklärt sind. Man holt sich eine Haushälter_in. Die kostet im Monat ein paar tausend Euro und ist dann rund um die Uhr da und verfügbar, und das ist auch notwendig: Es dauert nämlich ziemlich lang, bis man mit so einem gebrochenen Arm wieder ein Glas mit Kompott aufmachen kann. Die Unterbringung der Haushaltshilfe ist kein Problem, es gibt ja eine Einliegerwohnung in der Villa. Es ist nicht ganz billig, aber so kommt man auch über diese zehn schweren Wochen hinweg. Bei uns.

faschb

Nur: Haben Sie gerade eine Villa zur Verfügung, mit Wohnung für Personal, zehntausend Euro mal eben so, und die nötigen Kontakte, um so eine Lösung so kurzfristig vor einer Operation zu ermöglichen? Nach meiner bescheidenen Kenntnis der Lebensumstände weniger begüterter Schichten ist das nicht wirklich so, und in diesem Fall, so habe ich damals gelernt, bleibt dann eben nur das auch nicht billige Heim für den Pflegefall, so nennt man das im Amtsdeutschen, übrig. Bei Leuten mit kaputten Hüften mag das gehen, Menschen mit Alzheimer leiden da aber unter der unbekannten Umgebung, stürzen dort oft psychisch ab. Niemand geht gern da hin und verliert den Menschen, den er liebt, und sei es auch nur für zehn Wochen. Solange kriegt man kein Glas auf. Und es gibt auch viele Leute, die sich nicht zehn Wochen jeden Tag das Essen kommen lassen können. Aber was soll man tun? Man kann eine Haushaltshilfe nicht herzaubern und in den Schrank stecken, wenn man sie nicht mehr braucht. Es sei denn, es gäbe eine technische Lösung. Sie dürfen mir das glauben: In so einer Lage würden Sie sehr, sehr viel Dankbarkeit für die Menschen empfinden, die in Karlsruhe den Armar-Roboter entwickeln.

Diese elektronische Haushaltshilfe ist noch nicht fertig, aber ich kenne einen Professor aus Zürich, der mir vor zehn Jahren erzählte, dass sie Mitte der 90er Jahre eine autonome Drohne entwickeln wollten, die selbsttätig nachschauen konnte, ob ein Stockwerk tiefer der Kaffee fertig ist. Damals wäre das Ding so teuer wie ein Luxusauto geworden. Vor zehn Jahren konnte man solche Geräte schon im Bastler-Fachhandel erwerben, und heute ist das ein Kinderspielzeug. Ich glaube, dass es mit dem Küchenroboter ähnlich sein wird, und das war beim Kühlschrank und bei der Espressomaschine auch nicht anders: Diese Geräte werden kleiner, leichter, billiger und effizienter. Solange der Roboter in Karlsruhe entwickelt wird, habe ich keine Sorge. Ich glaube, das kann gut werden und sehr vielen Menschen, die viel Liebe und wenig Geld haben, helfen, auch schwere Zeiten besser zu durchstehen, als sie es heute tun müssen. Es sei denn, eine gewisse Berliner Professorin bekommt ihren Willen. Und man kann leider nie wissen, was für ein Politiker dieser Frau ein Ohr leiht, wenn sie meint, wir sollten uns doch besser um die Probleme der Dritten Welt beim Kochen kümmern, statt solche in ihren Augen lächerlichen Geräte zu entwickeln, denn in der Dritten Welt sterben Menschen durch unzureichende Kochgelegenheiten.

faschc

Sehen Sie, normalerweise ist es ja mein Job hier zu erklären, warum es moralisch gut und ethisch richtig ist, wenn ich am Tegernsee faulenze und Sie arbeiten gehen. Das ist nicht wirklich nett, und ich muss mich da mitunter schon verrenken, aber ich bin wenigstens so ehrlich, meine Privilegien toll zu finden. Und ich stehe fast immer nicht dafür ein, anderen absichtlich Chancen und Hilfen zu verbauen. Die Professorin, die genau das tut, ist ganz anders. Sie trinkt, das weiss ich aus ihrem früheren Beitrag, Fair-Trade-Espresso aus ihrer Sivlia-Maschine. Espresso ist Kaffee, und Kaffee wiederum fällt nicht als Manna vom Himmel der Gendergöttinnen, sondern wird in grossen Monokulturen angebaut, die Mensch und Tier den Lebensraum nehmen. Wenn da irgendwo eine faire Kaffeeplantage in den Urwald geholzt wird, ist da nichts mehr, was die Menschen noch normal beim Kochen verbrennen könnten. Dann kochen sie halt zwangsweise mit dem Müll, den sie finden, werden krank und sterben. Eine sozial bewegte Soziologin könnte auch selbstgezupften Brennesseltee oder Wasser aus der Spree trinken, das würde ihren ökologischen Fussabdruck verkleinern, aber sie mag eben lieber den Espresso aus ihrer Silvia-Maschine – sofern sie die noch nicht den Besetzern de Gerhart-Hauptmann-Schule geschenkt hat, deren Einlassungen sie so fleissig bei Twitter verbreitet. Wie auch immer: Sie will keine Küchenroboter, sie hält das für übertriebenen Schnickschnack und die Argumente, dass es eine echte Zielgruppe dafür gibt, dass wir alle nicht jünger und gerade die radikalen Feministinnen und Feministen unter uns dabei meist auch arm und einsam werden, ziehen nicht.

Mir kann es wirklich, wirklich egal sein. Es ist nun mal bei uns so, dass es für solche Zwecke Personal gibt. Bei uns am Tegernsee sind sogar die Heime toll, und Berlin ist weit weg – man hört nur manchmal etwas über die Heime, die sind dort in etwa so wie die Schulen. Natürlich sind die Bedingungen dort noch etwas besser als in Afrika. Aber auch dort sind die Gründe dafür nicht monokausal und bei uns zu suchen, und niemand sollte sich schämen oder beschämt werden, wenn er sinnvolle Lösungen für uns entwickelt. Die sind auch nicht schuldiger als die Soziologin, deren Silvia im Messing-Brühboiler vielleicht auch Buntmetalle enthält, die in Sambia unter übelsten Bedingungen gefördert werden. Aber solche Geschichten stören Feministinnen wohl eher nicht, in den Minen krepieren ja nur Männer.

faschd

Ich wünsche, obwohl linke Soziologen beim Blick in meine Gemäldesammlung regelmässig Magengeschwüre bekommen, keinem etwas Schlechtes, das habe ich nicht nötig und das wäre auch nicht nett. Mir reicht es, wenn es mir gut geht, und wenn andere voran kommen und ein besseres Leben haben, habe ich nichts dagegen. Es kann gut sein, dass solche Roboter helfen, später die Gesellschaft zu entlasten, und vielen Ärmeren das Pflegenotstandsheim auf lange Zeit ersparen. Ich lebe gut in meinen Wohnungen, ich würde nicht mit einem Heim tauschen wollen und später, wenn es sein muss, auch einen elektronischen Helfer anstellen, mit Schürze, Häubchen, Minirock, mit Charakter und der Figur von Gina Lollobrigida und dem Hirn von Josefine Mutzenbacher. Der Soziologe aber checkt diese Privilegien und will, dass wir solche Probleme von den Marginalisierten her angehen und uns besser darum kümmern, dass die erst mal weiter kommen. Man sagt heute, wenn man nicht zynisch, sondern privilegiert und mit Fair Trade Espresso auch ein wenig schwarz-marginalisiert-helfend sein will, zu den eigenen Armen und Bedürftigen nicht mehr „Hunde, wollt ihr ewig leben.“ Man erhebt sich moralisch und hat ein Herz für arme, weit, weit entfernte Frauen am Herd, bis dann der Espresso fertig ist.

Also, denken Sie daran, wenn Sie mit einem gebrochenen Arm in der Küche stehen, die Dose nicht aufgeht und ihr pflegebedürftiger Partner nebenan Hunger hat. Das ist nicht schön, aber angesichts des Elends in der Dritten Welt soziologisch durchaus vertretbar.

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81 Lesermeinungen

  1. Danke Don. Die von keinerlei Ahnung getrübte Verachtung derjenigen,
    die zusammen unser aller Leben massiver und positiver beeinflusst haben, als es Politologen oder Soziologen je vermögen werden, war schon immer schwer erträglich.

    Wird diese Verachtung – wie im konkreten Fall bei 10vor8 – begleitet von der aktiven Weigerung, sich selber wenigstens ein bisschen kundig zu machen (es gibt mehrere Varianten afrikatauglicher und energieeffizienter Kochgelegenheiten), hat man jene „Wissenschaft“, deren Qualifizierung als Gendertröterei vermutlich doch wahr ist. Ausweislich ihres Spitzenpersonals.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Gern geschehen, Ostern ist ja die Zeit der Fuswaschungen und wenn dabei auch ein paar hühneraugen geleert werden, kann man wohl nicht ernsthaft ablehnen. Ich habe übrigens extra recherchiert: vor hundert Jahren hat sich noch keine suffragette gegen die Entwicklung von Medikamenten oder Krankenwagen ausgesprochen, weil die Wilden in Afrika doch ganz andere Probleme haben. Da muss man sich nicht wundern, wenn ihre moderne Nachfolgerin weniger akzeptanz mit ihren Forderungen findet. aber was so jemand ausgerechnet an einer TU verloren hat, verstehe ich wirklich nicht.

    • Ja, der Beitrag, wo ich der Frau Soziologin vorwarf, keine 5 Minuten recherchiert
      zu haben, wurde auch prompt nicht freigeschaltet. Wissenschaft geht anders.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Das ist typisch und sollte niemanden verwundern: community Management System Mielke.

  2. Pingback: Moralisches Fingerhakeln | Dierk Schaefers Blog

  3. nächstenliebe
    der Artikel spricht mir aus dem herzen. manche, vor allem in den Kirchen, überengagieren sich in die ferne, wo sie gar nicht genau wissen, was die leute dort wollen und brauchen (bestimmt brauchen sie nicht so viel Bildung, wie immer angenommen, frühphasen der Industrialisierung brauchen eher dequalifizierung). die dauerengagierten vergessen darüber die um die ecke, wo sie genau wissen, was die brauchen, manchmal vergessen sie sogar die eigene familie. Nächstenliebe ist die liebe für die nächsten. das kann man bibelkritisch nicht wegreden.

    • Was ich über eine befreundete Entwicklugshelferin so mitbekommen habe, ist da gerade eh einiges im Umbruch: gerade in Afrika ist gerade China sehr stak engagiert, gerade weil deren System besser zu dem passt, was man da an Strukturen vorfindet. Man kan jetzt darüber streiten, ob die europäischen Kriterien an Nachhaltigkeit und Korruptionsfreiheit wirklich zielführend sind, aber hier geht es ja gar nicht um Afrika: die betreffende Professorin sitzt weiterhin in ihrem Büro Es geht darum, Menschen hier und jtzt Schulgefühle mitzugeben und sich selbst als bewusster hinzustellen, selbst wenn in der Praxis keinerlei Unterschied zu erkennen ist. Und dann eben noch in einem Bereich, er wirklich sinnvoll sein kann, und da dann noch ihre Genderideologie dranzupappen.

  4. Nullsumme oder Nulldenke
    Die im Text erwähnte Frau Harke wird nicht alleine sein, in mangelnder Durchdringung wirtschaftlicher Zusammenhänge.
    Die Lump-of-Labor-Fallacy ist weit verbreitet und der Gedanke einer gegebenen Menge Glück, Nahrung oder Liebespartner die gerecht und fair verteilt werden müßten, leider auch.
    Der Tortenesser nimmt niemanden Brot weg. Der Konditor nimmt dem Bäcker nichts weg. Der Bäcker kauft sogar das Mehl und die Sahne günstiger, wenn das Lieferauto auch den Konditor anfahren kann. Mit mehr Geschäften am Ort gibt es eventuell auch Raum für einen Gastwirt und für einen Zahnarzt und …. das Dorf bleibt lebendig. Aus Sicht des Arztes oder Konditors könnte der Konsum des „Privatpatienten“ genau die Kröten bringen, die zum Offenhalten benötigt werden.
    Beim Fliegen kann dies jeder sehen: Ohne Vollzahler in der Maschine gibts weniger Flugangebote.

    Was ich der Frau Hark sehr übelnehme und hier nochmals anprangern möchte, ist ihre whitesupremacy ableistische Haltung. Drei Milliarden nichtweiße Menschen seien sozial und technisch nicht in der Lage, Herde und Brennholz zu organisieren! Sie seien dazu auf den weißen Mann angewiesen. Auf Geld, KnowHow, Distribution und Wartung aus EuropaUsa.
    Ja sowas von OnkelTomismus!

    • Am Schönsten ist das beim Vermieten:

      „Bäh, die Badewanne ist total siffig, ich will ein neues Bad.“
      „Gerne, ich würde die Miete dann aber moderat erhöhen, um 40 Euro“
      „AUSBEUTER“

      Das Problem ist eigentlich schon die unkritische Übernahme so einer Studie. Allein aufgrund der Datenerhebung in solchen Ländern ist das alleinfalls eine vorsichtige Hochrechnung, und wie man Erkrankugen dann noch auf einzelne Faktoren zurückführt, ist ebenso komplex. Darauf würde ich mit sicherheit keine Weltsicht entwickeln, zumal es auch ganz verschiedene Ursachen haben kann. Urwaldzerstörung kann es auf der einen Seite seim, Überbevölkerung auf der anderen – sich dann hinzustellen und BÄM eine Sichtweise zu präsentieren, ist schon arg einschichtig.

      Hätte ich von einer Professorin einer TU auch nicht erwartet, aber ich bin ja auch dafür, dass wir Berlin an die russen abtreten unter der Bedingung, dass die keinen mehr rauslassen.

  5. das Klatschen der einen Hand
    Also ich hab noch immer alles aufgekriegt – auch mit einer Hand;
    lag vielleicht daran dass ich erst studierte als, hm, lassen wir das….
    Hängt auch immer davon ab wie wichtig es ist, das Aufkkriegen; sagen wir: eine verkorkte Weinflasche ohne Korkenzieher, oder die Verpackung einer Pâte Normande, ohne Messer;
    und nicht immer möchte man Bedienstete dabei haben, Bedienstete tratschen, habem keine Lust, schauen fern, hören nicht wenn man sie braucht, na ja.

    • Ja, wenn man jung ist – aber über 70? Da habe ich meine deutlichen Zweifel. Und darum geht es doch: Nicht Leistungen für die entwickeln, die es können, sondern für die, die es nicht mehr können.

      Bedienstete muss man eben erziehen. Man arf sie zwar seit hundert Jahren nicht mehr schlagen, aber ökonomisch geht das.

  6. Nett
    Spricht alles summa summarum für die Großfamilie.
    Eher weniger für das Roboterchen. Welches auch seine Berechtigung hat, gewiss.

    Meine Patin hat jahrelang zuhause meine Großmutter (Demenz) gepflegt.

    Hat die Patin sich die Hand gebrochen/verletzt, war im Haushalt immer noch ihre Schwester da. Und noch eine Schwester. Wohnten da. (Und nu aane, die nur 4 km weiter weg wohnte.)

    Andersrum: Bei all den Single-Haushalten oder den Winzfamilien heutzutage (kein mordsreicher Mann, ein Kind, dazuverdienen müssen) ist es doch bereits als Wunder zu betrachten, wenn die Dinge im „normalen“ Alltag halbwegs hinhauen. Allein schon das Minidrama „Kind krank, Ehemann auch krank und Urlaub, um beide zu versorgen“ nicht genehmigt. Geld für Nanny/Haushälterin selbstredend auch nicht da.

    Zurück zum Pflegefall „Älterer Mensch“ und „Hand gebrochen“:
    Die Krankenkassen stellen einem Pflegenden, der für eine Zeit ausfällt, durchaus eine ambulante Pflegeperson als Ersatz zur Verfügung. Wie es dann aber nachts ausschaut, wenn die nicht da ist, keine Ahnung. Das muss verbessert werden, denn ein Kurzfrist-Pflegeplatz im Heim ist teuerer als eine 24 h – Kraft. Schlafmöglichkeit für vier oder zehn Wochen in Form eines zusätzlich aufgebauten Gästebetts, das dürfte doch möglich sein, ohne eine Suite in Weißgold anbauen zu müssen.
    (Immer des Gschieß mit der Villa, frei nach dem Monaco Franze)

    • Ersetze „Grossfamile“ durch „Verantwortungsbewusste Kinder“, dann geht das auch. Man muss sich halt mot den Beschränkungen abfinden. In der Singlezukunft jedoch wird das bitter, gerade mit en verzogenen, verantwortungslosen Bratzen der Gegenwart.

      Ja, ambulante Pflege. Die ist dann aber auch nicht 24 Stunden am Tag da und es gibt dann immer noch tausende von Dingen, die nicht gehen. Wie kmmt man zum einkaufen? Was ist, wenn der zu Pflegende umkippt? Ich kann wirklich nur jedem ratenm, mal einen Tag nur einen Arm zu haben. Danach versteht man das alles besser. Ambulante Pflege hilft, aber es bleiben genug andere Sorgen.

  7. Titel eingeben
    An Afrika interessieren China genau drei Dinge: Zuvörderst Rohstoffe, dann def Absatzmarkt und schliesslich Macht und Einfluss auf einem Kontinent, dessen wesentliche Funktion für die übrigem Mächte bislang darin bestand, Fussbalfeld für Stellvertreterkriege zu sein. Das war in der Endphase des Kolonialismus und der daran anschliessenden Jahre deutlich (Stichwort Biafra, wo China zumindest mit Waffenlieferungen auch schon mitmischte, oder Angola) und gilt eigentlich bis heute. Nur baut China jetzt eben Strassen, oder eine Erzmine, oder ein Kraftwerk.

    Der angesprochene Beitrag war auch sonst dumm: welches Feuer etwa keinen Feinstaub oder nicht so verträgliche Gase entstehen lässt, muss ich wohl erst lernen. Und, selbstverständlich getrockneter, Kuhdung ist seit jahrtausenden ein hervorragender und nachhaltiger Brennstoff, für den es in Savannen- und Wüstenrandgebieten, in der Wüste sowieso, keinen Ersatz gibt. Mit Espresso-Kaffeesatz kommt man jedenfalls im Sahel nicht weit, wenn die Bohnen gekocht werden sollen. Die Wiederholung meines an anderer Stelle bereits abgesonderten Und mir hier wieder auf der Zunge liegenden Rants, dass es v.a. in Afrika ein stark hausgemachtes Verteilungsproblem gibt, erspare ich den Anwesenden. Nur so viel: es liegt nicht daran, dass aufgrund ihres Geschlechts schön per so böse und natürlich weisse und alte Männer mittels Küchenrobotern den perfiden Plan einer fortdauernden Versklavung weiblicher Afrikanerinnen umsetzen.

    Den Luxus, sich über Ihr oben beschriebenes Marmeladen- und Konservendosenproblem kraft gender-somethin holier-than-thou-Rethorik erhaben zu fühlen, werden sich durchaus immer weniger erlauben können. Die Alterspyramide ist längst ein Alterspilz und die damit einhergehenden Alltagsprobleme werden in den nächsten 10, 15 Jahren breitflächig real. Vielleicht ein Anlass, weniger mittels crowdfunding in zukünftigen Konsum, sondern mehr mittels wertpapieren und ggfs. auch crowdinvesting in den Martkt rund um die Geriatrie zu investieren.

    • Ich werde mal meine Entwicklungshelferin, die gerade schöne einblicke in konkrete Projekte hat, einmal bitten, etwas über das Thema differenziert zu schreiben. Dann hat das vielleicht doch einen guten Zweck.

      Bei der Autorin habe ich jetzt mal geschaut, was man da so verdient – mein Gefühl sagt mir, dass sie später nicht zwingend zu denen gehören wird, die im alter wirklich gut dastehen. Und so eine Pflege“versicherung“ frisst recht schnell alle Rücklagen auf. Kann also sein, dass sie auch für sich selbst reihlich kurz denkt, und Queerfeminismus ist nach meiner Beobachtung jetzt keine Flauschfamilie sondern eher etwas doktrinär. Nichts, wovon man im Alter abhängig sein will.

    • Titel eingeben
      Ich hab da so eine Ahnung, wen Sie im Sinn haben, und ja, bitte unbedingt fragen und notfalls mit Kuchen bestechen.
      Es wird auch Zeit, endlich mal differenziert über diesen Kontinent zu berichten, der von Südafrika, wohl zumindest zeitweise Atommacht, über Ölländer wie Nigeria und Lybien, Touristenziele wie Marokko, Tunesien bis hin zu failed states wie Somalia ein unglaublich breites Spektrum an Facetten bietet. Wo es neben Dscungel und Wüste und Plantagen mit Kigali, Ruanda, auch ein African Silicon Valley gibt. Wo es von Christentum verschiedener Färbungen über den Islam in seinen Ausprägungen bis hin zum Animismus alles Mögliche an Religionen gibt. Und den wir doch immer wieder in einen Sack stecken und einheitlich beurteilen. Während wir gleichzeitig noch nicht mal die Feinheiten der Lokalpolitik überblicken, meist endet der Blick ja eham Kraterrand des eigenen Bauchnabels.

    • Die Ahnung ist richtig und ich erhoffe mir bald selbst spannende eindrücke aus einem Land in Westafrika. die bilder jedenfalls waren schon mal toll und das Land selbst ist sowas wie Afrika mit allen Problemen in einer kleinen Region.

      Ich glaube auch, dass uns das thema im kommenden Jahr eh mehr berühren wird, sei es die Lage in Lybien oder die zu erwartenden flüchtlinge und die Folgen.

  8. Hilflose Bruchstücke und die Ostergeschichte
    Sir, der Schlusssatz ist das wirklich Richtige.
    Wenn die eingehämmerten Hüftgelenke von einer gebrochenen helfenden Hand betreut werden, kann das eine laufen und die Konfitüre holen und der mit den Hüftersatzteilen öffnet die Gläser.
    Vor drei Jahren habe ich beide Hüftgelenke eingebaut bekommen. Nach den Op.s sagten die Ärzte, dadrinnen hätte es ausgesehen wie zermatschte Konfitüre. Und das hatte seine Vorgeschichte. Ich wusste, was auf mich zukam und machte als Abschiedsunternehmen eine ausgedehnte aber bereits sehr schmerzhafte Himalaya- Reise.
    … Im tiefsten Indien döste ich in einer schier endlosen Autoschlange in der Hitze vor mich hin. Urplötzlich stoppte die ganze Kolonne, ohne dass auch nur ein einziges Stopplicht funktionierte. Endlich erreichte ich die Ursache für die kurzfrequentierten Stopps: Etwa dreißig Männer, in indischer Armut bekleidet, blockierten einen großen Kreuzungsbereich. In der Hüfte geknickt nach vorn, nach hinten oder einer Seite, den Kopf knapp über dem Boden, auf Händen laufend, an Krücken, Amputierte auf kleinen Wägelchen, Armlose, skurrilste Verwachsungen im Brustkorb und Dorsalbereich. Doch mit Todesverachtung warfen sie sich vor die Autos, zwangen sie zum Halt und zu einer kleinen Spende, sonst gaben sie den Weg nicht frei.
    Behinderungen und Pflegebedürftigkeit gepaart mit schlichtem Lebenswillen.
    Nein, leider, eine wirkliche und faire Lösung dieses Problems weiß auch ich nicht.
    Ich wünsche ein nachdenkliches Osterfest!

    Bernard del Monaco

    • Danke und weiterhin ein gutes Vorankommen.

      Es gibt immer Optionen, glaubt man und glaubte ich auch, aber alle Erfahrungen, die ich seitdem mit Demenz habe, sind doch deutlich anders. Das ist eine Krankheit, bei der es keine Siege und keine Chance hat und man muss auch bedenken, wie es dann um den Lebensmut der Pflegenden aussieht. Hilfe ist nun mal nicht überall selbstverständnlich und wenn es dann etwas gibt, sollte man es entwickeln, benutzen und nicht einfach mit Ideologie wegschieben.

  9. Kleine Anmerkungen
    1.: Alzheimer-Patienten mit langjähriger Hotelerfahrung (wobei man dazu auch bescheidene Unterkünfte mit Toilette und Gemeinschaftswaschraum außerhalb des Zimmers, wie sie in den Anfangsjahren nach dem Krieg üblich waren, rechnen darf) kommen oftmals in auswärtiger Unterbringung besser zurecht als daheim – weiß ich aus leidvoller eigener Erfahrung in meiner Familie. (((Bei Gelegenheit bitte auch lesen: Martin Wittmann, FAZ 09.01.2010, S. 42 – In der Fremde.)))

    2.: Hat man zeitweise lediglich eine Hand zur Verfügung, fehlt einem aber deswegen nicht auch die zweite Hirnhälfte – die darf man sogar schon vorher benutzen, um seinen Haushalt rechtzeitig zu optimieren:

    Dieses Ding (keine Bange, liebe Lesende, die nur teilweise sichtbare Verknüpfung sollte funktionieren, auch wenn das hiesige Seiten-Lay-out im Explorer immer noch „zerschossen“ ist!)

    http://www.ebay.de/itm/EV-SCHRAUBDECKELOFFNER-Westmark-DREIECK-UNIVERSAL-DECKEL-OFFNER-/201296030592?pt=LH_DefaultDomain_77&hash=item2ede2dab80

    kann man auf einen ca. 2 cm dicken selbstgebastelten Holzrahmen, den man unter das Oberteil eines Küchenschranks schraubt, kleben/nageln – Simsalabim, fertig ist der Einhandöffner für Gläser mit Schraubverschluss.

    Konservenbüchsen?

    http://picscdn.redblue.de/doi/pixelboxx-mss-64231848/fee_325_225_png/CHEFN-27429-Einhand-Dosen%C3%B6ffner

    3.: In Arthur Haileys Wheels stand – soweit ich mich erinnern kann – drin: Einfache Geräte für unterentwickelte Länder entwerfen ist eigentlich ein Klacks. Aber…

    • Ja, und das alles kann eine 77-Jährige ohne Internetzugang auch schnell mal ergoogeln – ich kann nur nochmal sagen, wer da keine umfassende externe hilfe bekommt, kann es vergessen. Man kann das Problem erleichtern, aber niemals aus der Welt schaffen.

    • Völlig korrekt, die/der Siebzigplus ist damit überfordert, aber den
      Schraubdeckelglaswinkel, der für eine Festmontage gar nicht vorgesehen ist, gab’s schon Äonen vorm Internet. Ich weiß zwar nicht mehr, wie ich damals dazu gekommen bin, kann mich aber noch gut an die Häme meiner Umwelt („Was willst ausgerechnet Du denn mit diesem Spielzeug?“) auch wegen anderer Hilfsmittel erinnern – selbiges galt auch, als ich die Tiefsitzgarnitur, aus der ich (wie ich das bei anderen zuvor gesehen hatte) heute nicht mehr so ohne weiteres aufstehen könnte, viiiiiieeeeeel zu früh durch etwas unzeitgemäß Esstischstuhlhohesfestgepolstertes ersetzt hatte. (Nebenbei, die Elchklasse fand vom Hersteller ungeplant viele Käufer, die zwar das Geld für einen Gesäßmuskelhandbreitübermasphaltmercedes hatten, aber aus letzterem nicht mehr ohne Mühe herauskamen.)

      Fazit: Einfach mal frühzeitig (Sie sind ja noch ein junger Spund!) selber umschauen, sich nicht beirren lassen und das Ganze unter preventive maintenance subsumieren…

      ( http://www.kreiszeitung.de/lokales/niedersachsen/steife-arme-zittrige-beine-anzug-simuliert-altsein-2454238.html )

    • Ach, ich mache mir schon längst Gedanken um die Vergreisung und achte jetzt schon auf den passenden wohnort, die erreichbaren Bergtouren und Geliebte, die mit dem Zynismus der hohen Jahre umgehen können.

    • Ich finde so etwas furchtbar.

  10. professoraler modellplatonismus
    Sub-sahrian Afrika ist die einzige Region weltweit, in der der Wohlstand nach dem Ende der Kolonialzeiten nicht steigt. In allen andereren vergleichbaren Regionen steigt er, in einzelen sogar extrem stark, insbesondere in Asien. Woran liegt das? An zuviel falscher Entwicklungshilfe (Erziehung zur Unfähigkeit), Bereicherung der entstandenen Oligarchen, Korruption, den falschen Freunden und permanent mangelnder Einsicht der dortigen sog. Eliten, für das eigene Schicksal selbst verantwortlich zu sein. Was wollen wir da einer Professorin in Berlin einen Vorwurf machen, wenn sie das Märchen vom bösen weißen Mann glaubt, selbst der Vietnam-Krieger Bob McNemara glaubte an sie und versenkte als Weltbank-Chef Milliarden in Afrika anstatt woanders Hilfe zur Selbsthilfe zu initiieren. Merke: ein
    Professorentitel in Berlin, ignorieren ! Aber DON sieht die Gefahr: fehlgeleitete Politiker mit unerfülltem Helfersyndrom, 20 Semester Studium und keinerlei wertschöpfender Berufserfahrung , die werde dann auch noch Ministerin.

    • Wenn man jetzt noch auf, sagen wir mal, kulturelle Unterschiede hinweist und dann noch die Frage zu stellen wagt, wie sich diese Leute dann als Flüchtlinge hier einfügen sollen – kauft man vielleicht gern Drogen im Görli. Oder aber man braucht gute Ideen. Oder aber man kann sich einfach als Nazi bezeichnen lassen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass sich speziell Parteien und Verbände am Etat des Entwicklungshilfeministeriums schadlos halten. Und die reale Arbeit denn den an Rohstoffen und weniger an Menschenrechten interessierten Chinesen überlassen.

  11. Menschenrechte sind für Ameisen ein Auslaufmodell
    Von chinesischen Staatskapitalisten und amerikanischen Lobbydominatoren werden warme Worte europäischer Kümmerpolitiker gerne gehört, weil sie eventuell entstehende Konkurrenz von vornherein im schlechten Gewissen ersäufen.
    Auch ich befürworte eine „Nächsten-Ethik“ vehement, vor allem sich Gedanken um die Menschen zu machen, die meinem unmittelbaren Einflussbereich zugehören – Empathie zieht eben Kreise, wenn andere sich ähnlich verhalten. Roboter für so was – prima. Ein Werkzeug, das schwierige Arbeiten schafft – wunderbar.

    Aber wo immer mehr Menschen auch in unseren Breiten frustriert und gedemütigt und unterprivilegiert aufwachsen, sehe ich eher eine Gesellschaft, die diesen dauernd verletzten Stolz kompensieren muss, als eine die verspielt, mutig, kreativ, ironiefähig und entspannt genau die neuen Lösungen entwickelt, die wir brauchen, um aus dem verbissenen Wettkampf um Wachstum und Arbeitsplätze herauszufinden.
    Zumal das meiste Wachstum dort erzielt wird, wo viele qualifizierte Arbeitsplätze eher nur nerven.
    Arbeitslos ist man bei Amazon auch nicht. Vollbeschäftigung kann auch jede Menge Ameisenarbeit bedeuten.
    Der qualifizierte Mechatroniker, der dann mehr kann, als Module nach Fehlermeldung zu tauschen, dürfte eher ein Sonderfall bleiben.

    • Der sarkastische Spruch dazu lautet: „Der Urwald wird von Frankreich, den USA und china planiert, die Reste werden von Deutschland finanziert.“ wobei man, wenn man fair ist, auch sagen muss, dass gerade Deutschland mehr vom Zwischenproduktimport abhängt und die Shinesen mehr die Drecksarbeit der Veredelung machen.

      So richtig wohl ist mir in dieser Hinsicht auf unsere Breiten auch nicht, deshalb bin ich ja auch für Länderspaltung.

  12. Vulgärfeminismus
    Ja, der Kathedersozialismus Anno 1880 argumentierte auf weitaus höherem Niveau.
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    Aber ganz im Ernst, das eigentliche Problem sehe ich in der (seit langem) fehlenden Qualitätskontrolle in den Medien, ich meine in den angeblich seriösen.
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    Da kommt dann diese Haltung her: Im Print-Politik-Leitartikel rechtliberaler Neochauvinismus, aber „dafür“ dürfen dann in der Blogschmuddelecke ein paar Kampftröten rumtoben.
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    Statt Qualität zu fordern, hier wie dort.
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    PS: Hab mir grade Mozarts Zauberflöte mal wieder angeguckt, mit Untertitlen auf DVD, nach langer Zeit, eine Prodjuktion aus den 70ern. Harr harr harr harrmlos, Sagen Sie, ich nicht …

    • Manchmal denke ich, dass kein besonders grosses Interesse daran besteht, kluge Linke ranzulassen: In der taz auch nicht, weil dann der ganze „Ich will auch mal schreiben“-Berlinschreiberismus weniger Plat hätte, seine seit Jahrzehnten gleiche Agenda für das immer gleiche Publikum zu fahren. Und gerade im feminismus sind manchze Vertreterinnen das grösste Problem bei der Akzeptanz. Dazu noch das Problem, dass viele glauben, gerade im blog dürfte man auch mal was Blödes oder Krasses machen – zurück bleiben genervte Leser mit höheren Erwartungshaltungen.

  13. Titel eingeben
    Länderspaltung?
    .

    • Aufteilung. In Berlin wird wegen der ungleichen Bedingungen in jeder Hinsicht gewinstelt – ich will ihnen eine Hinsicht nehmen, die der reichen Bundesländer nämlich. Am der CSU in Bayern kann man eh nichts ändern, also macht man in Gottes Namen halt eine südföderalistische Republik der Reichen Länder. Der Rest kann sich gern uckermarkisieren lassen, mit Genderprofessuren und Berlin als geistiger Hauptstadt. dann wird Deutschland auch deutlich kleiner, hat ebenfalls mehr Strukturprobleme, und versteht die EU besser.

    • Länderspaltung
      … wäre im Vergleich zur Kernspaltung oder Bewusstseinsspaltung noch harmlos.

    • Das Lan ist doch ohnehin schon gespalten, und das wird sich aufgrund der Unzufriedenheit mit der EEU sicher noch fortsetzen. Überall in europa sind Bewegungen auf dem Vormarsch, die genau solche Aufspaltungen wollen. Ich denke, da kann man ruhig mal vorurteilsfrei darüber nachdenken. Gerade als Linker, der eh nicht an Nationen glaubt.

  14. CWS als Ressentimentmaschine
    Der Text von Frau Hark ist ein schönes Beispiel dafür, was beim modern geprägten Radikalfeminismus schief läuft. Sie hält sich mit ihrem umfassenden Weltbild sicher für äußerst aufgeklärt und vorurteilsfrei – und merkt vor lauter Begeisterung für das eigene Weltbild nicht, wie ihre vorgeblich diskriminierungsfreie Sicht auf die Welt sich in eine simple Gut-Böse-Ressentiment-Maschine verwandelt hat.

    In dieser mitunter etwas simplen, aber in sich stimmigen Geisteswelt der Frau Hark (und ihrer feministischen Kohorte) gibt es einerseits die Bösen, irrational und kaltherzig agierende weiße Männeringenieure, organisiert in Konsortien, welche belanglose zynisch überzüchtete Haushaltsroboter ersinnen als Ausdruck von verstiegenen „Phantasien westlicher (mehrheitlich männlicher) Ingenieure von einer Hightech-Welt“. Die Guten wiederum, dass sind bei Frau Hark feministische Philosophinnen, welche zwar keine Geräte konstruieren, aber immerhin die Welt dazu aufrufen, Geräte „von Belang“ herzustellen: an Stelle solchen maschinellen Blödsinns, der nicht mal in der Lage ist, einen Kasten Bier zu stemmen.

    Nunja. Es ließe sich einwenden, dass derlei Aufrufe, sich mit „Dingen von Belang“ auseinander zu setzen, z.B. vernünftigen Feuerstellen in der Dritten Welt, zwar wohlfeil, aber durchaus von Wert sind.

    Wenn ich mich allerdings recht entsinne, haben bereits ziemlich viele seitens von Frau Hark gescholtenen „mehrheitlich männlichen“, weißen Ingenieure auch eine Reihe von besseren Kochstellen für die Dritte Welt ersonnen.

    Das kann Frau Hark aber nicht wissen. Denn dann hätte sie sich mal außerhalb ihrer radikalfeministischen Zusammenhänge umhören müssen.

    • Nun, Feministinnen könnten hier mit Margarete Schütte-Lihotzky argumentieren, die ganz gezielt eine Küche mit hohem Nutzen für Single- und kleinfamilienfrauen entwarf:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_K%C3%BCche

      Allerdings wurde gerade diese Sozialistin dann vom aufkommenden Feminismus verdammt, weil sie die Frau gleichsam in einen kleinen Raum eingesperrt habe. Überrachend ist dann aber doch, dass die Abkehr in den späteren Jahren vor allem durch grössere Küchen im Gelsenkirchner Barock kam. es ist also gar nicht so leicht mit der Ideologie und der Übertragung auf die Vergangenheit.

      Und natürlich schimopft es sich leicht auf Männer, auch bei den modedesignern, und bei den chefreakteuren der Modezeitun äh nun da gerade nicht aber wie auch immer: Wenn es die Gelegenheit gibt, die Rape culture zu bemühen, dann sollte frau das natürlich machen. Nur Roberto Rancilio – weisser, heterosexueller Ingenieur – kann froh sein, dass er die Espressomaschine der Dame entwickelte, sonst ginge es ihm auch schlecht.

    • Übrigens, die Maschine im Beitrag ist meine und ist eine von Tecnosystems für Salomoni in Mantua speziell gefertigte Magic Coffee 108.

    • Rocket stove
      Erwähnenswert ist vielleicht auch noch der „rocket stove“, erfunden von Dr. Larry Winiarski (einem weißen, männlichen Ingenieur, der sich für Technologie und Hochtechnologie interessiert – pfui!). Dieser arbeitet bei Aprovecho (Wikiepedia ist hierzu lesenswert: http://en.wikipedia.org/wiki/Aprovecho), einem Nachhaltigkeitsinstitut.

      Nun ist es leider so, dass Herr Dr. Larry Winiarski auf seine Ideen ohne zuvorige Konsultation einschlägiger feministischer Philosphinnen kam. Insofern ist es quasi nur fair, dass die feministisch hochgebildete Frau Professorin Hark derartiges weder kennt noch weiter erwähnenswert findet.

      Jetzt warte ich eigentlich nur noch auf einen leidenschaftlichen Spendenaufruf innerhalb der queer/feministischen Szene Berlins, um derartige und ähnliche Öfen für die Dritte Welt zu finanzieren.

      Und ich warte. Vermutlich noch sehr, sehr lange – wobei ich Frau Hark nicht absprechen will, dass sie über die unfairen Gegensätze der Welt und das von einfachen, ungeeignet konstruierten, rußenden Kochstellen ausgehende Leid ehrlich erschrocken ist. Trotzdem bildet sich bei mir in der Summe der Eindruck, jedenfalls nach Lesen ihres Artikels und ihrer abwehrend-arroganten Antworten im Kommenarstrang, das die durchaus wichtige Thematik wohl doch nich sehr ernst gemeint war von Frau Hark – jedenfalls nicht über den letzlichen Zweck hinaus, männliche Ingenieure und deren Erfindungssinn als im Kern nutzlos herab zu setzen.

      Denn es mangelt nicht an Erfindungen für bessere Kochstellen – ganz gewiss nicht – sondern an Menschen beiderlei Geschlechts, welche diese für die ganze Welt verfügbar machen helfen.

      So ein privilegierter Mensch wie Frau Hark könnte in dieser Hinsicht viel Gutes bewirken und falls sie diese Zeilen lesen sollte, meinetwegen kopfschüttelnd und mit einer gewissen Wut über uns Ignoranten, und zum Anlass nehmen würde, in dieser Richtung weiter zu gehen, so würde mich das sehr freuen.

      Und wenn es am Ende (s.o.) nur ein einziger, schnell hingeworfener Aufruf für Spenden in einem queerfeministischen Magazin aus Berlin wäre.

    • Es geht denen ja nicht um das Leben irgendwelcher Afrikaner, sondern um einen anlass, den Manichäismus zwsichen marginalisierter, armer Frau ohne chancen und männlichem Ingenieur aufzumachen – sie kann ja schlecht männliche Ingenieure gegen weibliche Wissenschaft an der TU setzen wo sie für so eine kenntnisreiche Arbeit gleichberechtigt verdient. Da wäre ja der ganze Witz verloren. Für das Narrativ braucht man einen ignoranten Mann und eine unterdrückte Frau. Die werden dann eben zusammengebracht und schon ist das Wlrbild wieder richtig. Männliche Einwürfe gelten als Mansplaining und weiterer Beweis für die Richtigkeit der queerfeministschen Thesen.

      Denkweisen durchbrechen, unkonventionelle Interverntion, sowas.

      Und sich dann wundern, wenn das nächste Pegida den Genderwahn weiter nach vorne bringt und Pirinccisbücher prima laufen.

    • Ist das folgend Geschriebene nun "antifeministische Mobdenke" oder doch ausreichend vernünftig?
      Es scheint bei vielen von uns so zu sein (mich eingeschlossen!), dass allein schon die Randinformation „Feministin“ (bzw.: „radikale Feministin“) in Zusammenhang mit einem moralisierenden und etwas vorwurfsvoll gehaltenen Text zu allerlei Fantasien Anlass gibt – und zwar deutlich unfair nachteilig gegenüber Frau/Herr S. Hark.

      Weiß ich denn sicher, dass er/sie eine eher obskure und extreme CWS-Interpretation vornimmt, in treuen Gefolge zu aktuellen Positionen im modernen Queerfeminismus und Radikalfeminismus?

      Denkbar wäre stattdessen ja z.B. auch, dass seinem/ihrem Text ein impliziter differenzfeministischer Ansatz zugrunde liegt. Es geht ihr/ihm also weniger um die kaltherzigen männlichen weißen Ingenieure, die sich derartigen hochtechnologischen Unfug („Fantasien“) ausdenken, einen Haushaltsroboter der derart nutzlos ist, dass dieser nicht einmal (!) einen Kasten Bier zu heben imstande ist.

      (liebe Kommentarleser/innen – ich beende ab jetzt die absichtsvoll indifferente Geschlechterzuordnung von Frau Sabine Hark)

      Frau Hark geht es über die Erkenntnisse von feministischen Philosophinnen hinaus womöglich darum, dass Frauen (als feministische Philosophinnen und überhaupt) eine menschliche Haltung haben und die Bedürfnisse von Marginalisierten im Blick behalten, im Gegensatz eben zu den „mehrheitlich Männern“ (gemeint: Männer), welche all dies nicht beachten und sich sinnlos für Hochtechnologie begeistern. Die Frau scheint in Frau Harks Text so als besserer, jedenfalls mitmenschlich empfindender Mensch durch, der Mann hingegen steht in Gefahr, als nur beschränkt nützlicher Technikidiot seine Frist zu beschreiten, jedenfalls, wenn er feministische Philosophinnen nicht ausreichend beachtet. Kurzum, ein primitives Geschlechterstereotyp der stolzen Soziologin: Hier die mitfühlende Frau, die alles Relevante in Blick behält, (konkret: eine Philosophin – und nicht zuletzt sie selbst), dort der übertrieben technikaffine Mann, der von alleine nicht merkt, wenn seine Technikbegeisterung vergleichsweise nutzlos ist.

      Okay, das klingt jetzt weder fair, noch ist es in irgendeiner Weise sicher, dass dies die zugrunde liegende Haltung von Frau Hark ist – auch, wenn es auf mich so wirkt, als ob sie ihren Artikel bewusst in diese Richtung geschrieben hat. Sie könnte dagegen anführen, dass sie eben keine Differenzfeministin ist, sondern eine radikale und anerkannte Queerfeministin. Wobei, die größten Kritiker der Elche (und Differenzfeministinnen), sind mitunter…

      Eine dritte Möglichkeit und von mir favorisierte Deutung wäre vielleicht, dass sich Frau Sabine Hark einfach gerne für das gesamte Spektrum des Feminismus interessiert und anlässlich einer wirklich wichtigen Fragestellung, bessere Feuerstellen in der Dritten Welt, einige etwas banale – aber gleichwohl relevante – Gedanken einer feministischen Philosphin präsentieren wollte.

      Ihre zentrale Absicht lag dann schlicht darin, den Lesern und Leserinnen ihres FAZ-Blogs die Schönheit und Nützlichkeit feministischen Philosophierens vorzuführen, anhand einer konkreten Moralabwägung. Ich denke, diese dritte Interpretationsvariante ist nicht sehr fern liegend, zumal vor dem Hintergrund ihrer Profession. Für meinen Geschmack ist Frau Sabine Harks Begeisterung für
      feministische, weil an den Interessen von Marginalisierten ausgerichtete, Moralphilosophie etwas zu sehr ausgeprägt, nicht zuletzt darum, weil ähnliche (sogar: die gleichen…) Gedankengänge schon von anderen Menschen vorgenommen wurden, und im Moment mag ich nicht erkennen, dass Moralphilosophie etwas Substantielles gewinnt, wenn diese im Feld der (angeblichen oder tatsächlichen) Geschlechterdifferenz gedacht wird.

      Wie auch immer, zieht man jetzt einfach mal den wie auch immer gearteten Feminismus aus den Überlegungen der Frau Hark ab, bleibt ja immer noch eine hochinteressante Fragestellung übrig:

      Was ist das für eine verrückte Welt, in der hunderte Millionen Menschen mit völlig unzureichend angelegten Feuerstellen leben, mit durchaus drastischen Folgen für Gesundheit (nicht zuletzt auch von Frauen) und Umwelt, während sich in unserer Welt bereits humanoide Haushaltsroboter auf den Weg machen? Schon geschickt konstruierte Hobokocher, gebaut aus bloß zwei gebrauchten
      Konservendosen, könnten hier viel Gutes bewirken. Moralisch wirkt das durchaus provokant, einerseits die Möglichkeit einer solchen, sehr einfachen und preiswerten Problemlösung, die mehr als überfällig erscheint, und andererseits die zunehmende Hochtechnologisierung unserer Haushalte, bis hin zu humanoiden Haushaltsrobotern.

      Da müsste man glatt mal eine umfassend gebildete Soziologie-Professorin fragen, woran das genau liegt. Ach, das liegt an der Geschlechterdifferenz, männlichen Unfähigkeiten (fehlende Mitmenschlichkeit!) und der besonderen Macht heterosexueller Cis-Männer? Kurzum, die Welt
      ist schlecht, weil Männer versagen.

      Vielleicht ist das sogar so!

      Obwohl ich als Mann dies nicht so sehen mag. Mein Bild ist da einfach ein anderes, nämlich, Frauen und Männer tragen zum Gelingen dieser Welt bei, und sogar in gleichen Maß. Aber wie gesagt, das ist jetzt meine spezifische, von männlichen Interessen geprägte Sichtweise, und kaum eine umfassend gebildete Radikalfeministin würde an dieser Stelle, vor dem Hintergrund übermächtiger männlicher Privilegien, von Herzen zustimmen…

      Tatsächlich ist es ja so, dass mit Privilegierung eine entsprechend gesteigerte Verantwortlichkeit einher geht. Ist es allerdings die Verantwortung „mehrheitlich männlicher“ Haushaltsroboter-Ingenieure, dass es in der Dritten Welt noch nicht genügend Hobo-Kocher gibt? Oder trägt z.B. Frau Hark nicht sogar in exakt gleichen Maß eine Verantwortung für diesen
      sehr unbefriedigenden Umstand, und sei es, in der Form, dass sie in dem Umfeld, wo sie sehr geachtet wird, noch keine entsprechenden Aufrufe gestartet hat? Vielleicht kennt sie sogar, abseits den

    • Nun, da ist aber noch ein entscheidender Punkt: Diese Roboter werden ja nicht entwickelt, damit sie eine Kiste Bier schleppen, wie sie das darstellt. Sie sind eplizit dazu da, den Verändrungen in der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Da haben sich also sehr viele Leute durchaus rationale Gedanken gemacht, die man natürlich einfach mit Verweis auf grössere Probleme so wegschieben kann.

      Aber wenn das jeder macht, könnte ich natürlich mit der gleichen Eloquenz sagen, dass Tätigkeiten wie die dieser Person minderwertig und angesichts der realen Probleme der Frauen weltweit eine überteuerte Einrichtungen sind, um einer bestimmten Queer-Ideologie zu huldigen, und man sie mitsamt ihren Studentinnen doch lieber zur Elfenbeinküste ausfliegen sollte, um etwas Sinnvollen zu tun. Bananen ernsten, Kaffee rösten, damit ehr Biokaffee da ist umd dank der kostenlosen Arbeit der Profit der Bäuerinnen steigt.

      Und das ist das eigentliche Problem – natürlih kann man jede Benachteiligung gegen jedes Privileg aufrechnen. Fragt sich nur, ob man damit mehr als den Ruf der Bigotterie erhält.

    • Titel eingeben
      Jedenfalls wirkt Harks Vermischung von a) Privilegienkritik (als rituelle, scheinmoralische Selbstreinwaschung, als Ressentimentmaschine gegenüber den privilegiert Genannten, als Methode zur Verbesserung des Verständnisses für andere, zur Absicherung weltanschaulicher Geschlossenheit in radikalfeministischen Kreisen oder wofür auch immer…) und b) Vorschlägen zur Verbesserung der Welt nicht sehr glücklich.

      Wobei meines Erachtens weder gegen a) noch gegen b) viel spricht. Dazu kommt, dass ich eine Privilegienkritik von Frau Hark, bezogen auf sich selbst und ihrer Position in der Welt, wirklich gerne lesen würde.

      ad „Privilegien mit Benachteiligungen aufrechnen“

      Halte ich – bei aller Skepsis hinsichtlich möglicher Genauigkeit – für eine ausgesprochen nützliche Übung. Dann aber so, dass dabei realistisch und fair gewogen wird, sowie die gesamte Breite des Lebens berücksichtigt wird. Generell bin ich für die „Methode des sehr genauen Hinguckens“, auch darum, weil ideologische Festlegungen dabei oft zu Staub zerfallen.

      Hint: Das ist eine sehr schwierige und aufwändige Methode. Nicht einfach, auch nicht für mich. Der Riesenvorteil, aber: Es schärft den Blick und man wird Menschen dann etwas besser gerecht.

      ad „Queer-Ideologie“

      Mein, zugegeben noch sehr ausbaufähiges, Verständnis davon ist vor allem, dass diese „Queer-Ideologie“ für einige Queers sehr hilfreich ist, um sich in der – für sie an vielen Stellen eher fremden weil heterosexuell geprägten – Welt zu orientieren. Um sich einen Reim darauf zu machen, um sich weniger fremd zu fühlen. Zudem ist dies dann halt der ideologische Apparat einer bestimmten queerpolitischen Szenerie. Die Relevanz beschränkt sich damit im Wesentlichen auf die eigene queerfeministische Kohorte.

      Wie viel davon tatsächlich Allgemeingültigkeit und Nützlichkeit auch für uns Heterosexuelle besitzt, dürfte eine ausgesprochen strittige Frage sein. Pirinçci wäre für mich aber schon fast ein hinreichend guter Grund, um queerfeministische Positionen einzunehmen, so sehr ich auch Leute wie J. Butler für geradezu antiwissenschaftliche Blender und Wirrköpfe halte…
      ;-)

  15. Beispiele
    für die afrikanische Selbstzerstörung gibt es genug, als Beispiele genügen Elfenbeinküste und Senegal. Das erste früher die Schweiz Afrikas genannt, Bürgerkrieg, dann Niedergang. Senegal hatte schöngeistige Präsidenten, Wohlstand und wunderschöne Strände, wunderbare katholische Kirchen mit blühenden Gärten und tollen Schulen. Bürgerkrieg, Niedergang.
    Die Industrieländer ziehen aus Nigeria ab…….Südafrika ist trotz Hilfe aus dem Westen nicht in der Lage, Strom sicher und ausreichend zu produzieren, die Problemlage ist seit 20 Jahren unverändert.
    Mein Vater arbeitete 1959 mehrere Monate als weißer Ingenieur im ehemaligen deutsch-Ostafrika, materielles Elend war abwesend…….was anschliessend kam und heute noch ist:Blutbäder, siehe auch Meldungen zu Kenia.

    • Vorsicht bei solchen Bemerkungen, man hat da ganz schnell den Mob am Hals, der einem postkolonialen Rassismus vorwirft, denn so, wie der deutsche Ingenieur die Frauen in Afrika unterdrückt, unterdrückt natürlich auch der Westen weiterhin Afrika und ist an seinem elend führend schuld. Ich weiss auch nicht, warum ich es wage, das Thema bald anzuschneiden, vielleicht, weil ich ein wenig erlösen will vom Schweigen, das einem da so abgenötigt wird, sobald es um die Ursachen der Probleme geht.

  16. Werkzeug
    Festsitzende Verschraubungen löst man, indem man das Werkstück in einen Schraubstock einspannt (Handtuch nicht vergessen, um Glasbehälter zu schützen) und den Deckel löst man mit einer mittelgroßen Wasserpumpenzange … einhändig.
    Das Problem ist: der gewöhnliche Haushalt besitzt zu wenig Werkzeuge und ist demzufolge unbeholfen.
    Vor dem Problem Versorgung der Omma stand ich vor drei Jahren auch. Obwohl meine Lebensgefährtin Altenpflege gelernt hat und ich keinem festsitzenden Deckel von Sambal Oelek-Gläsern aus dem Wege gehe, haben wir zu Dritt beschlossen, dass Uromma Johanna Braun in das Altenheim wechselt. Denn: dort sind Pflegeprofis, und privat könnten wir den 24/7-Service gar nicht leisten.
    Ich muss monatlich 600 Teuros zu dem Platz bei St. Pankratius zuzahlen. Das tue ich aber gerne, weil die Anwesenheit meiner Mutter hier würde mich von der Arbeit abhalten. Das ist aber nur etwas für Leute, die ohnehin immer eine geringe Bindung zu ihren Altvorderen haben. Das trifft bei uns zu.
    Zurück zum Werkzeug. Angenommen, wir beschließen, den Ackerbau in Afrika durch die Lieferung von Hunderten unserer High-Tech-Ackerschlepper zu befördern, also gingen mal bei Agco-Fendt in Marktoberdorf richtig einkaufen, dann würden wir feststellen: kein Mensch da unten kann mit den CAN-Bus/Iso-Bus geregelten Dingern umgehen. Wir müssten die Mechatroniker gleich hinterher schicken. Der Ludwig Elsbeth in Thalmässing hat schon vor 35 Jahren Dieselmotoren mit Rapsöl-Einspritzung entwickelt. Nix da Elektronik und so weiter. Er hat sie nach meiner Erinnerung sehr gut nach Indien verkauft. Wenn man in Afrika den Mechanisierungsgrad der Landwirtschaft mit solchen Geräten erhöhen könnte, wäre den Leuten schon mal geholfen. Denn der einfache Ackerschlepper hat auch eine Zapfwelle, womit man Wasserpumpen antreiben kann oder Bohrgestänge zum Wasserpumpen. Das Problem ist: Unsere Niebels wollen vor Ort nur unseren Obsoleszenz-Schrott verkaufen. Da sind die Chinesen schlauer.

  17. Realität stört die Gedankengänge einer Soziologin.
    …denn ein Kurzfrist-Pflegeplatz im Heim ist teuerer als eine 24 h – Kraft
    .
    Das habe ich mit Verlaub noch nie verstanden.
    Wenn mir hier in der erlauchten Runde
    das jemand mal schlüssig erklären könnte.
    Und zwar ohne das gewisse bekannte Mitmenschen
    sich mal wieder am System bereichern.
    .
    @Greenbowlwerhat: „es liegt nicht daran, dass aufgrund ihres Geschlechts schön per so böse und natürlich weisse und alte Männer mittels Küchenrobotern den perfiden Plan einer fortdauernden Versklavung weiblicher Afrikanerinnen umsetzen.“
    :-)
    You made my night.
    .
    „Menschenrechte sind für Ameisen ein Auslaufmodell.“
    Oh,oh, großer Artist.
    Verdammt, links wie rechts krabbelt es schon.
    Mann, wie das wuselt.

    • Pflege – ich sage es mal so: wer damit zu tun hat, hat was anderes zu tun und wer es erlebt hat, möchte nicht mehr daran denken. Das ist allerdings eine riesige Umverteilungsmaschine zugunsten der Armen, die nichts haben, denn jene, die etwas besitzen, müssen heftig draufzahlen.

  18. Gloria von Thurn und Taxis:
    Der Schwarze an sich schnackselt ganz gerne …
    Manche Kommentare hier sind da nahe dran.
    Zu Recht?

    • Begriffe, die statistisch signifikant mit dem Ausgangsbegriff gemeinsam auftreten
      Signifikante Kookkurrenzen für schnackseln: Afrika (32.35) – Die Daten werden aus öffentlich zugänglichen Quellen automatisch erhoben. Die Kookkurrenzen sind sorgfältig ermittelte Begriffe, die statistisch signifikant mit dem Ausgangsbegriff gemeinsam auftreten. Aus dem gemeinsamen Auftreten von Begriffen können keine Rückschlüsse über die Art eines eventuellen inhaltlichen Zusammenhangs abgeleitet werden. … http://wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe

    • Der Schwarze an sich schnackselt ganz gerne...
      äh, bäh,…

      Wie um Himmels Willen, hätten sie die ganze Welt besiedeln können,
      wäre es anders gewesen?

      Woher soll man als Afrikaner wissen, dass es so etwas wie übersättigte
      Märkte gibt?

    • Es ist natürlich ein heikles Thema und man muss sich vor Verallgemeinerungen hüten – darf man aber noch sagen. dass das Thema Familienplanung und ein gewisser Unwillen bei der Verhütung mit ursächlich für einige der drängenden Probleme der Erdbevölkerung sind, und es in den Industriestaaten ganz anders aussieht?

    • Familienplanung in Afrika
      bedeutet wohl Clan-, Stammes-, Bürgerkriege und die Abwesenheit
      von freiwilliger Fortpflanzungsselbstbeschränkung.
      das ging über Jahrhunderttausende gut – bis in die 1980er Jahre.

      Ein Erfolgsmodell!
      Höchst verlustreich, aber immerhin ein lang erprobtes.

  19. @mediensegler
    Ein bisschen Wirtschaftsgeschichte zu lesen tät nicht schaden, zum Beispiel Jürgen Kuczynski: Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus, Berlin, Akademie Verlag 1965. O.k. das ist bolschewistische Propaganda. Also: Lebenserwartung in Preussen um 1825: 25 Jahre. Anweisung des Pr. Militärs, die Volksschule einzuführen, weil Kinder aus Industriegebieten als 17jährige für den Militärdienst bereits untauglich sind. Warum soll das in Afrika anders sein, außer, dass dort auch Kinder mit der AK 47 umgehen können. Die dezimieren sich munter selber, den Rest macht Aids. Unter solchen Bedingungen zu erwarten, es könnten sich stabile soziale Verhältnisse herstellen, ist etwas vermessen. Das Projekt Afrika haben unsere Think Tanks vom Großen Bruder ja schon auf Libyen, Ägypten, Syrien und Ukraine ausgeweitet. Während sich Afrika sich traditionell selber zernietet, helfen wir weiter oben selber immer etwas nach. Man versteht offenbar nicht den logischen Hintergrund der Veranstaltung, wie ihn Naomi Klein in der „Schocktherapie“ beschrieben hat. Man muss nur die Staatlichkeit dekonstruieren, schon kann man mit Geld sich die Filetstücke einer Volkswirtschaft herausziehen. Was mit den Leuten passiert, die da leben, ist eh wurscht.

    • Ja, as ist leider auch so eine Konstante der Politik in Afrike. Ich recherchiere da gerade über den Präsidenten von Guinea, Ahmed Sékou Touré, der mit dem Westen nach der Unabhängigkeit sofort brach, mit den Worten: „Wir ziehen Armut in Freiheit einem Reichtum in der Sklaverei vor“. Das ist jetzt ein halbes Jahrhundert her und insofern interessant, als Kolonialismus immer noch als Grund gilt, warum uns die Lage in Afrika etwas angehen muss: Wir haben das agerichtet und jetzt müssen wir zahlen.

      Amüsanterweise sind es dann genau die drogenhändler vom Görlitzer Park, die zusammen mit Kunden und hintermännern zum Debakel in Westafrika beitragen:

      http://www.monde-diplomatique.de/pm/2013/02/08.mondeText.artikel,a0002.idx,1

      Aber dazu hört man natürlich nichts bei den blogs, die der Gerechtigkeit verpflichtet sind.

  20. Titel eingeben
    Frau Harks Einsichten sind gar nicht so neu, wenn sie auch schon damals überholt waren.
    Man meinte zu wissen, Kleinrechner und Mobiltelefone seien nichts für Entwicklungsländer. Später durfte man entdecken welchen wirtschaft-lichen Vorteil diese „Luxusartikel“ für einst enge lokale afrikanische Märkte brachten. Mit dem schnellen Informationsaustausch konnte u.a. der Verderb von Lebensmitteln (zur falschen Zeit am falschen Ort) minimiert werden.
    „KathedersoziologInnen“ wissen das natürlich besser, insb. wenn sie zu tief in das Glas der Milch der frommen Denkungsart geblickt haben.

  21. Titel eingeben
    Wehrter Don,
    dieser nette Artikel weckt die Erinnerung an Paul und Lina in mir.
    Die guten Geister im Haus unserer Großeltern. Als Kind war ich viel in der Küche, einem nicht erwünschtem Ort, dort liegen schöne Erinnerungen. Ja es war von Vorteil gute Geister zu haben. Auch weil alle mit zur Familie gehörten.

    Herzlichst P.

    • Ich fürchte ja, dass diese Zeiten endgültig vorbei sind, aber auf der anderen Seite genau dann wieder kommen, wenn man keine schönen Erinnerungen mehr hat. Das Personal starb einen langsamen Tod und bald sind auch diejenigen weg, die das noch erlebten. Bei uns war das auch noch so, aber wir waren auch eine der letzten Familien. Heute gibt es das eben nur noch in der Pflege.

  22. Titel eingeben
    „… wenn Sie mit einem gebrochenen Arm in der Küche stehen, die Dose nicht aufgeht und ihr pflegebedürftiger Partner nebenan Hunger hat“

    Nicht Ihr Ernst, oder? Das Problemchen hätte ich gern mit einem motorisierten Büchsenöffner in der Schublade, der sich problemlos mit links auf- und wieder absetzen läßt.
    Bleibt mir der gut gemeinte Rat: Trinken Sie Ihren wie auch immer genannten Cafè und genießen Ihr Leben, so lange es noch geht. Denn in einem dürfen Sie sich ganz sicher sein: Mit Geld läßt sich nicht alles kaufen. Schon gar nicht, wenn Sie irgendwann einmal das stationäre Vergnügen nach einer komatösen Phase haben sollten. Nein, auch nicht als Privat-Patient. Die Zeiten sind vorbei.

    Pfrohe Ostern!

    • Es gibt genug dinge, die nicht in Dosen sind – probieren sie es einfach mal, ein Tag mit einem Arm. das trägt massiv zum Erkenntnisgewinn bei. Oder wechseln sie einfach mal einhändig in Ijtem Dosenöffner die Batterien.

  23. Ein ganz altmodischer Roboter
    Sehr verehrter Don!
    .
    Zuerst einmal wünsche ich Ihnen und allen Gästen hier ein schönes Osterfest.
    .
    Was das Marmeladenglas betrifft, habe ich das Problem schon mal lösen müssen. Dazu bin ich in die Werkstatt meines Mannes gegangen und habe das Glas in ein Handtuch eingewickelt sehr vorsichtig in den Schraubstock seiner Werkbank festgedreht. Das ging mit einer Hand, hat aber gedauert. Erst habe ich das Glas im Handtuch auf der Werkbank gestellt und die Zipfel mit einigen Stücken Werkzeug aus Eisen beschwert. Dann habe ich das Glass Stück für Stück ins Scharnier hineingerutscht und den Schraubstock mit der gesunden Hand vorsichtig festgedreht. Damit war das Glas stabiler befestigt als eine gesunde Männerhand es hätte halten können.
    .
    Aber Ihre Grundthese stimmt natürlich schon. Man muss halt erst einmal eine Werkstatt mit Werkbank haben und die gibt’s in Berlin wohl eher selten.

    • Darauf möchte ich mit einer Anekdote antworten. ich komme mit dem Werkzeug ins neue Büro meiner Schwester und sehe, dass ein Bild schon hängt.

      Toll, sage ich, du hast ja schon eines aufgehängt.

      Da war schon ein Nagel in der wand, sagte sie.

      Und nochwas. Es gibt ja den Spruch, dass es auf einem sinkenden Schiff keine Atheisten gibt.

      Ich sehe das ähnlich: Wenn es um das Anfassen einer öligen Fahrradkette geht, hören die Feministinnen zu existieren auf. Und die Bereitschaft, sich mit dem Elend der Dritten Welt zu beschäftigen, schwindet auch, wenn man die entsprechende Hütte mit en Leprakranken betreten soll.

      Frohe Ostern.

  24. Es lebe die Familie!
    Was soll uns dieser Artikel sagen? Unser aktueller Sozialstaat ist seit der Agenda 2010 und der vorangeheneden Kürzungsorgie in den 1990ern nicht darauf ausgerichtet, Familiengründungen zu fördern und den Menschen echte soziale Sicherheit zu gewährleisten. Auch die Pflegeversicherung ist ein Witz, weil sie bei weitem nicht ausreicht, die Kosten für die Pflege in den Stufen I und II zu decken. Bleibt also nur das SGB XII und das heißt dann totaler sozialer Absturz!

  25. Titel eingeben
    „donalphonso sagt:
    Es gibt genug dinge, die nicht in Dosen sind – probieren sie es einfach mal, ein Tag mit einem Arm. das trägt massiv zum Erkenntnisgewinn bei. Oder wechseln sie einfach mal einhändig in Ijtem Dosenöffner die Batterien.“

    Mit welchen Alltagsproblemen Arm-, Bein- oder sonstwie eingeschränkte Menschen zu tun haben, ist mir bestens bekannt, lieber Don Alphonso.
    Und auch, wenn das im 1. Anlauf nicht so rübergekommen ist, sind wir einig, daß alles Brauchbare an Hilfsmitteln in die Welt gesetzt gehört. Abgehobene Debatten um vermeintliche Previlegien von dieser wie von jener Seite helfen am Ende seiner unbeschwerten Tage dagegen garantiert niemanden. In diesem Sinne … gute Besserung ;-)

  26. ....
    Nur mal so ne blöde Frage zwischendurch: wie kann es sein, dass man im Alter in den letzten 5 Jahren bevor es zu Ende geht ein Vielfaches von dem an Geld verbrauchen kann (Pflegeheimkosten/ Arztkosten, usw.) wie beispielsweise in den 5 Jahren des Studiums, wenn man noch alles vor Sicht hat und ein mehr an Geld u.a. etwas sinnvoller einsetzten könnte (wobei viele ein mehr an finanziellen Mitteln wohl einfach verfeiern würden, anstatt es zur Erweiterung des Horizonts einzusetzen) ?

  27. Anmerkung zu Ferguson
    Ein Kommentar zu einem Beitrag vom Dezember 2014, fuer den die Kommentarfunktion schon deaktiviert wurde: Die emails die dem ehemaligen Attorney General als Beweislast fuer seine Behauptung des „ingrained racism“ im Ferguson Police Department zitiert wurden (und der Regierung auch als Vorwand fuer die Durchsetzung des umstrittenen „disparate impact“ Gesetzes dienen), sind online zu finden. Einer Ihrer Schreiberlinge in Washington hatte diese offizielle Position damals wohl ziemlich unkritisch übernommen. Er sollte in Zukunft besser recherchieren bevor er den Neusprech in Washington als Tatsachen verkauft.

  28. Schächer kreuzigen
    Keine Haushaltsroboter, sondern stattdessen lieber Küchen für Afrika – so eine Gegenüberstellung erinnert mich an die Formel „Brot statt Böller“. Aber offenbar funktioniert das Gewissen in der Gesellschaft immer nur so und nie anders.
    .
    Das christliche Abenland ist immer von genau dem Pharisäertum durchtränkt gewesen, gegen den der biblische Jesus ja grade angekämpft haben soll.
    .
    Ablaßbriefe, Wallfahrten, Geißelungen — das alles ist gar kein zu überwindender Aberglaube, keine falsche Religion, sondern Ausdruck der einzig möglichen: Eine perfekte Moral könnte nur von perfekten Wesen begriffen werden, die sie folglich wohl nicht bräuchten.
    .
    Für die Nichtperfekten gibt es das Christentum: Die beste aller möglichen kaputten Religionen, die in einer kaputten Menschheit Erfolg haben konnte.

    • Brot statt Böller würde ich sofort auch unterschreiben, denn Böller sind sinnlos. Technische Entwicklung für Bedürftige dagegen ist enorm sinnvoll.

    • Sind Böller sinnlos?
      Sinnloser als Parmaschinken, Buttertorten, Fünfträder, Elektronische Kameras oder Rokokoporträts?
      .
      Böller sind genau der Spaß, auf den ein Mensch auch mal ein Recht hat, ohne sich darum in ewige moralische Schuldknechtschaft begeben zu müssen.
      .
      Das Abendland ist extrem christlich und extrem agressiv seit allem Anbeginn und die Webersche Protestantismus-These hat noch nie gestimmt. Auch die ersten Mönche waren vor allem eines: Hochleistungssportler, getrieben vom Ehrgeiz, die Konkurrenzasketen zu übertrumpfen.
      .
      Und darum, genau darum, geht es bei der hier kritisierten These doch auch: Privilegien sind Schuld, und Schuld muss gebüßt werden, warum nicht durch die aufopferungsvolle Pflege eines Angehörigen. Eigenhändig versteht sich.

  29. Schlimmer geht immer
    Selbst wenn Sie in der priviligierten Lage sein sollten einen demenzkranken Angehörigen im dessen eigenen Haus mit seperater Wohnung und mehr als ausreichenden finanziellen Reserven betreuen lassen zu können, kann dieser unser Rechtsstaat das verhindern! Beispielsweise dann, wenn der liebe Nachbar, Vater von Frau Regierungsdirektorin Jurista, ein Auge auf das Anwesen geworfen haben sollte. Dann könnte es nämlich vorkommen, dass das zuständige Amtsgericht, plötzlich und unerwartet den Angehörigen, ohne irgenteine Anhörung, einen Vermögensbetreuer vor die Nase setzt. Und schwupp die Wupp werden die Konten verschoben, die Immobilien weit unter Wert vertickt, der Schmuck und alles was von Wert ist verschwindet und zum Schluss wird Ihnen noch ein Testament präsentiert, das den Vater von Frau Regierungsdirektorin zum Haupterben einsetzt, wenn auch mit dem kleinen Haken, das es an dem Tag unterschrieben wurde, als ihre demente und deshalb nicht mehr geschäftsfähige Mutter mit einer schweren Kopfverletzung und zahlreichen Bliutergüssen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Naja, und die paar Hundert Euro, die vom Konto der Betreuten jeden Monat für die private Krankenversicherung des Betreuers abgebucht wurden fallen in so einem Fall dann auch nicht mehr ins Gewicht. Tja und fall sich jemand noch einen Rest Vertrauen in diese unsere Verwaltung erhalten haben sollte gibt es das Phänomen der Schrödingerschen Akten. Die sind nämlich gleichzeitig da und auch wiederum nicht.

  30. Das Anfassen einer öligen Fahrradkette mag nicht jeder. Jede schon gar nicht.
    Und die Bereitschaft, sich mit irgendeinem Elend hier zu beschäftigen, schwindet immer, wenn man persönlich involviert ist.
    In Akademikerkreisen.
    Wo man gewohnt ist,
    alles mit Rhetorik zu lösen.

    • Oder noch besser, mit dem Ruf nach dem staat. Und Konferenzen, um das alles auch wirklich genderneutral zu machen.

  31. Luddismus
    Ist schon ein bischen gemein vom Don, den Zivilisationsmenschen ihre Neurosen vorzuhalten, während er gleichzeitig nicht davon ablassen kann, ihnen von den Vorzügen einer für sie ewig unerreichbaren Kulturzugehörigkeit zu schwärmen. Ich glaube sogar, dass die Situation für ihn und die Kulturlandschaft weit besser ist, als würde sich ein technophiler bolschewistischer Mob ihrer annehmen oder dem, was diesem im 21-ten Jahrhundert entspricht. Die Oberbayern hatten da schon den richtigen Instinkt, etwa den Sport-Funktionären von Olympia ’22 zu sagen, sie mögen gehen, wo sie wohnen.

    Ich halte dieses „Hunger in Afrika“ Argument auch für ein Ablenkungsmanöver, denn Technologie, besonders wenn sie den Bereich persönlicher Erfahrung berührt, ist zu ambivalent für einfache Grenzziehungen. Deswegen gibt es Luddismus auch eher in SF-Romanen, in den Manifesten des Unabombers oder gelegentlich im Feuilleton, denn als politisch relevante Strömung, samt zugehöriger Parteien. Stattdessen Ersatzhandlungen: man schimpft auf das Marketing und die Firmen-Kampagnen, macht Googles „Do not evil slogan“ lächerlich, vergleicht die Gefahr durch Algorithmen mit jener der Atombombe, entlarvt die Anhänger von Technomythologien als religiös … d.h. man beackert das Feld der Kritik der veröffentlichten Meinung. Dort kann man noch wirkungsvoll personalisieren und politisieren, Gegnerschaften ausleben und dem Gesellschaftstheater immer neue Statisten und Masken zuführen. Umso besser, wenn man da auch noch diskursanalytisch mit Hochschulprofessur mitmischt, schließlich gibt es keine Metaebene im Volkstheater: wer etwas sagt, der ist dabei und macht mit.

    • Mich erinnert das fatal an das aufzwingen eines schlechten Gewissens, wie es seit der katholischen Kirche stets üblich war: Auf die Armen verweisen und dann einen fetten Tempel nach dem nächsten hinstellen. statt das zu tun, was selbst gefordert wird. Der Sozialtotalitarismus, so würde ich das übergreifend nennen, von der Gentrifizierungskritik bis eben zu den Gendertröten, wurde noch nicht sauber durchsäkularisiert, deshalb trauen die sich noch. Es könnte aber auch sein, dass solche Strömungen in zukunft wieder mehr Kriik als Bioespresso eingeflösst bekommen.

    • Barock?
      Ja wenn die Tröten wenigstens mal einen, fett… äh, natürlich-normalproportionierten Tempel hinstellen würden!
      .
      Dafür würde ich denen ein bissel Totalitadingsbums schon mal nachsehen.

    • Viel Vergnügen
      …bereitet mir immer die ‚ Internationale Gemeinschaft‘ auf die man
      sich zumindest in den Medien so gerne beruft und in deren Namen
      agiert wird.

      Weiß jemand wer das ist?

  32. Büchsenöffner und Pflegenotstand!
    Und dazu noch afrikanische Kochstellen.
    Aus eigener Erfahrung kann ich mitteilen, dass Solarenergie betriebene primitivste Konstruktionen in der afrikanischen Hitze ausgezeichnet funktionieren. Nur, traditionell essen die Menschen dort Gekochtes am Abend.
    Über eine sehr lange Tradition und Erfahrung in der Pflege von Menschen verfügt die Kirche. Heute verschweigt sie leider gern, dass die Mittel dafür vom Staat, also vom Steuerzahler in überwiegendem Maße kommen. Damit geht eben einher, dass das ganze Pflegesystem erheblich merkantilen Prämissen folgt, das ganze Spendensystem diskreditieren kann. Es ist eben zu bemerken, dass an den Pflegebedürftigen in nicht geringem Maße auch Geld verdient wird und der Missbrauch selbst schwer zu verhindern ist.
    Ich habe in einer Gebe-Situation immer ein ungutes Gefühl. Bei der Situation in meiner “Ostergeschichte“ habe ich mich gefragt, was daran nicht stimmte. Wie kamen diese Männer so konzentriert an diese Kreuzung? Wurden sie von einer Handvoll brutaler gesunder Kerle mit Knüppeln und Revolver zu dieser Arbeit gezwungen und hat diese Bande ihnen letztlich das mühsam eingesammelte Geld am Abend abgenommen? War die Polizei selbst involviert und verdiente mit, indem sie die armen Kerle statt am mittelalterlichen Invalidenbaum aufzuknüpfen zur modernen Wegelagerei einsetzte und sich selbst dann die Taschen füllte?
    Ein besonderes Augenmerk sollte die Gesellschaft auf das Personal im weißen Kittel haben, wie die Ereignisse bis in die jüngsten Tage gezeigt haben. Nicht vergessen werden dürfen die Ärzte und Pfleger, die in der NS-Zeit die ihnen, auch gegen ihren Willen, anvertrauten Kranken, geistig und körperlich behinderte Menschen in Krankenhäusern und speziellen Anstalten ermordeten.
    Nein, einen umfassenden und fairen Lösungsweg weiß auch ich nicht. Es wird nur ein immerwährendes Ringen darum geben. Aber ich glaube, dass die Pflege Bedürftiger genauso zum Schicksal der Menschheit gehört wie die Liebe.

    Bernard del Monaco

  33. Aprikose Himbeer
    Die Aprikose ist einer herrliche Frucht, die Himbeere sogar die Königin der Beeren – jedes gibt für sich eine wunderbare Marmelade. Ist hier ein Gemisch Aprikose/Himbeer wirklich ein Gewinn, ein kulinarischer?

  34. Realitätsfremd
    Ich frage mich zudem noch was Sabine Hark sich da vortstellt, wenn sie von diesen Kochstellen für die dritte Welt schreibt. Ich bin gerade selbst seit 7 Monaten in Ghana(als Freiwilliger) und kann mir keinen Herd vorstellen, der hier genutzt werden würde. Energie ist zu teuer für die Menschen als man damit kochen würde.Gas ist da schon die nächst billigere Variante, ist aber zum einen nicht überall verfügbar und zum anderen auch immer noch zu kostspielig, als das die Mehrheit der Bevölkerung sich das leisten könnte. Holz/Kohle dagegen kann man überall hacken bzw. selbst köhlern.Zudem ist Ghana noch eines der reichen Sub-Sahara Länder. Die Kochstelle die sich die Sabine da also vorstellt müsste im Prinzip also keine Betriebskosten aufweisen. Könnt ihr das liebe männliche Ingenieure.
    Eine Kochstelle die sauber, kostenfrei,idiotensicher zu bedienen und billig zu produzieren(schließlich brauchen wir 3 Milliarden Stück) ist. Langlebig sollte sie auch sein. Noch mehr Metallschrott von überambitionierten, realitätsfremden, Entwickelungstotgeburten können die Länder hier echt nicht gebrauchen.Ganz abgesehen davon entsteht die wahre Luftverschmutung wahrscheinlich sowieso durch die richtigen Müllgruben/verbrennungen(was immer noch besser ist als den Müll einfach liegen zu lassen…auf jeden Fall visuell). Ich geh mir jetzt n bissl Reis kochen. Vll. haben wir ja noch einen gebrauchten Flip-Flop. Das Paraffin da drin ist echt ein super Anzünder.

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