Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Satiriker in abendländischer Tradition wegsperren

| 107 Lesermeinungen

Everybody has a weapon to fight you with to beat you with when you are down
Anne Clark, Our Darkness

Religiöser Extremismus hat viele Gesichter: Manchmal sind es Einzeltäter oder kleine Gruppen wie die Attentäter im Fall von Charlie Hebdo, von denen sich dann die grosse Mehrheit entsetzt abwendet. Aber manchmal sind es auch Staaten wie das angeblich prowestliche Saudi-Arabien, das am Tag, da das Drama in Paris beendet wurde, den Blogger und Aktivisten Raif Badawi auspeitschen liess. Fünfzig Schläge, die ersten von insgesamt tausend, und zehn Jahre Haft hat Badawi im angeblichen Rechtsstaat Saudi-Arabien bekommen, weil er über die Rolle des Islam in der Gesellschaft reden wollte.

oska

Wir empfinden so etwas als mittelalterlich und verbinden das mit den Tagen unserer eigenen schwarzen Epoche, eben, dem sprichwörtlichen finsteren Mittelalter. Aber wie so oft beruht unser Empfinden auf einem Mangel an Bildung, denn auch unser Strafgesetzbuch ziert ein Paragraph zur Gotteslästerung, wenngleich er heute kaum mehr zur Anwendung kommt, und auch niemand mehr ausgepeitscht wird. Öffentliche Körperstrafen kamen bei uns indes erst in der frühen Neuzeit in Mode und hielten sich bis weit ins 19. Jahrhundert. 1900 wurde das Züchtigungsrecht der Herrschaft gegenüber dem Gesinde abgeschafft. Sogar gewaltfreie Erziehung ist bei uns seit 2000 vorgeschrieben. Weil das aber so ist, liebe Leser, könnte man hier einmal die Frage stellen, wann eigentlich bei uns – wir lassen die wirklich finstere Zeit des Nationalsozialismus einmal aussen vor und ignorieren auch die DDR – ein Mensch wegen Lästerung einer Ideologie mittels einer kulturell hochwertigen Satire weggesperrt und ruiniert wurde. Also kein Terror, sondern mit rechtsstaatlichen Mitteln und weitgehender Akzeptanz der Bevölkerung, so wie in Saudi-Arabien.

Im Rokoko vielleicht? Während der späten Aufklärung als Gegenbewegung der Kleikalen? Im Biedermeier, während der Restauration, unter Metternich?

Das sind alles feine Vorschläge, aber es ist gar nicht so lang her. 1895 wurde der Autor Oskar Panizza zu einem Jahr Einzelhaft verurteilt. Anlass war ein Buch, das wir heute als Lappalie betrachten würden: Das in kleiner Auflage vorsorglich in der liberaleren Schweiz gedruckte Stück „Das Liebeskonzil“, das sich über Gott und die Welt, genauer, das römische Papsttum lustig macht. Geschehen ist da alles ausgerechnet in jenem München, das damals nach allgemeiner Vorstellung eine liberale Künstlerstadt gewesen sein soll. Allein, im Liebeskonzil wird nicht nur die damals bereits bekannte Neigung zu Ausschweifungen am Hof des Borgiapapstes Alexander VI. thematisiert. Dieses Benehmen führt obendrein zu einer schweren Krise im Himmel, der von einer intriganten Maria, einem schwindsüchtigen Jesus, einem alterssenilen Gott und schaurig singenden, verhungerten Tiroler Kindern entsprungenen Engeln bevölkert wird. Dort sieht man das Treiben mit Missgunst und bestellt den Teufel ein, damit er eine Strafe finde. Der Teufel zeugt daraufhin mit Salome eine Trägerin der Syphilis und lässt sie, zur Zufriedenheit des Himmels, auf die Menschen los.

oskb

Geschmackvoll ist das nicht zwingend, aber nachdem Panizza schon früher wegen antikirchlicher Schriften aufgefallen war, statuierte man an ihm ein Exempel. Den Prozess mit einer fingierten Anklage würde man heute keinesfalls als rechtsstaatlich bezeichnen, und die Geschworenen jener guten, alten Zeit hatten auch nichts für Panizzas Verteidigungsrede übrig, in der er die Freiheit der Kunst beschwor. Sehr zur Zufriedenheit konservativer Kreise wurde Panizza dann auch verurteilt, zumal er sich als Atheist bezeichnet hatte, und keinesfalls auf – was ihn vielleicht gerettet hätte – Unzurechnungsfähigkeit plädieren wollte.

Man liest das Buch heute und, nun ja, man ist im Vorabendprogramm des TV Schlimmeres gewöhnt. Panizza konnte auch zutreffend behaupten, dass es derartige Stücke im Barock auch schon gegeben hat, und als ich das Buch vor dreissig Jahren in die Hand bekam, fühlte ich mich davon wirklich nicht zum Hass gegen das Christentum angestachelt. Es ist halt Satire und Satire darf alles. Allerdings hatte ich da die Rechnung ohne den modernen Freistaat Bayern gemacht, denn als ich vorschlug, man könnte das doch in der AG Literatur meines Gymnasiums besprechen, wurde das abgelehnt. Sicher, das Buch war erhältlich, aber dem Lehrer, einem gleichzeitig klugen und vorsichtigen Mann, war im Gegensatz zu mir klar, dass diese Lektüre an dieser Schule auch damals noch übel ausgegangen wäre.

Panizza zahlte damals im schönen, liberalen, künstlerischen München einen hohen Preis und sass die Strafe bis zum letzten Tag ab. Danach war er ein anderer Mensch und driftete zusehends in den Wahnsinn ab, um die letzten 16 Jahre seines Lebens dann im Irrenhaus zu verbringen. Sein Hauptwerk musste 1913 mit grösster Vorsicht als Privatdruck vertrieben werden, weil man den öffentlichen Verkauf nicht riskieren konnte. Noch 1962 ging die Staatsanwaltschaft wegen der Verbreitung pornographischer Schriften gegen den Versuch vor, ein Faksimile des Originals in einer Auflage von 300 Stück zu verkaufen. Noch 1985 wurde eine Verfilmung in Tirol – da wo die Kinder verhungern und zu Engel werden – verboten, und 1994 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Entscheidung bestätigt.

oskc

Da stehen wir in diesem Europa. Wir stehen zwei Dekaden nach dem höchstrichterlichen Verbot einer Jugendstilposse eines Autors, der ein Jahr ins Gefängnis musste, weil ein paar hundert Menschen privat, ohne damit jemanden zu belästigen, ein Buch gelesen hatten, in dem eine Religion nicht schmeichelhaft dargestellt wird. Und als im Jahr 2000 von der CSU gefordert wurde, den fraglichen Paragraphen zu verschärfen, war ich auf der Pressekonferenz der Katholiken in Bayern. Natürlich waren sie dafür. Und was wäre dann mit Panizzas Liebeskonzil, habe ich gefragt. Die Antwort war nicht wirklich tolerant.

Die meisten von denen sind noch unter uns. Es ist unwahrscheinlich, dass man den Paragraphen noch verschärfen wird, aber es gibt ja auch noch den Schutz der Jugend, der Prostituierten, die Reinheit des Netzes, und Pornographie wie am Hofe von Alexander VI im Liebeskonzil ist natürlich auch keine Kunst, sondern eine Gefahr für unsere Kinder. Wir bringen dafür keinen mehr um. Wir lassen dafür niemanden mehr in Einzelhaft verschimmeln. Aber die gleichen Politiker, die sich heute auf Charlie Hebdo berufen, sind diejenigen, die morgen wieder über die Gefahren des Internets reden, mehr Überwachung fordern und nach Sperren schreien.

Das ist fraglos besser als die Taliban und der Islamische Staat, aber solange wir selbst solche Herrschaften in Parlamente schicken und uns von ihnen regieren lassen, sollten wir nicht gar so laut auf unsere christlich-abendländische Kultur verweisen. Panizza, der noch keine hundert Jahre tot ist, wurde für genau diese autoritäre Kultur ruiniert, und ob man das Liebeskonzil inzwischen in meinem alten Gymnasium in der AG Theater aufführen dürfte?

oskd

Ich wäre also wirklich begeistert, wenn unsere besorgten und engagierten Politiker, das kann bei so einem alten Buch und so einem unfairen Justizskandal doch nicht schwer sein, erst mal Je suis Panizza sagen könnten. Oder Je suis Raif Badawi. Der ist nämlich noch nicht tot, der soll erst öffentlich totgeprügelt werden, und da könnte man vielleicht noch etwas tun. Gerade als Politiker in christlich-abendländischer Tradition. Und damit meine ich nicht den Export von Panzern nach Saudi-Arabien.

42

107 Lesermeinungen

  1. emirate und saudi arabien
    es ist einfach auf putin einzuschlagen und frau dr. merkel löst damit wohl innere konflikte aus ihrer jungend, aber bei den genannten ländern erdulden wir alles still, das was don beschreibt und die täglichen menschenrechtsverletzungen an sog. gastarbeitern, aber wir hoffieren die prinzen wie die könige aus dem morgenland. wo bleiben hier die sanktionen ?

  2. Titel eingeben
    was ist gotteslästerung?

    gott ist bildlich ja gar nicht darstellbar und auch nie ein körper noch kann eine eigenschaft eines körpers anwendung finden

    mohamad sowie jesus waren propheten menschen mit allen menschlichen schwächen und eigenschaften

    und zu ihrem heutigen einleitungssatz fiel mir gerade eine heute erschienene mail dazu ein die genau in diesem punkt zugeschlagen hat – wie menschlich treffend sie genau die schwäche glaubt erkannt zu haben

    • Jesus war nicht ein Mensch, der etwas zu bereuen hatte
      dem Titel habe ich nichts hinzuzufuegen

  3. verfügbar
    Sehr geehrter Don,

    die Zeiten ändern sich doch: das Buch ist verfügbar unter gutenber.spiegel.de

    Aber man wird sich bestimmt meine IP-Adresse notieren, und ich weiß ja nicht, wie sich die Zeiten wieder ändern werden.

    • Verfuegbarkeit
      Noch besser: gibt es bei Amazon.com als kostenlose Kindleausgabe. Habe es gerade runtergeladen. Dazu noch andere Werke von Oskar Panizza, ebenso kostenlos.

    • Gemeinfrei. Aber ich kaufe das im Laden als buch und habe das schöne Cover.

  4. Je suis Raif
    Aus meiner Sicht ist die barbarische Auspeitschung des Raif Badawi weitaus skandalöser als die Morde von Paris. Gerade weil Raif Badawi nicht Verbreuchern zum Opfer fiel, sondern einem „Rechtsstaat“, der sich auf die Scharia stützt.
    Warum schweigt die europäische Politik angesichts dieser Barbarei? Aus Geschäftssinn und Diplomatie. Eben das ist der eigentliche Skandal.

    • Zuständigkeitsbereich
      Sehr zwiespältig wird es angesehen, wer international wieviel wirken darf. Genau genommen haben wir in anderen Ländern nichts zu sagen. Wir wurden weder von deren Bevölkerung noch von deren Machthabern dazu bevollmächtigt. Dass das den NATO-Staaten nicht wirklich interessiert, steht auf einem anderen Blatt. Jetzt können wir maximal prüfen, welche internationalen Vereinbarungen Saudi-Arabien unterschrieben haben. Nur daraus kann das Recht entspringen, Einspruch erheben zu dürfen. Wer sind wir, dass wir uns anmaßen, anderen vorgeben zu dürfen, wie sie in ihrem Land zu leben und zu strafen haben?

    • Titel eingeben
      Das, lieber Herr Weiss, ist ganz einfach: Aus der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, wie sie hier http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf nachzulesen ist.

      Und aus der Tatsache, dass es eben nicht die „anderen“ sind, denen wir etwas vorzugeben haben. Sondern eine relativ kleine Gruppe von ehemaligen Clan- oder Stammesführern, die durch absolut nichts als die reine macht legitimiert beanspruchen, für ihre „Völker“ zu sprechen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  5. Satiriker in abendländischer Tradition wegsperren - Opportunismus der 2. Kategorie ?
    Auf Grund der aktuellen Ereignisse der vergangenen Tage und als guter Deutscher stets um meine Integration in mein sich wandelndes Deutschland bemüht, war ich gerade noch in Goethes „Divan“ vertieft: „……welchen Mahomet selbst entsprang, ihnen aber eine düstre Religionshülle überwarf und jene Aussicht auf reinere Fortschritte zu verhüllen wußte.“ – als ich den neuen Artikel des Autors zur Kenntnis nahm.

    Don Alfonso, im allgemeinen der distanzierten Betrachtung, wie dem Guten und Schönen zugeneigt, scheint heute in der grauen Wetterdüsterkeit des Voralpenraumes mit ebenso düsteren Worten wie „wegsperren“, „auspeitschen“, na ja ein wenig nach Marquis de Sade a la carte, gewürzt mit „Islamislamismus“ nachzuhängen.

    Weshalb reden wir in diesen Tagen so viel über diese Leute ?

    Bis zum Herbst 1973 hat doch kein Mensch über diese im Mittelalter verhafteten Menschen gesprochen. Und wenn doch dann bei Karl May und seinem Kara Ben Nemsi oder bei einem höheren Bildungsanspruch im Film: „Lawrence von Arabien“ mit Peter O‘Toole in der Hauptrolle.

    Mit dem Olympia Attentat 1972 haben sie ihren Unfrieden erstmals direkt in unsere Welt getragen.

    Und heute gibt es ja keine Nachrichtensendung in welcher diese billigen Protagonisten nicht auftreten dürfen und ich in Notwehr nur noch den Ausschaltknopf drücken kann.

    Und andere kleine Randgruppen werden auch zu Parias dekradiert.

    Es erscheint mir doch erstaunlich, daß nicht nur bedeutende überregionale Zeitungen dem Islam und damit auch PEGIDA, welche nach Herrn de Maizière (6.1.15) „ein regionales Phänomen“ ist, solche Bedeutung beimessen.
    Und auch Fr. Merkel bei der an ihr Volk gerichteten Neujahrsrede, in ihrer unterdrückt postulierenden Sprache, der Meinung war, wie just der Stadtpfarrer meiner weinseeligen Heimatstadt in den 60ziger Jahren Wahlempfehlungen für die CSU von der sonntäglichen Kanzel gab, mir sagen zu wollen wo ich besser nicht hingehen will.

    Was die Menschen 1989/90 in Dresden auf die Straße trieb ist deren Sache und Teil der DDR Historie. Wenn heute „ein regionales Phänomen“ das Innenministerium beschäftigt mutet dies doch etwas sonderbar an.

    Ich stelle mir da so eine Stadt wie Traunreut vor, von welcher der Autor sicher schon gehört hat, aber ebenso sicher nicht dort wohnen möchte, mit ihren 18516 Einwohnern im Jahre 1980, welche alle, ob Säugling, Tatortdauerserienzuschauer, Alzheimererkrankte oder all die Rollatorvorsichherschiebenden, vorbeugend mit Rollatorfahrerschutzhelmen versehen, sich zu einer Demo versammeln, in diesem großen Deutschland mit seinen 80 Millionen Bürgern.

    Wahrhaftig ein „ein regionales Phänomen“.

    Und hierzu läßt sich die FAZ hinreißen zu schreiben:“18.000 ISLAMFEINDE marschieren …“. Diese Schlagzeile ist kein auspeitschen, vielmehr ein einpeitschen.

    Nachdenklich macht mich ebenso, daß eine freie, um objektive Berichterstattung bemühte Presse, welche sich zu Recht dagegen wert von einer regionalen Minderheit als „Lügenpresse“ bezeichnet zu werden, einem vollkommen unbedeutenden Herrn Bachmann ständig seine Vorstrafen vorhält. Hier tendenziöse Gefühle zu wecken ist eine Sache, sonderbar erscheint nur, daß z.B. ein vorbestrafter CSU Politiker Otto Wiesheu – fahrlässige Tötung – nie von der Presse ständig mit seiner verbüßten Straftat konfrontiert wurde.

    Und, wenn man am Kölner Dom oder am Brandenburger Tor das Licht abschaltet, sollte man nicht ganz vergessen, daß auch die kleine Minderheit der Demonstranten die Stromrechnungen für diese Illuminationen mitbezahlen. Demonstrieren ist noch ein Grundrecht, den Stromschalter umzulegen ist pure Macht.

    Hier scheinen einige Menschen sehr große Angst vor einem „regionalem Problem“ zu haben und, ihre Unfähigkeit erkennend, diesem nicht auf demokratischer Basis in Augenhöhe begegnen zu können oder zu wollen und nach ihren eigenen, willfährigen, Anhängern zu rufen.

    Nach den verwerflichen Ereignissen in Paris sei hier noch an Konrad Adenauer erinnert welcher in seiner Ansprache vor dem Pariser Stadtrat am 4.7.1962 sagt: „Die zentrale Stellung der Menschen in der abendländischen Philosophie und Theologie scheint mir der eigentliche Kern der europäischen Kultur, in allen ihren Ausdrucksformen zu sein.“

    Nach dem kurzen gedanklichen Exkurs zu einem regionalem deutschen Phänomen wieder zurück, bei einem guten Glas Klingenberger Spätburgunder und Goethes „Diwan“ “ …..Der Prophet hingegen sieht nur auf einen einzigen bestimmten Zweck; solchen zu erlangen, bedient er sich der einfachsten Mittel. Irgendeine Lehre will er verkünden und, wie um eine Standarte, durch sie und um sie die Völker versammeln.“

    Mit freundlichem Gruß

    B.Klingenberger

    • licht abschalten
      warum schaltet der domherr in köln das licht nicht aus um den unzähligen opfern der pädophile durch den katholischen klerus, mithin seine kollegen, zu gedenken. das wäre doch mal eine tat und ein bekenntnis.
      ich fordere ja (noch) garnicht, dass er das licht löscht, wenn irgendwo auf der welt von den uns bekannten tätern mal wieder eine kirche (samt gläubigen besuchern !!!) abgefackelt wird.

    • Titel eingeben
      Nur Die Deutschen im osten sind noch nicht so weit mit ihrer Demokratie Toleranz gegen andere Menschen ,Döner Buden Killer Asyl Heime anstecken Gewalt .Ost Deutsche Ämter Berühmt für ihre Ausländer Freundlichkeit .Sie Können gerne nach lesen was man ihnen alles vorwirft .Auf gleicher Demokratischer ebene mit ihnen Diskutieren ? wie ich habe angst da rüber zu gehen als Türke bezahle meine Soli Zuschlag seit 20 Jahren .aber bin unerwünscht bei 1% Ausländer Anteil was wäre bei 2% gefährlich Untergang Osten Überfremdung Panik. DIE IM OSTEN MÖGEN KEINE AUSLÄNDER ! deswegen mag ich sie .Ich mag Rechtsradikale die sind wenigstens ehrlich sagen es mir ins Gesicht .Die gefährlichsten sind die Heimlichen die einen Das Leben Hier schwer machen und in denn Ämtern sitzen Richter Polizisten Staatsanwälte Ausländer Behörden ,Sachbearbeiter ,Arbeitskollegen ,LEHRER aus eigener Erfahrung kann ich ihnen gerne erzählen .Wenn solche gebildete Menschen sind da haben wir keine Probleme mehr .

    • Ich kann Ihnen hier mitteilen – da müssen Sie gar nicht aus dem Osten kommen, schon als Bayer fühlt man sich da nicht zwingend willkommen. Vielleicht ist es aber einfach auch nur so, dass dort Subkulturen stärker sind, die es so im Westen zwar auch gibt, aber eben nicht so deutlich. Die Sache mit den Behörden ist noch mal was ganz eigenes, da habe ich noch eine schöne Geschichte.

    • Pegida blüht so nur in Dresden, Herr Klingenberger,
      insofern ist es ein regionales Problem, das zu beleuchten sich die FAZ schon Mühe gegeben hat. ZB. Peter Carstens, der sich in seinem Beitrag die Frage stellte, „Warum Dresden“; übrigens in sehr witziger Weise. Gelernte Ossis machen in Dresden vor allem jene Jahre verantwortlich, in denen man „ahnungslos“ war, fernsehmässig. Auch trägt der Dresdner seinen Anspruch etwas Besseres zu sein, monstranzmässig vor sich her, seit Jahrhunderten. Mindestens wie Florenz habe man zu sein, was selbstverständlich schon immer ein grandioses Mißverständnis war. Auch schon, bevor alliierte Bomber die Stadt in Schutt und Asche legten. Jene Stadt, die schon von Anfang an besonders braun war und später, am 08.05.1945, merkwürdigerweise gar keinen Nazi mehr aufwies. Aber selbstverständlich „Opfer“ war. Im Gegensatz zu Leipzig und seinen Demonstranten waren die Dresdner sehr schnell „ein“ Volk und nicht nur „das“ Volk. Gewalttätig wurde man – während der „friedlichen Revolution“ in der DDR in Dresden auch schon mal, zB. als der Zug mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag im dortigen Hauptbahnhof einfuhr. Mia san mia auch bei der Waldschlösschenbrücke. Was kümmert es einen Dresdner, ob seine Stadt einen Welterbestatus hat, wenn er doch ungehindert Auto fahren und sich dabei von Niemandem, schon gar keinem Fremden reinreden lassen will. Genau !
      Wie gesagt, Dresden ist ein regionales Problem.
      Mit den Vorstrafen des Herrn Bachmann verhält es sich meiner Meinung nach so: Wer jeden, ausnahmslos jeden Asylsuchenden, der sich einer (!) Verfehlung schuldig gemacht hat, konsequent ausweisen, vulgo rausschmeissen will aus unserm guten Vaterland, der sitzt in einem gewaltigen Glashaus. Das muss man einfach wissen. Wenn dieser Jemand drei Jahre und acht Monate Knast auferlegt bekam (in München kann man dafür als Präsident des FC Bayern Steuern in Millionenhöhe hinterziehen und bekommt drei Monate weniger), weil er bei seinem Spaziergang durch das Strafgesetzbuch so ziemlich jeden Paragrafen der Vergehen streifte, nun ja. Da sind Nachfragen erlaubt und geboten. Herr Bachmann floh, um der Strafvollstreckung zu entgehen, nach Südafrika, wo er als illegaler Flüchtling mit falschen Papieren lebte. Und als dies ruchbar wurde, wurde er ausgewiesen und abgeschoben. Das Glashaus ist nun ein Glaspalast. Nachfragen sind zwingend erforderlich und haben genau gar nichts mit tendenziöser Berichterstattung zu tun. Wie auch. Witzigerweise kommen Pegida-Anhänger mit etwas, das sie keinem straffällig gewordenen Asylsuchenden zubilligen würden: Sie kommen mit dem Recht auf Resozialisierung des Herrn Bachmann. Der nicht eine sondern mindestens zehn Chancen hat verstreichen lassen, sich zu resozialisieren. Verkannt wird dabei (oder gern übersehen), dass dieser wegen Drogenvergehen aktuell unter laufender Bewährung steht. Warten wir also den Straferlass einmal ab, bevor wir über Resozialisierung sprechen, denn offenbar hat auch Knast Herrn Bachmann nicht von weiteren Straftaten abhalten können.
      Die aus dem Dunkel kamen, gehen im Dunkeln, so könnte man die Stromabschaltung in Köln nennen. Es war die Entscheidung des greisen Dompropstes Feldhoff allein. Warum sich darüber alle ereifern, verstehe ich nicht. Wenn der Hausherr am Dom das Licht ausmacht, ist das seine Sache. Wenn er auf diese Art und Weise eine Meinung zum Ausdruck bringt, ist das sein gutes Recht. Pegidaanhänger führen ständig Rechte im Mund, die sie haben und deren Entfaltung angeblich beschnitten wird, durch die Lügenpresse, die „da oben“, die pösen Gegendemonstranten. Dabei marschieren sie seit Wochen ungehindert durch Dresden und sondern ihr krudes Zeug ab. Pegida ist dabei wie selbstverständlich „das Volk“, nur das das Volk mehrheitlich anderer Ansicht ist. Kaum nehmen Andere eine Meinung in Anspruch, die Pegida nicht passt, setzt Schnappatmung ein. Diese Mischung aus aggressiv vorgetragenem rassistischem Vorurteil, Selbstbeweihräucherung, Inszenierung als Opfer und Rumgegreine macht Pegida zu Recht zur Zielscheibe gnadenlosen Spotts. Und die Freunde und überlebenden Mitarbeiter von Charlie Hebdo haben schon bekundet, was sie von Pegida halten. Völlig zu Recht und in Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäusserung.

    • Ja, dass Herr Bachmann da ein wenig Verständnis haben sollte, finde ich auch. Besonders mit jenen, die mit Rauschgift handeln.

  6. Fingerspitzengefühl gesucht
    @Carlos Obers – Ich glaube, weniger aus Geschäftsinteresse oder Diplomatie, sondern aus Faulheit und weil man damit keine Wählerstimmen gewinnen kann.
    .
    Andererseits, wenn man Raif Badawi erfolgreich helfen will, nützt es sicherlich nicht, eine großangelegte Internet und/oder offene diplomatische Aktion zu starten. Dadurch werden die Herren in Saudi Arabien und ihre moslemischen Anhänger weltweit nur noch nachdrücklicher auf der Strafe beharren, weil es dann eine Frage von Prinzip und Stolz wird. Man kann da nur hoffen, dass irgendjemand mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und Beziehungen sich des Problems annimmt, es hinter die politische Bühne lotst und löst.

    • Titel eingeben
      Die Hoffnung stirbt auch in diesem Fall zuletzt. Apeasement groß geschrieben…

    • Die Sache ist halt – so weit, dass andere sich nicht beleidigt fühlen, kann man gar nicht nachgeben. Man bekommt den Konflikt so oder so.

  7. Addendum
    Werter Don,

    vielen Dank für das wunderbare Panizza-Referat und vor allem die damit verbundenen Implikationen.

    Dass die Ablehnung vermeintlicher Blasphemie auch bei bürgerlichen Literaten bisweilen Wünsche nach Verbot und Bestrafung auslöst, hat ja ein gewisser Frankfurter Autor im Sommer 2012 trefflich gezeigt (http://www.berliner-zeitung.de/kunst/kunst-und-religion-vom-wert-des-verbietens,10809186,16414828.html). Ob auch Raif Badawi wie dieser begrüßte, dass mit dem Islam wieder „Musik in die Sache gekommen“ ist?

    Es seufzt
    Cassiodor

  8. unklar
    Der Gedanke, ein Mensch, irgendein Mensch könne G’tt lästern, erscheint mir sehr fremdartig. Wie in aller Welt soll das gehen? Gleichwohl steht das in unseren Gesetzen. Je suis…?? Eigentümlich ist auch, dass wir eine Datenschutzbeauftragte haben, die schlicht Arbeitsverweigerung betreibt. Und die CDU/CSU-Fraktion hat eine Menschenrechtsbeauftragte, die ebenso krass ihr Amt verfehlt, nicht nur, weil Intoleranz ihre hervorstechende Charaktereigenschaft ist.

    Je suis hypocrite…

  9. Titel eingeben
    @der tiger ja dieser auffassung bin ich auch deren ehre und stolz kann nicht ein „ungläubiger“ lösen das muß aus den eigenen reihen kommen und dann hat sich auch dort etwas bewegt

  10. Titel eingeben
    Ich kann – aus pesönlicher Genauigkeits-Verschrullung – leider nicht à l‘ art du pop hergehen und ernsthaft sagen „Je suis Raif“. Wenn ich doch nicht er bin. (Da bin ich komisch-genau, persönliches Unvermögen.)

    Doch ich fühle mit ihm und seiner Familie. Sehr.

    Was helfen die ganzen Petitionen, die ich schon unterschrieben habe.
    Es ist wie ein kleiner empörter Furz eines Losers ins Nichts. Weder Le Merkle (das Öl, das Öl ….!), noch die Saudis, noch das ebenso gleichgültige Universum scheren sich darum.

    Wenn mir einer sagt, was ich als unterer, niederer Unwohlstandsbürger erfolgreich tun kann, wäre ich sehr dankbar. Diese Ohmacht, diese Gefühle der Vergeblichkeit bringen einen bereits um, BEVOR man im Grab ist. Und die anderen schon jetzt. Vielleicht hindert einen nur noch die eigene Feigheit, sich – mit einer Zaunlatte mindestens – zu radikalisieren. So, jetzt ist es raus.

    Aber vielleicht trinke ich besser meinen nur mittelguten Merlot und halte die Klappe. Adagio, ma non troppo. Um mich dann geistig zu geißeln, weil ich leise mimimi in meinen Wein hineinwinsle. Ich Berufsoptimist und gesellschaftsgläubiger Aufsteiger-Schwachkopf, der ich doch seit Kindheit gelernt hatte, dass es für alles immer eine Lösung gäbe. Schwachsinn.

    Nur der Religion habe ich schon früh gelernt zu misstrauen, vor allem der orthodoxen, der super-rechtgläubigen. Ein früher Wink des ungnädigen Schicksals, immerhin.

    Jetzt ist halt mein zäher Glaube an eine irgendwie humanistisch geartete Gesellschaft dran. Die ist ebenfalls wie Osterhase oder Nikolaus: Es gibt sie nicht, aber man erzaählt es lieber nicht seinen Kindern.

    • Noch etwas mehr graben
      Was hilft gegen Ohnmacht? Sicher gründliches Suchen. Wie der Eingesperrte auf der Suche nach einer lockeren Strebe im Fenstergitter.
      Jedoch: Oft braucht er die anderen Zellengenossen. Selbst wenn er fündig wurde. Eine Strebe macht noch keinen Sommer. Fürs ganze Gitter braucht’s gemeinsame Kraft. Und schon stoßen wir an neue Grenzen: der Sinne – „da ist nix locker“. Des Fleißes – „keine Lust, mir das anzusehen“. Der Flexibilität – „das kann (= will) ich nicht glauben“. Der/des xxx – „yz“ (kann jeder selbst ausfüllen, wir erleben Träg- und Bräsigkeit ja Tag für Tag um uns herum, meist sogar an uns selbst; Teststreifen gefällig? Bitte! invincixxxxx.org). Am Ende muss uns also doch irgendein Gott gnädig werden.

    • Link editiert – soll das Schleichwerbung sein?

  11. Titel eingeben
    Das seelische Gleichgewicht und die ausgeglichene Balance auch des emotionalen Haushalts, „unabhängig von aller Welt“, sollte man also am besten als Publizist kenntnisreich von klein auf üben, geübt haben – nur so wäre heute?

    Vermutlich nicht erst mit mit dem bedauernswerten Panizza war es so: Heute, aufgeklärt, wahr, unmanipulativ, rückblickend ließen sich ggfls. Ursache und Wirkung von Schreiben, sich behandelt finden und psychosozialen Folgen gar nicht mehr so genau auseinaderhalten, wie es sich obrigkeitsstaatliche Vorstellungen damls gerne zurechtlegten, evtl. mit den nicht vollkommen perfektesten Folgen für Wort, Werk und Verfasser.

    Z.B. von Torquato Tasso wüsste man heutzutage längst handlungsleitend:

    „Die Prinzessin und die Gräfin von Scandiano, Leonore Sanvitale, bekränzen die Statuen des Vergil und des Ariost. Dabei unterhalten sie sich über Tasso. Leonore schildert den Poeten:

    Sein Auge weilt auf dieser Erde kaum;…
    Das weit Zerstreute sammelt sein Gemüt,
    Und sein Gefühl belebt das Unbelebte.
    Oft adelt er, was uns gemein erschien,
    Und das Geschätzte wird vor ihm zu nichts.
    In diesem eignen Zauberkreise wandelt
    Der wunderbare Mann und zieht uns an.

    Der Herzog kommt hinzu und prognostiziert zum Problem Tasso:

    Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt
    Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen.
    Das ist sein Fall, und so wird nach und nach
    Ein frei Gemüt verworren und gefesselt.

    Im Verlaufe der Handlung wird sich zeigen, dass dies alles genau mit Tasso geschehen wird.“

    Weshalb man eben die Menschen nicht meiden soll (1), resp. sich, um bösen Zueignungen nicht sich fälschlich-manipulativ ausgesetzt zu finden, mit den Verhältnissen als Funktion der Zeit gut vertraut sein sollte. (Je einfacher der Büttel, desto härter sein Schlag.)

    Was auch hieße, spirituell mit Wahrheit und Stabilität über ggfls. sehr lange Zeiträume einzig imprägniert zu sein können: Sogar auch Gruppen von Menschen gingen schon einmal irre. Und fänden sich darob manchmal teils nicht gerne unversehens belehrt – wie wohl, man sieht es hier, bzgl. dessen ja auch garkeine erweitere Absicht bestünde.

    Aber vermutlich sollte man der Einfacheit halber sagen, „der Tasso und der Panizza wären eben keine Nelson Mandelas gewesen“. „Daher der Unterschied“.

    (1- wie gesagt, manche, viele, Geheimdienste, zunehmend alle – wachsende Kleinbügerverantstaltungen immerhin – wendeten das Prinzip, zur Durchsetzung imperialer Machtinteressen ihrerseits z.B., auch grade schon mal anders herum an: Vollkommen gesunde Leute mit der Zeit medial-internetmäßig, nachbarschaftlich usw. erst isolieren, dann verunmöglichen, dann psychosozial dissoziativ wirkende „Systemrückanworten“ senden, und dann „im Griff haben“ – nichts Neues unter der Sonne, keine Macht den Loosern; „Abwehr leicht – herausragend geboren sein“ – (Goethe.) (Der hatte sich seine Staaten und seine Zeit überalles vor allem immer vorbildlich zurecht- u. vorgelegt, nicht wahr?))

  12. (saudi) arabische Rituale
    @sternschnuppe – als ich von dem Urteil zum ersten Mal hörte, dachte ich instinktiv: das ist eine Einladung zur Intervention. Aus irgendwelchen muslim-religiösen Gründen müssen die Saudi-Richter so ein Urteil fallen, aber eigentlich wollen die Saudi-Richter in der globalen Welt nicht als ein derartig brutales Regime dastehen. An wen geht die Bitte zur Intervention? Sicherlich nicht an irgendwelche Politiker westlicher Prägung, die mit ihren Standardsprüchen kommen und sowie keine Geduld und Zeit für arabisch rituelle Verhandlungen haben.
    .
    Dann habe ich darüber nachgedacht, wie ich die Sache angehen würde, wenn ich den Auftrag bekäme, eine Lösung zu finden. Kooperation von Raif Badawi würde ich erst einmal nicht erwarten (Zum Beispiel, dass er sich entschuldigt und/oder verspricht mit dem den Muslimen verhassten Blogen aufzuhören.) Deswegen kriegt er regelmäßig Prügel. Aber damit bleibt das Problem auch akut.
    .
    Wer also ist es, der – dem Verhandlungsritual folgend – stundenlang herumsitzt, Tee trinkt, höflich über Dinge redet, die direkt nichts mit dem Fall zu tun haben, manchmal – ganz beiläufig – den einen oder anderen Einwurf oder Vorschlag einbringt …. bis dann irgendwann der muslimischen Justice genug getan worden ist und man sich auf eine (relativ) faire Lösung einigt?

  13. Beruhigender Blogbeitrag - offenkundig ist es im Abendland doch schon länger her,
    dass man Leute für gebrauchte Worte oder Bilder einfach umgebracht hat.

    Und damit das klar ist – ich fand viele der Bilder und Witze des französischen Prollblättchens beleidigend, dumm, platt und krawallig. Weshalb ich dem Slogan „Je suis Charlie“ auch nichts abgewinnen kann, Die überfällige Verteidigung der Meinungsfreiheit heisst nicht, ich muss mich mit den Ermordeten in eins setzen.

    Was die Haftstrafe für unbotmässige Schriften betrifft – ich kenne da im Netz seit Dons einschlägigen Blogbeiträgen ein paar, die wären für ein entsprechendes Strafrecht sofort zu gewinnen. Das Lustige ist – die halten sich alle für progressiv.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  14. boarische rituale
    wir von der CSU waren immer schon der meinung, dass blasphemie härter gestraft gehört und niemals nicht durch die pressfreiheit gedeckt ist.
    http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2012/09/21/a0073
    (via fefe)

  15. Satire darf alles, der Satiriker nicht.
    Die heutige Zeit ist in Wahrheit noch viel schlimmer. Auf den grössten Bühnen wird blankes Insistieren als Satire verkauft. Der berufene Satiriker, der die wirklich ungenehmen Themen anspricht, landet heutzutage nach blankem Rufmord in der Psychiatrie. Psychopharmaka töten jeglichen künstlerischen Geist und nur wochenlanger Hungerstreik kann ihn wenigstens davor noch bewahren. Man lässt sein Werk verschwinden und falls er´s nach Draussen überlebt, ist er für diese „aufgeklärte“ Gesellschaft vogelfrei und geistig leprös. Wehrt er sich mit weiterer Satire, gibt´s noch Haft, weil ein Psychiater bei Privatpost sich beleidigt von den Worten eines „Unzurechnungsfähigen“ fühlen muss und Juristen Interessenkonflikte verschweigen und die Erbschleicher bedienen. So wie einst Villon mehrfach der Todeszelle mit schier göttlicher List entkam, bleibt das Leben danach trotzdem einsam und kalt und so verliert sich am Ende jede Spur.

  16. -
    Vor einiger Zeit habe ich mit einer Saudi-Arabierin gesprochen, die in DC fuer eine NGO arbeitet. Die Frau ist selbst fuer amerikanische Verhaeltnisse sehr liberal und kann in Anbetracht ihres oeffentlichen Engagements fuer mehr Menschenrechte in Saudi-Arabien auf absehbare Zeit nicht mehr in ihr Heimatland einreisen. Ich habe sie dann nach der Politik in Sa.-Ar. gefragt, und mir wurde berichtet, dass zwar viele Buerger (z.B. ihre Eltern) das Koenigshaus und seine Herrschaft ablehnen, im Zweifel aber allen realistischen Alternativen vorziehen, denn diese waeren fast sicher eine Form radikaler Theokratie (evtl. begleitet von Stammeskaempfen – da habe ich leider nicht nachgehakt).

    Also: Das Koenigreich Saudi-Arabien ist eine Familienmonarchie/Aristokratie, die das Volk auch mittels strikter religioeser Vorschriften unter Kontrolle haelt, aber ob moralisch uneingeschraenkt gerechtfertigte Empoerung und Sanktionen zu irgend einer Verbesserung fuehren koennten, ist mehr als fraglich. Was ist also die kluge und richtige Handlungsvorgabe hier? Einfache Antworten gibt es darauf vermutlich nicht.

  17. Vive la laïcité!
    Es ist lobenswert vom Don, hier den Finger in die „christlich-abendlaendische“ (gerne auch „christlich-juedische“) Wunde zu legen. Die verqueren Doppelstandards aufzudecken und anzusprechen waere eigentlich die Aufgabe einer wahrhaft liberalen Partei, die wir in Deutschland weder haben noch zu vermissen scheinen. Ich hatte ja (lange vor Charlie Hebdo) die leise Hoffnung, dass die Deutungshoheit im sich andeutenden Kulturkampf durch eine Besinnung auf einen explizit saekularen Staat gewonnen wuerde. Mit einer Union, deren groesste Sorge bei der voellig vermurksten EU-Verfassung es war, irgendwo einen „Gottesbezu“ unterzubringen, ist da aber wohl nicht viel zu machen.

    Vive la laïcité!

  18. falscher Akzent
    Verehrter Don,
    ein hübsches Exempel habt ihr da ausgegraben. Allerdings, was ist der Zweck des sogenannten „Gotteslästerungsparagraphen“ und was steht im Gesetz? Wie schon Jura – Studenten im 1. Semester lernen, im Zweifel hilft der Blick ins Gesetzbuch.
    Dort steht (§166 StGB geltende Fassung):
    „Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
    Man erkennt, der Schutzzweck ist nicht die Ehre des Höchsten, sondern der Schutz des öffentlichen Friedens.
    Übrigens war das im StGB des Kaiserreichs nicht anders, unser Strafgesetzbuch ist in der Grundstruktur immer noch das Gesetz dass am 01.01.1872 in Kraft trat.
    Ob die Verurteilung von Herrn Panizza mit dieser Definition zu rechtfertigen war (welchen öffentlichen Frieden hatte er mit seinem Buch gestört?) darüber stritten schon damals die Fachleute.
    Heute sind Verurteilungen danach, glaubt man den einschlägigen Datenbanken, in Deutschland sehr selten.
    Dem emeritierten Papst Benedikt verdanken wir die nicht von der Hand zu weisende Bemerkung, der Paragraph schütze die aggressiv auftretenden Bekenntnisse (weil Gefahr der Störung der öffentlichen Ordnung, siehe Leipzig, Demonstration und Karikaturen) und benachteilige die friedfertigen.
    Und mit der Frage wie die Syphilis in die Welt kam, literarisch, also dem Thema des „Liebeskonzils“, ist das so eine Sache. Nicht zuletzt deswegen, weil Medizingeschichtler ziemlich sicher sind, dass Panizza sich eine zugezogen hatte und die Stadien (man belese sich in einschlägigen Artikeln) durchlief. Überdies muss er es gewusst haben, P. war Psychiater und kannte das Tertiärstadium oder die progressive Paralyse oder andere charakteristische Symptome der Lues III aus seiner Ausbildung. Er war übrigens Assistenzarzt bei von Gudden gewesen, genau dem vom König Ludwig.
    Alles in allem eine traurige und tragische Geschichte.
    Penicillin sei Dank sind Spätphasen von Syphilis mit produktiven psychiatrischen Symptomen heute sehr selten, sie kommen aber vor, und unsere Vorgänger vor 100 Jahren waren nicht alle verblendete Scharlatane.
    Was aber Strafen ob in Singapur oder Saudi-Arabien angeht, man wird über öffentlichen Druck nichts erreichen.
    Da braucht man Wochen, Gespräche bei viel Tee über Falken und SUVs (meine persönliche Erfahrung mit Herren aus jenen Regionen) bis man nach erfolgter Einladung zum Essen um einen kleinen Gefallen bitten darf. Und wichtig, auch der Betroffene sollte hinterher nichts über Rahmenbedingungen etwaiger Gnade herum erzählen.
    Man kann das heuchlerisch oder bigott finden, die Frage ist aber hier was funktioniert und was nicht.

    • Danke
      Ich bin für jede Information, die es mir ermöglicht ein
      Vorkommnis in einen Zusammenhang zu stellen,
      von Herzen froh.

      „…unsere Vorgänger vor 100 Jahren waren nicht alle
      verblendete Scharlatane.“

      Wie bitte?
      Wollen Sie etwa den ‚öffentlichen Frieden‘ stören? ;-)

    • Titel eingeben
      Danke. Der mit Abstand beste Kommentar hier, qualifiziert, sachlich und abwägend, und auch weitaus besser als der Blogeintrag von Don Alphonso.

    • Titel eingeben
      Anschaulich geschildert, T.I.M. und prince Matecki. Gesichtswahrung ist bei einem diskreten Deal stets von großer Bedeutung. Auf Orientreisen war das Handeln meist dann erfolgreich, wenn ich dem Gegenüber zuvor meine Wertschätzung für seine Arbeit oder Leistung zum Ausdruck gebracht hatte. Ja, und für einen Cay sollte der Besucher stets Zeit haben.

    • Wenn Straftatbestände Vokabeln enthalten wie "beschimpft" oder "geeignet ist",
      so laden sie jeden dazu ein, selbst zu interpretieren, welche Handlung nun gotteslästerlich, entschuldigen Sie bitte, ich meinte, den öffentlichen Frieden stören kann oder nicht. Und genau mit solchen Gummiparagafen kann man jedes Lästermaul stopfen und genau deswegen gehört er ersatzlos abgeschafft.

  19. Titel eingeben
    @prince matecki ja so siehts aus und was dem einen die freiheit mittels suv ist das ist dem anderen die freiheit im oberstübchen (kopf)ein nicht zu verkennender punkt

  20. Vielen Dank!
    Vielen Dank Don fuer diese Einblicke. Um ehrlich zu sein hatte ich von diesem Fall noch nichts gehoert, obwohl ich auch aus Bayern komme. Ich werde mir gleich das Werk besorgen. Der Plot hoert sich ja gar zu koestlich an. Es erschreckt mich auch etwas, dass der Prozess und das Verbot ja nun nicht all zu lange zurueck liegen.
    Ich muss Herrn Haupts auch zustimmen, adss ich dem Magazin Charlie Hebdo nichts abgewinnen kann. Ich kann um die Opfer trauern auch wenn ich sie fuer verwirrte Wohlstandskommunisten halte. Das schliesst sich gar nicht aus. Genauso wenig wuensche ich Andersdenkenden den Tod. Ich finde es, im Gegenteil, eher heuchlerisch wie sie sich jetzt alle darin ueberbieten wollen wer mehr Charlie ist…. .

    Noch kurz anmerken moechte ich, dass sich anscheinend niemand um die Juden kuemmert die in Frankreich regelmaessig von Islamisten abgeschlachtet werden und da groesste Problem jetzt darin gesehen wird wie man die armen Muslime jetzt vor Diskriminierung schuetzen kann. Desweiteren finde ich das aktuelle Cover von Charlie Hebdo etwas komisch. Weshalb sollte Mohammed ueber die Attentate weinen, wenn er selbst zu Lebzeiten, laut seinem Biografen Bukhari, juedische Satiriker und Kritiker ermorden liess?

  21. OT
    Die Grünen tun mir leid.

    Erst gehen die Rohstoffpreise auf breiter Front in den Keller –
    für diese Voraussage wurde ich vor längerer Zeit in einem Blog
    ausgelacht- wohlwollend.

    Dann läuft ihnen auch noch ihr Gesellschaftsdesign auf Grund.

  22. Aus Bayern....
    … gar vom dortigen Rundfunk, habe ich jüngst mit viel Vergnügen diesen Zweiteiler hören können:
    http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-panizza-liebeskonzil-100.html
    Das zeigt entweder, dass der BR keine Hörer mehr unter den Strenggläubigen hat – oder sie doch eher milde, ggfs. auch einsichtig geworden sind.

  23. Leseempfehlung
    @T.I.M. – Für das von Ihnen beschriebene Thema habe ich eine Leseempfehlung: World Order – Reflections on the Character of Nations and the Course of History; von Henry Kissinger. Allerdings ist es in anspruchsvollem Englisch geschrieben und soweit ich weiß (noch) nicht auf Deutsch erschienen.
    .
    Kissinger beschreibt die Charaktere der Nationen nicht aus der Sicht eines beobachtenden Journalisten oder Professor für Gegenwartsgeschichte, was man normalerweise zu lesen kriegt. Es ist auch nicht die Biographie eines Staatsmanns, der seine historischen Leistungen zu Papier bringen will. Das Interessante an seinem Buch ist die trockene und nüchterne Perspektive für jemanden, der selbst schwierige internationale Verhandlungen geführt hat.

  24. Tabu und Herrschaft
    Ich stimme dem Autor – wie sagt man- vollinhaltlich zu. Der Blasphemie-Paragraph ist komplett aus der Zeit gefallen, erfüllt aber seine Funktion weiter, auch wenn er nicht angewendet wird. Er sagt, Freigeister, Selbstdenker, Spötter seid vorsichtig. Die Herrschenden beanspruchen eigentlich noch immer die Kontrolle des Diskurses; „glücklicherweise“ gibt es denn aber kaum noch dank Konsum und bürokratischer Ermattung, weshalb man nicht aggressiv werden muss, wie früher. Gleichzeitig werkelt man an neuen Denkverboten. Davor hat man den kollektiven Kotau zu vollziehen. Wer nicht mitmacht, ist Aussenseiter und wird bekämpft, da er die Gesamtstruktur nicht akzeptiert. Dazu gibt es spezifische und subtile Denkverbote für viele Subsysteme in unserer Gesellschaft. Versuchen Sie mal im deutschen Gesundheitssystem was sinnvolles zu erreichen, wenn Sie gewisse Lebenslügen des Systems nicht akzeptieren. Also lügen sich alle täglich an, sind dabei unglücklich und kassieren ihre Gehälter zum großen Teil nicht aufgrund ihrer Leistung, sondern als Schmerzens- und Schweigegeld und durch Verzicht auf grundlegenden Wandel. Verweisen sie z. B. dennoch vorsichtig darauf, dass des Kaisers neueste Kleider Phantasmagorien und „Leuchttürme“ geschickte PR-Funzeln und Feigenblätter vor dem Desaster eines z. B. nicht richtig verstandenen und angegangenen demographischen Wandels sind, blicken sie in die angewiderten Gesichter von Ministern und anderen Würdenträgern, die den Satz „Après moi, la déluge“ für geistreich halten. Überleben und wirken kann man dann allenfalls noch als der Hofnarr, und man kann aufpassen, dass sich die nachwachsenden, wie immer nur wenigen, jungen Freigeister nicht vorschnell verbluten.
    Der Verurteilte Blogger aus Saudi-Arabien tut mir leid, aber mein „Je suis Raif Badawi“ wird ihm nicht helfen und ich gehe damit kein Risiko ein. Mit der risikolosen Geste bin ich dann aber hier schon wieder akzeptabel. Kein Wunder also, dass die Zeichner von Charlie Hebdo auf manche ihrer neuen Freunde kotzen wollen.

  25. Titel eingeben
    Lieber Don, Saudi Arabien, Ja da ist die Schariah Rechts Ordnung. Nur die, die mit denen Geschaefte machen krazt das nicht. Man hat ja China und nun Putin zum ‚draufhauen‘

  26. Titel eingeben
    Panizza dürfte seinerzeit nach folgendem Tatbestand verurteilt worden sein: „Wer dadurch, daß er öffentlich in beschimpfenden Äußerungen Gott lästert, ein Ärgerniß gibt“, die Verletzung des öffentlichen Friedens war also nicht Voraussetzung und geärgert hat sich offenbar jemand.
    Insofern handelte es sich damals noch um Gotteslästerung. Heute wird als Schutzzweck der Norm nicht nur der öffentliche Friede, sondern auch die Toleranz gegenüber den Religionen an sich angenommen. Das ist alles auslegungsbedürftig, ist aber über die Reformen des StGB klar von dem Schutz der Definitionsmacht der christlichen Kirche in Fragen der öffentlichen Ordnung und Fragen der Moral hinaus einem Wandel unterworfen gewesen, der durch die Toleranzfunktion eine befriedende und andere Konfessionen einbindende Funktion haben könnte.
    In der Realität sieht das anders aus und die Anzeigen gehen natürlich in Richtung Gotteslästerung und, sehr schön auch das, beim Papst in Richtung § 103 StGB Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten, also in dem übertragenen Sinne auch noch Majestätsbeleidigung.
    Geeignet, einen Mentalitätswandel herzustellen und Machtansprüche zu brechen sind nach den historischen Erfahrungen nicht die Toleranzedikte verschiedener Colour, sondern die gnadenlose Persiflage, die Satire, der Spott (neben schlichter Vernunft und allg. Säkularisation). Die Toleranzapelle missverstehen denn auch den Kern und die Herkunft unserer Grundrechte. Wenig erstaunlich, dass ein wesentlicher Aspekt der Rechtsgeschichte bei der Beurteilung der Frage der Verantwortlichkeit einer Religion für Taten in ihrem Namen und hinsichtlich der Beurteilung klerikaler Regime vergessen wird: die strikte Trennung von Religion und Recht, die das deutsche und das französische Recht (abgesehen von o.g. Überbleibseln) erfolgreich vollzogen hat. Die Verbannung von Gesinnungsstrafrecht aus einer Gesellschaft ist in dem Sinne die wesentliche Voraussetzung für die Gesinnungsfreiheit, Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit usw. und Voraussetzung dafür, dass niemand sich zum Richter und Rächer der Gesinnung (hier Religion) aufschwingen kann.

    • Ärgerniß = Gefährdung des öffentlichen Friedens
      … und schon hat sich Ihr gesamter Beitrag erledigt… nur weil das Gesetz umformuleirt worden ist, hat es nicht notwendigerweise seinen Sinn geändert.

    • Man muss zugeben, die Schwellen wurden ein wenig erhöht. Trotzdem ist das so ein Einlasstor für je Art von Irren. Und natürlich können Muslime das auch benutzen.

  27. "Personenschutzbeamter" am Tisch einer Satireredaktion?
    Wer lässt sich soetwas einfallen?

    • Es war offensichtlich nicht nur nötig, sondern auch zu wenig.

    • @ donalphonso
      Ein Personenschutzbeamter hat am Tisch einer Satireredaktion überhaupt nichts verloren. Es gibt unendlich viele Argumente, die gegen diesen Umstand sprechen und kein einziges dafür. Wusste die Redaktion davon?

    • zu wenig?
      Ist die Anzahl der „Märtyrer“ noch nicht ausreichend?

  28. Das GUTE und das SCHÖNE ...... unsere Kultur
    Hochverehrter Herr Meyer,

    die von Ihnen aufgezeigte Analogie zwischen Oskar Pannizza und dem Blogger Raif Badawi zeigt deutlich auf wie wenig moralisches, kulturelles, ja menschliches Handeln verbreitet ist.

    Wobei ich gestehen will, daß ich alleine bei der Aufarbeitung und Auseinandersetzung unserer mitteleuropäischen Geschichte, an Grenzen stoße. Oder einfach gesagt, bei ernsthafter, freudvoller Beschäftigung mit meiner Abendländischen Kultur setzt mir meine verbleibende Lebenszeit Grenzen.

    Wie auch die Auseinandersetzung mit dem Guten und Schönen mir als die letzte Bastion erscheinen, um persönlich stabil und wehrhaft gegen mittelalterliche Bedrohungen zu bleiben.

    Sicher ist diese Kultur, welcher ich mich zugehörig fühle, von sträflichen Fehlern behaftet, doch auch, und vor allem, mit Schönem und Freudvollem.

    Und so möchte ich es für mich belassen.

    Die bestialischen Dinge welche, wie von Ihnen geschildert, in Saudi Arabien geschehen, sind nur ein weiterer Mosaikstein aus einer anderen „Kultur“. Ich möchte hier nur eine Meldung der Aargauer Zeitung vom 06.12.2014 anführen mit der Überschrift:

    „Ölstaaten wollen keine Flüchtlinge aufnehmen-weil sie Instabilität fürchten.“

    Zitat: „Als ganz besonders «beschämend» rügte die Menschenrechtsorganisation das Verhalten der reichen arabischen Golfstaaten.
    Diese würden trotz gemeinsamer Sprache und Religion überhaupt keine Flüchtlinge aufnehmen und es zulassen, dass Syriens Nachbarländer Türkei, Libanon, Jordanien, Irak sowie Ägypten weiterhin die Hauptlast tragen müssten.
    Auch die Vereinten Nationen haben die nicht vorhandene Bereitschaft der arabischen Golfstaaten zur Aufnahme von Flüchtlinge schon mehrfach angeprangert.“

    Nun kommen diese Flüchtlinge nach Europa und zeigen auf wie instabil dieses ist, wobei ich persönlich glaube, daß dieser Prüfstein am Ende die westlichen Demokratien stabilisieren wird, während, wie gerade in der FAZ zu lesen, der Osmanische Regierungschef noch „Öl ins Feuer gießen muß“ mit seinem Vergleich PEGIDA = IS.

    Ich denke die Besinnung auf die Abendländische Kultur und Geschichte, bei all ihren Fehlern, ist doch freudvoller in diesem kurzen Leben.

    Mit freundlichem Gruß

    B.Klingenberger

    • Beneidenswert
      Ihre Einstellung.
      Fruchtbarer ist es allemal in dem was alles geschieht
      das jeweils Richtige und Schöne zu erkennen, statt sich damit aufzuhalten
      was alles schief läuft und weiterhin schief laufen wird.

  29. Kissinger / / Blasphemie
    Werte Frau Heuse, danke fuer den Lesetipp. Anspruchsvolles Englisch ist kein Problem, nur ob ich dem alten Herrn die Tantiemen goenne, weiss ich noch nicht ganz. Aber vermutlich findet sich das Buch auch in der hiesigen Bibliothek. Ist notiert.

    Es ist ja auch ein interessanter Umstand, dass die Amerikaner beim Grundgesetz nicht auf eine uebergeordnetes Grundrecht auf freie Rede bestanden haben, die ja hier in den USA nahezu alle anderen Rechte „schlaegt“. Es ist eine wohlfeile Vermutung, dass dies nicht aus Ruecksicht auf die deutsche Rechtsgeschichte geschehen ist, sondern mit voller Absicht, um ungewollte Meinungen (Nazismus) zu unterdruecken. Dementsprechen blieb dann auch der Blasphemieparagraph verfassungskonform und konnte in die bundesdeutsche Gesetzgebung hinuebergerettet werden.

    Wo ist der Liberalismus wenn man ihn braucht?

    • Titel eingeben
      T.I.M., die für mich noch unbeantwortete Frage lautet, ob der Mensch für die volle Dosis Liberalismus pberhaupt gemacht ist. Und die 10% Intelligentesten, Beweglichsten und Anpassungsfähigsten sind dafür kein Masstab.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  30. Titel eingeben
    @samuel weiß sie sehen doch der schnee bringt jetzt die anschauung der saudis ans tageslicht kein schneemann mit gesicht nur pflanzen und bäume darf man abbilden weder tiere noch menschen haben sie sich alle verschleiert wenn sie in saudi arabien geschäfte tätigten?

    und angelas gestalt und gesicht wurde bei den ultraorthodoxen jüdischen journalien auch rauszensiert aber abbas nicht irgendwie komisch diese männliche welt

  31. Pingback: Blogs | Stützen der Gesellschaft: Satiriker in abendländischer Tradition wegsperren « Boussac, Toulx Sainte-Croix, Creuse !!

  32. ...
    Kann evtl. Spuren von ‚Satire‘ enthalten:

    „Auf, Kinder des Vaterlands,
    Der Tag des Ruhmes ist gekommen!
    Gegen uns Tyrannei,
    Das blutige Banner ist erhoben. (2×)
    Hört Ihr auf den Feldern
    Diese wilden Soldaten brüllen?
    Sie kommen bis in Eure Arme,
    Um Euren Söhnen, Euren Gefährtinnen
    die Kehlen durchzuschneiden. …“

    Um Ausgleich bemüht kann man nun diverse -durchaus nicht vollständige- Übersetzungen eines anderen Textes nach Begriffen durchsuchen, deren Auswahl natürlich ebenfalls nicht ganz willkürlich, bzw. auch ’satirisch‘ erfolgte.

    Hier jedenfalls die Anzahl der Treffer für „Töten“ und „Erschlagen“. Mit Religion hat das alles rein gar nichts zu tun.:

    1X955.txt: 101, 75
    7X40.txt: 63, 29
    3X34.txt: 28, 33
    2X927.txt: 77, 15
    2X00.txt: 28, 33

  33. Angst
    Die Angst muss sehr groß sein …

  34. Satire
    Man sieht an dem Beispiel v.a. das frühere Gesellschaften viel vielfältiger waren und literarische Qualitäten erzeugten, die heute nicht mehr denkbar oder Ausnahmeerscheinungen sind (z. B. Houellebecq). Ein Heinrich Heine, der z. B. in den Bädern von Lucca eine hinreißende Satire schrieb, oder ein Moritz Saphir sind heute nicht mehr denkbar. Außerdem ist die Satire als Alltagserscheinung doch im wesentlichen verkommen zu einer Papst- und Merkelwitzchenveranstaltung und Beziehungscommedy. „Weggesperrt“ wird man heute mit satirischen Beiträgen dann besonders gerne, wenn man den linksgrünversifften Mainstream parodiert, denn diese Leute lachen nicht gerne über sich, wenn sie es überhaupt können.

    • Darf ich fragen, was sie mit „linksgrünversifftem Mainstream“ meinen? Humor ist hierzulande eh selten anzutreffen. Sie haben allerdings recht, dass wir konflikte heute nicht mehr so wie in der Renaissance austragen. wegen der rechtlichen Lage, aber auch, weil es sich nicht lohnt.

  35. Je suis
    Erstmal herzlichen Dank für den Hinweis auf die aktuelle Lage, die man leicht vergisst.

    Es heißt auf den Plakaten:
    Ich bin Christ
    Ich bin Muslim
    Ich bin Jude
    Ich bin Charlie

    Fehlt das nicht was? So etwas wie ‚Ich bin Atheist‘. Und könnte Merkel nicht auch einmal konstatieren, dass für sie als ‚Kanzlerin aller Deutschen‘ auch der Atheismus zu Deutschland gehört. Oder soll sich das von selbst verstehen?

    • Möglicherweise ist das aber auch einfach ein Kompliment, nicht in dieser Liste zu erscheinen. Radikaler Atheisus neigt nun mal nicht dazu, zugunsten eines höheren Wesens Bücher zu verbrennen wie die anderen.

  36. Moderne Märtyrer
    Es ist erschreckend, wie ähnlich doch die Argumente und Terminologien beider Seiten sind, sowohl der überzeugten klerikalen als auch der überzeugten antiklerikalen. Beide bedienen sich der Sprache der Extremisten und beanspruchen das vollständige Recht für sich, beide sind bereit, für Ihre Überzeugungen hohe Preise zu zahlen, beide setzen sogar ihr Leben auf’s Spiel – ganz wie Märtyrer.
    Und natürlich kommen nach deren Auffassung auch die heldenhaften Kämpfer für die Freiheit der Satire in den Himmel. Ob sie dort ebenfalls mit einer ausreichenden Zahl an Jungfrauen bedacht werden ist mir allerdings unbekannt.

    Natürlich ist meine Äußerung hart an der Grenze des Erträglichen. Und natürlich ist es in meiner Vorstellung geschmacklos, so über Tote zu schreiben. Und doch müsste es geduldet werden, gälten die gleichen Maßstäbe.
    Ich versuche mir nun vorzustellen, was mir passieren würde, würde ich diese meine Meinung auf einer „je suis Charlie“ Demo kundtun… Meine physische Unversehrtheit wäre wohl kaum zu garantieren.

    • Panizza war sicher ein Teufelskerl und am äussesten Rand der damaligen vorstellungswelt, aber wir haben uns da deutlich angenähert, und sind damit nicht schlecht gefahren. Ob es wirklich jede Freiheit sein muss? Nein. Ob man dazu das Recht haben sollte? Ja. Wenn nir was nicht passt, würde ich es einfach nicht lesen. Oer lesen und überlegen, was man tun kann. Aber Verbieten und Verbrennen ist einfach wenig zielführend.

  37. Titel eingeben
    Gewiss hat jeder die Freiheit zu sagen, was er will, aber ist es wirklich so eine kolossale und bewundernswerte Leistung, jemanden mit Absicht zu verletzen, indem man besudelt was ihm heilig ist? Goethes bereits oben zitierter „Tasso“ verwirft den Satz „Erlaubt ist, was gefällt“ und korrigiert ihn durch „Erlaubt ist was sich ziemt.“ Schon Adalbert Stifter erkannte, dass untergehende und dekadente Gesellschaften stets zuerst das Maß verlieren. Sie ignorieren die Grenzen des Takts und vergessen was sich gehört. Unsere heutigen Abendlandbewohner wissen einfach nicht mehr „was sich ziemt“.

    • Gefallen mus mir das alles auch niht, aber ich warne davor, auf ein austesten der Grenzen zu verzichten. Im Übrigen bin ich agnostiker, ich kann ja auch mal aufschreiben, wovon ich mich in der christlichen Mehrheitsgesellschaft bso beleidigt fühle. Entsprechende empfinlichkeit vorausgesetzt, ist das nämlich eine reht harte Veranstaltung.

      Nicht dass ich es wirklich so meinen würde. Es ist halt immer nur eine Definitionsfrage.

  38. Es wird Zeit, dass sich die Religionsgemeinschaften im gegenseitigen
    Einvernehmen abschaffen, ersatzlos. Und ihre Bekenntnisse wandern in den Giftschrank, wo Interessierte sie studieren können, allerdings nur die seelisch und geistig Gefestigten, denn jene sind toxisch.

  39. Ärgerniss
    Wie oben durch Slothro angemerkt war die damalige Formulierung im ReichsStGB tatsächlich „wer… ein Ärgerniß gibt“, aber gemeint war auch damals schon die durch das Ärgernis entstehende Störung des öffentlichen Friedens. Im Falle Panizzas fand sich da zunächst nichts, dann wurde, soweit das nachzuvollziehen ist, das „Ärgerniß“ fabriziert, in dem man einen Leipziger Polizeibeamten dazu brachte, einen entsprechenden Dreizeiler von sich zu geben. Ein Abklopfen dieses Sachverhalts im Rahmen der Hauptverhandlung im Hinblick auf die Tatbestandsmäßigkeit (neben Rechtswidrigkeit / Strafbarkeit und Schuldfähigkeit die Trias des Strafrechts, nach der jede Tat zu untersuchen ist) fand wohl gar nicht statt, auch Panizzas Verteidiger orientierte sich eher auf die Schuldunfähigkeit.
    Fabrizierte Beweisvorträge sprechen eher nicht gegen den Gesetzestext sondern gegen die Staatsanwälte und deren Hilfsorgane, damals wie heute.
    Allgemein steht das Recht immer im Spannungsfeld, dass etwas im Gesetz abstrakt beschrieben wird, damit das möglichst allgemein anwendbar ist, im konkreten Fall aber angewandt und ausgelegt werden muss. So auch die Abgrenzung der Meinungsfreiheit im Grundgesetz (Art. 5 ) durch den Rahmen der Gesetze (vergl. 5 (2) GG).

    • Wenn es ein ungesundes Gesetz nicht gibt,
      kann auch kein Schindluder mit ihm betrieben werden. Das ist eigentlich ganz einfach. Und es gibt abstrakte und höchst konkrete Gesetzestexte. Ist jemand tot, ganz konkret, kann der Täter dafür bestraft werden, je nach dem, was vorfiel, als Mörder, Totschläger, Körperverletzer etc. Zum Glück findet die von Ihnen genannte Schranke des Art. 5 Abs. 2 GG im Lichte der schlechthin konstituierenden Mweinungsfreiheit heutzutage so gut wie keine Anwednung mehr. Gleiches gilt für den Gotteslästerparagrafen …

  40. Titel eingeben
    @donalphonso ja schreiben sie mal auf wovon sie sich durch die christl. mehrheitsgesellschaft beleidigt fühlen, ich versprech ihnen ich schick ihnen das gegenmittel rüber (ich hab schon eine elefantenhaut diesbezüglich entwickelt)

    und kissingers neues buch ist sicher eine empfehlung für alle in wichtigen entscheidungen stehenden personen gerade in heutiger zeit

    ja und was die aufnahme von flüchtlingen in den arabischen reichen ländern anbelangt habe ich schon immer die meinung vertreten die könnten das am leichtesten bewerkstelligen geld ist vorhanden dieselben kulturellen hintergründe aber es ist immer ein wollen oder nichtwollen und wie gehen die anderen staaten damit um

    in den reichen arabischen ländern könnten kureinrichtungen erschaffen werden für die flüchtlinge und letztlich könnte das alles zu einer neuausrichtung der arabischen kultur beitragen aber man muß halt wollen wollen und das ist der große unterschied zwischen abendländischer und morgenländischer kultur

  41. Satire darf in einer Demokratie wirklich alles
    Eine Demokratie der Postmoderne westlicher Prägung ist säkular verfasst. Blasphemie ist in einigen Ländern (leider) noch ein Straftatbestand, wird aber in der Regel nicht mehr sanktioniert. Als Kern-Qualität einer Demokratie kann die absolute Meinungsäusserungsfreiheit bezeichnet werden. Nicht zu verwechseln mit der Denk- und Meinungsfreiheit. Diese wird auch in den übelsten Diktaturen dann „garantiert“, wenn abweichende Gedanken nicht geäussert werden.
    Die „Arena“ für die freie Meinungsäusserung wird durch die (eigenen) Gesetze gebildet. Innerhalb dieses geistigen Aktionsbereiches darf alles gesagt, geschrieben und karikiert werden. Die „Schere im Kopf“ ist ein Symptom für eine gefährliche Entwicklung.

  42. Es ist nicht nötig,
    in der Geschichte zurück zu gehen um die Nicht-Akzeptanz von (tatsächlichen oder auch nur eingebildeten) Dissidenten der kirchlichen als auch sehr vieler politischer Amtspersonen zu erkennen. Als Suchwort geht da „Feuerbach-Syndrom“ bei Schmidt-Salomon.de und bei wissen-statt-glauben.de. . Dort wird dargelegt wie es auch heute noch sehr karriereschädigend sein kann (ist), wenn man nur öffentlich macht, das man Atheist ist. Übrigens, ich verwende das Wort „Toleranz“ nur, wenn es angebracht ist. Es bedeutet -Duldung-, was aber eine, (bewusste oder unbewusste) Ablehnung beinhaltet. MfG: M.B.

  43. "Ulysses" von James Joyce
    Auch der heutige Klassiker „Ulysses“ von James Joyce galt seinerzeit in ‚guten‘ Kreisen als Schund und konnte im angelsächsischen Raum nur als Bückware erworben werden. Siehe dazu das recht informative Buch „The Most Dangerous Book. The Battle for James Joyce’s Ulysses“ von Kevin Birmingham. Wenn ich mich richtig erinnere, musste auch der Verfasser von „Madame Bovary“ für sein Werk vor Gericht.

  44. Vom Executive Editor der New York Times
    @Gerhard Dünnhaupt – Es ist nicht so, dass die Abendländer nicht wissen was sich ziemt, sondern dass es keine Übereinstimmung darüber gibt, was in diese Kategorie fällt. Gestern stand in der Papier FAZ ein Artikel darüber, warum die New York Times seine Leser nicht anschaulich mit Abbildungen der diversen Mohamed Karikaturen informiert. Über den Herrn dieser Selbstzensur, Dean Baquet, den Executive Editor der New York Times las ich dann mit sehr großem Erstaunen:
    .
    “Einen Journalismus-Professor aus Kalifornien, der ihm ,völlige Feigheit’ vorgeworfen hatte, nannte Baquet auf dessen Facebook–Seite ‚selbstgerecht’ und fügte an: ‚Hoffe, Ihre Studenten sind aufgeschlossener. Arschloch.’ Den Lesern erklärte Baquet: ‚Seit langem folgen wir einer Richtschnur, die uns gut ansteht: Es gibt eine Trennungslinie zwischen billiger Beleidigung und Satire.’
    .
    Ich bin offensichtlich eine sehr alte Dame. Die Vorstellung, dass der Executive Editor der New York Times jemanden (und das auch noch schriftlich) als „Arschloch“ tituliert und damit billig beleidigt – oder selbst mit diesem Wort unterzeichnet und das Ganze als Satire sieht, geht über meine Vorstellungen von dem, was sich ziemt.

    • .
      liebe Der Tiger, man optiert aus lachendem herzen heraus unglaublich gerne für die variante, in der der e.e. „selbst mit diesem Wort unterzeichnet“.

  45. "Personenschutzbeamter" am Tisch einer Satireredaktion?
    Es gibt unendlich viele Argumente, die gegen diesen Umstand sprechen und keinen einzigen dafür. Personenschutz erfordert eine gesunde Distanz, auf „Märtyrer“ kann eine freie Gesellschaft gerne verzichten.

    War das jetzt wirklich zuviel?

  46. Doppeltgemoppelte Moral
    Ich habe es noch genau vor Augen, das geschriebene Geseifere all unserer lieben Spießbürger, die ihre ach so geweihten Kirchen nach harmlosesten Feme-Taten (Pussy Riot in Russland, Femeaktivistin in Köln) beschmutzt sahen. Da wollten viele viel mehr als Nur-Gefängnis. Da sollten Köpfe rollen! Und Blut fließen! Denn das christliche Abendland, das kann und will ja nicht verzeihen, vor allem wenn es alttestamentarisch denkt und kläfft. Und nun? Nun, nachdem ein anderer Gott von anderen Schwachmaten mit gröbster Gewalt ‚verteidigt‘ wurde – nun also fühlen sich die gleichen lieben Spießbürger bemüßigt, ihre eigenen gruseligen blutleckenden Gedanken den anderen vorzuhalten.

    Ich aber sage: Diese christlichen, islamischen, jüdischen, buddhistischen Wut- und Spießbürger, die tragen alle einen ähnlichen Kopf auf ihrem Hals. Einen mit Dummheit Angefüllten nämlich. Einen, der nur das Wörtchen Ich! kennt. Einen, der nicht mitfühlend sein kann und Mitgefühl Denken münzt.

  47. Die Macht der Presse
    @Don Alphonso,
    Warum ist mein letzter Kommentar, siehe unten, nicht frei geschaltet worden? Etwa, weil ich nicht die genaue Referenz gegeben habe? Das Zitat über Herrn Baquet stand gestern, am Dienstag, den 13. Januar 2015 in der Auslandausgabe der FAZ auf Seite 8 im Artikel oben unter der Überschrift:
    .
    Angst vor Blasphemie
    Die britische und amerikanische Presse und die Moral/Von Jochen Buchsteiner und Andreas Ross
    .
    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    @Gerhard Dünnhaupt – Es ist nicht so, dass die Abendländer nicht wissen was sich ziemt, sondern dass es keine Übereinstimmung darüber gibt, was in diese Kategorie fällt. Gestern stand in der Papier FAZ ein Artikel darüber, warum die New York Times seine Leser nicht anschaulich mit Abbildungen der diversen Mohamed Karikaturen informiert. Über den Herrn dieser Selbstzensur, Dean Baquet , den Executive Editor der New York Times las ich dann mit sehr großem Erstaunen:
    .
    “Einen Journalismus-Professor aus Kalifornien, der ihm ,völlige Feigheit’ vorgeworfen hatte, nannte Baquet auf dessen Facebook –Seite ‚selbstgerecht’ und fügte an: ‚Hoffe, Ihre Studenten sind aufgeschlossener. Arschloch.’ Den Lesern erklärte Baquet: ‚Seit langem folgen wir einer Richtschnur, die uns gut ansteht: Es gibt eine Trennungslinie zwischen billiger Beleidigung und Satire.’
    .
    Ich bin offensichtlich eine sehr alte Dame. Die Vorstellung, dass der Executive Editor der New York Times jemanden (und das auch noch schriftlich) als „Arschloch“ tituliert und damit billig beleidigt – oder selbst mit diesem Wort unterzeichnet und das Ganze als Satire sieht, geht über meine Vorstellungen von dem was sich ziemt.

    • Weil auch ich mal ein Recht habe, ungestört in ein Museum zu gehen und nicht jeden Kommentar sofort freizuschalten, zumal, wenn hier Bugs behoben werden müssen. Und wenn hier nochmal mit Mails an Herauageber gedroht wird, ktacht es gewaltig. Ich hoffe, das ist klar. Ich bin hier nicht der Dienstbote und so scharf bin ich auf irre Drohungen auch nicht.

  48. Scheinheilige Bekenntnisse zu Pressefreiheit
    Heute ist die Zeit der Erinnerung, dass autoritäre Regimes auch Heute Journalisten verfolgen, mißhandeln und ihre Arbeit behindern. Dass die USA Snowdon verfogt ist die gleiche Geisteshaltung wie die der saudischen Monarchen, die den Journalisten Raif Badawi öffentlich zu Tode prügeln. Wo bleibt der Aufschrei unserer Politiker zu Badawi? Wo bleibt die Information an die breite Öffentlichkeit – wo doch in allen renomierten Krankenhäuser sich die saudischen Prinzen behandeln lassen – könnte da nicht eine öffentliche Diskussion mit diesen Herrschaften geführt werden?

  49. "Darf ich fragen, was sie mit “linksgrünversifftem Mainstream” meinen?"
    Naja, diese glückliche Begriffsprägung ist m. W. von Akif Pirincci geschaffen worden. In meinem Verständnis und Sprachgebrauch beschreibt die Wendung, dass die tonangebende Schicht in Medien-, Politik- und Kulturbetrieb auf eine heruntergewirtschaftete, primitive-dumpf-vulgäre Weise basale Deutungsmuster und Realitätskonstruktionen mit hohem Deutungsanspruch verbreitet, die sich politisch v.a. bei den GrünInnen – und dort bevorzugt bei der Lattemacchiato-Fraktion, verorten lassen.

    Das ist, wenn man so will, ein Typusbegriff, der z. B. folgende Gemeinsamkeiten erkennen lässt:

    – Zwanghafte NS-Devotionalienschnüffelei;
    – Wahrnehmung eines selbst zugewiesenen Wächteramtes;
    – Selbstbescheinigter Avantgardeauftrag;
    – Gleichheitskult;
    – Welt- und Menschheitsrettungsphantasien;
    – Erbsündekult und Erlösungsphantasien (der Migrant als herzensguter Retter);
    – UmFairteilungsphantasien;
    – DDR als „kommode“ Diktatur;
    – I.d.R. stark fixiert auf Staatsknete, Stellen, Regulierung, „Nachhaltigkeit“;
    – Typisch: inflationärer Gebrauch des Worte „brandgefährlich“ (Alarmismus), „Menschenrechte“, sowie von gefühligem Schwiemeldeutsch („Die Menschen sind traumatisiert“, „Islam ist eine friedliche Religion“) durchsetzt mit Sprachvorschriften.
    – Typisch: Absprechen von Rechten anderer („keine Toleranz der Intoleranz“).
    – Besonders häufig Verteidiger des von der eigenen Clique durchsetzten Staatsrundfunks.
    – I.d.R. „israelkritisch“, also moderne Antisemiten mit Milchschaum;
    – Besonders häufig: stramme Deutschen- und Deutschlandhasser, die es nicht schaffen, sich als primitive Rassisten zu begreifen.

    Notorische Vertreter aus der Presse: Prantl, Mangold, JAugstein; praktisch alle SPON Autoren bis auf Fleischhauer. Aus der Ökonomie natürlich Herr Bofinger. Zerrbilder: Edathy, Käßmann, Julia Schramm.

    • Die Vorstellung, ausgerechnet Fleischhauer sei nicht „versift“, finde ich – amüsant.


    • Ob ein despektierlicher Gattungsbegriff sein muss, sei es drum. In der Auflistung steckt die nicht ganz untalentierte Beobachtung eines Großstadtcowboys, der einige Schäfchen in seiner Umgebung erkannt hat, während sie Milchkaffee schlabberten und sitzenblieben. „Milchkaffeehelden“ ist hübscher als „linksgrünversiffter Mainstream“. Milchkaffee ist billig zu haben und schmeckt wie Wurstsuppe. – Käßmann, gnihihi. „Würde nur bitte e_i_n_m_a_l jemand an die Menschen denken?“

  50. In Nigeria werden 2000 Christen ermordet...
    … und keinen interessiert’s. In Paris werden 12 Antiklerikale ermordet, und die halbe UN-Vollversammlung steht auf der Straße. Double standard much? Und hier wird über 100 Jahre alte Blasphemiefälle schwadroniert. Klar, der Blasphemieparagraph ist das drängendste Problem in diesen Tagen.
    Wie viele Syrienflüchtlinge nimmt eigentlich das glorreiche, so ungerecht behandelte und doch so edle Rußland auf?

    • Die Frage der Blasphemie geht nun mal an die Wurzel des Problems. Boko haram – Bücher sind verboten – ist das beste Beispiel dafür.

  51. haram
    Verehrter Don, was Fundamentalisten und deren Selbstverständnis angeht, haben Sie natürlich recht, da ist die Strafbarkeit der Blasphemie sozusagen konstitutiv.
    Was die Realität der Judikatur in Deutschland angeht, ist es dagegen unspektakulär – es wird sehr, sehr wenig deshalb verurteilt.
    Wir leben mit unserem StGB trotz seines Alters und seiner Formulierungen ganz gut. Einige Definitionen von Tatbeständen aus dem StGB sind auch für den Laien gut nachvollziehbar, mit anderen tut sich selbst der Jurist schwer. Dies gilt etwa für die Untreue (§ 266 StGB), bei der man sich immer wieder fragt was da im einzelnen gemeint ist. Und wenn man sich die Reichstagsprotokolle der damaligen Änderungen aus den 1930ern zu diesem § anschaut, kann einem ohnehin ganz anders werden.
    Gleichwohl hat es die Rechtsprechung geschafft, unter zunehmendem „Anziehen“ der Maßstäbe etwa bei Vorständen und Managern, das vernünftig zu nutzen, der Bundesgerichtshof (BGH) hat das mit getragen und das Verfassungsgericht in etlichen Beschlüssen und Urteilen ( § 266 StGB gehört zu den oft hinterfragten §§ in Karlsruhe) das abgesegnet.
    Für den § 166 findet man in der online Recherche des Bundesverfassungsgerichts (seit 1998 aufgenomme Urteile / Beschlüsse) keinen (!) Fall.
    .
    Personenschutz – für den ein oder anderen sicher notwendig, bei Charly Hebdo waren es afaik Morddrohungen konkreter Art gegen den damaligen Chef vor einigen Jahren gewesen, wobei man den personellen Aufwand dann mit der Zeit wieder herunter gefahren hatte, so dass letztendlich Zugangssicherung (Polizei oder Gendarmerie vor dem Gebäude) und der eine Personenschützer neben dem Chef übrig blieben. Das Verhalten italienischer Carabinieri-Personenschützer in Süditalien wird ja gelegentlich als Machismo fehlgedeutet, wenn die im Dienst die entsicherte Pistole in der Hand halten. Wie man hier trauriger weise sieht ist aber nur so unmittelbare Reaktionsfähigkeit gewährleistet, d.h. der Personenschützer hätte wenigstens den Hauch einer Chance gehabt zurück zu schießen (und bei zwei Angreifern wenigstens einen auszuschalten). Wenn man erst ziehen (und womöglich entsichern…) muss hat man die Chance nicht.

  52. Bücherverbrennung?
    „Radikaler Atheisus neigt nun mal nicht dazu, zugunsten eines höheren Wesens Bücher zu verbrennen wie die anderen.“

    Bei Maos „Kulturrevolution“ beispielsweise wurden sehr wohl Bücher verbrannt und auch die Tibeter haben da Ihre Erfahrungen machen müssen. Stalin wählte andere Methoden, Ungenehmes aus der Welt zu schaffen, von seinem einstigen verbündeten „Nationalsozialisten“ musste er sich in aller Scheinheiligkeit distanzieren.

    Das höhere Wesen nennt sich im Kommunismus Ideologie, aber auch Gottglaube ist Ideologie. Die Vernunft kann da nur so urteilen, dass jeder sein Anrecht auf Ideologie hat, solange er die Ideologie des anderen respektiert.

    Wieviel Mühe wird man sich geben müssen, meine Frage nach dem „Personenschutzbeamten“ zu ignorieren oder gar als „Bedrohung“ fehlzudeuten?

    • Maoismus ist wie Kommunismus eine Ideologie, gewisssermassen eine Ersatzreligion. normaler, ideologisch nicht benutzter Atheismus dagegen eher nicht.

  53. Rhetorische Fragen...
    Kann man tatsächlich glauben, dass AlKaida dahintersteckt? Einer der beiden Brüder war bereits in dem Zusammenhang polizei-bekannt. Da ist weitgehend ausgeschlossen, dass AlKaida hinter der Sache steckt. Es gibt es genügend Ausweichkandidaten, da nimmt man doch keinen „Verbrannten“, der eventuell unter diskreter Beobachtung steht.
    Wer wusste sonst noch von dem „Personenschutzbeamten“ am Tisch der Redaktion?

    Und das sind nur die harmlosen Fragen…

    • Das sind Fragen in Richtung „False-Flag“, aber generell neige ich dazu, der französischen PPolizei und deren Diensten auch Versagen zuzuschreiben. Und gerade bei der Überwachung kommt es nicht auf die Daten an, sondern darauf, sie effektiv zu nutzen. Das ist das Kernproblem des Internets – theoretisch wissen wir alles. Praktisch ist es unmöglich, darin die relevanten Indormationen zum richtigen Zeitpunkt zu finden.

  54. Meinungsfreiheit
    Egal, was auch immer passiert(/-e), es spielt immer und bei jedem ein „false flag“-Anteil mit. Kein Mensch kann Wahrheit für sich in Anspruch nehmen und auch die entschiedenste Wahrhaftigkeit kann da nichts ausschliessen. Jeder erfährt seine Konditionierungen.

    Wogegen aber jeder Satiriker einschreiten sollte, ist es, wenn die gefühlte Elite anfängt zu insistieren. Nicht das Anfertigen von „Mohammed“-Karikaturen ist ein Verbrechen, sondern die Anstiftung.

  55. nochmal Personenschutz
    Ich fürchte, das war nicht sehr professionell was den Schutz der Redaktion und des Chefs angeht. Wenn nach (konkreten, spezifischen) Drohungen 7 Jahre nichts passiert, dann werden Teams reduziert, dann steht statt des Spezial- ausgebildeten Beamten der Schutzpolizist unten. Ist das bei bestimmten Gebäuden hier in Berlin anders? Und dann ist statt eines 3er Teams eben auch nur noch ein Personenschützer da, die Waffe schön unter dem Pullover weggesteckt, ein netter Kerl halt. Ich habe (auch als „Begleitoffizier“ von Politikern und Würdenträgern) mit Personenschützern zusammengearbeitet, effektiv sein und nett ist schwer zu vereinbaren. „Nett“ ist angenehm für den geschützten, man muss das auch ertragen können, denn ein Mensch mit durchgängigem Personenschutz hat keine Intimsphäre und kein Privatleben mehr. Auch hier ist Wachsamkeit der Preis der Freiheit. Nicht zuletzt funktionierte es bei einem bayrischen Politiker den ich vor vielen Jahren mal mit betreut habe (ein Wirtschaftspolitiker) deswegen zwischen ihm und seinen Personenschützern so gut, weil seine Frau und er, kinderlos, die jungen Beamten quasi adoptierten, die ihn ja auch am Wochenende in Bayrisch Schwaben daheim bewachten, Frau X kochte und buk liebevoll für die Jungs.
    Dass der Chef Personenschutz hatte, war in Paris wohl allseits bekannt, vermutlich aber auch wie rudimentär der war. Den psychisch im Hochgefühl seines bevorstehenden Erfolges losfahrenden Attentäter stört das wenig, vor allem wenn er über vollautomatische Kriegswaffen verfügt, vielleicht sogar mit wirkungsgesteigerter Munition, die Schutzwesten durchschlägt.

    • Wo lebt Ihr? Meinungsfreiheit?
      Sorry, aber ich sehe das gänzlich anders. Wenn ich in einer Redaktion arbeiten würde, dann hätten Personenschützer dort überhaupt nichts in den Redaktionsräumen verloren. Als Redakteur kann man nur einen Objektschutz akzeptieren, alles andere ist kontraproduktiv und eher dazu geeignet, dass man erst zum Ziel eines Anschlags wird. Aber dass der auch noch Beamter war, ist eine Sauerei sondersgleichen. O.K., wenn ich mich hier über Internet mit Redakteuren austausche, dann ist mir klar, dass mir hier keiner Vertraulichkeit garantieren kann und jeder damit rechnen muss, dass -werauchimmer- mithört, aber das geht ja gar nicht, selbst wenn´s nur ´ne Schülerzeitung wäre.

  56. Personenschutz
    @Prince Matecki – Mit Personenschutz zu leben, erfordert viel Humor. Einerseits bedeutet es, wie Sie sagten, überhaupt kein Privatleben mehr zu haben – nicht einmal im eigenen Schlafzimmer, auf der Toilette, im Auto, beim Fahrradfahren, am Telefon, am Computer, beim Kochen, auf Reisen, bei Besuch, beim Friseur, beim Zahnarzt…… Alles was man tut, wird in Echtzeit detailliert von irgendwelchen Fremden registriert und festgehalten – einschließlich aller kleinen Fehler, die man als Mensch so macht. Voller Personenschutz bedeutet auch, dass man nicht (nur) nette Jungen hat, die mal am Tisch dabei sitzen und vom Kuchen mitessen, sondern getarnte Personenschützer, die nicht einmal das Lächeln erwidern (dürfen), dass man ihnen aus Verbundenheit oder als Dank geben möchte, oder die manchmal selbst aussehen, als kämen sie von einer Terroristengruppe (so das man erst einmal einen Schreck kriegt).

    • Warum sollen Angestellte bessere Personenschützer sein?
      @Timocracy – Warum soll ein Personenschützer kein Beamter sein? Normalerweise sind die von der Polizei, auch wenn sie statt in Uniform im Pullover mit Jeans rumlaufen.

  57. Schweizer Garde?
    Ich halte die konzeptionelle Grundidee von „Personenschutz“ für einen klaren Hinweis auf verborgenen religiösen Fanatismus und Märtyrertum.
    Selbst beim Papst ist man inzwischen immer mehr am Umdenken, laut Webseite der Garde droht sogar die Auflösung.

    Das geht mir niemals in den Kopf, dass ausgerechnet eine Satireredaktion im Jahr 2014 diesbezüglich nicht auf bessere Konzepte kommt…

    Als ich von diesem „Personenschutzbeamten“ am Tisch der Redaktion hörte, dachte ich sofort, das kann nur ein verdeckt eingeschleuster Polizeispitzel sein, den man widerrechtlich dort platzierte. Warum auch sonst begeht der Vorgesetzte des „Personenschutzbeamten“ in 350km Entfernung zum Tatgeschehen Selbstmord?

    • Gestatten Sie mir zu sagen:
      Gestatten Sie mir zu sagen, Herr oder Frau Timocracy!
      Sie sprechen wie ein Blinder von Farben. Es gibt Situationen, da ist man heilfroh, sich unter Personenschutz zu wissen.

  58. Personenschutz
    @ Tiger
    Ich weiß nur zu gut, und fahren in einer PSK-Kolonne, mit drei gleichartigen Fahrzeugen, leicht gegeneinander versetzt, damit keiner überholt, kürzeste Abstände und deswegen hektisches Bremsen wenn Fahrzeug 1 bremsen muss ist auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.

  59. Einschränkungen wegen Personenschutz
    @Prince Matecki –
    Das Schlimmste finde ich, dass man jegliche Spontaneität aufgeben muss und viele Sachen überhaupt nicht machen darf. Alles muss erst ausführlich vorbereitet werden und das dauert. Letzte Woche habe ich mich darüber amüsiert, was man so sagen würde, wenn ich vorschlagen würde, ganz spontan – wie Frau Merkel – am Sonntag nach Paris zu reisen, um meine Anteilnahme an den Ereignissen der letzten Woche auszudrücken….. Personenschutz in einer Massendemonstration – unmöglich!

  60. Wahrhafte Satire von einem Berufenen
    Allein für nachfolgendes Gedicht und einige satirische Schriftstücke eines „Amtsgericht Himmeldorf“, die ich einem Gerichtsgutachter(war auch im Fall Mollath beteiligt) privat zugeschickt habe, der mir ohne Diagnosegespräch eine paranoide Persönlichkeitsstörung unterstellt hatte, bekam ich vom Nürnberger Amtsgericht zehn Monate Haft:

    befangenheit

    befangenheit kann man hier riechen,
    die wahrheit aus dem saale kriechen.
    vielleicht sollt´ ich ein fenster öffnen,
    so könnt´auch ich mit freispruch rechnen.

    ich wollt´hier doch auf notwehr pochen,
    ich glaub´es nicht da grinst man noch,
    fast wär´s aus mir herausgebrochen,
    so blick ich tief ins finst´re loch.

    bekannt im land als maulzustopfer,
    sei´s d´rum, ich nehm´s mit ironie,
    der gutachter als armes opfer
    zur krönung blanker infamie.

    verpackt in psychologeng´schwafel
    sprach der mir ab die reflexion,
    dem schreib´ich´s auf die grosse tafel:
    beweisflucht zeichnet seinen hohn!

    selbstmordgedanken hatt´ich zwar nie,
    doch ein tauber leichenficker
    -getüncht zum arzt der psychiatrie-
    schickte mir den mauerdrücker:

    der kasper mit dem schwarzen hute
    klingelte an meiner türe.
    betreuer nannte sich der gute,
    heut´ noch hab ich mageng´schwüre.

    feist grinsend durch die nickelbrille,
    so fand´dieser höhnend worte:
    „da um mein wohl ihn sorge fülle,
    liess er brechen meine pforte.“

    vermieter´s kündigung der wohnung
    liess nicht lange auf sich warten:
    der pranger zeigte seine wirkung:
    alle ham´ se mich verraten.

    als ein erbe mir beschieden war,
    war´s dem finst´ren eine freude.
    nach dem auszug zahlte der sogar:
    mit vermietern teilt man beute.

    arbeitsvermittlung gab es zwar nie,
    doch der steuerzahler blechte
    für des kasper´s freie fantasie,
    auf dass der´s im puff verzechte.

    man bellte mit den höllenhunden
    und freute sich an meinem leid.
    die psychiatrie schafft einen kunden
    und bekämpft des willen´s freiheit.

    man trachtet jenseits von gedanken
    vergangenheit gar zu bewält´gen.
    ja muss ich mich mit solchen zanken,
    als anwalt mich hier zu betät´gen?

    man sprach mir ab den gesunden geist,
    solch verleumdung war schon immer dreist.
    heut gar wirft man mir beleid´gung vor,
    selbst ein narr gäb´s zu: ein eigentor!

    Die Prügelstrafe hatte ich bereits als Kind von meiner Mutter kennengelernt. Mehrfach hatte die mir -wegen „mangelnder“ Schulleistung- mit einer Fiberglasreitgerte den Rücken mit Blutstriemen übersät, sodass ich fast daran gestorben wäre. Doch das, was mir von Seiten einer ignoranten, von der psychiatrischen Inquisition bestimmten Gesellschaft noch bis zum heutigen Tage angetan wird, war noch wesentlich abartiger.

  61. Was haben die Satiriker der Menschheit angetan?
    Bei allen Satirikern von Format kann man die Paralellen spätestens zum Lebensende erkennen. Villon verschwindet gänzlich spurlos, Tucholsky stirbt unter nie geklärten Umständen an einer Tablettenüberdosis, Karl Valentin erfriert einsam und verlassen in seinem Theater etc.etc.etc.

    Und die „Personenschützer“? Die sitzen Uns ohne gesetzlichen Auftrag anonym im Nacken und streuen Salz in Unsere verkrusteten Wunden…

  62. @ Tiger
    Jede Redaktion ist auf interne Vertraulichkeit und Informantenschutz angewiesen. Der Beamtenstatus steht dem zuwider, denn ein Beamter steht unter Strafverfolgungszwang und hat Dienstverpflichtungen, die Vertraulichkeiten ausschliessen. Ausserdem sind Personenschützer im Allgemeinen die natürlichen Feinde jedes Karikaturisten.

Kommentare sind deaktiviert.