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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

08. Dez. 2016
von Don Alphonso
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Linksruck: Der Staatssekretär und die STASI-Vergangenheit

Go ahead, punk. Make my day.
Harry Callahan

Hätte sich jemand 1989 vorstellen können, dass ein hauptamtlicher Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR 2016 Staatssekretär in Berlin wird? Wohl nur, wenn die DDR 1989 die Bundesrepublik übernommen hätte. Laut offizieller Geschichtsschreibung der BRD ist es aber so, dass 1989 die Bürger der DDR mit den Schlachtrufen “Wir sind das Volk” und “STASI raus” die DDR und das Terrorsystem der STASI auf den Müllhaufen der Geschichte schickten. Danach soll man sich recht einig gewesen sein, dass man so ein System auf deutschen Boden nie wieder haben will, und dessen Protagonisten wurden in der Folgezeit öfters überprüft und im Zweifelsfall zum Schutze der blühenden Landschaften mit beruflich mit Konsequenzen belegt.

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Auf der anderen Seite ist eine langjährige inoffizielle Mitarbeiterin der STASI heute Chefin eines Vereins, der mit Bundesmitteln üppig bezuschusst einen Internetpranger betrieb, Radikale förderte und unter Heiko Maas trotzdem Teil einer Task Force ist, die soziale Netzwerke zum Löschen sogenannter “Hate Speech” anhält. Durch diese Tätigkeit bekommt der Verein übrigens Zugang zu kostenlosen „Anzeigenvolumina“ bei Sozialen Medien. Solche Anzeigen werden dann für diffamierende Angriffe gegen den Autor dieses und der verlinkten Beiträge eingesetzt, wenn man etwa „FAZ“ suchte (im Screenshot unten). Soweit sind wir heute wieder mit den Möglichkeiten früherer STASI-Mitarbeiter in Kooperation mit Bundesministerien in Deutschland. Bis gestern.

Gestern hat die Linke in Berlin ihre Kandidaten für die Staatssekretärsposten im Berliner Senat vorgestellt. Für den Bereich Wohnen ist der Soziologe Andrej Holm zuständig. Das scheint niemanden sonderlich zu stören, die Nachricht wird einfach so durchgereicht, auch wenn Holm als junger Mann selbst laut der taz „Hauptamtlicher Mitarbeiter“ der Staatssicherheit und Angehöriger des STASI-Wachregiments Feliks Dzierzynski gewesen ist. Er kommt dem Gespräch zufolge aus einer systemkonformen Familie des Arbeiter- und Bauernstaates und wollte auch bewusst zur STASI.

golme

Andrej Holm: Ich habe zunächst eine Grundausbildung gemacht und kam dann zu einer Abteilung in der Berliner Bezirksverwaltung. Die hat sich Auswertungs- und Kontrollgruppe genannt [Beschreibung hier, Anm. d, Verf.]. Aufgabe war es, eine Personendatenbank zu erstellen und Lageberichte zu verfassen. In der hektischen Wendezeit war ich für diese Aufgaben offensichtlich nicht zu gebrauchen. Ich wurde in ein separates Büro gesetzt und durfte dort Betriebsberichte lesen. Zum Ausgleich für dieses Nichtstun wurde ich für viele Wochenend- und Feiertagsdienste eingeteilt. Dadurch habe ich einen Großteil der wichtigsten Ereignisse im Herbst 1989, wie die Demo in Berlin am 4. November, verpasst.
Herbert M.: Das Wachregiment war doch auch eine Möglichkeit den Wehrdienst zu absolvieren.
Andrej Holm: Meine Tätigkeit unterschied sich vom reinen Wehrdienst aber dadurch, dass ich später für die Staatssicherheit arbeiten wollte. Meine Gegenforderung war, dass ich dafür ein ziviles Studium bekomme, um nicht an der Staatssicherheitshochschule ausgebildet zu werden.

Auch danach hatte Holm das, was man als “linke Biographie” bezeichnen kann: Der Bundesgerichtshof sagte ihm 2007 eine linksextremistische Einstellung nach, in seinem Blog befindet sich auch im Jahre 2014 noch eine Rechtfertigung von Hausbesetzungen. Er gilt als entschiedener Gentrifizierungsgegner, befürwortet das Einfrieren von Mietpreisen, massive staatliche Bauprogramme und die Bekämpfung von Spekulanten. Es erscheint mir als eine Mischung aus Rezepten der autonomen Szene und dem, was man früher vielleicht als “Errungenschaft des Sozialismus” bezeichnet hätte. Wie man heutzutage Wohnungen, deren Kosten bei 3000 Euro pro Quadratmeter liegt, bei gleichzeitig stagnierenden Mieten finanzieren soll, ist eine realpolitische Frage, mit der sich Holm bislang nicht herumschlagen musste. Statt dessen schrieb er freundlich über Forderungen, Ferienwohnungen zu beschlagnahmen. In meinen Augen ist dieser Kampf gegen die Gentrifizierung ein verkleideter Sozialismus, mit einem klaren Feindbild, dem Vermieter und Spekulanten, dem der Staat das Handwerk legen sollte.

holmc

Ich will das nicht kritisieren, eine Überprüfung der Angaben von Holm wird es vermutlich ohnehin geben müssen. Die Linke schliesst MfS-Mitarbeiter nicht zwingend aus, RotRotGrün hat die Wahlen in Berlin gewonnen, und wenn das Parlament für die Neueinführung der Stalinallee stimmt, oder für ein Mielkedenkmal oder eine Gedenkstätte für die Opfer der Verfolgung von STASI-Helden durch die BRD, dann kann es das natürlich auch tun. Ich habe keinen Artikel gelesen, der sich bislang über die Vorgeschichte von Holm beschwert hätte, und in Berlin findet man es offensichtlich auch normal, dass er zu einem Runden Tisch mit den linksextremen Gewalttätern des besetzten Hauses Rigaer 94 aufruft. Als Staatssekretär für Wohnen wird ihm nun die Möglichkeit gegeben, seine gesellschaftspolitischen Vorstellungen für Besetzer und gegen Investoren und Spekulanten in die Tat umzusetzen. Und damit dann auch einen eifrigen Befürworter von R2G, den ich persönlich kannte, empfindlich bei der Bewertung seiner Immobilie und deren Finanzierung durch die Stadt Berlin zu treffen – ich finde es völlig in Ordnung, wenn Salonsozialisten auch mal die Folgen ihrer Ideologie bezahlen müssen. Das alles kann man heute machen. Und es läuft einfach so durch die Medien, und niemand findet das fragwürdig, und eine andere Politikerin mit autonomer Vergangenheit stolperte auch erst über Flunkerei beim Uniabschluss. Lauft bei denen.

Aber halt auch nur in Berlin, wo die Medien meistens sitzen und deren Mitarbeiter so mies bezahlt sind, dass sie sich in oft unter all den anderen Mietern der sozialen Unterschicht wiederfinden. Da mag Andrej Holm und seine Karriere verständlich und seine Zielsetzung lobenswert sein. Es gibt ein gewisses Klientel, das tatsächlich glaubt, geringes Einkommen und wenig Leistung berechtige zum Dasein in 90m²-Wohnungen in Mitte, aus denen man DDR-Familien nach Lichtenberg verdrängte, wo sie heute AfD wählen. Das ist aber innerhalb der BRD nur eine vergleichsweise kleine Blase. Bei uns auf dem Land wäre das ein Vulgärsozialismus auf Kosten der Allgemeinheit, die für die Versorgung mit billigem Wohnraum entweder durch Steuern oder mit langfristiger Verschuldung zu zahlen hat – und das für einen Personenkreis, der später oft genug als Fehlbeleger günstigen Wohnraum blockiert. Bei uns ist, unabhängig von der politischen Ausrichtung, die Erkenntnis weit verbreitet, dass man Kosten erst einmal erwirtschaften muss. Daher baut meine Heimatgemeinde gerade günstigen Wohnraum für Flüchtlinge – aber auch nur, weil die Finanzierung gedeckt und diese Unterbringung langfristig die kostengünstigste Option ist.

holmd

Hausbesetzende Investorenhasser mit STASI-Vorgeschichte sind da einfach nicht als Vertreter der Gemeinden vorstellbar. Das ist beim linken Establishment in Berlin anders, aber das steht nur für sich selbst. Die Ablehnung solcher Personen ist nicht, wie es so gern behauptet wird, “rechts” oder “konservativ” oder gar “intellektuellenfeindlich”, sondern zuerst eine Frage der Integrität auf Basis jener Moral, die jenseits der DDR die Grundlage des Staates ist. So etwas nicht zu wollen, so eine Person abzulehnen, ist nicht rechts. Es ist die Ablehnung von extremistischen Einstellungen und Verhaltenweisen, die von Gruppierungen wie der Linken jetzt in Amt und Würden gebracht werden. Das gilt in vielen Landesteilen als “Anstand“, und für die CSU wird eine leichte Übung sein, mit solchen Personen zu überzeugen, dass RotRotGrün im Bund nie geschehen darf. Der AfD wird vorgeworfen, sie wollte zurück in die 50er Jahre – das sind aber immer noch die 50er Jahre der BRD, und nicht die sozialpolitischen Vorstellungen aus Familien der DDR-Nomenklatura. Wenn das die Optionen sind, aus denen man wählen kann, wird es genug geben, denen die AfD als das kleinere Übel erscheint.

Das ist kein Rechtsruck. Es ist Abwehr einer ganz bestimmten Entwicklung linker Parteien, die heute durchsetzen, was vor 10 Jahren noch als absurde Forderung extremistischer Zirkel galt, vom Hass auf alles, was wie Heimat und Tradition erscheint, über die neomaoistischen Selbstkritikrituale der Critical Whiteness und Sprachpolizei bis zur Machtübernahme durch Gruppen, die sich nicht für Konsens und Ausgleich interessieren, sobald sie über andere bestimmen können. Man muss kein Hellseher sein, um hier die neuen Brüche in der Gesellschaft zu erkennen. Wenn man weit am Rand ist, dass die eigene Partei und die eigene Koalition Extremisten für Führungsaufgaben empfiehlt, ist es kein Wunder, wenn der Rest der Republik weit, weit rechts davon steht.

holmb

Möglichersweise bricht gerade auch so eine Art kalter Krieg wieder aus, nur diesmal ohne Armeen und Mauern. Aber dafür mit alten, unversöhnlichen Einstellungen und Konzepten, die nicht nebeneinander existieren können, und Rechtsbrüchen, wo es sich eben anbietet. Die einen wollen Hausbesetzungen und betrachten Dealer als Partner. Die anderen wissen, dass die Mehrheit diesen Weg nicht gehen will, und profitieren davon. Heute ist alles möglich, warum auch nicht, die früher abgelehnte, heute akzeptable STASI ist nur der Anfang, die kalten Krieger in der Nachfolge von Franz-Josef Strauss werden sich das nicht entgehen lassen..

08. Dez. 2016
von Don Alphonso
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05. Dez. 2016
von Don Alphonso
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Der V.Beck´sche Lustgarten der Berliner Aristokratie

C10H15N

Die Zeiten sind hart. Kaum, dass man mal ein Tütchen, möglicherweise gefüllt mit Luststoffen kauft und bekannt wird, dass man vor ein paar Jahrzehnten, in einen dionysischen Zeitalter, recht lockere Sichtweisen zur Strafverfolgung mittlerweile verrufenen Sexualpraktiken hatte – schon schicken die eigenen Freunde einen nach langen Jahren im Establishment in die Wüste. Und da ist die höfische Jagd auf Andersdenkende noch nicht einmal berücksichtigt. Das wird ganz unsentimental gemacht, das Eigeninteresse dominiert, und die eigene Dienerschaft muss sich einen neuen Herrn suchen.  Ob der dann gewillt ist, ihre Ausfälle gegen klassenbewusste Hofnarren Frankfurter Depeschen zu bezahlen, muss sich auch erst noch zeigen. Ja, es ist in der Demokratie schon etwas schwieriger mit den ererbten Herrschaften als früher, das muss man ganz offen sagen, und die Moral heutzutage ist auch nicht mehr das, was sie zur Zeit der Mätressen war.

bayra

Ich war im Sommer in Bayreuth, wie eigentlich jedes Jahr, und wie jedes Jahr habe ich auch die kleinen Schlösser dort oben besichtigt. Deren Erbauer waren jetzt auch nicht zwingend besser oder moralischer als die negative soziale Auswahl durch den Volkswillen, die man uns heutigentags als Demokratie zu offerieren beliebt, wo wir grosso modo entscheiden können, ob wir nun den dicken Mann oder die Frau mit dem seltsamen Dialekt an dier Spitze sehen wollen, gesalbt von einem Präsidenten, den die beiden intern abgesprochen haben. Also, wie auch immer, die Erbauer der Eremitage hatten einiges an Zeit und Geld aufgewandt, um sich dort oben in den fränkischen Hügeln ein doch recht luxuriöses und der Zerstreuumg geweihtes Refugium zu schaffen.

Da gab es neben der Einsiedelei und dem Eremiten natürlich auch Spiele. Beispielsweise müssten sich Gäste als Schäferinnen und Mönche verkleiden, sie wurden nassgespritzt und führten dann jene Reigen der Lüste auf, die man heute allenfalls – und hier auch nur in weniger raffinierter Form – aus FKK-Clubs kennen kann. Aber so war das damals eben. Die Oberschicht fühlte sich nicht sonderlich an die Moral gebunden, und der Verkauf Minderjähriger zum Zwecke von Ehen, wie wir es heute dem Islam vorwerfen, galt damals als Ideal des christlich-gehobenen Abendlandes.

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Wir müssten bei genauerer Betrachtung, wollten wir uns am grün-alternativen Zeitgeist orientieren, den Bauherren auch nachsagen, dass sie nun nicht gerade an einem sozialen Ausgleich interessiert waren. Wirklich nicht. So eine Orangerie diente der Beschaffung der Orangen und Zitronen für die fürstliche Tafel, während das gemeine Volk seinen Getreidebrei zu löffeln hatte. Hier oben schwelgte man in Träumen einer Idealgesellschaft, die angeblich in China sein sollte, ein paar Hügel weiter wüteten Scharlach, Pocken und Cholera. Aufklärung wurde gelobt und gelehrt und in jenen Kreisen gehalten, in denen sie keinen sozialen Schaden anrichtete: Bei der Sexualität war die Libertinage förderlich, aber das hieß noch lange nicht, dass deshalb andere, niedrig Gestellte die gleichen Forderungen vorbringen durften.

Das alles weiss eigentlich jeder, aber wenn die Springbrunnen Wasser in die Luft werfen, sagen alle alten Damen unter den Sonnenschirmen Ah und Oh und nehmen noch ein Stück Torte, und die Geschichte nicht so ernst. Man ahnt nicht nur, man weiss sehr genau, dass das Laster der Reichen nur denkbar ist, wenn andere desgleichen entbehren müssen. Es ist so wie heute, manche vermögende Rentner sitzen hier den ganzen Tag und andere, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, müssen für den Mindestlohn nur so mittelschöne Dinge tun, und auf jeden Reporter, der hier lustvoll auf den Auslöser drückt, kommen zehn, die bei ihren Redaktionen erst fragen müssten, ob sie denn ein paar Sätze über einen Park niederschreiben dürften. Wir alle wissen, dass es so ist, aber es ist hier viel zu hübsch, um sich solch hässliche Gedanken zu machen.

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Wirklich, ausnehmend hübsch. Es fällt einem hier wirklich schwer, das richtige klassenkämpferische Bewusstsein an den Tag zu legen. Niemand hat allhier dazu Lust, jeder ist zufrieden, die Sonne scheint, das Gold funkelt und in den Teichen schwimmen fette Karpfen im schlammigen Grund. Es wäre in der Gesellschaftstheorie zufolge der ideale Ort, um die Ungleichheit einst und jetzt zu beklagen, denn auch, wenn der Park für jeden offen ist, so wird er doch nur für die Kenner unterhalten. Das leistet sich der Staat für jene, die die Zeit hier oben verfügbar haben. Das ist nicht wirklich gerecht, und dennoch wird einen, kehrt man zurück ins Tal, niemand einen Vorwurf machen, wenn man berichtet, man habe sich eben einen Tag Zeit genommen, die Gartenbaukunst der Wilhelmine zu begutachten.

Es gibt, das muss man als Faktum festhalten, Laster wie das Fressen von Crystal Meth. Das kommt schlecht an. Und es gibt Laster wie 200 Meter lange Wasserbecken, auf denen Gondeln verkehren können. Die sind teurer und schaden nicht nur dem Erbauer, sondern gleich den gesamten Staatsfinanzen bis auf den heutigen Tag. Sie sind aber gesellschaftlich akzeptiert.

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Es ließe sich trefflich darüber streiten, warum das eine Laster Strafbefehle nach sich zieht und das andere eine Erhebung zu einem Weltkulturerbe, aber man hat sich nun einmal darauf geeinigt, dass die offene Verschwendung in Luxus als bewundernswert zu gelten hat. Ganz fair ist das nicht, das gebe ich zu, aber es gibt nun mal eine Gesellschaftsschicht, die das Alte schätzt und moralisch flexibel genug ist, um die mit der Kultur verbundenen Exzesse zu tolerieren. Die Grünen haben, wie andere bürgerliche und sozial zwischen altersarmen Flaschensammlern und minderjährigen Migranten ausgleichende Parteien, natürlich wenig für so eine alte Verschwendung übrig, aber auch nichts, gar nichts für das, was an modernen Exzessen denkbar ist. Man bedenke, dass jüngst auch Vertreter von CSU und SPD über Leidenschaften stolperten, sei es durch Aushalten oder Ablichten, die früher in gehobenen Kreisen… also wirklich… da redet man doch gar nicht drüber, und photographiert nicht heimlich, sondern bestellte in den guten Zeiten den Hofmaler.

Man muss wohl, auch mit Blick auf unseren Zensurminister und seine Beziehungsgeschichte, zum Schluss kommen, dass wir uns im bürgerlichen Rahmen irgendwie mit Trennungen und Folgeehen irgendwie arrangiert haben, und das dem Führungspersonal nicht krumm nehmen. Eine Patchworkfamilie, ein Veggieday, ein Elektro-SUV und eine Privatschule, das alles ist gesellschaftlich akzeptiert, und niemand dreht einem daraus einen Strick. Aber Hochachtung mag daraus ebenso nicht erwachsen, und daher frage ich mich, also wirklich, ernsthaft, warum die gewählten Fürsten unseres Saeculums sich nicht zusammentun und ihre Bezüge dafür verschwenden, eine üppige Grünanlage zu gestalten, um auch ihr Ansehen zu verbessern.

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Natürlich kommt so ein einzelner Abgeordneter allein nicht weit, aber wir haben so viele von denen wie früher nur Duodezfürsten, und so viele leisten sich Missgriffe, hier ein Füller, da ein Fahrdienst, dann noch eine Droge, ein ungeklärter Umschlag, und ab und zu eine offene Grenze: Sie könnten doch zusammenlegen. Und über zehn Legislaturperioden, zusammen mit den Gönnern der Wirtschaft, die sie ansonsten mieten würden, einen hübschen Park anlegen. Mit einem Lustschloss, in dem Immunität für diskrete Gespräche herrscht, Springbrunnen mit Sturzbächen speienden Tritonen, als würden sie Reden im Parlament halten, dichten Wäldchen, in denen kein Drogenversteck leicht zu finden ist, glasklaren Bächen und Hecken, zurechtgestutzt wie die Meinungsfreiheit im Internet. Dazu ein paar lauschige Bänke, auf denen man sich diskret mit willigen Zofen der Tagespresse unterhalten und verlustieren kann. Im ersten Moment mag es gewöhnungsbedürftig sein, aber ich bin mir sicher, nach 100 Jahren blickt man dann milde auf das Treiben, sofern die Anlage nur geschmackvoll und phantasiereich genug ist.

Und spricht nicht mehr allzu schlecht von den Zeiten und ihren fragwürdigen Einstellungen, denen dieser Park seine Entstehung verdankt. Schulklassen werden kommen und eine kinderfreundliche Version der Ereignisse zu hören bekommen, und alte Greise werden sich an jene Tage erinnern, als hier noch der ein oder andere Restsoziwähler im Schatten saß, und aus seiner Schnabeltasse zu sich nahm, was Hartz der IV. ihm gelassen hat. Ja, das waren noch Zeiten, wird man sich dann sagen, und so ein etwas unwürdiges Ende einer Bundestagskarriere wegen der ein oder anderen dummen Geschichte – mei. Wer sagt uns denn, ob in hundert Jahren die ein oder andere harte Droge dann nicht längst benutzt wird, um Biographien passgenau zum sozialen Restvermögen der Gesellschaft zu begrenzen. Vita brevis, Ars longa, sagt der Lateiner.

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Doch, so eine Bundestagseremitage, die könnte schon ganz nett werden, und außerdem all den Berliner Künstlern zu Lohn und Brot verhelfen. Schon früher baute man Triumphbögen und Kulissen aus Pappmache, so dass sie sich nicht erhalten haben und den heutigen Eindruck nicht stören – so könnte man das auch heute wieder machen, und mit BER, S21 und der Elbphilharmonie gibt es auch heute noch genug Baumeister, die genau wissen, wie man eine idyllische Ruine in die Landschaft setzt. Also, frisch ans Werk, und in hundert Jahren redet niemand mehr über die Klagen der Untertanen, die sich heute anschicken, den Palastspitzeln und Hofschranzen mit dreister Kritik zur arbeitsreichen Last zu fallen. Das sei ungehört und vergessen, wenn dereinst die blühenden Landschaften von der Grösse vergangener Zeiten künden, statt vom Elend, dass da ein moralischer Tartuffe mit Pulver ernsthaft, ganz ohne Lustspiel von der Bühne geschickt wird… wirklich, das muss nicht sein.

05. Dez. 2016
von Don Alphonso
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02. Dez. 2016
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Medientürken vor Wien

Vae Victis

Ich halte es für wahrscheinlich, dass die FPÖ die Wahl des Bundespräsidenten in Österreich gewinnt. Es gefällt mir nicht, zumal die FPÖ in mir, und zwar direkt in mir als Person, ein Feindbild hatte, nämlich jenes des Journalisten von der amerikanischen Ostküste, der während der blauschwarzen Koalition kam, um sie international zu vernadern. Damals, 1999/2000, hieß es von Seiten der Beobachter, die FPÖ wäre auf dem Gipfel der Macht, mehr Stimmen würde sie nie bekommen, und das auch nur wegen Haider. Haider ist tot und hat mit der Hypo Alpe Adria einen Skandal hinterlassen, der Österreich an den Rand des Ruins brachte. Strache kann Haider in keiner Hinsicht das Wasser reichen, und dennoch wird die FPÖ vermutlich jetzt die Wahl gewinnen. Mit absoluter Mehrheit.

auti

Manche sagen, das liegt an den neurolinguistischen Programmierungskünsten des FPÖ-Kandidaten Hofer, an der Flüchtlingskrise, an der wirtschaftlichen Stagnation des Landes, und an der Lähmung, die die grosse Koalition verursacht. Oder daran, dass der ein oder andere Grande der SPÖ und ÖVP gern mit der FPÖ paktieren will. Man wird vielleicht auch die Rolle der Identitären herausstellen, die in Österreich die Rolle übernehmen, die man in den USA Breitbart gibt. Es gibt viele Gründe, die man von aussen entdecken kann. Verlust der Heimat, Ablehnung von Brüssel, die wahrhaftig nicht eben einsichtige Politik des Herrn Juncker, und dann noch die drohende Beeinflussung der österreichischen Politik durch den grossen Nachbarn Deutschland, die mit einem Konsenskandidaten van der Bellen fraglos im Raum steht. Das mag alles eine Rolle spielen. Aber ein Hauptgrund, denke ich, sind auch wir.

auta

Wir deutsche und österreichische und europäische Medien. Das meckernde Lachen des linken Robert Misik im Standard, als von der Bellen im Mai die erste Runde gewonnen hat. Die Befriedigung im Spiegel, dass sich die Vernunft knapp vor der Dummheit durchgesetzt hat. Das spürbare Aufatmen, dass die Mehrheit das Kreuz an der einzig richtigen Stelle gemacht hat. Und ganz viele, viele Beiträge, aus denen die Anspannung entwichen war und die nun endlich, endlich, die Verlierer als so richtig schäbige Verlierer behandelt haben. Mehrheit ist Mehrheit, van der Bellen hatte gewonnen, vae victis, gegenüber der FPÖ besteht kein Anlass zu Grossmut, mit Verlierern muss man sich, speziell in den Medien, die es ja schon immer wussten, nicht abgeben.

autb

Ich war diesen Sommer öfters in Österreich, und zwar ausnahmslos in Regionen, die mit deutlicher Mehrheit für Hofer gestimmt haben. Das waren Regionen, in denen es kaum Plakate für van der Bellen gab, und in denen sogar die SPÖ Schwierigkeiten hat, Kandidaten zu finden. Es sind Regionen, in denen man die Leute nicht fragen muss, ob sie Hofer gewählt haben. Die meisten haben es getan. Die Hoteliers, die Bäckereiverkäuferinnen, die Radler, neben denen ich die Berge bezwang, die Bauern in ihren Höfen und die jungen Aufsteiger, von denen der ein oder andere auch wirklich durchdreht und in einem Wahnbild gefangen ist. (<- lesen. Wirklich. Das ist das Gegenbeispiel im Umgang mit anderen.) Die allermeisten bleiben äußerlich normal, sie sind freundlich, aufgeschlossen, fragen einen, wohin man fährt, und bieten einem an, bei einer Schutzhütte anzurufen, weil man in die Nacht hinein kommt. Einem dieser Menschen wird von den Medien für die richtige Wahl applaudiert, zweien schickt man wegen Hofer Verwünschungen hinterher.

autc

Wir haben das mit grosser Selbstverständlichkeit gemacht, mit der uns eigenen Form der Populismus, der nicht weiter differenziert, wenn das Ergebnis passt. Warum auch nicht, wir, die Medien, standen auf der Siegerseite, und von oben betrachtet ist Mehrheit nun mal Mehrheit, egal was die Leute in Achenkirch oder Gerlosberg gedacht haben. Den Ausschlag haben die grossen Städte gegeben, und hier besonders Wien. Wien ist anders, zum Glück gibt es Wien, da ist die Hoffnung, und niemand sah sich bemüßigt, einmal nachzufragen, warum Innsbruck eine kleine, grüne Insel in einem mehrheitlich blauen Meer geworden ist, das alle Vorstädte umfasst. Mit Wonne, mit Vergnügen, mit dem Stolz des Siegers wurden die Richtigen belobigt und die Falschen vorgeführt. Das Leben ging weiter, und die Sieger wandten sich neuen Erfolgen beim Zurückdrängen des Falschen zu. Brexit und Trump, und natürlich dem Beklagen des Umstandes, dass die FPÖ gegen die Wahl Éinspruch erhob. Die meisten zumindest verfuhren so, und besonders wütete die Mediensoldateska von außerhalb, die grünen Janitscharen aus Deutschland. Sieger müssen ihre Siege nicht erklären, die Geschichte gibt ihnen recht.

autd

Es wäre irgendwie freundlich gewesen, wenn man den Unterlegenen gezeigt hätte, warum sie trotzdem mit der Niederlage gut leben können. Man hätte ihnen aufhelfen können und ihnen die Hand geben. Nicht dem Strache, aber denen, die halt den van der Bellen aus dem ein oder anderen Grund nicht wollten. Statt dessen hat man ihnen gesagt, sie sollten empört sein, weil sie jetzt gleich noch einmal wählen müssen, obwohl doch der Richtige gewonnen hat. Medien gehen wie selbstverständlich davon aus, dass man sie als schlechte Sieger zu mögen hat. Und nach den Niederlagen der Medien beim Brexit und Trump gehen sie auch davon aus, dass man sie als schlechte Verlierer mögen soll, und ihnen Respekt zu zeigen hat, wenn sie jetzt die knappen Mehrheiten so verachten, wie sie in Österreich im Mai die knappen Minderheit verachtet haben. Auf der anderen Seite sehe ich nicht, dass wir den Hoferwählern auch nur einen einzigen nachvollziehbaren Grund geliefert haben, ein stichhaltiges Argument, eine glaubwürdige Erzählung, warum sie diesmal anders abstimmen sollten.

aute

Man kann mit den Leuten da schon reden. Man sollte vielleicht nicht den Mund verziehen, wenn sie Fahnen aufhängen und der Meinung sind, ihre Heimat wäre für sie wichtig. Sie haben gewisse Prioritäten, und wenn man sich darüber nur lustig macht und sie für eine Art Bergaffen hält, die nicht verstehen, wie die Welt funktioniert und im Zweifelsfall über sie hinweg schreitet, hören sie nicht zu. Diese Verachtung haben sie nach der ersten Runde zu spüren bekommen. Jetzt sind sie noch mal dran, und sie wissen, dass wir ihnen nichts schenken. Sie wissen, dass wir sie wieder vorführen und demütigen, wenn sie verlieren. Sie wissen wegen Brexit und Trump aber auch: Wir werden uns wie eine Horde Brüllaffen benehmen, wenn sie gewinnen. Wir werden jammern, klagen und beleidigt sein, weil andere unsere neue europäische Klassengesellschaft und ihre zu erlenkenden Ergebnisse demokratischer Wahlen nicht akzeptieren. Unsere geschmeidige Wendigkeit gegen ihren Bauernstolz. Unsere gerechte Sache gehen ihr Heimatgefühl. Wir bieten ihnen die Entscheidung zwischen Unterwerfung unter unsere Norm oder Schläge für Fehlverhalten.

autf

Das ist nicht sonderlich sympathisch. Das wählt man aber leider auch mit, wenn man van der Bellen wählt, und nicht alle, die bei ihm zwangsweise das Kreuzerl machen müssen, finden die Haltung der Medien gut. Hofers Anhänger wissen, dass sie viel zu viele sind, als dass man sie noch niederbrüllen könnte. Die von van der Bellen dagegen sind teilweise nur angeworbene Hilfstruppen, die sich irgendwie entscheiden müssen. Den Teil von ihnen, der sich bei der Wahl wirklich schwer tut, oder in Hofer ein paar positive Punkte sieht, stellen wir auch gleich unter Generalverdacht. Gefolgschaft kann man erzwingen. Loyalität nicht, und die Macht der Medien endet bei der Stimmabgabe. Macht uns unser schönes Brüssel nicht noch komplizierter, sagen wir denen, die erst einmal schauen müssen, was mit ihren Banken passiert, sollten deren eng verwobene Partner in Italien in Schieflage geraten.

autg

Fährt man durch die engen Täler hoch zu den Pässen, redet man mit den Menschen über ihre Heimat, versteht man solche Entscheidungen leichter: Sie wollen halt einen der ihren, der sich für sie einsetzt, und keinen, der anderen den Polante macht. Von oben betrachtet ist die Bergwelt nur ein Puzzlestück in einem Machtspiel des Kontinents, das nur funktioniert, wenn alle bis in die hintersten Täler abgeben und fremde Kontrolle akzeptieren, und in den grossen Medien herrscht weitgehend Einigkeit, dass es gut und richtig so ist. Deshalb lassen Medien einen wie den Herrn Oettinger vom Haken, oder paktieren mit Herrn Schulz im Kampf gegen die Meinungsfreiheit. Eine Weile war das glaubhaft, aber bei meinen linken Freunden in Italien wählt man inzwischen das, was Merkel nicht gefallen wird, gerade weil es ihr nicht gefällt. Bei meinen rechten Gastgebern in Tirol kann es gut sein, dass sie Hofer wählen, weil sie wissen, dass es nicht in unseren Plan und unsere Vorstellungswelt passt.

auth

Sie haben nur eine Gelegenheit, uns damit anzuschreien, wie wir sie dauernd anschreien, wenn sie Frei.Wild hören, das Falsche essen, die falschen Hobbies haben, das falsche Bewusstsein an den Tag legen, die falsche Weltsicht haben, die falschen Beziehungsvorstellungen für richtig halten, die immer gleichen Blockparteien kritisch sehen und das Falsche wählen.

autj

An diesem Sonntag. Es sieht nicht gerade gut aus.

02. Dez. 2016
von Don Alphonso
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28. Nov. 2016
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Kunstgeschichtlerinnen bevorzugt

Certus amor morum est; formam populabitur aetas.

Wer Bilder seiner Wohnung voll mit technischem Gerät veröffentlicht, muss mit Einbrechern rechnen. Wer Bilder seines Stadtpalastes mit Antiquitäten zeigt, bekommt es dagegen mit dummen Sprüchen zu tun. Kitsch as Kitsch can, höhnte einer aus dem Netz, als bei mir ein venezianischer Prunkspiegel – natürlich rein zufällig! – mit auf ein Photo geriet. Passende Antworten wären: “Von wegen! Das ist nur einer, die anderen drei kann ich Ihnen auch noch zeigen!” Oder “Als Ihre unehelichen Vorväter noch die Schweine meiner Vorväter hüteten, war das der Ausdruck des ultimativen Luxus. Man hatte damals noch keine S-Klasse, also kaufte man sich eben Spiegel, um sich zu bewundern.” Oder auch ”Mein guter Mann, wenn Sie etwas kunsthistorisch bewandert wären, dann wüssten Sie, dass der teuerste Gegenstand im Nachlass von Kardinal Richelieu keines seiner Meisterwerke von Giorgione oder Michelangelo war – sondern ein venezianischer Spiegel.”

zkma

Es stimmt also nicht, wenn behauptet wird, Kunstgeschichte sei ein weltfremdes Fach – man hat immer etwas zu erzählen, und stets eine taktische Zweitschlagswaffe mit Overkillpotenzial bei der Hand, denn die meisten Menschen sind nun mal sagenhaft dumm und ungebil. Sicher, man muss sich schon etwas Mühe geben, im alltäglichen Umgang andere nicht gar als ungebildet dastehen zu lassen und arrogant zu wirken, aber manchmal muss in unseren allzu friedfertigen Zeiten eine geistig-elitäre Spitze einfach sein. Der zu bekämpfende Begriff “Kitsch” jedenfalls ist das Lieblingswort all derer, die mit echtem Prunk und menschenverachtendem Luxus nicht umgehen können. Denn was sind schon ein paar Pelzraubtiere für einen Mantel, der heute als moralischer Abgrund gilt, gegen den Opiumhandel, mit dem die Briten die Chinesen vergifteten, um an ihr Silber zu gelangen, in dem ich, zu Kannen umgeformt, meinen Tee bereite? Und wie schnell die Spiegelmacher starben, die mit Quecksilber arbeiteten – das ist kein Kitsch. Das war lungenblutiger Ernst. Am alten Luxus hängt noch echtes Blut, so wie heute nur noch an Massenprodukten der Mode und Elektronik.

zkmb

Das ist echtes Herrschaftswissen echter Herrschaften, und kultiviert wurde das in München im ehemaligen Verwaltungsgebäude der NSDAP am Königsplatz, worin ich lange Jahre meines Studentenlebens zubrachte. Heute steht dort immer noch die Abgusssammlung der archäologischen Sammlung, und man muss schon zugeben, dass der Ort gut gewählt ist. Kennt man den richtigen Weg, den ich hier nicht verraten will, kommt man auch in die Cafeteria des Zentralinstituts für Kunstgeschichte. In meiner Jugend war es hier meistens voll, und schöner liess sich kaum ein Tag vertrödeln: In gewisser Weise war man an der Uni. Ein Blick auf die Peploskoren, und man konnte ich im Bestimmen der Datierung üben. Die Salate waren vorzüglich, die Atmosphäre war entspannt, und die meisten Menschen auf die ein oder andere Art vergeistigt und schön.

zkmc

Und die meisten kamen auch aus jenen Kreisen, die Bafög nur vom Hörensagen kannten, und 8 Semester Regelstudienzeit überhaupt nicht. Wer hier war, hatte zwar seine Heimatstadt verlassen, aber nur selten seine Schicht. Wer hier war, redete nicht über die Mietpreise Münchner Wohnungen. Wozu. Papa hatte doch gekauft. Wer hier war, wusste ganz genau, dass es zwei Möglichkeiten gibt, etwas mit dem Studium anzufangen: Entweder man war wirklich gut und wurde Wissenschaftler, oder man war wie die meisten und rechnete damit, dass irgendwann schon die FAZ in Form des Herausgebers einen anschreiben würde und sagen: Hier, eine Kolumne, schreib was du willst, überrasche uns und wir nehmen es… und so ist es ja dann auch gekommen.

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Obwohl ich tatsächlich drei Studienkolleginnen hatte, die heute wirkliche Koryphäen in ihren Orchideenfächern sind, war den meisten die Aussicht auf einen Unijob egal. Sehr viele haben mit dem Studium nie etwas angefangen – sie haben einfach geheiratet und sind, ohne sich dumme Vorwürfe anhören zu müssen, weil es SPON und ZEIT Online noch nicht gab, phantastische Mütter geworden, die vielleicht ab und an Yogakurse oder künstlerische Früherziehung anbieten. Einige landeten in kreativen Berufen, einige im Kunsthandel und bei Auktionshäusern, die, man muss es zugeben, auch bei ihren Expertinnen sehr wohl auf Aussehen und Benehmen achten.

zkme

Wir sassen da oben in der Cafateria und wussten, alles wird gut, und unsere Zeit würde schon irgendwann kommen. So ein Leben muss die Hölle für jene sein, die danach gezwungen sind, wirklich eine echte Arbeit zu ergreifen, aber wir hatten durchaus Optionen aufgrund der Herkunft: Nicht wenige von uns erklärten anderen, was sie brauchten, damit ihre Wohnungen und Villen die richtige Kunst und den angemessenen Luxus in sich vereinten. Das war so, wie man heute vielleicht den Sohn zum Webseitenschubsen an Freunde verleiht – damals konnte so eine höhere, auktionserfahrene Tochter helfen, die richtigen Bilder zu finden. So kommt die Tochter mal ins Geschäft und mal unter die Haube.

zkmf

Und ein Chefarzt-Ehemann ist auch meist nachsichtiger bei der Abrechnung, als ein frustrierter städtischer Beamter in einem Verliess unter dem Kulturreferat. Es gab schon gute Gründe, dem reinen Fach zu entflattern und sich damit die Liebe zur Kunst zu bewahren: Es gab neben dem engen Markt der Museumsstellen auch eine hohe Nachfrage nach gebildeten, in allen Lebenslagen schönen und geistreichen Frauen auf dem Markt der dauerhaften Bindung. In so einer Konstellation macht es dann auch nichts, wenn eine kleine Galerie oder Kunstberatung keinen Profit abwirft, weil darauf das ein oder andere Fahrzeug niedrig versichert buchhalterisch läuft und mit dem unerfreulichen Höchststeuersatz verrechnet werden kann (Die Galeristin hier im die Ecke etwa fährt Gemälde mit 462PS durch die Gegend). Mit diesen Methoden werden bei uns alte Häuser restauriert und Pferdekoppeln mit Alpenblick betrieben: Aber das höchste Prestige hatte immer noch die Kunst.

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Letzthin erzählte mir aber jemand, was so ein mitteljunger Arzt im Klinikum heute verdient und wie lange er dafür arbeiten muss. Da hat sich doch wohl etwas zum Schlechteren verändert. Das ist nicht ohne Belang, denn die Herzen der Kunstgeschichtlerinnen flogen schon zu meiner Zeit nie zu den Holzfällerhemdenträger der TU, sondern meist zu jenen Kreisen, die ein Faible für Hochkultur durch die eigene Familie mitbekommen haben. Aber Ärzte, Apotheker, Bankdirektoren, Anwälte, Richter, sie alle verdienen nicht mehr so gut, und Berater, das merke ich immer wieder, bevorzugen Frauen, die auch arbeiten. Das hat vermutlich etwas mit dieser obszönen Erfolgsorientierung zu tun. Gleichzeitig ist das mit den schönen, alten Dingen heute so eine Sache. Egal ob barockes Silber oder Biedermeiermöbel, Rokokoportraits oder Seidenteppiche: Was vor 20, 30 Jahren noch ein Vermögen kostete, ist heute, wenn es nicht absolute Spitzenklasse ist, nicht mehr sehr viel wert. Bei Ebay bekommen Sie goldbestickte Seidenkaseln des Rokoko zu H&M-Preisen, und dann könnten Sie jeden Tag in Ihrer Hauskapelle sehr prunkvolle, tridentinische Messen aufführen. Nicht umsonst schliessen in Schwabing all die Antiquitätengeschäfte, an deren Fenster wir lange hingen, nicht umsonst werden Auktionstermine seltener, und wessen Eltern ein Faible für religiöse Kunst hatten, der wird sich überlegen müssen, ob er genug Platz auf dem Speicher hat. Lange haben auch Italiener gekauft, was verfügbar war: Ich kenne einen Restaurator aus Parma, der nun die nicht abgeholten, weil unbezahlbaren Stücke zurück nach Deutschland verkauft.

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Es ist ganz schön still in diesem Innenhof. Früher war es laut, und um diese Zeit auch immer brechend voll. Natürlich spielt auch die verkürzte Studienzeit eine Rolle, und natürlich sind immer noch ab und zu federleichte Frauen in dezenten, fein abgestimmten Brauntönen zu sehen, mit dem ein oder anderen aufmüpfigen Farbklecks. Die Verschulung des Studiums spielt auch eine Rolle. Alles spielt eine Rolle, alles macht das Dasein etwas weniger leicht und die Zukunft ärmer an Optionen. Ich sehe Frauen in meinem Alter, die immer gearbeitet haben, mit Burnout und massiven Problemen, und ich sehe viele engagierte Absolventinnen, die am Ende des Studiums mehr Kompetenznachweise haben, als ich je haben werde. In deren Welt gibt es keine Erzählung vom Einrenken durch Einheiraten. Vermutlich wäre es ihnen peinlich, offen darüber zu reden. Wie sie auch nicht gern über die Arbeitsbedingungen in der Kreativbranche reden. Es gibt sehr viele, gut ausgebildete und zielstrebige Leute, aber sie hätten es leichter, wenn es in ihrem Alter auch mehr von unserer alten Art gäbe, mit denen sie nicht konkurrieren müssten.

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Das Ergebnis lesen Sie hier, ich mache ein innovatives Medienprojekt als doch nicht mehr ganz junger Mann. Und ganz junge Männer und Frauen wenden sich ausgezehrt und finanziell nicht eben gut behütet von kriselnden Projekten ab. Hätten noch mehr von meiner Schicht – und bitte, da gab es wirklich sehr geistreiche Frauen – Familienwünsche hinten angestellt, wäre es noch etwas enger. Wir haben das alles einfach passieren lassen und darauf vertraut, dass sich alles schon findet. Manche Wege blieben uns versperrt, aber andere haben sich geöffnet, und es war immer genug Zeit, um zwischen den Statuen staunend zu verweilen, und die Schönheit zu preisen. So war das. Die Welt der disziplinierten Nazis, die das Gebäude schufen, hatte nur 12 Jahre Bestand. Die sorglose Epoche, in der man immer hoffen konnte und keiner an der Zukunft verzweifelte, dauerte leider nicht länger als die zwei Dekaden des Übergangs von der Spätarchaik zur frühen Klassik, als die etwas steifen, lächelnden Koren in ihren langen Gewändern von dynamischen Nackten abgelöst wurden, die ihre Marmorhaut zu Markte trugen.

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In Hamburg hat eine Internet-Firma einen Haufen junger Leute unsanft vor die Tür gesetzt, darunter auch welche mit unbestreitbarer künstlerischer Begabung und Zusatzausbildung, um das in diesem Cyber umzusetzen. Viele meiner damaligen Bekannten haben einfach den schon bereit stehenden Freund geheiratet, als offensichtlich wurde, dass das ungeschützte Berufsleben ihnen nicht gefallen würde. Niemand fand das verwerflich. Das Leben war gut zu ihnen. Es hat ihnen geholfen, und ihren Nachfolgerinnen hilft keiner. Es gibt kein Zurück in die Vergangenheit, und vielleicht bin ich auch etwas zu unfair zu den Progressiven, die meine venezianischen Prunkspiegel nicht loben, und auf den Ausweg eines bedingungslosen Grundeinkommens an jener Stelle im Leben hofften, wo früher der Arzt mit dem roten Toyota MR2 stand.

28. Nov. 2016
von Don Alphonso
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22. Nov. 2016
von Don Alphonso
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Wie man Bürger zur AfD auf die Barrikaden bringt

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.
André Gide

Es gibt momentan eine harte Internetdebatte zwischen Anhängern der AfD und Stefan Niggemeier um die Frage der – es geht schon beim Begriff los – Frühsexualisierung (AfD) oder Erziehung zu Toleranz und offener Gesellschaft (Niggemeier). Es geht dabei um die in einigen Bundesländern erfolgreichen Versuche von nicht heterosexuellen Gruppen, ihre Positionen zu Liebe, Sex und Partnerschaft zum Teil der schulischen oder vorschulischen Bildung zu machen. Es ist eine Fortsetzung des Streits, der mit einer Petition eines Lehrers aus Baden-Württemberg begann, und sich dann unter Einbeziehung diverser Extremisten aufschaukelte. Eine Hauptverursacherin der Debatte tönte etwa, sie werde die Staatsanwaltschaft gegen diese Zeitung in Bewegung setzen, weil sich deren Korrespondent in einer ihr nicht genehmen Art mit dem Thema beschäftigte. Kurz, das Thema ist hochtoxisch und ideologisch verbrannt, und da macht es nichts mehr aus, wenn ich jetzt auch noch ein paar Leute diskriminiere.

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Ernsthaft. Ich glaube, die AfD wird als die grosse Siegerin aus dem Konflikt hervorgehen. Nicht, weil sie inhaltlich recht hat, sondern weil Niggemeier, die Autorinnen des Missy Magazins, Volker Beck, die Grünen und viele andere den Kontakt zu meiner Realität auf dem flachen Land verloren haben, die in vielerlei Hinsicht gar nicht so schlimm ist. Sie war mal schlimm, das steht völlig ausser Frage, und davon kündet die kleine und teilweise unrestaurierte Wohnung, aus der die Bilder stammen: Diese Dachkammer war im 19. Jahrhundert der Ort für Leibeigene Dienstboten meines Clans, und sie wurde in den späten 50er Jahren zu einer vollwertigen Wohnung umgebaut. Meine Grossmutter hatte beste Kontakte in die Stadtverwaltung und musste daher keine Angst vor Repression haben: Denn dort oben zogen zwei aus der Ferne stammende Schauspieler ein, die homosexuell waren.

Sie hatten damals das Glück, an eine Frau zu geraten, die ausgesprochen tolerant und aufgeschlossen war, und die sich nicht darum scherte, wenn Gerüchte über das Treiben unter dem Dach die Runde machten: “Wooos? De soin mitanand…? Ah wo. Da oane hod dauand de (Name einer bis heute bundesweit bekannten Aktrice) dahoam und da onda hod a Gschbusi in Minga.“ Dergleichen galt zwar auch als skandalös, aber wer würde denn hier den ersten Stein werfen, wenn das von nicht wenigen frequentierte Altstadtbordell “Femina Bar“ nur einen Steinwurf entfernt war. Heute ist die genderqueere Stadtkneipe ebenfalls um die Ecke.

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In meiner vergehenden Jugend haben sich Lebensmodelle, die Niggemeier als Regenbogenfamilien bezeichnet, vom allenfalls geduldeten Randphänomen zu einem medial durchaus gelobten und akzeptierten Modell entwickelt, und zwar so sehr, dass sogar im Vorstand der AfD eine Vertreterin dieser Lebensgestaltung sitzt. Es muss also etwas richtig gelaufen sein, auf dem Weg zu Toleranz und offener Gesellschaft. Den Wandel brachten eher nicht die APO, die Kommune 1, die RAF, Alice Schwarzer oder die finsteren Typen, deren Treiben die Grünen nur widerwillig aufgearbeitet haben. Den Wandel der breiten Gesellschaft brachten eher meine Grossmutter, indem sie die Wohnung ausbaute, und mein Deutschlehrer, der durchsetzte, dass wir in der AG Literatur mit 15 oder 16 Jahren Andre Gides Falschmünzer lesen durften. Das war wegen homoerotischer Andeutungen nämlich beim Direktor noch genehmigungspflichtig. Und wenn ich Kinder hätte, wäre ich froh, wenn sie sich dem Thema auch so diskret wie meine Grossmutter und dezent und feinsinnig wie Andre Gide nähern könnten. Oder Oscar Wilde oder E.M. Forster.

Ich glaube aus meinen Erfahrungen mit der Schule im Allgemeinen und der schwierigen Zeit der Pubertät im Besonderen überhaupt nicht, dass es eine gute Sache ist, das Thema mit einer Zwangsveranstaltung im Lehrplan zu machen. Noch dazu, wenn es um Praktiken und Orientierungen geht, für die man erst einmal ein gewisses Gefühl finden muss. Jeder Knabe findet die Vorstellung von Zungenküssen zuerst fragwürdig – aber das kommt irgendwann, und heute schneller als bei uns. Es ist eine Sache des Probierens, sie ist schwierig genug, und die Vorstellung, dass der Lehrer…. bei uns hätte das Thema Sex der Biologielehrer H. machen müssen, der nicht wirklich so aussah als ob er… also ich mein… das hätte schon ein sehr besonderer Fetisch…. also wie auch immer, wir haben den Punkt an der Schule ausgelassen und das war auch gut so. Als die Bundeswehr mit einem Vortrag versuchte, uns Toleranz für den Dienst an der Waffe einzubläuen, stieg bei uns die Verweigererquote sprunghaft an. Warum sollte man sich von älterem Lehrpersonal Sex… nein, Nein, Neinneinneinneinnein. Kennen Sie Tom Sharpes Mohrenwäsche? So wäre das. Lesen Sie es, bevor Zensurminister Maas es verbietet! Das sage ich über Sexualkunde als braver, bayerischer Abiturient. Ich will gar nicht wissen, wie das in den in Berlin als “Gymnasium“ bezeichneten Abschlusslotterieanstalten ist. Oder in den Schulen, in denen die Jungs deutschen Gangsta-Rap hören.

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Ich glaube, es gibt klügere Wege. Dieser Toleranzunterricht ist in meinen Augen so etwas wie das erzwungene Gendersternchen oder Genderpapas Glück, wenn der Sohn auch mal einen Rock trägt und er auf dem Spielplatz in Mitte erzählen kann, dass der Sohn so richtig queer ist. Doch, es gibt solche Leute. Wirklich. Instinktiv denke ich mir: Warum lasst ihr sie nicht einfach selbst entscheiden und wachsen? Und wenn ein paar Kinder intolerant werden – dann ist es halt so. Ich glaube nicht, dass die sexuelle Orientierung Menschen tolerant macht. Volker Beck feiert chrystalklar seine Mitarbeiterin, wenn eine Journalistin nicht mehr beschäftigt wird, die eine ihm nicht passende Meinung hat. Zur Normalisierung der Lebensvorstellungen gehört, dass solche Gruppen bei näherer Betrachtung auch nicht besser oder schlechter, fortschrittlicher oder spiessiger sind.

Das Kernproblem dieser Bemühungen ist aber ein anderes. Für Niggemeiers Regenbogenlobby ist es wichtig, dass sie ihre Möglichkeiten bekommt. Damit sind sie nicht allein. Für die Integrationsbeauftragte der Bundesregierug ist es wichtig, dass Migranten neben Geld und Sozialleistungen auch das Wahlrecht bekommen. Migrantenverbände wollen eine Quote für ihre Mitglieder. Pro Asyl fordert sozialen Wohnraum für Migranten. Muslimverbände möchten den Kirchen gleichgestellt werden. Arbeitgeberverbände möchten aus der sozialen Mithaftung entlassen werden. Die Atomlobby will ihre Risiken an die Allgemeinheit abtreten. Frauenquoten werden in Bereichen gefordert, in denen es nicht ausreichend qualifizierte Frauen gibt, weil die wiederum eher weiche Fächer studieren. Die neuen deutschen Medienmacher bekommen Staatsförderung, um der alteingessesenen Mehrheit Sprachvorschriften zu machen, und Kahanestiftung bekommt Geld für Gesinnungsschnüffelei. Die Linke will als Beispiel für Integration eine Frau als Bezirksbürgermeisterin, die in der autonomen Szene aktiv war. Wer eine Wohnung vermietet, bekommt als Miethai die Mietpreisbremse aufgezwungen, und wer Inklusion ablehnt, weil er mal erlebt hat, wie ein Ex-Junkie gewaltsam eine WG gesprengt hat, ist intolerant. Erdogan will Milliarden und andere Staaten in Afrika wollen sie auch, weil sie nichts gegen Überbevölkerung tun. Alle fordern. Keiner von ihnen zahlt. Gegenleistungen ausser Beschimpfungen als Rassisten und privilegierte Unmenschen will niemand erbringen. Es gibt da in Bayern den schönen Begriff “da fettn Sau an Oasch schmian“. Das angeblich so offene, tolerante Deutschland erleben viele, und besonders jene, die dafür den Löwenanteil zahlen, Kinder erziehen und sich Mühe geben, als einen Ort, an dem sie genau dazu gezwungen werden. Niemand fragt sie, ob sie die Förderung von Partikularinteressen der Minderheiten wollen. Das wird Top-Down ohne ihren Willen so entschieden. Man wirft die von den Bürgern finanzierten Autobahnen nach Möglichkeit den Versicherungen vor, und nimmt eine von den Bürgern eingezahlte Milliarde der Krankenkasse für Migranten, die weder so gesund noch so Facharbeiter wie versprochen sind. Und ein Escortring eine Partei, die sich den Minderheiten verschrieben hat, vermittelt Minister und andere Amtsträger an Firmen.

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Und dann kommt die Lobby des Herrn Beck daher und will auch noch den Kindern erklären, dass das, was Papa und Mama da machen, gar nicht so sein muss und es noch ganz viele andere Optionen gibt, speziell bei Leuten, die hauptberuflich über Benachteiligung jammern. Es impliziert durch die angebliche Notwendigkeit, die Eltern würden das falsch machen, wären nicht tolerant genug, und müssen anderen Platz machen. Da platzt vielen einfach der Kragen. Die Lobby will das an Orten, an denen die Eltern wenig zu sagen haben und so, dass die Kinder dem nicht entgehen können. Ich bin ein kinderloser, toleranter und genussorientierter Libertin, aber ich verstehe, warum Eltern das nicht wollen. Ich sehe all die Angriffsvektoren, die von Lobbys und ihren publizistischen Lakaien genutzt werden. Alle wollen irgendwas, Firmen wollen Schulen ihre Wirtschaftsideale nahe bringen, die Nazis wollen ihre Schulhof-CD verbreiten, Google versucht über Youtube, Klassen zur Hatespeech-Stasi zu machen, und dann fordern die LGBT-Gruppen Sonderrechte und sagen den Kindern jetzt mal, wie sie die Sex und Liebe zu sehen haben.

Das versteht die AfD, und deshalb macht sie dagegen mobil. Sie macht es, weil sie weiss, dass dieses Thema auf den innersten Kern des Selbstverständnisses vieler Menschen zielt. Für ihre indolenten Gegner ist das scheinbar nur ein kleiner Unterricht, aber für die Identität der Mehrheit eine absolute Grundsatzfrage. Es sind Menschen, die meiner Meinung nach völlig zurecht fragen, wieso man 96% zwangsindoktrinieren soll, nur weil die selbsternannte Lobby von 4% glaubt, dass es nötig ist und die Welt besser macht. Ist es so? Ich lese dauernd viel Intolerantes wie das hier in meine Richtung:

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Die Entwicklung der Toleranz gegenüber sexuellen Optionen hat bei allen Problemen und dem Unrecht, für das sich der Staat zu entschuldigen hat, gesellschaftlich ganz gut funktioniert, auch wenn Rückschläge wie der frauenfeindliche Irrsinn des angeblichen Prostitutionsschutzgesetzes neu entstehen. Es hat funktioniert, weil die Mehrheit der Gesellschaft nicht den Eindruck hatte, überfordert zu sein, und die Gleichberechtigung und gelebte Toleranz demokratisch befürwortet. Aber die Versuche, alle Aspekte der Identität von Menschen in Frage zu stellen, sich das Recht herauszunehmen, das an ihren Kindern auszuleben, Forderungen zu stellen, weil gerade auch alle anderen Forderungen stellen, und Andersdenkende zu beschimpfen: Das führt dazu, dass die Mehrheit auch auf die Idee kommt, ihre eigenen Interessen aktiv zu verteidigen, und sich hinter denen zu scharen, die genau das in Reinform und konsequent umsetzen. Niggemeier hat prinzipiell einige gute Punkte, und wir stehen trotzdem vor einer reaktionären Umwälzung, weil keine andere Option bleibt, sich gegen die weniger guten Punkte zu wehren. Während ich das hier erklärend schreibe, suchen andere schon die Fackeln und Mistgabeln.

Offenlegung: Ich persönlich würde mich nicht zwischen den Wünschen der AfD und den Wünschen der Genderverbände entscheiden wollen – beide Vorstellungen haben enorm unsympathische Aspekte. Ich würde gern friedlich und bürgerlich mit allen zusammenleben, ohne dass zu sehr von beiden Seiten am Tor der Hölle gerüttelt wird.

22. Nov. 2016
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20. Nov. 2016
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Bunte Kinder, deren Eltern es einmal schlechter haben sollen

Friede den Palästen.

Bunt. Was soll man da noch antworten. Wir sind hier bunt. Da kann man nicht antworten, man wäre gern einfarbig. Bunt ist gut, einfarbig ist, wenn es um Menschen geht, rassistisch. Bunt ist als Begriff so positiv aufgeladen, dass keine Verneinung etwas Gutes in sich tragen könnte. Bunt ist als Leitbild im Journalismus präsent, selbst wenn dessen Träger fast durchgehend weisse, privilegierte Bürgerkinder und damit als Gruppe fast so unbunt wie der der Ku Klux Klan sind, der auch gerne anderen Leuten die Hütten anzündet. Bunt ist schön, bunt ist vielfältig, bunt ist lebenswert, und wenn Gesellschaften und Firmen und Städte bunt werden, werden sie auch besser und erfolgreicher und alle haben mehr. Das sagt auch Team-Gina-Lisa Schwesig. Wer bunt ist, muss nicht mehr argumentieren. Wer über Buntes schreibt, muss nicht mehr kompliziert recherchieren. Zum Glück sind alle meine Wohnungen bunt, sehr bunt, teilweise bunt wie ein explodierter Punschkrapfen, was bunte Menschen darüber hinweg täuscht, dass ich nicht jedes Bunt unhinterfragt haben will.

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Meine Erfahrungen mit Bunt sind – durchwachsen. Weil Bunt so einfach ist wie früher “Bayern“ für die CSU und “Sozialismus“ für die SED und ihre STASI-Spitzel. Weil man mit vier Buchstaben so auf der richtigen Seite sein kann, wie sonst nur mit den vier Buchstaben “Nazi“ gegen andere, verwenden das Wort auch komische Leute. In Augsburg war ich auf einer Anti-AfD-Demonstration, wo auf einem Schild “bunt“ neben einem Todeswunsch stand. Vielleicht bin ich auch etwas empfindlich, aber der Gedanke, dass Buntheit durch das Beseitigen Minderbunter gefördert werden könnte, missfällt mir. Seitdem bin ich in meiner bunten Wohnung wachsam und achte darauf, wenn bunte Menschen weniger Bunte zum öffentlichen Abschuss freigeben, weil sie nicht bunter sein und eine Migrantenunterkunft neben sich haben wollen. Natürlich gibt es da auch positive Verhaltensanweisungen: Der bunte Mensch, das lese ich in den migrationsfreundlichen Medien, möchte doch bitte ein Zimmer frei räumen. Ältere könnten davon profitieren! Die wohnen doch ohnehin in viel zu grossen Wohnungen. Bunt macht da das Leben schöner.

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Manchmal aber scheint durch, was damit wirklich gemeint ist. Manchmal sind auch Bunte sehr ehrlich, und dann sind sie auch nicht netter als der Nörgelrentner, dem die Kinder zu laut sind. Dann entdecken sie etwas, das ihnen nicht passt, und werfen es anderen Bunten zum Frass vor. Verena Mayer von der Süddeutschen Zeitung ist beispielsweise eine Journalistin, die sehr viele bunte Themen schreibt, von Team Gina Lisa bis zu multikonfessionellen Gebetsräumen – für einen derartigen Beitrag bekam sie gerade einen Diversitätspreis der EU. Auf ihrem Twitter-Account zeigt sie aber auch mitunter, was ihr weniger gefällt, und gibt der Erwartung Ausdruck, dass gewisse Lebensziele und Wünsche schlecht aufgenommen werden: Der Drang, Wohnungssuchenden zu helfen, die sich wegen erfolgreicher Kinder auf 120 m2 verkleinern wollen, dürfte sich ja in Grenzen halten.

verej

Es geht da um eine öffentlich aufgehängte Wohnungsannonce, die sie abgelichtet hat. Da berichtet ein Paar, dass die Söhne beruflich erfolgreich sind. Das finde ich eigentlich gut, denn natürlich ist es schön, wenn Kinder ihren eigenen Weg gehen und den Staat und das Sozialsystem dabei fördern. Sie sagen, dass sie sich verkleinern wollen. Auch das finde ich hochanständig. Es ist völlig in einer Linie mit den Wünschen der Bunten. Die Bunten hassen Eltern, die nach dem Auszug der Kinder mit Ausreden – die Katze kann sich nicht umstellen, einen alten Baum verpflanzt man nicht – an ihre 250m²-Villen klammern, was, seien wir ehrlich, unter Bessergestellten die niemals hinterfragte Norm ist, denn wo kämen wir denn da hin? Dorthin, wo die Inserenten sein wollen, unter Leute, die sie offensichtlich verachten. Sie geben Wohnraum frei für andere und möchten zurück in ein urbanes Viertel, wo sie nicht erwünscht sind.

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Dabei ist der Wunsch sehr anständig, denn die Inserenten dürften älter sein, und die Versorgung alter, kranker Menschen weit draussen belastet unsere Sozialsysteme. Sie suchen auch eine Wohnung zum käuflichen Erwerb: Sollten sie gepflegt werden müssen, entlastet das Vermögen den Staat, denn wer nichts hat, wird auch gepflegt, und wer etwas hat, muss zahlen. Ich finde das staatliche Raubverhalten in Notlagen und Todesfällen übrigens pervers, aber mei. Das Paar wünscht sich einen Aufzug: Sie denken an ihre alten Tage. Es will einen Balkon: Wer könnte es ihnen verdenken, wenn man sieht, wie andere Gärtner durch ihre Urwälder vor den Villen kommandieren. Sie wollen zusammen 100 bis 120 m². Der durchschnittliche Deutsche von der Wiege bis zum Grab hat momentan 45-48m², je nach Untersuchung, und alle 10 Jahre kommen 3m² dazu, sofern man nicht gerade was mit Mediensozialhilfe macht. Für ein Paar in den 50ern ist der Wunsch weder luxuriös noch extravagant. In meinen Kreisen ist allein die Ferienwohnung deutlich grösser. Und wenn das Paar anständige Söhne hat, die sich um ihre Eltern kümmern, ist ein Gästezimmer auch nicht verkehrt.

vered

Dieser Wunsch ist nicht mehr als der Durchschnitt in einem Lebensmodell, das normal ist. Es ist ein Versuch, ohne unbeliebte Makler auszukommen, und wenn ich das als Vermieter lese, würde ich denken: Das ist mir bunt genug! Besser als eine WG aus zwei Genderistinnen bei einem finanziell maroden Risikoprojekt, bei denen man nie weiss, ob sie nicht nach Kräften an Fusselhipster untervermieten, weil sie es billiger haben wollen, und mich hassen, wenn sie erfahren, auf wie vielen bunten Barock-Quadratmetern ich ganz allein lebe und klage, dass ich keinen Platz für Bilder mehr verfügb In meinen Augen sind diese Wohnungssuchenden nicht ohne Vermögen, selbstständig, lebenserfahren, nicht zu anspruchsvoll, und sie haben sich die Sache gut überlegt. Es ist so, wie es sein soll. Es gibt keinen Grund, sich darüber zu echauffieren, wie es die Kollegin macht. Durchschnitt ist noch nicht mal privilegiert, es ist nur normal.

verab

Man sieht, was nicht bunt genug ist: Das, was de meisten Menschen in diesem Land als erstrebenswert betrachten, eine Familie, gute Kinder, eine mittelgrosse Wohnung und einen angenehmen Ort für das Alter. Alle, die unter dem Bild ihren Hass auskübeln, brauchen gar nicht einen wie mich oder meine Klasse, um ihre Diversität mit einem moralisch verwerflichen Feindbild zu begründen. Es reicht die Normalität. Bescheidener Wohlstand. Ordentliche Verhältnisse. Die Bereitschaft, sich anzupassen. Das kleine Glück nach einem arbeitsreichen Leben. Diese Gruppe verachtet das Milieu, das den Staat trägt – Deutschland wäre weit hinter Burundi, würden hier alle in Berlin leben und schreiben, wie bunt und divers dort das Dasein ist. Das bunte Lebensmodell ist nur möglich, weil es solche abgelehnten Leute gibt, die am Frühstückstisch eine Zeitung lesen wollen. Es können nicht alle bunte Blumen sein. Sie brauchen auch Erde, auf der sie wachsen können. Momentan habe ich den Eindruck, die bunten Blumen sehen dort unten nur die braune Farbe.

verea

Ich kann mich nicht beklagen, denn es betrifft mich nicht. Es ist vulgärer Klassenkampf, und die Aversion richtet sich nicht gegen Bewohner des Tegernsees oder von Palästen, sondern gegen das Bürgertum. Weil es einfach gerade da ist, und einen Zettel aufhängt. 76 Leute liken diesen Pranger. Zu gerne wüsste man, was für ein Verhältnis sie zu ihren eigenen Eltern haben, wenn sie anderen Eltern das nicht vergönnen.

verec

Früher dachten Eltern, ihren Kindern sollte es einmal besser gehen. Heute denken Kinder, den Eltern könnte es gern schlechter gehen. Berlin will unter RotRotGrün für Eltern jener Alterskohorte, die den Pranger mag, bedarfsunabhängig Kita-Gutscheine verteilen, damit die Kinder noch früher aus dem Haus kommen. Da lernen sie von früh auf, dass sie auch bunt sein müssen, die Eltern halten es auch in kleineren Wohnungen aus, und muss sich später nicht mehr verkleinern. So anspruchslos und neosozialistisch kann man das Wohnraumproblem in Berlin natürlich auch lösen. Und die anderen bleiben einfach in ihren Villen, und sagen dem Gärtner, wohin die Agapanten und Oleander kommen, ohne dass je ein Bild davon ins Netz gelangen würde.

20. Nov. 2016
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14. Nov. 2016
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Trumps Sieg: Handgemacht in den USA

Oh God I am the American dream, but now I smell like Vaseline
Frank Zappa, Bobby Brown

Silberkannen, Reisen, Gemälde – die Grundlagen mancher Beiträge hier sind so teuer, dass es verständlich ist, wenn unbegüterte, abhängig Beschäftigte dann doch lieber billige Themen wie Sozialismus, Nutella und Feminismus bevorzugen. Dieser Beitrag hier jedoch hätte deutlich teurer werden können, als er ohnehin schon ist. Gekostet hat er mich einen Rahmen, der, wie der Zufall es will, von einem Nichtkollegen der Konkurrenz gerade unkritisch beworben wird. Wenn ich Pech gehabt hätte, wäre für diesen Beitrag vielleicht auch meine Gesundheit oder gar das Leben auf der Strecke geblieben.

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Das hier ist die Innenlagerbuchse eines Cannondale Super X. Made in Fernost. Sie hat sich aus dem Rahmen von selbst gelöst und war so schlecht eingebunden, dass sie auch beim Antritt oder Sprung hätte herausbrechen können, mit bitteren Folgen für mich. Der Rahmen stammt aus der Obama-Epoche der Firma. Ich habe sechs andere Cannondales aus der Clinton-Epoche, also aus dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, und sie sind grossartig. Alle. Und an ihnen ann man auch erklären, warum Donald Trump nun Präsident der Vereinigten Staaten wird.

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Das ist ein Cannondale F800SL von 1997. Ein phantastisches Rad, unter 11 Kilo leicht, und wenn ich morgen aufbrechen und die Alpen überqueren wollte, würde ich es ohne Nachdenken nehmen. Cannondale begann Mitte der 80er Jahre, solche Räder aus dem damals exotischen Leichtmetall Aluminium zu schweissen. Der Name leitet sich von der Bahnstation Cannondale bei Bethel im Bundesstaat Connecticut ab, wo die Firma mit der Produktion begann. Cannondale war immer etwas teurer, aber technisch innovativ und stets bereit, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Die patentierten Federgabeln waren abschaltbar und extrem steif in einer Epoche, als andere Gabeln schlingerten und kraftfressend federten, wenn man es nicht brauchte. Diese Gabel in meinem Rad ist 19 Jahre alt, wurde nie gewartet und hat auch einen Einschlag in einen Poller überstanden. Sie wollen nicht wissen, wie das passiert ist. Wirklich nicht. Sie wollen ein gutes Bild von mir behalten, also wollen Sie es nicht wissen.

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Wie auch immer: Cannondale war damals schon in eine grosse Fabrik in Bedford, Pennsylvania umgezogen. Das ist einer dieser heiß umkämpften Swing States, die früher eher demokratisch waren. Bedford ist ziemlich ländlich und weit weg vom Einzugsgebiet von New York, und damit der ideale Ort, um schnelle MTBs für Waldpfade zu entwickeln. Deshalb rollen sie auch so gut bei mir in den Auwäldern an der Donau und in den Bergwäldern am Tegernsee – die Strecken sind ähnlich denen an der Ostküste. Neu waren sie sehr, sehr teuer, immer an der Spitze des Marktes, und dieses F800 SL kostete damals rund 3800 DM. Die vollgefederten Super Vs, die ich am Tegernsee fahre, waren nochmal deutlich teurer und sehen heute vorsintflutlich aus. Aber sie sind unzerstörbar und wartungsarm. Wenn ich sie verdreckt im November in den Keller stelle und im April wieder auspacke, funktionieren sie immer noch einwandfrei.

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Cannondale hat einfach verdammt gute Räder gebaut. So gut, dass die Firma 1995 das tun konnte, wozu sie vom Wirtschaftsklima unter Clinton ermutigt wurde: Sie ging an die Börse und beschaffte sich damit rund 22 Millionen Dollar. Das Geld ging nicht nur in eine Aktiengesellschaft, sondern an eine global erfolgreiche Marke mit Rennteams, beliebten Fahrern und Weltmeistertiteln. Aus Bedford, PA kamen Räder, mit denen man losfahren und Etappen der Tour de France gewinnen konnte. Man musste nichts mehr verbessern – die Topmodelle waren bereits ab Werk optimiert. In Bedford wurden nicht nur Rahmen geschweisst und die Nähte verschliffen, damit der Rahmen als ein Kunstwerk wie aus einem Guss erschien.

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In Bedford stand auch jemand an der CNC-Fräse und fertigte aus amerikanischem Easton-Aluminium extrem leichte, ausgehöhlte Kurbeln. Cannondale war eine Firma, die so viel wie möglich selbst entwickeln und machen wollte. Und wenn ich heute die Berge auf diesen alten Kisten hinunter rase und in den Pedalen stehe, habe ich immer ein gutes Gefühl. Ich bin zigtausend Höhenmeter mit solchen Coda-Kurbeln hochgefahren. Sie sind einfach gut. Da kann man sagen, was man will. Gut und leicht und überhaupt nicht schlampig gefertigt, wie man das sonst oft amerikanischen Produkten wie Autos, Software oder Judith Butlers Genderesoterik zurecht nachsagt.

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Gekrönt mit Weltmeisterschaftstiteln. Geliebt vom Publikum. Erfolgreich an der Börse. Was kann da schon schief gehen? Nun, die Aktionäre erwarteten natürlich steigende Gewinne und Umsätze und Produkterweiterung, und im Radsektor lieferte Cannondale damals schon alles. Und so kamen sie auf eine Idee, die 100 Jahre zuvor andere Radhersteller auch schon hatten: Sie entschlossen sich, in ihre Räder Verbrennungsmotoren einzubauen. Und sie zweispurig zu machen. Cannondale wollte in den Markt der Quads und Motocrossmaschinen einsteigen und entwickelte, wie sie das bei Gabeln und Kurbeln gemacht hatten, vieles selbst. Wie etwa den Motor. Nach dem Verbrennen einer mittleren zweistelligen Millionensumme, wie das damals in der New Economy üblich war, kamen 2000 die ersten Benzingefährte heraus.

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Und mussten gleich wieder zurückgerufen werden, weil der Motor Probleme machte. 2001, auf dem Höhepunkt der New Economy, brachte der Radhersteller eine üppige Palette mit 4 Quads und 4 Motocrossrädern heraus. Mit Hilfe eines Bankkredits, genau rechtzeitig zum grossen Börsenkrach der Technologiewerte. Zu einer Zeit, da Amerikaner mit den Angriffen auf das World Trade Center andere Probleme als die Kaufentscheidung über Fünft- und Sechstgefährte für die Freizeit hatten. Mitten hinein in die Rezession. Mit Produkten am obersten Ende der Preisskala, made in USA, und mehreren tausend Dollar, die man zu diesem Zeitpunkt bei jedem Verkauf noch draufzahlte. 2003 musste die Weltmarke Cannondale Gläubigerschutz beantragen.

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Die Fahrradsparte ging an einen Finanzinvestor, wurde saniert und 2008, in einem Marktumfeld, das sich scheinbar gebessert hatte, an das kanadische Firmenkonglomerat Dorel Industries verkauft, das schon eine Reihe anderer Radmarken besass. Dorel machte Bedford zum Sitz ihrer Radgeschäfte, aber wie man rückblickend weiss: Damals begann die grosse Bankenkrise. Die Kanadier suchte nach Mitteln und Wegen, um die Kosten zu reduzieren, und verlagerten 2010 die gesamte Produktion der Rahmen nach Asien. Von den 300 Mitarbeitern – die meisten hochqualifizierte Fachkräfte, die jahrelang mit die besten Räder der Welt gebaut hatten – mussten 200 gehen. Die verbleibenden Mitarbeiter beschäftigten sich mit Entwicklung, Wartung und Montage.

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Glaubt man einschlägigen Medienberichten, begann damals Präsident Obama, das Steuer herumzureissen, die Finanzkrise zu lösen und Amerika wieder auf den Weg zu Wachstum und Beschäftigung zu bringen. Aber seitdem kommen Cannondales nicht mehr aus Amerika, sondern aus Fernost, wo auch mein Super X aus Carbonfasern laminiert wurde. Bedford ist ziemlich abgeschieden, nicht gross und deshalb nicht wirklich der Ort, an dem man schnell wieder eine Arbeit findet, wenn man jahrelang Rahmen geschweisst und Federgabeln montiert hat. Hope ist eine schöne Vision und Hope gab es für Banken und Autohersteller. Fahrräder sind nicht 2big2fail. Und die amerikanischen Cannondales hatten einen so guten Ruf, dass auch für die asiatischen Cannondales hohe Preise und Profite möglich sind. Dorel Industries ist ein hoch profitables Unternehmen.

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Ein Unternehmen, das hoch profitabel bleiben möchte und deshalb in Kanada 2014 beschloss, die gesamte Firma in Bedford zu schliessen und wieder nach Cannondale, Connecticut zu ziehen. Das wurde auch gemacht, mit Hilfe eines staatlichen Kredits in Höhe von 3 Millionen Dollar, von dem 2 Millionen erlassen werden, wenn Dorel in Bethel die versprochenen Arbeitsplätze in diesen blühenden Landschaften schafft – wonach es bislang aber nicht aussieht.

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Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie gehörten zu den 300 Leuten in Bedford und ihren Angehörigen. Sie haben jahrelang mit das Beste gemacht, was es weltweit gab. Sie haben geholfen, das Exportdefizit des Landes klein zu halten. Auf Ihren Rädern siegten die Besten. Handmade in USA stand auf Ihren Rädern unter der Flagge Ihres Landes. Sie haben erlebt, wie Entscheidungen nach den Wünschen der Wall Street Elite die Firma in den Bankrott trieben, zum Spielball der Investoren machte und Sie arbeitslos werden liess. Sie haben erlebt, wie ein Staatsgeschenk genutzt wurde, um nach der Produktion auch die verbliebenen Bereiche abzuziehen. Jetzt sitzen Sie in Bedford, irgendwo in Pennsylvania, wohin nie ein Journalist reist, und haben die Wahl. Zwischen Hillary Clinton und Stronger Together, ihren Unterstützern in den Medien, die meinen, man müsste sie wählen, weil sie mit dem System gut kann, eine Frau ist und ganz wunderbare Ideen für transsexuelle Kinder und ihren Toilettenbesuch in Schulen hat, und für Black lives matter und Handelsbeziehungen im pazifischen Raum.

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Und einem Mann, den die Medien nicht mögen, und der sagt: Make America great again. Ein Mann, der sagt, er werde die Jobs zurück holen und verspricht, mit gesenkten Unternehmenssteuern Produktion in den USA lukrativ zu machen. Ein Mann, der Firmen auch in den Hintern treten will, wenn sie unamerikanisch Arbeitsplätze verlagern, und den Chinesen Beine machen wird.

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Wählen Sie dann Clinton und Lena Dunham, die den weissen Mann auslöschen will, oder Trump und Milo Yiannopoulos, der sagt, es werde zu viel für winselnde Minderheiten gemacht?

Pennsylvania ist einer der Staaten, der von Obama zu Trump ging. Knapp, aber ausreichend. Ein paar Stimmen davon kamen aus Bedford, aber die USA bestehen aus vielen Bedfords, und nicht in allen wurden Opels und Chlorhähnchen gemacht. Aus manchen Orten kamen auch wirklich gute Dinge, die profitabel waren, bis sie in die Hände des Establishments gerieten. Ein Establishment, das die Produktion nach China verlegt, wo so wenig Carbon unter dem Tretlager ist, dass ich es mit dem Finger eindrücken kann.

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Das ist Globalisierung im Symbolbild.

Ich kann Cannondale USA nur empfehlen. Das war eine phantastische Marke. Grandios bis 2003, gut bis 2010, als Obama manch andere Firmen retten konnte. Aber anderes halt nicht. Mit dem Ergebnis, dass der kaputte Super X heute bei einem befreundeten Radhändler an der Wand hängt, als Warnung vor den Tücken der Globalisierung. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, wenn ich ihn sehe und überlege, was da hätte passieren können. Ich hatte Glück. Aber die hoch qualifizierten Leute in Bedford, die nichts anderes als eine gute, umweltfreundliche und nachhaltige Arbeit gemacht haben, durften sich von Hillary Clinton als Deplorables bezeichnen lassen.

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Dafür hat man vielleicht kein Gefühl, wenn man abhängig bei CNN arbeitet und darauf hoffen konnte, dass eine Präsidentin Clinton nicht vergisst, wer ihr ins Amt geholfen hat. Aber ich bin privilegiert, habe viel Freizeit, fahre alten Cannondales und kann sagen, dass sie so etwas heute nicht mehr machen. Es ist schade um dieses Amerika. Ich mein, die Schleuder ist jetzt 19 Jahre alt und immer noch schneller als alles, was mir heute so auf China-29ern und Pedelcs aus Taiwan im Auwald begegnete. Kaufen Sie sich für ein paar hundert Euro eines, wenn Sie eines finden. Krachen sie damit durch einen Pulk von Cubes, Bulls und Giants, dann verstehen Sie Sprüche wie Make America great again. Und warum Bedford, Pennsylvania und das Weisse Haus an Trump gingen, auch wenn man viel, sehr viel gegen ihn einwenden kann.

14. Nov. 2016
von Don Alphonso
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10. Nov. 2016
von Don Alphonso
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Frauen wählen Trump und geschenkte Möbel

53% of White Women voted Trump ? I just don’t understand, at all. At all , at all.
Lily Allen

Da ist sie platt, die Sängerin Lily Allen. Tatsächlich ist das die grosse Überraschung der US-Wahlen: Dass die klare Mehrheit der weissen Frauen Trump gewählt hat. Hillary Clinton hat sich selbst als wichtigstes Ereignis in der Geschichte der Frauenbewegung stilisiert, und Trump als sexistischen Teufel dargestellt. Es war der Kern des gesamtem Wahlkampfs, und alle Medien zogen mit: Die gute, erfahrene Frau gegen das vorsintflutliche Monster. Das wurde unablässig perpetuiert. Die Huffington Post hatte sogar eine redaktionelle Linie, Trump als Sexisten zu bezeichnen. Und mit dem Skandalvideo, auf dem er sagte, er könnte Pussy grabben, gibt es den ultimativen Beweis. Wie können Frauen nur so jemanden wählen?

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An dieser Stelle eine kleine Exkursion, wenn Sie erlauben. Ich plane gerade die Anschaffung einer Küchenmaschine. Es ist nicht so, dass ich nicht genug Küchengerät hätte, aber ich bin vom alten Schlag und arbeite gern mit Messern, Reiben und Kuchenformen, die schon unter dem Prinzregenten in der Familie waren. Aber es gibt eben auch den Gästeflügel und dortselbst natürlich Gäste, die modernes Gerät wie Mixer und Rührmaschinen gewohnt sind. Und ich merke, wenn ich mit Gästen das Thema anschneide, ein bestimmtes Verhaltensmuster an mir. Ich kommuniziere das Anliegen so, dass es nach rein praktischer Erwägung aussieht, was es auch ist. Was ich nach Kräften vermeide, ist der Eindruck, es ginge hier darum, sich etwa eine Gunst zu erkaufen. Früher, unter dem Prinzregenten, war es so, dass der Mann der Frau den Wunsch einfach von den Augen oder vom Fächer ablas, oder, auch das gab es in meiner Familie, von der Frau das von ihr behütete Geld bekam, um eine neue Kuchenform zu kaufen. So rückschrittlich war das damals im Patriarchat! Heute ist alles komplizierter und natürlich möchte ich nicht, dass es wie eine Bestechung aussieht.

Es ist halt so eine Sache mit den Gunstbeweisen in der Gegenwart. Die grosse Mehrheit der Frauen, die ich kenne, geht nach dem Essen im Restaurant kurz die Nase pudern, was aus purem Zufall eine wundervolle Gelegenheit ist, die Rechnung zu begleichen – das wurde uns im ausklingenden Patriarchat noch so beigebracht. Man nimmt heute Frauen nicht alle Lasten ab, aber eben doch so viel, dass sie beschwingt und federleicht gehen können und dennoch so aussehen, als trügen sie ihren fairen Anteil an den Einkäufen. Man hält Frauen die Tür auf. Man zeigt ihnen, dass sie einem nicht egal sind, und dass man für sie und ihre Wünsche mitdenkt. Man tut Dinge, damit Frauen von einem irrtümlich denken: “Wer so etwas tut, kann eigentlich gar kein ganz schlechter Mensch sein.“ Vielleicht, denken sich manche Frauen: “Will er etwas von mir, aber selbst wenn es so ist, habe ich die Kontrolle, und warum soll ich das nicht annehmen.“ Es ist halt ein Spiel. Junge Feministinnen finden das vielleicht ganz schauderhaft, aber ich kenne ihre Instagram-Accounts, wo sie, mit kiloweise Photoshop und Filter bekleistert und weit ausgeschnittenen Hemden um Herzchen und Awwwws anderer Nutzer buhlen. Am schönsten ist die Anerkennung, wenn sie folgenlos bleibt. Don Giovanni und Zerlina, Conte Almaviva in Le nozze de Figaro, Mustafa in Die Italienerinnen in Algier: Das Narrativ “Mann begehrt eine Frau, umwirbt sie, versucht es mit vielen Mitteln, weil sie ihm zusagt, und am Ende nimmt sie einen anderen“ gefällt dem Publikum bis heute. Aus irgendwelchen Gründen. Ende des Exkurses.

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Clintons Lager hat versucht, uns alle auf den zweiten Teil des Skandalvideos hinzuweisen, in dem Trump sagt, er könnte pussygrabben, weil er reich ist. Das ist nicht schön, keine Frage, aber Lily Allen hat die Titelmusik zur Ekelsendung “Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ geschrieben und dafür kassiert. In dieser Serie werden Menschen gedemütigt und dafür von einem reichen Sender bezahlt, und von Millionen Menschen angegafft. Das ist das System der moralischen Grab-the-pussy-Verkommenheit, in dem wir uns heute leider bewegen – ich finde so etwas abstossend, aber ich bin ja auch ein alter, weisser Mann aus einer vergangenen Epoche. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus so, dass das Vermögen eines Mannes im Auswahlverfahren der Frauen nicht ganz bedeutungslos ist – es gibt da beispielsweise eine Untersuchung von OKCupid, die zeigt, dass Männer ihr Alter und den körperlichen Verfall mit Vermögen aufwiegen können. Trump hat da eine sehr unschöne, nicht korrekte, gern verschwiegene Peinlichkeit in einer sehr hässlichen Form ausgesprochen. Es war eine Form, über die man sich prima aufregen kann, weil sie Frauen auf den Körper reduziert, aber gestern besuchte ich die Onlineausgabe der Prantlhausener Zeitung und sah dort, dass eine Frau zu einem “Loyalitäts-Roboter“ runtergeschrieben wurde. Und das muss sie sich von einer Journalistin gefallen lassen, deren Wohnsituation vermutlich nicht wirklich so aussieht, als würden Frauen dort gern ihren Nerzmantel fallen lassen.

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Trump ist sicher noch vulgärer als die Prantlhausener Zeitung. Aber ich vermute, Frauen wie Männer wissen, dass es neben der gesellschaftlich erwünschten Fassade auch noch dunkle Ecken gibt, in denen besser kein Mikrophon stehen sollte. Vielleicht hätte der Sager dennoch gereicht, genug Frauen abzuschrecken.

Aber Frauen sind oft kompliziert und denken in grösseren Zusammenhängen als Männer. Das Pussygrabben ist nur ein Aspekt des Skandalvideos. Der erste Teil, der mit ausgestrahlt wurde, zeigt etwas ganz anderes. Da erzählt Trump freimütig, dass er eine verheiratete Frau umworben hat, mit allen Mitteln, und mit ihr Möbeln kaufen ging. Und dann abblitzte. Das ist die Geschichte eines Mannes, der Reizen verfällt und erkennen muss, dass er eben doch nicht alles haben kann. Ein Mann, der bereit ist, sich in Unkosten zu stürzen und es akzeptiert, wenn er keinen Erfolg hat. Das mag in der Welt der Clintons und ihren Millionengeschenken aus Saudi-Arabien nach Sexismus klingen. Für Clintonunterstützerin Lena Dunham ist das sicher ein Beweis dafür, dass sie recht hat mit ihrer Forderung, man müsste den alten, weissen Mann auslöschen. Das ist empörend in progressiven Zirkeln der globalen Elite(tm), die schlecht bezahlte Mülljobs in den Medien gegen Ärmere verteidigen können, weil sie jeden Monat von Papa das Geld bekommen und an Weihnachten entschuldet werden.

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Aber draussen in der Welt geht es nun mal etwas anders zu, und “Möbel bekommen und den reichen Mann abblitzen lassen“ ist sicher eines der kleineren Probleme für die Mehrheit der Frauen, die wie die meisten Männer nie so weit kommen, dass sie eine Glasdecke durchbrechen könnten. Die Geschäfte mit Sex und Beziehung sind in der Welt da draussen billig, und werden nicht von einem Prominenten an der Südküste Floridas offeriert. Das Establishment möchte doch bitte einmal mit alleinerziehenden Müttern über ihre Einkommenssituation sprechen, und wie diese dann von Arbeitgebern teilweise unschön ausgenutzt wird. Das Establishment sollte einmal mit denjenigen reden, die in der Pflege arbeiten, und fragen, warum ein hoher Anteil der Sexarbeiterinnen in Deutschland aus diesem Sektor stammt. Das System, das die Mehrheit erlebt, ist keines, das einem für einen Augenaufschlag die Wohnung einrichtet. Da sind die Tarife erheblich niedriger, und die Gegenleistung kann von den Frauen nicht optional behandelt werden. Das Schlimmste, was Clintons Lager gegen Trump vorbringen kann, ist ein Verhalten, das Frauen immer noch mehr Möglichkeiten als die Jobs gibt, mit denen in New York, Boston und San Francisco nur Rumpelkammern mit 2 Stunden Fahrzeit zum Arbeitsplatz finanziert werden können.

Das sind die Probleme einer Realität, die niemals auch nur in die Nähe von Wohlstand und Anerkennung kommt. Trump kauft Frauen Möbel, Clinton möchte mehr Managerinnen in Führungspositionen und Safe Spaces für College Studentinnen. Das ist die Wahl, die die Amerikanerinnen hatten. Ein spendabler Sexist und eine Vertreterin eines Systems ohne Ausweg und Hoffnung, dass es besser für die Masse wird. Einer, der Amerika wieder gross machen will und eine, die mit anderen zusammen stärker werden will. Clinton spricht die Managerinnen an, die weiter nach oben wollen, Trump die Frauen, die sich nie Schuhe von Louboutin leisten können und auch gern mal neue Möbel hätten. Die einen halten Trump für einen Sexisten und verstehen es nicht. Clintons digitale Mobs ziehen durch das Internet und schreien, das sei die Rape Culture und Trump werde gewählt, gerade weil er für Frauenfeindlichkeit steht. Das ist die Botschaft derer, die nicht akzeptieren wollen, dass es jenseits der politisch korrekten Medien weitere Sichtweisen auf das Skandalvideo geben kann.

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Diese Sichtweisen muss man bedenken, oder man muss sich wundern, warum die minutiös geplante Kampagne weitgehend scheitert. Die anderen stehen mit Food Stamps an der Kasse, hoffen, dass es bis zur nächsten Miete reicht und wären froh, würde sie jemand zum Essen einladen oder sagen, dass sie phantastisch aussehen. Was Clintons oder wahlweise auch Manuela Schwesigs Elitenprojekt nie für jene unterhalb der feministischen Glasdecke des Jessica-Valenti-Lena-Dunham-Establishments tut, at all, at all, at all.

10. Nov. 2016
von Don Alphonso
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05. Nov. 2016
von Don Alphonso
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Dumme Gedanken zu Rente, Euthanasie und sozialer Todesstaffelung

Eine Mutter kann 10 Kinder ernähren, aber 10 Kinder keine Mutter
Bayerisches Sprichwort

Lebt man allein, kommt man öfters auf einen dummen Gedanken. Diese dummen Gedanken walze ich dann zu Beiträgen aus und verdiene damit nicht unbedingt meinen Lebensunterhalt, aber ich habe ja auch finanzielle Verpflichtungen gegenüber meiner anwachsenden Gemäldegalerie.

Lebt man zusammen, was bei mir dank der Räumlichkeiten gut geht, trifft man sich ab und zu, und tauscht solche dummen Gedanken auch aus. Einer meiner dummen Gedanken zum Beispiel ist, dass all die Medienbeiträge, die uns versprachen, die Migranten des letzten Jahres würden später unsere Rente bezahlen, bestenfalls überoptimistisch sind. Oder waren. Ich habe schon länger keinen mehr gelesen. Ausserdem bin ich dafür, dass Leute, die solche Artikel geschrieben haben, nur Anspruch auf derartig erwirtschaftete Renten haben sollten. Rosige Zukunft war gestern.

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Dafür liest man Vorschläge der CDU, das Renteneintrittsalter an die Lebenszeit zu koppeln. Steigt das erwartbare Alter, muss man eben auch länger arbeiten. Für die angebliche “globale Elite“, für die sich kreativ prekäre Existenzen vor dem 40. Lebensjahr halten, sind das wenig erbauliche Aussichten. Aber so ist es nun mal, jemand muss die Rente erwirtschaften, und das bedeutet: Die Zahl der Bezieher muss entweder kleiner oder die Zahl der Zahlenden grösser werden. Jetzt geht es also um die dynamische Verkleinerung der Bezieherzahl und Vergrösserung der Erarbeiterzahl. Ein Jahr nach den Versprechungen, die Migranten würden uns dabei helfen, ist das schon eine etwas ernüchternde Planung.

Natürlich können Migranten nichts dafür, wenn sie Erwartungen nicht erfüllen, die sie selbst nicht teilen: Da unterscheiden sie sich in nichts vom klassischen deutschen Berufssohn, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber wie auch immer, wir werden auch weiterhin mit dem Problem konfrontiert, dass jemand bezahlen muss, was andere erhalten. Und an dieser schwer zu überwindenden Stelle meiner Überlegungen kam es zum Austausch der dummen Gedanken. Medizinisch beschlagen und mit Lebenserfahrung gesegnet vertritt man nämlich im Gästeflügel die Ansicht, dass es für Gewissenlose auch noch andere Methoden gäbe, die Zahl der Alten klein zu halten: Mit Euthanasie, zynischerweise in Verbindung mit dem, was wir als Pflege bezeichnen. Marode Gesundheit, Einsamkeit im Alter und fragwürdige Zustände in der Pflege nämlich lassen den Wunsch nach dem Ende gross werden, die Politik muss da nur mir einer vorgeschalteten Ethikkommission zugreifen.

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Jetzt haben wir also schon zwei Vorschläge, wie wir das Problem lösen können: Erweiterte Lebensarbeitszeit und absichtlich herbei geführte Lebensverkürzung. Wobei ich mir da nicht so sicher bin, denn in einer grossen, alten Familie hat man es laufend mit alten Menschen zu tun, die sagen “Wann i nua mei Ruah hed“ oder “I kannd so schee schteam“ oder “Wann i nua scho draussn liagad“. Ich habe mit so einer Person einmal einen Menschenversuch gemacht: Mit dem Roadster in persönlicher Bestzeit den Jaufenpass hinauf. Mit Sportfederung und Übersteuern. Da kann man bekanntlich jede Sekunde sterben und seine Ruh haben und draussen ausserhalb der Kurve fliegen und später liegen, aber was soll ich sagen: Schon nach vier Serpentinen war der Ausruf “Du bringst uns um“ keine Aufforderung mehr, dasselbige wirklich zu tun. Meine private Erfahrung ist vielmehr, dass jene, die dauernd vom Sterben und der Gnade des Todes reden, das sehr lang tun und es eigentlich gar nicht wirklich vor haben. Will sagen: Die Möglichkeit der eigenständigen ethischökonomisch bedingten Todes ist alles andere als eine Garantie, dass er genutzt wird.

Die ethische Frage, ob längeres Kaputtarbeiten nicht auch eine indirekte Euthanasie ist, möchte ich einmal dahin gestellt sein lassen, und wie das dann in normalgrossbürgerlichen Familien laufen soll, in denen Oma und Opa mit dem Beginn ihrer Pensionierung dann Zweitaufgaben bei der Enkelbetreuung übernehmen – diese Frage stellt sich keine SPD-Frauenministerin, die kasernierte Volkskinderei KiTa für die beste aller möglichen Welten der Bazillenverbreitung hält. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass der Generationenvertrag mit dem Erreichen der Rente erfüllt ist, aber das mag auch daran liegen, dass ich noch aus einer herkömmlichen, guten, und damit nicht mehr zeitgemässen Familie stamme.

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Also, da sind jetzt schon zwei dumme Ideen und keine will so richtig überzeugen, weil die Verlängerung des Lebensarbeitszeit kaum den Realitäten des Arbeitsmarktes entspricht und niemand staatlicherseits gezwungen werden kann, aus dem Leben zu scheiden. Allerdings gab es da letzthin noch so eine Idee, die etwas untergegangen ist: Jemand in einer Regierungspartei rief die Menschen auf, frühzeitig selbst vorzusorgen, wenn sie ein schönes Leben im Alter haben wollten. Das ist sehr positiv ausgedrückt, aber wenn man es negativ sagen will, klingt es nach “Spar gefälligst frühzeitig, und verlass Dich besser nicht darauf, dass Du am Ende von uns sauber eingesäumt wirst.“ Vielleicht täusche ich mich auch, aber die Ansage wurde von der jüngeren Generation gar nicht beklagt – was man eigentlich erwarten sollte – sondern gleich wieder verdrängt.. Die jungen Leute demonstrieren wegen TTIP und der Vorzeigefeministin Gina Lisa, aber nicht für die eigene Rente. Haben sie es nicht verstanden? Oder wollen sie es gar nicht wissen? Vielleicht denkt die globale Elite™ noch gar nicht so weit.

Das ist in gewisser Weise praktisch, denn wenn es den zukünftig Zahlenden so egal ist, könnte man natürlich, wie das in der Politik so gern gemacht wird, echte Härten vermeiden. Nicht eine brutale Lösung einführen, die zu Protesten führt, sondern von allem ein wenig. Die Arbeitszeit etwas an die Lebenszeit koppeln. Ein verpflichtendes soziales Jahr für jene einführen, die nicht in die wiedereingeführte Wehrpflicht wollen. Euthanasie in gewissen, ethisch hübsch ausschauenden Grenzen erlauben. Und die Rentensätze eher überlebensferner niedrig halten – was kann die Politik denn dafür, wenn die Menschen die klar ausgesprochene Warnung von 2016 nicht gehört haben. Die Intendanten der Anstalten, in denen Migrationsrentengewinne erdichtet wurden, sind dann längst selbst in Rente. Das wäre dann eine nur bei genauerem Hinschauen ziemlich kranke, volkswirtschaftlich aber gesunde Mischkalkulation mit einem ganzen Massnahmenbündel, das man kaum auf dem iPhone lesen und durchschauen kann. Reiche kommen dabei natürlich gut weg, wie es sein soll.

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Nur damit wir uns verstehen: Mir kommen solche dummen Gedanken auf einem sehr hohen Niveau, und es ist mir auch reichlich egal, wenn es ganz anders kommt und ein Meteorit mit anspruchslosen Aliens vom Himmel fällt, die wir “Österreicher“ nennen und für die Wettschöpfung versklaven – was mindestens so wahrscheinlich wie jede andere wirklich gute, humane Lösung des Problems ist. Mir langt’s, muss ich da wie meine Grossmutter sagen, egal wie die Politik entscheidet. Für mich ist das alles eher eine theoretische Diskussion, so wie in Berlin manche den Sozialismus diskutieren. Am Umstand, dass das Verhältnis von möglicher Lebensdauer, Arbeitsleben und Rentenniveau schwierig ist, kommt man nicht vorbei. Ob Kita-Kinder rentenergänzend besonders elternlieb sind, weiss ich nicht, da kommt es wirklich auf den betreuungsgeldlosen Menschenversuch an, der gerade bundesweit (ausser Bayern) läuft. Und so lange die globale Elite, die sich bevorzugt in den Medien herumtreibt, das Thema mit todesverachtendem Zynismus ignoriert – wer weiss schon, wie viele Fremdstoffe Ahmed morgen im Görli ins Crystal Meth gerutscht sein werden – ist die Gelegenheit günstig, jetzt einen neuen grenzsolidarischen Pakt zu schliessen.

Für mich, wie gesagt, sind das alles nur dumme Gedanken, während die Jugend lieber über wirklich soziale Themen wie Gendersternchen und Inklusion nachdenkt.

05. Nov. 2016
von Don Alphonso
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31. Okt. 2016
von Don Alphonso
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Gleiche rechtsflexible Scharia für alle

Auf fünf Trips kommt ein Horror-Trip, und vier gute; das muss man in Kauf nehmen.
Albert Hofmann

Es geht mir gut. Wirklich. Ich bin kerngesund, mir fehlt nichts, und ich lese auch regelmässig Zeitung. Nachfragen, was mit mir los ist und warum ich nichts sage, sind freundlich, aber unnötig. Ich bin über den Stand der rotrotgrünen Verhandlungen in Berlin bestens informiert. Und ich bedaure es ausserordentlich, alle enttäuschen zu müssen, die an dieser Stelle eine Horrorvision der Zukunft jenes Spreesumpfes erwarten. Es wird das nicht geben, denn einerseits ist schon die Gegenwart übel genug, da kann man nicht mehr viel kaputt machen – und andererseits: Manche Pläne finde ich wirklich gut und kulturhistorisch schlüssig.

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Dass das Modell von Schariahain-Khomeniberg zur Zensur freizügiger Werbung nun auf allen städtischen Werbeflächen übernommen werden soll, und die Hauspresse jubelt: Mei, das hat in arm-aber-frigide-Berlin Tradition. Nach den Roaring Twenties mit ihren Bananenröcken versuchte man auch ab 1933, wieder das sitt- und tugendsame Frauenleitbild in den Vordergrund zu stellen. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass es heute noch jemand wagen würde, anrüchige Chansons von Walter Mehring auf dem Mehringdamm zu singen. Nackte Brüste sind für Werbebotschaften vermutlich nur noch dann willkommen, wenn Bomber Harris für einen Luftangriff auf die Stadt gedankt werden soll. Ansonsten geht es gendersittsam wie unter der Burka zu, und mit irgendwas muss man die Tugendwächter der eignen Parteien beschäftigen. Der Berliner ist es gewohnt, monatelang auf seinen Amtstermin zu warten, wie im Nahen Osten, da kann er ruhig noch etwas länger warten, während der Tugendausschuss vertretbare Rocklängen und sexy Lächeln durch Expertinnen der Genderlehrstühle untersuchen lässt, oder wie immer dort die Definition von sexistischer Werbung erarbeitet wird.

Aber so ist es nun mal: Weit sind wir mit der Aufklärung gekommen, und so tief kann man nun wieder in archaisches Denken zurück fallen. Lüsterne Blicke auf Bikinischönheiten sind so erwünscht wie in Kabul, da kann es auch nicht überraschen, wenn im Failed Kalifat nach dem Versagen von Recht und Ordnung auch der Friedensrichter im Sinne des positiven Rechts gerufen wird. Der erste öffentlich bestellte Friedensrichter ist für den Drogensumpf im Görlitzer Park zuständig, den man auf nicht bayerische Art von Dealer zurückerobern wollte. Dort gibt es statt dessen nun den Parkmanager, der einen gerechten Ausgleich zwischen allen Gruppen von Anwohnern und ihren Kindern über echte Gewerbetreibende bis hin zu Dealern schaffen soll, die in der Diktion des Bezirks nicht als verhärtete Drogenmafia meist westafrikanischen Ursprungs mit hoher Gewaltbereitschaft beschrieben werden. Wie in Clangegenden von Pakistan wird nun akzeptiert, dass es eben diese Erscheinung gibt, und nun wird überlegt, wie man sie so gestaltet, dass alle damit leben können und ihr teilweise steuerbelastetes, teilweise steuerfreies Dasein geniessen. Sicher, gewerbsmässiger Drogenhandel ist laut Gesetz illegal, aber man kann das ja auch mal eine Weile ignorieren und schauen, ob es nicht informelle Lösungen gibt, die der Integration und dem Ausgleich förderlich sind.

goerlb

Lebte ich in Berlin und hätte ich Kinder und wäre ich nicht mit dem Ärger ob der dortigen bildungsfernen Bildung völlig ausgelastet – ich würde mich vermutlich empören. Aber ich lebe kinderlos in Bayern und meine Tante B. pflegte mir von ihrem Urgrossvater S. zu erzählen. Denn S. war Landrichter und wurde vom Königreich Bayern in eine sehr urwüchsige Region versetzt, um dem damals noch neuen Recht des aufgeklärten Staates Geltung zu verschaffen. Heute mag Richter ein angesehener Beruf sein, aber damals war der S. ein Fremdling, der nicht verstand, dass die Leute dort alles selbst nach Gewohnheits- und Faustrecht regelten, und manchmal auch mit dem Stutzen oder Schmierung an der richtigen Stelle. Manchmal entschied der Pfarrer Streitereien, oder der Baron – niemand brauchte einen Landrichter wie den S., der sich dann aber mit der richtigen Mischung aus Gerissenheit, Rechtsflexibilität und Gewalt durchsetzte. Es wurde auch auf ihn geschossen, aber so war das damals und man kann nicht wissen, was heute einem  Berliner Richter passieren würde, wagte er es, der Frauenvolksheldin Gina Lisa in der Revision nicht das Recht zu sprechen, das die Politik gern hätte.

Man sieht aber am Landrichter S., dass auch bei uns der rechtlose Zustand, der in Berlin gerade wieder Einzug hält, gar nicht so lang her ist. Ausserdem kam das bayerische Volk auch von ca. 500 bis 1870 bestens mit Strukturen zurecht, die informellen Ausgleich suchten und alle Interessen ohne kleinliche Paragraphenreiterei berücksichtigten. Oh, bitte, es ist nicht so, dass ich in jene graue Vorzeit zurück möchte. Ich finde es sehr angenehm, dass Bayern bei der Mafia aus Gambia keinen guten Ruf hat, und Verbrecherbanden aus dem Balken aufgrund der hiesigen Verfolgung lieber in Nordrhein plündern und in Westfalen räubern. Aber auch mein gelobtes Bayernland hat den ein oder anderen kleinen Bereich, wo man, speziell im Tegernseer Tal, Pilotprojekte wie in Berlin unternehmen könnte. Es gibt da nämlich zwei Dinge, die ebenso verbreitet wie Kiffen sind, und da muss man einfach sagen, dass der Staat keine zeitgemässe Politik mehr macht.

goerld

Der eine Punkt sind Geschwindigkeitsübertretungen. Letzte Woche hat es erst den Schorsch erwischt, weil er mit Tempo 90 nach nach Waakirchen hinein gerollt ist. Der Schorsch hatte eine dringende Besprechung in Bad Tölz, und weil es nun schon das zweite Mal in Anno Domini 2016 ist, ist er seinen Führerschein los. Dabei will der Schorsch doch nur überleben und dabei hat er es halt eilig. Was soll er denn sonst tun, wenn so viele Schleicher unterwegs sind. So wie dem Schorsch geht es vielen, am Sudelfeld, am Achenpass, eigentlich macht das jeder und die Polizei wird das trotz Radarkontrolle nie in den Griff bekommen: Da wäre doch so eine Art Verkehrsfriedensrichter sinnvoll, dem wir auch so ein rotes Rad geben, und der am Strassenrand winkt und sagt, wir sollten doch langsamer fahren. Man kann doch darüber reden. Man sollte uns nicht mit Rasern in Städten vergleichen, das hat miteinander so viel zu tun wie Gelegenheitshaschen mit Heroinabhängigkeit – da haben wir auch etwas dagegen, wir rasen nachhaltig und bio. Aber nun wird der Schorsch von den Strassen des Oberlandes vertrieben, während die Dealer an den Wegen des Görlitzer Parks bleiben dürfen. Das muss sich ändern. Der Verkehrsfriedensrichter könnte bei 20km/h Übertretung unverbindlich raten, doch auch mal mit dem Rad zu fahren. Ab 40km/h gibt es eine Zwangspause in der Ostiner Stubn oder bei Pirochs, und bei Schweinshaxe und Hirschgulasch wird versucht, den Rasern die Freude des legalen Verweilens nahe zu bringen.  Ein Ausstiegsangebot wie in Berlin. Man muss doch auch einmal die Lage der S-Klassen-Besitzer sehen: Bei mehr als 4 Liter Hubraum kann man nicht anders. Und ausserdem ist so eine Region dann auch eine Art Touristenattraktion. Zum Vergleich: In Berlin ist angedacht, Drogennutzern den Führerschein nicht mehr automatisch zu nehmen.

Der andere Punkt ist die Steueroptimierung. Normal wie Kiffen, irgendwie verständlich, und von irgendwas muss so ein Tegernseer auch leben. Vergessen wir das mit der Steuererklärung, stellen wir Steuermanager ein, die dazu beitragen, das Verhalten in akzeptable Bahnen zu bringen. Vielleicht nicht mehr den 1928er Bentley auf der Strasse stehen lassen, wo der zur Schau gestellte Reichtum andere empören könnte. Überdacht und als Stall getarnt fällt ein grosses Schwimmbad gar nicht mehr so auf. Der Staat soll sich mal bei den kleinen Eigenbedarfbehaltern locker machen, es geht da nicht um die Milliarden, die ein Oettinger verteilt, wenn er nicht gerade Leute beleidigt, Das sind doch nur Petitessen, wer wird denn da gleich knallharte Spitzensteuersätze einfordern wollen. Wenn in Berlin Razzien vermieden werden, geht das sicher auch bei uns. Man kann es ohnehin nicht verhindern, so sind sie halt. Ich bin mir sicher, alle Bewohner im Tal finden eine Lösung, die uns allen einen gewissen Freiraum und harmonisches Zusammenleben lässt. Es wäre natürlich akzeptabel, einen radelnden Fiskusmanager zu haben, der durch den Dienstboteneingang kommt und darauf hinwirkt, dass man ab und zu auch an die Gesellschaft denken sollte. Auch an den Staat, klar, warum denn nicht. Vielleicht helfen auch Ausstiegsangebote: Botschafterposten, EU-Ämter oder Spitzenpositionen im Energiesektor werden sicher den ein oder anderen einsichtig machen, dass es auch anders geht. Wenn man in Berlin humanistisch mit Dealern aus Afrika ist, kann man bei uns etwas Verständnis für die Zwangslagen der Opfer staatlicher Fiskalverfolgung aufbringen.

goerla

Natürlich ist es nicht ganz formschön, bei derlei Anliegen einer Region die primäre Gesetzesaufweichung zu überlassen, die als das Kabul des Westens in die Geschichte der neuen deutschen Teilung eingehen wird. Aber wie schon erwähnt, nur die grundsätzliche Entscheidung, ausserhalb der Legalität sanft und freundlich zu regulieren, kommt von dort: Unsere Umsetzung dagegen ist urbayerisch und in höchstem Masse traditionell, Sie erinnern sich vielleicht an den ein oder anderen Waffenlobbyisten oder Bäderkönig. Lange hat es gedauert, uns das auszutreiben, aber wenn es nun wieder als zukunftsweisende Idee beim Umgang mit nichtsowirklichlegalen Strukturen gilt, weil es jeder macht und man doch auch mal die Lage der Leute sehen muss… ja dann…

Also, ich glaube, das lernen wir alles ganz schnell wieder, und die Junge Union hat sicher genug Personal, um die Posten von Bleifuss- und Steuertrickmanager mit erfahrenen Leuten zu besetzen, die voll integriert auch die Sprache der Menschen verstehen. Gleiches Recht für alle, gleiche Rechtsflexibilität für alle, und wenn auf vier gute Trips in Bayern ein Horrortrip in Berlin kommt, dann ist es eben so.

31. Okt. 2016
von Don Alphonso
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27. Okt. 2016
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Die Kartoffel, die Kultur, ihre Blockflöte und deren Schweinebraten

Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben – dabei soll’s bleiben.
Goethe

Weihnachtsmarkt, Martinsumzüge, Currywurst und Schweinebraten bleiben Bestandteile unserer Kultur, sagt der Innenminister, in dessen Aufgabenbereich eine islamistische Anschlagsserie fällt. Und die Kanzlerin, die die Grenzen für gut eine Million Menschen geöffnet hat, ohne zu wissen, wer da eigentlich kommt, lässt das Volk wissen, dass es an Weihnachten zur Blockflöte greifen und Kirchenlieder intonieren soll. So geht das mit der christlich-abendländischen Kultur. Als Atheist und Vegetarier soll ich dann vermutlich auf der gottlosen Stalinorgel spielen, de-Sade-Orgien inszenieren und Kartoffeln essen, und womöglich das Gefühl haben, alles sei mit dem deutschen Kulturbegriff bestens.

karta

Das empfiehlt sich natürlich, denn bei der ARD in Form des NDR erfahre ich fürsorglicherweise nicht, welcher Herkunft der 18-Jährige Somalier war, der in Neuenhaus wegen dringendem Verdacht der Tötung einer Rentnerin festgenommen wurde. Dazu müsste ich schon den Polizeibericht lesen, um mir dann Sorgen um die Sicherheit von älteren Verwandten zu machen. Besser ist es, sich die Sorgen ganz leise zu machen, denn die ARD in Form des MDR entdeckte in Schmölln schon menschenfeindliche Extremisten, wo, wie sich nachher erst herausstellte, gar keine waren, Das mit dem öffentlichen Vorführen von Meinungsschuldigen geht heutzutage schnell, und da kann man im Sinne der Beruhigung eigentlich nur dankbar sein, dass die Aufklärung des Nichtfalls Schmölln den Platz für den echten Fall Neuenhaus klein hielt. Also, alles bestens, solange es Schweinebraten und die Blockflötenmusik ist, mit der sich Frau Merkel offensichtlich auskennt. Alles prima. Auf ganz niedrigem Niveau.

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Denn es mag tatsächlich Leute geben, die sich mit solchen Basiszusagen abspeisen lassen. Zur Erinnerung: Was da von Politikern versichert wird, Freiheit der Essensaufnahme und der persönlichen Freizeitgestaltung, ist so essentiell, dass noch nicht einmal die Väter des Grundgesetzes auf die Idee kamen, es gesondert zu schützen. Dass nun betont werden muss, dass es Bestandteil der deutschen Kultur bleibt – bleibt! – ist das eine. Die seltsame Auffassung, dass Schweinebraten, Blockflöten und Currywurst die Identität bestimmen, ist das andere. Denn Kultur und Identität sind gemeinhin hochkomplexe und anspruchsvolle Systeme, und nicht ganz umsonst ist Integration in andere Kulturräume eine grosse Herausforderung. Zusammenhanglose Artefakte sind hier nicht wirklich entscheidend: Wer sich eine Buddhastatue in den Garten stellt und Yoga macht, muss noch lange nicht Witwenverbrennungen schätzen. Die Verbindung von Völkern, Kulturen und Essen ist nur bei den Briten nicht riskant, weil es auf der Insel ohnehin keinerlei nennenswerte Nahrung gibt – Froschfresser für Franzosen und Spaghettifresser für Italiener sind klar rassistische Bezeichnungen, wie auch “Boches“ oder “Krauts“ für Deutsche.

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Kartoffel ist auch so ein abwertendes Wort. Benutzt wird es von den Rassisten der antideutschen Bewegung, die mittlerweile von staatlichen Mitteln profitieren. Solche Verbindungen sind sowohl in Bezug auf die Menschen und ihre Kulturen als auch in Bezug auf die Nahrung unterkomplex. Seit jeher definieren Lebensraum, Böden und Klima das Essen und damit auch die Jahresläufe der Menschen. Die Höfe der Milchbauern im Oberland sind anders als die Anwesen der Hopfenbauern in der Hallertau konstruiert, und die wiederum anders als die Höfe im Jura mit ihrem Schwerpunkt auf Schafzucht und Ackerbau. Jede Landschaft hat ihre eigene Kultur gefunden, die in ihr als geschlossenes System Jahrhunderte lang evolutionär funktionierte. Als Einheimischer erkenne ich an vielen Details sogar die Unterschiede zwischen links und rechts der Donau, selbst wenn die vom Fluss geprägten Landschaften einem Fremden gleich erscheinen. Linke verachten das Weltbild von Schweinebraten und Blockflöte, weil es ihr reaktionäres Feindbild ist. Bei uns ist es eine brandgefährliche Vereinfachung, die eigentlich allen zeigt, wie wenig Politiker der CDU über das Land wissen, dem sie für die Bürger dienen sollten: Currywurst und Weihnachtsmarkt, die konservativ-urbane Version von Panem et Circenses.

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Zum Schweinebraten gehört in Bayern seit ungefähr 200 Jahren der Kartoffelknödel – aus sich selbst heraus übrigens eine interessante kulturelle Entwicklung. Denn vor der Einführung der Kartoffel wurden Knödel aus Ei und alten Semmeln hergestellt, was nie ganz einfach war: Eier waren im Winter Mangelware und mussten davor gespart und in Kalk eingelegt werden. Altes Brot gab es nur, wenn etwas übrig blieb – und die Zeiten waren selten so, dass die Menschen etwas verkommen liessen. Die Kartoffel war dagegen lange haltbar, in grossen Mengen vorhanden, klebte als Kloß ohne Ei selbst zusammen, und war viel billiger als der Semmelknödel. Als Reminiszenz sind im bayerischen Kartoffelknödel deshalb in der Mitte immer noch einige, na, wie sagt man, genau, Croutons – so nennen de Hochgschissnah in der Berliner Gastronomie unsere Semmebreggahl – eingeschlossen. Aber da fängt sie eben an, die Identität.

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Und so, wie es nicht “den“ Schweinebraten gibt, gibt es auch nicht “die“ Kartoffel. Es trifft zu, dass “Kartoffelbauer“ in Bayern eine alte, abwertende Bezeichnung für jemanden ist, bei dem es nur zum Anbau der relativ simplen und billigen Wurzelfrucht reichte, im Gegensatz zu den hoch angesehenen Viehzüchtern. Aber auch mit Kartoffeln muss man sich auskennen, wenn es schmecken soll – und deshalb war ich auch heute rechts der Donau. Da ist nämlich ein älterer Herr, der seinen Acker mit 12 Monate gelagertem Pferdemist düngt. Und der während der Reife nicht das Grün über dem Boden mit Gift vernichtet, das ansonsten in die Knolle ziehen würde. Das ist einer, der manchmal, wie es früher üblich war, den Acker mit den Nachbarn tauscht, damit nicht immer die gleiche Frucht angebaut wird. Das sind so die Feinheiten dessen, was man als Identität bezeichnet.

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Der Traktor ist von 1972 und noch deutsche Wertarbeit, der Nachbar hat ein neues Gerät vom internationalen Markt, da ist nach 3000 Betriebsstunden der Motor durch. und jetzt braucht er einen neuen für 20.000 Euro, sagt er und tätschelt sein grünes Ungetüm mit den schmalen Reifen, die auf dem sandigen Boden am besten laufen, Die Sorte, die er anbaut, hat eine ganz dünne Haut, besonders, wenn es die kleinen Kartoffeln sind – die kann man einfach schneiden, mit Butter und Rosmarin in den Ofen legen und mit Schale essen. Man kann natürlich auch Kartoffelbrei machen, oder Knödel. Es steht nicht “bio“ drauf, weil jeder im Dorf sehen kann, was er auf seinem Acker macht. Es ist eine Sache des Vertrauens und der Bekanntschaft. In gewisser Weise ist alles hier sehr einfach. Aber es ist eine ganz andere Kultur als ein Berliner Hipster, der um 23 Uhr die billigsten Kartoffeln im Supermarkt mitnimmt und die Hälfte verfaulen lässt, weil sie nach der langen Lagerung nach nichts schmecken. Und nochmal eine andere Kultur als der Kölner Fussballfan, der sich mit einer Tüte Chips vor der Glotze ernährt.

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Wenn man Kartoffeln nur in Form von Chips und Fertigknödeln aus dem Kühlregal kennt, wird man vielleicht denken, dass die da draussen auch nur so eine blasse, unförmige Knolle anbauen, und das war es auch schon. Dass es Leute wären, denen es reicht, wenn der Schweinsbraten im Rohr dampft. und die Enkel zu Weihnachten “Ihr Kinderlein kommet“ intonieren. Das kann so schlicht sein, aber ich würde mich nicht darauf verlassen – ich kenne es auch ganz anders. Man hört auch solche Politikersprüche und vergisst sie schnell wieder. Aber eigentlich ist das eine ignorante Beleidigung vom gleichen Kaliber, als würde man Frau Merkel eine Banane aus Kuba und eine FDJ-Uniform hinhalten. Es sind dumme und populistische Aussagen, sie zielen auf eher niedrige Instinkte und sortieren Menschen, die durchaus reflektiert sein können und wissen, warum sie genau so leben, ganz unten ein. Beim 500grammHackfür1.99- und NeWuasimStehn-Publikum, das wohl das neue, urbane Zielpublikum der CDU sein soll.

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Das waren jetzt nur die Kartoffeln, man könnte hier auch über die Bierkultur oder die Schmalzbäckerei oder richtigen Apfelsorten für den Strudel diskutieren. Und über alles, was darauf aufbaut und Identitäten erzwingt. Ein Teil der Bevölkerung hat sich vielleicht beim Einkauf und durch das Absinken zum Medienmacher, Stiftungsmitarbeiter und sonstigen Einsparpotenzialen davon abgekoppelt, aber um wirklich zu verstehen, was den Menschen wichtig ist, muss man ihre Kultur insgesamt betrachten. Mein privater Eindruck ist aber, dass es gar nicht gewünscht ist. Denn auf dem Schweinebratenniveau mag die Integration von Migranten machbar erscheinen. Die werden dann mit Döner und Falafel auch deutsch.

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Aber hier bei uns wird das nach meinem Empfinden mangels echtem Druck auf urbane Parallelgesellschaften hinaus laufen. Der Druck wird nicht kommen, weil die Nichtintegrierten auch an der Spitze der Regierung stehen, und Banalitäten wie Schweinebraten und Blockflöte mit Identität verwechseln.

27. Okt. 2016
von Don Alphonso
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23. Okt. 2016
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Die kollektivierte Zukunft der Deutschen im Plattenbau

Habent sua fata libelli

Weil wir gerade über Bücher sprachen: Ich habe eine Sammlung von Büchern aus dem Rokoko über Tierkunde, Bienenzucht und Moralpredigten. Sie sind mir mehr oder weniger zugefallen, weil meine Grosstante schon früh ein Auge für schöne Dinge hatte, und sie vor der Planierraupe rettete. Das war Mitte der 60er Jahre in meiner kleinen, dummen Stadt an der Donau, die damals eine zweispurige Ringstrasse erhielt, und bei der Gelegenheit auch gleich das grosse Niedersiedeln der stadtnahen Grünflächen begann. Die Klöster der Stadt hatten vor den alten Wällen ihre Landwirtschaften, aber nachdem der Kirchenbesitz bei der Säkularisierung aufgelöst wurden, ging der Boden an den Staat. Der verpachtete dann noch eine Weile die Grundstücke, bis er eine neue Verwendung fand. Und so wurde aus dem alten Bienengarten der Kapuzinermönche 1966 erst ein Hotel in der damals üblichen Blockbauweise für die aufstrebende Stadt. Das ging schon 1967 pleite, und wurde ein Altenheim.

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Das heisst, dass die damals 200 Jahre alte Kulturlandschaft des Bienengartens für den Fortschritt platt gemacht und planiert wurde. Es gab darin noch die Imkerhäuser aus dem Rokoko, und darin hatten sich die Bücher aus der Zeit des Klosters erhalten. Meine Grosstante konnte das Elend, das da geschah, nicht ertragen, und rettete vor dem Abrissbagger, was noch zu retten war. Und so sind jetz die Bücher des benachbarten Kapuzinerklosters in meinem Jesuitenseminar. Sie sind alles, was vom Bienengarten noch übrig sind – sie, und natürlich das Namensschild des Altenheims, denn die Blocks haben den alten Flurnamen behalten.

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Heute würde man einen Rokokobienengarten in Zeiten der Insektenbedrohung durch die moderne Landwirtschaft hegen und pflegen und zu einem Kleinod am Stadtrand machen – als Kernstück unseres städtischen Programms zum Schutze der Insekten. Aber weg ist weg, und so war das damals eben: Die Reichen bauten Villen in grosse Gärten. Und die weniger Begüterten und jene, die keine Alternative hatten, landeten in Blocks. Das war überhaupt nicht verpönt, die Stadt betrachtete Betonbauten mit 8 Stockwerken als prima Sache und bewarb sie entsprechend offensiv. Jetzt, 50 Jahre später, haben dieses und andere Ensembles ihre Zwecklebenszeit erreicht. Sie entsprechen nicht mehr den Vorgaben des Klimaschutzes, die Instandhaltungskosten sind hoch, und demnächst werden hier wieder die Bagger anrollen und alles abtragen. Aber niemand wird wohl kommen und alte Ausgaben der Freizeit Revue aus den Containern ziehen. Oder alte Rechner, auf denen die Prantlhausener Zeitung online gelesen wird.

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Denn dort ist mal wieder einer der Beiträge zu lesen, aus denen ich schliesse, dass wir in einer neuen DDR leben. Einer der momentan nicht seltenen Beiträge, der den Bürgern einredet, dass individualistisches Bauen eines Hauses für eine Familie, das eigene Nest, falsch, grundfalsch ist. Auf meine Weise stimme ich dem sogar zu, aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Es kann nun mal nicht jeder in Seminargebäuden des Jahres 1600 wohnen, es gibt nicht genug Paläste und Villen für alle, da müssen manche halt selbst Einfamilienhäuser bauen. Das ist als Lebensgrundlage immer noch besser als die Wohnklos, die Bentoautorinnen momentan verärgert in Berlin über Twitter suchen. Von oben betrachtet ist das Einfamilienhaus relativ erträglich. Die Prantlhausener Zeitung, deren junge Mitarbeiter so einen Hausbau kaum finanzieren können, meint aber etwas ganz anderes: Das Einfamilienhaus, freistehend mit Garten, sei eine überkommene Vorstellung und mit dem, was wirklich sinnvoll wäre, nicht in Einklang zu bringen.

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Das ist natürlich, wenn man das Land als Kollektiv betrachtet, richtig. Unaufhörlich wächst in Deutschland die Nachfrage nach Wohnraum für jeden einzelnen. Besonders gross ist der Wunsch bei denen, die wir jüngst aus fernen Ländern geschenkt bekamen, die sich recht erfolgreich für besseren Status und gegen Rückführung einsetzen, und raus aus den Hallen und Notquartieren rein in die Städte wollen – und das möglichst zentrumsnah. Es wäre nur natürlich, würde man sich staatlicherseits konsequent hinstellen und sagen: “Genossen! Die international sozialistische deutsche Staatsführung gibt angesichts der Herausforderungen auf dem Weg zum neuen, versprochenen Wirtschaftswunder durch Masseneinwanderung bekannt, dass wir Raum und Baugrund brauchen! Deshalb hat der Staatsrat beschlossen, dass wir zu weitläufige Jugendstil- und Nachkriegsvillengegenden enteignen und darauf Blocks errichten! Das spart Infrastruktur, Erschliessung und weil Diversität super ist, wie die Natur laufend beweist, beweisen wir das jetzt auch.“ Und was sollte ich dem entgegnen: Es stimmt. Diversität ergibt einen wunderbaren Speiseplan am richtigen Ende der Nahrungskette, und wir brauchen diesen Wohnraum. Die besitzenden Einfamilienhausbewohner sind da erstens viele und zweitens im Weg.

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Nur, das mit der Ehrlichkeit ist nur in Deutschland immer so eine Sache – auch die DDR hat nicht gesagt, dass ihr System auf einer irrsinnigen Ideologie beruhte, und nach irrealen Plänen von Leuten umgesetzt werden sollte, die dafür ungeeignet waren. Da wurde Platz und Eigentum für den Staat benötigt und enteignet, um allen Menschen ins sozialistische Paradies zu bringen. Natürlich kam man dort nicht sofort nach Bautzen, wenn man Zweifel hatte: Das Ostfernsehen und das Neue Deutschland gaben sich alle Mühe, das den Menschen zu erklären. Zu viel Eigentum war nicht verboten – es war nur wichtig, dass man einsah, wie schlecht zu viel Eigentum für die gesamte Gesellschaft ist. Fast niemand musste einen Schauprozess befürchten, wenn er zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Winke der Notwendigkeit verstand. Der DDR-Mensch hat gelernt zu erkennen, dass Ideale früherer Zeiten gar nicht so wünschenswert waren, wie man früher dachte, sondern vielmehr bürgerliche Fehleinschätzungen, derer man sich in den neuen Zeiten besser enthielt.

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Im Osten nahm man das Angebot der Wohnplatte an und hielt den Mund, im Westen nannte man diese Leute, zumindest bei uns, “Mietsleid“, “Barackler“ oder “Glosschaemviadla“, und baute ohne Sorgen, so gross es eben ging. Im Osten kam die KiTa, im Westviertel des Westens die Haushälterin. Ostdeutscher feministischer Nachwuchs klagt heute in der Zeit, dass er aus Berlin weggentrifiziert wird, ich schreibe in der FAZ, dass Staubwischen ab 100 Gemälden eine nicht zu unterschätzende Arbeitsbelastung bedeutet. Das ist soziale Diversität! Aber KiTas gibt es jetzt auch bei uns, und Ganztageskindergärten, und ein achtstufiges Gymnasium voller Nachmittagsunterricht und ein verschultes Studium, das keine Rücksicht auf die Notwendigkeit einer Grand Tour des Lebens nimmt. Für solche Doppelverdiener-Doppelvollzeitschülerkinder-Haushalte verliert die eigene Behausung natürlich an Bedeutung, weil alle beschäftigt und ausser Haus sind. Da ist nach der DDRifizierung des Lebens die Kollektivierung des Wohnens nur der nächste Schritt. Natürlich sagt einem kein Politiker, dass nun auch noch die bürgerliche Eigenheimfassade weg muss – aber dazu gibt es ja Medien, die sich dauernd über Geschlechterstereotypen beschweren, die Abschaffung der ersten Klasse fordern und luxuriöses Wohneigentum hinterfragen.

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Und dann kommt eben so ein sozialistischer Held der Arbeit und sagt, er hätte ja auch so ein individualistisches Haus, aber er habe Marx und Merkel gelesen und erkannt, dass es so einfach nicht geht – und nie ginge, wenn das jeder mache. Er schaut in die Runde und denkt nun, dass alle das in Ordnung finden und schweigend seinem leuchtenden Pfad folgen, schliesslich hat die Prantlhausener Zeitung keine Kommentare mehr. Aber es ist halt nicht ganz so – ich sehe das anders.

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Denn es konnte sich noch nie jeder ein eigenes Haus leisten, und es wird sich auch nie jeder leisten können – zumindest nicht in Deutschland, wo das Mieten nach dem Krieg immer staatlich gefördert wurde. Besitz ist Luxus. Das Ergebnis ist heute Diversität – nicht genetisch, aber sozial. Da gibt es welche, die mit dem staatlich errichteten Mietwohnungsbau zufrieden sind, und andere, die es nicht sind. Ich bin damit übrigens sehr zufrieden, solange er nicht auf 10 Kilometer an mich ran kommt. Möglicherweise sorgt das dafür, dass alte Damen später allein auf 300 m² leben und andere anders, woher soll ich das wissen, irgendwie halt. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Bücherliebhaber brauchen mehr Platz als Ebook-Leser, junge Journalisten in Berlin wissen, was sie erwartet, und nur, weil die Hoffnungen von Migranten nach einem schönen Haus in Deutschland meist nicht erfüllbar sind, muss es noch lange nicht für jeden unerfüllbar sein, der sich Mühe gibt und sein Leben an diesem Ziel orientiert. Es gibt kein falsches Wohneigentum im richtigen. Es gibt aber viele kollektive Wohnexperimente, die nicht gut ausgegangen sind. Natürlich bräuchte der Staat jetzt ale Bau- und Platzressourcen, um seine neuen Probleme so zu lösen, damit es so aussieht, als schafften wir das.

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Darum geht es uns aber nicht. Ob andere es schaffen, spielt im Wohneigentum keine Rolle. Es geht darum, das Unsere zu schaffen, wo Bienen summen und wir selbst entscheiden, wen wir am Morgen im Haus sehen und wen nicht. Das kostet natürlich Geld und Ressourcen und lässt sich am besten auf dem Land verwirklichen. Wer das nicht will, kann gern verkaufen und teilend das tun, was für ihn am besten passt. Mag sein, dass Deutschland vor einer heftigen und sehr teuren Wohnraumkrise steht, und verdichten und nachbauen muss. Das wird noch richtig hässlich, denn natürlich wird da verteilt, umgeschichtet und weggenommen, wie früher bei der Säkularisierung, der ich jetzt meine Bücher verdanke. Da werden noch viele Beiträge und staatlich geförderte Broschüren der Kahanestiftung geschrieben werden, die den Menschen erklären, warum sie etwas bekommen, wenn ihnen etwas genommen wird, und warum sie es besser freiwillig einsehen, wie falsch sie früher dachten.

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Nirgendwo kann man das gelassener als im eigenen Gemäuer abwarten, und anerkennend nicken, wenn Kollegen bereit sind, mit gut teilendem Beispiel voran zu gehen, so wie schon andere vor 50 Jahren aus den Altstadthäusern in die Blocks zogen. Wir haben das alles schon gesehen, und gewähren den Rokokogemälden, die in Wohnklos nicht passen, auch gerne dauerhaftes Asyl. Barackler sagen wir auch nicht mehr.

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Also.

Hm.

Gut, ich gestehe, das war gelogen.

23. Okt. 2016
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Bilder vor Bücher als moralisches Menschheitsproblem

Ich bin die fesche Lola, der Liebling der Säsong!
Ich hab ein Pianola, zu Haus in mein Salong!
Friedrich Hollaender

Sie kennen das als Vertreter des privilegierten Bildungsbürgertums: Sie sehen ein Gemälde mit einer feschen Lola, und der Anbieter erzählt Ihnen eine wilde Räuberpistole, es stammte aus einer alten Villa an Lago Maggiore, wo es auf dem Dachboden Jahrhunderte vergessen geschlummert haben soll. Eine hochgestellte Persönlichkeit! Mit Nerzmantel! Andere würden hier nun an eine Fälschung glauben oder in die Leinwand treten, um dieses Beispiel für Tierquälerei und Klassengesellschaft zu vernichten – aber Sie schauen mit Kennerblick hin und sehen einen kleinen Anhänger an ihrer Brust, ein weisses Kreuz auf rotem Grund, und wissen sofort: Die Dame stammt aus dem Haus Savoyen, das damals im 18. Jahrhundert die Könige von Sardinien stellte.

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Die Datierung des Bildes, das eine neue Firnis brauchen wird, ist leicht: 1760, 1765, das können Sie nach Ihren 20 Semestern Kunstgeschichte im Nebenzwischenpartyfach gerade noch einordnen, und daheim schauen Sie nach, wer damals die Königin in diesem Reich war: Maria Antonia von Spanien. Das Bild passt zum Alter der Dargestellten, und damals war es eben so, dass man sich in repräsentative Gebäude Gemälde der Herrscher hängte: Das war keine grosse Kunst, reine Werkstattserienproduktion, aber es ist doch schön, dass Sie das Gemälde kulturhistorisch zuordnen konnten. Und weil Sie gegenüber dem Händler einen Wissensvorsprung hatten und die Geschichte des Bildes auf dem Dachboden am Lago Magiore selbst dann gut erfunden ist, wenn sie nicht wahr sein sollte, haben Sie natürlich auch von Ihrem Wissen profitiert. Und gekauft, während andere noch zögerten. Denn identifizierte Gemälde hochgestellter Personen haben nun mal einen anderen Wert als beliebige Adlige, deren Namen längst vergessen sind. Ausserdem ist das Bild damit ein Ausweis ihrer Kennerschaft in Sachen Heraldik, europäischer Geschichte und Kunst. Das können Sie unmöglich neureichen Leuten überlassen, die sich das tumb und ahnungslos in ihre Zahnarztpraxis hängen würden. Nein, das gehört Ihnen und in Ihr Jesuitenseminar der Spätrenaissance.

Sie kennen das. Und weil Ihr Kopf so voll von Erkenntnis und Wissen ist, ist dort wenig Platz für den Umstand, dass es daheim ein kleines Problem gibt: Die Wände sind schon voll mit Habsburgerprinzessinnen, lesenden Sybillen, Heiligen, Nackten, Capriccios und genug lasziven Adligen, um Zweifel an ihrer korrekten politischen Haltung zu Fragen der Sklaverei, der Leibeigenschaft und der angeblichen Gleichheit aller Menschen aufkommen zu lassen.

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Und dann ist das Bild auch noch oval. Rechteckige Bilder kann man wie ein Tetrisspiel verdichten, da findet sich, oh Wunder, immer ein Platzerl. Zur Not, die alle paar Monate eintritt, weil man die Sache mit dem Platz oft vergisst, hängt man halt um. Aber diese ovalen Bilder: Die sind, wenn es ans Aufhängen zwischen anderen Bildern geht, ein Graus. Ich habe damit abschreckende Erfahrung, ich weiss, dass es so ist, es bleiben unbrauchbare Ränder, in die man keine rechteckigen Gemälde hängen kann. Es geht nur, wenn man eine ganze Wand mit runden Bildern füllt – aber es dauert noch etwas, bis ich so viele besitze. Ich schaue ja schon immer nach einer kleinen Villa mit hohen Wänden in Meran, deren Erwerb mich schlagartig von allen Sorgen der Gemälde und der deutschen Eigenart befreien würde, unter der man bei Gruppenvergewaltigung mit Bewährung davon und wegen Nichtzahlung von Zwangsgebühren für Pöbelprojekte wie “Funk“ ins Gefängnis kommt. Aber das dauert sicher noch, und so lange ist da also die Savoyenkönigin Maria Antonia mit ihrem intriganten Lächeln und kein Platz, an dem ich sie aufhängen könnte.

Leibeigenschaft, das möchte ich an dieser Stelle bemerken, war übrigens besser als ihr Ruf. Es gibt – auch bei mir – haufenweise Capriccios, auf denen leibeigene Bauern zwischen Ruinen der Antike faulenzen und es nicht für nötig halten, den Unterschied zwischen dorischen und korinthischen Kapitellen zu erlernen. Deren Dasein unterscheidet sich also in Nichts vom Leben Berliner Hipster ohne Tischmanieren, die anstelle der Schweine und Ziegen nun die Communities von Bento und Ze.tt hüten, und bei Twitter nach billigen Dachkammern für das niedrige Gesinde des 21. Jahrhunderts suchen. Es gab früher nur weniger Magersüchtige.

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Was Sie auf diesem Bild noch sehen, ist der Umstand, dass ich bei kleineren Bildern und Gipsabgüssen schon mal die Bücher in die zweite Reihe rücken lasse. Bücher sind auch so ein Thema, denn irgendwann waren auch hier unten die Regale voll, nachdem der allergrösste Teil der Bibliothek ohnehin in der Gästewohnung untergebracht ist. Wenn die Reihen voll sind, staple ich die Bücher noch darüber. Immerhin tue ich nicht das, wozu sich andere Bibliophile gezwungen sehen: Ich mache keine Doppelreihen von Büchern, ich lagere Neuerwerbungen zumeist an den Tegernsee aus. Doppelreihen sind ein Buchbegräbnis des Vergessens, das ist nicht nett. Da findet man nichts, und es ist jedesmal ein Elend, die erste Reihe auszuräumen, wenn man doch etwas braucht. So ein Bildchen räumt man schnell weg, das ist kein Problem. Aber die Frage, die ich mir ernsthaft stelle, lautet: Wie gross darf so ein Bildchen zu diesem Zwecke letztendlich sein?

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Ich mein, ich weiss, dass die Frage sich nicht stellen würde, wäre ich verheiratet: Dann wäre eine bessere Hälfte hinter mir her, dass ich meinen Besitz nicht mit neuen Anhäufungen strukturiere, sondern durch Verkauf konsequent Freiräume schaffe. Sie würde meinen Besitz so verteilen, dass mehr als nur eine Person ungehindert auf der Fläche existieren könnte, auf der sich manche Familie oder ein ganzes Genderdoktorandenkolloquim der HU Berlin drängen muss. Nur sind solche Lebensumstände die Probleme anderer Leute, meine Probleme gehören mir, und daher ist die Frage von grösster Dringlichkeit: Darf so ein Bild, das vor Büchern zu sehen ist, höher als eine Reihe sein? Wie viel darf es verdecken? Ist es nicht gar vorteilhaft, weil aufmüpfige Bände der Edition Suhrkamp aus der Bundesrepublik liberale Einstellungen verraten, die in einer Gegenwart unerwünscht sind, in der eine Ex-Stasi-IM Broschüren über Hate Speech erstellen lässt? Ist man mit Thomas Mann nicht schon ein Bonner Republiksreaktionär, so eine Art Reichsbürger light des Neuesten Deutschlands? Sind hardboiled Diogenesausgaben von Chandler und Hammett nicht gar verwerflich in einer Epoche, in der eine Vergangenheit als Ritzerin die moralische Überlegenheit einer oktoberfestlügenden Autorin definiert? Möglicherweise passt so eine aus dem sittenstrengen Spanien stammende Königin sogar besser in unsere Epoche, und auf dem Plüschsessel macht sie schon eine gute Figur beim Verdecken von Meinungen, die heute im Netz dem Feuer des Shitstorms zum Opfer fallen würden. Dass Jean Genet neben Albert Camus steht – unverzeihlich!

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Faschismus und Feudalismus haben viele Gesichter, aber die Ersteren sehen momentan aus, als nähmen sie öfters mal Chrystal Meth und die Zweiteren wussten noch, wie man lächelt und was sich gehört: Natürlich ist die Frage in Zeiten der Buchmesse nicht ganz unheikel, aber die Bücher sind hinter so einem Gemälde ja nicht weg. Sie sind weiterhin da, man ahnt sie, Suhrkamp und Diogenes spitzen über die Gemälderänder hinaus. Es ist fraglos ein wenig luxuriös, so zu verfahren, aber es erlaubt immerhin, gegenüber gleichrangigen Besuchern zu sagen: “Das ist nur ein Provisorium, aber Sie wissen ja, wie schwer es ist, die passende Villa in Meran zu finden, ich bin wirklich so verzweifelt, und würde sogar an den Lago di Como gehen.“ Sie kennen das alle. Es sieht für mich wie eine echte Lösung für ein echtes Menschheitsproblem der echten Menschen aus. Denn die guten alten Tage, da man einenauch für die Bewohner unerquicklichen Slum abreissen lassen konnte, um darauf einen hübschen Palast zu errichten, sind bei uns endgültig vorbei. Gemälde bleiben, Bücher werden stets neu gedruckt, historische Bausubstanz wächst nicht nach: Das kann nicht gut ausgehen. Ich habe viel nachgedacht, aber am Ende muss man sagen: Ja, es ist legitim, Bilder in Notwehr gegen unsere Zeiten vor Bücher zu hängen.

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Solange es sich um gute Bücher handelt. Es ist ein erbaulicher Umstand, derartige Sorgen und Probleme zu haben, während andere von den neuen Herrschern erfahren, dass sie ohnehin alle Bücher digital lesen und besser im Schnellrestaurant essen sollen. Denn dann brauchen sie weder Bücherschrank noch Küche und können mit ihrer Microwelle als Integrationszusatz auch in neuen, staatlich errichteten Kleinräumen glücklich werden, die bei unsereins allenfalls Vorzimmer wären. Bei uns geht es um die Frage, wo wir einen Nagel einhauen, statt vom Leben genagelt zu werden.

Ich finde, sie hängt da gut. Das Oval bricht die geraden Linien der Regale auf. Es sieht etwas dekadent aus, aber wie gesagt, andere vermarkten sich mit ihrer Neigung zum Ritzen. Ein jeder, wie er kann. Sie kennen das, mit dem Hauen in die Saiten, und dem Treten aufs Pedal.

21. Okt. 2016
von Don Alphonso
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17. Okt. 2016
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Die Leitkultur der gestutzten Hecken und Kapellen

Wer sucht, der findet.

Diese Geschichte über den Brexit und seine Auswirkung an der Schule ist der beste Text, den ich letzte Woche gelesen habe.

Ein Teil meiner Familie kommt aus dem fränkischen Teil des Altmühltals, wo früher die katholische Dominanz in Bayern endete, und auch andere Konfessionen siedeln durften. Wenn mein Ururgrossvater mit dem Zug aus der kleinen, dummen, katholischen Stadt an der Donau in die alte Heimat fuhr, musste er sich trotz des Ansehens der Familie beim Fahrkartenkauf dumme Sprüche anhören. Woswuisdnbeidene, was er bei denen wollte. Tatsächlich lebt im Altmühltal ein anderer Menschenschlag, aber wenn man langsam, von Dorf zu Dorf über das Land fährt, stellt sich die Veränderung langsam ein. Nimmt man den Zug oder heute das Auto und steigt dort aus, erscheint die Veränderung abrupt. Und früher war es so, dass der radikale Bruch der Regionen schon erlebt wurde, wenn an einem anderen Ort die Katholiken in der Minderheit waren. Wer dorthin fuhr, machte sich verdächtig. Es gab ein laut Gesetz tolerantes Königreich Bayern, und darin intolerante Fahrkartenkontolleure, die ihre Position zur religiösen Gesinnungsschnüffelei nutzten.

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Es waren Leute, die sich wie die Brexitanhänger an der Schule verhielten. Es waren Leute, die sich wie Berliner, Hamburger und Münchner Journalisten verhalten, die voller Verachtung auf das Land schauen und Sachsen jetzt gern von der Landkarte radieren würde, weil man dort im Fall von Jaber A. ein finales Polizei- und Justizversagen hat – aber erst nach einer langen Reihe von Versagen der deutschen Geheimdienste und der für die Migration verantwortlichen Politiker, unter denen Migranten wieder nach Syrien in den Krieg reisen und sich in Berlin mit Kontaktpersonen treffen können, die bislang offensichtlich noch nicht verhaftet wurden. Der Bruch zwischen rein katholischen Landesteilen und religiös gemischten Regionen war über Jahrhunderte staatlich gewünscht und kirchlich forciert, aber ich weiss nicht, ob es gerade eine gute Idee in unserer toleranten Epoche wäre, bei Spiegel Online oder der Zeit zu erwähnen, man besuchte zum Zwecke der Erholung die sächsische Schweiz. Unsere Gesellschaft zerbricht nicht an der alten Religion, sie wird mit der Ideologie der Willkommenskultur und der rassistischen Hetze gegen Einheimische zerbrochen.

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Einheimische, die bei uns das Notlager, das in ihrem Dorf errichtet wurde, hilfsbereit durch die freiwillige Feuerwehr errichteten, spendeten, halfen und dann, als das Notlager wieder geräumt wurde, die Bewohner mit einem Blasmusikkonzert verabschiedeten. Besagte Journalisten kommen nur in Scharen, wenn es von Seiten der Einheimischen gegen Migranten kracht, oder es so scheint, als würde es krachen. Was sie nicht sehen, weil ihnen das Verständnis für die Art der Menschen fehlt, sind die tiefen Veränderungen in dieser Gesellschaft, der ihre Identität mit allen medialen Mitteln als braun, rechts und falsch ausgeredet werden soll. Journalisten nehmen die Brüche wahr, wenn Pegida marschiert und Identitäre das Brandenburger Tor besetzen. Eine Kapelle entlang meines Radwegs nehmen sie nicht zur Kenntnis.

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Sie sehen nicht die frische Farbe und die sauber gestutzte Hecke. Sie sehen nicht, dass hier jemand seinem Gott ein kleines Haus errichtet hat und offensichtlich viel Zeit damit zubringt, es zu erhalten. Sie kennen die weltlichen Besitzer nicht. Das sind Leute, die hier in der Region einigen an Grund und auch zukünftigen Baugrund haben. Im nächsten Dorf, 500 Meter weiter, steht ihr stattlicher Hof, und nicht weit weg eine Kirche. Aber sie haben ihre eigene Kapelle, gross genug für eine ganze Familie, wenn sie eng zusammenrückt. Ich sehe sie öfters, wenn sie Blumen bringen, den Rasen mähen oder die Hecke schneiden. Ich war, obwohl ich Atheist bin, auch schon öfters drin – es gibt einen Vorraum, in dem man Regen und Gewitter überstehen kann. Es gibt da drin einiges zu sehen und zu lesen, und wer genau hinschaut, lernt viel über die Lebenseinstellung, die hinter so einer Kapelle steht. Gott und Maria haben darin einen festen und zentralen Platz.

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Es ist nur eine Kapelle am Wegesrand, mag man vielleicht glauben, aber ich komme hier oft vorbei, und ich kenne sie auch an den Tagen, da sie benutzt wird. An Maria Himmelfahrt beispielsweise, einem Feiertag, den man im Norden nur kennt, weil die Bayern ungerechterweise schon wieder frei haben. An diesem Tag sind bei der Kapelle Andachten, inzwischen mit Priester, mit Gebeten, Musik und Fahnen. Fahnen des Landes und Fahnen der Kirche. Und weil ich hier seit 10 Jahren vorbei komme, sehe ich auch, wie sich das entwickelt. Gemäss dem Fortschreiten der Aufklärung dürften hier nur noch alte Männer und Frauen sein. Aber dieses Jahr war es völlig überfüllt mit Menschen jeden Alters. Dieses Jahr bremsten dort Radler und schlossen sich an. Die Leitkulturdebatte wird hier nicht mehr geführt. Sie ist bereits entschieden.

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Bei uns sind es die Kapellenpfleger, die ein Angebot an die Identität machen, das gern angenommen wird. Das funktioniert hier, weil Religion, ob man es mag oder nicht, ein wichtiger Bestandteil der Kultur ist. Woanders konnte der Kommunismus so schalten und walten, wie er es heute noch in manchen Redaktionen tut. Erlaubte Identität gab es nur in Zusammenhang mit dem Welt- und Internetproletariat, Marx, Stalin und dem historischen Materialismus, dem sich die Geschichte unterzuordnen hatte. In diesen Regionen gibt es Bürgerlichkeit und Religion nicht mehr als einigende und gestaltende Kraft. Dort marschiert dann Pegida, die Nazis werben für “national befreite Zonen“, und die AfD ist auf dem Weg zur stärksten Partei. Da ist er, der offen sichtbare Bruch in unserer Gesellschaft. Zwischen denen im medial-politischen Komplex, die glauben, man sollte doch arabisch lernen und Deutsche, oder „Deutschomane“, wie sie die Zeit nennt, müssten integriert werden, und dem, was bei uns manchmal an Kapellen zu sehen ist, tobt kein lauter Krieg. Aber die Gegensätze sind kaum zu überwinden.

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Das ist normalerweise nicht schlimm. Gefestigte Gesellschaften halten unvereinbare Positionen aus, und haben meist ein ausgleichendes System, das auch die Belange von Minderheiten berücksichtigt. Das geht prima, wenn inhaltliche Differenzen weniger schwer als ein System von einigenden Werten wiegen, die man als “Identität“ oder “Leitkultur“ bezeichnen kann. Genau das aber wurde in Deutschland mit der Migrationskrise aufgekündigt, mit dem Ergebnis, dass im Görlitzer Park die Dealer stehen, und an der Kapelle die Gläubigen. Beide Gruppen sind in absehbar nicht in die Vorstellungswelt des “Wir schaffen das“-Weltbildes integrierbar, weil die einen ihr Terrain erobert haben und halten, und die anderen ihren Werten zugunsten eines derartig anderen Landes nicht abschwören. Beide Welten schliessen sich aus. Und das Christentum auf dem Dorfe ist zwar hilfsbereit, aber nicht dumm: Es führt von hier auch kein Weg zu denen, die bedingungslose Einwanderung in Sozialsysteme ohne Gegenleistung befürworten.

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Ich bin hier aufgewachsen. So war die Einstellung früher, so ist sie auch heute noch. Man bekommt das hier aus den Leuten nicht heraus. Die sind so. Das ist ihre Leitkultur, und dafür brauchen sie weder einen Parteitagsbeschluss noch eine Feuilletondebatte. In England hat man Menschen die Gelegenheit gegeben, diese Leitkulturvorstellungen mit dem Brexit zum Ausdruck zu bringen, und die Folgen sind nicht schön. Ich bin in der heckenschneidenden, kreuzpflegenden und kirchgehenden Leitkultur selbst ein Fremder, und wir haben nicht vergessen, dass sie uns damals fragten, warum wir nach Pappenheim fahren. Leitkultur ist, wenn man auf solche Vorbehalte keine Rücksicht nehmen muss, und so, wie diese Leute in der Debatte allenfalls als Fehlgeleitete auftauchen, ist man hier auf der falschen Seite, wenn man einer Veränderung des Landes durch den Islam das Wort redet.

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Pegida mag verschwinden, und die Identitären sind vielleicht eine Modeerscheinung. Junge Männer werden zu alt für Frei.Wild-Konzerte, und irgendwann bekommen sie auch Kinder, die Annamirl heissen, oder sie geben ihnen Zweitnamen wie Korbinian, Agatha und Quirin, passend zum Heiligenkalender der Kirche. Das war in meiner Jugend wie die meisten Traditionen völlig aus der Mode, heute kommt es wieder. Es gibt mit der kulturell verwurzelten Religion noch etwas, an das sich die Menschen hier halten können, also tun sie es. Das gibt ihnen sonst keiner. Sie sprengen deshalb keine Flughäfen in die Luft und fordern keine Meinungsverbote. Ob ich ihnen traue oder nicht, spielt keine Rolle. Sie sind einfach da. Es sind viele. Wer der Meinung ist, sie sollten arabisch lernen, sich integrieren oder ihre Leitkultur ändern, sollte nicht mit ihm genehmen Journalisten im sicheren Berlin reden, sondern einfach an Maria Himmelfahrt von Gerolfing nach Dünzlau radeln. 500 Meter vor dem Dorf wartet viel harte, echte Arbeit im Garten des Herrn. Wer sucht, der findet. Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.

somecf

Wie gesagt, ich kenne die Leute und ich weiss, warum ich lieber hier im Internet über gestutze Hecken und Kreuze zwischen Bäumen rede, von denen es dort draussen viele gibt, als dort über die Anpassung an die Wünsche von Migranten, Journalisten und Willkommenspolitikern.

17. Okt. 2016
von Don Alphonso
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11. Okt. 2016
von Don Alphonso
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Der Kampf des Bundesrates gegen Naturgesetze und Intelligenz

Es ist mir auf dem Rad eingefallen.
Albert Einstein über die Relativitätstheorie

Nun hat also der Bundesstaatsrat der DDR mit den beigetretenen Westländern beschlossen, dass man ab 2030 mit Hilfe des grossen Bruders aus Brüssel keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen will. Das ist in 14 Jahren, und wer die Modellwechsel der Firmen kennt, der weiss, dass es bereits die übernächste Generation der Flotten betrifft. Bislang werden nur Kleinwägen elektrisch betrieben. Wie dann ein anständiges Auto, das sich die Unterschichten nicht leisten können, betrieben werden soll? Vielleicht gibt es bis dahin ausreichend kompakte Atomreaktoren für den Antrieb. Vielleicht kommt ja auch die Sänfte wieder in Mode.

emise

Wie auch immer, die Glühbirne war nur der erste Schritt, jetzt wolllen die Einheitsparteien unsereins offensichtlich an die S-Klasse. Der gleiche Staat, der in München, Berlin und Frankfurt an neue Startbahnen für Nichtelektrodüsenflugzeuge denkt, und seit Jahrzehnten verspricht, mehr Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu bringen, will seinen Bürgern vorschreiben, womit sie ihre Mobilität betreiben sollen. Nicht mehr mit Sprit, sondern mit extrem teuren Akkus und Kohlestrommixturen, die aktuell kaum weiter als 300 Kilometer tragen, bevor sie mit einer noch nicht vorhandenen Masseninfrastruktur aufgeladen werden,. Unsere Bergbauern am Irschenberg können jetzt schon damit rechnen, dass man sie für die neuen Rastplätze an der Autobahn, auf denen die Akkus der kleinen, neuen Trabbis gefüllt werden, wie in der SBZ wegkollektiviert.

emisk

S-Klassen und andere grosse Fahrzeuge aus deutscher Produktion, die im Ausland so gerne gekauft werden, haben dann angesichts der begrenzten Leistung der Akkus vermutlich wenig Sinn. Naja. Mir kann es egal sein. Denn ich wohne in grosszügigen Anlagen mit viel Platz für Stromtankstellen. Was interessieren mich Bewohner von Schwabing und dem Schanzenviertel, denen man nicht einfach Kabel zu ihren Trabbis über die Trottoirs verlegen kann. Was stört mich das Schicksal der kleinen Leute, die sich einen doppelt so teuren Golf dann nicht mehr leisten können. Vor allem: Was juckt mich das deutsche Regime, wenn sie die Grenze zum nahen, dann sicher aus dem Neuwarschauer Pakt ausgetretenen Österreich nicht verminen, wo ich mein benzinbetriebenes Auto auch zulassen kann. Falls es noch keiner gesagt hat: Österreich hat viele Berge. Das senkt die Reichweite der E-Auton noch mehr. Aber daran denken die flachen Bundesländer nicht, die völlig zurecht als erste vom Meer überrollt werden.

emism

Es wird sein wie immer; Wir, die Elite, wir werden es kaum merken. Probleme haben die anderen, und wenn es nach der Politik geht, bleiben 14 Jahre, sie zu lösen. Autofirmen werden pleite gehen, weil es unmöglich ist, die aktuellen Modellpaletten in 2 Fahrzeuggenerationen den begrenzten Akkuvorgaben anzupassen. Kohlekraftwerke in NRW werden nötig bleiben. Kupferpreise werden steigen, und irgendwelche armen Leute auf dieser Welt werden die Umweltprobleme der Akkuproduktion schultern. Ich werde mich höchsten über gekaufte Gutachten ärgern, die mich in Sachen Schadstoffreduzierung so informieren, wie andere Gutachten des gleichen Staates beim TTIP. Oder früher bei der Kernkraft.

emisl

Mich erinnern die Versprechungen von 600km Reichweite und 15 Minuten Ladezeit ein wenig an die Lügen, die uns als Jugendlichen in den CSU-nahen Schulen über Schnelle Brüter, Kernfusion und Endlagerung erzählt wurden: Dass man nämlich in 10, 20 Jahren technisch viel weiter und die Energieversorgung in dieser leuchtenden Zukunft kein Problem mehr sei. Journalisten glauben heute politisch gewollte Zukunftsszenarien einer Autoindustrie, die gerade mit einem Abgasskandal aufgeflogen ist. Die neue, grüne Staatsratdoktrin: Sie ähnelt mit ihrer Naivität ob der grandiosen Zukunft den alten Visionen im WAA-seligen, bayerischem Schwarzbraun, oder dem Arbeiter- und Bauernparadies, oder Renten durch zuwandernde Facharbeiter, und wenn man anderer Meinung ist, setzt der Staat das Personal mit Erfahrung aus der letzten Diktatur auf einen an.

emisd

Es ist typisch für vulgärsozialistische Regimes, dass sie auf eine grosse, umfassende Lösung des Verbots setzen, die in ihrer Unflexibilität für neue Probleme in anderen Lebensbereichen sorgt. Stalin hatte seine Kollektivierung, Mao hatte seinen grossen Sprung nach vorn, der „Sozialismus statt Kolonialismus“-Vorzeigepolitiker Mugabe seine Müllbeseitigung, und der Bundesrat will eine nicht ausgereifte Zwangstechnik für eine wichtige Industrie des Landes. Der Bundesrat ist sich übrigens nicht zu schade, von “schadstofffreien Autos“ zu sprechen. Grad so, als würden die Kraftwerke, die den Strom produzieren, allesamt keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt haben.

emisf

So in der Art stelle ich mir in der DDR übrigens die Erreichung des Wirtschaftswachstums nach Beschluss des Staatsrates vor. Wie passend für den Bundesrat, wenn wir nun davon lesen, der Feinstaub wäre möglicherweise auch für Alzheimererkrabkung verantwortlich. Der kommt zwar auch vom elektromobilistischen Reifenabrieb und aus dem Kohletagebau, aber wer wird denn genauer hinschauen.

emisc

Dabei ist längst klar, wo das eigentliche Problem liegt: Nicht bei den Langstrecken, für die das E-Auto ungeeignet ist, und die ein gut gefüllter Benzinwagen bequem und sparsam durcheilt. Sondern bei der Faulheit der gern grün wählenden, progressiven Menschen in den Städten, die kurze Strecken ohne Notwendigkeit mit dem Auto zurücklegen. Das verursacht den höchsten Verbrauch und die meisten Emissionen. Das zwingt zum autogerechten und menschenfeindlichen Umbau der Städte. Das ist die Ursache von Staus und Lärm, der krank macht. Das Elektroauto ist eine Lösung, die die Folgen der Mobilität in die Regionen verlagert, in denen der Strom erzeugt wird: Ein mobilitätspolitisches Gorleben. Was spricht denn dagegen, Städter in ihren eigenen Abgasen zu lassen?

emish

E-Autos sind natürlich leiser, und man kann sich als Fussgänger jetzt mit dem guten Gefühl über den Haufen fahren lassen, dass wir einen Weg gefunden haben, die immer noch gleichen breiten Hintern in Tonnen von Metall und Plastik durch die Stadt kriechen zu lassen. Es ist eine teure Zwangstechnik, die wegen des angeblichen Klimaschutzes ein paar Probleme verschiebt und das Grundübel unserer Zeit – Eltern mit SUVs, die den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule bringen, danach zum Yoga fahren und dort über Biolebensmittel sprechen – ungeschoren lässt. Dieses Übel darf sich dann als “emissionsfrei“ bezeichnen.

emisj

Noch nicht mal ich bin emissionsfrei. Ich trage bewusst Kleidung aus heimischer, fairer Produktion und nachwachsenden Rohstoffen, kaufe regionale Nahrung und fahre trotz enormer Höhenunterschiede am Tegernsee meistens mit alten Rädern. Ich produziere dabei aber auch CO2, und durch den Kalorienverbrauch muss ich mehr essen. Kluge Köpfe haben errechnet, dass zur Produktion dieser zusätzlichen Nahrung auf 100km rund ein Liter Benzin verbraucht wird, und diese Nahrung ist dann auch teurer als ein Liter Benzin. Es ist ein Naturgesetz: Geschwindigkeit und Beschleunigung sind in der Welt der Schwerkraft und des Luftwiderstandes nicht ohne Energie zu bekommen. Energieerzeugung hat meistens unschöne Nebenwirkungen und Emissionen. Das Fahrrad wäre, auf kurzen Strecken im urbanen Raum, eher eine Problemlösung als das Stromauto.

emisi

Erstaunlicherweise geht das in als chaotisch verschrieenen Innenstädten Italiens. In Mantua und Ferrara hat man den Autoverkehr einfach aus der Stadt geworfen. Nur noch Einwohner dürfen rein. Wer nicht zu Fuss gehen will, muss radeln. Es funktioniert. Es funktioniert auch in London, wo Autofahrer für die Verschmutzung bezahlen und Firmen für Umweltzertifizierung abschliessbare Radräume und Duschen füt Mitarbeiter anbieten müssen. Es funktioniert bei mir am Tegernsee, denn in meinem reichen Viertel wurde die Strasse selbstverständlich als Anwohnerstrasse deklariert, damit nicht mehr Creti und Pleti mit dem Auto kommt. Es funktioniert in der Oberstadt von Bergamo, in Verona und in Parma. Sind die Autos weg, kommen die Bistrotische, die Sprizzgläser und die Lebensfreude. Es reduziert den Feinstaub in der Stadt und die Folgen auf dem flachen Land. Es ist halt etwas unbequem für die Kernzielgruppe der Grünen in den Städten, die nur das Beste für ihr Kind will, aber das sollten sie sich nochmal überlegen:

emisg

Denn in einem plakativen Radkorb sieht man die weitgehend vegane Louis-Vuitton-Schultasche des Kindes besser, was auch zum Ruhme der Elternschaft erheblich beiträgt. Kollektives Benzinverbot und E-Autoförderung sind nichts anderes als Kientelpolitik für Kurzstreckenfaulpelze in der Stadt, und eine Benachteiligung derer, die auf dem Land leben und nicht alle 20 Meter ein Auto eines Mobilitätsdienstleisters finden. Natürlich schätzt es das verwöhnte, grünurbane Zielpublikum moderner Grossstadtparteien nicht, auch einmal für die Folgen des eigenen Tuns Verantwortung zu übernehmen.

emisb

Aber irgendjemanden wird man unterdrücken müssen, um die Klimaziele zu erreichen. Und wer die Märchen vom 600 Kilometer fahrenden E-Auto und 15 Minuten Ladezeit glaubt, der glaubt vielleicht auch die simple Wahrheit, dass man auf den meisten kurzen Strecken auf dem Rad, das im Keller mit einem Plattfuss gammelt, weitaus besser, schöner, günstiger und gesünder unterwegs wäre.

Und das geht sofort, und nicht erst nach EU-Gesetzen in 14 Jahren.

11. Okt. 2016
von Don Alphonso
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