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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

28. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Volksverhetzung, Gruppenvergewaltigung und andere sehr deutsche Facebookdebatten

A Ruah is

Dick und faul liegt Prantlhausen auf der Schotterebene, die Sonne scheint und im Süden rutschen die Berge im Staub, damit die Prantlhausener einen schönen Blick haben, wenn sie einmal den Blick von der Prantlhausener Zeitung heben. Die ist dort Staatsorgan und sagt, wie man die Welt zu sehen habe. Seehofer, der das Land aussenrum regiert, sei ein Schlawiner, die SPD und die Grünen, die gemeinerweise vom Bürger gerade erst eine Abfuhr erhielten, seien bei allen Skandalen die beste aller möglichen Welten, und was die CSU von sich gibt, ist immer falsch und schlecht. Die Pantlhausener Zeitung schaut misstrauisch auf alles, was die Polizei so tut, ausser wenn am Ende die niedrigste Kriminalitätsrate aller Weltstädte nach Singapur steht. Das will die Zeitung schon haben, denn schliesslich wollen die Redakteure sicher an der Isar grillen, ohne gleich von Banden erschlagen zu werden. Allzu rigides Aufräumen mag sie aber auch nicht so, denn der Vorschlag kommt von der CSU.

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Die Prantlhausener mögen diese kognitive Dissonanz und stellen sie am Wahltag stets aufs Neue unter Beweis. Lokal wählen sie eher Rotgrünbunt. Aber wenn es um Bayern und Deutschland geht, wählen sie Rabenschwarz. Das liegt daran, dass sie zwar gerne liberal und mit sortiertem Müll und ohne dritte Startbahn leben, aber auch gern sicher sein wollen. Sie wollen, dass es dem Freistaat besser als den anderen Ländern geht, und München natürlich am besten. Dass andere deshalb all die Ausrutscher vom Schlage eines Dobrindt ertragen müssen, ist ihnen egal. Der ist dann in Berlin, das ist weit weg, arm und wenn ich in Prantlhausen sage, wir sollten es an die Russen verschenken, sagen die Prantlhausener: Aber nur als Sklavenkolonie und diesmal ohne Rücknahme. Niemand sagt das lauter als die Zugezogenen, die liberal sind, vegan essen, bei der Lederhose und beim Dirndl auf heimische Qualität achten und nur widerwillig aufs Oktoberfest gehen. Jeden Tag. Und zur Übung auf unsere Waldfeste. Ja, es ist schon ein Vergnügen, in Prantlhausen zu leben, und wenn man am nächsten Morgen die Prantlhausener Zeitung öffnet und einen neuen Beitrag für Flüchtlinge findet, in dem Tipps zur Entlassung von Rassisten gegeben werden, dann ist wieder alles im Lot. Prantlhausen, bei anderen auch als „München“ bekannt, hat seinen moralischen Kompass wiedergefunden, geht natürlich zu „Bellevue Prontldomo“ und wippt mit, wenn Bands vor tausenden Engagierten solidarische Lieder im Sonnenschein singen, während die drei notorisch erfolglosen Restrechtsextremen der Stadt mal wieder versuchen, eine Demo zu machen.

Am Wochenende fahren sie dann in die Berge und kommen natürlich nicht am Neubaugebiet von Holzkirchen vorbei, wo sie sich anschauen könnten, wie sich das Thema „Asyl“ hierzulande entwickelt hat. Holzkirchen gilt manchen, weil dort viel Arbeit ist, als Wirtschaftszentrum des reichen Landkreises Miesbach, und reichen Miesbachern wiederum als finsteres Geheimnis des Oberlandes, weil das die Ecke ist, wo die Menschen mehrheitlich einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen. Es gibt dort auch Blocks und Wohnungsnot, und viele, die aus München hierher verdrängt wurden. Ja, sie müssen sogar mieten. Bis vor Kurzem mussten die besseren Kinder der Holzkirchner sogar nach Tegernsee zum dortigen Gymnasium im Schloss, was illustrieren mag, wie nachgeordnet bei uns in der besten aller für andere unmöglichen Welten Holzkirchen erscheint – eine Art Verlängerung von Prantlhausen. Trotzdem ist auch dort das kleine Glück zuhause. Und in Holzkirchen gibt es seit letztem Jahr ein Containerlager.

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Dort, wo der Ort Richtung Norden wuchert. Das waren noch die guten Zeiten der Asylkrise, da konnte man ein paar Container mieten und auf Bauland stellen, und davon ausgehen, dass sich alles weitere schon finden wird. Die Gemeinde stellte eine Mitarbeiterin ab, es fand sich ein Helferkreis, die Tafel half bei der Beschaffung von Essen, Spenden gingen ein, und so arrangierte man sich. Es sah gut aus, und die Prantlhausener Zeitung hat eine schöne Geschichte verpasst: Denn als bei uns in Gmund eine Unterkunft eingerichtet wurde, kamen Nigerianer aus Holzkirchen mit den Flüchtlingen an, und halfen ihnen ebenfalls bei der Organisation ihres Lebens. Ich privat fand das auch gut, denn es zeigte, dass die Unterstützung der Flüchtlinge keine Einbahnstrasse ist. Das sind die Momente, in denen man merkt: Es könnte gut laufen. Flüchtlinge, die anderen Flüchtlingen die bayerische Hausordnung erklären: Da bleibt jeder Fremdenfeind sprachlos zurück.

Die Flüchtlinge waren in Holzkirchen, die Gemeinde und der Landkreis kümmerten sich um sie, die bayerische Oberland Bahn druckte Fahrpläne in vielen Sprachen, und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kümmerte sich um die Anträge. Vermutlich. Ganz sicher ist das nicht, weil man dort wohl irgendwann mit den Anträgen nicht mehr nach kam. Es wurde Frühling, es wurde Sommer, die Gemeinde bekam neue Flüchtlinge und griff notgedrungen zu einer Turnhalle, der Landkreis stellte mehr und mehr Mitarbeiter ab, aber es schien, als hätte man die Lage im Griff. Schliesslich bekam die Polizei ein neues Gebäude, und das alte Gebäude wollte die Gemeinde zu einer weiteren Unterkunft umbauen, selbst wenn es sich nach gängigen Vorstellungen nicht lohnte. Aber die Not ist gross in Holzkirchen, wo jeder gern wohnt und nichts freisteht. Also richteten sich alle Augen auf das Polizeigebäude.

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Und sechs Augen von Afghanen, so die Betroffene, in einer Nacht Ende Juli auf sie. Eine Gruppenvergewaltigung gab eine junge Frau zu Protokoll, am Bahnhof hätten sie die Asylbewerber, noch keine 20 Jahre alt, verfolgt und zu missbrauchen versucht. Daraufhin nahm die Polizei die Tatverächtigen in Haft.

Von da an ging es rasend schnell. „Asyl Watch Miesbach“ nannte sich die Seite, die offensichtlich von einem oder mehreren Einheimischen bei Facebook ins Leben gerufen wurde. Keine Nazis, sondern um ihre Region besorgte Bürger, die ihre Kommentare durchaus pflegten und allzu derb-rechte Teilnehmer blockierten. Das Ziel war, auf Sicherheitsprobleme im Landkreis hinzuweisen.

Es ging schnell. Es gab die Anzeige einer weiteren versuchten sexuellen Belästigung in Miesbach.

Es gab einen unschönen Konflikt mit deutschen Helfern, die von Flüchtlingen aus dem Containerlager verwiesen wurden.

Und eine Gruppe aus Subsaharastaaten war mit den Containern nicht mehr zufrieden und machte sich auf, um das Polizeigebäude auf eigene Faust zu fordern. Nicht später. Sofort. Sie wollten aus den Containern raus und eine schfriftliche Erklärung des Bürgermeisters, dass sie eine Wohnung bekommen

Natürlich wollte im Oberland niemand eine Art Gerhart-Hauptmann-Schule, aber die Flüchtlinge wussten auch, wie man die Gemeinde im Berliner Stil unter Druck setzt, und veranstalteten ein Protestcamp auf dem Dorfplatz, wo sie im Freien schliefen. Zu dem Zeitpunkt war dann auch die Presse vor Ort, und auf der Asyl Watch Seite wurde heiß diskutiert. Solche Aktionen gab es selten in München und oft in Berlin – und nun also im beschaulichen Holzkirchen.

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Es gibt ein Video mit den Forderungen. Ich kenne das, in meiner Drittheimat Italien sind solche Proteste normal, und die Wünsche sind logisch: Aufenthaltsgenehmigung, Wohnung, Arbeit. Das sagen alle Flüchtlinge, und sie haben recht: Das sind für sie die wichtigsten Punkte. Und natürlich ist ein Jahr Wartezeit auf einen Bescheid für ein deutsches Amt eine Notwendigkeit, aber für einen Flüchtling eine Belastung. Ich kann das einordnen und die Prantlhausener Zeitung sicher auch.

Aber für viele Holzkirchner, das wurde an den Kommentaren bei Facebook überdeutlich, reisst sich die Gemeinde ein Bein aus, damit die Flüchtlinge gut unterkommen, und dann macht eine Gruppe Randale, versucht sich Vorrechte zu sichern, und verlangt in gebrochenem Englisch und mit dem Tonfall Berliner Antifaforderungen Aufenthaltsrechte und Arbeit – das soll Deutschland wissen. Für Holzkirchner, die sich bis zur Unterlippe verschulden müssen, damit sie sich ei kleines Eigenheim leisten können, spricht hier nicht der zukünftige, versprochene Facharbeiter, der später laut Prantlhausener Zeitung die Rente bezahlt. Dem gewöhnlichen Holzkirchner scheint es, als sitzen da auf dem Dorfplatz Leute, deren Integration, Anpassung an deutsche Wertvorstellungen und Weg in den Arbeitsmarkt noch beschwerlich sein dürfte. Man bekommt die Forderungen so unverblümt selten gesagt, wenn deutsche Medien nett über Flüchtlinge schreiben. Und dann ist da noch der Punkt, dass die von Flüchtlingen abgelehnten, teuren Container mittlerweile die Luxusoption sind, im Vergleich zu den Doppelstockbetten in Turnhallen der Schulen, die die Holzkirchner durch ihre Kinder kennen, und deren Sportunterricht absehbar ausfällt. Selbst mit Sympathie und Verständnis für das Anliegen ist der Eindruck nicht optimal und erklärt vielleicht, warum nicht jede Facebook-Äusserung freundlich und wohlgesonnen war. Gut, manches war wirklich derb.

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Die Politik im Landkreis reagierte mit einem Sicherheitsgespräch, den Protestierenden wurde gesagt, dass sie zwar demonstrieren, nicht aber das hier stattfindende Burschenfest behindern dürften, regionale Medienangebote verzeichneten einen Ansturm und

normalerweise würde man denken, jetzt kracht irgendwas, und tatsächlich:

Es meldete sich ein Zeuge bei der Polizei, der die angebliche Vergewaltigung beobachtet und ganz anders erlebt hatte. Im Verhör gab die Betroffene zu, dass sie deutlich übertrieben hatte, und einer der Afghanen nur versucht hatte, sie zu berühren. Eine Kaltfront brachte Regen und das Einsehen bei den Demonstranten, dass sie doch in die Container zurückkehren wollten. Und ein Prantlhausener – es wird spekuliert, er könnte einer von denen sein, die im Lager erklärt haben, wie man Druck auf die Öffentlichkeit macht – stellte dem Vernehmen nach eine Anzeige wegen Volksverhetzung gegen die Asyl-Watch-Betreiber, Schon zuvor hatte man ihnen gedroht, man würde sie bei ihren Arbeitgebern melden. Hier nun fügt sich diese Geschichte im schönen Holzkirchen an die aktuelle Kündigungsbeihilfegeschichte der Prantlhausener Zeitung an, die offen zu so einem Verhalten auffordert. Es ist wieder alles ruhig.

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Oberflächlich.

Aber natürlich haben die Flüchtlinge noch immer nicht ihre neuen Papiere und werden sie vielleicht auch nicht bekommen. Es kommen deutlich mehr Flüchtlinge als erwartet, das ist jetzt schon klar, und man bräuchte hoch motivierte Helfer, engagierte Tafeln, freundliche, aufgeschlossene Bürgermeister und Bürger, die ihren Ärger nicht für sich behalten, weil mit Kündigung gedroht wird, sondern bereit sind, Veränderungen anzunehmen. Es ging ein Jahr gut. Dann folgten zwei tolle Wochen mit der Miniaturausgabe all der übleren Begleiterscheinungen, die in grossen Städten bereits stattgefunden haben. Richtig gut sah dabei keiner aus. A Ruah is, sagt man in Bayern, wenn es still sein soll. Still ist es jetzt. Man sucht still weitere Unterbringungsmöglichkeiten, und still arbeitet das Bundesamt. Vielleicht. Und niemand weiss, was sein wird, wenn Ablehnungen kommen.

In Holzkirchen herrscht Vollbeschäftigung und es könnte schon sein, dass deshalb die Integration besser läuft. Mein Käsehändler zum Beispiel ist Bosnier und während des Krieges hierher geflohen, und hat sich bestens eingefügt – jahrelang dachte ich sogar, er sei Franzose. Es geht. Ob es jetzt gut geht, weniger gut oder krachend scheitert, liegt meines Erachtens nicht an dem, was Facebook zulässt, was getwittert wird oder in der Prantlhausener Zeitung steht. Es geht um das, was Menschen tatsächlich sehen, erleben, und wie sie es aus ihrer Lebenssituation heraus verstehen. Das kann prima laufen. Aber man kann es nicht herbeischreiben oder wegkommentieren, oder von Facebook verbannen und glauben, damit sei das Problem gelöst. Es geht um Menschen, sagen die Aktivisten des Anschwärzens, ganz so, als wären sie und die Flüchtlinge die einzigen Menschen in dieser Krise.

28. Aug. 2015
von Don Alphonso
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24. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Deutschland kindert mich ab

Mich ekelt vor aller Kreatur
Hl. Gertrud

Sie haben vermutlich auch gelesen, dass im letzten Jahr so viele Kinder in diesem Lande das Licht der Welt erblickten, wie seit dem Jahre 2004 nicht mehr. Und dass mehr geheiratet wird, und die Ehen auch deutlich länger halten. Manche halten das für eine gute Nachricht. Manche, und einhundert Prozent alles Schwiegermütter, werden sagen, das sei doch wunderbar. Und ich kann jetzt schon vorhersagen, dass die besonders eifrigen Nachwuchserzeuger nicht Migranten sind, sondern gebildete deutsche Paare. Man kann hier nämlich nicht mal mehr in Ruhe sein Denti Scatto photographieren, ohne dass eine junge Familie mit Kinderanhänger vorbei radelt.

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Hier ist das Tal der Schutter am südlichen Rand des Altmühltals, oder, wenn man es historisch korrekt sagen will, ein Teil des Jakobsweges. Mit dem Jakobsweg ist es wie mit den jungen Familien: als ich jung war, vor einem Viertel Jahrhundert, wusste niemand, was das ist. Wir wussten, was das Parkcafe ist. Da konnte man tanzen. Und wir wussten, was Familien sind. Das letzte, was wir haben wollten. Wenn ich dann auf den Jurahöhen über ruhige Strassen nach Egweil, Nassenfels und Bergen radelte, war ich meistens allein mit anderen Radlern. Es gab keine Pilger mehr, die Religion war am Aussterben, und wer konnte, zog in die Städte, um zwei Einkommen, Sex, die Pille, und keine Kinder zu haben. Konnte sein, dass die Zurückgelassenen und Abgehängten etwas anderes machten, aber wir waren jung, schön und hatten etwas Besseres zu tun. Hier die fauligen Früchte der Vergangenheit, dort die knackigen Vitamine der Zukunft.

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Ich war in München und dann in Berlin und dann auch mal wieder an der Donau, und wenn neben dem alten Apfelbaum an meiner Lieblingsstrecke ein neues Marterl steht, dann ist das, so dachte ich, dem zurückgebliebenen Leben auf dem Dorfe geschuldet. Marterl gibt es in Bayern überall, es gibt welche mit toten Soldaten und Pest und umstürzenden Gespannen und Blitzschlag – irgendwer fühlt sich dann bemüssigt, solche Säulen aufzustellen. 2004 also war am Rande meines üblichen Weges so ein Marterl, und wäre daneben nicht der alte Apfelbaum gewesen, dessen Früchte auch auf einem Stillleben des Manierismus hätten erscheinen können, wäre es mir noch nicht einmal aufgefallen. Ein alter Baum, eine weisse Säule, da huscht man schnell vorbei, denn vorne in Bergen erwartet einen die alte Wallfahrtskirche und ein wirklich schöner, alter, mit Kastanien bestandener Biergarten. Inzwischen steht am Marterl aber mehr als ein Baum.

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Man kann das gar nicht mehr übersehen, so viele Bäume stehen da. Am Anfang war neben dem Marterl nur ein kleiner Stamm und ein Taferl. Da hat, dachte ich beim Vorbeifahren, vermutlich jemand hingeschrieben, was hier später zu plündern ist. Und hoffentlich sind es Zwetschgen. Oder Mirabellen. Das wäre doch eine feine Sache, dachte ich, und fuhr meines Weges in der sicheren Erwartung, in einer Dekade könnte ich hier schon anfangen, meinen berüchtigten Zwetschgendatschi kostenfrei zu versorgen. Oder Mirabellen zu stehlen ernten. Es ist nett von denen, wenn sie, bevor sie hier im Tal aussterben, wenigstens noch etwas für die Renaturierung tun.

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Ein paar Jahre später standen da also ein paar Bäumchen mehr und irgendwann blieb ich stehen, um zu lesen, was denn da angebaut wurde. Es waren Firmbäume. Nun habe ich Heuschnupfen und kenne mich nicht so aus mit der Botanik – in naturwissenschaftlichen Fächern gab es gefürchtete Lehrer wie den Hallermeier, über den sie bei uns in den Pausenhof schrieben

Bubak Ponto Schleyer
der nächste ist der Hallermeier

Ich war da eher von der lernunwilligen Sorte, und irgendwoher muss man ja auch seinen schlechten Abiturschnitt haben, um etwas Sinnloses ohne Numerus Clausus zu studieren, mit dem man im Parkcafe tanzen und später Kolumnist bei einer angesehenen Zeitung werden kann. Ich habe also nie verstanden, was so ein Firmbaum ist, aber es hat mich schon gewundert, warum all diese Firmbäume so unterschiedlich aussehen. Und warum die immer von irgendwelchen Leuten gepflanzt wurden, die auf den Taferln vermerkt waren. Am Anfang waren es immer vier oder fünf Namen, aber inzwischen sind es stets sieben. Es werden also mehr Gartenfreunde. Dachte ich.

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Dagegen ist nichts einzuwenden. Es ist mir auch lieber, wenn die letzten Reste der indigenen Bevölkerung die Heilige Gertrud anbeten, die hier ebenfalls vorbei gekommen sein soll, als Pestizide zu verspritzen. Ich bin dem Brauchtum nicht völlig abgeneigt und manchmal schaue ich mir mit Singlebekanntschaften aus München und Berlin auch Leonhardiprozessionen an. Ethnologische Studien. Tanzen gehen wir nicht mehr, oder wenn dann in Tanzkurse – letzthin wurde ich zum Swingkurs geladen – aber Lästern geht noch wie früher. Immerhin sind wir mit viel Freizeit und Freiheit immer noch die Krone der Entwicklung hin zum aufgeklärten Menschen, wir haben uns über die biologischen Zwänge erhoben und können jederzeit neue, heisse Affären und Beziehungen eingehen. Wir können es klassisch in der Oper, wir können es in Oberitalien, am Tegernsee – wir sind frei, solange die Bandscheiben mitspielen. Also ich zumindest. Gut, viele Bekannte haben mittlerweile einen Burnout, die können dann nur noch theoretisch. Aber die ganzen Eltern, die hier radeln, haben sicher auch kein allzu spannendes Leben mehr. Sagen wir uns und weil wir alle es sagen, muss es stimmen.

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Gestern ist mir dann schlagartig klar geworden, wie Saulus hätte mich die Erleuchtung beinahe vom Denti geworfen, was der Firmbaum ist. Es ist kein Baum, der Firme trägt. Es ist ein Baum, der bei der Firmung gepflanzt wird. Und die Namen, die da stehen, sind die der Kinder, die gefirmt werden. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren von durchschnittlich vier auf sieben vermehrt. Vermutlich sind wir auch schuldig. Natürlich haben wir – ich gebe es zu – Kolumnen geschrieben und uns beim Personalwesen beklagt, dass die moderne Arbeitswelt sich ändern muss, wenn man wirklich wollen würde, dass unsereins Kinder kriegt. Das war aber nur ein Stilmittel zum Beklagen der allgemeinen Zustände. So eine versteckte Gehaltsforderung, moralisch bemäntelt. Wir konnten doch nicht ahnen, dass jemand wirklich so verrückt sein würde, und Kindergärten und Ganztagsbetreuung macht und zahlt und fördert, und für Vollbeschäftigung sorgt, statt den einfachen Weg zu gehen, uns das Geld zu geben und auf die nächsten Erklärungen zu warten, warum wir leider genau so kinderlos weiter machen müssen. Wir haben ja nichts von den besseren Zuständen. Aber die Tafeln an den Firmbäumen werden immer grösser und bunter, und dafür haben wir nicht unsere Jugend und unsere Ohren auf den Boxen des Parkcafes geopfert.

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Das ganze Ausmass der Katastrophe wird einem erst klar, wenn man im Dorf ankommt, wo einen allerorts Schaukeln, Trampoline und „Langsam – Spielende Kinder“-Schilder erwarten – aber keine schnittigen Roadster mit Platz für zwei Singles. Die Bewohner haben offensichtlich sehr viel Zeit zur Pflege ihrer Gärten und – zugegeben – deutlich mehr Zimmer als jene zwei oder drei, die meine alten Freunde in München manchmal ihr eigen nennen, oder mieten. Gross ist das Dorf nicht, aber wenn hier Jahr für Jahr 7 Kinder zur Welt kommen, dann ist es voll. Und stirbt entgegen der Erwartung auf keinen Fall aus. Gott schütze die Heimat unserer Kinder, schreiben sie im Protest gegen eine drohende Hochspannungsleitung. Da weiss man, was die biologische Uhr von Anfang an geschlagen hat.

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Der Single kommt aus der Mode. Er ist ein Anachronismus und die Vorstellung, in der öffentlichen Wahrnehmung so eine Art Kommunenbewohner2.0 zu werden, ist gar nicht schön. Es droht aber, weil viele der früheren Kinderverweigerer im letzten Moment doch noch schwach wurden, noch Schlimmeres. Unter die verbleibenden Aufrechten der liberal-egomanen Gesinnung mischen sich in der öffentlichen Wahrnehmung leider jene kinderlose Aktivisten, an deren Gesellschaft mir keinesfalls gelegen ist. Leute wie Volker Beck von den Grünen. Oder diese genderbewegte Journalistin, die in jener Pressemitteilung des Frauenrates über die Löschung einer „Hart, aber fair“-Sendung jubelt. Wir haben mit denen nichts zu schaffen und natürlich war unsere Jugend reich, schön, verschwenderisch und keinesfalls irgendwie sozial interessiert oder anderweitig bigott – aber der Zeitgeist wünscht sich wieder geordnete Verhältnisse, Gärten, sichere Zukunftsperspektiven und Ehegattensplitting, und sondert alles aus, was nicht so ist.

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Ich weiss das. Ich sehe stolze Firmbäume und Schilder an der Tür der Wallfahrtskirche, dass sie wegen Hochzeit geschlossen ist, und im Biergarten ist dann oft auch kein Platz mehr. Kein Biergarten kommt übrigens ohne Kinderspielplatz aus. Junge Frauen balgen sich wirklich um geworfene Brautsträusse. Natürlich wollen sie Kinder und keine Scheidung. Vermutlich machen sie sich inzwischen auch wieder mehr Gedanken darüber, wie man eine Beziehung mit Leben und Lebensversicherung erfüllt, mit Firmbäumen, Gärten, Waldspielgruppen und sonntäglichen Radtouren. Es ist die totale Negation der Zukunft, die uns in den Achtziger und frühen Neunziger Jahren versprochen wurde. Es gibt keine Garantie mehr, dass Ehen auseinander gehen und Anlass zur Häme bieten. Sie bekommen nicht nur wieder mehr Kinder, sie stellen nicht nur die Familie in den Mittelpunkt. Sie machen uns jetzt schon zur Minderheit und rotten uns mittelfristig aus. Es gibt wieder mehr Kinder. Und niemand kann diese entsetzliche Entwicklung aufhalten.

In Bergen war ein kleiner Junge auf einem Plastiktraktor, der mir mein Rennrad im Tausch abdrücken wollte. Kinder sind gefährliche, gerissene Raubtiere. Auch sie merken, dass es mit uns zu Ende geht, und überlegen schon, wie sie unsere Kadaver verteilen.

24. Aug. 2015
von Don Alphonso
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22. Aug. 2015
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Heimat von Suhl über Heidenau bis Bayern

Ich bin die Stimme der Partei. Bringen Sie das Geld mit, dann dürfen Sie auch mitreden.
Franz Josef Strauss

Strauss war also korrupt, meldet der Spiegel.

Aber es war keinesfalls so schlimm, wie man gedacht hat, ist der Konsens in Bayern. Wer die Zeit noch miterlebt hat, wundert sich fast, wie bescheiden die Beträge sind, um die es da geht. Aber vielleicht kommt ja auch noch mehr. So, wie es sich momentan darstellt, war Strauss geradezu bescheiden. Eine halbe Million. Ah geh. Das ist ja nicht mal ein viertel Mobutu.

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Es gab Schlimmeres. Zu Straussens Zeiten hat man meine Heimat noch grossflächig abgerissen, zubetoniert und atomrunderneuert. Man hat den Rhein-Main-Donau-Kanal gegraben und die WAA in Wackersdorf geplant, und die damals sozialdemokratische Mehrheit im Rat meiner dummen, kleinen Heimatstadt an der Donau hat alles getan, damit sie zum Standort der Raffinerien wurde. Stinkende Fackeln am Himmel hat man begrüsst wie die Egerländer Musikanten, man hat Grossbäckereien gefördert und dafür gesorgt, dass sich die kleinen Drogerien nicht halten konnten. Wer ein altes Haus hatte und es wegreissen wollte und die richtigen Leute kannte, konnte es tun. Die sogenannte Flurbereinigung hat aus einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft eine Industriebrache gemacht. Hecken, Obstbäume, Ziegenweiden, Feuchtgebiete – man hat es radikal weggeschoben. Widerstand gab es kaum, und als er dann langsam aufkam, hat er viele, viel zu viele Schlachten verloren. Schlachten für die Heimat gegen ihre CSU-wählenden Bewohner.

Einer dieser erbitterten Bürgerkriege meiner Heimat spielte sich um die sogenannten Jurahäuser ab, einer Besonderheit der Region rund ums Altmühltal. Es sind aus Juraquadern gebaute und mit Juraschindeln gedeckte Steinhäuser, niedrig, dick, breit in die Landschaft gedrückt, und die ersten Opfer all der Bemühungen, die Dörfer angeblich mit Glasfronten, Jodlerstilbalkonen und Mosaikverkleidungen schöner zu machen. Die Mehrheit der Jurahäuser ist verschwunden, aber die, die überlebt haben, sind heute wieder heiß begehrt. Und es ist ihr Stil, in den heute wieder gebaut wird. Die Leute wählen immer noch CSU, aber alle sagen, dass so einer wie der Strauss heute nicht mehr möglich wäre. Und dass man die Jurahäuser unbedingt erhalten muss.

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Dass sich die Zeiten auf dem Land, wo der Bischof immer noch das Sagen hat und nur eine einzige Haltung verbindlich ist, langsam doch ändern, merkt man an den ganz kleinen Geschichten. Es gibt phantastische Jurahäuser, aber auch ganz miserabel erhaltene und gebaute Scheunen. Um eine dieser Scheunen in der Mitte eines Orts gab es jahrzehntelangen, erbitterten Streit: Die einen wollten sie unbedingt endlich abreissen, damit die Gemeinde etwas Neues bauen könnte. Und die anderen wollten sie behalten. Letztlich haben sich die Scheunenbefürworter mit dem Argument durchgesetzt, dass man dem Ort damit ein Zentrum geben könnte. Und dann haben sie die Scheune restauriert. Zusammen, Kritiker und Befürworter, weil anders geht es auf dem Dorf nicht. Niemand würde heute mehr die Scheune abreissen, sie ist Teil und Zentrum der Heimat der Menschen. Dazwischen lagen dreissig Jahre Kampf um das Bewusstsein für Heimat.

Das sind dann auch genau die Gemeinden, in denen die Unterbringung für Asylbewerber gut klappte. An den Vorgaben der Landratsämter ist nicht zu rütteln, und wenn man sauber wirtschaftet, erstattet der Freistaat den Kommunen die Ausgaben – und trägt selbst die weiteren entstehenden Kosten. Man muss sich das vorstellen wie das Zusammenrucken im Biergarten. Die Gemeinden bereiten sich vor, die Helferkreise werden vorab schon von den Kirchen organisiert, man sammelt vorher Spenden, spricht mit den Tafeln, schaut sich etwas bei anderen Gemeinden ab, und für die Arbeiten nutzt man die Freiwillige Feuerwehr. Wenn der Bürgermeister, die Landfrauen, die Vorsitzenden von Schützenverein, Sportverein und Freiwilliger Feuerwehr und der Pfarrer das befürworten, dann ist noch lange nicht jeder glücklich oder begeistert, aber dann macht man das halt. Und sei es eventuell nur, damit niemand auf dem Dorfplatz auf Pappe schlafen muss. Natürlich überlegen die Kommunen, wie man es erledigen kann, dass sie mit der Situation am besten leben können. Asyl auf dem Dorf ist viel näher, viel präsenter als eine Zeltstadt im Euroindustriepark in München oder auf einem ehemaligen Militärgelände vor Berlin. Ich kenne keinen Fall, in dem es am Anfang nicht Vorbehalte gegeben hätte. Immer war es zu Beginn fragil und ungewohnt. Aber der Trick zu sagen „Wir wollen eine Heimat – die wollen auch eine Heimat“ hat bei uns bislang bemerkenswert gut funktioniert. Man muss den Menschen mit Argumenten kommen, die sie verstehen und achten. So wie die alte Scheune im Dorf. Es gibt da auf Dauer keine Erfolgsgarantie, aber es funktioniert und im Nachbardorf geht es ja auch. Das sind die kleinen, alltäglichen Erfahrungen der Heimat, mit denen man umgehen kann. Das war Asyl bis letzte Woche. Und damit ist diese Heimat eine Ausnahmeerscheinung in einem ansonsten die Türen zuschlagenden Europa.

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Das geht gerade alles vor die Hunde. Weniger, weil die Zahlen der Flüchtlinge dramatisch steigen – man hat bei uns sogar in Rottach den Entschluss gefasst, eine grosse Traglufthalle zu errichten, weil es halt anders nicht geht. Es geht vor die Hunde wegen der Randale in Suhl, weil das hier ein freies Land ist und es einfach nicht sein kann, dass hier jemand gelyncht wird, weil er ein Buch beschädigt – und Politik und Medien das auch noch entschuldigen, weil es „Opfer“ sind. Keine Kommune kommt mit SEK-Einsätzen wegen religiös motivierter Gewalttaten klar, das darf es einfach nicht geben. Das geht auch vor die Hunde, weil es zu Beginn klare Vorstellungen gab, was da auf die Gemeinden zukommt – ein überschaubares Problem. Und die Gemeinden begreifen erst jetzt langsam, dass sie über Jahre zuständig sein werden. Dass sie Bauland abgeben müssen, Wohnungen herrichten, Boden versiegeln, die eigenen Leute zurückstellen, eventuell sogar enteignen müssen, und dass es letztlich jeder Bürger bezahlen muss, wissen sie auch. Die Politik hüllt sich in Schweigen, und von der linken Seite kommen Parolen wie „No borders, no nations“, „Kein Mensch ist illegal“. „wir bleiben alle“ und „Refugees welcome“. Das steht aber nicht im Grundgesetz. Das hat vorher keiner gesagt. Und wer das so nicht sehen will und sich monatelang mit Anforderungen des Brandschutzes und Küchencontainerbeschaffung herumgeschlagen hat, wer Fussböden in Turnhallen verlegte und Fahrpläne auf Aramäisch übersetzen liess – der lässt sich zum Dank nicht gern als Nazi. Mittelmeermörder oder rückschrittlicher Volldepp bezeichnen. Weite Teile der Medienöffentlichkeit sagen, dass man mit den Veränderungen leben muss, und auf das Heimatgefühl wird keine Rücksicht genommen. Die linke Mehrheitsmeinung im Netz denkt ohnehin, dass diese Heimat nur Popanz ist. Sie haben nie Steine für eine Scheune geschleppt, und vor dem LaGeSo in Berlin sind sie erst angerückt, als es zu spät war. Und dann spucken sie der Heimat ins Gesicht.

Es gibt einen direkten Weg vom Lynchmob in Suhl über einen Beitrag in der Zeit, die Sachsen sollten doch ihren eigenen Staat machen, bis zum Versuch der letzten Nacht, genau das mit einem rechtsradikalen Mob in Heidenau zu tun. Die Nazis vor Ort können sich darauf berufen, dass sie in einem führenden Presseorgan dazu aufgerufen wurden, ihren eigenen Staat, ihre eigene Heimat zu machen. Sie können sagen, dass sie auch nichts anderes als England, Spanien, Ungarn und Mazedonien tun. Sie arbeiten mit der Angst vor Suhl, mit den Beschwichtigungen der untätigen Politik und ohne Rücksicht auf die Meinung der Zeit. Und ich kenne meine – zum Glück seit Strauss deutlich besser gewordene – Heimat sehr gut: Solche Abspaltungsappelle an das hiesige Heimatgefühl sollte man nicht zu laut vortragen. Die Entscheidung zwischen Bewahrung der Heimat und einer Ideologie der Aufgabe von Grenzen, Land und Volk ist hier seit jeher gefallen, egal ob danach Nazivorwürfe kommen. Die Menschen wollen ihre Heimat, sie sind mit ihr und an ihr gewachsen, und sie wollen ein deutsches Recht, das ihnen ihre Freiheiten garantiert und ihnen ihr Leben selbstbestimmt in Eigenverantwortung lässt. Auf dieser Basis kann man reden.

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Das war die Basis, auf der es bislang funktionierte. So kann man Scheunen retten und syrische Familien in die Pfarrerswohnung einquartieren. Diese Basis wurde, nachdem das Schengensystem ohnehin schon in Trümmern liegt und die grosse Flüchtlingswelle kommt, in den letzten Tagen von zwei Seiten in der Heimat ebenfalls aufgekündigt. Vom Lynchmob in Suhl und seinen Verstehern wie Ramelow und Teilen der Medien, und vom Mob in Weidenau. Das ist der Konflikt, das ist die Konfrontation, und darin muss man sich mit der Aussicht auf 400.000 weitere Flüchtlinge in diesem Jahr als Heimat zurechtfinden, und einen Weg finden, der mehrheitlich getragen werden kann. „No borders no nations“ ist das totale Gegenteil.

Wer so etwas will… In Somalia. Libyen, Irak und Syrien kann man sich anschauen, wie das in der praktischen Umsetzung funktioniert. Und wir sollten froh sein, dass es gestern Nacht in Weidenau und davor in Suhl einen starken Staat gab, der sich mit der Polizei durchgesetzt hat. Hätte die Blockade in Weidenau Erfolg gehabt, hätten wir das nächste Woche im ganzen Osten. Es gibt der Linken in diesem Land, den Ideologen im Netz und den besorgten Aktivisten in den Medien vielleicht, hoffentlich etwas Zeit, sich zu überlegen, ob es klug ist, diese Debatte ohne Rücksicht auf Heimat zu führen. Ich habe schwerste Bedenken. Dieser Konflikt wird nicht in den Städten oder vor dem LaGeSo entschieden, sondern in den Dörfern, wo die Kommunen überfordert sind, egal wieviel Geld man ihnen bietet, die Polizei den Schleuserkriminellen nicht hinterher kommt, und die Leute nicht undemokratisch übergangen, vom linken Mob aus Berlin beleidigt und vor vollendete Tatsachen gestellt werden möchten.

Diese Würde garantiert ihnen übrigens auch das in der Asylfrage so oft bemühte Grundgesetz.

22. Aug. 2015
von Don Alphonso
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16. Aug. 2015
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Wenn Sylt bei Hamburg im Meer versinkt

Lasst es wie einen Unfall aussehen.

Also, mir geht es gut.

Weil ich anspruchslos und Historiker bin. Als Historiker wird man entweder anspruchslos oder verzweifelt angesichts der Geschichte, und ich habe mich dazu entschlossen, einfach nichts mehr zu erwarten. Meine fatalistische Weltgleichung lautet, dass der Geist des Menschen in den Spitzen zwar oft geschärft wird und einen Fortschritt zeitigt, der Abstand der gelebten Realität jedoch immer gleich weit von den Möglichkeiten entfernt ist. Mit diesem Modell kann man Dark Ages überstehen und wird nicht in Epochen der angeblichen Aufklärung wahnsinnig angesichts der verbleibenden Schrecknisse. Ich erwarte mir von der Politik überhaupt nichts, ausser dass die ihre Fehler erst erkennt, wenn sie völlig unumkehrbar sind, von der Atomenergie über Migration bis zum Umstand, dass wir unsere eigene Kleiderindustrie aufgeben und uns mehrheitlich in Lumpen aus Bangladesch hüllen, und Plastikschuhe aus chinesischen Pressen für angemessen halten. Wir leben in der Epoche des grössten Reichtums, könnten uns Brokat und Seide des Rokoko leisten, und sehen schlimmer aus als dessen Sauhirten.

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Wie man sieht – ich halte zumindest das Kuhhirtenniveau mit Loden und Hirschhornknöpfen, immerhin. Trotzdem tue ich mir schwer, grössere Katastrophen zu benennen, die Weltgemeinschaft, Politik, EU und Wirtschaft rechtzeitig erkannt und mit klugen Programmen schnell behoben haben. Die Wiedervereinigung war und ist holprig und hat uns nicht vor Berlin geschützt, und der Ostblock bröckelt immer noch kriegerisch vor sich hin, wir hatten New Economy. HartzIV und Finanzkrise, das Projekt der Europäischen Gemeinschaft verkommt zu einer Mischung aus Protektoraten und Absetzbewegungen, und immer noch treten Figuren wie ich auf, die fordern, das Land doch besser zu zerschlagen und wenigstens den Reichshauptslum Berlin an die Russen zu verkaufen. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wenn wir schon an solchen kleinen Problemen scheitern – wie sollen wir dann erst den globalen Klimawandel stoppen.

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Es gibt schliesslich ganz unterschiedliche Interessen, seien es die chinesischen Exporte oder die Bevölkerungspolitik in Afrika, der grüne Golfrasen in Kalifornien oder die Meeresküstenbewohner irgendwo da oben nördlich des Mains. Ich habe heute den wohlwollenden Test eines Automobils meiner dummen, kleinen Heimatstadt an der Donau gelesen, und der behauptet, von diesen Benzinfressern würden wir noch viele verkaufen, und damit indirekt auch die städtische Elite bereichern. Mein Eindruck ist, dass man sich dagegen grundlegend entscheiden müsste: Will man solche Autos und all die ähnlichen Entwicklungen der Verschwendung, oder will man ein Klima, das sich nicht mehr allzu sehr ändert?

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Weil: Natürlich ändert sich etwas. Ich muss nur in meinen Garten schauen. Die Rosen haben erst wirklich sehr schön geblüht, wegen der relativ milden Wintersaisonen – und jetzt sind sie teilweise schon gelb, obwohl ich gegossen habe. Sogar hier oben, auf 790 Meter über dem Meer, war es zu heiß. Der Tegernsee war bacherlwarm, was er als recht tief eingeschnittener Bergsee sonst nicht ist. Sogar im ansonsten bitterkalten Achensee konnte man baden. Das Licht an manchen Tagen war surreal. Der letzte vergleichbare Sommer war 2003, und dazwischen hatten wir auch noch ein Jahrhunderthochwasser, dessen Spuren man noch immer sieht. Die Wetterextreme nehmen deutlich zu. Es ist so trocken, dass man die Felswände wegen der Steinschlaggefahr weiter hinten besser meidet – so man wirklich auf den Berg geht. Dafür war es eigentlich deutlich zu warm. Obwohl es bei uns tagsüber gut 9 Grad kälter als in München war.

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Irgendwer meinte, wir wären die erste Generation, die den Klimawandel spürt und die letzte, die ihn noch aufhalten könnte, aber nach meiner bescheidenen Meinung werden wir das natürlich nicht tun. Man stirbt ja nicht sofort, sondern, und da kommen wir zum eigentlichen Thema: Später. Meine Generation ist beim Blick auf den Rentenbescheid so deprimiert, dass sie sich über dieses „Später“ keine besonderen Illusionen macht und ohnehin glaubt, dass mittelfristig die Euthanasie allein aus Gründen der Finanzierbarkeit kommen wird. Möglich ist laut meiner fatalistischen Weltengleichung im Alter alles, bezahlbar nur wenig.

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Das muss nicht sein, wenn der natürliche Tod früher kommt. Und es ist offensichtlich beim Blick in die von Hitze und Ozon rot angelaufenen Gesichter meiner Besucher, dass Sommer wie dieser ihren Beitrag dazu leisten. Ich finde das keinesfalls gut oder richtig, allein, es wird halt so kommen, weil wir nichts unternehmen. Manchmal wird es dann sehr heiß, dann steigt die Sterblichkeit, und bis das seinen Weg in die Statistik und die Schlagzeilen findet, ist es ohnehin schon wieder Winter und alle jammern über die hohen Heizkosten. Das ist, wie so oft in der menschlichen Geschichte, so eine Art natürlicher Regelkreislauf: Wir machen die Erde heisser, haben schönere Sommer, nur eben im Durchschnitt nicht so lang, weil die Leute weiter unten früher sterben. Statistisch betrachtet. Aber die Statistik bringt ja auch keinen von der Zigarette weg, oder hin und wieder auf das Rad, oder auch nur dazu, am Berg etwas anderes als Turnschuhe anzuziehen. Insgesamt kann es also sein, dass die Menschen in den Niederungen schneller hinweggerafft werden, aber gleichzeitig auch mehr schöne Tage haben.

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Ausser sie wohnen in Hamburg. Dann haben sie Taifune und werden weggeschwemmt. Das Phänomen – dem Freibier ähnlich, nur mit Nordseewasser – heisst übrigens „Mandränke“ und passiert da öfters, aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an alles. Bei uns im Oberland ist das natürlich anders, weil es eben deutlich kühler ist, und die Thermik für einen Luftaustausch mit den Bergen sorgt. Theoretisch heisst das, dass wir länger leben würden, was wir übrigens ohnehin schon tun, weil die Luft gut und die körperliche Belastung ohne Arbeit nicht hoch ist. Stress kennt man nur, wenn die Lederhose zum Leonhardiritt nicht fertig wird. Allerdings habe ich diesen Extremsommer ausprobiert, und die Erfahrung zeigt, dass auch für uns die Risiken steigen: Erhöhter Alkoholkonsum im Biergarten, spätabendliche Radtouren in die Berge, die in der Finsternis an steilen Rinnen unschön enden können, deutlich mehr Badeunfälle und auch mehr Verkehrsunfälle, weil mehr Menschen in die Berge kommen. Und dann mangels Unterkunft auch wieder fahren. Und alle gefährden natürlich die Einheimischen. Angesichts all der Schadmünchner gibt es also noch nicht einmal eine Garantie dafür, dass unsereins wirklich am Bierkrug, an der Schweinshaxe oder auf dem Weg ins Söllbachtal an einem unbeweglichen Fleckvieh vom Schicksal ereilt wird, weshalb mein Vorschlag der Folgende ist:

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Wir lassen die Münchner mit ihren Autos nicht mehr rein. Das ist erstens gut für das Klima, zweitens gut für das ozonbelastete München, drittens gut für die dort nicht so überhitzten alten Menschen, viertens gut für die Münchner, die sich bewegen, fünftens gut für die geschonten Berge, für die ihnen dann die Ausdauer nach drei Stunden in der sengenden Hitze fehlt, und sechstens natürlich auch gut für uns. Es ist eine Weltverbesserung, wie sie dem Menschen noch immer gefallen hat und sie ihm auch stets wünschenswert erschien, weshalb es dann oft ganz schnell mit der Durchsetzung geht: Eine kleine. lokale Aktion, die einem selbst zum Vorteil gereicht und vielen anderen durchaus das Leben vermiest – aber eben mit einer guten Begründung, die sicher auch die Zustimmung der Süddeutschen Zeitung finden wird. Wir machen es im globalen Umfang mit der Klimaerwärmung, wir sollten das auch im kleinen Rahmen einer nachhaltigen Umweltpolitik im Tal derer schaffen, die sich jede Pflege und Medizin leisten können, und steinalt werden. Diese Alten werden auch gern als erbaulicher Beweis herhalten, dass die Klimakatastrophe schon irgendwie schlimm ist, aber der Untergang von Sylt 2022 war sicher nur eine Verkettung unglücklicher Umstände und man sieht doch, wie andernorts die Menschen immer noch bis ins hohe Alter so kerngesund sind, dass sie erst nach er 7. Mass am Steuer ihres Porsche selig entschlummern.

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Ich bin Fatalist. Aber diese beruhigende Argumentation traue ich der Menschheit schon noch zu.

16. Aug. 2015
von Don Alphonso
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13. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Die saufenden Neffen und offenherzigen Nichten des Neobiedermeier

auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden socialen Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören
Aus dem Verbot des deutschen Bundestages der Schriften von Heinrich Heine.

Früher war neben dem Schloss Tegernsee ein billiger Supermarkt. Er stammt aus jener Epoche des Niedergangs, die hier auf die letzten Glanzzeiten der 70er Jahre folgte: Als Gunter Sachs mit Brigitte Bardot noch oben in der Sassa Bar anzutreffen war, als heute fast vergessene Versandhausmogule in Schlösschen residierten und Bob Marley vergeblich seinen Krebs kurieren lassen wollte, wäre so ein Schandfleck nicht denkbar gewesen. Aber das Jet Set reiste dann lieber in die Schweiz, der See wurde zum Altendomizil, die Preise für Immobilien sanken, und es war absehbar, dass die gebrechlich gewordenen Karohemdenwanderer, die mit dem Zug noch aus München kamen und auf Almen keuchten, auch irgendwann aussterben würden. So kam es denn auch, und mit ihnen verschwand auch die Kundschaft des Supermarkts. In anderen Regionen würde nun vielleicht ein T€di folgen oder noch etwas Schlimmeres, aber hier ist das etwas anders: Seit ungefähr zehn Jahren geht es aufwärts mit der Region. Und deshalb eröffnet hier jetzt die ganze Vielfalt der Region: Spezialitäten, Schnäpse, Pralinen. Und Trachten.

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Und das in einer Form, die für moderne Städter kaum denkbar ist. Der Karl Jäger eröffnet nicht nur einen Laden am Schloss, nein, die Herzogliche Hauptverwaltung Tegernsee hat dem traditionsreichen Trachtenhaus angeboten, direkt neben dem Hauptsitz der Herzogsfamilie Wittelsbach also seine Geschäfte zu machen. Das ist natürlich etwas anderes als ein Pop-Up-Store in einer vom sozialen Wandel schwer gebeutelten Region. Es ist auch nicht ganz billig, denn es ist deutsche Handarbeit seit 140 Jahren. Früher gehörte es hier dazu, dass man eine reich bestickte Miesbacher Joppe vom Jäger im Schrank hängen hat. Das kommt gerade wieder.

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Ich habe übrigens derer drei. Sagenhafte Stücke. Man lernt die erst richtig schätzen, wenn man wirklich in den Bergen wohnt: Robust, regenabweisend, warm, winddicht und bequem. Gestern Nacht war ich stundenlang damit Sternschnuppenbestaunen. Man kann damit vom Leonhardstein herunterklettern und direkt auf einer Hochzeit erscheinen und ist immer passend angezogen. Der Schnitt – ich habe dazu extra bei Frauen recherchiert – ist so kurz, dass ein männliches Gesäss, so es wohlgeformt ist, darunter gut zur Geltung kommt. Ich hatte übrigens auch schon mal vier, aber eine hat mir dann ein Bekannter nach einem Abend im Biergarten nicht mehr geben wollen. Die auffälligen Stickereien und Hirschhornknöpfe erlauben es Männern, etwas aus dem Gewohnten zu fallen, ohne dabei gleich geckenhaft zu wirken: So will es das Gesetz der Tradition und den feschen Hintern nimmt man zumindest billigend in Kauf.

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Das ist keinesfalls eine neue Entwicklung, sondern eine Wiederholung der Ereignisse der Biedermeierepoche mit ihren Regeln, Vorschriften und der Besinnung auf das Häusliche. Auch damals war die Mode eher freudlos, aber man entdeckte nicht nur das Landleben, sondern auch die Kleidung der Ureinwohner, und da ging dann schlagartig einiges, was daheim undenkbar gewesen wäre. Man kokettierte mit dem einfachen Leben und seinen verminderten Ansprüchen an Moral. Sitte und Strenge, man gab sich etwas legerer und liess das Brusttuch viel weiter offen, als es für die eigentliche Landbevölkerung schicklich gewesen wäre. Es gibt eine ganze Gemäldegruppe, die Städterinnen in ländlicher Verkleidung zeigt: Das hatte mit inneralpiner Realität nichts zu tun. Aber sehr viel mit den unterdrückten Sehnsüchten, Wünschen und Begierden dieser Epoche nach Natürlichkeit und Lebensfreude.

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Linke Politiker nun erkennen durchaus in unserer Gegenwart den Wunsch, sich der Globalisierung und ihren Zwängen durch eine neue Häuslichkeit und Rückzug ins Private zu entziehen. Zähneknirschend hat man den Erfolg der protestantischen Landlust im Norden akzeptiert, Plakate mit familiären Themen gedruckt und eine gewisse Rückbesinnung auf das Regionale zur Nachhaltigkeit und zu Bio erklärt, damit es in den eigenen Wertekosmos passen mag. Aber es gibt natürlich Grenzen des Krötenschluckens, und die sind erreicht, wenn die Tradition nicht nur im Verborgenen gepflegt, sondern offen, bunt und lebensfroh nach draussen getragen wird. Jedes Jahr findet sich dann eine, die sich einen gewaltigen Schiefer einzieht: Letztes Jahr war es die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, Spezialgebiete Endlager und Elektrosmog, die sich bei Twitter über die CSU-Politikerin Doro Bär und ihr Dirndl im Bundestag beschwerte. Dieses Jahr war es die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi – die selbst im Dirndl hier als Urbayerin durchgehen und sofort zur Bierkönigen vom Reutberg gewählt werden würde – die die Garmischer Einwohner beim G7-Treffen in Elmau als „ein bisschen zu viel Disneyland“ verhöhnte und sich an den ein oder anderen Asterix-Comic erinnert fühlte.

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So kann man das auch sehen, aber wenn wir einmal – nur theoretisch bitte, mir ist bewusst, dass die linksfeministisch-sexistische taz andersdenkende Frauen wörtlich mit „Vorderschinken“ vergleicht – über das Gebot der Toleranz reden wollen, so stellen doch viele mittlerweile fest, dass man andere nicht wegen der Kleidung diskriminieren sollte. Das mag noch irgendwie angehen, wenn die Träger selbst mit der Kleidung fremdeln, und sie ihnen aufgezwungen wird. Aber das ist hier ganz sicher nicht der Fall. Wer sich so in seiner Freizeit oder zum Tanzfest zusammenrichtet, der will das so. Sei es aus Gründen der Tradition wie in Garmisch. Oder eben, und hier kommen wir zurück an den Tegernsee, weil er sich von dieser Kleidung eine gewisse Aura erhofft. Eine gewisse legere Lässigkeit, die sich dennoch der Tradition bewusst ist. „Sprezzatura“ nennt man das im Italienischen, und nördlich der Alpen findet es, wenn man will, eine andere Ausformung. Das heisst noch lang nicht, dass ich Polyesterdirndl oder peinliche Ausschnitte mag. Bei Gelegenheit werde ich das auch intolerant und diskriminierend ausbreiten. Aber bis dahin wundert es mich überhaupt nicht, wenn nicht nur Trachtenvereine auf solche Aussagen wütend reagieren, sondern auch viele Jüngere und Progressive. Da will es sich eine Politikerin ganz einfach machen – und trifft auf eine nicht nur komplexe, sondern auch rauflustige Welt, für die es keine Rolle spielt, wer sich hier als neue Religionspolizei betätigt.

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Ich merke das hier an vielen Kleinigkeiten. An den Preisen für gebrauchte Lederhosen und neuen Dirndlschneidereien. Vor acht Jahren war ich auf der Neureuth regelmässig einer der Jüngsten. Heute ist da ein ganz anderes, viel jüngeres Publikum, Familien, die ihre Kinder schon im ersten Lebensjahr hochtragen. Natürlich fährt bei der Hitze gerade jeder gern an den See, wo es acht Grad kühler als in München ist, aber viele finden hier auch genau das, was ihnen gefällt. Saubere Ufer, ein blaugrüner See, Bier, Bänke – man rutscht da so rein. Man wird mitgenommen, es wird zur Gewohnheit und irgendwann sagt dann mal jemand den verhängnisvollen Satz: „Geh, schlupf da doch mal rein“. So war das auch in Bad Ischl unter dem Kaiser, so war es in Tegernsee unter dem König, und wenn der Herzog jetzt den Jäger zu sich einziehen lässt, ist das eben auch so ein Zeichen einer Veränderung. Es ist viel älter als ein Supermarkt, aber auch gleichzeitig viel moderner. Und dank Frau Fahimi und der grünen Endlagerexpertin ist das auch etwas rebellisch und ein wenig unkorrekt. Des muass koa Schodn ned sei, und auch im Biedermeier konnte man in der Sommerfrische ein wenig über die Stränge schlagen und Lieder von Heine singen. In Berlin trinken sie Tegernseer Hell. So fängt das an, so ist es passiert, so schnell ist die Linke korrumpiert

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Diesmal, das muss man verstehen, ist es etwas anderes als die Landhausmode der Epoche von Kohl und Strauss. Diesmal sind es nicht die Alten, die Verhuzelten und die Ewiggestrigen vom Musikantenstadl. Im fernen Berlin merkt das keiner, aber es gibt da so etwas wie eine „Reclaim your Heimat“-Bewegung. Ich weiss, viele winden sich vor Abscheu beim Gedanken an die Massen, die ein Andreas Gabalier anzieht, fordern einen Boykott von FreiWild und die Abschaltung volkstümlicher Musik im TV– da ist aber immer noch genug Hubert von Goisern und La Brass Banda für alle. Da gehen Menschen freiwillig hin und finden das gut. Sie spielen Kocherlbälle nach, und nehmen sich die Freiheiten und die Romantik, ohne die Zwänge und Moral zu akzeptieren, von wem auch immer sie verkündet werden. Für all diejenigen, die jetzt schon mit dem Neobiedermeier nicht umgehen können, ist es eine zusätzliche und schwer verdauliche Herausforderung, auch noch fröhlich sein zu müssen und Berge anzuschauen.

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Aber: Man gewöhnt sich dran. Heutzutage endet das nicht mehr im Endlager des Beichtstuhls oder bei den Gebirgsschützen, sondern da, wo man tun kann, was man will, wo einen keiner blöd anschaut und wo man noch eine Halbe nehmen kann. Das ist alles nicht mehr so leicht, mit diesen globalisierten Ansprüchen, von der letzten verbliebenen Freiheit, der Lactosefreiheit nämlich, bis zum lückenlosen Lebenslauf, aber hier ist es ja Tradition und gleich beim Herzog und deutsche Wertarbeit und Bio und regional und da kann doch kein Kettenhund der Anforderungshöllen etwas dagegen haben.

13. Aug. 2015
von Don Alphonso
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11. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Schockierende Bilder aus Seehofers Abschiebelager

Über die Donau zieht man nicht
Alte Familienweisheit

Das Donaumoss bei Ingolstadt war lange Zeit ein unbewohnbarer Sumpf. Ende des 18. Jahrhunderts entsorgte Bayern hier seine Armen, seine Randgruppen und seine kriminellen Elemente: In neu gegründeten Orten mussten sie Gräben ziehen, Bäume roden und versuchen, dem Boden etwas abzugewinnen. Das Donaumoos wurde das Armenhaus Bayerns, eine Region der Verdammten, Abgeschobenen und Unerwünschten, die hier hungerten und erkrankten. Und trotz dieser unseligen Tradition soll hier erneut weggebracht, ausgegrenzt und entrechtet werden: Zwar sterben die Menschen nicht mehr an Malaria, aber hinter Zäunen, Tafeln mit Schiessandrohung und Stacheldraht entsteht das erste Zentrum für Flüchtlinge aus dem Balkan, das Horst Seehofer angekündigt hat. Sammellager, Schnellverfahren, Schnellabschiebung. Wir waren vor Ort und können es mit schockierenden Bildern belegen. Hat Seehofer nicht aus der unseligen Geschichte des Ortes gelernt?

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So könnte man einen Beitrag über die Max-Immelmann-Kaserne in Oberstimm beginnen. Dafür würde einen kein Presserat verurteilen, und in Zeiten wie diesen ohnehin nicht, da die Republik dank Lageso in Berlin und Zeltstadt in Dresden vor Augen geführt bekommt, wie menschenverachtend das Asylsystem in Deutschland erscheinen kann. Und natürlich stimmt es: Das Donaumoos wurde unter heute unvorstellbaren Menschenrechtsverletzungen dem Sumpf abgetrotzt. Bayern war damals alles andere als zimperlich bei der Kolonialisierung. Die Donaumoosbauern hatten deshalb bis ins späte letzte Jahrhundert einen schlechten Ruf als Zuchthäusler. Die Geschichte des Donaumooses ist nicht schön, selbst wenn Oberstimm – der Ort, um den es hier geht – geographisch nur am Rande des Donaumooses liegt und sehr viel älter ist. Das eigentliche Donaumoos liegt etwas weiter östlich, also dort drüben.

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Und fairerweise muss man auch sagen, dass diese Region heute schon lang kein soziales Katastrophengebiet mehr ist – der Link geht zum ersten Teil der Serie. Sicher, die alten Häuser sind klein und niedrig, aber der Boom der Region hat den Süden der Donau voll erfasst. „Südlich der Donau wohnt man nicht“, sagte man früher in meiner Heimatstadt. Heute sind die Grundstückspreise südlich der Donau genauso hoch wie im Norden, und die Zeiten, da man hier eine Kaserne hätte kostengünstig bauen können, sind lang vorbei. Naturschützer hätten gern wieder mehr Moosflächen wegen der Artenvielfalt. Mittelständler haben Schilder an der Bundesstrasse, auf denen steht, wen sie einstellen. Die finstere Geschichte des Donaumooses ist Gegenstand musealer Rezeption und keinesfalls die Gegenwart. Es ist also ein wenig schräg und historisch nicht wirklich passend, eine Traditionslinie vom späten Feudalismus bis in unsere Zeit zu ziehen. Trotzdem gibt es diese Bilder an der Kaserne von Oberstimm – ich war dort und habe sie selbst gemacht.

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Es ist eben eine Kaserne. Ein Relikt des Kalten Kriegs, als in meiner Heimatstadt die Raffinerien konzentriert wurden, die Pipelines Öl heranpumpten und in Manching ein grosser Luftwaffenstützpunkt lag. In Oberstimm sass die Raketen-Flugabweht, die auf mehrere hundert Kilometer jene Bomberschwärme der roten Armee hätte abfangen sollen, die dann nie kamen Ebenso wenig wie die Atombomben, gegen die die hier stationierten Raketen wirkungslos gewesen wären. Die Kaserne wurde erst vor Kurzem stillgelegt und die Einheit verschoben. Oft hört man Klagen wegen solcher Schliessungen; bei uns dagegen wird das einfach so hingenommen: Es gibt ohnehin zu wenige Arbeitnehmer. Und Grund für neue Gewerbeflächen und Wohnsiedlungen kann man immer brauchen. Weil der Standort aber gerade erst aufgegeben wurde, wird er über viele Kilometer von hohen Zäunen und Stacheldraht umzogen. Wie man sich eben so ein Lager vorstellt. Tafeln drohen bei der Benutzung einer Kamera furchtbare Strafen an.Hohe Tore und Wachhäuser versperren den Zugang. Es ist der Traum jedes Journalisten, der dem Publikum die unfassbare Herzlosigkeit des CSU-Regimes in Bayern vorstellen will.

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Kommt er nicht von hier, weiss er auch nicht, dass Oberstimm früher der Traum der Kriegsdienstleistenden war. In dieser Stadt hatte man neben dem Verweigern und der Untauglichkeit drei Möglichkeiten. Wer ganz viel Pech hatte, endete direkt am Russen in der Oberpfalz. Dort sollte der Russe entweder über die Donau oder über die Fulda Gap kommen, und wer dort lag, hätte ihn aufhalten und ein Stachel in seinem Fleisch sein müssen, bis in Westdeutschland die Verteidigung stand. In der Oberpfalz war das Kanonenfutter, die Gegend hat wenig Freizeitangebote, und die Kasernen sollen albtraumhaft gewesen sein. Dann gab es noch die Pionierkaserne meiner Heimatstadt, und das inoffizielle Motto lautete: „Nicht Mensch, nicht Tier, nur Pionier.“ Das war eher was für die robusten Zeitgenossen und hatte den Ruf eines Hauptschülerbiotops. Dort wurde übel geraucht und getrunken. Die besseren Eltern der Kriegsdienstleistenden jedoch zogen auf Altötting und zündeten Kerzen an, wenn der Nachwuchs nach Manching kam: Keine gefährliche Pontonbrückenbauerei auf der Donau, keine Exzesse unter unzivilisierten Oberpfälzern, der modernen Version der Donaumoosbauern, sondern heimatnahe Unterbringung in schönen Kasernen, gute Anbindung und Infrastruktur, technisches Spielzeug und ein Schiessplatz im Urlaubsparadies Kreta. Als es nun von Seiten des Flüchtlingsrates hiess, Bayern plane da ein abschreckendes Abschiebelager, konnten sich die Menschen vor Ort nur wundern.

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Es gibt gleich daneben Einkaufsmöglichkeiten und einige Seen.

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Es gibt eine gute Anbindung an die Stadt, sofern man nicht radelt – es ist  nicht weit, ich bin da auch mit dem Rad unterwegs. Zwanzig Minuten vielleicht.

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Ausserdem ist der Zaun längst nicht mehr mit Stacheldraht bewehrt. Den hat man entfernt, und jetzt ist es die Wäscheleine.

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Wegen der Flüchtlinge, die jetzt schon dort seit November des letzten Jahres untergebracht sind. Dieses bundesweit durch die Medien geisternde, bayerische Abschreckungslager für Migranten aus dem Balkan: Es war bislang eher so etwas wie die erste Wahl zur Unterbringung von Flüchtlingen. Dort leben jene, die nicht, wie jetzt bald in der Stadt, aber auch in München und vielen anderen, auch rotgrün regierten Orten, in Zelten wohnen müssen. Das ist, gemessen an der Gesamtlage, wirklich gut. Wie gesagt, da waren auch die besseren Söhne der Stadt viele Monate kaserniert.

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Man kann die Geschichte dieses Lagers also so oder so erzählen. Das bildgewaltige Entsetzen, das leicht zu komponieren ist, das Unheilschwangere einer aufgelassenen Kaserne, der Stacheldraht, die leicht vermoderten Schilder, das alles lässt sich zu einer packenden Galerie verarbeiten, die dem Bildungsbürger vom Elbvorort bis nach Grünwald das ganze Grausen der Seehoferschen Radikalpolitik vor Augen führt. Möglicherweise ist das der bayerischen Landesregierung sogar ganz recht so, und sie belässt es bei einem halbherzigen Dementi: Ist es doch genau die Botschaft, die auf dem Balkan ankommen soll. Es kommt nur auf den Bildausschnitt an. Man kann Flüchtlinge hinter dem langen Zaun zeigen.

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Und ohne die Wasserpfeife, mit der sie dort im Schatten sitzen. Was fraglos legitim ist, die Wasserpfeife und das, was man sich hier gern imaginieren möchte. Die Kaserne ist eine tolle Projektionsfläche, und je weniger man weiss, desto besser geht es. Trotzdem sollte die an grossen Geschichten interessierte Presse bald kommen: Dem Vernehmen nach droht hier nämlich weiterer Abbau von bildnerisch wertvollem Stacheldraht, und nicht auszuschliessen ist, dass auch das ein oder andere jetzt noch abweisende Tor des kalten Krieges dann mit einem einfachen, leicht zu öffnenden Schiebegitter zum Lager ersetzt wird, so wie bislang auch schon. Und dahinter schon wieder Basketballkörbe und Fussballtore aufgestellt werden, was natürlich nicht ins Konzept passt.

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Denn, seien wir ehrlich, die dort geplante, schnelle Bearbeitung von Asylanträgen ist nun nicht wirklich nicht mehr die grosse Geschichte, nachdem inzwischen sogar jemand in der Münchner SPD sagt, nicht jeder sei willkommen. Auf dem ansonsten idyllischen und von Flüchtlingen viel beradelten Weg zur Stadt, wenn ich das noch schnell anfügen darf, findet man auch im Gebüsch neben dieser Strasse an einigen Stellen viel Müll, der als weiteres Zeugnis für die Unbarmherzigkeit des Regimes herhalten kann. Man sollte schnell kommen und Bilder machen, bevor auch dort mit der gewohnten bayerischen Gründlichkeit aufgeräumt wird. Die Neubauviertel von Manching, Oberstimm und des Gewerbeparks gleich daneben eignen sich weniger gut für die Beschreibung all der Bedrängnisse im abgelegenen Sumpfgebiet, die in dieser Debatte stets hohe Klickzahlen garantierten.

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Erlauben Sie mir vielleicht noch eine persönliche Anmerkung: Sie merken vielleicht, dass ich schwanke. Auch ich hätte gern einfache Antworten. Es gibt einfache Antworten, sei es „Refugees welcome“ und „Wir brauchen sie wegen der Demographie“, sei es „Das Boot ist voll“ oder „Die Belastungen sind viel zu hoch“. Hat man so eine Antwort, wird alles, was man tut, automatisch richtig. Reinheit. Erlösung von allen Sünden. Keine Zweifel mehr. In Wirklichkeit geht es nur darum, welcher Art die unvermeidlichen Sünden und Ungerechtigkeiten sind, die wir in dieser Frage begehen werden, wie viele Fehler wir machen, und wie wir damit umgehen.

11. Aug. 2015
von Don Alphonso
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09. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Flaschensammeln als neuer Generationenvertrag der Modernisierungsgewinner

Vorwärts immer, rückwärts nimmer
Erich Honecker

Diskriminieren will gelernt sein. Bei uns daheim zum Beispiel diskriminierte man früher, indem man sagte, jemand käme aus der Schleifmühl. Die Schleifmühl ist jener Teil der Stadt, der unterhalb des Donauhochufers liegt und mit der Schutter einen Bach besass, der die besagte Schleifmühle antrieb. Donau und Schutter traten immer wieder über die Ufer, weshalb dann die Schleifmühlbewohner schwimmen mussten, während die feinen Herrschaften – vulgo meine Familie – weiter oben trockenen Fusses blieben. Immerhin war das Viertel danach einmal ordentlich desinfiziert. Heute sind die kleinen Handwerkerhäuser dort unten teuer und begehrt, und den schlechten Ruf der Schleifmühl kennen nur noch die Alten. Auch andere Worte versteht man kaum mehr; Barackler nennt man die Bewohner, die östlich der Stadt lebten, weil dort tatsächlich einmal Baracken standen. Heute sind dort bundesweit beachtete Beispiele für soziales Wohnen. Südlich der Donau lebten nur Donaumoosbauern – heute durch die Baugrundstücke schwerreiche Latifundienbesitzer. Es ist gar nicht so leicht, Leute in einer Region zu diskriminieren, in der es aufwärts geht. Auch der böhmische Flüchtling gilt heute als weiterer Stamm des Bayerntums und ist längst genetisch eingesippt. Ich habe das Diskriminieren von der Pike auf gelernt, aber es die goldenen Zeiten des Ausgrenzens sind vorbei, selbst im Donaumoos.

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Natürlich halte ich andere auch weiterhin für Gschwerrl und Grattler und bin deshalb auch stets begeistert, wenn kundige Schwoikepf aus Fakültät und Wissenschaft neue Kategorien der Ablehnung mit der nötigen Verachtung einführen. Gerade jetzt hat in den Medien ein Wort Konjunktur, das auf den erste Blick durchaus geeignet scheint, Verbaldejurien wie „Watschngsicht“ und „greisliche Schäwahn“ so zu ergänzen, dass es auch den gebildeten Ständen fern der schönen, blauen Donau und der sumpfigen Schutter behagen mag. Das Wort lautet

Modernisierungsverlierer.

Man findet es zu allen Anlässen, da sich Leute auf den Weg in eine bessere Zukunft machen. Sie stossen dabei auf Kritik, Unverständnis und Ablehnung, ja die anderen erdreisten sich sogar, das Alleinseligmachende des Kommenden anzuzweifeln und auf ihrem demokratischen Recht bestehen, auch ein Wort mitzureden. Ohne dass sie überhaupt verstehen, wie toll die Modernisierung ist. Sie haben Angst, dadurch etwas zu verlieren: Ihre alten Gewissheiten, die nur Vorurteile sind, ihre überkommenen, barbarischen Bräuche, die keinesfalls eine Tradition darstellen, ihre Denkfaulheit, ihr Unwissen und damit – denn wer braucht in der Zukunft solche begrenzten Leute – auch Sicherheit, Vermögen und Bindungen. Das Wort „Modernisierungsverlierer“ macht also den Aussprechenden nicht nur modern und zukunftstauglich, es enthält auch eine Unterjochung des Betroffenen. Und eine Drohung.

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So weit, so phantastisch, aber ich kann natürlich auch erzählen, dass ich tatsächlich solche Schicksale aus erster Hand kenne. Anfang der 90er Jahre gab es noch ABM-Massnahmen in Bayern, und in der Folge bekamen wir akademischen Jungarchäologen es mit Grabungshelfern zu tun, die auf die eine oder andere Art aus dem geregelten Berufsleben gefallen waren. Oft spielte Alkohol eine Rolle, weil manche weinerlichen Firmen ihre Leute nach 7 Halben nicht mehr für trittsicher auf dem Gerüst hielten. Manchmal waren es auch die Veränderung der Landwirtschaft, die weniger Leute brauchte und ältere Beschäftigte aussonderte. Es waren Menschen dabei, die etwas schräge Ansichten hatten, ein harter Kiffer und einige, die noch ein paar Jahre bis zur Verrentung hatten und sie hier überbrückten. Die Grabung lag im Landkreis Eichstätt. Alle hatten ein Auto und eine Immobilie. Reich war keiner, aber selbst der Kiffer hatte seine Finanzen unter Kontrolle und besserte sie durch bemalte Eier auch ordentlich auf. Es waren fraglos Modernisierungsverlierer, aber lustig war es trotzdem und manchmal gab es im Bauwagen Quetschnmusik. Die Leitkultur war eher traditionell, aber es waren schon auch nette Leute. Da kann man nichts sagen.

Gesagt hätten sie aber durchaus etwas, wenn man ihnen mit jener modernen Zukunft gekommen wäre, die heute den Stempel des Modernisierungsverlierers grosszügig verteilt. Der Verlierer soll Angst haben vor dem bedingungslosen Grundeinkommen, das wir brauchen, weil Vollbeschäftigung eine Illusion ist – besonders bei den Kulturschaffenden in Berlin, nur nicht da, wo ich wohne, denn dort gibt es wieder diese illusorische Vollbeschäftigung. Er soll Angst haben vor den starken Frauen, die sich aufmachen, die Welt feministisch umzugestalten. Er soll Angst vor Diversity im Beruf haben, weil er dann mit seinen Vorurteilen isoliert zurückbleibt. Er soll die Sexualkunde in Baden-Württemberg fürchten, den Veggie Day und natürlich den Flüchtling aus Afrika, der unseren Fachkräftemangel und das Geburtendesaster behebt. Er hat Angst um seine verbliebene Rolle im untergehenden Patriarchat und schlägt dann wütend um sich, sei er als Neonazi tituliert, als Sexist, als Klassist oder als Professor für Biologie. Es ist ein Wort, und es ist so allgemein, dass es für alles passt.

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Ich habe damit zwei Probleme: Zum einen mochte ich meine echten Modernisierungsverlierer. Das waren eigentlich samt und sonders Leute, die sich auf der Grabung bei Wind und Wetter wirklich Mühe gaben. Es war eine Notgrabung, und als einmal ein Stück am Montag vom Bagger abgeräumt werden sollten, standen sie alle am Samstag da und blieben, bis in der Nacht zum Montag alles abgearbeitet war. Danach gab es Quetschnmusik und Blechkuchen und Spezi im Bauwagen. Natürlich kann man auch grundlos Leute diskriminieren, das ist keine Frage; allein, diese Menschen wurden gegen ihre Willen in einen Kampf gegen die Modernisierung geworfen, haben verloren, das Beste daraus gemacht und geschaut, wie es weiter geht – der harte Kiffer hat später sogar ein Grabungsunternehmen gegründet, hat jetzt eine Gartengestaltungsfirma und ist Nichtraucher.

Das andere ist der ausgesprochen tückische Charakter speziell dieser Ladung, die der Beleidigende und Diskriminierende anderen draufbrennen will. Sehen Sie, wenn ich Grattler sage, ist das nicht nett, aber die ganze Stadt weiss, dass ich dergleichen nicht bin. Ich habe, das gebe ich ehrlich zu, nichts zu meinem sozialen Vorsprung getan: Ich verdanke das meinen besser gestellten Vorfahren, und so eine Beleidigung lebt ja auch ein wenig von der triefenden Arroganz und Dreistigkeit. Modernisierungsverlierer jedoch ist brandgefährlich: Wer das Wort verwendet, sagt auch, dass er weiss, wo es lang geht. Und dass er nicht zu diesen Verlierern zu gehören gedenkt. Sondern zu den Gewinnern. Ich missbrauche mit „Schleifmühl“ mit gutem Gewissen die Geschichte, aber all die Kollegen der Medienschleifmühlen, die dieses fragliche Wort sagen: Sie müssen erst den Beweis antreten, dass ihre Moderne nicht nur kommt und besser ist, sondern auch sie selbst zu Gewinnern macht. Eine von denen, die das seit etlichen Jahren betreibt, sucht gerade den Klagen zufolge vergeblich eine Wohnung.

Im Billigslum Berlin.

Mit einem einzigen Zimmer.

Zur Miete.

Nicht als Dritt- oder Hauptwohnsitz, sondern wirklich als einzige Wohnung. Sonst hat sie keine Bleibe. Nichts.

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Und das ist beileibe kein Einzelschicksal. Ich sehe bei Instagram das Wohnungselend, in dem die Gewinnerinnen vegetieren, und während ich selbstverständlich meine eigenen Gemälde ablichte, suchen die für ihre Beiträge Bilder von erträglichen, ihnen finanziell weltenfernen Wohnumfeldern bei Agenturen aus. Sie fahren nach Berlin, um sich Mietwohnungen – 2 Zimmer für 2 Leute – selbst anzuschauen, statt einen Makler zu beauftragen, ihnen die passenden Villen vorzustellen. Pseudowissenschaften wie Gender und Handauflegen können nicht wirklich profitabel sein. Ich lese, dass sie noch 40 Euro auf dem Konto haben und noch eine Fahrkarte für 40 Euro kaufen müssen – 7 Tage vor Monatsende. Sie machen Lesungen über Zwangsräumungen. Sie betrachten die Pfandflaschen als eiserne Reserve. Sie schreiben entwürdigende Bettelanträge bei Staat und Stiftungen. Eigentlich würde ich von Modernisierungsgewinnern erwarten, dass sie wie unsereins dem Staat etwas anschaffen und sich so bereichern können, dass sie am Ende eine Stiftung für ihr Erbe brauchen. Ich weiss, wie Modernisierungsverlierer in ABM-Massnahmen aussehen und verstehe einfach nicht, wieso dann Modernisierungsgewinner genau so aussehen. Abzüglich Auto, vollem Tank und damals noch sicherer Rente, wo heute angesichts von Flaschensammeln als neuem Generationenvertrag die sichere Altersarmut kommt. Früher waren die Verlierer immerhin noch Rollermechaniker, Eierbemaler, Gärtner und Freizeitmaurer – die Gewinner sind Autor, Kolumnistin, Kurator, Blogredakteurin, Social Media Berater und auch sonst vom Leben krass überfordert.

Ich bin beim Beleidigen wie alle in meiner Sippe nicht sonderlich wählerisch und Hauptsache, es sitzt. Aber der Modernisierungsverlierer sitzt nicht, er ist ein Rohrkrepierer, wenn man selbst nichts an neuen Siegen und Erfolgen vorzuweisen hat. Solange wir noch in einer Oligarchie leben und ich selbst entscheide, wer von denen bei mir das Bad putzen dürfte auch üppige Vorschüsse die beleidigende Aktivistin nicht vom Zwang befreien, bald wieder ihre alten Billigklamotten auf dem Kleiderkreisel zu offerieren, bleibe ich also lieber bei bewährten Schimpfworten, die nicht Fragen nach dem eigenen Versagen aufwerfen. Denn man sieht immer wieder, wie schnell man mit so einer Haltung in den Medien vorgeführt wird.

09. Aug. 2015
von Don Alphonso
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06. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Es gibt kein Grundrecht auf Willkommenskultur

Der einzige weisse Mann, dem man trauen kann, ist ein toter weisser Mann
Robert Mugabe

Es gibt den Mietvertrag. Und es gibt mündliche Absprachen. Nachtruhe ist ein von allen dehnbar ausgelegter Begriff. Im Mietvertrag steht bei den kleinen Wohnungen auch, dass sie nur für eine Person vorgesehen sind. Seit fünf Jahren sage ich aber gleich bei der Unterzeichnung dazu, dass ich kein Problem habe, wenn etwa ein Partner mal für ein paar Monate einziehen würde. Noch jeder Mieter fand das abseitig, denn man lebt doch gerne allein. Allerdings war jeder Mieter später froh um die Regelung, denn meine Heimatstadt ist übervoll. Und da kann es oft passieren, dass ein Unter-Unter-Mietverhältnis in einer WG platzt und jemand unvermittelt auf der Strasse steht. Es sind WGs, die für ein Zimmer mit zehn Quadratmetern dreihundert Euro nehmen. Weit ausserhalb des Stadtzentrums. Und es passiert den Studenten in dieser völlig überfüllten Stadt so oft, dass die letzten sechs Mieter allesamt ihren Partnern diese Option zumindest übergangsweise für ein paar Monate anbieten mussten.

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Das hier ist das industrielle Herz des Landes. Meiner Heimatstadt geht es famos in allen Belangen, es herrscht Übervollbeschäftigung, und das schlägt sich auch im Lohnniveau nieder, und bei den Mieten – sofern man nicht gleich kauft. Der Wohnungsmarkt ist nur so entsetzlich wie München vor fünf Jahren, und auch wirklich schreckliche, heruntergekommene Altstadthäuser, deren Restaurierung vor der Finanzkrise noch unrentabel gewesen wäre, sind jetzt begehrte Objekte. Man kann jede Dachkammer vermieten; das einzige Problem ist die Abwehr des Ansturms derer, die nicht zum Zuge kommen. Es gibt windige Geschäftemacher, Betrüger und mit Osteuropäern überfüllte Gehöfte 20 Kilometer ausserhalb. Die Stadt ist eine bundesweit beachtete Erfolgsgeschichte. Nur an Wohnungen mangelt es. Gewaltig. Woanders sind Studenten eine hochwillkommene Auffrischung, bei uns dagegen sind sie entweder Melkkühe oder eben schnell mal auf der Strasse, wenn eine WG zugunsten eines potenten Käufers aufgelöst wird.

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Der Erfolg schlägt auch auf die Steuereinnahmen durch. Bayern ist das Land mit den höchsten Steuereinnahmen in Deutschland. Und hier nun kommt der sogenannte „Königsteiner Schlüssel“ ins Spiel, der eigentlich zur Forschungsfinanzierung und deren Verteilung auf die Bundesländer erfunden wurde. Der Schlüssel setzt sich zu einem Drittel aus der Bevölkerungszahl zusammen, und zu zwei Dritteln aus den Steuereinnahmen. Wirtschaftsstarke Länder müssen überproportional viel beitragen. Oder momentan überproportional viele Flüchtlinge aufnehmen. Es ist der Königsteiner Schlüssel, der besonders viele Flüchtlinge bei uns auf eine Stadt treffen lässt, die schon für ihre eigenen Bürger kaum mehr genug Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Selbst ich beschränke mich allein auf eine Wohnung, in der man eine vierköpfige Familie nur beengt unterbringen könnte, eine kleine Gästewohnung, einen Abstellraum, zwei Speichergeschosse und eine Dachterrasse mit nur 20m².

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Mit Blick auf den Stadtpark. Bevor die Stadt ein industrielles Zentrum wurde, war sie eine Festungsstadt, in der das Königreich Bayern sein Vermögen versenkte – vergleichsweise sinnlos, solange man nicht als monopolartiger Lieferant für die Versorgung der Bauarbeiter davon profitierte, wie es meine Familie erfolgreich tat. Der Festungsgürtel wurde natürlich nie beschossen, und heute ist er ein die Altstadt umgebender Park. Durch diesen Park verlief früher, als ich noch im Westviertel am See wohnte, mein Schulweg, und wäre dort nicht ein Parkplatz am Hallenbad, wäre es sicher eine der schönsten Wohnlagen der Stadt. Ins Zentrum geht man von hier aus zwei Minuten. Zwei Minuten sind es auch zum grossen Freibad, zum schönsten Kinderspielplatz, und wer noch eine Minute weiter geht, kommt zu einem der schönsten Biergärten der Stadt. Mit dem Rad sind es genau sieben Minuten zum See, entlang des schönsten Wohnviertels der Stadt. Und zwischen den beiden besten Wohnlagen der Stadt, der Altstadt und dem Westviertel, greift die Stadt nun zum letzten ihr auf die Schnelle bleibenden Mittel, um die Folgen des Königsteiner Schlüssels zu bewältigen. Die Stadt, die ihre letzten Wohnungsreserven an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge bereits im Frühjahr aktiviert hat, errichtet ein Lager.

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Weil es der bestmögliche Kompromiss ist. Es ist mitten in der Stadt, Sanitäranlagen sind im städtischen Hallenbad vorhanden, der Parkplatz gehört der Stadt selbst, und die Anlage verspricht, in Sachen Versorgung und Funktion effektiv und flexibel zu sein. Dafür muss keine Polizei die Aufbauarbeiten begleiten, es gibt keine besorgten Bürger, nur ein paar Interessierte bleiben stehen und stellen Fragen. Wie das mit dem Essen geht – hinten steht schon der Lieferwagen eines grossen und bekannten Cateringunternehmens, das mobile Küchen installiert. Ob etwas gebraucht wird – Tafeln, Kleidersammlungen, Kirchen und Vereine sind schon gut eingespielt. Was für Materialien hier verwendet werden – Aluhallen, wie man sie auch für Messen oder Betriebsfeiern verwendet. Beheizbar, hell, mit Glastüren und Fluchtwegen. Die Fluchtwege sind wichtig, oft scheitern mögliche Unterkünfte in Bayern an ihnen, weil die Gesetze hier kaum Spielräume lassen. Die Fragen sind nicht bösartig, und niemand will wissen, wann das wieder abgebaut wird. Man schaut es sich eben an, wie man neue Projekte der Stadt begutachtet. Wer hier wohnt, der weiss, wieviel Kritik es an der Sparkasse – „Maginotlinie“ und am Studentenheim – „Westwall“ – gegeben hat. Hier wird nun der Parkplatz verkleinert, es werden Gitter aufgestellt und Verkleidungen gespannt, die die Privatsphäre der Bewohner verbessern sollen. Keiner, der vorbei schaut, beklagt sich. Niemand hat hier Unmut, dem er Luft macht. Es ist halt so. Das ist der Königsteiner Schlüssel. Und die beste Lösung. Es ist um Welten besser als die Camps in Nordafrika, besser als Lampedusa, die Lager in Sizilien, die illegalen Verstecke rund um Mailand und Verona, das überfüllte Lager in Traiskirchen, und besser als Freital und Berlin, wo man die Leute mit wertlosen Hotelgutscheinen weiterschickt. Es ist nicht nur der beste Kompromiss dieser Stadt, es ist einer der besten Kompromisse zwischen Tripolis und dem Eurotunnel.

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Nicht jeder denkt so. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg etwa, ein Grüner, hat vorgeschlagen, die Flüchtlinge doch besser dort unterzubringen, wo viel Leerstand bei guter und moderner Infrastruktur ist: Im Osten Deutschlands. Dort, wo wegen des Königsteiner Schlüssels besonders wenige Flüchtlinge sind. Leider ist dort – wie auch in Berlin, wo jene Grünen Politik machen, die eine Willkommenskultur fordern – die Wahrscheinlichkeit einer Gewalttat gegen Flüchtlinge um ein mehrfaches höher als im Westen, und die Art, mit der die dortigen Ministerpräsidenten auf die strikte Einhaltung des Schlüssels und ihre geringere Belastung pochen, sagt einiges über die regionalen Unterschiede in diesem Land. Und darüber, wie viel Angst sie im Osten in der Frage vor Teilen der eigenen Bevölkerung haben. Sauber werden bei uns die Handtücher und Schlafdecken auf den Stockbetten ausgelegt, aus dem Cateringzelt ertönt das Klappern der Biertische und Bänke, darüber erheben sich alte Bäume, und das Wasser im Graben zieht träge dahin: Kein Schild sagt „Refugees Welcome“. Keines sagt „Ausländer raus“. 79.000 Menschen stellten im Juli einen Asylantrag, die müssen unterkommen, und die Stadt erfüllt den Beitrag, zu dem sie verpflichtet ist. Es gibt ein Grundrecht auf Asyl, es gibt den Königsteiner Schlüssel, und die Hoffnung, dass sich die Situation bis zur kalten Jahreszeit wieder deutlich entspannt. Es ist eine Notlösung, aber immerhin, es ist eine Lösung, und es sieht nicht so aus, als würde deshalb jemand Brandbriefe schreiben, wie in Berlin.

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Eine ausgeprägte, freudig erregte Willkommenskultur ist das natürlich nicht mehr, sollte denn jemand in Berlin zwischen Bundestag und veganem Restaurant so etwas einfordern. Es ist ein Krankenwagen und ein Stand der Johanniter, es ist Security mit Westen, es sind medizinische Checks, Einweisungen und Essen aus der Grossküche. Nicht nur der Schlüssel zwingt die Stadt zu einem bestimmten Verhalten, auch der Kostenrahmen, den sie bei der Versorgung einhalten muss. Sicher, die Stadt ist reich, aber die rechtlichen Spielräume, die ihr gelassen werden, sind eng. Daran arbeitet die kommunale Verwaltung, auch wenn man deshalb vieles andere vernachlässigen, zurückstellen und verschieben muss. Derweilen gibt es in Berlin Künstler, die ihre Anhänger auffordern, auf eigene Initiative Menschen nach Deutschland zu schmuggeln, dafür einen Film gedreht haben, und für diesen Film und das Catering die Rechnung mit crowdfunden lassen. Die eine Willkomenskultur fordernde „taz“ findet das gut, der Königsteiner Schlüssel verlagert dann die Folgekosten auf das flache Land. Es gibt welche, die ziehen los und buddeln Scheingräber aus Protest, und wieder andere veranstalten bedrohliche Aufmärsche. Das alles findet hier bei uns nicht statt. Hier baut die Stadt die beste aller möglichen Lösungen. Still, effektiv, nach den gesetzlichen Vorgaben. Das ist etwas anderes als Berlin, wo so viele die Willkomenskultur fordern und die Rechnungen nicht zahlen. Die Forderung nach Toleranz und Hilfsbereitschaft in den grünen und linken Millieus ist kostenlos, und was Passau mit den Jugendlichen macht, ist nicht das Problem der Leute, die „Refugees welcome“ bei Twitter verbreiten.

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An diesem Tag sinkt, 22 Meilen vor der libyschen Küste, ein Kutter mit mehreren hundert Menschen an Bord, weil die Schleuser dort einen Notruf abgesetzt haben, und die Flüchtlinge bei der europäischen Rettungsaktion das Boot zum Kentern brachten. In Berlin behaupten Künstler, schuld wäre das mörderische Grenzsystem der EU, die Frontex und der Westen, der das Leben in den Staaten der Opfer durch Neoliberalismus und Ausbeutung unmöglich macht – auf Klapprechnern, an deren Kupferbestandteilen möglicherweise auch afrikanisches Blut klebt. Am Rathaus ist jeden Mittwoch Abend Tango, und die Leute tanzen auf dem Platz. Es gibt dort freies WLAN, und so treffen sich auch die Flüchtlinge der Stadt, um ihren Bedürfnissen nach Kommunikation mit der Heimat nachzugehen. Ein Mann macht mit seinem iPad ein Photo von einem blitzblanken, einfahrenden und überhaupt nicht überfüllten Bus. Niemand beschwert sich, dass ein Flüchtling so ein Gerät hat.

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Irgendwo in Afrika, vielleicht in friedlichen Ländern wie Senegal oder in Krisenstaaten wie Eritrea, wird das Bild des weiten, sauberen Platzes mit dem blitzblanken Bus auftauchen. Es erzählt eine andere Geschichte der Migration als jene, die ich heute und in den kommenden Tagen erzählen werde, den ganzen Weg entlang der Fluchtroute und der Lager und der kippenden Stimmung, an die offene Grenze des Landes und darüber hinaus, wo die Forderungen nach Willkommenskultur enden und die FPÖ und die Lega Nord wegen genau dieser Frage vermutlich die Macht übernehmen werden. An dieser Stelle könnte ich jetzt das Wort „rassistisch“ schreiben und mich empört von der FPÖ absetzen – das Problem bei so einer Empörung ist nur, dass sie auch nichts mehr ändert, egal wie oft Medien diesen Trick mit Hilfe von ins Berlin angeheuerten Gelegenheitsaktivisten versuchen. Das Bild auf dem iPad jedoch erzählt von einer immens reichen Gesellschaft, die am Abend auf dem Platz Tango tanzt, immer Strom hat, jedes Schlagloch sofort füllt und es auch schafft, rechtzeitig ihre Aluhallen aufzustellen und die Ankommenden zu versorgen, so wie es das Gesetz verlangt, die Verfassung gebietet und der Königssteiner Schlüssel und der menschliche Anstand diktieren. Es ist der Normalzustand in der westdeutschen Provinz. Man tut, was man tun muss. In Rosenheim wurden währenddessen 147 Flüchtlinge in einem einzigen Zug gefunden. Damit wäre so eine Notlösung schon wieder voll. Und die nächste muss her. Darauf gibt es ein Grundrecht.

06. Aug. 2015
von Don Alphonso
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03. Aug. 2015
von Don Alphonso
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Das Museum für gnadenlose soziale Unterschiede

Weisst du, auf dieser Welt gibt es zwei Sorten Menschen, mein Freund: Solche mit geladenen Waffen und solche, die graben. Du gräbst.
Der Blonde aus „Zwei glorreiche Halunken“

Franz hat ein Problem mit Sissi, und Sissi findet es nicht lustig, dass Franz sie im Palast anschreit. Unflätig, sehr unflätig, denn Sissi hat ihn angerempelt und da ist Franz das Handy aus der Hand gerutscht, und auf den Marmorfussboden gefallen. Da interessiert sich Franz natürlich nicht mehr für die architektonische Schönheit von Schloss Schönbrunn, sondern nur noch dafür, Sissi als ein mangelintelligentes Borstenvieh zu bezeichnen. Sissi will das aber nicht sein und so drängelt sich das plumpe Mädchen durch viele andere Fränze mit k.u.k.-Uniformen und viele andere Sissis mit Sissi-Traumhochzeitskleidern zur Lehrerin und petzt ihr, was der Franz über sie gesagt hat. Ich bin kein besonders ausgeprägter Kinderfreund, aber selten fand ich sie so störend wie in Form jener österreichischen Schulklasse, die da in Franz-Uniformen und Sissi-Ballkleidern stupide, grölend und dumm durch die Hallen von Schönbrunn marodierte.

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Das hier ist der Blick hinüber nach San Gimignano an der Strasse von Siena nach Volterra in der Toskana, und sollten Sie gerade in den anständigen Bundesländern wie Bayern leben, in denen die Schulferien jetzt erst beginnen, und darüber nachdenken, Volterra mit Ihren Kindern zu besuchen – tun Sie es nicht. Fahren Sie lieber nach San Gimignano, da können Ihre Kinder Amerikaner und Japaner terrorisieren, und ausserdem gibt es da auch einen Berg, auf den man laufen kann, und danach sind sie platt, genervt, und wollen nur noch ans Meer und zur Pizza. Bis dahin ist San Gimignano mit seinen Türmen ein Abenteuerspielplatz, da können die Stammhalter dann Game of Thrones spielen oder was sie sich sonst hinter Ihrem Rücken so runterladen. Prinzipiell ist es Kindern ja egal, ob sie etwas als Franz, Sissi, Attila oder Godzilla kaputt machen. Hauptsache, es gibt jemanden, der sie nicht aufhält, gewähren lässt und dabei insgeheim an den Konzepten der Museumspädagogik verzweifelt. Denn die erstaunliche Idee, dass man desinteressierten und zerstörungswütigen Impulskontrollversagern die Geschichte ihres glatten Gegenteils, des Menschen, nahebringen muss, ist schuld an all den Sissis und Franzens und was da unter dem Glauben an die Bildung sonst noch Kulturgüter gefährdet.

Nun habe ich selbst ein passendes historisches Fach studiert und weiss natürlich, wie es so weit kommen konnte: Studenten gibt es viele, aber Stellen nur wenige und so beklagte man es, dass doch die Kleinen, die Nachkommenden, die Zukunft – und nicht etwa die Typen, die in dreissig Jahren ignorant und dröge genau so weit wie wir hinter den Möglichkeiten bleiben werden – frühzeitig aus der Geschichte lernen sollten. Damit begründete man eine ganze Industrie: Talentlose Kunsthochschulfreunde malten Kindermalbücher, Kollegen brachen der Forschung das Genick herunter bis zum Vorschulanspruch, es gibt spezielle Führungen und Verkleidungen und überhaupt alles, was so einen Orchideenfachstudent_Innen bis zur passenden Zahnarztverheiratung oder Verbeamtung in Lohn und Brot hält. Im Ergebnis meide ich seitdem Wien, was ohnehin keine schlechte Sache ist, weil es in Österreich liegt. Volterra dagegen liegt auf einem kurvengespickten Berg, der nachgerade die Garantie für halbverdaute, im Strahl verteilte Eisreste auf Ihren schönen, neuen Leasingautositzen ist. Er eigentliche Grund jedoch, warum San Gimignano für Kinder reicht, ist das hier:

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Das ist das berühmte, unter meinen Studienkollegen weltberühmte Museum Guarnacci in Volterra. Berühmt ist es, weil der ansonsten nicht sonderlich bedeutende Prälat Mario Guarnacci im Jahre 1761 dieses Museum mit all dem, was er über die Jahre dem Boden um Volterra entrissen hatte, eröffnen liess. 1761 gab es noch keine Museumsdidaktik, und Kinder pflegte man artgerecht je nach Stellung im Stall bei den Schweinen oder im Burggraben zu halten, und Ludwig XIV. hat das auch nicht geschadet – aber eben nicht im Museum. Dazu kam, dass Altertumskunde in jener Zeit noch aus wahren Plünderungsorgien durch etruskische Gräberfeldern bestand: Plana oder Stratigraphien, wie wir sie heute kennen, spielten damals keine Rolle. Man musste einfach nur zugreifen und Guarnacci nahm, was er kriegen konnte. Während wir heute genau überlegen, zu welcher Zeitstufe welches Rasiermesser und welche Navicellafibel wohl gehören mag, ging es damals vor allem um die Anhäufung von möglichst üppigen Sammlungen.

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Wir reden hier schliesslich über das sinnenfrohe Rokoko, und was dem Fürsten seine Mätressen, waren dem Kanoniker seine etruskischen Altertümer, die er dicht an dicht und ohne Rücksicht auf Fundzusammenhänge präsentierte. Das Museum selbst richtete sich nicht an den ahnungslosen Pöbel, sondern an interessierte und gebildete Menschen auf der Grand Tour durch Europa – sonst komte sich niemand so eine Reise durch Europa leisten. Die Besucher brachten ein gerüttelt Mass an Bildung für das Altertum mit, was um so leichter war, als es damals unsere hirnbelastende Moderne noch nicht gab. Was antik war, hatte in sich einen hohen Wert, und man musste es gesehen haben, um nachher bei Hofe brillieren zu können. Für diesen Zweck und mit dieser Vorbildung reicht das Museum Guarnacci vollkommen aus: Es ist zwar ein entsetzliches Durcheinander, aber mehr wusste man damals nicht und war schon vom Geiste der Antike erfüllt, wenn man drittklassige kampanische Grabwegwerfkeramik sah – so, wie manche heute verliebt auf ihre iWatch schauen.

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Kurz, das Museum ist in sich auch schon wieder ein Museum für die Geschichte des Museums. Es kommt mit zwei Bedeutungsebenen daher: Einmal als Forschungsstand zu einer Zeit, in der man Aderlass für Medizin und öffentliche Selbstgeisselung für gottgefällig hielt. Der Wunsch nach Wissen und die Habgier bilden die kulturelle Begründung dieses eigentlich schrecklichen, ignoranten und rücksichtslosen Museums, das keine Bildungseinrichtung ist, sondern Bildung voraussetzt. Und dann kommen als zweite Ebene noch die Funde der Etrusker, Römer, Villanova-Menschen und was sich sonst noch existierte, in riesigen Mengen und allenfalls rudimentär geordnet. Dieses Funde stellen enorme Ansprüche, ohne sie sonderlich durch Erleuchtung zu belohnen. Fassungslos und frei von jeder Erkenntnis stolpern normale Menschen hindurch, verstehen nicht, kennen keine Bezüge und sind restlos überfordert. Kurz: Es ist göttlich. Kein Museum ist mir bekannt, wo man sein Herrschaftswissen der Antike so gnadenlos gegenüber den Sterblichen ausspielen kann, die hier töricht mit der gelösten Eintrittskarte die Erwartung verknüpfen, irgendwer würde ihnen jetzt schon erklären, was sie hier sehen. Da muss es doch sicher auch eine Videoinstallation geben, oder?

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Gibt es nicht. Es gibt auch keine Ledersofas, die Räume sind klein, stickig, finster und alles ist genau so, wie es der englische Adlige erlebte, wenn er, vom verdorbenen Essen frisch verwurmt, aus der Kutsche kroch und sich sagte, das müsste er jetzt einfach sehen, denn dafür hat er die betrügerischen Schankwirte in Bayern, die liebeskunstsinnigen Dirnen in Florenz und die dreisten Kutscher in den Niederlanden überlebt: Nur um hier all die Altertümer zu sehen, aus jener Epoche, als Rom sich anschickte, Italien zu erobern und zur Weltmacht zu werden. Mit seinen Augen betrachtet ist das Museum gross und mit seiner Fülle an Schätzen überwältigend. Und freundlicherweise hat man es auch genau in diesem Zustande belassen, und nicht versucht, es allen und jedem recht zu machen. Eine gewisse aristokratische Haltung hilft hier wahrlich durch die abgeschabten Räume, wo in der Finsternis schon damals massengefertigte Graburnen auf einen herabschauen. Das Museum ist gelebtes Klassenbewusstsein und spuckt alle wieder fast so ungebildet aus, wie sie es betreten haben. Die getippten, nichtssagenden Beschreibungen sind ein Hohn auf die egalitäre Gesellschaft und den Glauben, dass es reicht, wenn man es allen gleich einfach macht.

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Natürlich erlebt man so eine Missachtung für das Publikum auch in der modernen E-Musik, am Volkstheater, in der Genderforschung und bei jedem Ringelpitz-Oberauer Lyrikseminar mit anschliessender Annegret-Fleischhuber-Flaxenberg-Preisverleihung. Diese Verachtung jedoch ist neu, nur akademisch begründet und bezieht ihre schale Legitimation von brotlosen Wissenschaften, die in hundert Jahren oder auch nur Tagen längst wieder vergessen sind. Guarnaccis Museum ist begründet auf ein Patriarchat, das arme Schlucker mit Schaufeln auf Felder schickte, damit sie das Grosse un Erhabene finden, von dem sie nichts verstehen. Gender kann man mit NRW-Abitur studieren, aber einen Palazzo stiften, ihn voller Gerümpel stellen und dann britische Adlige zur Verehrung zwingen: Das geht nur mit der Klassengesellschaft.

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Und harter Ausgrenzung von allen, die hier nur stören würden. In Schlösser kann man sich einfühlen und davon träumen, Franz oder Sissi zu sein. Dieses Museum jedoch ist abweisend, verachtend und rücksichtslos in einer Art, die wir in Europa so gern menschenfreundlich übertünchen, und Kinder darin spielen lassen, um zu zeigen, wie weit wir als vorläufiger Höhepunkt der Menschheitsgeschichte seit dem Feudalismus gekommen sind. Insofern ist das Museum ein gelungener Urlaub für Menschen, die noch an das Gute glauben, solange sie es selbst haben, und nicht die anderen.

03. Aug. 2015
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28. Jul. 2015
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Der Brandanschlag als Mittel der sozialen Kommunikation

Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen
Der Algerier Augustinus, Theologe und Ketzerverfolger in Hippo

Also, das ist mir heute Nacht eingefallen: Es gibt ja so Dinge, die in meinen Kreisen nicht nur verboten sind, sondern so verboten, dass sie Kindern gegenüber gar nicht erwähnt werden. Das sind illegale Drogen, Glücksspiel und Prostitution. Niemand sagt zu uns, dass man nicht ins Spielcasino darf. Das tut man einfach nicht. Entsprechend verrucht fühlte man sich dann, wenn man in den 90er Jahren im Babalu tanzen war, einer ehemaligen Rotlichtbar, in der sich damals die Jeunesse Doree der norditalienischen Metropole München drängte. Als ich vor ein paar Jahren im Casino von Monte Carlo speiste, kam ich mir mächtig verdorben vor. Und meine Gemälderestauratorin hat ihr Atelier ebenfalls in einem früher äusserst verrufenen Haus der Stadt. Es ist ein prickelndes Gefühl, 270 Jahre alte Adlige in so einen früheren Animierbetrieb zu tragen, wo dann ihr Teint aufgefrischt wird.

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Heute Nacht ist mir dann allerdings eingefallen, dass mir meine Eltern auch nie verboten haben, anderer Leute Eigentum mittels Brandmitteln zu entzünden. Eine eigens durchgeführte Recherche nun hat ergeben, dass sie mir dafür auch nie ein Placet erteilt hätten. Nachdem meine Erziehung vorbildlich war, darf ich daraus ableiten, dass ein derartiges Verhalten wirklich, absolut und ohne Ansehen der Umstände stets unhöflich ist, sich aus sich selbst verbietet und ganz ehrlich, wer ein gutes Buch hat, der kann doch auch lesen. Allerdings musste ich nun gestern vernehmen, dass Unholde im sächsischen Freital das Auto des Fraktionsvorsitzenden der Linken ihrer Gemeinde angezündet haben, was nicht nur etwas über ihre Bibliothek, sondern auch mutmasslich etwas über ihre Befindlichkeit angesichts der Zuwanderung ausdrückt: In Freital wird von sog. „besorgten Bürgern“ versucht, eine Unterkunft für Asylbewerber zu verhindern. Und wer anderer Meinung ist, wird unter Druck gesetzt. Nun eben wohl auch vermittels eines Brandanschlags gegen ein Auto.

Autos sind, so habe ich in letzter Zeit allerdings von Ignoranten ohne Erfahrung mit der Mille Miglia häufig gelesen, nichts wert. Da sollte man sich nicht so haben, sagte man etwa bei Twitter und Grünen angesichts von Bloccupy, obwohl damals auch Menschen – Polizisten nämlich – in Autos sassen. Man hörte so etwas auch bei den Flora-Krawallen und vor allem bei den vielen Brandanschlägen gegen Autos in Berlin. Linke Zeitgenossen finden die empörten Reaktionen auf solches Treiben angesichts des Rechtsextremismus völlig verfehlt – und es sind eben jene Zeitgenossen, denen das Wort „Rechtsterrorismus“ leicht von den Lippen geht, wenn ein Auto eines Linkenpolitikers in Freital brennt. Der ideologische Heizwert eines Autos ist also nie gleich, sondern rührt von der Einstellung des Halters her: Ist es das Autos eines B.Z.-Autors Schupelius, sieht man bei Indymedia gute Gründe für den Anschlag und brüstet sich, hat Schupelius doch Kritisches zur Migration geschrieben. In Freital dagegen ist es ganz anders. Umgekehrt sehen sich die dortigen Gewalttäter mutmasslich ebenfalls eher im Recht, und vielleicht schütteln sie sich wiederum vor Abscheu angesichts dessen, was man Schupelius angetan hat.

brandd

Ich wurde, wie gesagt, gut erzogen und zwar nicht so, dass ich, wie es das alte Herkommen empfiehlt, beiderlei Herrschaften darauf hinweise, wie weh es tut, wenn eine dicke Platzpatrone im Drilling einen traditionellen Hagel von grobem Salz und gehackten Sauborsten in primäre Körperteile von Sachbeschädigern treibt. Das machen wir hier schon lang nicht mehr und ich weiss davon auch leider nur aus Erzählungen meiner nicht immer so friedfertigen Familie. Daher möchte ich nun den Versuch unternehmen, die beiden Gruppen, die so gern Autos anzünden und sich beschweren, wenn es das falsche Gefährt ist, ein wenig Verständnis für einander zu lehren. Weil, es ist doch so: Der Nazi, nennen wir den um Brandbeschleuniger besorgten Bürger einmal traditionell, der Nazi also hasst Asylbewerber. Die nämlich nehmen ihm in seinen Augen den Job weg, verunstalten seine Heimat, verdrängen ihn aus seiner wenig erbaulich eingerichteten Wohnung, machen laute, fremdartige Musik, essen komische Dinge, haben teure Smartphones und sind eigentlich von der Obrigkeit nur hier angesiedelt worden, um sein Volk, das hier schon immer war und immer das Sagen hatte, zu demütigen und zu unterdrücken. Ein Volk, das nicht mehr aufzumucken wagt, aber er, der Nazi schreitet zur Tat und setzt ein flammendes Fanal. Denn diese Fremden wollen nicht nur von dem profitieren, was andere hier aufgebaut haben, sondern es auch zerstören.

Der andere, der rotlackierte Nazi, um einmal einen historisch gewachsenen Begriff zu verwenden, sitzt also in Berlin und lebte bislang ganz gut von Solikonzerten, den Überweisungen seiner Eltern, Bafög, irgendeiner umgeleiteten Förderung zum Kampf gegen Nazis und Aufträge seiner bei der ARD arbeitenden Freunden oder wie solche Leute eben leben. Die finden nun, dass es in ihrem Kiez zu einer massiven Migrationsbewegung kommt. Leute, die ihm und seinesgleichen die Räume für die finanzierende Aktionen nehmen, Leute, die Heimat der Alteingesessenen mit einer perversen Neigung zur Sauberkeit verunstalten, Leute, die sie aus ihren dank Mietstreik und Dauerprozess billigen Wohnungen verdrängen, Leute, deren Kinder sehr laut Violinkonzerte von Mozart hören, Leute mit nichtveganem Nichtvolxküchengeschmack, Leute mit teuren Smartphones, und sie kommen nur her, weil die Obrigkeit sie hier ansiedelt, um das Volk der Freiheit, das hier schon immer war und immer das Sagen hatte, zu demütigen und zu unterdrücken. Ein Volk, das nicht mal mehr am Ersten Mai eine anständige Randale gegen das Schweinesystem hinbekommt, aber er, der rotlackierte Nazi schreitet zur Tat und setzt ein flammendes Fanal. Denn diese Fremden wollen nicht nur von dem profitieren, was andere hier aufgebaut haben, sondern es auch zerstören.

brandb

Ich lese berufsbedingt oft im Internet Texte, denen ich mich nicht anschliessen kann, und wir reden leider auch viel zu wenig über Gemälderestaurierung und Petersburger Hängung, und zu oft, leider, über unerfreuliche Entwicklungen. Eigentlich müsste ich mich qua Herkunft von beiden besagten Gruppen ebenfalls verfolgt fühlen, aber privat habe ich keine Angst, denn sie sind vermutlich zu beschränkt, auch nur eine Fahrkarte an den Tegernsee zu lösen. Wäre ihre Intelligenz auch nur auf dem Niveau eines deutschen Schäferhundes oder einer Giftnatter auf dem Leuchtenden Pfad, würde ihnen auffallen, dass sie nicht nur Repräsentanten der anderen Weltsicht gleichermassen die Autos anzünden, sondern in der Begründung auch zeigen, dass ihre Interessen deckungsgleich sind: Sie finden, dass sie im Recht sind, sie fühlen sich aber durch Veränderungen bedroht, die möglicherweise die Welt ganz anders betrachten, und zünden deshalb etwas an. Beide empfinden sich als Opfer, das in Notwehr handeln muss und darf. Beide haben Verständnis dafür, dass es das Auto der anderen erwischt, und hätten gern ihren VW Golf II Diesel behalten. Und beide hören auf ihren Solikonzerten Musik, deren Text gebrüllt und gewaltverherrlichend ist, lehnen den Staat ab und stehen Drogen nicht ablehnend gegenüber. Ja, sie könnten sich sogar mit wenigen Worten Veränderung gegenseitig die Bekennerschreiben und Vorwürfe formulieren. Und weil das Anzünden von Autos nicht immer ganz ungefährlich ist, in der Nacht und häufig blau wie eine Strandhaubitze, könnten sie doch auch ihre eigenen Autos in Brand setzen und es dann der Gegenseite zuschreiben.

In der gewonnenen Zeit könnten sie auch mal wieder für Mutter einen Strauss Feldblumen pflücken, einen roten Johannisbeerkuchen oder braune Muffins backen und sich überlegen, ob ein paar hübsche Antiquitäten ihr Wohnumfeld nicht freundlicher gestalten. Oder einen Spielplatz aufräumen. Es gibt da jede Menge Synergien im politischen Kampf, da hat man viel Zeit für anderes, und nicht auszuschliessen ist, dass man sich nach dem vierten Bier und dem dritten Joint doch ganz prächtig versteht und zusammen die Titelmelodie der Biene Maja intoniert. Sehen wir den Tatsachen ins Auge, egal ob Demokrat oder Totalitärer, Benzin brennt immer gleich, und es ist ihm egal, welches Fahrzeug es verzehrt. Wenn man Adressen tauscht, kann man das vielleicht auch direkt unter Freunden machen und die Linkenpolitiker und den Schupelius in Ruhe lassen. Ich stimme vermutlich beiden Meinungen gar nicht zu, ich bin nämlich für die Zerschlagung Deutschlands, Bayern in den Grenzen von 979 bis zur Adria und für die offizielle Wiedereinführung der ohnehin schon vorhandenen Leibeigenschaft, nur halt mit friedlichen Mitteln ohne Brandanschläge. Dennoch würde ich gern andere Meinungen hören, weil sie mich interessieren, und jedes öffentlich geäusserte Argument besser als ein verbranntes Fahrzeug ist. Egal wer der Halter auch immer sein mag.

brandc

Abgesehen davon wird den Leuten mit den Kanistern ohnehin wenig anderes übrig bleiben, denn die Gentrifizierung in Berlin treibt die Autonomen so oder so vor die Stadt zu ihren Noch-Feinden, und da kann es nicht schaden, sich frühzeitig zu integrieren. Das klappt auch in Bayern recht gut: Die Münchner treiben bei uns am Tegernsee zwar die Preise für gebrauchte Lederhosen nach oben, aber auch, wenn wir über sie schimpfen, lassen wir sie kommen und zünden ihre Autos nicht an.

Denn mit denen fahren sie am Ende auch wieder weg.

28. Jul. 2015
von Don Alphonso
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26. Jul. 2015
von Don Alphonso
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Der schönste Biergarten und das obszönste Wort der Welt

It is a proposed global initiative for population reduction which will, in a few decades, lead to a worldwide male population of roughly one to ten percent.
Die arme Bloggerin und Feministin Femitheist Divine über Männer

Habt ihr etwas von denen gemerkt?, frage ich die Bedienung unten im Strandbad, als sie das dick käsebestreute Gemüsepflanzerl bringt. Naaah, sagt die Bedienung, nix, goa nix. Alle sind hier, wie sie immer hier sind, und ich bin ja auch hier. Nichts also hat man davon gemerkt, dass über dem Nordufer des Sees ein Biergarten aufgemacht hat, der seinesgleichen sucht. Vornehm, gediegen, modern und von einem bundesweit bekannten Gastronomen eingerichtet. Ein Biergarten der Superlative. Ein Biergarten, dessen Neu- und Wiedereröffnung bundesweites Thema in den Medien war, mit Presserummel und Pre-Opening für die Prominenz. Mit Erzeugergemeinschaft für die regionale Küche. Herrlich muss es doch sein, da oben zu sitzen, auf den See zu schauen und lokale Spezialitäten zu verspeisen. Aber nix merkt die Bedienung hier unten am Strandbad.

kalta

Nix ist auch die Antwort beim wie immer rappelüberfüllten Francesco, auf italienisch „NOOOnonononoNoooh, niente“. Nichts ist die Antwort beim Konditor, beim Bräustüberl, und oben ist Ostin, wo man zwar nicht so eine schöne Aussicht hat, aber preislich gehoben durchaus mit dem Biergarten des Münchner Gastronomen mithalten kann. Wobei, er ist ja kein Fremdling, denn einerseits soll dieses München gerade mal 40 Kilometer entfernt sein, und zum anderen hat er auch hier ein Haus. Zumindest in Teilzeit ist er also auch einer von uns und hat ebenfalls darunter gelitten, als der alte Biergarten geschlossen wurde, weil der Käufer an dieser Stelle, kurz vor Beginn der Finanzkrise, ein Luxushotel für Ausländer und Teilzeitmigranten errichten wollte. Was nach einem Aufstand der Talbürger und einer höchstrichterlichen Entscheidung verhindert wurde. So ist das eben in Bayern: Was dem Berliner sein liebgewordener Drogensumpf des Görli ist, wo er aktive Integration und Deutschkurse durch Verhandlungen über Haschischpreise mit Migranten betreibt, ist in Bayern halt der Biergarten. Solche Biotope der Lebensart lässt man sich nicht einfach nehmen.

Das Luxusressort also durfte nicht gebaut werden, und ohne andere Ideen bröckelte das Gut über dem See langsam vor sich hin. Dörnröschenschlaf nannten es die Medien und eine Schande für das Tal die Bürger. Die Familie des Besitzers bekam andere Sorgen, und für den normal spätsterblichen Millionär gibt es ja auch noch andere schöne Biergärten, in die man sich setzen kann. Oder man bringt sein Sach selbst mit und setzt sich an den See: Nur wenn man am verlassenen Gut und der schönsten Aussicht vorbei fuhr, gab es da diesen leichten Stich. Ein Juwel könnte es sein, dieses Gut mit dem traumhaften Blick, hinter den Gittern und dem Schild, auf dem „Geschlossen“ steht.

kaltb

Das hat auch der Münchner Gastronom so empfunden, mit der Idee einer Wiedereröffnung bei den Besitzern vorgesprochen und den Zuschlag bekommen. Das Konzept mit Restaurant oben und Biergarten unten klang gut, und man hat sich wirklich, wirklich Mühe gegeben. Alles wurde renoviert, umgebaut, verschönert und modernisiert, und die Preise sind so, dass man sich das am Tegernsee, wo die Millionärsquote so hoch wie die Hartz-IV-Quote in Berlin ist, auch leisten kann. Alle Millionäre wollten diesen Biergarten wieder haben. Jetzt ist er da und die Millionäre sitzen weiterhin beim Francecso, lassen den Bentley vor dem Strandbad stehen, bevölkern unter dem Gut den Yachtclub und nehmen den Hugo aus der Dose und loben die Pommes, die sie mit ihren Kindern verzehren und die, wie der Apfelstrudel, wirklich gut sind, wenn sie aus dem Bistrowagen gereicht werden: Eigentlich darf ich hier gar nicht erzählen, wie die Millionäre leben, das passt gar nicht zu den landläufigen Vorstellungen. Die sitzen dann einfach auf Klappstühlen und schauen.

Droben im Biergarten kann man sich nur wundern, wo denn die Gäste bleiben. Ein jeder weiss doch, dass er offen ist, und deshalb habe ich ein paar der hier landläufigen Millionäre gefragt: Warum geht ihr da nicht hin? Die Antwort war mir eigentlich schon vorher klar, weil es mir genauso ging: Das ist nichts für unsereins, sagten sie, das ist mehr was für

und dann sagten sie es, das schmutzige Wort, das garstige, das obszöne

Münchner.

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Ich war natürlich auch dort und habe mir das angeschaut, und es stimmt. Die ganze Anlage ist so, wie sich ein zackiger, nassforsch oktoberfestfreudiger Münchner mit norddeutschem Migrationshintergrund und Meike-Catherine auf dem Beifahrersitz vermutlich einen Biergarten in einer reichen Region vorstellt. Mit einem gepflasterten, kostenpflichtigen Parkplatz, mit einem von aussen schlecht einsehbaren Restaurant, mit sicher nett gemeinten Dekostücken des Landlebens, die alt wirken sollen, mit einem funkelnden Lichtermeer über dem See. Alles ist hochwertig und gediegen und der ideale Rahmen für eine Modenschau der Kleidermanufaktur Habsburg. Man käme sich darunter mit seiner alten, speckigen Hirschlederhose vom Wimmer in Lienz ein wenig unpassend vor, wie so ein lebendiges Dekostück. Es sieht nicht so aus, als dürfte man da die handgestrickten Socken in der Hitze herunterrollen. Was soll man auch von Millionären erwarten, für die auch nur die Sonne scheint. Wenn sie auf einer Holzbank vor ihrer Bierflasche sitzen, und darunter das Wasser an ihr Bootshaus gluckst, zu dem noch ein Anwesen im Tal gehört. Das ist die Reihenfolge hier. Sonne → Bank → Bier → Seewasser → Bootshaus → Villa → Tal. Hinter dem Tal ist die Welt zu Ende, und das Gerücht hält sich hartknäckig, dass hinter Rosenheim die Mangfall, die sich aus dem Tegernsee ergiesst, über den Rand der flachen Erde rund um das Tal ins Weltall stürzt.

Das Auftreten des Münchners da oben im neuen Biergarten nun könnte beweisen, dass diese talmenschenzentrische Weltsicht nicht ganz richtig ist und da draussen auch noch andere Reiche und Millionäre existieren. Befürchtet hat man das schon länger, denn die Süddeutsche Zeitung behauptet von sich, in München gedruckt und nicht vom türkischen Händler mit seinem Moped erstellt zu werden – den nämlich kennt hier jeder, aber diese Leute da im Impressum, was sollen die sein? Man weiss auch von der globalen Flüchtlingskrise, und dass bei den Nobelhotels Leute absteigen, deren Nummernschilder man nicht zuordnen kann und die da offensichtlich wohnen müssen, weil sie sich hier nichts leisten können. Die Welt da draussen ist, sollte sie wirklich existieren, kompliziert und obendrein geschleckt und gestylt und da oben dürfte wohl auch nicht das Hemd aus der Hose hängen. Was sind das überhaupt für Leute, die da hinfahren müssen und nicht einfach laufen können? Sicher sehr Fremde.

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Dereinst, wenn Faschisten, Stalinisten und/oder Feministen die Weltrevolution gemacht haben, wird man uns fraglos ohne Unterschiede mit den Münchnern erst vor das Tribunal und dann an die Kirchhofsmauer stellen, hinter der sich bei uns übrigens ein Barockkleinod erhebt, und das wird ein Trost sein, weil bis dahin hunderte von Generationen von Faschisten, Stalinisten und/oder Feministen in Berlin aus dieser Welt gehen mussten, ohne noch einmal so ein hübsches Kircherl zu sehen. Wir werden dann ohne akzeptable, sondern allenfalls vegane und lactosefreie Henkersmahlzeit einen hohen Preis zahlen, mit unserem Leben und dem Umstand, dass man uns mit den Reichen aus München verwechselt, die Habsburg kaufen und uns auf den Waldfesten mit dem Versuch des Tanzens auf dem Tisch belästigen. Totalitäre, die aus Berlin die Welt sehen, beziehen sich allein auf den Reichtum, gar so, als ob das in einer Welt, in der jeder relativ wohlhabend ist, irgendetwas bedeuten würde. Zwischen St. Quirin und Tegernsee fährt doch ein jeder langsam, egal ob Bentley, Ferrari oder abgeschabter SLK. Darum geht es nicht.

Es geht darum, dass da oben in unserem alten Biergarten jetzt Leute sitzen, die so tun, als sei die Welt hinter dem Tal nicht vorbei, die auf ihre Mobiltelephone schauen und von einer ganz anderen Welt künden, in der sie morgen wieder im Büro und nicht am See sind. Denen hat man das so gebaut. Aber wir wissen, dass unten die Pommes auch schmecken und die Sonne uns auch noch scheint, wenn die längst wieder die Nachteile der Klimaanlagen erleben, weil es in München 9 Grad heisser als am kühlen, schattigen See ist. Beides prägt für das Leben. Millionen sind nur gespeicherte Zahlen auf dem Konto. Heute morgen waren zwei Fesselballone über der Alm vor meinem Fenster, hoch oben in blauer Bergsommerluft, und ganz leise weckten mich die Kuhglocken. Das ist etwas ganz anderes als der Weckdienst, der einen Münchner zum Flughafen scheucht. Den Unterschied merken die da oben im Biergarten, und es wäre mir auch ganz recht, wenn sich das bis zum Beginn der Weltrevolution herumsprechen würde. Für die Aktivistin ist es egal, ob sie von einem Vermieter eines Investors aus München oder vom Tegernsee gequält wird. Aber für uns sind die Unterschiede wirklich wichtig.

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26. Jul. 2015
von Don Alphonso
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21. Jul. 2015
von Don Alphonso
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Der diskrete Charme von Betreuungsgeld und Korruption

They sentenced me to 20 years of boredom for trying to change the system from within
Leonard Cohen, First we take Manhatten

Ich fahre langsam. Es ist ohnehin zu spät, denn die Bayerische Oberland Bahn BOB ist schon auf dem Weg nach München, und diejenige, die sie noch erreichen wollte, ist eine viel zu angenehme Beifahrerin, als dass man schnell irgendwo ankommen und sie abliefern will. Ganz langsam sind wir am Achensee vorbei nach Tirol gefahren, lange sassen wir in der Geisterburg und haben selbstgemachte Limonade getrunken, lange standen wir in der Totenkapelle in Hall, und ich habe die Ikonographie der Metzen und Sünderinnen im späten Mittelalter erklärt, deren Brüste üppig und deren Kleider bunt sind.

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Wenn die kommende Verdammnis schon ewig währt, warum sollte man sich im Diesseits abhetzen, denke ich mir und rolle ganz langsam den Gasteig hinauf, wo das Tegernseer Tal in die sonnenverwöhnte Hochebene der Oberlandes übergeht, und die geschäftstüchtigen Menschen mit Angeboten locken. Die Fremdenzimmer sind belegt, kündet ein Schild, es gibt Entenbraten, und das italienische Einrichtungsgeschäft hat schöne Kinderkissen. Beim Eisenwarenladen denke ich daran, dass ich eine neue Giesskanne für meinen Steingarten beschaffen muss, aus Metall mit Messingaufsatz. Vorne rechts würde dann der Goldschmied kommen, der die schönen Trauringe macht, und links das Stoffgeschäft, bei dem ich noch Vorhänge für mein Schlafzimmer nähen lassen möchte. Man bekommt hier alles, was man als normaler Mensch braucht, und wenn die Beifahrerin nun eine Mutter wäre, die gerade erst Kinder bekommen hat, würde ich sie vielleicht auf die Villa links auf dem Hügel hinweisen, in der unser Kindergarten ist.

Aber die Begleiterin ist keine Mutter von Kleinkindern, und sie sieht in diesem Moment auch nicht all die Schönheit und den Überfluss des normalen Lebens, sondern ein Schild der bayerischen Staatspartei. Dort wird das Thema Einbruchssicherheit angekündigt, über das die Partei mit ihren Untertanen reden will. Pfffh, macht die Beifahrerin, sieht dabei klug und reizend aus, und sie hat nicht unrecht: Verglichen mit anderen Regionen des Landes passiert hier wirklich wenig. Trotzdem ist das ein Thema, und wir haben deshalb im Haus letzthin ein neues Türschloss bekommen: Nach acht Uhr Abends wird abgesperrt. Auch meine Silberkannen auf der Terrasse wurden schon moniert: Da könnte jemand beim Betrachten auf die Idee kommen, hier – in der wohlhabensten Region des ganzen Landes – würden vielleicht sogar nicht ganz arme Leute leben, und dann einbrechen. „Pfffh“ sagt hier niemand mehr. Die Angst geht um im Tal und auch in der kleinen, dummen Stadt an der Donau und überall, wo die Leute eigentlich nur in Ruhe smaragdgrünes Wasser und gute Einkommen geniessen wollen.

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„Wenn das alles ist, womit ihr hier Probleme habt…“, wird mir dann von normalen Stadtbewohnern oft gesagt, und „das sind doch nur Luxussorgen.“ Ein wenig sind solche Einwürfe die jugendliche Abwandlung der Beschwerden der Altvorderen, man habe keinen Krieg miterlebt und wüsste gar nicht, was wirklich schlechte Zeiten bedeuteten. Das ist natürlich alles zutreffend, ändert aber nichts daran, dass man wirklich keine Einbrecher in der Wohnung haben will, und froh ist, dass jemand die Sorgen ernst nimmt. Und ähnlich ist das auch mit dem heute vom Verfassungsgericht gekippten Betreuungsgeld: Natürlich sagen mir Alleinerziehende in den Städten, dass das für sie keine Option ist, sondern angesichts ihrer realen Probleme eher eine Beleidigung. Und wenn sie feministisch sind, schieben sie oft noch das Schimpfwort „Herdprämie“ nach, das natürlich nicht sexistisch ist, weil es von der richtigen Seite kommt und dem Fortschritte der Civilisation dient. Und dass die CSU damit ein ganz bestimmtes Familien- und Rollenbild zementieren will: Das des allein verdienenden Mannes und der Frau, die durch die Familie in Abhängigkeit gehalten wird, und nicht ausbrechen kann.

Auch da haben sie nicht unrecht. Es ist halt nur so: Hier bei uns gibt es viele junge Familien. Über Förderprogramme, die sich wirklich sehen lassen können, über Kauf oder Erbschaften kommen sie an Immobilien. Dann unterschätzen sie vielleicht noch etwas die Anforderungen, die die Kombination von Kind und Berufsleben so mit sich bringen. Und obendrein bietet der Arbeitgeber eines Partners an, dass er auch in Teilzeit von daheim aus arbeiten kann. Für solche Familien ist das Betreuungsgeld durchaus von Vorteil, weil bei so einer Konstruktion die Probleme der Koordination von KiTa, beruflichem Pendeln und nötiger Flexibilität wegfallen. Für einen roadsterfahrenden, kinderlosen Single wie mich ist es egal, ob es hier im Oberland einen Schneesturm gibt, bei dem man das Haus nicht verlassen kann, oder ob die oben erwähnte BOB zwei Wochen wegen umgefallener Bäume langsame Busse einsetzt. Für Eltern, die in München arbeiten und deren KiTa pünktlich schliesst, ist das übel. Bei uns sind die KiTas zwar auch auf solche Fälle eingestellt, aber Kinder bringen Eltern oft dazu, den von Linken ansonsten als kapitalistische Ausbeutung verdammten Beruf nicht mehr in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen.

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Das kleine Problem nun ist, dass sozial bewegte und zu diesem Thema schreibende Journalist_Innen eher selten zu dieser Gruppe heimatverbundener, traditionell lebender und dann auch noch Immobilien besitzender Umlandbewohner in Bayern gehören. Wen immer ich aus dieser Gruppe kenne, der hat im Gegenteil beruflich keine Sorgen, aber ein gutes Einkommen und mehr Interesse am nächsten Konzert von La Brass Banda denn am neuen Buch vom Unterschichtenidol Laurie Penny. Ja, ich darf Twitter sogar entnehmen, dass besonders derbe Äusserungen gegen das Betreuungsgeld von eben jenen kommen, die gar keine Kinder haben, um sie in die KiTa zu bringen und dort zu entdecken, dass der bundesweite Ausbau zu einem massiven Qualitäts- und Personalproblem geführt hat. Oder dass viele KiTas wiederum kirchliche Träger haben und die schon den Kleinsten die Geschichte vom Weihnachtsmann und dem lieben Herrn Jesus Christus erzählen. Auch wissen sie wenig von den dort verteilten Bakterien oder den generellen Problemen der Grossküchen.

Kurz, die Debatte um die KiTa als angebliches Allheilmittel der frühen Nachwuchssorgen wird durch den ideologisch bedingten Kampf um das Betreuungsgeld verhindert. Es darf einfach nicht sein, dass die Ostblock-Idee KiTa nicht jedem besser gefällt als das, was die CSU als mögliche, zwangsfreie Alternative durchgesetzt hat. Beide Eltern haben dem System des Kapitalismus umfassend zur Verfügung zu stehen, damit die Frauen auch wirklich gleichberechtigt sind. Und wenn das Kind in der KiTa ist und die Eltern Vollzeit arbeiten, gibt es auch keinen Grund mehr für Geranien am Fenster: Es ist eh keiner daheim. Da braucht auch keiner einen grossen Garten. Blocks für alle tun es auch, wenn man daheim ohnehin nur schläft. Wer dennoch nur die Kinder in den Mittelpunkt des Lebens stellt und sich der KiTa und ihrer Ideologie verweigert, soll den Aufwand haben, und bekommt nichts. Das betrifft übrigens nicht nur die Millionäre am See, sondern leider, leider auch eine meiner sozial nicht privilegierten Bäckereiverkäuferinnen an der Mangfall, die mit Beruf, Kind, Oma und Betreuungsgeld bislang ganz gut durchkam. Und durchkommen wird, wenn die CSU hier ihre Ankündigung wahr macht und das Projekt auf eigene Rechnung durchzieht.

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Pfffh, höre ich da viele in den Städten sagen, wo die Grossmutter hunderte Kilometer entfernt und die KiTa gegenüber ist, und wo Mütter froh sind, wenn sie nach drei Monaten wieder eine Figur haben, mit der sie auf der Sonnenstrasse flanieren können, und sich alle anderen Optionen offen halten. Die wählen dann die Grünen, weil die als einzige konsequent legal Drogen abgeben wollen, in einer ansonsten ganz anders eingestellten Republik, die ständig die anderen, die Falschen, die Reaktionären wählt: Die Politiker, die Betreuungsgeld zahlen, trotzdem eine Villa für die Kinder reservieren, auf Gemeindegrund Familienförderung betreiben und angesichts von steigenden Einbruchszahlen Tafeln an die Strassen stellen. Es ist wirklich unglaublich, unfassbar, unerklärlich, warum diese Leute hier nicht begreifen, was gut für sie, den sozialen Wohnungsbaublock, Kreuzberg, moderne Rollenbilder und Laurie Penny ist. Statt dessen schulen sie hier alle Kinder in Dirndl und Lederhosen ein, gehen geschlossen wählen und lassen sich vom Betreuungsgeld bestechen.

Ja, sogar das Eis hier ist noch nicht mal vegan, lactosefrei und zuckerreduziert – und solche verantwortungslosen Leute werden das Land mit ihrer Entscheidung noch auf Jahrzehnte unter der schwarzen Knute halten. Pfffh, sagen sie, haben aus ihrer Sichtweise recht und feiern dann die lichten Momente, in denen sie vor dem Verfassungsgericht gewinnen, bevor sie wieder von der Finsternis umfangen werden, die sie niemals begreifen können oder wollen.

21. Jul. 2015
von Don Alphonso
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16. Jul. 2015
von Don Alphonso
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Möchten Sie einen Schäuble aus Marmor im Wohnzimmer?

Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.
Das Testament nach Matthäus

Möchten Sie so eine Statue? Die Frage muss gestellt werden. Die Politik der Bundesregierung bekommt hierzulande Zustimmungsraten, die trotz oder gerade wegen einer ostblöckisch anmutenden Fragestellung enorm gut sind. Das Land ist weitgehend mit dem, was Schäuble der griechischen Regierung an Zwangsmassnahmen aufgedrückt hat, zufrieden, und ich entnehme Zeitungen, dass man ihn für den listenreichsten Menschen seit Odysseus halten sollte, selbst wenn ich glaube, dass die lange Nacht von Brüssel für Europas langfristig so klug wie die Niederschlagung des Prager Frühlings durch Breschnew und den Ostblock ist. Also, ich will ganz sicher keinen denkenden Schäuble in Marmor in meiner Wohnung, der über den Verbleib eines Schwarzgelds sinniert, aber Sie vielleicht? Ich frage das, weil mein Schreibtisch nämlich ganz unabhängig von der Krise so aussieht.

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Dort stehen vier Gemälde, und sie stehen da nicht zufällig. Ganz links ist ein sehr dreist und selbstbewusst dreinschauender, geharnischter Holländer aus der Zeit der Erhebung gegen die Spanier, der mich daran erinnert, dass die Rechte des Bürgertums nicht einfach nur da sind, sondern stets aufs Neue gegen den missbrauchten Staat und seine Schergen erkämpft werden müssen. Ganz rechts ist eine junge, lächelnde Biedermeierdame aus Bad Tölz, die ich immer anschaue, wenn die die Texte redigiere, denn ihr möchte ich kein Unrecht tun. Zum Beispiel stand vorher hier diesem Text drinnen, dass Schäuble auf Zustimmungswerte kommt, die im Rest des von uns in Leibeigenschaft gehaltenen Europas allenfalls Freibier und die sofortige Einführung des Morgenthau-Plans in Deutschland erhalten. Das habe ich gelöscht, denn die hübsche Tölzerin hat viel zu feine Hände für die Feldarbeit und würde das nur ungern hören, und ausserdem kann sie nichts dafür. Was im Übrigen ja auch ein Leitmotiv der Deutschen ist, wenn es dann schief gegangen ist.

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In der Mitte jedoch sind zwei eindeutig griechische Motive. Einmal eine recht freizügige, pornographische Darstellung des angehenden Geschlechtsverkehrs zwischen Hera und Zeus. Das Original hat Annibale Carracci in Rom für die Galeria Farnese gemalt. Das hier ist eine barocke Kopie, und man hat sie ganz klein gemalt, weil man solche Szenen kaum aufhängen konnte, wenn man kein römischer Kardinal war, der anderen für solche Freizügigkeiten den Inquisitor an den Hals hetzte. Dieses Bild sagt mir, dass jedes Mittel recht ist, die Leser rumzukriegen und jedes Schamgefühl, wie eben auch unter Zeus in Griechenland, falsch empfunden wäre. Für normalen Porno, Sex und Ausschweifungen waren in der europäischen Kunstgeschichte nun mal die Griechen mit ihrer üppigen Sagenwelt zuständig, nachdem die christlichen Leitbilder meist keinen Sex hatten und brutal umgebracht wurden. Griechen sind für den geschichtsbewussten Bildungsbürger der klassische Zugang zu den Lebensfreuden, und so erklärt sich auch das Bild. Es ist der gängige Mythos, der allen geistreichen Menschen bekannt ist, und der sich langfristig durchgesetzt hat – ausser auf gewissen Plakaten in Kreuzberg, Iran und Afghanistan.

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Daneben ist eine junge Dame mit Fez und Mandoline, die sich an Marmor lehnt und den Betrachter anschmachtet. Selbst wenn man die Ruine des Tempels oben rechts übersehen würde, so ist doch klar, dass wir hier ein typisches Motiv des Philhellenismus oder auch der Graecophilie sehen: Das Gemälde stammt aus dem Biedermeier metternichscher Prägung, als der Freiheitskampf der Griechen vielen Bürgern bei uns als Symbol für den Anspruch auf Selbstbestimmung galt. Man hatte ja sonst nichts, ausser Spitzeln und Pressezensur, und deshalb ist auch diese junge, sicher von Liebe und Freiheit singende Griechin für mich weiterhin ein bildungsbürgerliches Ideal. Ich bin zwar nicht mehr so hübsch, aber so freundlich, so schön meine ich aus Tradition singen zu wollen.

Ich habe bewusst die junge Griechin hier auf dem Schreibtisch, und nicht den grossen Türken aus Istanbul. Oder Hermann Josef Abs, Metternich, Bismarck, Hindenburg oder was es sonst noch so als deutsch-österreichische Ideale vergangener Zeiten gibt. Ich darf hier übrigens noch anmerken, dass die beiden griechischen Motive, auf den Fläche bezogen, die teuersten Stücke in der ganzen Wohnung sind, ganze Wagenladungen an Brüning-Büsten hätte man dafür bekommen: Götterporno und Philhellenismus sind immer noch Garanten für freudig abgeräumte Konten. Die Konkurrenz derer, die sich so eine Tradition in die Wohnung hängen wollen, ist ansonsten nur noch bei Rokokoportraits junger, hübscher Damen ähnlich gross. Hässliche, verkniffene Pfaffen, Theologenmütter, Winterlandschaften, Bankenvorstände, Staatsbeamte und röhrende Hirsche dagegen sind günstig zu bekommen, und da sind wir wieder bei der Eingangsfrage, ob nicht vielleicht doch jemand die neue Tradition Europas, die neue Heldengestalt haben will – eben einen Schäuble in Marmor?

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Ich frage das, weil ich allenthalben Texte lese, die den Deutschen ihren Philhellenismus streitig machen wollen. Man sollte sich doch, so meinen Autoren etwa der Springerpresse, die sich wie Karikaturen der feinen Germanenportraits aus „Asterix und die Goten“ benehmen, Schluss machen mit den überkommenen Vorstellungen und die Griechen so nüchtern betrachten wie ein Bilanzbuchhalter nach 27 Jahren Dienst in der Abrechnungsstelle C/7a. So, wie der Grieche endlich arbeiten soll, soll der Bildungsbürger ihm endlich jede Tradition absprechen und froh sein, in Deutschland zu leben, wo man – leider zwangsweise wegen Weltkrieg und Wehrmachtsbordellen – auch ohne Zeusmythen und Freiheitskampf die Gegenwart und ihre Herausforderungen beherrscht. Ausserdem werden Feministinnen zustimmen, die Sagenwelt und die griechische Antike sind die reinste Rape Culture. Griechenland, wird mir zu verstehen gegeben, ist nicht untrennbar mit der Geschichte verbunden. Also auf zu neuen Ufern, her mit einer Wirtschaftsregierung, mehr Integration, dann sind wir für die Herausforderung der Zukunft besser gerüstet. Und Porno kommt heute ohnehin vor allem aus den USA.

Diese Haltung berührt mich seltsam. Nicht, weil sie ganz falsch wäre – tatsächlich ist Kultur viel zu komplex, um sie an „den Griechen“ festzumachen, die ihre heute hoch geschätzte Vasenkunst als arme Schlucker im Töpferviertel Kerameikos im Akkord mit Göttersexszenen erpinselten. Die Haltung berührt mich seltsam, weil wir das in Europa auch schon mal erlebt haben, dieses Versprechen einer besseren Zukunft durch Abschied von bildungsbürgerlichen Idealen und Traditionen: Im Ostblock nämlich. Ich habe zufälligerweise im Nebenfach Klassische Archäologie studiert und kenne die Vorworte, die sich Wissenschaftler im Osten damals abringen mussten: Da wurde mit dem historischen Materialismus argumentiert und weinerlich begründet, warum man sich hier mit dieser Sklavenhaltergesellschaft nach Marx auseinander setzt. Nicht wegen dem Porno. Sondern nur, um zu erkennen, wie gut es doch heute unter dem Sozialismus ist. Ich fand solche geknechteten, unterjochten Wissenschaftler immer ganz schlimm, aber so waren eben die Vorgaben der Partei: Die Ideologie erklärte, wie man die Geschichte einzuordnen, zu kritisieren und zu verdammen hatte. Wäre ja noch schöner, wenn es da eine Alternative zum bestehenden System gäbe.

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Das Abhacken, Verachten und Verhöhnen von Traditionslinien, und mögen sie noch so fragwürdig sein, das Umdeuten der Geschichte, die Vernichtung der Herkunft, ist ein Leitmotiv totalitärer Strukturen. Der Islamische Staat zerstört nicht zufällig jene Museen, auf die die eroberten Landstriche stolz waren. Bei uns benutzt man abgewandelte Beispiele der griechischen Kultur, um sie zu verhöhnen. Es ist schon erstaunlich, wie viel Arbeit, Eifer, Boshaftigkeit und Wut gerade auch bei uns in das Abarbeiten an der Geschichte geht, und an jenen, denen man die Rolle der Kulturträger nicht zugestehen möchte. Das Grosse und das Menschliche, es darf keinesfalls stören, das muss alles ganz klein und unbedeutend werden vor der wahren historischen Mission, die man im untrennbaren Europa durchführen will.

Deshalb frage ich, ob man nicht vielleicht eine Schäublestatuenproduktion aufmachen will, am besten mit Gussmarmor und Hohlformen. Unter Bismarck war das ein profitables Geschäft bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, und es könnte sich unideologisch langfristig lohnen, denn auch vom Einmarsch in Prag bis zum Fall des Ostblocks gab es dort keinen Mangel bei der Nachfrage nach Leninstatuen. Und nachdem unsere Sache, wie ich lese, so viel besser ist und der böse Herr Krugman einfach nur einen Hass auf den guten Herrn Schäuble hat, wird der Westblock auch ohne Blick auf die Geschichte alles besser, noch richtiger und alternativloser machen. Also, schauen Sie sich ruhig einmal um, ob Sie nicht auch Platz für so eine Statue haben, die Ihre richtige Einstellung dokumentiert. In Zeiten der Vorratsdatenspeicherung gibt es dann sicher auch ein Luxusmodell mit der formschön eingebauter Überwachungsinfrastruktur. Nicht dass wir sie bräuchten., wo wir doch alles richtig machen – aber es ist gut, sie zu haben. Fragen Sie dann nicht. Kaufen Sie einfach.

16. Jul. 2015
von Don Alphonso
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13. Jul. 2015
von Don Alphonso
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Das ist ein Putsch gegen die alte BRD

Der Milliardär fordert die unumschränkte Freiheit, durch seine privaten Entschlüsse mit der Weltlage nach Gefallen zu schalten, ohne einen ethischen Maßstab als den des Erfolges. Er kämpft mit allen Mitteln des Kredits und der Spekulation den Gegner auf seinem Felde nieder. Der Trust ist sein Staat, seine Armee, und der politische Staat nicht viel mehr als sein Agent, den er mit Kriegen, wie dem spanischen und südafrikanischen, mit Verträgen und Friedensschlüssen beauftragt. Die Vertrustung der ganzen Welt ist das Endziel dieser echten Herrenmenschen.
Oswald Spengler, Preussentum und Sozialismus

Irland und Portugal. Das sind die beiden Länder der Eurozone, die in der Epoche des Zweiten Weltkriegs keine grösseren Probleme mit dem Vorgängerstaat der Bundesrepublik Deutschland und seinen Herrenmenschen hatten. Die Erfahrungen der anderen Nationen waren in höchstem Masse unerbaulich.

Es hat unendlich viel Arbeit im Grossen und Kleinen und viel Geld der USA gekostet, um nach 1945 mit den anderen Staaten Europas wieder so weit ins Reine zu kommen, dass sie sich auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland eingelassen haben. Adenauer in Moskau, Brandt in Warschau, das sind nur die bekanntesten Beispiele dafür, wie man früher die Sache angepackt hat: Demütig. Überhaupt nicht als Herrenmensch. Und auch ein Helmut Kohl muss Maggie Thatcher dezent gefügig gemacht haben, die vor einem viertel Jahrhundert gegen die deutsche Wiedervereinigung arbeitete: Weil sie Angst vor zu viel Machtkonzentration in Berlin hatte. Man hat sie für ihre Ressentiments belächelt. Nach aussen hat man stets darauf geachtet, dass es schöne Erklärungen für die Geschichtsbücher gab. Adenauer und Brandt haben sich damit geschickt vermarktet, und sind vielleicht in besserer Erinnerung, als sie es verdient hätten. Aber die dezente äussere Erscheinung war in diesen historischen Momenten nicht unglaubwürdig.

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Das war nach der Wiedervereinigung keine Selbstverständlichkeit mehr. Das mussten jüngere Politiker erst wieder lernen. Mit Schmerzen. Ein gutes Beispiel sind die Verhandlungen über die „Entschädigung“ der bis dahin noch lebenden Zwangsarbeiter des Dritten Reiches. Da war Deutschland sehr nahe dran, weniger schöne Augenblicke für die Bücher zu fabrizieren. Damals wurde auf Zeit gespielt im Wissen, dass die Zeit für die Überlebenden ablief. Die deutschen Vertreter überzogen es, bis man in den betroffenen Ländern und überall, wo die Nazis waren und ausbeuteten, diesen weitgehend vergessenen Bereich aufarbeitete. Die Regierung Schröder/Fischer war dann so klug, den Nutzen weiterer Verzögerungen gegen den internationalen Schaden der Geschichte abzuwägen und einen Schritt zu tun, der vielleicht nicht ganz makellos ist, aber deutlich besser als, sagen wir mal

– ein Bild mit bewusst positiv aufgeladener Pickelhaube auf dem Kopf eines deutschen Regierungschefs.

– der es dann auch noch so weit treibt, dass in der New York Times steht, hier geschehe ein Staatsstreich gegen ein souveränes Land.

So etwas kommt in keinem Land, in dem die deutsche Wehrmacht hauste, gut an. Da gibt es nämlich neben Brandt und Adenauer noch ganz andere Erinnerungen an die Deutschen, so übel, dass daneben die hauseigenen Nazis und Kollaborateure wie Mussolini, Metaxas, Quisling, Horthy, Mosley und Franco wie Chorknaben wirken.

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Für Schröder und Fischer war es ein primäres Ziel, genau so einen Pickelhauben-Eindruck zu vermeiden. Sie wollten – unter deutlichem Druck – nicht wie die überlegene Wirtschaftsmacht erscheinen, die berechtigte Forderungen wegwischt, als wären es lästige, dreiste Bittsteller. Sie taten es, weil eine einsichtige und taktisch kluge BRD ganz andere Ziele zu erreichen in der Lage ist, als ein Pickelhauben tragendes Zerrbild eines autoritären Staates deutschen Wesens. Nach innen mögen Politiker wie Franz-Josef Strauss auch anders gepoltert haben. Nach aussen haben sich aber die meisten Politiker enorme Mühe gegeben und keine Kosten gescheut, um mit Wilhelm-Zwo-Preussen und Drittem Reich zu brechen. Dazu hat man das Goethe-Institut in die Welt geschickt und Städtepartnerschaften geschlossen – um mal ein Beispiel zu erzählen: Vor zwei Wochen habe ich von einem älteren Herrn in Schweinfurt ein französisches Rennrad gekauft. Er hat das vor 20 Jahren nur erworben, um damit mit einer Gruppe in die französische Partnerstadt zu radeln. Leute tun so etwas. Ohne Zwang, ohne finanziellen Profit, ohne offizielle Repräsentanten, ohne Hintergedanken. So war das in der BRD und in Europa.

Jetzt hat eine Boulevardzeitung Merkel mit einer Pickelhaube gekrönt und das europäische Volk lernt gerade, was „die heimliche Herrscherin Europas“ in der Realität bedeutet: Ultimaten, um überhaupt in Verhandlungen einzusteigen und Gesetze, die in Brüssel geschrieben werden, und in drei Tagen durch das Parlament der Griechen gebracht werden sollen. Nur um „Vertrauen herzustellen“. Wie demütigend die Verhandlungen dann selbst ausgehen, ist unklar.

Für geschichtsbewusste Deutsche ist es diesmal schwierig, eine formschöne Antwort zu finden, wenn andere Länder morgen Begriffe wie „Kanonenbootpolitik“ verwenden. Oder „Münchner Abkommen“. Oder daran erinnern, dass Anweisungen für zu erlassende Gesetze in anderen Ländern zumindest in Westeuropa aus gutem Grund nach 1945 nicht mehr üblich sind. Auslieferung von Vermögenswerten, Eingriffe in die Tarifautonomie und Sozialgesetzgebung sind, wenn ich an dieser Stelle daran erinnern darf, durch die Europapolitik der deutschen Besatzer nicht minder historisch kontaminiert. Natürlich geht es hier nicht um eine militärische Besatzung, sondern um die Rettung einer Gemeinschaftswährung, und es treten nicht nur die Deutschen brutal auf, sondern auch die Regierungen der früher auch nicht gerade deutschfeindlichen Finnen und Litauer. Und natürlich kann der Zweck in den Augen von Technokraten sogar solche Pickelhauben-Mittel für das grosse Ziel des Euro heiligen. Trotzdem: „Vertraut uns“, war das Credo der deutschen Europapolitik der letzten 70 Jahre. „Befolgt unsere Anweisungen, wenn ihr wollt, dass wir euch vertrauen“, ist das neue Motto, und leider ähnelt es dem, was davor unter dem Joch der Deutschen in Konflikten üblich war. Das deutsche „Nie wieder“ hat ein Kleingedrucktes mit Ausnahmen bekommen, heute Nacht in Brüssel, und es könnte von Oswald Spengler geschrieben sein.

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Zu diesem Zwecke hat die deutsche Nation eine Pickelhaube und einen Burgfrieden zwischen den grossen Parteien und Ultimaten und eigentlich unannehmbare Forderungen auf dem Balkan – die Völker Europas können es sich heraussuchen, zu welcher schrecklichen Epoche der deutschen Geschichte sie hier Ähnlichkeiten sehen wollen. Wir liefern sie en gros und en detail frei Haus und so, wie man das aus der Geschichte kennt: Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Gnade, ohne Grossmut, begleitet von Medien im „Serbien muss sterbien“-Stil. Wir achten weder die anderen noch auf das, was in den letzten 70 Jahren an Vertrauen zu unserem eigenen Nutzen mühsam aufgebaut wurde, um dem Kontinent unser Diktat aufzuzwingen. Niemand ist in Moskau mit Adenauer, niemand ist in Warschau mit Brandt so umgegangen, wie wir jetzt mit den Griechen umgehen.

Das ist nicht nur ein massiver Schaden für das in sieben Jahrzehnten aufgebaute Billionenprojekt des neuen Europa. Es ist nicht nur eine bittere Ironie für eine Gemeinschaft, die noch vor Kurzem den Friedensnobelpreis bekam. Es riecht nicht nur nach Napalm der zur Unkenntlichkeit verbrannten Ideale am Morgen. Für diese letzte Nacht in Brüssel werden die Griechen kurzfristig so oder so einen hohen Preis zahlen. Pleite oder Kapitulation und Protektorat, das ist unser Angebot an die Griechen, und für den Rest des Kontinents gibt es keinen Brandt auf Knien mehr, sondern Pickelhauben-Merkel.

coupa

Es ist der Beginn einer neuen Epoche. Die alte war nett, angenehm und lieferte schöne Geschichten des Wohlstands für dieses Blog. Es war ein hübsches Europa für Tee und Kuchen und Gespräche über Thomas Mann. Niemand hatte die Absicht, über Oswald Spengler zu diskutieren. Wir sind gut damit gefahren, auch wenn es nicht immer ganz billig war. Es hat sich für uns langfristig gelohnt.

This is a coup. Das ist ein Putsch gegen Griechenland. Und gegen die alte BRD.

13. Jul. 2015
von Don Alphonso
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10. Jul. 2015
von Don Alphonso
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Österreichische Sklaven oder wie die CSU lernt, den griechischen Schuldenschnitt zu lieben

De gressdn Lumpn kemman vom nechsdn Doaf

Ins gleissend helle Licht unserer bayerisch-deutschen Geschichte tritt der Österreicher gegen Ende des 9. Jahrhunderts in Form des Ungarnsturms, der, aus dem Osten kommend, das schöne Bayernland und weniger wichtige Regionen überfällt, ausraubt, plündert, missbraucht und schändet. Ein halbes Jahrhundert müssen wir uns mit dieser Geissel der Zivilation herumschlagen – dann haben wir sie auf dem Lechfeld besiegt, vertrieben, im Anschluss daran in ihren finsteren Vorbalkan verfolgt und ihnen als Sklaven und Untertanen der Bayern die Kultur gebracht. Der Österreicher hätte also allen Grund gehabt, uns dankbar zu sein, aber nach seiner Entlassung in die Freiheit im 12. Jahrhundert hat er nicht aufgehört, Bayern zu piesaken. Keine Erbfolgekriege, keine Revolutionswirren, die die Horden dieses postungarischen Balkanvolkes das nicht als Vorwand missbrauchten hätten, und bei uns eingefallen wären. Und als wir ihnen in Zeiten der Aufklärung die Pockenimpfung bringen wollten, haben sie unter Andreas Hofer einen Volksaufstand gemacht, weil sie dachten, ohne Pocken wären sie nicht mehr so gottgefällig schön.

bierga

So sind sie, die Österreicher: Ex Oriente nix, gar nix. Ihre räuberische Natur kommt heute noch in Form des Pickerls zum Ausdruck, mit dem sie als Wegelagerer dem Bayern den Weg in seine Kolonie Gardasee erschweren. Das Verhältnis zwischen kulturbringenden Bayern und rückständigen Österreichern war also noch nie wirklich gut, und nicht von ungefähr lautet ein alter Spruch des Oberlandes „Lieber bayerisch sterben als österreichisch verderben“. Dass dann unsere Landesregierung auch noch den Österreichern – und hier wiederum den Kärntnern, die aufgrund ihrer Liebe zu Jörg Haider innerösterreichisch den Ruf der Österreicher unter Österreichern haben, – die Hypo Alpe Adria Bank abgekauft hat, war eine fatale Fehlentscheidung. Österreichs einzige sinnvolle Rolle in der Weltenmechanik liegt im Niemandsland und Pufferzone zwischen Bayern und dem Balkan. Wie kann man da nur eine Bank kaufen, die genau in diesem Balkan, wie man weiss, fragwürdigste Geschäfte macht?

Bayern ist diese Katastrophe im letzten Moment losgeworden, indem man die Österreicher so angesprochen hat, dass sie es verstehen: Indem man sie erpresst hat, die Bank wieder zu nehmen und mitsamt den restlichen maroden Banken dem Untergang entgegen zu taumeln. Teuer war der Spass, aber immerhin war es ein Spass, Österreicher beim Jammern zu hören, dass sie die Schulden der Bank nicht begleichen können und Kärnten mehr oder weniger bankrott sei. Schöne Antworten hätte man ihnen da geben können, im griechischen Stile: Sie hätten ja das ein oder andere Schloss verkaufen können, ihre weltweit zusammengerafften Kunstsammlungen oder auch den ein oder anderen Berg. Oder gleich das Burgenland, wo die SPÖ mit der FPÖ koaliert. Wir hatten über tausend Jahre Zeit, uns Forderungen einfallen zu lassen, wenn wir sie endlich mal auf Knien sehen: Die Abtretung von Salzburg etwa wäre auch keine schlechte Sache. Und die Autobahn an den Gardasee.

biergb

Natürlich wollte Österreich die Zeche prellen und keinen Pfifferling herausgeben, und so traf man sich vor Gericht. Es sah eigentlich ganz gut aus für Bayern, und unabhängig vom Ausgang hätte man der ganzen Finanzwelt auf Jahre bis zur letzten Instanz zeigen können, wie der Österreicher so ist, wenn es ans Zahlen geht. Fraglos hätte das dem Planeten vor Auge geführt, dass unsere Bayerische Sicht der Geschichte die richtige ist, weil wer zahlt, schafft an, und wenn sie gar nicht mehr hätten zahlen können, hätten wir biblisch geantwortet: Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben, und die Leibeigenschaft wieder eingeführt. So hätten sich die paar Milliarden gelohnt.

Statt dessen hat sich der Freistaat Bayern auf Verhandlungen eingelassen und auf die Hälfte der Forderungen verzichtet. Noch nicht einmal die Kärntner dürfen wir versklaven, und es gibt auch keine Garantie, dass die nächsten 77 Jahre nur Bayern das Wettlesen in Klagenfurt gewinnen dürfen.

Ich habe nachgerechnet: Dieser Milliardentribut kostet pro Bayern zweihundert Mark. Das sind hundert Euro oder 20 Mass Bier im Biergarten. Das schenken wir denen einfach so. Um Prozesse zu vermeiden, um das frostige Klima im Alpenraum zu verbessern. Nach tausend Jahren österreichischer Übergriffe stellt sich die CSU hin und wirft ihnen über eine Milliarde hinterher, als Dankeschön für all die Demütigungen. Der Zeitpunkt war wohl gerade günstig, die CSU poltert gegen Griechenland, da merkt das keiner, denken die, wenn sie einen 50-Prozent-Schuldenschnitt durchschmuggeln, als wäre es ein Hektoliter Strohrum vom Achensee für das Waldfest in Kreuth. Das muss man hier erst einmal verdauen. Daher auch der Strohrum.

biergc

Auf der anderen Seite aber zeigt das: So eine Geste ist möglich, sogar gegen Österreicher. Und Kärntner. Nach all der Geschichte ist es auch für die gegen Griechenland so polternde CSU möglich. Was aber hat uns der Grieche getan? Der Grieche hat uns schöne Vasen und Statuen zukommen lassen, mit denen wir unsere Antikensammlungen gefüllt haben, die wir dann nie besuchen. Der Grieche hat uns nie überfallen, nur als Hilfstruppe war er bei den Belagerungen der Türken vor Wien dabei, aber das ist doch nichts, was man als Bayer nicht verstehen könnte. Ja, vielleicht hat das sogar die Österreicher etwas gestutzt, so dass sie eine Weile von uns ablassen mussten. Die Griechenliebe hat uns schöne Bauten in München geschenkt, die Walhalla ist ein griechischer Tempel, in der Residenz gibt es einen Herkulessaal, den wir auch nie besuchen, und die Säulen, die dieses Blog zieren, wurden dort entworfen. Es mag stimmen, dass das politische System der Griechen ganz massive Ähnlichkeiten mit dem hat, das man auch bei den Österreichern vorfindet, aber man muss auch einmal sagen, dass wir von den Griechen kulturell so profitiert haben, wie die Österreicher von uns hätten profitieren können.

Die Bildzeitung versteht das nicht, weil es mit Kultur zu tun hat. Aber wer einen Biergarten besucht, der merkt, dass das Volk die hundert Euro an die Österreicher schon verschmerzt hat. Ein ähnlicher Schuldenschnitt für Griechenland würde pro Person im schlimmsten Falle ungefähr 270 Euro kosten. Aber diesmal nicht nur die Bayern, sondern auch Schwaben, Frankfurter, Rheinländer und jede andere Art von Preussen. Auch die Österreicher müssten zahlen.

Da sehe ich eine gute Möglichkeit für die Staatspartei, aus dem bisherigen Kurs gegen die Griechen heraus zu kommen. Alles, was man braucht, ist eine grössere internationale Krise wie den Zusammenbruch der Aktienmärkte in China. Dann sind die Leute wieder froh, in Europa zu leben. Für die Verluste durch einen Schuldenschnitt haftet der Bund, und es wäre doch gelacht, wenn man das nicht als Grund nehmen könnte, warum wir erstens eine Maut für alle brauchen und zweitens Bayern weniger Bundesfinanzausgleich zahlen will. Das ist zwar hanebüchen und mindestens so dreist wie die Schummelei der Griechen beim Euroeintritt, aber es sichert hier wie dort den Machterhalt, und wir können uns das leisten wie den Apfelstrudel zur Nachspeise.

biergd

Die Österreicher dagegen werden gleich wieder das Geld los, das wir ihnen gaben, und das für ihre marode Bank draufgehen sollte. Das geht an die Griechen. Mit Zins und Zinseszins. Man darf so einen Schuldenschnitt nicht isoliert betrachten, man muss ihn ganzheitlich sehen und als guter Europäer überlegen, wem er am wenigsten schadet: Uns. Und wem am meisten:

….

Ich sehe da also durchaus eine gute Chance, dass die Bayerischen Staatsregierung über das Wochenende eine Wende einleiten kann, die ihnen beim Volke angesichts der nachbarschaftlichen Schuldenversklavung ganz sicher nicht schaden wird, und ich hätte dann gern die Rosenkranzmadonna von Caravaggio aus dem Kunsthistorischen Museum Wien für meine Küche, da ist nämlich noch etwas Platz. Das haben wir heute im Biergarten so besprochen und die P. wird das dem Seehofer, der keine drei Kilometer von hier wohnt, auch so darlegen.

10. Jul. 2015
von Don Alphonso
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